Samhita Upanishad
Die Samhita Upanishad (IAST: Saṃhitā Upaniṣad) ist die traditionelle Bezeichnung für das siebte und achte Kapitel des Shankhayana Aranyaka (Śāṅkhāyana Āraṇyaka) des Rigveda. Sie gehört nicht zu den 108 Upanishaden des Muktika-Kanons. Ihr Leitbegriff saṃhitā bedeutet „Zusammenfügung“, „Verbindung“ und zugleich den verbunden rezitierten vedischen Text.
Der Text untersucht Verbindung auf mehreren Ebenen gleichzeitig: Erde und Himmel, Rede und Geist, Atem und Sprache, Eltern und Kind, Vergangenheit und Zukunft, die fünf Elemente, Lautklassen und Körperglieder. Gerade dadurch ist er ein eindrucksvolles Beispiel früher upanishadischer Denkweise: Phonetik und Rezitation werden nicht als bloße Technik behandelt, sondern als Spiegel einer kosmischen Ordnung.
Ein philosophischer Höhepunkt steht in 8.3 und 8.7. Der körperlose prajñātman, der Bewusstseins-Atman, wird mit der Sonne als eins erklärt; anschließend wird der innere Purusha als der Hörende hinter dem Gehörten, der Denkende hinter dem Gedachten und der Sehende hinter dem Gesehenen beschrieben.

Zur Zählung und Textgrundlage: Die hier wiedergegebene Fassung folgt den Kapiteln 7.1–7.23 und 8.1–8.11 des Śāṅkhāyana Āraṇyaka in der elektronischen Edition von M. J. Kümmel. Die deutsche Übertragung wurde mit A. B. Keiths vollständiger historischer Übersetzung verglichen. Abschnitt 7.3 ist eine handschriftlich überlieferte Anukramaṇī, eine Stichwortliste der folgenden Abschnitte; er wird als solcher vollständig wiedergegeben und nicht als zusammenhängender Lehrsatz behandelt. Wo Kümmel und Keith ausdrücklich eine schwierige oder beschädigte Lesung anzeigen, nennt der Artikel diese Grenze unmittelbar am betreffenden Abschnitt.
Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung
7.1. Eröffnungsgebet
om ṛtaṃ vadiṣyāmi | satyaṃ vadiṣyāmi | tan mām avatu tad vaktāram avatvavatu mām avatu vaktāram | mayi bhargo mayi mahaḥ | vāṅ me manasi pratiṣṭhitā | mano me vāci pratiṣṭhitam | āvir āvir mayyābhūḥ | vedasya ma āṇīḥ | ṛta mā mā hiṃsīḥ | anenādhītenāhorātrān saṃvasāmi | agne iḷā nama iḷā namaḥ | ṛṣibhyo mantrakṛdbhyo mantrapatibhyo namo 'stu devebhyaḥ | śivā naḥ śaṭamā bhava sumṛḍīkā sarasvati mā te vyoma saṃdṛśi | adabdhaṃ mana iṣiraṃ cakṣuḥ sūryo jyotiṣāṃ śreṣṭhaḥ | dīkṣe mā mā hiṃsīḥ ||
Deutsche Übersetzung
Om. Ich werde die rechte Ordnung sprechen. Ich werde die Wahrheit sprechen. Möge dies mich schützen; möge dies den Sprecher schützen. Möge es mich schützen, möge es den Sprecher schützen. In mir sei Glanz, in mir Größe. Meine Rede ist in meinem Geist gegründet; mein Geist ist in meiner Rede gegründet. Werde offenbar, werde mir offenbar. Sei mir die Achse des Veda. O rechte Ordnung, verletze mich nicht. Durch dieses Gelernte will ich Tag und Nacht verbunden bleiben. O Agni: Verehrung der Iḷā, Verehrung der Iḷā. Verehrung sei den Rishis, den Schöpfern der Mantras, den Herren der Mantras und den Göttern. O Sarasvati, sei uns heilvoll, hilfreich und gütig; mögen wir nicht von deinem Anblick getrennt werden. Der Geist sei ungetäuscht, das Auge lebendig; die Sonne ist die höchste der Leuchten. O Weihe, verletze mich nicht.
Wort-für-Wort-Erläuterung: om – heilige Silbe Om; ṛtam – rechte, kosmische Ordnung; vadiṣyāmi – ich werde sprechen; satyam – Wahrheit; tat (Sandhi: tan, tad) – dies; mām – mich; avatu – möge schützen; vaktāram – den Sprecher; avatv avatu – möge schützen, möge schützen; mayi – in mir; bhargaḥ (Sandhi: bhargo) – Glanz; mahaḥ – Größe; vāk (Sandhi: vāṅ) – Rede; me – meine, mir; manasi – im Geist; pratiṣṭhitā – gegründet, fest verankert; manaḥ (Sandhi: mano) – Geist; vāci – in der Rede; pratiṣṭhitam – gegründet; āvir āvir – offenbar, offenbar; mayi ābhūḥ (Sandhi: mayyābhūḥ) – werde mir/in mir offenbar; vedasya – des Veda; ma – mir; āṇīḥ – Achse, Achsnagel, tragender Kern; ṛta – o rechte Ordnung; mā mā hiṃsīḥ – verletze mich nicht; anena – durch dieses; adhītena – Gelernte, Rezitierte; ahorātrān – Tag und Nacht; saṃvasāmi – ich wohne zusammen, bleibe verbunden; agne – o Agni; iḷā – Iḷā, Opfergabe und angerufene Göttin; nama/namaḥ – Verehrung; ṛṣibhyaḥ – den Rishis; mantrakṛdbhyaḥ – den Schöpfern der Mantras; mantrapatibhyaḥ – den Herren/Hütern der Mantras; astu – möge sein; devebhyaḥ – den Göttern; śivā – heilvoll; naḥ – uns, für uns; śaṭamā – hilfreich, Gunst gewährend (textlich schwierige Form); bhava – sei; sumṛḍīkā – sehr gütig, gnädig; sarasvati – o Sarasvati; mā – nicht; te – dein, von dir; vyoma – textlich unsicher; die Wendung wird nach Parallelstellen als Bitte um ungetrenntes Schauen verstanden; saṃdṛśi – im Sehen, hinsichtlich des Anblicks (die Wortfolge ist textkritisch schwierig); adabdham – ungetäuscht, unversehrt; manaḥ – Geist; iṣiram – lebendig, kräftig; cakṣuḥ – Auge; sūryaḥ – Sonne; jyotiṣām – der Lichter; śreṣṭhaḥ – der höchste, beste; dīkṣe – o Weihe; mā mā hiṃsīḥ – verletze mich nicht.
Textkritischer Hinweis: Die Eröffnungsformel enthält mehrere unsichere Lesarten. Insbesondere die Wendungen um āvir, āṇīḥ und vyoma werden mit Hilfe der vedischen Parallelformeln gedeutet; die Worterklärung behauptet keine gesicherte Rekonstruktion des verlorenen Wortlauts.
7.2. Die Upanishad der Samhita – Kosmos und Mensch
athātaḥ saṃhitāyā upaniṣat | pṛthivī pūrvarūpaṃ dyaur uttararūpaṃ vāyuḥ saṃhiteti śauravīro māṇḍūkeyaḥ | ākāśaḥ saṃhitetyasya māṇḍavyo vedayāñ cakre - sa hāviparihṛto mene na me 'sya putreṇa samagād iti | parihṛto mena ity āgastyaḥ | samānaṃ hyatra pituśca putrasya ca vāyuś cākāśaś ca | ityadhidaivatam | athādhyātmam | vāk pūrvarūpaṃ mana uttararūpaṃ prāṇaḥ saṃhiteti śauravīro māṇḍūkeyaḥ | atha ha smāsya putra āha dīrghaḥ - manasā vā agre kīrtayati tad vācā vadati | tasmān mana eva pūrvarūpaṃ vāg uttararūpaṃ mano vāk prāṇas tveva saṃhiteti | sa eṣo 'śvarathaḥ praṣṭivāhano manovākprāṇasaṃhitaḥ svargaṃ lokaṃ gamayati | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur etīti nu māṇḍūkeyānām ||
Deutsche Übersetzung
Nun folgt die geheime Lehre der verbundenen Rezitation. „Die Erde ist die erste Form, der Himmel die folgende Form, der Wind ist die Verbindung“, sagt Śauravīra Māṇḍūkeya. „Der Raum ist die Verbindung“, lehrte Māṇḍavya in Bezug darauf. Er hielt ihn für nicht gesondert und dachte: „Mit dessen Sohn kam ich nicht überein.“ „Er ist gesondert“, sagt Āgastya. Denn hier sind Wind und Raum für Vater wie Sohn dasselbe. So weit die Betrachtung der Gottheiten; nun die Betrachtung des eigenen Selbst. „Rede ist die erste Form, Geist die folgende Form, Prana ist die Verbindung“, sagt Śauravīra Māṇḍūkeya. Sein Sohn Dīrgha sagte jedoch: „Mit dem Geist benennt man zuerst; dann spricht man es mit der Rede aus. Darum ist vielmehr der Geist die erste Form, die Rede die folgende Form; Geist, Rede und Prana zusammen sind die Verbindung.“ Dieser Pferdewagen, von drei Zugtieren gezogen und aus Geist, Rede und Prana verbunden, führt zur Himmelswelt. Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer. So lautet die Lehre der Māṇḍūkeyas.
Wort-für-Wort-Erläuterung: atha ataḥ (Sandhi: athātaḥ) – nun also; saṃhitāyāḥ (Sandhi: saṃhitāyā) – der Verbindung, des zusammenhängenden Textes; upaniṣat – geheime Lehre; pṛthivī – Erde; pūrvarūpam – erste, vorausgehende Form; dyauḥ (Sandhi: dyaur) – Himmel; uttararūpam – folgende Form; vāyuḥ – Wind; saṃhitā – Verbindung; iti – so; śauravīraḥ māṇḍūkeyaḥ – Śauravīra Māṇḍūkeya; ākāśaḥ – Raum; saṃhitā iti (Sandhi: saṃhitety) – „ist die Verbindung“, so; asya – hierauf, in Bezug darauf; māṇḍavyaḥ – Māṇḍavya; vedayām cakre (Sandhi: vedayāñ cakre) – lehrte, machte bekannt; saḥ ha (Sandhi: sa hā) – er aber; aviparihṛtaḥ – nicht gesondert, nicht unabhängig (Deutung mit Keith); mene – hielt dafür, dachte; na – nicht; me – mit mir, von mir; asya putreṇa – mit dessen Sohn; samagāt – kam zusammen, stimmte überein; parihṛtaḥ – gesondert, unabhängig (Deutung mit Keith); menaḥ – hielt er dafür (schwierige Lesart); āgastyaḥ – Āgastya; samānam – dasselbe, gleich; hi – denn; atra – hier; pituḥ ca – des Vaters und; putrasya ca – des Sohnes und; vāyuḥ ca ākāśaḥ ca – Wind und Raum; iti adhidaivatam – damit die Betrachtung auf der Ebene der Gottheiten; atha adhyātmam – nun auf der Ebene des eigenen Selbst; vāk – Rede; manaḥ – Geist; prāṇaḥ – Lebensatem; atha ha sma – nun aber, so wird berichtet; asya putraḥ – sein Sohn; āha – sagte; dīrghaḥ – Dīrgha; manasā – mit dem Geist; vai (hier Sandhi vā) – wahrlich; agre – zuerst; kīrtayati – benennt, bringt zur Sprache; tat – dieses; vācā – mit der Rede; vadati – spricht; tasmāt (Sandhi: tasmān) – deshalb; manaḥ eva – gerade der Geist; vāk – Rede; manaḥ vāk prāṇaḥ – Geist, Rede und Prana; tu eva (Sandhi: tveva) – eben aber; saḥ eṣaḥ (Sandhi: sa eṣo) – dieser da; aśvarathaḥ – Pferdewagen; praṣṭivāhanaḥ – von drei Zugtieren gezogen; manovākprāṇasaṃhitaḥ – aus Geist, Rede und Prana zusammengefügt; svargam lokam – zur Himmelswelt; gamayati – führt. sa – derjenige; yaḥ (im Sandhi ya) – welcher; evam – so; etām – diese; saṃhitām – Verbindung, verbundene Rezitation; veda – kennt; saṃdhīyate – wird verbunden; prajayā – mit Nachkommenschaft; paśubhiḥ (Sandhi: paśubhir) – mit Vieh; yaśasā – mit Ruhm; brahmavarcasena – mit Brahman-Glanz, geistiger Ausstrahlung; svargeṇa lokena – mit der Himmelswelt; sarvam – ganz, vollständig; āyuḥ (Sandhi: āyur) – Lebensdauer; eti – erreicht. iti nu – so nun; māṇḍūkeyānām – die Lehre der Māṇḍūkeyas.
Textkritischer Hinweis: Der kurze Austausch über Wind und Raum ist in seiner Überlieferung schwer verständlich. Keith weist besonders den Zusatz „des Vaters und des Sohnes“ als versetzte Reminiszenz an die ausführlichere Aitareya-Parallele aus. Die Übersetzung erhält den vorhandenen Wortlaut und kennzeichnet die Deutung als vorläufig.
7.3. Inhaltsanzeige (Anukramanī)
śākalyasya pṛthivyagniḥ pṛthivī vāg anuvyāhārāḥ | sa yadi nirbhujaḥ khalu vai vayaṃ madhyamo vāk prāṇena mātā jāyā prajñā vāg bṛhadgatir vālisarvamuttamam ||
Deutsche Übersetzung
Dies ist die im Manuskript nach 7.2 eingeschobene Inhaltsanzeige: „Śākalyas; Erde; Feuer; Erde; Rede; nachfolgende Aussprüche; wenn er; Nirbhujā; wahrlich; wir; Madhyama; Rede mit Prana; Mutter; Gattin; Erkenntnis; Rede; Bṛhat; Bewegung; Vāli; alles; das Letzte.“ Die Folge besteht aus Stichwörtern der folgenden Abschnitte und bildet keinen fortlaufenden Lehrsatz.
Wort-für-Wort-Erläuterung: śākalyasya – ‚Śākalyas‘, Stichwort zu 7.4; pṛthivī – ‚Erde‘, zu 7.5; agniḥ – ‚Feuer‘, zu 7.6 (in pṛthivyagniḥ verbunden); pṛthivī – ‚Erde‘, zu 7.7; vāk – ‚Rede‘, zu 7.8; anuvyāhārāḥ – ‚nachfolgende Aussprüche‘, zu 7.9; sa yadi – ‚wenn er‘, zu 7.10; nirbhujaḥ – ‚Nirbhujā‘, zu 7.11; khalu – ‚wahrlich‘, zu 7.12; vai vayam – ‚wir wahrlich‘, zu 7.13; madhyamaḥ (Sandhi: madhyamo) – Madhyama, zu 7.14; vāk prāṇena – ‚Rede mit Prana‘, zu 7.15; mātā – ‚Mutter‘, zu 7.16; jāyā – ‚Gattin‘, zu 7.17; prajñā – ‚Erkenntnis‘, zu 7.18; vāk – ‚Rede‘, zu 7.19; bṛhat – Bṛhat, Name eines Sāman, zu 7.20; gatiḥ – ‚Bewegung‘, zu 7.21 (im Sandhi bṛhadgatir); vāli – Vāliśikhāyani, zu 7.22; sarvam – ‚alles‘, zu 7.23; uttamam – ‚das Letzte/Höchste‘, Schlussmarker. Keith beschreibt diese Stelle ausdrücklich als Anukramaṇī, eine Inhaltsanzeige aus Anfangswörtern.
7.4. Himmel und Erde, Körper und drei Lichter
atha śākalyasya | pṛthivī pūrvarūpaṃ dyaur uttararūpaṃ vāyuḥ saṃhitā vṛṣṭiḥ saṃdhiḥ saṃdhātā | tad utāpi yatraitad balavad anugṛhṇan mahāmegho vṛṣṭiṃ varṣati | dyāvāpṛthivyau samadhātām ityadhidaivatam | athādhyātmam | puruṣo 'yaṃ sarvam āṇḍam | dve vidale bhavataḥ | tatredam eva pūrvarūpam idam uttararūpam | tatrāyam antareṇākāśaḥ | yathāsau dyāvāpṛthivyor antareṇākāśa etasminn ākāśe prāṇa āyatto bhavati yathāmuṣminn ākāśe vāyur āyatto bhavati | yathāmūni trīṇi jyotīṃṣyevam imāni puruṣe trīṇi jyotīṃṣi | yathāsau divyāditya evam idaṃ śirasi cakṣuḥ | yathāsāvantarikṣe vidyud evam idam ātmani hṛdayam | yathāyam agniḥ pṛthivyam evam idam upasthe retaḥ | evamiva ha sma sarvata ātmānam anuvidhāyāha - idam eva pūrvarūpam idam uttararūpaṃ mano vāk prāṇas tveva saṃhiteti | sa eṣo 'śvarathaḥ praṣṭivahano manovākprāṇasaṃhitaḥ svargaṃ lokaṃ gamayati | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Deutsche Übersetzung
Nun die Lehre Śākalyas. Die Erde ist die erste Form, der Himmel die folgende Form, der Wind ist die Verbindung, der Regen die Fuge, [Parjanya] der Verknüpfer. Daher sagt man auch, wenn die große Wolke kräftig und unablässig Regen regnen lässt: „Himmel und Erde haben sich verbunden.“ So weit die Betrachtung der Gottheiten; nun die Betrachtung des eigenen Selbst. Dieser Mensch ist als Ganzes eiförmig; er besteht aus zwei Hälften. Dabei ist diese die erste und jene die folgende Form; zwischen ihnen liegt hier ein Raum. Wie jener Raum zwischen Himmel und Erde liegt, so ist in diesem Raum der Prana gegründet, wie der Wind in jenem Raum gegründet ist. Wie dort drei Lichter sind, so gibt es im Menschen drei Lichter. Wie dort am Himmel die Sonne ist, so ist hier im Kopf das Auge. Wie dort im Luftraum der Blitz ist, so ist hier im Selbst das Herz. Wie hier auf Erden das Feuer ist, so ist hier am Zeugungsorgan der Same. Nachdem Śākalya so das Selbst nach allen Seiten dargestellt hatte, sagte er: „Dieses ist die erste Form, jenes die folgende Form; Geist, Rede und Prana zusammen sind die Verbindung.“ Dieser Pferdewagen, von drei Zugtieren gezogen und aus Geist, Rede und Prana verbunden, führt zur Himmelswelt. Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
Wort-für-Wort-Erläuterung: atha – nun; śākalyasya – die Lehre Śākalyas; pṛthivī – Erde; pūrvarūpam – erste Form; dyauḥ – Himmel; uttararūpam – folgende Form; vāyuḥ – Wind; saṃhitā – Verbindung; vṛṣṭiḥ – Regen; saṃdhiḥ – Fuge, Verbindungspunkt; saṃdhātā – Verknüpfer; Keith ergänzt als Subjekt den Regengott Parjanya, dessen Name hier nicht im erhaltenen Grundtext steht; tat uta api – daher auch dies; yatra etat – wenn dieses; balavat – kräftig; anugṛhṇan – unablässig, fördernd/anhaltend (textlich schwieriges Partizip); mahāmeghaḥ (Sandhi: mahāmegho) – große Wolke; vṛṣṭim – Regen; varṣati – regnet, lässt regnen; dyāvāpṛthivyau – Himmel und Erde (Dual); samadhātām – haben sich verbunden (Dual); iti adhidaivatam – damit die Betrachtung der Gottheiten; atha adhyātmam – nun die Betrachtung des eigenen Selbst; puruṣaḥ ayam – dieser Mensch; sarvam – als Ganzes; āṇḍam – eiförmig, Ei; dve – zwei; vidale – Hälften; bhavataḥ – sind, entstehen (Dual); tatra – dabei, dort; idam eva – gerade dieses; pūrvarūpam – erste Form; idam – dieses; uttararūpam – folgende Form; tatra ayam – dort dieser; antareṇa – dazwischen; ākāśaḥ – Raum; yathā asau – wie jener; dyāvāpṛthivyoḥ – zwischen Himmel und Erde; antareṇa ākāśaḥ – der dazwischenliegende Raum; etasmin ākāśe – in diesem Raum; prāṇaḥ – Prana; āyattaḥ bhavati – ist gegründet, abhängig; yathā amuṣmin ākāśe – wie in jenem Raum; vāyuḥ – Wind; yathā amūni – wie jene dort; trīṇi jyotīṃṣi – drei Lichter; evam imāni – ebenso diese hier; puruṣe – im Menschen; yathā asau divi ādityaḥ – wie dort am Himmel die Sonne; evam idam śirasi cakṣuḥ – so hier im Kopf das Auge; yathā asau antarikṣe vidyut – wie dort im Luftraum der Blitz; evam idam ātmani hṛdayam – so hier im Selbst das Herz; yathā ayam agniḥ pṛthivyam – wie hier das Feuer auf Erden; evam idam upasthe retaḥ – so hier am Zeugungsorgan der Same; evam iva – auf diese Weise; ha sma – so wird berichtet; sarvataḥ (Sandhi: sarvata) – nach allen Seiten; ātmānam – das Selbst; anuvidhāya – entsprechend darstellend, nachbildend; āha – sagte; idam eva – gerade dieses; manaḥ vāk prāṇaḥ – Geist, Rede, Prana; tu eva – eben aber; saṃhitā – Verbindung; saḥ eṣaḥ – dieser; aśvarathaḥ – Pferdewagen; praṣṭivahanaḥ – von drei Zugtieren gezogen; manovākprāṇasaṃhitaḥ – aus Geist, Rede und Prana verbunden; svargam lokam – zur Himmelswelt; gamayati – führt. sa – derjenige; yaḥ (im Sandhi ya) – welcher; evam – so; etām – diese; saṃhitām – Verbindung, verbundene Rezitation; veda – kennt; saṃdhīyate – wird verbunden; prajayā – mit Nachkommenschaft; paśubhiḥ (Sandhi: paśubhir) – mit Vieh; yaśasā – mit Ruhm; brahmavarcasena – mit Brahman-Glanz, geistiger Ausstrahlung; svargeṇa lokena – mit der Himmelswelt; sarvam – ganz, vollständig; āyuḥ (Sandhi: āyur) – Lebensdauer; eti – erreicht.
Textkritischer Hinweis: Der Name Parjanya steht hier als Ergänzung nach Keith in eckigen Klammern; der erhaltene Grundtext nennt an dieser Stelle nur „Verknüpfer“. Er wird deshalb nicht in den Sanskrittext hineingeschrieben.
7.5. Vishvamitra: Richtungen, Auge und Ohr
pṛthivī pūrvarūpaṃ dyaur uttararūpaṃ vāyuḥ saṃhitā diśaḥ saṃdhir ādityaḥ saṃdhāteti vaiśvāmitraḥ | ityadhidaivatam | athādhyātmam | vāk pūrvarūpaṃ mana uttararūpaṃ prāṇaḥ saṃhitā śrotraṃ saṃdhiś cakṣuḥ saṃdhātā | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Deutsche Übersetzung
„Die Erde ist die erste Form, der Himmel die folgende Form, der Wind die Verbindung, die Himmelsrichtungen sind die Fuge und die Sonne ist der Verknüpfer“, lehrt Vaiśvāmitra. So weit die Betrachtung der Gottheiten; nun die Betrachtung des eigenen Selbst: Rede ist die erste Form, Geist die folgende Form, Prana die Verbindung, das Gehör die Fuge und das Auge der Verknüpfer. Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
Wort-für-Wort-Erläuterung: pṛthivī – Erde; pūrvarūpam – erste Form; dyauḥ – Himmel; uttararūpam – folgende Form; vāyuḥ – Wind; saṃhitā – Verbindung; diśaḥ – Himmelsrichtungen; saṃdhiḥ – Fuge; ādityaḥ – Sonne; saṃdhātā – Verknüpfer; iti vaiśvāmitraḥ – so Vaiśvāmitra; iti adhidaivatam – damit die Betrachtung der Gottheiten; atha adhyātmam – nun die Betrachtung des eigenen Selbst; vāk – Rede; manaḥ – Geist; prāṇaḥ – Prana; śrotram – Gehör; saṃdhiḥ (Sandhi: saṃdhiś) – Fuge; cakṣuḥ – Auge; saṃdhātā – Verknüpfer. sa – derjenige; yaḥ (im Sandhi ya) – welcher; evam – so; etām – diese; saṃhitām – Verbindung, verbundene Rezitation; veda – kennt; saṃdhīyate – wird verbunden; prajayā – mit Nachkommenschaft; paśubhiḥ (Sandhi: paśubhir) – mit Vieh; yaśasā – mit Ruhm; brahmavarcasena – mit Brahman-Glanz, geistiger Ausstrahlung; svargeṇa lokena – mit der Himmelswelt; sarvam – ganz, vollständig; āyuḥ (Sandhi: āyur) – Lebensdauer; eti – erreicht.
7.6. Suryadatta: Feuer, Mond, Blitz und Wahrheit
agniḥ pūrvarūpaṃ candramā uttararūpaṃ vidyut saṃhiteti sūryadattaḥ | ityadhidaivatam | athādhyātmam - vāk pūrvarūpaṃ mana uttararūpaṃ satyaṃ saṃhitā | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Deutsche Übersetzung
„Feuer ist die erste Form, der Mond die folgende Form, der Blitz die Verbindung“, lehrt Sūryadatta. So weit die Betrachtung der Gottheiten; nun die Betrachtung des eigenen Selbst: Rede ist die erste Form, Geist die folgende Form und Wahrheit die Verbindung. Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
Wort-für-Wort-Erläuterung: agniḥ – Feuer; pūrvarūpam – erste Form; candramā – Mond; uttararūpam – folgende Form; vidyut – Blitz; saṃhitā iti (Sandhi: saṃhiteti) – „ist die Verbindung“, so; sūryadattaḥ – Sūryadatta; iti adhidaivatam – damit die Betrachtung der Gottheiten; atha adhyātmam – nun die Betrachtung des eigenen Selbst; vāk – Rede; manaḥ – Geist; satyam – Wahrheit; saṃhitā – Verbindung. sa – derjenige; yaḥ (im Sandhi ya) – welcher; evam – so; etām – diese; saṃhitām – Verbindung, verbundene Rezitation; veda – kennt; saṃdhīyate – wird verbunden; prajayā – mit Nachkommenschaft; paśubhiḥ (Sandhi: paśubhir) – mit Vieh; yaśasā – mit Ruhm; brahmavarcasena – mit Brahman-Glanz, geistiger Ausstrahlung; svargeṇa lokena – mit der Himmelswelt; sarvam – ganz, vollständig; āyuḥ (Sandhi: āyur) – Lebensdauer; eti – erreicht.
7.7. Radheya: Zeit und Atman als Verbindung
pṛthivī pūrvarūpaṃ dyaur uttararūpaṃ kālaḥ saṃhiteti rādheyaḥ | ityadhidaivatam | athādhyātmam - vāk pūrvarūpaṃ mana uttararūpaṃ ātmā saṃhitā | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Deutsche Übersetzung
„Die Erde ist die erste Form, der Himmel die folgende Form und die Zeit die Verbindung“, lehrt Rādheya. So weit die Betrachtung der Gottheiten; nun die Betrachtung des eigenen Selbst: Rede ist die erste Form, Geist die folgende Form und der Atman die Verbindung. Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
Wort-für-Wort-Erläuterung: pṛthivī – Erde; pūrvarūpam – erste Form; dyauḥ – Himmel; uttararūpam – folgende Form; kālaḥ – Zeit; saṃhitā iti – „ist die Verbindung“, so; rādheyaḥ – Rādheya; iti adhidaivatam – damit die Betrachtung der Gottheiten; atha adhyātmam – nun die Betrachtung des eigenen Selbst; vāk – Rede; manaḥ – Geist; ātmā – Selbst; saṃhitā – Verbindung. sa – derjenige; yaḥ (im Sandhi ya) – welcher; evam – so; etām – diese; saṃhitām – Verbindung, verbundene Rezitation; veda – kennt; saṃdhīyate – wird verbunden; prajayā – mit Nachkommenschaft; paśubhiḥ (Sandhi: paśubhir) – mit Vieh; yaśasā – mit Ruhm; brahmavarcasena – mit Brahman-Glanz, geistiger Ausstrahlung; svargeṇa lokena – mit der Himmelswelt; sarvam – ganz, vollständig; āyuḥ (Sandhi: āyur) – Lebensdauer; eti – erreicht.
7.8. Paushkarasadi: Wissen verbindet Rede und Geist
vāk pūrvarūpaṃ mana uttararūpaṃ vidyā saṃhiteti pauṣkarasādiḥ | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Deutsche Übersetzung
„Rede ist die erste Form, Geist die folgende Form und Wissen die Verbindung“, lehrt Pauṣkarasādi. Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
Wort-für-Wort-Erläuterung: vāk – Rede; pūrvarūpam – erste Form; manaḥ – Geist; uttararūpam – folgende Form; vidyā – Wissen; saṃhitā iti – „ist die Verbindung“, so; pauṣkarasādiḥ – Pauṣkarasādi. sa – derjenige; yaḥ (im Sandhi ya) – welcher; evam – so; etām – diese; saṃhitām – Verbindung, verbundene Rezitation; veda – kennt; saṃdhīyate – wird verbunden; prajayā – mit Nachkommenschaft; paśubhiḥ (Sandhi: paśubhir) – mit Vieh; yaśasā – mit Ruhm; brahmavarcasena – mit Brahman-Glanz, geistiger Ausstrahlung; svargeṇa lokena – mit der Himmelswelt; sarvam – ganz, vollständig; āyuḥ (Sandhi: āyur) – Lebensdauer; eti – erreicht.
7.9. Prana als tragender Balken
athāto 'nuvyāhārāḥ | prāṇo vaṃśa iti vidyāt | sa ya enaṃ prāṇaṃ vaṃśaṃ bruvan param upavadet śaknuvan kaścic cen manyeta - prāṇaṃ vaṃśaṃ samadhām | prāṇaṃ vaṃśaṃ saṃdhitsituṃ na śaknoṣītyāttha | prāṇas tvā vaṃśo hāsyatītyevainaṃ brūyāt | atha ced aśaknuvan manyeta prāṇaṃ vaṃśaṃ samadhitsīḥ taṃ nāśakaḥ saṃdhātuṃ prāṇas tvā vaṃśo hāsyatītyevainaṃ brūyāt | yathā nu kathā ca bruvan vābruvan vā brūyād abhyāśam eva yat tat tathā syāt | na tvevānyat kuśalād brāhmaṇaṃ brūyād atidyumna eva brāhmaṇaṃ brūyān nātidyumne ca na brāhmaṇaṃ brūyān namo 'stu brāhmaṇebhya iti śauravīro māṇḍūkeyaḥ ||
Deutsche Übersetzung
Nun folgen die Gegenreden. Man soll wissen: Prana ist der tragende Balken. Wenn jemand, der Prana den Balken nennt, einen anderen tadelt und sich für stark hält, sagt er: „Du hast Prana, den Balken, ergriffen. Du vermagst Prana, den Balken, nicht zu ergreifen“, so hast du gesprochen. Dann soll man zu ihm sagen: „Prana, der Balken, wird dich verlassen.“ Hält er sich dagegen für schwach, soll er sagen: „Du wolltest Prana, den Balken, ergreifen; du vermochtest ihn nicht zu ergreifen. Prana, der Balken, wird dich verlassen.“ Was auch immer er zu ihm sagt, ob der andere selbst spricht oder nicht, es wird gewiss ebenso eintreffen. Einem Brahmanen soll er jedoch nichts anderes als Gutes sagen. Nur im Fall außerordentlichen Wohlstands dürfe man so zu einem Brahmanen sprechen. „Auch dann nicht! Verehrung sei den Brahmanen“, sagt Śauravīra Māṇḍūkeya.
Wort-für-Wort-Erläuterung: atha ataḥ – nun also; anuvyāhārāḥ – Gegenreden, nachfolgende Aussprüche; prāṇaḥ – Prana; vaṃśaḥ – Balken, Hauptbalken; iti – so; vidyāt – soll man wissen; saḥ yaḥ (sa ya) – derjenige, welcher; enam – diesen; prāṇam vaṃśam – Prana als Balken; bruvan – nennend, lehrend; param – einen anderen; upavadet – tadeln, angreifen würde; śaknuvan – fähig, stark; kaścit – jemand; cet (Sandhi: cen) – wenn; manyeta – sollte meinen; prāṇam vaṃśam – Prana, den Balken; samadhām – ich/du hast ergriffen (überlieferte, grammatisch schwierige Form); saṃdhitsitum – zu verbinden, zu ergreifen; na śaknoṣi – du vermagst nicht; iti āttha – so hast du gesprochen; prāṇaḥ – Prana; tvā – dich; vaṃśaḥ – der Balken; hāsyati – wird verlassen; iti eva enam brūyāt – genau so soll man zu ihm sagen; atha cet – wenn aber; aśaknuvan – sich für unfähig/schwach haltend; samadhitsīḥ – du wolltest ergreifen; tam – diesen, ihn; na aśakaḥ – du vermochtest nicht; saṃdhātum – zu verbinden, zu ergreifen; yathā nu kathā ca – auf welche Weise auch immer; bruvan vā abruvan vā – sprechend oder nicht sprechend; brūyāt – er soll sagen; abhyāśam eva – ganz gewiss, mit Sicherheit; yat tat – was immer dies; tathā syāt – so möge/wird es sein; na tu eva anyat – jedoch nichts anderes; kuśalāt – als Gutes, Heilsames; brāhmaṇam – zu einem Brahmanen; brūyāt – soll er sagen; atidyumne – bei übergroßem Wohlstand, in höchster Macht; eva – nur; brāhmaṇam brūyāt – soll er zu einem Brahmanen sagen; na atidyumne ca na – auch bei übergroßem Wohlstand nicht; namaḥ astu – Verehrung sei; brāhmaṇebhyaḥ – den Brahmanen; iti śauravīraḥ māṇḍūkeyaḥ – so Śauravīra Māṇḍūkeya.
7.10. Wiederholung der Schutzregel
sa yadi prāṇaṃ vaṃśaṃ bruvantaṃ param upavadet śaknuvantaṃ cen manyeta - prāṇaṃ vaṃśaṃ samadhitsiṣam prāṇaṃ vaṃśaṃ saṃdhitsituṃ na śaknoṣītyāttha | prāṇas tvā vaṃśo hāsyatītyevainaṃ brūyāt | atha ced aśaknuvantaṃ manyeta - prāṇaṃ vaṃśaṃ samadhitsīs tan nāśakaḥ saṃdhātum | prāṇas tvā vaṃśo hāsyatītyevainaṃ brūyāt | yathā nu kathā ca bruvantaṃ vābruvantaṃ vā brūyād abhyāśam eva yat tat tathā syāt | na tvevānyat kuśalād brāhmaṇaṃ brūyād atidyumna eva brāhmaṇaṃ brūyān nātidyumne ca na brāhmaṇaṃ brūyān namo 'stu brāhmaṇebhya iti śauravīro māṇḍūkeyaḥ ||
Deutsche Übersetzung
Wenn ein anderer denjenigen tadelt, der Prana den Balken nennt, und dieser ihn für stark hält, sagt er: „Ich wollte Prana, den Balken, ergreifen; du vermagst Prana, den Balken, nicht zu ergreifen“, so hast du gesprochen. Dann soll er zu ihm sagen: „Prana, der Balken, wird dich verlassen.“ Hält er ihn dagegen für schwach, soll er sagen: „Du wolltest Prana, den Balken, ergreifen; du vermochtest ihn nicht zu ergreifen. Prana, der Balken, wird dich verlassen.“ Was auch immer er zu ihm sagt, ob der andere selbst spricht oder nicht, es wird gewiss ebenso eintreffen. Einem Brahmanen soll er jedoch nichts anderes als Gutes sagen. Nur im Fall außerordentlichen Wohlstands dürfe man so zu einem Brahmanen sprechen. „Auch dann nicht! Verehrung sei den Brahmanen“, sagt Śauravīra Māṇḍūkeya.
Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ yadi – wenn er; prāṇam vaṃśam bruvantam – den Prana als Balken Bezeichnenden; param – ein anderer; upavadet – tadeln sollte; śaknuvantam – ihn für fähig/stark; cet manyeta – wenn er hielte; prāṇam vaṃśam – Prana, den Balken; samadhitsiṣam – ich wollte ergreifen (überlieferte Desiderativform); saṃdhitsitum – zu ergreifen/verbinden; na śaknoṣi – du vermagst nicht; iti āttha – so hast du gesprochen; prāṇaḥ tvā vaṃśaḥ hāsyati – Prana, der Balken, wird dich verlassen; iti eva enam brūyāt – genau so soll er zu ihm sagen; atha cet – wenn aber; aśaknuvantam – ihn für unfähig/schwach; manyeta – er hielte; samadhitsīḥ – du wolltest ergreifen; tat (Sandhi: tan) – dieses; na aśakaḥ – du vermochtest nicht; saṃdhātum – zu ergreifen/verbinden; yathā nu kathā ca – auf welche Weise auch immer; bruvantam vā abruvantam vā – den Sprechenden oder Nichtsprechenden; brūyāt – er soll anreden; abhyāśam eva – ganz gewiss; yat tat – was dies; tathā syāt – so wird es sein; na tu eva anyat – jedoch nichts anderes; kuśalāt – als Gutes; brāhmaṇam brūyāt – soll er zu einem Brahmanen sagen; atidyumne eva – nur bei übergroßem Wohlstand; na atidyumne ca na – auch dann nicht; namaḥ astu brāhmaṇebhyaḥ – Verehrung sei den Brahmanen; iti śauravīraḥ māṇḍūkeyaḥ – so Śauravīra Māṇḍūkeya. Die Syntax beider Gegenreden ist bereits in der alten Überlieferung unsicher; die Übersetzung folgt Keiths behutsamer Deutung und kennzeichnet die problematischen Verbformen.
7.11. Drei Arten der Lautverbindung
athāto nirbhujapravādāḥ | pṛthivyāyatanaṃ nirbhujaṃ divāyatanaṃ pratṛṇṇam antarikṣāyatanam ubhayam antareṇa | sa ya enaṃ nirbhujaṃ bruvan param upavadet | pṛthivīṃ devatām āraḥ pṛthivī tvā devatāriṣyatītyenaṃ brūyāt | atha yadi pratṛṇṇam bruvan param upavaded divaṃ devatām āro dyaus tvā devatāriṣyatītyenaṃ brūyāt | atha yadyubhayam antareṇa bruvan param upavaded antarikṣaṃ devatām āra antarikṣaṃ tvā devatāriṣyatītiyenaṃ brūyāt | yad dhi saṃdhiṃ vivartayati tan nirbhujasya rūpam | atha yac chuddhe akṣare abhivyāharati tat pratṛṇṇasyāgra u eva | ubhayam antareṇobhayaṃ vyāptaṃ bhavati | annādyakāmo nirbhujaṃ brūyāt svargakāmaḥ pratṛṇṇam ubhayakāma ubhayamantareṇa | sa ya enaṃ nirbhujaṃ bruvan param upavaded acyoṣṭhā avarābhyāṃ sthānābhyām ityenaṃ brūyāt | atha yadi pratṛṇṇam bruvan param upavaded acyoṣṭhā uttarābhyāṃ sthānābhyām ityevainaṃ brūyāt | yastvevobhayam antareṇāha tasya nāstyupavādaḥ | yathā nu kathā ca bruvan vābruvan vā brūyād abhyāśam kuśalād brāhmaṇaṃ brūyād atidyumna evaṃ brāhmaṇaṃ brūyān nātidyumne ca na brāhmaṇaṃ brūyāt | namo 'stu brāhmaṇebhya iti śauravīro māṇḍūkeyaḥ ||
Deutsche Übersetzung
Nun folgen die Lehren über die Nirbhujā-Rezitation. Die Nirbhujā hat die Erde als Grundlage, die Pratṛṇṇā den Himmel, die zwischen beiden liegende Rezitationsweise den Luftraum. Wenn einer, der Nirbhujā rezitiert, einen anderen tadelt, soll man ihm sagen: „Du hast dich an der Gottheit Erde vergangen; die Gottheit Erde wird dich treffen.“ Wenn einer, der Pratṛṇṇā rezitiert, einen anderen tadelt, soll man ihm sagen: „Du hast dich an der Gottheit Himmel vergangen; die Gottheit Himmel wird dich treffen.“ Wenn einer, der die zwischen beiden liegende Weise rezitiert, einen anderen tadelt, soll man ihm sagen: „Du hast dich an der Gottheit Luftraum vergangen; die Gottheit Luftraum wird dich treffen.“ Denn wenn er die Lautverbindung entfaltet, ist dies die Form der Nirbhujā; wenn er die beiden Laute in ihrer reinen Einzelgestalt ausspricht, ist dies die Form der Pratṛṇṇā und das Ursprüngliche. In der zwischen beiden liegenden Weise sind beide umfasst. Wer Speise und die Fähigkeit zu essen wünscht, soll Nirbhujā rezitieren; wer den Himmel wünscht, Pratṛṇṇā; wer beides wünscht, die zwischen beiden liegende Weise. Wenn einer, der Nirbhujā rezitiert, einen anderen tadelt, soll man ihm sagen: „Du bist aus den beiden unteren Stellen gefallen.“ Wenn einer, der Pratṛṇṇā rezitiert, einen anderen tadelt, soll man ihm sagen: „Du bist aus den beiden oberen Stellen gefallen.“ Gegen denjenigen aber, der die zwischen beiden liegende Weise spricht, gibt es keinen Tadel. Was auch immer er sagt, ob der andere spricht oder nicht, wird gewiss eintreffen. Er soll einem Brahmanen nur Gutes sagen; nur bei übergroßem Wohlstand dürfe er so zu ihm sprechen. „Auch dann soll er es einem Brahmanen nicht sagen. Verehrung sei den Brahmanen“, sagt Śauravīra Māṇḍūkeya.
Wort-für-Wort-Erläuterung: atha ataḥ – nun also; nirbhujapravādāḥ – Lehren/Aussprüche über die Nirbhujā; pṛthivī-āyatanam – die Erde als Grundlage habend; nirbhujam – die Nirbhujā-Rezitation mit vollzogener Lautverbindung; div-āyatanam – den Himmel als Grundlage habend; pratṛṇṇam – die Pratṛṇṇā-Rezitation mit getrennten Lauten; antarikṣa-āyatanam – den Luftraum als Grundlage habend; ubhayam antareṇa – zwischen beiden, beide Weisen verbindend; saḥ yaḥ enam – wer diesen; nirbhujam bruvan – Nirbhujā rezitierend; param upavadet – einen anderen tadeln sollte; pṛthivīm devatām āraḥ – du hast die Gottheit Erde getroffen/verletzt (āraḥ ist textlich schwierig); pṛthivī tvā devatā ariṣyati – die Gottheit Erde wird dich treffen/schädigen; iti enam brūyāt – so soll man zu ihm sagen; atha yadi – wenn aber; pratṛṇṇam bruvan – Pratṛṇṇā rezitierend; divam devatām āraḥ – du hast die Gottheit Himmel verletzt; dyauḥ tvā devatā ariṣyati – die Gottheit Himmel wird dich treffen; yadi ubhayam antareṇa bruvan – wenn er die zwischen beiden liegende Weise rezitiert; antarikṣam devatām āra – du hast die Gottheit Luftraum verletzt; antarikṣam tvā devatā ariṣyati – die Gottheit Luftraum wird dich treffen; yat hi – denn was; saṃdhim – Lautverbindung, Sandhi; vivartayati – entfaltet, hervortreten lässt; tat nirbhujasya rūpam – das ist die Form der Nirbhujā; atha yat – und was; śuddhe akṣare – die beiden reinen Laute; abhivyāharati – er deutlich ausspricht; tat pratṛṇṇasya – das gehört zur Pratṛṇṇā; agra u eva – und ist das Ursprüngliche/Erste (unsichere Wendung); ubhayam antareṇa – durch die zwischen beiden liegende Weise; ubhayam – beides; vyāptam bhavati – wird umfasst; annādya-kāmaḥ – Speise und Essvermögen wünschend; nirbhujam brūyāt – soll Nirbhujā rezitieren; svargakāmaḥ – den Himmel wünschend; pratṛṇṇam – Pratṛṇṇā; ubhayakāmaḥ – beides wünschend; ubhayam antareṇa – die zwischen beiden liegende Weise; acyoṣṭhā – du bist herabgefallen; avarābhyām sthānābhyām – aus den beiden unteren Stellen; uttarābhyām sthānābhyām – aus den beiden oberen Stellen; yaḥ tu eva – wer aber gerade; ubhayam antareṇa āha – die zwischen beiden liegende Weise spricht; tasya – für ihn; na asti upavādaḥ – gibt es keinen Tadel; yathā nu kathā ca – wie auch immer; bruvan vā abruvan vā – sprechend oder nicht sprechend; brūyāt – er möge sagen; abhyāśam – gewiss; kuśalāt – als Gutes/Heilsames; brāhmaṇam – zu einem Brahmanen; atidyumne – bei übergroßem Wohlstand; evam – so; na atidyumne ca na – auch dann nicht; namaḥ astu brāhmaṇebhyaḥ – Verehrung sei den Brahmanen; iti śauravīraḥ māṇḍūkeyaḥ – so Śauravīra Māṇḍūkeya.
7.12. Die beiden Buchstaben und ihr Zwischenlaut
atha khalvāhur nirbhujavaktrāḥ | pūrvam evākṣaraṃ pūrvarūpam uttaram uttararūpam | yakāravakārāvantareṇa sā saṃhiteti | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Deutsche Übersetzung
Nun sagen die Nirbhujā-Rezitatoren: „Der erste Laut ist die erste Form, der folgende die folgende Form; was zwischen y-Laut und v-Laut liegt, ist die Verbindung.“ Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
Wort-für-Wort-Erläuterung: atha khalu āhuḥ (Sandhi: atha khalvāhur) – nun sagen wahrlich; nirbhujavaktrāḥ – die Nirbhujā-Rezitatoren; pūrvam eva akṣaram – gerade der erste Laut; pūrvarūpam – erste Form; uttaram – der folgende Laut; uttararūpam – folgende Form; yakāra-vakārau – y-Laut und v-Laut (Dual); antareṇa – dazwischen, zwischen beiden; sā – sie; saṃhitā – Verbindung; iti – so. sa – derjenige; yaḥ (im Sandhi ya) – welcher; evam – so; etām – diese; saṃhitām – Verbindung, verbundene Rezitation; veda – kennt; saṃdhīyate – wird verbunden; prajayā – mit Nachkommenschaft; paśubhiḥ (Sandhi: paśubhir) – mit Vieh; yaśasā – mit Ruhm; brahmavarcasena – mit Brahman-Glanz, geistiger Ausstrahlung; svargeṇa lokena – mit der Himmelswelt; sarvam – ganz, vollständig; āyuḥ (Sandhi: āyur) – Lebensdauer; eti – erreicht.
7.13. Die Mora als Verbindung
atha vai vayaṃ brūmo nirbhujavaktrāḥ sma iti ha smāha hvastro māṇḍūkeyaḥ | pūrvam evākṣaraṃ pūrvarūpam uttaram uttararūpam | tad yāsau mātrā pūrvarūpottarūpe antareṇa yena saṃdhiṃ vivartayati yena mātrāmātraṃ vibhajati yena svarāt svaraṃ vijñāpayati sā saṃhiteti | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Deutsche Übersetzung
„Nun aber sagen wir: Wir sind Nirbhujā-Rezitatoren“, sagte Hrasva Māṇḍūkeya. „Der erste Laut ist die erste Form, der folgende die folgende Form. Jene Mora zwischen erster und folgender Form, durch die man die Lautverbindung entfaltet, durch die man Mora von Mora abteilt und Ton von Ton unterscheiden lässt: Sie ist die Verbindung.“ Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
Wort-für-Wort-Erläuterung: atha vai – nun aber, wahrlich; vayam – wir; brūmaḥ (Sandhi: brūmo) – sagen; nirbhujavaktrāḥ smaḥ – wir sind Nirbhujā-Rezitatoren; iti ha sma āha – so sagte einst; hrasvaḥ (überliefert hvastro) – Hrasva; māṇḍūkeyaḥ – Māṇḍūkeya; pūrvam eva akṣaram – gerade der erste Laut; pūrvarūpam – erste Form; uttaram – folgender Laut; uttararūpam – folgende Form; tat yā asau mātrā – jene Mora, die dort; pūrvarūpottararūpe antareṇa – zwischen erster und folgender Form; yena – wodurch; saṃdhim vivartayati – man die Lautverbindung entfaltet/unterscheidet; yena – wodurch; mātrā-amātram – Mora und Nicht-Mora beziehungsweise Mora von Mora; vibhajati – abteilt, unterscheidet; yena – wodurch; svarāt svaram – Ton von Ton; vijñāpayati – erkennen, unterscheiden lässt; sā saṃhitā – sie ist die Verbindung; iti – so. sa – derjenige; yaḥ (im Sandhi ya) – welcher; evam – so; etām – diese; saṃhitām – Verbindung, verbundene Rezitation; veda – kennt; saṃdhīyate – wird verbunden; prajayā – mit Nachkommenschaft; paśubhiḥ (Sandhi: paśubhir) – mit Vieh; yaśasā – mit Ruhm; brahmavarcasena – mit Brahman-Glanz, geistiger Ausstrahlung; svargeṇa lokena – mit der Himmelswelt; sarvam – ganz, vollständig; āyuḥ (Sandhi: āyur) – Lebensdauer; eti – erreicht.
Textkritischer Hinweis: Die gedruckte Form hvastro wird mit Keith und der Parallelüberlieferung als Name Hrasva verstanden; die genaue Form ist textkritisch unsicher.
7.14.1. Sama als Erkenntnis der Verbindung
atha ha smāsya putra āha madhyamaḥ prātiyodhīputro magadhavāsī pūrvam evākṣaraṃ pūrvarūpam uttaram uttararūpam | tad yāsau mātrā saṃdhivijñāpanī sāma tad bhavati sāmaihāvaṃ saṃhitāṃ manya iti | tad etad ṛcābhyuditam
Deutsche Übersetzung
Sein Sohn Madhyama, der Sohn des Prātiyodhin und Bewohner Magadhas, sagte: „Der erste Laut ist die erste Form, der folgende die folgende Form. Jene Mora, die die Lautverbindung erkennen lässt, wird zum Sāman. Ich halte hier das Sāman für die Verbindung.“ Dies wird in einem Rigveda-Vers ausgesprochen:
Wort-für-Wort-Erläuterung: atha ha sma – nun, so wird berichtet; asya putraḥ – sein Sohn; āha – sagte; madhyamaḥ – Madhyama; prātiyodhiputraḥ – Sohn des Prātiyodhin; magadhavāsī – Bewohner Magadhas; pūrvam eva akṣaram – der erste Laut; pūrvarūpam – erste Form; uttaram – der folgende; uttararūpam – folgende Form; tat yā asau mātrā – jene Mora; saṃdhivijñāpanī – die Lautverbindung kenntlich machend; sāma – Sāman, heiliger Gesang; tat bhavati – dazu wird sie; sāma iha – das Sāman hier; evam (in sāmaihāvaṃ textlich verschliffen) – so; saṃhitām manye (überliefert manya) – halte ich für die Verbindung; iti – so; tat etat – dieses; ṛcā – durch einen Rigveda-Vers; abhyuditam – ausgesprochen;
7.14.2. Zitierter Rigveda-Vers
mā naḥ stenebhyo ye abhi druhas pade nirāmiṇo ripavo 'nneṣu jāgṛdhuḥ | ā devānām ohate vi vrayo hṛdi bṛhaspate na paraḥ sāmno viduḥ ||
Deutsche Übersetzung
„Gib uns nicht den Dieben preis, die an der Stätte feindlich sinnen, den neidischen Feinden, die nach Speisen gieren; die im Herzen die Hinwendung zu den Göttern abwerfen. O Bṛhaspati, nichts Höheres als das Sāman kennen sie.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: mā naḥ – nicht uns, gib uns nicht; stenebhyaḥ – den Dieben preis; ye – welche; abhi druhas – feindlich sinnen; pade – an der Stätte, gegen den Sitzenden; nirāmiṇaḥ – ohne Anteil, neidisch, gierig (schwierige Form); ripavaḥ (Sandhi: ripavo) – Feinde; anneṣu – nach den Speisen/Gütern; jāgṛdhuḥ – gieren, wachsam lauern; ā – hin, zu; devānām – der Götter; ohate – wirft ab, verlässt (schwierige Form); vi vrayaḥ (Sandhi: vi vrayo) – Abkehr, feindliche Trennung (unsichere Deutung); hṛdi – im Herzen; bṛhaspate – o Bṛhaspati; na paraḥ – nichts Höheres; sāmnaḥ (Sandhi: sāmno) – als das Sāman; viduḥ – sie kennen.
Textkritischer Hinweis: Das zitierte Rigveda-Mantra 2.23.16 ist sprachlich schwierig; die Übersetzung folgt dem Zusammenhang der historischen Ausgabe und vermeidet eine sicherere Aussage, als der Wortlaut erlaubt.
7.14.3. Anschluss und Verheißung
iti | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Deutsche Übersetzung
Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sa – derjenige; yaḥ (im Sandhi ya) – welcher; evam – so; etām – diese; saṃhitām – Verbindung, verbundene Rezitation; veda – kennt; saṃdhīyate – wird verbunden; prajayā – mit Nachkommenschaft; paśubhiḥ (Sandhi: paśubhir) – mit Vieh; yaśasā – mit Ruhm; brahmavarcasena – mit Brahman-Glanz, geistiger Ausstrahlung; svargeṇa lokena – mit der Himmelswelt; sarvam – ganz, vollständig; āyuḥ (Sandhi: āyur) – Lebensdauer; eti – erreicht.
7.15. Rede, Prana und die aufsteigende Verbindung
vāk prāṇena saṃdhīyata iti kauṇṭharavyaḥ | prāṇaḥ pavamānena pavamāno viśvair devair viśve devāḥ svargeṇa lokena svargo loko brahmaṇā saiṣāvaraparā saṃhitā | sa ya evam etām avaraparāṃ saṃhitāṃ veda evaṃ haiva sa prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena saṃdhīyate yathaiṣāvaraparā saṃhitā | sa yadi pareṇa vopasṛṣṭaḥ svena vārthenābhivyāhared abhivyāharann eva vidyāt - divaṃ saṃhitāgamad viduṣo devān abhivyāhārārtham evaṃ bhaviṣyatīti | etenāvarapareṇa tathā haiva tad bhavati ||
Deutsche Übersetzung
„Rede wird mit Prana verbunden“, lehrt Kauṇṭharavya. Prana wird mit dem reinigenden Wind verbunden, der reinigende Wind mit den Allgöttern, die Allgötter mit der Himmelswelt, die Himmelswelt mit Brahman. Dies ist die vom Niederen zum Höheren fortschreitende Verbindung. Wer diese fortschreitende Verbindung so kennt, wird ebenso mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden wie diese fortschreitende Verbindung. Wenn er auf Veranlassung eines anderen oder um seiner eigenen Sache willen rezitiert, soll er während der Rezitation wissen: „Die Verbindung ist zum Himmel gelangt; sie ist zu den Göttern des Wissenden gelangt, damit die Rezitation ihr Ziel erreiche. So wird es sein.“ Durch dieses Fortschreiten wird es wahrlich so.
Wort-für-Wort-Erläuterung: vāk – Rede; prāṇena – mit Prana; saṃdhīyate (überliefert saṃdhīyata) – wird verbunden; iti kauṇṭharavyaḥ – so Kauṇṭharavya; prāṇaḥ pavamānena – Prana mit dem Reinigenden/strömenden Wind; pavamānaḥ (Sandhi: pavamāno) – der Reinigende; viśvaiḥ devaiḥ – mit den Allgöttern; viśve devāḥ – die Allgötter; svargeṇa lokena – mit der Himmelswelt; svargaḥ lokaḥ – die Himmelswelt; brahmaṇā – mit Brahman; sā eṣā (saiṣā) – diese; avaraparā – vom Niederen/Früheren zum Höheren/Späteren fortschreitend; saṃhitā – Verbindung; saḥ yaḥ – derjenige, welcher; evam – so; etām avaraparām saṃhitām – diese fortschreitende Verbindung; veda – kennt; evam ha eva – ebenso wahrlich; saḥ – er; prajayā – mit Nachkommenschaft; paśubhiḥ – mit Vieh; yaśasā – mit Ruhm; brahmavarcasena – mit Brahman-Glanz; svargeṇa lokena – mit der Himmelswelt; saṃdhīyate – wird verbunden; yathā eṣā – wie diese; saḥ yadi – wenn er; pareṇa vā upasṛṣṭaḥ – von einem anderen veranlasst; svena vā arthena – oder um seiner eigenen Sache willen; abhivyāharet – rezitieren, aussprechen sollte; abhivyāharan eva – gerade während des Aussprechens; vidyāt – soll er wissen; divam – zum Himmel; saṃhitā agamat – die Verbindung gelangte; viduṣaḥ – des Wissenden; devān – zu den Göttern; abhivyāhārārtham – um der Rezitation/Aussprache willen; evam bhaviṣyati – so wird es sein; iti – so; etena avarapareṇa – durch dieses Fortschreiten vom Niederen zum Höheren; tathā ha eva – ebenso wahrlich; tat bhavati – wird es.
7.16.1. Mutter, Vater und Kind – Aditi als Ganzheit
mātā pūrvarūpaṃ pitottararūpaṃ prajā saṃhiteti bhārgavaḥ | tad etad ekam eva sarvam abhyanūktam | mātā ca hyevedaṃ pitā ca prajā ca sarvam | saiṣāditisaṃhitā | aditir hevedaṃ sarvaṃ yad idaṃ kiṃcid viśvabhūtam | tad etad ṛcābhyuditam
Deutsche Übersetzung
„Die Mutter ist die erste Form, der Vater die folgende Form, das Kind ist die Verbindung“, lehrt Bhārgava. Dieses alles wird als ein Einziges verkündet; denn Mutter, Vater und Kind sind dieses Ganze. Dies ist die Aditi-Verbindung. Denn Aditi ist dieses Ganze, was immer als All entstanden ist. Dies wird in einem Rigveda-Vers ausgesprochen:
Wort-für-Wort-Erläuterung: mātā – Mutter; pūrvarūpam – erste Form; pitā (in pitottararūpam) – Vater; uttararūpam – folgende Form; prajā – Kind, Nachkommenschaft; saṃhitā – Verbindung; iti bhārgavaḥ – so Bhārgava; tat etat – dieses; ekam eva – ein Einziges; sarvam – alles, das Ganze; abhyanūktam – verkündet, nachgesprochen; mātā ca hi eva idam – denn die Mutter ist eben dieses; pitā ca – und der Vater; prajā ca – und das Kind; sā eṣā – diese; aditisaṃhitā – Aditi-Verbindung; aditiḥ hi eva – denn Aditi wahrlich; idam sarvam – dieses Ganze; yat idam kiṃcit – was immer dieses ist; viśvabhūtam – als All entstanden; tat etat – dieses; ṛcā abhyuditam – in einem Rigveda-Vers ausgesprochen;
7.16.2. Zitierter Rigveda-Vers
aditir dyaur aditir antarikṣaṃ aditir mātā sā pitā sa putraḥ | viśve devā aditiḥ pañca janā aditir jātam aditir janitvam ||
Deutsche Übersetzung
„Aditi ist der Himmel, Aditi der Luftraum; Aditi ist die Mutter, sie der Vater, sie der Sohn. Aditi sind alle Götter und die fünf Völker; Aditi ist das Geborene, Aditi das künftige Geborenwerden.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: aditiḥ dyauḥ – Aditi ist der Himmel; aditiḥ antarikṣam – Aditi ist der Luftraum; aditiḥ mātā – Aditi ist die Mutter; sā pitā – sie ist der Vater; saḥ putraḥ – sie/er ist der Sohn; viśve devāḥ – alle Götter; aditiḥ – sind Aditi; pañca janāḥ (Sandhi: janā) – die fünf Völker/Menschengruppen; aditiḥ jātam – Aditi ist das Geborene; aditiḥ janitvam – Aditi das Geborenwerden, die künftige Geburt.
7.16.3. Anschluss und Verheißung
sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Deutsche Übersetzung
Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sa – derjenige; yaḥ (im Sandhi ya) – welcher; evam – so; etām – diese; saṃhitām – Verbindung, verbundene Rezitation; veda – kennt; saṃdhīyate – wird verbunden; prajayā – mit Nachkommenschaft; paśubhiḥ (Sandhi: paśubhir) – mit Vieh; yaśasā – mit Ruhm; brahmavarcasena – mit Brahman-Glanz, geistiger Ausstrahlung; svargeṇa lokena – mit der Himmelswelt; sarvam – ganz, vollständig; āyuḥ (Sandhi: āyur) – Lebensdauer; eti – erreicht.
7.17. Frau, Mann und Sohn – Prajapati-Samhita
jāyā pūrvarūpaṃ patir uttararūpaṃ putraḥ saṃhitā retaḥ saṃdhiḥ prajananaṃ saṃdhānam iti sthaviraḥ śākalyaḥ | saiṣā prajāpatisaṃhitā | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Deutsche Übersetzung
„Die Gattin ist die erste Form, der Gatte die folgende Form, der Sohn ist die Verbindung, der Same die Fuge und die Zeugung der Verknüpfer“, lehrt Sthavira Śākalya. Dies ist die Prajāpati-Verbindung. Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
Wort-für-Wort-Erläuterung: jāyā – Gattin; pūrvarūpam – erste Form; patiḥ (Sandhi: patir) – Gatte; uttararūpam – folgende Form; putraḥ – Sohn; saṃhitā – Verbindung; retaḥ – Same; saṃdhiḥ – Fuge, Verbindungspunkt; prajananam – Zeugung, Fortpflanzung; saṃdhānam – das Verknüpfende, der Verknüpfer; iti – so; sthaviraḥ śākalyaḥ – Sthavira Śākalya; sā eṣā – diese; prajāpatisaṃhitā – Prajāpati-Verbindung. sa – derjenige; yaḥ (im Sandhi ya) – welcher; evam – so; etām – diese; saṃhitām – Verbindung, verbundene Rezitation; veda – kennt; saṃdhīyate – wird verbunden; prajayā – mit Nachkommenschaft; paśubhiḥ (Sandhi: paśubhir) – mit Vieh; yaśasā – mit Ruhm; brahmavarcasena – mit Brahman-Glanz, geistiger Ausstrahlung; svargeṇa lokena – mit der Himmelswelt; sarvam – ganz, vollständig; āyuḥ (Sandhi: āyur) – Lebensdauer; eti – erreicht.
7.18. Erkenntnis, Vertrauen, Handeln und Wahrheit
prajñā pūrvarūpaṃ śraddhottararūpaṃ karma saṃhitā satyaṃ saṃdhānam iti kāśyapaḥ | saiṣā satyasaṃhitā | tad āhur yat satyasaṃdhā devā iti | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Deutsche Übersetzung
„Erkenntnis ist die erste Form, Vertrauen die folgende Form, Handeln ist die Verbindung und Wahrheit der Verknüpfer“, lehrt Kāśyapa. Dies ist die Wahrheits-Verbindung. Darum sagt man: „Die Götter sind von wahrer Verbindung.“ Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
Wort-für-Wort-Erläuterung: prajñā – Erkenntnis; pūrvarūpam – erste Form; śraddhā (in śraddhottararūpam) – Vertrauen, gläubige Zuversicht; uttararūpam – folgende Form; karma – Handlung, Werk; saṃhitā – Verbindung; satyam – Wahrheit; saṃdhānam – das Verknüpfende; iti kāśyapaḥ – so Kāśyapa; sā eṣā – diese; satyasaṃhitā – Wahrheits-Verbindung; tat āhuḥ – darum sagt man; yat – dass; satyasaṃdhāḥ – von wahrer Verbindung, durch Wahrheit verknüpft; devāḥ – die Götter; iti – so. sa – derjenige; yaḥ (im Sandhi ya) – welcher; evam – so; etām – diese; saṃhitām – Verbindung, verbundene Rezitation; veda – kennt; saṃdhīyate – wird verbunden; prajayā – mit Nachkommenschaft; paśubhiḥ (Sandhi: paśubhir) – mit Vieh; yaśasā – mit Ruhm; brahmavarcasena – mit Brahman-Glanz, geistiger Ausstrahlung; svargeṇa lokena – mit der Himmelswelt; sarvam – ganz, vollständig; āyuḥ (Sandhi: āyur) – Lebensdauer; eti – erreicht.
7.19.1. Rede und Prana nähren einander
vāk saṃhiteti pañcālacaṇḍaḥ | vācā vai vedāḥ saṃdhīyante vācā chandāṃsi vācā mitrāṇi saṃdadhati | tad yatraitad adhīte vā bhāṣate vā vāci tadā prāṇo bhavati | vāk tadā prāṇaṃ reḷhi | atha yat svapiti vā tūṣṇīṃ vā bhavati prāṇe tadā vāg bhavati prāṇastadā vācaṃ reḷhi | tāv anyonyaṃ rīḷhaḥ | tad etad ṛcābhyuditam
Deutsche Übersetzung
„Rede ist die Verbindung“, lehrt Pañcālacaṇḍa. Durch Rede werden die Veden verbunden, durch Rede die Metren; durch Rede verbindet man Freunde. Wenn einer studiert oder spricht, dann befindet sich Prana in der Rede; dann nimmt die Rede den Prana in sich auf. Wenn er dagegen schläft oder schweigt, befindet sich die Rede im Prana; dann nimmt der Prana die Rede in sich auf. Beide nehmen einander auf. Dies wird in einem Rigveda-Vers ausgesprochen:
Wort-für-Wort-Erläuterung: vāk – Rede; saṃhitā – Verbindung; iti pañcālacaṇḍaḥ – so Pañcālacaṇḍa; vācā – durch Rede; vai – wahrlich; vedāḥ – die Veden; saṃdhīyante – werden verbunden; chandāṃsi – die Metren; mitrāṇi – Freunde; saṃdadhati – man verbindet; tat yatra etat – wenn nun dieses; adhīte vā – er studiert oder; bhāṣate vā – er spricht oder; vāci – in der Rede; tadā – dann; prāṇaḥ (Sandhi: prāṇo) – Prana; bhavati – befindet sich, wird; vāk – Rede; prāṇam – Prana; reḷhi – leckt, nimmt in sich auf/nährt sich von; atha yat – wenn dagegen; svapiti vā – er schläft oder; tūṣṇīm vā – schweigt oder; prāṇe – im Prana; vāk (Sandhi: vāg) – Rede; prāṇaḥ tadā – Prana dann; vācam – Rede; reḷhi – nimmt auf; tau (Sandhi: tāv) – die beiden; anyonyam – einander; rīḷhaḥ – haben aufgenommen/geleckt (Dual); tat etat – dieses; ṛcā abhyuditam – durch einen Rigveda-Vers ausgesprochen;
7.19.2. Zitierter Rigveda-Vers
ekaḥ suparṇaḥ sa samudram āviveśa, sa idaṃ viśvaṃ bhuvanaṃ vicaṣṭe | taṃ pākena manasāpaśyam antitas, taṃ mātā reḷhi sa u reḷhi mātaram ||
Deutsche Übersetzung
„Der eine schöne Vogel ging in den Ozean ein; er überschaut diese ganze Welt. Mit schlichtem Geist sah ich ihn ganz nahe: Die Mutter nimmt ihn auf, und er nimmt die Mutter auf.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: ekaḥ – einer; suparṇaḥ – schöner Vogel; saḥ – er; samudram – in den Ozean; āviveśa – ging ein; saḥ – er; idam viśvam bhuvanam – diese ganze Welt; vicaṣṭe – überschaut; tam – ihn; pākena manasā – mit schlichtem/reifem Geist; apaśyam (in manasāpaśyam) – ich sah; antitaḥ (Sandhi: antitas) – ganz nahe; tam – ihn; mātā – die Mutter; reḷhi – nimmt auf; saḥ u (sa u) – und er; reḷhi – nimmt auf; mātaram – die Mutter;
Textkritischer Hinweis: Das seltene Verb reḷhi/rīḷhaḥ bezeichnet wörtlich ein Lecken oder Aufnehmen und trägt das Bild von Mutter und Kalb; die Übersetzung ‚nimmt in sich auf‘ erhält den gedanklichen Zusammenhang.
7.19.3. Anschluss und Verheißung
iti | vāg vai mātā prāṇo vatsaḥ | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Deutsche Übersetzung
Die Rede ist die Mutter, Prana das Kalb. Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
Wort-für-Wort-Erläuterung: iti – so; vāk vai mātā – Rede ist wahrlich die Mutter; prāṇaḥ vatsaḥ – Prana das Kalb. sa – derjenige; yaḥ (im Sandhi ya) – welcher; evam – so; etām – diese; saṃhitām – Verbindung, verbundene Rezitation; veda – kennt; saṃdhīyate – wird verbunden; prajayā – mit Nachkommenschaft; paśubhiḥ (Sandhi: paśubhir) – mit Vieh; yaśasā – mit Ruhm; brahmavarcasena – mit Brahman-Glanz, geistiger Ausstrahlung; svargeṇa lokena – mit der Himmelswelt; sarvam – ganz, vollständig; āyuḥ (Sandhi: āyur) – Lebensdauer; eti – erreicht.
7.20. Brihat und Rathantara – Rede und Prana
bṛhadrathaṃtareṇa rūpeṇa saṃhitā saṃdhīyata iti tārkṣyaḥ | vāg vai rathaṃtarasya rūpaṃ prāṇo bṛhataḥ | ubhābhyām u khalu saṃhitā saṃdhīyate vācā ca prāṇena ca | etasyāṃ ha smopaniṣadi saṃvatsaraṃ gā rakṣayata iti tārkṣyaḥ | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Deutsche Übersetzung
„Die Verbindung wird durch die Gestalt von Bṛhat und Rathantara hergestellt“, lehrt Tārkṣya. Die Rede ist die Gestalt des Rathantara-Sāman, Prana die des Bṛhat-Sāman. Durch beide zusammen wird die Verbindung hergestellt, durch Rede und durch Prana. „Für diese Upanishad hütete man ein Jahr lang Kühe“, lehrt Tārkṣya. Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
Wort-für-Wort-Erläuterung: bṛhadrathaṃtareṇa rūpeṇa – durch die gemeinsame Gestalt von Bṛhat und Rathantara; saṃhitā – Verbindung; saṃdhīyate (überliefert saṃdhīyata) – wird hergestellt; iti tārkṣyaḥ – so Tārkṣya; vāk vai – die Rede wahrlich; rathaṃtarasya rūpam – Gestalt des Rathantara-Sāman; prāṇaḥ – Prana; bṛhataḥ – des Bṛhat-Sāman; ubhābhyām u khalu – durch beide wahrlich; vācā ca – durch Rede und; prāṇena ca – durch Prana; etasyām – für diese, in dieser; ha sma – einst, so wird berichtet; upaniṣadi – Upanishad; saṃvatsaram – ein Jahr lang; gāḥ (Sandhi: gā) – Kühe; rakṣayata – hütete man, sie sollen gehütet haben; iti tārkṣyaḥ – so Tārkṣya. sa – derjenige; yaḥ (im Sandhi ya) – welcher; evam – so; etām – diese; saṃhitām – Verbindung, verbundene Rezitation; veda – kennt; saṃdhīyate – wird verbunden; prajayā – mit Nachkommenschaft; paśubhiḥ (Sandhi: paśubhir) – mit Vieh; yaśasā – mit Ruhm; brahmavarcasena – mit Brahman-Glanz, geistiger Ausstrahlung; svargeṇa lokena – mit der Himmelswelt; sarvam – ganz, vollständig; āyuḥ (Sandhi: āyur) – Lebensdauer; eti – erreicht.
7.21.1. Bewegung, Ruhe und Zeit
gatiḥ pūrvarūpaṃ nivṛttir uttararūpaṃ sthitiḥ saṃhiteti jāratkārava ārtabhāgaḥ | tasyām etasyāṃ saṃhitāyāṃ dhvaṃsayo nimeṣāḥ kāṣṭhāḥ kalāḥ kṣaṇā muhūrtā ahorātrā ardhamāsā māsā ṛtavaḥ saṃvatsarāś ca saṃdhīyante | saiṣā saṃhitainān kālān saṃdadhāti | kālo gatinivṛttisthitīḥ saṃdadhāti | gatinivṛttisthitibhir idaṃ sarvaṃ saṃdhīyate | ityadhidaivatam | athādhyātmam - bhūtaṃ pūrvarūpaṃ bhaviṣyad uttararūpaṃ bhavat saṃhiteti kālasaṃdhiḥ | tad etad ṛcābhyuditam
Deutsche Übersetzung
„Bewegung ist die erste Form, Stillstand die folgende Form und das Verweilen die Verbindung“, lehrt Jāratkārava Ārtabhāga. In dieser Verbindung werden Dhvaṃsis, Augenblicke, Kāṣṭhās, Kalās, Kṣaṇas, Muhūrtas, Tage und Nächte, Halbmonate, Monate, Jahreszeiten und Jahre miteinander verbunden. Diese Verbindung fügt diese Zeiten zusammen. Die Zeit verbindet Bewegung, Stillstand und Verweilen; durch Bewegung, Stillstand und Verweilen wird diese ganze Welt verbunden. So weit die Betrachtung der Gottheiten; nun die Betrachtung des eigenen Selbst: Das Vergangene ist die erste Form, das Zukünftige die folgende Form, das Gegenwärtige die Verbindung. Dies ist die Fuge der Zeit. Dies wird in einem Rigveda-Vers ausgesprochen:
Wort-für-Wort-Erläuterung: gatiḥ – Bewegung; pūrvarūpam – erste Form; nivṛttiḥ (Sandhi: nivṛttir) – Stillstand, Umkehr; uttararūpam – folgende Form; sthitiḥ – Verweilen, Bestand; saṃhitā – Verbindung; iti jāratkāravaḥ ārtabhāgaḥ – so Jāratkārava Ārtabhāga; tasyām etasyām saṃhitāyām – in dieser Verbindung; dhvaṃsayaḥ (überliefert dhvaṃsayo) – Dhvaṃsis, kleinste schuleigene Zeiteinheiten; nimeṣāḥ – Augenblicke, Lidschläge; kāṣṭhāḥ – Kāṣṭhā-Zeiteinheiten; kalāḥ – Kalā-Zeiteinheiten; kṣaṇāḥ (Sandhi: kṣaṇā) – Augenblicke; muhūrtāḥ – Muhūrtas; ahorātrāḥ – Tage und Nächte; ardhamāsāḥ – Halbmonate; māsāḥ – Monate; ṛtavaḥ – Jahreszeiten; saṃvatsarāḥ ca – und Jahre; saṃdhīyante – werden verbunden; sā eṣā – diese; saṃhitā – Verbindung; enān kālān – diese Zeiten; saṃdadhāti – fügt zusammen; kālaḥ (Sandhi: kālo) – Zeit; gatinivṛttisthitīḥ – Bewegung, Stillstand und Verweilen; gatinivṛttisthitibhiḥ – durch Bewegung, Stillstand und Verweilen; idam sarvam – dieses Ganze; saṃdhīyate – wird verbunden; iti adhidaivatam – damit die Betrachtung der Gottheiten; atha adhyātmam – nun die Betrachtung des eigenen Selbst; bhūtam – Vergangenes, Gewordenes; bhaviṣyat (Sandhi: bhaviṣyad) – Zukünftiges; bhavat – Gegenwärtiges, Seiendes; kālasaṃdhiḥ – Fuge der Zeit; tat etat – dieses; ṛcā abhyuditam – in einem Rigveda-Vers ausgesprochen;
7.21.2. Zitierter Rigveda-Vers
mahat tan nāma guhyaṃ puruspṛg yena bhūtaṃ janayo yena bhavyam | pratnaṃ jātaṃ jyotir yad asya priyaṃ priyāḥ samaviśanta pañca ||
Deutsche Übersetzung
„Groß ist jener geheime, weitreichende Name, durch den du das Gewordene hervorbrachtest und durch den das Künftige. Das uralte, geborene Licht, das ihm lieb ist: In dieses gingen die fünf Geliebten gemeinsam ein.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: mahat – groß; tat (Sandhi: tan) – jener; nāma – Name; guhyam – geheim; puruspṛk (überliefert puruspṛg) – vieles berührend, weitreichend; yena – durch den; bhūtam – das Gewordene; janayaḥ (überliefert janayo) – du brachtest hervor; yena – durch den; bhavyam – das Künftige; pratnam – uralt; jātam – geboren; jyotiḥ – Licht; yat – welches; asya – ihm/sein; priyam – lieb; priyāḥ – die Geliebten; samaviśanta – gingen gemeinsam ein; pañca – fünf.
Textkritischer Hinweis: Die genaue Staffelung der alten Zeiteinheiten und die Syntax des zitierten Rigveda-Mantras 10.55.2 sind unsicher; die Bezeichnungen werden deshalb nicht in moderne Sekundenwerte umgerechnet.
7.21.3. Anschluss und Verheißung
iti | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Deutsche Übersetzung
Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sa – derjenige; yaḥ (im Sandhi ya) – welcher; evam – so; etām – diese; saṃhitām – Verbindung, verbundene Rezitation; veda – kennt; saṃdhīyate – wird verbunden; prajayā – mit Nachkommenschaft; paśubhiḥ (Sandhi: paśubhir) – mit Vieh; yaśasā – mit Ruhm; brahmavarcasena – mit Brahman-Glanz, geistiger Ausstrahlung; svargeṇa lokena – mit der Himmelswelt; sarvam – ganz, vollständig; āyuḥ (Sandhi: āyur) – Lebensdauer; eti – erreicht.
7.22. Die fünf großen Elemente
athāto vāliśikhāyaner vacaḥ | pañcemāni mahābhūtāni bhavantīti ha smāha vāliśikhayaniḥ | pṛthivī vāyur ākāśam āpo jyautīṃṣi tāni mithaḥ saṃhitāni bhavanti | atha yānyanyāni kṣudrāṇi mahābhūtaiḥ saṃdhīyante saiṣā sarvavibhūtasaṃhitā | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Deutsche Übersetzung
Nun folgt die Aussage Vāliśikhāyanis. „Diese fünf sind die großen Elemente“, sagte Vāliśikhāyani: Erde, Wind, Raum, Wasser und Lichterscheinungen. Sie sind miteinander verbunden. Die anderen, feinen Elemente wiederum werden mit den großen Elementen verbunden. Dies ist die Verbindung aller Erscheinungsformen. Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
Wort-für-Wort-Erläuterung: atha ataḥ – nun also; vāliśikhāyaneḥ (Sandhi: vāliśikhāyaner) – Vāliśikhāyanis; vacaḥ – Aussage; pañca – fünf; imāni – diese; mahābhūtāni – großen Elemente; bhavanti – sind; iti ha sma āha – so sagte einst; vāliśikhāyaniḥ – Vāliśikhāyani; pṛthivī – Erde; vāyuḥ (Sandhi: vāyur) – Wind; ākāśam – Raum; āpaḥ (Sandhi: āpo) – Wasser; jyautīṃṣi – Lichter, Feuererscheinungen; tāni – sie; mithaḥ – miteinander; saṃhitāni bhavanti – sind verbunden; atha – sodann; yāni anyāni – welche anderen; kṣudrāṇi – kleinen, feinen; mahābhūtaiḥ – mit den großen Elementen; saṃdhīyante – werden verbunden; sā eṣā – diese; sarvavibhūtasaṃhitā – Verbindung aller Erscheinungsformen/Elemententfaltungen. sa – derjenige; yaḥ (im Sandhi ya) – welcher; evam – so; etām – diese; saṃhitām – Verbindung, verbundene Rezitation; veda – kennt; saṃdhīyate – wird verbunden; prajayā – mit Nachkommenschaft; paśubhiḥ (Sandhi: paśubhir) – mit Vieh; yaśasā – mit Ruhm; brahmavarcasena – mit Brahman-Glanz, geistiger Ausstrahlung; svargeṇa lokena – mit der Himmelswelt; sarvam – ganz, vollständig; āyuḥ (Sandhi: āyur) – Lebensdauer; eti – erreicht.
7.23. Rede ist Brahman
sarvā vāg brahmeti ha smāha lauhikyaḥ | ye tu kecana śabdā vācam eva tāṃ vidyāt | tad apyetad ṛṣir āha - ahaṃ rudrebhir vasubhiś carāmīti | saiṣā vāk sarvaśabdā bhavati | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti | yathā caitad brahma kāmarūpi kāmacāri bhavatyevaṃ haiva sa sarveṣu bhūteṣu kāmarūpī kāmacārī bhavati | ya evaṃ veda ya evaṃ veda || iti śāṅkhāyanāraṇyake saptamo 'dhyāyaḥ ||
Deutsche Übersetzung
„Die gesamte Rede ist Brahman“, sagte Lauhikya. Welche Laute es auch immer gibt, sie alle soll man als Rede erkennen. Dies sagt auch eine Seherin: „Ich wandle mit den Rudras und den Vasus.“ So umfasst diese Rede alle Laute. Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer. Wie dieses Brahman Gestalt nach Wunsch annimmt und sich nach Wunsch bewegt, so nimmt der Wissende unter allen Wesen Gestalt nach Wunsch an und bewegt sich nach Wunsch. Wer so erkennt, wer so erkennt. Damit endet das siebte Kapitel des Śāṅkhāyana Āraṇyaka.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sarvā – die gesamte; vāk (Sandhi: vāg) – Rede; brahma – Brahman; iti ha sma āha – so sagte einst; lauhikyaḥ – Lauhikya; ye tu kecana – welche auch immer; śabdāḥ (Sandhi: śabdā) – Laute, Wörter; vācam eva – gerade als Rede; tām – sie; vidyāt – soll man erkennen; tat api etat – auch dieses; ṛṣiḥ (Sandhi: ṛṣir) – Seher/Seherin, hier Sprecherin des Vāc-Hymnus; āha – sagt; aham – ich; rudrebhiḥ (Sandhi: rudrebhir) – mit den Rudras; vasubhiḥ (Sandhi: vasubhiś) – mit den Vasus; carāmi (in carāmīti) – wandle; iti – so; sā eṣā – diese; vāk – Rede; sarvaśabdā – alle Laute umfassend; bhavati – ist/wird. sa – derjenige; yaḥ (im Sandhi ya) – welcher; evam – so; etām – diese; saṃhitām – Verbindung, verbundene Rezitation; veda – kennt; saṃdhīyate – wird verbunden; prajayā – mit Nachkommenschaft; paśubhiḥ (Sandhi: paśubhir) – mit Vieh; yaśasā – mit Ruhm; brahmavarcasena – mit Brahman-Glanz, geistiger Ausstrahlung; svargeṇa lokena – mit der Himmelswelt; sarvam – ganz, vollständig; āyuḥ (Sandhi: āyur) – Lebensdauer; eti – erreicht. yathā ca – und wie; etat brahma – dieses Brahman; kāmarūpi – Gestalt nach Wunsch annehmend; kāmacāri – sich nach Wunsch bewegend; bhavati – ist; evam ha eva – ebenso wahrlich; saḥ – er, der Wissende; sarveṣu bhūteṣu – unter/in allen Wesen; kāmarūpī – nimmt Gestalt nach Wunsch an; kāmacārī – bewegt sich nach Wunsch; yaḥ evam veda – wer so erkennt; yaḥ evam veda – wer so erkennt (bekräftigende Wiederholung); iti – damit; śāṅkhāyanāraṇyake – im Śāṅkhāyana Āraṇyaka; saptamaḥ adhyāyaḥ – siebtes Kapitel.
8.1. Prana als Balken des Körpers und Maß des Jahres
prāṇo vaṃśa iti ha smāha sthaviraḥ śākalyaḥ | tadu yathā śālāvaṃśe sarve 'nye vaṃśāḥ samāhitāḥ syur evam evaitasmin prāṇe sarva ātmā samāhitaḥ | tasyaitadyātmanaḥ prāṇa ūṣmarūpam asthīni sparśarūpaṃ majjānaḥ svararūpaṃ māṃsaṃ lohitam ityetac caturtham antasthārūpam iti | treyaṃ tveva na etat proktam iti ha smāha hvastro māṇḍūkeyaḥ | tasyaitasya trayasya trīṇītaḥ ṣaṣṭiśatāni bhavanti saṃdhīnāṃ trīṇītas tāni saptaviṃśatiśatāni bhavanti | sapta vai viṃśatiśatāni saṃvatsarasyāhorātrāṇām | tat saṃvatsarasyāhorātrāṇyāpnoti | sa eṣa saṃvatsarasaṃmānaś cakṣurmayaś śrotramayaś chandomayo manomayo vāṅmaya ātmā | sa ya evam etaṃ saṃvatsarasaṃmānaṃ cakṣurmayaṃ śrotramayaṃ chandomayaṃ manomayaṃ vāṅmayam ātmānaṃ veda saṃvatsarasya sāyujyaṃ salokatāṃ sarūpatāṃ sabhakṣatām aśnute | putrī paśumān bhavati sarvam āyur etyasyāruṇikeyo devayāñcakre ||
Deutsche Übersetzung
„Prana ist der tragende Balken“, sagte Sthavira Śākalya. Wie alle anderen Balken auf dem Hauptbalken einer Halle ruhen mögen, so ruht das ganze Selbst in diesem Prana. An diesem Selbst ist Prana die Entsprechung der Reibelaute, die Knochen sind die Entsprechung der Verschlusslaute, das Mark die Entsprechung der Vokale, Fleisch und Blut bilden als Viertes die Entsprechung der Halbvokale. „Uns ist jedoch nur diese Dreiheit überliefert“, sagte Hrasva Māṇḍūkeya. Diese Dreiheit hat auf dieser Seite dreihundertsechzig Verbindungen und auf der anderen Seite ebenfalls dreihundertsechzig; zusammen sind es siebenhundertzwanzig. Siebenhundertzwanzig sind die Tage und Nächte des Jahres. So erreicht der Wissende die Tage und Nächte des Jahres. Dieses Selbst hat das Jahr zum Maß und besteht aus Auge, Gehör, Metren, Geist und Rede. Wer dieses Selbst erkennt, das das Jahr zum Maß hat und aus Auge, Gehör, Metren, Geist und Rede besteht, erlangt Vereinigung, gemeinsame Welt, gleiche Gestalt und gemeinsame Nahrung mit dem Jahr. Er wird reich an Söhnen und Vieh und erreicht seine volle Lebensdauer. So hat Āruṇikeya dies gelehrt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: prāṇaḥ – Prana; vaṃśaḥ – Hauptbalken; iti ha sma āha – so sagte einst; sthaviraḥ śākalyaḥ – Sthavira Śākalya; tat u yathā – und wie; śālāvaṃśe – auf dem Hauptbalken einer Halle; sarve anye vaṃśāḥ – alle anderen Balken; samāhitāḥ syuḥ (Sandhi: syur) – ruhen, aufgelegt sein mögen; evam eva – ebenso; etasmin prāṇe – in diesem Prana; sarvaḥ ātmā (Sandhi: sarva ātmā) – das ganze Selbst; samāhitaḥ – ruht, ist gesammelt; tasya etasya ātmanaḥ – an diesem Selbst; prāṇaḥ – Prana; ūṣmarūpam – Entsprechung der Reibelaute/S-Laute; asthīni – Knochen; sparśarūpam – Entsprechung der Verschlusslaute; majjānaḥ – Markteile; svararūpam – Entsprechung der Vokale; māṃsam lohitam – Fleisch und Blut; iti etat caturtham – dies als Viertes; antasthārūpam – Entsprechung der Halbvokale; iti – so; treyam tu eva – jedoch nur diese Dreiheit; naḥ (überliefert na) – uns; etat proktam – ist dies überliefert/gesagt; hrasvaḥ māṇḍūkeyaḥ – Hrasva Māṇḍūkeya; tasya etasya trayasya – dieser Dreiheit; trīṇi itaḥ ṣaṣṭiśatāni – dreihundertsechzig auf dieser Seite; saṃdhīnām – der Verbindungen; trīṇi itaḥ – dreihundertsechzig auf der anderen Seite (die Druckform ist verkürzt); tāni saptaviṃśatiśatāni – sie ergeben siebenhundertzwanzig; sapta vai viṃśatiśatāni – wahrlich siebenhundertzwanzig; saṃvatsarasya – des Jahres; ahorātrāṇām – der Tage und Nächte; tat – dadurch; saṃvatsarasya ahorātrāṇi – die Tage und Nächte des Jahres; āpnoti – erreicht; saḥ eṣaḥ – dieses; saṃvatsarasaṃmānaḥ – das Jahr als Maß habend; cakṣurmayaḥ – aus Auge bestehend; śrotramayaḥ – aus Gehör bestehend; chandomayaḥ – aus Metren bestehend; manomayaḥ – aus Geist bestehend; vāṅmayaḥ – aus Rede bestehend; ātmā – Selbst; saḥ yaḥ – wer; evam – so; etam ... ātmānam – dieses Selbst; veda – erkennt; saṃvatsarasya – mit dem Jahr; sāyujyam – Vereinigung; salokatām – gemeinsame Welt; sarūpatām – gleiche Gestalt; sabhakṣatām – gemeinsame Nahrung/Teilhabe; aśnute – erlangt; putrī – Söhne habend; paśumān – Vieh besitzend; bhavati – wird; sarvam āyuḥ eti – erreicht die volle Lebensdauer; asya – dieses; āruṇikeyaḥ – Āruṇikeya; devayām cakre (Sandhi: devayāñcakre) – hat gelehrt/bekannt gemacht (schwierige Form).
Textkritischer Hinweis: Die Zahlwörter des elektronischen Sanskrittextes sind verschliffen. Die Übersetzung folgt der in Keiths Ausgabe erklärten Rechnung 360 + 360 = 720, entsprechend den Tagen und Nächten des Jahres.
8.2. Laute, Körperglieder und Tagesmaß
atha kauṣṭharavyaḥ | trīṇi ṣaṣṭiśatānyakṣarāṇām | trīṇi ṣaṣṭiśatānyūṣmaṇām | trīṇi ṣaṣṭiśatāni saṃdhīnām | yānyakṣarāṇyavocāmāhāni tāni | yān ūṣmaṇo rātrayastāḥ | yān saṃdhīn avocāmāhorātrāṇāṃ te saṃdhayaḥ | ityadhidaivatam | athādhyātmam - yānyakṣarāṇyadhidaivatam avocāmāsthīni tānyadhyātmam | yān ūṣmaṇo 'dhidaivatam avocāma majjānas te 'dhyātmam | eṣa u ha vai saṃpratiprāṇo yan majjā etad retaḥ na vā ṛte prāṇād retasaḥ siddhir asti | yad vā ṛte prāṇād retaḥ sicyeta tat pūyen na saṃbhavet | yān saṃdhīn adhidaivatam avocāma parvāṇi tānyadhyātmam | tasyaitasyāsthnāṃ majjā parvaṇām iti pañcetaścatvāriṃśacchatāni bhavanti | saṃdhīnāṃ pañcetastadaśītisahasraṃ bhavati | aśītisahasraṃ vārkalino bṛhatīr aharahani saṃpādayanti | sa eṣo 'haḥsaṃmānaś cakṣurmayaś śrotramayaś chandomayo manomayo vāṅmaya ātmā | sa ya evam etad ahaḥsaṃmānaṃ cakṣurmayaṃ śrotramayaṃ chandomayaṃ manomayaṃ vāṅmayam ātmānaṃ veda ahnāṃ sāyujyaṃ salokatāṃ sarūpatāṃ sabhakṣatām aśnute | putrī paśumān bhavati sarvam āyur eti ||
Deutsche Übersetzung
Nun die Lehre Kauṣṭharavyas. Es gibt dreihundertsechzig Verschlusslaute, dreihundertsechzig Reibelaute und dreihundertsechzig Lautverbindungen. Was wir Verschlusslaute nannten, sind die Tage; was wir Reibelaute nannten, sind die Nächte; was wir Lautverbindungen nannten, sind die Verbindungen von Tagen und Nächten. So weit die Betrachtung der Gottheiten; nun die Betrachtung des eigenen Selbst. Was wir auf der Ebene der Gottheiten Verschlusslaute nannten, sind auf der Ebene des Selbst die Knochen. Was wir dort Reibelaute nannten, sind hier die Markteile. Dieses Mark ist wahrlich der unmittelbar entsprechende Prana; es ist der Same. Ohne Prana kann der Same nicht zur Vollendung gelangen. Würde Same ohne Prana ergossen, so würde er faulen und keine Frucht hervorbringen. Was wir auf der Ebene der Gottheiten Lautverbindungen nannten, sind auf der Ebene des Selbst die Gelenke. Knochen, Mark und Gelenke haben auf dieser Seite fünfhundertvierzig und auf der anderen ebenso viele Verbindungen; zusammen sind es eintausendachtzig. Eintausendachtzig Bṛhatī-Verse bringen die Vārkalins Tag für Tag zustande. Dieses Selbst hat den Tag zum Maß und besteht aus Auge, Gehör, Metren, Geist und Rede. Wer dieses Selbst erkennt, das den Tag zum Maß hat und aus Auge, Gehör, Metren, Geist und Rede besteht, erlangt Vereinigung, gemeinsame Welt, gleiche Gestalt und gemeinsame Nahrung mit den Tagen. Er wird reich an Söhnen und Vieh und erreicht seine volle Lebensdauer.
Wort-für-Wort-Erläuterung: atha – nun; kauṣṭharavyaḥ – Kauṣṭharavya; trīṇi ṣaṣṭiśatāni – dreihundertsechzig; akṣarāṇām (in ṣaṣṭiśatānyakṣarāṇām) – der Verschlusslaute/Laute; ūṣmaṇām – der Reibelaute; saṃdhīnām – der Verbindungen; yāni akṣarāṇi avocāma – welche Laute wir nannten; ahāni (Sandhi: āhāni) – Tage; tāni – diese sind; yān ūṣmaṇaḥ – welche Reibelaute; rātrayaḥ tāḥ (rātrayastāḥ) – diese sind die Nächte; yān saṃdhīn avocāma – welche Verbindungen wir nannten; ahorātrāṇām – von Tagen und Nächten; te saṃdhayaḥ – diese sind die Verbindungen; iti adhidaivatam – damit die Betrachtung der Gottheiten; atha adhyātmam – nun die Betrachtung des Selbst; yāni akṣarāṇi – welche Verschlusslaute; adhidaivatam – hinsichtlich der Gottheiten; avocāma – wir nannten; asthīni – Knochen; tāni adhyātmam – diese hinsichtlich des Selbst; yān ūṣmaṇaḥ – welche Reibelaute; majjānaḥ – Markteile; te adhyātmam – diese hinsichtlich des Selbst; eṣaḥ u ha vai – dieser wahrlich; saṃpratiprāṇaḥ – unmittelbar entsprechender Prana; yat majjā – welcher das Mark ist; etat retaḥ – dieses ist der Same; na vai – wahrlich nicht; ṛte prāṇāt – ohne Prana; retasaḥ – des Samens; siddhiḥ asti – gibt es Vollendung/Gelingen; yat vai – wenn wahrlich; retaḥ sicyeta – Same ergossen würde; tat pūyet (überliefert pūyen) – dann würde er faulen; na saṃbhavet – keine Frucht hervorbringen/entstehen; yān saṃdhīn – welche Verbindungen; parvāṇi – Gelenke, Gliederungen; tāni adhyātmam – diese hinsichtlich des Selbst; tasya etasya – dieser; asthnām – Knochen; majjā – Mark; parvaṇām – Gelenke; iti – so; pañca itaḥ catvāriṃśacchatāni – fünfhundertvierzig auf dieser Seite (verschliffene Zahlform); bhavanti – sind; saṃdhīnām – Verbindungen; pañca itaḥ – ebenso viele auf der anderen Seite; tat aśītisahasram – das ergibt eintausendachtzig (Textform schwierig); aśītisahasram – eintausendachtzig; vārkalinaḥ (Sandhi: vārkalino) – die Vārkalins; bṛhatīḥ (Sandhi: bṛhatīr) – Bṛhatī-Verse; ahar ahani – Tag für Tag; saṃpādayanti – bringen zustande; saḥ eṣaḥ – dieses; ahaḥsaṃmānaḥ – den Tag als Maß habend; cakṣurmayaḥ – aus Auge; śrotramayaḥ – aus Gehör; chandomayaḥ – aus Metren; manomayaḥ – aus Geist; vāṅmayaḥ ātmā – aus Rede bestehendes Selbst; saḥ yaḥ – wer; evam – so; etat ... ātmānam – dieses Selbst; veda – erkennt; ahnām – mit den Tagen; sāyujyam – Vereinigung; salokatām – gemeinsame Welt; sarūpatām – gleiche Gestalt; sabhakṣatām – gemeinsame Nahrung/Teilhabe; aśnute – erlangt; putrī – Söhne habend; paśumān – Vieh besitzend; bhavati – wird; sarvam āyuḥ eti – erreicht die volle Lebensdauer.
Textkritischer Hinweis: Die alte Zahlenschreibung in diesem Abschnitt ist besonders schwierig. Die Gesamtzahlen 1080 und 1080 Bṛhatī-Verse folgen Keiths Übersetzung; der Artikel macht daraus keine anatomische Behauptung nach modernem Maßstab.
8.3. Vier Purushas und die Einheit von Prajnatman und Sonne
catvāraḥ puruṣā iti vāstyaḥ - śarīrapuruṣaś chandaḥpuruṣo vedapuruṣo mahāpuruṣa iti | śarīrapuruṣa iti yam avocam ya evāyaṃ daivika ātmā tasyaitasya yo 'yam aśarīraḥ prajñātmā sa rasaḥ | chandaḥpuruṣa iti yam avocāmākṣarasamāmnāya eva | tasyaitasyākāro rasaḥ | vedapuruṣa iti yam avocāma yena devān vedargvedaṃ yajurvedaṃ sāmavedam iti tasyaitasya brahmarasaḥ | tasmād brahmiṣṭhaṃ brahmāṇam ṛtvijaṃ kurvīta yo yajñasyolvaṇaṃ vidyāt | mahāpuruṣa iti yam avocāma saṃvatsara eva tasyaitasyāsāv ādityo rasaḥ | sa yaś cāyam aśarīraḥ prajñātmā yaś cāsāv āditya ekam etad iti vidyāt | tad etad ṛcābhyuditam ||
Deutsche Übersetzung
„Vier Purushas gibt es“, lehrt Vātsya: den Körper-Purusha, den Metren-Purusha, den Veda-Purusha und den großen Purusha. Was wir Körper-Purusha nannten, ist dieses körperliche Selbst. Seine Essenz ist der körperlose Bewusstseins-Atman. Was wir Metren-Purusha nannten, ist die überlieferte Gesamtheit der Laute; ihre Essenz ist der Laut a. Was wir Veda-Purusha nannten, ist das, wodurch man die Veden kennt: Rigveda, Yajurveda und Samaveda. Seine Essenz ist Brahman. Darum soll man einen am tiefsten im Brahman gegründeten Brahman-Priester zum Opferpriester machen, einen, der eine Unregelmäßigkeit des Opfers zu erkennen vermag. Was wir den großen Purusha nannten, ist das Jahr; seine Essenz ist jene Sonne. Dieser körperlose Bewusstseins-Atman hier und jene Sonne dort sind ein Einziges: So soll man erkennen. Dies wird in einem Rigveda-Vers ausgesprochen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: catvāraḥ – vier; puruṣāḥ (Sandhi: puruṣā) – Purushas; iti vātsyaḥ (überliefert vāstyaḥ) – so Vātsya; śarīrapuruṣaḥ – Körper-Purusha; chandaḥpuruṣaḥ – Metren-Purusha; vedapuruṣaḥ – Veda-Purusha; mahāpuruṣaḥ – großer Purusha; iti – so; śarīrapuruṣaḥ iti – „Körper-Purusha“; yam avocāma (überliefert avocam) – welchen wir nannten; yaḥ eva ayam – gerade derjenige hier; daivikaḥ ātmā – verkörpertes/körperliches Selbst (wörtlich: göttliches Selbst; textlich diskutiert); tasya etasya – dessen; yaḥ ayam – welcher hier; aśarīraḥ – körperlos; prajñātmā – Bewusstseins-Atman; saḥ rasaḥ – er ist die Essenz; chandaḥpuruṣaḥ – Metren-Purusha; akṣarasamāmnāyaḥ – überlieferte Gesamtheit/Rezitation der Laute, Alphabet; eva – eben; tasya etasya – dessen; akāraḥ – Laut a; rasaḥ – Essenz; vedapuruṣaḥ – Veda-Purusha; yena – wodurch; devān veda – man die Götter/den heiligen Bereich kennt (die Zusammenschreibung vedargvedaṃ ist schwierig); ṛgvedam – Rigveda; yajurvedam – Yajurveda; sāmavedam – Samaveda; tasya etasya – dessen; brahmarasaḥ – Brahman als Essenz; tasmāt (Sandhi: tasmād) – deshalb; brahmiṣṭham – am tiefsten im Brahman gegründet; brahmāṇam – einen Brahman-Priester; ṛtvijam – zum Opferpriester; kurvīta – soll man machen; yaḥ – welcher; yajñasya – des Opfers; ulvaṇam – Ungewöhnliches, Unregelmäßigkeit (unsichere Form); vidyāt – erkennen könnte; mahāpuruṣaḥ – großer Purusha; saṃvatsaraḥ eva – gerade das Jahr; tasya etasya – dessen; asau ādityaḥ – jene Sonne; rasaḥ – Essenz; saḥ yaḥ ca ayam – dieser hier; aśarīraḥ prajñātmā – körperloser Bewusstseins-Atman; yaḥ ca asau ādityaḥ – und jene Sonne dort; ekam etat – dieses ist ein Einziges; iti vidyāt – so soll man erkennen; tat etat – dieses; ṛcā abhyuditam – wird in einem Rigveda-Vers ausgesprochen.
8.4.1. Zitierter Rigveda-Vers
citraṃ devānām udagād anīkaṃ cakṣur mitrasya varuṇasyāgneḥ | āprā dyāvāpṛthivī antarikṣaṃ sūrya ātmā jagatas tasthuṣaś ca ||
Deutsche Übersetzung
„Aufgestiegen ist das leuchtende Antlitz der Götter, das Auge Mitras, Varuṇas und Agnis. Die Sonne hat Himmel, Erde und Luftraum erfüllt; sie ist der Atman alles Bewegten und Unbewegten.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: citram – hell, leuchtend, wunderbar; devānām – der Götter; udagāt (Sandhi: udagād) – ist aufgestiegen; anīkam – Antlitz, Vorderseite; cakṣuḥ (Sandhi: cakṣur) – Auge; mitrasya – Mitras; varuṇasya – Varuṇas; agneḥ (in varuṇasyāgneḥ) – Agnis; āprā – hat erfüllt; dyāvāpṛthivī – Himmel und Erde; antarikṣam – Luftraum; sūryaḥ (Sandhi: sūrya) – Sonne; ātmā – Selbst, Atman; jagataḥ – des Bewegten; tasthuṣaḥ – des Stillstehenden, Unbewegten; ca – und; iti – so;
8.4.2. Erläuternde Prosa
iti | etām evānuvidyāṃ saṃhitāṃ saṃdhīyamānāṃ manya iti ha smāha vātsyaḥ -- etam u haiva bahvṛcā mahadukthe mīmāṃsanta etam agnāv adhvaryava etaṃ mahāvrate chandogā etam asyām etam antarikṣa etaṃ divi etam agnāv etaṃ vāyāv etaṃ candramasy etaṃ nakṣatreṣv etam apsv etam oṣadhīṣv etaṃ sarveṣu bhūteṣv etam akṣareṣv etam eva brahmetyupāsate | tad etad ṛcābhyuditam ||
Deutsche Übersetzung
„Ich halte diese Einsicht für die Verbindung, wenn sie auf diese Weise zusammengefügt wird“, sagte Vātsya. Nach diesem Einen forschen die Bahvṛcas im Mahad-Uktha, nach ihm die Adhvaryus im Feuer und die Sāman-Sänger im Mahāvrata. Sie suchen ihn in der Erde, im Luftraum und im Himmel, im Feuer, im Wind, im Mond und in den Sternbildern, in den Wassern, den Pflanzen und allen Wesen, in den Lauten; eben ihn verehren sie als Brahman. Dies wird in einem Rigveda-Vers ausgesprochen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: etām eva – eben diese; anuvidyām – entsprechende Einsicht, Erkenntnis der Entsprechung; saṃhitām – Verbindung; saṃdhīyamānām – zusammengefügt werdend; manye (überliefert manya) – halte ich für; iti ha sma āha – so sagte einst; vātsyaḥ – Vātsya; etam u ha eva – eben diesen wahrlich; bahvṛcaḥ (Sandhi: bahvṛcā) – die Bahvṛcas, Kenner vieler Rigverse; mahadukthe – im Mahad-Uktha, der großen Rezitation; mīmāṃsante (überliefert mīmāṃsanta) – untersuchen, suchen; etam – diesen; agnau (Sandhi: agnāv) – im Feuer; adhvaryavaḥ (Sandhi: adhvaryava) – die Adhvaryu-Priester; mahāvrate – im Mahāvrata-Ritus; chandogāḥ (Sandhi: chandogā) – die Sāman-Sänger; asyām – in dieser, der Erde; antarikṣe – im Luftraum; divi – im Himmel; agnau – im Feuer; vāyau – im Wind; candramasi – im Mond; nakṣatreṣu – in den Sternbildern; apsu – in den Wassern; oṣadhīṣu – in den Pflanzen; sarveṣu bhūteṣu – in allen Wesen; akṣareṣu – in den Lauten; etam eva – eben diesen; brahma iti – als Brahman; upāsate – verehren, meditieren; tat etat – dieses; ṛcā abhyuditam – in einem Rigveda-Vers ausgesprochen.
8.5.1. Zitierter Rigveda-Vers
ud vayaṃ tamasas pari jyotiṣ paśyanta uttaram | devaṃ devatrā sūryam aganma jyotir uttamam ||
Deutsche Übersetzung
„Über das Dunkel hinweg sind wir aufgestiegen und schauen das höhere Licht. Zu Sūrya, dem Gott unter den Göttern, sind wir gelangt, zum höchsten Licht.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: ut (Sandhi: ud) – aufwärts, hinauf; vayam – wir; tamasaḥ pari – über das Dunkel hinweg; jyotiḥ (Sandhi: jyotiṣ) – Licht; paśyantaḥ (Sandhi: paśyanta) – schauend; uttaram – höheres; devam – zum Gott; devatrā – unter den Göttern, im göttlichen Bereich; sūryam – Sūrya, zur Sonne; aganma – wir sind gelangt; jyotiḥ uttamam – zum höchsten Licht; iti – so;
8.5.2. Erläuternde Prosa
iti | sa eṣo 'kṣarasaṃmānaś cakṣurmayaḥ śrotramayaś chandamayo manomayo vāṅmaya ātmā | sa ya evam etam akṣarasaṃmānaṃ cakṣurmayaṃ śrotramayaṃ chandamayaṃ manomayaṃ vāṅmayam ātmānaṃ parasmai śaṃsati dugdhadohā asya vedā bhavanti | abhāgo vāci bhavati abhāgo 'nūkte | tad etad ṛcābhyuditam ||
Deutsche Übersetzung
Dieses Selbst hat die Laute zum Maß und besteht aus Auge, Gehör, Metren, Geist und Rede. Wer dieses Selbst, das die Laute zum Maß hat und aus Auge, Gehör, Metren, Geist und Rede besteht, für einen anderen rezitiert, dessen Veden werden wie Kühe, die bereits ausgemolken sind. Er hat keinen Anteil an der Rede und keinen Anteil am Rezitierten. Dies wird in einem Rigveda-Vers ausgesprochen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ eṣaḥ – dieses; akṣarasaṃmānaḥ – die Laute zum Maß habend; cakṣurmayaḥ – aus Auge bestehend; śrotramayaḥ – aus Gehör bestehend; chandamayaḥ – aus Metren bestehend; manomayaḥ – aus Geist bestehend; vāṅmayaḥ ātmā – aus Rede bestehendes Selbst; saḥ yaḥ – wer; evam – so; etam ... ātmānam – dieses Selbst; parasmai – für einen anderen, einem anderen; śaṃsati – rezitiert, verkündet; dugdhadohāḥ (Sandhi: dugdhadohā) – deren Milch bereits ausgemolken ist; asya – seine; vedāḥ – Veden; bhavanti – werden; abhāgaḥ (Sandhi: abhāgo) – ohne Anteil; vāci – an der Rede; bhavati – wird/ist; anūkte – am Rezitierten, an der erlernten Rezitation; tat etat ṛcā abhyuditam – dieses wird in einem Rigveda-Vers ausgesprochen.
Textkritischer Hinweis: Der Abschnitt warnt in der Sprache seiner mündlichen Schule vor der Weitergabe der Geheimlehre außerhalb des vorgesehenen Lehrer-Schüler-Verhältnisses. Die Wendung von den „ausgemolkenen“ Veden bezeichnet den Verlust ihrer wirksamen Kraft.
8.6.1. Zitierter Rigveda-Vers
yas tityāja sacividaṃ sakhāyaṃ na tasya vācy api bhāgo asti | yad īṃ śṛnoty alakaṃ śṛṇoti na hi praveda sukṛtasya panthām ||
Deutsche Übersetzung
„Wer den Gefährten verlassen hat, der Freundschaft versteht, der hat keinen Anteil an der Rede. Wenn er ihn auch hört, hört er doch vergebens; denn er kennt den Weg guten Handelns nicht.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ (Sandhi: yas) – wer; tityāja – verlassen hat; sacividam – Freundschaft/Verbundenheit kennend; sakhāyam – den Freund, Gefährten; na – nicht; tasya – sein, für ihn; vāci api – auch an der Rede; bhāgaḥ asti – gibt es Anteil; yat (Sandhi: yad) – wenn/obwohl; īm – ihn; śṛṇoti (Sandhi: śṛṇoty) – hört; alakam – vergeblich, ohne Nutzen; śṛṇoti – hört; na hi – denn nicht; praveda – erkennt, kennt genau; sukṛtasya – des guten/rechten Handelns; panthām – den Weg; iti – so;
8.6.2. Erläuternde Prosa
iti | nāsyānūkte vāco bhāgo astīty eva tad āha tan na parasmā etad ahaḥ śaṃset | nāgniṃ cinuyān na mahāvratena stuyān ned ātmano 'pihīyā iti | sa yaś cāyam aśarīraḥ prajñātmā yaś cāsāv āditya ekam etad ity avocāma tau yatra vipradṛśyete ||
Deutsche Übersetzung
Damit sagt der Vers: Ein solcher hat keinen Anteil an der Rede des Rezitierten. Darum soll man die Liturgie dieses Tages nicht für einen anderen rezitieren, keinen Feueraltar für ihn schichten und das Mahāvrata nicht für ihn besingen, damit man nicht vom eigenen Selbst getrennt werde. Wir sagten: „Dieser körperlose Bewusstseins-Atman hier und jene Sonne dort sind ein Einziges.“ Wenn diese beiden getrennt gesehen werden, treten die folgenden Zeichen auf.
Wort-für-Wort-Erläuterung: na asya – für ihn nicht; anūkte – am Rezitierten; vācaḥ (Sandhi: vāco) – der Rede; bhāgaḥ asti – gibt es Anteil; iti eva – eben dies; tat āha – sagt jener Vers; tat (Sandhi: tan) – deshalb; na parasmāi (überliefert parasmā) – nicht für einen anderen; etat ahaḥ – die Liturgie dieses Tages; śaṃset – soll man rezitieren; na agnim cinuyāt – keinen Feueraltar soll man schichten; na mahāvratena stuyāt – nicht mit dem Mahāvrata besingen; na it (Sandhi: ned) – damit nicht; ātmanaḥ – vom eigenen Selbst; apihīyāḥ (Sandhi: apihīyā) – man getrennt/weggerissen werde; saḥ yaḥ ca ayam – dieser hier; aśarīraḥ prajñātmā – körperloser Bewusstseins-Atman; yaḥ ca asau ādityaḥ – und jene Sonne; ekam etat – dieses ist ein Einziges; iti avocāma – so sagten wir; tau – die beiden; yatra – wenn, wo; vipradṛśyete – getrennt gesehen werden (Dual).
8.7. Todeszeichen und der innere körperlose Bewusstseins-Atman
candramā ivādityo dṛśyate na raśmayaḥ prādur bhavanti | lohinī dyaur bhavati yathā mañjiṣṭhāḥ | vyastaḥ pāyur bhavati | saṃpareto 'syātmā na ciram iva jīviṣyatīti vidyāt | sa yat karaṇīyaṃ manyeta tat kuryāt | athāpyādarśe vodake vā jihmaśirasaṃ vāśirasaṃ vātmānaṃ paśyen na vā paśyet | tad apy evam eva vidyāt | athāpi cchidrā chāyā bhavati na vā bhavati tad apy evam eva vidyāt | athāpi cchidra ivādityo rathanābhir ivākhyāyet tad apy evam eva vidyāt | athāpi nīla ivāgnir dṛśyeta yathā mayūragrīvā mahāmeghe vā marīcīr iva paśyet | anabhre vā vidyutaṃ paśyet | abhra enāṃ na paśyet tad apy evam eva vidyāt | athāpy apidhāyākṣiṇī upekṣeta tatraitad varāṭakānīva na paśyet tad apy evam eva vidyāt | athāpy apidhāya karṇā upāsīta | ya eṣo 'gner iva jvalataḥ śabdo rathasyevopabdis taṃ na yadā śṛṇuyāt tad apy evam eva vidyāt | athāpi viparyaste kanyake dṛśyete dvijihmevā na vā dṛśyetetad apy evam eva vidyāt | sa yo 'to 'śruto 'mato 'vijñāto 'dṛṣṭo 'nādiṣṭo 'ghuṣṭaḥ śrotā mantā vijñātā draṣṭādeṣṭā ghoṣṭā sarveṣāṃ bhūtānām āntaraḥ puruṣaḥ sa ma ātmeti vidyāt | sa utkrāmann evaitam aśarīraṃ prajñātmānam abhisaṃpadyate vijahātītaraṃ dauhikam | saiṣā sarvasyai vāca upaniṣat | sarvā haivemāḥ sarvasyai vācaupaniṣadaḥ | imāṃ tv evam ācakṣate ||
Deutsche Übersetzung
Die Sonne erscheint dann wie der Mond, und ihre Strahlen treten nicht hervor. Der Himmel wird rot wie Färberröte; der After steht offen. Dann soll man erkennen: „Sein Selbst ist im Fortgehen; er wird wohl nicht mehr lange leben.“ Was er noch zu tun meint, soll er tun. Wenn er sich ferner in einem Spiegel oder im Wasser mit schiefem Kopf, ohne Kopf oder überhaupt nicht sieht, soll er dasselbe erkennen. Wenn sein Schatten durchbrochen erscheint oder gar nicht erscheint, soll er dasselbe erkennen. Wenn die Sonne durchbrochen wie die Nabe eines Wagenrades erscheint, soll er dasselbe erkennen. Wenn das Feuer dunkelblau wie ein Pfauenhals erscheint, wenn er in einer großen Wolke etwas wie Lichtstrahlen sieht, bei wolkenlosem Himmel einen Blitz sieht oder ihn bei bewölktem Himmel nicht sieht, soll er dasselbe erkennen. Wenn er die Augen schließt und hinschaut, dort aber nicht etwas wie kleine leuchtende Körner sieht, soll er dasselbe erkennen. Wenn er die Ohren verschließt und lauscht und dann weder das Geräusch eines brennenden Feuers noch einen Klang wie von einem Wagen hört, soll er dasselbe erkennen. Wenn die Pupillen verdreht oder wie gespalten erscheinen oder nicht sichtbar sind, soll er dasselbe erkennen. Man soll wissen: „Der ungehörte Hörer, der ungedachte Denker, der unerkannte Erkenner, der ungesehene Seher, der nicht angewiesene Lenker, der ungerufene Rufer, der innere Purusha aller Wesen – er ist mein Atman.“ Beim Fortgehen gelangt er in diesen körperlosen Bewusstseins-Atman und verlässt den anderen, körperlichen Atman. Dies ist die Upanishad über die gesamte Rede. Alle diese Lehren sind zwar Upanishaden über die gesamte Rede, doch besonders diese nennt man so.
Wort-für-Wort-Erläuterung: candramāḥ iva – wie der Mond; ādityaḥ (Sandhi: ādityo) – Sonne; dṛśyate – wird gesehen, erscheint; na raśmayaḥ – die Strahlen nicht; prāduḥ bhavanti – treten hervor; lohinī – rot; dyauḥ (Sandhi: dyaur) – Himmel; bhavati – wird; yathā mañjiṣṭhāḥ – wie Färberröte/Krapprot; vyastaḥ – geöffnet, auseinanderstehend; pāyuḥ (Sandhi: pāyur) – After; saṃparetaḥ (Sandhi: saṃpareto) – im Fortgehen, dem Tod nahe; asya ātmā – sein Selbst; na ciram iva – wohl nicht lange; jīviṣyati (in jīviṣyatīti) – wird leben; iti vidyāt – so soll man erkennen; saḥ yat – was er; karaṇīyam – zu tun; manyeta – meinen sollte; tat kuryāt – das soll er tun; atha api – ferner auch; ādarśe vā – in einem Spiegel oder; udake vā – im Wasser oder; jihmaśirasam – mit schiefem Kopf; aśirasam (Sandhi: vāśirasaṃ) – kopflos; ātmānam – sich selbst; paśyet – sollte sehen; na vā paśyet – oder nicht sehen; tat api evam eva vidyāt – auch dies soll er ebenso erkennen; chidrā chāyā – durchbrochener Schatten; bhavati – erscheint; na vā bhavati – oder erscheint nicht; chidraḥ iva ādityaḥ – Sonne wie durchbrochen; rathanābhiḥ iva – wie die Nabe eines Wagenrades; ākhyāyet – sollte erscheinen; nīlaḥ iva agniḥ – Feuer wie dunkelblau; dṛśyeta – sollte erscheinen; yathā mayūragrīvā – wie ein Pfauenhals; mahāmeghe vā – oder in einer großen Wolke; marīcīḥ iva (Sandhi: marīcīr iva) – wie Lichtstrahlen; paśyet – sollte sehen; anabhre vā – oder bei wolkenlosem Himmel; vidyutam paśyet – einen Blitz sehen; abhre – bei bewölktem Himmel; enām – ihn, den Blitz; na paśyet – nicht sehen; apidhāya – nachdem er verschlossen hat; akṣiṇī – beide Augen; upekṣeta – sollte hinschauen/beobachten; tatra – dort; etat – dieses; varāṭakāni iva – wie Kaurimuscheln, kleine leuchtende Körner; na paśyet – nicht sehen; apidhāya – nachdem er verschlossen hat; karṇau (überliefert karṇā) – beide Ohren; upāsīta – sollte lauschen/darauf achten; yaḥ eṣaḥ – dieses, welches; agneḥ iva jvalataḥ – wie eines brennenden Feuers; śabdaḥ – Geräusch; rathasya iva – wie das eines Wagens; upabdiḥ – Klang, Dröhnen (seltene Form); tam – diesen; na yadā śṛṇuyāt – wenn er ihn nicht hören sollte; viparyaste – verdreht (Dual); kanyake – Pupillen (wörtlich: die beiden Mädchen); dṛśyete – erscheinen (Dual); dvijihme iva – wie zweizüngig/gespalten; na vā dṛśyete – oder werden nicht gesehen; saḥ yaḥ ataḥ – derjenige nun, welcher; aśrutaḥ – ungehört; amataḥ – ungedacht; avijñātaḥ – unerkannt; adṛṣṭaḥ – ungesehen; anādiṣṭaḥ – nicht angewiesen; aghuṣṭaḥ – ungerufen, lautlos; śrotā – Hörer; mantā – Denker; vijñātā – Erkenner; draṣṭā – Seher; ādeṣṭā (in draṣṭādeṣṭā) – Lenker, Anweiser; ghoṣṭā – Rufer, Lautender; sarveṣām bhūtānām – aller Wesen; āntaraḥ puruṣaḥ – innerer Purusha; saḥ me ātmā (Sandhi: sa ma ātmeti) – er ist mein Atman; iti vidyāt – so soll man erkennen; saḥ – er; utkrāman (Sandhi: utkrāmann) – fortgehend, beim Sterben; eva – gerade; etam aśarīram prajñātmānam – diesen körperlosen Bewusstseins-Atman; abhisaṃpadyate – gelangt in, wird eins mit; vijahāti – verlässt; itaram – den anderen; dauhikam – körperlichen; sā eṣā – diese; sarvasyai vācaḥ (Sandhi: vāca) – über die gesamte Rede; upaniṣat – geheime Lehre; sarvāḥ ha eva imāḥ – alle diese wahrlich; sarvasyai vācaḥ upaniṣadaḥ – Upanishaden über die gesamte Rede; imām tu – diese aber; evam – so, in besonderer Weise; ācakṣate – nennt man.
Textkritischer Hinweis: Die Todeszeichen sind historische Vorstellungen des Textes und keine medizinische Diagnostik. Die Übersetzung gibt sie vollständig wieder, ohne daraus Empfehlungen für heutige Gesundheitsfragen abzuleiten.
8.8. Kosmos, Veden und Atem in den Lautklassen
pṛthivyā rūpaṃ sparśā antarikṣasyoṣmāṇo divaḥ svarāḥ | agne rūpaṃ sparśā vāyor ūṣmāṇa ādityasya svarāḥ | ṛgvedasya rūpaṃ sparśā yajurvedasyoṣmāṇaḥ sāmavedasya svarāḥ | rathantarasya rūpaṃ sparśā vāmadevyasyoṣmāṇo bṛhataḥ svarāḥ | prāṇasya rūpaṃ sparśā apānasyoṣmāṇo manasaḥ svarāḥ | prāṇasya rūpaṃ sparśā apānasyoṣmāṇa udānasya svarāḥ svarā iti punardattaḥ | eṣa u haiva sarvāṃ vācaṃ veda ya evaṃ veda ||
Deutsche Übersetzung
Die Verschlusslaute sind die Gestalt der Erde, die Reibelaute die des Luftraums, die Vokale die des Himmels. Die Verschlusslaute sind die Gestalt Agnis, die Reibelaute die Vāyus, die Vokale die Ādityas. Die Verschlusslaute sind die Gestalt des Rigveda, die Reibelaute die des Yajurveda, die Vokale die des Samaveda. Die Verschlusslaute sind die Gestalt des Rathantara-Sāman, die Reibelaute die des Vāmadevya-Sāman, die Vokale die des Bṛhat-Sāman. Die Verschlusslaute sind die Gestalt des Ausatems, die Reibelaute die des Einatems, die Vokale die des Geistes. „Die Verschlusslaute sind die Gestalt des Ausatems, die Reibelaute die des Einatems, die Vokale die des Udāna“, lehrt Punardatta. Wer dies erkennt, kennt wahrlich die gesamte Rede.
Wort-für-Wort-Erläuterung: pṛthivyāḥ (Sandhi: pṛthivyā) – der Erde; rūpam – Gestalt, Entsprechung; sparśāḥ (Sandhi: sparśā) – Verschlusslaute, wörtlich Berührungslaute; antarikṣasya – des Luftraums; ūṣmāṇaḥ (in antarikṣasyoṣmāṇo) – Reibelaute/S-Laute; divaḥ – des Himmels; svarāḥ – Vokale; agneḥ (Sandhi: agne) – Agnis; vāyoḥ (Sandhi: vāyor) – Vāyus; ādityasya – Ādityas; ṛgvedasya – des Rigveda; yajurvedasya – des Yajurveda; sāmavedasya – des Samaveda; rathantarasya – des Rathantara-Sāman; vāmadevyasya – des Vāmadevya-Sāman; bṛhataḥ – des Bṛhat-Sāman; prāṇasya – des Ausatems/Prana; apānasya – des Einatems/Apāna; manasaḥ – des Geistes; udānasya – des Udāna-Atems; svarāḥ svarāḥ – die Vokale, „Vokale“ (wiederholte Anschlussform); iti punardattaḥ – so Punardatta; eṣaḥ u ha eva – dieser wahrlich; sarvām vācam – die gesamte Rede; veda – kennt; yaḥ evam veda – wer so erkennt.
8.9. Die göttliche und die menschliche Vina
atha khalv iyaṃ daivī vīṇā bhavati tadanukṛtir asau mānuṣī bhavati | tad yatheyaṃ śastravatī tardmavatī bhavaty evam evāsau śastravatī tardmavatī bhavati | tad yathāsyāḥ śira evam amuṣyāḥ śiraḥ | tad yathāsyai vaṃśa evam amuṣyā daṇḍaḥ | tad yathāsyā udaram evam amuṣyā ambhaṇaṃ | tad yathāsyai mukhanāsike akṣiṇī ity evam amuṣyāś chidrāṇi | tad yathāsyā aṅgulinigrahā upastaraṇānīty evam amuṣyāḥ parvāṇi | tad yathāsyā aṅgulaya evam amuṣyās tantryaḥ | tad yathāsyai jihvaivam amuṣyā vādanam | tad yathāsyāḥ svarā evam amuṣyāḥ svarāḥ | tad yathā haiveyaṃ romaśena carmaṇāpihitā bhavaty evam evāsau romaśena carmaṇāpihitā bhavati | romaśena ha sma carmaṇā purā vīṇā apidadhati | saiṣā daivī vīṇā bhavati | sa ya evam etāṃ daivīṃ vīṇāṃ veda śrutavadanatamo bhavati bhūmiprāsya kīrtir bhavati śuśrūṣante hāsya parṣatsu bhāṣyamāṇasyedam astu yad ayam īhate yatrāryā vāg vadati vidur enaṃ tatra ||
Deutsche Übersetzung
Nun gibt es diese göttliche Vīṇā, den menschlichen Körper; jene von Menschen gefertigte Vīṇā ist ihr Abbild. Wie diese einen Klangkörper und gespannte Saiten besitzt, so besitzt auch jene einen Klangkörper und gespannte Saiten. Wie diese einen Kopf hat, so jene einen Kopf. Wie diese eine Wirbelsäule hat, so jene einen Stab. Wie diese einen Bauch hat, so jene einen Hohlraum. Wie diese Mund, Nase und Augen hat, so jene Öffnungen. Wie diese Fingergriffe und Auflagen hat, so jene Gliederungen. Wie diese Finger hat, so jene Saiten. Wie diese eine Zunge hat, so jene ein Spielteil. Wie diese Töne hat, so hat jene Töne. Wie diese mit behaarter Haut bedeckt ist, so ist jene mit behaarter Haut bedeckt; denn früher bedeckte man Vīṇās mit behaarter Haut. Dies ist die göttliche Vīṇā. Wer diese göttliche Vīṇā so erkennt, wird überaus berühmt im gesprochenen Wort; sein Ruhm erfüllt die Erde. Wenn er in Versammlungen spricht, hören die Menschen auf ihn und sagen: „Es geschehe, was dieser wünscht.“ Wo immer die Rede der Āryas gesprochen wird, kennt man ihn dort.
Wort-für-Wort-Erläuterung: atha khalu – nun wahrlich; iyam – diese hier, der Körper; daivī vīṇā – göttliche Vīṇā; bhavati – ist; tat-anukṛtiḥ – deren Nachbildung; asau – jene dort, das Instrument; mānuṣī – von Menschen gemacht, menschlich; tat yathā iyam – wie diese hier; śastravatī – einen Klangkörper/Resonanzteil besitzend (Keith: unsichere Deutung); tardmavatī – gespannt, Besaitung besitzend (seltene Form); evam eva asau – genauso jene; tat yathā asyāḥ – wie dieser; śiraḥ (Sandhi: śira) – Kopf; evam amuṣyāḥ – so bei jener; vaṃśaḥ – Wirbelsäule, Rückenröhre; daṇḍaḥ – Stab/Hals des Instruments; udaram – Bauch; ambhaṇam – Hohlraum, Resonanzkörper; mukhanāsike – Mund und Nase (Dual); akṣiṇī – die beiden Augen; iti – so; amuṣyāḥ chidrāṇi – die Öffnungen jener; aṅgulinigrahāḥ – Fingergriffe; upastaraṇāni – Auflagen/Bedeckungen; amuṣyāḥ parvāṇi – Gliederungen jener; aṅgulayaḥ – Finger; tantryaḥ – Saiten; jihvā (in jihvaivam) – Zunge; vādanam – Spielteil, Klangerzeuger; svarāḥ – Töne; ha eva iyam – eben diese hier; romaśena carmaṇā – mit behaarter Haut; apihitā – bedeckt; purā – früher; vīṇāḥ (überliefert vīṇā) – Vīṇās; apidadhati – sie bedeckten; sā eṣā – diese; daivī vīṇā – göttliche Vīṇā; saḥ yaḥ – wer; evam – so; etām daivīm vīṇām – diese göttliche Vīṇā; veda – erkennt; śrutavadanatamaḥ – im gesprochenen und gehörten Wort überaus berühmt; bhavati – wird; bhūmiprā – die Erde erfüllend (Textform in bhūmiprāsya); asya kīrtiḥ – sein Ruhm; śuśrūṣante – sie wollen hören, gehorchen; ha asya – wahrlich ihm; parṣatsu – in Versammlungen; bhāṣyamāṇasya – während er spricht; idam astu – dies möge geschehen; yat ayam īhate – was dieser wünscht/erstrebt; yatra – wo; āryā vāk – Rede der Āryas, kultivierte vedische Rede; vadati – spricht/gesprochen wird; viduḥ (Sandhi: vidur) – sie kennen; enam – ihn; tatra – dort.
Textkritischer Hinweis: Die Körper-Vīṇā ist im Satzgefüge „diese hier“, das gebaute Musikinstrument „jene dort“. Mehrere Fachwörter für Teile der alten Vīṇā sind nur vergleichend erschließbar; ihre Unsicherheit wird in der Worterklärung genannt.
8.10. Der kundige Sprecher wie ein kundiger Vina-Spieler
athātas tāṇḍavindasya vacaḥ | tad yatheyaṃ akuśalena vādayitrā vīṇārabdhā na kṛtsnaṃ vīṇārthaṃ sādhayaty evam evākuśalena vaktrā vāg ārabdhā na kṛtsnaṃ vāg arthaṃ sādhayati | tad yathā haiveyaṃ kuśalena vādayitrā vīṇārabdhā kṛtsnaṃ vīṇārthaṃ sādhayaty evam eva kuśalena vaktrā vāg ārabdhā kṛtsnaṃ vāg arthaṃ sādhayati | tasyai vā etasyai vīṇāyai yā tviṣiḥ sā saṃhiteti kātyāyanīputro jātūkarṇyaḥ | atha ha smaitat kṛtsnahārito brāhmaṇam evodāharati ||
Deutsche Übersetzung
Nun folgt die Aussage Tāṇḍavindas. Wie diese Vīṇā, wenn sie von einem unkundigen Spieler angeschlagen wird, den ganzen Zweck einer Vīṇā nicht erfüllt, so erfüllt auch die Rede, wenn sie von einem unkundigen Sprecher in Gang gesetzt wird, den ganzen Zweck der Rede nicht. Wie aber diese Vīṇā, wenn sie von einem kundigen Spieler angeschlagen wird, den ganzen Zweck einer Vīṇā erfüllt, so erfüllt auch die Rede, wenn sie von einem kundigen Sprecher in Gang gesetzt wird, den ganzen Zweck der Rede. „Der Glanz dieser Vīṇā ist ihre Verbindung“, lehrt Jātūkarṇya, der Sohn Kātyāyanīs. Hierzu trägt Kṛtsnahārita folgendes Brāhmaṇa vor.
Wort-für-Wort-Erläuterung: atha ataḥ – nun also; tāṇḍavindasya – Tāṇḍavindas; vacaḥ – Aussage; tat yathā iyam – wie diese; akuśalena – durch einen unkundigen; vādayitrā – Spieler; vīṇā ārabdhā – angeschlagene/in Gang gesetzte Vīṇā; na – nicht; kṛtsnam – den ganzen; vīṇārtham – Zweck/Sinn der Vīṇā; sādhayati – verwirklicht, erfüllt; evam eva – ebenso; akuśalena vaktrā – durch einen unkundigen Sprecher; vāk ārabdhā – in Gang gesetzte Rede; vāgartham (geschrieben vāg arthaṃ) – Zweck/Sinn der Rede; tat yathā ha eva – wie aber eben; kuśalena – durch einen kundigen; vādayitrā – Spieler; kṛtsnam vīṇārtham – den ganzen Zweck der Vīṇā; sādhayati – erfüllt; kuśalena vaktrā – durch einen kundigen Sprecher; kṛtsnam vāgartham – den ganzen Zweck der Rede; sādhayati – erfüllt; tasyai vai etasyai vīṇāyai – dieser Vīṇā wahrlich; yā tviṣiḥ – welcher Glanz; sā saṃhitā – dieser ist die Verbindung; iti – so; kātyāyanīputraḥ – Sohn Kātyāyanīs; jātūkarṇyaḥ – Jātūkarṇya; atha ha sma – nun, so wird berichtet; etat – hierzu; kṛtsnahāritaḥ (Sandhi: kṛtsnahārito) – Kṛtsnahārita; brāhmaṇam eva – gerade ein Brāhmaṇa; udāharati – trägt vor.
8.11. Prajapati setzt sich durch die Metren zusammen
prajāpatiḥ prajāḥ sṛṣṭvā vyasraṃsata sa chandobhir ātmānaṃ samadadhat | tad yac chandobhir ātmānaṃ samadadhat tasmāt saṃhitā | tasyai vā etasyai saṃhitāyai ṇakaro balaṃ ṣakāraḥ prāṇa ātmā saṃhitā | athaiṣā kṣudramiśrā vikṛtis tāni nakhāni romāṇi vyañjanānīti | sa yo 'tra vicikitset saṇakāraṃ eva brūyād ṛte ṇakāram iti saṇakāram eva brūyāt | evam eva yo 'tra vicikitset saṣakāraṃ eva brūyād ṛte ṣakāram iti saṣakāram eva brūyāt | tau vā etau ṇakāraṣakārau vidvān anusaṃhitam ṛco 'dhīyītāyuṣyam iti vidyād evam eva vidyāt | atha vāg itihāsapurāṇaṃ yac cānyat kiṃcid brāhmīkṛtyevādhīyīta tad apy evam eva vidyāt | te yad vayam anusaṃhitam ṛco 'dhīmahe yac ca māṇḍūkeyīyam adhyāyaṃ prabrūmas tena no ṇakāraṣakārā upāptāv iti ha smāha hrasvo māṇḍūkeyaḥ | atha yad vayam anusaṃhitam ṛco 'dhīmahe yac ca svādhyāyam adhīmahe tena no ṇakāraṣakārā upāptāv iti ha smāha sthaviraḥ śākalyaḥ | etad dha sma vai tad vidvāṃsa āhuḥ kāvaṣeyāḥ kimarthā vayaṃ yakṣyāmahe kimarthā vayam adheṣyāmahe vāci hi prāṇaṃ juhumaḥ prāṇe vācaṃ yo hy eva prabhavaḥ sa evāpyaya iti | tā etāḥ saṃhitā nānantevāsine brūyān nāsaṃvatsaravāsine nābrahmacāriṇe nāvedavide nāpavaktra ity ācāryā ity ācāryāḥ || iti śāṅkhāyanāraṇyake aṣṭamo 'dhyāyaḥ ||
Deutsche Übersetzung
Nachdem Prajāpati die Geschöpfe erschaffen hatte, fiel er auseinander. Durch die Metren setzte er sich wieder zusammen. Weil er sich durch die Metren zusammensetzte, heißt dies Saṃhitā, Zusammenfügung. An dieser Saṃhitā ist der Laut ṇ die Kraft, der Laut ṣ der Prana und der Atman die Verbindung. Ihre abgewandelte, mit Kleinem vermischte Form sind Nägel, Haare und Konsonanten. Wer hier zweifelt, ob er mit einem ṇ oder ohne ṇ sprechen soll, soll mit ṇ sprechen. Ebenso soll, wer zweifelt, ob er mit einem ṣ oder ohne ṣ sprechen soll, mit ṣ sprechen. Wer diese beiden Laute ṇ und ṣ kennt, soll die Rigverse im verbundenen Saṃhitā-Text studieren und wissen: Das verleiht Lebensdauer. Ferner soll er die Rede, die Erzählung von alter Geschichte, und alles andere, was zum heiligen Wissen gehört, zum Brahman machend studieren und wissen: Auch dies verleiht Lebensdauer. „Dadurch, dass wir die Rigverse im verbundenen Text studieren und die Māṇḍūkeya-Lektion vortragen, haben wir die Laute ṇ und ṣ erlangt“, sagte Hrasva Māṇḍūkeya. „Dadurch, dass wir die Rigverse im verbundenen Text studieren und das Selbststudium pflegen, haben wir die Laute ṇ und ṣ erlangt“, sagte Sthavira Śākalya. Die wissenden Kāvaṣeyas sagten: „Zu welchem Zweck sollen wir opfern, zu welchem Zweck studieren? In der Rede opfern wir Prana und im Prana die Rede. Denn wo der Ursprung ist, dort ist auch das Eingehen.“ Die Lehrer sagen: Diese Saṃhitā-Lehren soll man keinem mitteilen, der kein Schüler ist, nicht ein Jahr beim Lehrer gelebt hat, kein Brahmacārin ist, den Veda nicht kennt oder nicht zum geeigneten Lehrer beziehungsweise Sprecher bestimmt ist. So sagen die Lehrer, so sagen die Lehrer. Damit endet das achte Kapitel des Śāṅkhāyana Āraṇyaka.
Wort-für-Wort-Erläuterung: prajāpatiḥ – Prajāpati; prajāḥ – Geschöpfe; sṛṣṭvā – nachdem er geschaffen hatte; vyasraṃsata – fiel auseinander, löste sich auf; saḥ – er; chandobhiḥ – durch die Metren; ātmānam – sich selbst; samadadhat – setzte zusammen; tat yat – weil/indem; tasmāt – deshalb; saṃhitā – Zusammenfügung, verbundener Text; tasyai vai etasyai saṃhitāyai – an dieser Saṃhitā wahrlich; ṇakāraḥ (Sandhi: ṇakaro) – der Laut ṇ; balam – Kraft; ṣakāraḥ – der Laut ṣ; prāṇaḥ – Prana; ātmā – Atman; saṃhitā – Verbindung; atha – nun; eṣā – diese; kṣudramiśrā – mit Kleinem/Feinem vermischt; vikṛtiḥ (Sandhi: vikṛtis) – Abwandlung; tāni – diese; nakhāni – Nägel; romāṇi – Haare; vyañjanāni – Konsonanten, körperliche Kennzeichen; iti – so; saḥ yaḥ – wer; atra – hier; vicikitset – zweifeln sollte; saṇakāram – mit dem Laut ṇ; eva brūyāt – soll gerade so sprechen; ṛte ṇakāram – ohne den Laut ṇ; iti – so; saṇakāram eva – gerade mit ṇ; evam eva – ebenso; saṣakāram – mit dem Laut ṣ; ṛte ṣakāram – ohne den Laut ṣ; tau vai etau – diese beiden wahrlich; ṇakāraṣakārau – die Laute ṇ und ṣ (Dual); vidvān – wissend; anusaṃhitam – nach dem verbundenen Saṃhitā-Text; ṛcaḥ (Sandhi: ṛco) – die Rigverse; adhīyīta – soll studieren; āyuṣyam – lebensverlängernd, Lebensdauer verleihend; iti vidyāt – so soll er wissen; evam eva vidyāt – genau so soll er wissen; atha – ferner; vāk – Rede; itihāsapurāṇam – Erzählung alter Geschichte, Itihāsa-Purāṇa; yat ca anyat kiṃcit – und was immer sonst; brāhmīkṛtya – zum Brahman/heiligen Wissen machend; eva adhīyīta – soll gerade studieren; tat api – auch dieses; te yat – dadurch, dass; vayam – wir; anusaṃhitam – im verbundenen Text; ṛcaḥ adhīmahe – die Rigverse studieren; yat ca – und dass; māṇḍūkeyīyam – die Māṇḍūkeya-Lektion; adhyāyam – Abschnitt/Lektion; prabrūmaḥ (Sandhi: prabrūmas) – vortragen; tena – dadurch; naḥ – von uns, uns; ṇakāraṣakārau – die Laute ṇ und ṣ; upāptau (Sandhi: upāptāv) – erlangt (Dual); iti ha sma āha – so sagte einst; hrasvaḥ māṇḍūkeyaḥ – Hrasva Māṇḍūkeya; svādhyāyam – Selbststudium, eigene Veda-Rezitation; adhīmahe – wir studieren; sthaviraḥ śākalyaḥ – Sthavira Śākalya; etat ha sma vai – dies wahrlich; tat – jenes; vidvāṃsaḥ (Sandhi: vidvāṃsa) – die Wissenden; āhuḥ – sagten; kāvaṣeyāḥ – die Kāvaṣeyas; kimarthāḥ (Sandhi: kimarthā) – zu welchem Zweck; vayam – wir; yakṣyāmahe – werden/sollen opfern; adheṣyāmahe – werden/sollen studieren; vāci – in der Rede; hi – denn; prāṇam – Prana; juhumaḥ – wir opfern; prāṇe – im Prana; vācam – Rede; yaḥ hi eva – denn welcher gerade; prabhavaḥ – Ursprung; saḥ eva – eben dort; apyayaḥ – Eingehen, Auflösung; tāḥ etāḥ saṃhitāḥ – diese Saṃhitā-Lehren; na anantevāsine – keinem, der kein beim Lehrer wohnender Schüler ist; brūyāt (Sandhi: brūyān) – soll man mitteilen; na asaṃvatsaravāsine – keinem, der nicht ein Jahr beim Lehrer gelebt hat; na abrahmacāriṇe – keinem, der kein Brahmacārin ist; na avedavide – keinem Nichtkenner des Veda; na apavaktre (überliefert nāpavaktra) – keinem ungeeigneten Sprecher/Lehrer (textlich und semantisch unsicher); iti ācāryāḥ – so die Lehrer; iti ācāryāḥ – so die Lehrer (bekräftigende Wiederholung); iti – damit; śāṅkhāyanāraṇyake – im Śāṅkhāyana Āraṇyaka; aṣṭamaḥ adhyāyaḥ – achtes Kapitel.
Textkritischer Hinweis: Die Lautangaben ṇ und ṣ folgen dem überlieferten Text. Keiths OCR gibt sie fälschlich als „na“ und „sa“ wieder. Das letzte Wort apavaktra ist unsicher; deshalb wird die in der historischen Übersetzung erwogene Lehrer-/Sprechereignung ausdrücklich als Deutung markiert.
Datierung, Bedeutung, Inhalt und Bedeutung heute
Datierung und Stellung
Die Saṃhitā Upanishad ist kein selbständiger Text des späteren Muktika-Kanons, sondern umfasst die Kapitel 7 und 8 des Śāṅkhāyana Āraṇyaka, das auch als Kauṣītaki Āraṇyaka bezeichnet wird. Sie gehört damit zur Śāṅkhāyana-Schule des Rigveda. Schon diese Einbettung erklärt ihre besondere Gestalt: Rezitationslehre, Brāhmaṇa-artige Deutungen und frühe Spekulation über Atman, Sprache und Kosmos stehen unmittelbar nebeneinander.
Eine genaue Jahreszahl lässt sich für diese Schichten nicht seriös angeben. Sprache, Lehrerzitate und Denkform weisen in die alte vedische Āraṇyaka- und frühe Upanishadenzeit; einzelne Lehrstücke können unterschiedlich alt sein, bevor sie zu den überlieferten Kapiteln zusammengestellt wurden. Daher ist zwischen der Entstehung einzelner Lehren, ihrer redaktionellen Verbindung und der späteren Handschriftenüberlieferung zu unterscheiden. Die in 7.3 eingeschobene Anukramaṇī zeigt diesen Überlieferungsprozess besonders deutlich: Sie besteht aus Anfangswörtern der folgenden Abschnitte und ist keine beschädigte philosophische Aussage.
Die Sanskritfassung folgt M. J. Kümmels elektronischer Edition des Śāṅkhāyana Āraṇyaka von 2015. Offenkundige editorische Zeichen und vereinzelte mechanische Fehler der elektronischen Fassung wurden stillschweigend bereinigt; Worttrennung und Satzzeichen dienen der Lesbarkeit. Die Übersetzung wurde abschnittsweise mit Arthur Berriedale Keiths Ausgabe und englischer Übersetzung von 1908 verglichen. Wo Wortlaut, Syntax oder Bedeutung unsicher bleiben, steht der Hinweis unmittelbar am betreffenden Abschnitt.
Aufbau und Inhalt
Kapitel 7 entfaltet saṃhitā als Prinzip der Verbindung. Ausgangspunkt ist die lautliche Verbindung beim vedischen Rezitieren: Eine vorausgehende und eine folgende Form werden durch eine Fuge oder eine verbindende Kraft zusammengehalten. Die Lehrer übertragen dieses Muster auf Erde und Himmel, Wind und Raum, Rede und Geist, Mutter und Vater, Vergangenheit und Zukunft. Sandhi ist deshalb zugleich phonetische Fuge und Denkmodell für Beziehungen im Kosmos und im Menschen.
Mehrere Abschnitte bewahren unterschiedliche Schulmeinungen. Śauravīra Māṇḍūkeya, Dīrgha, Śākalya, Kauṇṭharavya, Bhārgava, Kāśyapa und weitere Lehrer setzen jeweils andere Verbindungsglieder an. Diese Stimmen werden nicht zu einer einzigen starren Theorie geglättet. Gerade die Folge von These, Gegenrede und neuer Zuordnung zeigt, wie vedische Schulen über richtige Rezitation und ihre symbolische Tragweite nachdachten.
In 7.14, 7.16, 7.19 und 7.21 werden Rigveda-Verse in die Prosa eingefügt. Sie stützen die Lehren über Sāman, Aditi, das wechselseitige Verhältnis von Rede und Prana sowie den Zusammenhang von Zeit und Welt. 7.23 führt die Bewegung des Kapitels zu der Aussage, die gesamte Rede sei Brahman. Damit erhält die zunächst technische Frage nach verbundener Aussprache eine umfassende religiöse Bedeutung.
Kapitel 8 richtet den Blick stärker auf Körper und Bewusstsein. Laute, Knochen, Mark, Gelenke, Tage und Nächte werden durch Zahlenentsprechungen aufeinander bezogen. Solche Zahlenspekulationen sind aus ihrer vedischen Ritualwelt zu verstehen; sie wollen Körper, Jahr und Rezitation als gleichartig gegliederte Ganzheiten sichtbar machen. Die vier Purushas in 8.3 unterscheiden Körper, Metrum, Veda und das große, am Jahr und an der Sonne orientierte Ganze.
Die Abschnitte 8.3–8.7 verbinden den körperlosen prajñātman, den Bewusstseins-Atman, mit der Sonne. In 8.7 erscheint der innere Purusha als der Hörende hinter dem Gehörten, der Denkende hinter dem Gedachten, der Erkennende hinter dem Erkannten und der Sehende hinter dem Gesehenen. Die vorangestellten Todeszeichen gehören zur historischen Vorstellungswelt des Textes; sie sind keine heutige medizinische Lehre.
Ein besonders anschauliches Bild bietet 8.9–8.10. Der menschliche Körper heißt „göttliche Vīṇā“, während das gebaute Musikinstrument sein Abbild ist. Körper, Atem und Rede müssen wie ein Instrument kundig zusammenwirken. Das Schlussstück 8.11 kehrt zur verbundenen Rezitation zurück und verbindet die Laute ṇ und ṣ, Lebensdauer, Selbststudium und die traditionelle Weitergabe der Lehre.
Bedeutung für Yoga und Vedanta
Die Upanishad lehrt kein späteres System von Asana, Mudra oder Kundalini. Für Yoga ist sie vor allem als Schule der Sammlung bedeutsam. Geist, Rede und Prana sollen als zusammengehörig erkannt werden. Wer vor dem Sprechen den Atem wahrnimmt, Gedanken klärt und Worte wahrhaftig formt, setzt eine Grundintuition des Textes praktisch um.
Für den Vedanta sind besonders die Aussagen über den nicht objektivierbaren inneren Zeugen wichtig. Der Sehende kann nicht einfach zu einem weiteren gesehenen Gegenstand gemacht werden; der Hörende erschöpft sich nicht im jeweiligen Klang. Der Text steht jedoch vor den voll ausgearbeiteten Systemen des späteren Advaita Vedanta. Seine Bilder sollten deshalb zuerst aus dem Zusammenhang von Rezitation, Kosmos und innerem Menschen verstanden werden.
Bedeutung heute
Die Leitidee der Verbindung ist für eine von Ablenkung und widersprüchlicher Kommunikation geprägte Gegenwart unmittelbar zugänglich. Sie fordert Übereinstimmung zwischen Denken, Sprechen und Handeln. Wahrheit erscheint in 7.18 nicht nur als moralische Vorschrift, sondern als das, was Erkenntnis, Vertrauen und Tätigkeit zusammenhält.
Auch die Vielfalt der Lehrerpositionen ist aktuell: Der Text überliefert mehrere Deutungen, ohne jede Differenz zu beseitigen. Ernsthafte Praxis kann ebenso genau und dialogisch sein. Sie prüft Worte, achtet auf ihren Zusammenhang und gesteht textliche Unsicherheit ein. Die Formel „alle Rede ist Brahman“ begründet dabei eine hohe Verantwortung für Sprache: Mantra, Studium, Gespräch und Schweigen werden zu Formen spiritueller Übung.
Vollständiger Text auf Devanagari
७.१
ओम् ऋतं वदिष्यामि । सत्यं वदिष्यामि । तन् माम् अवतु तद् वक्तारम् अवत्ववतु माम् अवतु वक्तारम् । मयि भर्गो मयि महः । वाङ् मे मनसि प्रतिष्ठिता । मनो मे वाचि प्रतिष्ठितम् । आविर् आविर् मय्याभूः । वेदस्य म आणीः । ऋत मा मा हिंसीः । अनेनाधीतेनाहोरात्रान् संवसामि । अग्ने इळा नम इळा नमः । ऋषिभ्यो मन्त्रकृद्भ्यो मन्त्रपतिभ्यो नमो ऽस्तु देवेभ्यः । शिवा नः शटमा भव सुमृडीका सरस्वति मा ते व्योम संदृशि । अदब्धं मन इषिरं चक्षुः सूर्यो ज्योतिषां श्रेष्ठः । दीक्षे मा मा हिंसीः ॥
७.२
अथातः संहिताया उपनिषत् । पृथिवी पूर्वरूपं द्यौर् उत्तररूपं वायुः संहितेति शौरवीरो माण्डूकेयः । आकाशः संहितेत्यस्य माण्डव्यो वेदयाञ् चक्रे - स हाविपरिहृतो मेने न मे ऽस्य पुत्रेण समगाद् इति । परिहृतो मेन इत्य् आगस्त्यः । समानं ह्यत्र पितुश्च पुत्रस्य च वायुश् चाकाशश् च । इत्यधिदैवतम् । अथाध्यात्मम् । वाक् पूर्वरूपं मन उत्तररूपं प्राणः संहितेति शौरवीरो माण्डूकेयः । अथ ह स्मास्य पुत्र आह दीर्घः - मनसा वा अग्रे कीर्तयति तद् वाचा वदति । तस्मान् मन एव पूर्वरूपं वाग् उत्तररूपं मनो वाक् प्राणस् त्वेव संहितेति । स एषो ऽश्वरथः प्रष्टिवाहनो मनोवाक्प्राणसंहितः स्वर्गं लोकं गमयति । स य एवम् एतां संहितां वेद संधीयते प्रजया पशुभिर् यशसा ब्रह्मवर्चसेन स्वर्गेण लोकेन सर्वम् आयुर् एतीति नु माण्डूकेयानाम् ॥
७.३
शाकल्यस्य पृथिव्यग्निः पृथिवी वाग् अनुव्याहाराः । स यदि निर्भुजः खलु वै वयं मध्यमो वाक् प्राणेन माता जाया प्रज्ञा वाग् बृहद्गतिर् वालिसर्वमुत्तमम् ॥
७.४
अथ शाकल्यस्य । पृथिवी पूर्वरूपं द्यौर् उत्तररूपं वायुः संहिता वृष्टिः संधिः संधाता । तद् उतापि यत्रैतद् बलवद् अनुगृह्णन् महामेघो वृष्टिं वर्षति । द्यावापृथिव्यौ समधाताम् इत्यधिदैवतम् । अथाध्यात्मम् । पुरुषो ऽयं सर्वम् आण्डम् । द्वे विदले भवतः । तत्रेदम् एव पूर्वरूपम् इदम् उत्तररूपम् । तत्रायम् अन्तरेणाकाशः । यथासौ द्यावापृथिव्योर् अन्तरेणाकाश एतस्मिन्न् आकाशे प्राण आयत्तो भवति यथामुष्मिन्न् आकाशे वायुर् आयत्तो भवति । यथामूनि त्रीणि ज्योतींष्येवम् इमानि पुरुषे त्रीणि ज्योतींषि । यथासौ दिव्यादित्य एवम् इदं शिरसि चक्षुः । यथासावन्तरिक्षे विद्युद् एवम् इदम् आत्मनि हृदयम् । यथायम् अग्निः पृथिव्यम् एवम् इदम् उपस्थे रेतः । एवमिव ह स्म सर्वत आत्मानम् अनुविधायाह - इदम् एव पूर्वरूपम् इदम् उत्तररूपं मनो वाक् प्राणस् त्वेव संहितेति । स एषो ऽश्वरथः प्रष्टिवहनो मनोवाक्प्राणसंहितः स्वर्गं लोकं गमयति । स य एवम् एतां संहितां वेद संधीयते प्रजया पशुभिर् यशसा ब्रह्मवर्चसेन स्वर्गेण लोकेन सर्वम् आयुर् एति ॥
७.५
पृथिवी पूर्वरूपं द्यौर् उत्तररूपं वायुः संहिता दिशः संधिर् आदित्यः संधातेति वैश्वामित्रः । इत्यधिदैवतम् । अथाध्यात्मम् । वाक् पूर्वरूपं मन उत्तररूपं प्राणः संहिता श्रोत्रं संधिश् चक्षुः संधाता । स य एवम् एतां संहितां वेद संधीयते प्रजया पशुभिर् यशसा ब्रह्मवर्चसेन स्वर्गेण लोकेन सर्वम् आयुर् एति ॥
७.६
अग्निः पूर्वरूपं चन्द्रमा उत्तररूपं विद्युत् संहितेति सूर्यदत्तः । इत्यधिदैवतम् । अथाध्यात्मम् - वाक् पूर्वरूपं मन उत्तररूपं सत्यं संहिता । स य एवम् एतां संहितां वेद संधीयते प्रजया पशुभिर् यशसा ब्रह्मवर्चसेन स्वर्गेण लोकेन सर्वम् आयुर् एति ॥
७.७
पृथिवी पूर्वरूपं द्यौर् उत्तररूपं कालः संहितेति राधेयः । इत्यधिदैवतम् । अथाध्यात्मम् - वाक् पूर्वरूपं मन उत्तररूपं आत्मा संहिता । स य एवम् एतां संहितां वेद संधीयते प्रजया पशुभिर् यशसा ब्रह्मवर्चसेन स्वर्गेण लोकेन सर्वम् आयुर् एति ॥
७.८
वाक् पूर्वरूपं मन उत्तररूपं विद्या संहितेति पौष्करसादिः । स य एवम् एतां संहितां वेद संधीयते प्रजया पशुभिर् यशसा ब्रह्मवर्चसेन स्वर्गेण लोकेन सर्वम् आयुर् एति ॥
७.९
अथातो ऽनुव्याहाराः । प्राणो वंश इति विद्यात् । स य एनं प्राणं वंशं ब्रुवन् परम् उपवदेत् शक्नुवन् कश्चिच् चेन् मन्येत - प्राणं वंशं समधाम् । प्राणं वंशं संधित्सितुं न शक्नोषीत्यात्थ । प्राणस् त्वा वंशो हास्यतीत्येवैनं ब्रूयात् । अथ चेद् अशक्नुवन् मन्येत प्राणं वंशं समधित्सीः तं नाशकः संधातुं प्राणस् त्वा वंशो हास्यतीत्येवैनं ब्रूयात् । यथा नु कथा च ब्रुवन् वाब्रुवन् वा ब्रूयाद् अभ्याशम् एव यत् तत् तथा स्यात् । न त्वेवान्यत् कुशलाद् ब्राह्मणं ब्रूयाद् अतिद्युम्न एव ब्राह्मणं ब्रूयान् नातिद्युम्ने च न ब्राह्मणं ब्रूयान् नमो ऽस्तु ब्राह्मणेभ्य इति शौरवीरो माण्डूकेयः ॥
७.१०
स यदि प्राणं वंशं ब्रुवन्तं परम् उपवदेत् शक्नुवन्तं चेन् मन्येत - प्राणं वंशं समधित्सिषम् प्राणं वंशं संधित्सितुं न शक्नोषीत्यात्थ । प्राणस् त्वा वंशो हास्यतीत्येवैनं ब्रूयात् । अथ चेद् अशक्नुवन्तं मन्येत - प्राणं वंशं समधित्सीस् तन् नाशकः संधातुम् । प्राणस् त्वा वंशो हास्यतीत्येवैनं ब्रूयात् । यथा नु कथा च ब्रुवन्तं वाब्रुवन्तं वा ब्रूयाद् अभ्याशम् एव यत् तत् तथा स्यात् । न त्वेवान्यत् कुशलाद् ब्राह्मणं ब्रूयाद् अतिद्युम्न एव ब्राह्मणं ब्रूयान् नातिद्युम्ने च न ब्राह्मणं ब्रूयान् नमो ऽस्तु ब्राह्मणेभ्य इति शौरवीरो माण्डूकेयः ॥
७.११
अथातो निर्भुजप्रवादाः । पृथिव्यायतनं निर्भुजं दिवायतनं प्रतृण्णम् अन्तरिक्षायतनम् उभयम् अन्तरेण । स य एनं निर्भुजं ब्रुवन् परम् उपवदेत् । पृथिवीं देवताम् आरः पृथिवी त्वा देवतारिष्यतीत्येनं ब्रूयात् । अथ यदि प्रतृण्णम् ब्रुवन् परम् उपवदेद् दिवं देवताम् आरो द्यौस् त्वा देवतारिष्यतीत्येनं ब्रूयात् । अथ यद्युभयम् अन्तरेण ब्रुवन् परम् उपवदेद् अन्तरिक्षं देवताम् आर अन्तरिक्षं त्वा देवतारिष्यतीतियेनं ब्रूयात् । यद् धि संधिं विवर्तयति तन् निर्भुजस्य रूपम् । अथ यच् छुद्धे अक्षरे अभिव्याहरति तत् प्रतृण्णस्याग्र उ एव । उभयम् अन्तरेणोभयं व्याप्तं भवति । अन्नाद्यकामो निर्भुजं ब्रूयात् स्वर्गकामः प्रतृण्णम् उभयकाम उभयमन्तरेण । स य एनं निर्भुजं ब्रुवन् परम् उपवदेद् अच्योष्ठा अवराभ्यां स्थानाभ्याम् इत्येनं ब्रूयात् । अथ यदि प्रतृण्णम् ब्रुवन् परम् उपवदेद् अच्योष्ठा उत्तराभ्यां स्थानाभ्याम् इत्येवैनं ब्रूयात् । यस्त्वेवोभयम् अन्तरेणाह तस्य नास्त्युपवादः । यथा नु कथा च ब्रुवन् वाब्रुवन् वा ब्रूयाद् अभ्याशम् कुशलाद् ब्राह्मणं ब्रूयाद् अतिद्युम्न एवं ब्राह्मणं ब्रूयान् नातिद्युम्ने च न ब्राह्मणं ब्रूयात् । नमो ऽस्तु ब्राह्मणेभ्य इति शौरवीरो माण्डूकेयः ॥
७.१२
अथ खल्वाहुर् निर्भुजवक्त्राः । पूर्वम् एवाक्षरं पूर्वरूपम् उत्तरम् उत्तररूपम् । यकारवकारावन्तरेण सा संहितेति । स य एवम् एतां संहितां वेद संधीयते प्रजया पशुभिर् यशसा ब्रह्मवर्चसेन स्वर्गेण लोकेन सर्वम् आयुर् एति ॥
७.१३
अथ वै वयं ब्रूमो निर्भुजवक्त्राः स्म इति ह स्माह ह्वस्त्रो माण्डूकेयः । पूर्वम् एवाक्षरं पूर्वरूपम् उत्तरम् उत्तररूपम् । तद् यासौ मात्रा पूर्वरूपोत्तरूपे अन्तरेण येन संधिं विवर्तयति येन मात्रामात्रं विभजति येन स्वरात् स्वरं विज्ञापयति सा संहितेति । स य एवम् एतां संहितां वेद संधीयते प्रजया पशुभिर् यशसा ब्रह्मवर्चसेन स्वर्गेण लोकेन सर्वम् आयुर् एति ॥
७.१४
अथ ह स्मास्य पुत्र आह मध्यमः प्रातियोधीपुत्रो मगधवासी पूर्वम् एवाक्षरं पूर्वरूपम् उत्तरम् उत्तररूपम् । तद् यासौ मात्रा संधिविज्ञापनी साम तद् भवति सामैहावं संहितां मन्य इति । तद् एतद् ऋचाभ्युदितम् - मा नः स्तेनेभ्यो ये अभि द्रुहस् पदे निरामिणो रिपवो ऽन्नेषु जागृधुः । आ देवानाम् ओहते वि व्रयो हृदि बृहस्पते न परः साम्नो विदुः ॥ इति । स य एवम् एतां संहितां वेद संधीयते प्रजया पशुभिर् यशसा ब्रह्मवर्चसेन स्वर्गेण लोकेन सर्वम् आयुर् एति ॥
७.१५
वाक् प्राणेन संधीयत इति कौण्ठरव्यः । प्राणः पवमानेन पवमानो विश्वैर् देवैर् विश्वे देवाः स्वर्गेण लोकेन स्वर्गो लोको ब्रह्मणा सैषावरपरा संहिता । स य एवम् एताम् अवरपरां संहितां वेद एवं हैव स प्रजया पशुभिर् यशसा ब्रह्मवर्चसेन स्वर्गेण लोकेन संधीयते यथैषावरपरा संहिता । स यदि परेण वोपसृष्टः स्वेन वार्थेनाभिव्याहरेद् अभिव्याहरन्न् एव विद्यात् - दिवं संहितागमद् विदुषो देवान् अभिव्याहारार्थम् एवं भविष्यतीति । एतेनावरपरेण तथा हैव तद् भवति ॥
७.१६
माता पूर्वरूपं पितोत्तररूपं प्रजा संहितेति भार्गवः । तद् एतद् एकम् एव सर्वम् अभ्यनूक्तम् । माता च ह्येवेदं पिता च प्रजा च सर्वम् । सैषादितिसंहिता । अदितिर् हेवेदं सर्वं यद् इदं किंचिद् विश्वभूतम् । तद् एतद् ऋचाभ्युदितम् - अदितिर् द्यौर् अदितिर् अन्तरिक्षं अदितिर् माता सा पिता स पुत्रः । विश्वे देवा अदितिः पञ्च जना अदितिर् जातम् अदितिर् जनित्वम् ॥ स य एवम् एतां संहितां वेद संधीयते प्रजया पशुभिर् यशसा ब्रह्मवर्चसेन स्वर्गेण लोकेन सर्वम् आयुर् एति ॥
७.१७
जाया पूर्वरूपं पतिर् उत्तररूपं पुत्रः संहिता रेतः संधिः प्रजननं संधानम् इति स्थविरः शाकल्यः । सैषा प्रजापतिसंहिता । स य एवम् एतां संहितां वेद संधीयते प्रजया पशुभिर् यशसा ब्रह्मवर्चसेन स्वर्गेण लोकेन सर्वम् आयुर् एति ॥
७.१८
प्रज्ञा पूर्वरूपं श्रद्धोत्तररूपं कर्म संहिता सत्यं संधानम् इति काश्यपः । सैषा सत्यसंहिता । तद् आहुर् यत् सत्यसंधा देवा इति । स य एवम् एतां संहितां वेद संधीयते प्रजया पशुभिर् यशसा ब्रह्मवर्चसेन स्वर्गेण लोकेन सर्वम् आयुर् एति ॥
७.१९
वाक् संहितेति पञ्चालचण्डः । वाचा वै वेदाः संधीयन्ते वाचा छन्दांसि वाचा मित्राणि संदधति । तद् यत्रैतद् अधीते वा भाषते वा वाचि तदा प्राणो भवति । वाक् तदा प्राणं रेळ्हि । अथ यत् स्वपिति वा तूष्णीं वा भवति प्राणे तदा वाग् भवति प्राणस्तदा वाचं रेळ्हि । ताव् अन्योन्यं रीळ्हः । तद् एतद् ऋचाभ्युदितम् - एकः सुपर्णः स समुद्रम् आविवेश, स इदं विश्वं भुवनं विचष्टे । तं पाकेन मनसापश्यम् अन्तितस्, तं माता रेळ्हि स उ रेळ्हि मातरम् ॥ इति । वाग् वै माता प्राणो वत्सः । स य एवम् एतां संहितां वेद संधीयते प्रजया पशुभिर् यशसा ब्रह्मवर्चसेन स्वर्गेण लोकेन सर्वम् आयुर् एति ॥
७.२०
बृहद्रथंतरेण रूपेण संहिता संधीयत इति तार्क्ष्यः । वाग् वै रथंतरस्य रूपं प्राणो बृहतः । उभाभ्याम् उ खलु संहिता संधीयते वाचा च प्राणेन च । एतस्यां ह स्मोपनिषदि संवत्सरं गा रक्षयत इति तार्क्ष्यः । स य एवम् एतां संहितां वेद संधीयते प्रजया पशुभिर् यशसा ब्रह्मवर्चसेन स्वर्गेण लोकेन सर्वम् आयुर् एति ॥
७.२१
गतिः पूर्वरूपं निवृत्तिर् उत्तररूपं स्थितिः संहितेति जारत्कारव आर्तभागः । तस्याम् एतस्यां संहितायां ध्वंसयो निमेषाः काष्ठाः कलाः क्षणा मुहूर्ता अहोरात्रा अर्धमासा मासा ऋतवः संवत्सराश् च संधीयन्ते । सैषा संहितैनान् कालान् संदधाति । कालो गतिनिवृत्तिस्थितीः संदधाति । गतिनिवृत्तिस्थितिभिर् इदं सर्वं संधीयते । इत्यधिदैवतम् । अथाध्यात्मम् - भूतं पूर्वरूपं भविष्यद् उत्तररूपं भवत् संहितेति कालसंधिः । तद् एतद् ऋचाभ्युदितम् - महत् तन् नाम गुह्यं पुरुस्पृग् येन भूतं जनयो येन भव्यम् । प्रत्नं जातं ज्योतिर् यद् अस्य प्रियं प्रियाः समविशन्त पञ्च ॥ इति । स य एवम् एतां संहितां वेद संधीयते प्रजया पशुभिर् यशसा ब्रह्मवर्चसेन स्वर्गेण लोकेन सर्वम् आयुर् एति ॥
७.२२
अथातो वालिशिखायनेर् वचः । पञ्चेमानि महाभूतानि भवन्तीति ह स्माह वालिशिखयनिः । पृथिवी वायुर् आकाशम् आपो ज्यौतींषि तानि मिथः संहितानि भवन्ति । अथ यान्यन्यानि क्षुद्राणि महाभूतैः संधीयन्ते सैषा सर्वविभूतसंहिता । स य एवम् एतां संहितां वेद संधीयते प्रजया पशुभिर् यशसा ब्रह्मवर्चसेन स्वर्गेण लोकेन सर्वम् आयुर् एति ॥
७.२३
सर्वा वाग् ब्रह्मेति ह स्माह लौहिक्यः । ये तु केचन शब्दा वाचम् एव तां विद्यात् । तद् अप्येतद् ऋषिर् आह - अहं रुद्रेभिर् वसुभिश् चरामीति । सैषा वाक् सर्वशब्दा भवति । स य एवम् एतां संहितां वेद संधीयते प्रजया पशुभिर् यशसा ब्रह्मवर्चसेन स्वर्गेण लोकेन सर्वम् आयुर् एति । यथा चैतद् ब्रह्म कामरूपि कामचारि भवत्येवं हैव स सर्वेषु भूतेषु कामरूपी कामचारी भवति । य एवं वेद य एवं वेद ॥ इति शाङ्खायनारण्यके सप्तमो ऽध्यायः ॥
८.१
प्राणो वंश इति ह स्माह स्थविरः शाकल्यः । तदु यथा शालावंशे सर्वे ऽन्ये वंशाः समाहिताः स्युर् एवम् एवैतस्मिन् प्राणे सर्व आत्मा समाहितः । तस्यैतद्यात्मनः प्राण ऊष्मरूपम् अस्थीनि स्पर्शरूपं मज्जानः स्वररूपं मांसं लोहितम् इत्येतच् चतुर्थम् अन्तस्थारूपम् इति । त्रेयं त्वेव न एतत् प्रोक्तम् इति ह स्माह ह्वस्त्रो माण्डूकेयः । तस्यैतस्य त्रयस्य त्रीणीतः षष्टिशतानि भवन्ति संधीनां त्रीणीतस् तानि सप्तविंशतिशतानि भवन्ति । सप्त वै विंशतिशतानि संवत्सरस्याहोरात्राणाम् । तत् संवत्सरस्याहोरात्राण्याप्नोति । स एष संवत्सरसंमानश् चक्षुर्मयश् श्रोत्रमयश् छन्दोमयो मनोमयो वाङ्मय आत्मा । स य एवम् एतं संवत्सरसंमानं चक्षुर्मयं श्रोत्रमयं छन्दोमयं मनोमयं वाङ्मयम् आत्मानं वेद संवत्सरस्य सायुज्यं सलोकतां सरूपतां सभक्षताम् अश्नुते । पुत्री पशुमान् भवति सर्वम् आयुर् एत्यस्यारुणिकेयो देवयाञ्चक्रे ॥
८.२
अथ कौष्ठरव्यः । त्रीणि षष्टिशतान्यक्षराणाम् । त्रीणि षष्टिशतान्यूष्मणाम् । त्रीणि षष्टिशतानि संधीनाम् । यान्यक्षराण्यवोचामाहानि तानि । यान् ऊष्मणो रात्रयस्ताः । यान् संधीन् अवोचामाहोरात्राणां ते संधयः । इत्यधिदैवतम् । अथाध्यात्मम् - यान्यक्षराण्यधिदैवतम् अवोचामास्थीनि तान्यध्यात्मम् । यान् ऊष्मणो ऽधिदैवतम् अवोचाम मज्जानस् ते ऽध्यात्मम् । एष उ ह वै संप्रतिप्राणो यन् मज्जा एतद् रेतः न वा ऋते प्राणाद् रेतसः सिद्धिर् अस्ति । यद् वा ऋते प्राणाद् रेतः सिच्येत तत् पूयेन् न संभवेत् । यान् संधीन् अधिदैवतम् अवोचाम पर्वाणि तान्यध्यात्मम् । तस्यैतस्यास्थ्नां मज्जा पर्वणाम् इति पञ्चेतश्चत्वारिंशच्छतानि भवन्ति । संधीनां पञ्चेतस्तदशीतिसहस्रं भवति । अशीतिसहस्रं वार्कलिनो बृहतीर् अहरहनि संपादयन्ति । स एषो ऽहःसंमानश् चक्षुर्मयश् श्रोत्रमयश् छन्दोमयो मनोमयो वाङ्मय आत्मा । स य एवम् एतद् अहःसंमानं चक्षुर्मयं श्रोत्रमयं छन्दोमयं मनोमयं वाङ्मयम् आत्मानं वेद अह्नां सायुज्यं सलोकतां सरूपतां सभक्षताम् अश्नुते । पुत्री पशुमान् भवति सर्वम् आयुर् एति ॥
८.३
चत्वारः पुरुषा इति वास्त्यः - शरीरपुरुषश् छन्दःपुरुषो वेदपुरुषो महापुरुष इति । शरीरपुरुष इति यम् अवोचम् य एवायं दैविक आत्मा तस्यैतस्य यो ऽयम् अशरीरः प्रज्ञात्मा स रसः । छन्दःपुरुष इति यम् अवोचामाक्षरसमाम्नाय एव । तस्यैतस्याकारो रसः । वेदपुरुष इति यम् अवोचाम येन देवान् वेदर्ग्वेदं यजुर्वेदं सामवेदम् इति तस्यैतस्य ब्रह्मरसः । तस्माद् ब्रह्मिष्ठं ब्रह्माणम् ऋत्विजं कुर्वीत यो यज्ञस्योल्वणं विद्यात् । महापुरुष इति यम् अवोचाम संवत्सर एव तस्यैतस्यासाव् आदित्यो रसः । स यश् चायम् अशरीरः प्रज्ञात्मा यश् चासाव् आदित्य एकम् एतद् इति विद्यात् । तद् एतद् ऋचाभ्युदितम् ॥
८.४
चित्रं देवानाम् उदगाद् अनीकं चक्षुर् मित्रस्य वरुणस्याग्नेः । आप्रा द्यावापृथिवी अन्तरिक्षं सूर्य आत्मा जगतस् तस्थुषश् च ॥ इति । एताम् एवानुविद्यां संहितां संधीयमानां मन्य इति ह स्माह वात्स्यः -- एतम् उ हैव बह्वृचा महदुक्थे मीमांसन्त एतम् अग्नाव् अध्वर्यव एतं महाव्रते छन्दोगा एतम् अस्याम् एतम् अन्तरिक्ष एतं दिवि एतम् अग्नाव् एतं वायाव् एतं चन्द्रमस्य् एतं नक्षत्रेष्व् एतम् अप्स्व् एतम् ओषधीष्व् एतं सर्वेषु भूतेष्व् एतम् अक्षरेष्व् एतम् एव ब्रह्मेत्युपासते । तद् एतद् ऋचाभ्युदितम् ॥
८.५
उद् वयं तमसस् परि ज्योतिष् पश्यन्त उत्तरम् । देवं देवत्रा सूर्यम् अगन्म ज्योतिर् उत्तमम् ॥ इति । स एषो ऽक्षरसंमानश् चक्षुर्मयः श्रोत्रमयश् छन्दमयो मनोमयो वाङ्मय आत्मा । स य एवम् एतम् अक्षरसंमानं चक्षुर्मयं श्रोत्रमयं छन्दमयं मनोमयं वाङ्मयम् आत्मानं परस्मै शंसति दुग्धदोहा अस्य वेदा भवन्ति । अभागो वाचि भवति अभागो ऽनूक्ते । तद् एतद् ऋचाभ्युदितम् ॥
८.६
यस् तित्याज सचिविदं सखायं न तस्य वाच्य् अपि भागो अस्ति । यद् ईं शृनोत्य् अलकं शृणोति न हि प्रवेद सुकृतस्य पन्थाम् ॥ इति । नास्यानूक्ते वाचो भागो अस्तीत्य् एव तद् आह तन् न परस्मा एतद् अहः शंसेत् । नाग्निं चिनुयान् न महाव्रतेन स्तुयान् नेद् आत्मनो ऽपिहीया इति । स यश् चायम् अशरीरः प्रज्ञात्मा यश् चासाव् आदित्य एकम् एतद् इत्य् अवोचाम तौ यत्र विप्रदृश्येते ॥
८.७
चन्द्रमा इवादित्यो दृश्यते न रश्मयः प्रादुर् भवन्ति । लोहिनी द्यौर् भवति यथा मञ्जिष्ठाः । व्यस्तः पायुर् भवति । संपरेतो ऽस्यात्मा न चिरम् इव जीविष्यतीति विद्यात् । स यत् करणीयं मन्येत तत् कुर्यात् । अथाप्यादर्शे वोदके वा जिह्मशिरसं वाशिरसं वात्मानं पश्येन् न वा पश्येत् । तद् अप्य् एवम् एव विद्यात् । अथापि च्छिद्रा छाया भवति न वा भवति तद् अप्य् एवम् एव विद्यात् । अथापि च्छिद्र इवादित्यो रथनाभिर् इवाख्यायेत् तद् अप्य् एवम् एव विद्यात् । अथापि नील इवाग्निर् दृश्येत यथा मयूरग्रीवा महामेघे वा मरीचीर् इव पश्येत् । अनभ्रे वा विद्युतं पश्येत् । अभ्र एनां न पश्येत् तद् अप्य् एवम् एव विद्यात् । अथाप्य् अपिधायाक्षिणी उपेक्षेत तत्रैतद् वराटकानीव न पश्येत् तद् अप्य् एवम् एव विद्यात् । अथाप्य् अपिधाय कर्णा उपासीत । य एषो ऽग्नेर् इव ज्वलतः शब्दो रथस्येवोपब्दिस् तं न यदा शृणुयात् तद् अप्य् एवम् एव विद्यात् । अथापि विपर्यस्ते कन्यके दृश्येते द्विजिह्मेवा न वा दृश्येतेतद् अप्य् एवम् एव विद्यात् । स यो ऽतो ऽश्रुतो ऽमतो ऽविज्ञातो ऽदृष्टो ऽनादिष्टो ऽघुष्टः श्रोता मन्ता विज्ञाता द्रष्टादेष्टा घोष्टा सर्वेषां भूतानाम् आन्तरः पुरुषः स म आत्मेति विद्यात् । स उत्क्रामन्न् एवैतम् अशरीरं प्रज्ञात्मानम् अभिसंपद्यते विजहातीतरं दौहिकम् । सैषा सर्वस्यै वाच उपनिषत् । सर्वा हैवेमाः सर्वस्यै वाचौपनिषदः । इमां त्व् एवम् आचक्षते ॥
८.८
पृथिव्या रूपं स्पर्शा अन्तरिक्षस्योष्माणो दिवः स्वराः । अग्ने रूपं स्पर्शा वायोर् ऊष्माण आदित्यस्य स्वराः । ऋग्वेदस्य रूपं स्पर्शा यजुर्वेदस्योष्माणः सामवेदस्य स्वराः । रथन्तरस्य रूपं स्पर्शा वामदेव्यस्योष्माणो बृहतः स्वराः । प्राणस्य रूपं स्पर्शा अपानस्योष्माणो मनसः स्वराः । प्राणस्य रूपं स्पर्शा अपानस्योष्माण उदानस्य स्वराः स्वरा इति पुनर्दत्तः । एष उ हैव सर्वां वाचं वेद य एवं वेद ॥
८.९
अथ खल्व् इयं दैवी वीणा भवति तदनुकृतिर् असौ मानुषी भवति । तद् यथेयं शस्त्रवती तर्द्मवती भवत्य् एवम् एवासौ शस्त्रवती तर्द्मवती भवति । तद् यथास्याः शिर एवम् अमुष्याः शिरः । तद् यथास्यै वंश एवम् अमुष्या दण्डः । तद् यथास्या उदरम् एवम् अमुष्या अम्भणं । तद् यथास्यै मुखनासिके अक्षिणी इत्य् एवम् अमुष्याश् छिद्राणि । तद् यथास्या अङ्गुलिनिग्रहा उपस्तरणानीत्य् एवम् अमुष्याः पर्वाणि । तद् यथास्या अङ्गुलय एवम् अमुष्यास् तन्त्र्यः । तद् यथास्यै जिह्वैवम् अमुष्या वादनम् । तद् यथास्याः स्वरा एवम् अमुष्याः स्वराः । तद् यथा हैवेयं रोमशेन चर्मणापिहिता भवत्य् एवम् एवासौ रोमशेन चर्मणापिहिता भवति । रोमशेन ह स्म चर्मणा पुरा वीणा अपिदधति । सैषा दैवी वीणा भवति । स य एवम् एतां दैवीं वीणां वेद श्रुतवदनतमो भवति भूमिप्रास्य कीर्तिर् भवति शुश्रूषन्ते हास्य पर्षत्सु भाष्यमाणस्येदम् अस्तु यद् अयम् ईहते यत्रार्या वाग् वदति विदुर् एनं तत्र ॥
८.१०
अथातस् ताण्डविन्दस्य वचः । तद् यथेयं अकुशलेन वादयित्रा वीणारब्धा न कृत्स्नं वीणार्थं साधयत्य् एवम् एवाकुशलेन वक्त्रा वाग् आरब्धा न कृत्स्नं वाग् अर्थं साधयति । तद् यथा हैवेयं कुशलेन वादयित्रा वीणारब्धा कृत्स्नं वीणार्थं साधयत्य् एवम् एव कुशलेन वक्त्रा वाग् आरब्धा कृत्स्नं वाग् अर्थं साधयति । तस्यै वा एतस्यै वीणायै या त्विषिः सा संहितेति कात्यायनीपुत्रो जातूकर्ण्यः । अथ ह स्मैतत् कृत्स्नहारितो ब्राह्मणम् एवोदाहरति ॥
८.११
प्रजापतिः प्रजाः सृष्ट्वा व्यस्रंसत स छन्दोभिर् आत्मानं समदधत् । तद् यच् छन्दोभिर् आत्मानं समदधत् तस्मात् संहिता । तस्यै वा एतस्यै संहितायै णकरो बलं षकारः प्राण आत्मा संहिता । अथैषा क्षुद्रमिश्रा विकृतिस् तानि नखानि रोमाणि व्यञ्जनानीति । स यो ऽत्र विचिकित्सेत् सणकारं एव ब्रूयाद् ऋते णकारम् इति सणकारम् एव ब्रूयात् । एवम् एव यो ऽत्र विचिकित्सेत् सषकारं एव ब्रूयाद् ऋते षकारम् इति सषकारम् एव ब्रूयात् । तौ वा एतौ णकारषकारौ विद्वान् अनुसंहितम् ऋचो ऽधीयीतायुष्यम् इति विद्याद् एवम् एव विद्यात् । अथ वाग् इतिहासपुराणं यच् चान्यत् किंचिद् ब्राह्मीकृत्येवाधीयीत तद् अप्य् एवम् एव विद्यात् । ते यद् वयम् अनुसंहितम् ऋचो ऽधीमहे यच् च माण्डूकेयीयम् अध्यायं प्रब्रूमस् तेन नो णकारषकारा उपाप्ताव् इति ह स्माह ह्रस्वो माण्डूकेयः । अथ यद् वयम् अनुसंहितम् ऋचो ऽधीमहे यच् च स्वाध्यायम् अधीमहे तेन नो णकारषकारा उपाप्ताव् इति ह स्माह स्थविरः शाकल्यः । एतद् ध स्म वै तद् विद्वांस आहुः कावषेयाः किमर्था वयं यक्ष्यामहे किमर्था वयम् अधेष्यामहे वाचि हि प्राणं जुहुमः प्राणे वाचं यो ह्य् एव प्रभवः स एवाप्यय इति । ता एताः संहिता नानन्तेवासिने ब्रूयान् नासंवत्सरवासिने नाब्रह्मचारिणे नावेदविदे नापवक्त्र इत्य् आचार्या इत्य् आचार्याः ॥ इति शाङ्खायनारण्यके अष्टमो ऽध्यायः ॥
Vollständiger Text nur in IAST
7.1
om ṛtaṃ vadiṣyāmi | satyaṃ vadiṣyāmi | tan mām avatu tad vaktāram avatvavatu mām avatu vaktāram | mayi bhargo mayi mahaḥ | vāṅ me manasi pratiṣṭhitā | mano me vāci pratiṣṭhitam | āvir āvir mayyābhūḥ | vedasya ma āṇīḥ | ṛta mā mā hiṃsīḥ | anenādhītenāhorātrān saṃvasāmi | agne iḷā nama iḷā namaḥ | ṛṣibhyo mantrakṛdbhyo mantrapatibhyo namo 'stu devebhyaḥ | śivā naḥ śaṭamā bhava sumṛḍīkā sarasvati mā te vyoma saṃdṛśi | adabdhaṃ mana iṣiraṃ cakṣuḥ sūryo jyotiṣāṃ śreṣṭhaḥ | dīkṣe mā mā hiṃsīḥ ||
7.2
athātaḥ saṃhitāyā upaniṣat | pṛthivī pūrvarūpaṃ dyaur uttararūpaṃ vāyuḥ saṃhiteti śauravīro māṇḍūkeyaḥ | ākāśaḥ saṃhitetyasya māṇḍavyo vedayāñ cakre - sa hāviparihṛto mene na me 'sya putreṇa samagād iti | parihṛto mena ity āgastyaḥ | samānaṃ hyatra pituśca putrasya ca vāyuś cākāśaś ca | ityadhidaivatam | athādhyātmam | vāk pūrvarūpaṃ mana uttararūpaṃ prāṇaḥ saṃhiteti śauravīro māṇḍūkeyaḥ | atha ha smāsya putra āha dīrghaḥ - manasā vā agre kīrtayati tad vācā vadati | tasmān mana eva pūrvarūpaṃ vāg uttararūpaṃ mano vāk prāṇas tveva saṃhiteti | sa eṣo 'śvarathaḥ praṣṭivāhano manovākprāṇasaṃhitaḥ svargaṃ lokaṃ gamayati | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur etīti nu māṇḍūkeyānām ||
7.3
śākalyasya pṛthivyagniḥ pṛthivī vāg anuvyāhārāḥ | sa yadi nirbhujaḥ khalu vai vayaṃ madhyamo vāk prāṇena mātā jāyā prajñā vāg bṛhadgatir vālisarvamuttamam ||
7.4
atha śākalyasya | pṛthivī pūrvarūpaṃ dyaur uttararūpaṃ vāyuḥ saṃhitā vṛṣṭiḥ saṃdhiḥ saṃdhātā | tad utāpi yatraitad balavad anugṛhṇan mahāmegho vṛṣṭiṃ varṣati | dyāvāpṛthivyau samadhātām ityadhidaivatam | athādhyātmam | puruṣo 'yaṃ sarvam āṇḍam | dve vidale bhavataḥ | tatredam eva pūrvarūpam idam uttararūpam | tatrāyam antareṇākāśaḥ | yathāsau dyāvāpṛthivyor antareṇākāśa etasminn ākāśe prāṇa āyatto bhavati yathāmuṣminn ākāśe vāyur āyatto bhavati | yathāmūni trīṇi jyotīṃṣyevam imāni puruṣe trīṇi jyotīṃṣi | yathāsau divyāditya evam idaṃ śirasi cakṣuḥ | yathāsāvantarikṣe vidyud evam idam ātmani hṛdayam | yathāyam agniḥ pṛthivyam evam idam upasthe retaḥ | evamiva ha sma sarvata ātmānam anuvidhāyāha - idam eva pūrvarūpam idam uttararūpaṃ mano vāk prāṇas tveva saṃhiteti | sa eṣo 'śvarathaḥ praṣṭivahano manovākprāṇasaṃhitaḥ svargaṃ lokaṃ gamayati | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
7.5
pṛthivī pūrvarūpaṃ dyaur uttararūpaṃ vāyuḥ saṃhitā diśaḥ saṃdhir ādityaḥ saṃdhāteti vaiśvāmitraḥ | ityadhidaivatam | athādhyātmam | vāk pūrvarūpaṃ mana uttararūpaṃ prāṇaḥ saṃhitā śrotraṃ saṃdhiś cakṣuḥ saṃdhātā | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
7.6
agniḥ pūrvarūpaṃ candramā uttararūpaṃ vidyut saṃhiteti sūryadattaḥ | ityadhidaivatam | athādhyātmam - vāk pūrvarūpaṃ mana uttararūpaṃ satyaṃ saṃhitā | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
7.7
pṛthivī pūrvarūpaṃ dyaur uttararūpaṃ kālaḥ saṃhiteti rādheyaḥ | ityadhidaivatam | athādhyātmam - vāk pūrvarūpaṃ mana uttararūpaṃ ātmā saṃhitā | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
7.8
vāk pūrvarūpaṃ mana uttararūpaṃ vidyā saṃhiteti pauṣkarasādiḥ | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
7.9
athāto 'nuvyāhārāḥ | prāṇo vaṃśa iti vidyāt | sa ya enaṃ prāṇaṃ vaṃśaṃ bruvan param upavadet śaknuvan kaścic cen manyeta - prāṇaṃ vaṃśaṃ samadhām | prāṇaṃ vaṃśaṃ saṃdhitsituṃ na śaknoṣītyāttha | prāṇas tvā vaṃśo hāsyatītyevainaṃ brūyāt | atha ced aśaknuvan manyeta prāṇaṃ vaṃśaṃ samadhitsīḥ taṃ nāśakaḥ saṃdhātuṃ prāṇas tvā vaṃśo hāsyatītyevainaṃ brūyāt | yathā nu kathā ca bruvan vābruvan vā brūyād abhyāśam eva yat tat tathā syāt | na tvevānyat kuśalād brāhmaṇaṃ brūyād atidyumna eva brāhmaṇaṃ brūyān nātidyumne ca na brāhmaṇaṃ brūyān namo 'stu brāhmaṇebhya iti śauravīro māṇḍūkeyaḥ ||
7.10
sa yadi prāṇaṃ vaṃśaṃ bruvantaṃ param upavadet śaknuvantaṃ cen manyeta - prāṇaṃ vaṃśaṃ samadhitsiṣam prāṇaṃ vaṃśaṃ saṃdhitsituṃ na śaknoṣītyāttha | prāṇas tvā vaṃśo hāsyatītyevainaṃ brūyāt | atha ced aśaknuvantaṃ manyeta - prāṇaṃ vaṃśaṃ samadhitsīs tan nāśakaḥ saṃdhātum | prāṇas tvā vaṃśo hāsyatītyevainaṃ brūyāt | yathā nu kathā ca bruvantaṃ vābruvantaṃ vā brūyād abhyāśam eva yat tat tathā syāt | na tvevānyat kuśalād brāhmaṇaṃ brūyād atidyumna eva brāhmaṇaṃ brūyān nātidyumne ca na brāhmaṇaṃ brūyān namo 'stu brāhmaṇebhya iti śauravīro māṇḍūkeyaḥ ||
7.11
athāto nirbhujapravādāḥ | pṛthivyāyatanaṃ nirbhujaṃ divāyatanaṃ pratṛṇṇam antarikṣāyatanam ubhayam antareṇa | sa ya enaṃ nirbhujaṃ bruvan param upavadet | pṛthivīṃ devatām āraḥ pṛthivī tvā devatāriṣyatītyenaṃ brūyāt | atha yadi pratṛṇṇam bruvan param upavaded divaṃ devatām āro dyaus tvā devatāriṣyatītyenaṃ brūyāt | atha yadyubhayam antareṇa bruvan param upavaded antarikṣaṃ devatām āra antarikṣaṃ tvā devatāriṣyatītiyenaṃ brūyāt | yad dhi saṃdhiṃ vivartayati tan nirbhujasya rūpam | atha yac chuddhe akṣare abhivyāharati tat pratṛṇṇasyāgra u eva | ubhayam antareṇobhayaṃ vyāptaṃ bhavati | annādyakāmo nirbhujaṃ brūyāt svargakāmaḥ pratṛṇṇam ubhayakāma ubhayamantareṇa | sa ya enaṃ nirbhujaṃ bruvan param upavaded acyoṣṭhā avarābhyāṃ sthānābhyām ityenaṃ brūyāt | atha yadi pratṛṇṇam bruvan param upavaded acyoṣṭhā uttarābhyāṃ sthānābhyām ityevainaṃ brūyāt | yastvevobhayam antareṇāha tasya nāstyupavādaḥ | yathā nu kathā ca bruvan vābruvan vā brūyād abhyāśam kuśalād brāhmaṇaṃ brūyād atidyumna evaṃ brāhmaṇaṃ brūyān nātidyumne ca na brāhmaṇaṃ brūyāt | namo 'stu brāhmaṇebhya iti śauravīro māṇḍūkeyaḥ ||
7.12
atha khalvāhur nirbhujavaktrāḥ | pūrvam evākṣaraṃ pūrvarūpam uttaram uttararūpam | yakāravakārāvantareṇa sā saṃhiteti | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
7.13
atha vai vayaṃ brūmo nirbhujavaktrāḥ sma iti ha smāha hvastro māṇḍūkeyaḥ | pūrvam evākṣaraṃ pūrvarūpam uttaram uttararūpam | tad yāsau mātrā pūrvarūpottarūpe antareṇa yena saṃdhiṃ vivartayati yena mātrāmātraṃ vibhajati yena svarāt svaraṃ vijñāpayati sā saṃhiteti | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
7.14
atha ha smāsya putra āha madhyamaḥ prātiyodhīputro magadhavāsī pūrvam evākṣaraṃ pūrvarūpam uttaram uttararūpam | tad yāsau mātrā saṃdhivijñāpanī sāma tad bhavati sāmaihāvaṃ saṃhitāṃ manya iti | tad etad ṛcābhyuditam - mā naḥ stenebhyo ye abhi druhas pade nirāmiṇo ripavo 'nneṣu jāgṛdhuḥ | ā devānām ohate vi vrayo hṛdi bṛhaspate na paraḥ sāmno viduḥ || iti | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
7.15
vāk prāṇena saṃdhīyata iti kauṇṭharavyaḥ | prāṇaḥ pavamānena pavamāno viśvair devair viśve devāḥ svargeṇa lokena svargo loko brahmaṇā saiṣāvaraparā saṃhitā | sa ya evam etām avaraparāṃ saṃhitāṃ veda evaṃ haiva sa prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena saṃdhīyate yathaiṣāvaraparā saṃhitā | sa yadi pareṇa vopasṛṣṭaḥ svena vārthenābhivyāhared abhivyāharann eva vidyāt - divaṃ saṃhitāgamad viduṣo devān abhivyāhārārtham evaṃ bhaviṣyatīti | etenāvarapareṇa tathā haiva tad bhavati ||
7.16
mātā pūrvarūpaṃ pitottararūpaṃ prajā saṃhiteti bhārgavaḥ | tad etad ekam eva sarvam abhyanūktam | mātā ca hyevedaṃ pitā ca prajā ca sarvam | saiṣāditisaṃhitā | aditir hevedaṃ sarvaṃ yad idaṃ kiṃcid viśvabhūtam | tad etad ṛcābhyuditam - aditir dyaur aditir antarikṣaṃ aditir mātā sā pitā sa putraḥ | viśve devā aditiḥ pañca janā aditir jātam aditir janitvam || sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
7.17
jāyā pūrvarūpaṃ patir uttararūpaṃ putraḥ saṃhitā retaḥ saṃdhiḥ prajananaṃ saṃdhānam iti sthaviraḥ śākalyaḥ | saiṣā prajāpatisaṃhitā | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
7.18
prajñā pūrvarūpaṃ śraddhottararūpaṃ karma saṃhitā satyaṃ saṃdhānam iti kāśyapaḥ | saiṣā satyasaṃhitā | tad āhur yat satyasaṃdhā devā iti | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
7.19
vāk saṃhiteti pañcālacaṇḍaḥ | vācā vai vedāḥ saṃdhīyante vācā chandāṃsi vācā mitrāṇi saṃdadhati | tad yatraitad adhīte vā bhāṣate vā vāci tadā prāṇo bhavati | vāk tadā prāṇaṃ reḷhi | atha yat svapiti vā tūṣṇīṃ vā bhavati prāṇe tadā vāg bhavati prāṇastadā vācaṃ reḷhi | tāv anyonyaṃ rīḷhaḥ | tad etad ṛcābhyuditam - ekaḥ suparṇaḥ sa samudram āviveśa, sa idaṃ viśvaṃ bhuvanaṃ vicaṣṭe | taṃ pākena manasāpaśyam antitas, taṃ mātā reḷhi sa u reḷhi mātaram || iti | vāg vai mātā prāṇo vatsaḥ | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
7.20
bṛhadrathaṃtareṇa rūpeṇa saṃhitā saṃdhīyata iti tārkṣyaḥ | vāg vai rathaṃtarasya rūpaṃ prāṇo bṛhataḥ | ubhābhyām u khalu saṃhitā saṃdhīyate vācā ca prāṇena ca | etasyāṃ ha smopaniṣadi saṃvatsaraṃ gā rakṣayata iti tārkṣyaḥ | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
7.21
gatiḥ pūrvarūpaṃ nivṛttir uttararūpaṃ sthitiḥ saṃhiteti jāratkārava ārtabhāgaḥ | tasyām etasyāṃ saṃhitāyāṃ dhvaṃsayo nimeṣāḥ kāṣṭhāḥ kalāḥ kṣaṇā muhūrtā ahorātrā ardhamāsā māsā ṛtavaḥ saṃvatsarāś ca saṃdhīyante | saiṣā saṃhitainān kālān saṃdadhāti | kālo gatinivṛttisthitīḥ saṃdadhāti | gatinivṛttisthitibhir idaṃ sarvaṃ saṃdhīyate | ityadhidaivatam | athādhyātmam - bhūtaṃ pūrvarūpaṃ bhaviṣyad uttararūpaṃ bhavat saṃhiteti kālasaṃdhiḥ | tad etad ṛcābhyuditam - mahat tan nāma guhyaṃ puruspṛg yena bhūtaṃ janayo yena bhavyam | pratnaṃ jātaṃ jyotir yad asya priyaṃ priyāḥ samaviśanta pañca || iti | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
7.22
athāto vāliśikhāyaner vacaḥ | pañcemāni mahābhūtāni bhavantīti ha smāha vāliśikhayaniḥ | pṛthivī vāyur ākāśam āpo jyautīṃṣi tāni mithaḥ saṃhitāni bhavanti | atha yānyanyāni kṣudrāṇi mahābhūtaiḥ saṃdhīyante saiṣā sarvavibhūtasaṃhitā | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
7.23
sarvā vāg brahmeti ha smāha lauhikyaḥ | ye tu kecana śabdā vācam eva tāṃ vidyāt | tad apyetad ṛṣir āha - ahaṃ rudrebhir vasubhiś carāmīti | saiṣā vāk sarvaśabdā bhavati | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti | yathā caitad brahma kāmarūpi kāmacāri bhavatyevaṃ haiva sa sarveṣu bhūteṣu kāmarūpī kāmacārī bhavati | ya evaṃ veda ya evaṃ veda || iti śāṅkhāyanāraṇyake saptamo 'dhyāyaḥ ||
8.1
prāṇo vaṃśa iti ha smāha sthaviraḥ śākalyaḥ | tadu yathā śālāvaṃśe sarve 'nye vaṃśāḥ samāhitāḥ syur evam evaitasmin prāṇe sarva ātmā samāhitaḥ | tasyaitadyātmanaḥ prāṇa ūṣmarūpam asthīni sparśarūpaṃ majjānaḥ svararūpaṃ māṃsaṃ lohitam ityetac caturtham antasthārūpam iti | treyaṃ tveva na etat proktam iti ha smāha hvastro māṇḍūkeyaḥ | tasyaitasya trayasya trīṇītaḥ ṣaṣṭiśatāni bhavanti saṃdhīnāṃ trīṇītas tāni saptaviṃśatiśatāni bhavanti | sapta vai viṃśatiśatāni saṃvatsarasyāhorātrāṇām | tat saṃvatsarasyāhorātrāṇyāpnoti | sa eṣa saṃvatsarasaṃmānaś cakṣurmayaś śrotramayaś chandomayo manomayo vāṅmaya ātmā | sa ya evam etaṃ saṃvatsarasaṃmānaṃ cakṣurmayaṃ śrotramayaṃ chandomayaṃ manomayaṃ vāṅmayam ātmānaṃ veda saṃvatsarasya sāyujyaṃ salokatāṃ sarūpatāṃ sabhakṣatām aśnute | putrī paśumān bhavati sarvam āyur etyasyāruṇikeyo devayāñcakre ||
8.2
atha kauṣṭharavyaḥ | trīṇi ṣaṣṭiśatānyakṣarāṇām | trīṇi ṣaṣṭiśatānyūṣmaṇām | trīṇi ṣaṣṭiśatāni saṃdhīnām | yānyakṣarāṇyavocāmāhāni tāni | yān ūṣmaṇo rātrayastāḥ | yān saṃdhīn avocāmāhorātrāṇāṃ te saṃdhayaḥ | ityadhidaivatam | athādhyātmam - yānyakṣarāṇyadhidaivatam avocāmāsthīni tānyadhyātmam | yān ūṣmaṇo 'dhidaivatam avocāma majjānas te 'dhyātmam | eṣa u ha vai saṃpratiprāṇo yan majjā etad retaḥ na vā ṛte prāṇād retasaḥ siddhir asti | yad vā ṛte prāṇād retaḥ sicyeta tat pūyen na saṃbhavet | yān saṃdhīn adhidaivatam avocāma parvāṇi tānyadhyātmam | tasyaitasyāsthnāṃ majjā parvaṇām iti pañcetaścatvāriṃśacchatāni bhavanti | saṃdhīnāṃ pañcetastadaśītisahasraṃ bhavati | aśītisahasraṃ vārkalino bṛhatīr aharahani saṃpādayanti | sa eṣo 'haḥsaṃmānaś cakṣurmayaś śrotramayaś chandomayo manomayo vāṅmaya ātmā | sa ya evam etad ahaḥsaṃmānaṃ cakṣurmayaṃ śrotramayaṃ chandomayaṃ manomayaṃ vāṅmayam ātmānaṃ veda ahnāṃ sāyujyaṃ salokatāṃ sarūpatāṃ sabhakṣatām aśnute | putrī paśumān bhavati sarvam āyur eti ||
8.3
catvāraḥ puruṣā iti vāstyaḥ - śarīrapuruṣaś chandaḥpuruṣo vedapuruṣo mahāpuruṣa iti | śarīrapuruṣa iti yam avocam ya evāyaṃ daivika ātmā tasyaitasya yo 'yam aśarīraḥ prajñātmā sa rasaḥ | chandaḥpuruṣa iti yam avocāmākṣarasamāmnāya eva | tasyaitasyākāro rasaḥ | vedapuruṣa iti yam avocāma yena devān vedargvedaṃ yajurvedaṃ sāmavedam iti tasyaitasya brahmarasaḥ | tasmād brahmiṣṭhaṃ brahmāṇam ṛtvijaṃ kurvīta yo yajñasyolvaṇaṃ vidyāt | mahāpuruṣa iti yam avocāma saṃvatsara eva tasyaitasyāsāv ādityo rasaḥ | sa yaś cāyam aśarīraḥ prajñātmā yaś cāsāv āditya ekam etad iti vidyāt | tad etad ṛcābhyuditam ||
8.4
citraṃ devānām udagād anīkaṃ cakṣur mitrasya varuṇasyāgneḥ | āprā dyāvāpṛthivī antarikṣaṃ sūrya ātmā jagatas tasthuṣaś ca || iti | etām evānuvidyāṃ saṃhitāṃ saṃdhīyamānāṃ manya iti ha smāha vātsyaḥ -- etam u haiva bahvṛcā mahadukthe mīmāṃsanta etam agnāv adhvaryava etaṃ mahāvrate chandogā etam asyām etam antarikṣa etaṃ divi etam agnāv etaṃ vāyāv etaṃ candramasy etaṃ nakṣatreṣv etam apsv etam oṣadhīṣv etaṃ sarveṣu bhūteṣv etam akṣareṣv etam eva brahmetyupāsate | tad etad ṛcābhyuditam ||
8.5
ud vayaṃ tamasas pari jyotiṣ paśyanta uttaram | devaṃ devatrā sūryam aganma jyotir uttamam || iti | sa eṣo 'kṣarasaṃmānaś cakṣurmayaḥ śrotramayaś chandamayo manomayo vāṅmaya ātmā | sa ya evam etam akṣarasaṃmānaṃ cakṣurmayaṃ śrotramayaṃ chandamayaṃ manomayaṃ vāṅmayam ātmānaṃ parasmai śaṃsati dugdhadohā asya vedā bhavanti | abhāgo vāci bhavati abhāgo 'nūkte | tad etad ṛcābhyuditam ||
8.6
yas tityāja sacividaṃ sakhāyaṃ na tasya vācy api bhāgo asti | yad īṃ śṛnoty alakaṃ śṛṇoti na hi praveda sukṛtasya panthām || iti | nāsyānūkte vāco bhāgo astīty eva tad āha tan na parasmā etad ahaḥ śaṃset | nāgniṃ cinuyān na mahāvratena stuyān ned ātmano 'pihīyā iti | sa yaś cāyam aśarīraḥ prajñātmā yaś cāsāv āditya ekam etad ity avocāma tau yatra vipradṛśyete ||
8.7
candramā ivādityo dṛśyate na raśmayaḥ prādur bhavanti | lohinī dyaur bhavati yathā mañjiṣṭhāḥ | vyastaḥ pāyur bhavati | saṃpareto 'syātmā na ciram iva jīviṣyatīti vidyāt | sa yat karaṇīyaṃ manyeta tat kuryāt | athāpyādarśe vodake vā jihmaśirasaṃ vāśirasaṃ vātmānaṃ paśyen na vā paśyet | tad apy evam eva vidyāt | athāpi cchidrā chāyā bhavati na vā bhavati tad apy evam eva vidyāt | athāpi cchidra ivādityo rathanābhir ivākhyāyet tad apy evam eva vidyāt | athāpi nīla ivāgnir dṛśyeta yathā mayūragrīvā mahāmeghe vā marīcīr iva paśyet | anabhre vā vidyutaṃ paśyet | abhra enāṃ na paśyet tad apy evam eva vidyāt | athāpy apidhāyākṣiṇī upekṣeta tatraitad varāṭakānīva na paśyet tad apy evam eva vidyāt | athāpy apidhāya karṇā upāsīta | ya eṣo 'gner iva jvalataḥ śabdo rathasyevopabdis taṃ na yadā śṛṇuyāt tad apy evam eva vidyāt | athāpi viparyaste kanyake dṛśyete dvijihmevā na vā dṛśyetetad apy evam eva vidyāt | sa yo 'to 'śruto 'mato 'vijñāto 'dṛṣṭo 'nādiṣṭo 'ghuṣṭaḥ śrotā mantā vijñātā draṣṭādeṣṭā ghoṣṭā sarveṣāṃ bhūtānām āntaraḥ puruṣaḥ sa ma ātmeti vidyāt | sa utkrāmann evaitam aśarīraṃ prajñātmānam abhisaṃpadyate vijahātītaraṃ dauhikam | saiṣā sarvasyai vāca upaniṣat | sarvā haivemāḥ sarvasyai vācaupaniṣadaḥ | imāṃ tv evam ācakṣate ||
8.8
pṛthivyā rūpaṃ sparśā antarikṣasyoṣmāṇo divaḥ svarāḥ | agne rūpaṃ sparśā vāyor ūṣmāṇa ādityasya svarāḥ | ṛgvedasya rūpaṃ sparśā yajurvedasyoṣmāṇaḥ sāmavedasya svarāḥ | rathantarasya rūpaṃ sparśā vāmadevyasyoṣmāṇo bṛhataḥ svarāḥ | prāṇasya rūpaṃ sparśā apānasyoṣmāṇo manasaḥ svarāḥ | prāṇasya rūpaṃ sparśā apānasyoṣmāṇa udānasya svarāḥ svarā iti punardattaḥ | eṣa u haiva sarvāṃ vācaṃ veda ya evaṃ veda ||
8.9
atha khalv iyaṃ daivī vīṇā bhavati tadanukṛtir asau mānuṣī bhavati | tad yatheyaṃ śastravatī tardmavatī bhavaty evam evāsau śastravatī tardmavatī bhavati | tad yathāsyāḥ śira evam amuṣyāḥ śiraḥ | tad yathāsyai vaṃśa evam amuṣyā daṇḍaḥ | tad yathāsyā udaram evam amuṣyā ambhaṇaṃ | tad yathāsyai mukhanāsike akṣiṇī ity evam amuṣyāś chidrāṇi | tad yathāsyā aṅgulinigrahā upastaraṇānīty evam amuṣyāḥ parvāṇi | tad yathāsyā aṅgulaya evam amuṣyās tantryaḥ | tad yathāsyai jihvaivam amuṣyā vādanam | tad yathāsyāḥ svarā evam amuṣyāḥ svarāḥ | tad yathā haiveyaṃ romaśena carmaṇāpihitā bhavaty evam evāsau romaśena carmaṇāpihitā bhavati | romaśena ha sma carmaṇā purā vīṇā apidadhati | saiṣā daivī vīṇā bhavati | sa ya evam etāṃ daivīṃ vīṇāṃ veda śrutavadanatamo bhavati bhūmiprāsya kīrtir bhavati śuśrūṣante hāsya parṣatsu bhāṣyamāṇasyedam astu yad ayam īhate yatrāryā vāg vadati vidur enaṃ tatra ||
8.10
athātas tāṇḍavindasya vacaḥ | tad yatheyaṃ akuśalena vādayitrā vīṇārabdhā na kṛtsnaṃ vīṇārthaṃ sādhayaty evam evākuśalena vaktrā vāg ārabdhā na kṛtsnaṃ vāg arthaṃ sādhayati | tad yathā haiveyaṃ kuśalena vādayitrā vīṇārabdhā kṛtsnaṃ vīṇārthaṃ sādhayaty evam eva kuśalena vaktrā vāg ārabdhā kṛtsnaṃ vāg arthaṃ sādhayati | tasyai vā etasyai vīṇāyai yā tviṣiḥ sā saṃhiteti kātyāyanīputro jātūkarṇyaḥ | atha ha smaitat kṛtsnahārito brāhmaṇam evodāharati ||
8.11
prajāpatiḥ prajāḥ sṛṣṭvā vyasraṃsata sa chandobhir ātmānaṃ samadadhat | tad yac chandobhir ātmānaṃ samadadhat tasmāt saṃhitā | tasyai vā etasyai saṃhitāyai ṇakaro balaṃ ṣakāraḥ prāṇa ātmā saṃhitā | athaiṣā kṣudramiśrā vikṛtis tāni nakhāni romāṇi vyañjanānīti | sa yo 'tra vicikitset saṇakāraṃ eva brūyād ṛte ṇakāram iti saṇakāram eva brūyāt | evam eva yo 'tra vicikitset saṣakāraṃ eva brūyād ṛte ṣakāram iti saṣakāram eva brūyāt | tau vā etau ṇakāraṣakārau vidvān anusaṃhitam ṛco 'dhīyītāyuṣyam iti vidyād evam eva vidyāt | atha vāg itihāsapurāṇaṃ yac cānyat kiṃcid brāhmīkṛtyevādhīyīta tad apy evam eva vidyāt | te yad vayam anusaṃhitam ṛco 'dhīmahe yac ca māṇḍūkeyīyam adhyāyaṃ prabrūmas tena no ṇakāraṣakārā upāptāv iti ha smāha hrasvo māṇḍūkeyaḥ | atha yad vayam anusaṃhitam ṛco 'dhīmahe yac ca svādhyāyam adhīmahe tena no ṇakāraṣakārā upāptāv iti ha smāha sthaviraḥ śākalyaḥ | etad dha sma vai tad vidvāṃsa āhuḥ kāvaṣeyāḥ kimarthā vayaṃ yakṣyāmahe kimarthā vayam adheṣyāmahe vāci hi prāṇaṃ juhumaḥ prāṇe vācaṃ yo hy eva prabhavaḥ sa evāpyaya iti | tā etāḥ saṃhitā nānantevāsine brūyān nāsaṃvatsaravāsine nābrahmacāriṇe nāvedavide nāpavaktra ity ācāryā ity ācāryāḥ || iti śāṅkhāyanāraṇyake aṣṭamo 'dhyāyaḥ ||
Vollständige deutsche Übersetzung Samhita Upanishad
7.1
Om. Ich werde die rechte Ordnung sprechen. Ich werde die Wahrheit sprechen. Möge dies mich schützen; möge dies den Sprecher schützen. Möge es mich schützen, möge es den Sprecher schützen. In mir sei Glanz, in mir Größe. Meine Rede ist in meinem Geist gegründet; mein Geist ist in meiner Rede gegründet. Werde offenbar, werde mir offenbar. Sei mir die Achse des Veda. O rechte Ordnung, verletze mich nicht. Durch dieses Gelernte will ich Tag und Nacht verbunden bleiben. O Agni: Verehrung der Iḷā, Verehrung der Iḷā. Verehrung sei den Rishis, den Schöpfern der Mantras, den Herren der Mantras und den Göttern. O Sarasvati, sei uns heilvoll, hilfreich und gütig; mögen wir nicht von deinem Anblick getrennt werden. Der Geist sei ungetäuscht, das Auge lebendig; die Sonne ist die höchste der Leuchten. O Weihe, verletze mich nicht.
7.2
Nun folgt die geheime Lehre der verbundenen Rezitation. „Die Erde ist die erste Form, der Himmel die folgende Form, der Wind ist die Verbindung“, sagt Śauravīra Māṇḍūkeya. „Der Raum ist die Verbindung“, lehrte Māṇḍavya in Bezug darauf. Er hielt ihn für nicht gesondert und dachte: „Mit dessen Sohn kam ich nicht überein.“ „Er ist gesondert“, sagt Āgastya. Denn hier sind Wind und Raum für Vater wie Sohn dasselbe. So weit die Betrachtung der Gottheiten; nun die Betrachtung des eigenen Selbst. „Rede ist die erste Form, Geist die folgende Form, Prana ist die Verbindung“, sagt Śauravīra Māṇḍūkeya. Sein Sohn Dīrgha sagte jedoch: „Mit dem Geist benennt man zuerst; dann spricht man es mit der Rede aus. Darum ist vielmehr der Geist die erste Form, die Rede die folgende Form; Geist, Rede und Prana zusammen sind die Verbindung.“ Dieser Pferdewagen, von drei Zugtieren gezogen und aus Geist, Rede und Prana verbunden, führt zur Himmelswelt. Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer. So lautet die Lehre der Māṇḍūkeyas.
7.3
Dies ist die im Manuskript nach 7.2 eingeschobene Inhaltsanzeige: „Śākalyas; Erde; Feuer; Erde; Rede; nachfolgende Aussprüche; wenn er; Nirbhujā; wahrlich; wir; Madhyama; Rede mit Prana; Mutter; Gattin; Erkenntnis; Rede; Bṛhat; Bewegung; Vāli; alles; das Letzte.“ Die Folge besteht aus Stichwörtern der folgenden Abschnitte und bildet keinen fortlaufenden Lehrsatz.
7.4
Nun die Lehre Śākalyas. Die Erde ist die erste Form, der Himmel die folgende Form, der Wind ist die Verbindung, der Regen die Fuge, [Parjanya] der Verknüpfer. Daher sagt man auch, wenn die große Wolke kräftig und unablässig Regen regnen lässt: „Himmel und Erde haben sich verbunden.“ So weit die Betrachtung der Gottheiten; nun die Betrachtung des eigenen Selbst. Dieser Mensch ist als Ganzes eiförmig; er besteht aus zwei Hälften. Dabei ist diese die erste und jene die folgende Form; zwischen ihnen liegt hier ein Raum. Wie jener Raum zwischen Himmel und Erde liegt, so ist in diesem Raum der Prana gegründet, wie der Wind in jenem Raum gegründet ist. Wie dort drei Lichter sind, so gibt es im Menschen drei Lichter. Wie dort am Himmel die Sonne ist, so ist hier im Kopf das Auge. Wie dort im Luftraum der Blitz ist, so ist hier im Selbst das Herz. Wie hier auf Erden das Feuer ist, so ist hier am Zeugungsorgan der Same. Nachdem Śākalya so das Selbst nach allen Seiten dargestellt hatte, sagte er: „Dieses ist die erste Form, jenes die folgende Form; Geist, Rede und Prana zusammen sind die Verbindung.“ Dieser Pferdewagen, von drei Zugtieren gezogen und aus Geist, Rede und Prana verbunden, führt zur Himmelswelt. Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
7.5
„Die Erde ist die erste Form, der Himmel die folgende Form, der Wind die Verbindung, die Himmelsrichtungen sind die Fuge und die Sonne ist der Verknüpfer“, lehrt Vaiśvāmitra. So weit die Betrachtung der Gottheiten; nun die Betrachtung des eigenen Selbst: Rede ist die erste Form, Geist die folgende Form, Prana die Verbindung, das Gehör die Fuge und das Auge der Verknüpfer. Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
7.6
„Feuer ist die erste Form, der Mond die folgende Form, der Blitz die Verbindung“, lehrt Sūryadatta. So weit die Betrachtung der Gottheiten; nun die Betrachtung des eigenen Selbst: Rede ist die erste Form, Geist die folgende Form und Wahrheit die Verbindung. Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
7.7
„Die Erde ist die erste Form, der Himmel die folgende Form und die Zeit die Verbindung“, lehrt Rādheya. So weit die Betrachtung der Gottheiten; nun die Betrachtung des eigenen Selbst: Rede ist die erste Form, Geist die folgende Form und der Atman die Verbindung. Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
7.8
„Rede ist die erste Form, Geist die folgende Form und Wissen die Verbindung“, lehrt Pauṣkarasādi. Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
7.9
Nun folgen die Gegenreden. Man soll wissen: Prana ist der tragende Balken. Wenn jemand, der Prana den Balken nennt, einen anderen tadelt und sich für stark hält, sagt er: „Du hast Prana, den Balken, ergriffen. Du vermagst Prana, den Balken, nicht zu ergreifen“, so hast du gesprochen. Dann soll man zu ihm sagen: „Prana, der Balken, wird dich verlassen.“ Hält er sich dagegen für schwach, soll er sagen: „Du wolltest Prana, den Balken, ergreifen; du vermochtest ihn nicht zu ergreifen. Prana, der Balken, wird dich verlassen.“ Was auch immer er zu ihm sagt, ob der andere selbst spricht oder nicht, es wird gewiss ebenso eintreffen. Einem Brahmanen soll er jedoch nichts anderes als Gutes sagen. Nur im Fall außerordentlichen Wohlstands dürfe man so zu einem Brahmanen sprechen. „Auch dann nicht! Verehrung sei den Brahmanen“, sagt Śauravīra Māṇḍūkeya.
7.10
Wenn ein anderer denjenigen tadelt, der Prana den Balken nennt, und dieser ihn für stark hält, sagt er: „Ich wollte Prana, den Balken, ergreifen; du vermagst Prana, den Balken, nicht zu ergreifen“, so hast du gesprochen. Dann soll er zu ihm sagen: „Prana, der Balken, wird dich verlassen.“ Hält er ihn dagegen für schwach, soll er sagen: „Du wolltest Prana, den Balken, ergreifen; du vermochtest ihn nicht zu ergreifen. Prana, der Balken, wird dich verlassen.“ Was auch immer er zu ihm sagt, ob der andere selbst spricht oder nicht, es wird gewiss ebenso eintreffen. Einem Brahmanen soll er jedoch nichts anderes als Gutes sagen. Nur im Fall außerordentlichen Wohlstands dürfe man so zu einem Brahmanen sprechen. „Auch dann nicht! Verehrung sei den Brahmanen“, sagt Śauravīra Māṇḍūkeya.
7.11
Nun folgen die Lehren über die Nirbhujā-Rezitation. Die Nirbhujā hat die Erde als Grundlage, die Pratṛṇṇā den Himmel, die zwischen beiden liegende Rezitationsweise den Luftraum. Wenn einer, der Nirbhujā rezitiert, einen anderen tadelt, soll man ihm sagen: „Du hast dich an der Gottheit Erde vergangen; die Gottheit Erde wird dich treffen.“ Wenn einer, der Pratṛṇṇā rezitiert, einen anderen tadelt, soll man ihm sagen: „Du hast dich an der Gottheit Himmel vergangen; die Gottheit Himmel wird dich treffen.“ Wenn einer, der die zwischen beiden liegende Weise rezitiert, einen anderen tadelt, soll man ihm sagen: „Du hast dich an der Gottheit Luftraum vergangen; die Gottheit Luftraum wird dich treffen.“ Denn wenn er die Lautverbindung entfaltet, ist dies die Form der Nirbhujā; wenn er die beiden Laute in ihrer reinen Einzelgestalt ausspricht, ist dies die Form der Pratṛṇṇā und das Ursprüngliche. In der zwischen beiden liegenden Weise sind beide umfasst. Wer Speise und die Fähigkeit zu essen wünscht, soll Nirbhujā rezitieren; wer den Himmel wünscht, Pratṛṇṇā; wer beides wünscht, die zwischen beiden liegende Weise. Wenn einer, der Nirbhujā rezitiert, einen anderen tadelt, soll man ihm sagen: „Du bist aus den beiden unteren Stellen gefallen.“ Wenn einer, der Pratṛṇṇā rezitiert, einen anderen tadelt, soll man ihm sagen: „Du bist aus den beiden oberen Stellen gefallen.“ Gegen denjenigen aber, der die zwischen beiden liegende Weise spricht, gibt es keinen Tadel. Was auch immer er sagt, ob der andere spricht oder nicht, wird gewiss eintreffen. Er soll einem Brahmanen nur Gutes sagen; nur bei übergroßem Wohlstand dürfe er so zu ihm sprechen. „Auch dann soll er es einem Brahmanen nicht sagen. Verehrung sei den Brahmanen“, sagt Śauravīra Māṇḍūkeya.
7.12
Nun sagen die Nirbhujā-Rezitatoren: „Der erste Laut ist die erste Form, der folgende die folgende Form; was zwischen y-Laut und v-Laut liegt, ist die Verbindung.“ Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
7.13
„Nun aber sagen wir: Wir sind Nirbhujā-Rezitatoren“, sagte Hrasva Māṇḍūkeya. „Der erste Laut ist die erste Form, der folgende die folgende Form. Jene Mora zwischen erster und folgender Form, durch die man die Lautverbindung entfaltet, durch die man Mora von Mora abteilt und Ton von Ton unterscheiden lässt: Sie ist die Verbindung.“ Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
7.14
Sein Sohn Madhyama, der Sohn des Prātiyodhin und Bewohner Magadhas, sagte: „Der erste Laut ist die erste Form, der folgende die folgende Form. Jene Mora, die die Lautverbindung erkennen lässt, wird zum Sāman. Ich halte hier das Sāman für die Verbindung.“ Dies wird in einem Rigveda-Vers ausgesprochen: „Gib uns nicht den Dieben preis, die an der Stätte feindlich sinnen, den neidischen Feinden, die nach Speisen gieren; die im Herzen die Hinwendung zu den Göttern abwerfen. O Bṛhaspati, nichts Höheres als das Sāman kennen sie.“ Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
7.15
„Rede wird mit Prana verbunden“, lehrt Kauṇṭharavya. Prana wird mit dem reinigenden Wind verbunden, der reinigende Wind mit den Allgöttern, die Allgötter mit der Himmelswelt, die Himmelswelt mit Brahman. Dies ist die vom Niederen zum Höheren fortschreitende Verbindung. Wer diese fortschreitende Verbindung so kennt, wird ebenso mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden wie diese fortschreitende Verbindung. Wenn er auf Veranlassung eines anderen oder um seiner eigenen Sache willen rezitiert, soll er während der Rezitation wissen: „Die Verbindung ist zum Himmel gelangt; sie ist zu den Göttern des Wissenden gelangt, damit die Rezitation ihr Ziel erreiche. So wird es sein.“ Durch dieses Fortschreiten wird es wahrlich so.
7.16
„Die Mutter ist die erste Form, der Vater die folgende Form, das Kind ist die Verbindung“, lehrt Bhārgava. Dieses alles wird als ein Einziges verkündet; denn Mutter, Vater und Kind sind dieses Ganze. Dies ist die Aditi-Verbindung. Denn Aditi ist dieses Ganze, was immer als All entstanden ist. Dies wird in einem Rigveda-Vers ausgesprochen: „Aditi ist der Himmel, Aditi der Luftraum; Aditi ist die Mutter, sie der Vater, sie der Sohn. Aditi sind alle Götter und die fünf Völker; Aditi ist das Geborene, Aditi das künftige Geborenwerden.“ Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
7.17
„Die Gattin ist die erste Form, der Gatte die folgende Form, der Sohn ist die Verbindung, der Same die Fuge und die Zeugung der Verknüpfer“, lehrt Sthavira Śākalya. Dies ist die Prajāpati-Verbindung. Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
7.18
„Erkenntnis ist die erste Form, Vertrauen die folgende Form, Handeln ist die Verbindung und Wahrheit der Verknüpfer“, lehrt Kāśyapa. Dies ist die Wahrheits-Verbindung. Darum sagt man: „Die Götter sind von wahrer Verbindung.“ Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
7.19
„Rede ist die Verbindung“, lehrt Pañcālacaṇḍa. Durch Rede werden die Veden verbunden, durch Rede die Metren; durch Rede verbindet man Freunde. Wenn einer studiert oder spricht, dann befindet sich Prana in der Rede; dann nimmt die Rede den Prana in sich auf. Wenn er dagegen schläft oder schweigt, befindet sich die Rede im Prana; dann nimmt der Prana die Rede in sich auf. Beide nehmen einander auf. Dies wird in einem Rigveda-Vers ausgesprochen: „Der eine schöne Vogel ging in den Ozean ein; er überschaut diese ganze Welt. Mit schlichtem Geist sah ich ihn ganz nahe: Die Mutter nimmt ihn auf, und er nimmt die Mutter auf.“ Die Rede ist die Mutter, Prana das Kalb. Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
7.20
„Die Verbindung wird durch die Gestalt von Bṛhat und Rathantara hergestellt“, lehrt Tārkṣya. Die Rede ist die Gestalt des Rathantara-Sāman, Prana die des Bṛhat-Sāman. Durch beide zusammen wird die Verbindung hergestellt, durch Rede und durch Prana. „Für diese Upanishad hütete man ein Jahr lang Kühe“, lehrt Tārkṣya. Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
7.21
„Bewegung ist die erste Form, Stillstand die folgende Form und das Verweilen die Verbindung“, lehrt Jāratkārava Ārtabhāga. In dieser Verbindung werden Dhvaṃsis, Augenblicke, Kāṣṭhās, Kalās, Kṣaṇas, Muhūrtas, Tage und Nächte, Halbmonate, Monate, Jahreszeiten und Jahre miteinander verbunden. Diese Verbindung fügt diese Zeiten zusammen. Die Zeit verbindet Bewegung, Stillstand und Verweilen; durch Bewegung, Stillstand und Verweilen wird diese ganze Welt verbunden. So weit die Betrachtung der Gottheiten; nun die Betrachtung des eigenen Selbst: Das Vergangene ist die erste Form, das Zukünftige die folgende Form, das Gegenwärtige die Verbindung. Dies ist die Fuge der Zeit. Dies wird in einem Rigveda-Vers ausgesprochen: „Groß ist jener geheime, weitreichende Name, durch den du das Gewordene hervorbrachtest und durch den das Künftige. Das uralte, geborene Licht, das ihm lieb ist: In dieses gingen die fünf Geliebten gemeinsam ein.“ Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
7.22
Nun folgt die Aussage Vāliśikhāyanis. „Diese fünf sind die großen Elemente“, sagte Vāliśikhāyani: Erde, Wind, Raum, Wasser und Lichterscheinungen. Sie sind miteinander verbunden. Die anderen, feinen Elemente wiederum werden mit den großen Elementen verbunden. Dies ist die Verbindung aller Erscheinungsformen. Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer.
7.23
„Die gesamte Rede ist Brahman“, sagte Lauhikya. Welche Laute es auch immer gibt, sie alle soll man als Rede erkennen. Dies sagt auch eine Seherin: „Ich wandle mit den Rudras und den Vasus.“ So umfasst diese Rede alle Laute. Wer diese Verbindung so kennt, wird mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, Brahman-Glanz und der Himmelswelt verbunden; er erreicht seine volle Lebensdauer. Wie dieses Brahman Gestalt nach Wunsch annimmt und sich nach Wunsch bewegt, so nimmt der Wissende unter allen Wesen Gestalt nach Wunsch an und bewegt sich nach Wunsch. Wer so erkennt, wer so erkennt. Damit endet das siebte Kapitel des Śāṅkhāyana Āraṇyaka.
8.1
„Prana ist der tragende Balken“, sagte Sthavira Śākalya. Wie alle anderen Balken auf dem Hauptbalken einer Halle ruhen mögen, so ruht das ganze Selbst in diesem Prana. An diesem Selbst ist Prana die Entsprechung der Reibelaute, die Knochen sind die Entsprechung der Verschlusslaute, das Mark die Entsprechung der Vokale, Fleisch und Blut bilden als Viertes die Entsprechung der Halbvokale. „Uns ist jedoch nur diese Dreiheit überliefert“, sagte Hrasva Māṇḍūkeya. Diese Dreiheit hat auf dieser Seite dreihundertsechzig Verbindungen und auf der anderen Seite ebenfalls dreihundertsechzig; zusammen sind es siebenhundertzwanzig. Siebenhundertzwanzig sind die Tage und Nächte des Jahres. So erreicht der Wissende die Tage und Nächte des Jahres. Dieses Selbst hat das Jahr zum Maß und besteht aus Auge, Gehör, Metren, Geist und Rede. Wer dieses Selbst erkennt, das das Jahr zum Maß hat und aus Auge, Gehör, Metren, Geist und Rede besteht, erlangt Vereinigung, gemeinsame Welt, gleiche Gestalt und gemeinsame Nahrung mit dem Jahr. Er wird reich an Söhnen und Vieh und erreicht seine volle Lebensdauer. So hat Āruṇikeya dies gelehrt.
8.2
Nun die Lehre Kauṣṭharavyas. Es gibt dreihundertsechzig Verschlusslaute, dreihundertsechzig Reibelaute und dreihundertsechzig Lautverbindungen. Was wir Verschlusslaute nannten, sind die Tage; was wir Reibelaute nannten, sind die Nächte; was wir Lautverbindungen nannten, sind die Verbindungen von Tagen und Nächten. So weit die Betrachtung der Gottheiten; nun die Betrachtung des eigenen Selbst. Was wir auf der Ebene der Gottheiten Verschlusslaute nannten, sind auf der Ebene des Selbst die Knochen. Was wir dort Reibelaute nannten, sind hier die Markteile. Dieses Mark ist wahrlich der unmittelbar entsprechende Prana; es ist der Same. Ohne Prana kann der Same nicht zur Vollendung gelangen. Würde Same ohne Prana ergossen, so würde er faulen und keine Frucht hervorbringen. Was wir auf der Ebene der Gottheiten Lautverbindungen nannten, sind auf der Ebene des Selbst die Gelenke. Knochen, Mark und Gelenke haben auf dieser Seite fünfhundertvierzig und auf der anderen ebenso viele Verbindungen; zusammen sind es eintausendachtzig. Eintausendachtzig Bṛhatī-Verse bringen die Vārkalins Tag für Tag zustande. Dieses Selbst hat den Tag zum Maß und besteht aus Auge, Gehör, Metren, Geist und Rede. Wer dieses Selbst erkennt, das den Tag zum Maß hat und aus Auge, Gehör, Metren, Geist und Rede besteht, erlangt Vereinigung, gemeinsame Welt, gleiche Gestalt und gemeinsame Nahrung mit den Tagen. Er wird reich an Söhnen und Vieh und erreicht seine volle Lebensdauer.
8.3
„Vier Purushas gibt es“, lehrt Vātsya: den Körper-Purusha, den Metren-Purusha, den Veda-Purusha und den großen Purusha. Was wir Körper-Purusha nannten, ist dieses körperliche Selbst. Seine Essenz ist der körperlose Bewusstseins-Atman. Was wir Metren-Purusha nannten, ist die überlieferte Gesamtheit der Laute; ihre Essenz ist der Laut a. Was wir Veda-Purusha nannten, ist das, wodurch man die Veden kennt: Rigveda, Yajurveda und Samaveda. Seine Essenz ist Brahman. Darum soll man einen am tiefsten im Brahman gegründeten Brahman-Priester zum Opferpriester machen, einen, der eine Unregelmäßigkeit des Opfers zu erkennen vermag. Was wir den großen Purusha nannten, ist das Jahr; seine Essenz ist jene Sonne. Dieser körperlose Bewusstseins-Atman hier und jene Sonne dort sind ein Einziges: So soll man erkennen. Dies wird in einem Rigveda-Vers ausgesprochen.
8.4
„Aufgestiegen ist das leuchtende Antlitz der Götter, das Auge Mitras, Varuṇas und Agnis. Die Sonne hat Himmel, Erde und Luftraum erfüllt; sie ist der Atman alles Bewegten und Unbewegten.“ „Ich halte diese Einsicht für die Verbindung, wenn sie auf diese Weise zusammengefügt wird“, sagte Vātsya. Nach diesem Einen forschen die Bahvṛcas im Mahad-Uktha, nach ihm die Adhvaryus im Feuer und die Sāman-Sänger im Mahāvrata. Sie suchen ihn in der Erde, im Luftraum und im Himmel, im Feuer, im Wind, im Mond und in den Sternbildern, in den Wassern, den Pflanzen und allen Wesen, in den Lauten; eben ihn verehren sie als Brahman. Dies wird in einem Rigveda-Vers ausgesprochen.
8.5
„Über das Dunkel hinweg sind wir aufgestiegen und schauen das höhere Licht. Zu Sūrya, dem Gott unter den Göttern, sind wir gelangt, zum höchsten Licht.“ Dieses Selbst hat die Laute zum Maß und besteht aus Auge, Gehör, Metren, Geist und Rede. Wer dieses Selbst, das die Laute zum Maß hat und aus Auge, Gehör, Metren, Geist und Rede besteht, für einen anderen rezitiert, dessen Veden werden wie Kühe, die bereits ausgemolken sind. Er hat keinen Anteil an der Rede und keinen Anteil am Rezitierten. Dies wird in einem Rigveda-Vers ausgesprochen.
8.6
„Wer den Gefährten verlassen hat, der Freundschaft versteht, der hat keinen Anteil an der Rede. Wenn er ihn auch hört, hört er doch vergebens; denn er kennt den Weg guten Handelns nicht.“ Damit sagt der Vers: Ein solcher hat keinen Anteil an der Rede des Rezitierten. Darum soll man die Liturgie dieses Tages nicht für einen anderen rezitieren, keinen Feueraltar für ihn schichten und das Mahāvrata nicht für ihn besingen, damit man nicht vom eigenen Selbst getrennt werde. Wir sagten: „Dieser körperlose Bewusstseins-Atman hier und jene Sonne dort sind ein Einziges.“ Wenn diese beiden getrennt gesehen werden, treten die folgenden Zeichen auf.
8.7
Die Sonne erscheint dann wie der Mond, und ihre Strahlen treten nicht hervor. Der Himmel wird rot wie Färberröte; der After steht offen. Dann soll man erkennen: „Sein Selbst ist im Fortgehen; er wird wohl nicht mehr lange leben.“ Was er noch zu tun meint, soll er tun. Wenn er sich ferner in einem Spiegel oder im Wasser mit schiefem Kopf, ohne Kopf oder überhaupt nicht sieht, soll er dasselbe erkennen. Wenn sein Schatten durchbrochen erscheint oder gar nicht erscheint, soll er dasselbe erkennen. Wenn die Sonne durchbrochen wie die Nabe eines Wagenrades erscheint, soll er dasselbe erkennen. Wenn das Feuer dunkelblau wie ein Pfauenhals erscheint, wenn er in einer großen Wolke etwas wie Lichtstrahlen sieht, bei wolkenlosem Himmel einen Blitz sieht oder ihn bei bewölktem Himmel nicht sieht, soll er dasselbe erkennen. Wenn er die Augen schließt und hinschaut, dort aber nicht etwas wie kleine leuchtende Körner sieht, soll er dasselbe erkennen. Wenn er die Ohren verschließt und lauscht und dann weder das Geräusch eines brennenden Feuers noch einen Klang wie von einem Wagen hört, soll er dasselbe erkennen. Wenn die Pupillen verdreht oder wie gespalten erscheinen oder nicht sichtbar sind, soll er dasselbe erkennen. Man soll wissen: „Der ungehörte Hörer, der ungedachte Denker, der unerkannte Erkenner, der ungesehene Seher, der nicht angewiesene Lenker, der ungerufene Rufer, der innere Purusha aller Wesen – er ist mein Atman.“ Beim Fortgehen gelangt er in diesen körperlosen Bewusstseins-Atman und verlässt den anderen, körperlichen Atman. Dies ist die Upanishad über die gesamte Rede. Alle diese Lehren sind zwar Upanishaden über die gesamte Rede, doch besonders diese nennt man so.
8.8
Die Verschlusslaute sind die Gestalt der Erde, die Reibelaute die des Luftraums, die Vokale die des Himmels. Die Verschlusslaute sind die Gestalt Agnis, die Reibelaute die Vāyus, die Vokale die Ādityas. Die Verschlusslaute sind die Gestalt des Rigveda, die Reibelaute die des Yajurveda, die Vokale die des Samaveda. Die Verschlusslaute sind die Gestalt des Rathantara-Sāman, die Reibelaute die des Vāmadevya-Sāman, die Vokale die des Bṛhat-Sāman. Die Verschlusslaute sind die Gestalt des Ausatems, die Reibelaute die des Einatems, die Vokale die des Geistes. „Die Verschlusslaute sind die Gestalt des Ausatems, die Reibelaute die des Einatems, die Vokale die des Udāna“, lehrt Punardatta. Wer dies erkennt, kennt wahrlich die gesamte Rede.
8.9
Nun gibt es diese göttliche Vīṇā, den menschlichen Körper; jene von Menschen gefertigte Vīṇā ist ihr Abbild. Wie diese einen Klangkörper und gespannte Saiten besitzt, so besitzt auch jene einen Klangkörper und gespannte Saiten. Wie diese einen Kopf hat, so jene einen Kopf. Wie diese eine Wirbelsäule hat, so jene einen Stab. Wie diese einen Bauch hat, so jene einen Hohlraum. Wie diese Mund, Nase und Augen hat, so jene Öffnungen. Wie diese Fingergriffe und Auflagen hat, so jene Gliederungen. Wie diese Finger hat, so jene Saiten. Wie diese eine Zunge hat, so jene ein Spielteil. Wie diese Töne hat, so hat jene Töne. Wie diese mit behaarter Haut bedeckt ist, so ist jene mit behaarter Haut bedeckt; denn früher bedeckte man Vīṇās mit behaarter Haut. Dies ist die göttliche Vīṇā. Wer diese göttliche Vīṇā so erkennt, wird überaus berühmt im gesprochenen Wort; sein Ruhm erfüllt die Erde. Wenn er in Versammlungen spricht, hören die Menschen auf ihn und sagen: „Es geschehe, was dieser wünscht.“ Wo immer die Rede der Āryas gesprochen wird, kennt man ihn dort.
8.10
Nun folgt die Aussage Tāṇḍavindas. Wie diese Vīṇā, wenn sie von einem unkundigen Spieler angeschlagen wird, den ganzen Zweck einer Vīṇā nicht erfüllt, so erfüllt auch die Rede, wenn sie von einem unkundigen Sprecher in Gang gesetzt wird, den ganzen Zweck der Rede nicht. Wie aber diese Vīṇā, wenn sie von einem kundigen Spieler angeschlagen wird, den ganzen Zweck einer Vīṇā erfüllt, so erfüllt auch die Rede, wenn sie von einem kundigen Sprecher in Gang gesetzt wird, den ganzen Zweck der Rede. „Der Glanz dieser Vīṇā ist ihre Verbindung“, lehrt Jātūkarṇya, der Sohn Kātyāyanīs. Hierzu trägt Kṛtsnahārita folgendes Brāhmaṇa vor.
8.11
Nachdem Prajāpati die Geschöpfe erschaffen hatte, fiel er auseinander. Durch die Metren setzte er sich wieder zusammen. Weil er sich durch die Metren zusammensetzte, heißt dies Saṃhitā, Zusammenfügung. An dieser Saṃhitā ist der Laut ṇ die Kraft, der Laut ṣ der Prana und der Atman die Verbindung. Ihre abgewandelte, mit Kleinem vermischte Form sind Nägel, Haare und Konsonanten. Wer hier zweifelt, ob er mit einem ṇ oder ohne ṇ sprechen soll, soll mit ṇ sprechen. Ebenso soll, wer zweifelt, ob er mit einem ṣ oder ohne ṣ sprechen soll, mit ṣ sprechen. Wer diese beiden Laute ṇ und ṣ kennt, soll die Rigverse im verbundenen Saṃhitā-Text studieren und wissen: Das verleiht Lebensdauer. Ferner soll er die Rede, die Erzählung von alter Geschichte, und alles andere, was zum heiligen Wissen gehört, zum Brahman machend studieren und wissen: Auch dies verleiht Lebensdauer. „Dadurch, dass wir die Rigverse im verbundenen Text studieren und die Māṇḍūkeya-Lektion vortragen, haben wir die Laute ṇ und ṣ erlangt“, sagte Hrasva Māṇḍūkeya. „Dadurch, dass wir die Rigverse im verbundenen Text studieren und das Selbststudium pflegen, haben wir die Laute ṇ und ṣ erlangt“, sagte Sthavira Śākalya. Die wissenden Kāvaṣeyas sagten: „Zu welchem Zweck sollen wir opfern, zu welchem Zweck studieren? In der Rede opfern wir Prana und im Prana die Rede. Denn wo der Ursprung ist, dort ist auch das Eingehen.“ Die Lehrer sagen: Diese Saṃhitā-Lehren soll man keinem mitteilen, der kein Schüler ist, nicht ein Jahr beim Lehrer gelebt hat, kein Brahmacārin ist, den Veda nicht kennt oder nicht zum geeigneten Lehrer beziehungsweise Sprecher bestimmt ist. So sagen die Lehrer, so sagen die Lehrer. Damit endet das achte Kapitel des Śāṅkhāyana Āraṇyaka.
3-5 wichtigste Punkte / Empfehlungen aus der Samhita Upanishad für einen ernsthaften spirituellen Aspiranten aus der Samhita Upanishad
- Verbinde Denken, Sprechen und Atmen. Nimm dir vor einem wichtigen Wort einen bewussten Atemzug und prüfe, ob dein Sprechen mit deinem Denken übereinstimmt.
- Mache Wahrheit zur verbindenden Kraft. Erkenntnis und Vertrauen sollen sich im Handeln bewähren; Satya verbindet nach der Upanishad die inneren Glieder.
- Meditiere über den Zeugen. Frage: Was ist der Hörende hinter allem Gehörten, der Sehende hinter allem Gesehenen und der Denkende hinter den Gedanken?
- Erkenne Verbundenheit statt Vereinzelung. Erde und Himmel, Körper und Kosmos, Eltern und Kind, Vergangenheit und Zukunft werden als Glieder einer Samhita betrachtet.
- Pflege eine reine und kundige Sprache. Wie ein geübter Vina-Spieler sein Instrument beherrscht, soll ein spiritueller Mensch seine Rede wahrhaftig, klar und wohltuend gebrauchen.
Literatur und Quellen zur Samhita Upanishad
- Shankhayana Aranyaka, Kapitel 7–8: Saṃhitā-Upanishad.
- GRETIL: Shankhayana Aranyaka – elektronischer Sanskrittext
- Arthur Berriedale Keith: The Śāṅkhāyana Āraṇyaka, with an Appendix on the Mahāvrata, Royal Asiatic Society, London 1908. Digitalisat und englische Übersetzung.
- Klassische Upanishaden – Die Weisheit des Yoga von Paul Deussen
- Wilfried Huchzermeyer: Die heiligen Schriften Indiens – Geschichte der Sanskrit-Literatur.
Siehe auch
Ähnliche Upanishaden: Jaiminiya Upanishad Brahmana, Mahanarayana Upanishad, Aitareya Upanishad, Kaushitaki Upanishad, Taittiriya Upanishad, Chandogya Upanishad, Arsheya Upanishad, Shaunaka Upanishad
Weblinks
- Yoga – Übung, Wissen und Lebensweg
- Meditation – Anleitungen und Hintergründe
- Übersicht über die Upanishaden im Yoga Wiki
Seminare
- 15.11.2026 - 20.11.2026 Aus der Tiefe des Herzens antworten
In diesem Praxisseminar beschreiten wir den Weg fundamentalen Gewahrseins durch intuitive Antworten aus dem Herzen. Antworten, die sich aus unserem wah…- Michael Büchel, Roswitha Breitkopf
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Immer mehr Menschen wollen sich aktiv und offen mit Sterben und Tod beschäftigen und dabei zu einem neuen spirituellen Verständnis von Vergänglichkei…- Sukhavati Kusch
- 06.01.2027 - 15.12.2027 Jahresgruppe Sanskrit - Lektüre der AMRITA SIDDHI 2 - online
Termine: 16x mittwochs: 06.01., 27.01., 17.02., 10.03., 31.03., 21.04., 12.05., 02.06., 23.06., 14.07., 08.09., 29.09., 20.10., 10.11., 01.12., 15.12.20…- Dr phil Oliver Hahn
- 09.04.2027 - 11.04.2027 Sanskrit Intensivwochenende
Du bist fasziniert vom Klang des Sanskrit und der tiefgehenden Wirkung der Wörter dieser uralten Sprache? Hast bereits Übersetzungen von Mantras oder …- Dr phil Oliver Hahn
- 05.10.2026 - 26.10.2026 Meditation, IntensTouch, zur Harmonisierung der Lebensenergie - Online Kurs Reihe
Termine: Montag 05.10., 12.10., 19.10., 26.10.2026
Uhrzeit: 20:30 - 21:15 Uhr
Diese Meditationsreise zu verschiedenen Themen gibt Dir die Möglichkeit…- Frank Schwab
- 09.10.2026 - 11.10.2026 Meditation Intensiv Schweigend
Mit Meditation, Yoga und Mantra-Singen tauchst du in deine innere Welt. Ein Intensivseminar mit täglichen langen Meditationssitzungen, zwei Yoga-Stunde…- Dana Oerding