Sandhyavandana – puranische Morgenverehrung mit Vishnu-Gayatri
Sandhyavandana – puranische Morgenverehrung mit Vishnu-Gayatri verbindet Reinigung, Sonnenwassergaben und die wiederholte Bitte um geistige Klarheit zu einem vollständigen Morgenritual. Diese Sandhyavandana-Fassung des Puranokta Purva Prayoga ist für Menschen zusammengestellt, die ohne eine lange vedische Schulrezitation eine geordnete tägliche Praxis vollziehen möchten. Hier wird durchgehend der vom Handbuch angebotene Vaishnava-Zweig mit Vishnu gewählt: Seine zwölf Namen werden mit Körperberührungen und Wassergaben verbunden, danach folgt die Vishnu-Gayatri. Die praktizierende Person führt die Ordnung selbst am Morgen an einem sauberen, nach Osten ausgerichteten Platz zu Hause oder draußen aus.

Vorbereitung
Bereite eine Sitzmatte, ein Wassergefäß mit Löffel, reichlich sauberes Trinkwasser und eine Auffangschale vor. Bringe nach dem Waschen ein Tilaka aus Sandelpaste oder Ton auf der Stirn an; die Quelle erlaubt für einen Arbeitstag auch ein Zeichen nur mit Wasser. Die volle Folge unten ist bewusst eine Morgenfassung. Das Handbuch bietet auch Abendformen und einen Shaiva-Zweig; diese werden nicht während der Durchführung miteinander vermischt. Es empfiehlt zweimal täglich, wenigstens aber einmal täglich zu üben. Für die Rezitation wird eine der ausdrücklich genannten Zahlen 108, 28 oder 10 gewählt.
Durchführung
1. Sitz und inneren Raum bereiten
Setze dich morgens nach Osten. Berühre den Boden mit der Hand und sprich die Bitte an Bhumi.
pṛthivi tvayā dhṛtā lokā devi tvaṁ viṣṇunā dhṛtā |
tvaṁ ca dhāraya māṁ devi pavitraṁ kuru cāsanam ||
Erde, du trägst die Welten, Göttin; du wirst von Vishnu getragen. Trage auch mich und mache meinen Sitz rein.
2. Den Lehrenden danken
Denke an deine Lehrenden und grüße sie.
oṁ sarvebhyo gurubhyo namaḥ |
Om, Verneigung vor allen Lehrenden.
3. Das Wasser anrufen
Berühre das Wassergefäß. Mit dieser im Handbuch ausdrücklich genannten Berührung wird keine Kenntnis einer besonderen Handgeste vorausgesetzt.
gaṅgā ca yamunā caiva godāvarī sarasvatī |
narmadā sindhu kāverī jale’smin sannidhim kuru ||
Ganga, Yamuna, Godavari, Sarasvati, Narmada, Sindhu und Kaveri: Seid in diesem Wasser gegenwärtig.
4. Sich besprengen
Benetze dich mit wenig Wasser und erinnere dich an den Lotusäugigen.
apavitraḥ pavitro vā sarvāvasthaṁ-gato’pi vā |
yas-smaret puṇḍarikākṣaṁ sa bāhyābhyantaraś-śuciḥ ||
Ob unrein oder rein, in welcher Lage auch immer: Wer an den Lotusäugigen denkt, ist außen und innen rein.
5. Wasser zur Sammlung trinken
Halte den Löffel links, gib je einen Löffel Wasser in die rechte Hand und trinke beim Achamana zu jedem Namen einen kleinen Schluck von der Handwurzel.
oṁ acyutāya namaḥ |
oṁ anantāya namaḥ |
oṁ govindāya namaḥ |
Verneigung vor Acyuta, dem Unvergänglichen, vor Ananta, dem Unendlichen, und vor Govinda.
6. Den Körper als Gottes Wohnung ehren
Berühre beim Anga Vandana nacheinander mit Fingern der rechten Hand die Körperstellen: mit dem Daumen rechte und linke Wange; mit dem Ringfinger rechtes und linkes Auge; mit dem Zeigefinger rechte und linke Nasenseite; mit dem kleinen Finger rechtes und linkes Ohr; mit dem Mittelfinger rechte und linke Schulter; zuletzt mit der rechten Hand Nabel und Scheitel. Je eine Stelle gehört zu einem der zwölf Namen in derselben Reihenfolge.
keśava |
nārāyaṇa |
mādhava |
govinda |
viṣṇu |
madhusūdana |
trivikrama |
vāmana |
śrīdhara |
hṛṣīkeśa |
padmanābha |
dāmodara |
Keshava; Narayana, Zuflucht der Wesen; Madhava, Gemahl Lakshmis; Govinda; Vishnu, der Allgegenwärtige; Madhusudana, Bezwinger Madhus; Trivikrama, der drei Schritte Tuende; Vamana, die kleine Gestalt; Shridhara, Träger der Shri; Hrishikesha, Herr der Sinne; Padmanabha, der Lotusnabel; Damodara, der mit einem Seil am Bauch Gebundene.
7. Hindernisse loslassen
Berühre mit locker geschlossenen Fäusten sanft die Schläfen. Bei diesem Vighna Apaharana stelle dir vor, dass eine klare geistige Kraft den Körper durchdringt.
śuklāṁ-baradharaṁ devaṁ śaśi-varṇaṁ catur-bhujam |
prasanna vadanaṁ dhyāyet sarva vighnopa śāntaye ||
Man betrachte den Gott im weißen Gewand, mondhell, vierarmig und mit freundlichem Antlitz, damit alle Hindernisse zur Ruhe kommen.
8. Atem und Hände sammeln
Für das hier ausdrücklich symbolisch verstandene Pranayama beuge Zeige- und Mittelfinger rechts zur Handfläche; lege Daumen und Ringfinger an die Nasenflügel. Rezitiere innerlich, ohne angestrengtes Atemhalten. Berühre danach beim Shrotrachamana mit der rechten Hand das rechte Ohr. Lege für Brahmanjali die linke Hand mit der Fläche nach oben auf den rechten Oberschenkel und die rechte Hand mit der Fläche nach unten darüber.
oṁ bhūḥ oṁ bhuvaḥ oṁ suvaḥ oṁ mahaḥ oṁ janaḥ oṁ tapaḥ oṁ satyam |
oṁ tat savitur vareṇyaṁ bhargo devasya dhīmahi | dhiyo yo naḥ pracodayāt ||
oṁ āpo jyotiḥ raso’mṛtaṁ brahma bhūrbhuvassuvarom ||
Om: Erde, Zwischenraum, Himmel, Weite, Schöpfungswelt, Welt der geistigen Glut, Wahrheit. Wir betrachten das verehrungswürdige Licht des göttlichen Savitar; möge er unsere Einsicht anregen. Om: Wasser, Licht, Essenz, Unsterblichkeit, Brahman – Erde, Zwischenraum und Himmel, Om.
9. Den Morgen widmen
Bleibe in der beschriebenen Handhaltung und sprich den Sankalpa der hier gewählten Vaishnava-Morgenfassung.
hariḥ oṁ tat sat | bhagavad ājñayā bhagavad kaiṅkarya rūpaṁ prātaḥ sandhyām upāsiṣye ||
Hari, Om, dies ist die Wahrheit. Auf göttliches Geheiß und als Dienst an Gott vollziehe ich die Verehrung am Morgenübergang.
10. Sich siebenmal besprengen
Halte links einen Löffel Wasser, tauche den rechten Ringfinger ein und besprenge bei Marjana siebenmal den Kopf. Sprich den folgenden Mantra zu jeder Besprengung. Gieße danach etwas Wasser in die rechte Hand und versprenge es im Uhrzeigersinn um den Kopf.
oṁ namo bhagavate vāsudevāya |
Om, Verneigung vor dem erhabenen Vasudeva.
11. Reinigung durch einen Wasserschluck
Nimm für Aposhana Wasser in die rechte Hand, sprich beide Verse und trinke den kleinen Schluck. Das Nippen konkretisiert die Bezeichnung der Handlung.
āpas-tvam-asi deveśa jyotiṣāṁ patireva ca |
pāpaṁ nāśaya me deva yāṅmanaḥ kārya karmajam ||
aghāni yāni-atitāni yāni cāgantukāni vai |
vartamānāni dhūyantām aghamarṣaṇa karmaṇā ||
Du bist in den Wassern, Herr der Götter, Herr der Lichter. Tilge, Gott, meine Verfehlung, die aus Denken, Handeln und den Folgen des Tuns erwächst. Vergangene, künftige und gegenwärtige Verfehlungen mögen durch diese reinigende Handlung hinweggenommen werden.
12. Die Sonnenwassergabe beschließen
Sprich die Absicht für das Surya Arghya.
hariḥ oṁ tatsat | bhagavad ājñayā bhagavad kaiṅkarya rūpaṁ prātaḥ sūrya arghya pradānam kariṣye ||
Hari, Om, dies ist die Wahrheit. Auf göttliches Geheiß und als Dienst an Gott werde ich morgens das Ehrenwasser für Surya darbringen.
13. Dreimal Wasser für Surya geben
Nimm Wasser in die rechte Hand. Sprich den Vers und lasse das Wasser über die Fingerspitzen auf den Boden beziehungsweise in die Auffangschale fließen. Wiederhole den ganzen Vorgang insgesamt dreimal.
ehi sūrya sahasrāṁśo tejo-rāśe jagat-pate |
anukampayā māṁ bhaktyā gṛhāṇārghyaṁ divākara ||
Komm, Surya mit tausend Strahlen, Fülle des Glanzes, Herr der Welt. Aus Mitgefühl nimm mein in Hingabe dargebrachtes Ehrenwasser an, Schöpfer des Tages.
14. Die neun Grahas mit Wasser ehren
Beim Tarpana gib zu jeder Formel einen Löffel Wasser über die rechten Fingerspitzen in die Auffangschale.
ādityaṁ tarpayāmi |
somaṁ tarpayāmi |
aṅgārakaṁ tarpayāmi |
budhaṁ tarpayāmi |
bṛhaspatiṁ tarpayāmi |
śukraṁ tarpayāmi |
śanaiścaraṁ tarpayāmi |
rāhuṁ tarpayāmi |
ketuṁ tarpayāmi |
Ich erquicke mit Wasser Aditya, Soma, Angaraka, Budha, Brihaspati, Shukra, Shanaishchara, Rahu und Ketu.
15. Vishnus zwölf Namen mit Wasser ehren
Gib ebenso zu jedem der zwölf Namen einen Löffel Wasser über die rechten Fingerspitzen.
keśavaṁ tarpayāmi |
nārāyaṇaṁ tarpayāmi |
mādhavaṁ tarpayāmi |
govindaṁ tarpayāmi |
viṣṇuṁ tarpayāmi |
madhusūdanaṁ tarpayāmi |
trivikramaṁ tarpayāmi |
vāmanaṁ tarpayāmi |
śrīdharaṁ tarpayāmi |
hṛṣīkeśaṁ tarpayāmi |
padmanābhaṁ tarpayāmi |
dāmodaraṁ tarpayāmi |
Ich erquicke mit Wasser Keshava, Narayana, Madhava, Govinda, Vishnu, Madhusudana, Trivikrama, Vamana, Shridhara, Hrishikesha, Padmanabha und Damodara.
16. Vor der Rezitation reinigen
Vollziehe erneut drei kleine Schlucke Achamana.
oṁ acyutāya namaḥ |
oṁ anantāya namaḥ |
oṁ govindāya namaḥ |
Verneigung vor Acyuta, dem Unvergänglichen, vor Ananta, dem Unendlichen, und vor Govinda.
17. Vor der Rezitation sammeln
Für das hier ausdrücklich symbolisch verstandene Pranayama beuge Zeige- und Mittelfinger rechts zur Handfläche; lege Daumen und Ringfinger an die Nasenflügel. Rezitiere innerlich, ohne angestrengtes Atemhalten. Berühre danach beim Shrotrachamana mit der rechten Hand das rechte Ohr. Lege für Brahmanjali die linke Hand mit der Fläche nach oben auf den rechten Oberschenkel und die rechte Hand mit der Fläche nach unten darüber.
oṁ bhūḥ oṁ bhuvaḥ oṁ suvaḥ oṁ mahaḥ oṁ janaḥ oṁ tapaḥ oṁ satyam |
oṁ tat savitur vareṇyaṁ bhargo devasya dhīmahi | dhiyo yo naḥ pracodayāt ||
oṁ āpo jyotiḥ raso’mṛtaṁ brahma bhūrbhuvassuvarom ||
Om: Erde, Zwischenraum, Himmel, Weite, Schöpfungswelt, Welt der geistigen Glut, Wahrheit. Wir betrachten das verehrungswürdige Licht des göttlichen Savitar; möge er unsere Einsicht anregen. Om: Wasser, Licht, Essenz, Unsterblichkeit, Brahman – Erde, Zwischenraum und Himmel, Om.
18. Den Vorsatz zur Gayatri fassen
Sprich den Vorsatz zum Gayatri Japa. Hier wird die Vishnu-Gayatri der Vaishnava-Fassung gewählt.
hariḥ oṁ tatsat | bhagavad ājñayā bhagavad kaiṅkarya rūpaṁ prātaḥ gāyatri mantra japaṁ kariṣye ||
Hari, Om, dies ist die Wahrheit. Auf göttliches Geheiß und als Dienst an Gott werde ich morgens die Gayatri rezitieren.
19. Den Mantra am Körper vergegenwärtigen
Beim Anga Nyasa berühre in Reihenfolge: Herz mit der rechten Faust; Kopf mit rechtem Daumen und Ringfinger; Scheitel mit rechtem Daumen; rechte Schulter mit linker Faust und linke Schulter mit rechter Faust; Stirnmitte mit abwärts gerichtetem Daumen. Zum letzten Teil klatsche in die Hände.
oṁ nārāyaṇāya — hṛdayāya namaḥ |
vidmahe — śirase svāhā |
vāsudevāya — śikhāyai vaṣaṭ |
dhīmahi — kavacāya huṁ |
tanno viṣṇu — netrābhyāṁ vauṣaṭ |
pracodayāt — astrāya phaṭ |
Die Wortteile des Gebets „Mögen wir Narayana erkennen; über Vasudeva meditieren wir; möge Vishnu uns anregen“ werden Herz, Kopf, Scheitel, Schutzpanzer, Augen und Schutzwaffe zugeordnet. Namah drückt Verneigung aus; Svaha, Vashat, Hum, Vaushat und Phat sind rituelle Lautformeln.
20. Vishnu betrachten
Schließe die Augen zum Vishnu Dhyana und stelle dir den friedvollen Gott vor.
śāntākāraṁ bhujaga-śayanaṁ padma-nābhaṁ sureśaṁ
viśvādhāraṁ gagana-sadṛśaṁ megha-varṇaṁ śubhāṅgam |
lakṣmī-kāntaṁ kamala-nayanaṁ yogibhir-dhyāna-gamyaṁ
vande viṣṇuṁ bhava-bhaya-haraṁ sarva-lokaika-nāthaṁ ||
Ich verehre Vishnu: friedvolle Gestalt, auf der Schlange ruhend, lotusnabelig, Herr der Götter, Träger der Welt, weit wie der Himmel, wolkenfarben und von heilvoller Gestalt; Lakshmis Geliebten, den Lotusäugigen, den Yogis in der Versenkung erreichen, den Tilger der Furcht vor dem Werden, den einen Herrn aller Welten.
21. Die Vishnu-Gayatri wiederholen
Sprich die folgenden Worte 108-mal, 28-mal oder mindestens zehnmal; alle drei Zahlen nennt die Quelle. Wähle vor Beginn eine Zahl und bleibe bei ihr.
oṁ nārāyaṇāya vidmahe | vāsudevāya dhīmahi | tanno viṣṇu pracodayāt ||
Mögen wir Narayana erkennen; über Vasudeva meditieren wir; möge Vishnu uns anregen.
22. Im Licht aufstehen
Stehe zum Surya Upasthana auf und wende dich zur aufgehenden Sonne, ohne direkt in sie zu schauen. Sprich die drei Verse.
namaḥ savitre jagad-eka-cakṣuṣe jagat-prasūti-sthiti-nāśa-hetave |
trayīmayāya triguṇātma-dhāriṇe viriñci-nārāyaṇa-śaṅkarātmane ||
dhyeya sadā savitra maṇḍale madhya vartī nārāyaṇas sarasijāsana sanniviṣṭaḥ |
keyuravān makara kuṇḍalavān kirīṭī hāri hiraṇya vapuḥ dhṛta śaṅkha cakraḥ ||
ākāśāt patitaṁ toyaṁ yathā gacchati sāgaram |
sarva deva namaskāraḥ keśavaṁ prati-gacchati ||
Verneigung vor Savitar, dem einen Auge der Welt, Ursache von Entstehung, Erhaltung und Auflösung, dem Wesen der drei Veden, Träger der drei Gunas, der als Brahma, Narayana und Shankara gegenwärtig ist. Stets sei Narayana in der Mitte des Sonnenkreises betrachtet: im Lotussitz, mit Armreifen, Makara-Ohrringen, Krone und Halskette, goldenem Leib, Muschel und Diskus. Wie vom Himmel gefallenes Wasser zum Meer gelangt, gelangt jede Verneigung vor den Göttern zu Keshava.
23. Den Raum ehren
Drehe dich beim Dik Namaskara rechtsherum: zuerst nach Osten, Süden, Westen und Norden. Richte danach die Aufmerksamkeit nach oben und unten, in den Zwischenraum, zur Erde, zu Brahman und zu Vishnu. Sprich die zehn Formeln jeweils bei der entsprechenden Ausrichtung.
prācyai diśe namaḥ |
dakṣiṇāyai diśe namaḥ |
pratīcyai diśe namaḥ |
udīcyai diśe namaḥ |
ūrdhvāya namaḥ |
adharāya namaḥ |
antarikṣāya namaḥ |
bhūmyai namaḥ |
brahmaṇe namaḥ |
viṣṇave namaḥ |
Verneigung der östlichen, südlichen, westlichen und nördlichen Richtung; dem Oberen und Unteren; dem Zwischenraum, der Erde, Brahman und Vishnu.
24. Yama im Süden ehren
Wende dich nach Süden und betrachte beim Yama Prarthana die Endlichkeit des Lebens und die Verbindlichkeit des Dharma.
yamāya dharma-rājāya mṛtyave cāntakāya ca |
vaivasvatāya kālāya sarva-bhūta-kṣayāya ca ||
audumbarāya dadhānāya nīlāya parameṣṭhine |
vṛkodarāya citrāya citraguptāya vai namo namaḥ ||
Verneigung vor Yama, dem König des Dharma, dem Tod und Beender, dem Sohn Vivasvats, der Zeit, dem Ende aller Wesen; Audumbara, Dadhna, dem Dunkelfarbigen, dem Höchsten, Vrikodara, Chitra und Chitragupta: ihnen gilt immer wieder die Verneigung.
25. Shiva im Norden grüßen
Wende dich nach Norden und sprich das Shiva Prarthana. Diese Verneigung bleibt auch in der gewählten Vaishnava-Folge erhalten.
gaurī nāthaṁ giriśañca nīla-kaṇṭhaṁ trilocanam |
maheśvaraṁ ca viśveśaṁ loka-pālaṁ namāmyaham ||
Ich verneige mich vor Gauris Herrn, dem Herrn des Berges, dem Blaukehligen, Dreiäugigen, dem großen Herrn und Herrn des Alls, dem Hüter der Welt.
26. Alles Handeln widmen
Sprich beim Samarpana die vollständige Widmung und bitte um Annahme des unvollkommenen Tuns.
kāyena vācā manasendriyairvā buddhyā’tmanā vā prakṛteḥ svabhāvāt |
karomi yadyat sakalaṁ parasmai nārāyaṇāyeti samarpayāmi ||
mantra-hīnaṁ kriyā-hīnaṁ bhakti-hīnaṁ janārdana |
yat kṛtaṁ tu mayā deva paripūrṇaṁ tad astu te ||
prāyaścitta anya śeṣāṇi tapaḥ karmātma kāni vai |
yāni teṣām aśeṣāṇāṁ kṛṣṇa anusmaraṇaṁ param ||
kṛṣṇa | kṛṣṇa | kṛṣṇa |
Was immer ich mit Körper, Sprache, Geist, Sinnen, Verstand oder Selbst, aus meiner natürlichen Beschaffenheit tue: Alles widme ich dem höchsten Narayana. Janardana, was an Mantra, Handlung und Hingabe mangelt, möge dennoch vollständig angenommen sein. Über alle übrigen Sühnemittel, die aus Askese und Handlungen bestehen, steht das Gedenken an Krishna. Krishna, Krishna, Krishna.
27. Abschließendes Achamana
Trinke erneut die drei kleinen Wasserschlucke.
oṁ acyutāya namaḥ |
oṁ anantāya namaḥ |
oṁ govindāya namaḥ |
Verneigung vor Acyuta, dem Unvergänglichen, vor Ananta, dem Unendlichen, und vor Govinda.
28. Den Körper abschließend ehren
Berühre beim Anga Vandana nacheinander mit Fingern der rechten Hand die Körperstellen: mit dem Daumen rechte und linke Wange; mit dem Ringfinger rechtes und linkes Auge; mit dem Zeigefinger rechte und linke Nasenseite; mit dem kleinen Finger rechtes und linkes Ohr; mit dem Mittelfinger rechte und linke Schulter; zuletzt mit der rechten Hand Nabel und Scheitel. Je eine Stelle gehört zu einem der zwölf Namen in derselben Reihenfolge.
keśava |
nārāyaṇa |
mādhava |
govinda |
viṣṇu |
madhusūdana |
trivikrama |
vāmana |
śrīdhara |
hṛṣīkeśa |
padmanābha |
dāmodara |
Keshava; Narayana, Zuflucht der Wesen; Madhava, Gemahl Lakshmis; Govinda; Vishnu, der Allgegenwärtige; Madhusudana, Bezwinger Madhus; Trivikrama, der drei Schritte Tuende; Vamana, die kleine Gestalt; Shridhara, Träger der Shri; Hrishikesha, Herr der Sinne; Padmanabha, der Lotusnabel; Damodara, der mit einem Seil am Bauch Gebundene.
29. Mit der letzten Wassergabe schließen
Gieße etwas Wasser auf den Boden beziehungsweise in die Auffangschale und sprich die Widmung. Danach kann das gesammelte Wasser einer Pflanze gegeben werden.
oṁ tat sat kṛṣṇa arpaṇaṁ astu |
Om, dies ist die Wahrheit. Es sei Krishna dargebracht.
Verweile nach der Widmung kurz still. Die Anrufung von Sonne, Richtungen und Lebensende weitet den Blick über das eigene Anliegen hinaus; die nächste Handlung des Tages kann mit derselben Aufmerksamkeit beginnen.
Rezitationen in drei Fassungen
1. Sitz und inneren Raum bereiten
IAST
pṛthivi tvayā dhṛtā lokā devi tvaṁ viṣṇunā dhṛtā |
tvaṁ ca dhāraya māṁ devi pavitraṁ kuru cāsanam ||
Devanagari
पृथिवि त्वया धृता लोका देवि त्वं विष्णुना धृता ।
त्वं च धारय मां देवि पवित्रं कुरु चासनम् ॥
Deutsch
Erde, du trägst die Welten, Göttin; du wirst von Vishnu getragen. Trage auch mich und mache meinen Sitz rein.
2. Den Lehrenden danken
IAST
oṁ sarvebhyo gurubhyo namaḥ |
Devanagari
ओं सर्वेभ्यो गुरुभ्यो नमः ।
Deutsch
Om, Verneigung vor allen Lehrenden.
3. Das Wasser anrufen
IAST
gaṅgā ca yamunā caiva godāvarī sarasvatī |
narmadā sindhu kāverī jale’smin sannidhim kuru ||
Devanagari
गङ्गा च यमुना चैव गोदावरी सरस्वती ।
नर्मदा सिन्धु कावेरी जले’स्मिन् सन्निधिम् कुरु ॥
Deutsch
Ganga, Yamuna, Godavari, Sarasvati, Narmada, Sindhu und Kaveri: Seid in diesem Wasser gegenwärtig.
4. Sich besprengen
IAST
apavitraḥ pavitro vā sarvāvasthaṁ-gato’pi vā |
yas-smaret puṇḍarikākṣaṁ sa bāhyābhyantaraś-śuciḥ ||
Devanagari
अपवित्रः पवित्रो वा सर्वावस्थं-गतो’पि वा ।
यस्-स्मरेत् पुण्डरिकाक्षं स बाह्याभ्यन्तरश्-शुचिः ॥
Deutsch
Ob unrein oder rein, in welcher Lage auch immer: Wer an den Lotusäugigen denkt, ist außen und innen rein.
5. Wasser zur Sammlung trinken
IAST
oṁ acyutāya namaḥ |
oṁ anantāya namaḥ |
oṁ govindāya namaḥ |
Devanagari
ओं अच्युताय नमः ।
ओं अनन्ताय नमः ।
ओं गोविन्दाय नमः ।
Deutsch
Verneigung vor Acyuta, dem Unvergänglichen, vor Ananta, dem Unendlichen, und vor Govinda.
6. Den Körper als Gottes Wohnung ehren
IAST
keśava |
nārāyaṇa |
mādhava |
govinda |
viṣṇu |
madhusūdana |
trivikrama |
vāmana |
śrīdhara |
hṛṣīkeśa |
padmanābha |
dāmodara |
Devanagari
केशव ।
नारायण ।
माधव ।
गोविन्द ।
विष्णु ।
मधुसूदन ।
त्रिविक्रम ।
वामन ।
श्रीधर ।
हृषीकेश ।
पद्मनाभ ।
दामोदर ।
Deutsch
Keshava; Narayana, Zuflucht der Wesen; Madhava, Gemahl Lakshmis; Govinda; Vishnu, der Allgegenwärtige; Madhusudana, Bezwinger Madhus; Trivikrama, der drei Schritte Tuende; Vamana, die kleine Gestalt; Shridhara, Träger der Shri; Hrishikesha, Herr der Sinne; Padmanabha, der Lotusnabel; Damodara, der mit einem Seil am Bauch Gebundene.
7. Hindernisse loslassen
IAST
śuklāṁ-baradharaṁ devaṁ śaśi-varṇaṁ catur-bhujam |
prasanna vadanaṁ dhyāyet sarva vighnopa śāntaye ||
Devanagari
शुक्लां-बरधरं देवं शशि-वर्णं चतुर्-भुजम् ।
प्रसन्न वदनं ध्यायेत् सर्व विघ्नोप शान्तये ॥
Deutsch
Man betrachte den Gott im weißen Gewand, mondhell, vierarmig und mit freundlichem Antlitz, damit alle Hindernisse zur Ruhe kommen.
8. Atem und Hände sammeln
IAST
oṁ bhūḥ oṁ bhuvaḥ oṁ suvaḥ oṁ mahaḥ oṁ janaḥ oṁ tapaḥ oṁ satyam |
oṁ tat savitur vareṇyaṁ bhargo devasya dhīmahi | dhiyo yo naḥ pracodayāt ||
oṁ āpo jyotiḥ raso’mṛtaṁ brahma bhūrbhuvassuvarom ||
Devanagari
ओं भूः ओं भुवः ओं सुवः ओं महः ओं जनः ओं तपः ओं सत्यम् ।
ओं तत् सवितुर् वरेण्यं भर्गो देवस्य धीमहि । धियो यो नः प्रचोदयात् ॥
ओं आपो ज्योतिः रसो’मृतं ब्रह्म भूर्भुवस्सुवरोम् ॥
Deutsch
Om: Erde, Zwischenraum, Himmel, Weite, Schöpfungswelt, Welt der geistigen Glut, Wahrheit. Wir betrachten das verehrungswürdige Licht des göttlichen Savitar; möge er unsere Einsicht anregen. Om: Wasser, Licht, Essenz, Unsterblichkeit, Brahman – Erde, Zwischenraum und Himmel, Om.
9. Den Morgen widmen
IAST
hariḥ oṁ tat sat | bhagavad ājñayā bhagavad kaiṅkarya rūpaṁ prātaḥ sandhyām upāsiṣye ||
Devanagari
हरिः ओं तत् सत् । भगवद् आज्ञया भगवद् कैङ्कर्य रूपं प्रातः सन्ध्याम् उपासिष्ये ॥
Deutsch
Hari, Om, dies ist die Wahrheit. Auf göttliches Geheiß und als Dienst an Gott vollziehe ich die Verehrung am Morgenübergang.
10. Sich siebenmal besprengen
IAST
oṁ namo bhagavate vāsudevāya |
Devanagari
ओं नमो भगवते वासुदेवाय ।
Deutsch
Om, Verneigung vor dem erhabenen Vasudeva.
11. Reinigung durch einen Wasserschluck
IAST
āpas-tvam-asi deveśa jyotiṣāṁ patireva ca |
pāpaṁ nāśaya me deva yāṅmanaḥ kārya karmajam ||
aghāni yāni-atitāni yāni cāgantukāni vai |
vartamānāni dhūyantām aghamarṣaṇa karmaṇā ||
Devanagari
आपस्-त्वम्-असि देवेश ज्योतिषां पतिरेव च ।
पापं नाशय मे देव याङ्मनः कार्य कर्मजम् ॥
अघानि यानि-अतितानि यानि चागन्तुकानि वै ।
वर्तमानानि धूयन्ताम् अघमर्षण कर्मणा ॥
Deutsch
Du bist in den Wassern, Herr der Götter, Herr der Lichter. Tilge, Gott, meine Verfehlung, die aus Denken, Handeln und den Folgen des Tuns erwächst. Vergangene, künftige und gegenwärtige Verfehlungen mögen durch diese reinigende Handlung hinweggenommen werden.
12. Die Sonnenwassergabe beschließen
IAST
hariḥ oṁ tatsat | bhagavad ājñayā bhagavad kaiṅkarya rūpaṁ prātaḥ sūrya arghya pradānam kariṣye ||
Devanagari
हरिः ओं तत्सत् । भगवद् आज्ञया भगवद् कैङ्कर्य रूपं प्रातः सूर्य अर्घ्य प्रदानम् करिष्ये ॥
Deutsch
Hari, Om, dies ist die Wahrheit. Auf göttliches Geheiß und als Dienst an Gott werde ich morgens das Ehrenwasser für Surya darbringen.
13. Dreimal Wasser für Surya geben
IAST
ehi sūrya sahasrāṁśo tejo-rāśe jagat-pate |
anukampayā māṁ bhaktyā gṛhāṇārghyaṁ divākara ||
Devanagari
एहि सूर्य सहस्रांशो तेजो-राशे जगत्-पते ।
अनुकम्पया मां भक्त्या गृहाणार्घ्यं दिवाकर ॥
Deutsch
Komm, Surya mit tausend Strahlen, Fülle des Glanzes, Herr der Welt. Aus Mitgefühl nimm mein in Hingabe dargebrachtes Ehrenwasser an, Schöpfer des Tages.
14. Die neun Grahas mit Wasser ehren
IAST
ādityaṁ tarpayāmi |
somaṁ tarpayāmi |
aṅgārakaṁ tarpayāmi |
budhaṁ tarpayāmi |
bṛhaspatiṁ tarpayāmi |
śukraṁ tarpayāmi |
śanaiścaraṁ tarpayāmi |
rāhuṁ tarpayāmi |
ketuṁ tarpayāmi |
Devanagari
आदित्यं तर्पयामि ।
सोमं तर्पयामि ।
अङ्गारकं तर्पयामि ।
बुधं तर्पयामि ।
बृहस्पतिं तर्पयामि ।
शुक्रं तर्पयामि ।
शनैश्चरं तर्पयामि ।
राहुं तर्पयामि ।
केतुं तर्पयामि ।
Deutsch
Ich erquicke mit Wasser Aditya, Soma, Angaraka, Budha, Brihaspati, Shukra, Shanaishchara, Rahu und Ketu.
15. Vishnus zwölf Namen mit Wasser ehren
IAST
keśavaṁ tarpayāmi |
nārāyaṇaṁ tarpayāmi |
mādhavaṁ tarpayāmi |
govindaṁ tarpayāmi |
viṣṇuṁ tarpayāmi |
madhusūdanaṁ tarpayāmi |
trivikramaṁ tarpayāmi |
vāmanaṁ tarpayāmi |
śrīdharaṁ tarpayāmi |
hṛṣīkeśaṁ tarpayāmi |
padmanābhaṁ tarpayāmi |
dāmodaraṁ tarpayāmi |
Devanagari
केशवं तर्पयामि ।
नारायणं तर्पयामि ।
माधवं तर्पयामि ।
गोविन्दं तर्पयामि ।
विष्णुं तर्पयामि ।
मधुसूदनं तर्पयामि ।
त्रिविक्रमं तर्पयामि ।
वामनं तर्पयामि ।
श्रीधरं तर्पयामि ।
हृषीकेशं तर्पयामि ।
पद्मनाभं तर्पयामि ।
दामोदरं तर्पयामि ।
Deutsch
Ich erquicke mit Wasser Keshava, Narayana, Madhava, Govinda, Vishnu, Madhusudana, Trivikrama, Vamana, Shridhara, Hrishikesha, Padmanabha und Damodara.
16. Vor der Rezitation reinigen
IAST
oṁ acyutāya namaḥ |
oṁ anantāya namaḥ |
oṁ govindāya namaḥ |
Devanagari
ओं अच्युताय नमः ।
ओं अनन्ताय नमः ।
ओं गोविन्दाय नमः ।
Deutsch
Verneigung vor Acyuta, dem Unvergänglichen, vor Ananta, dem Unendlichen, und vor Govinda.
17. Vor der Rezitation sammeln
IAST
oṁ bhūḥ oṁ bhuvaḥ oṁ suvaḥ oṁ mahaḥ oṁ janaḥ oṁ tapaḥ oṁ satyam |
oṁ tat savitur vareṇyaṁ bhargo devasya dhīmahi | dhiyo yo naḥ pracodayāt ||
oṁ āpo jyotiḥ raso’mṛtaṁ brahma bhūrbhuvassuvarom ||
Devanagari
ओं भूः ओं भुवः ओं सुवः ओं महः ओं जनः ओं तपः ओं सत्यम् ।
ओं तत् सवितुर् वरेण्यं भर्गो देवस्य धीमहि । धियो यो नः प्रचोदयात् ॥
ओं आपो ज्योतिः रसो’मृतं ब्रह्म भूर्भुवस्सुवरोम् ॥
Deutsch
Om: Erde, Zwischenraum, Himmel, Weite, Schöpfungswelt, Welt der geistigen Glut, Wahrheit. Wir betrachten das verehrungswürdige Licht des göttlichen Savitar; möge er unsere Einsicht anregen. Om: Wasser, Licht, Essenz, Unsterblichkeit, Brahman – Erde, Zwischenraum und Himmel, Om.
18. Den Vorsatz zur Gayatri fassen
IAST
hariḥ oṁ tatsat | bhagavad ājñayā bhagavad kaiṅkarya rūpaṁ prātaḥ gāyatri mantra japaṁ kariṣye ||
Devanagari
हरिः ओं तत्सत् । भगवद् आज्ञया भगवद् कैङ्कर्य रूपं प्रातः गायत्रि मन्त्र जपं करिष्ये ॥
Deutsch
Hari, Om, dies ist die Wahrheit. Auf göttliches Geheiß und als Dienst an Gott werde ich morgens die Gayatri rezitieren.
19. Den Mantra am Körper vergegenwärtigen
IAST
oṁ nārāyaṇāya — hṛdayāya namaḥ |
vidmahe — śirase svāhā |
vāsudevāya — śikhāyai vaṣaṭ |
dhīmahi — kavacāya huṁ |
tanno viṣṇu — netrābhyāṁ vauṣaṭ |
pracodayāt — astrāya phaṭ |
Devanagari
ओं नारायणाय — हृदयाय नमः ।
विद्महे — शिरसे स्वाहा ।
वासुदेवाय — शिखायै वषट् ।
धीमहि — कवचाय हुं ।
तन्नो विष्णु — नेत्राभ्यां वौषट् ।
प्रचोदयात् — अस्त्राय फट् ।
Deutsch
Die Wortteile des Gebets „Mögen wir Narayana erkennen; über Vasudeva meditieren wir; möge Vishnu uns anregen“ werden Herz, Kopf, Scheitel, Schutzpanzer, Augen und Schutzwaffe zugeordnet. Namah drückt Verneigung aus; Svaha, Vashat, Hum, Vaushat und Phat sind rituelle Lautformeln.
20. Vishnu betrachten
IAST
śāntākāraṁ bhujaga-śayanaṁ padma-nābhaṁ sureśaṁ
viśvādhāraṁ gagana-sadṛśaṁ megha-varṇaṁ śubhāṅgam |
lakṣmī-kāntaṁ kamala-nayanaṁ yogibhir-dhyāna-gamyaṁ
vande viṣṇuṁ bhava-bhaya-haraṁ sarva-lokaika-nāthaṁ ||
Devanagari
शान्ताकारं भुजग-शयनं पद्म-नाभं सुरेशं
विश्वाधारं गगन-सदृशं मेघ-वर्णं शुभाङ्गम् ।
लक्ष्मी-कान्तं कमल-नयनं योगिभिर्-ध्यान-गम्यं
वन्दे विष्णुं भव-भय-हरं सर्व-लोकैक-नाथं ॥
Deutsch
Ich verehre Vishnu: friedvolle Gestalt, auf der Schlange ruhend, lotusnabelig, Herr der Götter, Träger der Welt, weit wie der Himmel, wolkenfarben und von heilvoller Gestalt; Lakshmis Geliebten, den Lotusäugigen, den Yogis in der Versenkung erreichen, den Tilger der Furcht vor dem Werden, den einen Herrn aller Welten.
21. Die Vishnu-Gayatri wiederholen
IAST
oṁ nārāyaṇāya vidmahe | vāsudevāya dhīmahi | tanno viṣṇu pracodayāt ||
Devanagari
ओं नारायणाय विद्महे । वासुदेवाय धीमहि । तन्नो विष्णु प्रचोदयात् ॥
Deutsch
Mögen wir Narayana erkennen; über Vasudeva meditieren wir; möge Vishnu uns anregen.
22. Im Licht aufstehen
IAST
namaḥ savitre jagad-eka-cakṣuṣe jagat-prasūti-sthiti-nāśa-hetave |
trayīmayāya triguṇātma-dhāriṇe viriñci-nārāyaṇa-śaṅkarātmane ||
dhyeya sadā savitra maṇḍale madhya vartī nārāyaṇas sarasijāsana sanniviṣṭaḥ |
keyuravān makara kuṇḍalavān kirīṭī hāri hiraṇya vapuḥ dhṛta śaṅkha cakraḥ ||
ākāśāt patitaṁ toyaṁ yathā gacchati sāgaram |
sarva deva namaskāraḥ keśavaṁ prati-gacchati ||
Devanagari
नमः सवित्रे जगद्-एक-चक्षुषे जगत्-प्रसूति-स्थिति-नाश-हेतवे ।
त्रयीमयाय त्रिगुणात्म-धारिणे विरिञ्चि-नारायण-शङ्करात्मने ॥
ध्येय सदा सवित्र मण्डले मध्य वर्ती नारायणस् सरसिजासन सन्निविष्टः ।
केयुरवान् मकर कुण्डलवान् किरीटी हारि हिरण्य वपुः धृत शङ्ख चक्रः ॥
आकाशात् पतितं तोयं यथा गच्छति सागरम् ।
सर्व देव नमस्कारः केशवं प्रति-गच्छति ॥
Deutsch
Verneigung vor Savitar, dem einen Auge der Welt, Ursache von Entstehung, Erhaltung und Auflösung, dem Wesen der drei Veden, Träger der drei Gunas, der als Brahma, Narayana und Shankara gegenwärtig ist. Stets sei Narayana in der Mitte des Sonnenkreises betrachtet: im Lotussitz, mit Armreifen, Makara-Ohrringen, Krone und Halskette, goldenem Leib, Muschel und Diskus. Wie vom Himmel gefallenes Wasser zum Meer gelangt, gelangt jede Verneigung vor den Göttern zu Keshava.
23. Den Raum ehren
IAST
prācyai diśe namaḥ |
dakṣiṇāyai diśe namaḥ |
pratīcyai diśe namaḥ |
udīcyai diśe namaḥ |
ūrdhvāya namaḥ |
adharāya namaḥ |
antarikṣāya namaḥ |
bhūmyai namaḥ |
brahmaṇe namaḥ |
viṣṇave namaḥ |
Devanagari
प्राच्यै दिशे नमः ।
दक्षिणायै दिशे नमः ।
प्रतीच्यै दिशे नमः ।
उदीच्यै दिशे नमः ।
ऊर्ध्वाय नमः ।
अधराय नमः ।
अन्तरिक्षाय नमः ।
भूम्यै नमः ।
ब्रह्मणे नमः ।
विष्णवे नमः ।
Deutsch
Verneigung der östlichen, südlichen, westlichen und nördlichen Richtung; dem Oberen und Unteren; dem Zwischenraum, der Erde, Brahman und Vishnu.
24. Yama im Süden ehren
IAST
yamāya dharma-rājāya mṛtyave cāntakāya ca |
vaivasvatāya kālāya sarva-bhūta-kṣayāya ca ||
audumbarāya dadhānāya nīlāya parameṣṭhine |
vṛkodarāya citrāya citraguptāya vai namo namaḥ ||
Devanagari
यमाय धर्म-राजाय मृत्यवे चान्तकाय च ।
वैवस्वताय कालाय सर्व-भूत-क्षयाय च ॥
औदुम्बराय दधानाय नीलाय परमेष्ठिने ।
वृकोदराय चित्राय चित्रगुप्ताय वै नमो नमः ॥
Deutsch
Verneigung vor Yama, dem König des Dharma, dem Tod und Beender, dem Sohn Vivasvats, der Zeit, dem Ende aller Wesen; Audumbara, Dadhna, dem Dunkelfarbigen, dem Höchsten, Vrikodara, Chitra und Chitragupta: ihnen gilt immer wieder die Verneigung.
25. Shiva im Norden grüßen
IAST
gaurī nāthaṁ giriśañca nīla-kaṇṭhaṁ trilocanam |
maheśvaraṁ ca viśveśaṁ loka-pālaṁ namāmyaham ||
Devanagari
गौरी नाथं गिरिशञ्च नील-कण्ठं त्रिलोचनम् ।
महेश्वरं च विश्वेशं लोक-पालं नमाम्यहम् ॥
Deutsch
Ich verneige mich vor Gauris Herrn, dem Herrn des Berges, dem Blaukehligen, Dreiäugigen, dem großen Herrn und Herrn des Alls, dem Hüter der Welt.
26. Alles Handeln widmen
IAST
kāyena vācā manasendriyairvā buddhyā’tmanā vā prakṛteḥ svabhāvāt |
karomi yadyat sakalaṁ parasmai nārāyaṇāyeti samarpayāmi ||
mantra-hīnaṁ kriyā-hīnaṁ bhakti-hīnaṁ janārdana |
yat kṛtaṁ tu mayā deva paripūrṇaṁ tad astu te ||
prāyaścitta anya śeṣāṇi tapaḥ karmātma kāni vai |
yāni teṣām aśeṣāṇāṁ kṛṣṇa anusmaraṇaṁ param ||
kṛṣṇa | kṛṣṇa | kṛṣṇa |
Devanagari
कायेन वाचा मनसेन्द्रियैर्वा बुद्ध्या’त्मना वा प्रकृतेः स्वभावात् ।
करोमि यद्यत् सकलं परस्मै नारायणायेति समर्पयामि ॥
मन्त्र-हीनं क्रिया-हीनं भक्ति-हीनं जनार्दन ।
यत् कृतं तु मया देव परिपूर्णं तद् अस्तु ते ॥
प्रायश्चित्त अन्य शेषाणि तपः कर्मात्म कानि वै ।
यानि तेषाम् अशेषाणां कृष्ण अनुस्मरणं परम् ॥
कृष्ण । कृष्ण । कृष्ण ।
Deutsch
Was immer ich mit Körper, Sprache, Geist, Sinnen, Verstand oder Selbst, aus meiner natürlichen Beschaffenheit tue: Alles widme ich dem höchsten Narayana. Janardana, was an Mantra, Handlung und Hingabe mangelt, möge dennoch vollständig angenommen sein. Über alle übrigen Sühnemittel, die aus Askese und Handlungen bestehen, steht das Gedenken an Krishna. Krishna, Krishna, Krishna.
27. Abschließendes Achamana
IAST
oṁ acyutāya namaḥ |
oṁ anantāya namaḥ |
oṁ govindāya namaḥ |
Devanagari
ओं अच्युताय नमः ।
ओं अनन्ताय नमः ।
ओं गोविन्दाय नमः ।
Deutsch
Verneigung vor Acyuta, dem Unvergänglichen, vor Ananta, dem Unendlichen, und vor Govinda.
28. Den Körper abschließend ehren
IAST
keśava |
nārāyaṇa |
mādhava |
govinda |
viṣṇu |
madhusūdana |
trivikrama |
vāmana |
śrīdhara |
hṛṣīkeśa |
padmanābha |
dāmodara |
Devanagari
केशव ।
नारायण ।
माधव ।
गोविन्द ।
विष्णु ।
मधुसूदन ।
त्रिविक्रम ।
वामन ।
श्रीधर ।
हृषीकेश ।
पद्मनाभ ।
दामोदर ।
Deutsch
Keshava; Narayana, Zuflucht der Wesen; Madhava, Gemahl Lakshmis; Govinda; Vishnu, der Allgegenwärtige; Madhusudana, Bezwinger Madhus; Trivikrama, der drei Schritte Tuende; Vamana, die kleine Gestalt; Shridhara, Träger der Shri; Hrishikesha, Herr der Sinne; Padmanabha, der Lotusnabel; Damodara, der mit einem Seil am Bauch Gebundene.
29. Mit der letzten Wassergabe schließen
IAST
oṁ tat sat kṛṣṇa arpaṇaṁ astu |
Devanagari
ओं तत् सत् कृष्ण अर्पणं अस्तु ।
Deutsch
Om, dies ist die Wahrheit. Es sei Krishna dargebracht.
Quellen und Weiterführung
- Pandit Sri Rama Acharya: Puranokta Purva Prayogam, 3. November 2024, S. 6–13, Sandhya Vandana Vidhih, konsequent gewählter Vaishnava-Zweig und Morgenfassung. Volltext. Die deutschen Erläuterungen sind eigenständige Übertragungen. Die Devanagari-Fassung folgt der hier ausgeschriebenen IAST-Lautfolge ohne vedische Akzentzeichen.
- Zur Lesefassung: Eindeutige Schreibfehler der Umschrift sind berichtigt: „buddhyā“ nach Puja Sangraha, S. 121, „nīlakaṇṭha“ nach den klaren Devanagari-Namensbelegen im Puja Vidhanam und „dakṣiṇāyai“ und „dadhānāya“ nach Sanskrit Documents: Sandhyavandanam, Abschnitte Dik-Vandanam und Yamavandanam.
- Siehe auch: Puja, Dharma, Bhakti, Hindu-Rituale – ausführliche Anleitungen.
Ergänzende Vertiefung
Das Krishna-Mantra „Krishna Mahayogin“ ist eine ergänzende Hinwendung zu Gottes Gegenwart; es gehört nicht zur vorgeschriebenen Rezitationsfolge dieses Rituals.
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