Matsyendra Samhita Ausgewählte Verse: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Matsyendra Samhita Ausgewählte Verse und Mantras''' versammelt '''108 Verse in deutscher Übersetzung''' für Yoga-Aspiranten und spirituell interessierte Leser sowie Mantras zur Rezitation. Zehn Themenbereiche führen von der Suche nach Erkenntnis über innere Klarheit, Meditation und Verehrung bis zu Befreiung und dem Wohl anderer. Die Seite eignet sich für persönliches [[Svadhyaya]], gemeinsame Lektüre und stille Betrachtung.
'''Matsyendra Samhita Ausgewählte Verse''' bietet 108 Verse der [[Matsyendra Samhita]] in einer vereinfachten, eigenständig formulierten deutschen Lesefassung. Sie richtet sich an Yoga-Aspiranten, die bekannte Begriffe neu sehen und auch ungewöhnliche Seiten der Überlieferung kennenlernen möchten: den Körper als Weltall, die Verbindung von Shiva und Shakti, den inneren Klang, Khechari, Kundalini, Nektarvorstellungen und die Freiheit von Bindung.


[[Datei:Bangalore Shiva.jpg|thumb|weitere Artikel zum Thema: [[Matsyendra Samhita|Hauptartikel]] · [[Matsyendra Samhita Übersetzung|Text und Übersetzung]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari|Sanskrit in Devanagari]]]]
Die Auswahl ist ein Weg durch zwölf Themenfelder. Sie verbindet verständliche Sprache mit der Kühnheit des Originals. Die textnahe Übersetzung und der Sanskritwortlaut stehen im [[Matsyendra Samhita#Uebersetzung|Hauptartikel]]; das Verzeichnis [[Matsyendra Samhita Mantras|Mantras, Bedeutung und Verwendung]] erschließt die zugehörige Klangwelt.


Die Auswahl ist redaktionell und bezieht sich auf die in dieser Wiki-Ausgabe zugänglichen Teile der [[Matsyendra Samhita]]. Sie beansprucht keine Rangfolge aller Verse des Gesamtwerkes. Jeder Vers behält seine ursprüngliche Kapitel- und Versnummer. Die deutschen Wiedergaben entsprechen der Seite mit IAST und deutscher Übersetzung; sie sind keine frei formulierten Sinnsprüche. Ein Link nach jedem Vers führt zum Sanskrittext, zur ausführlicheren Anmerkung und zu den benachbarten Versen.
'''Zur Lesefassung:''' Die Versnummern entsprechen der kommentierten Teilausgabe. Jeder Vers wurde eigens neu formuliert; Satzanschlüsse werden verständlich gemacht und einzelne Fachbegriffe erläutert. Anreden und wiederholte Bekräftigungen können sprachlich gestrafft sein. Kurze Betrachtungen und heutige Reflexionsimpulse stehen ausdrücklich außerhalb der Verswiedergabe. Diese Seite ersetzt deshalb keine philologische Übersetzung.


Die kurzen Einleitungen und Reflexionsfragen sind heutige Hilfen zur Lektüre. Historische Wirkungsversprechen bleiben Aussagen der Schrift. Technische Ritualbegriffe, Geheimhaltungsforderungen und Körperbeschreibungen werden in ihrem damaligen Zusammenhang gelesen; eine heutige Praxis achtet Freiwilligkeit, persönliche Grenzen, Einvernehmlichkeit, körperliche Sicherheit und verantwortliche Anleitung. Die eigene Erfahrung muss keiner im Text beschriebenen Erfahrung gleichen.
'''Zur geistigen Ausrichtung:''' Die Verse führen von Sammlung und Hingabe zu Erkenntnis, innerer Kraft und Befreiung. Auch sinnliche Bilder wie die Umarmung von Shiva und Shakti gehören zum Original. Die besonderen Kräfte und die Freiheit von Alter und Tod werden als Verheißungen der Schrift wiedergegeben. Die Auswahl ist keine Anleitung zu körperlichen Eingriffen, langem Atemanhalten oder anderen fortgeschrittenen Verfahren; für eigene Praxis zählen Achtsamkeit, körperliche Sicherheit und verantwortliche Anleitung.


=== Anregung zum Lesen ===
Nimm dir Zeit. Ein einziger Vers kann genügen, um eine vertraute Vorstellung zu öffnen. Die zwölf Fragen am Ende der Themenbereiche helfen, die Lektüre mit dem eigenen Leben zu verbinden.


Lies jeweils wenige zusammenhängende Verse. Lass ein Wort oder Bild nachklingen und frage dich, was es in deinem Alltag beleuchten kann. Wo eine Aussage fremd oder widersprüchlich wirkt, hilft der verlinkte Zusammenhang. Du darfst verstehen wollen, ohne alles unmittelbar übernehmen zu müssen.


'''Einige Begriffe:''' Guru bezeichnet den spirituellen Lehrer; Vidya eine vermittelte Erkenntnis oder Mantra-Lehre; Puja die Verehrung; Pratyahara den Rückzug der Sinne; Samadhi die Versenkung. Siddhi kann Vollendung und besondere Fähigkeiten meinen, Jivanmukti die Befreiung zu Lebzeiten. Ihre jeweilige Bedeutung ergibt sich aus dem Zusammenhang.
[[Matsyendra Samhita|Werk, Sanskrit und textnahe Übersetzung]] · [[Matsyendra Samhita Ausgewählte Verse|108 Verse für Yoga-Aspiranten]] · [[Matsyendra Samhita Mantras|Mantras, Bedeutung und Verwendung]]


<span id="Thema_1"></span>


== 1. Sich für die Lehre öffnen ==
== 1. Was suchst du wirklich? ==


Lobpreis, die Suche nach Vollendung und aufrichtige Fragen eröffnen den Weg. Die ersten Verse ehren Shiva, Ganesha, die Göttin der Rede und Matsyendra. Die Frage nach heiligen Orten im eigenen Körper zeigt bereits, wie stark das Werk die innere Erfahrung gewichtet.
[[Datei:Shiva.jpg|thumb|Die Begegnung mit der Lehre beginnt mit Aufmerksamkeit und einer aufrichtigen Frage.]]


<span id="Vers_1.1"></span>
Die Erzählung beginnt mit Verehrung und einer Entscheidung: Willst du nur etwas besitzen, oder willst du erkennen? Matsyendra erscheint als einer, der sich im Ozean der Lehre frei bewegt. Der Weg fordert zugleich eine Veränderung der inneren Haltung.
 
<span id="Auswahl_1.1"></span>


'''1.1'''
'''1.1'''


Om. Ich verehre Shambhu, den Herrn der Welt, dessen Wesen die Einsicht in alles Wissen ist: Ishvara, den Ozean und die Heimstatt der großen Juwelen aller Agamas.
Om. Ich verneige mich vor Shambhu, dem Herrn der Welt. In ihm leuchtet alles Wissen. Er ist der Ozean, in dem die kostbaren Juwelen der heiligen Lehren geborgen sind.
 
''Betrachtung:'' Das Wissen erscheint als lebendiger Ozean. Die Anrufung lädt dazu ein, mit Ehrfurcht und zugleich mit Entdeckerfreude zu lesen.
 
[[Matsyendra Samhita#Vers_1.1|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_1.1|Sanskrit in Devanagari]]
 
<span id="Auswahl_1.5"></span>
 
'''1.5'''
 
Ich verehre Matsyendranatha, den allwissenden Meister unter den Yogis. Im weiten Meer der Lehren Shivas bewegt er sich voller Freude, wie im Spiel.
 
''Betrachtung:'' Das Bild verbindet große Gelehrsamkeit mit Leichtigkeit. Spirituelle Tiefe muss nicht schwerfällig sein.
 
[[Matsyendra Samhita#Vers_1.5|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_1.5|Sanskrit in Devanagari]]
 
<span id="Auswahl_1.6"></span>
 
'''1.6'''
 
Ich verehre den reinen Matsyendra: Er hat uns den seltenen Kern der Lehre zu Gehör gebracht, den Shiva selbst verkündet hat.
 
[[Matsyendra Samhita#Vers_1.6|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_1.6|Sanskrit in Devanagari]]
 
<span id="Auswahl_1.7"></span>


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_1.1|Vers 1.1 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_1.1|Devanagari]]''
'''1.7'''


<span id="Vers_1.2"></span>
Einst zog ein großer Yogi durch die Welt. Er suchte Vollendung – ohne Besitzgier und ohne sich an sein Ich zu klammern.


'''1.2'''
[[Matsyendra Samhita#Vers_1.7|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_1.7|Sanskrit in Devanagari]]


Ich verehre Herambha, den Sohn der Shambhavi, den die ganze Welt verehrt: die Grundlage unermesslicher Vorzüge, der alle Früchte göttlicher Macht gewährt.
<span id="Auswahl_1.24"></span>


''Anmerkung:'' Herambha ist ein Name Ganeshas.
'''1.24'''


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_1.2|Vers 1.2 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_1.2|Devanagari]]''
„Was wünschst du dir von uns: Reichtum, etwas, das du liebst, oder das Wissen, das nur schwer zu erlangen ist? Sprich aus, wonach dein Herz verlangt.


<span id="Vers_1.3"></span>
''Betrachtung:'' Die Frage steht in der Rahmenerzählung. Du kannst sie zugleich als Frage an deine eigenen Prioritäten lesen.


'''1.3'''
[[Matsyendra Samhita#Vers_1.24|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_1.24|Sanskrit in Devanagari]]


Ich verehre Vagishvari, die Trägerin aller Wissenschaften und Künste, die Allwissenheit gewährt, damit Meisterschaft der Rede erlangt werde.
<span id="Auswahl_1.25"></span>


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_1.3|Vers 1.3 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_1.3|Devanagari]]''
'''1.25'''


<span id="Vers_1.5"></span>
Mit ehrfürchtig gefalteten Händen antwortete der Yogi: „Schenkt mir jenes Wissen, das so selten und schwer zugänglich ist. Danach verlange ich.“


'''1.5'''
''Betrachtung:'' Mit Wissen ist hier Vidya gemeint: eine empfangene spirituelle Lehre, die auch [[Mantra]] und Einweihung umfasst.
 
[[Matsyendra Samhita#Vers_1.25|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_1.25|Sanskrit in Devanagari]]
 
<span id="Auswahl_2.65"></span>
 
'''2.65'''
 
Dann können sich die besonderen Kräfte bald entfalten; falsch vollzogen kann das Verfahren jedoch Unheil bringen. Wer auch in seiner inneren Haltung rein geworden ist, erlangt den ganzen Yoga.
 
''Betrachtung:'' Der Vers steht nach Reinigungsverfahren. Seine entscheidende Einschränkung gehört zur Aussage: Die äußere Technik allein genügt nicht.
 
[[Matsyendra Samhita#Vers_2.65|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_2.65|Sanskrit in Devanagari]]
 
<span id="Auswahl_2.66"></span>
 
'''2.66'''
 
Ohne die rechte innere Haltung gibt es keine Vollendung, selbst in Zehntausenden von Jahren nicht. Tausend Krüge Wasser und hundert große Maße Reinigungserde können sie nicht ersetzen.
 
[[Matsyendra Samhita#Vers_2.66|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_2.66|Sanskrit in Devanagari]]
 
<span id="Auswahl_2.67"></span>
 
'''2.67'''
 
Ein verdorbenes Inneres wird selbst in tausend Jahren nicht rein. Darum vollziehe diese Handlungen mit geläuterter Haltung. Wer sich so sechs Monate lang reinigt, findet nach der Verheißung den rechten Zugang zum Yoga.
 
[[Matsyendra Samhita#Vers_2.67|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_2.67|Sanskrit in Devanagari]]
 
'''Frage zur Vertiefung:''' Welche Sehnsucht trägt deine Praxis, wenn Anerkennung, Besitz und besondere Erfahrungen einmal zurücktreten?
 
<span id="Thema_2"></span>
 
== 2. Festigkeit, Sammlung und die Wurzel der Bindung ==
 
Die Schrift setzt große Ziele, beginnt aber mit konkreten Voraussetzungen: eine tragfähige Haltung, ein geeigneter Ort und die Schulung des Geistes. Ihr Rückzug der Sinne ist mehr als bloßes Entspannen; die Sinne werden in ihre kosmischen Grundlagen zurückgeführt.
 
<span id="Auswahl_3.1"></span>
 
'''3.1'''
 
Zum Wohl der Übenden erkläre ich nun die Folge der Asanas. Wenn du sie Schritt für Schritt einübst, kann Festigkeit leicht entstehen.
 
[[Matsyendra Samhita#Vers_3.1|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_3.1|Sanskrit in Devanagari]]
 
<span id="Auswahl_3.37"></span>
 
'''3.37'''


Ich verneige mich vor Matsyendranatha, dem Allwissenden, dem Besten der Yogis, der sich im Ozean der Shiva- und Shaiva-Agamas im Spiel erfreut.
Wähle unter diesen Haltungen eine, die zu deinen Möglichkeiten passt. Wenn du sie wirklich beherrschst, wird auch die Sammlung der Sinne möglich.


''Anmerkung:'' Der erste Versfuß folgt dem von Kiss 2011 mitgeteilten Handschriftenbefund; die übrige Textgrundlage folgt Sensharma 1994. Die Einzelheiten sind auf der verlinkten Textseite erläutert.
''Betrachtung:'' Die Aussage über die passende Haltung beruht auf einer vorsichtigen Deutung des schwierigen Druckwortlauts. Die Einzelanmerkung im Hauptartikel dokumentiert sie.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_1.5|Vers 1.5 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_1.5|Devanagari]]''
[[Matsyendra Samhita#Vers_3.37|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_3.37|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_1.6"></span>
<span id="Auswahl_3.38"></span>


'''1.6'''
'''3.38'''
 
Der Körper gewinnt Festigkeit, der Geist wird still. In der vertraut gewordenen Haltung sitzend, widmet sich der Yogi bei Tag und bei Nacht dem Yoga.


Ich verehre den makellosen Matsyendranatha, durch den der schwer zugängliche Kern der Lehre, aus Shambhus Mund verkündet, auf rechte Weise zu Gehör gebracht wurde.
''Betrachtung:'' „Bei Tag und bei Nacht“ bewahrt den entschiedenen Übungsanspruch der Schrift. Daraus folgt für heutige Leser kein Verzicht auf notwendigen Schlaf.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_1.6|Vers 1.6 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_1.6|Devanagari]]''
[[Matsyendra Samhita#Vers_3.38|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_3.38|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_1.7"></span>
<span id="Auswahl_3.39"></span>


'''1.7'''
'''3.39'''


Einst wanderte ein hervorragender Yogi auf dieser Erde umher. Er suchte die eigene Vollendung, frei von Besitzdenken und Ichhaftigkeit.
Übe an einem abgeschiedenen, stillen Ort: Der Boden sei eben und sauber, frei von störenden Tieren, der Raum von Wohlgeruch erfüllt.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_1.7|Vers 1.7 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_1.7|Devanagari]]''
[[Matsyendra Samhita#Vers_3.39|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_3.39|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_1.24"></span>
<span id="Auswahl_3.40"></span>


'''1.24'''
'''3.40'''


„Was begehrst du: Reichtum, den wir dir schenken, oder etwas anderes, das dir lieb ist? Oder eine besonders schwer zugängliche Vidya? Sage, was du im Sinn hast.
Ob im Heiligtum Shivas, in einer Höhle oder in einem stillen Haus: Verweile gesammelt und beherrscht, dein Bewusstsein vom höchsten Nektar erfüllt.


''Anmerkung:'' Vidya bezeichnet hier eine durch Unterweisung und Einweihung vermittelte Erkenntnis beziehungsweise Mantra-Lehre.
[[Matsyendra Samhita#Vers_3.40|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_3.40|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_1.24|Vers 1.24 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_1.24|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_5.1"></span>


<span id="Vers_1.25"></span>
'''5.1'''


'''1.25'''
Wohin der rastlose Geist auch wandert und welches Verlangen ihn nach außen zieht: Hole dein Bewusstsein zurück.


So von ihnen angesprochen, erwiderte er mit ehrfürchtig gefalteten Händen: „Ich wünsche die überaus schwer zugängliche Vidya als Gabe von euch.
[[Matsyendra Samhita#Vers_5.1|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_5.1|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_1.25|Vers 1.25 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_1.25|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_5.5"></span>


<span id="Vers_2.4"></span>
'''5.5'''


'''2.4'''
Sammle die Sinne immer wieder ein und führe den Geist zurück. Denn der Geist selbst ist die Ursache deiner Bindung und deiner Befreiung.


Dieser Ort ist menschenleer, friedlich und frei von Störungen. Darum erkläre mir hier den Kern des Yoga so, wie er ist.
[[Matsyendra Samhita#Vers_5.5|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_5.5|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_2.4|Vers 2.4 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_2.4|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_5.14"></span>


<span id="Vers_2.5"></span>
'''5.14'''


'''2.5'''
Erkenne das Riechen als eine Kraft der Erde, verbunden mit der feinen Qualität des Geruchs. Lass diesen Sinn in seine Grundlage zurückkehren und seine Tätigkeit zur Ruhe kommen.


Wie geschieht die Reinigung des Körpers, o Gott? Wie ist die Folge der Asanas? Wie wird Pranayama gelehrt, und wie vollzieht sich der Rückzug der Sinne?
''Betrachtung:'' Dies ist die Elementenlehre des Textes. Sie lässt die gewöhnliche Wahrnehmung als Teil eines größeren Zusammenhangs erscheinen.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_2.5|Vers 2.5 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_2.5|Devanagari]]''
[[Matsyendra Samhita#Vers_5.14|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_5.14|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_2.6"></span>
<span id="Auswahl_6.1"></span>


'''2.6'''
'''6.1'''


Was ist der gewöhnliche Yoga, und wie ist der Yoga der Meditation beschaffen? Wie vollzieht sich der ehrwürdige Kundalini-Yoga, und was ist mit der dreifachen Linga-Gestalt gemeint?
Nun erkläre ich Dharana, die Sammlung, durch die Fehler schwinden sollen. Zwölf Pranayamas werden hier als Dharana-Yoga bezeichnet.


''Anmerkung:'' Die Frage nach der dreifachen Linga-Gestalt erlaubt an dieser Stelle noch keine sichere Bestimmung des zugehörigen Ritualbegriffs.
''Betrachtung:'' Die Zwölferzahl gehört zur historischen Einteilung. Der Vers allein beschreibt noch kein Atemverfahren und bestimmt keine heutige Übungsdauer.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_2.6|Vers 2.6 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_2.6|Devanagari]]''
[[Matsyendra Samhita#Vers_6.1|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_6.1|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_2.7"></span>
'''Frage zur Vertiefung:''' Beobachte beim nächsten ruhigen Sitzen, was den Geist bindet und was ihm Weite gibt. Du musst dafür keine außergewöhnliche Erfahrung erzeugen.


'''2.7'''
<span id="Thema_3"></span>


Welche heiligen Stätten befinden sich in diesem Körper, welche Pilger- und Übergangsorte, o Shankara? Welches ist das höchste Bad, das alle anderen Bäder übertrifft, o höchster Herr?
== 3. Dein Körper als Weltall – und der furchtlose Bhairava ==


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_2.7|Vers 2.7 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_2.7|Devanagari]]''
Hier verlässt die Matsyendra Samhita den Rahmen gewöhnlicher Körpervorstellung. Der Yogi wird zum Weltenkörper; [[Shiva]] erscheint als Bhairava, wild und furchtlos. Diese Bilder sollen nicht verharmlost werden: Sie führen die Meditation an die Grenzen von Selbstbild, Sicherheit und Todesfurcht.


'''Zur eigenen Vertiefung:''' Welche Frage an deinen spirituellen Weg ist dir heute besonders wichtig?
<span id="Auswahl_7.3"></span>


== 2. Innere Klarheit und angemessenes Üben ==
'''7.3'''


Die Verse 2.65–67 schließen an rituelle Reinigungen an und betonen deren innere Voraussetzung. Die folgenden Stellen behandeln schrittweises Lernen, eine passende Haltung und regelmäßiges Üben nach den eigenen Kräften. Absolute Wirkungsversprechen bleiben Aussagen des historischen Textes.
Um die Hindernisse zu überwinden, vergegenwärtige dir einen gewaltigen Körper: Seine Füße reichen in die Unterwelt, die Erde bildet seine Hüften, der weite Raum seinen Leib.


<span id="Vers_2.65"></span>
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.3|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.3|Sanskrit in Devanagari]]


'''2.65'''
<span id="Auswahl_7.5"></span>


Die Siddhis treten nach Aussage des Textes bald hervor; andernfalls kann das Verfahren Unheil bewirken. Wer zugleich in seiner inneren Haltung gereinigt ist, erlangt den ganzen Yoga.
'''7.5'''


''Anmerkung:'' Mit dem „Verfahren“ sind die vorausgehenden rituellen Reinigungen gemeint. Die anschließenden Verse unterstreichen die Bedeutung der inneren Haltung.
Die Meere sind sein Gewand. Wunderbar durchdringt er das ganze Weltall; alles Bewegliche und Unbewegliche gehört zu ihm, von Brahma bis zum Grashalm.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_2.65|Vers 2.65 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_2.65|Devanagari]]''
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.5|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.5|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_2.66"></span>
<span id="Auswahl_7.6"></span>


'''2.66'''
'''7.6'''


Wer ohne diese innere Haltung ist, erlangt keine Siddhi, selbst in Zehntausenden von Jahren nicht. Auch tausend Wasserkrüge oder hundert Adhaka-Maße Erde reichen dazu nicht aus.
Betrachte die Welten wie Poren deines Körpers und deinen Leib als das ganze Universum. Lass diese große Gestalt lebendig werden, damit der Geist Festigkeit gewinnt.


''Anmerkung:'' Adhaka ist ein traditionelles Mengenmaß. Der Satz führt in Vers 2.67 weiter.
''Betrachtung:'' Hier wird die Enge des gewohnten Körperbildes aufgebrochen. Die Schrift bietet eine konkrete kosmische Visualisation.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_2.66|Vers 2.66 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_2.66|Devanagari]]''
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.6|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.6|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_2.67"></span>
<span id="Auswahl_7.7"></span>


'''2.67'''
'''7.7'''


Selbst in tausend Jahren wird nicht rein, wessen innere Haltung verdorben ist. Darum soll man diese Handlungen, o Herrin der Götter, mit gereinigter innerer Ausrichtung vollziehen. Wer so sechs Monate lang gereinigt wurde, erlangt nach dem Versprechen der Schrift den Yoga auf rechte Weise, meine Liebe.
Wer so in die göttliche Erkenntnis hineinmeditiert, dessen geistige Bewegungen kommen nach und nach zur Ruhe.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_2.67|Vers 2.67 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_2.67|Devanagari]]''
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.7|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.7|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_3.1"></span>
<span id="Auswahl_7.8"></span>


'''3.1'''
'''7.8'''


Nun werde ich zum Wohl der Übenden die Reihenfolge der Asanas erläutern. Durch das schrittweise Einüben dieser Folge soll sich Festigkeit leicht einstellen.
Ist der Geist gefestigt, öffnet sich die nächste Betrachtung: Im eigenen Herzen liegt ein höchster Lotus, dessen Wesen Shiva und Shakti sind.


''Anmerkung:'' Der Versanfang folgt der von Kiss 2011 mitgeteilten Lesung. Einzelheiten stehen beim Grundtext.
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.8|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.8|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_3.1|Vers 3.1 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_3.1|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_7.14"></span>


<span id="Vers_3.37"></span>
'''7.14'''


'''3.37'''
Acht große Schlangen schmücken ihn als Kette. Er brüllt und vernichtet die Furcht. Ein Tigerfell ist sein Gewand, ein Löwenfell sein Mantel.


Man soll eine dieser Haltungen wählen, entsprechend den eigenen Möglichkeiten und ihrer Eignung. Ist die Haltung richtig beherrscht, folgt die Beherrschung aller Sinne.
''Betrachtung:'' Bhairava wird hier nicht zur bloß sanften Gestalt. Auch das Erschreckende kann im religiösen Bild zur Macht werden, die Furcht auflöst.


''Anmerkung:'' „Entsprechend den eigenen Möglichkeiten“ ist eine vorsichtige Deutung einer sprachlich unebenen Druckform aus dem Zusammenhang.
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.14|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.14|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_3.37|Vers 3.37 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_3.37|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_7.25"></span>


<span id="Vers_3.38"></span>
'''7.25'''


'''3.38'''
Bhairavi steht an der Spitze der Yogini-Scharen und nimmt die Furcht. Sie lässt die ersehnten Früchte reifen und wird als dreifache Ursache gepriesen.


Der Körper wird fest, und ebenso kommt der Geist zur Ruhe. In eben dieser eingeübten Haltung soll der Yogi bei Tag und Nacht sitzen und den im folgenden Vers beschriebenen Yoga üben.
''Betrachtung:'' Der Vers bewahrt die besondere Göttinnenwelt des Werkes. Die Bezeichnung „dreifache Ursache“ wird hier nicht durch eine unbelegte moderne Erklärung ersetzt.


''Anmerkung:'' Die Wiedergabe folgt einer begründeten Worttrennung des gedruckten Sanskrittextes. Die Aussage über das Üben setzt sich in 3.39 fort.
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.25|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.25|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_3.38|Vers 3.38 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_3.38|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_7.19"></span>


<span id="Vers_3.39"></span>
'''7.19'''


'''3.39'''
Betrachte ihn mit ungeteilter Aufmerksamkeit, damit die Hindernisse zur Ruhe kommen. Auf seinem linken Schoß sitzt Chandika, die das Leiden vernichtet.


Man soll Yoga an einem abgeschiedenen, stillen, von Tieren oder Ungeziefer freien Ort üben, auf ebenem, gut gereinigtem Boden, von Düften und Räucherwerk erfüllt.
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.19|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.19|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_3.39|Vers 3.39 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_3.39|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_7.27"></span>


<span id="Vers_3.40"></span>
'''7.27'''


'''3.40'''
Durch diesen Yoga der Meditation wirst du selbst von der Furcht vor Zeit und Tod frei, höchste Göttin. Wahr soll sein, was ich dir gesagt habe.


Man soll in einem Shiva-Heiligtum, in einer Höhle oder in einem abgeschiedenen Haus üben, selbstbeherrscht und im Bewusstsein vom ehrwürdigen höchsten Nektar erfüllt.
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.27|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.27|Sanskrit in Devanagari]]


''Anmerkung:'' Die Aussage über das vom Nektar erfüllte Bewusstsein beruht auf einer kontextuellen Deutung; die Wortverbindung im Druck ist nicht eindeutig.
'''Frage zur Vertiefung:''' Welche Seite des Lebens blendest du in deiner Spiritualität gern aus? Kannst du sie wahrnehmen, ohne dich von ihr beherrschen zu lassen?


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_3.40|Vers 3.40 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_3.40|Devanagari]]''
<span id="Thema_4"></span>


<span id="Vers_3.44"></span>
== 4. Asche, Umarmung und das Licht ohne Stütze ==


'''3.44'''
[[Datei:MahadeviBogen.jpg|thumb|Shiva und Shakti verbinden Stille und Kraft. Die Abbildung begleitet die Gottesbetrachtung; sie ist keine genaue Wiedergabe einer einzelnen Versbeschreibung.]]


Wird Yoga auf einmal oder übermäßig betrieben, verursacht er viele Störungen im Körper. Deshalb gelangt der Yoga durch wiederholtes Üben allmählich zur Vollendung.
Der gleiche [[Shiva]] kann auf dem Verbrennungsplatz verweilen, von [[Shakti]] umarmt werden und als Licht ohne äußere Stütze erscheinen. Vergänglichkeit und Glückseligkeit werden nicht auseinandergerissen. Die Bilder führen von der betrachteten Gottheit zur Identifikation mit ihr.


''Anmerkung:'' „Übermäßig“ erläutert hier den Zusammenhang der wörtlichen Formulierung „auf einmal“.
<span id="Auswahl_7.29"></span>


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_3.44|Vers 3.44 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_3.44|Devanagari]]''
'''7.29'''


<span id="Vers_11.53"></span>
Im Lotus des Herzens sitzt Shiva, leuchtend wie die junge Sonne. Die goldfarbene Göttin hält seinen Körper umarmt.


'''11.53'''
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.29|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.29|Sanskrit in Devanagari]]


Der Schüler verehrt den Guru erneut mit Schmuck und Gewändern. Tag für Tag soll er nach seinen Kräften die Vidya rezitieren, mit heiterem Geist.
<span id="Auswahl_7.30"></span>


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_11.53|Vers 11.53 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_11.53|Devanagari]]''
'''7.30'''


'''Zur eigenen Vertiefung:''' Was wäre ein kleiner, beständiger Schritt, der deinen heutigen Kräften entspricht?
Sein Leib ist mit Asche bedeckt, ein Tigerfell umhüllt ihn. Friedvoll sitzt er auf dem Verbrennungsplatz: dreiäugig, den Mond als Schmuck im Haar.


== 3. Den Geist sammeln und die Sinne zurückführen ==
''Betrachtung:'' Die Asche und der Verbrennungsplatz bleiben konkrete Bestandteile des Gottesbildes. Die Ruhe erscheint mitten in der Gegenwart des Todes.


Der Rückzug der Sinne, Pratyahara, wird als wiederholtes Zurückholen beschrieben. Anschließend ordnet der Text Sinne und Tätigkeiten den Elementen zu. Diese Zuordnung gehört zu seiner historischen Vorstellung von Körper und Wahrnehmung. Vers 5.2 ist wegen einer ungeklärten Wortfolge nicht in die Auswahl aufgenommen; der übrige Zusammenhang lässt sich auf der verlinkten Kapitelseite nachlesen.
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.30|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.30|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_5.1"></span>
<span id="Auswahl_7.31"></span>


'''5.1'''
'''7.31'''


Nun soll man das Bewusstsein zurückholen, das aus Verlangen nach Genuss nach außen geströmt ist – wohin auch immer der bewegliche, unstete Geist wandert.
Vom jungen Mond an seiner Stirn fließt göttlicher Nektar über Shiva. Seine Hände schenken Gaben und Furchtlosigkeit; er trägt das große Beil und zeigt die Hirsch-Geste.


''Anmerkung:'' Die Übersetzung folgt dem im Druck vorgeschlagenen Verb „zurückholen“. Der anschließend nicht ausgewählte Vers 5.2 enthält eine ungeklärte Wortfolge.
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.31|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.31|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_5.1|Vers 5.1 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_5.1|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_7.34"></span>


<span id="Vers_5.3"></span>
'''7.34'''


'''5.3'''
Er zerbricht die Fesseln des gebundenen Wesens und führt über den Ozean der Furcht. Er schenkt die Weite allwissender Erkenntnis und alle besonderen Vollendungen.


Göttin, wenn bei einem dem Pranayama zugewandten Menschen der vielfältig umherschweifende Geist nicht bei der Wirklichkeit verweilt, auf die er sich gerichtet hat,
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.34|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.34|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_5.3|Vers 5.3 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_5.3|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_7.41"></span>


<span id="Vers_5.4"></span>
'''7.41'''


'''5.4'''
Noch einen anderen Weg der Meditation will ich dir zeigen: Im Herzen des Herzlotus erscheint eine Gestalt wie die reine Flamme einer Lampe.


soll der Yogi ihn immer wieder zügeln und zu größerer Festigkeit führen. Die an ihren Gegenständen haftenden Sinne soll er nach und nach zurücknehmen,
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.41|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.41|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_5.4|Vers 5.4 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_5.4|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_7.42"></span>


<span id="Vers_5.5"></span>
'''7.42'''


'''5.5'''
Nur daumengliedgroß und doch strahlend wie zehn Millionen Sonnen: rund wie die Blüte des Kadamba-Baums, ein sonnengleiches Gestirn.


indem er sie einsammelt und festhält; so soll er den Geist stets zurückziehen. Denn der Geist selbst, große Herrin, ist die Ursache von Bindung und Befreiung.
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.42|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.42|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_5.5|Vers 5.5 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_5.5|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_7.43"></span>


<span id="Vers_5.6"></span>
'''7.43'''


'''5.6'''
Oder betrachte das Licht, das ringsum in Strahlen aufleuchtet – hervortretend in einer Leere, die von nichts getragen wird.


Deshalb soll man den Geist mit aller Anstrengung zur Klarheit führen – den Geist, der sich nach allen Seiten Frauen, Speisen und Getränken zuwendet.
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.43|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.43|Sanskrit in Devanagari]]


''Anmerkung:'' Der historische Text spricht hier aus der Perspektive eines männlichen Übenden über konkrete Gegenstände des Begehrens.
<span id="Auswahl_7.46"></span>


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_5.6|Vers 5.6 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_5.6|Devanagari]]''
'''7.46'''


<span id="Vers_5.7"></span>
Sieh deinen ganzen Körper von dieser Lichtfülle durchdrungen. Mit der inneren Gewissheit „Das bin ich“ erinnere dich allmählich an dein eigenes Ich.


'''5.7'''
''Betrachtung:'' Die Identifikation wird im Zusammenhang einer Gottesmeditation gelehrt. Sie ist keine Behauptung über die Überlegenheit der eigenen Persönlichkeit.


Man soll ihn mit Sorgfalt zurückhalten und in der reinen Wirklichkeit ruhen lassen. Göttin, wenn der Geist gesammelt ist, bleibt er durch eben diese Bemühung beständig.
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.46|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.46|Sanskrit in Devanagari]]


''Anmerkung:'' Die deutsche Fassung folgt einer im Druck ausdrücklich vorgeschlagenen Korrektur, die eine Verneinung betrifft. Der Befund ist auf der Textseite dokumentiert.
<span id="Auswahl_7.49"></span>


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_5.7|Vers 5.7 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_5.7|Devanagari]]''
'''7.49'''


<span id="Vers_5.8"></span>
Durch klare Unterscheidung des Selbst findet der Yogi bald zum Yoga. Er soll sich selbst als die Gestalt Ishvaras vergegenwärtigen.


'''5.8'''
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.49|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.49|Sanskrit in Devanagari]]


Indem man den Geist immer wieder sorgfältig zurückholt, soll man ihn unter eigene Führung bringen. Die Überwindung des Geistes ist Yoga; die Überwindung des Geistes ist Askese.
'''Frage zur Vertiefung:''' Wie verändert sich dein inneres Bild, wenn du Licht nicht nur vor dir siehst, sondern deinen ganzen Leib davon durchdrungen denkst?


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_5.8|Vers 5.8 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_5.8|Devanagari]]''
Ergänzendes allgemeines Yoga-Vidya-Angebot: Anahata-Chakra-Meditation. Das Video begleitet die persönliche Vertiefung; es erklärt keine einzelne historische Praxisanweisung der Matsyendra Samhita.


<span id="Vers_5.9"></span>
{{#ev:youtube|us1Pt1DDXrE}}


'''5.9'''
<span id="Thema_5"></span>


Die Überwindung des Geistes ist Erkenntnis. Deshalb soll man den Geist zurückholen; der Verständige soll auch alle Sinne allmählich zurückziehen.
== 5. Die innere Puja und das Feuer des Selbst ==


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_5.9|Vers 5.9 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_5.9|Devanagari]]''
Die innere Verehrung ist sinnlich reich: Duft, Blüten, Licht, Nektar und Juweleninseln gehören dazu. Zugleich wird sie radikal. Selbst das Festhalten an Verdienst und Verfehlung wird dem inneren Feuer übergeben. Der Text spricht hier von einem rituellen Bewusstseinsvollzug, nicht von einer Aufhebung der Verantwortung für andere.


<span id="Vers_5.10"></span>
<span id="Auswahl_8.1"></span>


'''5.10'''
'''8.1'''


Herrin, das Hörvermögen gehört zum Raum und hat die subtile Klangqualität zu seinem Kennzeichen. Man soll es im Raum sammeln und auch seine Tätigkeit zurücknehmen.
Jetzt erkläre ich die innere Verehrung, die alle Siddhis schenken soll. Nimm an einem reinen, angenehmen Ort Platz und richte dich mit festem Entschluss aus.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_5.10|Vers 5.10 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_5.10|Devanagari]]''
[[Matsyendra Samhita#Vers_8.1|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_8.1|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_5.11"></span>
<span id="Auswahl_8.2"></span>


'''5.11'''
'''8.2'''


Göttin, die Haut ist dem Wind zugehörig und hat die subtile Berührungsqualität zu ihrem Kennzeichen. Man soll sie im Wind aufgehen lassen und ihre Tätigkeit überschreiten.
Verweile lange in der Meditation, mit befriedetem Inneren. Erkenne dich im Bereich der reinen Wirklichkeit als Ishvara.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_5.11|Vers 5.11 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_5.11|Devanagari]]''
[[Matsyendra Samhita#Vers_8.2|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_8.2|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_5.12"></span>
<span id="Auswahl_8.3"></span>


'''5.12'''
'''8.3'''


Man soll wissen, dass das Sehvermögen aus Feuer besteht und die subtile Gestaltqualität zu seinem Kennzeichen hat. Man soll es im Feuer sammeln und seine Tätigkeit zurücknehmen.
Verehre mit Duft, Blumen und heilsamen Gaben, die aus deiner inneren Vergegenwärtigung entstehen: an den sechs Stützpunkten und besonders am Dvadashanta.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_5.12|Vers 5.12 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_5.12|Devanagari]]''
''Betrachtung:'' Dvadashanta bezeichnet einen besonderen inneren Bezugspunkt. Die „sechs Stützpunkte“ werden nicht ohne Weiteres mit einem heutigen Chakra-Schema gleichgesetzt.


<span id="Vers_5.13"></span>
[[Matsyendra Samhita#Vers_8.3|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_8.3|Sanskrit in Devanagari]]


'''5.13'''
<span id="Auswahl_8.4"></span>


Göttin, die Zunge ist dem Wasser zugehörig und hat die subtile Geschmacksqualität zu ihrem Kennzeichen. Man soll sie eben darin versenken und ihre Tätigkeit zurücknehmen.
'''8.4'''


''Anmerkung:'' Die Zuordnung zum Wasser folgt einer ausgewiesenen Druckkorrektur; die abweichende Lesung ist beim Grundtext verzeichnet.
Verehre gesammelt den unvergänglichen Shambhu zusammen mit Shakti. Lass dabei den höchsten Nektarozean immer wieder gegenwärtig werden.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_5.13|Vers 5.13 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_5.13|Devanagari]]''
[[Matsyendra Samhita#Vers_8.4|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_8.4|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_5.14"></span>
<span id="Auswahl_8.5"></span>


'''5.14'''
'''8.5'''


Man soll wissen, dass das Riechvermögen aus Erde besteht und die subtile Geruchsqualität zu seinem Kennzeichen hat. Man soll es eben dort aufgehen lassen und seine Tätigkeit zurücknehmen.
Hell wie reiner Kristall leuchtet dieser Ozean, bewegt von göttlichen Wogen. In seiner Mitte erscheint eine weite Insel aus Juwelen.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_5.14|Vers 5.14 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_5.14|Devanagari]]''
[[Matsyendra Samhita#Vers_8.5|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_8.5|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_5.15"></span>
<span id="Auswahl_8.38"></span>


'''5.15'''
'''8.38'''


Die Dreiheit von Rede, Händen und Füßen sowie das Paar von Ausscheidungs- und Geschlechtsorgan soll man der Reihe nach in die Elemente zurückführen und ihre Tätigkeit zurücknehmen.
Bringe die innerlich geschaffenen Opferhölzer Varunas und die weiteren Gaben dar. Übergib im Geist auch Dharma und Adharma, rechtes und unrechtes Tun, dem lodernden Feuer des Selbst.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_5.15|Vers 5.15 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_5.15|Devanagari]]''
''Betrachtung:'' Die beiden Pole werden gemeinsam genannt. Das kann zur Betrachtung darüber anregen, wie tief unser Selbstbild an Erfolg, Schuld und Rechtfertigung gebunden ist.


<span id="Vers_5.16"></span>
[[Matsyendra Samhita#Vers_8.38|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_8.38|Sanskrit in Devanagari]]


'''5.16'''
<span id="Auswahl_8.43"></span>


Göttin, wann immer der Geist und die Sinne zu ihren Tätigkeiten hervortreten und sich ihnen zuwenden, große Herrin, soll man sie jeweils zurückrufen.
'''8.43'''


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_5.16|Vers 5.16 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_5.16|Devanagari]]''
Inmitten des Lichtkreises betrachte dich selbst als leuchtende Gestalt – so ruhig wie eine Lampe an einem windstillen Ort.


<span id="Vers_5.17"></span>
[[Matsyendra Samhita#Vers_8.43|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_8.43|Sanskrit in Devanagari]]


'''5.17'''
<span id="Auswahl_8.72"></span>


Man soll die Sinne und ebenso den Geist zurückhalten und festigen. Wenn der Geist zusammen mit allen Sinnen unbeweglich wird, soll man durch allmähliche Einübung den Pratyahara beginnen.
'''8.72'''


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_5.17|Vers 5.17 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_5.17|Devanagari]]''
Wer Shiva im eigenen Selbst verlässt und ihn nur draußen verehrt, ist wie jemand, der den Milchreis in seiner Hand liegen lässt und stattdessen am Ellenbogen leckt.


'''Zur eigenen Vertiefung:''' Wie kannst du eine Ablenkung bemerken und zur Sammlung zurückkehren, ohne dich dafür abzuwerten?
''Betrachtung:'' Der Vergleich ist absichtlich drastisch. Seine Schärfe ist Teil der Lehre und wurde nicht geglättet.


== 4. Herz, Licht und geistige Festigkeit ==
[[Matsyendra Samhita#Vers_8.72|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_8.72|Sanskrit in Devanagari]]


Die Vorstellung wechselt zwischen Weltall, Herzlotus und Licht. Der Text führt äußere Weite und innere Sammlung zusammen. Die Bilder stehen in einem tantrischen Meditationszusammenhang; sie werden hier als Gegenstand aufmerksamer Lektüre vorgestellt.
<span id="Auswahl_8.73"></span>


<span id="Vers_7.1"></span>
'''8.73'''


'''7.1'''
Shambhu ist das Selbst, auf dem diese ganze Welt ruht. Wenn du ihn verehrst, ist darin alles Bewegliche und Unbewegliche mitverehrt.


Nun werde ich den unübertrefflichen Yoga der Meditation erklären. Schon durch dessen Erkennen wird der Yogi nach dieser Lehre Ishvara selbst.
[[Matsyendra Samhita#Vers_8.73|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_8.73|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.1|Vers 7.1 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.1|Devanagari]]''
'''Frage zur Vertiefung:''' Welche innere Gabe wäre heute wahrhaftig? Eine schöne Vorstellung genügt weniger als die Bereitschaft, wirklich gegenwärtig zu sein.


<span id="Vers_7.2"></span>
<span id="Thema_6"></span>


'''7.2'''
== 6. Ich bin Brahman – und das yogische Sehen ==


Nachdem er die zuvor beschriebene Sitzhaltung eingeübt hat, soll er sich setzen, seine Sinne beherrschen und mit unbewegtem Inneren die höchste Wirklichkeit betrachten.
Die Ich-Aussagen sind meditative Vergegenwärtigungen. Sie stehen neben Beschreibungen von Samadhi und außergewöhnlichem Erkennen. Die Schrift verheißt mehr als Wohlbefinden: Befreiung zu Lebzeiten, unmittelbares Schauen und Erkenntnis der drei Zeiten. Diese Verheißungen werden als Aussagen des Textes gelesen.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.2|Vers 7.2 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.2|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_7.48"></span>


<span id="Vers_7.6"></span>
'''7.48'''


'''7.6'''
Durch diesen Meditationsweg wird der Yogi nach der Lehre selbst zu Ishvara. Er sieht seinen Leib im Glanz von zehn Millionen Sonnen.


Diese Welt soll man als die Haarporen des eigenen Körpers betrachten und den eigenen Leib als das ganze Weltall. So soll man die große Gestalt vergegenwärtigen, Göttin, um Festigkeit des Geistes zu erlangen.
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.48|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.48|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.6|Vers 7.6 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.6|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_7.58"></span>


<span id="Vers_7.7"></span>
'''7.58'''


'''7.7'''
Ich bin die Biene am Lotus der yogischen Vergegenwärtigung, dessen Blätter die acht Siddhis sind. Ich bin ewig, jenseits begrifflicher Trennung, ohne Stütze und unvergänglich. Mein Wesen ist Sein, Bewusstsein und Wonne. Ich bin Brahman selbst.


Wenn der Yogi dies auf rechte Weise betrachtet, kommen seine geistigen Bewegungen allmählich zur Ruhe, durch die Besinnung auf göttliches Wissen.
''Betrachtung:'' Das Bienenbild und die acht Siddhis gehören zum Vers. Die Aussage umfasst die besondere tantrische Vorstellungswelt und die Erkenntnis Brahmans.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.7|Vers 7.7 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.7|Devanagari]]''
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.58|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.58|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_7.8"></span>
<span id="Auswahl_7.59"></span>


'''7.8'''
'''7.59'''


Nachdem der Geist so gefestigt ist, soll er mit der folgenden Meditation beginnen: Im eigenen Herzen betrachtet er einen höchsten Lotus, dessen Wesen Shiva und Shakti sind.
„Ich bin Brahman selbst. Ich bin kein Wesen, das im Kreislauf gefangen ist. Ich bin frei.“ So vergegenwärtige dich. Dieser Meditationsyoga führt nach der Lehre zur Befreiung mitten im Leben.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.8|Vers 7.8 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.8|Devanagari]]''
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.59|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.59|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_7.41"></span>
<span id="Auswahl_7.60"></span>


'''7.41'''
'''7.60'''


Oder ich erkläre dir den Yoga der Meditation auf andere Weise: Im Fruchtboden des Herzlotus erscheint eine Gestalt wie die reine Flamme einer Lampe.
Wenn die verwickelten Vorstellungen in Shiva vergehen, leuchtet Freude auf. Der Übende erkennt dieses Aufleuchten und schaut überall mit gleichem Blick.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.41|Vers 7.41 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.41|Devanagari]]''
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.60|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.60|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_7.42"></span>
<span id="Auswahl_7.75"></span>


'''7.42'''
'''7.75'''


Sie gleicht in ihrer Größe einem Daumenglied, leuchtet wie zehn Millionen Sonnen, hat die kugelige Gestalt einer Kadamba-Blüte und steht wie eine Sternensonne da.
Nun erkläre ich Samadhi, durch den der Yogi Shiva wird. Die Gestalt, die in der Meditation fest geworden ist, betrachtet er mit dem yogischen Auge.


''Anmerkung:'' „Sternensonne“ gibt ein ungewöhnliches zusammengesetztes Lichtbild wieder. Die genaue Beziehung seiner Bestandteile bleibt unklar.
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.75|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.75|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.42|Vers 7.42 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.42|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_7.79"></span>


<span id="Vers_7.43"></span>
'''7.79'''


'''7.43'''
Einspitzig, unzerstreut und unbewegt, mit still gewordenen Sinnen, schaut der in Samadhi Ruhende Sadashiva – ungetrennt vom eigenen Selbst.


Oder man soll das ringsum leuchtende, mit Strahlen flammende Licht betrachten, das im leeren, von keiner Stütze getragenen Zustand hervortritt.
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.79|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.79|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.43|Vers 7.43 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.43|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_7.80"></span>


<span id="Vers_7.44"></span>
'''7.80'''


'''7.44'''
Im Samadhi erscheint ein großes Leuchten wie Feuer. Wenn dieses Leuchten sich gnädig erweist, wird dem Yogi Befreiung zuteil.


Zur Verwirklichung des Yoga soll der Yogi diese Körpergestalt beständig einüben: Sie befindet sich inmitten eines göttlichen Mandalas und lässt flüssigen Nektar strömen.
''Betrachtung:'' Die ungewöhnliche Rede vom gnädigen Leuchten bleibt erhalten. Die Befreiung wird nicht als mechanisches Ergebnis eines Lichtbildes beschrieben.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.44|Vers 7.44 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.44|Devanagari]]''
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.80|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.80|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_7.45"></span>
<span id="Auswahl_7.81"></span>


'''7.45'''
'''7.81'''


Er soll das göttliche Mandala der Reihe nach als ganz rot und als weiß betrachten. Auch die Meditation der Gestalt soll er in eben dieser Reihenfolge ausführen.
Wenn Samadhi recht verwirklicht ist, sieht der Yogi mit dem yogischen Auge genau die Gestalt, die er sich vergegenwärtigt.


''Anmerkung:'' Die Übersetzung folgt einer begründeten neuen Worttrennung bei unverändertem Buchstabenbestand. Der Textvergleich ist beim Grundtext erläutert.
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.81|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.81|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.45|Vers 7.45 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.45|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_7.85"></span>


<span id="Vers_7.46"></span>
'''7.85'''


'''7.46'''
Zu den verheißenen Fähigkeiten gehören die Herrschaft über die Sinne, augenblickliche Allwissenheit, das Erkennen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sowie göttliche Herrschaft.


Man soll den Körper als von dessen Lichtfülle durchdrungen betrachten. Mit einer Vergegenwärtigung wie „Das bin ich“ soll man allmählich das „Ich“ erinnern.
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.85|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.85|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.46|Vers 7.46 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.46|Devanagari]]''
'''Frage zur Vertiefung:''' Woran erkennst du den Unterschied zwischen einer tiefen inneren Erfahrung und dem Wunsch, dir selbst besondere Fähigkeiten zuzuschreiben?


'''Zur eigenen Vertiefung:''' Welches Bild spricht dich besonders an, und welche Qualität weckt es in dir?
<span id="Thema_7"></span>


== 5. Shiva und Shakti im Herzen ==
== 7. Khechari: Sprache, Nektar und der diamantfeste Körper ==


Diese zusammenhängende Beschreibung zeigt Shiva im Herzlotus, von der Göttin umarmt. Friedvolle, schützende und machtvolle Züge gehören zu demselben Gottesbild. Auch die ungewöhnlichen Einzelheiten bleiben in der Übersetzung erhalten.
Khechari verbindet in diesem Werk Körpertechnik, [[Mantra]], Gottheiten und innere Erfahrung. Die Zunge wird zum Ort von Shri und der Göttin der Rede; der obere Körperraum zum Nektarozean. Die Auswahl zeigt die Kühnheit dieser Lehre. Sie ist keine Anleitung zu den an anderer Stelle beschriebenen körperlichen Eingriffen.


<span id="Vers_7.29"></span>
<span id="Auswahl_16.19"></span>


'''7.29'''
'''16.19'''


Er sitzt im Lotus des Herzens und leuchtet wie die junge Sonne. Sein Körper wird von der Göttin umarmt, deren Farbe dem Gold gleicht.
Vor den Füßen jenes Yogis verneige ich mich, der alle Wirklichkeitsprinzipien kennt und in den höchsten Yoga eingegangen ist: friedvoll und voller Glückseligkeit.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.29|Vers 7.29 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.29|Devanagari]]''
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.19|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.19|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_7.30"></span>
<span id="Auswahl_16.29"></span>


'''7.30'''
'''16.29'''


Sein ganzer Körper ist mit Asche bestäubt, und er trägt ein Tigerfell. Friedvoll verweilt er auf dem Verbrennungsplatz, dreiäugig und mit dem Mond als Scheitelschmuck.
An der Spitze der Zunge wohnen Shri und die Herrin der Rede. An ihrer Wurzel aber befinden sich Bindung und Tod.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.30|Vers 7.30 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.30|Devanagari]]''
''Betrachtung:'' Die Gegenüberstellung gehört zur Khechari-Lehre. Sie ist keine anatomische Feststellung und keine Aufforderung, die Zungenwurzel zu verletzen.


<span id="Vers_7.31"></span>
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.29|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.29|Sanskrit in Devanagari]]


'''7.31'''
<span id="Auswahl_16.33"></span>


Shiva ist in göttlichem Nektar gebadet, der von dem jungen Mond an seiner Stirn herabkommt. Er zeigt die Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit und trägt ein großes Beil sowie die Hirsch-Geste.
'''16.33'''


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.31|Vers 7.31 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.31|Devanagari]]''
Auf dem Weg der Sushumna wird der Atemwind von der Wurzel nach oben geführt. An der Brahma-Wohnstätte angekommen, versenkt der Yogi den Geist in die Leere.


<span id="Vers_7.32"></span>
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.33|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.33|Sanskrit in Devanagari]]


'''7.32'''
<span id="Auswahl_16.34"></span>


Der höchste Herr ist freundlich und trägt Gebetskette und Buch. Er ist mit einem großen Mandala verbunden und von der Haube einer großen Schlange überdacht.
'''16.34'''


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.32|Vers 7.32 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.32|Devanagari]]''
Meditiere über die höchste Wirklichkeit, frei vom Verwerfen und vom Ergreifen. Vom Brahma-Ort strömt der Himmelsganges herab, überaus kühl.


<span id="Vers_7.33"></span>
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.34|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.34|Sanskrit in Devanagari]]


'''7.33'''
<span id="Auswahl_16.35"></span>


Er erscheint in frischer Jugend, hat die Furcht vor der Zeit und weitere Bedrohungen verschlungen, besitzt ein schönes Gesicht und anmutige Glieder und ist Gegenstand verborgenen Erkennens.
'''16.35'''


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.33|Vers 7.33 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.33|Devanagari]]''
Wer davon trinkt, soll nach einem Monat einen diamantfesten Körper erlangen: einen göttlichen Leib, göttliche Rede und göttliche Schau.


<span id="Vers_7.34"></span>
''Betrachtung:'' Der Vers spricht vom zuvor beschriebenen inneren Himmelsganges. „Diamantfest“ ist die Verheißung des Textes, keine Zusicherung körperlicher Unverletzbarkeit.


'''7.34'''
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.35|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.35|Sanskrit in Devanagari]]


Er zerbricht die Menge der Fesseln des gebundenen Wesens und führt über den Ozean der Furcht. Er gewährt die weitreichende Macht des allwissenden Erkennens und schenkt alle Siddhis.
<span id="Auswahl_16.36"></span>


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.34|Vers 7.34 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.34|Devanagari]]''
'''16.36'''


<span id="Vers_7.35"></span>
Göttliche Einsicht und göttliches Hören sollen erwachen. An der Zungenspitze erscheint die Herrin der Rede, strahlend wie zehn Millionen Monde.


'''7.35'''
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.36|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.36|Sanskrit in Devanagari]]


So soll Mahadeva betrachtet werden: zur Befriedung allen Leidens, zur Auflösung aller Wesen und als Ursache dafür, dass alle Wünsche erfüllt werden.
<span id="Auswahl_16.37"></span>


''Anmerkung:'' Die Aussage über die Auflösung aller Wesen folgt einem fragend gesetzten Verbesserungsvorschlag der Druckausgabe.
'''16.37'''


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.35|Vers 7.35 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.35|Devanagari]]''
Von den Kräften höchsten Nektars gesättigt, wird die Göttin vergegenwärtigt – und augenblicklich soll Dichtkunst erwachen. Dann meditiert der vom Nektar beglückte Yogi über Lakshmi an seiner Zungenspitze.


'''Zur eigenen Vertiefung:''' Wie verbinden sich für dich Stille, Kraft und Geborgenheit?
''Betrachtung:'' Die besondere Fähigkeit wird konkret als Dichtkunst bezeichnet. Nicht nur Schweigen, auch sprachlicher Ausdruck kann Frucht der inneren Verwirklichung sein.


== 6. Die innere Verehrung ==
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.37|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.37|Sanskrit in Devanagari]]


Die innere Puja verwandelt Blumen, Duft, Licht und Opfergaben in Gegenstände der Vergegenwärtigung. Die Verse 8.72–74 betonen Shiva als das eigene Selbst und die Freiheit innerer Verehrung von Schädigung. Vers 8.38 beschreibt ein inneres Feueropfer; sein Bild hebt die Verantwortung für das eigene Handeln nicht auf. Ein Lobpreis der Bhairavi beschließt diesen Themenbereich.
<span id="Auswahl_16.46"></span>


<span id="Vers_8.1"></span>
'''16.46'''


'''8.1'''
Dort, im großen Nektarozean mit seinen kühlen Wogen, trinkt der Yogi Nektar und kommt zur Ruhe.


Nun werde ich die innere Verehrung erklären, die alle Siddhis gewährt. Dafür nimmt man an einem reinen, angenehmen Ort Platz, mit fester Entschlossenheit.
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.46|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.46|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_8.1|Vers 8.1 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_8.1|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_16.47"></span>


<span id="Vers_8.2"></span>
'''16.47'''


'''8.2'''
Mit einem Geist voller höchster Wonne sieht er seinen ganzen Körper von diesem Nektar gesättigt. Aus diesem Yoga soll göttliche Schau hervorgehen.


Mit befriedetem Inneren soll man lange nach dem zuvor beschriebenen Meditationsyoga verweilen und sich selbst im Bereich der reinen Wirklichkeit als Ishvara vergegenwärtigen.
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.47|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.47|Sanskrit in Devanagari]]


''Anmerkung:'' Die Selbstidentifikation mit Ishvara wird aus dem Zusammenhang verstanden; der Satzbau des Drucks ist uneben.
'''Frage zur Vertiefung:''' Lies die Nektarbilder langsam. Was geschieht, wenn du deinen Körper einmal als empfangend und durchströmt betrachtest, ohne etwas erzwingen zu müssen?


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_8.2|Vers 8.2 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_8.2|Devanagari]]''
<span id="Thema_8"></span>


<span id="Vers_8.3"></span>
== 8. Kundalini, Lichtfaden und der angeborene Klang ==


'''8.3'''
[[Datei:Nadis-Chakras.jpg|thumb|Der Text entfaltet unterschiedliche innere Körperordnungen. Die Abbildung ist ein allgemeines Schema.]]


Der Yogi soll mit heilsamen Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben verehren, die aus innerer Vergegenwärtigung bestehen: vorschriftsgemäß an den sechs Stützpunkten und besonders am Dvadashanta.
Die innere Körperwelt dieses Tantra ist beweglich und vielgestaltig. [[Kundalini]] erscheint als Urkraft, Lichtfaden und Klang. Die folgenden Verse gehören zu zusammenhängenden yogischen Verfahren; Atemanhalten und körperliche Verschlüsse werden durch diese Auswahl nicht als selbständige Übungen vermittelt.


''Anmerkung:'' Dvadashanta bezeichnet einen „Zwölfer-Endpunkt“ im yogischen Körperraum. Seine Lage wird hier nicht durch eine zusätzliche moderne Maßangabe festgelegt.
<span id="Auswahl_16.40"></span>


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_8.3|Vers 8.3 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_8.3|Devanagari]]''
'''16.40'''


<span id="Vers_8.4"></span>
Die erste angeborene Kraft ist Kundalini-Shakti. Die zweite ist Sushumna, die dritte die Zunge.


'''8.4'''
''Betrachtung:'' Der Text nennt insgesamt fünf angeborene Größen. Dieser Vers bietet die ersten drei; die Auswahl ergänzt die übrigen nicht aus einem anderen System.


Gesammelt soll er den unvergänglichen Shambhu zusammen mit Shakti verehren, Göttin, und dabei beständig den höchsten Nektarozean vergegenwärtigen.
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.40|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.40|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_8.4|Vers 8.4 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_8.4|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_16.44"></span>


<span id="Vers_8.5"></span>
'''16.44'''


'''8.5'''
Sie ist fein wie ein einzelner Spinnenfaden und leuchtet wie zehn Millionen Sonnen. Ihr Weg führt zum Gaumenzäpfchen und an den Riegel des Shiva-Tores.


Dieser Ozean leuchtet hell wie reiner Kristall und ist von göttlichen Wogen erfüllt. In seiner Mitte soll man, Göttin, eine weite Juweleninsel vergegenwärtigen.
''Betrachtung:'' Gemeint ist die zuvor genannte [[Kundalini]]-[[Shakti]]. Das Bild hält größte Feinheit und unermessliche Lichtkraft zusammen.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_8.5|Vers 8.5 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_8.5|Devanagari]]''
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.44|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.44|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_8.38"></span>
<span id="Auswahl_16.51"></span>


'''8.38'''
'''16.51'''


Man soll die entsprechenden Varuna-Holzstücke und weitere innerlich hervorgebrachte Gaben opfern. Dharma und Adharma, rechtes und unrechtes Handeln, soll man im Geist als Opfergaben in das flammende Feuer des Selbst darbringen.
Zwischen Ida und Pingala liegt Sushumna, die Lichtgestaltige. Dort wohnt unversehrter Glanz, inmitten der Vielfalt von Farben und Formen.


''Anmerkung:'' Der Sanskritsatz ist grammatisch beschädigt. Die Wiedergabe folgt den erkennbaren Begriffen des inneren Opferns; Einzelheiten stehen auf der Textseite.
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.51|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.51|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_8.38|Vers 8.38 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_8.38|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_16.70"></span>


<span id="Vers_8.43"></span>
'''16.70'''


'''8.43'''
Die Shakti leuchtet wie tausend Blitze. Im Inneren des Brahma-Eis wird sie in den Ozean kühlen Nektars geführt; dort soll der Übende lange verweilen.


In seiner Mitte soll man sich selbst als Lichtgestalt betrachten, höchste Herrin: so unbewegt wie eine Lampe an einem windstillen Ort.
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.70|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.70|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_8.43|Vers 8.43 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_8.43|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_16.85"></span>


<span id="Vers_8.45"></span>
'''16.85'''


'''8.45'''
Vereine Shakti mit dem dort weilenden höchsten Shiva, der höchsten Ursache. Vergegenwärtige ihre Einheit.


So betrachtet man das von Eigenschaften erfüllte Gefüge aller Gottheiten und verehrt das Eine mit Blumen, Nektar und weiteren Gaben der inneren Vergegenwärtigung.
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.85|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.85|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_8.45|Vers 8.45 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_8.45|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_18.8"></span>


<span id="Vers_8.46"></span>
'''18.8'''


'''8.46'''
Indem sie die Chakras der Reihe nach durchdringt, wird die Kraft eins und heißt Nada, Klang: ein Ring aus Blitzen, eine Gestalt aus leuchtenden Strahlen.


Eben diesem soll der Yogi Opfergaben darbringen, die innerlich bereitet sind. So verehrt er den makellosen Shambhu als Gestalt seines eigenen Selbst.
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.8|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.8|Sanskrit in Devanagari]]


''Anmerkung:'' Die folgende, hier nicht aufgenommene Stelle 8.47 schließt mit einer Verheißung yogischer Vollendung an.
<span id="Auswahl_18.9"></span>


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_8.46|Vers 8.46 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_8.46|Devanagari]]''
'''18.9'''


<span id="Vers_8.72"></span>
Durch ein Erfahrungszeichen löst sie sich im Höchsten auf: ohne Stütze, von leerem Licht erfüllt, im Innern der Brahma-Tür, das Visarga heißt.


'''8.72'''
''Betrachtung:'' Visarga, „Ausströmung“ oder „Entlassung“, bleibt hier die besondere Bezeichnung des Textes. Eine einfache Gleichsetzung mit einem heutigen Chakra-Namen würde zu kurz greifen.


Wer Shiva im eigenen Selbst aufgibt und ihn außerhalb verehrt, gleicht einem Menschen, der den Milchreis in seiner Hand zurücklässt und stattdessen seinen Ellenbogen leckt.
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.9|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.9|Sanskrit in Devanagari]]


''Anmerkung:'' Die Wortfolge des Gleichnisses ist im Druck beschädigt. Sein erkennbarer Sinn wird wiedergegeben, ohne den Grundtext stillschweigend zu verbessern.
<span id="Auswahl_18.51"></span>


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_8.72|Vers 8.72 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_8.72|Devanagari]]''
'''18.51'''


<span id="Vers_8.73"></span>
Lass den Geist äußerst fein in die Sushumna eintreten. Wenn Shakti sich regt, offenbart sich der höchste Klang.


'''8.73'''
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.51|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.51|Sanskrit in Devanagari]]


Der höchste Shambhu hat die Gestalt des Selbst; diese Welt ruht auf ihm. Wird er verehrt, Göttin, ist damit alles Bewegliche und Unbewegliche verehrt.
<span id="Auswahl_18.52"></span>


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_8.73|Vers 8.73 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_8.73|Devanagari]]''
'''18.52'''


<span id="Vers_8.74"></span>
Das ist das angeborene Bija: Darin sammelt sich der Geist. Im selben Augenblick, so die Verheißung, verlässt der Yogi die Erde und verweilt fest im Raum.


'''8.74'''
''Betrachtung:'' Das Raumverweilen bleibt als außergewöhnliche [[Siddhi]] stehen. Die Stelle nennt keine ausgeschriebene Silbe; „Om“ oder ein anderes [[Mantra]] wird nicht eingesetzt.


Da die innere Verehrung von Fehlern wie Schädigung frei ist, schenkt sie innere Befreiung. Deshalb soll man mit aller Sorgfalt Shiva im Inneren verehren.
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.52|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.52|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_8.74|Vers 8.74 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_8.74|Devanagari]]''
'''Frage zur Vertiefung:''' Kannst du Stille auch als ein feines Hören verstehen, ohne einen bestimmten inneren Klang herstellen zu wollen?


<span id="Vers_11.19"></span>
Ergänzendes allgemeines Yoga-Vidya-Angebot: Mantra-Chakra-Vedanta-Meditation. Das Video begleitet die persönliche Vertiefung; es erklärt keine einzelne historische Praxisanweisung der Matsyendra Samhita.


'''11.19'''
{{#ev:youtube|hTkSKORqMAE}}


Ich verehre Bhairavi, die Herrin des Alls: Sie verkörpert die Yogavidya, die mit Allwissenheit, Siddhi und umfassender Herrschaft verbunden ist, und schenkt Befreiung zu Lebzeiten.
<span id="Thema_9"></span>


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_11.19|Vers 11.19 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_11.19|Devanagari]]''
== 9. Verkörperte Meditation und der innere Milchozean ==


'''Zur eigenen Vertiefung:''' Welche innere Gabe könntest du heute bewusst werden lassen: Dankbarkeit, Wohlwollen oder aufmerksames Zuhören?
Die Meditation durchdringt den Leib mit Farben, Licht und innerem Nektar. Ihre Bilder sind ungewöhnlich konkret: ein blitzendes Wurzelzentrum, das korallenrote Herz, ein Milchstrom durch die Schädelöffnung und Tropfen, die aus den Poren austreten. Die Bilder werden als historische Vergegenwärtigungen gelesen; sie sind keine körpermedizinischen Aussagen.


== 7. Schrift, Guru und Unterscheidungskraft ==
<span id="Auswahl_7.44"></span>


Schrift, ihr verstandener Sinn und Unterweisung gehören zusammen. Khechari bezeichnet hier einen besonderen tantrischen Lehr- und Praxiszusammenhang; die „Zusammenkunft“ ist ein Fachbegriff dieses Zusammenhangs. Die hohe Wertschätzung des Gurus steht neben der ausdrücklichen Aufforderung, einen Lehrer ohne Erkenntnis zu verlassen. Historische Geheimhaltungs- und Gehorsamsforderungen werden dadurch nicht zu heutigen allgemeinen Verhaltensregeln.
'''7.44'''


<span id="Vers_14.3"></span>
Lass diese Körpergestalt durch beständige Meditation lebendig werden: Sie ruht in einem göttlichen Mandala und lässt flüssigen Nektar strömen.


'''14.3'''
''Betrachtung:'' Die Körpergestalt schließt an die Lichtmeditation an. Das innere Bild wird über längere Zeit entfaltet.


Khechari vernichtet Alter, Tod und Krankheit. Wer sie auf Erden aus der Schrift, aus deren Sinn sowie durch die Anwendung ihrer Übung kennt, ist der im folgenden Vers bezeichnete Lehrer.
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.44|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.44|Sanskrit in Devanagari]]


''Anmerkung:'' Die Satzkonstruktion ist unregelmäßig; der Zusammenhang mit dem in 14.4 genannten Lehrer ergibt sich aus beiden Versen.
<span id="Auswahl_7.45"></span>


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_14.3|Vers 14.3 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_14.3|Devanagari]]''
'''7.45'''


<span id="Vers_14.4"></span>
Betrachte das göttliche Mandala zuerst ganz rot und dann weiß. Auch die Gestalt in seiner Mitte wird in derselben Reihenfolge meditiert.


'''14.4'''
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.45|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.45|Sanskrit in Devanagari]]


Diesen Menschen soll man mit ganzem Wesen als Guru anerkennen und sich ihm anvertrauen, Göttin. Schwer zu erlangen sind die Khechari-Vidya und ebenso ihre Übung.
<span id="Auswahl_8.49"></span>


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_14.4|Vers 14.4 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_14.4|Devanagari]]''
'''8.49'''


<span id="Vers_14.9"></span>
Im Muladhara erscheint die Gottheit in der Farbe des Blitzes. Ihr Licht erhellt die Himmelsrichtungen; sie gleicht tausend jungen Sonnen, vollkommen rein und doch mit Eigenschaften versehen.


'''14.9'''
[[Matsyendra Samhita#Vers_8.49|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_8.49|Sanskrit in Devanagari]]


Wenn er die Zusammenkunft aus der Schrift und ihrem Sinn erlangt, erreicht er Shiva-Sein, befreit aus dem Kreislauf des Daseins.
<span id="Auswahl_8.57"></span>


''Anmerkung:'' „Zusammenkunft“ gehört zur besonderen Khechari-Lehre. Die Stelle beschreibt das Verhältnis von Überlieferung, Erkenntnis und Verwirklichung in diesem Kontext.
'''8.57'''


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_14.9|Vers 14.9 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_14.9|Devanagari]]''
Im großen Lotus des Anahata strahlt er rot wie die Japa-Blüte, wie ein junger Korallenzweig und wie tausend Sonnen.


<span id="Vers_14.10"></span>
''Betrachtung:'' Gemeint ist [[Shiva]]. Die Farbgestalt wird aus diesem Vers übernommen; sie wird nicht an ein verbreitetes modernes Chakra-Schema angepasst.


'''14.10'''
[[Matsyendra Samhita#Vers_8.57|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_8.57|Sanskrit in Devanagari]]


Ohne die Schrift vermögen selbst Gurus es nicht vollständig aufzunehmen. Deshalb muss diese überaus schwer zugängliche Schrift erlangt werden, Geliebte.
<span id="Auswahl_18.44"></span>


''Anmerkung:'' Was genau „vollständig aufnehmen“ soll, ist im Sanskritsatz nicht ausdrücklich als Objekt genannt.
'''18.44'''


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_14.10|Vers 14.10 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_14.10|Devanagari]]''
An der Nasenspitze schaut der Yogi ein Licht, erhellt vom Mond im Herzen. Er vergegenwärtigt die Einheit beider – und darin erkennt er sich selbst.


<span id="Vers_14.11"></span>
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.44|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.44|Sanskrit in Devanagari]]


'''14.11'''
<span id="Auswahl_18.53"></span>


Solange das Buch nicht erlangt wird, soll man diese Erde durchwandern. Sobald es erlangt ist, Göttin, liegt die Vollendung in der Hand.
'''18.53'''


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_14.11|Vers 14.11 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_14.11|Devanagari]]''
Nach einem Muhurta sieht er die ganze Welt als Lichtgestalt. Eine Wache lang bleibt dieses Licht Gegenstand seiner Betrachtung.


<span id="Vers_14.12"></span>
''Betrachtung:'' Muhurta und Wache sind die Zeitangaben der Schrift. Die Aussage ist kein Versprechen einer bestimmten Erfahrung nach einer heutigen Übungssitzung.


'''14.12'''
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.53|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.53|Sanskrit in Devanagari]]


Ohne die Schrift gibt es keine Vollendung, selbst wenn einer die drei Welten durchwandert. Deshalb soll man den Geber der Zusammenkunft und den Übermittler der Schrift, Herrin, in der nun genannten Weise betrachten.
<span id="Auswahl_18.57"></span>


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_14.12|Vers 14.12 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_14.12|Devanagari]]''
'''18.57'''


<span id="Vers_14.13"></span>
Die Augen richten sich zur Mitte zwischen den Brauen, der Geist ruht fest im Herzen. Der Yogi sieht sich im Milchozean versunken, von zwei Lotussen umschlossen.


'''14.13'''
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.57|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.57|Sanskrit in Devanagari]]


Auch den, der ihre Übung vermittelt, soll man als Shiva ansehen und stets verehren. Viele Tantras habe ich gelehrt, Göttin, die du von den Göttern verehrt wirst.
<span id="Auswahl_18.58"></span>


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_14.13|Vers 14.13 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_14.13|Devanagari]]''
'''18.58'''


<span id="Vers_14.19"></span>
Durch die Brahma-Öffnung trinkt er den kühlen Nektar eines Milchstroms. Aus den Poren seines Körpers treten Millionen und Abermillionen Milchtropfen hervor.


'''14.19'''
''Betrachtung:'' Der Vers entfaltet eine innere Körpervorstellung. Der ganze Leib wird zum durchlässigen Raum des Nektars.


Wer den aus dem Lotus meines Mundes hervorgegangenen Nektar der Schrift ausspricht, ist wahrhaft ein Guru. Wer ihn darüber hinaus seinem Sinn nach versteht, wird im folgenden Vers noch höher gestellt.
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.58|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.58|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_14.19|Vers 14.19 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_14.19|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_18.59"></span>


<span id="Vers_14.20"></span>
'''18.59'''


'''14.20'''
So sieht er sich von einer undurchdringlichen weißen Hülle umgeben. Nach einem Monat, verheißt die Schrift, erlangt er Freiheit von Alter und Tod.


Dieser wird als höherstehend bezeichnet; kein Guru ist ihm überlegen. Hat man hier die geheime Schrift erlangt, soll man sie anderen nicht offenbaren.
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.59|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.59|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_14.20|Vers 14.20 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_14.20|Devanagari]]''
'''Frage zur Vertiefung:''' Wie verändert sich dein Körpergefühl, wenn du ein solches Bild langsam liest und anschließend nachklingen lässt? Bleibe beim Wahrnehmen, ohne die verheißene Erfahrung erzwingen zu wollen.


<span id="Vers_17.30"></span>
<span id="Thema_10"></span>


'''17.30'''
== 10. Schrift, Guru und der Mut zur Unterscheidung ==


An einem abgeschiedenen Ort soll man zuhören, oder im Kreis von Menschen, die diese Lehre kennen, Geliebte; dabei gilt das zuvor gelehrte Verfahren nach der Unterweisung des eigenen Gurus.
Der Text fordert Ausdauer und ehrfürchtiges Hören. Er setzt aber nicht jeden Lehrer kraft seines Amtes mit Erkenntnis gleich. Besonders Vers 17.33 stellt Wissen über gesellschaftlichen Rang und bloße Pflichterfüllung. Die Verehrung des Gurus gewinnt ihren Sinn durch wirkliche Einsicht.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_17.30|Vers 17.30 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_17.30|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_14.9"></span>


<span id="Vers_17.31"></span>
'''14.9'''


'''17.31'''
Wer die Zusammenkunft durch die Schrift und durch das Verstehen ihres Sinnes erlangt, erreicht das Shiva-Sein und wird aus dem Kreislauf des Daseins frei.


Nachdem der Schüler zwölf Jahre lang ordnungsgemäß und unermüdlich geübt hat, soll er diese Erde durchwandern, um den Guru der Zusammenkunft zu finden.
''Betrachtung:'' Die Zusammenkunft ist hier Melaka, ein Fachbegriff des Khechari-Zusammenhangs. Gemeint ist nicht einfach jedes gemeinsame Meditieren.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_17.31|Vers 17.31 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_17.31|Devanagari]]''
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<span id="Vers_17.32"></span>
<span id="Auswahl_14.10"></span>


'''17.32'''
'''14.10'''


Wenn er ihn gefunden hat, soll er ihn mit ganzem Wesen und sorgfältig verehren. Was jener zum höchsten Wohl des eigenen Selbst lehrt, soll er gewissenhaft ausführen.
Ohne die Schrift können selbst Gurus die Lehre nicht ganz aufnehmen. Darum suche dieses seltene und schwer zugängliche Werk.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_17.32|Vers 17.32 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_17.32|Devanagari]]''
[[Matsyendra Samhita#Vers_14.10|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_14.10|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_17.33"></span>
<span id="Auswahl_14.11"></span>


'''17.33'''
'''14.11'''


Selbst einen wissenden Matanga soll man zum Guru machen, Geliebte. Wer aber weder Wissen noch unterscheidende Erkenntnis besitzt, den soll man verlassen, auch wenn er die sechs Pflichten vollzieht.
Solange du das Buch nicht gefunden hast, durchwandere die Erde. Sobald du es erlangst, liegt die Vollendung in deiner Hand.


''Anmerkung:'' Matanga bezeichnet hier einen sozial niedrig eingeordneten Menschen. Die „sechs Pflichten“ können die brahmanischen Pflichten meinen; sie sind hier nicht als sechs Hatha-Yoga-Reinigungen zu verstehen.
''Betrachtung:'' Die zugespitzte Verheißung ehrt die Begegnung mit der Lehre. Die Nachbarverse verbinden das Buch ausdrücklich mit seinem verstandenen Sinn.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_17.33|Vers 17.33 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_17.33|Devanagari]]''
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<span id="Vers_17.34"></span>
<span id="Auswahl_17.30"></span>


'''17.34'''
'''17.30'''


Wo immer eine besondere Einsicht zu finden ist, dort soll man Zuflucht suchen. Wer das göttliche Buch der Vidya in seiner Hand trägt, Herrin,
Höre an einem abgeschiedenen Ort zu – oder zusammen mit Menschen, die diese Lehre kennen. Folge dabei dem überlieferten Verfahren und der Unterweisung deines Gurus.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_17.34|Vers 17.34 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_17.34|Devanagari]]''
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<span id="Vers_17.35"></span>
<span id="Auswahl_17.31"></span>


'''17.35'''
'''17.31'''


in dessen Gestalt befindet sich, Göttin, der ganze Ozean des Wissens. Wer diese Lehre ihrem Wortlaut und ihrem Sinn nach darlegt,
Nach zwölf Jahren gewissenhafter, unermüdlicher Übung durchwandert der Schüler die Erde, um den Guru der Zusammenkunft zu finden.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_17.35|Vers 17.35 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_17.35|Devanagari]]''
''Betrachtung:'' Die lange Vorbereitung steht im Werk neben Verheißungen plötzlicher Vollendung. Beide Akzente gehören zu seiner Gestalt.


<span id="Vers_17.36"></span>
[[Matsyendra Samhita#Vers_17.31|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_17.31|Sanskrit in Devanagari]]


'''17.36'''
<span id="Auswahl_17.33"></span>


und zwar ohne Auslassung, Weltenmutter, der ist der höchste Guru. Diese Lehre wurde vom allwissenden Shiva ausgesprochen und ist selbst in ungezählten Geburten,
'''17.33'''


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_17.36|Vers 17.36 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_17.36|Devanagari]]''
Nimm selbst einen gesellschaftlich verachteten Menschen zum Guru, wenn er Erkenntnis besitzt. Einen Lehrer ohne Wissen und unterscheidende Einsicht aber verlasse – auch wenn er alle sechs Pflichten erfüllt.


<span id="Vers_17.37"></span>
''Betrachtung:'' Die sechs Pflichten sind hier wahrscheinlich brahmanische Pflichten, nicht die sechs Hatha-[[Yoga]]-Reinigungen. Der Vers erlaubt ausdrücklich, einen ungeeigneten Lehrer zu verlassen.


'''17.37'''
[[Matsyendra Samhita#Vers_17.33|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_17.33|Sanskrit in Devanagari]]


schwer zu erlangen: Sie ist der Kern der Schriften und offenbart göttliche Erkenntnis. Zwei Arten von Menschen gibt es in der Welt: den Vollendeten, Siddha, und den Übenden, Sadhaka.
<span id="Auswahl_17.38"></span>


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_17.37|Vers 17.37 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_17.37|Devanagari]]''
'''17.38'''


'''Zur eigenen Vertiefung:''' Woran erkennst du eine Unterweisung, die Klarheit fördert und deine verantwortliche Selbstständigkeit achtet?
Ein Sadhaka ist ein Yogi, der sich beständig übend mit allem auseinandersetzt und die eigene Vollendung sucht.


== 8. Einheit und die Erkenntnis des Selbst ==
[[Matsyendra Samhita#Vers_17.38|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_17.38|Sanskrit in Devanagari]]


Die Ich-Aussagen dieser Verse gehören zur meditativen Vergegenwärtigung. Sie beschreiben die Identifikation mit göttlicher Wirklichkeit und mit Brahman. Der Abschnitt schließt mit der Aufforderung, die Einheit von Shiva und Shakti zu betrachten.
<span id="Auswahl_17.40"></span>


<span id="Vers_7.48"></span>
'''17.40'''


'''7.48'''
Der Vollendete ist Schöpfer, Erhalter und Auflöser, immer erfüllt und frei von Leid. Die ganze bewegliche und unbewegliche Welt schaut er als ungetrennt von seinem eigenen Selbst.


Durch diesen Yoga der Meditation wird der Yogi nach Aussage der Lehre Ishvara selbst. Er soll den eigenen Körper als leuchtend wie zehn Millionen Sonnen vergegenwärtigen.
''Betrachtung:'' Das Subjekt „der Vollendete“ ist aus dem vorausgehenden Vers aufgenommen. Der Text stellt ihn dem noch nach Vollendung strebenden Sadhaka gegenüber.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.48|Vers 7.48 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.48|Devanagari]]''
[[Matsyendra Samhita#Vers_17.40|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_17.40|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_7.49"></span>
<span id="Auswahl_11.53"></span>


'''7.49'''
'''11.53'''


Durch rechte Unterscheidung des Selbst erlangt er bald den Yoga. Der Yogi soll sich selbst ausdrücklich als die Gestalt Ishvaras betrachten.
Der Schüler ehrt den Guru erneut mit Gewändern und Schmuck. Dann rezitiert er die Vidya Tag für Tag, nach seinen Kräften und mit heiterem Geist.


''Anmerkung:'' Der Bezug der Unterscheidung auf das Selbst wird aus dem Zusammenhang erschlossen; der Satzbau ist unregelmäßig.
[[Matsyendra Samhita#Vers_11.53|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_11.53|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.49|Vers 7.49 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.49|Devanagari]]''
'''Frage zur Vertiefung:''' Welche Unterweisung hilft dir, klarer und verantwortlicher zu werden? Woran würdest du erkennen, dass bloße Autorität an die Stelle von Einsicht getreten ist?


<span id="Vers_7.58"></span>
<span id="Thema_11"></span>


'''7.58'''
== 11. Siddhis und die unvergängliche Mondinsel ==


„Ich bin die Biene am Lotus jener yogischen Vergegenwärtigung, der mit den vorzüglichen Blättern der acht Siddhis glänzt. Ich bin ewig, frei von begrifflichen Unterscheidungen, ohne Stütze und unvergänglich. Mein Wesen ist Sein, Bewusstsein und Glück. Ich bin Brahman selbst, daran besteht kein Zweifel.
Dichtkunst, Erkenntnis der drei Zeiten und übermenschliche Fähigkeiten gehören zu den ausgesprochenen Verheißungen. Zugleich reicht die Perspektive über die üblichen Götterwelten hinaus: Selbst Vaikuntha und Kailasha vergehen, während die Mondinsel Kulambikas als unvergänglich gepriesen wird. Diese besondere Lehre verdient es, in ihrer Eigenart gelesen zu werden.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.58|Vers 7.58 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.58|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_18.15"></span>


<span id="Vers_7.59"></span>
'''18.15'''


'''7.59'''
Wo sich der Yogi in der beschriebenen Weise auflöst, offenbart sich nichts als höchste Wonne. Er erkennt den Sinn aller Schriften und erlangt das höchste Glück.


„Ich bin Brahman selbst; ich bin kein im Kreislauf Gebundener. Ich bin frei.“ So soll man sich vergegenwärtigen. Durch diesen Yoga der Meditation erlangt man nach Aussage des Textes die Befreiung zu Lebzeiten.
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.15|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.15|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.59|Vers 7.59 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.59|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_18.16"></span>


<span id="Vers_7.60"></span>
'''18.16'''


'''7.60'''
Durch die Kraft von Rudras Shakti dichtet der Yogi spielend in allen Sprachen – mit kunstvollem Ausdruck und leuchtenden Worten.


Wenn die verwickelten begrifflichen Vorstellungen in Shiva zur Auflösung kommen, erkennt der Übende das freudige Aufleuchten und schaut überall mit gleichem Blick.
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.16|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.16|Sanskrit in Devanagari]]


''Anmerkung:'' Der Sanskritsatz ist grammatisch unvollständig. Die Übersetzung verbindet die erkennbaren Aussagen über Auflösung, Freude und Gleichsicht.
<span id="Auswahl_18.21"></span>


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.60|Vers 7.60 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.60|Devanagari]]''
'''18.21'''


<span id="Vers_16.85"></span>
An der Ajna-Stätte schaut der Yogi die drei Welten. Er erkennt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und erscheint als selbstmächtig Handelnder, als höchster Herr.


'''16.85'''
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.21|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.21|Sanskrit in Devanagari]]


Der dort weilende höchste Shiva, die höchste Ursache, soll mit Shakti verbunden werden, Göttin. Man soll ihre Einheit vergegenwärtigen.
<span id="Auswahl_18.22"></span>


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_16.85|Vers 16.85 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_16.85|Devanagari]]''
'''18.22'''


'''Zur eigenen Vertiefung:''' Wie verändert sich dein Blick auf andere, wenn du nach dem Verbindenden hinter den Unterschieden fragst?
Am Nabel erkennt er das Vergangene, im Herzen das Gegenwärtige; an der Ajna-Stätte erkennt er alles.


== 9. Versenkung und Samadhi ==
''Betrachtung:'' Diese Zuordnung stammt aus diesem Text. Sie wird nicht als allgemein verbindliche Bedeutung der Chakras ausgegeben.


Der Text verbindet die gefestigte Meditation mit Samadhi. Seine Zeitverhältnisse und Erfahrungsbeschreibungen werden als historische Lehrangaben wiedergegeben. Für die heutige Reflexion kann besonders die Verbindung von Sammlung, ruhigen Sinnen und allmählichem Fortschreiten anregend sein.
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.22|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.22|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_7.74"></span>
<span id="Auswahl_18.34"></span>


'''7.74'''
'''18.34'''


Wann immer der Geist, in ein bestimmtes Wirklichkeitsprinzip versenkt, unbeweglich wird, soll man, große Herrin, den Yoga der Meditation aufnehmen.
Wer die höchste Wonne erreicht, die Genuss und Befreiung schenkt, erlangt nach der Verheißung binnen eines halben Jahres Befreiung zu Lebzeiten.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.74|Vers 7.74 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.74|Devanagari]]''
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<span id="Vers_7.75"></span>
<span id="Auswahl_18.36"></span>


'''7.75'''
'''18.36'''


Ich werde nun Samadhi erklären, durch den der Yogi Shiva wird. Die Gestalt, die in der Meditation gefestigt wurde, soll er mit dem yogischen Blick betrachten.
Immerwährende Wonne ist sein Wesen, Allgegenwart seine Kraft. Dazu gehören Anima, Laghima, Prapti, Prakamya und Garima.


''Anmerkung:'' An dieser Stelle beginnt im Kapitel ein neuer Lehrabschnitt. Die Sprecherangabe lautet: „Ishvara sprach.
''Betrachtung:'' Genannt sind traditionelle Siddhis: äußerste Kleinheit, Leichtigkeit, Erlangen, Erfüllung des Willens und Schwere. Die Aufzählung setzt sich im folgenden Vers fort.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.75|Vers 7.75 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.75|Devanagari]]''
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<span id="Vers_7.76"></span>
<span id="Auswahl_18.65"></span>


'''7.76'''
'''18.65'''


Wieder und wieder soll er dies mit geklärtem Inneren und seinem ganzen Geist tun. Wann immer jene Gestalt zusammen mit dem Geist in Auflösung eingeht, setzt die folgende Anweisung an.
Auch Brahmas Welt, Vishnus Vaikuntha und Kailasha, die Wohnstätte Rudras, vergehen beim großen Untergang.


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<span id="Vers_7.77"></span>
<span id="Auswahl_18.66"></span>


'''7.77'''
'''18.66'''


Dann soll er sie mit dem yogischen Blick wieder in eine auf ihr Ziel gerichtete Festigkeit führen. Als Samadhi wird eine Zeitspanne bezeichnet, die siebenmal so lang ist wie die Meditation.
Unvergänglich aber ist die Mondinsel. Dort weilt die Göttin Kulambika zusammen mit mir. Wahrlich, wahrlich, du von großer Askese!


''Anmerkung:'' Der Faktor sieben steht ausdrücklich im Druck. Die genaue Beschreibung der Stabilisierung ist sprachlich unklar; eine moderne Zeitangabe wird daraus nicht abgeleitet.
''Betrachtung:'' „Mit mir“ spricht [[Shiva]]. Kulambika und die Mondinsel sind konkrete Bestandteile dieser Überlieferung.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.77|Vers 7.77 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.77|Devanagari]]''
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.66|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.66|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_7.79"></span>
<span id="Auswahl_18.67"></span>


'''7.79'''
'''18.67'''


Einspitzig, unzerstreut, unbewegt und mit ruhigen Sinnen soll der in Samadhi Verweilende Sadashiva ohne Trennung vom eigenen Selbst schauen.
Die Yoginis und Siddhas dieser Insel nehmen nach eigenem Willen Gestalt an. Die Kraft eines jeden von ihnen verfehlt ihr Ziel nicht.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.79|Vers 7.79 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.79|Devanagari]]''
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.67|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.67|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_7.80"></span>
'''Frage zur Vertiefung:''' Lies die Siddhis als große Verheißungen dieser Schrift. Welche Beziehung haben für dich Macht, Erkenntnis und Freiheit – und wo könnten sie auseinanderfallen?


'''7.80'''
<span id="Thema_12"></span>


Im Samadhi erscheint, Göttin, ein großes Leuchten wie Feuerlicht. Wenn dieses gnädig oder zufrieden ist, wird dem in Samadhi befindlichen Yogi Befreiung zuteil.
== 12. Die Zeit verschlingen – und zum Segen der Welt bleiben ==


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.80|Vers 7.80 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.80|Devanagari]]''
[[Datei:Meditation.Herz.Sonne.jpg|thumb|Erkenntnis kann in einer Haltung des Wohlwollens und in konkretem Handeln weiterwirken.]]


<span id="Vers_7.89"></span>
Zum Schluss weitet sich der Blick noch einmal. Der Körper enthält das Weltall, die Furcht vor der Zeit wird verschlungen, und der Yogi überschreitet den Kreislauf. Doch der Text kennt auch das Bleiben: Der Körper kann zum Segen der Welten erhalten werden. Die Aussagen über das Verlassen des Körpers sind historische Befreiungsvorstellungen, keine Aufforderung, das eigene Leben zu beenden.


'''7.89'''
<span id="Auswahl_20.19"></span>


So verwirklicht er Samadhi und schreitet darin allmählich voran. Damit habe ich dir, Göttin, diesen überaus schwer zugänglichen Samadhi erklärt.
'''20.19'''


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_7.89|Vers 7.89 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_7.89|Devanagari]]''
Betrachte das ganze Windprinzip als deinen Atem. Das Raumprinzip ist mit der feinen Qualität des Klangs verbunden.


'''Zur eigenen Vertiefung:''' Was hilft dir, Stille zuzulassen, ohne eine besondere Erfahrung erzwingen zu wollen?
[[Matsyendra Samhita#Vers_20.19|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_20.19|Sanskrit in Devanagari]]


== 10. Befreiung und das Wohl der Welt ==
<span id="Auswahl_20.21"></span>


Die Matsyendra Samhita unterscheidet den Übenden, Sadhaka, vom Vollendeten, Siddha. Die folgenden Verse schildern Ungetrenntheit, Befreiung und das Bleiben im Körper zum Segen der Welten. Die Todes- und Befreiungsvorstellungen in 16.95–96 sind Teil dieser historischen Lehre, keine Aufforderung, das eigene Leben zu verkürzen. Das abschließende Bild richtet die Aufmerksamkeit auf das ganze Weltall.
'''20.21'''


<span id="Vers_17.38"></span>
Dieses unvergängliche Weltall ist in deinen eigenen Körper eingegangen. Spielerisch verschlinge die Zeit, von der Auflösung bis zur großen Weltauflösung.


'''17.38'''
''Betrachtung:'' „Die Zeit verschlingen“ ist die kühne Formulierung des Textes. Sie wird nicht auf gutes Zeitmanagement verkürzt.


Wer durch beständige Übung alles durchläuft und Vollendung für sich selbst erstrebt, dieser Yogi wird Sadhaka genannt.
[[Matsyendra Samhita#Vers_20.21|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_20.21|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_17.38|Vers 17.38 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_17.38|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_20.22"></span>


<span id="Vers_17.39"></span>
'''20.22'''


'''17.39'''
Verweile fest im Lotussitz und vergegenwärtige das Einssein. Betrachte deinen Körper als unversehrt und frei von den Befleckungen der Zeit.


Wer recht geübt und erkannt hat und die Zusammenkunft in gleicher Weise vollzieht, auf einer allen gemeinsamen Grundlage und frei von der Verschlungenheit unterscheidenden Denkens,
[[Matsyendra Samhita#Vers_20.22|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_20.22|Sanskrit in Devanagari]]


''Anmerkung:'' Die Formulierung über die gemeinsame Grundlage lässt die genaue Art des Gleichseins offen. Die Beschreibung des Vollendeten wird in 17.40–41 fortgesetzt.
<span id="Auswahl_20.23"></span>


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_17.39|Vers 17.39 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_17.39|Devanagari]]''
'''20.23'''


<span id="Vers_17.40"></span>
Sieh dieses Weltei als ohne Öffnung. Hast du die Furcht vor der Zeit verschlungen, verweile wie Shiva, frei nach eigenem Willen.


'''17.40'''
[[Matsyendra Samhita#Vers_20.23|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_20.23|Sanskrit in Devanagari]]


ist Schöpfer, Erhalter und Auflöser, stets erfüllt und frei von Leid. Er sieht diese ganze bewegliche und unbewegliche Welt als vom eigenen Selbst ungetrennt.
<span id="Auswahl_20.28"></span>


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_17.40|Vers 17.40 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_17.40|Devanagari]]''
'''20.28'''


<span id="Vers_17.41"></span>
Der Yogi soll Herr über Schöpfung, Erhaltung und Auflösung sein und überall mit gleichem Blick schauen. Auch das Eintreten in einen fremden Körper, das Wandeln im Raum und Reinheit werden ihm zugeschrieben.


'''17.41'''
''Betrachtung:'' Die fremdkörperliche und räumliche Bewegungsfreiheit gehört ausdrücklich zur [[Siddhi]]-Vorstellung. Sie wurde nicht durch eine unverbindliche Metapher ersetzt.


Diesen allwissenden, glückverheißenden Yogi nennen die Kundigen einen Siddha. Der Sadhaka erreicht den höchsten Ort nach vielen Geburten.
[[Matsyendra Samhita#Vers_20.28|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_20.28|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_17.41|Vers 17.41 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_17.41|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_16.94"></span>


<span id="Vers_16.95"></span>
'''16.94'''


'''16.95'''
So lässt der Yogi die Bindungen des Daseinskreislaufs zurück und hält sich an die höchste Wirklichkeit. Für die fünf Elemente und die weiteren Mächte unsichtbar, durchbricht er nach der Lehre die Sonnenscheibe.


In die höchste, friedvolle Wirklichkeit Shivas eingegangen, wird er Shiva gleich. Selbst nach Tausenden von zehn Millionen Weltzeitaltern soll es keine Rückkehr mehr geben.
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.94|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.94|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_16.95|Vers 16.95 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_16.95|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_16.95"></span>


<span id="Vers_16.96"></span>
'''16.95'''


'''16.96'''
In Shivas höchste, friedvolle Wirklichkeit eingegangen, wird er Shiva gleich. Selbst nach unzähligen Weltzeitaltern soll es für ihn keine Rückkehr in den Kreislauf geben.


Wenn er den Körper zum Segen der Welten nicht verlässt, gibt er ihn erst am Ende der Weltauflösung auf und ruht dann allein im eigenen Selbst.
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.95|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.95|Sanskrit in Devanagari]]


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_16.96|Vers 16.96 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_16.96|Devanagari]]''
<span id="Auswahl_16.96"></span>


<span id="Vers_18.71"></span>
'''16.96'''


'''18.71'''
Wenn er den Körper zum Segen der Welten bewahrt, gibt er ihn erst am Ende der Weltauflösung auf. Dann ruht er allein im eigenen Selbst.


Wer auf dem Weg der gebundenen Wesen bleibt, gelangt stets von einem Mutterschoß in den nächsten. Deshalb soll der Mensch mit aller Sorgfalt den Guru erfreuen, höchste Herrin,
''Betrachtung:'' Die Befreiung mündet hier nicht notwendig in Rückzug. Der Vers eröffnet einen weiten Horizont für die Frage, wem die eigene Verwirklichung zugutekommt.


''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_18.71|Vers 18.71 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_18.71|Devanagari]]''
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.96|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.96|Sanskrit in Devanagari]]


<span id="Vers_18.72"></span>
<span id="Auswahl_16.114"></span>


'''18.72'''
'''16.114'''


und diese Schrift verstehen lernen, wenn er den Daseinskreislauf überqueren möchte. Durch sie erlangt er Vollendung: wahrlich, wahrlich, daran besteht nach dem Text kein Zweifel.
Ihre Gnade schenkt ihm klare Erkenntnis ohne Trennung. Nun habe ich dir diesen Yoga dargelegt. Welche Frage möchtest du noch stellen?


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<span id="Vers_19.11"></span>
'''Frage zur Vertiefung:''' Was könnte es in deinem Leben heißen, gewonnene Klarheit „zum Segen der Welt“ einzusetzen? Lass aus der großen Frage eine konkrete Handlung werden.


'''19.11'''
Ergänzendes allgemeines Yoga-Vidya-Angebot: Lichtmeditation. Das Video begleitet die persönliche Vertiefung; es erklärt keine einzelne historische Praxisanweisung der Matsyendra Samhita.


Shiva-Göttin, man soll das ganze Weltall mit dem Nektar des eigenen Selbst sättigen und es als von diesem Nektarregen erfüllt betrachten, als Bewusstsein höchster Glückseligkeit.
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''[[Matsyendra Samhita Übersetzung#Vers_19.11|Vers 19.11 im Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari#Vers_19.11|Devanagari]]''
== Mit der Lehre weiterleben ==


'''Zur eigenen Vertiefung:''' Welche konkrete Handlung könnte heute etwas von deiner inneren Verbundenheit sichtbar machen?
Die großen Bilder dieser Verse wollen nicht nur verstanden, sondern bedacht werden. Innere Weite zeigt sich auch darin, genauer zuzuhören, klarer zu unterscheiden und freier zu handeln. Kehre zu den Versen zurück, die dich besonders berühren oder herausfordern. Der [[Matsyendra Samhita|Hauptartikel]] öffnet ihren Zusammenhang; die [[Matsyendra Samhita Mantras|Mantra-Sammlung]] ergänzt die Lektüre durch Klang, Bedeutung und überlieferte Verwendung.


== Vom Lesen ins Leben ==
== Textgrundlage ==


Einige Verse sprechen von großen Vollendungen, andere von wiederholtem Üben, Verstehen und einer geklärten inneren Haltung. Für die heutige Lektüre können gerade die kleinen Schritte tragfähig sein: aufmerksam werden, maßvoll üben, eine Frage ehrlich stellen und einem anderen Menschen mit Wohlwollen begegnen. Die Verse zum Segen der Welten erinnern daran, dass innere Vertiefung im gemeinsamen Leben Gestalt annehmen kann.
Die Lesefassung folgt den im [[Matsyendra Samhita#Textgrundlage|Hauptartikel dokumentierten Ausgaben und Einzelentscheidungen]]: Sensharma 1994, den ausdrücklich ausgewiesenen Matsyendra-Lesarten und Editionen bei Mallinson 2003 sowie Einzelkorrekturen nach Kiss. Sie umfasst eine Auswahl aus dem erreichbaren Bestand; die Gesamtüberlieferung des Werkes bleibt lückenhaft erschlossen. Alle 108 Originalstellen sind unmittelbar verlinkt.


== Mantras im Matsyendra Samhita ==
== Mantras im Matsyendra Samhita ==

Aktuelle Version vom 12. September 2026, 09:15 Uhr

Matsyendra Samhita Ausgewählte Verse bietet 108 Verse der Matsyendra Samhita in einer vereinfachten, eigenständig formulierten deutschen Lesefassung. Sie richtet sich an Yoga-Aspiranten, die bekannte Begriffe neu sehen und auch ungewöhnliche Seiten der Überlieferung kennenlernen möchten: den Körper als Weltall, die Verbindung von Shiva und Shakti, den inneren Klang, Khechari, Kundalini, Nektarvorstellungen und die Freiheit von Bindung.

Die Auswahl ist ein Weg durch zwölf Themenfelder. Sie verbindet verständliche Sprache mit der Kühnheit des Originals. Die textnahe Übersetzung und der Sanskritwortlaut stehen im Hauptartikel; das Verzeichnis Mantras, Bedeutung und Verwendung erschließt die zugehörige Klangwelt.

Zur Lesefassung: Die Versnummern entsprechen der kommentierten Teilausgabe. Jeder Vers wurde eigens neu formuliert; Satzanschlüsse werden verständlich gemacht und einzelne Fachbegriffe erläutert. Anreden und wiederholte Bekräftigungen können sprachlich gestrafft sein. Kurze Betrachtungen und heutige Reflexionsimpulse stehen ausdrücklich außerhalb der Verswiedergabe. Diese Seite ersetzt deshalb keine philologische Übersetzung.

Zur geistigen Ausrichtung: Die Verse führen von Sammlung und Hingabe zu Erkenntnis, innerer Kraft und Befreiung. Auch sinnliche Bilder wie die Umarmung von Shiva und Shakti gehören zum Original. Die besonderen Kräfte und die Freiheit von Alter und Tod werden als Verheißungen der Schrift wiedergegeben. Die Auswahl ist keine Anleitung zu körperlichen Eingriffen, langem Atemanhalten oder anderen fortgeschrittenen Verfahren; für eigene Praxis zählen Achtsamkeit, körperliche Sicherheit und verantwortliche Anleitung.

Nimm dir Zeit. Ein einziger Vers kann genügen, um eine vertraute Vorstellung zu öffnen. Die zwölf Fragen am Ende der Themenbereiche helfen, die Lektüre mit dem eigenen Leben zu verbinden.


Werk, Sanskrit und textnahe Übersetzung · 108 Verse für Yoga-Aspiranten · Mantras, Bedeutung und Verwendung

1. Was suchst du wirklich?

Die Begegnung mit der Lehre beginnt mit Aufmerksamkeit und einer aufrichtigen Frage.

Die Erzählung beginnt mit Verehrung und einer Entscheidung: Willst du nur etwas besitzen, oder willst du erkennen? Matsyendra erscheint als einer, der sich im Ozean der Lehre frei bewegt. Der Weg fordert zugleich eine Veränderung der inneren Haltung.

1.1

Om. Ich verneige mich vor Shambhu, dem Herrn der Welt. In ihm leuchtet alles Wissen. Er ist der Ozean, in dem die kostbaren Juwelen der heiligen Lehren geborgen sind.

Betrachtung: Das Wissen erscheint als lebendiger Ozean. Die Anrufung lädt dazu ein, mit Ehrfurcht und zugleich mit Entdeckerfreude zu lesen.

Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari

1.5

Ich verehre Matsyendranatha, den allwissenden Meister unter den Yogis. Im weiten Meer der Lehren Shivas bewegt er sich voller Freude, wie im Spiel.

Betrachtung: Das Bild verbindet große Gelehrsamkeit mit Leichtigkeit. Spirituelle Tiefe muss nicht schwerfällig sein.

Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari

1.6

Ich verehre den reinen Matsyendra: Er hat uns den seltenen Kern der Lehre zu Gehör gebracht, den Shiva selbst verkündet hat.

Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari

1.7

Einst zog ein großer Yogi durch die Welt. Er suchte Vollendung – ohne Besitzgier und ohne sich an sein Ich zu klammern.

Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari

1.24

„Was wünschst du dir von uns: Reichtum, etwas, das du liebst, oder das Wissen, das nur schwer zu erlangen ist? Sprich aus, wonach dein Herz verlangt.“

Betrachtung: Die Frage steht in der Rahmenerzählung. Du kannst sie zugleich als Frage an deine eigenen Prioritäten lesen.

Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari

1.25

Mit ehrfürchtig gefalteten Händen antwortete der Yogi: „Schenkt mir jenes Wissen, das so selten und schwer zugänglich ist. Danach verlange ich.“

Betrachtung: Mit Wissen ist hier Vidya gemeint: eine empfangene spirituelle Lehre, die auch Mantra und Einweihung umfasst.

Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari

2.65

Dann können sich die besonderen Kräfte bald entfalten; falsch vollzogen kann das Verfahren jedoch Unheil bringen. Wer auch in seiner inneren Haltung rein geworden ist, erlangt den ganzen Yoga.

Betrachtung: Der Vers steht nach Reinigungsverfahren. Seine entscheidende Einschränkung gehört zur Aussage: Die äußere Technik allein genügt nicht.

Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari

2.66

Ohne die rechte innere Haltung gibt es keine Vollendung, selbst in Zehntausenden von Jahren nicht. Tausend Krüge Wasser und hundert große Maße Reinigungserde können sie nicht ersetzen.

Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari

2.67

Ein verdorbenes Inneres wird selbst in tausend Jahren nicht rein. Darum vollziehe diese Handlungen mit geläuterter Haltung. Wer sich so sechs Monate lang reinigt, findet nach der Verheißung den rechten Zugang zum Yoga.

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Frage zur Vertiefung: Welche Sehnsucht trägt deine Praxis, wenn Anerkennung, Besitz und besondere Erfahrungen einmal zurücktreten?

2. Festigkeit, Sammlung und die Wurzel der Bindung

Die Schrift setzt große Ziele, beginnt aber mit konkreten Voraussetzungen: eine tragfähige Haltung, ein geeigneter Ort und die Schulung des Geistes. Ihr Rückzug der Sinne ist mehr als bloßes Entspannen; die Sinne werden in ihre kosmischen Grundlagen zurückgeführt.

3.1

Zum Wohl der Übenden erkläre ich nun die Folge der Asanas. Wenn du sie Schritt für Schritt einübst, kann Festigkeit leicht entstehen.

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3.37

Wähle unter diesen Haltungen eine, die zu deinen Möglichkeiten passt. Wenn du sie wirklich beherrschst, wird auch die Sammlung der Sinne möglich.

Betrachtung: Die Aussage über die passende Haltung beruht auf einer vorsichtigen Deutung des schwierigen Druckwortlauts. Die Einzelanmerkung im Hauptartikel dokumentiert sie.

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3.38

Der Körper gewinnt Festigkeit, der Geist wird still. In der vertraut gewordenen Haltung sitzend, widmet sich der Yogi bei Tag und bei Nacht dem Yoga.

Betrachtung: „Bei Tag und bei Nacht“ bewahrt den entschiedenen Übungsanspruch der Schrift. Daraus folgt für heutige Leser kein Verzicht auf notwendigen Schlaf.

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3.39

Übe an einem abgeschiedenen, stillen Ort: Der Boden sei eben und sauber, frei von störenden Tieren, der Raum von Wohlgeruch erfüllt.

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3.40

Ob im Heiligtum Shivas, in einer Höhle oder in einem stillen Haus: Verweile gesammelt und beherrscht, dein Bewusstsein vom höchsten Nektar erfüllt.

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5.1

Wohin der rastlose Geist auch wandert und welches Verlangen ihn nach außen zieht: Hole dein Bewusstsein zurück.

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5.5

Sammle die Sinne immer wieder ein und führe den Geist zurück. Denn der Geist selbst ist die Ursache deiner Bindung und deiner Befreiung.

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5.14

Erkenne das Riechen als eine Kraft der Erde, verbunden mit der feinen Qualität des Geruchs. Lass diesen Sinn in seine Grundlage zurückkehren und seine Tätigkeit zur Ruhe kommen.

Betrachtung: Dies ist die Elementenlehre des Textes. Sie lässt die gewöhnliche Wahrnehmung als Teil eines größeren Zusammenhangs erscheinen.

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6.1

Nun erkläre ich Dharana, die Sammlung, durch die Fehler schwinden sollen. Zwölf Pranayamas werden hier als Dharana-Yoga bezeichnet.

Betrachtung: Die Zwölferzahl gehört zur historischen Einteilung. Der Vers allein beschreibt noch kein Atemverfahren und bestimmt keine heutige Übungsdauer.

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Frage zur Vertiefung: Beobachte beim nächsten ruhigen Sitzen, was den Geist bindet und was ihm Weite gibt. Du musst dafür keine außergewöhnliche Erfahrung erzeugen.

3. Dein Körper als Weltall – und der furchtlose Bhairava

Hier verlässt die Matsyendra Samhita den Rahmen gewöhnlicher Körpervorstellung. Der Yogi wird zum Weltenkörper; Shiva erscheint als Bhairava, wild und furchtlos. Diese Bilder sollen nicht verharmlost werden: Sie führen die Meditation an die Grenzen von Selbstbild, Sicherheit und Todesfurcht.

7.3

Um die Hindernisse zu überwinden, vergegenwärtige dir einen gewaltigen Körper: Seine Füße reichen in die Unterwelt, die Erde bildet seine Hüften, der weite Raum seinen Leib.

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7.5

Die Meere sind sein Gewand. Wunderbar durchdringt er das ganze Weltall; alles Bewegliche und Unbewegliche gehört zu ihm, von Brahma bis zum Grashalm.

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7.6

Betrachte die Welten wie Poren deines Körpers und deinen Leib als das ganze Universum. Lass diese große Gestalt lebendig werden, damit der Geist Festigkeit gewinnt.

Betrachtung: Hier wird die Enge des gewohnten Körperbildes aufgebrochen. Die Schrift bietet eine konkrete kosmische Visualisation.

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7.7

Wer so in die göttliche Erkenntnis hineinmeditiert, dessen geistige Bewegungen kommen nach und nach zur Ruhe.

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7.8

Ist der Geist gefestigt, öffnet sich die nächste Betrachtung: Im eigenen Herzen liegt ein höchster Lotus, dessen Wesen Shiva und Shakti sind.

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7.14

Acht große Schlangen schmücken ihn als Kette. Er brüllt und vernichtet die Furcht. Ein Tigerfell ist sein Gewand, ein Löwenfell sein Mantel.

Betrachtung: Bhairava wird hier nicht zur bloß sanften Gestalt. Auch das Erschreckende kann im religiösen Bild zur Macht werden, die Furcht auflöst.

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7.25

Bhairavi steht an der Spitze der Yogini-Scharen und nimmt die Furcht. Sie lässt die ersehnten Früchte reifen und wird als dreifache Ursache gepriesen.

Betrachtung: Der Vers bewahrt die besondere Göttinnenwelt des Werkes. Die Bezeichnung „dreifache Ursache“ wird hier nicht durch eine unbelegte moderne Erklärung ersetzt.

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7.19

Betrachte ihn mit ungeteilter Aufmerksamkeit, damit die Hindernisse zur Ruhe kommen. Auf seinem linken Schoß sitzt Chandika, die das Leiden vernichtet.

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7.27

Durch diesen Yoga der Meditation wirst du selbst von der Furcht vor Zeit und Tod frei, höchste Göttin. Wahr soll sein, was ich dir gesagt habe.

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Frage zur Vertiefung: Welche Seite des Lebens blendest du in deiner Spiritualität gern aus? Kannst du sie wahrnehmen, ohne dich von ihr beherrschen zu lassen?

4. Asche, Umarmung und das Licht ohne Stütze

Shiva und Shakti verbinden Stille und Kraft. Die Abbildung begleitet die Gottesbetrachtung; sie ist keine genaue Wiedergabe einer einzelnen Versbeschreibung.

Der gleiche Shiva kann auf dem Verbrennungsplatz verweilen, von Shakti umarmt werden und als Licht ohne äußere Stütze erscheinen. Vergänglichkeit und Glückseligkeit werden nicht auseinandergerissen. Die Bilder führen von der betrachteten Gottheit zur Identifikation mit ihr.

7.29

Im Lotus des Herzens sitzt Shiva, leuchtend wie die junge Sonne. Die goldfarbene Göttin hält seinen Körper umarmt.

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7.30

Sein Leib ist mit Asche bedeckt, ein Tigerfell umhüllt ihn. Friedvoll sitzt er auf dem Verbrennungsplatz: dreiäugig, den Mond als Schmuck im Haar.

Betrachtung: Die Asche und der Verbrennungsplatz bleiben konkrete Bestandteile des Gottesbildes. Die Ruhe erscheint mitten in der Gegenwart des Todes.

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7.31

Vom jungen Mond an seiner Stirn fließt göttlicher Nektar über Shiva. Seine Hände schenken Gaben und Furchtlosigkeit; er trägt das große Beil und zeigt die Hirsch-Geste.

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7.34

Er zerbricht die Fesseln des gebundenen Wesens und führt über den Ozean der Furcht. Er schenkt die Weite allwissender Erkenntnis und alle besonderen Vollendungen.

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7.41

Noch einen anderen Weg der Meditation will ich dir zeigen: Im Herzen des Herzlotus erscheint eine Gestalt wie die reine Flamme einer Lampe.

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7.42

Nur daumengliedgroß und doch strahlend wie zehn Millionen Sonnen: rund wie die Blüte des Kadamba-Baums, ein sonnengleiches Gestirn.

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7.43

Oder betrachte das Licht, das ringsum in Strahlen aufleuchtet – hervortretend in einer Leere, die von nichts getragen wird.

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7.46

Sieh deinen ganzen Körper von dieser Lichtfülle durchdrungen. Mit der inneren Gewissheit „Das bin ich“ erinnere dich allmählich an dein eigenes Ich.

Betrachtung: Die Identifikation wird im Zusammenhang einer Gottesmeditation gelehrt. Sie ist keine Behauptung über die Überlegenheit der eigenen Persönlichkeit.

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7.49

Durch klare Unterscheidung des Selbst findet der Yogi bald zum Yoga. Er soll sich selbst als die Gestalt Ishvaras vergegenwärtigen.

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Frage zur Vertiefung: Wie verändert sich dein inneres Bild, wenn du Licht nicht nur vor dir siehst, sondern deinen ganzen Leib davon durchdrungen denkst?

Ergänzendes allgemeines Yoga-Vidya-Angebot: Anahata-Chakra-Meditation. Das Video begleitet die persönliche Vertiefung; es erklärt keine einzelne historische Praxisanweisung der Matsyendra Samhita.

5. Die innere Puja und das Feuer des Selbst

Die innere Verehrung ist sinnlich reich: Duft, Blüten, Licht, Nektar und Juweleninseln gehören dazu. Zugleich wird sie radikal. Selbst das Festhalten an Verdienst und Verfehlung wird dem inneren Feuer übergeben. Der Text spricht hier von einem rituellen Bewusstseinsvollzug, nicht von einer Aufhebung der Verantwortung für andere.

8.1

Jetzt erkläre ich die innere Verehrung, die alle Siddhis schenken soll. Nimm an einem reinen, angenehmen Ort Platz und richte dich mit festem Entschluss aus.

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8.2

Verweile lange in der Meditation, mit befriedetem Inneren. Erkenne dich im Bereich der reinen Wirklichkeit als Ishvara.

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8.3

Verehre mit Duft, Blumen und heilsamen Gaben, die aus deiner inneren Vergegenwärtigung entstehen: an den sechs Stützpunkten und besonders am Dvadashanta.

Betrachtung: Dvadashanta bezeichnet einen besonderen inneren Bezugspunkt. Die „sechs Stützpunkte“ werden nicht ohne Weiteres mit einem heutigen Chakra-Schema gleichgesetzt.

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8.4

Verehre gesammelt den unvergänglichen Shambhu zusammen mit Shakti. Lass dabei den höchsten Nektarozean immer wieder gegenwärtig werden.

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8.5

Hell wie reiner Kristall leuchtet dieser Ozean, bewegt von göttlichen Wogen. In seiner Mitte erscheint eine weite Insel aus Juwelen.

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8.38

Bringe die innerlich geschaffenen Opferhölzer Varunas und die weiteren Gaben dar. Übergib im Geist auch Dharma und Adharma, rechtes und unrechtes Tun, dem lodernden Feuer des Selbst.

Betrachtung: Die beiden Pole werden gemeinsam genannt. Das kann zur Betrachtung darüber anregen, wie tief unser Selbstbild an Erfolg, Schuld und Rechtfertigung gebunden ist.

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8.43

Inmitten des Lichtkreises betrachte dich selbst als leuchtende Gestalt – so ruhig wie eine Lampe an einem windstillen Ort.

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8.72

Wer Shiva im eigenen Selbst verlässt und ihn nur draußen verehrt, ist wie jemand, der den Milchreis in seiner Hand liegen lässt und stattdessen am Ellenbogen leckt.

Betrachtung: Der Vergleich ist absichtlich drastisch. Seine Schärfe ist Teil der Lehre und wurde nicht geglättet.

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8.73

Shambhu ist das Selbst, auf dem diese ganze Welt ruht. Wenn du ihn verehrst, ist darin alles Bewegliche und Unbewegliche mitverehrt.

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Frage zur Vertiefung: Welche innere Gabe wäre heute wahrhaftig? Eine schöne Vorstellung genügt weniger als die Bereitschaft, wirklich gegenwärtig zu sein.

6. Ich bin Brahman – und das yogische Sehen

Die Ich-Aussagen sind meditative Vergegenwärtigungen. Sie stehen neben Beschreibungen von Samadhi und außergewöhnlichem Erkennen. Die Schrift verheißt mehr als Wohlbefinden: Befreiung zu Lebzeiten, unmittelbares Schauen und Erkenntnis der drei Zeiten. Diese Verheißungen werden als Aussagen des Textes gelesen.

7.48

Durch diesen Meditationsweg wird der Yogi nach der Lehre selbst zu Ishvara. Er sieht seinen Leib im Glanz von zehn Millionen Sonnen.

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7.58

Ich bin die Biene am Lotus der yogischen Vergegenwärtigung, dessen Blätter die acht Siddhis sind. Ich bin ewig, jenseits begrifflicher Trennung, ohne Stütze und unvergänglich. Mein Wesen ist Sein, Bewusstsein und Wonne. Ich bin Brahman selbst.

Betrachtung: Das Bienenbild und die acht Siddhis gehören zum Vers. Die Aussage umfasst die besondere tantrische Vorstellungswelt und die Erkenntnis Brahmans.

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7.59

„Ich bin Brahman selbst. Ich bin kein Wesen, das im Kreislauf gefangen ist. Ich bin frei.“ So vergegenwärtige dich. Dieser Meditationsyoga führt nach der Lehre zur Befreiung mitten im Leben.

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7.60

Wenn die verwickelten Vorstellungen in Shiva vergehen, leuchtet Freude auf. Der Übende erkennt dieses Aufleuchten und schaut überall mit gleichem Blick.

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7.75

Nun erkläre ich Samadhi, durch den der Yogi Shiva wird. Die Gestalt, die in der Meditation fest geworden ist, betrachtet er mit dem yogischen Auge.

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7.79

Einspitzig, unzerstreut und unbewegt, mit still gewordenen Sinnen, schaut der in Samadhi Ruhende Sadashiva – ungetrennt vom eigenen Selbst.

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7.80

Im Samadhi erscheint ein großes Leuchten wie Feuer. Wenn dieses Leuchten sich gnädig erweist, wird dem Yogi Befreiung zuteil.

Betrachtung: Die ungewöhnliche Rede vom gnädigen Leuchten bleibt erhalten. Die Befreiung wird nicht als mechanisches Ergebnis eines Lichtbildes beschrieben.

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7.81

Wenn Samadhi recht verwirklicht ist, sieht der Yogi mit dem yogischen Auge genau die Gestalt, die er sich vergegenwärtigt.

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7.85

Zu den verheißenen Fähigkeiten gehören die Herrschaft über die Sinne, augenblickliche Allwissenheit, das Erkennen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sowie göttliche Herrschaft.

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Frage zur Vertiefung: Woran erkennst du den Unterschied zwischen einer tiefen inneren Erfahrung und dem Wunsch, dir selbst besondere Fähigkeiten zuzuschreiben?

7. Khechari: Sprache, Nektar und der diamantfeste Körper

Khechari verbindet in diesem Werk Körpertechnik, Mantra, Gottheiten und innere Erfahrung. Die Zunge wird zum Ort von Shri und der Göttin der Rede; der obere Körperraum zum Nektarozean. Die Auswahl zeigt die Kühnheit dieser Lehre. Sie ist keine Anleitung zu den an anderer Stelle beschriebenen körperlichen Eingriffen.

16.19

Vor den Füßen jenes Yogis verneige ich mich, der alle Wirklichkeitsprinzipien kennt und in den höchsten Yoga eingegangen ist: friedvoll und voller Glückseligkeit.

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16.29

An der Spitze der Zunge wohnen Shri und die Herrin der Rede. An ihrer Wurzel aber befinden sich Bindung und Tod.

Betrachtung: Die Gegenüberstellung gehört zur Khechari-Lehre. Sie ist keine anatomische Feststellung und keine Aufforderung, die Zungenwurzel zu verletzen.

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16.33

Auf dem Weg der Sushumna wird der Atemwind von der Wurzel nach oben geführt. An der Brahma-Wohnstätte angekommen, versenkt der Yogi den Geist in die Leere.

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16.34

Meditiere über die höchste Wirklichkeit, frei vom Verwerfen und vom Ergreifen. Vom Brahma-Ort strömt der Himmelsganges herab, überaus kühl.

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16.35

Wer davon trinkt, soll nach einem Monat einen diamantfesten Körper erlangen: einen göttlichen Leib, göttliche Rede und göttliche Schau.

Betrachtung: Der Vers spricht vom zuvor beschriebenen inneren Himmelsganges. „Diamantfest“ ist die Verheißung des Textes, keine Zusicherung körperlicher Unverletzbarkeit.

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16.36

Göttliche Einsicht und göttliches Hören sollen erwachen. An der Zungenspitze erscheint die Herrin der Rede, strahlend wie zehn Millionen Monde.

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16.37

Von den Kräften höchsten Nektars gesättigt, wird die Göttin vergegenwärtigt – und augenblicklich soll Dichtkunst erwachen. Dann meditiert der vom Nektar beglückte Yogi über Lakshmi an seiner Zungenspitze.

Betrachtung: Die besondere Fähigkeit wird konkret als Dichtkunst bezeichnet. Nicht nur Schweigen, auch sprachlicher Ausdruck kann Frucht der inneren Verwirklichung sein.

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16.46

Dort, im großen Nektarozean mit seinen kühlen Wogen, trinkt der Yogi Nektar und kommt zur Ruhe.

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16.47

Mit einem Geist voller höchster Wonne sieht er seinen ganzen Körper von diesem Nektar gesättigt. Aus diesem Yoga soll göttliche Schau hervorgehen.

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Frage zur Vertiefung: Lies die Nektarbilder langsam. Was geschieht, wenn du deinen Körper einmal als empfangend und durchströmt betrachtest, ohne etwas erzwingen zu müssen?

8. Kundalini, Lichtfaden und der angeborene Klang

Der Text entfaltet unterschiedliche innere Körperordnungen. Die Abbildung ist ein allgemeines Schema.

Die innere Körperwelt dieses Tantra ist beweglich und vielgestaltig. Kundalini erscheint als Urkraft, Lichtfaden und Klang. Die folgenden Verse gehören zu zusammenhängenden yogischen Verfahren; Atemanhalten und körperliche Verschlüsse werden durch diese Auswahl nicht als selbständige Übungen vermittelt.

16.40

Die erste angeborene Kraft ist Kundalini-Shakti. Die zweite ist Sushumna, die dritte die Zunge.

Betrachtung: Der Text nennt insgesamt fünf angeborene Größen. Dieser Vers bietet die ersten drei; die Auswahl ergänzt die übrigen nicht aus einem anderen System.

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16.44

Sie ist fein wie ein einzelner Spinnenfaden und leuchtet wie zehn Millionen Sonnen. Ihr Weg führt zum Gaumenzäpfchen und an den Riegel des Shiva-Tores.

Betrachtung: Gemeint ist die zuvor genannte Kundalini-Shakti. Das Bild hält größte Feinheit und unermessliche Lichtkraft zusammen.

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16.51

Zwischen Ida und Pingala liegt Sushumna, die Lichtgestaltige. Dort wohnt unversehrter Glanz, inmitten der Vielfalt von Farben und Formen.

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16.70

Die Shakti leuchtet wie tausend Blitze. Im Inneren des Brahma-Eis wird sie in den Ozean kühlen Nektars geführt; dort soll der Übende lange verweilen.

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16.85

Vereine Shakti mit dem dort weilenden höchsten Shiva, der höchsten Ursache. Vergegenwärtige ihre Einheit.

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18.8

Indem sie die Chakras der Reihe nach durchdringt, wird die Kraft eins und heißt Nada, Klang: ein Ring aus Blitzen, eine Gestalt aus leuchtenden Strahlen.

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18.9

Durch ein Erfahrungszeichen löst sie sich im Höchsten auf: ohne Stütze, von leerem Licht erfüllt, im Innern der Brahma-Tür, das Visarga heißt.

Betrachtung: Visarga, „Ausströmung“ oder „Entlassung“, bleibt hier die besondere Bezeichnung des Textes. Eine einfache Gleichsetzung mit einem heutigen Chakra-Namen würde zu kurz greifen.

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18.51

Lass den Geist äußerst fein in die Sushumna eintreten. Wenn Shakti sich regt, offenbart sich der höchste Klang.

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18.52

Das ist das angeborene Bija: Darin sammelt sich der Geist. Im selben Augenblick, so die Verheißung, verlässt der Yogi die Erde und verweilt fest im Raum.

Betrachtung: Das Raumverweilen bleibt als außergewöhnliche Siddhi stehen. Die Stelle nennt keine ausgeschriebene Silbe; „Om“ oder ein anderes Mantra wird nicht eingesetzt.

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Frage zur Vertiefung: Kannst du Stille auch als ein feines Hören verstehen, ohne einen bestimmten inneren Klang herstellen zu wollen?

Ergänzendes allgemeines Yoga-Vidya-Angebot: Mantra-Chakra-Vedanta-Meditation. Das Video begleitet die persönliche Vertiefung; es erklärt keine einzelne historische Praxisanweisung der Matsyendra Samhita.

9. Verkörperte Meditation und der innere Milchozean

Die Meditation durchdringt den Leib mit Farben, Licht und innerem Nektar. Ihre Bilder sind ungewöhnlich konkret: ein blitzendes Wurzelzentrum, das korallenrote Herz, ein Milchstrom durch die Schädelöffnung und Tropfen, die aus den Poren austreten. Die Bilder werden als historische Vergegenwärtigungen gelesen; sie sind keine körpermedizinischen Aussagen.

7.44

Lass diese Körpergestalt durch beständige Meditation lebendig werden: Sie ruht in einem göttlichen Mandala und lässt flüssigen Nektar strömen.

Betrachtung: Die Körpergestalt schließt an die Lichtmeditation an. Das innere Bild wird über längere Zeit entfaltet.

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7.45

Betrachte das göttliche Mandala zuerst ganz rot und dann weiß. Auch die Gestalt in seiner Mitte wird in derselben Reihenfolge meditiert.

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8.49

Im Muladhara erscheint die Gottheit in der Farbe des Blitzes. Ihr Licht erhellt die Himmelsrichtungen; sie gleicht tausend jungen Sonnen, vollkommen rein und doch mit Eigenschaften versehen.

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8.57

Im großen Lotus des Anahata strahlt er rot wie die Japa-Blüte, wie ein junger Korallenzweig und wie tausend Sonnen.

Betrachtung: Gemeint ist Shiva. Die Farbgestalt wird aus diesem Vers übernommen; sie wird nicht an ein verbreitetes modernes Chakra-Schema angepasst.

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18.44

An der Nasenspitze schaut der Yogi ein Licht, erhellt vom Mond im Herzen. Er vergegenwärtigt die Einheit beider – und darin erkennt er sich selbst.

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18.53

Nach einem Muhurta sieht er die ganze Welt als Lichtgestalt. Eine Wache lang bleibt dieses Licht Gegenstand seiner Betrachtung.

Betrachtung: Muhurta und Wache sind die Zeitangaben der Schrift. Die Aussage ist kein Versprechen einer bestimmten Erfahrung nach einer heutigen Übungssitzung.

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18.57

Die Augen richten sich zur Mitte zwischen den Brauen, der Geist ruht fest im Herzen. Der Yogi sieht sich im Milchozean versunken, von zwei Lotussen umschlossen.

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18.58

Durch die Brahma-Öffnung trinkt er den kühlen Nektar eines Milchstroms. Aus den Poren seines Körpers treten Millionen und Abermillionen Milchtropfen hervor.

Betrachtung: Der Vers entfaltet eine innere Körpervorstellung. Der ganze Leib wird zum durchlässigen Raum des Nektars.

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18.59

So sieht er sich von einer undurchdringlichen weißen Hülle umgeben. Nach einem Monat, verheißt die Schrift, erlangt er Freiheit von Alter und Tod.

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Frage zur Vertiefung: Wie verändert sich dein Körpergefühl, wenn du ein solches Bild langsam liest und anschließend nachklingen lässt? Bleibe beim Wahrnehmen, ohne die verheißene Erfahrung erzwingen zu wollen.

10. Schrift, Guru und der Mut zur Unterscheidung

Der Text fordert Ausdauer und ehrfürchtiges Hören. Er setzt aber nicht jeden Lehrer kraft seines Amtes mit Erkenntnis gleich. Besonders Vers 17.33 stellt Wissen über gesellschaftlichen Rang und bloße Pflichterfüllung. Die Verehrung des Gurus gewinnt ihren Sinn durch wirkliche Einsicht.

14.9

Wer die Zusammenkunft durch die Schrift und durch das Verstehen ihres Sinnes erlangt, erreicht das Shiva-Sein und wird aus dem Kreislauf des Daseins frei.

Betrachtung: Die Zusammenkunft ist hier Melaka, ein Fachbegriff des Khechari-Zusammenhangs. Gemeint ist nicht einfach jedes gemeinsame Meditieren.

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14.10

Ohne die Schrift können selbst Gurus die Lehre nicht ganz aufnehmen. Darum suche dieses seltene und schwer zugängliche Werk.

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14.11

Solange du das Buch nicht gefunden hast, durchwandere die Erde. Sobald du es erlangst, liegt die Vollendung in deiner Hand.

Betrachtung: Die zugespitzte Verheißung ehrt die Begegnung mit der Lehre. Die Nachbarverse verbinden das Buch ausdrücklich mit seinem verstandenen Sinn.

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17.30

Höre an einem abgeschiedenen Ort zu – oder zusammen mit Menschen, die diese Lehre kennen. Folge dabei dem überlieferten Verfahren und der Unterweisung deines Gurus.

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17.31

Nach zwölf Jahren gewissenhafter, unermüdlicher Übung durchwandert der Schüler die Erde, um den Guru der Zusammenkunft zu finden.

Betrachtung: Die lange Vorbereitung steht im Werk neben Verheißungen plötzlicher Vollendung. Beide Akzente gehören zu seiner Gestalt.

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17.33

Nimm selbst einen gesellschaftlich verachteten Menschen zum Guru, wenn er Erkenntnis besitzt. Einen Lehrer ohne Wissen und unterscheidende Einsicht aber verlasse – auch wenn er alle sechs Pflichten erfüllt.

Betrachtung: Die sechs Pflichten sind hier wahrscheinlich brahmanische Pflichten, nicht die sechs Hatha-Yoga-Reinigungen. Der Vers erlaubt ausdrücklich, einen ungeeigneten Lehrer zu verlassen.

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17.38

Ein Sadhaka ist ein Yogi, der sich beständig übend mit allem auseinandersetzt und die eigene Vollendung sucht.

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17.40

Der Vollendete ist Schöpfer, Erhalter und Auflöser, immer erfüllt und frei von Leid. Die ganze bewegliche und unbewegliche Welt schaut er als ungetrennt von seinem eigenen Selbst.

Betrachtung: Das Subjekt „der Vollendete“ ist aus dem vorausgehenden Vers aufgenommen. Der Text stellt ihn dem noch nach Vollendung strebenden Sadhaka gegenüber.

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11.53

Der Schüler ehrt den Guru erneut mit Gewändern und Schmuck. Dann rezitiert er die Vidya Tag für Tag, nach seinen Kräften und mit heiterem Geist.

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Frage zur Vertiefung: Welche Unterweisung hilft dir, klarer und verantwortlicher zu werden? Woran würdest du erkennen, dass bloße Autorität an die Stelle von Einsicht getreten ist?

11. Siddhis und die unvergängliche Mondinsel

Dichtkunst, Erkenntnis der drei Zeiten und übermenschliche Fähigkeiten gehören zu den ausgesprochenen Verheißungen. Zugleich reicht die Perspektive über die üblichen Götterwelten hinaus: Selbst Vaikuntha und Kailasha vergehen, während die Mondinsel Kulambikas als unvergänglich gepriesen wird. Diese besondere Lehre verdient es, in ihrer Eigenart gelesen zu werden.

18.15

Wo sich der Yogi in der beschriebenen Weise auflöst, offenbart sich nichts als höchste Wonne. Er erkennt den Sinn aller Schriften und erlangt das höchste Glück.

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18.16

Durch die Kraft von Rudras Shakti dichtet der Yogi spielend in allen Sprachen – mit kunstvollem Ausdruck und leuchtenden Worten.

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18.21

An der Ajna-Stätte schaut der Yogi die drei Welten. Er erkennt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und erscheint als selbstmächtig Handelnder, als höchster Herr.

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18.22

Am Nabel erkennt er das Vergangene, im Herzen das Gegenwärtige; an der Ajna-Stätte erkennt er alles.

Betrachtung: Diese Zuordnung stammt aus diesem Text. Sie wird nicht als allgemein verbindliche Bedeutung der Chakras ausgegeben.

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18.34

Wer die höchste Wonne erreicht, die Genuss und Befreiung schenkt, erlangt nach der Verheißung binnen eines halben Jahres Befreiung zu Lebzeiten.

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18.36

Immerwährende Wonne ist sein Wesen, Allgegenwart seine Kraft. Dazu gehören Anima, Laghima, Prapti, Prakamya und Garima.

Betrachtung: Genannt sind traditionelle Siddhis: äußerste Kleinheit, Leichtigkeit, Erlangen, Erfüllung des Willens und Schwere. Die Aufzählung setzt sich im folgenden Vers fort.

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18.65

Auch Brahmas Welt, Vishnus Vaikuntha und Kailasha, die Wohnstätte Rudras, vergehen beim großen Untergang.

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18.66

Unvergänglich aber ist die Mondinsel. Dort weilt die Göttin Kulambika zusammen mit mir. Wahrlich, wahrlich, du von großer Askese!

Betrachtung: „Mit mir“ spricht Shiva. Kulambika und die Mondinsel sind konkrete Bestandteile dieser Überlieferung.

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18.67

Die Yoginis und Siddhas dieser Insel nehmen nach eigenem Willen Gestalt an. Die Kraft eines jeden von ihnen verfehlt ihr Ziel nicht.

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Frage zur Vertiefung: Lies die Siddhis als große Verheißungen dieser Schrift. Welche Beziehung haben für dich Macht, Erkenntnis und Freiheit – und wo könnten sie auseinanderfallen?

12. Die Zeit verschlingen – und zum Segen der Welt bleiben

Erkenntnis kann in einer Haltung des Wohlwollens und in konkretem Handeln weiterwirken.

Zum Schluss weitet sich der Blick noch einmal. Der Körper enthält das Weltall, die Furcht vor der Zeit wird verschlungen, und der Yogi überschreitet den Kreislauf. Doch der Text kennt auch das Bleiben: Der Körper kann zum Segen der Welten erhalten werden. Die Aussagen über das Verlassen des Körpers sind historische Befreiungsvorstellungen, keine Aufforderung, das eigene Leben zu beenden.

20.19

Betrachte das ganze Windprinzip als deinen Atem. Das Raumprinzip ist mit der feinen Qualität des Klangs verbunden.

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20.21

Dieses unvergängliche Weltall ist in deinen eigenen Körper eingegangen. Spielerisch verschlinge die Zeit, von der Auflösung bis zur großen Weltauflösung.

Betrachtung: „Die Zeit verschlingen“ ist die kühne Formulierung des Textes. Sie wird nicht auf gutes Zeitmanagement verkürzt.

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20.22

Verweile fest im Lotussitz und vergegenwärtige das Einssein. Betrachte deinen Körper als unversehrt und frei von den Befleckungen der Zeit.

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20.23

Sieh dieses Weltei als ohne Öffnung. Hast du die Furcht vor der Zeit verschlungen, verweile wie Shiva, frei nach eigenem Willen.

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20.28

Der Yogi soll Herr über Schöpfung, Erhaltung und Auflösung sein und überall mit gleichem Blick schauen. Auch das Eintreten in einen fremden Körper, das Wandeln im Raum und Reinheit werden ihm zugeschrieben.

Betrachtung: Die fremdkörperliche und räumliche Bewegungsfreiheit gehört ausdrücklich zur Siddhi-Vorstellung. Sie wurde nicht durch eine unverbindliche Metapher ersetzt.

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16.94

So lässt der Yogi die Bindungen des Daseinskreislaufs zurück und hält sich an die höchste Wirklichkeit. Für die fünf Elemente und die weiteren Mächte unsichtbar, durchbricht er nach der Lehre die Sonnenscheibe.

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16.95

In Shivas höchste, friedvolle Wirklichkeit eingegangen, wird er Shiva gleich. Selbst nach unzähligen Weltzeitaltern soll es für ihn keine Rückkehr in den Kreislauf geben.

Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari

16.96

Wenn er den Körper zum Segen der Welten bewahrt, gibt er ihn erst am Ende der Weltauflösung auf. Dann ruht er allein im eigenen Selbst.

Betrachtung: Die Befreiung mündet hier nicht notwendig in Rückzug. Der Vers eröffnet einen weiten Horizont für die Frage, wem die eigene Verwirklichung zugutekommt.

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16.114

Ihre Gnade schenkt ihm klare Erkenntnis ohne Trennung. Nun habe ich dir diesen Yoga dargelegt. Welche Frage möchtest du noch stellen?

Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari

Frage zur Vertiefung: Was könnte es in deinem Leben heißen, gewonnene Klarheit „zum Segen der Welt“ einzusetzen? Lass aus der großen Frage eine konkrete Handlung werden.

Ergänzendes allgemeines Yoga-Vidya-Angebot: Lichtmeditation. Das Video begleitet die persönliche Vertiefung; es erklärt keine einzelne historische Praxisanweisung der Matsyendra Samhita.

Mit der Lehre weiterleben

Die großen Bilder dieser Verse wollen nicht nur verstanden, sondern bedacht werden. Innere Weite zeigt sich auch darin, genauer zuzuhören, klarer zu unterscheiden und freier zu handeln. Kehre zu den Versen zurück, die dich besonders berühren oder herausfordern. Der Hauptartikel öffnet ihren Zusammenhang; die Mantra-Sammlung ergänzt die Lektüre durch Klang, Bedeutung und überlieferte Verwendung.

Textgrundlage

Die Lesefassung folgt den im Hauptartikel dokumentierten Ausgaben und Einzelentscheidungen: Sensharma 1994, den ausdrücklich ausgewiesenen Matsyendra-Lesarten und Editionen bei Mallinson 2003 sowie Einzelkorrekturen nach Kiss. Sie umfasst eine Auswahl aus dem erreichbaren Bestand; die Gesamtüberlieferung des Werkes bleibt lückenhaft erschlossen. Alle 108 Originalstellen sind unmittelbar verlinkt.

Mantras im Matsyendra Samhita

Mantra, Japa und die innere Vergegenwärtigung göttlicher Kräfte gehören zum spirituellen Weg der Matsyendra Samhita. Die Schrift verbindet den Klang mit innerer Haltung, Verehrung, dem Körper als Ritualraum und der Unterweisung durch den Guru. Die folgende Zusammenstellung erschließt die ausdrücklich lesbaren Mantras, Bijas, Lautfolgen und Anrufungen aus den in dieser Wiki-Ausgabe zugänglichen Textbereichen. Sie enthält außerdem belegte Teile beschädigter Formeln und Hinweise auf Mantras, deren Lautgestalt nur verschlüsselt beschrieben wird.[1]

So ist die Liste zu lesen: Auf eine einfache Leseschreibung beziehungsweise einen beschreibenden Namen folgt der Wortlaut in IAST und seine deutsche Bedeutung oder Funktion. Die einfache Leseschreibung bildet nicht sämtliche Lautunterschiede ab; für Langvokale, Nasalzeichen und Konsonanten ist IAST maßgeblich. Bijas werden als rituelle Laute beschrieben: Eine wörtliche Übersetzung oder eine feste Gottheitszuordnung ist nicht für jede Silbe belegt. Die beigefügten Stellen führen zum Zusammenhang und zu den ausführlicheren Anmerkungen.

Textgestalt: †…† bezeichnet eine problematische Lesung, … eine Lücke; ein hochgestellter Kürzungskreis ° bleibt als Zeichen der Vorlage erhalten. „Teilformel“ bedeutet, dass weitere Bestandteile dazugehören. Bei ausgeschriebenen Reihen werden weder fehlende Silben noch ein nicht gedrucktes namaḥ ergänzt. Die auffälligen Formen hīṃ, ām̐, kṣauṃ/kṣauḥ und einzelne Yogini-Namen bleiben nach der verwendeten Fassung stehen. Die Einträge sind deshalb keine Sammlung durchweg gesicherter Rezitationsvorlagen. Der Umfang folgt der vorhandenen Teilausgabe, nicht sämtlichen 55 Kapiteln.

Ritual und heutige Lektüre: Die besonderen tantrischen Mantras stehen im Text im Zusammenhang mit Einweihung und Guru-Unterweisung; dies sagen insbesondere 9.54, 11.50 und 11.55. Ihre Dokumentation ersetzt keine solche Unterweisung. Beschriebene Schutz-, Heil- und Vollendungswirkungen sind Aussagen der Schrift. Für heutige Praxis bleiben Freiwilligkeit, Einvernehmlichkeit, persönliche Grenzen und verantwortliche Anleitung maßgeblich; aus historischen Körper- und Sexualritualen werden hier keine Übungsanleitungen abgeleitet.


Om und vorangestellte Anrufungen

  • Omoṃ – Kosmischer Klang; die Bezeichnung fasst die spirituelle Bedeutung von Om zusammen. Der Vers nennt ausdrücklich Om-Rezitationen im Zusammenhang mit yogischer Sammlung. (4.76.)
  • Om Shri Ganeshaya Namahoṃ śrīgaṇeśāya namaḥ – Om. Verehrung dem ehrwürdigen Ganesha. (Anrufungen vor 1.1.)
  • Shri Nathaya Namahśrīnāthāya namaḥ – Verehrung dem ehrwürdigen Herrn. (Anrufungen vor 1.1.) Hinweis: Die kurze Anrufung nennt keinen weiteren Eigennamen.

Einzelne Bijas und rituelle Schlusslaute

Die folgenden Laute stehen in den anschließend ausführlicher wiedergegebenen Formeln. Ihre Funktion wird aus diesem Textzusammenhang beschrieben. Bei einer Silbe mit unsicherem Nasalzeichen oder ungewöhnlicher Form bleibt die Einschränkung auch für die längere Formel bestehen.

  • Amām̐ – Bija im Komplex der Pranashakti und der Lebenskrafteinsetzung. (13.13a.) Hinweis: Die Ablesung als Chandrabindu ist vorläufig; nicht mit āṃ vereinheitlicht.
  • Amāṃ – Bija in mehreren Nyasa-Abschlüssen und Anrufungen. (13.13a.) Hinweis: Der Druck unterscheidet an einzelnen Stellen āṃ und das vorläufig gelesene ām̐.
  • Himhīṃ – Wiederkehrendes Bija der Lebenskrafteinsetzung und der Sonnenanrufung. (13.13a.) Hinweis: Hier hīṃ, nicht stillschweigend hrīṃ.
  • Kromkroṃ – Bija der Lebenskrafteinsetzung und der Gliedermantras. (13.13a.)
  • Krimkrīṃ – Bija im Abschluss der Kopf-Anrufung. (13.13a.) Hinweis: Diese Zeile hat krīṃ; andere Zeilen haben kroṃ.
  • Klimklīṃ – Bija vor dem Sonnenkreis-Mantra und in der Paduka-Anrufung. (13.16.)
  • Aimaiṃ – Bija der Mandala-Verehrung und vor der Anrufung Shris. (6.20.) Hinweis: Sein Vorkommen darf nicht benutzt werden, um jede nur benannte Vagishvari-Bija im Werk als aiṃ zu rekonstruieren.
  • Humhuṃ – Schlusslaut der Anrufung Samartanda-Bhairavas. (13.16.) Hinweis: Kurzes u, gegenüber hūṃ in der Schutzpanzer-Formel.
  • Humhūṃ – Schlusslaut des Schutzpanzer-Mantras. (13.13a.) Hinweis: Langes ū.
  • Phatphaṭ – Ritueller Abschluss des Waffenmantras. (13.13a.) Hinweis: Eine rituelle Lautform; hier keine wörtliche Übersetzung als gewöhnlicher Satz.
  • Svahasvāhā – Opfer- und Darbringungsruf; Abschluss mehrerer Anrufungen. (13.13a.)
  • Vashatvaṣaṭ – Ritueller Abschluss beim Haarschopf und beim Auge. (13.13a.) Hinweis: Beide Zeilen haben vaṣaṭ; keine Angleichung an ein anderes Gliedermantra-Schema.
  • Namahnamaḥ – Verehrung, Verneigung; Abschluss zahlreicher Anrufungen. (Anrufungen vor 1.1.)
  • Yamyaṃ – Laut im Feuerkreis-Mantra; außerdem in einem rauchfarbenen inneren Gebilde in 15.54. (13.13.) Hinweis: Die unterschiedlichen Kontexte werden nicht auf eine einheitliche Elementzuordnung reduziert.
  • Mammaṃ – Zweite Bija des Sonnenkreis-Mantras; auch vor Maya. (13.16.)
  • Khamkhaṃ – Laut in der Mandala-Herleitung und vor Khatita. (10.16.)

Mandala-, Feuer-, Sonnen- und Mondmantras

  • Aim vyapaka mam mandalaya aimaiṃ vyāpaka maṃ maṇḍalāya aim – Anrufung des Mandalas mit aiṃ und maṃ; vyāpaka bezeichnet das Durchdringende. (6.20.) Hinweis: Die syntaktische Verbindung ist uneben. Am Schluss steht gedruckt aim, nicht hier ergänzt aiṃ. Der Ausschnitt endet vor ittham.
  • Yam agnimandalaya dharmapradasakalayuktaya namahyaṃ agnimaṇḍalāya dharmapradasakalayuktāya namaḥ – Yaṃ. Verehrung dem Feuerkreis, der Dharma gewährt und mit allen Teilen versehen ist. (13.13.) Hinweis: Sakalayukta wird nicht in eine ungedruckte Anzahl von Kalas geändert.
  • Uttishtha pinggalahari lohitaksha / sarvakarmani dehi dapaya svaha / agachchhauttiṣṭha piṅgalahari lohitākṣa | sarvakarmāṇi dehi dāpaya svāhā | āgaccha – Erhebe dich, Pingalahari, Rotäugiger! Gewähre alle Handlungen, lass sie gewähren. Svaha. Komm! (13.13a.) Hinweis: Der gedruckte Name piṅgalahari bleibt erhalten. Nach dehi stehen im Druck leere runde Klammern; daraus ist kein weiterer Wortlaut zu gewinnen.
  • Klim mam suryamandalaya vasupradadvadashakalayuktaya namahklīṃ maṃ sūryamaṇḍalāya vasupradadvādaśakalāyuktāya namaḥ – Klīṃ maṃ. Verehrung dem Sonnenkreis, der Reichtum schenkt und mit zwölf Kalas versehen ist. (13.16.)
  • Om him him samartandabhairavaya prakashashaktisahitaya agachchhagachchha hum svahaoṃ hīṃ hīṃ samārtaṇḍabhairavāya prakāśaśaktisahitāya āgacchāgaccha huṃ svāhā – Om hīṃ hīṃ. Für Samartanda-Bhairava zusammen mit Prakashashakti: Komm, komm! Huṃ svāhā. (13.16.) Hinweis: Samārtaṇḍa ist die Druckform. Hīṃ wird zweimal gesprochen; huṃ hat einen kurzen Vokal.
  • Saum dam somamandalaya kamapradashodashakalatmane namahsauṃ ḍaṃ somamaṇḍalāya kāmapradaṣoḍaśakalātmane namaḥ – Sauṃ ḍaṃ. Verehrung dem Mondkreis, der Wünsche erfüllt und dessen Wesen die sechzehn Kalas sind. (Kapitel 13, „Mantra des Mondkreises“, S. 88.) Hinweis: Die zweite Bija lautet gedruckt ḍaṃ.

Pranashakti und Einsetzung der Lebenskraft

Die Vorlage nennt Brahma als Rishi, Anushtubh als Versmaß und Shri Pranashakti als Gottheit. Die folgenden Formeln gehören zur Pranapratistha, der rituellen Einsetzung der Lebenskraft. Die Wörter für Körperfunktionen werden in ihrer konkreten Bedeutung wiedergegeben. Die Bijas besitzen hier keine zusätzliche lexikalische Übersetzung.

  • Am him kromām̐ hīṃ kroṃ – Bija-Folge der Pranashakti. (13.13a.) Hinweis: Chandrabindu vorläufig; hīṃ bleibt ohne r.
  • Am him krom shabdarupasparsharasagandhatmane krim him am shirase svahaām̐ hīṃ kroṃ śabdarūpasparśarasagandhātmane krīṃ hīṃ āṃ śirase svāhā – Ām̐ hīṃ kroṃ. Dem, dessen Wesen Klang, Gestalt, Berührung, Geschmack und Geruch sind: krīṃ hīṃ āṃ; für den Kopf, svāhā. (13.13a.) Hinweis: Die unterschiedlichen Bijas und Nasalzeichen folgen der dokumentierten, teilweise vorläufigen Drucklesung.
  • Am him krom vakpanipadapayupasthatmane krom him am shikhayai vashatām̐ hīṃ kroṃ vākpāṇipādapāyūpasthātmane kroṃ hīṃ ām̐ śikhāyai vaṣaṭ – Ām̐ hīṃ kroṃ. Dem, dessen Wesen Rede, Hände, Füße, Ausscheidungs- und Geschlechtsorgan sind: kroṃ hīṃ ām̐; für den Haarschopf, vaṣaṭ. (13.13a.) Hinweis: Die unterschiedlichen Bijas und Nasalzeichen folgen der dokumentierten, teilweise vorläufigen Drucklesung.
  • Am him krom vachanadanavisarganandatmane krom him am kavachaya humām̐ hīṃ kroṃ vacanādānavisargānandātmane kroṃ hīṃ āṃ kavacāya hūṃ – Ām̐ hīṃ kroṃ. Dem, dessen Wesen Sprechen, Ergreifen, Ausscheiden und Wonne sind: kroṃ hīṃ āṃ; für den Schutzpanzer, hūṃ. (13.13a.) Hinweis: Die unterschiedlichen Bijas und Nasalzeichen folgen der dokumentierten, teilweise vorläufigen Drucklesung.
  • Am him krom manobuddhyahamkarachittatmane krom him am netraya vashatām̐ hīṃ kroṃ manobuddhyahaṃkāracittātmane kroṃ hīṃ āṃ netrāya vaṣaṭ – Ām̐ hīṃ kroṃ. Dem, dessen Wesen Denken, Unterscheidungsvermögen, Ichbewusstsein und Bewusstseinsfeld sind: kroṃ hīṃ āṃ; für das Auge, vaṣaṭ. (13.13a.) Hinweis: Die unterschiedlichen Bijas und Nasalzeichen folgen der dokumentierten, teilweise vorläufigen Drucklesung.
  • Am him krom hamsapranatmane krom him am astraya phatām̐ hīṃ kroṃ haṃsaprāṇātmane kroṃ hīṃ āṃ astrāya phaṭ – Ām̐ hīṃ kroṃ. Dem, dessen Wesen Hamsa und Lebenskraft sind: kroṃ hīṃ āṃ; für die Waffe, phaṭ. (13.13a.) Hinweis: Die unterschiedlichen Bijas und Nasalzeichen folgen der dokumentierten, teilweise vorläufigen Drucklesung.
  • Am him krom shrim yam ram lam vam sham sham hamām̐ hīṃ kroṃ śrīṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ haṃ – Eröffnende Lautreihe der Lebenskrafteinsetzung. (Kapitel 13, „Einsetzung der Lebenskraft“, S. 86.) Hinweis: Die folgende Reihe am Ende enthält zusätzlich saṃ.
  • Devadattasya jiva iha sthitah devadattasya sarvendriyani vangmana hamsa prana ihayantu svahadevadattasya jīva iha sthitaḥ devadattasya sarvendriyāṇi vāṅmanā haṃsa prāṇā ihāyāntu svāhā – Devadattas Lebenswesen ist hier gegenwärtig. Alle Sinne Devadattas, seine Rede und sein Geist, Hamsa und die Lebenskräfte sollen hierherkommen. Svaha. (Kapitel 13, „Einsetzung der Lebenskraft“, S. 86.) Hinweis: Devadatta ist der im Ritualformular verwendete Personenname. Die Kasus- und Satzformen sind uneben; kein Name wird eingesetzt oder ersetzt.
  • Yam ram lam vam sham sham sam ham shrim him krom amyaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ śrīṃ hīṃ kroṃ ām̐ – Abschließende Lautreihe der Lebenskrafteinsetzung. (Kapitel 13, „Einsetzung der Lebenskraft“, S. 86.) Hinweis: Die Folge ist keine genaue Umkehrung der Eröffnungsreihe. Beide bleiben in ihrer gedruckten Gestalt erhalten.

Anrufungen der Feuer-Kalas

Die erhaltene Reihe umfasst neun ausgeschriebene Gruppen. Mehrere Namen und Endungen sind ungewöhnlich. Die Formen werden deshalb als Drucklesungen dokumentiert; eine erwartete zehnte Kala wird nicht ergänzt. In den Kurzformeln fehlt namaḥ vielfach ausdrücklich.

  • Dam visphullingginyai vahanayaidaṃ visphulliṅginyai vāhanāyai – Daṃ, für Visphullingini und die als Vahana Bezeichnete. (Kapitel 13, „Anrufungen der Feuer-Kalas“, S. 86–87.) Hinweis: Die genaue Verbindung beider Namen ist unklar; für vāhanāyai steht keine eigene Bija.

Anrufungen der zwölf Sonnen-Kalas

Die Namenswiederholungen Tapini und Marichi sowie die auffälligen Lautpaare bleiben erhalten. Die Reihe wird nicht einer geläufigeren Sonnen-Kala-Liste angeglichen. Die Verbindung mit den zwölf Blättern ist im Text ausdrücklich genannt.

Anrufungen der sechzehn Mond-Kalas

Die Reihe nennt sechzehn Kalas. Sie enthält wiederholtes īṃ und ṝṃ sowie die auffällige Silbe kuṃ. Die kleinen Zeichen der vokalischen ṛ- und ḷ-Laute und die Form śityai sind vorläufig gelesen. Diese Folge wird daher nicht als durchweg gesicherte Aussprachevorlage ausgegeben.

Yogini-Mantrablöcke und Schutzfolgen

Diese Folgen gehören zum Yogini-Nyasa. Die Bezeichnungen Dakini, Kakini, Rakini, Shankini, Shakini, Sakini und Bhakini wechseln im verwendeten Druck teilweise innerhalb desselben Abschnitts. Die Liste bildet diesen Befund ab. Sie schafft daraus kein vereinheitlichtes Chakra-System.

  • Kamalavayum dakininam raksha tvamkamalavāyuṃ ḍākinīnāṃ rakṣa tvam – Beschädigter Anschluss der Dakini-Schutzformel; „Lotuswind“, Dakini und „schütze du“ sind erkennbar. (Kapitel 13, „Schutzformel und Hamsananda-Paduka“, S. 89.) Hinweis: Die grammatische Verbindung ist unklar.
  • Cham raksha raksha sarvashatruvashamkari devi namash chamunde varade vichchecaṃ rakṣa rakṣa sarvaśatruvaśaṃkari devi namaś cāmuṇḍe varade vicce – Caṃ. Schütze, schütze, Göttin, die alle Feinde unter Einfluss bringt! Verehrung, Chamunda, Gabenspendende, vicce. (Kapitel 13, „Schutzformel und Hamsananda-Paduka“, S. 89.) Hinweis: Historische Schutz- und Einflussformel. Vicce bleibt die gedruckte Lautform; keine Ergänzung zu einer anderen bekannten Chamunda-Formel.
  • Sakshamalam vyuha sakshamala vayamsakṣamalaṃ vyūha sakṣamala vayaṃ – Weitere gedruckte Lautfolge nach der Chamunda-Anrufung. (Kapitel 13, „Schutzformel und Hamsananda-Paduka“, S. 89.) Hinweis: Die Folge ist entstellt und nicht zuverlässig übersetzbar; keine freigegebene Rezitationsformel.
  • Rim rim rum lum raim raum rah ramalavarayum rakini mam raksha raksharīṃ rīṃ rūṃ lūṃ raiṃ rauṃ raḥ ramalavarayūṃ rākinī māṃ rakṣa rakṣa – Rīṃ rīṃ rūṃ lūṃ raiṃ rauṃ raḥ ramalavarayūṃ. Rakini, schütze mich, schütze! (Kapitel 13, „Schutzformel und Nityananda-Paduka“, S. 90.) Hinweis: Zweimal rīṃ und das ungewöhnliche lūṃ bleiben erhalten; nicht in eine regelmäßige Vokalreihe verändert.

Blattanrufungen mit Vokalen

Der Druck enthält in diesem Abschnitt fünfzehn ausgeschriebene Anrufungen. Die erste ist sprachlich gestört; besonders die Vokalzeichen der ṛ-/ḷ-Reihe bleiben unsicher. Fehlende Formen werden nicht aus einem Sanskritalphabet ergänzt.

  • Am akarnikayam prabhritayai namahāṃ akarṇikāyāṃ prabhṛtāyai namaḥ – Āṃ. Verehrung der am Fruchtboden als erste Genannten. (Kapitel 13, „Blattanrufungen mit Vokalen“, S. 88–89.) Hinweis: Der gedruckte Wortlaut ist grammatisch gestört; die Deutung bleibt vorläufig.

Blattanrufungen des Anahata-Abschnitts

Elf Anrufungen sind ausgeschrieben. Ungewöhnliche Namen und Lautzuordnungen bleiben als solche erkennbar; eine fehlende zwölfte Anrufung wird nicht ergänzt.

Blattanrufungen des Manipura-Abschnitts

Obwohl zehn Blätter genannt werden, sind hier nur fünf Blattanrufungen ausgeschrieben.

Blattanrufungen des Svadhishthana-Abschnitts

Anrufungen am Grundlotus und zwischen den Brauen

Am vierblättrigen Grundlotus stehen drei ausgeschriebene Gruppen; die erste nennt Varada zusammen mit Shri. Die folgende Zweiergruppe gehört zum Bhakini-Abschnitt zwischen den Brauen.

Paduka-Mantras der Guru-Reihe

Paduka bezeichnet die verehrte Sandale beziehungsweise Fußspur des Lehrers und steht hier für die Guru-Überlieferung. Die folgenden Formeln nennen die jeweiligen Nathas. Aus den bloßen Namen lässt sich keine Gleichsetzung mit gleichnamigen modernen Lehrern ableiten.

  • Em klim kshaum shrim hamsanandanathashripadukam pujayamieṃ klīṃ kṣauṃ śrīṃ haṃsānandanāthaśrīpādukāṃ pūjayāmi – Eṃ klīṃ kṣauṃ śrīṃ. Ich verehre die ehrwürdige Paduka des Herrn Hamsananda. (Kapitel 13, „Schutzformel und Hamsananda-Paduka“, S. 89.) Hinweis: Kṣauṃ ist nach dem Druck vorläufig bewahrt.
  • Nityanandanathashripadukam pujayaminityānandanāthaśrīpādukāṃ pūjayāmi – Ich verehre die ehrwürdige Paduka des Herrn Nityananda. (Kapitel 13, „Schutzformel und Nityananda-Paduka“, S. 90.) Hinweis: Der vorangehende Anschluss ist gestört und verweist auf die frühere Formel.
  • Chhanandanatha shripadukam pujayamichānandanātha śrīpādukāṃ pūjayāmi – Ich verehre die ehrwürdige Paduka des Herrn Chananda. (Kapitel 13, „Lakini im Manipura“, S. 90.) Hinweis: Der Name folgt auf eine Lücke. Er wird nicht zu einem vermuteten längeren Namen vervollständigt; der Paduka-Ausdruck folgt einer Ergänzung des Drucks.
  • Mu svanandanathashripadukam pujayamimu svānandanāthaśrīpādukāṃ pūjayāmi – Der unklare Laut mu geht voraus. Ich verehre die ehrwürdige Paduka des Herrn Svananda. (Kapitel 13, „Bhakini zwischen den Brauen“, S. 91.) Hinweis: Mu bleibt als unsicherer vorausgehender Bestandteil sichtbar; pūjayāmi folgt dem Druckvorschlag.

Weitere Schutzwörter und unvollständig ausgeschriebene Schutzformeln

Hier stehen ausdrücklich Teilformeln. Sie dürfen nicht zu einer neu zusammengesetzten Gesamtformel aneinandergereiht werden. Wo ityādi oder pūrvavat steht, verweist die Vorlage auf „und so weiter“ beziehungsweise „wie zuvor“. Der nicht erneut ausgeschriebene Wortlaut bleibt unergänzt.

  • Raksha raksharakṣa rakṣa – Schütze, schütze! (9.15.) Hinweis: Der Vers weist ausdrücklich die zweimalige Aussprache an.
  • Varadevarade – Du Gabenspendende! (9.19.) Hinweis: Bestandteil einer längeren Anrufung.
  • Parameshvariparameśvari – Höchste Herrin! (9.19.) Hinweis: Bestandteil einer längeren Anrufung.
  • Parapareparāpare – Du Höchste und Nichthöchste! (9.20.) Hinweis: Die anschließende Gesamtformel ist gestört.
  • Shamaniśamanī – Besänftigende. (9.21.) Hinweis: Gedruckte Wortform, kein stillschweigend korrigierter Vokativ.
  • Ehiehi – Komm! (9.21.) Hinweis: Einzelwort der Anrufung.
  • Matpranashakti rakshamatprāṇaśakti rakṣa – Schütze meine Lebenskraft! (9.22.) Hinweis: Die Kasusfügung der Vorlage ist uneben.
  • Lam lakinyadi purvavat manmam raksha …laṃ lākinyādi pūrvavat manmāṃ rakṣa … – Laṃ; die mit Lakini beginnende Formel wie zuvor; schütze mich … (Kapitel 13, „Lakini im Manipura“, S. 90.) Hinweis: Beschädigter und abgekürzter Text. Die gedruckte Lücke bleibt stehen.
  • Kakrim ityadi purvavat manmedam raksha rakshakākrīṃ ityādi pūrvavat manmedaṃ rakṣa rakṣa – Die mit kākrīṃ beginnende Folge und so weiter, wie zuvor: Schütze mein Fettgewebe, schütze! (Kapitel 13, „Kakini im Svadhishthana“, S. 90–91.) Hinweis: Kākrīṃ und manmedam sind uneben. Ityādi und pūrvavat sind Verweise der Anleitung, keine zusätzlich zu rezitierenden Mantrawörter.
  • Sam sim ityadi purvavat madasthi raksha rakshasāṃ sīm ityādi pūrvavat madasthi rakṣa rakṣa – Die mit sāṃ sīm beginnende Folge und so weiter, wie zuvor: Schütze meinen Knochen, schütze! (Kapitel 13, „Sakini am vierblättrigen Grundlotus“, S. 91.) Hinweis: Sīm endet gedruckt auf m; madasthi ist sprachlich uneben. Die Anleitungswörter werden als solche mitgeführt.
  • Sham him ityadi purvavat tanme majjam shukram raksha rakshaśaṃ hīm ityādi pūrvavat tanme majjāṃ śukraṃ rakṣa rakṣa – Die mit śaṃ hīm beginnende Folge und so weiter, wie zuvor: Schütze mein Mark und meinen Samen, schütze! (Kapitel 13, „Bhakini zwischen den Brauen“, S. 91.) Hinweis: Hīm endet hier auf m. Der konkrete Körperbezug bleibt erhalten; die Anschlussgrammatik ist uneben.
  • Lohite yoni samshlishte madaghurnitalochanelohite yoni saṃśliṣṭe madaghūrṇitalocane – Du Rote, mit der Yoni Vereinigte, deren Augen vom Rausch rollen. (Kapitel 13, „Schutzanrufung mit roter Yoni“, S. 92.) Hinweis: Teil einer längeren Anrufung im historischen Ritualkontext; die Grammatik ist uneben.
  • Raksha mam raksha kham vahi raksha binduyutam shivamrakṣa māṃ rakṣa khaṃ vahi rakṣa binduyutāṃ śivām – Schütze mich, schütze! Khaṃ … schütze die mit dem Punkt versehene glückverheißende Gestalt. (Kapitel 13, „Schutzanrufung mit roter Yoni“, S. 92.) Hinweis: Vahi bleibt unverständlich und steht deshalb im Sanskrit weiterhin ausdrücklich da.
  • Namo bhagavatenamo bhagavate – Verehrung dem Erhabenen. (8.32.) Hinweis: Anfang der längeren, im Folgenden beschädigten Sitzverehrungsformel.
  • Anantayaanantāya – Dem Unendlichen. (8.34.) Hinweis: Ausdrücklich genanntes Wort der Sitzverehrungsformel.
  • Kuru kurukuru kuru – Bewirke, bewirke! (10.13.) Hinweis: Die Anweisung nennt zweimal kuru; der übrige Mandala-Mantra bleibt an mehreren Stellen offen.

Weitere Lautfolgen und ausdrücklich benannte, aber nicht sicher entschlüsselte Mantras

Die folgenden Einträge schließen die Nachweise für die zugänglichen Textbereiche an. Wo keine sichere Rezitationsgestalt vorliegt, steht eine Beschreibung oder ein belegter Ausschnitt. Decknamen wie Feuer, Raum, Auge oder Bindu werden nicht ohne gesicherte Zuordnung in Sanskritsilben umgerechnet.

  • Bham tam tambhāṃ tāṃ taṃ – Drei gedruckte Lautgruppen in einer Anweisung mit Om und Bindu. (2.45.) Hinweis: Die genaue Beziehung der Gruppen zueinander bleibt offen.
  • Ham sa nam damhaṃ sā naṃ dāṃ – Gedruckte Lautfolge vor einer Dakini-Beschreibung. (12.33.) Hinweis: Der anschließende Ausdruck kagā ist unklar. Keine Harmonisierung zu einem vermuteten Guru-Namen.
  • Ma° sha°ma° śa° – Zwei abgekürzte Lautangaben bei der Verbindung mit sechs Vokalen. (12.31.) Hinweis: Die Kürzungskreise sind keine Visargas; der fehlende Wortlaut wird nicht aufgelöst.
  • Ham senahaṃ sena – Form im Zusammenhang mit innerem und äußerem Hamsa und dem Atem. (18.42.) Hinweis: Die Edition trennt haṃ sena; eine Deutung als haṃsena liegt nahe. Ein So-Ham-Mantra wird hier nicht ergänzt.
  • Yamyaṃ – Ausdrücklich genannte Bija im Inneren eines rauchfarbenen Gebildes an der rechten Schläfe. (15.54.) Hinweis: Belegt auch durch die Matsyendra-Lesarten bei Mallinson; keine allgemeine moderne Chakra-Zuordnung.
  • Sarvam ha vasarvaṃ ha vā – Gedruckter Wortbestandteil der Asche-Mantras. (2.36.) Hinweis: Im Druck fraglich markiert. Drei Mantras werden genannt, obwohl zuvor vier Elementwörter stehen.
  • Akashatmane namaākāśātmane nama – Verehrung dem, dessen Wesen der Raum ist. (2.39.) Hinweis: Metasprachlicher Ausschnitt vor iti; keine Ergänzung der beschädigten vorausgehenden Ishana-Formel.
  • Purushayanilatmanepuruṣāyānilātmane – Dem Purusha, dessen Wesen der Wind ist. (2.39.) Hinweis: Im folgenden Vers schließt eine Anweisung mit namaḥ an; der vorausgehende Laut maṃ ist unsicher.
  • Kalatmanekalātmane – Dem, dessen Wesen die Kala ist. (2.28.) Hinweis: Bestandteil des Kala-Nyasa; mehrere vorausgehende Bijas sind nur verschlüsselt beschrieben.
  • Vidyakalatmanevidyākalātmane – Dem, dessen Wesen die Vidya-Kala ist. (2.29.) Hinweis: Teil der Anordnung am Herzen; kein ungedruckter Bija-Laut wird eingesetzt.
  • Sarvabhutebhyasarvabhūtebhya – Allen Wesen. (6.22.) Hinweis: Der Druck schreibt den Visarga nicht aus; anschließend wird haṃ vorgeschrieben. Der weitere Abschluss in 6.23 ist beschädigt.
  • Svarham toyamsvārhaṃ toyaṃ – Gedruckter, unklarer Anfang des folgenden Verses zur Opfergabe. (6.23.) Hinweis: Keine Korrektur zu svāhā und keine Verbindung zu einer erfundenen Opferformel.
  • Hasahemhasahem – Unsichere Lautfolge im Mandala-Mantra. (10.17.) Hinweis: Vorläufige Drucklesung; kein gesichertes Rezitationswort.
  • U ri ta traū ṝ ta trā – Lautangabe in der Erläuterung zum fünffachen Tara. (9.13.) Hinweis: Klammerzusatz der Druckausgabe, nicht als unabhängig überlieferte Mantrafassung ausgewiesen.
  • Element-Bijas und Wurzelmantra – Der Text nennt Element-Bijas mit Bindu und einen Wurzelmantra, schreibt hier aber ihre Einzelgestalt nicht aus. (2.16.)
  • Fünf, vier, drei, zwei und ein Pranava – Die Verse 2.25–32 nennen abgestufte Pranava-Gruppen. Pañcatāra und pañcapraṇava erscheinen im selben Ritualbereich. Daraus wird keine zusätzliche vermeintlich durchgehend ausgeschriebene Fünferformel hergestellt. (2.25.)
  • Fünfsilbiger Mantra – Der Ausdruck pañcākṣara ist belegt. Der Vers selbst schreibt die fünf Silben nicht aus; eine bekannte Shiva-Formel wird hier deshalb nicht als wörtliches Zitat eingesetzt. (2.42.)
  • Vaidyanatha-Mantra – In 4.29–33 verschlüsselt hergeleitet; ausdrücklich genannt ist unter anderem vaidya. Lücken und unklare Decknamen verhindern eine sichere Gesamtform. (4.29.)
  • Dhanvantari-Mantra – In 4.34–38 genannt und durch Bija-Chiffren beschrieben. Die Quelle bietet hier keine sicher aufgelöste Formel. (4.34.)
  • Mrityunjaya-Mantra – Der Mantra zum Todüberwinder wird durch Bhṛgu, Bindu und weitere Decknamen beschrieben. Die beschädigte Herleitung trägt weder eine sichere Bija-Reihe noch ein hier ausgeschriebenes Tryambaka-Mantra. (7.66.)
  • Mantraraja, König der Mantras – Die Herleitung in 9.10–22 arbeitet mit den Lautgruppen der Yoginis, Decknamen und einzelnen Anrufungswörtern. Der Gesamtwortlaut bleibt unsicher. (9.1.)
  • Mandala-Mantra – Die Verse 10.12–17 nennen unter anderem rodhana, Mond, Sonne, agnigarbha, kuru, khecarī, mudrām, khaṃ und eine fünf-Pranava-Umschließung; mehrere Zwischenteile sind beschädigt. (10.11.)
  • Mantras der drei Tattvas – Der Text nennt diese Dreiergruppe, schreibt sie in diesem Vers aber nicht aus. Weitere Verweise stehen in 11.40 und 11.42. (11.10.)
  • Sieben Yogini-Kutas – In 12.25–32 folgen Chiffren für Mantrablöcke. Ihre Zahlen und Lautbezeichnungen sind teilweise widersprüchlich; daraus entsteht keine gesicherte ausgeschriebene Reihe. (12.25.)
  • Mahasaptatikuta – Ein großer siebzigteiliger Mantrablock wird genannt. Die siebzig Bestandteile sind hier nicht einzeln überliefert. (12.51.)
  • Mahasamarshi-Mantra – So lautet die vorläufige Drucklesung des Mantranamens. Eine vertrautere Bezeichnung wird nicht eingesetzt. (13.2.)
  • Khechari-Bija und Khechari-Vidya – Die Verse 14.31–38 verwenden Decknamen und rückwärts gezählte Laute. Auch der Vergleich mit den Matsyendra-Lesarten bei Mallinson erlaubt hier keine durchgehend sichere Entschlüsselung. (14.32.)
  • Vagishvari-Bija – Der Text bezeichnet eine Lautentfaltung beziehungsweise einen inneren Kraftvorgang als geheimes Vagishvari-Bija. Eine bestimmte Silbe ist in diesem Vers nicht ausgeschrieben. (18.12.)
  • Angeborenes Bija – Sahajaṃ bījam wird ausdrücklich genannt, die konkrete Lautgestalt bleibt an dieser Stelle ungenannt. (18.52.)
  • Roter neunter Laut – Ein roter neunter Laut mit Bindu wird genannt. Die Bezugsreihe ist nicht hinreichend bestimmt, um eine sichere einzelne Silbe einzusetzen. (19.13.)
  • Shabdatattva – Der Yogi soll das Lautprinzip rezitieren; der Vers bietet keine ausgeschriebene zusätzliche Formel. (20.26.)
  • Mantra der Maya-Vereinigung – Die kritische Edition kennzeichnet schon die Bija-Herleitung als verderbt. Lesbar sind die Wortanweisungen cale, cala, citre und reto sowie zweimal muñca; danach sollen die vorherigen Bijas rückwärts folgen. Diese Rückwärtsfolge bleibt mangels gesicherter Ausgangsfolge offen. (40.62.)
  • Chale chala chitre reto munycha munychacale cala citre reto muñca muñca – Als Wörter etwa: „Du Bewegliche, bewege dich, du Bunte; entlasse Samen, entlasse!“ (40.63.) Hinweis: Aus den ausdrücklichen Wortanweisungen in 40.63–64 zusammengestellte Teilfolge. Die Anredeformen sind deutungsbedürftig. Die vorausgehenden und abschließenden Bijas sind nicht sicher rekonstruierbar; die Stelle gehört zum historischen sexuellen Ritual mit Maya.

Meditative Selbstaussagen

Diese Aussagen werden als innere Vergegenwärtigung gelehrt. Sie können beim Studium meditativ gelesen werden; sie sind im Text an diesen Stellen nicht als eigenständige Bija-Mantras bezeichnet.

  • Nityo ’ham nirvikalpo ’ham niradharo ’ham avyayah / sachchidanandarupo ’ham brahmaivaham na samshayahnityo ’haṃ nirvikalpo ’haṃ nirādhāro ’ham avyayaḥ | saccidānandarūpo ’haṃ brahmaivāhaṃ na saṃśayaḥ – Ich bin ewig, frei von gedanklicher Unterscheidung, ohne Stütze und unvergänglich. Mein Wesen ist Sein, Bewusstsein und Wonne. Ich bin wahrhaft Brahman, daran besteht kein Zweifel. (7.58.)
  • Brahmaivaham na samsari mukto ’hambrahmaivāhaṃ na saṃsārī mukto ’ham – Ich bin wahrhaft Brahman, kein im Daseinskreislauf Gebundener; ich bin befreit. (7.59.) Hinweis: Der folgende Ausdruck iti bhāvayet bedeutet: „So soll man vergegenwärtigen.“

Lobpreisverse für das Schriftstudium

Zum Rezitationsbestand gehören außerdem die einleitenden Verehrungsverse, der Lobpreis in 1.61–84 und die Anrufungen in 11.11–26. Es handelt sich um Stotra- und Betrachtungsverse, nicht um ebenso viele eigenständige Bija-Mantras. Bei fortlaufenden Sätzen trägt der vorhergehende Verehrungsruf die anschließenden Verse mit. Auch beschädigte Passagen sind hier mit ihren erhaltenen Worten und konkreten Anmerkungen verzeichnet.

  • Lobpreis 1.1oṃ vande śambhujagannāthaṃ sarvavijñānadhīmayam |
    sarvāgamamahāratnadhāmaṃ sāgaram īśvaram ||
    – Om. Ich verehre Shambhu, den Herrn der Welt, dessen Wesen die Einsicht in alles Wissen ist: Ishvara, den Ozean und die Heimstatt der großen Juwelen aller Agamas. (1.1.) Hinweis: Śambhu folgt dem gedruckten Verbesserungsvorschlag zu saṃbhu; bei dhāmam ergänzt die Ausgabe den Schlusskonsonanten. Der Ozean ist hier ein Bild für den Reichtum der Lehre.
  • Lobpreis 1.2aprameyaguṇādhāraṃ sarvaiśvaryaphalapradam |
    vande ’haṃ śāṃbhavīsūnuṃ heraṃbhaṃ viśvavanditam ||
    – Ich verehre Herambha, den Sohn der Shambhavi, den die ganze Welt verehrt: die Grundlage unermesslicher Vorzüge, der alle Früchte göttlicher Macht gewährt. (1.2.) Hinweis: Herambha ist hier ein Name Ganeshas. Der Avagraha in vande ’ham ist im Druck ergänzt.
  • Lobpreis 1.3sarvaśāstrakalādhāraṃ sarvajñatvapradāyinīm |
    vāgīśvarīm ahaṃ vande vāgaiśvaryaprasiddhaye ||
    – Ich verehre Vagishvari, die Trägerin aller Wissenschaften und Künste, die Allwissenheit gewährt, damit Meisterschaft der Rede erlangt werde. (1.3.) Hinweis: Pradāyinīm, vande und vāgaiśvarya folgen den gedruckten Verbesserungen. Die maskuline Form ādhāram bleibt im Sanskrit unverändert.
  • Lobpreis 1.4aśeṣaduritavrātanīhārakulabhāvanaḥ |
    śivādiguravo mahyaṃ prasīdantu kṛpālavaḥ ||
    – Mögen die barmherzigen Gurus, beginnend mit Shiva, mir gnädig sein. Ihre erste Bezeichnung verbindet die Gesamtheit der Verfehlungen mit Nebel; die abschließende Bestimmung kulabhāvanaḥ ist nicht sicher aufzulösen. (1.4.) Hinweis: Prasīdantu folgt der gedruckten Berichtigung. Das Kompositum nīhārakulabhāvanaḥ ist grammatisch und bildlich nicht eindeutig. Die frühere Umschreibung als „Reinigung“ war eine Deutung aus dem Lobpreiskontext; sie ist durch die erhaltene Wortgestalt nicht hinreichend gesichert. Weder Sonne noch Wind oder eine bestimmte Art der Auflösung des Nebels werden ergänzt.
  • Lobpreis 1.5śivaśaivāgamāṃbhodhau samyak krīḍāvinodinam |
    matsyendranāthaṃ naumi sarvajñaṃ yogināṃ varam ||
    – Ich verneige mich vor Matsyendranatha, dem Allwissenden, dem Besten der Yogis, der sich im Ozean der Shiva- und Shaiva-Agamas im Spiel erfreut. (1.5.) Hinweis: Der erste Versfuß folgt der von Kiss 2011, Anm. 6, S. 189–190, ausdrücklich für alle fünf Handschriften angegebenen Lesung śivaśaivāgamāṃbhodhau. Sensharma druckt śivaśaivāgamāṃbhoyau und schlägt śivaśaivāgamābhyāṃ yo vor. Matsyendranāthaṃ naumi und varam folgen weiterhin den Berichtigungen des Drucks; k ist bei samyak ergänzt. Die Lesung aus Kiss wurde an der digitalen Textwiedergabe, nicht selbst an den Handschriften geprüft.
  • Lobpreis 1.6yena śambhumukhodgītaṃ śāstrasāraṃ sudurlabham |
    samyag āśrāvitaṃ vande matsyendranātham akalmaṣam ||
    – Ich verehre den makellosen Matsyendranatha, durch den der schwer zugängliche Kern der Lehre, aus Shambhus Mund verkündet, auf rechte Weise zu Gehör gebracht wurde. (1.6.) Hinweis: Samyag āśrāvitam folgt dem fraglichen Druckvorschlag samyagā zu samyag; der Matsyendra-Name und akalmaṣam enthalten ebenfalls gedruckte Berichtigungen.
  • Lobpreis 1.61oṃ namas te śambhave devāya śivāya parameṣṭhine |
    divyayogamahāśāstraśāradāyākhilātmane ||
    – Om. Verehrung dir, Shambhu, dem Gott, Shiva, dem höchsten Herrn! Verehrung dem in der großen Lehre des göttlichen Yoga Erfahrenen, dessen Wesen alles ist. (1.61.) Hinweis: Devāya, śivāya und śāstra folgen den gedruckten Berichtigungen. Die Form śārada wird hier im Sinn von kundig beziehungsweise erfahren verstanden; ihre genaue Gestalt bleibt sprachlich auffällig.
  • Lobpreis 1.62namas te bhogine yogadāyine śubhayogine |
    mahāsatrāya sanmārgapāline mṛtyumūrtaye ||
    – Verehrung dir, dem Genießenden, der Yoga gewährt, dem heilsamen Yogi; dir, der das große Opfer ist, den rechten Weg bewahrt und die Gestalt des Todes trägt. (1.62.) Hinweis: Bhogine und mahāsatrāya folgen den gedruckten Verbesserungen. Die ungewöhnliche Opferbezeichnung wird wörtlich erhalten; mṛtyumūrti wird nicht in einen unbelegt „den Tod überwindenden“ Ausdruck geändert.
  • Lobpreis 1.63ḍākinyādimahāsaptayoginīvṛndamaṇḍalaiḥ |
    saptādhārapade samyak pūjitāyā rūpiṇe ||
    – Verehrung dir, der an den sieben Stützpunkten von den Kreisen der sieben großen Yoginis, beginnend mit Dakini, in rechter Weise verehrt wird und Gestalt annimmt. (1.63.) Hinweis: Pūjitāyā rūpiṇe ist grammatisch uneben. Die Zahl sieben ist ausdrücklich belegt; sie wird nicht an eine andere Chakra-Zählung angepasst.
  • Lobpreis 1.64yoginīnāṃ catuḥṣaṣṭiḥ ṣaṇṇāṃ madhyanivāsine |
    paramāmṛtasaṃtṛptasadbhāvānandamūrtaye ||
    – Verehrung dir, der inmitten der Yoginis wohnt, deren Zahl als vierundsechzig genannt wird; dir, dessen Gestalt die Freude des wahren Seins ist, gesättigt vom höchsten Nektar. Zugleich enthält die Zeile eine nicht sicher zuzuordnende Sechserzahl. (1.64.) Hinweis: Ṣaṇṇām folgt dem fraglichen Druckvorschlag zu ṣaṇā. Vierundsechzig und sechs werden nicht zu einer einzigen ungeprüften Yogini-Systematik verbunden.
  • Lobpreis 1.65jīvanmuktapadaprāptikāraṇāmṛtadāyine |
    bhaktānām akhilajñānapradānāsaktacetase ||
    – Verehrung dir, der den Nektar gewährt, durch den die Stufe der Befreiung zu Lebzeiten erreicht wird; dir, dessen Sinn darauf gerichtet ist, den Verehrenden umfassendes Wissen zu schenken. (1.65.)
  • Lobpreis 1.66svaprasādasamuktaṃ bhaktapātakarāśaye |
    †svaprajāpyān† japyādi vighnakoṭivibhedine ||
    – Verehrung dir, dessen eigene Gnade mit der Aufhebung der angesammelten Verfehlungen seiner Verehrer verbunden wird und der Millionen Hindernisse der Rezitation und anderer Übungen durchbricht. Ein Teil der ersten Bestimmung und eine weitere Wortform sind nicht sicher verständlich. (1.66.) Hinweis: Der Alternativscan zeigt svaprasādasamu-ktaṃ mit einem Trennstrich, keine durch Punkte bezeichnete Lücke. Die Wortform samuktam bleibt unklar, ebenso das im Druck fraglich markierte svaprajāpyān. Ghna bei vighna ist im Druck ergänzt.
  • Lobpreis 1.67śrīśāṃbhavamahāśāstrapradhānasuradhenave |
    kalpadrumāya bhaktānāṃ kāmitārthapradāyine ||
    – Verehrung dir, der die vorzügliche göttliche Wunschkuh der großen ehrwürdigen Shambhu-Lehre ist; dir, dem Wunschbaum, der den Verehrenden ihre ersehnten Ziele gewährt. (1.67.) Hinweis: Wunschkuh und Wunschbaum sind die ausdrücklich verwendeten Bilder des Lobpreises.
  • Lobpreis 1.68svaśaktimahima … ta paśupāśāya māyine |
    ramaṇīyaguṇādhāramūrtaye liṅgamūrtaye ||
    – Verehrung dir, dem Träger der Maya, dessen eigene Shakti in Beziehung zu den Fesseln der gebundenen Wesen gesetzt wird; dir, dessen Gestalt die Grundlage lieblicher Vorzüge ist, der die Gestalt des Linga trägt. Die genaue Wirkung der Shakti fehlt in der ersten Zeile. (1.68.) Hinweis: Die Auslassung nach mahima ist bereits im Druck markiert. Ohne das fehlende Wort ist nicht gesichert, ob die Fesseln hier geschaffen, getragen oder gelöst werden.
  • Lobpreis 1.69bhairavāṣṭakarūpāya bhaktānāṃ bhayahāriṇe |
    argalāhi mahāmantrarūpiṇe mantrabhedini ||
    – Verehrung dir, der die Gestalt der acht Bhairavas hat und den Verehrenden die Furcht nimmt; dir, der die Gestalt eines großen Mantras trägt und dessen Unterschiede oder Geheimnisse erschließt. (1.69.) Hinweis: Argalāhi folgt dem gedruckten Vorschlag zu aralāhi, bleibt aber als genauere Mantrabezeichnung unklar. Mantrabhedini wird vorsichtig im Sinn des Unterscheidens oder Erschließens übersetzt.
  • Lobpreis 1.70bālārkabimbamadhyottha sudhāvi … nasvaiḥ |
    santārpitamahāmūrtibhedakoṭiśatātmane ||
    – Verehrung dir, dessen Wesen hundert Koti verschiedener großer Gestalten umfasst, die mit dem aus der Mitte der jungen Sonnenscheibe hervorgehenden Nektar gesättigt werden. Die genauere Beschreibung der Nektarströme ist lückenhaft. (1.70.) Hinweis: Bālārkabimba folgt der gedruckten Berichtigung; die Lücke nach sudhāvi steht im Druck, der Rest ist dort fraglich. Die Koti-Zahl gehört zum Lobpreis und ist keine Kapitel- oder Verszählung.
  • Lobpreis 1.71bhvādikūṭanyastajarākālamṛtyubhayātmane |
    sādrikūṭamahādivyaniṣkalārūparūpiṇe ||
    – Verehrung dir, dessen Wesen mit Alter, Zeit und Todesfurcht in einer hier entstellten Wortverbindung genannt wird; dir, der eine große göttliche, ungeteilte Gestalt trägt, verbunden mit einer Berggipfel- oder Kuta-Bezeichnung. (1.71.) Hinweis: Der klarere Scan bestätigt bhvādikūṭa- und mṛtyu-. Ny, sādrikūṭa und divya folgen gedruckten Verbesserungen. Die genaue Beziehung der Kuta-Bezeichnungen zu Alter, Zeit und Todesfurcht bleibt unklar; ihre Wirkung wird nicht aus verwandten Mantralehren ergänzt.
  • Lobpreis 1.72krādikūṭamahābījatrayasaṃsthitaśodhine |
    labdhasāmrājyavibhavaśrīvidyāyogacāriṇe ||
    – Verehrung dir, der durch die drei großen, in der mit kra beginnenden Kuta-Gruppe stehenden Bijas reinigt; dir, der im Yoga der Shri Vidya wandelt und die Herrlichkeit souveräner Herrschaft erlangt hat. (1.72.) Hinweis: Śodhine und labdhasāmrājya folgen den gedruckten Berichtigungen. Krādi ist die gedruckte Lautbezeichnung; sie wird nicht stillschweigend in kādi geändert. Śrīvidyā ist hier ausdrücklich genannt, doch die genaue Mantraform wird nicht ergänzt.
  • Lobpreis 1.73bhautikādimahāmūlavidyātrayasamarthine |
    sadyaḥ saṃlabdhasadbhāvaparamānandaśāline ||
    – Verehrung dir, der die drei großen Wurzel-Vidyas, beginnend mit der Bhautika-Bezeichnung, wirksam macht; dir, der vom höchsten Glück des unmittelbar erlangten wahren Seins erfüllt ist. (1.73.) Hinweis: Samarthine und saṃlabdha folgen den Druckverbesserungen. Bhautika wird als technische Bezeichnung erhalten; die drei Vidyas sind hier nicht mit vollständigen Lautfolgen ausgeschrieben.
  • Lobpreis 1.74mahāśrīśāmbhavīdīkṣālabdhabrahmādisampade |
    valipalitanāśaikamūrtaye ’mṛtadāyine ||
    – Verehrung dir, dem durch die große ehrwürdige Shambhavi-Einweihung die Fülle Brahmas und der weiteren göttlichen Mächte zuteilwird; dir, dessen Gestalt allein Falten und graues Haar vernichtet und Unsterblichkeitsnektar gewährt. (1.74.) Hinweis: Valipalita und a vor mṛta folgen den Druckverbesserungen. Die jugendliche Erneuerung ist ein Versprechen des Lobpreises.
  • Lobpreis 1.75gupta … varṇavidyālabdhasiddhiparāmṛtaiḥ |
    hālāhalollolakalanaśamakāriṇe ||
    – Verehrung dir, der durch die höchsten Nektare der Siddhi, erlangt aus einer verborgenen Laut-Vidya, das Aufwallen des Halahala-Giftes befriedet. (1.75.) Hinweis: Die nähere Laut- beziehungsweise Zahlenbezeichnung vor varṇavidyā ist im Scan verblasst; eine sichere Silbenzahl wird nicht behauptet. Hālāhalollola folgt der deutlich gedruckten Berichtigung.
  • Lobpreis 1.76divyāmṛta … candrapūjitavigrahe |
    jarāmaraṇārtidāriṇe pāpahāriṇe ||
    – Verehrung dir, dessen Gestalt mit göttlichem Nektar, Mond und Verehrung beschrieben wird; dir, der die Qual von Alter und Tod zerreißt und Verfehlung hinwegnimmt. (1.76.) Hinweis: Jarāmaraṇārtidāriṇe ist im klareren Scan lesbar. Mehrere Buchstabengruppen der ersten Zeile bleiben auch dort verblasst; deren genauer Zusammenhang bleibt unübersetzt.
  • Lobpreis 1.77śrīśāmbhavāmṛtāsvāda … yogakalevare |
    vilīnapātakavrātahāriṇe paramāṇave ||
    – Verehrung dir, dem höchsten winzigen Wesen, dessen Yogakörper mit dem Genuss des ehrwürdigen Shambhu-Nektars verbunden ist; dir, der die Masse der sich auflösenden Verfehlungen hinwegnimmt. (1.77.) Hinweis: Die Verbindung vor yogakalevare ist im Scan verblasst. Paramāṇu kann das kleinste Teilchen oder eine äußerste Feinheit bezeichnen; „höchstes winziges Wesen“ bewahrt hier den Zusammenhang des Lobpreises, ohne eine moderne Atomtheorie zu unterstellen.
  • Lobpreis 1.78mahādhāmāgra … †tyadhra madhyavāsipaṭāṅghiṇe† |
    mahārasāyanāsvādāmṛtapūtamahātmanī ||
    – Verehrung dir, dessen erste Bestimmung einen großen Licht- oder Aufenthaltsraum nennt, aber nicht zuverlässig lesbar ist; dir, dessen großes Wesen durch den Nektar des Genusses des großen Rasayana gereinigt ist. (1.78.) Hinweis: Die erste Zeile enthält eine gedruckte Lücke und weitere unsichere Lesungen. Auch die Endung mahātmanī bleibt auffällig. Eine konkrete Topografie oder Gottheitsgestalt wird nicht ergänzt.
  • Lobpreis 1.79mahāvyādhimahāmṛtyumahāpalitadāriṇe |
    sarvāvayavasaundaryaguṇaśṛṅgāraveṣiṇe ||
    – Verehrung dir, der schwere Krankheit, großen Tod und starkes Ergrauen durchbricht; dir, dessen Erscheinung mit der Schönheit und den Vorzügen aller Körperglieder geschmückt ist. (1.79.) Hinweis: Śṛṅgāra folgt dem gedruckten Ersatz für saṃhārṇa. Palita bezeichnet graues Haar; die ungewöhnliche Steigerung bleibt im Deutschen erkennbar.
  • Lobpreis 1.80namas te paramānandarūparūpāya śambhave |
    mahābhūtapiśācādibhayaharte mahātmane ||
    – Verehrung dir, Shambhu, dessen Gestalt die Gestalt höchsten Glücks ist; dir, der die Furcht vor mächtigen Geisterwesen, Pishachas und anderen Wesen nimmt, der großen Seele. (1.80.) Hinweis: Harte folgt der gedruckten Korrektur zu hantrai. Die religiöse Wesenwelt wird als Bestandteil des Lobpreises wiedergegeben.
  • Lobpreis 1.81mahotpātamahāghoraduḥkhaghnabhayanāśine |
    namas te kṣetrapālāya lokarakṣāvidhāyine ||
    – Verehrung dir, der große Unheilszeichen, schreckliches Leiden und Furcht vernichtet; dir, dem Hüter des heiligen Ortes, der den Schutz der Welt bewirkt. (1.81.) Hinweis: Das lange Kompositum verbindet mehrere Bedrohungen; seine Binnenbezüge sind sprachlich uneben, die Schutzfunktion ist klar erkennbar.
  • Lobpreis 1.82guptācāraguhāṃ prāṇagrasanāsaktacetase |
    śrīmatsamayasanmārgapālakānāṃ mahātmanām ||
    – Verehrung dir, dessen Sinn auf das Verschlingen von Leben gerichtet ist; der genaue Zielbegriff im Zusammenhang mit der verborgenen Praxis bleibt unklar. Der anschließende Satz nennt die großen Seelen, welche die ehrwürdigen Verpflichtungen und den rechten Weg bewahren. (1.82.) Hinweis: Guptācāraguhām ist sprachlich unklar. Eine Lesung mit druh, „verletzen“, wäre denkbar, wurde aber nicht an einem zweiten Zeugen geprüft. Daher wird kein bestimmter Personenkreis als Ziel des Verschlingens ergänzt. Der Genitiv der zweiten Zeile setzt sich in Vers 83 fort.
  • Lobpreis 1.83mahāsāmrājyasaubhāgyayogavṛddhipradāyine |
    śaktyāliṅgitadevāya śambhave sakalātmane ||
    – Verehrung dir, der große Herrschaft, glückliche Fülle und das Wachsen des Yoga schenkt; dir, dem von Shakti umarmten Gott, Shambhu, dessen Wesen alles umfasst. (1.83.) Hinweis: Der Genitiv der großen Seelen aus Vers 82 kann als Empfänger dieser Gaben angeschlossen werden. Die Umarmung durch Shakti ist ausdrücklich im Wortlaut genannt.
  • Lobpreis 1.84namaḥ śivābhyām iṣṭā phaladābhyāṃ yatātmane |
    śrīmanmaheśvarajñānapālakābhyāṃ namo namaḥ ||
    – Verehrung dem göttlichen Shiva-Paar, das die ersehnten Früchte gewährt; Verehrung der gesammelten Gestalt! Wieder und wieder Verehrung dem Paar, das das ehrwürdige Wissen Maheshvaras bewahrt. (1.84.) Hinweis: Die Doppelanrede śivābhyām steht neben dem Singular yatātmane. Der Druck bietet zu iṣṭā einen unvollständigen Verbesserungsvorschlag. Die Wortfolge wird nicht zu einem grammatisch glatten neuen Sanskritvers umgestaltet.
  • Lobpreis 11.11stutibhiś ca namaskṛtya pūjayet kramayogataḥ |
    oṃ namo ’nantarūpāya śambhave paramāṇuve ||
    – Mit Lobpreis und Verneigung verehrt man der Reihe nach: „Om. Verehrung Shambhu, dessen Gestalt unendlich ist, dem feinsten Urteilchen.“ (11.11.) Hinweis: Der Avagraha ist im Druck ergänzt. Paramāṇu kann hier den höchsten subtilen Punkt bezeichnen; die Übersetzung setzt keine moderne Atomlehre voraus. Der Lobpreis geht in 12–18 weiter.
  • Lobpreis 11.12sarvamantramahāyogaphaladānaikahetave |
    namo ’nalātmane ’nantaśaktaye paramātmane ||
    – „Verehrung dem einzigen Grund, der die Früchte aller Mantras und des großen Yoga gewährt; dem, dessen Wesen Feuer ist, dessen Shakti unendlich ist, dem höchsten Selbst.“ (11.12.) Hinweis: Die Avagrahas folgen den Ergänzungen des Drucks.
  • Lobpreis 11.13divyajñānasudhā†tṛsirūpiṇe† viśvarūpiṇe |
    vedapañcakaṣaḍvedapañcavedakramāsane ||
    – „Verehrung dem, dessen Gestalt die Sättigung durch den Nektar göttlichen Wissens ist und der alle Gestalten umfasst; dem, dessen Sitz mit einer unklaren Folge von fünf, sechs und wiederum fünf Vedas beschrieben wird.“ (11.13.) Hinweis: Die zweite Zeile ist im Druck fraglich. Die Zahlenfolge wird erhalten, ohne daraus ein nicht belegtes System von Wissenswegen zu konstruieren. Der zweite Scan zeigt in der ersten Zeile tṛsi, nicht das zuvor eingesetzte tṛpti. „Sättigung“ setzt eine Deutung auf tṛpti voraus; diese ist als Deutung der verderbten Druckform, nicht als bestätigte Lesart, beibehalten.
  • Lobpreis 11.14tacchaktigaṇasaṃśleṣatṛptitṛptāya śambhave |
    bhādikūṭasamutpanna jyotirliṅgasvarūpiṇe ||
    – „Verehrung Shambhu, der durch die Erfüllung in der Vereinigung mit den Scharen seiner Shaktis erfüllt ist; dem, dessen Wesen das Licht-Linga ist, das aus dem mit bha beginnenden Mantrablock entsteht.“ (11.14.) Hinweis: Tṛpti folgt dem Druckvorschlag zu kṛtti. Bhādi wird nicht zu hādi oder einer vertrauten Shri-Vidya-Formel verbessert.
  • Lobpreis 11.15sādikūṭārṇasambhūtaśaktyāliṅgitamūrtaye |
    ābrahmastambaparyantamūtāmūrtasvarūpiṇe ||
    – „Verehrung dem, dessen Gestalt von der Shakti umarmt wird, die aus den Lauten des mit sa beginnenden Mantrablocks entsteht; dem, der alles Gestalthafte und Gestaltlose von Brahma bis zum Grasbüschel umfasst.“ (11.15.) Hinweis: Mūtāmūrta ist die gedruckte, beschädigte Form; die erkennbare Paarung wird als mūrta–amūrta verstanden, ohne den IAST-Wortlaut stillschweigend zu verbessern.
  • Lobpreis 11.16svaprasādāmṛtollāsasarvavṛttivikāśine |
    taruṇāmṛtakalloladhārādṛkpāta bhiṣaje ||
    – „Verehrung dem, der durch das Aufleuchten des Nektars seiner Gnade alle Regungen entfaltet; dem heilenden Herrn, dessen Blick wie ein Strom frischer Nektarwogen herabfällt.“ (11.16.) Hinweis: Bhiṣaje folgt dem fragenden Druckvorschlag zu bheṣajaḥ. Die syntaktische Verbindung des langen Blick-Kompositums bleibt uneben.
  • Lobpreis 11.17svabhaktiratito vyādhijarāmṛtyuvināśine |
    namo yogāmṛtadhvasta sasa yoni kalevare ||
    – „Verehrung dem, der aus Freude an seinen Verehrern Krankheit, Alter und Tod vernichtet.“ Die zweite Zeile verbindet den Nektar des Yoga mit einer Auflösung sowie mit Geburtsschoß und Körper; ihr Zusammenhang ist entstellt. (11.17.) Hinweis: Ratito folgt dem Druckvorschlag. Sasa ist fraglich gedruckt und wird nicht ohne Zeugen zu einem bekannten Kompositum ergänzt.
  • Lobpreis 11.18paramānandarūpendra dayakṣyādavāmṛtāmbhase |
    rucibhāvaghanasāraugha sāntaduṣkarakarmaṇe |
    yogino yogasāmrājya dakṣiṇe śambhave namaḥ ||
    – „Verehrung Shambhu, der höchste Wonne verkörpert und dem Yogi die Herrschaft des Yoga gewährt.“ Dazwischen nennt der Lobpreis Nektarwasser, innere Haltung und schwer auszuführende Handlungen in stark entstellten Verbindungen. (11.18.) Hinweis: Die erste Zeile ist fraglich gedruckt; auch die Anschlüsse der zweiten sind nicht verlässlich. Alle drei Langzeilen stehen hier unter Nummer 18; der erhaltene Lobpreis ersetzt nicht die ausdrücklich offenen Bestandteile.
  • Lobpreis 11.19sarvajñāsiddhisāmrājyayogavidyāsvarūpiṇīm |
    jīvanmuktipradāṃ vande bhairavīṃ viśvanāyakām ||
    – Ich verehre Bhairavi, die Herrin des Alls: Sie verkörpert die Yogavidya, die mit Allwissenheit, Siddhi und umfassender Herrschaft verbunden ist, und schenkt Befreiung zu Lebzeiten. (11.19.) Hinweis: Der Alternativscan zeigt sarvajñā-, mit kurzem a nach v. Die frühere Abtrennung sarva-ājñā und die daraus abgeleitete „Befehlsgewalt“ waren nicht begründet. Die ungewöhnliche Kompositionsform und die genaue Gliederung des langen Wortes bleiben mehrdeutig.
  • Lobpreis 11.20madhye vāgbhavamadhyasthā ṣaṭkaracitā viśvānanā viśvagā |
    pañcapretakṛtāsanā kujatanur jyāṣṭaprakārojjvalā |
    vidyutkoṭinibhaprabhā bhavabhayapradhvaṃsinī bhāsate |
    bhūyān me bhuvaneśvarī bhuvanasūrīṣṭāptaye yakṣiṇī ||
    – In der Mitte, im Vagbhava, leuchtet die allgesichtige, alles durchdringende Göttin, deren Gestalt mit sechs Händen beschrieben wird. Fünf Pretas bilden ihren Sitz. Sie strahlt wie Millionen Blitze und vernichtet die Furcht vor dem Dasein. Möge Bhuvaneshvari, hier Yakshini genannt, mir zur Erfüllung des Ersehnten dienen. Weitere Gestaltbestimmungen sind entstellt. (11.20.) Hinweis: Vāgbhavamadhyasthā und ṣaṭkaracitā folgen Druckvorschlägen. Kujatanuḥ, jyāṣṭaprakāra und bhuvanasūrīṣṭāptaye bleiben unklar. Die fünf Pretas werden hier nicht ohne geprüfte Namensliste identifiziert.
  • Lobpreis 11.21padmapāṇicatuṣṭayena karadī … nagānanā |
    nanu ye varadābhaya takadadhatī tvadyathibhūtasthitā |
    mūlasthā bhuvanādhvagā hṛdayagā dugdhodanaikapriyā |
    sānandā jvalatopamā vitaratu śreyāṃsi me kākinī ||
    – Möge Kakini mir Heil gewähren: Sie wird mit vier lotushaften Händen beschrieben und mit den Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit verbunden. Sie weilt an der Wurzel, durchzieht den Weltenweg, befindet sich im Herzen, liebt Milchreis, ist voller Freude und gleicht einer Flamme. Mehrere Verbindungen am Anfang sind lückenhaft oder entstellt. (11.21.) Hinweis: Die gedruckte Lücke bleibt stehen. Tī, hṛdayagā, jvalatopamā und vitaratu folgen den Druckverbesserungen. Der Vers beginnt auf Sanskritseite 73 und endet auf 74; alle vier Langzeilen sind unter derselben Nummer wiedergegeben.
  • Lobpreis 11.22śyāmāṅgo varaṣeṭ sadā karasaro gholo bhajanti trikā |
    spandadvayavatī śiromanubhavā bhāvāsanāsthāyinī |
    kāmasthā padamārgaśodhanakarī raktagraṃ haikāgratā |
    svādhiṣṭhānagatā sitoda rucirā sā pātu māṃ kākinī ||
    – Möge die schöne Kakini mich schützen. Sie weilt im Svadhishthana und auf einem Sitz innerer Vergegenwärtigung; sie reinigt einen als pada-mārga bezeichneten Weg. Dunkle Körperfarbe, zwei Bewegungen und weitere Körper- und Bewusstseinsbestimmungen werden genannt, doch große Teile des Verses sind entstellt. (11.22.) Hinweis: Sadā folgt einem Druckvorschlag. Die zahlreichen Fragezeichen des Drucks betreffen unter anderem varaṣeṭ, die anschließende Handbestimmung, spandadvayavatī, śiromanubhavā, kāmasthā und sitoda. Der erneut gedruckte Name kākinī wird nicht geändert.
  • Lobpreis 11.23varṇādhvapratiti śodhinī śikharito bheraṇḍavaktrayā |
    vṛkṣārohaṇatatparā prabhupadasyāṃ kusyamāśuddhyām |
    mātasyā na gatiḥ sa †nāti† nilayā piṅgānuḍānāpriyā |
    mām avyād cirāddikhānujanitā māṃsāśitā lākinī ||
    – Möge Lakini mich schützen. Sie wird als Reinigerin des Lautweges bezeichnet, mit einer Bheranda-Gesichtsbestimmung verbunden und dem Ersteigen von Bäumen zugewandt beschrieben. Sie isst Fleisch. Die übrigen Bestimmungen über Ort, Bewegung und Vorlieben sind stark entstellt. (11.23.) Hinweis: Vṛkṣa folgt dem Druckvorschlag zu guccha. Die übrigen fraglichen Folgen bleiben als vorläufige Ablesungen stehen; bheraṇḍavaktra wird nicht ohne Beleg in eine bestimmte Tierart übersetzt. Der konkrete Fleischbezug wird nicht ausschließlich symbolisch gedeutet. Die erneut verglichene dritte Zeile hat nāti, nicht gati; die Verbindung bleibt unübersetzt.
  • Lobpreis 11.24medasthāṃ haritaprabhāṃ kavacajāṃ mantrādhvasaṃśodhinīṃ |
    dadhyanūnātiruciṃ yo he nanu ca tṛṣādyāṃ biḍālāsanām |
    dānasthānagatāṃ śaśāṅkavibhavasthāṃ śūlamudā jvalāṃ |
    yogasthām abhirasthagolakapadāṃ vandāmahe kākinīm ||
    – Wir verehren Kakini: Sie befindet sich im Fettgewebe, leuchtet grün, entsteht aus dem Schutzpanzer und reinigt den Mantraweg. Sie liebt Dickmilch und besitzt einen Katzensitz. Mondglanz, Dreizack und ihr Verweilen im Yoga werden genannt; weitere Bestimmungen des Ortes und ihrer Haltung sind entstellt. (11.24.) Hinweis: Nū folgt einem Druckeinsatz. Der zweite Halbvers und abhirasthagolakapadām sind besonders unsicher. Der Name kākinī bleibt wie gedruckt; die anatomische Zuordnung medas wird nicht durch eine moderne Chakratabelle ersetzt.
  • Lobpreis 11.25vibhrāṇā lakuṭaṃ ca mūkam asitā pañcabhūvalkojjvalā |
    raudrasthānapadānugā dhvam ajitābhītāsitāsthipriyā |
    uddvānaikarucit svakraṣṭukṛtārīhā javād vanditā |
    paryāri ca kalādhvaśodhanavatī bhūyān mude śākinī ||
    – Möge Shakini Freude schenken. Sie trägt einen Stock und einen unsicher bezeichneten weiteren Gegenstand, erscheint dunkel und ist mit einem Rudra zugehörigen Ort verbunden. Knochen gehören zu ihren Vorlieben, und sie reinigt den Kala-Weg. Die übrigen Epitheta sind stark entstellt. (11.25.) Hinweis: Ein a vor jita folgt der gedruckten Ergänzung. Pañcabhūvalkojjvalā, dhvam und mehrere Folgen der dritten Zeile sind fraglich; die Art der Knochenvorliebe und die übrigen Gegenstände bleiben offen.
  • Lobpreis 11.26devīṃ śūlakapālalalitakarāṃ mṛṇyāsya ṣaṭyognim |
    bhāṇu prabhavāṃ valakṣa vihagārūḍhāṃ satattvādhvagām |
    hāridrābhanibhāṃ saśāṃbhavapadāṃ pādasthitāpāṭalāṃ |
    vande sarvagatāṃ saṃvidavasatiṃ śūlasthitāṃ hākinīm ||
    – Ich verehre Hakini, die alles durchdringende Göttin und Wohnstätte des Bewusstseins. Ihre Hände tragen Dreizack und Schädelschale; sie reitet auf einem Vogel, durchzieht den Tattva-Weg und leuchtet wie Kurkuma. Eine Shambhu zugehörige Stätte und das Stehen am Dreizack werden genannt. Andere Körper- und Farbbestimmungen sind entstellt. (11.26.) Hinweis: Mṛṇyāsya ṣaṭyognim, bhāṇu und valakṣa sind fraglich gedruckt. Die Verbindung pādasthitāpāṭalām bleibt unklar; keine zusätzliche Gesichts- oder Armezahl wird ergänzt.

Rezitation mit Sammlung und heiterem Geist

Bei aller Vielfalt der Lautgestalten bleibt die innere Haltung bedeutsam. Vers 11.53 verbindet die tägliche Rezitation mit den eigenen Möglichkeiten und einem heiteren Geist. Für heutiges Svadhyaya kann dies heißen: eine kurze, verstandene Anrufung aufmerksam lesen, ihre Bedeutung nachklingen lassen und in Stille verweilen. Die einleitenden Anrufungen und klar verständlichen Lobpreisstellen eröffnen dafür einen Zugang. Besondere tantrische Mantras werden in ihrem überlieferten Ritual- und Einweihungszusammenhang studiert.

Die oben stehenden Formeln sind mit Sanskrittext und deutscher Übersetzung verknüpft. Die entsprechende Schriftfassung steht unter Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari. Einen thematischen Einstieg bietet die Auswahl von 108 deutschen Versen.

Quellen zu den Mantras

Die Zählung folgt dem jeweils benutzten Sanskrittext. Die Bezeichnungen der unnummerierten Abschnitte in Kapitel 13 sind redaktionelle Orientierung; die angeführten Seiten sind die Sanskritseiten von Sensharmas Druck. Seine gedruckten Verbesserungen sind dort übernommen, wo dies die zugrunde liegende Wiki-Fassung ausdrücklich dokumentiert. Das Verzeichnis bietet keinen neuen kritisch hergestellten Mantratext.

Für Kapitel 14 und 15 sowie 18 wurden die Editionen beziehungsweise Matsyendra-Lesarten bei Mallinson herangezogen.[2] Die Stelle 40.62–64 folgt Kiss’ Teiledition von Kapitel 40; ihre beschädigte Lautanweisung wird nicht durch einen vermuteten geläufigen Mantra ersetzt.[3] Die Einzelkorrektur in 1.5 berücksichtigt den von Kiss 2011 mitgeteilten Wortlaut.[4]

Textgrundlage und weitere Wiki-Seiten

Die Auswahl folgt der Text- und Übersetzungsgrundlage der verlinkten Teilausgabe. Für Kapitel 1–13 wird Sensharma 1994 mit ausgewiesenen Einzelkorrekturen verwendet; 1.5 und 3.1 berücksichtigen Kiss 2011. Die Verse aus Kapitel 14 und 16 folgen der mit den Matsyendra-Lesarten bei Mallinson 2003 verglichenen Fassung; Kapitel 17 und 18 folgen dessen Editionen. Die Stelle aus Kapitel 19 beruht auf Sensharma 1994. Wichtige Deutungsunsicherheiten sind hier knapp, die textkritischen Einzelheiten auf der Seite mit IAST und deutscher Übersetzung angegeben.[5][6][7]

Quellen und Anmerkungen

  1. Debabrata Sensharma (Hrsg.): Matsyendra Samhita: Ascribed to Matsyendranatha. Part I. Bibliotheca Indica 318. The Asiatic Society, Calcutta 1994, Sanskritkapitel 1–20; für die längeren ausgeschriebenen Mantras besonders Sanskritseiten 86–93. Digitalisat; Vergleich mit dem klareren Digitalisat desselben Drucks.
  2. James Mallinson: The Khecarīvidyā of Ādinātha: A Critical Edition and Annotated Translation. DPhil-Dissertation, University of Oxford, benutzte Fassung mit Titelblatt vom 14. August 2003; Matsyendrasaṃhitā-Lesarten im Apparat und Editionen in den Anhängen. Digitalisat.
  3. Csaba Kiss: A Sexual Ritual with Māyā in Matsyendrasaṃhitā 40. In: Dominic Goodall, Shaman Hatley, Harunaga Isaacson und Srilata Raman (Hrsg.): Śaivism and the Tantric Traditions: Essays in Honour of Alexis G. J. S. Sanderson. Gonda Indological Studies 22. Brill, Leiden/Boston 2020, S. 426–450, besonders die Edition von 40.62–64. Publikation.
  4. Csaba Kiss: The Matsyendrasaṃhitā: A Yoginī-centered Thirteenth-century Yoga Text of the South Indian Śāmbhava Cult. In: David N. Lorenzen und Adrián Muñoz (Hrsg.): Yogi Heroes and Poets: Histories and Legends of the Nāths. SUNY Press, Albany 2011, S. 143–162, zugehörige Anmerkungen S. 188–198. Publikationsnachweis.
  5. Debabrata Sensharma (Hrsg.): Matsyendra Samhita: Ascribed to Matsyendranatha. Part I. Bibliotheca Indica 318. The Asiatic Society, Calcutta 1994. Digitalisat.
  6. James Mallinson: The Khecarīvidyā of Ādinātha: A Critical Edition and Annotated Translation. DPhil-Dissertation, University of Oxford, benutzte Fassung mit Titelblatt vom 14. August 2003. Digitalisat.
  7. Csaba Kiss: The Matsyendrasaṃhitā: A Yoginī-centered Thirteenth-century Yoga Text of the South Indian Śāmbhava Cult. In: David N. Lorenzen und Adrián Muñoz (Hrsg.): Yogi Heroes and Poets: Histories and Legends of the Nāths. SUNY Press, Albany 2011, S. 143–162, zugehörige Anmerkungen S. 188–198. Publikationsnachweis.

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