Siddhayogeshvarimata 108 Verse für die spirituelle Praxis: Unterschied zwischen den Versionen
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<ref name="T1999">Judit Törzsök: ''[https://archive.org/details/siddhayogeshvarimatachapters181016181921222932judithtorzsockthesis_202003_189_j The Doctrine of Magic Female Spirits. A Critical Edition of Selected Chapters of the Siddhayogeśvarīmata(tantra) with Annotated Translation and Analysis]'', DPhil-Dissertation, University of Oxford, 1999. Benutztes vollständiges Digitalisat: 353 PDF-Seiten; Edition S. 1–61, zusätzliche Textanhänge S. 186–236.</ref> | <ref name="T1999">Judit Törzsök: ''[https://archive.org/details/siddhayogeshvarimatachapters181016181921222932judithtorzsockthesis_202003_189_j The Doctrine of Magic Female Spirits. A Critical Edition of Selected Chapters of the Siddhayogeśvarīmata(tantra) with Annotated Translation and Analysis]'', DPhil-Dissertation, University of Oxford, 1999. Benutztes vollständiges Digitalisat: 353 PDF-Seiten; Edition S. 1–61, zusätzliche Textanhänge S. 186–236.</ref> | ||
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== Die Frage nach der lebendigen Mantrakraft == | == Die Frage nach der lebendigen Mantrakraft == | ||
Aktuelle Version vom 13. September 2026, 17:35 Uhr
Siddhayogeshvarimata 108 Verse für die spirituelle Praxis für ernsthafte Yoga Aspiranten und Aspirantinnen. Diese Auswahl enthält genau 108 unterschiedliche, vollständige Originalverse aus elf Kapiteln der hier erschlossenen Kurzfassung. Sie führt von der Frage nach wirksamen Mantras über Göttinnenmeditation und Lautkörper bis zu Yoginī-Begegnung und Bhairavas Lachen. Zusammenhängende Gruppen bewahren den Gedankengang. Die Sprache ist gegenüber der Hauptübersetzung vereinfacht; historische Aussagen und Unsicherheiten bleiben erkennbar. Aussagen über Siddhis geben die Verheißungen des Textes wieder. Ausgeschlossen sind Verse über den Konsum von Alkohol, Fleisch und Rauschmitteln, über schädigende Rituale, Zwang und Selbstverletzung. Einige ausgewählte Bilder entstammen größeren Ritualen; ihr begrenzter Kontext wird jeweils genannt.
Die Auswahl ist eine Lektüre- und Studienhilfe für spirituelle Aspiranten; sie ersetzt weder den Haupttext noch eine überlieferte rituelle Unterweisung.
Weitere Seiten dieser Ausgabe: Hauptartikel mit Übersetzung · Sanskrit in Devanagari
Die Frage nach der lebendigen Mantrakraft
1. Bhairava, der Ungeborene
Original: Siddhayogeśvarīmata 1.2.[2]
bhairavīsiddhidātāram ajaṃ viśvaṃ svayaṃbhuvam
Übersetzung: Sie neigte ihr Haupt vor dem furchtbaren Bhairava, dem Geliebten Bhairavīs, der die Vollendung Bhairavas schenkt: ungeboren, das All umfassend und aus sich selbst seiend,
Erläuterung: Die Verse 1.2–4 bilden gemeinsam die Eröffnung des Gesprächs zwischen Bhairavī und Bhairava.
Die unterstrichene Lesung ist in der Leitquelle als unsicher gekennzeichnet; die vereinfachte Übersetzung hebt diesen Vorbehalt nicht auf.
2. Der milde und der schreckliche Gott
Original: Siddhayogeśvarīmata 1.3.[2]
svasthānasthaṃ mahāghoram aghoraṃ ghoranāśanam
Übersetzung: vor dem Gott der Götter und Lehrer der Welt, der sich großer Freude hingibt und an seinem eigenen Ort ruht; überaus schrecklich und zugleich mild, vernichtet er das Schreckliche.
3. Die Frage der Göttin
Original: Siddhayogeśvarīmata 1.4.[2]
jñānaṃ pṛṣṭavatī samyag bhuktimuktiphalapradam
Übersetzung: Nachdem Bhairavī sich vor dem gesammelten Bhairava niedergeworfen hatte, fragte sie gründlich nach jenem Wissen, das sowohl Lebensgenuss als auch Befreiung schenkt.
4. Wenn die Mühe ohne Frucht bleibt
Original: Siddhayogeśvarīmata 1.5.[2]
kleśenāpi na siddhyante <narā> yogādisādhane
Übersetzung: Herr der Götter, auf vielerlei Weise hast du Mantra-Lehren verkündet. Doch selbst unter großer Mühe finden [die Menschen] durch Yoga und andere Verfahren keine Vollendung.
Erläuterung: Bhairavīs Fragen sind Teil eines religiösen Lehrgesprächs. Die folgenden Verse entfalten Antwort und Voraussetzungen; sie sind keine Zusicherung eines heutigen Erfolgs.
Die unterstrichene Lesung ist in der Leitquelle als unsicher gekennzeichnet; die vereinfachte Übersetzung hebt diesen Vorbehalt nicht auf.
5. Eine offene Herausforderung
Original: Siddhayogeśvarīmata 1.6.[2]
bhrāmito ’yaṃ tvayā bhāvo yaṣṭavatāṃ maheśvara
Übersetzung: Auch wenn sie dem vorgeschriebenen Weg folgen, gelingt es ihnen nicht; ein deutliches Zeichen bleibt aus. Großer Herr, du hast die Gesinnung der Opfernden irregeführt,
Die unterstrichene Lesung ist in der Leitquelle als unsicher gekennzeichnet; die vereinfachte Übersetzung hebt diesen Vorbehalt nicht auf.
6. Warum wirken die Mantras nicht?
Original: Siddhayogeśvarīmata 1.7.[2]
kim ete <na> prasiddhyanti tvatproktā mantranāyakāḥ
Übersetzung: und ebenso die der Menschen, die sich ernsthaft um Rezitation bemühen. Warum werden diese führenden Mantras, die du selbst gelehrt hast, [nicht] wirksam?
7. Bhairavī fragt weiter
Original: Siddhayogeśvarīmata 1.8.[2]
kiṃ te phalaṃ suraśreṣṭha jagadvyāmohane kṛte
Übersetzung: Śaṅkara, damit hast du alles und auch deine Schüler verwirrt. Was nützt es dir, Bester der Götter, die Welt so in Verwirrung zu bringen?
8. Ein Lächeln vor der Antwort
Original: Siddhayogeśvarīmata 1.9.[2]
prahasyovāca bhagavān gambhīrārtham idaṃ vacaḥ
Übersetzung: Auf diese Worte der [Göttin] hin lächelte der erhabene Bhairava, der die Götter führt, und gab eine Antwort von tiefem Sinn.
9. Aufmerksam hören
Original: Siddhayogeśvarīmata 1.10.[2]
nikhilaṃ taṃ pravakṣyāmi vastutattvaṃ yathā sthitam
Übersetzung: Höre gesammelt, Göttin. Ich werde deine jetzige Frage vollständig beantworten und erklären, wie sich die Sache in Wahrheit verhält.
10. Die verborgene Kraft
Original: Siddhayogeśvarīmata 1.11.[2]
te gopitāḥ punaḥ sarve svaśaktyā caiva suvrate
Übersetzung: Göttin, alle wunscherfüllenden Mantras, die ich einst lehrte, habe ich wieder durch meine eigene Śakti verborgen, du den Gelübden Getreue.
11. Weihe und Verpflichtung
Original: Siddhayogeśvarīmata 1.12.[3]
vibhedaṃ samayānāṃ ca kṛtavanto narādhamāḥ
Übersetzung: Denn überall sah ich, dass den Unwissenden die reinigenden Weihen fehlten und niedrig gesinnte Menschen die übernommenen Verpflichtungen brachen.
12. Mehr als bloße Laute
Original: Siddhayogeśvarīmata 1.13.[3]
tena guptena guptās te śeṣā varṇās tu kevalāḥ
Übersetzung: Darum wurde die Wirkkraft aller Mantras verborgen. Mit ihr sind auch die Mantras verborgen; zurück bleiben nur ihre Sprachlaute.
Die unterstrichene Lesung ist in der Leitquelle als unsicher gekennzeichnet; die vereinfachte Übersetzung hebt diesen Vorbehalt nicht auf.
13. Auch häufige Wiederholung genügt nicht
Original: Siddhayogeśvarīmata 1.14.[3]
tena te na prasiddhyanti japtvā koṭiśatair api
Übersetzung: Große Göttin, bleibt ihre Kraft verborgen, werden sie selbst bei richtiger Anwendung nicht wirksam – auch nicht durch hundert Koṭis Wiederholungen.
Erläuterung: Hundert Koṭis sind eine Milliarde. Gerade die große Zahl unterstreicht hier, dass Wiederholung allein die fehlende Mantrakraft nicht ersetzt.
14. Das Ergreifen der Kraft
Original: Siddhayogeśvarīmata 1.15.[3]
guruṃ gurutaraṃ caiva tasya siddhir na dūrataḥ
Übersetzung: Wer das Ergreifen jener [Kraft], die Annahme des Selbst, den Guru und den Gurutara kennt, ist der Vollendung nahe.
Erläuterung: Gurutara heißt wörtlich „der gewichtigere Lehrer“; 2.2 bezeichnet damit den Mantra, während Guru dort den einweihenden Lehrer meint. „Annahme des Selbst“ ist ein technischer Ausdruck des Einweihungszusammenhangs.
15. Der Lehrer und die Śakti
Original: Siddhayogeśvarīmata 1.16.[3]
abhiyuktā na siddhyanti prayatnenāpi sādhakāḥ
Übersetzung: Wer die Früchte der Rituallehre sucht, aber einen Lehrer ohne diese Kraft findet, erreicht trotz Anstrengung und ernstem Bemühen keine Vollendung.
16. Von Rudras Kraft ergriffen
Original: Siddhayogeśvarīmata 1.17.[3]
rudraśaktisamāveśaṃ jñātvā tadgraham ācaret
Übersetzung: Ein durch Śivas Weihe Eingeweihter soll Vollendung suchen. Er soll erkennen, wie Rudras Kraft ihn ergreift, und daraufhin jene [Mantrakraft] ergreifen.
17. Die äußere Form bleibt bedeutsam
Original: Siddhayogeśvarīmata 1.18.[3]
na cājyānalasadbhāvavarjitas tu kathaṃcana
Übersetzung: Nicht schon die Einhaltung von Regeln über Geräte, Maße und Ähnliches macht hier die Einweihung aus. Doch auch ohne Opferbutter und Feuer kann sie keinesfalls geschehen.
Erläuterung: Diese beiden Verse bewahren die Spannung zwischen innerer Kraft und äußerem Ritual. Die Schrift erklärt Einweihung hier weder zur bloßen Form noch zu einem ausschließlich inneren Vorgang.
18. Die Eigenart der Bhairava-Lehre
Original: Siddhayogeśvarīmata 1.19.[3]
śaive kecid ihecchanti bhairave na kadācana
Übersetzung: Einige im śivaitischen Bereich meinen: Für gewünschte Ergebnisse sind [äußere] Riten vorgesehen, für Befreiung geistige. In der Bhairava-Lehre gilt diese Trennung jedoch niemals.
Śakti und die Göttinnen der Sprache

19. Die Antwort eröffnet die Lehre
Original: Siddhayogeśvarīmata 2.19.[4]
śṛṇu priye pravakṣyāmi sarvakāmaphalapradam
Übersetzung: So von Bhairavī angesprochen, erwiderte Bhairava: Höre, Geliebte, ich werde dir lehren, was die Frucht jedes Wunsches gewährt:
Erläuterung: Die Verse 2.19–20 bilden einen Satz; in 2.19 wechselt die Erzählung zur direkten Rede Bhairavas.
20. Rezitation und Meditation
Original: Siddhayogeśvarīmata 2.20.[4]
japadhyānasamopetaṃ sadyaḥpratyayakārakam
Übersetzung: die Lehre der Siddhayogeśvarīs, durch die Mantras wirksam werden. Sie verbindet Rezitation und Meditation und lässt ihre Wirkung unmittelbar erkennen.
21. Der Ursprung der Yoginīs
Original: Siddhayogeśvarīmata 2.21.[4]
tāsāṃ yoniḥ samākhyātā rudraśaktir varānane
Übersetzung: Wo immer mächtige Yogeśvarīs hervorgetreten sind: Rudras Śakti wird als ihr aller Ursprung bezeichnet, Schöngesichtige.
Die unterstrichene Lesung ist in der Leitquelle als unsicher gekennzeichnet; die vereinfachte Übersetzung hebt diesen Vorbehalt nicht auf.
22. Kraft, die die Welt durchdringt
Original: Siddhayogeśvarīmata 2.22.[4]
sā parāpararūpeṇa vyāpya sarvam idaṃ sthitā
Übersetzung: Von ihr gestärkt, spielen die Wesen ohne Scheu. In ihrer höheren und niederen Gestalt durchdringt sie die ganze Welt und ist in ihr gegenwärtig.
23. Eine Gegenwart, drei Erscheinungen
Original: Siddhayogeśvarīmata 2.23.[4]
tāsāṃ bhedaṃ pravakṣyāmi yathā viśve vyavasthitāḥ
Übersetzung: Sie ist als Yogeśvarī bekannt; dreifach ist ihre Erscheinung, Geliebte. Ich werde erklären, wie ihre unterschiedlichen Formen in der Welt bestehen.
Erläuterung: Mit der dreifachen Erscheinung werden unterschiedliche Kräfte und Göttinnenformen entfaltet; die anschließenden Verse 2.24–25 betreffen die milden, befreienden Kräfte.
24. Die milden Kräfte
Original: Siddhayogeśvarīmata 2.24.[5]
yāḥ śaktayo ’nugṛhṇanti aghorās tāḥ śivapradāḥ
Übersetzung: Aghorās heißen jene milden Kräfte, die Gnade schenken, indem sie das Dunkel des Nichtwissens im Leib der gebundenen Seele beseitigen. Sie führen zum Zustand Śivas.
25. Aus den Fesseln gelöst
Original: Siddhayogeśvarīmata 2.25.[5]
sadāśivārpitadhiyo bandhanān mocayanty aṇum
Übersetzung: Diese milden Kräfte bestimmen die Rudras. Sadāśiva hingegeben, befreien die Rudras die einzelne Seele von ihren Fesseln.
26. Durch Śakti gestärkt
Original: Siddhayogeśvarīmata 2.32.[5]
tayaivodbalitāḥ sarvās tāḥ sidhyanti balotkaṭāḥ
Übersetzung: Die gesamte [Schar] der Yogeśvarīs gliedert sich in höhere und niedere Formen. Von derselben Kraft gestärkt, gelangen sie alle zu machtvoller Vollendung.
Die unterstrichene Lesung ist in der Leitquelle als unsicher gekennzeichnet; die vereinfachte Übersetzung hebt diesen Vorbehalt nicht auf.
27. Die Kraft nimmt Lautgestalt an
Original: Siddhayogeśvarīmata 2.33.[5]
triṃśad varṇās tathāṣṭau ca sā vidyāmūrtir iṣyate
Übersetzung: Sie ist die Quelle aller Kräfte, von der die Tantras singen. Dreißig und acht weitere Laute bilden ihre Gestalt als Vidyā.
28. Auch halbe Lautglieder zählen
Original: Siddhayogeśvarīmata 2.34.[6]
kāraṇaṃ sarvasiddhīnāṃ parāparapadaḥ smṛtaḥ
Übersetzung: Hinzu kommen, kurz gesagt, zwei halbe Lautzeichen. Der Wortlaut der Parāparā gilt als Ursache aller Vollendungen.
Erläuterung: Die zwei halben Lautglieder sind zusätzlich zu den 38 Lauten genannt. Die Edition stellt hier die beiden Halbverse gegenüber den Handschriften um.
29. Aparā und Parā
Original: Siddhayogeśvarīmata 2.37.[6]
parā tv ekākṣarā jñeyā sadyaḥpratyayakārikā
Übersetzung: Aparā ist als dreisilbig mit einem zusätzlichen halben Lautglied zu erkennen. Parā ist einsilbig und lässt ihre Wirkung unmittelbar hervortreten.
Erläuterung: Die Silbenangaben beschreiben die besonderen Vidyās. Sie ersetzen keine vollständige Lautanweisung.
30. Die Göttin aller Laute
Original: Siddhayogeśvarīmata 2.38.[6]
sarveṣām eva mantrāṇāṃ vidyānāṃ ca varānane
Übersetzung: Aus sämtlichen Lautzeichen besteht die Göttin, die jede Vollendung schenkt. In allen Mantras und Vidyās, Schöngesichtige,
31. Wirkkraft und Erscheinungsformen
Original: Siddhayogeśvarīmata 2.39.[6]
sā mūrtyaṣṭakasaṃyuktā svapadārthena bhāmini
Übersetzung: wirkt die in ihnen niedergelegte Kraft als Ursache der Vollendung. Ihrem eigenen Wortinhalt entsprechend besitzt sie acht Erscheinungsformen, Strahlende.
32. Glieder und Weltrichtungen
Original: Siddhayogeśvarīmata 2.40.[6]
jñātamātreṇa sā devi sidhyate ca na saṃśayaḥ
Übersetzung: Mit fünf Gliedern versehen und von den Hütern der Weltrichtungen umgeben, gewährt sie Vollendung, sobald sie erkannt ist – so lautet die Gewissheit des Textes, Göttin.
33. Wenn die Kraft den Leib ergreift
Original: Siddhayogeśvarīmata 2.41.[6]
vidyāgaṇaś ca sakalaḥ sarvakāmaphalapradaḥ /
Übersetzung: Wird ihr Uccāra vollzogen, wenden sich die große Schar der Mantras und Mudrās und alle wunscherfüllenden Vidyās dem Übenden zu. Als Zeichen wird sein eigener Leib von der Kraft ergriffen.
Erläuterung: Uccāra bezeichnet hier das Hervorbringen beziehungsweise Entfalten des Mantra. Āveśa ist das Ergriffenwerden durch die göttliche Kraft; der Text meint mehr als eine bloße Idee.
Geste, Licht und innere Verehrung
34. Die Dreizackgeste
Original: Siddhayogeśvarīmata 6.17.[7]
tarjanyānāmimadhyās tu visṛtāḥ śṛṅgarūpiṇīḥ
Übersetzung: Kleiner Finger und Daumen werden auf den Kopf gelegt; die drei anderen bleiben gestreckt. Zeige-, Ring- und Mittelfinger werden gespreizt und bilden die Zacken.
Erläuterung: Die beiden Verse beschreiben die Dreizack-Mudrā innerhalb eines größeren Maṇḍala-Rituals. Sie sind als Geste verständlich; diese Auswahl bildet nicht dessen vollständige Durchführung ab.
35. Die Gestalt des Dreizacks
Original: Siddhayogeśvarīmata 6.18.[7]
trikūṭādri -m- iva jyeṣṭhā śūlamudrā mahābalā
Übersetzung: Diese glückverheißende Dreizack-Mudrā habe ich gelehrt. Der Text nennt sie bei allen Ritualhandlungen wirksam, herausragend wie der Berg Trikūṭa und von großer Kraft.
36. Licht aus allen Lauten
Original: Siddhayogeśvarīmata 6.25.[8]
sphuratsūryāyutaprakhyāṃ dyotayantīm idaṃ jagat
Übersetzung: An der [mittleren] Spitze vergegenwärtige man die schöne Göttin aus allen Lauten. Wie zehntausend leuchtende Sonnen erhellt sie die Welt.
Erläuterung: Die Verse 6.25–29 geben einen abgegrenzten Abschnitt der meditativen Anordnung wieder: die zentrale Göttin und Parā sowie das Herbeirufen und Entlassen der Gottheitenschar. Das vollständige Kapitel enthält weitere Gottheiten und ausgeschlossene Opfergaben. Der Ausschnitt ist keine Ersatzfassung des ganzen Rituals.
37. Parā auf dem Lotus
Original: Siddhayogeśvarīmata 6.26.[8]
karṇikāyāṃ nyased devīṃ parām ekākṣarāṃ śubhām
Übersetzung: Auf die Spitze ihres Haarknotens setze man einen achtblättrigen [Lotus] mit Fruchtboden. Auf dessen Mitte vergegenwärtige man die schöne, einsilbige Göttin Parā,
38. Nektar aus kristallener Klarheit
Original: Siddhayogeśvarīmata 6.27.[8]
āpyāyanakarīṃ devīṃ parāṃ siddhipradāyikām
Übersetzung: gleich reinstem Bergkristall, nach allen Seiten Nektar ausströmend: Parā, die Göttin, die stärkt und Vollendung schenkt.
39. Rufen und Bewahren
Original: Siddhayogeśvarīmata 6.28.[8]
āvāhayed recakena kumbhakena nirodhayet
Übersetzung: Auf dem östlichen und den folgenden Blättern vergegenwärtige man die mit Aghorī beginnende Schar. Ausatmend rufe man sie herbei; durch Anhalten des Atems halte man sie fest.
Erläuterung: Die Reihenfolge lautet ausdrücklich: ausatmen und herbeirufen, anhalten und festhalten, einatmen und entlassen. Der Text nennt hier keine Atemlängen. Eine heutige Atemübung wird daraus nicht ergänzt.
40. Verehrung und Rückkehr
Original: Siddhayogeśvarīmata 6.29.[8]
parabrahmaniveśena pūrakeṇa visarjayet
Übersetzung: Man verehre sie im feinen, ungeteilten Śiva, dessen Gestalt Leuchten ist. Mit dem Einatmen entlasse man sie und lasse sie in das höchste Brahman eingehen.
41. Gegenwart trotz räumlicher Ferne
Original: Siddhayogeśvarīmata 6.49.[9]
vanded ācāryam āsannaṃ dūrasthaṃ dhyānayogataḥ
Übersetzung: Mit allen [Mantra-]Gliedern am eigenen Körper vergegenwärtige man dreimal täglich die Śakti. Den nahen Lehrer grüße man ehrerbietig; ist er fern, verehre man ihn in meditativer Sammlung.
Erläuterung: Die Verpflichtung verbindet körperliche Mantra-Einsetzung, dreimalige tägliche Vergegenwärtigung und Achtung vor dem Lehrer. Die Nachbarverse enthalten weitere historische Regeln und gehören nicht zu dieser Auswahl.
Die unterstrichene Lesung ist in der Leitquelle als unsicher gekennzeichnet; die vereinfachte Übersetzung hebt diesen Vorbehalt nicht auf.
Parā, Nektar und die Herzhöhle

42. Die Frage nach dem Tod
Original: Siddhayogeśvarīmata 11.1.[10]
sūcitaṃ tu tvayā deva tan me brūhi samāsataḥ
Übersetzung: Großer Gott, du hast einen Sieg über den Tod angedeutet, der den Menschen Alter und Tod nimmt. Erkläre ihn mir nun kurz.
Erläuterung: Kapitel 11 wird vollständig aufgenommen. Seine Aussagen über den Sieg über Alter und Tod sind religiöse Verheißungen des Werkes, keine medizinischen Wirkungszusagen.
43. Eine Frage der Götter
Original: Siddhayogeśvarīmata 11.2.[10]
pṛṣṭo caivāsurair devair brahmaśukraiḥ sadānavaiḥ
Übersetzung: Gut, große Göttin, dass du mich dazu aufforderst! Auch Götter und Asuras, Brahmā, Śukra und die Dānavas haben mich danach gefragt.
44. Zum Wohl aller Welten
Original: Siddhayogeśvarīmata 11.3.[10]
mṛtyuṃjayaṃ samāsena kathyamānaṃ śṛṇu priye
Übersetzung: Höre, Geliebte: Zum Wohl aller Welten werde ich kurz den höchsten Sieg über den Tod darlegen, der Alter und Tod aufhebt.
45. Der weiße Lotus im Raum
Original: Siddhayogeśvarīmata 11.4.[10]
dalāṣṭakasamopetaṃ karṇikādhiṣṭhitaṃ sitam
Übersetzung: Vergegenwärtige den Raum als Wohnstätte der Elemente. Schaue darin einen weißen Lotus mit acht Blättern und einem Fruchtboden.
46. Ein Lotus aus Nektar
Original: Siddhayogeśvarīmata 11.5.[10]
sarvāmṛtamayaṃ divyaṃ candrakalpitakarṇikam
Übersetzung: Klar wie Bergkristall und hell wie das Schneeland ist dieser göttliche Lotus ganz aus Nektar gebildet. Sein Fruchtboden ist der Mond.
47. Der entsprechende Lotus auf der Erde
Original: Siddhayogeśvarīmata 11.6.[10]
tasmiṃś caivopaviṣṭas tu samyaṅ nyāsakṛtas tataḥ
Übersetzung: Ebenso schaue einen schönen Lotus auf der Erde, von derselben Gestalt. Auf ihm sitzend vollziehe man die Einsetzung richtig.
Erläuterung: Nyāsa, die „Einsetzung“, gehört zum vorausgesetzten Mantraritual. Der Vers erläutert sie nicht erneut.
48. Der eigene Körper wird klar
Original: Siddhayogeśvarīmata 11.7.[10]
evaṃ vicintya -m- ātmānaṃ paścād dhyānaṃ vicintayet
Übersetzung: Schaue dich selbst schneehell und leuchtend wie reiner Bergkristall. Nach dieser Vergegenwärtigung wende dich der folgenden Meditation zu.
49. Parā als Surabhī
Original: Siddhayogeśvarīmata 11.8.[10]
tatsthaṃ vicintayed devīṃ parāṃ surabhirūpiṇīm
Übersetzung: Auf dem Mond in der Mitte des Raumlotus schaue die Göttin Parā in der Gestalt der Surabhi,
Erläuterung: Surabhi beziehungsweise Surabhī ist die göttliche Kuh. Die folgenden Bilder von Milch und Nektar beschreiben die Meditation; sie sind keine Anweisung zum Verzehr einer Substanz.
50. Nektar und Mantranachklang
Original: Siddhayogeśvarīmata 11.9.[10]
sravantīṃ amṛtaṃ divyaṃ mantranādāntasarpiṇam
Übersetzung: klar wie Bergkristall, ringsum göttlichen Nektar ausströmend, der vom Ende des Mantranachklangs her fließt.
Die unterstrichene Lesung ist in der Leitquelle als unsicher gekennzeichnet; die vereinfachte Übersetzung hebt diesen Vorbehalt nicht auf.
51. Die nährende Kraft
Original: Siddhayogeśvarīmata 11.10.[10]
sā sravantī paraṃ kṣīraṃ yat tat satyaṃ sunirmalam
Übersetzung: Sie ist Parā, die Kraft des Gottes der Götter, die Nektar führt. Sie lässt die höchste Milch fließen, wahr und vollkommen rein.
Die unterstrichene Lesung ist in der Leitquelle als unsicher gekennzeichnet; die vereinfachte Übersetzung hebt diesen Vorbehalt nicht auf.
52. Die Herzhöhle wird erfüllt
Original: Siddhayogeśvarīmata 11.11.[10]
viśad brahmabilenāntaḥ plavayad dhṛdguhāśrayam
Übersetzung: Schaue, wie diese Milch von allen Seiten auf deinen Körper fällt, durch die Brahma-Öffnung nach innen gelangt und die Herzhöhle überflutet.
Erläuterung: Brahmabila ist die Brahma-Öffnung am oberen Ende des Körpers. Die Herzhöhle bezeichnet den inneren Herzraum der Vergegenwärtigung.
Die unterstrichene Lesung ist in der Leitquelle als unsicher gekennzeichnet; die vereinfachte Übersetzung hebt diesen Vorbehalt nicht auf.
53. Beständigkeit der Meditation
Original: Siddhayogeśvarīmata 11.12.[10]
ṣaṇmāsāj jinate mṛtyum iti śāstrasya niścayaḥ
Übersetzung: So soll man täglich meditieren und den allerhöchsten Mantra rezitieren. Die Lehre erklärt mit Gewissheit: Nach sechs Monaten wird der Tod besiegt.
Die Göttin und die Gabe der Rede
54. Woher kommt die dichterische Gabe?
Original: Siddhayogeśvarīmata 12.1.[11]
kavitvaṃ tat kathaṃ deva jāyate sādhakottame
Übersetzung: Erhabener, makelloser Herr des Gottes der Götter: Wie entsteht bei einem vorzüglichen Praktizierenden jene Dichtergabe, von der du gesprochen hast?
Erläuterung: Die Verse 12.1–12 bilden die erste zusammenhängende Meditation dieses Kapitels. Spätere Verfahren und Aussagen über Herrschaft werden nicht mit ausgewählt.
55. Ungeteilt lauschen
Original: Siddhayogeśvarīmata 12.2.[11]
kavitvaṃ jāyate yena taṃ śṛṇuṣvaikamānasī
Übersetzung: Höre, Göttin, das höchste, sorgsam zu bewahrende Geheimnis. Lausche mit ungeteilter Aufmerksamkeit auf das, wodurch dichterische Begabung entsteht.
56. Die Vorbereitung der Meditation
Original: Siddhayogeśvarīmata 12.3.[11]
hutvāgniṃ ca yathānyāyaṃ dhyānaṃ paścāt prayojayet
Übersetzung: Zuerst verehre man die Göttinnen sorgfältig in ihren eigenen Gestalten und bringe das vorgeschriebene Feueropfer dar. Danach beginne man die Meditation.
57. Die Göttin im Raum
Original: Siddhayogeśvarīmata 12.4.[11]
vāmahastaniviṣṭena sarvajñānamayena tu
Übersetzung: Schaue Parā in ihrer eigenen Gestalt auf einem Lotus im Raum. In ihrer linken Hand hält sie das aus allem Wissen bestehende
58. Buch und kristallene Gebetskette
Original: Siddhayogeśvarīmata 12.5.[11]
sphāṭikenākṣasūtreṇa divyena pravareṇa tu
Übersetzung: Buch, Wohlgestaltete; in ihrer rechten Hand eine kostbare göttliche Gebetskette aus Bergkristall.
59. Eine Girlande wie Kadamba-Blütenkugeln
Original: Siddhayogeśvarīmata 12.6.[11]
granthitāṃ divyarūpāṃ tu mālāṃ hi galasaṃsthitām
Übersetzung: An ihrem Hals schaue eine göttlich schöne Girlande. Ihre gereihten Glieder gleichen Kadamba-Kugeln und tragen Reihen aufleuchtender Flammen.
Erläuterung: Kadamba trägt kugelige Blütenstände. Der Text beschreibt keine Lotusgirlande.
60. Im Kadamba-Hain
Original: Siddhayogeśvarīmata 12.7.[11]
sravantīm amṛtaṃ divyaṃ kadambavanamadhyagām
Übersetzung: Die Girlande reicht bis zu ihren Füßen und strahlt ringsum wie Bergkristall. Schaue die Göttin im Kadamba-Hain, wie sie göttlichen Nektar ausströmt.
61. Wissen als Nektarstrom
Original: Siddhayogeśvarīmata 12.8.[11]
mukhe svake viśad dhyāyet tadrūpaṃ caiva -m- ātmanaḥ
Übersetzung: Schaue, wie sie in mächtigen Fluten Nektar aus allem Wissen hervorbringt. Er tritt in den eigenen Mund ein; auch die eigene Gestalt gleicht ihm.
62. Aus dem eigenen Mund
Original: Siddhayogeśvarīmata 12.9.[11]
oghaś caiva tu śāstrāṇāṃ cintayet sādhakottamaḥ
Übersetzung: Danach vergegenwärtige der vorzügliche Praktizierende, wie aus seinem eigenen Mund Nektar und ein gewaltiger Strom von Lehrschriften hervorgehen.
63. Die verheißene Dichtergabe
Original: Siddhayogeśvarīmata 12.10.[11]
kavitvaṃ māsamātreṇa sālaṅkāramanoharam
Übersetzung: So soll man meditieren. Nach einem Monat entsteht dem Text zufolge eine ansprechende Dichtergabe mit kunstvollem sprachlichem Schmuck.
64. Die Schriften liegen offen
Original: Siddhayogeśvarīmata 12.11.[11]
ṣaḍbhir māsaiḥ svayaṃ kartā śāstrāṇāṃ jāyate tu saḥ /
Übersetzung: Gewiss vermag er alle Gegenstände darzulegen, Göttin. Nach sechs Monaten verfasst er selbst Lehrschriften und kennt sie so deutlich wie eine Āmalaka-Frucht in seiner Hand.
Erläuterung: Eine Āmalaka-Frucht auf der Hand ist das Bild eines klar und unmittelbar überschaubaren Gegenstands. Die genannten Zeiten und Fähigkeiten bleiben Aussagen des historischen Textes.
Die unterstrichene Lesung ist in der Leitquelle als unsicher gekennzeichnet; die vereinfachte Übersetzung hebt diesen Vorbehalt nicht auf.
65. Wortlaut und Sinn
Original: Siddhayogeśvarīmata 12.12.[11]
tat sarvaṃ tasya deveśi granthataś cārthato ’pi vā
Übersetzung: Alles Sprachliche in der Welt und alles, was als wissenswert gilt, wird ihm zugänglich, Herrin der Götter: sowohl der Wortlaut als auch sein Sinn.
Die unterstrichene Lesung ist in der Leitquelle als unsicher gekennzeichnet; die vereinfachte Übersetzung hebt diesen Vorbehalt nicht auf.
Bhairavas Körper aus Lauten
66. Mātṛkā als Wunschstein
Original: Siddhayogeśvarīmata 16.9.[12]
tathaiva mātṛkā loke vāñchitārthaprasādhikā
Übersetzung: Wie ein Wunschstein das gedanklich Ersehnte schenkt, so lässt Mātṛkā in der Welt das Gewünschte Wirklichkeit werden.
Erläuterung: Die Verse 16.9–26 entfalten Mātṛkā als den Lautkörper Bhairavas. Das folgende, gesonderte Ritual mit Blutgaben wird nicht aufgenommen. Die Körperzuordnung kann als Gegenstand der Meditation studiert werden, ohne eine vollständige Durchführung jenes Rituals zu behaupten.
67. Von der Kraft zur Gestalt Bhairavas
Original: Siddhayogeśvarīmata 16.10.[12]
idānīm uttare tantre khyāpyate bhairavaṃ yathā
Übersetzung: Zuvor wurde sie als Śakti gelehrt, Wohlgestaltete. Im anschließenden Tantra wird nun erklärt, wie sie als Bhairava
68. Die Ursache der Vollendung
Original: Siddhayogeśvarīmata 16.11.[12]
śiro yat tasya deveśi salalāṭaṃ japed yutam
Übersetzung: gegenwärtig ist, Herrin der Stadt, als Ursache aller Vollendungen. Sein Haupt, mit der Stirn verbunden, soll man rezitieren, Herrin der Götter.
69. Punkt, Nachklang und Stirn
Original: Siddhayogeśvarīmata 16.12.[12]
sānusvāraṃ tathaivaṃ ca bhairavaṃ yoginīmate
Übersetzung: Am Kopf vergegenwärtige man Bindu und Nāda, an der Stirn aṃ. So schaue man nach der Lehre der Yoginīs Bhairava mit dem Anusvāra.
Erläuterung: Bindu bedeutet Punkt beziehungsweise Nasalierung, Nāda Nachklang; Anusvāra ist das Zeichen ṃ. Hier steht ausdrücklich aṃ, nicht oṃ.
70. Nase, Mund und Zunge
Original: Siddhayogeśvarīmata 16.13.[12]
visargaḥ kīrtitā jihvā paramāmṛtalolupā
Übersetzung: Im Laut a ist die Nase gegenwärtig; ā bildet den schönen Mund. Die nach höchstem Nektar verlangende Zunge heißt Visarga.
Erläuterung: Visarga ist der nachgestellte Hauchlaut ḥ. Die Buchstaben sind hier Bestandteile des göttlichen Lautkörpers, nicht jeweils frei verwendbare Einzelmantras.
71. Die Augen als Laute
Original: Siddhayogeśvarīmata 16.14.[12]
u ū nāsāpuṭas te ca devadevasya suvrate
Übersetzung: I und ī bilden der Reihe nach die beiden Augen, Schöngesichtige; u und ū die Nasenöffnungen des Gottes der Götter, du den guten Gelübden Getreue.
72. Ein Gesicht aus Vokalen
Original: Siddhayogeśvarīmata 16.15.[13]
o au oṣṭhau tu devasya e ai daśanapaṅktayaḥ
Übersetzung: Ṛ und ṝ bilden seine Wangen, ḷ und ḹ seine Ohren. O und au sind die Lippen, e und ai die Zahnreihen des Gottes.
73. Der Körper aus Göttinnen
Original: Siddhayogeśvarīmata 16.16.[13]
tato devīmayaṃ paścāc charīraṃ bhairavasya tu
Übersetzung: So bilde man Bhairavas Gesicht aus seinen eigenen Kräften. Darauf folgt sein Körper, der aus Göttinnen besteht.
74. Die acht Mütter der Welt
Original: Siddhayogeśvarīmata 16.17.[13]
brahmāṇīm ādikāṃ kṛtvā aghoreśyantataḥ priye
Übersetzung: In den Lautgruppen von ka an stehen acht Mütter der Welt: von Brahmāṇī bis Aghoreśī, Geliebte,
75. Von der Schulter bis zum Zorn
Original: Siddhayogeśvarīmata 16.18.[13]
dakṣagrīvā ca saṃyuktaṃ kavarṇaṃ parikīrtitam
Übersetzung: beginnend an der rechten Schulter bis zu dem, was als Zorn des Herrn bezeichnet wird. Ka gehört zur rechten Halsseite samt der Schulter.
Erläuterung: „Bis zum Zorn“ greift auf den späteren Abschluss der Lautkörperbeschreibung voraus; 16.29 ordnet kṣa dem Zorn zu. Dieser beschädigte Vers wird nicht in die Auswahl aufgenommen.
76. Die rechte Hand
Original: Siddhayogeśvarīmata 16.19.[13]
ghakāro ’ṅgulayaḥ sarvā ṅakāras tu nakhāḥ smṛtāḥ
Übersetzung: Kha bildet den Arm, ga die rechte Hand. Gha sind ihre Finger, ṅa ihre Nägel.
77. Die linke Seite beginnt
Original: Siddhayogeśvarīmata 16.20.[13]
grīvā ca skandhanihitā cakāraṃ vāmasaṃjñitam
Übersetzung: Damit ist die ka-Gruppe in ihrer Folge beschrieben, schöne Göttin. Ca bezeichnet links die mit der Schulter verbundene Halsseite.
Die unterstrichene Lesung ist in der Leitquelle als unsicher gekennzeichnet; die vereinfachte Übersetzung hebt diesen Vorbehalt nicht auf.
78. Die linke Hand
Original: Siddhayogeśvarīmata 16.21.[13]
jhakāro ’ṅgulayaḥ sarvā ñakāras tu nakhāḥ smṛtāḥ
Übersetzung: Cha ist der [linke] Arm, ja die Hand. Jha bildet alle Finger, ña die Nägel.
79. Der rechte Fuß
Original: Siddhayogeśvarīmata 16.22.[13]
ḍakāraṃ dakṣiṇaṃ pādaṃ ḍhakāro ’ṅgulyas tathā
Übersetzung: Ṭa bildet das Gesäß und ṭha den Unterschenkel. Ḍa ist der rechte Fuß; ḍha sind seine Zehen.
Erläuterung: Die rechte Zuordnung wird aus der Folge bis 16.23 deutlich. Im Vers steht „Unterschenkel“; daraus wird kein Oberschenkel gemacht.
80. Der Übergang nach links
Original: Siddhayogeśvarīmata 16.23.[13]
vāmaṃ nitambabhāgaṃ tu jaṅghā pādas tathaiva ca
Übersetzung: Ṇa bildet alle Nägel des rechten Fußes. Den linken Gesäßbereich, Unterschenkel und Fuß,
81. Die Folge der ta-Gruppe
Original: Siddhayogeśvarīmata 16.24.[13]
vāmaṃ nitambaṃ ca gataṃ takāraṃ parikīrtitam
Übersetzung: die Zehen und die Nägel bilde man der Reihe nach mit der ta-Gruppe. Ta wird dem linken Gesäß zugeordnet.
82. Der linke Fuß
Original: Siddhayogeśvarīmata 16.25.[13]
dhakāro ’ṅgulakāḥ sarvā na nakhāḥ parikīrtitāḥ
Übersetzung: Tha ist sein Unterschenkel, Herrin der Götter; da der linke Fuß. Dha bildet die Zehen, na die Nägel.
83. Seiten, Rücken und Bauch
Original: Siddhayogeśvarīmata 16.26.[13]
bakāraṃ pṛṣṭham ity uktaṃ bhakāraṃ jaṭharaṃ smṛtam
Übersetzung: Pa bildet die rechte, pha die linke Körperseite. Ba ist der Rücken und bha der Bauch.
84. Schöpfung und Auflösung
Original: Siddhayogeśvarīmata 16.30.[14]
bhairavasya sthitā devi sṛṣṭisaṃhārakārikāḥ
Übersetzung: So sind die Mātṛkās kurz beschrieben: Im ganzen Leib Bhairavas gegenwärtig, bewirken sie Schöpfung und Auflösung, Göttin.
Erläuterung: Die Verse 16.30–31 schließen die gesamte Lautkörperbeschreibung ab. Dazwischenliegende Körperstoff-Zuordnungen und die beschädigte Stelle 16.29 bleiben im Hauptartikel zugänglich.
85. Die Glieder werden göttlich
Original: Siddhayogeśvarīmata 16.31.[14]
sakalīkaraṇaṃ devi kathitaṃ sarvasiddhidam
Übersetzung: Zu deiner Freude, schöne Göttin, lehrt das Siddhayogeśvarītantra diese Ausstattung mit sämtlichen Gliedern, die alle Vollendungen schenkt.
Menschliche und göttliche Yoginīs
86. Menschliche und göttliche Yoginīs
Original: Siddhayogeśvarīmata 22.5.[15]
mānuṣyāḥ kulajāḥ proktās teṣāṃ śṛṇu kulodgatim /
Übersetzung: Zwei Arten von Yoginīs werden unterschieden: die aus einer Zugehörigkeitslinie und die Gottheiten. Die ersteren sind menschlich. Höre ihre Herkunft: Diese Anführerinnen können aus Brahmanen-, Kṣatriya-, Vaiśya- oder Śūdra-Familien stammen.
Erläuterung: Der Vers unterscheidet menschliche und göttliche Yoginīs und nennt die vier Varṇas. Das ist eine Aussage des Textes über Zugehörigkeit, kein Nachweis für die tatsächliche Sozialordnung aller historischen Gemeinschaften.
Staunen, Sādhana und Verwirklichung
87. Staunen vor Śiva
Original: Siddhayogeśvarīmata 29.1.[16]
paraṃ vismayam āpannā śivasya purataḥ sthitā
Übersetzung: Freudig stand die Göttin vor Śiva. Vor Ergriffenheit waren ihre Körperhärchen aufgerichtet, und sie war voller Staunen.
Erläuterung: Die Verse 29.1–8 eröffnen eine neue Frage nach Praxis und Verwirklichung. Die später aufgezählten Formen von Beherrschung gehören nicht zur Auswahl.
88. Mit vereinten Händen
Original: Siddhayogeśvarīmata 29.2.[16]
trividhā hi tvayā deva siddhiḥ saṃsūcitā kramāt
Übersetzung: Immer wieder verneigte sie sich und legte die Hände zusammen. Dann sagte sie: Gott, der Reihe nach hast du drei Arten der Verwirklichung angedeutet.
89. Das Verlangen zu verstehen
Original: Siddhayogeśvarīmata 29.3.[16]
sādhanaṃ kīdṛśaṃ tasmin siddhayogeśvarīmate
Übersetzung: Erkläre es mir, großer Gott! Mein Wunsch zu verstehen ist groß: Wie sieht die Sādhana in diesem Siddhayogeśvarīmata aus?
90. Die Schwestern erkennen
Original: Siddhayogeśvarīmata 29.4.[16]
sādhakā yena jānanti bhaginyo vīramātaraḥ
Übersetzung: Wie lassen sich jene Yoginīs unterscheiden, großer Herr? Woran erkennen die Praktizierenden die Schwestern, die Mütter der Vīras?
91. Namen und Erscheinungsweisen
Original: Siddhayogeśvarīmata 29.5.[16]
tāni sarvāṇi deveśa kathayasva pināki me
Übersetzung: Verkünde mir alle Namen der Yoginī-Herrscherinnen und ihre erkennbaren Erscheinungen, Herr der Götter, Träger des Pināka.
92. Fünf Seiten der Sādhana
Original: Siddhayogeśvarīmata 29.6.[16]
sādhanaṃ sarvatantreṣu siddhidaṃ pañcadhā priye
Übersetzung: Śakti steht am Anfang; dann folgen Meditation, Verehrung, Rezitation und Feueropfer. So ist die Verwirklichung schenkende Sādhana in allen Tantras fünffach, Geliebte.
Erläuterung: Der Wortlaut nennt vier Praxisformen und Śakti an ihrem Anfang; daraus ergibt sich die Fünfzahl. Er enthält keine zusätzlichen fünf Atemstufen.
Die unterstrichene Lesung ist in der Leitquelle als unsicher gekennzeichnet; die vereinfachte Übersetzung hebt diesen Vorbehalt nicht auf.
93. Praxis in einer überlieferten Ordnung
Original: Siddhayogeśvarīmata 29.7.[16]
icchāphalaṃ pradāyanti tantrācārāvirodhataḥ
Übersetzung: Durch Sādhana verehrt, schenken Mantra und Vidyā die gewünschte Frucht, Ruhmreiche, wenn die Praxis der tantrischen Ordnung nicht widerspricht.
94. Die höchste Verwirklichung
Original: Siddhayogeśvarīmata 29.8.[16]
aṇimādiguṇāvāptir mokṣaś caivottamāḥ smṛtāḥ
Übersetzung: Verwirklichung ist dreifach: hoch, niedrig und mittel. Als höchste gelten die Befreiung und Fähigkeiten wie das Winzigwerden.
Erläuterung: Der Text führt danach mittlere und niedrigere Siddhis auf. Die höchste Klasse verbindet hier ausdrücklich außergewöhnliche Fähigkeiten mit Mokṣa, Befreiung.
95. Die Quelle der Vidyās
Original: Siddhayogeśvarīmata 29.14.[17]
rudraśaktiḥ samākhyātā mātṛkā sakalākṣikā
Übersetzung: Als höchste Quelle der Vidyās nennt das Siddhayogeśvarīmata Rudras Śakti: Mātṛkā, die sämtliche Buchstaben umfasst.
Eine Begegnung mit der Yoginī
96. Eine ungewöhnliche Erscheinung
Original: Siddhayogeśvarīmata 30.1.[18]
uttānavivalākṣī ca piṅgalogrordhvakeśinī
Übersetzung: Nun beschreibe ich eine besondere Yoginī, die Verwirklichung schenkt: Ihre weit geöffneten Augen rollen; ihr gelbbraunes Haar steht furchterregend empor.
Erläuterung: Die Verse 30.1–4 beschreiben eine besondere Begegnung. Sie sind keine heutige Methode, reale Frauen anhand ihrer äußeren Merkmale einzuordnen.
97. Das Lächeln der Yoginī
Original: Siddhayogeśvarīmata 30.2.[18]
īdṛśaṃ yasya rūpaṃ ca sā jñeyā tridaśādhipā
Übersetzung: Ihre Zähne leuchten wie Mondlicht; schön ist ihre Gestalt und lieblich ihr Lächeln. Wer so erscheint, ist als Herrin der Götter zu erkennen.
98. Die Geste der Verehrung
Original: Siddhayogeśvarīmata 30.3.[18]
dvābhyāṃ caiva karābhyāṃ ca agrapādau tu saṃspṛśet
Übersetzung: Sieht der Kundige sie, zeige er sogleich die Geste: Mit beiden Händen berühre er ihre Fußspitzen.
99. Die Antwort der Yoginī
Original: Siddhayogeśvarīmata 30.4.[18]
sā tu saṃbhāṣaṇād devi siddhadravyaṃ prayacchati
Übersetzung: Sie berührt [ihn] am Kopf und nennt [ihn] einen großen Yogin. In der Begegnung im Gespräch schenkt sie, Göttin, die vollkommene Substanz.
Erläuterung: Saṃbhāṣaṇa heißt Gespräch oder Begegnung. Törzsök deutet den Zusammenhang körperlich sexuell und siddhadravya als vereinigte Sexualflüssigkeiten. Diese Deutung bleibt ausdrücklich eine Auslegung; die Substanz wird nicht zu einer bloßen Segensmetapher gemacht. Der Vers enthält keine Verzehranweisung.
Bhairavas Lachen und das Rad der Laute

100. Die sechzehn Kalās
Original: Siddhayogeśvarīmata 31.1.[19]
nādyāpi mama deveśa sadbhāvenādhigacchati
Übersetzung: Herr der Götter, noch verstehe ich nicht wahrhaft, wie die sechzehn Kalās in die Nabe des Rades eingesetzt werden.
Erläuterung: Die Verse 31.1–7 bilden eine zusammenhängende Frage und Antwort über das Rad. Die nichtmetrische Lautliste 31.8 wird nicht als zusätzlicher Vers gezählt; sie steht im Hauptartikel.
101. Ein Lachen erschüttert die Welten
Original: Siddhayogeśvarīmata 31.2.[19]
trailokyaṃ kṣobhitaṃ tena kampitā ca vasuṃdharā
Übersetzung: Da ließ der dreizacktragende Gott der Götter ein mächtiges Gelächter hören. Die drei Welten wurden erschüttert, und die Erde bebte.
102. Das Herz wird erfüllt
Original: Siddhayogeśvarīmata 31.3.[19]
pūritaṃ hṛdayaṃ deva hāsenānena śaṅkara
Übersetzung: Warum hast du gelacht, Gott mit dem mondgezeichneten Hauptschmuck? Śaṅkara, dein Lachen hat mein Herz erfüllt.
103. Die Erinnerung Bhairavas
Original: Siddhayogeśvarīmata 31.4.[19]
hasitaṃ tena kāryena bhairavaṃ bhairavapriye
Übersetzung: Gut, große Herrin, dass du mich daran erinnert hast! Deshalb habe ich dieses furchterregende Lachen ausgestoßen, Geliebte Bhairavas.
104. Mit ganzem Herzen hören
Original: Siddhayogeśvarīmata 31.5.[19]
yena pūryanti kāryāṇi kalābhir bhairavasya tu /
Übersetzung: Höre mit ungeteilter Aufmerksamkeit, Gute. Ich werde kurz erklären, wie Bhairavas Kalās die Aufgaben der gesamten Überlieferungsströmung erfüllen, die hunderttausend Versfüße umfasst.
Erläuterung: Lakṣapāda bezeichnet hunderttausend Versfüße. Diese mythische Umfangsangabe ist nicht die Verszahl der erhaltenen Kurzfassung.
105. Das Spiel der Kalās
Original: Siddhayogeśvarīmata 31.6.[19]
ṣoḍaśasvarasaṃyuktaṃ praṇavādinamontakam
Übersetzung: Herrin der Götter, überall auf der Erde spiele ich mit den Kalās. [Der Mantra] enthält sechzehn Vokale, beginnt mit Praṇava und endet mit namas.
Erläuterung: Praṇava bezeichnet hier den Eingangslaut; die gesamte Formel wird in diesem Vers nicht vollständig ausgeschrieben. Es wird kein modernes Haṃsa-Atemmantra ergänzt.
106. Haṃsa in der Mitte des Rades
Original: Siddhayogeśvarīmata 31.7.[19]
kalāṣoḍaśakaṃ devi kesareṣu niyojayet
Übersetzung: Setze Haṃsa, den Herrn, in die Nabe des Rades, Göttin. Die sechzehn Kalās ordne auf seinen Staubfäden an.
Erläuterung: Kesara sind die Staubfäden des Lotus, nicht seine Blütenblätter. Haṃsa bezeichnet den Herrn in der Mitte.
107. Lautlos und aus Lauten
Original: Siddhayogeśvarīmata 31.11.[19]
yathā carati sarvatra avarṇo varṇavigrahaḥ
Übersetzung: Doch sie wissen nicht, Göttin, wie der König der Laute überall wirkt: ohne Laut und dennoch mit einem Leib aus Lauten, große Herrin.
Erläuterung: Der Wortlaut ist als eigenständiger Satz verständlich. Die vorausgehende, teilweise beschädigte Erklärung des „Erwachens der Mantras“ bleibt im Hauptartikel sichtbar.
Die Lehre als Gnadengabe
108. Die Lehre als Gnadengabe
Original: Siddhayogeśvarīmata 32.4.[20]
tena tantram idaṃ devi rudraśaktyābhipūjitam
Übersetzung: Das Siddhayogeśvarītantra bringt allen Gnade. Deshalb, Göttin, wird diese Lehre von Rudras Śakti hoch verehrt.
Mantras aus dem Siddhayogeśvarīmata
Die folgende Sammlung umfasst zehn geeignete, vollständig lesbare Rezitationseinträge innerhalb der genau ausgewiesenen Teilausgabe: zwei Eingangsverehrungen, den ausdrücklich zur Rezitation genannten Praṇava, zwei Vidyās, vier sichere Gliedmantras und eine Gruppe von drei Lobpreisversen. Verschlüsselte Lautangaben werden nur mit angegebenem Schlüssel aufgelöst. Diese Darstellung ist keine neue Initiationsüberlieferung. Einige Formeln gehören zu einem mehrgliedrigen Ritualrahmen; die betreffenden Voraussetzungen werden beim Eintrag genannt.
IAST ṃ bezeichnet Anusvāra (ं), ḥ Visarga (ः). Lange Vokale bleiben erhalten. Oṃ wird in Devanagari durch ॐ wiedergegeben. Für diese zehn Einträge ist kein Chandrabindu anstelle von Anusvāra belegt. Ein vertrauter Bīja wird nicht an die Stelle der tatsächlich gedruckten Lautfolge gesetzt.
1. Eingangsverehrung für Gaṇeśa
Verehrungssatz
Bedeutung: Verehrung dem erhabenen Gaṇeśa.
Bezug: Gaṇeśa
Funktion im Text: Verehrung am Eingang der Handschrift D; der Satz nennt keine besondere Wirkung.
Rezitation und Kontext: Der überlieferte Wortlaut beginnt mit śrī. Ein zusätzliches oṃ wird nicht eingesetzt. Es ist keine Wiederholungszahl angegeben.
Fundstelle: Eingangsverehrung – vor 1.1, Handschrift D. T1999 S.1, Apparat0: ausdrücklich unnummerierter Eingang von D; PDF92 erneut bildgeprüft.[2]
2. Eingangsverehrung für Mahābhairava
Verehrungssatz
Bedeutung: Oṃ, Verehrung dem großen Bhairava.
Bezug: Mahābhairava
Funktion im Text: Zweiter Verehrungssatz am Eingang von D; keine gesonderte Wirkung behauptet.
Rezitation und Kontext: Der Satz enthält oṃ und namo. Er ist vollständig; weitere Endsilben oder Wiederholungszahlen sind nicht überliefert.
Fundstelle: Eingangsverehrung – vor 1.1, Handschrift D. T1999 S.1, Apparat0; PDF92. Nicht mit einer modernen Standardformel ergänzt.[2]
3. Praṇava
Mantra; aufgelöster Name
Bedeutung: Der heilige Laut Praṇava; keine erfundene wörtliche Übersetzung der Silbe.
Bezug: Die geheime Mantralehre und ihre Verehrung
Funktion im Text: 32.1 nennt die Rezitation des Praṇava im Zusammenhang mit der Reinigung von Verfehlungen; 32.1–3 entfalten diese Verheißung.
Rezitation und Kontext: Die Lautgestalt ist durch das ausdrücklich genannte om in4.3 und den mit Praṇava bezeichneten Eingang der folgenden Formeln begründet. Keine besondere Wiederholungszahl ist an32.1 genannt. Die Wirkungsaussage ist diejenige des Textes.
Fundstelle: 32.1; 4.3. Auflösung des Namens anhand4.3–8; selbstständige Rezitation in32.1, nicht lediglich Herauslösen aus einer längeren Formel.[21]
4. Parā-Vidyā
Einsilbige Vidyā; entschlüsselte Lautangabe
Bedeutung: Keimlaut der Göttin Parā. Der Laut besitzt keine gewöhnliche Satzbedeutung.
Bezug: Parā, die höchste Śakti
Funktion im Text: 3.47–50 verbinden diese Vidyā mit Verwirklichung, erkennbarer göttlicher Gegenwart und dem Ergriffenwerden durch Mutterkräfte.
Rezitation und Kontext: Die Quelle setzt ausdrücklich Einweihung, Schülerschaft und Übergabe durch einen zufriedengestellten Guru voraus (3.44–46). Der Laut endet auf Visarga ḥ, nicht auf Anusvāra ṃ. Die in3.47 genannte Siebentagesfrist ist eine Textverheißung, keine hier empfohlene Übungsdauer.
Fundstelle: 3.15; 3.17; 3.46; 3.47; 3.48; 3.50. 3.15: „Selbst“=saḥ;3.17: linker Unterschenkel=au;3.46 verbindet beide zu sauḥ. T1999 S.116 Anm.20/PDF213 bestätigt die Auflösung ausdrücklich; Seitenbilder99,102,213 kontrolliert.[22]
5. Aparā-Vidyā
Vidyā; entschlüsselte Lautangabe
Bedeutung: Lautgestalt Aparās; keine künstliche Wortübersetzung der Keim- und Abschlusssilben.
Bezug: Aparā, die machtvolle Kraft Rudras
Funktion im Text: 3.40–43 bezeichnen sie als wunscherfüllende Vidyā und schreiben beständige, sorgfältige Rezitation vor.
Rezitation und Kontext: Im überlieferten Mantrasystem für Eingeweihte steht diese Vidyā neben Parā und Parāparā. Hrīḥ endet mit Visarga; hūṃ enthält langes ū und Anusvāra. Die Formel hat kein vorangestelltes oṃ. Es werden keine Atemzahlen ergänzt.
Fundstelle: 3.40; 3.41; 3.42; 3.43. 3.40–42 mit Lautschlüssel3.7–18; T1999 S.116 Anm.17/PDF213 bestätigt exakt hrīḥ hūṃ phaṭ. Die selbstständige Rezitationsanweisung3.43 ist von späteren besonderen Aparā-Ritualen zu unterscheiden.[23]
6. Herzmantra der Kräfte
Gliedmantra: Hṛdaya
Bedeutung: Fünfmal Oṃ; Verehrung dem Herzen.
Bezug: Das Herz der Śaktis
Funktion im Text: 4.3 nennt ihn das höchste Herz der Kräfte;4.1 ordnet die Gliedmantras dem Schutz des Mantrakundigen zu.
Rezitation und Kontext: Die fünf oṃ gehören zur vollständigen Formel. Das ist keine Empfehlung, eine verkürzte Formel fünfmal zu wiederholen. Der Herzmantra ist ein Glied des überlieferten Ritualsystems.
Fundstelle: 4.2; 4.3. 4.2cd: rechter Unterschenkel(o)+Bindu(ṃ), fünfmal;4.3ab fügt hṛdayāya und namaḥ hinzu. Die Crux4.2ab betrifft die Einleitungszeile, nicht diese Lautanweisung. T1999 S.12/PDF103; Kontrolle S.118/PDF215.[24]
7. Hauptmantra
Gliedmantra: Śiras
Bedeutung: Oṃ, Unsterbliche, du mit der Girlande aus Licht: Svāhā!
Bezug: Die Śakti als Unsterbliche und Trägerin einer Lichtgirlande
Funktion im Text: Der Text nennt ihn den elf Silben umfassenden Hauptmantra innerhalb der schützenden Gliedmantras.
Rezitation und Kontext: Svāhā ist die überlieferte rituelle Schlussformel. Der Wortlaut wird aus4.3cd–4.4 zusammengefügt; ihm wird kein weiteres namaḥ angehängt.
Fundstelle: 4.3; 4.4. Wörter in4.3cd–4.4 ausdrücklich in Reihenfolge genannt;11Silben. PDF103 erneut bildgeprüft.[24]
8. Panzermantra
Gliedmantra: Varman
Bedeutung: Oṃ, dem Vajra-Träger, dem Halter des Vajra: Svāhā!
Bezug: Die schützende Mantragestalt des Vajra-Trägers
Funktion im Text: 4.6–7ab nennen den Panzer und seine elf Silben. Die besondere Wirkungsformulierung in4.7ab ist unsicher; daraus wird kein gesondertes Versprechen abgeleitet.
Rezitation und Kontext: Praṇava am Anfang und svāhā am Ende sind ausdrücklich vorgeschrieben. Varman bedeutet Panzer beziehungsweise Schutzgewand; die Formel gehört zum Gliedmantra-Ritual.
Fundstelle: 4.6; 4.7. 4.6 nennt vajriṇe und vajradharāya mit Anfang und Ende;4.7ab bestätigt11Silben. PDF103.[24]
9. Waffenmantra zum Schutz des Körpers
Gliedmantra: Astra
Bedeutung: Eine rituelle Lautformel. Paśu bedeutet „gebundenes Wesen“; ślī, hūṃ und phaṭ werden nicht zu einem erfundenen deutschen Satz ergänzt.
Bezug: Astra, das schützende Waffenglied des Mantrasystems
Funktion im Text: 4.8 nennt sechs Silben und die Stärkung des eigenen Körpers;4.1 stellt den Schutz vor Hindernissen voran.
Rezitation und Kontext: Ślī hat langes ī und kein Nasalierungszeichen. Hūṃ hat langes ū. Die Aufnahme betrifft die im Text benannte Schutzfunktion; eine schädigende Anwendung wird nicht angeleitet.
Fundstelle: 4.7; 4.8. 4.7cd nennt ślī, paśu, hūṃ und phaṭ;4.8 nennt die Verbindung mit Praṇava und6Silben. Keine Übernahme abweichender Formen aus Paralleltexten. PDF103.[24]
10. Drei Verse zum Preis der Lehre
Lobpreisverse, kein technischer Bīja-Mantra
तेन तन्त्रम् इदं देवि रुद्रशक्त्याभिपूजितम् ॥
सिद्धयोगेश्वरं तन्त्रं विद्यापीठं यशस्विनि ।
सारभूतं समाख्यातम् एतत् ते वीरवन्दितम् ॥
नानेन सदृशं ज्ञानं नानेन सदृशं फलम् ।
tena tantram idaṃ devi rudraśaktyābhipūjitam //
siddhayogeśvaraṃ tantraṃ vidyāpīṭhaṃ yaśasvini /
sārabhūtaṃ samākhyātam etat te vīravanditam //
nānena sadṛśaṃ jñānaṃ nānena sadṛśaṃ phalam /
Bedeutung: Das Siddhayogeśvarītantra wirkt die Begnadung aller. Deshalb wird dieses Tantra, Göttin, von Rudras Śakti hoch verehrt.
Das Siddhayogeśvara-Tantra, Ruhmreiche, der Sitz der Vidyās, ist dir als das Wesenhafte gelehrt worden und wird von den Vīras verehrt.
Kein Wissen gleicht diesem, keine Frucht gleicht dieser. Von Bhairava wurde das Tantra des selbstbestimmten Bhairava durch Bhairavī empfangen.
Bezug: Siddhayogeśvarītantra, Rudras Śakti, Bhairava und Bhairavī
Funktion im Text: Die Verse preisen die Lehre als Gnadengabe, als Sitz der Vidyās und als von Bhairavī empfangene Offenbarung.
Rezitation und Kontext: Es sind drei ungekürzte, syntaktisch verständliche Strophen aus Kapitel32, kein als vollständig behaupteter Lobpreiszyklus. Die Angabe als Lobpreis begründet keine besondere technische Mantrawirkung und keine feste Wiederholungszahl.
Fundstelle: 32.4; 32.5; 32.6. Sanskrit und Hauptübersetzungen unverändert aus32.4–6;T1999 S.61/PDF154; keine Zusatzsilbe.[20]
Ergänzendes Yoga-Vidya-Video: Anahata-Chakra-Meditation mit Sukadev. Das Video zeigt einen heutigen Zugang und ist keine Rekonstruktion des Siddhayogeśvarīmata.
Ergänzendes Yoga-Vidya-Video: Licht-Meditation mit Sukadev. Das Video zeigt einen heutigen Zugang und ist keine Rekonstruktion des Siddhayogeśvarīmata.
Siehe auch
Weitere Seiten dieser Ausgabe: Hauptartikel mit Übersetzung · Sanskrit in Devanagari
Literatur
- Judit Törzsök: The Doctrine of Magic Female Spirits. A Critical Edition of Selected Chapters of the Siddhayogeśvarīmata(tantra) with Annotated Translation and Analysis, DPhil-Dissertation, University of Oxford, 1999. Benutztes vollständiges Digitalisat: 353 PDF-Seiten; Edition S. 1–61, zusätzliche Textanhänge S. 186–236.
Einzelnachweise
- ↑ Judit Törzsök: The Doctrine of Magic Female Spirits. A Critical Edition of Selected Chapters of the Siddhayogeśvarīmata(tantra) with Annotated Translation and Analysis, DPhil-Dissertation, University of Oxford, 1999. Benutztes vollständiges Digitalisat: 353 PDF-Seiten; Edition S. 1–61, zusätzliche Textanhänge S. 186–236.
- ↑ 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 2,10 2,11 Judit Törzsök 1999, S. 1 (PDF 92). Bibliografische Angaben im Literaturverzeichnis.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 3,7 Judit Törzsök 1999, S. 2 (PDF 93). Bibliografische Angaben im Literaturverzeichnis.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 Judit Törzsök 1999, S. 4 (PDF 95). Bibliografische Angaben im Literaturverzeichnis.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 Judit Törzsök 1999, S. 5 (PDF 96). Bibliografische Angaben im Literaturverzeichnis.
- ↑ 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 6,5 Judit Törzsök 1999, S. 6 (PDF 97). Bibliografische Angaben im Literaturverzeichnis.
- ↑ 7,0 7,1 Judit Törzsök 1999, S. 15 (PDF 106). Bibliografische Angaben im Literaturverzeichnis.
- ↑ 8,0 8,1 8,2 8,3 8,4 Judit Törzsök 1999, S. 16 (PDF 107). Bibliografische Angaben im Literaturverzeichnis.
- ↑ Judit Törzsök 1999, S. 18 (PDF 109). Bibliografische Angaben im Literaturverzeichnis.
- ↑ 10,00 10,01 10,02 10,03 10,04 10,05 10,06 10,07 10,08 10,09 10,10 10,11 Judit Törzsök 1999, S. 30 (PDF 121). Bibliografische Angaben im Literaturverzeichnis.
- ↑ 11,00 11,01 11,02 11,03 11,04 11,05 11,06 11,07 11,08 11,09 11,10 11,11 Judit Törzsök 1999, S. 31 (PDF 122, 123). Bibliografische Angaben im Literaturverzeichnis.
- ↑ 12,0 12,1 12,2 12,3 12,4 12,5 Judit Törzsök 1999, S. 37 (PDF 129). Bibliografische Angaben im Literaturverzeichnis.
- ↑ 13,00 13,01 13,02 13,03 13,04 13,05 13,06 13,07 13,08 13,09 13,10 13,11 Judit Törzsök 1999, S. 38 (PDF 130). Bibliografische Angaben im Literaturverzeichnis.
- ↑ 14,0 14,1 Judit Törzsök 1999, S. 39 (PDF 131). Bibliografische Angaben im Literaturverzeichnis.
- ↑ Judit Törzsök 1999, S. 50 (PDF 142). Bibliografische Angaben im Literaturverzeichnis.
- ↑ 16,0 16,1 16,2 16,3 16,4 16,5 16,6 16,7 Judit Törzsök 1999, S. 54 (PDF 147). Bibliografische Angaben im Literaturverzeichnis.
- ↑ Judit Törzsök 1999, S. 54, 55 (PDF 147, 148). Bibliografische Angaben im Literaturverzeichnis.
- ↑ 18,0 18,1 18,2 18,3 Judit Törzsök 1999, S. 59 (PDF 152). Bibliografische Angaben im Literaturverzeichnis.
- ↑ 19,0 19,1 19,2 19,3 19,4 19,5 19,6 19,7 Judit Törzsök 1999, S. 60 (PDF 153). Bibliografische Angaben im Literaturverzeichnis.
- ↑ 20,0 20,1 Judit Törzsök 1999, S. 61 (PDF 154). Bibliografische Angaben im Literaturverzeichnis.
- ↑ Judit Törzsök 1999, S. 12, 61 (PDF 103, 154). Bibliografische Angaben im Literaturverzeichnis.
- ↑ Judit Törzsök 1999, S. 8, 11 (PDF 99, 102). Bibliografische Angaben im Literaturverzeichnis.
- ↑ Judit Törzsök 1999, S. 10 (PDF 101). Bibliografische Angaben im Literaturverzeichnis.
- ↑ 24,0 24,1 24,2 24,3 Judit Törzsök 1999, S. 12 (PDF 103). Bibliografische Angaben im Literaturverzeichnis.
Seminare zum vertieften Studium
Das Studium des Siddhayogeśvarīmata kann durch heutige Angebote zu Meditation, Mantra und Sanskrit begleitet werden. Die folgenden Seminare vermitteln allgemeine Zugänge; sie sind keine nachgewiesene Fortsetzung der historischen Ritualüberlieferung dieses Werkes.
Meditation
- 18.10.2026 - 23.10.2026 Yoga und Meditation Intensiv-Praxis
Die Kernpraktiken des Yoga werden intensiv geübt: längere Meditation, ausgedehntes Mantra-Singen, Pranayama intensiv und meditative Yoga Asanas beflü…- Dana Oerding, Chamundi Wollweber
- 18.10.2026 - 23.10.2026 Shivalaya Meditationsretreat
Stille – Schweigen – Sein. In der Abgeschiedenheit des Shivalaya Retreatzentrums fühlst du dich dem Himmel ganz nah. Mit intensiver Meditations- un…- Swami Nirgunananda, Rukmini Keilbar
Mantras und Musik
- 16.10.2026 - 18.10.2026 Drumming Hands
Erlerne die Basics für das Spielen einer Djembe, für die Kirtan Begleitung oder das Solo spielen. Auf einfache Weise lernst du verschiedene Rhythmen u…- Bernardo Juni
- 18.10.2026 - 23.10.2026 Mantra Ferienwoche mit Gruppe Mudita
Eine Mantra Yoga Ferienwoche im schönen Allgäu zum Aufladen, Regenerieren und Verwöhnen mit der Gruppe Mudita. Das sind Menschen, die es ganz besonde…- Gruppe Mudita
Sanskrit und Devanagari
- 06.01.2027 - 15.12.2027 Jahresgruppe Sanskrit - Lektüre der AMRITA SIDDHI 2 - online
Termine: 16x mittwochs: 06.01., 27.01., 17.02., 10.03., 31.03., 21.04., 12.05., 02.06., 23.06., 14.07., 08.09., 29.09., 20.10., 10.11., 01.12., 15.12.20…- Dr phil Oliver Hahn
- 09.04.2027 - 11.04.2027 Sanskrit Intensivwochenende
Du bist fasziniert vom Klang des Sanskrit und der tiefgehenden Wirkung der Wörter dieser uralten Sprache? Hast bereits Übersetzungen von Mantras oder …- Dr phil Oliver Hahn