Matsyendra Samhita Ausgewählte Verse: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Matsyendra Samhita Ausgewählte Verse | '''Matsyendra Samhita Ausgewählte Verse''' bietet 108 Verse der [[Matsyendra Samhita]] in einer vereinfachten, eigenständig formulierten deutschen Lesefassung. Sie richtet sich an Yoga-Aspiranten, die bekannte Begriffe neu sehen und auch ungewöhnliche Seiten der Überlieferung kennenlernen möchten: den Körper als Weltall, die Verbindung von Shiva und Shakti, den inneren Klang, Khechari, Kundalini, Nektarvorstellungen und die Freiheit von Bindung. | ||
Die Auswahl ist ein Weg durch zwölf Themenfelder. Sie verbindet verständliche Sprache mit der Kühnheit des Originals. Die textnahe Übersetzung und der Sanskritwortlaut stehen im [[Matsyendra Samhita#Uebersetzung|Hauptartikel]]; das Verzeichnis [[Matsyendra Samhita Mantras|Mantras, Bedeutung und Verwendung]] erschließt die zugehörige Klangwelt. | |||
Die | '''Zur Lesefassung:''' Die Versnummern entsprechen der kommentierten Teilausgabe. Jeder Vers wurde eigens neu formuliert; Satzanschlüsse werden verständlich gemacht und einzelne Fachbegriffe erläutert. Anreden und wiederholte Bekräftigungen können sprachlich gestrafft sein. Kurze Betrachtungen und heutige Reflexionsimpulse stehen ausdrücklich außerhalb der Verswiedergabe. Diese Seite ersetzt deshalb keine philologische Übersetzung. | ||
Die | '''Zur geistigen Ausrichtung:''' Die Verse führen von Sammlung und Hingabe zu Erkenntnis, innerer Kraft und Befreiung. Auch sinnliche Bilder wie die Umarmung von Shiva und Shakti gehören zum Original. Die besonderen Kräfte und die Freiheit von Alter und Tod werden als Verheißungen der Schrift wiedergegeben. Die Auswahl ist keine Anleitung zu körperlichen Eingriffen, langem Atemanhalten oder anderen fortgeschrittenen Verfahren; für eigene Praxis zählen Achtsamkeit, körperliche Sicherheit und verantwortliche Anleitung. | ||
Nimm dir Zeit. Ein einziger Vers kann genügen, um eine vertraute Vorstellung zu öffnen. Die zwölf Fragen am Ende der Themenbereiche helfen, die Lektüre mit dem eigenen Leben zu verbinden. | |||
[[Matsyendra Samhita|Werk, Sanskrit und textnahe Übersetzung]] · [[Matsyendra Samhita Ausgewählte Verse|108 Verse für Yoga-Aspiranten]] · [[Matsyendra Samhita Mantras|Mantras, Bedeutung und Verwendung]] | |||
<span id="Thema_1"></span> | |||
== 1. | == 1. Was suchst du wirklich? == | ||
[[Datei:Shiva.jpg|thumb|Die Begegnung mit der Lehre beginnt mit Aufmerksamkeit und einer aufrichtigen Frage.]] | |||
<span id=" | Die Erzählung beginnt mit Verehrung und einer Entscheidung: Willst du nur etwas besitzen, oder willst du erkennen? Matsyendra erscheint als einer, der sich im Ozean der Lehre frei bewegt. Der Weg fordert zugleich eine Veränderung der inneren Haltung. | ||
<span id="Auswahl_1.1"></span> | |||
'''1.1''' | '''1.1''' | ||
Om. Ich | Om. Ich verneige mich vor Shambhu, dem Herrn der Welt. In ihm leuchtet alles Wissen. Er ist der Ozean, in dem die kostbaren Juwelen der heiligen Lehren geborgen sind. | ||
''Betrachtung:'' Das Wissen erscheint als lebendiger Ozean. Die Anrufung lädt dazu ein, mit Ehrfurcht und zugleich mit Entdeckerfreude zu lesen. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_1.1|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_1.1|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_1.5"></span> | |||
'''1.5''' | |||
Ich verehre Matsyendranatha, den allwissenden Meister unter den Yogis. Im weiten Meer der Lehren Shivas bewegt er sich voller Freude, wie im Spiel. | |||
''Betrachtung:'' Das Bild verbindet große Gelehrsamkeit mit Leichtigkeit. Spirituelle Tiefe muss nicht schwerfällig sein. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_1.5|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_1.5|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_1.6"></span> | |||
'''1.6''' | |||
Ich verehre den reinen Matsyendra: Er hat uns den seltenen Kern der Lehre zu Gehör gebracht, den Shiva selbst verkündet hat. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_1.6|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_1.6|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_1.7"></span> | |||
'' | '''1.7''' | ||
Einst zog ein großer Yogi durch die Welt. Er suchte Vollendung – ohne Besitzgier und ohne sich an sein Ich zu klammern. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_1.7|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_1.7|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_1.24"></span> | |||
'' | '''1.24''' | ||
„Was wünschst du dir von uns: Reichtum, etwas, das du liebst, oder das Wissen, das nur schwer zu erlangen ist? Sprich aus, wonach dein Herz verlangt.“ | |||
''Betrachtung:'' Die Frage steht in der Rahmenerzählung. Du kannst sie zugleich als Frage an deine eigenen Prioritäten lesen. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_1.24|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_1.24|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_1.25"></span> | |||
'' | '''1.25''' | ||
Mit ehrfürchtig gefalteten Händen antwortete der Yogi: „Schenkt mir jenes Wissen, das so selten und schwer zugänglich ist. Danach verlange ich.“ | |||
'''1. | ''Betrachtung:'' Mit Wissen ist hier Vidya gemeint: eine empfangene spirituelle Lehre, die auch [[Mantra]] und Einweihung umfasst. | ||
[[Matsyendra Samhita#Vers_1.25|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_1.25|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_2.65"></span> | |||
'''2.65''' | |||
Dann können sich die besonderen Kräfte bald entfalten; falsch vollzogen kann das Verfahren jedoch Unheil bringen. Wer auch in seiner inneren Haltung rein geworden ist, erlangt den ganzen Yoga. | |||
''Betrachtung:'' Der Vers steht nach Reinigungsverfahren. Seine entscheidende Einschränkung gehört zur Aussage: Die äußere Technik allein genügt nicht. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_2.65|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_2.65|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_2.66"></span> | |||
'''2.66''' | |||
Ohne die rechte innere Haltung gibt es keine Vollendung, selbst in Zehntausenden von Jahren nicht. Tausend Krüge Wasser und hundert große Maße Reinigungserde können sie nicht ersetzen. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_2.66|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_2.66|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_2.67"></span> | |||
'''2.67''' | |||
Ein verdorbenes Inneres wird selbst in tausend Jahren nicht rein. Darum vollziehe diese Handlungen mit geläuterter Haltung. Wer sich so sechs Monate lang reinigt, findet nach der Verheißung den rechten Zugang zum Yoga. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_2.67|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_2.67|Sanskrit in Devanagari]] | |||
'''Frage zur Vertiefung:''' Welche Sehnsucht trägt deine Praxis, wenn Anerkennung, Besitz und besondere Erfahrungen einmal zurücktreten? | |||
<span id="Thema_2"></span> | |||
== 2. Festigkeit, Sammlung und die Wurzel der Bindung == | |||
Die Schrift setzt große Ziele, beginnt aber mit konkreten Voraussetzungen: eine tragfähige Haltung, ein geeigneter Ort und die Schulung des Geistes. Ihr Rückzug der Sinne ist mehr als bloßes Entspannen; die Sinne werden in ihre kosmischen Grundlagen zurückgeführt. | |||
<span id="Auswahl_3.1"></span> | |||
'''3.1''' | |||
Zum Wohl der Übenden erkläre ich nun die Folge der Asanas. Wenn du sie Schritt für Schritt einübst, kann Festigkeit leicht entstehen. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_3.1|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_3.1|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_3.37"></span> | |||
'''3.37''' | |||
Wähle unter diesen Haltungen eine, die zu deinen Möglichkeiten passt. Wenn du sie wirklich beherrschst, wird auch die Sammlung der Sinne möglich. | |||
'' | ''Betrachtung:'' Die Aussage über die passende Haltung beruht auf einer vorsichtigen Deutung des schwierigen Druckwortlauts. Die Einzelanmerkung im Hauptartikel dokumentiert sie. | ||
[[Matsyendra Samhita#Vers_3.37|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_3.37|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_3.38"></span> | ||
''' | '''3.38''' | ||
Der Körper gewinnt Festigkeit, der Geist wird still. In der vertraut gewordenen Haltung sitzend, widmet sich der Yogi bei Tag und bei Nacht dem Yoga. | |||
''Betrachtung:'' „Bei Tag und bei Nacht“ bewahrt den entschiedenen Übungsanspruch der Schrift. Daraus folgt für heutige Leser kein Verzicht auf notwendigen Schlaf. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_3.38|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_3.38|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_3.39"></span> | ||
''' | '''3.39''' | ||
Übe an einem abgeschiedenen, stillen Ort: Der Boden sei eben und sauber, frei von störenden Tieren, der Raum von Wohlgeruch erfüllt. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_3.39|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_3.39|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_3.40"></span> | ||
''' | '''3.40''' | ||
Ob im Heiligtum Shivas, in einer Höhle oder in einem stillen Haus: Verweile gesammelt und beherrscht, dein Bewusstsein vom höchsten Nektar erfüllt. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_3.40|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_3.40|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_5.1"></span> | |||
'''5.1''' | |||
Wohin der rastlose Geist auch wandert und welches Verlangen ihn nach außen zieht: Hole dein Bewusstsein zurück. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_5.1|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_5.1|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_5.5"></span> | |||
'''5.5''' | |||
Sammle die Sinne immer wieder ein und führe den Geist zurück. Denn der Geist selbst ist die Ursache deiner Bindung und deiner Befreiung. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_5.5|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_5.5|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_5.14"></span> | |||
'''5.14''' | |||
Erkenne das Riechen als eine Kraft der Erde, verbunden mit der feinen Qualität des Geruchs. Lass diesen Sinn in seine Grundlage zurückkehren und seine Tätigkeit zur Ruhe kommen. | |||
''Betrachtung:'' Dies ist die Elementenlehre des Textes. Sie lässt die gewöhnliche Wahrnehmung als Teil eines größeren Zusammenhangs erscheinen. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_5.14|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_5.14|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_6.1"></span> | ||
''' | '''6.1''' | ||
Nun erkläre ich Dharana, die Sammlung, durch die Fehler schwinden sollen. Zwölf Pranayamas werden hier als Dharana-Yoga bezeichnet. | |||
'' | ''Betrachtung:'' Die Zwölferzahl gehört zur historischen Einteilung. Der Vers allein beschreibt noch kein Atemverfahren und bestimmt keine heutige Übungsdauer. | ||
[[Matsyendra Samhita#Vers_6.1|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_6.1|Sanskrit in Devanagari]] | |||
'''Frage zur Vertiefung:''' Beobachte beim nächsten ruhigen Sitzen, was den Geist bindet und was ihm Weite gibt. Du musst dafür keine außergewöhnliche Erfahrung erzeugen. | |||
<span id="Thema_3"></span> | |||
== 3. Dein Körper als Weltall – und der furchtlose Bhairava == | |||
Hier verlässt die Matsyendra Samhita den Rahmen gewöhnlicher Körpervorstellung. Der Yogi wird zum Weltenkörper; [[Shiva]] erscheint als Bhairava, wild und furchtlos. Diese Bilder sollen nicht verharmlost werden: Sie führen die Meditation an die Grenzen von Selbstbild, Sicherheit und Todesfurcht. | |||
<span id="Auswahl_7.3"></span> | |||
'''7.3''' | |||
Um die Hindernisse zu überwinden, vergegenwärtige dir einen gewaltigen Körper: Seine Füße reichen in die Unterwelt, die Erde bildet seine Hüften, der weite Raum seinen Leib. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.3|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.3|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_7.5"></span> | |||
'''7.5''' | |||
Die Meere sind sein Gewand. Wunderbar durchdringt er das ganze Weltall; alles Bewegliche und Unbewegliche gehört zu ihm, von Brahma bis zum Grashalm. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.5|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.5|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_7.6"></span> | ||
''' | '''7.6''' | ||
Betrachte die Welten wie Poren deines Körpers und deinen Leib als das ganze Universum. Lass diese große Gestalt lebendig werden, damit der Geist Festigkeit gewinnt. | |||
'' | ''Betrachtung:'' Hier wird die Enge des gewohnten Körperbildes aufgebrochen. Die Schrift bietet eine konkrete kosmische Visualisation. | ||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.6|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.6|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_7.7"></span> | ||
''' | '''7.7''' | ||
Wer so in die göttliche Erkenntnis hineinmeditiert, dessen geistige Bewegungen kommen nach und nach zur Ruhe. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.7|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.7|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_7.8"></span> | ||
''' | '''7.8''' | ||
Ist der Geist gefestigt, öffnet sich die nächste Betrachtung: Im eigenen Herzen liegt ein höchster Lotus, dessen Wesen Shiva und Shakti sind. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.8|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.8|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_7.14"></span> | |||
'''7.14''' | |||
Acht große Schlangen schmücken ihn als Kette. Er brüllt und vernichtet die Furcht. Ein Tigerfell ist sein Gewand, ein Löwenfell sein Mantel. | |||
''Betrachtung:'' Bhairava wird hier nicht zur bloß sanften Gestalt. Auch das Erschreckende kann im religiösen Bild zur Macht werden, die Furcht auflöst. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.14|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.14|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_7.25"></span> | |||
'''7.25''' | |||
Bhairavi steht an der Spitze der Yogini-Scharen und nimmt die Furcht. Sie lässt die ersehnten Früchte reifen und wird als dreifache Ursache gepriesen. | |||
Der | ''Betrachtung:'' Der Vers bewahrt die besondere Göttinnenwelt des Werkes. Die Bezeichnung „dreifache Ursache“ wird hier nicht durch eine unbelegte moderne Erklärung ersetzt. | ||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.25|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.25|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_7.19"></span> | |||
'''7.19''' | |||
Betrachte ihn mit ungeteilter Aufmerksamkeit, damit die Hindernisse zur Ruhe kommen. Auf seinem linken Schoß sitzt Chandika, die das Leiden vernichtet. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.19|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.19|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_7.27"></span> | |||
'''7.27''' | |||
Durch diesen Yoga der Meditation wirst du selbst von der Furcht vor Zeit und Tod frei, höchste Göttin. Wahr soll sein, was ich dir gesagt habe. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.27|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.27|Sanskrit in Devanagari]] | |||
'' | '''Frage zur Vertiefung:''' Welche Seite des Lebens blendest du in deiner Spiritualität gern aus? Kannst du sie wahrnehmen, ohne dich von ihr beherrschen zu lassen? | ||
<span id="Thema_4"></span> | |||
== 4. Asche, Umarmung und das Licht ohne Stütze == | |||
[[Datei:MahadeviBogen.jpg|thumb|Shiva und Shakti verbinden Stille und Kraft. Die Abbildung begleitet die Gottesbetrachtung; sie ist keine genaue Wiedergabe einer einzelnen Versbeschreibung.]] | |||
Der gleiche [[Shiva]] kann auf dem Verbrennungsplatz verweilen, von [[Shakti]] umarmt werden und als Licht ohne äußere Stütze erscheinen. Vergänglichkeit und Glückseligkeit werden nicht auseinandergerissen. Die Bilder führen von der betrachteten Gottheit zur Identifikation mit ihr. | |||
<span id="Auswahl_7.29"></span> | |||
'' | '''7.29''' | ||
Im Lotus des Herzens sitzt Shiva, leuchtend wie die junge Sonne. Die goldfarbene Göttin hält seinen Körper umarmt. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.29|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.29|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_7.30"></span> | |||
'' | '''7.30''' | ||
Sein Leib ist mit Asche bedeckt, ein Tigerfell umhüllt ihn. Friedvoll sitzt er auf dem Verbrennungsplatz: dreiäugig, den Mond als Schmuck im Haar. | |||
''Betrachtung:'' Die Asche und der Verbrennungsplatz bleiben konkrete Bestandteile des Gottesbildes. Die Ruhe erscheint mitten in der Gegenwart des Todes. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.30|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.30|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_7.31"></span> | ||
''' | '''7.31''' | ||
Vom jungen Mond an seiner Stirn fließt göttlicher Nektar über Shiva. Seine Hände schenken Gaben und Furchtlosigkeit; er trägt das große Beil und zeigt die Hirsch-Geste. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.31|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.31|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_7.34"></span> | |||
'''7.34''' | |||
Er zerbricht die Fesseln des gebundenen Wesens und führt über den Ozean der Furcht. Er schenkt die Weite allwissender Erkenntnis und alle besonderen Vollendungen. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.34|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.34|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_7.41"></span> | |||
'''7.41''' | |||
Noch einen anderen Weg der Meditation will ich dir zeigen: Im Herzen des Herzlotus erscheint eine Gestalt wie die reine Flamme einer Lampe. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.41|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.41|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_7.42"></span> | |||
'''7.42''' | |||
Nur daumengliedgroß und doch strahlend wie zehn Millionen Sonnen: rund wie die Blüte des Kadamba-Baums, ein sonnengleiches Gestirn. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.42|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.42|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_7.43"></span> | |||
'''7.43''' | |||
Oder betrachte das Licht, das ringsum in Strahlen aufleuchtet – hervortretend in einer Leere, die von nichts getragen wird. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.43|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.43|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_7.46"></span> | |||
'' | '''7.46''' | ||
Sieh deinen ganzen Körper von dieser Lichtfülle durchdrungen. Mit der inneren Gewissheit „Das bin ich“ erinnere dich allmählich an dein eigenes Ich. | |||
''' | ''Betrachtung:'' Die Identifikation wird im Zusammenhang einer Gottesmeditation gelehrt. Sie ist keine Behauptung über die Überlegenheit der eigenen Persönlichkeit. | ||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.46|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.46|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_7.49"></span> | |||
'' | '''7.49''' | ||
Durch klare Unterscheidung des Selbst findet der Yogi bald zum Yoga. Er soll sich selbst als die Gestalt Ishvaras vergegenwärtigen. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.49|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.49|Sanskrit in Devanagari]] | |||
'''Frage zur Vertiefung:''' Wie verändert sich dein inneres Bild, wenn du Licht nicht nur vor dir siehst, sondern deinen ganzen Leib davon durchdrungen denkst? | |||
Ergänzendes allgemeines Yoga-Vidya-Angebot: Anahata-Chakra-Meditation. Das Video begleitet die persönliche Vertiefung; es erklärt keine einzelne historische Praxisanweisung der Matsyendra Samhita. | |||
{{#ev:youtube|us1Pt1DDXrE}} | |||
<span id="Thema_5"></span> | |||
Die | == 5. Die innere Puja und das Feuer des Selbst == | ||
Die innere Verehrung ist sinnlich reich: Duft, Blüten, Licht, Nektar und Juweleninseln gehören dazu. Zugleich wird sie radikal. Selbst das Festhalten an Verdienst und Verfehlung wird dem inneren Feuer übergeben. Der Text spricht hier von einem rituellen Bewusstseinsvollzug, nicht von einer Aufhebung der Verantwortung für andere. | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_8.1"></span> | ||
''' | '''8.1''' | ||
Jetzt erkläre ich die innere Verehrung, die alle Siddhis schenken soll. Nimm an einem reinen, angenehmen Ort Platz und richte dich mit festem Entschluss aus. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_8.1|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_8.1|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_8.2"></span> | ||
''' | '''8.2''' | ||
Verweile lange in der Meditation, mit befriedetem Inneren. Erkenne dich im Bereich der reinen Wirklichkeit als Ishvara. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_8.2|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_8.2|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_8.3"></span> | ||
''' | '''8.3''' | ||
Verehre mit Duft, Blumen und heilsamen Gaben, die aus deiner inneren Vergegenwärtigung entstehen: an den sechs Stützpunkten und besonders am Dvadashanta. | |||
'' | ''Betrachtung:'' Dvadashanta bezeichnet einen besonderen inneren Bezugspunkt. Die „sechs Stützpunkte“ werden nicht ohne Weiteres mit einem heutigen Chakra-Schema gleichgesetzt. | ||
[[Matsyendra Samhita#Vers_8.3|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_8.3|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_8.4"></span> | |||
'''8.4''' | |||
Verehre gesammelt den unvergänglichen Shambhu zusammen mit Shakti. Lass dabei den höchsten Nektarozean immer wieder gegenwärtig werden. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_8.4|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_8.4|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_8.5"></span> | ||
'''5 | '''8.5''' | ||
Hell wie reiner Kristall leuchtet dieser Ozean, bewegt von göttlichen Wogen. In seiner Mitte erscheint eine weite Insel aus Juwelen. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_8.5|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_8.5|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_8.38"></span> | ||
''' | '''8.38''' | ||
Bringe die innerlich geschaffenen Opferhölzer Varunas und die weiteren Gaben dar. Übergib im Geist auch Dharma und Adharma, rechtes und unrechtes Tun, dem lodernden Feuer des Selbst. | |||
'' | ''Betrachtung:'' Die beiden Pole werden gemeinsam genannt. Das kann zur Betrachtung darüber anregen, wie tief unser Selbstbild an Erfolg, Schuld und Rechtfertigung gebunden ist. | ||
[[Matsyendra Samhita#Vers_8.38|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_8.38|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_8.43"></span> | |||
'''8.43''' | |||
Inmitten des Lichtkreises betrachte dich selbst als leuchtende Gestalt – so ruhig wie eine Lampe an einem windstillen Ort. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_8.43|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_8.43|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_8.72"></span> | |||
'''8.72''' | |||
Wer Shiva im eigenen Selbst verlässt und ihn nur draußen verehrt, ist wie jemand, der den Milchreis in seiner Hand liegen lässt und stattdessen am Ellenbogen leckt. | |||
'' | ''Betrachtung:'' Der Vergleich ist absichtlich drastisch. Seine Schärfe ist Teil der Lehre und wurde nicht geglättet. | ||
[[Matsyendra Samhita#Vers_8.72|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_8.72|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_8.73"></span> | |||
'''8.73''' | |||
Shambhu ist das Selbst, auf dem diese ganze Welt ruht. Wenn du ihn verehrst, ist darin alles Bewegliche und Unbewegliche mitverehrt. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_8.73|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_8.73|Sanskrit in Devanagari]] | |||
'' | '''Frage zur Vertiefung:''' Welche innere Gabe wäre heute wahrhaftig? Eine schöne Vorstellung genügt weniger als die Bereitschaft, wirklich gegenwärtig zu sein. | ||
<span id=" | <span id="Thema_6"></span> | ||
== 6. Ich bin Brahman – und das yogische Sehen == | |||
Die Ich-Aussagen sind meditative Vergegenwärtigungen. Sie stehen neben Beschreibungen von Samadhi und außergewöhnlichem Erkennen. Die Schrift verheißt mehr als Wohlbefinden: Befreiung zu Lebzeiten, unmittelbares Schauen und Erkenntnis der drei Zeiten. Diese Verheißungen werden als Aussagen des Textes gelesen. | |||
<span id="Auswahl_7.48"></span> | |||
'''7.48''' | |||
Durch diesen Meditationsweg wird der Yogi nach der Lehre selbst zu Ishvara. Er sieht seinen Leib im Glanz von zehn Millionen Sonnen. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.48|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.48|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_7.58"></span> | |||
'''7.58''' | |||
Ich bin die Biene am Lotus der yogischen Vergegenwärtigung, dessen Blätter die acht Siddhis sind. Ich bin ewig, jenseits begrifflicher Trennung, ohne Stütze und unvergänglich. Mein Wesen ist Sein, Bewusstsein und Wonne. Ich bin Brahman selbst. | |||
''Betrachtung:'' Das Bienenbild und die acht Siddhis gehören zum Vers. Die Aussage umfasst die besondere tantrische Vorstellungswelt und die Erkenntnis Brahmans. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.58|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.58|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_7.59"></span> | ||
'''7. | '''7.59''' | ||
„Ich bin Brahman selbst. Ich bin kein Wesen, das im Kreislauf gefangen ist. Ich bin frei.“ So vergegenwärtige dich. Dieser Meditationsyoga führt nach der Lehre zur Befreiung mitten im Leben. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.59|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.59|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_7.60"></span> | ||
'''7. | '''7.60''' | ||
Wenn die verwickelten Vorstellungen in Shiva vergehen, leuchtet Freude auf. Der Übende erkennt dieses Aufleuchten und schaut überall mit gleichem Blick. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.60|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.60|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_7.75"></span> | ||
'''7. | '''7.75''' | ||
Nun erkläre ich Samadhi, durch den der Yogi Shiva wird. Die Gestalt, die in der Meditation fest geworden ist, betrachtet er mit dem yogischen Auge. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.75|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.75|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_7.79"></span> | |||
'''7.79''' | |||
Einspitzig, unzerstreut und unbewegt, mit still gewordenen Sinnen, schaut der in Samadhi Ruhende Sadashiva – ungetrennt vom eigenen Selbst. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.79|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.79|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_7.80"></span> | |||
'''7.80''' | |||
Im Samadhi erscheint ein großes Leuchten wie Feuer. Wenn dieses Leuchten sich gnädig erweist, wird dem Yogi Befreiung zuteil. | |||
''Betrachtung:'' Die ungewöhnliche Rede vom gnädigen Leuchten bleibt erhalten. Die Befreiung wird nicht als mechanisches Ergebnis eines Lichtbildes beschrieben. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.80|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.80|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_7.81"></span> | ||
'''7. | '''7.81''' | ||
Wenn Samadhi recht verwirklicht ist, sieht der Yogi mit dem yogischen Auge genau die Gestalt, die er sich vergegenwärtigt. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.81|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.81|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_7.85"></span> | |||
'''7.85''' | |||
Zu den verheißenen Fähigkeiten gehören die Herrschaft über die Sinne, augenblickliche Allwissenheit, das Erkennen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sowie göttliche Herrschaft. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.85|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.85|Sanskrit in Devanagari]] | |||
'' | '''Frage zur Vertiefung:''' Woran erkennst du den Unterschied zwischen einer tiefen inneren Erfahrung und dem Wunsch, dir selbst besondere Fähigkeiten zuzuschreiben? | ||
<span id="Thema_7"></span> | |||
== | == 7. Khechari: Sprache, Nektar und der diamantfeste Körper == | ||
Khechari verbindet in diesem Werk Körpertechnik, [[Mantra]], Gottheiten und innere Erfahrung. Die Zunge wird zum Ort von Shri und der Göttin der Rede; der obere Körperraum zum Nektarozean. Die Auswahl zeigt die Kühnheit dieser Lehre. Sie ist keine Anleitung zu den an anderer Stelle beschriebenen körperlichen Eingriffen. | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_16.19"></span> | ||
''' | '''16.19''' | ||
Vor den Füßen jenes Yogis verneige ich mich, der alle Wirklichkeitsprinzipien kennt und in den höchsten Yoga eingegangen ist: friedvoll und voller Glückseligkeit. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.19|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.19|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_16.29"></span> | ||
''' | '''16.29''' | ||
An der Spitze der Zunge wohnen Shri und die Herrin der Rede. An ihrer Wurzel aber befinden sich Bindung und Tod. | |||
'' | ''Betrachtung:'' Die Gegenüberstellung gehört zur Khechari-Lehre. Sie ist keine anatomische Feststellung und keine Aufforderung, die Zungenwurzel zu verletzen. | ||
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.29|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.29|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_16.33"></span> | |||
'''16.33''' | |||
Auf dem Weg der Sushumna wird der Atemwind von der Wurzel nach oben geführt. An der Brahma-Wohnstätte angekommen, versenkt der Yogi den Geist in die Leere. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.33|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.33|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_16.34"></span> | |||
'''16.34''' | |||
Meditiere über die höchste Wirklichkeit, frei vom Verwerfen und vom Ergreifen. Vom Brahma-Ort strömt der Himmelsganges herab, überaus kühl. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.34|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.34|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_16.35"></span> | |||
'''16.35''' | |||
Wer davon trinkt, soll nach einem Monat einen diamantfesten Körper erlangen: einen göttlichen Leib, göttliche Rede und göttliche Schau. | |||
''Betrachtung:'' Der Vers spricht vom zuvor beschriebenen inneren Himmelsganges. „Diamantfest“ ist die Verheißung des Textes, keine Zusicherung körperlicher Unverletzbarkeit. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.35|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.35|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_16.36"></span> | |||
'' | '''16.36''' | ||
Göttliche Einsicht und göttliches Hören sollen erwachen. An der Zungenspitze erscheint die Herrin der Rede, strahlend wie zehn Millionen Monde. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.36|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.36|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_16.37"></span> | |||
'' | '''16.37''' | ||
Von den Kräften höchsten Nektars gesättigt, wird die Göttin vergegenwärtigt – und augenblicklich soll Dichtkunst erwachen. Dann meditiert der vom Nektar beglückte Yogi über Lakshmi an seiner Zungenspitze. | |||
'' | ''Betrachtung:'' Die besondere Fähigkeit wird konkret als Dichtkunst bezeichnet. Nicht nur Schweigen, auch sprachlicher Ausdruck kann Frucht der inneren Verwirklichung sein. | ||
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.37|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.37|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_16.46"></span> | |||
'''16.46''' | |||
Dort, im großen Nektarozean mit seinen kühlen Wogen, trinkt der Yogi Nektar und kommt zur Ruhe. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.46|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.46|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_16.47"></span> | |||
'''16.47''' | |||
Mit einem Geist voller höchster Wonne sieht er seinen ganzen Körper von diesem Nektar gesättigt. Aus diesem Yoga soll göttliche Schau hervorgehen. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.47|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.47|Sanskrit in Devanagari]] | |||
'' | '''Frage zur Vertiefung:''' Lies die Nektarbilder langsam. Was geschieht, wenn du deinen Körper einmal als empfangend und durchströmt betrachtest, ohne etwas erzwingen zu müssen? | ||
<span id="Thema_8"></span> | |||
== 8. Kundalini, Lichtfaden und der angeborene Klang == | |||
[[Datei:Nadis-Chakras.jpg|thumb|Der Text entfaltet unterschiedliche innere Körperordnungen. Die Abbildung ist ein allgemeines Schema.]] | |||
Die innere Körperwelt dieses Tantra ist beweglich und vielgestaltig. [[Kundalini]] erscheint als Urkraft, Lichtfaden und Klang. Die folgenden Verse gehören zu zusammenhängenden yogischen Verfahren; Atemanhalten und körperliche Verschlüsse werden durch diese Auswahl nicht als selbständige Übungen vermittelt. | |||
<span id="Auswahl_16.40"></span> | |||
'' | '''16.40''' | ||
Die erste angeborene Kraft ist Kundalini-Shakti. Die zweite ist Sushumna, die dritte die Zunge. | |||
''' | ''Betrachtung:'' Der Text nennt insgesamt fünf angeborene Größen. Dieser Vers bietet die ersten drei; die Auswahl ergänzt die übrigen nicht aus einem anderen System. | ||
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.40|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.40|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_16.44"></span> | |||
'''16.44''' | |||
Sie ist fein wie ein einzelner Spinnenfaden und leuchtet wie zehn Millionen Sonnen. Ihr Weg führt zum Gaumenzäpfchen und an den Riegel des Shiva-Tores. | |||
''Betrachtung:'' Gemeint ist die zuvor genannte [[Kundalini]]-[[Shakti]]. Das Bild hält größte Feinheit und unermessliche Lichtkraft zusammen. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.44|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.44|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_16.51"></span> | ||
''' | '''16.51''' | ||
Zwischen Ida und Pingala liegt Sushumna, die Lichtgestaltige. Dort wohnt unversehrter Glanz, inmitten der Vielfalt von Farben und Formen. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.51|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.51|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_16.70"></span> | |||
'''16.70''' | |||
Die Shakti leuchtet wie tausend Blitze. Im Inneren des Brahma-Eis wird sie in den Ozean kühlen Nektars geführt; dort soll der Übende lange verweilen. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.70|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.70|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_16.85"></span> | |||
'''16.85''' | |||
Vereine Shakti mit dem dort weilenden höchsten Shiva, der höchsten Ursache. Vergegenwärtige ihre Einheit. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.85|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.85|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_18.8"></span> | |||
'''18.8''' | |||
Indem sie die Chakras der Reihe nach durchdringt, wird die Kraft eins und heißt Nada, Klang: ein Ring aus Blitzen, eine Gestalt aus leuchtenden Strahlen. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.8|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.8|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_18.9"></span> | |||
'' | '''18.9''' | ||
Durch ein Erfahrungszeichen löst sie sich im Höchsten auf: ohne Stütze, von leerem Licht erfüllt, im Innern der Brahma-Tür, das Visarga heißt. | |||
''' | ''Betrachtung:'' Visarga, „Ausströmung“ oder „Entlassung“, bleibt hier die besondere Bezeichnung des Textes. Eine einfache Gleichsetzung mit einem heutigen Chakra-Namen würde zu kurz greifen. | ||
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.9|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.9|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_18.51"></span> | |||
'' | '''18.51''' | ||
Lass den Geist äußerst fein in die Sushumna eintreten. Wenn Shakti sich regt, offenbart sich der höchste Klang. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.51|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.51|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_18.52"></span> | |||
'' | '''18.52''' | ||
Das ist das angeborene Bija: Darin sammelt sich der Geist. Im selben Augenblick, so die Verheißung, verlässt der Yogi die Erde und verweilt fest im Raum. | |||
''' | ''Betrachtung:'' Das Raumverweilen bleibt als außergewöhnliche [[Siddhi]] stehen. Die Stelle nennt keine ausgeschriebene Silbe; „Om“ oder ein anderes [[Mantra]] wird nicht eingesetzt. | ||
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.52|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.52|Sanskrit in Devanagari]] | |||
'' | '''Frage zur Vertiefung:''' Kannst du Stille auch als ein feines Hören verstehen, ohne einen bestimmten inneren Klang herstellen zu wollen? | ||
Ergänzendes allgemeines Yoga-Vidya-Angebot: Mantra-Chakra-Vedanta-Meditation. Das Video begleitet die persönliche Vertiefung; es erklärt keine einzelne historische Praxisanweisung der Matsyendra Samhita. | |||
{{#ev:youtube|hTkSKORqMAE}} | |||
<span id="Thema_9"></span> | |||
== 9. Verkörperte Meditation und der innere Milchozean == | |||
Die Meditation durchdringt den Leib mit Farben, Licht und innerem Nektar. Ihre Bilder sind ungewöhnlich konkret: ein blitzendes Wurzelzentrum, das korallenrote Herz, ein Milchstrom durch die Schädelöffnung und Tropfen, die aus den Poren austreten. Die Bilder werden als historische Vergegenwärtigungen gelesen; sie sind keine körpermedizinischen Aussagen. | |||
= | <span id="Auswahl_7.44"></span> | ||
'''7.44''' | |||
Lass diese Körpergestalt durch beständige Meditation lebendig werden: Sie ruht in einem göttlichen Mandala und lässt flüssigen Nektar strömen. | |||
''' | ''Betrachtung:'' Die Körpergestalt schließt an die Lichtmeditation an. Das innere Bild wird über längere Zeit entfaltet. | ||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.44|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.44|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_7.45"></span> | |||
'' | '''7.45''' | ||
Betrachte das göttliche Mandala zuerst ganz rot und dann weiß. Auch die Gestalt in seiner Mitte wird in derselben Reihenfolge meditiert. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_7.45|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_7.45|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_8.49"></span> | |||
'' | '''8.49''' | ||
Im Muladhara erscheint die Gottheit in der Farbe des Blitzes. Ihr Licht erhellt die Himmelsrichtungen; sie gleicht tausend jungen Sonnen, vollkommen rein und doch mit Eigenschaften versehen. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_8.49|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_8.49|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_8.57"></span> | |||
'' | '''8.57''' | ||
Im großen Lotus des Anahata strahlt er rot wie die Japa-Blüte, wie ein junger Korallenzweig und wie tausend Sonnen. | |||
''Betrachtung:'' Gemeint ist [[Shiva]]. Die Farbgestalt wird aus diesem Vers übernommen; sie wird nicht an ein verbreitetes modernes Chakra-Schema angepasst. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_8.57|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_8.57|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_18.44"></span> | |||
'' | '''18.44''' | ||
An der Nasenspitze schaut der Yogi ein Licht, erhellt vom Mond im Herzen. Er vergegenwärtigt die Einheit beider – und darin erkennt er sich selbst. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.44|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.44|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_18.53"></span> | |||
'''18.53''' | |||
Nach einem Muhurta sieht er die ganze Welt als Lichtgestalt. Eine Wache lang bleibt dieses Licht Gegenstand seiner Betrachtung. | |||
''Betrachtung:'' Muhurta und Wache sind die Zeitangaben der Schrift. Die Aussage ist kein Versprechen einer bestimmten Erfahrung nach einer heutigen Übungssitzung. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.53|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.53|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_18.57"></span> | |||
'' | '''18.57''' | ||
Die Augen richten sich zur Mitte zwischen den Brauen, der Geist ruht fest im Herzen. Der Yogi sieht sich im Milchozean versunken, von zwei Lotussen umschlossen. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.57|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.57|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_18.58"></span> | |||
'' | '''18.58''' | ||
Durch die Brahma-Öffnung trinkt er den kühlen Nektar eines Milchstroms. Aus den Poren seines Körpers treten Millionen und Abermillionen Milchtropfen hervor. | |||
''' | ''Betrachtung:'' Der Vers entfaltet eine innere Körpervorstellung. Der ganze Leib wird zum durchlässigen Raum des Nektars. | ||
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.58|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.58|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_18.59"></span> | |||
'''18.59''' | |||
So sieht er sich von einer undurchdringlichen weißen Hülle umgeben. Nach einem Monat, verheißt die Schrift, erlangt er Freiheit von Alter und Tod. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.59|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.59|Sanskrit in Devanagari]] | |||
'' | '''Frage zur Vertiefung:''' Wie verändert sich dein Körpergefühl, wenn du ein solches Bild langsam liest und anschließend nachklingen lässt? Bleibe beim Wahrnehmen, ohne die verheißene Erfahrung erzwingen zu wollen. | ||
<span id=" | <span id="Thema_10"></span> | ||
== 10. Schrift, Guru und der Mut zur Unterscheidung == | |||
Der Text fordert Ausdauer und ehrfürchtiges Hören. Er setzt aber nicht jeden Lehrer kraft seines Amtes mit Erkenntnis gleich. Besonders Vers 17.33 stellt Wissen über gesellschaftlichen Rang und bloße Pflichterfüllung. Die Verehrung des Gurus gewinnt ihren Sinn durch wirkliche Einsicht. | |||
<span id="Auswahl_14.9"></span> | |||
'''14.9''' | |||
Wer die Zusammenkunft durch die Schrift und durch das Verstehen ihres Sinnes erlangt, erreicht das Shiva-Sein und wird aus dem Kreislauf des Daseins frei. | |||
''Betrachtung:'' Die Zusammenkunft ist hier Melaka, ein Fachbegriff des Khechari-Zusammenhangs. Gemeint ist nicht einfach jedes gemeinsame Meditieren. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_14.9|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_14.9|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_14.10"></span> | ||
''' | '''14.10''' | ||
Ohne die Schrift können selbst Gurus die Lehre nicht ganz aufnehmen. Darum suche dieses seltene und schwer zugängliche Werk. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_14.10|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_14.10|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_14.11"></span> | ||
''' | '''14.11''' | ||
Solange du das Buch nicht gefunden hast, durchwandere die Erde. Sobald du es erlangst, liegt die Vollendung in deiner Hand. | |||
'' | ''Betrachtung:'' Die zugespitzte Verheißung ehrt die Begegnung mit der Lehre. Die Nachbarverse verbinden das Buch ausdrücklich mit seinem verstandenen Sinn. | ||
[[Matsyendra Samhita#Vers_14.11|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_14.11|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_17.30"></span> | ||
'''17. | '''17.30''' | ||
Höre an einem abgeschiedenen Ort zu – oder zusammen mit Menschen, die diese Lehre kennen. Folge dabei dem überlieferten Verfahren und der Unterweisung deines Gurus. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_17.30|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_17.30|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_17.31"></span> | ||
'''17. | '''17.31''' | ||
Nach zwölf Jahren gewissenhafter, unermüdlicher Übung durchwandert der Schüler die Erde, um den Guru der Zusammenkunft zu finden. | |||
'' | ''Betrachtung:'' Die lange Vorbereitung steht im Werk neben Verheißungen plötzlicher Vollendung. Beide Akzente gehören zu seiner Gestalt. | ||
[[Matsyendra Samhita#Vers_17.31|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_17.31|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_17.33"></span> | |||
'''17.33''' | |||
Nimm selbst einen gesellschaftlich verachteten Menschen zum Guru, wenn er Erkenntnis besitzt. Einen Lehrer ohne Wissen und unterscheidende Einsicht aber verlasse – auch wenn er alle sechs Pflichten erfüllt. | |||
''Betrachtung:'' Die sechs Pflichten sind hier wahrscheinlich brahmanische Pflichten, nicht die sechs Hatha-[[Yoga]]-Reinigungen. Der Vers erlaubt ausdrücklich, einen ungeeigneten Lehrer zu verlassen. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_17.33|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_17.33|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_17.38"></span> | |||
'' | '''17.38''' | ||
Ein Sadhaka ist ein Yogi, der sich beständig übend mit allem auseinandersetzt und die eigene Vollendung sucht. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_17.38|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_17.38|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_17.40"></span> | |||
'''17.40''' | |||
Der Vollendete ist Schöpfer, Erhalter und Auflöser, immer erfüllt und frei von Leid. Die ganze bewegliche und unbewegliche Welt schaut er als ungetrennt von seinem eigenen Selbst. | |||
''Betrachtung:'' Das Subjekt „der Vollendete“ ist aus dem vorausgehenden Vers aufgenommen. Der Text stellt ihn dem noch nach Vollendung strebenden Sadhaka gegenüber. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_17.40|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_17.40|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_11.53"></span> | ||
''' | '''11.53''' | ||
Der Schüler ehrt den Guru erneut mit Gewändern und Schmuck. Dann rezitiert er die Vidya Tag für Tag, nach seinen Kräften und mit heiterem Geist. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_11.53|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_11.53|Sanskrit in Devanagari]] | |||
'' | '''Frage zur Vertiefung:''' Welche Unterweisung hilft dir, klarer und verantwortlicher zu werden? Woran würdest du erkennen, dass bloße Autorität an die Stelle von Einsicht getreten ist? | ||
<span id=" | <span id="Thema_11"></span> | ||
== 11. Siddhis und die unvergängliche Mondinsel == | |||
Dichtkunst, Erkenntnis der drei Zeiten und übermenschliche Fähigkeiten gehören zu den ausgesprochenen Verheißungen. Zugleich reicht die Perspektive über die üblichen Götterwelten hinaus: Selbst Vaikuntha und Kailasha vergehen, während die Mondinsel Kulambikas als unvergänglich gepriesen wird. Diese besondere Lehre verdient es, in ihrer Eigenart gelesen zu werden. | |||
<span id="Auswahl_18.15"></span> | |||
'''18.15''' | |||
Wo sich der Yogi in der beschriebenen Weise auflöst, offenbart sich nichts als höchste Wonne. Er erkennt den Sinn aller Schriften und erlangt das höchste Glück. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.15|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.15|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_18.16"></span> | |||
'''18.16''' | |||
Durch die Kraft von Rudras Shakti dichtet der Yogi spielend in allen Sprachen – mit kunstvollem Ausdruck und leuchtenden Worten. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.16|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.16|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_18.21"></span> | |||
'' | '''18.21''' | ||
An der Ajna-Stätte schaut der Yogi die drei Welten. Er erkennt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und erscheint als selbstmächtig Handelnder, als höchster Herr. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.21|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.21|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_18.22"></span> | |||
'' | '''18.22''' | ||
Am Nabel erkennt er das Vergangene, im Herzen das Gegenwärtige; an der Ajna-Stätte erkennt er alles. | |||
''Betrachtung:'' Diese Zuordnung stammt aus diesem Text. Sie wird nicht als allgemein verbindliche Bedeutung der Chakras ausgegeben. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.22|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.22|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_18.34"></span> | ||
''' | '''18.34''' | ||
Wer die höchste Wonne erreicht, die Genuss und Befreiung schenkt, erlangt nach der Verheißung binnen eines halben Jahres Befreiung zu Lebzeiten. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.34|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.34|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_18.36"></span> | ||
''' | '''18.36''' | ||
Immerwährende Wonne ist sein Wesen, Allgegenwart seine Kraft. Dazu gehören Anima, Laghima, Prapti, Prakamya und Garima. | |||
'' | ''Betrachtung:'' Genannt sind traditionelle Siddhis: äußerste Kleinheit, Leichtigkeit, Erlangen, Erfüllung des Willens und Schwere. Die Aufzählung setzt sich im folgenden Vers fort. | ||
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.36|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.36|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_18.65"></span> | ||
''' | '''18.65''' | ||
Auch Brahmas Welt, Vishnus Vaikuntha und Kailasha, die Wohnstätte Rudras, vergehen beim großen Untergang. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.65|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.65|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_18.66"></span> | ||
''' | '''18.66''' | ||
Unvergänglich aber ist die Mondinsel. Dort weilt die Göttin Kulambika zusammen mit mir. Wahrlich, wahrlich, du von großer Askese! | |||
'' | ''Betrachtung:'' „Mit mir“ spricht [[Shiva]]. Kulambika und die Mondinsel sind konkrete Bestandteile dieser Überlieferung. | ||
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.66|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.66|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_18.67"></span> | ||
''' | '''18.67''' | ||
Die Yoginis und Siddhas dieser Insel nehmen nach eigenem Willen Gestalt an. Die Kraft eines jeden von ihnen verfehlt ihr Ziel nicht. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_18.67|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_18.67|Sanskrit in Devanagari]] | |||
'''Frage zur Vertiefung:''' Lies die Siddhis als große Verheißungen dieser Schrift. Welche Beziehung haben für dich Macht, Erkenntnis und Freiheit – und wo könnten sie auseinanderfallen? | |||
<span id="Thema_12"></span> | |||
== 12. Die Zeit verschlingen – und zum Segen der Welt bleiben == | |||
[[Datei:Meditation.Herz.Sonne.jpg|thumb|Erkenntnis kann in einer Haltung des Wohlwollens und in konkretem Handeln weiterwirken.]] | |||
Zum Schluss weitet sich der Blick noch einmal. Der Körper enthält das Weltall, die Furcht vor der Zeit wird verschlungen, und der Yogi überschreitet den Kreislauf. Doch der Text kennt auch das Bleiben: Der Körper kann zum Segen der Welten erhalten werden. Die Aussagen über das Verlassen des Körpers sind historische Befreiungsvorstellungen, keine Aufforderung, das eigene Leben zu beenden. | |||
<span id="Auswahl_20.19"></span> | |||
'''20.19''' | |||
Betrachte das ganze Windprinzip als deinen Atem. Das Raumprinzip ist mit der feinen Qualität des Klangs verbunden. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_20.19|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_20.19|Sanskrit in Devanagari]] | |||
= | <span id="Auswahl_20.21"></span> | ||
'''20.21''' | |||
Dieses unvergängliche Weltall ist in deinen eigenen Körper eingegangen. Spielerisch verschlinge die Zeit, von der Auflösung bis zur großen Weltauflösung. | |||
''' | ''Betrachtung:'' „Die Zeit verschlingen“ ist die kühne Formulierung des Textes. Sie wird nicht auf gutes Zeitmanagement verkürzt. | ||
[[Matsyendra Samhita#Vers_20.21|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_20.21|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_20.22"></span> | |||
'''20.22''' | |||
Verweile fest im Lotussitz und vergegenwärtige das Einssein. Betrachte deinen Körper als unversehrt und frei von den Befleckungen der Zeit. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_20.22|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_20.22|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_20.23"></span> | |||
'' | '''20.23''' | ||
Sieh dieses Weltei als ohne Öffnung. Hast du die Furcht vor der Zeit verschlungen, verweile wie Shiva, frei nach eigenem Willen. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_20.23|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_20.23|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_20.28"></span> | |||
'' | '''20.28''' | ||
Der Yogi soll Herr über Schöpfung, Erhaltung und Auflösung sein und überall mit gleichem Blick schauen. Auch das Eintreten in einen fremden Körper, das Wandeln im Raum und Reinheit werden ihm zugeschrieben. | |||
''' | ''Betrachtung:'' Die fremdkörperliche und räumliche Bewegungsfreiheit gehört ausdrücklich zur [[Siddhi]]-Vorstellung. Sie wurde nicht durch eine unverbindliche Metapher ersetzt. | ||
[[Matsyendra Samhita#Vers_20.28|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_20.28|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_16.94"></span> | |||
'''16.94''' | |||
So lässt der Yogi die Bindungen des Daseinskreislaufs zurück und hält sich an die höchste Wirklichkeit. Für die fünf Elemente und die weiteren Mächte unsichtbar, durchbricht er nach der Lehre die Sonnenscheibe. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.94|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.94|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_16.95"></span> | |||
'''16.95''' | |||
In Shivas höchste, friedvolle Wirklichkeit eingegangen, wird er Shiva gleich. Selbst nach unzähligen Weltzeitaltern soll es für ihn keine Rückkehr in den Kreislauf geben. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.95|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.95|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id="Auswahl_16.96"></span> | |||
'''16.96''' | |||
Wenn er den Körper zum Segen der Welten bewahrt, gibt er ihn erst am Ende der Weltauflösung auf. Dann ruht er allein im eigenen Selbst. | |||
''Betrachtung:'' Die Befreiung mündet hier nicht notwendig in Rückzug. Der Vers eröffnet einen weiten Horizont für die Frage, wem die eigene Verwirklichung zugutekommt. | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.96|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.96|Sanskrit in Devanagari]] | |||
<span id=" | <span id="Auswahl_16.114"></span> | ||
''' | '''16.114''' | ||
Ihre Gnade schenkt ihm klare Erkenntnis ohne Trennung. Nun habe ich dir diesen Yoga dargelegt. Welche Frage möchtest du noch stellen? | |||
[[Matsyendra Samhita#Vers_16.114|Textnahe Übersetzung und Zusammenhang]] · [[Matsyendra Samhita#Devanagari_Vers_16.114|Sanskrit in Devanagari]] | |||
'''Frage zur Vertiefung:''' Was könnte es in deinem Leben heißen, gewonnene Klarheit „zum Segen der Welt“ einzusetzen? Lass aus der großen Frage eine konkrete Handlung werden. | |||
Ergänzendes allgemeines Yoga-Vidya-Angebot: Lichtmeditation. Das Video begleitet die persönliche Vertiefung; es erklärt keine einzelne historische Praxisanweisung der Matsyendra Samhita. | |||
{{#ev:youtube|5bmRIBiJzlk}} | |||
== Mit der Lehre weiterleben == | |||
Die großen Bilder dieser Verse wollen nicht nur verstanden, sondern bedacht werden. Innere Weite zeigt sich auch darin, genauer zuzuhören, klarer zu unterscheiden und freier zu handeln. Kehre zu den Versen zurück, die dich besonders berühren oder herausfordern. Der [[Matsyendra Samhita|Hauptartikel]] öffnet ihren Zusammenhang; die [[Matsyendra Samhita Mantras|Mantra-Sammlung]] ergänzt die Lektüre durch Klang, Bedeutung und überlieferte Verwendung. | |||
== | == Textgrundlage == | ||
Die Lesefassung folgt den im [[Matsyendra Samhita#Textgrundlage|Hauptartikel dokumentierten Ausgaben und Einzelentscheidungen]]: Sensharma 1994, den ausdrücklich ausgewiesenen Matsyendra-Lesarten und Editionen bei Mallinson 2003 sowie Einzelkorrekturen nach Kiss. Sie umfasst eine Auswahl aus dem erreichbaren Bestand; die Gesamtüberlieferung des Werkes bleibt lückenhaft erschlossen. Alle 108 Originalstellen sind unmittelbar verlinkt. | |||
== Mantras im Matsyendra Samhita == | == Mantras im Matsyendra Samhita == | ||
Aktuelle Version vom 12. September 2026, 09:15 Uhr
Matsyendra Samhita Ausgewählte Verse bietet 108 Verse der Matsyendra Samhita in einer vereinfachten, eigenständig formulierten deutschen Lesefassung. Sie richtet sich an Yoga-Aspiranten, die bekannte Begriffe neu sehen und auch ungewöhnliche Seiten der Überlieferung kennenlernen möchten: den Körper als Weltall, die Verbindung von Shiva und Shakti, den inneren Klang, Khechari, Kundalini, Nektarvorstellungen und die Freiheit von Bindung.
Die Auswahl ist ein Weg durch zwölf Themenfelder. Sie verbindet verständliche Sprache mit der Kühnheit des Originals. Die textnahe Übersetzung und der Sanskritwortlaut stehen im Hauptartikel; das Verzeichnis Mantras, Bedeutung und Verwendung erschließt die zugehörige Klangwelt.
Zur Lesefassung: Die Versnummern entsprechen der kommentierten Teilausgabe. Jeder Vers wurde eigens neu formuliert; Satzanschlüsse werden verständlich gemacht und einzelne Fachbegriffe erläutert. Anreden und wiederholte Bekräftigungen können sprachlich gestrafft sein. Kurze Betrachtungen und heutige Reflexionsimpulse stehen ausdrücklich außerhalb der Verswiedergabe. Diese Seite ersetzt deshalb keine philologische Übersetzung.
Zur geistigen Ausrichtung: Die Verse führen von Sammlung und Hingabe zu Erkenntnis, innerer Kraft und Befreiung. Auch sinnliche Bilder wie die Umarmung von Shiva und Shakti gehören zum Original. Die besonderen Kräfte und die Freiheit von Alter und Tod werden als Verheißungen der Schrift wiedergegeben. Die Auswahl ist keine Anleitung zu körperlichen Eingriffen, langem Atemanhalten oder anderen fortgeschrittenen Verfahren; für eigene Praxis zählen Achtsamkeit, körperliche Sicherheit und verantwortliche Anleitung.
Nimm dir Zeit. Ein einziger Vers kann genügen, um eine vertraute Vorstellung zu öffnen. Die zwölf Fragen am Ende der Themenbereiche helfen, die Lektüre mit dem eigenen Leben zu verbinden.
Werk, Sanskrit und textnahe Übersetzung · 108 Verse für Yoga-Aspiranten · Mantras, Bedeutung und Verwendung
1. Was suchst du wirklich?

Die Erzählung beginnt mit Verehrung und einer Entscheidung: Willst du nur etwas besitzen, oder willst du erkennen? Matsyendra erscheint als einer, der sich im Ozean der Lehre frei bewegt. Der Weg fordert zugleich eine Veränderung der inneren Haltung.
1.1
Om. Ich verneige mich vor Shambhu, dem Herrn der Welt. In ihm leuchtet alles Wissen. Er ist der Ozean, in dem die kostbaren Juwelen der heiligen Lehren geborgen sind.
Betrachtung: Das Wissen erscheint als lebendiger Ozean. Die Anrufung lädt dazu ein, mit Ehrfurcht und zugleich mit Entdeckerfreude zu lesen.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
1.5
Ich verehre Matsyendranatha, den allwissenden Meister unter den Yogis. Im weiten Meer der Lehren Shivas bewegt er sich voller Freude, wie im Spiel.
Betrachtung: Das Bild verbindet große Gelehrsamkeit mit Leichtigkeit. Spirituelle Tiefe muss nicht schwerfällig sein.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
1.6
Ich verehre den reinen Matsyendra: Er hat uns den seltenen Kern der Lehre zu Gehör gebracht, den Shiva selbst verkündet hat.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
1.7
Einst zog ein großer Yogi durch die Welt. Er suchte Vollendung – ohne Besitzgier und ohne sich an sein Ich zu klammern.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
1.24
„Was wünschst du dir von uns: Reichtum, etwas, das du liebst, oder das Wissen, das nur schwer zu erlangen ist? Sprich aus, wonach dein Herz verlangt.“
Betrachtung: Die Frage steht in der Rahmenerzählung. Du kannst sie zugleich als Frage an deine eigenen Prioritäten lesen.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
1.25
Mit ehrfürchtig gefalteten Händen antwortete der Yogi: „Schenkt mir jenes Wissen, das so selten und schwer zugänglich ist. Danach verlange ich.“
Betrachtung: Mit Wissen ist hier Vidya gemeint: eine empfangene spirituelle Lehre, die auch Mantra und Einweihung umfasst.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
2.65
Dann können sich die besonderen Kräfte bald entfalten; falsch vollzogen kann das Verfahren jedoch Unheil bringen. Wer auch in seiner inneren Haltung rein geworden ist, erlangt den ganzen Yoga.
Betrachtung: Der Vers steht nach Reinigungsverfahren. Seine entscheidende Einschränkung gehört zur Aussage: Die äußere Technik allein genügt nicht.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
2.66
Ohne die rechte innere Haltung gibt es keine Vollendung, selbst in Zehntausenden von Jahren nicht. Tausend Krüge Wasser und hundert große Maße Reinigungserde können sie nicht ersetzen.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
2.67
Ein verdorbenes Inneres wird selbst in tausend Jahren nicht rein. Darum vollziehe diese Handlungen mit geläuterter Haltung. Wer sich so sechs Monate lang reinigt, findet nach der Verheißung den rechten Zugang zum Yoga.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
Frage zur Vertiefung: Welche Sehnsucht trägt deine Praxis, wenn Anerkennung, Besitz und besondere Erfahrungen einmal zurücktreten?
2. Festigkeit, Sammlung und die Wurzel der Bindung
Die Schrift setzt große Ziele, beginnt aber mit konkreten Voraussetzungen: eine tragfähige Haltung, ein geeigneter Ort und die Schulung des Geistes. Ihr Rückzug der Sinne ist mehr als bloßes Entspannen; die Sinne werden in ihre kosmischen Grundlagen zurückgeführt.
3.1
Zum Wohl der Übenden erkläre ich nun die Folge der Asanas. Wenn du sie Schritt für Schritt einübst, kann Festigkeit leicht entstehen.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
3.37
Wähle unter diesen Haltungen eine, die zu deinen Möglichkeiten passt. Wenn du sie wirklich beherrschst, wird auch die Sammlung der Sinne möglich.
Betrachtung: Die Aussage über die passende Haltung beruht auf einer vorsichtigen Deutung des schwierigen Druckwortlauts. Die Einzelanmerkung im Hauptartikel dokumentiert sie.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
3.38
Der Körper gewinnt Festigkeit, der Geist wird still. In der vertraut gewordenen Haltung sitzend, widmet sich der Yogi bei Tag und bei Nacht dem Yoga.
Betrachtung: „Bei Tag und bei Nacht“ bewahrt den entschiedenen Übungsanspruch der Schrift. Daraus folgt für heutige Leser kein Verzicht auf notwendigen Schlaf.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
3.39
Übe an einem abgeschiedenen, stillen Ort: Der Boden sei eben und sauber, frei von störenden Tieren, der Raum von Wohlgeruch erfüllt.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
3.40
Ob im Heiligtum Shivas, in einer Höhle oder in einem stillen Haus: Verweile gesammelt und beherrscht, dein Bewusstsein vom höchsten Nektar erfüllt.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
5.1
Wohin der rastlose Geist auch wandert und welches Verlangen ihn nach außen zieht: Hole dein Bewusstsein zurück.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
5.5
Sammle die Sinne immer wieder ein und führe den Geist zurück. Denn der Geist selbst ist die Ursache deiner Bindung und deiner Befreiung.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
5.14
Erkenne das Riechen als eine Kraft der Erde, verbunden mit der feinen Qualität des Geruchs. Lass diesen Sinn in seine Grundlage zurückkehren und seine Tätigkeit zur Ruhe kommen.
Betrachtung: Dies ist die Elementenlehre des Textes. Sie lässt die gewöhnliche Wahrnehmung als Teil eines größeren Zusammenhangs erscheinen.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
6.1
Nun erkläre ich Dharana, die Sammlung, durch die Fehler schwinden sollen. Zwölf Pranayamas werden hier als Dharana-Yoga bezeichnet.
Betrachtung: Die Zwölferzahl gehört zur historischen Einteilung. Der Vers allein beschreibt noch kein Atemverfahren und bestimmt keine heutige Übungsdauer.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
Frage zur Vertiefung: Beobachte beim nächsten ruhigen Sitzen, was den Geist bindet und was ihm Weite gibt. Du musst dafür keine außergewöhnliche Erfahrung erzeugen.
3. Dein Körper als Weltall – und der furchtlose Bhairava
Hier verlässt die Matsyendra Samhita den Rahmen gewöhnlicher Körpervorstellung. Der Yogi wird zum Weltenkörper; Shiva erscheint als Bhairava, wild und furchtlos. Diese Bilder sollen nicht verharmlost werden: Sie führen die Meditation an die Grenzen von Selbstbild, Sicherheit und Todesfurcht.
7.3
Um die Hindernisse zu überwinden, vergegenwärtige dir einen gewaltigen Körper: Seine Füße reichen in die Unterwelt, die Erde bildet seine Hüften, der weite Raum seinen Leib.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.5
Die Meere sind sein Gewand. Wunderbar durchdringt er das ganze Weltall; alles Bewegliche und Unbewegliche gehört zu ihm, von Brahma bis zum Grashalm.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.6
Betrachte die Welten wie Poren deines Körpers und deinen Leib als das ganze Universum. Lass diese große Gestalt lebendig werden, damit der Geist Festigkeit gewinnt.
Betrachtung: Hier wird die Enge des gewohnten Körperbildes aufgebrochen. Die Schrift bietet eine konkrete kosmische Visualisation.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.7
Wer so in die göttliche Erkenntnis hineinmeditiert, dessen geistige Bewegungen kommen nach und nach zur Ruhe.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.8
Ist der Geist gefestigt, öffnet sich die nächste Betrachtung: Im eigenen Herzen liegt ein höchster Lotus, dessen Wesen Shiva und Shakti sind.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.14
Acht große Schlangen schmücken ihn als Kette. Er brüllt und vernichtet die Furcht. Ein Tigerfell ist sein Gewand, ein Löwenfell sein Mantel.
Betrachtung: Bhairava wird hier nicht zur bloß sanften Gestalt. Auch das Erschreckende kann im religiösen Bild zur Macht werden, die Furcht auflöst.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.25
Bhairavi steht an der Spitze der Yogini-Scharen und nimmt die Furcht. Sie lässt die ersehnten Früchte reifen und wird als dreifache Ursache gepriesen.
Betrachtung: Der Vers bewahrt die besondere Göttinnenwelt des Werkes. Die Bezeichnung „dreifache Ursache“ wird hier nicht durch eine unbelegte moderne Erklärung ersetzt.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.19
Betrachte ihn mit ungeteilter Aufmerksamkeit, damit die Hindernisse zur Ruhe kommen. Auf seinem linken Schoß sitzt Chandika, die das Leiden vernichtet.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.27
Durch diesen Yoga der Meditation wirst du selbst von der Furcht vor Zeit und Tod frei, höchste Göttin. Wahr soll sein, was ich dir gesagt habe.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
Frage zur Vertiefung: Welche Seite des Lebens blendest du in deiner Spiritualität gern aus? Kannst du sie wahrnehmen, ohne dich von ihr beherrschen zu lassen?
4. Asche, Umarmung und das Licht ohne Stütze

Der gleiche Shiva kann auf dem Verbrennungsplatz verweilen, von Shakti umarmt werden und als Licht ohne äußere Stütze erscheinen. Vergänglichkeit und Glückseligkeit werden nicht auseinandergerissen. Die Bilder führen von der betrachteten Gottheit zur Identifikation mit ihr.
7.29
Im Lotus des Herzens sitzt Shiva, leuchtend wie die junge Sonne. Die goldfarbene Göttin hält seinen Körper umarmt.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.30
Sein Leib ist mit Asche bedeckt, ein Tigerfell umhüllt ihn. Friedvoll sitzt er auf dem Verbrennungsplatz: dreiäugig, den Mond als Schmuck im Haar.
Betrachtung: Die Asche und der Verbrennungsplatz bleiben konkrete Bestandteile des Gottesbildes. Die Ruhe erscheint mitten in der Gegenwart des Todes.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.31
Vom jungen Mond an seiner Stirn fließt göttlicher Nektar über Shiva. Seine Hände schenken Gaben und Furchtlosigkeit; er trägt das große Beil und zeigt die Hirsch-Geste.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.34
Er zerbricht die Fesseln des gebundenen Wesens und führt über den Ozean der Furcht. Er schenkt die Weite allwissender Erkenntnis und alle besonderen Vollendungen.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.41
Noch einen anderen Weg der Meditation will ich dir zeigen: Im Herzen des Herzlotus erscheint eine Gestalt wie die reine Flamme einer Lampe.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.42
Nur daumengliedgroß und doch strahlend wie zehn Millionen Sonnen: rund wie die Blüte des Kadamba-Baums, ein sonnengleiches Gestirn.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.43
Oder betrachte das Licht, das ringsum in Strahlen aufleuchtet – hervortretend in einer Leere, die von nichts getragen wird.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.46
Sieh deinen ganzen Körper von dieser Lichtfülle durchdrungen. Mit der inneren Gewissheit „Das bin ich“ erinnere dich allmählich an dein eigenes Ich.
Betrachtung: Die Identifikation wird im Zusammenhang einer Gottesmeditation gelehrt. Sie ist keine Behauptung über die Überlegenheit der eigenen Persönlichkeit.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.49
Durch klare Unterscheidung des Selbst findet der Yogi bald zum Yoga. Er soll sich selbst als die Gestalt Ishvaras vergegenwärtigen.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
Frage zur Vertiefung: Wie verändert sich dein inneres Bild, wenn du Licht nicht nur vor dir siehst, sondern deinen ganzen Leib davon durchdrungen denkst?
Ergänzendes allgemeines Yoga-Vidya-Angebot: Anahata-Chakra-Meditation. Das Video begleitet die persönliche Vertiefung; es erklärt keine einzelne historische Praxisanweisung der Matsyendra Samhita.
5. Die innere Puja und das Feuer des Selbst
Die innere Verehrung ist sinnlich reich: Duft, Blüten, Licht, Nektar und Juweleninseln gehören dazu. Zugleich wird sie radikal. Selbst das Festhalten an Verdienst und Verfehlung wird dem inneren Feuer übergeben. Der Text spricht hier von einem rituellen Bewusstseinsvollzug, nicht von einer Aufhebung der Verantwortung für andere.
8.1
Jetzt erkläre ich die innere Verehrung, die alle Siddhis schenken soll. Nimm an einem reinen, angenehmen Ort Platz und richte dich mit festem Entschluss aus.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
8.2
Verweile lange in der Meditation, mit befriedetem Inneren. Erkenne dich im Bereich der reinen Wirklichkeit als Ishvara.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
8.3
Verehre mit Duft, Blumen und heilsamen Gaben, die aus deiner inneren Vergegenwärtigung entstehen: an den sechs Stützpunkten und besonders am Dvadashanta.
Betrachtung: Dvadashanta bezeichnet einen besonderen inneren Bezugspunkt. Die „sechs Stützpunkte“ werden nicht ohne Weiteres mit einem heutigen Chakra-Schema gleichgesetzt.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
8.4
Verehre gesammelt den unvergänglichen Shambhu zusammen mit Shakti. Lass dabei den höchsten Nektarozean immer wieder gegenwärtig werden.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
8.5
Hell wie reiner Kristall leuchtet dieser Ozean, bewegt von göttlichen Wogen. In seiner Mitte erscheint eine weite Insel aus Juwelen.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
8.38
Bringe die innerlich geschaffenen Opferhölzer Varunas und die weiteren Gaben dar. Übergib im Geist auch Dharma und Adharma, rechtes und unrechtes Tun, dem lodernden Feuer des Selbst.
Betrachtung: Die beiden Pole werden gemeinsam genannt. Das kann zur Betrachtung darüber anregen, wie tief unser Selbstbild an Erfolg, Schuld und Rechtfertigung gebunden ist.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
8.43
Inmitten des Lichtkreises betrachte dich selbst als leuchtende Gestalt – so ruhig wie eine Lampe an einem windstillen Ort.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
8.72
Wer Shiva im eigenen Selbst verlässt und ihn nur draußen verehrt, ist wie jemand, der den Milchreis in seiner Hand liegen lässt und stattdessen am Ellenbogen leckt.
Betrachtung: Der Vergleich ist absichtlich drastisch. Seine Schärfe ist Teil der Lehre und wurde nicht geglättet.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
8.73
Shambhu ist das Selbst, auf dem diese ganze Welt ruht. Wenn du ihn verehrst, ist darin alles Bewegliche und Unbewegliche mitverehrt.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
Frage zur Vertiefung: Welche innere Gabe wäre heute wahrhaftig? Eine schöne Vorstellung genügt weniger als die Bereitschaft, wirklich gegenwärtig zu sein.
6. Ich bin Brahman – und das yogische Sehen
Die Ich-Aussagen sind meditative Vergegenwärtigungen. Sie stehen neben Beschreibungen von Samadhi und außergewöhnlichem Erkennen. Die Schrift verheißt mehr als Wohlbefinden: Befreiung zu Lebzeiten, unmittelbares Schauen und Erkenntnis der drei Zeiten. Diese Verheißungen werden als Aussagen des Textes gelesen.
7.48
Durch diesen Meditationsweg wird der Yogi nach der Lehre selbst zu Ishvara. Er sieht seinen Leib im Glanz von zehn Millionen Sonnen.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.58
Ich bin die Biene am Lotus der yogischen Vergegenwärtigung, dessen Blätter die acht Siddhis sind. Ich bin ewig, jenseits begrifflicher Trennung, ohne Stütze und unvergänglich. Mein Wesen ist Sein, Bewusstsein und Wonne. Ich bin Brahman selbst.
Betrachtung: Das Bienenbild und die acht Siddhis gehören zum Vers. Die Aussage umfasst die besondere tantrische Vorstellungswelt und die Erkenntnis Brahmans.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.59
„Ich bin Brahman selbst. Ich bin kein Wesen, das im Kreislauf gefangen ist. Ich bin frei.“ So vergegenwärtige dich. Dieser Meditationsyoga führt nach der Lehre zur Befreiung mitten im Leben.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.60
Wenn die verwickelten Vorstellungen in Shiva vergehen, leuchtet Freude auf. Der Übende erkennt dieses Aufleuchten und schaut überall mit gleichem Blick.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.75
Nun erkläre ich Samadhi, durch den der Yogi Shiva wird. Die Gestalt, die in der Meditation fest geworden ist, betrachtet er mit dem yogischen Auge.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.79
Einspitzig, unzerstreut und unbewegt, mit still gewordenen Sinnen, schaut der in Samadhi Ruhende Sadashiva – ungetrennt vom eigenen Selbst.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.80
Im Samadhi erscheint ein großes Leuchten wie Feuer. Wenn dieses Leuchten sich gnädig erweist, wird dem Yogi Befreiung zuteil.
Betrachtung: Die ungewöhnliche Rede vom gnädigen Leuchten bleibt erhalten. Die Befreiung wird nicht als mechanisches Ergebnis eines Lichtbildes beschrieben.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.81
Wenn Samadhi recht verwirklicht ist, sieht der Yogi mit dem yogischen Auge genau die Gestalt, die er sich vergegenwärtigt.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
7.85
Zu den verheißenen Fähigkeiten gehören die Herrschaft über die Sinne, augenblickliche Allwissenheit, das Erkennen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sowie göttliche Herrschaft.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
Frage zur Vertiefung: Woran erkennst du den Unterschied zwischen einer tiefen inneren Erfahrung und dem Wunsch, dir selbst besondere Fähigkeiten zuzuschreiben?
7. Khechari: Sprache, Nektar und der diamantfeste Körper
Khechari verbindet in diesem Werk Körpertechnik, Mantra, Gottheiten und innere Erfahrung. Die Zunge wird zum Ort von Shri und der Göttin der Rede; der obere Körperraum zum Nektarozean. Die Auswahl zeigt die Kühnheit dieser Lehre. Sie ist keine Anleitung zu den an anderer Stelle beschriebenen körperlichen Eingriffen.
16.19
Vor den Füßen jenes Yogis verneige ich mich, der alle Wirklichkeitsprinzipien kennt und in den höchsten Yoga eingegangen ist: friedvoll und voller Glückseligkeit.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
16.29
An der Spitze der Zunge wohnen Shri und die Herrin der Rede. An ihrer Wurzel aber befinden sich Bindung und Tod.
Betrachtung: Die Gegenüberstellung gehört zur Khechari-Lehre. Sie ist keine anatomische Feststellung und keine Aufforderung, die Zungenwurzel zu verletzen.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
16.33
Auf dem Weg der Sushumna wird der Atemwind von der Wurzel nach oben geführt. An der Brahma-Wohnstätte angekommen, versenkt der Yogi den Geist in die Leere.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
16.34
Meditiere über die höchste Wirklichkeit, frei vom Verwerfen und vom Ergreifen. Vom Brahma-Ort strömt der Himmelsganges herab, überaus kühl.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
16.35
Wer davon trinkt, soll nach einem Monat einen diamantfesten Körper erlangen: einen göttlichen Leib, göttliche Rede und göttliche Schau.
Betrachtung: Der Vers spricht vom zuvor beschriebenen inneren Himmelsganges. „Diamantfest“ ist die Verheißung des Textes, keine Zusicherung körperlicher Unverletzbarkeit.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
16.36
Göttliche Einsicht und göttliches Hören sollen erwachen. An der Zungenspitze erscheint die Herrin der Rede, strahlend wie zehn Millionen Monde.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
16.37
Von den Kräften höchsten Nektars gesättigt, wird die Göttin vergegenwärtigt – und augenblicklich soll Dichtkunst erwachen. Dann meditiert der vom Nektar beglückte Yogi über Lakshmi an seiner Zungenspitze.
Betrachtung: Die besondere Fähigkeit wird konkret als Dichtkunst bezeichnet. Nicht nur Schweigen, auch sprachlicher Ausdruck kann Frucht der inneren Verwirklichung sein.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
16.46
Dort, im großen Nektarozean mit seinen kühlen Wogen, trinkt der Yogi Nektar und kommt zur Ruhe.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
16.47
Mit einem Geist voller höchster Wonne sieht er seinen ganzen Körper von diesem Nektar gesättigt. Aus diesem Yoga soll göttliche Schau hervorgehen.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
Frage zur Vertiefung: Lies die Nektarbilder langsam. Was geschieht, wenn du deinen Körper einmal als empfangend und durchströmt betrachtest, ohne etwas erzwingen zu müssen?
8. Kundalini, Lichtfaden und der angeborene Klang

Die innere Körperwelt dieses Tantra ist beweglich und vielgestaltig. Kundalini erscheint als Urkraft, Lichtfaden und Klang. Die folgenden Verse gehören zu zusammenhängenden yogischen Verfahren; Atemanhalten und körperliche Verschlüsse werden durch diese Auswahl nicht als selbständige Übungen vermittelt.
16.40
Die erste angeborene Kraft ist Kundalini-Shakti. Die zweite ist Sushumna, die dritte die Zunge.
Betrachtung: Der Text nennt insgesamt fünf angeborene Größen. Dieser Vers bietet die ersten drei; die Auswahl ergänzt die übrigen nicht aus einem anderen System.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
16.44
Sie ist fein wie ein einzelner Spinnenfaden und leuchtet wie zehn Millionen Sonnen. Ihr Weg führt zum Gaumenzäpfchen und an den Riegel des Shiva-Tores.
Betrachtung: Gemeint ist die zuvor genannte Kundalini-Shakti. Das Bild hält größte Feinheit und unermessliche Lichtkraft zusammen.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
16.51
Zwischen Ida und Pingala liegt Sushumna, die Lichtgestaltige. Dort wohnt unversehrter Glanz, inmitten der Vielfalt von Farben und Formen.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
16.70
Die Shakti leuchtet wie tausend Blitze. Im Inneren des Brahma-Eis wird sie in den Ozean kühlen Nektars geführt; dort soll der Übende lange verweilen.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
16.85
Vereine Shakti mit dem dort weilenden höchsten Shiva, der höchsten Ursache. Vergegenwärtige ihre Einheit.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
18.8
Indem sie die Chakras der Reihe nach durchdringt, wird die Kraft eins und heißt Nada, Klang: ein Ring aus Blitzen, eine Gestalt aus leuchtenden Strahlen.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
18.9
Durch ein Erfahrungszeichen löst sie sich im Höchsten auf: ohne Stütze, von leerem Licht erfüllt, im Innern der Brahma-Tür, das Visarga heißt.
Betrachtung: Visarga, „Ausströmung“ oder „Entlassung“, bleibt hier die besondere Bezeichnung des Textes. Eine einfache Gleichsetzung mit einem heutigen Chakra-Namen würde zu kurz greifen.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
18.51
Lass den Geist äußerst fein in die Sushumna eintreten. Wenn Shakti sich regt, offenbart sich der höchste Klang.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
18.52
Das ist das angeborene Bija: Darin sammelt sich der Geist. Im selben Augenblick, so die Verheißung, verlässt der Yogi die Erde und verweilt fest im Raum.
Betrachtung: Das Raumverweilen bleibt als außergewöhnliche Siddhi stehen. Die Stelle nennt keine ausgeschriebene Silbe; „Om“ oder ein anderes Mantra wird nicht eingesetzt.
Textnahe Übersetzung und Zusammenhang · Sanskrit in Devanagari
Frage zur Vertiefung: Kannst du Stille auch als ein feines Hören verstehen, ohne einen bestimmten inneren Klang herstellen zu wollen?
Ergänzendes allgemeines Yoga-Vidya-Angebot: Mantra-Chakra-Vedanta-Meditation. Das Video begleitet die persönliche Vertiefung; es erklärt keine einzelne historische Praxisanweisung der Matsyendra Samhita.
9. Verkörperte Meditation und der innere Milchozean
Die Meditation durchdringt den Leib mit Farben, Licht und innerem Nektar. Ihre Bilder sind ungewöhnlich konkret: ein blitzendes Wurzelzentrum, das korallenrote Herz, ein Milchstrom durch die Schädelöffnung und Tropfen, die aus den Poren austreten. Die Bilder werden als historische Vergegenwärtigungen gelesen; sie sind keine körpermedizinischen Aussagen.
7.44
Lass diese Körpergestalt durch beständige Meditation lebendig werden: Sie ruht in einem göttlichen Mandala und lässt flüssigen Nektar strömen.
Betrachtung: Die Körpergestalt schließt an die Lichtmeditation an. Das innere Bild wird über längere Zeit entfaltet.
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7.45
Betrachte das göttliche Mandala zuerst ganz rot und dann weiß. Auch die Gestalt in seiner Mitte wird in derselben Reihenfolge meditiert.
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8.49
Im Muladhara erscheint die Gottheit in der Farbe des Blitzes. Ihr Licht erhellt die Himmelsrichtungen; sie gleicht tausend jungen Sonnen, vollkommen rein und doch mit Eigenschaften versehen.
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8.57
Im großen Lotus des Anahata strahlt er rot wie die Japa-Blüte, wie ein junger Korallenzweig und wie tausend Sonnen.
Betrachtung: Gemeint ist Shiva. Die Farbgestalt wird aus diesem Vers übernommen; sie wird nicht an ein verbreitetes modernes Chakra-Schema angepasst.
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18.44
An der Nasenspitze schaut der Yogi ein Licht, erhellt vom Mond im Herzen. Er vergegenwärtigt die Einheit beider – und darin erkennt er sich selbst.
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18.53
Nach einem Muhurta sieht er die ganze Welt als Lichtgestalt. Eine Wache lang bleibt dieses Licht Gegenstand seiner Betrachtung.
Betrachtung: Muhurta und Wache sind die Zeitangaben der Schrift. Die Aussage ist kein Versprechen einer bestimmten Erfahrung nach einer heutigen Übungssitzung.
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18.57
Die Augen richten sich zur Mitte zwischen den Brauen, der Geist ruht fest im Herzen. Der Yogi sieht sich im Milchozean versunken, von zwei Lotussen umschlossen.
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18.58
Durch die Brahma-Öffnung trinkt er den kühlen Nektar eines Milchstroms. Aus den Poren seines Körpers treten Millionen und Abermillionen Milchtropfen hervor.
Betrachtung: Der Vers entfaltet eine innere Körpervorstellung. Der ganze Leib wird zum durchlässigen Raum des Nektars.
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18.59
So sieht er sich von einer undurchdringlichen weißen Hülle umgeben. Nach einem Monat, verheißt die Schrift, erlangt er Freiheit von Alter und Tod.
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Frage zur Vertiefung: Wie verändert sich dein Körpergefühl, wenn du ein solches Bild langsam liest und anschließend nachklingen lässt? Bleibe beim Wahrnehmen, ohne die verheißene Erfahrung erzwingen zu wollen.
10. Schrift, Guru und der Mut zur Unterscheidung
Der Text fordert Ausdauer und ehrfürchtiges Hören. Er setzt aber nicht jeden Lehrer kraft seines Amtes mit Erkenntnis gleich. Besonders Vers 17.33 stellt Wissen über gesellschaftlichen Rang und bloße Pflichterfüllung. Die Verehrung des Gurus gewinnt ihren Sinn durch wirkliche Einsicht.
14.9
Wer die Zusammenkunft durch die Schrift und durch das Verstehen ihres Sinnes erlangt, erreicht das Shiva-Sein und wird aus dem Kreislauf des Daseins frei.
Betrachtung: Die Zusammenkunft ist hier Melaka, ein Fachbegriff des Khechari-Zusammenhangs. Gemeint ist nicht einfach jedes gemeinsame Meditieren.
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14.10
Ohne die Schrift können selbst Gurus die Lehre nicht ganz aufnehmen. Darum suche dieses seltene und schwer zugängliche Werk.
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14.11
Solange du das Buch nicht gefunden hast, durchwandere die Erde. Sobald du es erlangst, liegt die Vollendung in deiner Hand.
Betrachtung: Die zugespitzte Verheißung ehrt die Begegnung mit der Lehre. Die Nachbarverse verbinden das Buch ausdrücklich mit seinem verstandenen Sinn.
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17.30
Höre an einem abgeschiedenen Ort zu – oder zusammen mit Menschen, die diese Lehre kennen. Folge dabei dem überlieferten Verfahren und der Unterweisung deines Gurus.
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17.31
Nach zwölf Jahren gewissenhafter, unermüdlicher Übung durchwandert der Schüler die Erde, um den Guru der Zusammenkunft zu finden.
Betrachtung: Die lange Vorbereitung steht im Werk neben Verheißungen plötzlicher Vollendung. Beide Akzente gehören zu seiner Gestalt.
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17.33
Nimm selbst einen gesellschaftlich verachteten Menschen zum Guru, wenn er Erkenntnis besitzt. Einen Lehrer ohne Wissen und unterscheidende Einsicht aber verlasse – auch wenn er alle sechs Pflichten erfüllt.
Betrachtung: Die sechs Pflichten sind hier wahrscheinlich brahmanische Pflichten, nicht die sechs Hatha-Yoga-Reinigungen. Der Vers erlaubt ausdrücklich, einen ungeeigneten Lehrer zu verlassen.
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17.38
Ein Sadhaka ist ein Yogi, der sich beständig übend mit allem auseinandersetzt und die eigene Vollendung sucht.
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17.40
Der Vollendete ist Schöpfer, Erhalter und Auflöser, immer erfüllt und frei von Leid. Die ganze bewegliche und unbewegliche Welt schaut er als ungetrennt von seinem eigenen Selbst.
Betrachtung: Das Subjekt „der Vollendete“ ist aus dem vorausgehenden Vers aufgenommen. Der Text stellt ihn dem noch nach Vollendung strebenden Sadhaka gegenüber.
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11.53
Der Schüler ehrt den Guru erneut mit Gewändern und Schmuck. Dann rezitiert er die Vidya Tag für Tag, nach seinen Kräften und mit heiterem Geist.
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Frage zur Vertiefung: Welche Unterweisung hilft dir, klarer und verantwortlicher zu werden? Woran würdest du erkennen, dass bloße Autorität an die Stelle von Einsicht getreten ist?
11. Siddhis und die unvergängliche Mondinsel
Dichtkunst, Erkenntnis der drei Zeiten und übermenschliche Fähigkeiten gehören zu den ausgesprochenen Verheißungen. Zugleich reicht die Perspektive über die üblichen Götterwelten hinaus: Selbst Vaikuntha und Kailasha vergehen, während die Mondinsel Kulambikas als unvergänglich gepriesen wird. Diese besondere Lehre verdient es, in ihrer Eigenart gelesen zu werden.
18.15
Wo sich der Yogi in der beschriebenen Weise auflöst, offenbart sich nichts als höchste Wonne. Er erkennt den Sinn aller Schriften und erlangt das höchste Glück.
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18.16
Durch die Kraft von Rudras Shakti dichtet der Yogi spielend in allen Sprachen – mit kunstvollem Ausdruck und leuchtenden Worten.
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18.21
An der Ajna-Stätte schaut der Yogi die drei Welten. Er erkennt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und erscheint als selbstmächtig Handelnder, als höchster Herr.
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18.22
Am Nabel erkennt er das Vergangene, im Herzen das Gegenwärtige; an der Ajna-Stätte erkennt er alles.
Betrachtung: Diese Zuordnung stammt aus diesem Text. Sie wird nicht als allgemein verbindliche Bedeutung der Chakras ausgegeben.
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18.34
Wer die höchste Wonne erreicht, die Genuss und Befreiung schenkt, erlangt nach der Verheißung binnen eines halben Jahres Befreiung zu Lebzeiten.
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18.36
Immerwährende Wonne ist sein Wesen, Allgegenwart seine Kraft. Dazu gehören Anima, Laghima, Prapti, Prakamya und Garima.
Betrachtung: Genannt sind traditionelle Siddhis: äußerste Kleinheit, Leichtigkeit, Erlangen, Erfüllung des Willens und Schwere. Die Aufzählung setzt sich im folgenden Vers fort.
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18.65
Auch Brahmas Welt, Vishnus Vaikuntha und Kailasha, die Wohnstätte Rudras, vergehen beim großen Untergang.
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18.66
Unvergänglich aber ist die Mondinsel. Dort weilt die Göttin Kulambika zusammen mit mir. Wahrlich, wahrlich, du von großer Askese!
Betrachtung: „Mit mir“ spricht Shiva. Kulambika und die Mondinsel sind konkrete Bestandteile dieser Überlieferung.
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18.67
Die Yoginis und Siddhas dieser Insel nehmen nach eigenem Willen Gestalt an. Die Kraft eines jeden von ihnen verfehlt ihr Ziel nicht.
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Frage zur Vertiefung: Lies die Siddhis als große Verheißungen dieser Schrift. Welche Beziehung haben für dich Macht, Erkenntnis und Freiheit – und wo könnten sie auseinanderfallen?
12. Die Zeit verschlingen – und zum Segen der Welt bleiben

Zum Schluss weitet sich der Blick noch einmal. Der Körper enthält das Weltall, die Furcht vor der Zeit wird verschlungen, und der Yogi überschreitet den Kreislauf. Doch der Text kennt auch das Bleiben: Der Körper kann zum Segen der Welten erhalten werden. Die Aussagen über das Verlassen des Körpers sind historische Befreiungsvorstellungen, keine Aufforderung, das eigene Leben zu beenden.
20.19
Betrachte das ganze Windprinzip als deinen Atem. Das Raumprinzip ist mit der feinen Qualität des Klangs verbunden.
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20.21
Dieses unvergängliche Weltall ist in deinen eigenen Körper eingegangen. Spielerisch verschlinge die Zeit, von der Auflösung bis zur großen Weltauflösung.
Betrachtung: „Die Zeit verschlingen“ ist die kühne Formulierung des Textes. Sie wird nicht auf gutes Zeitmanagement verkürzt.
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20.22
Verweile fest im Lotussitz und vergegenwärtige das Einssein. Betrachte deinen Körper als unversehrt und frei von den Befleckungen der Zeit.
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20.23
Sieh dieses Weltei als ohne Öffnung. Hast du die Furcht vor der Zeit verschlungen, verweile wie Shiva, frei nach eigenem Willen.
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20.28
Der Yogi soll Herr über Schöpfung, Erhaltung und Auflösung sein und überall mit gleichem Blick schauen. Auch das Eintreten in einen fremden Körper, das Wandeln im Raum und Reinheit werden ihm zugeschrieben.
Betrachtung: Die fremdkörperliche und räumliche Bewegungsfreiheit gehört ausdrücklich zur Siddhi-Vorstellung. Sie wurde nicht durch eine unverbindliche Metapher ersetzt.
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16.94
So lässt der Yogi die Bindungen des Daseinskreislaufs zurück und hält sich an die höchste Wirklichkeit. Für die fünf Elemente und die weiteren Mächte unsichtbar, durchbricht er nach der Lehre die Sonnenscheibe.
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16.95
In Shivas höchste, friedvolle Wirklichkeit eingegangen, wird er Shiva gleich. Selbst nach unzähligen Weltzeitaltern soll es für ihn keine Rückkehr in den Kreislauf geben.
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16.96
Wenn er den Körper zum Segen der Welten bewahrt, gibt er ihn erst am Ende der Weltauflösung auf. Dann ruht er allein im eigenen Selbst.
Betrachtung: Die Befreiung mündet hier nicht notwendig in Rückzug. Der Vers eröffnet einen weiten Horizont für die Frage, wem die eigene Verwirklichung zugutekommt.
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16.114
Ihre Gnade schenkt ihm klare Erkenntnis ohne Trennung. Nun habe ich dir diesen Yoga dargelegt. Welche Frage möchtest du noch stellen?
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Frage zur Vertiefung: Was könnte es in deinem Leben heißen, gewonnene Klarheit „zum Segen der Welt“ einzusetzen? Lass aus der großen Frage eine konkrete Handlung werden.
Ergänzendes allgemeines Yoga-Vidya-Angebot: Lichtmeditation. Das Video begleitet die persönliche Vertiefung; es erklärt keine einzelne historische Praxisanweisung der Matsyendra Samhita.
Mit der Lehre weiterleben
Die großen Bilder dieser Verse wollen nicht nur verstanden, sondern bedacht werden. Innere Weite zeigt sich auch darin, genauer zuzuhören, klarer zu unterscheiden und freier zu handeln. Kehre zu den Versen zurück, die dich besonders berühren oder herausfordern. Der Hauptartikel öffnet ihren Zusammenhang; die Mantra-Sammlung ergänzt die Lektüre durch Klang, Bedeutung und überlieferte Verwendung.
Textgrundlage
Die Lesefassung folgt den im Hauptartikel dokumentierten Ausgaben und Einzelentscheidungen: Sensharma 1994, den ausdrücklich ausgewiesenen Matsyendra-Lesarten und Editionen bei Mallinson 2003 sowie Einzelkorrekturen nach Kiss. Sie umfasst eine Auswahl aus dem erreichbaren Bestand; die Gesamtüberlieferung des Werkes bleibt lückenhaft erschlossen. Alle 108 Originalstellen sind unmittelbar verlinkt.
Mantras im Matsyendra Samhita
Mantra, Japa und die innere Vergegenwärtigung göttlicher Kräfte gehören zum spirituellen Weg der Matsyendra Samhita. Die Schrift verbindet den Klang mit innerer Haltung, Verehrung, dem Körper als Ritualraum und der Unterweisung durch den Guru. Die folgende Zusammenstellung erschließt die ausdrücklich lesbaren Mantras, Bijas, Lautfolgen und Anrufungen aus den in dieser Wiki-Ausgabe zugänglichen Textbereichen. Sie enthält außerdem belegte Teile beschädigter Formeln und Hinweise auf Mantras, deren Lautgestalt nur verschlüsselt beschrieben wird.[1]
So ist die Liste zu lesen: Auf eine einfache Leseschreibung beziehungsweise einen beschreibenden Namen folgt der Wortlaut in IAST und seine deutsche Bedeutung oder Funktion. Die einfache Leseschreibung bildet nicht sämtliche Lautunterschiede ab; für Langvokale, Nasalzeichen und Konsonanten ist IAST maßgeblich. Bijas werden als rituelle Laute beschrieben: Eine wörtliche Übersetzung oder eine feste Gottheitszuordnung ist nicht für jede Silbe belegt. Die beigefügten Stellen führen zum Zusammenhang und zu den ausführlicheren Anmerkungen.
Textgestalt: †…† bezeichnet eine problematische Lesung, … eine Lücke; ein hochgestellter Kürzungskreis ° bleibt als Zeichen der Vorlage erhalten. „Teilformel“ bedeutet, dass weitere Bestandteile dazugehören. Bei ausgeschriebenen Reihen werden weder fehlende Silben noch ein nicht gedrucktes namaḥ ergänzt. Die auffälligen Formen hīṃ, ām̐, kṣauṃ/kṣauḥ und einzelne Yogini-Namen bleiben nach der verwendeten Fassung stehen. Die Einträge sind deshalb keine Sammlung durchweg gesicherter Rezitationsvorlagen. Der Umfang folgt der vorhandenen Teilausgabe, nicht sämtlichen 55 Kapiteln.
Ritual und heutige Lektüre: Die besonderen tantrischen Mantras stehen im Text im Zusammenhang mit Einweihung und Guru-Unterweisung; dies sagen insbesondere 9.54, 11.50 und 11.55. Ihre Dokumentation ersetzt keine solche Unterweisung. Beschriebene Schutz-, Heil- und Vollendungswirkungen sind Aussagen der Schrift. Für heutige Praxis bleiben Freiwilligkeit, Einvernehmlichkeit, persönliche Grenzen und verantwortliche Anleitung maßgeblich; aus historischen Körper- und Sexualritualen werden hier keine Übungsanleitungen abgeleitet.
Om und vorangestellte Anrufungen
- Om – oṃ – Kosmischer Klang; die Bezeichnung fasst die spirituelle Bedeutung von Om zusammen. Der Vers nennt ausdrücklich Om-Rezitationen im Zusammenhang mit yogischer Sammlung. (4.76.)
- Om Shri Ganeshaya Namah – oṃ śrīgaṇeśāya namaḥ – Om. Verehrung dem ehrwürdigen Ganesha. (Anrufungen vor 1.1.)
- Shri Nathaya Namah – śrīnāthāya namaḥ – Verehrung dem ehrwürdigen Herrn. (Anrufungen vor 1.1.) Hinweis: Die kurze Anrufung nennt keinen weiteren Eigennamen.
Einzelne Bijas und rituelle Schlusslaute
Die folgenden Laute stehen in den anschließend ausführlicher wiedergegebenen Formeln. Ihre Funktion wird aus diesem Textzusammenhang beschrieben. Bei einer Silbe mit unsicherem Nasalzeichen oder ungewöhnlicher Form bleibt die Einschränkung auch für die längere Formel bestehen.
- Am – ām̐ – Bija im Komplex der Pranashakti und der Lebenskrafteinsetzung. (13.13a.) Hinweis: Die Ablesung als Chandrabindu ist vorläufig; nicht mit āṃ vereinheitlicht.
- Am – āṃ – Bija in mehreren Nyasa-Abschlüssen und Anrufungen. (13.13a.) Hinweis: Der Druck unterscheidet an einzelnen Stellen āṃ und das vorläufig gelesene ām̐.
- Him – hīṃ – Wiederkehrendes Bija der Lebenskrafteinsetzung und der Sonnenanrufung. (13.13a.) Hinweis: Hier hīṃ, nicht stillschweigend hrīṃ.
- Krom – kroṃ – Bija der Lebenskrafteinsetzung und der Gliedermantras. (13.13a.)
- Krim – krīṃ – Bija im Abschluss der Kopf-Anrufung. (13.13a.) Hinweis: Diese Zeile hat krīṃ; andere Zeilen haben kroṃ.
- Shrim – śrīṃ – Bija der Lebenskraftfolge und der Hamsananda-Paduka-Anrufung. (Kapitel 13, „Einsetzung der Lebenskraft“, S. 86.) Hinweis: Eine bestimmte zusätzliche Wirkungszuordnung wird hier nicht behauptet.
- Klim – klīṃ – Bija vor dem Sonnenkreis-Mantra und in der Paduka-Anrufung. (13.16.)
- Aim – aiṃ – Bija der Mandala-Verehrung und vor der Anrufung Shris. (6.20.) Hinweis: Sein Vorkommen darf nicht benutzt werden, um jede nur benannte Vagishvari-Bija im Werk als aiṃ zu rekonstruieren.
- Em – eṃ – Bija in Mond-Kala-, Yogini- und Paduka-Anrufungen. (Kapitel 13, „Schutzformel und Hamsananda-Paduka“, S. 89.) Hinweis: Das eṃ dieser Formeln wird nicht in aiṃ geändert.
- Saum – sauṃ – Erste Bija des Mondkreis-Mantras. (Kapitel 13, „Mantra des Mondkreises“, S. 88.)
- Kshaum – kṣauṃ – Bija vor der Hamsananda-Paduka-Anrufung. (Kapitel 13, „Schutzformel und Hamsananda-Paduka“, S. 89.) Hinweis: Die Unterscheidung vom nachfolgenden kṣauḥ ist vorläufig nach dem Druck bewahrt.
- Kshauh – kṣauḥ – Bija vor der Dakini-Anrufung. (Kapitel 13, „Schutzformel und Hamsananda-Paduka“, S. 89.) Hinweis: Visarga statt Anusvara; die genaue Zeichenlesung bedarf weiterer Absicherung.
- Hum – huṃ – Schlusslaut der Anrufung Samartanda-Bhairavas. (13.16.) Hinweis: Kurzes u, gegenüber hūṃ in der Schutzpanzer-Formel.
- Hum – hūṃ – Schlusslaut des Schutzpanzer-Mantras. (13.13a.) Hinweis: Langes ū.
- Phat – phaṭ – Ritueller Abschluss des Waffenmantras. (13.13a.) Hinweis: Eine rituelle Lautform; hier keine wörtliche Übersetzung als gewöhnlicher Satz.
- Svaha – svāhā – Opfer- und Darbringungsruf; Abschluss mehrerer Anrufungen. (13.13a.)
- Vashat – vaṣaṭ – Ritueller Abschluss beim Haarschopf und beim Auge. (13.13a.) Hinweis: Beide Zeilen haben vaṣaṭ; keine Angleichung an ein anderes Gliedermantra-Schema.
- Namah – namaḥ – Verehrung, Verneigung; Abschluss zahlreicher Anrufungen. (Anrufungen vor 1.1.)
- Am – aṃ – Nasaliertes a in Lautdeutungen und Kala-Anrufungen. (Kapitel 13, „Anrufungen der sechzehn Mond-Kalas“, S. 88.)
- Ah – aḥ – a mit Visarga, unter anderem in der Anrufung Purnamritas. (Kapitel 13, „Anrufungen der sechzehn Mond-Kalas“, S. 88.)
- Yam – yaṃ – Laut im Feuerkreis-Mantra; außerdem in einem rauchfarbenen inneren Gebilde in 15.54. (13.13.) Hinweis: Die unterschiedlichen Kontexte werden nicht auf eine einheitliche Elementzuordnung reduziert.
- Ram – raṃ – Bija unter anderem in der Feuer-Kala-Anrufung Ushmas. (Kapitel 13, „Anrufungen der Feuer-Kalas“, S. 86–87.)
- Lam – laṃ – Bija in mehreren Feuer-Kala- und Yogini-Anrufungen. (Kapitel 13, „Anrufungen der Feuer-Kalas“, S. 86–87.) Hinweis: Auch diese Silbe erhält ihre Zuordnung aus der jeweiligen Formel.
- Vam – vaṃ – Bija unter anderem vor Jvalini und Vadhini. (Kapitel 13, „Anrufungen der Feuer-Kalas“, S. 86–87.)
- Sham – śaṃ – Bija unter anderem vor Shri und Shakini. (Kapitel 13, „Anrufungen der Feuer-Kalas“, S. 86–87.) Hinweis: Nicht mit ṣaṃ oder saṃ gleichgesetzt.
- Sham – ṣaṃ – Laut der Lebenskraftfolge und der Shada-Anrufung. (Kapitel 13, „Einsetzung der Lebenskraft“, S. 86.)
- Sam – saṃ – Laut in der abschließenden Lebenskraftfolge und vor Sarasvati. (Kapitel 13, „Einsetzung der Lebenskraft“, S. 86.) Hinweis: Diese Silbe steht in der zweiten Lebenskraftreihe zusätzlich.
- Ham – haṃ – Laut der Lebenskraftreihe, der Bhakini-Blattanrufung und der Opfergabenanweisung 6.22. (Kapitel 13, „Einsetzung der Lebenskraft“, S. 86.) Hinweis: Nicht jedes Wort haṃsa wird dadurch zu einer ausgeschriebenen haṃ-Bija.
- Mam – maṃ – Zweite Bija des Sonnenkreis-Mantras; auch vor Maya. (13.16.)
- Dam – ḍaṃ – Zweite Bija des Mondkreis-Mantras. (Kapitel 13, „Mantra des Mondkreises“, S. 88.) Hinweis: Der auffällige retroflexe Laut wird nicht ersetzt.
- Kham – khaṃ – Laut in der Mandala-Herleitung und vor Khatita. (10.16.)
- Gam – gaṃ – Bija vor Gayatri; außerdem am Abschluss einer Nyasa-Anweisung. (Kapitel 13, „Roter Block im Anahata und elf Blattanrufungen“, S. 89.) Hinweis: Keine zusätzliche Ganesha-Anrufung wird aus dem einzelnen Laut hergestellt.
Mandala-, Feuer-, Sonnen- und Mondmantras
- Aim vyapaka mam mandalaya aim – aiṃ vyāpaka maṃ maṇḍalāya aim – Anrufung des Mandalas mit aiṃ und maṃ; vyāpaka bezeichnet das Durchdringende. (6.20.) Hinweis: Die syntaktische Verbindung ist uneben. Am Schluss steht gedruckt aim, nicht hier ergänzt aiṃ. Der Ausschnitt endet vor ittham.
- Yam agnimandalaya dharmapradasakalayuktaya namah – yaṃ agnimaṇḍalāya dharmapradasakalayuktāya namaḥ – Yaṃ. Verehrung dem Feuerkreis, der Dharma gewährt und mit allen Teilen versehen ist. (13.13.) Hinweis: Sakalayukta wird nicht in eine ungedruckte Anzahl von Kalas geändert.
- Uttishtha pinggalahari lohitaksha / sarvakarmani dehi dapaya svaha / agachchha – uttiṣṭha piṅgalahari lohitākṣa | sarvakarmāṇi dehi dāpaya svāhā | āgaccha – Erhebe dich, Pingalahari, Rotäugiger! Gewähre alle Handlungen, lass sie gewähren. Svaha. Komm! (13.13a.) Hinweis: Der gedruckte Name piṅgalahari bleibt erhalten. Nach dehi stehen im Druck leere runde Klammern; daraus ist kein weiterer Wortlaut zu gewinnen.
- Klim mam suryamandalaya vasupradadvadashakalayuktaya namah – klīṃ maṃ sūryamaṇḍalāya vasupradadvādaśakalāyuktāya namaḥ – Klīṃ maṃ. Verehrung dem Sonnenkreis, der Reichtum schenkt und mit zwölf Kalas versehen ist. (13.16.)
- Om him him samartandabhairavaya prakashashaktisahitaya agachchhagachchha hum svaha – oṃ hīṃ hīṃ samārtaṇḍabhairavāya prakāśaśaktisahitāya āgacchāgaccha huṃ svāhā – Om hīṃ hīṃ. Für Samartanda-Bhairava zusammen mit Prakashashakti: Komm, komm! Huṃ svāhā. (13.16.) Hinweis: Samārtaṇḍa ist die Druckform. Hīṃ wird zweimal gesprochen; huṃ hat einen kurzen Vokal.
- Om somaya namah / agachchhagachchha svaha – oṃ somāya namaḥ | āgacchāgaccha svāhā – Om. Verehrung Soma. Komm, komm! Svaha. (Kapitel 13, „Vorstellung und Anrufung des Mondes“, S. 87–88.)
- Saum dam somamandalaya kamapradashodashakalatmane namah – sauṃ ḍaṃ somamaṇḍalāya kāmapradaṣoḍaśakalātmane namaḥ – Sauṃ ḍaṃ. Verehrung dem Mondkreis, der Wünsche erfüllt und dessen Wesen die sechzehn Kalas sind. (Kapitel 13, „Mantra des Mondkreises“, S. 88.) Hinweis: Die zweite Bija lautet gedruckt ḍaṃ.
Pranashakti und Einsetzung der Lebenskraft
Die Vorlage nennt Brahma als Rishi, Anushtubh als Versmaß und Shri Pranashakti als Gottheit. Die folgenden Formeln gehören zur Pranapratistha, der rituellen Einsetzung der Lebenskraft. Die Wörter für Körperfunktionen werden in ihrer konkreten Bedeutung wiedergegeben. Die Bijas besitzen hier keine zusätzliche lexikalische Übersetzung.
- Am him krom – ām̐ hīṃ kroṃ – Bija-Folge der Pranashakti. (13.13a.) Hinweis: Chandrabindu vorläufig; hīṃ bleibt ohne r.
- Am him krom shabdarupasparsharasagandhatmane krim him am shirase svaha – ām̐ hīṃ kroṃ śabdarūpasparśarasagandhātmane krīṃ hīṃ āṃ śirase svāhā – Ām̐ hīṃ kroṃ. Dem, dessen Wesen Klang, Gestalt, Berührung, Geschmack und Geruch sind: krīṃ hīṃ āṃ; für den Kopf, svāhā. (13.13a.) Hinweis: Die unterschiedlichen Bijas und Nasalzeichen folgen der dokumentierten, teilweise vorläufigen Drucklesung.
- Am him krom vakpanipadapayupasthatmane krom him am shikhayai vashat – ām̐ hīṃ kroṃ vākpāṇipādapāyūpasthātmane kroṃ hīṃ ām̐ śikhāyai vaṣaṭ – Ām̐ hīṃ kroṃ. Dem, dessen Wesen Rede, Hände, Füße, Ausscheidungs- und Geschlechtsorgan sind: kroṃ hīṃ ām̐; für den Haarschopf, vaṣaṭ. (13.13a.) Hinweis: Die unterschiedlichen Bijas und Nasalzeichen folgen der dokumentierten, teilweise vorläufigen Drucklesung.
- Am him krom vachanadanavisarganandatmane krom him am kavachaya hum – ām̐ hīṃ kroṃ vacanādānavisargānandātmane kroṃ hīṃ āṃ kavacāya hūṃ – Ām̐ hīṃ kroṃ. Dem, dessen Wesen Sprechen, Ergreifen, Ausscheiden und Wonne sind: kroṃ hīṃ āṃ; für den Schutzpanzer, hūṃ. (13.13a.) Hinweis: Die unterschiedlichen Bijas und Nasalzeichen folgen der dokumentierten, teilweise vorläufigen Drucklesung.
- Am him krom manobuddhyahamkarachittatmane krom him am netraya vashat – ām̐ hīṃ kroṃ manobuddhyahaṃkāracittātmane kroṃ hīṃ āṃ netrāya vaṣaṭ – Ām̐ hīṃ kroṃ. Dem, dessen Wesen Denken, Unterscheidungsvermögen, Ichbewusstsein und Bewusstseinsfeld sind: kroṃ hīṃ āṃ; für das Auge, vaṣaṭ. (13.13a.) Hinweis: Die unterschiedlichen Bijas und Nasalzeichen folgen der dokumentierten, teilweise vorläufigen Drucklesung.
- Am him krom hamsapranatmane krom him am astraya phat – ām̐ hīṃ kroṃ haṃsaprāṇātmane kroṃ hīṃ āṃ astrāya phaṭ – Ām̐ hīṃ kroṃ. Dem, dessen Wesen Hamsa und Lebenskraft sind: kroṃ hīṃ āṃ; für die Waffe, phaṭ. (13.13a.) Hinweis: Die unterschiedlichen Bijas und Nasalzeichen folgen der dokumentierten, teilweise vorläufigen Drucklesung.
- Am him krom shrim yam ram lam vam sham sham ham – ām̐ hīṃ kroṃ śrīṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ haṃ – Eröffnende Lautreihe der Lebenskrafteinsetzung. (Kapitel 13, „Einsetzung der Lebenskraft“, S. 86.) Hinweis: Die folgende Reihe am Ende enthält zusätzlich saṃ.
- Devadattasya jiva iha sthitah devadattasya sarvendriyani vangmana hamsa prana ihayantu svaha – devadattasya jīva iha sthitaḥ devadattasya sarvendriyāṇi vāṅmanā haṃsa prāṇā ihāyāntu svāhā – Devadattas Lebenswesen ist hier gegenwärtig. Alle Sinne Devadattas, seine Rede und sein Geist, Hamsa und die Lebenskräfte sollen hierherkommen. Svaha. (Kapitel 13, „Einsetzung der Lebenskraft“, S. 86.) Hinweis: Devadatta ist der im Ritualformular verwendete Personenname. Die Kasus- und Satzformen sind uneben; kein Name wird eingesetzt oder ersetzt.
- Yam ram lam vam sham sham sam ham shrim him krom am – yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ śrīṃ hīṃ kroṃ ām̐ – Abschließende Lautreihe der Lebenskrafteinsetzung. (Kapitel 13, „Einsetzung der Lebenskraft“, S. 86.) Hinweis: Die Folge ist keine genaue Umkehrung der Eröffnungsreihe. Beide bleiben in ihrer gedruckten Gestalt erhalten.
Anrufungen der Feuer-Kalas
Die erhaltene Reihe umfasst neun ausgeschriebene Gruppen. Mehrere Namen und Endungen sind ungewöhnlich. Die Formen werden deshalb als Drucklesungen dokumentiert; eine erwartete zehnte Kala wird nicht ergänzt. In den Kurzformeln fehlt namaḥ vielfach ausdrücklich.
- Yam dhu archishenam – yaṃ dhū ārciṣeṇam – Unklarer Beginn der Feuer-Kala-Reihe; yaṃ und dhū sind lesbar, die anschließende Namens- oder Lautverbindung bleibt unsicher. (Kapitel 13, „Anrufungen der Feuer-Kalas“, S. 86–87.)
- Ram ushmayaih – raṃ ūṣmāyaiḥ – Raṃ, für Ushma. (Kapitel 13, „Anrufungen der Feuer-Kalas“, S. 86–87.) Hinweis: Der Visarga am Ende der Dativform ist grammatisch auffällig.
- Lam julinyaih – laṃ julinyaiḥ – Laṃ, für Julini. (Kapitel 13, „Anrufungen der Feuer-Kalas“, S. 86–87.) Hinweis: Name und zusätzliche Visarga-Endung bleiben wie gedruckt.
- Vam jvalinyai – vaṃ jvālinyai – Vaṃ, für Jvalini, die Flammende. (Kapitel 13, „Anrufungen der Feuer-Kalas“, S. 86–87.)
- Dam visphullingginyai vahanayai – daṃ visphulliṅginyai vāhanāyai – Daṃ, für Visphullingini und die als Vahana Bezeichnete. (Kapitel 13, „Anrufungen der Feuer-Kalas“, S. 86–87.) Hinweis: Die genaue Verbindung beider Namen ist unklar; für vāhanāyai steht keine eigene Bija.
- Sham shriyai – śaṃ śriyai – Śaṃ, für Shri. (Kapitel 13, „Anrufungen der Feuer-Kalas“, S. 86–87.)
- Sam svarupayai – saṃ svarūpāyai – Saṃ, für Svarupa, die eigene Gestalt. (Kapitel 13, „Anrufungen der Feuer-Kalas“, S. 86–87.)
- Lam havyavahayai – laṃ havyavāhāyai – Laṃ, für die Trägerin der Götteropfer. (Kapitel 13, „Anrufungen der Feuer-Kalas“, S. 86–87.)
- Ksham kavyavahayai – kṣaṃ kavyavāhāyai – Kṣaṃ, für die Trägerin der Ahnenopfer. (Kapitel 13, „Anrufungen der Feuer-Kalas“, S. 86–87.)
Anrufungen der zwölf Sonnen-Kalas
Die Namenswiederholungen Tapini und Marichi sowie die auffälligen Lautpaare bleiben erhalten. Die Reihe wird nicht einer geläufigeren Sonnen-Kala-Liste angeglichen. Die Verbindung mit den zwölf Blättern ist im Text ausdrücklich genannt.
- Kam bham tapinyai namah – kaṃ bhaṃ tāpinyai namaḥ – Kaṃ bhaṃ. Verehrung Tapini. (Kapitel 13, „Die zwölf Sonnen-Kalas“, S. 87.)
- Kham vam tapinyai namah – khaṃ vaṃ tāpinyai namaḥ – Khaṃ vaṃ. Verehrung Tapini. (Kapitel 13, „Die zwölf Sonnen-Kalas“, S. 87.)
- Gam pham marichyai – gaṃ phaṃ marīcyai – Gaṃ phaṃ, für Marichi, den Strahl. (Kapitel 13, „Die zwölf Sonnen-Kalas“, S. 87.)
- Gham pam marichyai – ghaṃ paṃ marīcyai – Ghaṃ paṃ, für Marichi. (Kapitel 13, „Die zwölf Sonnen-Kalas“, S. 87.)
- Dam nam jvalinyai – ḍaṃ naṃ jvālinyai – Ḍaṃ naṃ, für Jvalini, die Flammende. (Kapitel 13, „Die zwölf Sonnen-Kalas“, S. 87.)
- Cham dham ruchyai namah – caṃ dhaṃ rucyai namaḥ – Caṃ dhaṃ. Verehrung Ruchi, dem Glanz. (Kapitel 13, „Die zwölf Sonnen-Kalas“, S. 87.)
- Chham dam sushumnayai – chaṃ daṃ suṣumṇāyai – Chaṃ daṃ, für Sushumna. (Kapitel 13, „Die zwölf Sonnen-Kalas“, S. 87.)
- Jam tham gadayai – jaṃ thaṃ gadāyai – Jaṃ thaṃ, für die als Gada Bezeichnete. (Kapitel 13, „Die zwölf Sonnen-Kalas“, S. 87.) Hinweis: Der ungewöhnliche Name gadā wird nicht ersetzt.
- Dam tam vishvayai – daṃ taṃ viśvāyai – Daṃ taṃ, für Vishva, die Allumfassende. (Kapitel 13, „Die zwölf Sonnen-Kalas“, S. 87.)
- Tram nam bodhinyai – traṃ ṇaṃ bodhinyai – Traṃ ṇaṃ, für Bodhini, die Erweckende. (Kapitel 13, „Die zwölf Sonnen-Kalas“, S. 87.)
- Tam dham dharinyai – ṭaṃ ḍhaṃ dhāriṇyai – Ṭaṃ ḍhaṃ, für Dharini, die Tragende. (Kapitel 13, „Die zwölf Sonnen-Kalas“, S. 87.)
- Tham dam kshamayai namah – ṭhaṃ ḍaṃ kṣamāyai namaḥ – Ṭhaṃ ḍaṃ. Verehrung Kshama, der Geduld beziehungsweise Nachsicht. (Kapitel 13, „Die zwölf Sonnen-Kalas“, S. 87.)
Anrufungen der sechzehn Mond-Kalas
Die Reihe nennt sechzehn Kalas. Sie enthält wiederholtes īṃ und ṝṃ sowie die auffällige Silbe kuṃ. Die kleinen Zeichen der vokalischen ṛ- und ḷ-Laute und die Form śityai sind vorläufig gelesen. Diese Folge wird daher nicht als durchweg gesicherte Aussprachevorlage ausgegeben.
- Amritayai namah – amṛtāyai namaḥ – Verehrung Amrita, dem Nektar beziehungsweise der Unsterblichen. (Kapitel 13, „Anrufungen der sechzehn Mond-Kalas“, S. 88.)
- Anandayai namah – ānandāyai namaḥ – Verehrung Ananda, der Wonne. (Kapitel 13, „Anrufungen der sechzehn Mond-Kalas“, S. 88.)
- Im pushayai – īṃ pūṣāyai – Īṃ, für Pusha. (Kapitel 13, „Anrufungen der sechzehn Mond-Kalas“, S. 88.)
- Im tushtyai – īṃ tuṣṭyai – Īṃ, für Tushti, die Zufriedenheit. (Kapitel 13, „Anrufungen der sechzehn Mond-Kalas“, S. 88.)
- Im pushtyai – īṃ puṣṭyai – Īṃ, für Pushti, die Fülle und das Gedeihen. (Kapitel 13, „Anrufungen der sechzehn Mond-Kalas“, S. 88.)
- Kum ratyai – kuṃ ratyai – Kuṃ, für Rati, die Lust beziehungsweise Freude. (Kapitel 13, „Anrufungen der sechzehn Mond-Kalas“, S. 88.) Hinweis: Die Silbe kuṃ ist auffällig und bleibt erhalten.
- Rim krityai – ṝṃ kṛtyai – Ṝṃ, für Kritya. (Kapitel 13, „Anrufungen der sechzehn Mond-Kalas“, S. 88.) Hinweis: Vokalzeichen vorläufig gelesen.
- Rim rim shityai – ṝṃ ṝṃ śityai – Ṝṃ ṝṃ, für die als Shiti gelesene Kala. (Kapitel 13, „Anrufungen der sechzehn Mond-Kalas“, S. 88.) Hinweis: Vokalzeichen und Name sind unsicher.
- Lim chandrikayai – ḷṃ candrikāyai – Ḷṃ, für Chandrika, den Mondschein. (Kapitel 13, „Anrufungen der sechzehn Mond-Kalas“, S. 88.) Hinweis: Vokalzeichen vorläufig gelesen.
- Lim kantyai – ḹṃ kāntyai – Ḹṃ, für Kanti, die Schönheit beziehungsweise Strahlkraft. (Kapitel 13, „Anrufungen der sechzehn Mond-Kalas“, S. 88.) Hinweis: Vokalzeichen vorläufig gelesen.
- Em jyotsnayai – eṃ jyotsnāyai – Eṃ, für Jyotsna, das Mondlicht. (Kapitel 13, „Anrufungen der sechzehn Mond-Kalas“, S. 88.)
- Aim shriyai – aiṃ śriyai – Aiṃ, für Shri. (Kapitel 13, „Anrufungen der sechzehn Mond-Kalas“, S. 88.)
- Om prityai – oṃ prītyai – Om, für Priti, die liebevolle Freude. (Kapitel 13, „Anrufungen der sechzehn Mond-Kalas“, S. 88.)
- Aum gadayai namah – auṃ gadāyai namaḥ – Auṃ. Verehrung der als Gada Bezeichneten. (Kapitel 13, „Anrufungen der sechzehn Mond-Kalas“, S. 88.) Hinweis: Der Name gadā bleibt wie gedruckt.
- Am purnayai – aṃ pūrṇāyai – Aṃ, für Purna, die Fülle. (Kapitel 13, „Anrufungen der sechzehn Mond-Kalas“, S. 88.)
- Ah purnamritayai namah – aḥ pūrṇāmṛtāyai namaḥ – Aḥ. Verehrung Purnamrita, der Fülle des Nektars. (Kapitel 13, „Anrufungen der sechzehn Mond-Kalas“, S. 88.)
Yogini-Mantrablöcke und Schutzfolgen
Diese Folgen gehören zum Yogini-Nyasa. Die Bezeichnungen Dakini, Kakini, Rakini, Shankini, Shakini, Sakini und Bhakini wechseln im verwendeten Druck teilweise innerhalb desselben Abschnitts. Die Liste bildet diesen Befund ab. Sie schafft daraus kein vereinheitlichtes Chakra-System.
- Da ma la va ra yu° – ḍa ma la va ra yu° – Mantrablock im Abschnitt über Dakini; unmittelbar danach nennt die Betrachtung Kakini. (Kapitel 13, „Mantrablock und Blattgöttinnen der Dakini“, S. 88.) Hinweis: Yu° ist eine Abkürzung mit Kürzungskreis, kein Visarga. Die fehlende Fortsetzung wird nicht ergänzt.
- Dam dim dam dam daim daum dah – ḍāṃ ḍīṃ ḍaṃ ḍaṃ ḍaiṃ ḍauṃ ḍaḥ – Lautreihe vor der Dakini-Schutzformel. (Kapitel 13, „Schutzformel und Hamsananda-Paduka“, S. 89.) Hinweis: Die beiden ḍaṃ und die genaue Vokalreihe bleiben vorläufig wie gedruckt.
- Kamalavayum dakininam raksha tvam – kamalavāyuṃ ḍākinīnāṃ rakṣa tvam – Beschädigter Anschluss der Dakini-Schutzformel; „Lotuswind“, Dakini und „schütze du“ sind erkennbar. (Kapitel 13, „Schutzformel und Hamsananda-Paduka“, S. 89.) Hinweis: Die grammatische Verbindung ist unklar.
- Cham raksha raksha sarvashatruvashamkari devi namash chamunde varade vichche – caṃ rakṣa rakṣa sarvaśatruvaśaṃkari devi namaś cāmuṇḍe varade vicce – Caṃ. Schütze, schütze, Göttin, die alle Feinde unter Einfluss bringt! Verehrung, Chamunda, Gabenspendende, vicce. (Kapitel 13, „Schutzformel und Hamsananda-Paduka“, S. 89.) Hinweis: Historische Schutz- und Einflussformel. Vicce bleibt die gedruckte Lautform; keine Ergänzung zu einer anderen bekannten Chamunda-Formel.
- Sakshamalam vyuha sakshamala vayam – sakṣamalaṃ vyūha sakṣamala vayaṃ – Weitere gedruckte Lautfolge nach der Chamunda-Anrufung. (Kapitel 13, „Schutzformel und Hamsananda-Paduka“, S. 89.) Hinweis: Die Folge ist entstellt und nicht zuverlässig übersetzbar; keine freigegebene Rezitationsformel.
- Kshauh klim em dam dakinyai namah – kṣauḥ klīṃ eṃ ḍāṃ ḍākinyai namaḥ – Kṣauḥ klīṃ eṃ ḍāṃ. Verehrung Dakini. (Kapitel 13, „Schutzformel und Hamsananda-Paduka“, S. 89.) Hinweis: Kṣauḥ mit Visarga ist vorläufig nach dem Druck bewahrt.
- Ra ma la va ra yum – ra ma la va ra yūṃ – Roter Mantrablock im Anahata-Lotus. (Kapitel 13, „Roter Block im Anahata und elf Blattanrufungen“, S. 89.) Hinweis: Die anschließende Betrachtung nennt Shankini, die Anrufung Rakini.
- Rim rim rum lum raim raum rah ramalavarayum rakini mam raksha raksha – rīṃ rīṃ rūṃ lūṃ raiṃ rauṃ raḥ ramalavarayūṃ rākinī māṃ rakṣa rakṣa – Rīṃ rīṃ rūṃ lūṃ raiṃ rauṃ raḥ ramalavarayūṃ. Rakini, schütze mich, schütze! (Kapitel 13, „Schutzformel und Nityananda-Paduka“, S. 90.) Hinweis: Zweimal rīṃ und das ungewöhnliche lūṃ bleiben erhalten; nicht in eine regelmäßige Vokalreihe verändert.
- Sham shakinyai namah – śaṃ śākinyai namaḥ – Śaṃ. Verehrung Shakini. (Kapitel 13, „Schutzformel und Nityananda-Paduka“, S. 90.) Hinweis: Der Namenswechsel nach der Rakini-Formel steht im Druck.
- Lam lakinyai – lāṃ lākinyai – Lāṃ, für Lakini. (Kapitel 13, „Lakini im Manipura“, S. 90.) Hinweis: Kurze Anrufung im Manipura-Abschnitt; namaḥ wird hier nicht hinzugefügt.
- Shri lam lakinyai namah – śrī lāṃ lākinyai namaḥ – Shri lāṃ. Verehrung Lakini. (Kapitel 13, „Lakini im Manipura“, S. 90.) Hinweis: Śrī ist hier ohne Nasalzeichen gedruckt, also nicht śrīṃ.
- Kam kakinyai namo – kāṃ kākinyai namo – Kāṃ. Verehrung Kakini. (Kapitel 13, „Kakini im Svadhishthana“, S. 90–91.) Hinweis: Die Endform namo bleibt wie in der anschließenden Sanskritanweisung.
- Sam sakinyai namo – sāṃ sākinyai namo – Sāṃ. Verehrung Sakini. (Kapitel 13, „Sakini am vierblättrigen Grundlotus“, S. 91.) Hinweis: Am Schluss desselben Abschnitts steht dagegen Kakini.
- Bham bhakinyai namah – bhāṃ bhākinyai namaḥ – Bhāṃ. Verehrung Bhakini. (Kapitel 13, „Bhakini zwischen den Brauen“, S. 91.) Hinweis: Bhakini ist die verwendete Druckform und wird nicht in Hakini geändert.
- Yam yakshinyai namah – yāṃ yakṣiṇyai namaḥ – Yāṃ. Verehrung Yakshini. (Kapitel 13, „Yakshini am Brahmarandhra und Abschluss des Körpernyasa“, S. 91.)
- Rakinyai namah – rākinyai namaḥ – Verehrung Rakini. (Kapitel 13, „Roter Block im Anahata und elf Blattanrufungen“, S. 89.)
- Yakshinyai namah – yakṣiṇyai namaḥ – Verehrung Yakshini. (Kapitel 13, „Yakshini am Brahmarandhra und Abschluss des Körpernyasa“, S. 91.)
Blattanrufungen mit Vokalen
Der Druck enthält in diesem Abschnitt fünfzehn ausgeschriebene Anrufungen. Die erste ist sprachlich gestört; besonders die Vokalzeichen der ṛ-/ḷ-Reihe bleiben unsicher. Fehlende Formen werden nicht aus einem Sanskritalphabet ergänzt.
- Am akarnikayam prabhritayai namah – āṃ akarṇikāyāṃ prabhṛtāyai namaḥ – Āṃ. Verehrung der am Fruchtboden als erste Genannten. (Kapitel 13, „Blattanrufungen mit Vokalen“, S. 88–89.) Hinweis: Der gedruckte Wortlaut ist grammatisch gestört; die Deutung bleibt vorläufig.
- Am akarshinye namah – āṃ ākarṣiṇye namaḥ – Āṃ. Verehrung Akarshini, der Anziehenden. (Kapitel 13, „Blattanrufungen mit Vokalen“, S. 88–89.) Hinweis: Die Dativform ākarṣiṇye ist uneben.
- Im indrayai namah – iṃ indrāyai namaḥ – Iṃ. Verehrung Indra. (Kapitel 13, „Blattanrufungen mit Vokalen“, S. 88–89.) Hinweis: Die feminine Dativform wird nicht zu indrāya geändert.
- Im ishanyai namah – īṃ īśānyai namaḥ – Īṃ. Verehrung Ishani. (Kapitel 13, „Blattanrufungen mit Vokalen“, S. 88–89.)
- Um umayai namah – uṃ umāyai namaḥ – Uṃ. Verehrung Uma. (Kapitel 13, „Blattanrufungen mit Vokalen“, S. 88–89.) Hinweis: Uṃ folgt dem Verbesserungsvorschlag des Drucks.
- Um urdhvakeshyai namah – ūṃ ūrdhvakeśyai namaḥ – Ūṃ. Verehrung Urdhvakeshi, der mit aufgerichtetem Haar. (Kapitel 13, „Blattanrufungen mit Vokalen“, S. 88–89.)
- Rim ridhayai namah – ṝṃ ṝdhāyai namaḥ – Ṝṃ. Verehrung der als Ṝdha gelesenen Göttin. (Kapitel 13, „Blattanrufungen mit Vokalen“, S. 88–89.) Hinweis: Laut- und Namenslesung unsicher.
- Lim lukayai namah – ḷṃ lukāyai namaḥ – Ḷṃ. Verehrung Luka. (Kapitel 13, „Blattanrufungen mit Vokalen“, S. 88–89.) Hinweis: Vokalzeichen und auffälliger Name bleiben vorläufig.
- Lim lushayai namah – ḹṃ lūṣāyai namaḥ – Ḹṃ. Verehrung Lusha. (Kapitel 13, „Blattanrufungen mit Vokalen“, S. 88–89.) Hinweis: Vokalzeichen und auffälliger Name bleiben vorläufig.
- Em ekavirayai namah – eṃ ekavīrāyai namaḥ – Eṃ. Verehrung Ekavira, der einzigen Heldin. (Kapitel 13, „Blattanrufungen mit Vokalen“, S. 88–89.)
- Aim aishvaryaya namah – aiṃ aiśvaryāya namaḥ – Aiṃ. Verehrung Aishvarya, der herrscherlichen Macht. (Kapitel 13, „Blattanrufungen mit Vokalen“, S. 88–89.)
- Om omkaraya namah – oṃ oṃkārāya namaḥ – Om. Verehrung Omkara, dem Om-Laut. (Kapitel 13, „Blattanrufungen mit Vokalen“, S. 88–89.)
- Aum aushadhayai namah – auṃ auṣadhāyai namaḥ – Auṃ. Verehrung Aushadha. (Kapitel 13, „Blattanrufungen mit Vokalen“, S. 88–89.) Hinweis: Die Namensform bleibt nach dem Druck.
- Am ambikayai namah – aṃ ambikāyai namaḥ – Aṃ. Verehrung Ambika, der Mutter. (Kapitel 13, „Blattanrufungen mit Vokalen“, S. 88–89.)
- Ah aksharayai namah – aḥ akṣarāyai namaḥ – Aḥ. Verehrung Akshara, der Unvergänglichen beziehungsweise Lautgestalt. (Kapitel 13, „Blattanrufungen mit Vokalen“, S. 88–89.)
Blattanrufungen des Anahata-Abschnitts
Elf Anrufungen sind ausgeschrieben. Ungewöhnliche Namen und Lautzuordnungen bleiben als solche erkennbar; eine fehlende zwölfte Anrufung wird nicht ergänzt.
- Kam kalaratryai namah – kaṃ kālarātryai namaḥ – Kaṃ. Verehrung Kalaratri, der Nacht der Zeit beziehungsweise Todesnacht. (Kapitel 13, „Roter Block im Anahata und elf Blattanrufungen“, S. 89.)
- Kham khatitayai namah – khaṃ khatitāyai namaḥ – Khaṃ. Verehrung der als Khatita Bezeichneten. (Kapitel 13, „Roter Block im Anahata und elf Blattanrufungen“, S. 89.) Hinweis: Der Name ist unsicher.
- Gam gayatryai namah – gaṃ gāyatryai namaḥ – Gaṃ. Verehrung Gayatri. (Kapitel 13, „Roter Block im Anahata und elf Blattanrufungen“, S. 89.)
- Gham ghantakarinyai namah – ghaṃ ghaṇṭākāriṇyai namaḥ – Ghaṃ. Verehrung Ghantakarini, der den Glockenklang Hervorbringenden. (Kapitel 13, „Roter Block im Anahata und elf Blattanrufungen“, S. 89.)
- Tam tarnyai namah – ṭaṃ ṭarṇyai namaḥ – Ṭaṃ. Verehrung der als Ṭarni gelesenen Göttin. (Kapitel 13, „Roter Block im Anahata und elf Blattanrufungen“, S. 89.) Hinweis: Name und Lautzuordnung unsicher.
- Cham chamundayai namah – caṃ cāmuṇḍāyai namaḥ – Caṃ. Verehrung Chamunda. (Kapitel 13, „Roter Block im Anahata und elf Blattanrufungen“, S. 89.)
- Chham chhayayai namah – chaṃ chāyāyai namaḥ – Chaṃ. Verehrung Chhaya, dem Schatten. (Kapitel 13, „Roter Block im Anahata und elf Blattanrufungen“, S. 89.)
- Pham phamkarinyai namah – phaṃ phaṃkāriṇyai namaḥ – Phaṃ. Verehrung Phamkarini, der den Laut phaṃ Hervorbringenden. (Kapitel 13, „Roter Block im Anahata und elf Blattanrufungen“, S. 89.)
- Dam jnyanasvarupinyai namah – ḍaṃ jñānasvarūpiṇyai namaḥ – Ḍaṃ. Verehrung Jnanasvarupini, deren Wesen Erkenntnis ist. (Kapitel 13, „Roter Block im Anahata und elf Blattanrufungen“, S. 89.) Hinweis: Die auffällige Verbindung mit ḍaṃ bleibt stehen.
- Tam tangkahastayai namah – ṭaṃ ṭaṅkahastāyai namaḥ – Ṭaṃ. Verehrung Tankahasta, der mit einem Tanka-Werkzeug in der Hand. (Kapitel 13, „Roter Block im Anahata und elf Blattanrufungen“, S. 89.)
- Dham dhamkarinyai namah – ḍhaṃ ḍhaṃkāriṇyai namaḥ – Ḍhaṃ. Verehrung Dhamkarini, der den Laut ḍhaṃ Hervorbringenden. (Kapitel 13, „Roter Block im Anahata und elf Blattanrufungen“, S. 89.)
Blattanrufungen des Manipura-Abschnitts
Obwohl zehn Blätter genannt werden, sind hier nur fünf Blattanrufungen ausgeschrieben.
- Dam damaryai namah – ḍaṃ ḍāmaryai namaḥ – Ḍaṃ. Verehrung Damari. (Kapitel 13, „Lakini im Manipura“, S. 90.)
- Tam tamasyai namah – taṃ tāmasyai namaḥ – Taṃ. Verehrung Tamasi, der Dunklen. (Kapitel 13, „Lakini im Manipura“, S. 90.)
- Tham sthanavyai namah – thaṃ sthāṇavyai namaḥ – Thaṃ. Verehrung Sthanavi. (Kapitel 13, „Lakini im Manipura“, S. 90.) Hinweis: Die Namensform bleibt nach dem Druck.
- Pam parvatyai namah – paṃ pārvatyai namaḥ – Paṃ. Verehrung Parvati. (Kapitel 13, „Lakini im Manipura“, S. 90.)
- Pham phatkarinyai namah – phaṃ phaṭkāriṇyai namaḥ – Phaṃ. Verehrung Phatkarini, der den Ruf phaṭ Hervorbringenden. (Kapitel 13, „Lakini im Manipura“, S. 90.)
Blattanrufungen des Svadhishthana-Abschnitts
- Vam vadhinyai namah – vaṃ vadhinyai namaḥ – Vaṃ. Verehrung Vadhini. (Kapitel 13, „Kakini im Svadhishthana“, S. 90–91.) Hinweis: Die Form vadhinyai wird nicht stillschweigend in eine vertrautere Namensform verändert.
- Bham prakalyai namah – bhaṃ prakālyai namaḥ – Bhaṃ. Verehrung Prakali. (Kapitel 13, „Kakini im Svadhishthana“, S. 90–91.) Hinweis: Ungewöhnliche Namensform des Drucks.
- Mam mayayai namah – maṃ māyāyai namaḥ – Maṃ. Verehrung Maya. (Kapitel 13, „Kakini im Svadhishthana“, S. 90–91.)
- Yam yashasvinyai namah – yaṃ yaśasvinyai namaḥ – Yaṃ. Verehrung Yashasvini, der Ruhmreichen. (Kapitel 13, „Kakini im Svadhishthana“, S. 90–91.)
- Ram ramayai namah – raṃ ramāyai namaḥ – Raṃ. Verehrung Rama. (Kapitel 13, „Kakini im Svadhishthana“, S. 90–91.)
- Lam lamboshthyai namah – laṃ lamboṣṭhyai namaḥ – Laṃ. Verehrung Lamboshthi, der mit herabhängender Lippe. (Kapitel 13, „Kakini im Svadhishthana“, S. 90–91.)
Anrufungen am Grundlotus und zwischen den Brauen
Am vierblättrigen Grundlotus stehen drei ausgeschriebene Gruppen; die erste nennt Varada zusammen mit Shri. Die folgende Zweiergruppe gehört zum Bhakini-Abschnitt zwischen den Brauen.
- Vam varadayai sashriyai namah – vaṃ varadāyai saśriyai namaḥ – Vaṃ. Verehrung Varada, der Gabenspendenden, zusammen mit Shri. (Kapitel 13, „Sakini am vierblättrigen Grundlotus“, S. 91.) Hinweis: Saśriyai wird nicht in eine zusätzliche selbständige vierte Mantrazeile aufgeteilt.
- Sham shadayai namah – ṣaṃ ṣaḍāyai namaḥ – Ṣaṃ. Verehrung der als Shada Bezeichneten. (Kapitel 13, „Sakini am vierblättrigen Grundlotus“, S. 91.) Hinweis: Der auffällige Name bleibt nach dem Druck.
- Sam sarasvatyai namah – saṃ sarasvatyai namaḥ – Saṃ. Verehrung Sarasvati. (Kapitel 13, „Sakini am vierblättrigen Grundlotus“, S. 91.)
- Ham ham samprai namah – haṃ haṃ samprai namaḥ – Haṃ haṃ. Verehrung der als Sampra gelesenen Gestalt. (Kapitel 13, „Bhakini zwischen den Brauen“, S. 91.) Hinweis: Samprai ist unsicher; die Anrufung bleibt vorläufig.
- Ksham samavatyai namah – kṣaṃ samāvatyai namaḥ – Kṣaṃ. Verehrung Samavati. (Kapitel 13, „Bhakini zwischen den Brauen“, S. 91.)
Paduka-Mantras der Guru-Reihe
Paduka bezeichnet die verehrte Sandale beziehungsweise Fußspur des Lehrers und steht hier für die Guru-Überlieferung. Die folgenden Formeln nennen die jeweiligen Nathas. Aus den bloßen Namen lässt sich keine Gleichsetzung mit gleichnamigen modernen Lehrern ableiten.
- Em klim kshaum shrim hamsanandanathashripadukam pujayami – eṃ klīṃ kṣauṃ śrīṃ haṃsānandanāthaśrīpādukāṃ pūjayāmi – Eṃ klīṃ kṣauṃ śrīṃ. Ich verehre die ehrwürdige Paduka des Herrn Hamsananda. (Kapitel 13, „Schutzformel und Hamsananda-Paduka“, S. 89.) Hinweis: Kṣauṃ ist nach dem Druck vorläufig bewahrt.
- Nityanandanathashripadukam pujayami – nityānandanāthaśrīpādukāṃ pūjayāmi – Ich verehre die ehrwürdige Paduka des Herrn Nityananda. (Kapitel 13, „Schutzformel und Nityananda-Paduka“, S. 90.) Hinweis: Der vorangehende Anschluss ist gestört und verweist auf die frühere Formel.
- Chhanandanatha shripadukam pujayami – chānandanātha śrīpādukāṃ pūjayāmi – Ich verehre die ehrwürdige Paduka des Herrn Chananda. (Kapitel 13, „Lakini im Manipura“, S. 90.) Hinweis: Der Name folgt auf eine Lücke. Er wird nicht zu einem vermuteten längeren Namen vervollständigt; der Paduka-Ausdruck folgt einer Ergänzung des Drucks.
- Bhoganandanathashripadukam pujayami – bhogānandanāthaśrīpādukāṃ pūjayāmi – Ich verehre die ehrwürdige Paduka des Herrn Bhogananda. (Kapitel 13, „Kakini im Svadhishthana“, S. 90–91.) Hinweis: Pūjayāmi ist vom Druck ergänzt.
- Viranandanathashripadukam pujayami – vīrānandanāthaśrīpādukāṃ pūjayāmi – Ich verehre die ehrwürdige Paduka des Herrn Virananda. (Kapitel 13, „Sakini am vierblättrigen Grundlotus“, S. 91.)
- Mu svanandanathashripadukam pujayami – mu svānandanāthaśrīpādukāṃ pūjayāmi – Der unklare Laut mu geht voraus. Ich verehre die ehrwürdige Paduka des Herrn Svananda. (Kapitel 13, „Bhakini zwischen den Brauen“, S. 91.) Hinweis: Mu bleibt als unsicherer vorausgehender Bestandteil sichtbar; pūjayāmi folgt dem Druckvorschlag.
- Paramashivanathashripadukam pujayami – paramaśivanāthaśrīpādukāṃ pūjayāmi – Ich verehre die ehrwürdige Paduka des Herrn Parama-Shiva. (Kapitel 13, „Yakshini am Brahmarandhra und Abschluss des Körpernyasa“, S. 91.) Hinweis: Pūjayāmi folgt der Ergänzung des Drucks.
Weitere Schutzwörter und unvollständig ausgeschriebene Schutzformeln
Hier stehen ausdrücklich Teilformeln. Sie dürfen nicht zu einer neu zusammengesetzten Gesamtformel aneinandergereiht werden. Wo ityādi oder pūrvavat steht, verweist die Vorlage auf „und so weiter“ beziehungsweise „wie zuvor“. Der nicht erneut ausgeschriebene Wortlaut bleibt unergänzt.
- Raksha raksha – rakṣa rakṣa – Schütze, schütze! (9.15.) Hinweis: Der Vers weist ausdrücklich die zweimalige Aussprache an.
- Varade – varade – Du Gabenspendende! (9.19.) Hinweis: Bestandteil einer längeren Anrufung.
- Parameshvari – parameśvari – Höchste Herrin! (9.19.) Hinweis: Bestandteil einer längeren Anrufung.
- Parapare – parāpare – Du Höchste und Nichthöchste! (9.20.) Hinweis: Die anschließende Gesamtformel ist gestört.
- Shamani – śamanī – Besänftigende. (9.21.) Hinweis: Gedruckte Wortform, kein stillschweigend korrigierter Vokativ.
- Ehi – ehi – Komm! (9.21.) Hinweis: Einzelwort der Anrufung.
- Matpranashakti raksha – matprāṇaśakti rakṣa – Schütze meine Lebenskraft! (9.22.) Hinweis: Die Kasusfügung der Vorlage ist uneben.
- Lam lakinyadi purvavat manmam raksha … – laṃ lākinyādi pūrvavat manmāṃ rakṣa … – Laṃ; die mit Lakini beginnende Formel wie zuvor; schütze mich … (Kapitel 13, „Lakini im Manipura“, S. 90.) Hinweis: Beschädigter und abgekürzter Text. Die gedruckte Lücke bleibt stehen.
- Kakrim ityadi purvavat manmedam raksha raksha – kākrīṃ ityādi pūrvavat manmedaṃ rakṣa rakṣa – Die mit kākrīṃ beginnende Folge und so weiter, wie zuvor: Schütze mein Fettgewebe, schütze! (Kapitel 13, „Kakini im Svadhishthana“, S. 90–91.) Hinweis: Kākrīṃ und manmedam sind uneben. Ityādi und pūrvavat sind Verweise der Anleitung, keine zusätzlich zu rezitierenden Mantrawörter.
- Sam sim ityadi purvavat madasthi raksha raksha – sāṃ sīm ityādi pūrvavat madasthi rakṣa rakṣa – Die mit sāṃ sīm beginnende Folge und so weiter, wie zuvor: Schütze meinen Knochen, schütze! (Kapitel 13, „Sakini am vierblättrigen Grundlotus“, S. 91.) Hinweis: Sīm endet gedruckt auf m; madasthi ist sprachlich uneben. Die Anleitungswörter werden als solche mitgeführt.
- Sham him ityadi purvavat tanme majjam shukram raksha raksha – śaṃ hīm ityādi pūrvavat tanme majjāṃ śukraṃ rakṣa rakṣa – Die mit śaṃ hīm beginnende Folge und so weiter, wie zuvor: Schütze mein Mark und meinen Samen, schütze! (Kapitel 13, „Bhakini zwischen den Brauen“, S. 91.) Hinweis: Hīm endet hier auf m. Der konkrete Körperbezug bleibt erhalten; die Anschlussgrammatik ist uneben.
- Yam yim ityadi purvavat matpranashaktim raksha – yāṃ yīm ityādi pūrvavat matprāṇaśaktiṃ rakṣa – Die mit yāṃ yīm beginnende Folge und so weiter, wie zuvor: Schütze meine Lebenskraft! (Kapitel 13, „Yakshini am Brahmarandhra und Abschluss des Körpernyasa“, S. 91.) Hinweis: Yīm wird nicht in yīṃ geändert; die Anleitungsverweise vervollständigen die fehlende Folge nicht.
- Yami yimi – yāmi yīmi – Anfang einer erneut einzusetzenden Lautreihe. (Kapitel 13, „Yakshini am Brahmarandhra und Abschluss des Körpernyasa“, S. 91.) Hinweis: Die anschließende Anweisung lautet „und so weiter“; kein selbständiges vollständiges Mantra.
- Sarvabhyo yoginibhyash cha namo – sarvābhyo yoginībhyaś ca namo – Verehrung allen Yoginis. (Kapitel 13, „Yakshini am Brahmarandhra und Abschluss des Körpernyasa“, S. 91.) Hinweis: Wortlaut der metasprachlichen Anweisung; ca („und“) und die Sandhiformen werden nicht als sicher abgegrenzte eigenständige Rezitationsformel ausgegeben.
- Lohite yoni samshlishte madaghurnitalochane – lohite yoni saṃśliṣṭe madaghūrṇitalocane – Du Rote, mit der Yoni Vereinigte, deren Augen vom Rausch rollen. (Kapitel 13, „Schutzanrufung mit roter Yoni“, S. 92.) Hinweis: Teil einer längeren Anrufung im historischen Ritualkontext; die Grammatik ist uneben.
- Raksha mam raksha kham vahi raksha binduyutam shivam – rakṣa māṃ rakṣa khaṃ vahi rakṣa binduyutāṃ śivām – Schütze mich, schütze! Khaṃ … schütze die mit dem Punkt versehene glückverheißende Gestalt. (Kapitel 13, „Schutzanrufung mit roter Yoni“, S. 92.) Hinweis: Vahi bleibt unverständlich und steht deshalb im Sanskrit weiterhin ausdrücklich da.
- Ha de – ha de – Zwei ausdrücklich genannte Laute beziehungsweise Lautbestandteile. (Kapitel 13, „Herz- und Kopfmantra in verschlüsselter Form“, S. 92.) Hinweis: Ihre genaue Funktion in der beschädigten Herz- und Schopfmantra-Herleitung bleibt unklar.
- Svaravidyadhipe – svaravidyādhipe – Herrin der Laut-Vidya! (Kapitel 13, „Herz- und Kopfmantra in verschlüsselter Form“, S. 92.) Hinweis: Lesbares Anrufungswort; die vorausgehenden und folgenden Lautchiffren bleiben teilweise ungeklärt.
- Mahamaye – mahāmāye – Du große Maya! (Kapitel 13, „Mahamaya und weitere Lautchiffren“, S. 92.) Hinweis: Lesbares Anrufungswort innerhalb einer beschädigten Lautherleitung.
- Pa re – pa re – Gedruckte Lautfolge vor der Parapara-Anrufung. (Kapitel 13, „Fortsetzung bis Parapara“, S. 92–93.) Hinweis: Die Verbindung mit der vorausgehenden Herleitung ist beschädigt; keine Angleichung an eine vermutete Bija.
- Paraparamaye – parāparamaye – Du aus Höchstem und Nichthöchstem Bestehende. (Kapitel 13, „Fortsetzung bis Parapara“, S. 92–93.) Hinweis: Die Gesamtverbindung mit den folgenden Wörtern ist unsicher.
- Paramarthanaye – paramārthanaye – Im Lehrweg der höchsten Wirklichkeit beziehungsweise: du zum höchsten Sinn Führende. (Kapitel 13, „Fortsetzung bis Parapara“, S. 92–93.) Hinweis: Kasus und Anschluss erlauben keine eindeutige Anredeform.
- Parameshvari – parameśvarī – Höchste Herrin. (Kapitel 13, „Fortsetzung bis Parapara“, S. 92–93.) Hinweis: Hier wird die Form mit langem ī im Ausdruck parameśvarīpadaṃ genannt. Sie wird nicht der früheren Vokativform parameśvari angeglichen.
- Pahi – pāhi – Schütze! (Kapitel 13, „Fortsetzung bis Parapara“, S. 92–93.) Hinweis: Einzelwort einer längeren Anrufung.
- Mam manggalyaprade – māṃ māṅgalyaprade – Mich, du Glückspendende … (Kapitel 13, „Augen- und Waffenmantra: Abschluss der Herleitung“, S. 93.) Hinweis: Teil des Augenmantras; vorausgehendes pāhi steht im vorigen Abschnitt. Die beschädigte Gesamtfolge wird nicht vervollständigt.
- Chandichandayudhe – caṇḍicaṇḍāyudhe – Chandi mit der schrecklichen Waffe. (Kapitel 13, „Augen- und Waffenmantra: Abschluss der Herleitung“, S. 93.) Hinweis: Gedruckter Anrufungsbestandteil; genaue Wortgliederung nicht unabhängig abgesichert.
- Chandeshvari – caṇḍeśvari – Chandeshvari, schreckliche Herrin! (Kapitel 13, „Augen- und Waffenmantra: Abschluss der Herleitung“, S. 93.) Hinweis: Der folgende Anschluss ist entstellt; die Anrufung wird als einzelner Bestandteil bewahrt.
- Mahasamhara – mahāsaṃhāra – Große Auflösung. (Kapitel 13, „Augen- und Waffenmantra: Abschluss der Herleitung“, S. 93.) Hinweis: Ausdrücklich genanntes Wort vor dem Abschluss des Waffenmantras.
- Chandike raksha raksha mam – caṇḍike rakṣa rakṣa mām – Chandike, schütze mich, schütze! (Kapitel 13, „Augen- und Waffenmantra: Abschluss der Herleitung“, S. 93.) Hinweis: Teil des als Waffenmantra bezeichneten Abschlusses.
- Namo bhagavate – namo bhagavate – Verehrung dem Erhabenen. (8.32.) Hinweis: Anfang der längeren, im Folgenden beschädigten Sitzverehrungsformel.
- Anantaya – anantāya – Dem Unendlichen. (8.34.) Hinweis: Ausdrücklich genanntes Wort der Sitzverehrungsformel.
- Kuru kuru – kuru kuru – Bewirke, bewirke! (10.13.) Hinweis: Die Anweisung nennt zweimal kuru; der übrige Mandala-Mantra bleibt an mehreren Stellen offen.
Weitere Lautfolgen und ausdrücklich benannte, aber nicht sicher entschlüsselte Mantras
Die folgenden Einträge schließen die Nachweise für die zugänglichen Textbereiche an. Wo keine sichere Rezitationsgestalt vorliegt, steht eine Beschreibung oder ein belegter Ausschnitt. Decknamen wie Feuer, Raum, Auge oder Bindu werden nicht ohne gesicherte Zuordnung in Sanskritsilben umgerechnet.
- Bham tam tam – bhāṃ tāṃ taṃ – Drei gedruckte Lautgruppen in einer Anweisung mit Om und Bindu. (2.45.) Hinweis: Die genaue Beziehung der Gruppen zueinander bleibt offen.
- Ham sa nam dam – haṃ sā naṃ dāṃ – Gedruckte Lautfolge vor einer Dakini-Beschreibung. (12.33.) Hinweis: Der anschließende Ausdruck kagā ist unklar. Keine Harmonisierung zu einem vermuteten Guru-Namen.
- Ma° sha° – ma° śa° – Zwei abgekürzte Lautangaben bei der Verbindung mit sechs Vokalen. (12.31.) Hinweis: Die Kürzungskreise sind keine Visargas; der fehlende Wortlaut wird nicht aufgelöst.
- Ham sena – haṃ sena – Form im Zusammenhang mit innerem und äußerem Hamsa und dem Atem. (18.42.) Hinweis: Die Edition trennt haṃ sena; eine Deutung als haṃsena liegt nahe. Ein So-Ham-Mantra wird hier nicht ergänzt.
- Yam – yaṃ – Ausdrücklich genannte Bija im Inneren eines rauchfarbenen Gebildes an der rechten Schläfe. (15.54.) Hinweis: Belegt auch durch die Matsyendra-Lesarten bei Mallinson; keine allgemeine moderne Chakra-Zuordnung.
- Sarvam ha va – sarvaṃ ha vā – Gedruckter Wortbestandteil der Asche-Mantras. (2.36.) Hinweis: Im Druck fraglich markiert. Drei Mantras werden genannt, obwohl zuvor vier Elementwörter stehen.
- Akashatmane nama – ākāśātmane nama – Verehrung dem, dessen Wesen der Raum ist. (2.39.) Hinweis: Metasprachlicher Ausschnitt vor iti; keine Ergänzung der beschädigten vorausgehenden Ishana-Formel.
- Purushayanilatmane – puruṣāyānilātmane – Dem Purusha, dessen Wesen der Wind ist. (2.39.) Hinweis: Im folgenden Vers schließt eine Anweisung mit namaḥ an; der vorausgehende Laut maṃ ist unsicher.
- Kalatmane – kalātmane – Dem, dessen Wesen die Kala ist. (2.28.) Hinweis: Bestandteil des Kala-Nyasa; mehrere vorausgehende Bijas sind nur verschlüsselt beschrieben.
- Vidyakalatmane – vidyākalātmane – Dem, dessen Wesen die Vidya-Kala ist. (2.29.) Hinweis: Teil der Anordnung am Herzen; kein ungedruckter Bija-Laut wird eingesetzt.
- Sarvabhutebhya – sarvabhūtebhya – Allen Wesen. (6.22.) Hinweis: Der Druck schreibt den Visarga nicht aus; anschließend wird haṃ vorgeschrieben. Der weitere Abschluss in 6.23 ist beschädigt.
- Svarham toyam – svārhaṃ toyaṃ – Gedruckter, unklarer Anfang des folgenden Verses zur Opfergabe. (6.23.) Hinweis: Keine Korrektur zu svāhā und keine Verbindung zu einer erfundenen Opferformel.
- Hasahem – hasahem – Unsichere Lautfolge im Mandala-Mantra. (10.17.) Hinweis: Vorläufige Drucklesung; kein gesichertes Rezitationswort.
- U ri ta tra – ū ṝ ta trā – Lautangabe in der Erläuterung zum fünffachen Tara. (9.13.) Hinweis: Klammerzusatz der Druckausgabe, nicht als unabhängig überlieferte Mantrafassung ausgewiesen.
- Am kha pha ra – aṃ kha pha ra – Lautreihe zur Erläuterung einer Sonnenlaut-Chiffre. (Kapitel 13, „Mahamaya und weitere Lautchiffren“, S. 92.) Hinweis: Klammerzusatz der Druckausgabe; keine selbständige Mantraformel.
- Im aum – īṃ auṃ – Lauterläuterung beim Augenmantra. (Kapitel 13, „Augen- und Waffenmantra: Abschluss der Herleitung“, S. 93.) Hinweis: Klammerzusatz der Druckausgabe; nicht allein das ganze Augenmantra.
- Element-Bijas und Wurzelmantra – Der Text nennt Element-Bijas mit Bindu und einen Wurzelmantra, schreibt hier aber ihre Einzelgestalt nicht aus. (2.16.)
- Fünf, vier, drei, zwei und ein Pranava – Die Verse 2.25–32 nennen abgestufte Pranava-Gruppen. Pañcatāra und pañcapraṇava erscheinen im selben Ritualbereich. Daraus wird keine zusätzliche vermeintlich durchgehend ausgeschriebene Fünferformel hergestellt. (2.25.)
- Fünfsilbiger Mantra – Der Ausdruck pañcākṣara ist belegt. Der Vers selbst schreibt die fünf Silben nicht aus; eine bekannte Shiva-Formel wird hier deshalb nicht als wörtliches Zitat eingesetzt. (2.42.)
- Vaidyanatha-Mantra – In 4.29–33 verschlüsselt hergeleitet; ausdrücklich genannt ist unter anderem vaidya. Lücken und unklare Decknamen verhindern eine sichere Gesamtform. (4.29.)
- Dhanvantari-Mantra – In 4.34–38 genannt und durch Bija-Chiffren beschrieben. Die Quelle bietet hier keine sicher aufgelöste Formel. (4.34.)
- Mrityunjaya-Mantra – Der Mantra zum Todüberwinder wird durch Bhṛgu, Bindu und weitere Decknamen beschrieben. Die beschädigte Herleitung trägt weder eine sichere Bija-Reihe noch ein hier ausgeschriebenes Tryambaka-Mantra. (7.66.)
- Mantraraja, König der Mantras – Die Herleitung in 9.10–22 arbeitet mit den Lautgruppen der Yoginis, Decknamen und einzelnen Anrufungswörtern. Der Gesamtwortlaut bleibt unsicher. (9.1.)
- Mandala-Mantra – Die Verse 10.12–17 nennen unter anderem rodhana, Mond, Sonne, agnigarbha, kuru, khecarī, mudrām, khaṃ und eine fünf-Pranava-Umschließung; mehrere Zwischenteile sind beschädigt. (10.11.)
- Mantras der drei Tattvas – Der Text nennt diese Dreiergruppe, schreibt sie in diesem Vers aber nicht aus. Weitere Verweise stehen in 11.40 und 11.42. (11.10.)
- Sieben Yogini-Kutas – In 12.25–32 folgen Chiffren für Mantrablöcke. Ihre Zahlen und Lautbezeichnungen sind teilweise widersprüchlich; daraus entsteht keine gesicherte ausgeschriebene Reihe. (12.25.)
- Mahasaptatikuta – Ein großer siebzigteiliger Mantrablock wird genannt. Die siebzig Bestandteile sind hier nicht einzeln überliefert. (12.51.)
- Mahasamarshi-Mantra – So lautet die vorläufige Drucklesung des Mantranamens. Eine vertrautere Bezeichnung wird nicht eingesetzt. (13.2.)
- Weitere sechs Gliedermantras – Die Abschnitte auf Sanskritseiten 92–93 beschreiben Herz, Schopf, Schutz und Auge sowie das Waffenmantra. Die erhaltenen Anrufungswörter stehen oben; die Bija-Herleitungen bleiben weitgehend gestört. (Kapitel 13, „Herz- und Kopfmantra in verschlüsselter Form“, S. 92.)
- Khechari-Bija und Khechari-Vidya – Die Verse 14.31–38 verwenden Decknamen und rückwärts gezählte Laute. Auch der Vergleich mit den Matsyendra-Lesarten bei Mallinson erlaubt hier keine durchgehend sichere Entschlüsselung. (14.32.)
- Vagishvari-Bija – Der Text bezeichnet eine Lautentfaltung beziehungsweise einen inneren Kraftvorgang als geheimes Vagishvari-Bija. Eine bestimmte Silbe ist in diesem Vers nicht ausgeschrieben. (18.12.)
- Angeborenes Bija – Sahajaṃ bījam wird ausdrücklich genannt, die konkrete Lautgestalt bleibt an dieser Stelle ungenannt. (18.52.)
- Roter neunter Laut – Ein roter neunter Laut mit Bindu wird genannt. Die Bezugsreihe ist nicht hinreichend bestimmt, um eine sichere einzelne Silbe einzusetzen. (19.13.)
- Shabdatattva – Der Yogi soll das Lautprinzip rezitieren; der Vers bietet keine ausgeschriebene zusätzliche Formel. (20.26.)
- Mantra der Maya-Vereinigung – Die kritische Edition kennzeichnet schon die Bija-Herleitung als verderbt. Lesbar sind die Wortanweisungen cale, cala, citre und reto sowie zweimal muñca; danach sollen die vorherigen Bijas rückwärts folgen. Diese Rückwärtsfolge bleibt mangels gesicherter Ausgangsfolge offen. (40.62.)
- Chale chala chitre reto munycha munycha – cale cala citre reto muñca muñca – Als Wörter etwa: „Du Bewegliche, bewege dich, du Bunte; entlasse Samen, entlasse!“ (40.63.) Hinweis: Aus den ausdrücklichen Wortanweisungen in 40.63–64 zusammengestellte Teilfolge. Die Anredeformen sind deutungsbedürftig. Die vorausgehenden und abschließenden Bijas sind nicht sicher rekonstruierbar; die Stelle gehört zum historischen sexuellen Ritual mit Maya.
Meditative Selbstaussagen
Diese Aussagen werden als innere Vergegenwärtigung gelehrt. Sie können beim Studium meditativ gelesen werden; sie sind im Text an diesen Stellen nicht als eigenständige Bija-Mantras bezeichnet.
- Nityo ’ham nirvikalpo ’ham niradharo ’ham avyayah / sachchidanandarupo ’ham brahmaivaham na samshayah – nityo ’haṃ nirvikalpo ’haṃ nirādhāro ’ham avyayaḥ | saccidānandarūpo ’haṃ brahmaivāhaṃ na saṃśayaḥ – Ich bin ewig, frei von gedanklicher Unterscheidung, ohne Stütze und unvergänglich. Mein Wesen ist Sein, Bewusstsein und Wonne. Ich bin wahrhaft Brahman, daran besteht kein Zweifel. (7.58.)
- Brahmaivaham na samsari mukto ’ham – brahmaivāhaṃ na saṃsārī mukto ’ham – Ich bin wahrhaft Brahman, kein im Daseinskreislauf Gebundener; ich bin befreit. (7.59.) Hinweis: Der folgende Ausdruck iti bhāvayet bedeutet: „So soll man vergegenwärtigen.“
Lobpreisverse für das Schriftstudium
Zum Rezitationsbestand gehören außerdem die einleitenden Verehrungsverse, der Lobpreis in 1.61–84 und die Anrufungen in 11.11–26. Es handelt sich um Stotra- und Betrachtungsverse, nicht um ebenso viele eigenständige Bija-Mantras. Bei fortlaufenden Sätzen trägt der vorhergehende Verehrungsruf die anschließenden Verse mit. Auch beschädigte Passagen sind hier mit ihren erhaltenen Worten und konkreten Anmerkungen verzeichnet.
- Lobpreis 1.1 – oṃ vande śambhujagannāthaṃ sarvavijñānadhīmayam |
sarvāgamamahāratnadhāmaṃ sāgaram īśvaram || – Om. Ich verehre Shambhu, den Herrn der Welt, dessen Wesen die Einsicht in alles Wissen ist: Ishvara, den Ozean und die Heimstatt der großen Juwelen aller Agamas. (1.1.) Hinweis: Śambhu folgt dem gedruckten Verbesserungsvorschlag zu saṃbhu; bei dhāmam ergänzt die Ausgabe den Schlusskonsonanten. Der Ozean ist hier ein Bild für den Reichtum der Lehre.
- Lobpreis 1.2 – aprameyaguṇādhāraṃ sarvaiśvaryaphalapradam |
vande ’haṃ śāṃbhavīsūnuṃ heraṃbhaṃ viśvavanditam || – Ich verehre Herambha, den Sohn der Shambhavi, den die ganze Welt verehrt: die Grundlage unermesslicher Vorzüge, der alle Früchte göttlicher Macht gewährt. (1.2.) Hinweis: Herambha ist hier ein Name Ganeshas. Der Avagraha in vande ’ham ist im Druck ergänzt.
- Lobpreis 1.3 – sarvaśāstrakalādhāraṃ sarvajñatvapradāyinīm |
vāgīśvarīm ahaṃ vande vāgaiśvaryaprasiddhaye || – Ich verehre Vagishvari, die Trägerin aller Wissenschaften und Künste, die Allwissenheit gewährt, damit Meisterschaft der Rede erlangt werde. (1.3.) Hinweis: Pradāyinīm, vande und vāgaiśvarya folgen den gedruckten Verbesserungen. Die maskuline Form ādhāram bleibt im Sanskrit unverändert.
- Lobpreis 1.4 – aśeṣaduritavrātanīhārakulabhāvanaḥ |
śivādiguravo mahyaṃ prasīdantu kṛpālavaḥ || – Mögen die barmherzigen Gurus, beginnend mit Shiva, mir gnädig sein. Ihre erste Bezeichnung verbindet die Gesamtheit der Verfehlungen mit Nebel; die abschließende Bestimmung kulabhāvanaḥ ist nicht sicher aufzulösen. (1.4.) Hinweis: Prasīdantu folgt der gedruckten Berichtigung. Das Kompositum nīhārakulabhāvanaḥ ist grammatisch und bildlich nicht eindeutig. Die frühere Umschreibung als „Reinigung“ war eine Deutung aus dem Lobpreiskontext; sie ist durch die erhaltene Wortgestalt nicht hinreichend gesichert. Weder Sonne noch Wind oder eine bestimmte Art der Auflösung des Nebels werden ergänzt.
- Lobpreis 1.5 – śivaśaivāgamāṃbhodhau samyak krīḍāvinodinam |
matsyendranāthaṃ naumi sarvajñaṃ yogināṃ varam || – Ich verneige mich vor Matsyendranatha, dem Allwissenden, dem Besten der Yogis, der sich im Ozean der Shiva- und Shaiva-Agamas im Spiel erfreut. (1.5.) Hinweis: Der erste Versfuß folgt der von Kiss 2011, Anm. 6, S. 189–190, ausdrücklich für alle fünf Handschriften angegebenen Lesung śivaśaivāgamāṃbhodhau. Sensharma druckt śivaśaivāgamāṃbhoyau und schlägt śivaśaivāgamābhyāṃ yo vor. Matsyendranāthaṃ naumi und varam folgen weiterhin den Berichtigungen des Drucks; k ist bei samyak ergänzt. Die Lesung aus Kiss wurde an der digitalen Textwiedergabe, nicht selbst an den Handschriften geprüft.
- Lobpreis 1.6 – yena śambhumukhodgītaṃ śāstrasāraṃ sudurlabham |
samyag āśrāvitaṃ vande matsyendranātham akalmaṣam || – Ich verehre den makellosen Matsyendranatha, durch den der schwer zugängliche Kern der Lehre, aus Shambhus Mund verkündet, auf rechte Weise zu Gehör gebracht wurde. (1.6.) Hinweis: Samyag āśrāvitam folgt dem fraglichen Druckvorschlag samyagā zu samyag; der Matsyendra-Name und akalmaṣam enthalten ebenfalls gedruckte Berichtigungen.
- Lobpreis 1.61 – oṃ namas te śambhave devāya śivāya parameṣṭhine |
divyayogamahāśāstraśāradāyākhilātmane || – Om. Verehrung dir, Shambhu, dem Gott, Shiva, dem höchsten Herrn! Verehrung dem in der großen Lehre des göttlichen Yoga Erfahrenen, dessen Wesen alles ist. (1.61.) Hinweis: Devāya, śivāya und śāstra folgen den gedruckten Berichtigungen. Die Form śārada wird hier im Sinn von kundig beziehungsweise erfahren verstanden; ihre genaue Gestalt bleibt sprachlich auffällig.
- Lobpreis 1.62 – namas te bhogine yogadāyine śubhayogine |
mahāsatrāya sanmārgapāline mṛtyumūrtaye || – Verehrung dir, dem Genießenden, der Yoga gewährt, dem heilsamen Yogi; dir, der das große Opfer ist, den rechten Weg bewahrt und die Gestalt des Todes trägt. (1.62.) Hinweis: Bhogine und mahāsatrāya folgen den gedruckten Verbesserungen. Die ungewöhnliche Opferbezeichnung wird wörtlich erhalten; mṛtyumūrti wird nicht in einen unbelegt „den Tod überwindenden“ Ausdruck geändert.
- Lobpreis 1.63 – ḍākinyādimahāsaptayoginīvṛndamaṇḍalaiḥ |
saptādhārapade samyak pūjitāyā rūpiṇe || – Verehrung dir, der an den sieben Stützpunkten von den Kreisen der sieben großen Yoginis, beginnend mit Dakini, in rechter Weise verehrt wird und Gestalt annimmt. (1.63.) Hinweis: Pūjitāyā rūpiṇe ist grammatisch uneben. Die Zahl sieben ist ausdrücklich belegt; sie wird nicht an eine andere Chakra-Zählung angepasst.
- Lobpreis 1.64 – yoginīnāṃ catuḥṣaṣṭiḥ ṣaṇṇāṃ madhyanivāsine |
paramāmṛtasaṃtṛptasadbhāvānandamūrtaye || – Verehrung dir, der inmitten der Yoginis wohnt, deren Zahl als vierundsechzig genannt wird; dir, dessen Gestalt die Freude des wahren Seins ist, gesättigt vom höchsten Nektar. Zugleich enthält die Zeile eine nicht sicher zuzuordnende Sechserzahl. (1.64.) Hinweis: Ṣaṇṇām folgt dem fraglichen Druckvorschlag zu ṣaṇā. Vierundsechzig und sechs werden nicht zu einer einzigen ungeprüften Yogini-Systematik verbunden.
- Lobpreis 1.65 – jīvanmuktapadaprāptikāraṇāmṛtadāyine |
bhaktānām akhilajñānapradānāsaktacetase || – Verehrung dir, der den Nektar gewährt, durch den die Stufe der Befreiung zu Lebzeiten erreicht wird; dir, dessen Sinn darauf gerichtet ist, den Verehrenden umfassendes Wissen zu schenken. (1.65.)
- Lobpreis 1.66 – svaprasādasamuktaṃ bhaktapātakarāśaye |
†svaprajāpyān† japyādi vighnakoṭivibhedine || – Verehrung dir, dessen eigene Gnade mit der Aufhebung der angesammelten Verfehlungen seiner Verehrer verbunden wird und der Millionen Hindernisse der Rezitation und anderer Übungen durchbricht. Ein Teil der ersten Bestimmung und eine weitere Wortform sind nicht sicher verständlich. (1.66.) Hinweis: Der Alternativscan zeigt svaprasādasamu-ktaṃ mit einem Trennstrich, keine durch Punkte bezeichnete Lücke. Die Wortform samuktam bleibt unklar, ebenso das im Druck fraglich markierte svaprajāpyān. Ghna bei vighna ist im Druck ergänzt.
- Lobpreis 1.67 – śrīśāṃbhavamahāśāstrapradhānasuradhenave |
kalpadrumāya bhaktānāṃ kāmitārthapradāyine || – Verehrung dir, der die vorzügliche göttliche Wunschkuh der großen ehrwürdigen Shambhu-Lehre ist; dir, dem Wunschbaum, der den Verehrenden ihre ersehnten Ziele gewährt. (1.67.) Hinweis: Wunschkuh und Wunschbaum sind die ausdrücklich verwendeten Bilder des Lobpreises.
- Lobpreis 1.68 – svaśaktimahima … ta paśupāśāya māyine |
ramaṇīyaguṇādhāramūrtaye liṅgamūrtaye || – Verehrung dir, dem Träger der Maya, dessen eigene Shakti in Beziehung zu den Fesseln der gebundenen Wesen gesetzt wird; dir, dessen Gestalt die Grundlage lieblicher Vorzüge ist, der die Gestalt des Linga trägt. Die genaue Wirkung der Shakti fehlt in der ersten Zeile. (1.68.) Hinweis: Die Auslassung nach mahima ist bereits im Druck markiert. Ohne das fehlende Wort ist nicht gesichert, ob die Fesseln hier geschaffen, getragen oder gelöst werden.
- Lobpreis 1.69 – bhairavāṣṭakarūpāya bhaktānāṃ bhayahāriṇe |
argalāhi mahāmantrarūpiṇe mantrabhedini || – Verehrung dir, der die Gestalt der acht Bhairavas hat und den Verehrenden die Furcht nimmt; dir, der die Gestalt eines großen Mantras trägt und dessen Unterschiede oder Geheimnisse erschließt. (1.69.) Hinweis: Argalāhi folgt dem gedruckten Vorschlag zu aralāhi, bleibt aber als genauere Mantrabezeichnung unklar. Mantrabhedini wird vorsichtig im Sinn des Unterscheidens oder Erschließens übersetzt.
- Lobpreis 1.70 – bālārkabimbamadhyottha sudhāvi … nasvaiḥ |
santārpitamahāmūrtibhedakoṭiśatātmane || – Verehrung dir, dessen Wesen hundert Koti verschiedener großer Gestalten umfasst, die mit dem aus der Mitte der jungen Sonnenscheibe hervorgehenden Nektar gesättigt werden. Die genauere Beschreibung der Nektarströme ist lückenhaft. (1.70.) Hinweis: Bālārkabimba folgt der gedruckten Berichtigung; die Lücke nach sudhāvi steht im Druck, der Rest ist dort fraglich. Die Koti-Zahl gehört zum Lobpreis und ist keine Kapitel- oder Verszählung.
- Lobpreis 1.71 – bhvādikūṭanyastajarākālamṛtyubhayātmane |
sādrikūṭamahādivyaniṣkalārūparūpiṇe || – Verehrung dir, dessen Wesen mit Alter, Zeit und Todesfurcht in einer hier entstellten Wortverbindung genannt wird; dir, der eine große göttliche, ungeteilte Gestalt trägt, verbunden mit einer Berggipfel- oder Kuta-Bezeichnung. (1.71.) Hinweis: Der klarere Scan bestätigt bhvādikūṭa- und mṛtyu-. Ny, sādrikūṭa und divya folgen gedruckten Verbesserungen. Die genaue Beziehung der Kuta-Bezeichnungen zu Alter, Zeit und Todesfurcht bleibt unklar; ihre Wirkung wird nicht aus verwandten Mantralehren ergänzt.
- Lobpreis 1.72 – krādikūṭamahābījatrayasaṃsthitaśodhine |
labdhasāmrājyavibhavaśrīvidyāyogacāriṇe || – Verehrung dir, der durch die drei großen, in der mit kra beginnenden Kuta-Gruppe stehenden Bijas reinigt; dir, der im Yoga der Shri Vidya wandelt und die Herrlichkeit souveräner Herrschaft erlangt hat. (1.72.) Hinweis: Śodhine und labdhasāmrājya folgen den gedruckten Berichtigungen. Krādi ist die gedruckte Lautbezeichnung; sie wird nicht stillschweigend in kādi geändert. Śrīvidyā ist hier ausdrücklich genannt, doch die genaue Mantraform wird nicht ergänzt.
- Lobpreis 1.73 – bhautikādimahāmūlavidyātrayasamarthine |
sadyaḥ saṃlabdhasadbhāvaparamānandaśāline || – Verehrung dir, der die drei großen Wurzel-Vidyas, beginnend mit der Bhautika-Bezeichnung, wirksam macht; dir, der vom höchsten Glück des unmittelbar erlangten wahren Seins erfüllt ist. (1.73.) Hinweis: Samarthine und saṃlabdha folgen den Druckverbesserungen. Bhautika wird als technische Bezeichnung erhalten; die drei Vidyas sind hier nicht mit vollständigen Lautfolgen ausgeschrieben.
- Lobpreis 1.74 – mahāśrīśāmbhavīdīkṣālabdhabrahmādisampade |
valipalitanāśaikamūrtaye ’mṛtadāyine || – Verehrung dir, dem durch die große ehrwürdige Shambhavi-Einweihung die Fülle Brahmas und der weiteren göttlichen Mächte zuteilwird; dir, dessen Gestalt allein Falten und graues Haar vernichtet und Unsterblichkeitsnektar gewährt. (1.74.) Hinweis: Valipalita und a vor mṛta folgen den Druckverbesserungen. Die jugendliche Erneuerung ist ein Versprechen des Lobpreises.
- Lobpreis 1.75 – gupta … varṇavidyālabdhasiddhiparāmṛtaiḥ |
hālāhalollolakalanaśamakāriṇe || – Verehrung dir, der durch die höchsten Nektare der Siddhi, erlangt aus einer verborgenen Laut-Vidya, das Aufwallen des Halahala-Giftes befriedet. (1.75.) Hinweis: Die nähere Laut- beziehungsweise Zahlenbezeichnung vor varṇavidyā ist im Scan verblasst; eine sichere Silbenzahl wird nicht behauptet. Hālāhalollola folgt der deutlich gedruckten Berichtigung.
- Lobpreis 1.76 – divyāmṛta … candrapūjitavigrahe |
jarāmaraṇārtidāriṇe pāpahāriṇe || – Verehrung dir, dessen Gestalt mit göttlichem Nektar, Mond und Verehrung beschrieben wird; dir, der die Qual von Alter und Tod zerreißt und Verfehlung hinwegnimmt. (1.76.) Hinweis: Jarāmaraṇārtidāriṇe ist im klareren Scan lesbar. Mehrere Buchstabengruppen der ersten Zeile bleiben auch dort verblasst; deren genauer Zusammenhang bleibt unübersetzt.
- Lobpreis 1.77 – śrīśāmbhavāmṛtāsvāda … yogakalevare |
vilīnapātakavrātahāriṇe paramāṇave || – Verehrung dir, dem höchsten winzigen Wesen, dessen Yogakörper mit dem Genuss des ehrwürdigen Shambhu-Nektars verbunden ist; dir, der die Masse der sich auflösenden Verfehlungen hinwegnimmt. (1.77.) Hinweis: Die Verbindung vor yogakalevare ist im Scan verblasst. Paramāṇu kann das kleinste Teilchen oder eine äußerste Feinheit bezeichnen; „höchstes winziges Wesen“ bewahrt hier den Zusammenhang des Lobpreises, ohne eine moderne Atomtheorie zu unterstellen.
- Lobpreis 1.78 – mahādhāmāgra … †tyadhra madhyavāsipaṭāṅghiṇe† |
mahārasāyanāsvādāmṛtapūtamahātmanī || – Verehrung dir, dessen erste Bestimmung einen großen Licht- oder Aufenthaltsraum nennt, aber nicht zuverlässig lesbar ist; dir, dessen großes Wesen durch den Nektar des Genusses des großen Rasayana gereinigt ist. (1.78.) Hinweis: Die erste Zeile enthält eine gedruckte Lücke und weitere unsichere Lesungen. Auch die Endung mahātmanī bleibt auffällig. Eine konkrete Topografie oder Gottheitsgestalt wird nicht ergänzt.
- Lobpreis 1.79 – mahāvyādhimahāmṛtyumahāpalitadāriṇe |
sarvāvayavasaundaryaguṇaśṛṅgāraveṣiṇe || – Verehrung dir, der schwere Krankheit, großen Tod und starkes Ergrauen durchbricht; dir, dessen Erscheinung mit der Schönheit und den Vorzügen aller Körperglieder geschmückt ist. (1.79.) Hinweis: Śṛṅgāra folgt dem gedruckten Ersatz für saṃhārṇa. Palita bezeichnet graues Haar; die ungewöhnliche Steigerung bleibt im Deutschen erkennbar.
- Lobpreis 1.80 – namas te paramānandarūparūpāya śambhave |
mahābhūtapiśācādibhayaharte mahātmane || – Verehrung dir, Shambhu, dessen Gestalt die Gestalt höchsten Glücks ist; dir, der die Furcht vor mächtigen Geisterwesen, Pishachas und anderen Wesen nimmt, der großen Seele. (1.80.) Hinweis: Harte folgt der gedruckten Korrektur zu hantrai. Die religiöse Wesenwelt wird als Bestandteil des Lobpreises wiedergegeben.
- Lobpreis 1.81 – mahotpātamahāghoraduḥkhaghnabhayanāśine |
namas te kṣetrapālāya lokarakṣāvidhāyine || – Verehrung dir, der große Unheilszeichen, schreckliches Leiden und Furcht vernichtet; dir, dem Hüter des heiligen Ortes, der den Schutz der Welt bewirkt. (1.81.) Hinweis: Das lange Kompositum verbindet mehrere Bedrohungen; seine Binnenbezüge sind sprachlich uneben, die Schutzfunktion ist klar erkennbar.
- Lobpreis 1.82 – guptācāraguhāṃ prāṇagrasanāsaktacetase |
śrīmatsamayasanmārgapālakānāṃ mahātmanām || – Verehrung dir, dessen Sinn auf das Verschlingen von Leben gerichtet ist; der genaue Zielbegriff im Zusammenhang mit der verborgenen Praxis bleibt unklar. Der anschließende Satz nennt die großen Seelen, welche die ehrwürdigen Verpflichtungen und den rechten Weg bewahren. (1.82.) Hinweis: Guptācāraguhām ist sprachlich unklar. Eine Lesung mit druh, „verletzen“, wäre denkbar, wurde aber nicht an einem zweiten Zeugen geprüft. Daher wird kein bestimmter Personenkreis als Ziel des Verschlingens ergänzt. Der Genitiv der zweiten Zeile setzt sich in Vers 83 fort.
- Lobpreis 1.83 – mahāsāmrājyasaubhāgyayogavṛddhipradāyine |
śaktyāliṅgitadevāya śambhave sakalātmane || – Verehrung dir, der große Herrschaft, glückliche Fülle und das Wachsen des Yoga schenkt; dir, dem von Shakti umarmten Gott, Shambhu, dessen Wesen alles umfasst. (1.83.) Hinweis: Der Genitiv der großen Seelen aus Vers 82 kann als Empfänger dieser Gaben angeschlossen werden. Die Umarmung durch Shakti ist ausdrücklich im Wortlaut genannt.
- Lobpreis 1.84 – namaḥ śivābhyām iṣṭā phaladābhyāṃ yatātmane |
śrīmanmaheśvarajñānapālakābhyāṃ namo namaḥ || – Verehrung dem göttlichen Shiva-Paar, das die ersehnten Früchte gewährt; Verehrung der gesammelten Gestalt! Wieder und wieder Verehrung dem Paar, das das ehrwürdige Wissen Maheshvaras bewahrt. (1.84.) Hinweis: Die Doppelanrede śivābhyām steht neben dem Singular yatātmane. Der Druck bietet zu iṣṭā einen unvollständigen Verbesserungsvorschlag. Die Wortfolge wird nicht zu einem grammatisch glatten neuen Sanskritvers umgestaltet.
- Lobpreis 11.11 – stutibhiś ca namaskṛtya pūjayet kramayogataḥ |
oṃ namo ’nantarūpāya śambhave paramāṇuve || – Mit Lobpreis und Verneigung verehrt man der Reihe nach: „Om. Verehrung Shambhu, dessen Gestalt unendlich ist, dem feinsten Urteilchen.“ (11.11.) Hinweis: Der Avagraha ist im Druck ergänzt. Paramāṇu kann hier den höchsten subtilen Punkt bezeichnen; die Übersetzung setzt keine moderne Atomlehre voraus. Der Lobpreis geht in 12–18 weiter.
- Lobpreis 11.12 – sarvamantramahāyogaphaladānaikahetave |
namo ’nalātmane ’nantaśaktaye paramātmane || – „Verehrung dem einzigen Grund, der die Früchte aller Mantras und des großen Yoga gewährt; dem, dessen Wesen Feuer ist, dessen Shakti unendlich ist, dem höchsten Selbst.“ (11.12.) Hinweis: Die Avagrahas folgen den Ergänzungen des Drucks.
- Lobpreis 11.13 – divyajñānasudhā†tṛsirūpiṇe† viśvarūpiṇe |
vedapañcakaṣaḍvedapañcavedakramāsane || – „Verehrung dem, dessen Gestalt die Sättigung durch den Nektar göttlichen Wissens ist und der alle Gestalten umfasst; dem, dessen Sitz mit einer unklaren Folge von fünf, sechs und wiederum fünf Vedas beschrieben wird.“ (11.13.) Hinweis: Die zweite Zeile ist im Druck fraglich. Die Zahlenfolge wird erhalten, ohne daraus ein nicht belegtes System von Wissenswegen zu konstruieren. Der zweite Scan zeigt in der ersten Zeile tṛsi, nicht das zuvor eingesetzte tṛpti. „Sättigung“ setzt eine Deutung auf tṛpti voraus; diese ist als Deutung der verderbten Druckform, nicht als bestätigte Lesart, beibehalten.
- Lobpreis 11.14 – tacchaktigaṇasaṃśleṣatṛptitṛptāya śambhave |
bhādikūṭasamutpanna jyotirliṅgasvarūpiṇe || – „Verehrung Shambhu, der durch die Erfüllung in der Vereinigung mit den Scharen seiner Shaktis erfüllt ist; dem, dessen Wesen das Licht-Linga ist, das aus dem mit bha beginnenden Mantrablock entsteht.“ (11.14.) Hinweis: Tṛpti folgt dem Druckvorschlag zu kṛtti. Bhādi wird nicht zu hādi oder einer vertrauten Shri-Vidya-Formel verbessert.
- Lobpreis 11.15 – sādikūṭārṇasambhūtaśaktyāliṅgitamūrtaye |
ābrahmastambaparyantamūtāmūrtasvarūpiṇe || – „Verehrung dem, dessen Gestalt von der Shakti umarmt wird, die aus den Lauten des mit sa beginnenden Mantrablocks entsteht; dem, der alles Gestalthafte und Gestaltlose von Brahma bis zum Grasbüschel umfasst.“ (11.15.) Hinweis: Mūtāmūrta ist die gedruckte, beschädigte Form; die erkennbare Paarung wird als mūrta–amūrta verstanden, ohne den IAST-Wortlaut stillschweigend zu verbessern.
- Lobpreis 11.16 – svaprasādāmṛtollāsasarvavṛttivikāśine |
taruṇāmṛtakalloladhārādṛkpāta bhiṣaje || – „Verehrung dem, der durch das Aufleuchten des Nektars seiner Gnade alle Regungen entfaltet; dem heilenden Herrn, dessen Blick wie ein Strom frischer Nektarwogen herabfällt.“ (11.16.) Hinweis: Bhiṣaje folgt dem fragenden Druckvorschlag zu bheṣajaḥ. Die syntaktische Verbindung des langen Blick-Kompositums bleibt uneben.
- Lobpreis 11.17 – svabhaktiratito vyādhijarāmṛtyuvināśine |
namo yogāmṛtadhvasta sasa yoni kalevare || – „Verehrung dem, der aus Freude an seinen Verehrern Krankheit, Alter und Tod vernichtet.“ Die zweite Zeile verbindet den Nektar des Yoga mit einer Auflösung sowie mit Geburtsschoß und Körper; ihr Zusammenhang ist entstellt. (11.17.) Hinweis: Ratito folgt dem Druckvorschlag. Sasa ist fraglich gedruckt und wird nicht ohne Zeugen zu einem bekannten Kompositum ergänzt.
- Lobpreis 11.18 – paramānandarūpendra dayakṣyādavāmṛtāmbhase |
rucibhāvaghanasāraugha sāntaduṣkarakarmaṇe |
yogino yogasāmrājya dakṣiṇe śambhave namaḥ || – „Verehrung Shambhu, der höchste Wonne verkörpert und dem Yogi die Herrschaft des Yoga gewährt.“ Dazwischen nennt der Lobpreis Nektarwasser, innere Haltung und schwer auszuführende Handlungen in stark entstellten Verbindungen. (11.18.) Hinweis: Die erste Zeile ist fraglich gedruckt; auch die Anschlüsse der zweiten sind nicht verlässlich. Alle drei Langzeilen stehen hier unter Nummer 18; der erhaltene Lobpreis ersetzt nicht die ausdrücklich offenen Bestandteile.
- Lobpreis 11.19 – sarvajñāsiddhisāmrājyayogavidyāsvarūpiṇīm |
jīvanmuktipradāṃ vande bhairavīṃ viśvanāyakām || – Ich verehre Bhairavi, die Herrin des Alls: Sie verkörpert die Yogavidya, die mit Allwissenheit, Siddhi und umfassender Herrschaft verbunden ist, und schenkt Befreiung zu Lebzeiten. (11.19.) Hinweis: Der Alternativscan zeigt sarvajñā-, mit kurzem a nach v. Die frühere Abtrennung sarva-ājñā und die daraus abgeleitete „Befehlsgewalt“ waren nicht begründet. Die ungewöhnliche Kompositionsform und die genaue Gliederung des langen Wortes bleiben mehrdeutig.
- Lobpreis 11.20 – madhye vāgbhavamadhyasthā ṣaṭkaracitā viśvānanā viśvagā |
pañcapretakṛtāsanā kujatanur jyāṣṭaprakārojjvalā |
vidyutkoṭinibhaprabhā bhavabhayapradhvaṃsinī bhāsate |
bhūyān me bhuvaneśvarī bhuvanasūrīṣṭāptaye yakṣiṇī || – In der Mitte, im Vagbhava, leuchtet die allgesichtige, alles durchdringende Göttin, deren Gestalt mit sechs Händen beschrieben wird. Fünf Pretas bilden ihren Sitz. Sie strahlt wie Millionen Blitze und vernichtet die Furcht vor dem Dasein. Möge Bhuvaneshvari, hier Yakshini genannt, mir zur Erfüllung des Ersehnten dienen. Weitere Gestaltbestimmungen sind entstellt. (11.20.) Hinweis: Vāgbhavamadhyasthā und ṣaṭkaracitā folgen Druckvorschlägen. Kujatanuḥ, jyāṣṭaprakāra und bhuvanasūrīṣṭāptaye bleiben unklar. Die fünf Pretas werden hier nicht ohne geprüfte Namensliste identifiziert.
- Lobpreis 11.21 – padmapāṇicatuṣṭayena karadī … nagānanā |
nanu ye varadābhaya takadadhatī tvadyathibhūtasthitā |
mūlasthā bhuvanādhvagā hṛdayagā dugdhodanaikapriyā |
sānandā jvalatopamā vitaratu śreyāṃsi me kākinī || – Möge Kakini mir Heil gewähren: Sie wird mit vier lotushaften Händen beschrieben und mit den Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit verbunden. Sie weilt an der Wurzel, durchzieht den Weltenweg, befindet sich im Herzen, liebt Milchreis, ist voller Freude und gleicht einer Flamme. Mehrere Verbindungen am Anfang sind lückenhaft oder entstellt. (11.21.) Hinweis: Die gedruckte Lücke bleibt stehen. Tī, hṛdayagā, jvalatopamā und vitaratu folgen den Druckverbesserungen. Der Vers beginnt auf Sanskritseite 73 und endet auf 74; alle vier Langzeilen sind unter derselben Nummer wiedergegeben.
- Lobpreis 11.22 – śyāmāṅgo varaṣeṭ sadā karasaro gholo bhajanti trikā |
spandadvayavatī śiromanubhavā bhāvāsanāsthāyinī |
kāmasthā padamārgaśodhanakarī raktagraṃ haikāgratā |
svādhiṣṭhānagatā sitoda rucirā sā pātu māṃ kākinī || – Möge die schöne Kakini mich schützen. Sie weilt im Svadhishthana und auf einem Sitz innerer Vergegenwärtigung; sie reinigt einen als pada-mārga bezeichneten Weg. Dunkle Körperfarbe, zwei Bewegungen und weitere Körper- und Bewusstseinsbestimmungen werden genannt, doch große Teile des Verses sind entstellt. (11.22.) Hinweis: Sadā folgt einem Druckvorschlag. Die zahlreichen Fragezeichen des Drucks betreffen unter anderem varaṣeṭ, die anschließende Handbestimmung, spandadvayavatī, śiromanubhavā, kāmasthā und sitoda. Der erneut gedruckte Name kākinī wird nicht geändert.
- Lobpreis 11.23 – varṇādhvapratiti śodhinī śikharito bheraṇḍavaktrayā |
vṛkṣārohaṇatatparā prabhupadasyāṃ kusyamāśuddhyām |
mātasyā na gatiḥ sa †nāti† nilayā piṅgānuḍānāpriyā |
mām avyād cirāddikhānujanitā māṃsāśitā lākinī || – Möge Lakini mich schützen. Sie wird als Reinigerin des Lautweges bezeichnet, mit einer Bheranda-Gesichtsbestimmung verbunden und dem Ersteigen von Bäumen zugewandt beschrieben. Sie isst Fleisch. Die übrigen Bestimmungen über Ort, Bewegung und Vorlieben sind stark entstellt. (11.23.) Hinweis: Vṛkṣa folgt dem Druckvorschlag zu guccha. Die übrigen fraglichen Folgen bleiben als vorläufige Ablesungen stehen; bheraṇḍavaktra wird nicht ohne Beleg in eine bestimmte Tierart übersetzt. Der konkrete Fleischbezug wird nicht ausschließlich symbolisch gedeutet. Die erneut verglichene dritte Zeile hat nāti, nicht gati; die Verbindung bleibt unübersetzt.
- Lobpreis 11.24 – medasthāṃ haritaprabhāṃ kavacajāṃ mantrādhvasaṃśodhinīṃ |
dadhyanūnātiruciṃ yo he nanu ca tṛṣādyāṃ biḍālāsanām |
dānasthānagatāṃ śaśāṅkavibhavasthāṃ śūlamudā jvalāṃ |
yogasthām abhirasthagolakapadāṃ vandāmahe kākinīm || – Wir verehren Kakini: Sie befindet sich im Fettgewebe, leuchtet grün, entsteht aus dem Schutzpanzer und reinigt den Mantraweg. Sie liebt Dickmilch und besitzt einen Katzensitz. Mondglanz, Dreizack und ihr Verweilen im Yoga werden genannt; weitere Bestimmungen des Ortes und ihrer Haltung sind entstellt. (11.24.) Hinweis: Nū folgt einem Druckeinsatz. Der zweite Halbvers und abhirasthagolakapadām sind besonders unsicher. Der Name kākinī bleibt wie gedruckt; die anatomische Zuordnung medas wird nicht durch eine moderne Chakratabelle ersetzt.
- Lobpreis 11.25 – vibhrāṇā lakuṭaṃ ca mūkam asitā pañcabhūvalkojjvalā |
raudrasthānapadānugā dhvam ajitābhītāsitāsthipriyā |
uddvānaikarucit svakraṣṭukṛtārīhā javād vanditā |
paryāri ca kalādhvaśodhanavatī bhūyān mude śākinī || – Möge Shakini Freude schenken. Sie trägt einen Stock und einen unsicher bezeichneten weiteren Gegenstand, erscheint dunkel und ist mit einem Rudra zugehörigen Ort verbunden. Knochen gehören zu ihren Vorlieben, und sie reinigt den Kala-Weg. Die übrigen Epitheta sind stark entstellt. (11.25.) Hinweis: Ein a vor jita folgt der gedruckten Ergänzung. Pañcabhūvalkojjvalā, dhvam und mehrere Folgen der dritten Zeile sind fraglich; die Art der Knochenvorliebe und die übrigen Gegenstände bleiben offen.
- Lobpreis 11.26 – devīṃ śūlakapālalalitakarāṃ mṛṇyāsya ṣaṭyognim |
bhāṇu prabhavāṃ valakṣa vihagārūḍhāṃ satattvādhvagām |
hāridrābhanibhāṃ saśāṃbhavapadāṃ pādasthitāpāṭalāṃ |
vande sarvagatāṃ saṃvidavasatiṃ śūlasthitāṃ hākinīm || – Ich verehre Hakini, die alles durchdringende Göttin und Wohnstätte des Bewusstseins. Ihre Hände tragen Dreizack und Schädelschale; sie reitet auf einem Vogel, durchzieht den Tattva-Weg und leuchtet wie Kurkuma. Eine Shambhu zugehörige Stätte und das Stehen am Dreizack werden genannt. Andere Körper- und Farbbestimmungen sind entstellt. (11.26.) Hinweis: Mṛṇyāsya ṣaṭyognim, bhāṇu und valakṣa sind fraglich gedruckt. Die Verbindung pādasthitāpāṭalām bleibt unklar; keine zusätzliche Gesichts- oder Armezahl wird ergänzt.
Rezitation mit Sammlung und heiterem Geist
Bei aller Vielfalt der Lautgestalten bleibt die innere Haltung bedeutsam. Vers 11.53 verbindet die tägliche Rezitation mit den eigenen Möglichkeiten und einem heiteren Geist. Für heutiges Svadhyaya kann dies heißen: eine kurze, verstandene Anrufung aufmerksam lesen, ihre Bedeutung nachklingen lassen und in Stille verweilen. Die einleitenden Anrufungen und klar verständlichen Lobpreisstellen eröffnen dafür einen Zugang. Besondere tantrische Mantras werden in ihrem überlieferten Ritual- und Einweihungszusammenhang studiert.
Die oben stehenden Formeln sind mit Sanskrittext und deutscher Übersetzung verknüpft. Die entsprechende Schriftfassung steht unter Matsyendra Samhita Sanskrit Devanagari. Einen thematischen Einstieg bietet die Auswahl von 108 deutschen Versen.
Quellen zu den Mantras
Die Zählung folgt dem jeweils benutzten Sanskrittext. Die Bezeichnungen der unnummerierten Abschnitte in Kapitel 13 sind redaktionelle Orientierung; die angeführten Seiten sind die Sanskritseiten von Sensharmas Druck. Seine gedruckten Verbesserungen sind dort übernommen, wo dies die zugrunde liegende Wiki-Fassung ausdrücklich dokumentiert. Das Verzeichnis bietet keinen neuen kritisch hergestellten Mantratext.
Für Kapitel 14 und 15 sowie 18 wurden die Editionen beziehungsweise Matsyendra-Lesarten bei Mallinson herangezogen.[2] Die Stelle 40.62–64 folgt Kiss’ Teiledition von Kapitel 40; ihre beschädigte Lautanweisung wird nicht durch einen vermuteten geläufigen Mantra ersetzt.[3] Die Einzelkorrektur in 1.5 berücksichtigt den von Kiss 2011 mitgeteilten Wortlaut.[4]
Textgrundlage und weitere Wiki-Seiten
Die Auswahl folgt der Text- und Übersetzungsgrundlage der verlinkten Teilausgabe. Für Kapitel 1–13 wird Sensharma 1994 mit ausgewiesenen Einzelkorrekturen verwendet; 1.5 und 3.1 berücksichtigen Kiss 2011. Die Verse aus Kapitel 14 und 16 folgen der mit den Matsyendra-Lesarten bei Mallinson 2003 verglichenen Fassung; Kapitel 17 und 18 folgen dessen Editionen. Die Stelle aus Kapitel 19 beruht auf Sensharma 1994. Wichtige Deutungsunsicherheiten sind hier knapp, die textkritischen Einzelheiten auf der Seite mit IAST und deutscher Übersetzung angegeben.[5][6][7]
- Sanskrit in IAST und deutsche Übersetzung – alle hier erschlossenen Kapitel und Einzelstellen auf einer Seite.
- Sanskrit in Devanagari – derselbe Sanskritbestand in derselben Reihenfolge.
Quellen und Anmerkungen
- ↑ Debabrata Sensharma (Hrsg.): Matsyendra Samhita: Ascribed to Matsyendranatha. Part I. Bibliotheca Indica 318. The Asiatic Society, Calcutta 1994, Sanskritkapitel 1–20; für die längeren ausgeschriebenen Mantras besonders Sanskritseiten 86–93. Digitalisat; Vergleich mit dem klareren Digitalisat desselben Drucks.
- ↑ James Mallinson: The Khecarīvidyā of Ādinātha: A Critical Edition and Annotated Translation. DPhil-Dissertation, University of Oxford, benutzte Fassung mit Titelblatt vom 14. August 2003; Matsyendrasaṃhitā-Lesarten im Apparat und Editionen in den Anhängen. Digitalisat.
- ↑ Csaba Kiss: A Sexual Ritual with Māyā in Matsyendrasaṃhitā 40. In: Dominic Goodall, Shaman Hatley, Harunaga Isaacson und Srilata Raman (Hrsg.): Śaivism and the Tantric Traditions: Essays in Honour of Alexis G. J. S. Sanderson. Gonda Indological Studies 22. Brill, Leiden/Boston 2020, S. 426–450, besonders die Edition von 40.62–64. Publikation.
- ↑ Csaba Kiss: The Matsyendrasaṃhitā: A Yoginī-centered Thirteenth-century Yoga Text of the South Indian Śāmbhava Cult. In: David N. Lorenzen und Adrián Muñoz (Hrsg.): Yogi Heroes and Poets: Histories and Legends of the Nāths. SUNY Press, Albany 2011, S. 143–162, zugehörige Anmerkungen S. 188–198. Publikationsnachweis.
- ↑ Debabrata Sensharma (Hrsg.): Matsyendra Samhita: Ascribed to Matsyendranatha. Part I. Bibliotheca Indica 318. The Asiatic Society, Calcutta 1994. Digitalisat.
- ↑ James Mallinson: The Khecarīvidyā of Ādinātha: A Critical Edition and Annotated Translation. DPhil-Dissertation, University of Oxford, benutzte Fassung mit Titelblatt vom 14. August 2003. Digitalisat.
- ↑ Csaba Kiss: The Matsyendrasaṃhitā: A Yoginī-centered Thirteenth-century Yoga Text of the South Indian Śāmbhava Cult. In: David N. Lorenzen und Adrián Muñoz (Hrsg.): Yogi Heroes and Poets: Histories and Legends of the Nāths. SUNY Press, Albany 2011, S. 143–162, zugehörige Anmerkungen S. 188–198. Publikationsnachweis.
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