Apah Sukta
Apah Sukta (Sanskrit: आपः सूक्तम्, IAST: āpaḥ sūktam, n.) – ein Gebet des Rigveda (10.9) an die Wasser. Die Seher reden sie als Mütter an, die nähren und reinigen. Wer bei einer Puja Wasser darbringt, kann in diesen neun Versen die Verbindung von äußerer Reinigung, Dank und innerer Aufrichtigkeit entdecken.
Die Wasser werden als Göttinnen angerufen, die nähren, reinigen und heilen. Wie liebevolle Mütter schenken sie ihren besten Saft. Die ersten Verse gehören zu den vertrauten vedischen Wassermantras. In Puja und Homa verbindet sich die Verwendung von Wasser mit der Bitte um äußere und innere Reinheit. Diese vollständige Hymne lässt auch Reue, neue Lebenskraft und den Wunsch nach einem langen Leben zu Wort kommen.
Herkunft und Verwendung
Rigveda, Samhita 10.9.1–9.
Vollständiger Sanskrittext in IAST
oṃ āpo hi ṣṭhā mayobhuvas tā na ūrje dadhātana |
mahe raṇāya cakṣase || 1 ||
yo vaḥ śivatamo rasas tasya bhājayateha naḥ |
uśatīr iva mātaraḥ || 2 ||
tasmā araṃ gamāma vo yasya kṣayāya jinvatha |
āpo janayathā ca naḥ || 3 ||
śaṃ no devīr abhiṣṭaya āpo bhavantu pītaye |
śaṃ yor abhi sravantu naḥ || 4 ||
īśānā vāryāṇāṃ kṣayantīś carṣaṇīnām |
apo yācāmi bheṣajam || 5 ||
apsu me somo abravīd antar viśvāni bheṣajā |
agniṃ ca viśvaśambhuvam || 6 ||
āpaḥ pṛṇīta bheṣajaṃ varūthaṃ tanve mama |
jyok ca sūryaṃ dṛśe || 7 ||
idam āpaḥ pra vahata yat kiṃ ca duritam mayi |
yad vāham abhidudroha yad vā śepa utānṛtam || 8 ||
āpo adyānv acāriṣaṃ rasena sam agasmahi |
payasvān agna ā gahi tam mā saṃ sṛja varcasā || 9 ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
Vollständige deutsche Übersetzung
Om.
1 Ihr Wasser, ihr seid Quellen der Freude. Gebt uns Kraft, damit wir das große Glück schauen.
2 Lasst uns hier an eurem heilsamsten Saft teilhaben, wie liebevolle Mütter ihre Kinder nähren.
3 Zu jener eurer Gaben wollen wir gelangen, mit der ihr unser Leben und Wohnen stärkt. Ihr Wasser, gebt uns neues Leben.
4 Zum Heil seien uns die göttlichen Wasser, zur Hilfe und zum Trinken. Heil und Wohlergehen mögen sie uns zuströmen lassen.
5 Ihr herrscht über die kostbaren Gaben, ihr waltet über die Menschen. Die Wasser bitte ich um Heilung.
6 Soma hat mir gesagt: In den Wassern wohnen alle Heilkräfte und Agni, der allen Segen bringt.
7 Ihr Wasser, füllt mich mit Heilkraft; seid meinem Körper Schutz, damit ich lange die Sonne schaue.
8 Ihr Wasser, spült alles Unheil fort, das in mir ist: was ich an Feindseligkeit begangen habe, was ich verflucht und was ich Unwahres gesprochen habe.
9 Heute bin ich den Wassern nachgegangen; mit ihrem Saft haben wir uns vereint. Agni, komm mit nährender Fülle und verbinde mich mit deinem Glanz.
Om. Shanti, Shanti, Shanti. Frieden, Frieden, Frieden.
Vollständiger Sanskrittext in Devanagari
ॐ आपो हि ष्ठा मयोभुवस् ता न ऊर्जे दधातन ।
महे रणाय चक्षसे ॥ १ ॥
यो वः शिवतमो रसस् तस्य भाजयतेह नः ।
उशतीर् इव मातरः ॥ २ ॥
तस्मा अरं गमाम वो यस्य क्षयाय जिन्वथ ।
आपो जनयथा च नः ॥ ३ ॥
शं नो देवीर् अभिष्टय आपो भवन्तु पीतये ।
शं योर् अभि स्रवन्तु नः ॥ ४ ॥
ईशाना वार्याणां क्षयन्तीश् चर्षणीनाम् ।
अपो याचामि भेषजम् ॥ ५ ॥
अप्सु मे सोमो अब्रवीद् अन्तर् विश्वानि भेषजा ।
अग्निं च विश्वशम्भुवम् ॥ ६ ॥
आपः पृणीत भेषजं वरूथं तन्वे मम ।
ज्योक् च सूर्यं दृशे ॥ ७ ॥
इदम् आपः प्र वहत यत् किं च दुरितम् मयि ।
यद् वाहम् अभिदुद्रोह यद् वा शेप उतानृतम् ॥ ८ ॥
आपो अद्यान्व् अचारिषं रसेन सम् अगस्महि ।
पयस्वान् अग्न आ गहि तम् मा सं सृज वर्चसा ॥ ९ ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
Vertiefende Erläuterungen

Wasser zu berühren kann ein Gebet sein. Wir erinnern uns daran, wie viel wir empfangen: Trinkwasser, Nahrung, Reinigung, Erfrischung. Die Hymne spricht diese Dankbarkeit aus und vertraut sich der mütterlichen Güte der Wasser an.
Zur Reinigung gehört hier die Aufrichtigkeit. Feindseligkeit, verletzende Rede und Unwahrheit werden benannt. Wenn wir um Läuterung bitten, können wir zugleich den Entschluss fassen, wahrhaftiger und freundlicher zu handeln. So gewinnt eine rituelle Handlung Kraft für den Alltag. Agni im Wasser bleibt ein geheimnisvolles Bild für die göttliche Energie, die auch im Kühlenden und Nährenden verborgen ist.
Video zur Vertiefung
Homa - Feuerritual - Sanskrit Lexikon
Anregungen für die eigene Praxis

- Nimm ein Gefäß mit sauberem Wasser bewusst wahr und erinnere dich an seine Bedeutung für das Leben.
- Lies eine Anrufung der Wasser langsam und sprich sie danach mit Dankbarkeit.
- Verbinde eine Bitte um Reinigung mit einem ehrlichen Blick auf deine Worte und Handlungen.
- Schone heute Wasser oder kümmere dich um einen gemeinsamen Lebensraum. Das ist eine heutige praktische Anwendung.
- Beende die Rezitation mit einem Friedenswunsch und einer kurzen stillen Betrachtung des gegenseitigen Getragenseins.
Video zur begleitenden Praxis und Auslegung
Die 9 Bhakti Praktiken: Wie man Hingabe entwickelt
Abschließende Worte
Wenn du das nächste Mal Wasser in die Hände nimmst, erinnere dich an die mütterliche Anrede der Hymne.
Siehe auch
Quellen und Literatur
- Sukadev Bretz (Hrsg.): Veden – Offenbarungen der Rishis. Hymnen zur Rezitation, Übersetzungen, Erläuterungen. Yoga Vidya Verlag, Bad Meinberg. Abschnitt „Apah Sukta“.
- Hymnen aus den Veden, Rezitationssammlung, Nr. 40: „Āpaḥ Sūktam“.
- Rigveda, Samhita 10.9.1–9.
- Sanskrittext zum Nachlesen: GRETIL: Rigveda, Mandala 10.
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