Vishnu Gastgaben Puja nach dem Mantramahodadhi

Aus Yogawiki

Vishnu Gastgaben Puja nach dem Mantramahodadhi gestaltet die Begegnung mit Vishnu-Narayana als liebevolle Gastfreundschaft. Wasser, ein Gewand, Duft, Blüte und Licht erhalten durch die alten Darbringungsgebete eine innere Bedeutung: Der äußere Dienst erinnert an die göttliche Gegenwart im eigenen Herzen.

Aufmerksame Gastfreundschaft wird in der Puja zur Verehrung.

Umfang: Eigenständige häusliche Gastgabenfolge mit vollständigen Gebeten und ausdrücklich vereinfachten Handlungen.

Anlass, Voraussetzungen und Material

Benötigt werden ein Vishnu- oder Narayana-Bild, ein Gefäß mit Trinkwasser, ein Löffel, eine Auffangschale für die Wassergaben, eine kleine Arghya-Schale, eine flache Schale für Sandelpaste, drei weiße oder gelbe Blüten, ein kleines gelbes Tuch, etwas Sandelpaste, eine vorbereitete Lampe mit Zündmittel sowie geringe Mengen Joghurt, Ghee und Honig in einer Speiseschale. Plane 25 bis 35 Minuten ein. Diese Auswahl eignet sich für Puja-Erfahrene, die eine einfache häusliche Gastgabenfolge ausführen möchten.

Zur Vertiefung passen Große Yoga Vidya Puja, Panchayatana Puja, Narayana Sukta. Alle für die hier beschriebene Sitzung erforderlichen Schritte sind unten ausgeschrieben.

1. Den Platz und die Gaben vorbereiten

Stelle das Bild oder die Murti erhöht auf. Stelle das Gefäß mit frischem Wasser und den Löffel auf deine bevorzugte Handseite. Die Auffangschale steht vor dem Bild und nimmt alle überreichten Löffel Wasser auf; aus ihr wird kein Wasser zurückgenommen. Stelle die zunächst leere Arghya-Schale separat daneben. Bereite die weiteren Gaben in kleinen Mengen vor. Die Lampe steht auf einer feuerfesten Unterlage. Wasche die Hände, setze dich und richte deine Aufmerksamkeit auf Vishnu als göttlichen Gast. Für die folgenden Gaben sind die jeweiligen Sanskritgebete samt dem Narayana-Mantra vollständig ausgeschrieben.

2. Die Gegenwart anrufen

Sitze vor dem Bild, lege die Hände vor dem Herzen zusammen und sprich einmal:

oṃ namo nārāyaṇāya
taveyaṃ mahimāmūrtis tasyāṃ tvāṃ sarvaga prabho |
bhaktisnehasamākṛṣṭaṃ dīpavat sthāpayāmy aham ||

Om. Verehrung Narayana. Dies ist die Gestalt deiner Herrlichkeit. In ihr vergegenwärtige ich dich, alldurchdringender Herr, wie eine Leuchte, angezogen von der Liebe der Hingabe.

3. Einen Sitz anbieten und willkommen heißen

Lege eine Blüte unmittelbar vor das Bild. Sprich zunächst das Sitzgebet:

oṃ namo nārāyaṇāya
sarvāntaryāmiṇe deva sarvabījamayaṃ śubham |
svātmasthāya paraṃ śuddham āsanaṃ kalpayāmy aham ||

Om. Verehrung Narayana. Dir, Gott, der du allen Wesen innewohnst und in deinem eigenen Selbst ruhst, bereite ich einen glückverheißenden, höchsten und reinen Sitz, der alle Keimkräfte umfasst.

Falte danach die Hände und sprich das Willkommen:

oṃ namo nārāyaṇāya
yasya darśanam icchanti devāḥ svābhīṣṭasiddhaye |
tasmai te parameśāya svāgataṃ svāgataṃ ca te ||

Om. Verehrung Narayana. Dich, dessen Anblick die Götter zur Erfüllung ihrer Herzenswünsche ersehnen, heißen wir willkommen: Willkommen, höchster Herr, willkommen!

4. Wasser für die Füße reichen

Nimm einen Löffel frisches Wasser. Vergegenwärtige die Lotusfüße Vishnus, sprich das Gebet und gieße dabei das Wasser in die Auffangschale:

oṃ namo nārāyaṇāya
yadbhaktileśasamparkāt paramānandavigraham |
tasmai te caraṇābjāya pādyaṃ śuddhāya kalpaye ||

Om. Verehrung Narayana. Deinen reinen Lotusfüßen bereite ich Wasser; schon die Berührung mit einem Hauch von Hingabe lässt die Gestalt höchster Seligkeit erfahren. Der erste Halbvers ist im Sanskrit elliptisch; die Übersetzung gibt seinen Zusammenhang sinngemäß wieder.

5. Wasser zum Spülen des Mundes reichen

Halte einen Löffel frisches Wasser vor die Gottheit und gieße ihn nach der Rezitation in die Schale. Das Wasser wird der Gottheit angeboten; du trinkst es in diesem Schritt nicht selbst.

oṃ namo nārāyaṇāya
vedānām api vedāya devānāṃ devatātmane |
ācāmaṃ kalpayāmīśa śuddhānāṃ śuddhihetave ||

Om. Verehrung Narayana. Dir, dem Wissen selbst der Veden und dem göttlichen Wesen der Götter, bereite ich Wasser zum Spülen des Mundes, o Herr, Ursprung der Reinheit selbst der Reinen.

6. Arghya als Ehrengabe anbieten

Fülle die Arghya-Schale mit etwas frischem Wasser und lege die zweite der drei Blüten hinein. Hebe dieses ehrerbietig an und sprich das Gebet. Stelle es anschließend vor die Gottheit.

oṃ namo nārāyaṇāya
tāpatrayaharaṃ divyaṃ paramānandalakṣaṇam |
tāpatrayavinirmuktaṃ tavārghyaṃ kalpayāmy aham ||

Om. Verehrung Narayana. Ich bereite dir dieses göttliche Arghya, das die dreifachen Leiden wegnimmt, durch höchste Seligkeit gekennzeichnet und von den dreifachen Leiden frei ist. Gemeint sind Leiden aus dem eigenen Inneren, durch andere Wesen und durch übergeordnete Einwirkungen.

7. Madhuparka darbringen

Vermische in einer kleinen Schale je eine kleine Menge Joghurt, Ghee und Honig. Halte die Schale vor die Gottheit, sprich und stelle sie als Gastgabe hin:

oṃ namo nārāyaṇāya
sarvakāluṣyahīnāya paripūrṇasukhātmane |
madhuparkam idaṃ deva kalpayāmi prasīda me ||

Om. Verehrung Narayana. Dir, frei von jeder Trübung und von vollkommener Glückseligkeit erfüllt, bereite ich diesen Madhuparka, o Gott. Sei mir gnädig.

8. Erneut Wasser zum Mundspülen reichen

Biete nach der süßen Gastgabe einen weiteren Löffel frisches Wasser an und gieße ihn nach dem Gebet in die Auffangschale:

oṃ namo nārāyaṇāya
ucchiṣṭo'py aśucir vāpi yasya smaraṇamātrataḥ |
śuddhim āpnoti tasmai te punarācamanīyakam ||

Om. Verehrung Narayana. Dir, durch dessen bloßes Gedenken selbst ein Mensch mit Speiseresten oder in Unreinheit Reinheit erlangt, reiche ich erneut Wasser zum Mundspülen.

9. Ein Bad vergegenwärtigen

Gib drei kleine Löffel frisches Wasser nacheinander in die Auffangschale vor dem Bild und stelle dir dabei ein sanftes Bad der Gottheit vor. Sprich das vollständige Gebet einmal während dieser Handlung. Ein Papierbild wird dabei nicht benetzt.

oṃ namo nārāyaṇāya
paramānandabodhābdhinimagnanijamūrtaye |
sāṅgopāṅgam idaṃ snānaṃ kalpayāmy aham īśa te ||

Om. Verehrung Narayana. Dir, dessen eigene Gestalt im Ozean höchster Seligkeit und Erkenntnis ruht, bereite ich, o Herr, dieses Bad für deine ganze Gestalt mit all ihren Gliedern.

10. Ein Gewand anbieten

Lege ein sauberes gelbes Tuch vor das Bild oder um eine dafür geeignete Murti. Sprich:

oṃ namo nārāyaṇāya
māyācitrapaṭacchannanijaguhyorutejase |
nirāvaraṇavijñāna vāsas te kalpayāmy aham ||

Om. Verehrung Narayana. Dir, dessen verborgener großer Glanz vom bunten Gewand der Maya verhüllt ist, bereite ich dieses Gewand, o unverhüllte Erkenntnis.

11. Duft darbringen

Lege eine kleine Menge Sandelpaste in eine eigene flache Schale vor Vishnu. Sprich:

oṃ namo nārāyaṇāya
paramānandasaurabhyaparipūrṇadigantaram |
gṛhāṇa paramaṃ gandhaṃ kṛpayā parameśvara ||

Om. Verehrung Narayana. Nimm gnädig diesen höchsten Duft an, der alle Himmelsrichtungen mit dem Wohlgeruch höchster Seligkeit erfüllt, o höchster Herr.

12. Eine Blüte darbringen

Lege die dritte weiße oder gelbe Blüte vor die Gottheit und sprich:

oṃ namo nārāyaṇāya
turīyavanasaṃbhūtaṃ nānāguṇamanoharam |
amandasaurabhaṃ puṣpaṃ gṛhyatām idam uttamam ||

Om. Verehrung Narayana. Nimm diese erlesene Blüte an, entstanden im Wald des Vierten, durch vielerlei Vorzüge bezaubernd und von kräftigem Wohlgeruch. Mit dem Vierten ist Turiya, das transzendente Bewusstsein, gemeint.

13. Ein Licht anbieten

Zünde die bereitgestellte Lampe an und führe sie in drei ruhigen Kreisen vor dem Bild. Sprich das Gebet einmal und stelle die Lampe anschließend wieder sicher ab:

oṃ namo nārāyaṇāya
suprakāśo mahādīpaḥ sarvatas timirāpahaḥ |
sabāhyābhyantaraṃ jyotirdīpo'yaṃ pratigṛhyatām ||

Om. Verehrung Narayana. Nimm diese hell strahlende große Leuchte an, die überall Dunkelheit vertreibt: diese Lampe als Licht im Äußeren und im Inneren.

14. Dank und Abschluss

Falte die Hände und sprich dreimal:

oṃ namo nārāyaṇāya

Om. Verehrung Narayana.

Verneige dich und verweile einige Atemzüge still. Vergegenwärtige die verehrte Gegenwart nun im Herzen. Beende die äußeren Handlungen und lösche die Lampe nach der Andacht. Die süße Gabe kann anschließend als Prasad geteilt werden. Räume später die übrigen Gaben ab und reinige die verwendeten Gefäße.

Vertiefung

Yoga-Vidya-Vortrag zum Ablauf einer Puja. Das Video ist eine thematische Ergänzung; der konkrete Ablauf richtet sich nach dieser Anleitung.

Siehe auch

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Quellen und redaktionelle Hinweise

Mantramahodadhi von Mahīdhara, Sanskrit-IAST-Projektfassung mit gesonderten Erläuterungen aus der Naukā. Die Gebete folgen 22.44b–45a (Vergegenwärtigung), 22.46b–47a (Sitz), 22.58 (Willkommen), 22.61b–62a (Fußwasser), 22.63b–64a (Mundspülung), 22.66 (Arghya), 22.67–68 (Madhuparka), 22.69b–70a (erneute Mundspülung), 22.73b–74a (Bad), 22.76 (Gewand), 22.83 (Duft), 22.85 (Blüte) und 22.116b–117a (Licht). Die Worttrennung in 22.76 folgt der in der Naukā erläuterten Anrede. Gelb für Vishnus Gewand: 22.78; weiße und gelbe Blüten: 22.89. Der Narayana-Mantra stammt aus dem Ashtakshara-Abschnitt des Brihat Tantrasara, Vers 65 und Silbenaufteilung in 85–87.

Diese Anleitung ist eine ausgewählte Gastgabenfolge mit den vollständigen zugehörigen Gebeten. Einfaches Wasser, Blütenwasser als Arghya, das symbolische Bad vor einem Bild und drei Lichtkreise sind redaktionelle Vereinfachungen. Die Quelle enthält darüber hinaus besondere Wasserzusätze, Mudras, Nyasas, Avaranas und weitere Gaben; hier wird keine vollständige Shodashopachara-Puja beansprucht.