Periyalvar: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Periyalvar''' ([[Tamil]]: பெரியாழ்வார், ''Periyāḻvār''; auch '''Vishnuchitta''') war ein tamilischer [[Heiliger]] und Dichter des 8. bis 9. Jahrhunderts und einer der zwölf [[Alvar]]s, der Dichterheiligen des südindischen [[Vaishnavismus]]. Er war ein [[Brahmane]] aus Srivilliputtur, der dort einen Garten für den Tempeldienst pflegte und täglich Blumengirlanden für [[Vishnu]] band. Sein Name bedeutet „der große Alvar“; die Tradition erklärt ihn mit der Größe seines Segenswunsches für Gott. | |||
Nach der Überlieferung legte Vishnuchitta am Hof des Pandya-Königs in Madurai die Größe Narayanas so überzeugend dar, dass der König ihn ehrte und ihm einen Festzug bereitete. Als ihm dabei Vishnu mit seiner Gefährtin auf [[Garuda]] erschien, bat er nicht für sich selbst, sondern segnete den Herrn: So entstand das '''[[Tiruppallandu]]''', der Segensgesang, mit dem bis heute der Gottesdienst in den Vishnu-Tempeln Südindiens beginnt. Periyalvar ist außerdem der Ziehvater der Heiligen [[Andal]], die er der Legende nach als Kind zwischen den Tulasi-Pflanzen seines Gartens fand. | |||
Neben dem Tiruppallandu verfasste er die '''Periyalvar Tirumoli''', in der er [[Krishna]] mit der Zärtlichkeit einer Mutter besingt, die ihr Kind füttert, badet und in den Schlaf wiegt. Beide Werke gehören zum ''[[Nalayira Divya Prabandham]]''. Periyalvar gilt als Vorbild des [[Vatsalya Bhava]], der Gottesliebe in elterlicher Fürsorge: eine Bhakti, die Blumen bindet, Wiegenlieder singt und das Göttliche mitten im Alltag willkommen heißt. | |||
'''Periyalvar''' (auch Vishnucitta) war einer der 12 [[Alvar]]s. Er war ein [[Heiliger]], der dem [[Vaishnavismus]] in Südindien zugerechnet wird. Er war ein [[Brahmane]] und vermochte mit seinen Liedern den König der Pandya bekehren. | '''Periyalvar''' (auch Vishnucitta) war einer der 12 [[Alvar]]s. Er war ein [[Heiliger]], der dem [[Vaishnavismus]] in Südindien zugerechnet wird. Er war ein [[Brahmane]] und vermochte mit seinen Liedern den König der Pandya bekehren. | ||
==Siehe auch== | '''Periyalvar''', auch '''Vishnuchitta''' genannt, liebte [[Vishnu]] mit der fürsorglichen Zärtlichkeit eines Elternherzens. Als ihm der Herr in seiner Herrlichkeit erschien, brach aus ihm ein Segensgesang hervor: Möge dem Geliebten Heil sein, immer und immer! Diese ungewöhnliche Wendung gehört zu den kostbaren Bildern tamilischer [[Bhakti]]. | ||
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* [[ | Der Gärtner von Srivilliputtur, Vater der heiligen [[Andal]], schenkte der Tradition das ''[[Tiruppallandu]]'' und die ''Periyalvar Tirumoli''. Seine Dichtung führt in eine Gottesliebe, die Blumen bindet, Wiegenlieder singt und das Göttliche im vertrauten Alltag willkommen heißt. | ||
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* [[ | [[Datei:Krishna und Kaliya.jpg|thumb|Krishna und Kaliya: eine traditionelle Darstellung des göttlichen Hirten und Beschützers.]] | ||
== Das Wichtigste auf einen Blick == | |||
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! Merkmal !! Einordnung | |||
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| Name || Periyalvar | |||
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| Tamil || பெரியாழ்வார் | |||
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| Transliteration || Periyāḻvār; Viṣṇucitta | |||
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| Lebenszeit || Frühes Mittelalter; gewöhnlich 8.–9. Jahrhundert | |||
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| Tradition || [[Alvar]]; [[Vishnu]]-Bhakti | |||
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== Geschichten über Periyalvar == | |||
Die sri-vaishnavische Überlieferung erzählt Periyalvars Leben als einen Weg des liebevollen Dienstes. Aus der Treue eines Gärtners erwächst eine Stimme, die eine ganze Gemeinschaft zum Lobpreis führt. | |||
=== Blumen für den Herrn === | |||
Vishnuchitta lebt in Srivilliputtur und pflegt einen Garten für den Tempeldienst. Aus den Blumen bindet er Girlanden für den Herrn. Tag für Tag nimmt seine Liebe eine sichtbare Form an: in der Sorge um die Pflanzen, in der Auswahl der Blüten und in der Gabe, die zum Heiligtum getragen wird. | |||
Dieser Anfang ist unscheinbar und tief. Verehrung wartet nicht auf eine große Gelegenheit. Sie wächst in wiederholten, sorgfältigen Handlungen. Der Garten wird zum Raum der Gotteserinnerung, und jede Girlande trägt etwas von der Aufmerksamkeit ihres Gärtners. | |||
Periyalvars späterer Ruhm lässt diese erste Treue nicht hinter sich. Sie bleibt ein Schlüssel zu seinem Leben: Das Herz findet Erfüllung, indem es dem Geliebten etwas Schönes darbringt. | |||
=== Der Gärtner am Königshof === | |||
Der Pandya-König in Madurai lässt eine geistliche Frage öffentlich erörtern. Ein Preis ist für die überzeugende Darlegung der höchsten Wahrheit ausgesetzt. Vishnuchitta empfängt in der Überlieferung den göttlichen Auftrag, sich auf den Weg zu machen. | |||
Er geht im Vertrauen auf den Herrn. Der einfache Tempeldiener tritt vor die gelehrte Versammlung und legt die Größe Narayanas dar. Die Erzählung lässt das ausgesetzte Gold als Zeichen der Anerkennung zu ihm gelangen. Der König ehrt ihn, und eine festliche Prozession folgt. | |||
Die Szene zeigt, wie ein Leben des Dienstes Frucht tragen kann. Vishnuchittas Wort schöpft aus einer Beziehung, die längst besteht. Er spricht von dem, dem er seine Tage gewidmet hat. | |||
=== Ein Mensch segnet Gott === | |||
Während des Festzuges erscheint Vishnu mit seiner göttlichen Gefährtin auf [[Garuda]]. Das Herz des Heiligen ist von der Schönheit dieser Erscheinung überwältigt. Doch statt zuerst um etwas für sich zu bitten, sorgt er sich um den Geliebten. | |||
So erklingt sein ''Tiruppallandu'': ein Segensruf für den Herrn, für seine strahlenden Füße und seine göttlichen Zeichen. Der unendliche Beschützer wird von einem Menschen mit fürsorglicher Liebe umgeben. | |||
Gerade darin erkennt die Tradition Periyalvars Größe. Sein Vertrauen ist so innig, dass es die Sprache elterlicher Fürsorge annimmt. Die Liebe rechnet nicht erst aus, ob ihre Sorge nötig ist. Sie möchte das Geliebte behüten. | |||
Wer diese Geschichte betrachtet, kann etwas von [[Vatsalya Bhava]] verstehen: Gott wird wie ein geliebtes Kind verehrt. Stärke und Zärtlichkeit finden im Herzen des Verehrers zusammen. | |||
=== Das Kind zwischen den Tulasi-Pflanzen === | |||
Im Garten findet Vishnuchitta der Überlieferung nach ein Mädchen bei den Tulasi-Pflanzen. Er nimmt es voller Liebe auf und nennt es Kodai. Das Kind wächst in der Nähe des Tempels und im Klang der göttlichen Namen heran. Später wird es als [[Andal]] verehrt. | |||
Kodai liebt den Herrn mit einer eigenen, bräutlichen Sehnsucht. Heimlich legt sie die für ihn gebundenen Girlanden an. Als der Vater dies bemerkt, ist er zunächst erschrocken: Eine bereits getragene Girlande scheint für den Tempeldienst ungeeignet. | |||
Doch Vishnu belehrt ihn im Traum. Er möchte gerade die Girlanden, die Kodai getragen hat. Ihre Liebe hat sie ihm kostbar gemacht. Vishnuchitta lernt, in der ungewöhnlichen Hingabe seines Kindes göttliche Gnade zu erkennen. | |||
Diese Geschichte macht seine Größe noch einmal auf andere Weise sichtbar. Der fromme Vater bleibt lernfähig. Seine Sorgfalt für den Dienst verbindet sich mit der Bereitschaft, eine neue Gestalt der Liebe anzunehmen. | |||
=== Krishna wird im Lied zum Kind === | |||
In der ''Periyalvar Tirumoli'' nimmt der Dichter die Stimme einer fürsorglichen Mutter an. [[Krishna]] soll kommen, essen, sich baden lassen und schlafen. Der Herr der Welt erhält einen Platz mitten in den liebevollen Verrichtungen des Alltags. | |||
Die Hymnen machen damit jede kleine Fürsorge würdig. Wer ein Kind tröstet, Nahrung bereitet oder geduldig auf jemanden wartet, kann darin eine Spur dieser Gottesliebe entdecken. Periyalvars Lied lässt das Große im Kleinen aufleuchten. | |||
[[Datei:Lakshmi Shakunthala.jpg|thumb|Lakshmi, die göttliche Mutter in der vishnuitischen Verehrung.]] | |||
== Die besondere Gestalt seiner Bhakti == | |||
Periyalvars Gottesliebe wird besonders mit dem mütterlichen beziehungsweise elterlichen [[Vatsalya Bhava]] verbunden. Der Name „großer Alvar“ wird in der Tradition mit der Größe seines Segenswunsches erklärt. Historische Einzelheiten seines Lebens bleiben hinter der hymnischen und hagiografischen Überlieferung zurück. | |||
Die erste Strophe des ''Tiruppallandu'' beginnt: | |||
பல்லாண்டு பல்லாண்டு பல்லாயிரத்தாண்டு<br> | |||
பலகோடி நூறாயிரம்<br> | |||
''Pallāṇṭu pallāṇṭu pallāyirattāṇṭu,<br>palakōṭi nūṟāyiram.'' | |||
'''Viele Jahre, viele Jahre, viele Tausende Jahre – unzählige Hunderttausende und Millionen!''' | |||
''Eigene Übersetzung des Anfangs. Der Segensruf wird im weiteren Vers auf den Herrn und seine göttlichen Füße bezogen.'' | |||
== Werke und weiterführende Texte == | |||
* ''[[Tiruppallandu]]'': zwölf Verse des Segens und der Einladung zum gemeinsamen Lobpreis; [https://www.projectmadurai.org/pm_etexts/utf8/pmuni0005_01.html tamilische Textausgabe]. | |||
* ''Periyalvar Tirumoli'': umfangreiche Hymnen, besonders bekannt für die Darstellung des kindlichen Krishna. | |||
Beide gehören zum ''[[Nalayira Divya Prabandham]]''. Senthanars shivaitisches ''Tiruppallandu'' ist ein eigenständiges Werk eines anderen Dichters. | |||
== Beziehungen zu anderen Persönlichkeiten == | |||
[[Andal]] ist seine angenommene Tochter und geistliche Erbin. [[Nammalvar]] eröffnet innerhalb derselben Hymnensammlung andere Ausdrucksformen der Gottesliebe. [[Senthanar]] singt in der Shiva-Tradition ebenfalls einen Segenshymnus namens ''Tiruppallandu''. Der Vergleich macht die gemeinsame Freude am Segnen und die Eigenart beider Traditionen sichtbar. | |||
== Anregungen für Yoga und Meditation == | |||
Eine [https://www.yoga-vidya.de/meditation/ Meditation] kann mit einem Segenswunsch beginnen: Möge Gutes wachsen; mögen die Wesen Schutz erfahren. Lass diesen Wunsch freundlich werden, ohne ihn erzwingen zu wollen. | |||
Im [https://www.yoga-vidya.de/yoga/ Yoga] kann Periyalvars Garten zu einem Bild für regelmäßige Praxis werden. Pflege täglich etwas, das die Liebe stärkt: einen Altar, ein Mantra, eine helfende Handlung oder die Aufmerksamkeit für Menschen in deiner Nähe. | |||
[[Datei:Meditation Licht Herz Anahata Chakra strahlen.jpg|thumb|Symbolbild für das Licht der Erkenntnis im Herzen.]] | |||
== Das Göttliche mit Liebe umgeben == | |||
Periyalvars Hingabe ist warm, tätig und zärtlich. Sie erinnert daran, dass Verehrung in vielen kleinen Gesten wohnen kann. Ein Herz, das segnet, wird selbst weit und findet im Dienen seine Freude. | |||
== Videos zur Vertiefung == | |||
Diese Videos laden dazu ein, die angesprochenen Themen durch eigene Praxis zu vertiefen. | |||
'''Anahata Chakra Pendel-Meditation für Liebe und Freude''' | |||
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'''Ankommenssatsang - Kirtan, Mantra und Arati mit Sukadev - Yoga Vidya Live, 15.07.2022, 20:00 Uhr''' | |||
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== Siehe auch == | |||
* [[Andal]] | |||
* [[Nammalvar]] | |||
* [[Tiruppallandu]] | |||
* [[Nalayira Divya Prabandham]] | |||
* [[Senthanar]] | |||
* [[Vatsalya Bhava]] | |||
== Quellen und Literatur == | |||
<references /> | |||
* [https://www.projectmadurai.org/pm_etexts/utf8/pmuni0005_01.html Project Madurai: Periyalvars Hymnen], Primärtext. | |||
* [https://acharyas.koyil.org/index.php/2013/01/20/periyazhwar-english/ KOYIL: Periyazhwar], traditionelle Biografie. | |||
* [https://divyaprabandham.koyil.org/index.php/2020/04/thiruppallandu-simple/ KOYIL: Tiruppallandu], Einführung und Auslegung. | |||
* [[Andal]]: ergänzende Lebensüberlieferung zu Kodai und den Girlanden. | |||
== Seminare == | |||
Gemeinsames Üben, Singen und Studieren kann die Inspiration dieser Texte im Alltag lebendig werden lassen. | |||
'''Mantras und Musik'''<br> | |||
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[[Kategorie: | [[Kategorie:Tamilische Persönlichkeiten]] | ||
[[Kategorie: | [[Kategorie:Tamilische Heilige]] | ||
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[[Kategorie: | [[Kategorie:Tamilische spirituelle Autoren]] | ||
[[Kategorie: | [[Kategorie:Alvar]] | ||
Aktuelle Version vom 28. September 2026, 11:59 Uhr
Periyalvar (Tamil: பெரியாழ்வார், Periyāḻvār; auch Vishnuchitta) war ein tamilischer Heiliger und Dichter des 8. bis 9. Jahrhunderts und einer der zwölf Alvars, der Dichterheiligen des südindischen Vaishnavismus. Er war ein Brahmane aus Srivilliputtur, der dort einen Garten für den Tempeldienst pflegte und täglich Blumengirlanden für Vishnu band. Sein Name bedeutet „der große Alvar“; die Tradition erklärt ihn mit der Größe seines Segenswunsches für Gott.
Nach der Überlieferung legte Vishnuchitta am Hof des Pandya-Königs in Madurai die Größe Narayanas so überzeugend dar, dass der König ihn ehrte und ihm einen Festzug bereitete. Als ihm dabei Vishnu mit seiner Gefährtin auf Garuda erschien, bat er nicht für sich selbst, sondern segnete den Herrn: So entstand das Tiruppallandu, der Segensgesang, mit dem bis heute der Gottesdienst in den Vishnu-Tempeln Südindiens beginnt. Periyalvar ist außerdem der Ziehvater der Heiligen Andal, die er der Legende nach als Kind zwischen den Tulasi-Pflanzen seines Gartens fand.
Neben dem Tiruppallandu verfasste er die Periyalvar Tirumoli, in der er Krishna mit der Zärtlichkeit einer Mutter besingt, die ihr Kind füttert, badet und in den Schlaf wiegt. Beide Werke gehören zum Nalayira Divya Prabandham. Periyalvar gilt als Vorbild des Vatsalya Bhava, der Gottesliebe in elterlicher Fürsorge: eine Bhakti, die Blumen bindet, Wiegenlieder singt und das Göttliche mitten im Alltag willkommen heißt.
Periyalvar (auch Vishnucitta) war einer der 12 Alvars. Er war ein Heiliger, der dem Vaishnavismus in Südindien zugerechnet wird. Er war ein Brahmane und vermochte mit seinen Liedern den König der Pandya bekehren.
Periyalvar, auch Vishnuchitta genannt, liebte Vishnu mit der fürsorglichen Zärtlichkeit eines Elternherzens. Als ihm der Herr in seiner Herrlichkeit erschien, brach aus ihm ein Segensgesang hervor: Möge dem Geliebten Heil sein, immer und immer! Diese ungewöhnliche Wendung gehört zu den kostbaren Bildern tamilischer Bhakti.
Der Gärtner von Srivilliputtur, Vater der heiligen Andal, schenkte der Tradition das Tiruppallandu und die Periyalvar Tirumoli. Seine Dichtung führt in eine Gottesliebe, die Blumen bindet, Wiegenlieder singt und das Göttliche im vertrauten Alltag willkommen heißt.

Das Wichtigste auf einen Blick
| Merkmal | Einordnung |
|---|---|
| Name | Periyalvar |
| Tamil | பெரியாழ்வார் |
| Transliteration | Periyāḻvār; Viṣṇucitta |
| Lebenszeit | Frühes Mittelalter; gewöhnlich 8.–9. Jahrhundert |
| Tradition | Alvar; Vishnu-Bhakti |
Geschichten über Periyalvar
Die sri-vaishnavische Überlieferung erzählt Periyalvars Leben als einen Weg des liebevollen Dienstes. Aus der Treue eines Gärtners erwächst eine Stimme, die eine ganze Gemeinschaft zum Lobpreis führt.
Blumen für den Herrn
Vishnuchitta lebt in Srivilliputtur und pflegt einen Garten für den Tempeldienst. Aus den Blumen bindet er Girlanden für den Herrn. Tag für Tag nimmt seine Liebe eine sichtbare Form an: in der Sorge um die Pflanzen, in der Auswahl der Blüten und in der Gabe, die zum Heiligtum getragen wird.
Dieser Anfang ist unscheinbar und tief. Verehrung wartet nicht auf eine große Gelegenheit. Sie wächst in wiederholten, sorgfältigen Handlungen. Der Garten wird zum Raum der Gotteserinnerung, und jede Girlande trägt etwas von der Aufmerksamkeit ihres Gärtners.
Periyalvars späterer Ruhm lässt diese erste Treue nicht hinter sich. Sie bleibt ein Schlüssel zu seinem Leben: Das Herz findet Erfüllung, indem es dem Geliebten etwas Schönes darbringt.
Der Gärtner am Königshof
Der Pandya-König in Madurai lässt eine geistliche Frage öffentlich erörtern. Ein Preis ist für die überzeugende Darlegung der höchsten Wahrheit ausgesetzt. Vishnuchitta empfängt in der Überlieferung den göttlichen Auftrag, sich auf den Weg zu machen.
Er geht im Vertrauen auf den Herrn. Der einfache Tempeldiener tritt vor die gelehrte Versammlung und legt die Größe Narayanas dar. Die Erzählung lässt das ausgesetzte Gold als Zeichen der Anerkennung zu ihm gelangen. Der König ehrt ihn, und eine festliche Prozession folgt.
Die Szene zeigt, wie ein Leben des Dienstes Frucht tragen kann. Vishnuchittas Wort schöpft aus einer Beziehung, die längst besteht. Er spricht von dem, dem er seine Tage gewidmet hat.
Ein Mensch segnet Gott
Während des Festzuges erscheint Vishnu mit seiner göttlichen Gefährtin auf Garuda. Das Herz des Heiligen ist von der Schönheit dieser Erscheinung überwältigt. Doch statt zuerst um etwas für sich zu bitten, sorgt er sich um den Geliebten.
So erklingt sein Tiruppallandu: ein Segensruf für den Herrn, für seine strahlenden Füße und seine göttlichen Zeichen. Der unendliche Beschützer wird von einem Menschen mit fürsorglicher Liebe umgeben.
Gerade darin erkennt die Tradition Periyalvars Größe. Sein Vertrauen ist so innig, dass es die Sprache elterlicher Fürsorge annimmt. Die Liebe rechnet nicht erst aus, ob ihre Sorge nötig ist. Sie möchte das Geliebte behüten.
Wer diese Geschichte betrachtet, kann etwas von Vatsalya Bhava verstehen: Gott wird wie ein geliebtes Kind verehrt. Stärke und Zärtlichkeit finden im Herzen des Verehrers zusammen.
Das Kind zwischen den Tulasi-Pflanzen
Im Garten findet Vishnuchitta der Überlieferung nach ein Mädchen bei den Tulasi-Pflanzen. Er nimmt es voller Liebe auf und nennt es Kodai. Das Kind wächst in der Nähe des Tempels und im Klang der göttlichen Namen heran. Später wird es als Andal verehrt.
Kodai liebt den Herrn mit einer eigenen, bräutlichen Sehnsucht. Heimlich legt sie die für ihn gebundenen Girlanden an. Als der Vater dies bemerkt, ist er zunächst erschrocken: Eine bereits getragene Girlande scheint für den Tempeldienst ungeeignet.
Doch Vishnu belehrt ihn im Traum. Er möchte gerade die Girlanden, die Kodai getragen hat. Ihre Liebe hat sie ihm kostbar gemacht. Vishnuchitta lernt, in der ungewöhnlichen Hingabe seines Kindes göttliche Gnade zu erkennen.
Diese Geschichte macht seine Größe noch einmal auf andere Weise sichtbar. Der fromme Vater bleibt lernfähig. Seine Sorgfalt für den Dienst verbindet sich mit der Bereitschaft, eine neue Gestalt der Liebe anzunehmen.
Krishna wird im Lied zum Kind
In der Periyalvar Tirumoli nimmt der Dichter die Stimme einer fürsorglichen Mutter an. Krishna soll kommen, essen, sich baden lassen und schlafen. Der Herr der Welt erhält einen Platz mitten in den liebevollen Verrichtungen des Alltags.
Die Hymnen machen damit jede kleine Fürsorge würdig. Wer ein Kind tröstet, Nahrung bereitet oder geduldig auf jemanden wartet, kann darin eine Spur dieser Gottesliebe entdecken. Periyalvars Lied lässt das Große im Kleinen aufleuchten.

Die besondere Gestalt seiner Bhakti
Periyalvars Gottesliebe wird besonders mit dem mütterlichen beziehungsweise elterlichen Vatsalya Bhava verbunden. Der Name „großer Alvar“ wird in der Tradition mit der Größe seines Segenswunsches erklärt. Historische Einzelheiten seines Lebens bleiben hinter der hymnischen und hagiografischen Überlieferung zurück.
Die erste Strophe des Tiruppallandu beginnt:
பல்லாண்டு பல்லாண்டு பல்லாயிரத்தாண்டு
பலகோடி நூறாயிரம்
Pallāṇṭu pallāṇṭu pallāyirattāṇṭu,
palakōṭi nūṟāyiram.
Viele Jahre, viele Jahre, viele Tausende Jahre – unzählige Hunderttausende und Millionen!
Eigene Übersetzung des Anfangs. Der Segensruf wird im weiteren Vers auf den Herrn und seine göttlichen Füße bezogen.
Werke und weiterführende Texte
- Tiruppallandu: zwölf Verse des Segens und der Einladung zum gemeinsamen Lobpreis; tamilische Textausgabe.
- Periyalvar Tirumoli: umfangreiche Hymnen, besonders bekannt für die Darstellung des kindlichen Krishna.
Beide gehören zum Nalayira Divya Prabandham. Senthanars shivaitisches Tiruppallandu ist ein eigenständiges Werk eines anderen Dichters.
Beziehungen zu anderen Persönlichkeiten
Andal ist seine angenommene Tochter und geistliche Erbin. Nammalvar eröffnet innerhalb derselben Hymnensammlung andere Ausdrucksformen der Gottesliebe. Senthanar singt in der Shiva-Tradition ebenfalls einen Segenshymnus namens Tiruppallandu. Der Vergleich macht die gemeinsame Freude am Segnen und die Eigenart beider Traditionen sichtbar.
Anregungen für Yoga und Meditation
Eine Meditation kann mit einem Segenswunsch beginnen: Möge Gutes wachsen; mögen die Wesen Schutz erfahren. Lass diesen Wunsch freundlich werden, ohne ihn erzwingen zu wollen.
Im Yoga kann Periyalvars Garten zu einem Bild für regelmäßige Praxis werden. Pflege täglich etwas, das die Liebe stärkt: einen Altar, ein Mantra, eine helfende Handlung oder die Aufmerksamkeit für Menschen in deiner Nähe.

Das Göttliche mit Liebe umgeben
Periyalvars Hingabe ist warm, tätig und zärtlich. Sie erinnert daran, dass Verehrung in vielen kleinen Gesten wohnen kann. Ein Herz, das segnet, wird selbst weit und findet im Dienen seine Freude.
Videos zur Vertiefung
Diese Videos laden dazu ein, die angesprochenen Themen durch eigene Praxis zu vertiefen.
Anahata Chakra Pendel-Meditation für Liebe und Freude
Ankommenssatsang - Kirtan, Mantra und Arati mit Sukadev - Yoga Vidya Live, 15.07.2022, 20:00 Uhr
Siehe auch
Quellen und Literatur
- Project Madurai: Periyalvars Hymnen, Primärtext.
- KOYIL: Periyazhwar, traditionelle Biografie.
- KOYIL: Tiruppallandu, Einführung und Auslegung.
- Andal: ergänzende Lebensüberlieferung zu Kodai und den Girlanden.
Seminare
Gemeinsames Üben, Singen und Studieren kann die Inspiration dieser Texte im Alltag lebendig werden lassen.
Mantras und Musik
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Asana Intensiv - Musikalisch-Meditativ
Yoga und Musik ergänzen sich ideal. Jede Asana wird von Musik, Mantra Gesang und anderen Klängen auf deiner Reise nach innen begleitet! Die Yoga Stell…- Gopi Jana Kretschmer da Conceição
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Harmonium Lernseminar
Lerne, Harmonium zu spielen! Wenn vorhanden, bitte eigenes Harmonium mitbringen. Keine Vorkenntnisse nötig.- Alisa Yakhontova
Bhakti Yoga und Hingabe
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Harmonium Lernseminar
Lerne, Harmonium zu spielen! Wenn vorhanden, bitte eigenes Harmonium mitbringen. Keine Vorkenntnisse nötig.- Alisa Yakhontova
- 08.11.2026 - 08.11.2026 Diwali - das Fest des Lichts
Diwali ist eines der wichtigsten Feste in Indien. Diwali ist das Lichterfest zur Öffnung des Herzens und der Entfaltung allumfassender Liebe. 20:00 Uhr…- Sukadev Bretz