Samaveda Agni Mantra

Aus Yogawiki

Samaveda Agni Mantra (Sanskrit: सामवेदाग्निमन्त्राः, IAST: sāmavedāgnimantrāḥ, m. Pl.) – die zehn Agni-Verse am Anfang des Purvarcika der Kauthuma-Tradition des Samaveda. Die erste Einladung gilt dem göttlichen Feuer als Gast. Wer die Worte liest, begegnet dem Gebet; wer den Saman-Gesang hört, begegnet seiner eigenen melodischen Überlieferung.

Agni, das göttliche Feuer: Die Hymne verbindet Anrufung und Darbringung.

Mit einer Einladung an Agni beginnt der Samaveda. Das göttliche Feuer wird als Priester, Bote, Gast und Freund angerufen. Es empfängt die Gaben und verbindet Menschen mit den Devas. Die zehn Mantras führen uns an den Ursprung der vedischen Feuerverehrung. Für unsere Homa-Praxis bei Yoga Vidya erschließen sie die Haltung, mit der wir vor dem heiligen Feuer sitzen: mit Ehrfurcht, Vertrauen und der Bereitschaft, uns selbst darzubringen.

Herkunft und Verwendung

Samaveda, Kauthuma-Samhita, Purvarcika 1–10, Agneya-Kanda. Die Verszahlen entsprechen der fortlaufenden Zählung des Purvarcika.

Die zehn Verse sind der Anfang des Purvarcika. Eine gedruckte IAST-Fassung überliefert die Worte, aber nicht die vollständige musikalische Ausführung des Saman-Gesangs. Dafür sind die jeweilige Gesangstradition und mündliche Unterweisung maßgeblich.

Vollständiger Sanskrittext in IAST

oṃ agna ā yāhi vītaye gṛṇāno havyadātaye |
ni hotā satsi barhiṣi || 1 ||

tvamagne yajñānāṃ hotā viśveṣāṃ hitaḥ |
devebhirmānuṣe jane || 2 ||

agniṃ dūtaṃ vṛṇīmahe hotāraṃ viśvavedasam |
asya yajñasya sukratum || 3 ||

agnirvṛtrāṇi jaṅghanaddraviṇasyurvipanyayā |
samiddhaḥ śukra āhutaḥ || 4 ||

preṣṭhaṃ vo atithiṃ stuṣe mitramiva priyam |
agne rathaṃ na vedyam || 5 ||

tvaṃ no agne mahobhiḥ pāhi viśvasyā arāteḥ |
uta dviṣo martyasya || 6 ||

ehyū ṣu bravāṇi te 'gna itthetarā giraḥ |
ebhirvardhāsa indubhiḥ || 7 ||

ā te vatso mano yamatparamāccitsadhasthāt |
agne tvāṃ kāmaye girā || 8 ||

tvāmagne puṣkarādadhyatharvā niramanthata |
mūrdhno viśvasya vāghataḥ || 9 ||

agne vivasvadā bharāsmabhyamūtaye mahe |
devo hyasi no dṛśe || 10 ||

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Vollständige deutsche Übersetzung

Om.

1 Agni, komm, von uns gepriesen, zum heiligen Mahl, komm, die Opfergaben zu empfangen. Nimm als Hotri, als rufender Priester, auf dem heiligen Gras Platz.

2 Agni, die Devas haben dich unter den Menschen eingesetzt als Hotri aller Yajnas, aller heiligen Opferhandlungen.

3 Agni erwählen wir zu unserem Boten, zum Hotri, der alles kennt, zum weisen Vollbringer dieses Yajnas.

4 Agni möge die Vritras zerschlagen, durch den Lobgesang, nach Schätzen verlangend: hell entflammt, leuchtend, mit Opfergaben verehrt.

5 Agni, dich preise ich als den liebsten Gast, geliebt wie einen Freund, wie einen Wagen, der kostbares Gut gewinnt.

6 Agni, schütze uns mit deinen großen Kräften vor aller Missgunst und vor dem Hass der Menschen.

7 Komm her, Agni, ich will dir neue Lieder singen. Durch diese Soma-Tropfen mögest du an Kraft zunehmen.

8 Vatsa hat deinen Sinn zu uns gelenkt, selbst aus deiner höchsten Wohnstatt. Agni, mit meinem Lied sehne ich mich nach dir.

9 Agni, Atharvan hat dich durch Reiben hervorgebracht, auf dem Lotusblatt, dem erhabenen Träger der ganzen Welt.

10 Agni, bring uns strahlendes Licht zu großer Hilfe. Du bist der Deva, den wir schauen dürfen.

Om. Shanti, Shanti, Shanti. Frieden, Frieden, Frieden.

Vollständiger Sanskrittext in Devanagari

ॐ अग्न आ याहि वीतये गृणानो हव्यदातये ।
नि होता सत्सि बर्हिषि ॥ १ ॥

त्वमग्ने यज्ञानां होता विश्वेषां हितः ।
देवेभिर्मानुषे जने ॥ २ ॥

अग्निं दूतं वृणीमहे होतारं विश्ववेदसम् ।
अस्य यज्ञस्य सुक्रतुम् ॥ ३ ॥

अग्निर्वृत्राणि जङ्घनद्द्रविणस्युर्विपन्यया ।
समिद्धः शुक्र आहुतः ॥ ४ ॥

प्रेष्ठं वो अतिथिं स्तुषे मित्रमिव प्रियम् ।
अग्ने रथं न वेद्यम् ॥ ५ ॥

त्वं नो अग्ने महोभिः पाहि विश्वस्या अरातेः ।
उत द्विषो मर्त्यस्य ॥ ६ ॥

एह्यू षु ब्रवाणि ते ऽग्न इत्थेतरा गिरः ।
एभिर्वर्धास इन्दुभिः ॥ ७ ॥

आ ते वत्सो मनो यमत्परमाच्चित्सधस्थात् ।
अग्ने त्वां कामये गिरा ॥ ८ ॥

त्वामग्ने पुष्करादध्यथर्वा निरमन्थत ।
मूर्ध्नो विश्वस्य वाघतः ॥ ९ ॥

अग्ने विवस्वदा भरास्मभ्यमूतये महे ।
देवो ह्यसि नो दृशे ॥ १० ॥

ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

Vertiefende Erläuterungen

Rigveda-Handschrift: Bildbeispiel vedischer Textüberlieferung; ein Beispiel für die handschriftliche Überlieferung.

„Komm“: So beginnt die Begegnung mit Agni. Wir bereiten einen Platz, bringen Gaben und wenden uns dem Göttlichen zu. Agni ist der Gast, den wir willkommen heißen, und der Priester, der unser Yajna trägt. In der Homa wird diese Beziehung sichtbar. Die Flamme empfängt, verwandelt und steigt empor.

Vatsa und Atharvan sind Namen vedischer Rishis. Vatsas Sehnsucht gibt dem achten Mantra seine besondere Nähe: Mein Lied möge dich erreichen, selbst in deiner höchsten Wohnstatt. Auch du kannst dein Gebet mit solcher Sehnsucht sprechen.

Die Vritras sind hemmende, feindliche Mächte. Für unsere Sadhana können wir darin auch Trägheit, Angst und Verhärtung erkennen. Lege vor dem inneren Agni ab, was dich bindet. Nähre das Feuer durch Aufrichtigkeit, Japa und Seva. Das letzte Mantra führt zum Schauen: Das Göttliche schenkt uns eine sichtbare Gestalt im Licht.

Video zur Vertiefung

Agni - Feuer, Feuergott, Verdauungsfeuer - Yoga Vidya Sanskrit Lexikon

Anregungen für die eigene Praxis

Swami Sivananda mit einer Mala: Rezitation, Sammlung und Hingabe können einander vertiefen.
  1. Bereite vor der Rezitation einen sauberen, ruhigen Platz und richte deine Aufmerksamkeit auf Agni als den im Text angerufenen göttlichen Gast.
  2. Lies eine Bitte um Beistand zunächst auf Deutsch; sprich danach den zugehörigen Sanskritabschnitt aufmerksam.
  3. Betrachte das Darbringen: Welche Sorge, welchen Dank oder welche Aufgabe möchtest du heute Gott anvertrauen?
  4. Setze deine Hingabe in einer sorgfältig ausgeführten Arbeit für andere um. Das ist eine heutige Anwendung im Karma Yoga.
  5. Schließe mit einem stillen Dank. Bei einer Homa folge für den tatsächlichen Ritualablauf der Anleitung der leitenden Person.

Video zur begleitenden Praxis und Auslegung

Homa - Feuerritual - Sanskrit Lexikon

Abschließende Worte

Wie würdest du einen verehrten Gast empfangen? Mit genau dieser Aufmerksamkeit lässt sich die erste Anrufung Agnis sprechen.

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Sukadev Bretz (Hrsg.): Veden – Offenbarungen der Rishis. Hymnen zur Rezitation, Übersetzungen, Erläuterungen. Yoga Vidya Verlag, Bad Meinberg. Abschnitt „Samaveda Agni Mantrah“.
  • Hymnen aus den Veden, Rezitationssammlung, Nr. 44: „Sāmaveda Agni Mantrāḥ“.
  • Samaveda, Kauthuma-Samhita, Purvarcika 1–10, Agneya-Kanda. Die Verszahlen entsprechen der fortlaufenden Zählung des Purvarcika.

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