Brahman Kavacha Schutzritual

Aus Yogawiki

Brahman Kavacha Schutzritual ist eine meditative Schutzrezitation aus dem Mahanirvana Tantra. Das dort Jaganmaṅgala, „Heil für die Welt“, genannte Kavaca richtet die Aufmerksamkeit nacheinander auf Kopf, Herz, Kehle, Gesicht, Hände, Füße und den ganzen Körper. Jeder Bereich wird dem Schutz des höchsten Brahman anvertraut.

Gesammelte Aufmerksamkeit begleitet die Schutzrezitation.

Die Anleitung eignet sich als eigenständige Andacht bei Unruhe, vor einer anspruchsvollen Aufgabe oder als ruhiger Tagesabschluss. Diese konkreten Anlässe sind Anwendungen des Schutzgedankens; das Tantra nennt dafür keine besonderen Termine. Es versteht den Schutz zugleich als Hinwendung zur Erkenntnis Brahmans. Eine garantierte Abwehr äußerer Ereignisse lässt sich daraus nicht ableiten.

Für wen und was wird benötigt?

Die Quelle ordnet die Weitergabe des Kavaca einem urteilsfähigen, dem Guru verbundenen Schüler zu. Die traditionelle Praxis erfolgt deshalb im Rahmen der erhaltenen Unterweisung. Sanskrit- und Pujakundige finden hier alle für diese Rezitation verwendeten Formeln und Handlungen.

Du brauchst nur einen ruhigen Sitz und etwa fünf bis zehn Minuten. Ein Amulett ist nicht erforderlich. Der Text kennt zusätzlich das Aufschreiben auf Birkenrinde und Tragen in einer goldenen Hülle; die vorliegende Anleitung behandelt den ebenfalls ausdrücklich genannten Weg der Rezitation.

Zur Vertiefung: Brahman und die Wahrnehmung durch die Sinne
Dieses Yoga-Vidya-Video erläutert den geistigen Hintergrund. Die konkrete Ritualfolge mit ihren Mantras steht in den folgenden Schritten.

1. Sammlung

Setze dich aufrecht. Lasse die Schultern locker und den Atem ruhig fließen. Vergegenwärtige Brahman als allgegenwärtiges Bewusstsein. Fasse die Absicht, Körper und Geist in dieser Gegenwart zu sammeln. Ein frei gefasster innerer Entschluss genügt.

2. Rishi-Nyasa

Der Abschnitt verlangt für das Kavaca den vorausgehenden Rishi-Nyasa. Führe ihn so aus:

Berühre nacheinander Scheitel, Mundbereich und Herz; sprich jeweils die zugehörige Formel. Halte danach beide Hände als offene Schale vor dem Herzen und benenne die Ausrichtung.

Ort Rezitation Übersetzung
Scheitel sadāśivāya ṛṣaye namaḥ Verehrung Sadashiva, dem Seher.
Mund anuṣṭupchandase namaḥ Verehrung dem Versmaß Anushtubh.
Herz paramabrahmaṇe devatāyai namaḥ Verehrung dem höchsten Brahman als Gottheit.
Hände als Schale caturvargaphalāvāptyai viniyogaḥ Die Anwendung dient dem Erlangen der Früchte der vier Lebensziele.

Die vier Lebensziele sind Dharma, Artha, Kama und Moksha: rechte Lebensführung, Lebensunterhalt und Gedeihen, erfülltes Leben und Befreiung. Die Angaben zu Seher, Versmaß, Gottheit und Anwendung stammen aus dem Tantra; die kurzen Namah-Formeln setzen diese Angaben als aussprechbaren Nyasa um.

3. Vollständiges Jaganmangala-Kavaca

Sprich die beiden Verse als eine zusammenhängende Anrufung einmal langsam. Vergegenwärtige jeweils die genannten Körperbereiche. Du kannst die Aufmerksamkeit allein innerlich führen; ein zusätzlicher Berührungs-Nyasa wird in diesen Versen nicht angeordnet.

paramātmā śiraḥ pātu hṛdayaṃ parameśvaraḥ |
kaṇṭhaṃ pātu jagatpātā vadanaṃ sarvadṛgvibhuḥ ||

Das höchste Selbst möge den Kopf schützen, der höchste Herr das Herz. Der Hüter der Welt möge die Kehle schützen, der allsehende, allgegenwärtige Herr das Gesicht.

karau me pātu viśvātmā pādau rakṣatu cinmayaḥ |
sarvāṅgaṃ sarvadā pātu paraṃ brahma sanātanam ||

Das Selbst des Alls möge meine Hände schützen; der aus Bewusstsein Bestehende behüte die Füße. Den ganzen Körper möge jederzeit das höchste, ewige Brahman schützen.

Sanskritabschnitt Worauf du die Aufmerksamkeit richtest
paramātmā śiraḥ pātu Kopf und Scheitel: das höchste Selbst als Schutz.
hṛdayaṃ parameśvaraḥ Herzraum: der höchste Herr als Schutz.
kaṇṭhaṃ pātu jagatpātā Kehle und Sprache: der Hüter der Welt als Schutz.
vadanaṃ sarvadṛgvibhuḥ Gesicht und Wahrnehmung: das allsehende, allgegenwärtige Bewusstsein.
karau me pātu viśvātmā Beide Hände und dein Handeln: das Selbst des Alls.
pādau rakṣatu cinmayaḥ Beide Füße und deine Schritte: das reine Bewusstsein.
sarvāṅgaṃ sarvadā pātu paraṃ brahma sanātanam Den ganzen Körper zugleich: das ewige höchste Brahman.

Die Namen bezeichnen hier verschiedene Aspekte derselben höchsten Wirklichkeit. Es werden nicht sieben voneinander getrennte Gottheiten herbeigerufen. Nach dem letzten Satz bleibe kurz bei der Wahrnehmung des ganzen Körpers.

4. Verneigung und Abschluss

Lege die Hände zusammen und rezitiere:

namaste paramaṃ brahma namaste paramātmane |
nirguṇāya namas tubhyaṃ sadrūpāya namo namaḥ ||

Verehrung dir, höchstes Brahman; Verehrung dem höchsten Selbst. Dir, dem Eigenschaftslosen, sei Verehrung; dem, dessen Wesen Sein ist, immer wieder Verehrung.

Verneige dich und sitze noch einen Augenblick still. Das Ritual ist damit abgeschlossen. Im Alltag kann die Erinnerung an die Hände, die Sprache und das Herz helfen, umsichtig zu handeln und sich nicht von aufkommender Unruhe bestimmen zu lassen.

Der Kavaca-Abschnitt legt keine feste Wiederholungszahl fest. Die einmalige vollständige Rezitation ist die für diese Anleitung gewählte Grundform. Eine von der eigenen Unterweisung vorgegebene regelmäßige Wiederholung kann hinzukommen.

Verbindung mit der Puja

Innerhalb der Brahman Puja nach dem Mahanirvana Tantra steht dieses Kavaca nach dem fünfstrophigen Pancharatna-Stotra und vor der Verneigung. Wer die ganze Puja ausführt, rezitiert es dort. Für eine selbständige kurze Schutzandacht sind Sammlung und Abschluss in diesem Artikel redaktionell um die im Text ausdrücklich angeordnete Kavaca-Rezitation angeordnet.

Verwandte Anleitungen

Quellen und Textgestalt

Grundlage ist das Mahanirvana Tantra, Kapitel 3, in der Ausgabe Mahanirvana Tantra Sanskrit IAST. Maßgeblich für die hier angegebenen Versnummern ist diese Sanskritfassung. Name und Zweck: 3.66; vollständiger Kavaca-Text: 3.67–68; Seher, Versmaß, Gottheit und Anwendung: 3.69; vorausgehender Rishi-Nyasa: 3.70; Amulettform: 3.71; Weitergabe an einen geeigneten Schüler: 3.72; Verneigung: 3.73–74. Der eigenständige Rahmen und die Hinweise zur inneren Aufmerksamkeit erläutern die Ausführung; sie sind keine zusätzlichen Verse des Tantra.

Zum Vergleich: Arthur Avalon (John Woodroffe), The Great Liberation (Mahānirvāṇa Tantra), 1913, Kapitel 3, englische Übersetzung. Einzelne Versnummern dieser Übersetzung weichen von der Wiki-Sanskritfassung ab. Die deutschen Mantraübersetzungen in dieser Anleitung sind neu formuliert; die rituellen Sanskrittexte stammen aus dem Grundtext. Worttrennung und Interpunktion wurden zum Rezitieren eingerichtet.

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