Prasada Chandrika

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Prasada Chandrika (Sanskrit: प्रासादचन्द्रिका prāsādacandrikā f.), „Mondlicht des Prāsāda“, ist eine kurze, hochkonzentrierte Schrift des Śaiva Siddhānta über innere Yoga-Aufstiege, Mantra, Prana, Nāḍī, Sushumna, Nada, Shakti, Sāmarasya, Viṣuva und die rituell-yogische Vereinigung des Schülers mit Paraśiva. Die Muktabodha-Metadaten nennen Jñānaprakāśa als Autor und als Grundlage das IFP-Transkript T0093, Seiten 1–12.

Muktabodha beschreibt die Schrift ausdrücklich als auf Auszügen aus dem Suprabhedāgama und dem Svāmbhuva beruhend und als Darstellung einer Folge yogischer Aufstiege mit verschieden bezeichneten Stationen.

Nāḍīs und Chakras als moderne Veranschaulichung. Die Prasada Chandrika führt die vielen Nāḍīs in der Suṣumṇā zusammen und beschreibt einen stufenweisen inneren Aufstieg.
Shiva – Ziel des in der Prasada Chandrika beschriebenen Aufstiegs ist die völlige Vereinigung des Ātman mit Paraśiva.
Ida, Pingala und Sushumna in einer modernen Yoga-Darstellung. Im Text selbst steht besonders die Suṣumṇā als mittlere Nāḍī im Mittelpunkt.

Einführung: Sāmarasya, Viṣuva und Yojanā

Die Prasada Chandrika ist kein allgemeines Yoga-Handbuch. Sie beschreibt einen hochspezialisierten Śaiva-Siddhānta-Prozess, der offenbar in einen Initiations- und Ācārya-Kontext gehört.

Drei Begriffe strukturieren den Text:

Sāmarasya bedeutet völlige Gleichheit, Harmonie oder Wesenseinheit. Nāḍīs, Vāyus, Mantra, Ātman und Śakti werden stufenweise in eine nicht getrennte Erfahrung geführt.

Viṣuva bezeichnet innere Übergangs- oder Gleichgewichtspunkte. Die Schrift zählt sieben Formen und verbindet sie mit Prāṇa, Mantra, Nāḍī, Praśānta, Śakti, Kāla beziehungsweise Vaikalya und Tattva.

Yojanā bedeutet „Verbindung“, „Einsetzung“ oder „Vereinigung“. Hier bezeichnet es den Vorgang, durch den der Schüler über Mantra, Bhāva, Kriyā und yogische Atemlenkung mit Paraśiva verbunden wird.

Besonders wichtig sind außerdem die subtilen Stationen Bindu, Ardhacandra, Nirodhinī, Nāda, Śakti, Vyāpinī, Samanā und Unmanā.

Hinweis zur Textgestalt
Die vorliegende Transkription weist zahlreiche mit Sternchen markierte Lücken auf. Diese fehlenden Silben und Wörter werden in der deutschen Wiedergabe nicht ergänzt. Wo ein Vers nur teilweise verständlich ist, wird ausdrücklich nur der sicher erkennbare Zusammenhang wiedergegeben; unsichere Einzelwörter werden nicht stillschweigend rekonstruiert.

Vollständiger deutscher Text

Einleitender fragmentarischer Abschnitt
Der erhaltene Text setzt bereits innerhalb einer technischen Lehre ein. Mehrere Wörter fehlen. Er erwähnt Kalās, dreifache innere Gruppierungen und Leere beziehungsweise Śūnya. Der sichere Zusammenhang lautet: Nach der Erklärung von Śūnya soll nun Sāmarasya, die völlige Gleichheit und Verschmelzung, verstanden werden.

Verse 1–3 – Sieben Stufen des Sāmarasya
1. Zuerst wird Śūnya erklärt; nun höre die Lehre vom Sāmarasya. Im eigenen Selbst liegt die erste beziehungsweise zweite hier nur fragmentarisch erhaltene Stufe.

2. Die dritte Stufe befindet sich in der Nāḍī, die vierte in Śakti, die fünfte im Bereich der Vyāpinī und die sechste in Samanā.

3. Die siebte wird als Sāmarasya im Tattva vollzogen. Der Lehrer soll den Ātman des Schülers nach der zuvor erklärten Methode Schritt für Schritt dorthin führen.

Verse 4–6 – Sammlung der Nadis und Vayus
4. Danach verbindet er ihn mit dem eigenen Selbst und stellt ihn sich gleichsam verflüssigt und unterschiedslos geworden vor. Mit Pūrakā und Kumbhaka wird der Atem durch Samāna gesammelt und zurückgehalten.

5. Alle Nāḍīs des Körpers – quer, aufwärts und abwärts verlaufend – werden durch Samāna zusammengezogen und zu einer Einheit gebracht.

6. Die in ihnen wirkenden Vāyus gelangen durch Prāṇa in Sāmarasya. Die Nāḍīs selbst werden in der Suṣumṇā vereinigt und dort gesammelt.

Verse 7–10 – Mantra, Nadi und die fünf Ursachen
7. Dann wird das Mantra intoniert. Die folgende Lesart ist teilweise beschädigt. Sicher ist: Mantra, Ātman und Nāḍī sollen zu einer einzigen Sāmarasya-Erfahrung werden.

8. Danach wird der Nāḍī-Strom links, rechts und nach oben freigegeben. Wer auf dem durch Setubandha bezeichneten Weg gelangt, wird – so die traditionelle Verheißung – nicht wieder geboren.

9. Brahmā, Viṣṇu, Rudra, Īśvara und Sadāśiva gelangen dort zur Gleichheit. Die unterschiedlichen Kausalebenen werden in ihrer Einheit erkannt.

10. In diesem inneren Raum wird Nāda erhoben, bis er in Śakti aufgeht. Der restliche Wortlaut ist beschädigt; der Zusammenhang beschreibt die Verschmelzung des Lautes in der Śakti.

Verse 11–16 – Shakti, Vyapini, Samana und die siebte Einheit
11. Dort wird alles als von Śakti erfüllt erkannt; alles gelangt in Sāmarasya. Höher steigt der Prozess in Vyāpinī auf, und alles wird von ihr durchdrungen.

12. Weil sie alles ringsum durchdringt, heißt sie Vyāpinī. Oberhalb davon erreicht man Samanā und wird wiederum mit ihr wesenseins.

13. Samanā ist als allgegenwärtig zu erkennen und ruht im Sāmarasya. Nach Überschreitung der sechsten Gleichheitsstufe wird die siebte erreicht.

14. Der Vers ist teilweise beschädigt. Der sichere Sinn ist: Diese höchste Ebene ist nicht nur durch Denken erfassbar und ist in allen Wesen, Zuständen, Tattvas und Sinneskräften gegenwärtig.

15. Sie besteht im Beweglichen und Unbeweglichen, im Bewussten und Unbewussten; alles wird nach oben hin von ihr durchdrungen und ruht in Sāmarasya.

16. Auch hier fehlen Wörter. Beschrieben wird ein Geist, der in festem innerem Zustand ruht und schließlich in eine volle, gleichmäßige Ganzheit eintritt.

Verse 17–21 – Die sieben Vishuvas
17. So ist Sāmarasya erklärt; nun folgt Viṣuva. Als erstes gilt das Prāṇa-Viṣuva. Die zweite Stufe ist im Text beschädigt, steht aber im Zusammenhang mit Mantra.

18. Als dritte wird Nāḍī-Viṣuva genannt, als vierte Praśānta, als fünfte Śakti-Viṣuva und als sechste Vaikalya.

19. Die siebte ist Tattva-Viṣuva. Danach wird die innere Unterteilung erklärt. Ātman, Manas und Prāṇa werden miteinander verbunden.

20. Der Anfang ist fragmentarisch. Das Mantra-Viṣuva besteht darin, das Mantra so zu rezitieren, dass der Geist während der ganzen Intonation nicht zu etwas anderem abschweift.

21. Durch die Unterscheidung von Parā und Aparā wird das Mantra als Ātman verstanden. Der folgende Übergang zur nächsten Viṣuva-Stufe ist nur teilweise erhalten.

Verse 22–26 – Nadi-Vishuva und Prashanta
22. Unter allen Nāḍīs befindet sich in der Mitte die Suṣumṇā. Sie ist jene Nāḍī, durch deren Śakti man zu Śiva gelangt.

23. In ihr soll Nāda strömen. Die weitere Definition des Nāḍī-Viṣuva ist beschädigt; danach kündigt der Text die nächste Form von Viṣuva an.

24. Mit Prāṇa wird die Intonation durchgeführt. Die sechs Kausalebenen werden Stufe um Stufe überschritten und zurückgelassen.

25. In der siebten Ebene liegt das, was jenseits des gewöhnlichen Sinnesbereichs friedvoll ist. Praśānta wird als zum Stillstand gekommen erkannt; im Gestillten entsteht Unbewegtheit.

26. Unbewegtheit wird wellenlos; aus der Wellenlosigkeit entsteht Festigkeit und schließlich volle Gleichheit. Der Schluss des Verses ist beschädigt.

Verse 27–34 – Shakti-Vishuva, Kala und Tattva-Vishuva
27. Dies ist das Praśānta-Viṣuva. Nun höre die Lehre von der Śakti-Bedingung: Wenn der in Śakti eingegangene Nāda sich darüber hinaus bewegt, beginnt eine neue Stufe.

28. Bis dorthin reicht Śakti-Viṣuva. Nun wird Kāla erklärt. Die genaue Zeitmessung ist fragmentarisch; ein Zusammenhang mit einer Sechzehnteilung ist erkennbar.

29. Kāla wird als so kurz wie das Zucken einer Augenbraue bezeichnet. Nach Parā- und Aparā-Aspekt wird er wiederum dreifach betrachtet.

30. Aparā reicht bis zu einer sechzehnten Stufe; eine siebzehnte gilt als Parā. Die Zwischenform Parāparā ist textlich beschädigt.

31. Ein einziger Prāṇa wird so in drei Zeiten gegliedert. Die erste wird oberhalb des Mondes, die zweite in Vyāpinī lokalisiert.

32. Die dritte liegt in Samanā. Dies wird als Kāla-Viṣuva bezeichnet. Der folgende Übergang zur siebten Tattva-Stufe ist teilweise verloren.

33. Unmanā liegt jenseits davon. In sie soll der Ātman eingesetzt werden. Mit ihr verbunden wird der Ātman von ihrem Wesen erfüllt.

34. Tattva-Viṣuva steht über den anderen Ebenen. Wer Viṣuva in dieser Weise erkennt – so der Text –, wie könnte der nicht aus Bindung befreit werden?

Verse 35–38 – Yojana und Verbindung mit dem höchsten Shiva
35. So ist Viṣuva erklärt; nun folgt Yojanā, die Verbindung beziehungsweise Einsetzung. Mantra, Bhāva und Kriyā werden dabei auf den höchsten Śiva ausgerichtet.

36. Der Übende erkennt den Sitz des Vidyā-Tattva, ruht im Bindu-Tattva, nimmt Nāda und Śakti als seinen inneren Leib und verbindet sich mit Vyāpinī.

37. Mit Erkenntnis durchschreitet er die gesamte Folge bis Samanā. Ein Teil des Verses fehlt; die eigene Gestalt wird durch das Höhere erfüllt.

38. Das Höchste wird als jenseits des Adhvan beschrieben und zugleich als in dessen innerster Mitte gegenwärtig. Durch die Pūrṇāhuti wird der gebundene Paśu in das Höchste eingesetzt.

Verse 39–43 – Rituelle Körperhaltung und Nichtdualität des Tattva
39. Der Vers beschreibt eine körperlich-rituelle Anordnung mit aufrechter Haltung, Nabelbereich und einer bestimmten Ausrichtung des Gerätes beziehungsweise der Handlungen; einzelne Wörter fehlen.

40. Zwei Schöpflöffel beziehungsweise rituelle Geräte werden übereinander angeordnet; eine Blume wird gegeben, die Hände sind mit Darbha-Gras verbunden.

41. Mit beiden Händen wird das Gerät sorgfältig ergriffen. Die rechte Hand liegt vorn am Mundbereich, die linke rückwärtig.

42. Es wird mit beiden Fäusten gehalten; durch eine Hebebewegung entsteht ein bestimmter innerer Abhimāna, dessen Schlussformel beschädigt ist.

43. Der zentrale Gedanke ist klar: „Ich selbst bin das höchste Tattva.“ Parā und Aparā werden unterschieden, doch das Tattva ist überall eines; eine andere Wirklichkeit soll nicht konstruiert werden.

Verse 44–47 – Mantra, Jnana-, Kriya- und Iccha-Shakti
44. Mit dem „Dreizack des Mantras“ und der entsprechenden Mudrā beziehungsweise Bhāva-Kraft werden die Begrenzungen durchstoßen. Mantra steht mit Jñāna- und Kriyā-Śakti in Verbindung.

45. Bhāva wird als Manas bezeichnet. Der innere Gegenstand wird vom Geist erfasst und ist von Icchā-Śakti getragen.

46. Wo immer Icchā auftritt, setzt sich Jñāna in Bewegung. Durch Verbindung mit dem entsprechenden Instrument entsteht die Intonation beziehungsweise Verwirklichung des Tattva.

47. Ohne das Instrument der Kriyā gibt es keine wirkliche Intonation. Der Text ordnet diesen Vollzug in eine dreifache Struktur ein, deren genaue Lesung beschädigt ist.

Verse 48–56 – Drei Karanas, Atem und innerer Verschluss
48. Der kundige Lehrer wendet das erste Instrument auf das Tattva an; mit dem zweiten werden die Tore des Körpers verschlossen. Einzelne Wörter fehlen.

49. Dann wird das dritte, „göttliche“ Karaṇa hergestellt. Mit Pūrakā und Kumbhaka werden die inneren Tore kontrolliert.

50. Wird das untere Tor verschlossen, gelten auch die anderen Tore als gebunden. Ein oder zwei obere Tore werden im Zusammenhang mit dem aufsteigenden Strom betrachtet.

51. Der Vers ist fast vollständig beschädigt und kann nicht zuverlässig übersetzt werden.

52. Die inneren Kräfte werden durch Kumbhaka gesammelt und entfalten sich ringsum. Danach wird das Karaṇa vollzogen; nun folgt seine Kennzeichnung.

53. Die Zunge wird an den Gaumen gelegt und etwas nach oben geführt; der Mund wird in einer bestimmten Weise geöffnet. Mehrere Wörter fehlen.

54. Zahnreihen, Blick und aufrechter Körper werden ausgerichtet. Dies wird als „göttliches Karaṇa“ bezeichnet.

55. In diesem Karaṇa wird die entsprechende Intonation vorgenommen. Der angehaltene Prāṇa wird danach sehr langsam ausgeatmet.

56. Nāḍīs, Granthis und Padmas liegen so im Körper. Durch Recaka werden sie erfasst und in den aufwärts gerichteten Strom gebracht.

Verse 57–66 – Durchstoßen der Granthis, Bindu, Ardhacandra und Nirodhini
57. Mit dem „Dreizack der Erkenntnis“ werden die Granthis durchstoßen. Beim Durchbrechen des Herzlotus-Knotens wird ein Laut wie „dhunu-dhunu“ beschrieben.

58. Wenn der Prāṇa die Mitte des Gaumens erreicht und die dortigen Knoten durchdringt, wird ein Laut wie „ghumu-ghumu“ gehört. Die Quelle druckt hier erneut die Versnummer 54; diese auffällige Zählung wird nicht stillschweigend korrigiert.

59. Solche Erfahrungen werden beim Wandern des Prāṇa beschrieben. Drei Kalās liegen dabei nacheinander übereinander.

60. Wo der Prāṇa verweilt, nimmt der Ātman entsprechend dieser Ebene deren Form und Bewegungsweise an. Teile des Verses sind beschädigt.

61. Wenn der Prāṇa zwischen die Augenbrauen gelangt, entsteht ein Sphoṭa-Laut. Beim Durchbrechen des Bindu wird ein weiterer, textlich nur teilweise klarer Laut beschrieben.

62. Die folgende Passage ist beschädigt; sie verbindet Bindu, den Lehrer und einen Zustand, der außen und innen überschreitet und mit Mokṣa verbunden ist.

63. Nach Durchstoßen des Bindu soll Ardhacandra visualisiert werden. Beim Durchbrechen des Halbmondes erscheint im Stirnbereich ein Laut wie „simi-simi“.

64. Nach Ardhacandra wird Nirodhinī durchbrochen; dabei erscheint ein Laut wie „śimi-śimi“.

65. Diese drei Stationen besitzen jeweils Kalā-Gruppen. Der Prāṇa wandert durch sie; wo er sich niederlässt, geschieht die entsprechende Angleichung.

66. Der Ātman nimmt die jeweilige Form an und erreicht die entsprechende Gati. Nach Nirodhinī gelangt man erneut zum Nāda.

Verse 67–76 – Nada, Brahmarandhra, Shakti, Vyapini und Kevala
67. Dort entsteht ein sehr feiner Laut, mit dem Klang einer Flöte beziehungsweise Bambusröhre verglichen. Der Nāda-Ort wird durchbrochen; dieser wird mit dem Brahmarandhra verbunden.

68. Beim Durchbrechen des Brahmarandhra erklingt nach dem Text ein Laut wie „śama-śama“. Der in Śakti eingegangene Prāṇa gleicht dem Ende eines Flötenklanges.

69. Dann wird jene Śakti durchstoßen, die selbst für Yogis schwer zu durchdringen ist. Die lautliche Beschreibung dieses Übergangs ist teilweise beschädigt.

70. Nachdem Śakti durchdrungen ist, wird das Verbleibende als Vyāpinī erfahren. Ein körpernahes Zeichen wird wie das Kribbeln einer Ameise beschrieben.

71. Wieder werden drei Stationen mit Kalā-Gruppen genannt. Wo immer der Prāṇa eintritt, nimmt er die entsprechende Form an.

72. Daher soll man mit größter Sorgfalt diese Bereiche durchdringen und zur höchsten Gati gelangen. Nach Vyāpinī folgt eine nur fragmentarisch erhaltene Aussage über den Geist.

73. Indem der Geist mit dem Geist selbst überschritten wird, gelangt der Jīva in Kevalatā, die reine Alleinheit. Dort ist der Jīva als Ātman mit Jñāna und Kriyā verbunden.

74. Von allen Bindungen befreit, steht er jenseits aller Pfade und Stufen als reine Erkenntnis allein.

75. Er nimmt keinen anderen Zustand mehr an und wird paraśivātmaka, von der Natur des höchsten Śiva. Frei von Parā- und Aparā-Unterscheidung ruht der Ātman in sich selbst.

76. Dies ist Ātma-Vyāpti. Darüber hinaus liegt Śiva-Vyāpti: frei von allen Begrenzungen und vom gesamten Adhvan.

Verse 77–86 – Von Atma-Tattva zu Unmana und Para-Shiva
77. Wer das höchste Tattva erkannt hat und Śivatva verwirklicht, gelangt auf dem Śaiva-Weg zum höchsten Śiva.

78. Wer nur im Ātma-Tattva verweilt, erreicht dessen eigene Ebene. Deshalb soll selbst die Identifikation mit dem begrenzten Ātman überschritten werden, wenn man Śiva verwirklichen will.

79. Nach dem Ātma-Tattva wird der Übende in Vidyā-Tattva eingesetzt. Unmanā wird als ein Zustand bezeichnet, der über gewöhnliche mentale Konstruktion hinausweist.

80. Weil sie jenseits dessen liegt, was der Geist nacheinander konstruiert, ist sie die höchste Vidyā, über die hinaus es keine andere gibt.

81. Dort werden die höheren Eigenschaften gleichzeitig erkannt; durch das Erwachen des Paramātman werden die gewohnten Eigenschaften von Erfahrung überschritten.

82. Weil diese Vidyā das Höchste offenbar macht, heißt sie Vidyā. In ihr erscheint jenes Licht, das höchste und ursprüngliche Ursache ist.

83. Wenn das höchste Licht offenbar wird, gelangt der dort Verweilende zu Śiva-Sein – wie eine Flamme, die aus verborgenem Feuer sichtbar hervortritt.

84. Der Ātman mit den zehn Prāṇas geht in dieser Stufe auf. Ebenso soll der höchste Lehrer die Identifikation beziehungsweise den Abhimāna ausrichten.

85. „Ich selbst bin der höchste Haṃsa, Śiva, die höchste Ursache.“ In meinem Prāṇa wird die Auflösung des Selbst geschaut; wer dies verwirklicht, erreicht die höchste Gati.

86. Wer dies in Wahrheit erkennt, erkennt es wie Feuer mitten im Körper. Wie man über die bloße Feueröffnung hinausgeht, so setzt der Lehrer den Schüler in das Höchste ein.

Verse 87–90 – Bhoga, Siddhi und Aufgehen im Shiva-Ozean
87. Aus dem Sūkṣma-Svāyambhuva wird zitiert: Wo immer jemand bestimmte Erfahrungen beziehungsweise Bhogas begehrt, wird er dort entsprechend eingesetzt. Mantra-Kraft und Siddhi führen zu den jeweiligen Ebenen.

88. Wer im höchsten Tattva eingesetzt ist, ist mit Eigenschaften wie Allwissenheit verbunden und wird – ungeteilt und überall – zu dem einen Śiva.

89. In vollständiger innerer Sammlung mit Śiva verbunden, soll kein Getrenntsein mehr entstehen – so wie der Strom eines Flusses in den Ozean eintritt.

90. Wenn der Fluss in den Ozean eingegangen ist, wird er mit dem Meer wesenseins und nimmt keine frühere Trennung mehr an. Ebenso geht der Ātman in den Śiva-Ozean ein.

Verse 91–98 – Der Acarya als Shiva
91. Nachdem all dies erkannt ist, soll der Schüler in das Tattva eingesetzt werden. Wer dieses Verfahren vollzieht, erkennt den Ācārya als von Śiva erfüllt.

92. Weil der Ācārya mit Śiva geht und in Śiva wirkt, heißt er Ācārya. Daher soll man gegenüber dem Deśika keine bloß menschliche Vorstellung hegen.

93. Ācārya, Mantra, Śiva-Erkenntnis und Śiva selbst sollen nicht als voneinander getrennte Wirklichkeiten behandelt werden. Die Lesung des zweiten Halbverses ist beschädigt.

94. Ob Brahmane, Kṣatriya, Vaiśya oder Śūdra: Wer ordnungsgemäß in das Ācārya-Amt eingesetzt ist, gilt als Śiva. Diese Aussage relativiert im initiatorischen Kontext ausdrücklich soziale Herkunft.

95. Wer solche Lehrer nur nach ihrer früheren sozialen Gestalt betrachtet, wird vom Text in drastischer religiöser Sprache verurteilt.

96. Mit jemandem, der diese Śiva-Sicht verleugnet, soll ein Befreiungssuchender nach der historischen Vorschrift nicht verkehren; andernfalls teile er dessen Gati.

97. Deshalb sollen alle ordnungsgemäß eingesetzten Lehrer als Śiva-gleich angesehen werden. Nach dieser Erkenntnis folgen Bhukti und Mukti.

98. Durch die Erkenntnis von Jñāna und Jñeya vermag der Ācārya nach der Verheißung des Textes zahllose Angehörige seiner Linie zu „übersetzen“, also spirituell zu retten.

Verse 99–105 – Eine Bhairaviya-Jati der Initiierten
99. Ein Deśika, der dieses Verfahren kennt und die betreffende Initiation vollzogen hat, kann nach dem Text aus Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas, Śūdras oder anderen Gruppen stammen.

100. Im Śiva-Dhāman besitzen sie alle denselben Dharma. Sie werden als mit Jaṭā versehen und mit heiliger Asche bedeckt beschrieben.

101. Der Text spricht von gemeinsamen Regeln für Putrakas, Sādhakas und andere initiatorische Gruppen.

102. Für Naiṣṭhikas gilt dasselbe: Sie sollen keine Trennung sehen. „Nur eine Jāti ist hier erinnert – die Bhairavīya – nach Śivas Gebot.“

103. Für Sādhakas, Putrakas und Samayins gilt die entsprechende mantra- und initiationsbezogene Ordnung.

104. Der Vers behandelt Prāyaścitta bei Verletzung dieser Gleichheitsordnung und nennt unterschiedliche Fristen. Seine soziale Terminologie ist historisch und wird nicht als moderne Kastenethik übernommen.

105. Wer nach einer solchen Verfehlung wieder rechtes Verhalten annimmt, soll zur höheren Gati zurückfinden. Teile der Lesung sind beschädigt.

Verse 106–108 – Das Prasada-Mantra und die Schlussverheißung
106. Das ehrwürdige Prāsāda-Mantra wurde vom „Gott der Götter“ verkündet. Wer es siebenmal wiederholt, soll die Frucht aller Tīrthas erlangen.

107. Der Text behauptet, seine Kraft könne rituelle Unvollständigkeit überwinden und auch Vorfahren – Väter, Großväter und Urgroßväter – erreichen.

108. Sie sollen dadurch in die unvergängliche Śiva-Welt gelangen. Wer den Prāsāda-Nāda erhebt und beständig rezitiert, soll innerhalb von sechs Monaten Aṇimā und andere Siddhi-Eigenschaften erlangen.

Kolophon
Damit endet in der Prāsādacandrikā, die von Aruṇadeva aus der Überlieferung des am Nordufer des heiligen Kalālaya lebenden älteren Lehrers Jñānaprakāśa zusammengestellt wurde, die Lehre über Mātrā, Jyotis, Kāraṇeśvara-Stufen, Adhvan, Sāmarasya, Bhāva, Viṣuva, Śabda, Yojanā und die entsprechenden Methoden.

Verehrung dem ehrwürdigen Aruṇācala.

Vollständiger Sanskrittext in Umschrift

Die folgende Umschrift gibt den vollständigen erhaltenen Muktabodha-Text bis zum Kolophon wieder. Alle Lückenzeichen der Quelle bleiben erhalten.

|| prāsādacandrikā ||

  • * * dikākhya kalāsu madhyatrikatrikeṇāṃ lirahātriśūnyam ekaikahāne

triśūnyam śūnyāt paraṃ yojayathāmaśaivam |

śūnyaṃ tāvat samākhyātaṃ sāmarasyaṃ nibodha me |
ātmanye * * * * * * tro jñeyo dvitīyakam || 1 ||

tṛtīyaṃ nāḍisaṃsthaṃ tu śaktau kuryāccaturthakam |
pañcamaṃ vyāpine sthāne samanāyāṃ tu ṣaṣṭhakam || 2 ||

tatve samaraso deva saptamaṃ tu vidhīyate |
śiṣyātmāna hya pūrvoktavidhinā kramāt || 3 ||

paścādātmani saṃyojya lolībhūtaṃ vicintayet |
pūrakaṃ kuṃbhakaṃ kṛtvā samānena nirodhayet || 4 ||

yāvatyo nāḍayo dehe tiryagūrdhvamadha * * |
samānena samākṛṣṭamekī bhūtā bhavanti tāḥ || 5 ||

tāsu vai vāyavaste'pi prāṇena samarasaṃgatāḥ |
nāḍyastu suṣumnāyām ekībhūtā vyavasthitāḥ || 6 ||

p. 2)

tato vai uccarenmantraṃ nā * * * * cintayet |
mantramātmā tathā nāḍirevaṃ samarasaṃ bhavet || 7 ||

vāmadakṣiṇaūrdhve tu tato nāḍiṃ pramocayet |
setubandhena yanmārgaṃ tatra gatvā na jāyate || 8 ||

brahmā viṣṇuśca rudraśca īśvaraśca sadāśivaḥ |
ete'tra samatāṃ yānti tanmayāta pṛthak pṛthak || 9 ||

tasmin samuccarennādo yāvacchaktau layaṃgataḥ |
śaktimadhyagato noḍeśśaktyā tā * * * yate || 10 ||

sarvaṃ śaktimayān tatra sarvaṃ samarasaṃ bhavet |
tadūrdhvaṃ vyāpinīṃ vyāpya sarvaṃ tanmayatāṃ vrajet || 11 ||

samantād vyapnaved yasmāt vyāpinītyabhidhīyate |

  • * mūrdhve samanāṃ prāpya tanmayatvaṃ vrajet punaḥ || 12 ||

sā ca sarvagatā jñeyā sāmarasyena saṃsthitā |
ṣaṣṭhaṃ samarasaṃ tyaktvā saptamaṃ tu tato vrajet || 13 ||

taṃ mā * * * * * * bhavatyapi vicāraṇāt |
sa ca sarveṣu bhūteṣu bhāva tatvendriyeṣu ca || 14 ||

sthāvare jaṅgame caiva cetanā cetane sthitaḥ |
ūrdhvā na vyāpya sarvaṃ tu sāmarasyena saṃsthitaḥ || 15 ||

pranaha * * * * * * nināmapi yo manaḥ |
yasyājñā samayobhāvasthiraḥ pūrṇasamaṃ tataḥ || 16 ||

p. 3)

evaṃ samarasaḥ prokto viṣuvaṃ tu nibodhate |
prathamaṃ prāṇaviṣuvaṃ mantro jñeyaṃ mantro * kam || 17 ||

tṛtīyaṃ nāḍiviṣuvaṃ praśāntaṃ ca caturthakam |
pañcamaṃ śaktiviṣuvaṃ ṣaṣṭhaṃ vaikalyamucyate || 18 ||

saptamaṃ tatvaviṣuvaṃ pravibhāgastvathocyate |
ātmānaṃ ca manaḥ prāṇaissaṃyojya viṣuvaṃ || 19 ||

  • viṣuvamākhyātaṃ mantraṃ viṣuvamucyate |

mantramuccārayed yāvattāvannānyamanā bhavet || 20 ||

parāparavibhāgena mantrātmānaṃ taducyate |
mantraṃ viṣuvami * * * * * sthānaṃ nibodhate || 21 ||

sarvāsāmeva nāḍīnāṃ madhye yāṃ saṃvyavasthitā |
suṣumnā nāma sā jñeyā nāḍīśaktyā śivaṃ gatā || 22 ||

tatra pravāhayennādaṃ nāḍī viṣa * * * * |

  • * * viṣuvaṃ caiva adhunā kathayāmi te || 23 ||

prāṇena tu samuccārya kāraṇānyaṅguleṅgule |
tānyavasthātparityajya kāraṇāni ṣaḍeva tu || 24 ||

saptame * * * * * praśāntendriyagocaram |
praśāntastamito jñeyostimite niścalassmṛtaḥ || 25 ||

niścalo nistaraṃgaśca sthirapūrṇassamaṃ tataḥ |
evaṃ bhavaṃ sa (mā) sthāya deśā * * * * * * || 26 ||

p. 4)

etatpraśāntaviṣuvaṃ śaktyupādhirnibodhame |
śaktimadhye gato nādaḥ tadūrdhvaṃ kecaredyadā || 27 ||

tāvattacchakti viṣuvaṃ kālākhyaṃ tu nibodhame |
tṛṭa ṣoḍaśikāyā tu prāṇa * * * * * || 28 ||

kālo bhrūkṣepamātrastu tantrānte kathito mayā |
parāpara vibhāvena punareva tridhā kuru || 29 ||

aparaṣṣoḍaśī yāvat kālassaptadaśaḥ paraḥ |
parāparastu yatkālaḥ supriya * * * * prabhuḥ || 30 ||

prāṇamekaṃ tridhākālaṃ kṛtvā caivaṃ yajetpunaḥ |
aparaśśaśimūrdhvastho vyāpinyāṃ tu dvitīyakaḥ || 31 ||

tṛtīyaṃ samanāsthāne kālo viṣuvamucyate |

  • * ḥ samākhyātaḥ saptamaṃ tatvamucyate || 32 ||

unmanā paritā devi tatrātmānaṃ niyojayet |
tasminyuktastato hyātma tanmayaṃ ca prajāyate || 33 ||

tatvākhyaṃ vi * * * vi sarveṣāṃ parata sthitaḥ |
viṣuvaṃ nyaivaṃ vidhaṃ jñātvā ko na mucyeta bandhanāt || 34 ||


evaṃ viṣuvamākhyātaṃ yojanā ca tathocyate |
mantrabhāvakriyā * yojanāyetu pare śive || 35 ||

vidyātatvāspadaṃ budhvā bindutatvāsane sthitaḥ |
nādaśaktitanuścaiva vyāpinīkaraṇānvitaḥ || 36 ||

sarvaṃ jñātvāvabodhena samanāntaṃ carestu saḥ |

  • * * * tparaṃ proktaṃ tena cā pūritā tanuḥ || 37 ||

adhvātītaṃ paraṃ proktaṃ paraṃ cādhvamadhyamedhyagam |
pūrṇāhutyā rasopeta paśuṃ yojayate pare || 38 ||

ūrdhvaṃ * * * vassaha samapādo vyavasthitaḥ |
nābhisthāne sṛjenmūlaṃ mukhenāgramukhaṃ samam || 39 ||

sṛcopari sṛcaṃ devī kritvā caiva madhomukham |
puṣpaṃ datvā sṛvāle tu darbhena sahitau karau || 40 ||

ma * * * * hastābhyāṃ gṛhītvā yatnato'pi ca |
mukhāgre dakṣiṇaṃ hastaṃ vāmaṃ vai pṛṣṭhataḥ priye || 41 ||

muṣṭibhyāṃ saṃgṛhītvā tu utthānakarayogataḥ |
tato tena saṃprāpya abhimānaṃ tu kāra * * || 42 ||

  • * hameva paraṃ tatvaṃ parāpara vibhāgataḥ |

tatvamekaṃ hi sarvatra nānyabhāvaṃ tu kārayet || 43 ||

bhedayenmantraśūlena mudrābhāvayutena ca |
mantro vai jñānaśaktiṃ ca caiva kriyātmikā || 44 ||

bhāvaśca mana ityuktaṃ tanmaṇā buddhipūrvakam |
varaśca manasāgamya icchāśaktyātvadhiṣṭhitaḥ || 45 ||

yatra yatra bhavedicchā jñānaṃ tatra pravarta |

  • * karaṇasaṃyogāt tatvasvoccāraṇaṃ bhavet || 46 ||

p. 6)

kriyākaraṇahīnasya na caivoccāraṇaṃ bhavet |
kriyākaraṇarūpeṇa na caiva trividhā smṛtā || 47 ||

e * * * * * tatvaṃ karaṇena vicakṣaṇaḥ |
nātyuccaraṃ dvitīyena dvārāṇāṃ saṃ nirodhanam || 48 ||

tṛtīyaṃ karaṇaṃ divyaṃ krītvā vai tatvamucaret |
pūrakaṃ kuṃ * * * * * * dvārāṇi pādayet || 49 ||

gudadvāreṇa ruddhena sarve ruddhā bhavanti hi |
dvāramekaṃ dvitaṃ cordhve pravāhāttadvicintayet || 50 ||

nā * * * * * * * * * * * * * * * |

  • * * * * * * * śca sādā mukhagataścaye || 51 ||

te kuṃbhakena saṃkuṃbhya vikasanti samantataḥ |
kāraṇaṃ tu tataḥ kṛtvā lakṣaṇaṃ tasya vai śṛṇu || 52 ||

jihvāṃ tu tāluke yojya kiñcidūrdhvaṃ * * * * |

  • * tprāsārya vaktraṃ tu kiñcidoṣṭhena saṃspṛśet || 53 ||

dantapaṅktiṃ tadaiveha dṛṣṭiścā yordhvavarjitaḥ |
kāyaṃ samunnataṃ kṛtvā karaṇaṃ divyamucyate || 54 ||

divyaṃ ca karaṇa * * * trasyoccāraṇaṃ kuru |
kuṃbhitaścaiva yaḥ prāṇo recayettaṃ śanaiśśaniḥ || 55 ||

nāḍayo granthipadmāśca dehe evaṃ vyavasthitāḥ |
recakena samākṣipya ūrdhva sroto * * * * t || 56 ||

p. 7)

tato vijñānaśūlena granthīn bhindansamuccaret |
bhitvā hṛtpadmagranthiṃ tu śabdo dhunudhunāyate || 57 ||

tālumadhyagataprāṇo yadā bhavati muccataḥ |
bindhatastā granthisuśabdo ghumughumāyate || 54 ||

evaṃ te'nubhavāḥ proktāḥ prāṇe carati suvrate |
tisraste tu kalāḥ proktā uparyupari tāḥ kramāt || 59 ||

tiṣṭhate yatra vai ptā * māta tadgatimāvyayāt |
tattadrūpaṃ bhavettasya dhāśa bhāvānurūpataḥ || 60 ||

bhruvormadhye yadā gacchet sphoṭaśabdaḥ prajāyate |
binduṃ bhedayato devi śabdodhu madhamāyate || 61 ||

kapilaitthairnālikereṇa ācāryassaha bindunā |
abhinno mokṣamanaṃ bāhyābhyantaraṃ vinā || 62 ||

bhitvā binduṃ * * * * ardhacandraṃ vibhāvayet |
bhindataścārdha candraśca phāle simisimāyate || 63 ||

ardhacandraṃ tu bhitvā vai bhedayettu nirodhinam |
tasyāṃ tu bhiyamānāyāṃ śabdaśśimiśimāyate || 64 ||

sthānatrayamidaṃ devi pañcapañcakalānvitam |
prāṇassacaratistatra yasminsthānena tiṣṭhati || 65 ||

tattadrūpaṃ bhavedātmā tāṃ tāṃ gatimavāpnuyāt |
nirodhinīṃ bhedayitvā tu tato nādaṃ vrajetpunaḥ || 66 ||

p. 8)

vaṃśaśabdassamaśśabdaḥ tatra sūkṣmaṃ prajāyate |
bhedayennāda saṃsthānaṃ brahmarandhraṃ sa tu smṛtam || 67 ||

bhindato brahmarandhraṃ tu śabdaśśamaśamāyate |
śaktimadhyagataḥ prāṇo vaṃśanādāntasannibhaḥ || 68 ||

tāṃśca vai bhedayecchaktiṃ durbhedyāṃ sarvayogibhiḥ |
bhidyate ca yadā śaktiśśa * * muśumustataḥ || 69 ||

śaktiṃ bhitvā tato devī taccheṣaṃ vyāpinī bhavet |
anubhāve bhavettatra spṛśedyatra pipīlikā || 70 ||

sthānatrayamidaṃ devi pañcaṃ pañcaka tam * * |
yatra yatra ca katprāṇaḥ tattadrūpamavāpnuyāt || 71 ||

tasmād vai suprayatnena bhitvā dhāma parāṃ gatim |
bhitvā vai vyāpinaṃ devi na manā * * * * * t || 72 ||

manasā tu manastyaktvā jīvaḥ kevalatāṃ vrajet |
jīvo vai kevalastatra ātmā jñānakriyānvitaḥ || 73 ||

bandhanāśeṣanirmuktassa * * tra vyavasthitaḥ |
samastādhva padātīta saśśuddhavijñānakevalaḥ || 74 ||

gṛhṇātināparaṃ bhāvaṃ tataḥ paraśivātmakam |
parāpara vinirmuktaḥ svātmanātmā vyavasthitaḥ || 75 ||

ātmavyāptirbhavedeṣā śivavyāpirataḥ param |
indhanāśeṣa bhāvena sarvādhvo pādivarjitam || 76 ||

p. 9)

viditvā paramaṃ tatvaṃ śivatvaṃ kalpitaṃ tu yaiḥ |
ātmopāyādhikā śaivena gacchanti śivaṃ param || 77 ||

ātmatatvagatiṃ yānti ātmatatvena rañjitāḥ |
tasmādātma parityājyo yadi cecchivamātmanaḥ || 78 ||

ātmatatvaṃ tatastyaktvā vidyātatvaṃ niyojayet |
unmanā sā tu vijñeyā manassaṃkalpya ucyate || 79 ||

saṃkalpya nayato jñeyamunmanā yugapat sthitam |
tasmātsā ca parā vidyā yasmādanyā na vidyate || 80 ||

vindate yatra yugapat sāpyagjñāti guṇānparān |
vedanānādi dharmasya paramātma prabodhanāt || 81 ||

vyañjanā paramārthatve tasmādvidyeti socyate |
tatra vyañjayettejaḥ paraṃ paramakāraṇam || 82 ||

parasmintejasi vyakte tatrasthaśivatāṃ vrajet |
apradapte yathā vahnau śikhā dṛśyeta cāṃbare || 83 ||

daśaprāṇasthi hyātmā tadvallīyeta tatpade |
tadvadevābhimānastu kartavyo deśikottamaiḥ || 84 ||

ahameva paro haṃsaḥ śivaṃ paramakāraṇam |
matprāṇe sa paśyātmalayaṃ sa paramaṃ gataḥ || 85 ||

evaṃ yo vetti tattvena vahnivaddeha madhyataḥ |
yadvadvahnimukhātītastadvadyojayate pare || 86 ||

p. 10)

sūkṣmasvāyaṃbhuve-

yo yatrābhilaṣed bhogān sa tatraiva niyojitaḥ |
siddhibhā mantrasāmardho tattadyojayate pade || 87 ||

tasminyuktaḥ pare tatve sarvajñādiguṇānvitaḥ |
śiva eko bhaved devī avibhāgena sarvataḥ || 88 ||

vahniṃ nirodhabhāvena śivena saha saṃyutaḥ |
anyathā na ced devī nadīvega ivārṇave || 89 ||

sthitassa sāgaredbhistu sindho samarasī bhavet |
punarvibhā nāpnoti tathātmā tu śivārṇave || 90 ||

pūrvoktaṃ tadidaṃ sarvaṃ jñātvā tatve niyojayet |
evamācarate yastu ācāryantu śivātmakam || 91 ||

śivena sahacāritvād ācāryastena socyate |
tasmānmāmānavīṃ buddhiṃ kārayeddeśikaṃ prati || 92 ||

ācāryaṃ ca mantraṃ ca śivajñāne śivasya ca |
nānātmaṃ neva kurvanti videśāścatranāyakaḥ || 93 ||

brāhmaṇā kṣatriyā vaiśyāśśūdro vā vīravandite |
ācāryatve niyuktāye te jayanti śivāssmṛtāḥ || 94 ||

anyathā prāgṛrūpeṇa ye paśyanti narādhamāḥ |
narake te prapaśyante sādākhya vatsaratrayam || 95 ||

na tena saha saṃbhāṣā kartavyā tu śivārthinā |

p. 11)

kṛtvā saṃbhāṣaṇaṃ tena so'pi gacchati tadgati || 96 ||

tasmācchivasamāssarve draṣṭavyā muktimicchatā |
bhuktimuktiphalavyāptirbhavetyeva tadājñayā || 97 ||

ācāryassvajanānāṃ ca kulakoṭisahasrajaḥ |
jñānajñeya parijñānāt sarvāṃstāṃstārayiṣyati || 98 ||

evamukta vidhānajño tāmajñaścaiva deśikaḥ |
brahmaṇā kṣatriyā vaiśyā śūdrāścānye'thavā priye || 99 ||

sarve te samadharmāṇaḥ śivadhāmani yojitāḥ |
sarve jaṭādharāḥ proktāḥ bhasmoddhūlita vigrahāḥ || 100 ||

ekabhākti bhujassarve sarve ye tu varānane |
putrakāṇāṃ bhavedekassādhakānāṃ tathā bhavet || 101 ||

naiṣṭhikānāṃ bhavedeko na paśyanti vibhedataḥ |
ekaiva sā smṛtā jāti bhairavīyā śivājñayā || 102 ||

mantrametat samāhṛtya prājñātiṃ hyudarayet |
sādhakānāṃ putrakāṇāṃ tathā samayināmapi || 103 ||

prājñātyudīraṇāddevi prāyaścitta bhavennaraḥ |
dinatrayaṃ tu śūdrasya pañcāhaṃ keśavasya ca || 104 ||

pitāmahasya pakṣe kaṃ narake pacyate tu saḥ |
janaḥ śīlo bhavet paścādyadi ceduttamāṃgatim || 105 ||

śrīmatprāsādamantrastu devadevena bhāṣitam |

p. 12)

saptadhā vartate yastu sarvatīrthaphalaṃ labhet || 106 ||

abrahmacārī brahmacārī asnātasnātako bhavet |
pitṝnpitāmahāṃścaiva tathaiva prapitā mahān || 107 ||

akṣayaṃ śivalokantu yānti sadyatprabhāvataḥ |
prāsādanādamusthāpya japedyassatataṃ naraḥ || 108 ||

aṇimādiguṇaiśvaryaṃ ṣaḍbhirmāsairna saṃśayaḥ |

iti śrīmatkalālayadevatīrthasya uttarataṭe nivāsi
jyeṣṭhajñānaprakāśavarācārye tasyāruṇadevena saṃgṛhītāyāṃ
prāsādacandrikāyāṃ mātrājyotīkāraṇeśvara sthānam
ānādhvasamarasī bhāva viṣuvaśabdayojanavidhānavidhissamāptaḥ ||

śrīmadarūṇācalāya namaḥ ||

Vollständiger Sanskrittext in Devanagari

|| प्रासादचन्द्रिका ||

  • * * दिकाख्य कलासु मध्यत्रिकत्रिकेणां लिरहात्रिशून्यम् एकैकहाने

त्रिशून्यम् शून्यात् परं योजयथामशैवम् |

शून्यं तावत् समाख्यातं सामरस्यं निबोध मे |
आत्मन्ये * * * * * * त्रो ज्ञेयो द्वितीयकम् || १ ||

तृतीयं नाडिसंस्थं तु शक्तौ कुर्याच्चतुर्थकम् |
पञ्चमं व्यापिने स्थाने समनायां तु षष्ठकम् || २ ||

तत्वे समरसो देव सप्तमं तु विधीयते |
शिष्यात्मान ह्य पूर्वोक्तविधिना क्रमात् || ३ ||

पश्चादात्मनि संयोज्य लोलीभूतं विचिन्तयेत् |
पूरकं कुंभकं कृत्वा समानेन निरोधयेत् || ४ ||

यावत्यो नाडयो देहे तिर्यगूर्ध्वमध * * |
समानेन समाकृष्टमेकी भूता भवन्ति ताः || ५ ||

तासु वै वायवस्तेऽपि प्राणेन समरसंगताः |
नाड्यस्तु सुषुम्नायाम् एकीभूता व्यवस्थिताः || ६ ||

प्. २)

ततो वै उच्चरेन्मन्त्रं ना * * * * चिन्तयेत् |
मन्त्रमात्मा तथा नाडिरेवं समरसं भवेत् || ७ ||

वामदक्षिणऊर्ध्वे तु ततो नाडिं प्रमोचयेत् |
सेतुबन्धेन यन्मार्गं तत्र गत्वा न जायते || ८ ||

ब्रह्मा विष्णुश्च रुद्रश्च ईश्वरश्च सदाशिवः |
एतेऽत्र समतां यान्ति तन्मयात पृथक् पृथक् || ९ ||

तस्मिन् समुच्चरेन्नादो यावच्छक्तौ लयंगतः |
शक्तिमध्यगतो नोडेश्शक्त्या ता * * * यते || १० ||

सर्वं शक्तिमयान् तत्र सर्वं समरसं भवेत् |
तदूर्ध्वं व्यापिनीं व्याप्य सर्वं तन्मयतां व्रजेत् || ११ ||

समन्ताद् व्यप्नवेद् यस्मात् व्यापिनीत्यभिधीयते |

  • * मूर्ध्वे समनां प्राप्य तन्मयत्वं व्रजेत् पुनः || १२ ||

सा च सर्वगता ज्ञेया सामरस्येन संस्थिता |
षष्ठं समरसं त्यक्त्वा सप्तमं तु ततो व्रजेत् || १३ ||

तं मा * * * * * * भवत्यपि विचारणात् |
स च सर्वेषु भूतेषु भाव तत्वेन्द्रियेषु च || १४ ||

स्थावरे जङ्गमे चैव चेतना चेतने स्थितः |
ऊर्ध्वा न व्याप्य सर्वं तु सामरस्येन संस्थितः || १५ ||

प्रनह * * * * * * निनामपि यो मनः |
यस्याज्ञा समयोभावस्थिरः पूर्णसमं ततः || १६ ||

प्. ३)

एवं समरसः प्रोक्तो विषुवं तु निबोधते |
प्रथमं प्राणविषुवं मन्त्रो ज्ञेयं मन्त्रो * कम् || १७ ||

तृतीयं नाडिविषुवं प्रशान्तं च चतुर्थकम् |
पञ्चमं शक्तिविषुवं षष्ठं वैकल्यमुच्यते || १८ ||

सप्तमं तत्वविषुवं प्रविभागस्त्वथोच्यते |
आत्मानं च मनः प्राणैस्संयोज्य विषुवं || १९ ||

  • विषुवमाख्यातं मन्त्रं विषुवमुच्यते |

मन्त्रमुच्चारयेद् यावत्तावन्नान्यमना भवेत् || २० ||

परापरविभागेन मन्त्रात्मानं तदुच्यते |
मन्त्रं विषुवमि * * * * * स्थानं निबोधते || २१ ||

सर्वासामेव नाडीनां मध्ये यां संव्यवस्थिता |
सुषुम्ना नाम सा ज्ञेया नाडीशक्त्या शिवं गता || २२ ||

तत्र प्रवाहयेन्नादं नाडी विष * * * * |

  • * * विषुवं चैव अधुना कथयामि ते || २३ ||

प्राणेन तु समुच्चार्य कारणान्यङ्गुलेङ्गुले |
तान्यवस्थात्परित्यज्य कारणानि षडेव तु || २४ ||

सप्तमे * * * * * प्रशान्तेन्द्रियगोचरम् |
प्रशान्तस्तमितो ज्ञेयोस्तिमिते निश्चलस्स्मृतः || २५ ||

निश्चलो निस्तरंगश्च स्थिरपूर्णस्समं ततः |
एवं भवं स (मा) स्थाय देशा * * * * * * || २६ ||

प्. ४)

एतत्प्रशान्तविषुवं शक्त्युपाधिर्निबोधमे |
शक्तिमध्ये गतो नादः तदूर्ध्वं केचरेद्यदा || २७ ||

तावत्तच्छक्ति विषुवं कालाख्यं तु निबोधमे |
तृट षोडशिकाया तु प्राण * * * * * || २८ ||

कालो भ्रूक्षेपमात्रस्तु तन्त्रान्ते कथितो मया |
परापर विभावेन पुनरेव त्रिधा कुरु || २९ ||

अपरष्षोडशी यावत् कालस्सप्तदशः परः |
परापरस्तु यत्कालः सुप्रिय * * * * प्रभुः || ३० ||

प्राणमेकं त्रिधाकालं कृत्वा चैवं यजेत्पुनः |
अपरश्शशिमूर्ध्वस्थो व्यापिन्यां तु द्वितीयकः || ३१ ||

तृतीयं समनास्थाने कालो विषुवमुच्यते |

  • * ः समाख्यातः सप्तमं तत्वमुच्यते || ३२ ||

उन्मना परिता देवि तत्रात्मानं नियोजयेत् |
तस्मिन्युक्तस्ततो ह्यात्म तन्मयं च प्रजायते || ३३ ||

तत्वाख्यं वि * * * वि सर्वेषां परत स्थितः |
विषुवं न्यैवं विधं ज्ञात्वा को न मुच्येत बन्धनात् || ३४ ||


एवं विषुवमाख्यातं योजना च तथोच्यते |
मन्त्रभावक्रिया * योजनायेतु परे शिवे || ३५ ||

विद्यातत्वास्पदं बुध्वा बिन्दुतत्वासने स्थितः |
नादशक्तितनुश्चैव व्यापिनीकरणान्वितः || ३६ ||

सर्वं ज्ञात्वावबोधेन समनान्तं चरेस्तु सः |

  • * * * त्परं प्रोक्तं तेन चा पूरिता तनुः || ३७ ||

अध्वातीतं परं प्रोक्तं परं चाध्वमध्यमेध्यगम् |
पूर्णाहुत्या रसोपेत पशुं योजयते परे || ३८ ||

ऊर्ध्वं * * * वस्सह समपादो व्यवस्थितः |
नाभिस्थाने सृजेन्मूलं मुखेनाग्रमुखं समम् || ३९ ||

सृचोपरि सृचं देवी क्रित्वा चैव मधोमुखम् |
पुष्पं दत्वा सृवाले तु दर्भेन सहितौ करौ || ४० ||

म * * * * हस्ताभ्यां गृहीत्वा यत्नतोऽपि च |
मुखाग्रे दक्षिणं हस्तं वामं वै पृष्ठतः प्रिये || ४१ ||

मुष्टिभ्यां संगृहीत्वा तु उत्थानकरयोगतः |
ततो तेन संप्राप्य अभिमानं तु कार * * || ४२ ||

  • * हमेव परं तत्वं परापर विभागतः |

तत्वमेकं हि सर्वत्र नान्यभावं तु कारयेत् || ४३ ||

भेदयेन्मन्त्रशूलेन मुद्राभावयुतेन च |
मन्त्रो वै ज्ञानशक्तिं च चैव क्रियात्मिका || ४४ ||

भावश्च मन इत्युक्तं तन्मणा बुद्धिपूर्वकम् |
वरश्च मनसागम्य इच्छाशक्त्यात्वधिष्ठितः || ४५ ||

यत्र यत्र भवेदिच्छा ज्ञानं तत्र प्रवर्त |

  • * करणसंयोगात् तत्वस्वोच्चारणं भवेत् || ४६ ||

प्. ६)

क्रियाकरणहीनस्य न चैवोच्चारणं भवेत् |
क्रियाकरणरूपेण न चैव त्रिविधा स्मृता || ४७ ||

ए * * * * * तत्वं करणेन विचक्षणः |
नात्युच्चरं द्वितीयेन द्वाराणां सं निरोधनम् || ४८ ||

तृतीयं करणं दिव्यं क्रीत्वा वै तत्वमुचरेत् |
पूरकं कुं * * * * * * द्वाराणि पादयेत् || ४९ ||

गुदद्वारेण रुद्धेन सर्वे रुद्धा भवन्ति हि |
द्वारमेकं द्वितं चोर्ध्वे प्रवाहात्तद्विचिन्तयेत् || ५० ||

ना * * * * * * * * * * * * * * * |

  • * * * * * * * श्च सादा मुखगतश्चये || ५१ ||

ते कुंभकेन संकुंभ्य विकसन्ति समन्ततः |
कारणं तु ततः कृत्वा लक्षणं तस्य वै शृणु || ५२ ||

जिह्वां तु तालुके योज्य किञ्चिदूर्ध्वं * * * * |

  • * त्प्रासार्य वक्त्रं तु किञ्चिदोष्ठेन संस्पृशेत् || ५३ ||

दन्तपङ्क्तिं तदैवेह दृष्टिश्चा योर्ध्ववर्जितः |
कायं समुन्नतं कृत्वा करणं दिव्यमुच्यते || ५४ ||

दिव्यं च करण * * * त्रस्योच्चारणं कुरु |
कुंभितश्चैव यः प्राणो रेचयेत्तं शनैश्शनिः || ५५ ||

नाडयो ग्रन्थिपद्माश्च देहे एवं व्यवस्थिताः |
रेचकेन समाक्षिप्य ऊर्ध्व स्रोतो * * * * त् || ५६ ||

प्. ७)

ततो विज्ञानशूलेन ग्रन्थीन् भिन्दन्समुच्चरेत् |
भित्वा हृत्पद्मग्रन्थिं तु शब्दो धुनुधुनायते || ५७ ||

तालुमध्यगतप्राणो यदा भवति मुच्चतः |
बिन्धतस्ता ग्रन्थिसुशब्दो घुमुघुमायते || ५४ ||

एवं तेऽनुभवाः प्रोक्ताः प्राणे चरति सुव्रते |
तिस्रस्ते तु कलाः प्रोक्ता उपर्युपरि ताः क्रमात् || ५९ ||

तिष्ठते यत्र वै प्ता * मात तद्गतिमाव्ययात् |
तत्तद्रूपं भवेत्तस्य धाश भावानुरूपतः || ६० ||

भ्रुवोर्मध्ये यदा गच्छेत् स्फोटशब्दः प्रजायते |
बिन्दुं भेदयतो देवि शब्दोधु मधमायते || ६१ ||

कपिलैत्थैर्नालिकेरेण आचार्यस्सह बिन्दुना |
अभिन्नो मोक्षमनं बाह्याभ्यन्तरं विना || ६२ ||

भित्वा बिन्दुं * * * * अर्धचन्द्रं विभावयेत् |
भिन्दतश्चार्ध चन्द्रश्च फाले सिमिसिमायते || ६३ ||

अर्धचन्द्रं तु भित्वा वै भेदयेत्तु निरोधिनम् |
तस्यां तु भियमानायां शब्दश्शिमिशिमायते || ६४ ||

स्थानत्रयमिदं देवि पञ्चपञ्चकलान्वितम् |
प्राणस्सचरतिस्तत्र यस्मिन्स्थानेन तिष्ठति || ६५ ||

तत्तद्रूपं भवेदात्मा तां तां गतिमवाप्नुयात् |
निरोधिनीं भेदयित्वा तु ततो नादं व्रजेत्पुनः || ६६ ||

प्. ८)

वंशशब्दस्समश्शब्दः तत्र सूक्ष्मं प्रजायते |
भेदयेन्नाद संस्थानं ब्रह्मरन्ध्रं स तु स्मृतम् || ६७ ||

भिन्दतो ब्रह्मरन्ध्रं तु शब्दश्शमशमायते |
शक्तिमध्यगतः प्राणो वंशनादान्तसन्निभः || ६८ ||

तांश्च वै भेदयेच्छक्तिं दुर्भेद्यां सर्वयोगिभिः |
भिद्यते च यदा शक्तिश्श * * मुशुमुस्ततः || ६९ ||

शक्तिं भित्वा ततो देवी तच्छेषं व्यापिनी भवेत् |
अनुभावे भवेत्तत्र स्पृशेद्यत्र पिपीलिका || ७० ||

स्थानत्रयमिदं देवि पञ्चं पञ्चक तम् * * |
यत्र यत्र च कत्प्राणः तत्तद्रूपमवाप्नुयात् || ७१ ||

तस्माद् वै सुप्रयत्नेन भित्वा धाम परां गतिम् |
भित्वा वै व्यापिनं देवि न मना * * * * * त् || ७२ ||

मनसा तु मनस्त्यक्त्वा जीवः केवलतां व्रजेत् |
जीवो वै केवलस्तत्र आत्मा ज्ञानक्रियान्वितः || ७३ ||

बन्धनाशेषनिर्मुक्तस्स * * त्र व्यवस्थितः |
समस्ताध्व पदातीत सश्शुद्धविज्ञानकेवलः || ७४ ||

गृह्णातिनापरं भावं ततः परशिवात्मकम् |
परापर विनिर्मुक्तः स्वात्मनात्मा व्यवस्थितः || ७५ ||

आत्मव्याप्तिर्भवेदेषा शिवव्यापिरतः परम् |
इन्धनाशेष भावेन सर्वाध्वो पादिवर्जितम् || ७६ ||

प्. ९)

विदित्वा परमं तत्वं शिवत्वं कल्पितं तु यैः |
आत्मोपायाधिका शैवेन गच्छन्ति शिवं परम् || ७७ ||

आत्मतत्वगतिं यान्ति आत्मतत्वेन रञ्जिताः |
तस्मादात्म परित्याज्यो यदि चेच्छिवमात्मनः || ७८ ||

आत्मतत्वं ततस्त्यक्त्वा विद्यातत्वं नियोजयेत् |
उन्मना सा तु विज्ञेया मनस्संकल्प्य उच्यते || ७९ ||

संकल्प्य नयतो ज्ञेयमुन्मना युगपत् स्थितम् |
तस्मात्सा च परा विद्या यस्मादन्या न विद्यते || ८० ||

विन्दते यत्र युगपत् साप्यग्ज्ञाति गुणान्परान् |
वेदनानादि धर्मस्य परमात्म प्रबोधनात् || ८१ ||

व्यञ्जना परमार्थत्वे तस्माद्विद्येति सोच्यते |
तत्र व्यञ्जयेत्तेजः परं परमकारणम् || ८२ ||

परस्मिन्तेजसि व्यक्ते तत्रस्थशिवतां व्रजेत् |
अप्रदप्ते यथा वह्नौ शिखा दृश्येत चांबरे || ८३ ||

दशप्राणस्थि ह्यात्मा तद्वल्लीयेत तत्पदे |
तद्वदेवाभिमानस्तु कर्तव्यो देशिकोत्तमैः || ८४ ||

अहमेव परो हंसः शिवं परमकारणम् |
मत्प्राणे स पश्यात्मलयं स परमं गतः || ८५ ||

एवं यो वेत्ति तत्त्वेन वह्निवद्देह मध्यतः |
यद्वद्वह्निमुखातीतस्तद्वद्योजयते परे || ८६ ||

प्. १०)

सूक्ष्मस्वायंभुवे-

यो यत्राभिलषेद् भोगान् स तत्रैव नियोजितः |
सिद्धिभा मन्त्रसामर्धो तत्तद्योजयते पदे || ८७ ||

तस्मिन्युक्तः परे तत्वे सर्वज्ञादिगुणान्वितः |
शिव एको भवेद् देवी अविभागेन सर्वतः || ८८ ||

वह्निं निरोधभावेन शिवेन सह संयुतः |
अन्यथा न चेद् देवी नदीवेग इवार्णवे || ८९ ||

स्थितस्स सागरेद्भिस्तु सिन्धो समरसी भवेत् |
पुनर्विभा नाप्नोति तथात्मा तु शिवार्णवे || ९० ||

पूर्वोक्तं तदिदं सर्वं ज्ञात्वा तत्वे नियोजयेत् |
एवमाचरते यस्तु आचार्यन्तु शिवात्मकम् || ९१ ||

शिवेन सहचारित्वाद् आचार्यस्तेन सोच्यते |
तस्मान्मामानवीं बुद्धिं कारयेद्देशिकं प्रति || ९२ ||

आचार्यं च मन्त्रं च शिवज्ञाने शिवस्य च |
नानात्मं नेव कुर्वन्ति विदेशाश्चत्रनायकः || ९३ ||

ब्राह्मणा क्षत्रिया वैश्याश्शूद्रो वा वीरवन्दिते |
आचार्यत्वे नियुक्ताये ते जयन्ति शिवास्स्मृताः || ९४ ||

अन्यथा प्रागृरूपेण ये पश्यन्ति नराधमाः |
नरके ते प्रपश्यन्ते सादाख्य वत्सरत्रयम् || ९५ ||

न तेन सह संभाषा कर्तव्या तु शिवार्थिना |

प्. ११)

कृत्वा संभाषणं तेन सोऽपि गच्छति तद्गति || ९६ ||

तस्माच्छिवसमास्सर्वे द्रष्टव्या मुक्तिमिच्छता |
भुक्तिमुक्तिफलव्याप्तिर्भवेत्येव तदाज्ञया || ९७ ||

आचार्यस्स्वजनानां च कुलकोटिसहस्रजः |
ज्ञानज्ञेय परिज्ञानात् सर्वांस्तांस्तारयिष्यति || ९८ ||

एवमुक्त विधानज्ञो तामज्ञश्चैव देशिकः |
ब्रह्मणा क्षत्रिया वैश्या शूद्राश्चान्येऽथवा प्रिये || ९९ ||

सर्वे ते समधर्माणः शिवधामनि योजिताः |
सर्वे जटाधराः प्रोक्ताः भस्मोद्धूलित विग्रहाः || १०० ||

एकभाक्ति भुजस्सर्वे सर्वे ये तु वरानने |
पुत्रकाणां भवेदेकस्साधकानां तथा भवेत् || १०१ ||

नैष्ठिकानां भवेदेको न पश्यन्ति विभेदतः |
एकैव सा स्मृता जाति भैरवीया शिवाज्ञया || १०२ ||

मन्त्रमेतत् समाहृत्य प्राज्ञातिं ह्युदरयेत् |
साधकानां पुत्रकाणां तथा समयिनामपि || १०३ ||

प्राज्ञात्युदीरणाद्देवि प्रायश्चित्त भवेन्नरः |
दिनत्रयं तु शूद्रस्य पञ्चाहं केशवस्य च || १०४ ||

पितामहस्य पक्षे कं नरके पच्यते तु सः |
जनः शीलो भवेत् पश्चाद्यदि चेदुत्तमांगतिम् || १०५ ||

श्रीमत्प्रासादमन्त्रस्तु देवदेवेन भाषितम् |

प्. १२)

सप्तधा वर्तते यस्तु सर्वतीर्थफलं लभेत् || १०६ ||

अब्रह्मचारी ब्रह्मचारी अस्नातस्नातको भवेत् |
पितॄन्पितामहांश्चैव तथैव प्रपिता महान् || १०७ ||

अक्षयं शिवलोकन्तु यान्ति सद्यत्प्रभावतः |
प्रासादनादमुस्थाप्य जपेद्यस्सततं नरः || १०८ ||

अणिमादिगुणैश्वर्यं षड्भिर्मासैर्न संशयः |

इति श्रीमत्कलालयदेवतीर्थस्य उत्तरतटे निवासि
ज्येष्ठज्ञानप्रकाशवराचार्ये तस्यारुणदेवेन संगृहीतायां
प्रासादचन्द्रिकायां मात्राज्योतीकारणेश्वर स्थानम्
आनाध्वसमरसी भाव विषुवशब्दयोजनविधानविधिस्समाप्तः ||

श्रीमदरूणाचलाय नमः ||

Zusammenfassende deutsche Übersetzung

Die Prasada Chandrika ist eine kurze, aber sehr dichte Schrift des Śaiva Siddhānta über innere Yoga- und Initiationsaufstiege. Ihr Leitmotiv ist die schrittweise Aufhebung von Verschiedenheit: Nāḍīs werden in Suṣumṇā, Vāyus in Prāṇa, Mantra und Ātman in Sāmarasya, Nāda in Śakti und schließlich der begrenzte Ātman in Paraśiva zurückgeführt.

Der erste Schlüsselbegriff ist Sāmarasya, „Gleichgeschmack“, „vollständige Harmonie“ oder „Wesenseinheit“. Der Text beschreibt sieben Stufen, die über Nāḍī, Śakti, Vyāpinī und Samanā bis in das höchste Tattva führen.

Der zweite Schlüssel ist Viṣuva. Auch hier werden sieben Übergänge unterschieden: Prāṇa-, Mantra-, Nāḍī-, Praśānta-, Śakti-, Kāla-/Vaikalya- und Tattva-Viṣuva. „Viṣuva“ bezeichnet dabei einen inneren Gleichgewichts- und Übergangspunkt, an dem zwei Ebenen ineinander übergehen.

Der dritte Schwerpunkt ist Yojanā, die rituell-yogische „Verbindung“ des Schülers mit dem höchsten Śiva. Mantra, Bhāva, Kriyā, Atem, Nāḍī und Bewusstsein wirken dabei zusammen.

Besonders eindrucksvoll ist die feinstoffliche Aufstiegslehre. Prāṇa bewegt sich durch Suṣumṇā und durchstößt Granthis und Padmas. Der Text beschreibt innere Laute beim Durchgang durch Herz, Gaumen, Bindu, Ardhacandra, Nirodhinī, Nāda und Brahmarandhra. Danach werden Śakti, Vyāpinī, Samanā und schließlich Unmanā überschritten.

Das Ziel ist Kevalatā und Paraśiva. Der Ātman wird von allen Bindungen und allen Adhvan-Stufen frei. Schließlich verwendet der Text ein starkes Bild: Wie ein Fluss im Ozean seine getrennte Gestalt verliert, so geht der Ātman im „Śiva-Ozean“ auf.

Die letzten Verse übertragen diese Nichtdualität auch auf die Initiationsgemeinschaft. Ein ordnungsgemäß eingesetzter Ācārya soll unabhängig von seiner früheren sozialen Herkunft als Śiva betrachtet werden. Für die Initiierten wird ausdrücklich eine gemeinsame „Bhairavīya Jāti“ erklärt. Damit enthält die Prasada Chandrika innerhalb ihres historischen Rahmens eine bemerkenswerte Lehre spiritueller Gleichheit.

Die Schrift endet mit der Verherrlichung des Prāsāda-Mantras und mit einem Kolophon, der Jñānaprakāśa und Aruṇadeva nennt.

Die sieben Stufen des Sāmarasya

Die ersten Verse ordnen den Aufstieg in sieben Ebenen. Wegen Textverlusten ist die erste Zuordnung nicht vollständig rekonstruierbar. Sicher genannt werden:

  • die Ebene des Ātman;
  • die Nāḍī-Ebene;
  • Śakti;
  • Vyāpinī;
  • Samanā;
  • das höchste Tattva als siebte Sāmarasya-Stufe.

Die Bewegung zielt nicht auf Vernichtung der unteren Ebenen, sondern auf ihre Einheit in einer höheren Wirklichkeit.

Die sieben Viṣuvas

Die Prasada Chandrika nennt:

  1. Prāṇa-Viṣuva;
  2. eine Mantra-bezogene Stufe;
  3. Nāḍī-Viṣuva;
  4. Praśānta-Viṣuva;
  5. Śakti-Viṣuva;
  6. eine mit Kāla beziehungsweise Vaikalya verbundene Stufe;
  7. Tattva-Viṣuva.

Diese Viṣuvas sind Schwellen. Prāṇa, Mantra, Nāḍī und Bewusstsein werden nicht als isolierte Techniken betrachtet, sondern als Stufen desselben Rückwegs zu Śiva.

Der innere Aufstieg durch Nāda, Bindu und Unmanā

Prana wird in der Sushumna gesammelt. Dann werden Granthis und innere Padmas durchstoßen. Der Text nennt charakteristische Lauterfahrungen:

  • beim Herz-Granthi einen Laut wie dhunu-dhunu;
  • im Gaumenbereich ghumu-ghumu;
  • beim Bindu einen Sphoṭa-artigen Übergang;
  • beim Ardhacandra simi-simi;
  • bei Nirodhinī śimi-śimi;
  • beim Brahmarandhra śama-śama;
  • oberhalb davon einen äußerst subtilen, flötenartigen Nāda.

Diese lautmalerischen Angaben sind bemerkenswert. Nada ist hier keine bloße akustische Erscheinung, sondern ein Marker subtiler Bewusstseins- und Prāṇa-Übergänge.

Nach Śakti folgen Vyāpinī, Samanā und schließlich Unmanā. Unmanā bezeichnet eine Ebene jenseits gewöhnlicher mentaler Konstruktion.

Vom Ātman zu Paraśiva

Der Text unterscheidet Ātma-Vyāpti und Śiva-Vyāpti. Selbst das Ātma-Tattva ist noch nicht der endgültige Ruhepunkt. Wer Paraśiva verwirklichen will, muss auch diese Identifikation überschreiten.

Besonders stark ist das Bild des Flusses:

Wie ein Fluss in den Ozean eintritt, mit ihm wesenseins wird und nicht wieder als derselbe getrennte Strom zurückkehrt, so soll der Ātman in den Śiva-Ozean eingehen.

Diese Metapher macht die abstrakte Initiationslehre unmittelbar verständlich: Befreiung ist nicht räumliches Reisen, sondern das Ende der begrenzenden Getrenntheit.

Der Ācārya als Śiva

Die Schlussabschnitte entfalten eine ausgeprägte Ācārya-Theologie. Der Lehrer wird aufgrund seiner Einheit und seines Wirkens mit Śiva als Śiva-gestaltig verstanden.

Besonders bemerkenswert sind Verse 94 und 99–102. Ein ordnungsgemäß eingesetzter Ācārya kann nach dem Text aus unterschiedlichen traditionellen sozialen Gruppen stammen. Im Śiva-Dhāman besitzen die Initiierten einen gemeinsamen Dharma.

Vers 102 sagt:

ekaiva sā smṛtā jāti bhairavīyā śivājñayā

„Nur eine einzige Jāti gilt hier – die Bhairavīya – nach Śivas Gebot.“

Im historischen Kontext des Śaiva Siddhānta ist dies eine bemerkenswerte Aussage: Initiation schafft eine neue gemeinsame religiöse Identität, die frühere soziale Unterschiede innerhalb des initiatorischen Raums relativiert.

Inspirierende Verse

Alle Nadis sammeln sich in der Sushumna
tāsu vai vāyavaste'pi prāṇena samarasaṃgatāḥ |
nāḍyastu suṣumnāyām ekībhūtā vyavasthitāḥ || 6 ||

Übersetzung: Die Vāyus in ihnen gelangen durch Prāṇa in Sāmarasya; die Nāḍīs selbst werden in der Suṣumṇā zu einer Einheit.

Inspiration: Zerstreute Lebensenergie wird gesammelt. Yoga wird zur Bewegung von Vielheit in Mitte und Einheit.

Alles wird Shakti
sarvaṃ śaktimayān tatra sarvaṃ samarasaṃ bhavet |
tadūrdhvaṃ vyāpinīṃ vyāpya sarvaṃ tanmayatāṃ vrajet || 11 ||

Übersetzung: Dort wird alles von Śakti erfüllt und alles gelangt in Sāmarasya. Höher, von Vyāpinī durchdrungen, wird alles von ihrem Wesen erfüllt.

Sushumna führt zu Shiva
sarvāsāmeva nāḍīnāṃ madhye yāṃ saṃvyavasthitā |
suṣumnā nāma sā jñeyā nāḍīśaktyā śivaṃ gatā || 22 ||

Übersetzung: Unter allen Nāḍīs liegt in der Mitte jene, die Suṣumṇā genannt wird; durch die Kraft dieser Nāḍī gelangt man zu Śiva.

Das eine Tattva
tatvamekaṃ hi sarvatra nānyabhāvaṃ tu kārayet || 43 ||

Übersetzung: Das Tattva ist überall eines; man soll keine Vorstellung eines Anderen erzeugen.

Frei von allen Bindungen
bandhanāśeṣanirmuktassa * * tra vyavasthitaḥ |
samastādhva padātīta saśśuddhavijñānakevalaḥ || 74 ||

Übersetzung: Von allen Bindungen völlig frei, steht er jenseits aller Pfade und Stufen als reine Erkenntnis allein.

Der Shiva-Ozean
sthitassa sāgaredbhistu sindho samarasī bhavet |
punarvibhā nāpnoti tathātmā tu śivārṇave || 90 ||

Übersetzung: Wie ein Fluss im Ozean mit dem Meer wesenseins wird und nicht wieder die frühere Trennung annimmt, so der Ātman im Śiva-Ozean.

Eine Bhairaviya-Jati
naiṣṭhikānāṃ bhavedeko na paśyanti vibhedataḥ |
ekaiva sā smṛtā jāti bhairavīyā śivājñayā || 102 ||

Übersetzung: Auch für die Naiṣṭhikas gilt Einheit; sie sollen nicht nach Trennung sehen. Eine einzige Jāti wird erinnert: die Bhairavīya, nach Śivas Gebot.

Wichtigste Mantras und Lautlehren

Die erhaltene Prasada Chandrika ist keine Mantra-Sammlung. Der Text setzt vielmehr eine Prāsāda-Mantra-Tradition voraus und behandelt ihre yogische Intonation.

Aham eva paro Hamsah
ahameva paro haṃsaḥ śivaṃ paramakāraṇam
अहमेव परो हंसः शिवं परमकारणम् ।

Bedeutung: „Ich selbst bin der höchste Haṃsa, Śiva, die höchste Ursache.“

Verwendung im Text: innere Identifikation während der höchsten Einsetzung.

Prasada-Mantra
Vers 106 bezeichnet ausdrücklich ein śrīmat-prāsāda-mantra. Seine konkrete Silbenfolge wird in der erhaltenen Datei jedoch nicht ausgeschrieben. Deshalb wird hier keine Formel aus einer anderen Quelle ergänzt.

Nada
Nāda wird durch die inneren Stationen erhoben und schließlich in Śakti zurückgeführt. Die Lauterfahrungen dhunu-dhunu, ghumu-ghumu, simi-simi, śimi-śimi und śama-śama sind keine selbständigen Mantras, sondern im Text beschriebene innere Klangphänomene.

Bilder und Videos zur meditativen Vertiefung

Die feinstoffliche Anatomie der Prasada Chandrika lässt sich mit modernen Yoga-Darstellungen von Nāḍīs und Chakras veranschaulichen. Solche Bilder sind keine historischen Illustrationen der Schrift, sondern Orientierungshilfen.

Die Yoga-Vidya-„Sahasrara Chakra Segens-Meditation“ ergänzt thematisch die im Text beschriebene Bewegung zu höheren Bewusstseinsebenen. Sie ist keine Rekonstruktion der Prasada-Chandrika-Praxis.

Ein Yoga-Vidya-Vortrag über Samadhi ergänzt die zentrale Bewegung von Sāmarasya, innerer Stille und Aufgehen der Begrenztheit.

Verhältnis zu anderen Tantra- und Shaiva-Schriften

Die Muktabodha-Beschreibung nennt ausdrücklich den Suprabhedāgama und das Svāmbhuva als Grundlage beziehungsweise Quellenumfeld.

Thematisch bestehen wichtige Beziehungen zu:

Direkte literarische Abhängigkeiten werden über die ausdrücklich genannten Quellen hinaus nicht behauptet.

Bedeutung für Yoga und Meditation

Für heutige Yoga-Aspiranten ist besonders die innere Bewegungsrichtung bedeutsam:

  • Zerstreute Nāḍī-Kräfte werden in Sushumna gesammelt.
  • Prana wird durch Pūrakā, Kumbhaka und Recaka geführt.
  • Innere Knoten und Begrenzungen werden überschritten.
  • Nada wird immer subtiler.
  • Śakti, Vyāpinī und Samanā führen über gewöhnliche mentale Erfahrung hinaus.
  • Unmanā bezeichnet die Überschreitung von Manas.
  • Der Text führt den Prozess auf das Überschreiten begrenzter Identität und die Einsetzung in Paraśiva hin.

Für Meditation lässt sich daraus eine einfache Inspiration gewinnen: Wahrnehmen, sammeln, vereinigen, still werden und schließlich selbst die Vorstellung „Ich meditiere“ loslassen.

Abschließende Betrachtung
Die Prasada Chandrika ist klein im Umfang, aber außergewöhnlich dicht. Ihr Weg führt von der Vielheit der Nāḍīs und Vāyus über Suṣumṇā, Nāda, Bindu, Śakti, Vyāpinī und Samanā zu Unmanā und Paraśiva.

Immer wieder kehrt ein Motiv zurück: Sāmarasya. Yoga bedeutet hier nicht, immer neue innere Phänomene anzusammeln. Die vielen Ströme sollen eins werden. Die vielen Vāyus werden in Prāṇa gesammelt, die Nāḍīs in Suṣumṇā, Nāda in Śakti, der Geist in Unmanā und schließlich der Ātman in Śiva.

Das Bild des Flusses, der im Meer seine Trennung verliert, fasst die ganze Schrift zusammen. Die höchste Verwirklichung besteht nicht darin, dass der Mensch „größer“ wird. Sie besteht darin, dass die Grenze zwischen dem begrenzten Selbst und dem Śiva-Ozean ihre Wirklichkeit verliert.

Textgrundlage
Muktabodha Indological Research Institute, Katalognummer M00528, prāsādacandrikā. Autor laut Muktabodha-Metadaten: Jñānaprakāśa. Grundlage: IFP transcript T0093, Seiten 1–12. Die Muktabodha-Beschreibung bezeichnet den Text als auf Auszügen aus dem Suprabhedāgama und dem Svāmbhuva beruhend und als Darstellung einer Folge yogischer Aufstiege. Dateneingabe unter Aufsicht von Mark S. G. Dyczkowski, Revision 0 vom 13. September 2021. Für Sanskrit-Umschrift und Devanagari wurden ausschließlich die bereitgestellten Dateien verwendet.

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