Go Griha Dana
Go Griha Dana – einen schützenden Stall für die Versorgung von Rindern stiften macht die Bereitstellung eines Rinderstalls zu einer religiösen Gabe. Der Schutzraum wird gebaut oder fertiggestellt und danach einem geeigneten Träger zur dauerhaften Nutzung überlassen. Das Agni Purana nennt ausdrücklich das Errichten und Verschenken eines Go Griha, eines Hauses für Rinder. Die Handlung richtet sich an Menschen, die Tierfürsorge durch einen konkreten Ort ermöglichen möchten.
Die Anleitung folgt der puranischen Gabenordnung desselben Werkes. Geber und empfangender Träger vollziehen die Widmung am fertigen Gebäude oder an einem geeigneten Platz in seiner Nähe. Die Tiere müssen nicht eigens für das Ritual versammelt werden. Die Gabe betrifft ihren Schutzraum und seine tatsächliche Nutzbarkeit.
Den Stall fertig und nutzbar übergeben
Vereinbare mit dem empfangenden Betrieb oder der Goshala, welcher Stall benötigt wird und wer ihn künftig betreut. Ein nutzbarer Schutz vor Witterung, passende Lüftung, trockene Ruheflächen, Wasserzugang und sichere Ein- und Ausgänge gehören zur heutigen sachlichen Vorbereitung. Das Purana gibt dafür keinen Bauplan und keine feste Zahl von Tierplätzen an. Planung und Ausführung richten sich deshalb nach den Tieren und der verantwortlichen Betreuung vor Ort.
Die Quellvorschrift verbindet zwei Schritte: errichten und überlassen. Eine Grundsteinlegung allein ist daher noch keine vollendete Go-Griha-Gabe. Für diese Durchführung wird das fertig nutzbare Gebäude übergeben. Kläre vorher auch die tatsächliche Verfügungs- und Nutzungsübertragung sowie die Versorgung nach der Eröffnung. Die Feier selbst ersetzt diese Absprachen nicht.
Bereite die nötigen Zugangsmittel, eine Wasserschale, eine Auffangschale und die goldene Dakshina vor. Zugangsmittel sind praktische Hilfen der heutigen Übergabe, keine im alten Text genannten Ritualgeräte. Ein bestimmter Tag, eine Himmelsrichtung des Gebäudes oder eine eigene Feuerweihe wird im Abschnitt nicht verlangt. Für die Übergabe gelten die folgenden Blickrichtungen der allgemeinen Gabenordnung.
Die Übergabe vollziehen
1. Sich reinigen und sammeln
Geber und Empfänger waschen beziehungsweise baden sich vor der Feier. Stelle am sauberen Übergabeplatz eine kleine Wasserschale bereit. Der Geber blickt nach Osten, der Empfänger nach Norden; dafür kann der Empfänger links vom Geber sitzen, sodass die beiden Ausrichtungen ohne Gegenübersitzen möglich sind. Diese räumliche Anordnung setzt die ausdrücklich genannten Blickrichtungen praktisch um.
2. Die Gabe in den göttlichen Zusammenhang stellen
Sammle dich im Gedenken an Vishnu. Sprich die drei Weltworte, mit denen die allgemeine Gabenordnung die vorbereitende Verehrung verbindet:
IAST
bhūrbhuvaḥ svaḥ |
Devanagari
भूर्भुवः स्वः ।
Bedeutung
Erde, Luftraum, Himmel!
Eine besondere Blüten- oder Feuerzeremonie ist in der hier benutzten allgemeinen Übergabeordnung nicht ausgeschrieben. Die Sammlung mit den Weltworten wird deshalb nicht stillschweigend zu einer umfangreichen Puja erweitert.
3. Geber, Empfänger und Gabe benennen
Nenne deinen Namen und, soweit bekannt, dein Gotra, dann Namen und Gotra des Empfängers. Erfinde kein unbekanntes Gotra. Beschreibe eindeutig die tatsächlich übergehende Gabe. Die allgemeine Vorschrift verlangt, Gegenstand und Empfänger zu benennen; eine feste kosmologische Datierungsformel wird hier nicht hinzugefügt. Die persönliche Benennung kann verständlich auf Deutsch erfolgen.
4. Die Gabe übergeben
Sprich anschließend die vollständige allgemeine Übergabeformel aus Agni Purana 209.61–62:
IAST
etattubhyaṃ sampradade prīyatāṃ me hariḥ śivaḥ |
divyāntarīkṣabhaumādisamutpātaughaghātakṛt |
dharmārthakāmamokṣāptyai brahmalokaprado'stu me ||
Devanagari
एतत्तुभ्यं सम्प्रददे प्रीयतां मे हरिः शिवः ।
दिव्यान्तरीक्षभौमादिसमुत्पातौघघातकृत् ।
धर्मार्थकाममोक्षाप्त्यै ब्रह्मलोकप्रदोऽस्तु मे ॥
Bedeutung
Dies übergebe ich dir. Mögen Hari und Shiva mir gewogen sein.
Möge diese Gabe die Scharen der unheilvollen Erscheinungen im Himmel, im Luftraum und auf Erden abwenden.
Möge sie mir zur Erlangung von Dharma, Lebensunterhalt, erfülltem Streben und Befreiung dienen und den Weg zur Welt Brahmas eröffnen.
Gib dem Empfänger danach etwas sauberes Wasser auf die rechte Hand und fange es in einer darunterstehenden Schale auf. Die Wassergabe begleitet das verbindliche Überlassen; sie ersetzt die tatsächliche Übergabe des Gegenstands oder der vereinbarten Leistung nicht.
5. Die Gabe annehmen
Der Empfänger spricht gemäß der allgemeinen Regel die Savitri-Strophe und erinnert dabei die Gabe als Ausdruck der göttlichen Gegenwart:
IAST
tatsaviturvareṇyaṃ bhargo devasya dhīmahi |
dhiyo yo naḥ pracodayāt ||
Devanagari
तत्सवितुर्वरेण्यं भर्गो देवस्य धीमहि ।
धियो यो नः प्रचोदयात् ॥
Bedeutung
Wir vergegenwärtigen uns das erwählenswerte Licht des göttlichen Savitar. Möge er unsere Einsichten anregen.
IAST
viṣṇurdātā viṣṇurdravyaṃ pratigṛhṇāmi |
Devanagari
विष्णुर्दाता विष्णुर्द्रव्यं प्रतिगृह्णामि ।
Bedeutung
Vishnu ist der Geber, Vishnu ist die Gabe. Ich nehme sie an.
Der Annahmesegen lautet:
IAST
svasti |
Devanagari
स्वस्ति ।
Bedeutung
Wohlergehen!
6. Die begleitende Gabe darbringen
Zur hier gewählten Übergabe gehört eine goldene Dakshina, die du zusätzlich vorbereitest. Das Agni Purana 211.30 nennt Gold als Begleitgabe für andere Gaben; 209.63 gibt die Worte zur Bekräftigung der Stiftung. Die Quelle legt dafür kein festes Gewicht fest. Übergib die vorbereitete Goldgabe mit folgender Formel:
IAST
etaddānapratiṣṭhārthaṃ suvarṇaṃ dakṣiṇāṃ dade |
Devanagari
एतद्दानप्रतिष्ठार्थं सुवर्णं दक्षिणां ददे ।
Bedeutung
Zur Bekräftigung dieser Gabe gebe ich Gold als Dakshina.
7. Den Dank beenden
Danke für die Annahme und vergewissere dich, dass die Gabe wirklich nutzbar übergeht. Räume die Wasserschale und die verwendeten Hilfsmittel fort. Die Quelle betont, dass Geben aus Vertrauen und ohne Berechnung einer Gegenleistung geschehen soll. Der letzte praktische Blick gilt deshalb dem Wohl des Empfängers.
Die Stiftung durch Betreuung erfüllen
Überreiche die Zugangsmittel und gehe mit dem Empfänger die Einrichtungen durch. Prüfe gemeinsam, ob Wasser, Futterversorgung und Betreuung für den Beginn bereitstehen. Die Tiere werden erst entsprechend der sachkundigen Planung eingewöhnt; ein rituell erzwungener erster Eintritt ist nicht vorgeschrieben.
Als heutige innere Vertiefung kann die Stallgabe daran erinnern, dass Ahimsa auch in dauerhafter Fürsorge sichtbar wird. Ein Gebäude wird zum Schutzraum, wenn Menschen es verlässlich pflegen. Die Stiftung soll deshalb nicht bei einem feierlichen Bild stehen bleiben, sondern den Tieren im Alltag zugutekommen.
Quellen
- Agni Purana, Kapitel 209, besonders Verse 21–23, 37–50 und 57–63: allgemeine Regeln des Gebens und Empfangens. Sanskrittext der GRETIL-Ausgabe. Die Grundform wird hier mit der jeweils ausdrücklich genannten Gabe aus Kapitel 211 verbunden.
- Agni Purana 211.18cd: Errichten und Verschenken eines gogriha. Die allgemeinen Regeln aus 209 liefern die Übergabe; eine nicht überlieferte Stall-Pratishtha wird nicht hinzugefügt.