Shiva Sankalpa Sukta

Aus Yogawiki

Shiva Sankalpa Sukta (Sanskrit: शिवसङ्कल्पसूक्तम्, IAST: śivasaṅkalpasūktam, n.) – ein Gebet des weißen Yajurveda um eine heilsame Ausrichtung des Geistes. Sechs Verse schildern, wie weit der Geist wandern kann. Jeder führt mit derselben Bitte zurück: Möge mein Entschluss dem Guten dienen. Dieser Refrain eignet sich besonders für die stille Betrachtung vor dem Handeln.

Swami Sivananda: Sammlung und ein aufrichtiger Entschluss begleiten die Praxis.

Diese sechs Mantras sind ein Gebet für den eigenen Geist. Sie beschreiben seine weite Bewegung, seine Erkenntniskraft und seine Fähigkeit, unser Leben zu lenken. Jeder Vers schließt mit derselben Bitte: „Möge dieser mein Geist von einem heilsamen Sankalpa erfüllt sein.“ Sankalpa bedeutet Entschluss, Absicht oder geistige Ausrichtung. Shiva bedeutet hier heilvoll und segensreich; in unserer Verehrung verbindet sich damit auch die Hinwendung zu Shiva. Die Hymne berührt eine Grundaufgabe des Yoga: den Geist verstehen, ihn schulen und auf das Göttliche ausrichten.

Herkunft und Verwendung

Shukla-Yajurveda, Vajasaneyi-Samhita, Kapitel 34, Mantras 1–6: VS 34.1–6. Om und der Shanti-Ruf gehören zum Rezitationsrahmen.

Śiva heißt im wiederkehrenden Ausdruck śivasaṅkalpa zunächst „heilvoll, günstig“. Der Name der Hymne allein macht sie noch nicht zu einer ausschließlich an den später ikonographisch ausgestalteten Gott Shiva gerichteten Anrufung.

Vollständiger Sanskrittext in IAST

oṃ yaj jāgrato dūram udaiti daivaṃ tad u suptasya tathaivaiti |
dūraṅgamaṃ jyotiṣāṃ jyotir ekaṃ tan me manaḥ śivasaṅkalpam astu || 1 ||

yena karmāṇy apaso manīṣiṇo yajñe kṛṇvanti vidatheṣu dhīrāḥ |
yad apūrvaṃ yakṣam antaḥ prajānāṃ tan me manaḥ śivasaṅkalpam astu || 2 ||

yat prajñānam uta ceto dhṛtiś ca yaj jyotir antar amṛtaṃ prajāsu |
yasmān na ṛte kiṃ cana karma kriyate tan me manaḥ śivasaṅkalpam astu || 3 ||

yenedaṃ bhūtaṃ bhuvanaṃ bhaviṣyat parigṛhītam amṛtena sarvam |
yena yajñas tāyate saptahotā tan me manaḥ śivasaṅkalpam astu || 4 ||

yasminn ṛcaḥ sāma yajūṃṣi yasmin pratiṣṭhitā rathanābhāv ivārāḥ |
yasmiṃś cittaṃ sarvam otaṃ prajānāṃ tan me manaḥ śivasaṅkalpam astu || 5 ||

suṣārathir aśvān iva yan manuṣyān nenīyate 'bhīśubhir vājina iva |
hṛtpratiṣṭhaṃ yad ajiraṃ javiṣṭhaṃ tan me manaḥ śivasaṅkalpam astu || 6 ||

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Vollständige deutsche Übersetzung

Om.

1 Der göttliche Geist, der im Wachen weit hinauswandert und ebenso im Schlaf seine Wege geht, der weithin schweift, das eine Licht der Lichter: Möge dieser mein Geist von einem heilsamen Sankalpa erfüllt sein.

2 Durch ihn vollbringen die Tätigen und Einsichtigen ihre Werke, die Weisen beim Yajna und in den heiligen Versammlungen. Er ist das einzigartige Geheimnis im Inneren der Wesen: Möge dieser mein Geist von einem heilsamen Sankalpa erfüllt sein.

3 Er ist Erkenntnis, Bewusstheit und Standhaftigkeit, das unsterbliche Licht im Inneren der Wesen. Ohne ihn wird keine einzige Handlung vollbracht: Möge dieser mein Geist von einem heilsamen Sankalpa erfüllt sein.

4 Durch ihn, den Unsterblichen, wird alles umfasst: das Vergangene, das Gegenwärtige und das Kommende. Durch ihn entfaltet sich das Yajna mit seinen sieben Hotris: Möge dieser mein Geist von einem heilsamen Sankalpa erfüllt sein.

5 In ihm ruhen die Verse des Rigveda, die Gesänge des Samaveda und die Mantras des Yajurveda wie Speichen in der Nabe eines Rades. In ihn ist das gesamte Denken der Wesen eingewoben: Möge dieser mein Geist von einem heilsamen Sankalpa erfüllt sein.

6 Er lenkt die Menschen wie ein guter Wagenlenker die Pferde, wie einer, der schnelle Rosse mit den Zügeln führt. Im Herzen hat er seinen Sitz, unermüdlich und von höchster Schnelligkeit: Möge dieser mein Geist von einem heilsamen Sankalpa erfüllt sein.

Om. Shanti, Shanti, Shanti. Frieden, Frieden, Frieden.

Vollständiger Sanskrittext in Devanagari

ॐ यज् जाग्रतो दूरम् उदैति दैवं तद् उ सुप्तस्य तथैवैति ।
दूरङ्गमं ज्योतिषां ज्योतिर् एकं तन् मे मनः शिवसङ्कल्पम् अस्तु ॥ १ ॥

येन कर्माण्य् अपसो मनीषिणो यज्ञे कृण्वन्ति विदथेषु धीराः ।
यद् अपूर्वं यक्षम् अन्तः प्रजानां तन् मे मनः शिवसङ्कल्पम् अस्तु ॥ २ ॥

यत् प्रज्ञानम् उत चेतो धृतिश् च यज् ज्योतिर् अन्तर् अमृतं प्रजासु ।
यस्मान् न ऋते किं चन कर्म क्रियते तन् मे मनः शिवसङ्कल्पम् अस्तु ॥ ३ ॥

येनेदं भूतं भुवनं भविष्यत् परिगृहीतम् अमृतेन सर्वम् ।
येन यज्ञस् तायते सप्तहोता तन् मे मनः शिवसङ्कल्पम् अस्तु ॥ ४ ॥

यस्मिन्न् ऋचः साम यजूंषि यस्मिन् प्रतिष्ठिता रथनाभाव् इवाराः ।
यस्मिंश् चित्तं सर्वम् ओतं प्रजानां तन् मे मनः शिवसङ्कल्पम् अस्तु ॥ ५ ॥

सुषारथिर् अश्वान् इव यन् मनुष्यान् नेनीयते ऽभीशुभिर् वाजिन इव ।
हृत्प्रतिष्ठं यद् अजिरं जविष्ठं तन् मे मनः शिवसङ्कल्पम् अस्तु ॥ ६ ॥

ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

Vertiefende Erläuterungen

Rigveda-Handschrift: Bildbeispiel vedischer Textüberlieferung; ein Beispiel für die handschriftliche Überlieferung.

Dein Geist hat eine große Kraft. Er kann sich Vergangenes vergegenwärtigen, sich eine Zukunft vorstellen und eine Handlung vorbereiten. Die Hymne erinnert an diese Fähigkeiten und bittet um eine gute Ausrichtung.

Ein Sankalpa hilft dir, bewusst zu wählen, welche Gedanken du stärken möchtest. Du kannst dir morgens einen einfachen Entschluss vornehmen: Heute spreche ich wahrhaftig. Heute begegne ich den Menschen mit Freundlichkeit. Heute erfülle ich meine Aufgabe mit Hingabe. Nimm einen Vorsatz, den du im Alltag tatsächlich üben kannst.

Im letzten Vers erscheint der Geist als Wagenlenker. Ein guter Lenker kennt seine Pferde und führt sie mit Aufmerksamkeit. So lernst du in der Meditation die Bewegungen deines Geistes kennen. Du bemerkst, wohin sie dich tragen, und gibst ihnen eine Richtung. Dabei verbindet die Hymne eigene Bemühung mit Gebet. Auch um einen klaren und wohlwollenden Geist dürfen wir bitten.

Video zur Vertiefung

Sankalpa - Wille - Absicht - Sanskrit Wörterbuch

Anregungen für die eigene Praxis

Swami Sivananda mit einer Mala: Rezitation, Sammlung und Hingabe können einander vertiefen.
  1. Formuliere einen kleinen, überprüfbaren Entschluss für heute, etwa aufmerksam zuzuhören.
  2. Sprich das Gebet mit ruhiger Stimme und ohne die Atmung zu erzwingen.
  3. Unterscheide einen aufkommenden Gedanken von dem Entschluss, ihm zu folgen.
  4. Erinnere dich vor einer schwierigen Handlung an deinen Vorsatz und prüfe ihn an Satya und Ahimsa.
  5. Blicke am Abend freundlich und ehrlich zurück: Was ist gelungen, was braucht morgen neue Aufmerksamkeit?

Video zur begleitenden Praxis und Auslegung

Satya im Patanjali Yoga Sutra – YVS507 – Kap. 2, Vers 36

Abschließende Worte

Steht heute ein schwieriges Gespräch an? Lass die Bitte um einen heilsamen Entschluss dem ersten Wort vorausgehen.

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Sukadev Bretz (Hrsg.): Veden – Offenbarungen der Rishis. Hymnen zur Rezitation, Übersetzungen, Erläuterungen. Yoga Vidya Verlag, Bad Meinberg. Abschnitt „Shiva Sankalpa Sukta“.
  • Hymnen aus den Veden, Rezitationssammlung, Nr. 5: „Śiva Saṅkalpa Sūktam“.
  • Shukla-Yajurveda, Vajasaneyi-Samhita, Kapitel 34, Mantras 1–6: VS 34.1–6. Om und der Shanti-Ruf gehören zum Rezitationsrahmen.

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