Periya Tirumalai Nambi
Periya Tirumalai Nambi (auch Tirumala Nambi, Srisailapurna oder Tatacharya) war ein verehrter Srivaishnava-Lehrer und Tempeldiener von Tirumala im Umfeld des 11. Jahrhunderts. Er war ein Onkel und Lehrer Ramanujas und erschloss ihm die geistliche Tiefe des Ramayana. Seine Heiligengeschichten verbinden große Gelehrsamkeit mit dem schlichten Dienst, Wasser für die Verehrung Venkateshvaras zu tragen.

Leben und Hintergrund
- Lebensraum: Tirumala und Tirupati, heute in Andhra Pradesh, innerhalb der tamilisch geprägten Srivaishnava-Überlieferung.
- Gottesverehrung: Venkateshvara, auch Srinivasa genannt, die Vishnu-Gestalt des berühmten Bergheiligtums.
- Lehrertradition: Der Kreis um Yamunacharya.
- Familie und Schüler: Mütterlicher Onkel Ramanujas; auch Govinda, der spätere Embar, gehörte zu seinem engsten Schülerkreis.
- Abgrenzung: Er ist nicht mit Tirumalai Andan, Ramanujas Lehrer des Tiruvaymoli, identisch. Die genauen Lebensdaten werden unterschiedlich angegeben.
Tamil: பெரிய திருமலை நம்பி; Transliteration: Periya Tirumalai Nampi.
Geschichten über Periya Tirumalai Nambi
Wasser für den geliebten Herrn
Die Tempelüberlieferung erinnert sich an Nambi als einen Mann, der Tag für Tag Wasser für den Gottesdienst herbeitrug. Die Wege auf dem heiligen Berg waren beschwerlich. Auch im Alter hielt er an seiner Aufgabe fest. Er betrachtete sie als persönliche Gabe der Liebe.
Die Legende erzählt, Venkateshvara sei ihm in Gestalt eines Jungen begegnet und habe ihn um Wasser gebeten. Schließlich habe der Herr die Quelle Akasha Ganga erschlossen und dem alten Diener damit den weiteren Weg erleichtert. Der Gott nimmt Anteil an der Mühe dessen, der ihm dient.[1]
Die fortdauernde Verwendung des Wassers von Akasha Ganga im Tempel verbindet diese Erzählung mit lebendiger Verehrung. In ihrer geistlichen Bedeutung begegnen sich menschliche Treue und göttliche Fürsorge: Der Herr, dem Nambi Wasser bringt, wird selbst zur Quelle der Erleichterung.
Ich fand keinen Geringeren
Als Ramanuja nach Tirumala kam, ging ihm Nambi persönlich entgegen und brachte heiliges Wasser und Prasad. Ramanuja war bewegt und zugleich verlegen. Warum hatte man für eine solche Aufgabe den ehrwürdigen alten Lehrer bemüht? Hätte nicht jemand Jüngeres kommen können?[2]
Nambi antwortete in der Sprache der Demut: Er habe nach einem Kleineren gesucht und keinen gefunden; darum sei er selbst gekommen. Die ältere englische Nacherzählung spielt dabei mit dem Wort für den Jüngsten beziehungsweise Geringsten.
Der Gast sah vor sich einen Lehrer, der seine Würde nicht dadurch wahrte, dass er bedient wurde. Nambi konnte sich selbst zum Diener machen. Diese Freiheit verlieh seiner Begrüßung eine Wärme, die kein feierlicher Rang ersetzen konnte.
Für die Betrachtung liegt darin eine einfache Frage: Muss ich immer auf meinen Platz achten, oder kann ich mich darüber freuen, jemandem eine Freude zu bereiten? Nambis Antwort geschieht durch sein Handeln.
Ein Jahr im Licht des Ramayana
Ramanuja blieb nach der Überlieferung ein Jahr bei seinem Onkel und studierte mit ihm das Ramayana. Das Epos wurde zum Raum geistlicher Unterweisung: Ramas Treue, Sitas Würde, Lakshmanas Dienst und die vertrauensvolle Zuflucht Schutzsuchender erschließen eine Welt gelebter Hingabe.
Die Tradition schreibt Nambi eine besonders reiche, vielfach gegliederte Auslegung zu. Entscheidend ist dabei das Bild eines Lernenden, der Zeit schenkt. Ramanuja war bereits ein bedeutender Lehrer, und doch setzte er sich geduldig zu einem anderen Meister.
Nambi teilte mit ihm sowohl die Lehre als auch den Alltag seines Hauses. So konnte die Bedeutung des Dienens in den Worten des Epos und in den lebendigen Beziehungen erfahren werden. Der spätere große Philosoph erscheint hier als dankbarer Schüler.
Was ein Schüler durch Liebe erkennt
In Nambis Haus beobachtete Ramanuja Govinda, den späteren Embar. Dieser legte sich zunächst selbst auf das für den Lehrer bereitete Lager. Das schien die gebotene Ehrfurcht zu verletzen. Nambi fragte ihn nach dem Grund.
Govinda wollte prüfen, ob etwas Hartes oder ein störendes Tier den Schlaf des Lehrers beeinträchtigen könnte. Dessen Ruhe lag ihm mehr am Herzen als der eigene Ruf. Ramanuja erkannte darin die Zartheit seiner Fürsorge.
Als Ramanujas Studienzeit zu Ende ging, wurde Govinda ihm als Gefährte und Helfer anvertraut. Für einen Lehrer bedeutet Weitergabe auch, einen geliebten Schüler ziehen zu lassen. Nambis Unterricht wirkte auf diese Weise doppelt weiter: in Ramanujas Verständnis des Ramayana und in Embars dienendem Herzen.

Das Ramayana als Schule der Hingabe
In der Srivaishnava-Auslegung eröffnet das Ramayana besonders den Zugang zu Zuflucht, Treue und Schutzgewährung. Nambi verkörpert die Verbindung von Schriftauslegung und Kainkarya. Seine Geschichten stellen den gelehrten Lehrer und den Wasser tragenden Tempeldiener als ein und denselben Menschen vor.
Werke und weiterführende Texte
Ein gesichertes umfangreiches selbstständiges Schriftwerk Nambis ist hier nicht zugrunde gelegt. Sein bedeutendes Vermächtnis ist die mündliche Ramayana-Auslegung.
- Ramayana und Valmiki Ramayana – das von ihm gelehrte Epos, nicht von ihm verfasst.
- The Life of Ramanujacharya, besonders das Kapitel über Tirupati.
- Tempelinformationen zur Verehrung mit Wasser aus Akasha Ganga.
Beziehungen zu anderen Persönlichkeiten
Yamunacharya gehört zur geistlichen Vorgeschichte seiner Lehrtätigkeit. Ramanuja lernte bei ihm das Ramayana, Embar die gelebte Fürsorge im Dienst. Mit Tirukkachi Nambi verbindet ihn das Ideal vertrauter Gottesnähe in einer regelmäßig erfüllten Tempelaufgabe.
Anregungen für Yoga und Meditation
Bereite einen Platz für Meditation mit Sorgfalt vor. Das Ordnen, Reinigen oder Bereitstellen von Wasser kann bereits eine Übung der Aufmerksamkeit sein. Im Yoga erinnern solche Handlungen daran, dass Dienst und Sammlung einander nähren.

Eine Quelle der Fürsorge
Nambi trug Wasser zum Heiligtum; die Überlieferung lässt den Herrn ihm eine Quelle eröffnen. Möge dieses Bild Vertrauen schenken und zugleich den Blick für Menschen schärfen, deren tägliche Mühe durch eine kleine Hilfe leichter werden kann.
Videos zur Vertiefung
Diese Videos laden dazu ein, die angesprochenen Themen durch eigene Praxis zu vertiefen.
Herz-Chakra Segensmeditation
Ankommenssatsang - Kirtan, Mantra und Arati mit Sukadev - Yoga Vidya Live, 15.07.2022, 20:00 Uhr
Siehe auch
Quellen und Literatur
- A. Govindacharya: The Life of Ramanujacharya. 1906.
- Tirumala Tirupati Devasthanams: Tempelüberlieferung über Tirumala Nambi.
- Tirumala Tirupati Devasthanams: Abhishekam.
Seminare
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