Astikyabuddhi

Aus Yogawiki
Astikyabuddhi

Astikyabuddhi: (Sanskrit: āstikyabuddhi f.) = Unterscheidungskraft (Buddhi), welche im Herzen die Gottes-Gegenwart wahrnehmen kann.

Astikyabuddhi ist ein faszinierender Begriff aus dem Sanskrit, der sich tief in der spirituellen und yogischen Tradition des Hinduismus verwurzelt. Wenn du ihn übersetzt, bedeutet er in etwa „die Haltung oder Gesinnung des Glaubens an das, was ist“ oder präziser: „die innere Einstellung, die von Vertrauen in die ewige Ordnung (Rita) und die göttliche Wirklichkeit geprägt ist“. Das Wort setzt sich zusammen aus „Astikya“ (was soviel wie „Gläubigkeit“ oder „das Für-wahr-Halten“ bedeutet) und „Buddhi“ (dem Intellekt, der Unterscheidungskraft oder dem höheren Verstand). Es geht hier also nicht um einen blinden Glauben, sondern um eine tiefe, aus Erfahrung gewachsene Überzeugung, dass das Leben einen höheren Sinn hat und dass die unsichtbaren Gesetze des Kosmos – wie Karma und Wiedergeburt – real und wirksam sind.

In der Yogapraxis und Spiritualität begegnet dir Astikyabuddhi als eine Qualität, die du kultivieren kannst, besonders wenn du auf dem Pfad des Raja Yoga oder Jnana Yoga unterwegs bist. Es ist die innere Gewissheit, die dich auch in schwierigen Zeiten trägt: dass deine Übungen nicht sinnlos sind, dass die Stille in der Meditation dich nicht enttäuscht und dass die Lehren der Weisen (wie etwa in den Upanishaden oder der Bhagavad Gita) keine bloßen Märchen sind, sondern Wegweiser zur Wahrheit. Stell dir vor, du sitzt in deiner täglichen Meditation und der Verstand wird unruhig. Zweifel kommen hoch: „Bringt das überhaupt etwas?“. In diesem Moment wäre Astikyabuddhi die leise, aber feste Stimme in dir, die sagt: „Ich vertraue dem Prozess. Ich muss nicht sofort Ergebnisse sehen. Die Ordnung des Lebens ist größer als mein momentanes Verständnis.“ Es ist das Vertrauen, das der große Yoga-Meister Patanjali in den Yoga Sutras meint, wenn er von „Shraddha“ (Vertrauen) spricht – der ersten Voraussetzung für den spirituellen Weg.

Ein passendes Zitat aus der klassischen Yogapraxis, das diesen Geist einfängt, findest du in der Bhagavad Gita (Kapitel 4, Vers 39). Dort sagt Krishna zu Arjuna: „Ein Mensch, der von Vertrauen (Shraddha) erfüllt ist, der sich dem Wissen hingibt und seine Sinne beherrscht, erlangt das höchste Wissen. Wenn er jedoch diesem Vertrauen fehlt, geht er zugrunde; der Zweifler erreicht weder diese Welt noch die jenseitige, noch das Glück.“ Astikyabuddhi ist genau dieses tiefe Vertrauen, das den Zweifel überwindet.

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