Kalashasthapana

Aus Yogawiki

Kalashasthapana (Sanskrit: कलशस्थापन kalaśasthāpana n.) bedeutet „Aufstellen des Kalasha“, „Einsetzen des heiligen Gefäßes“. Kalashasthapana ist ein Ritual, bei dem ein mit Wasser gefülltes, geschmücktes Gefäß (Kalasha) aufgestellt und geweiht wird. In das Gefäß wird die Gegenwart des Göttlichen eingeladen, sodass es während der Puja oder des Homa als Sitz der Gottheit dient. Kalashasthapana steht am Anfang vieler größerer Rituale, etwa von Hauseinweihungen, Hochzeiten, Tempelweihen und Festen wie Navaratri, wo es auch Ghatasthapana genannt wird.

Mehr dazu auch unter Kalasha Sthapana – das heilige Wassergefäß aufstellen.

Etymologie

  • Kalasha (कलश): Krug, Wassergefäß, besonders das rituelle Gefäß; auch die Kuppelspitze eines Tempels.
  • Sthapana (स्थापन): Aufstellen, Einsetzen, Errichten; von der Wurzel sthā = stehen, im Kausativ „hinstellen, festsetzen“.

Der Kalasha

Der Kalasha ist meist ein Gefäß aus Kupfer, Messing, Silber oder Ton. Typischerweise wird er wie folgt vorbereitet:

  • Er wird mit reinem Wasser gefüllt, oft mit Ganges-Wasser (Gangajal) vermischt.
  • Ins Wasser werden Gaben gegeben: etwa eine Münze, Reiskörner, Blumen, Kumkum, Haldi, Betelnuss und duftende Substanzen.
  • In die Öffnung werden fünf oder sieben Mangoblätter (oder Betelblätter) gesteckt.
  • Darauf wird eine Kokosnuss gesetzt, oft mit einem roten oder gelben Tuch umwickelt.
  • Um den Hals des Gefäßes wird ein Faden (Kanthasutra) gebunden.
  • Der Kalasha steht auf einem Bett aus Reis oder Getreide, oft auf einem Bananenblatt oder einem Tuch.
  • Auf das Gefäß werden glückverheißende Zeichen gemalt, etwa ein Swastika oder Om.

Ablauf des Kalashasthapana

  1. Bhumi Pujana: Weihung des Bodens, auf dem der Kalasha stehen soll.
  2. Aufstellen des Gefäßes auf dem vorbereiteten Reis- oder Getreidebett.
  3. Füllen mit Wasser unter Anrufung der heiligen Flüsse.
  4. Einlegen der Gaben und Aufsetzen der Mangoblätter und der Kokosnuss.
  5. Avahana: Einladung der Gottheit bzw. der kosmischen Kräfte in den Kalasha.
  6. Prana Pratishtha: Beleben des Kalasha mit göttlicher Gegenwart.
  7. Verehrung des Kalasha mit Blumen, Licht, Räucherwerk und Mantras.

Bei der Anrufung der heiligen Flüsse wird häufig gesprochen:

gaṅge ca yamune caiva godāvari sarasvati |
narmade sindhu kāveri jale'smin sannidhiṃ kuru ||

Übersetzung:

O Ganga, Yamuna, Godavari, Sarasvati,
Narmada, Sindhu und Kaveri – seid gegenwärtig in diesem Wasser.

Ein bekannter Vers beschreibt den Kalasha als Wohnstatt des ganzen Kosmos:

kalaśasya mukhe viṣṇuḥ kaṇṭhe rudraḥ samāśritaḥ |
mūle tatra sthito brahmā madhye mātṛgaṇāḥ smṛtāḥ ||
kukṣau tu sāgarāḥ sarve saptadvīpā vasundharā |
ṛgvedo'tha yajurvedaḥ sāmavedo hy atharvaṇaḥ ||
aṅgaiś ca sahitāḥ sarve kalaśaṃ tu samāśritāḥ ||

Übersetzung:

In der Öffnung des Kalasha wohnt Vishnu, im Hals Rudra,
am Grund Brahma, in der Mitte die Scharen der göttlichen Mütter.
Im Bauch wohnen alle Ozeane und die Erde mit ihren sieben Kontinenten.
Rigveda, Yajurveda, Samaveda und Atharvaveda
mit all ihren Hilfswissenschaften – sie alle wohnen im Kalasha.

Spirituelle Bedeutung

  • Der Kalasha als Kosmos: Das Gefäß symbolisiert das ganze Universum. Das Wasser steht für das Urwasser, aus dem alles Leben hervorging; die Blätter für das Leben; die Kokosnuss für das Bewusstsein.
  • Der Kalasha als Körper: Im übertragenen Sinne steht der Kalasha für den menschlichen Körper, der vom göttlichen Bewusstsein erfüllt ist. Wie das Gefäß Wasser trägt, so trägt der Körper das göttliche Selbst (Atman).
  • Fülle: Der Purna Kalasha (volles Gefäß) gilt als Symbol von Fülle, Glück und Segen. Er erscheint in Kunst und Architektur als glückverheißendes Zeichen.
  • Gegenwart des Göttlichen: Durch die Weihe wird der Kalasha zu einem Ort, an dem das Göttliche besonders gegenwärtig ist. Nach dem Ritual wird das geweihte Wasser oft versprengt oder als Prasad verteilt.
  • Mythologischer Hintergrund: Der Kalasha erinnert an das Gefäß mit Amrita, dem Nektar der Unsterblichkeit, das beim Quirlen des Milchozeans (Samudra Manthana) hervorkam.

Kalashasthapana bei Navaratri

Zu Beginn von Navaratri wird in vielen Familien und Tempeln ein Kalasha aufgestellt (Ghatasthapana). Oft wird daneben Gerste oder ein anderes Getreide in Erde gesät, das während der neun Tage keimt und wächst. Der Kalasha bleibt während des ganzen Festes stehen und wird täglich verehrt als Sitz der göttlichen Mutter (Devi).

Kalashasthapana bei Yoga Vidya

Bei größeren Pujas und Homas in den Yoga Vidya Ashrams, etwa zu Navaratri, Shivaratri oder bei Einweihungen, wird ein Kalasha aufgestellt und geweiht. Am Ende des Rituals wird das geweihte Wasser oft über die Teilnehmenden versprengt, um sie zu segnen.

Praxistipps

  • Für eine Puja zu Hause genügt ein einfaches Gefäß mit Wasser, einigen Blättern und einer Blume.
  • Stelle den Kalasha bewusst auf und lade innerlich das Göttliche ein, darin gegenwärtig zu sein.
  • Betrachte während der Puja den Kalasha als Symbol der Fülle und des Lebens.
  • Verwende das geweihte Wasser nach dem Ritual, um Pflanzen zu gießen oder dich selbst zu segnen, statt es achtlos wegzugießen.

Siehe auch