Pillai Perumal Iyengar

Aus Yogawiki

Pillai Perumal Iyengar (auch Alagiya Manavala Dasar oder Divyakavi) war ein tamilischer vishnuitischer Dichter, dessen achtteilige Sammlung Ashta Prabandham für ihre kunstvolle Sprache und intensive Gottesliebe verehrt wird. Im Mittelpunkt stehen Ranganatha von Srirangam, Venkateshvara und die heiligen Orte der Alvar-Tradition. Seine zeitliche Einordnung ist umstritten.

Vishnu, in der Srivaishnava-Tradition als Narayana verehrt.

Leben und Hintergrund

Häufig wird er dem 17. Jahrhundert zugeordnet. Andere Überlieferungen machen ihn zum Schüler Parasara Bhattars und rücken ihn damit in das 12. Jahrhundert. Auch die Angaben über eine Verwandtschaft mit Tiruvarangattu Amudanar widersprechen sich. Diese Linien lassen sich nicht ohne Weiteres zu einer gesicherten Biografie verbinden. Als Herkunftsort wird Tirumangai im Chola-Gebiet genannt. Die folgenden Geschichten werden deshalb als Heiligenüberlieferung erzählt, ohne einen bestimmten Herrscher als gesichert vorauszusetzen.

Tamil: பிள்ளைப் பெருமாள் ஐயங்கார்; Transliteration: Piḷḷaip Perumāḷ Aiyaṅkār.

Geschichten über Pillai Perumal Iyengar

Das brennende Tuch des Tempelwagens

Eine alte Erzählung zeigt den Dichter im Dienst eines Herrschers. Er saß unter anderen Beamten, als er plötzlich sein Obergewand zwischen den Händen zu reiben begann. Für die Anwesenden war kein Anlass erkennbar. Befragt, erklärte er, die Tücher am Tempelwagen Ranganathas in Srirangam hätten Feuer gefangen; er habe die Flammen gelöscht.

Seine Gefährten konnten das nicht verstehen. Er war doch bei ihnen geblieben. Dennoch erreichte sie nach der Legende die Nachricht, der Tempelwagen sei tatsächlich in Gefahr gewesen und ein Helfer habe das Feuer erstickt. Die Menschen am Tempel glaubten, den Dichter selbst gesehen zu haben. Er erklärte dagegen, sein Geist sei dort gewesen.

Die Überlieferung deutet dieses Geschehen als Zeichen seiner völligen Versenkung in Ranganatha. Schließlich durfte er sein Leben in Srirangam dem geliebten Herrn widmen.[1]

Das Wunder beschreibt eine Liebe, die Entfernung überbrückt. Für eine heutige Betrachtung liegt seine Kraft weniger in der Frage nach außergewöhnlichen Fähigkeiten als in der Unmittelbarkeit des Helfens. Wo der Geliebte in Gefahr ist, wird das Herz wach. Es wartet nicht erst auf Anerkennung.

Ranganatha allein

Die zweite große Geschichte führt in die Schattenseite einer ausschließlichen Hingabe. Iyengar liebte Ranganatha so sehr, dass er zunächst keine andere Erscheinungsform Vishnus besingen wollte. In einer Vision, so heißt es, bat ihn der Herr von Tirupati um ein Lied. Der Dichter wies die Bitte mit einem Wortspiel zurück: Wer Arangan, Ranganatha, besinge, werde nicht Kurangan, den mit Affen verbundenen Herrn des Berges, besingen.

Das Wortspiel war scharf. Es sollte seine Treue ausdrücken und offenbarte doch eine Grenze seines Herzens. Er hatte den Geliebten an eine vertraute Gestalt gebunden. Derselbe göttliche Herr, der ihm anders begegnete, fand zunächst keine offene Tür.

Die Legende berichtet daraufhin von einer schweren Erkrankung und einer inneren Umkehr. Iyengar erkannte die Einheit der verschiedenen vishnuitischen Heiligtümer und widmete Venkateshvara zwei Dichtungen, Tiruvenkatattu Antadi und Tiruvenkata Malai.[1] Eine spätere Nacherzählung verbindet seine Genesung mit dieser Wandlung.[2]

Die Liebe wird weiter

Die Krankheit gehört zur religiösen Dramaturgie dieser Legende. Ihr geistlicher Ertrag liegt in der geweiteten Verehrung. Der Dichter musste seine Liebe zu Ranganatha nicht verlieren, um Venkateshvara zu lieben. Seine Treue konnte tiefer werden, indem sie den Geliebten auch jenseits der vertrauten Gestalt erkannte.

Diese Bewegung kann berühren, ohne dass man daraus eine allgemeine Erklärung für Krankheit macht. Ein Mensch darf seine Begrenzung erkennen und sich ändern. Das Eingeständnis eines Irrtums kann selbst eine Form der Hingabe sein.

Iyengars Dichtung wendet sich schließlich auch Alagar von Tirumaliruncholai und den 108 Divya Desam zu. Der Horizont seiner Lieder öffnet sich. Aus einem einzigen geliebten Ort wird eine poetische Pilgerreise, die zahlreiche Erscheinungsweisen Narayanas in Erinnerung ruft.

Eine Pilgerreise aus Versen

Wer nicht selbst alle heiligen Orte besuchen kann, kann ihnen in einem Gedicht begegnen. Ein Name, eine Tempelgeschichte, eine Gestalt des Herrn: Jeder Vers kann eine kleine Schwelle werden, über die das Herz tritt.

Dies ist eine eigene Betrachtung seiner Sammlung: Dichtung vermag den Alltag durchlässig zu machen. Während der Körper an einem Ort bleibt, übt sich die Aufmerksamkeit darin, Schönheit und Heiligkeit wahrzunehmen. Sie kehrt anschließend vielleicht mit größerer Güte zu den Menschen in ihrer Nähe zurück.

Pillai Perumal Iyengars Legenden bewahren damit zwei Bewegungen der Bhakti: die Sammlung auf den Geliebten und die Erweiterung des Herzens durch eben diese Liebe.

Lakshmi, die göttliche Mutter in der vishnuitischen Verehrung.

Die Kunst des tamilischen Gotteslobes

Das Ashta Prabandham verbindet unterschiedliche Gedichtformen, darunter Antadi, Malai und Kalambakam. Die formale Kunst dient einem reichen Ausdruck von Sehnsucht, Lob und Zuflucht. Seine Werke stehen zugleich in der konfessionellen Streitkultur ihrer Zeit; die geistliche Betrachtung hier konzentriert sich auf ihre Kraft, Hingabe zu wecken.

Werke und weiterführende Texte

Zum Ashta Prabandham zählen:

  • Tiruvaranga Kalambakam, Tiruvarangattu Malai und Tiruvarangattu Antadi.
  • Sri Ranganayakar Usal – Schaukellied auf Ranganatha.
  • Tiruvenkata Malai und Tiruvenkatattu Antadi.
  • Alagar Antadi und Nutrettu Tiruppati Antadi.
  • 108 Tiruppati Antadi: Tamiltext und englische Erläuterungen, PDF. Die dortige frühe Datierung vertritt eine bestimmte Traditionslinie.

Beziehungen zu anderen Persönlichkeiten

Seine Dichtung führt die Gottesliebe der Alvar weiter. Eine Lehrerbeziehung zu Parasara Bhattar gehört zur frühen Datierungstradition. Die behauptete Verwandtschaft mit Tiruvarangattu Amudanar ist nicht gesichert. Thematisch lässt sich seine poetische Pilgerreise mit den Hymnen Tirumangai Alvars verbinden.

Anregungen für Yoga und Meditation

Wähle für die Meditation eine dir vertraute Gestalt Gottes. Nimm anschließend wahr, ob sich dieselbe Liebe auch im achtsamen Umgang mit anderen ausdrücken kann. Der Yoga der Hingabe darf verwurzelt sein und zugleich das Herz weiten.

Symbolbild für Vertrauen, Gelassenheit und eine lebendige Meditationspraxis.

Die vertraute Liebe darf wachsen

Möge Iyengars Geschichte dazu ermutigen, den eigenen Herzensweg treu zu gehen und dennoch offen zu bleiben. Das Göttliche kann uns dort begegnen, wo wir es bisher nicht erwartet haben.

Videos zur Vertiefung

Diese Videos laden dazu ein, die angesprochenen Themen durch eigene Praxis zu vertiefen.

Ankommenssatsang - Kirtan, Mantra und Arati mit Sukadev - Yoga Vidya Live, 15.07.2022, 20:00 Uhr

Anahata Chakra Pendel-Meditation für Liebe und Freude

Siehe auch

Quellen und Literatur

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