Yajnopavita Dharana – die heilige Schnur erneuern

Aus Yogawiki

Yajnopavita Dharana – die heilige Schnur erneuern begleitet den Wechsel einer getragenen heiligen Schnur und erneuert die Bereitschaft zu täglicher religiöser Praxis. Die Anleitung ist für Menschen bestimmt, die bereits durch Upanayana in diese Lebensweise eingeführt wurden. Yajnopavita Dharana lässt sich bei einem notwendigen Schnurwechsel an einem sauberen Platz zu Hause vollziehen; die handelnde Person legt die neue Schnur selbst an. Die kurze Ordnung des Apastamba Purva Prayoga von Srirama Ramanuja Acharya verbindet Wasserschlucke, Gottesnamen, Entschluss, Anlegen und Ablegen. Hier wird die im Handbuch angebotene srivaishnavische Widmung als Dienst an Gott verwendet.

Die neue Schnur liegt zuerst am Körper, bevor die alte abgelegt wird. Für einen Brahmacharin ist eine Schnur vorgesehen; die im Handbuch erläuterte zweite Schnur gehört zur Haushälterpraxis. Die Erneuerung ist ein guter Augenblick, sich eine konkrete Aufgabe der eigenen Sadhana wieder bewusst zu machen: aufmerksam beten, wahrhaftig sprechen oder einen übernommenen Dienst zuverlässig erfüllen.

Lotos und Wasser erinnern an Reinheit und geistiges Wachstum.

Vorbereitung

Lege eine passende neue Baumwoll-Yajnopavita bereit, in der Haushälterpraxis zwei. Verwende fertig geknüpfte Schnüre in der gewohnten Größe deiner Tradition. Stelle einen Becher mit Trinkwasser, einen kleinen Löffel, eine Auffangschale und eine saubere Ablage für die alte Schnur hin. Eine Sitzunterlage hält die Kleidung sauber. Wasche dich und ziehe frische Kleidung an. Die alte Schnur bleibt zunächst angelegt.

Durchführung

1. Wasser schlucken und die Gegenwart Gottes im Körper ehren
Setze dich mit Blick nach Osten. Beim Achamana schöpfst du mit dem Löffel in der linken Hand jeweils wenig Trinkwasser in die rechte Handfläche und trinkst es vom Bereich am Daumenansatz. Sprich zu jedem der drei Schlucke je eine Formel:

oṃ acyutāya namaḥ |
oṃ anantāya namaḥ |
oṃ govindāya namaḥ |

Om, Verehrung dem Unwandelbaren. Om, Verehrung dem Unendlichen. Om, Verehrung Govindas.

Spüle die rechte Hand über der Auffangschale. Beim folgenden Anga Vandana berührst du mit der rechten Hand die genannten Körperstellen und sprichst jeweils den zugehörigen Gottesnamen:

Name Berührung
keśava rechte Wange mit dem Daumen
nārāyaṇa linke Wange mit dem Daumen
mādhava rechtes geschlossenes Augenlid mit dem Ringfinger
govinda linkes geschlossenes Augenlid mit dem Ringfinger
viṣṇu rechte Nasenseite mit dem Zeigefinger
madhusūdana linke Nasenseite mit dem Zeigefinger
trivikrama rechtes Ohr mit dem kleinen Finger
vāmana linkes Ohr mit dem kleinen Finger
śrīdhara rechte Schulter mit dem Mittelfinger
hṛṣīkeśa linke Schulter mit dem Mittelfinger
padmanābha Nabel mit der rechten Hand
dāmodara Scheitel mit der rechten Hand

Es sind die zwölf Namen Vishnus: Keshava, Narayana, Madhava, Govinda, Vishnu, Madhusudana, Trivikrama, Vamana, Shridhara, Hrishikesha, Padmanabha und Damodara. Die Berührungen widmen den Körper der Gegenwart Gottes.

2. Den Entschluss fassen
Bilde Brahmanjali: Lege die linke Hand mit der Fläche nach oben auf den rechten Oberschenkel und umfasse sie mit der nach unten gewendeten rechten Hand. Sprich den Sankalpa:

asyāṃ śubha tithau bhagavad ājñayā bhagavad kaiṅkarya rūpeṇa śrauta smārta vihita nitya karma anuṣṭhāna yogyatā siddhyarthaṃ brahma teja abhivṛddhyarthaṃ yajñopavīta dhāraṇaṃ kariṣye ||

An diesem glückverheißenden Tag werde ich mit Gottes Einwilligung und als Dienst an Gott die heilige Schnur anlegen, um für die täglichen, durch Shruti und Smriti vorgeschriebenen Handlungen bereit zu sein und die geistige Strahlkraft wachsen zu lassen.

3. Die erste neue Schnur anlegen
Halte die neue Schnur links über den Wasserbecher, die rechte Handfläche zunächst nach oben. Zur Zuordnung des Mantras berühre mit den rechten Fingerspitzen bei der ersten Zeile die Stirn, bei der zweiten den Mund und bei der dritten die Herzgegend. Sprich anschließend die vierte Zeile:

yajñopavīta dhāraṇa mahāmantrasya parabrahma ṛṣiḥ |
triṣṭup chandaḥ |
paramātmā devatā |
yajñopavīta dhāraṇe viniyogaḥ |

Für das große Mantra des Anlegens der heiligen Schnur ist das höchste Brahman der Seher, Trishtubh das Versmaß und das höchste Selbst die Gottheit. Es wird beim Anlegen der heiligen Schnur verwendet.

Nimm die Schnur mit beiden Händen auf und sprich:

yajñopavītaṃ paramaṃ pavitraṃ prajāpater yat sahajaṃ purastāt |
āyuṣyam agriyaṃ pratimuñca śubhraṃ yajñopavītaṃ balam astu tejaḥ ||

Die heilige Schnur ist höchst reinigend, von Anbeginn mit Prajapati geboren. Lege diese lautere, vorzügliche und lebensfördernde Schnur an. Möge sie Kraft und Strahlkraft sein.

yajñopavīta yajñasya tvaṃ yajñopavītaṃ dhārayāmi |

Heilige Schnur, du gehörst zum Opfer; ich lege die heilige Schnur an.

Führe Kopf und rechten Arm durch die Schnurschlinge. Lege sie über die linke Schulter, sodass sie unter dem rechten Arm verläuft. Die alte Schnur bleibt dabei noch am Körper.

4. Die zweite Schnur in der Haushälterpraxis
Wer als Haushälter zwei Schnüre trägt, nimmt jetzt die zweite neue Schnur und fasst in Brahmanjali folgenden Entschluss. Ein Brahmacharin geht unmittelbar zu Schritt 5 weiter.

oṃ pūrvokta guṇa viśeṣeṇa viśiṣṭāyām asyāṃ śubha tithau bhagavad ājñayā bhagavad kaiṅkarya rūpeṇa śrauta smārta vihita nitya karma anuṣṭhāna yogyatā siddhyarthaṃ gārhasthyārthaṃ dvitīya yajñopavīta dhāraṇaṃ kariṣye ||

Om. An diesem glückverheißenden Tag mit den zuvor genannten Eigenschaften werde ich mit Gottes Einwilligung und als Dienst an Gott die zweite heilige Schnur für das Leben als Haushälter anlegen, um für die täglichen, durch Shruti und Smriti vorgeschriebenen Handlungen bereit zu sein.

Wiederhole nun mit dieser Schnur die vollständige Handlung aus Schritt 3: die vier Zeilen der Mantrazuordnung mit den drei Berührungen, das zweizeilige Anlegemantra und die Anlegeformel. Lege auch diese Schnur über die linke Schulter und unter den rechten Arm.

5. Die alte Schnur ablegen und abschließen
Sprich über der alten Schnur:

upavītaṃ bhinna tantuṃ jīrṇaṃ kaśmala dūṣitam |
visṛjāmi punar brahma varco dīrghāyur astu me ||

Die Schnur mit beschädigten Fäden, abgetragen und verunreinigt, lege ich nun wieder ab. Mögen mir geistige Strahlkraft und ein langes Leben zuteilwerden.

Nimm die alte Schnur behutsam ab, während die neue angelegt bleibt, und lege sie auf die vorbereitete saubere Ablage. Vollziehe nun zweimal Achamana: jeweils die drei in Schritt 1 ausgeschriebenen Formeln mit je einem kleinen Wasserschluck. Das sind zum Abschluss sechs Schlucke. Spüle die Hand über der Schale.

Bleibe einen Moment gesammelt. Spüre den Faden auf der Schulter als Erinnerung an deinen Entschluss. Leere das aufgefangene Wasser an einen sauberen Platz in die Erde und reinige die Gefäße. Bewahre die alte Baumwollschnur bis zur respektvollen Entsorgung nach deinem Familienbrauch gesondert auf. Diese praktische Versorgung ergänzt den im Handbuch mit Achamana abgeschlossenen Ritus.

Rezitationen in IAST, Devanagari und deutscher Übersetzung

Achamana – drei Wasserschlucke
oṃ acyutāya namaḥ |
oṃ anantāya namaḥ |
oṃ govindāya namaḥ |

ओं अच्युताय नमः ।
ओं अनन्ताय नमः ।
ओं गोविन्दाय नमः ।

Om, Verehrung dem Unwandelbaren. Om, Verehrung dem Unendlichen. Om, Verehrung Govindas.

Anga Vandana – zwölf Gottesnamen
keśava | nārāyaṇa | mādhava | govinda |
viṣṇu | madhusūdana | trivikrama | vāmana |
śrīdhara | hṛṣīkeśa | padmanābha | dāmodara |

केशव । नारायण । माधव । गोविन्द ।
विष्णु । मधुसूदन । त्रिविक्रम । वामन ।
श्रीधर । हृषीकेश । पद्मनाभ । दामोदर ।

Keshava, Narayana, Madhava, Govinda, Vishnu, Madhusudana, Trivikrama, Vamana, Shridhara, Hrishikesha, Padmanabha und Damodara: zwölf Namen Vishnus. Sie erinnern an seine Schönheit, seine Nähe zu allen Wesen, die Überwindung des Dämons Madhu, seine drei weltumspannenden Schritte, die Zwerggestalt, seine Verbindung mit Shri, seine Herrschaft über die Sinne, den Lotos am Nabel und die liebevolle Bindung als Damodara.

Entschluss für die erste Schnur
asyāṃ śubha tithau bhagavad ājñayā bhagavad kaiṅkarya rūpeṇa śrauta smārta vihita nitya karma anuṣṭhāna yogyatā siddhyarthaṃ brahma teja abhivṛddhyarthaṃ yajñopavīta dhāraṇaṃ kariṣye ||

अस्यां शुभ तिथौ भगवद् आज्ञया भगवद् कैङ्कर्य रूपेण श्रौत स्मार्त विहित नित्य कर्म अनुष्ठान योग्यता सिद्ध्यर्थं ब्रह्म तेज अभिवृद्ध्यर्थं यज्ञोपवीत धारणं करिष्ये ॥

An diesem glückverheißenden Tag werde ich mit Gottes Einwilligung und als Dienst an Gott die heilige Schnur anlegen, um für die täglichen, durch Shruti und Smriti vorgeschriebenen Handlungen bereit zu sein und die geistige Strahlkraft wachsen zu lassen.

Zuordnung des Mantras
yajñopavīta dhāraṇa mahāmantrasya parabrahma ṛṣiḥ |
triṣṭup chandaḥ |
paramātmā devatā |
yajñopavīta dhāraṇe viniyogaḥ |

यज्ञोपवीत धारण महामन्त्रस्य परब्रह्म ऋषिः ।
त्रिष्टुप् छन्दः ।
परमात्मा देवता ।
यज्ञोपवीत धारणे विनियोगः ।

Für das große Mantra des Anlegens der heiligen Schnur ist das höchste Brahman der Seher, Trishtubh das Versmaß und das höchste Selbst die Gottheit. Es wird beim Anlegen der heiligen Schnur verwendet.

Mantra beim Anlegen
yajñopavītaṃ paramaṃ pavitraṃ prajāpater yat sahajaṃ purastāt |
āyuṣyam agriyaṃ pratimuñca śubhraṃ yajñopavītaṃ balam astu tejaḥ ||

यज्ञोपवीतं परमं पवित्रं प्रजापतेर् यत् सहजं पुरस्तात् ।
आयुष्यम् अग्रियं प्रतिमुञ्च शुभ्रं यज्ञोपवीतं बलम् अस्तु तेजः ॥

Die heilige Schnur ist höchst reinigend, von Anbeginn mit Prajapati geboren. Lege diese lautere, vorzügliche und lebensfördernde Schnur an. Möge sie Kraft und Strahlkraft sein.

Anlegeformel
yajñopavīta yajñasya tvaṃ yajñopavītaṃ dhārayāmi |

यज्ञोपवीत यज्ञस्य त्वं यज्ञोपवीतं धारयामि ।

Heilige Schnur, du gehörst zum Opfer; ich lege die heilige Schnur an.

Entschluss für die zweite Schnur des Haushälters
oṃ pūrvokta guṇa viśeṣeṇa viśiṣṭāyām asyāṃ śubha tithau bhagavad ājñayā bhagavad kaiṅkarya rūpeṇa śrauta smārta vihita nitya karma anuṣṭhāna yogyatā siddhyarthaṃ gārhasthyārthaṃ dvitīya yajñopavīta dhāraṇaṃ kariṣye ||

ओं पूर्वोक्त गुण विशेषेण विशिष्टायाम् अस्यां शुभ तिथौ भगवद् आज्ञया भगवद् कैङ्कर्य रूपेण श्रौत स्मार्त विहित नित्य कर्म अनुष्ठान योग्यता सिद्ध्यर्थं गार्हस्थ्यार्थं द्वितीय यज्ञोपवीत धारणं करिष्ये ॥

Om. An diesem glückverheißenden Tag mit den zuvor genannten Eigenschaften werde ich mit Gottes Einwilligung und als Dienst an Gott die zweite heilige Schnur für das Leben als Haushälter anlegen, um für die täglichen, durch Shruti und Smriti vorgeschriebenen Handlungen bereit zu sein.

Die alte Schnur ablegen
upavītaṃ bhinna tantuṃ jīrṇaṃ kaśmala dūṣitam |
visṛjāmi punar brahma varco dīrghāyur astu me ||

उपवीतं भिन्न तन्तुं जीर्णं कश्मल दूषितम् ।
विसृजामि पुनर् ब्रह्म वर्चो दीर्घायुर् अस्तु मे ॥

Die Schnur mit beschädigten Fäden, abgetragen und verunreinigt, lege ich nun wieder ab. Mögen mir geistige Strahlkraft und ein langes Leben zuteilwerden.

Quellen und Vertiefung

Grundlage ist das eigenständige Eingangskapitel zum Fadenwechsel, nicht die spätere Upanayana-Feier desselben Handbuchs. Achamana, die zwölf Körperberührungen und Brahmanjali werden mithilfe der Sandhya-Anleitung desselben Herausgebers ausgeschrieben. Die srivaishnavische Sankalpa-Alternative wird durchgehend verwendet. Die getrennt gedruckten Sanskritwörter bleiben weitgehend erhalten; offensichtliche Schreibfehler sind als yogyatā, siddhyarthaṃ, viśiṣṭāyām, abhivṛddhyarthaṃ und visṛjāmi normalisiert. Paramātmā devatā folgt der grammatisch eindeutigen Parallelform in Puja Vidhanam, Abschnitt Yajnopavita Dharanam, S. 292. Die Rezitation ist ohne vedische Akzentzeichen gesetzt; die Ausgabe des Handbuchs zeigt die Akzente beim Anlegemantra. Das Versmaß folgt hier dem Anfangskapitel mit Trishtubh.

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