Atmadroha

Atmadroha: (Sanskrit: ātmadroha m.) = Verrat am Selbst, Selbstverletzung
Der Sanskrit-Ausdruck Atmadroha setzt sich aus zwei Wörtern zusammen: Atma, was Seele, Selbst oder das wahre innere Wesen bedeutet, und Droha, was Verrat, Feindseligkeit oder Schaden zufügen bedeutet. Wörtlich übersetzt heißt Atmadroha also Selbstverrat oder Verrat an der eigenen Seele. Im Hinduismus und in der yogischen Spiritualität beschreibt dieser Begriff einen sehr tiefgreifenden und schmerzhaften Zustand: Du handelst gegen deine eigene innere Wahrheit, du ignorierst deine Bedürfnisse, du unterdrückst deine Intuition oder du fügst dir selbst bewusst oder unbewusst Leid zu. Es ist der innere Konflikt, der entsteht, wenn du nicht im Einklang mit deinem höheren Selbst lebst.
Stell dir vor, du spürst tief in dir, dass du eine Pause brauchst, dein Körper ist erschöpft und dein Geist sehnt sich nach Stille. Aber du zwingst dich trotzdem zu einer intensiven Yogapraxis, nur weil du denkst, du müsstest perfekt sein oder etwas beweisen. In diesem Moment begehst du Atmadroha: Du verrätst die leise Stimme deiner Seele, die dir eigentlich sagt: “Ruhe dich aus, sei sanft mit dir.” Im Yoga geht es ja nicht darum, dich zu verbiegen oder zu überwinden, sondern darum, dich selbst immer mehr zu erkennen und zu ehren. Atmadroha ist das Gegenteil von dieser Selbstliebe. Es ist die Abkehr von deiner eigenen Göttlichkeit, die in der hinduistischen Philosophie in dir wohnt.
Ein passendes Beispiel aus der Yogapraxis könnte so aussehen: Du sitzt in der Meditation und versuchst krampfhaft, deine Gedanken zu stoppen, weil du denkst, du meditierst “falsch”, wenn du abgelenkt bist. Dabei ist die eigentliche Lehre, dass du die Gedanken einfach kommen und gehen lassen sollst, ohne Urteil. Indem du dich selbst für deine “Unfähigkeit” verurteilst, begehst du Atmadroha. Du verletzt dich innerlich, anstatt dir mit Mitgefühl zu begegnen. Ein weiser Guru würde sagen: “Sei freundlich zu dir selbst, denn du bist der einzige Gast, der für immer in deinem Herzen wohnt.” Atmadroha zu erkennen bedeutet also, den ersten Schritt zurück zu dir selbst zu machen – weg von der Härte, hin zur bedingungslosen Annahme deines Seins. "Liebe deinen Nächsten wie dich selber!" (Jesus).