Annapurna Homa für Nahrung und Fülle

Aus Yogawiki

Annapurna Homa für Nahrung und Fülle verbindet die vollständige Annapurna-Puja mit dem Saṃkṣepahomaprayoga des Brihat Tantrasara. Nach der Bereitung und Verehrung des Feuers wird Annapurna im Feuer vergegenwärtigt. Es folgen die Voropfer, 108 kleine Gaben aus gekochtem Reis mit Ghee und eine abschließende Purnahuti. Alle Mantras, auch die Feuer-Anrufungen und die vorausgehende Puja, stehen in diesem Artikel.

Zweck, Gelegenheit und Voraussetzungen

Das Homa ist eine Verehrung der nährenden göttlichen Mutter: Dank für Nahrung, Bitte um gedeihlichen Lebensunterhalt und bewusste Hingabe der eigenen Anstrengungen. Es kann eine Annapurna-Sadhana begleiten oder bei einer Feier des gemeinsamen Speisens stattfinden. Der gewählte Kalpa schreibt dafür keinen einzelnen Wochentag oder Festtermin vor.

Die Anleitung richtet sich an für den Annapurna-Mantra unterwiesene Puja- und Sanskrit-Kundige, die ein kleines Homa-Feuer sicher führen können. Sie führt das quellenbelegte kompakte Homa-Verfahren vollständig aus. Die Zahl 108 stammt aus der allgemeinen Homa-Regel des Kompendiums; der Reis mit Ghee aus dem Annapurna-Kalpa. Damit ist eine persönliche Homa-Anwendung festgelegt. Sie wird nicht als Erfüllung der besonderen Purashcharana mit 16.000 Japa und 1.600 Homa-Gaben ausgegeben.

Der Mula-Mantra lautet:

hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā |

Hrīṃ. Verehrung dir, erhabene Göttin, große Herrin, Annapurna, du von Nahrung Erfüllte. Svāhā: Dir sei die Hingabe dargebracht. Hrīṃ ist die Shakti-Keimkraft und hat keine wörtliche Satzübersetzung.

Vorbereiten und bereitlegen

  • Gereinigter Sitz und Altar; Unterlage für das gezeichnete Yantra; frische rote oder andere geeignete Blüten, Akshata und Sandelpaste. Für die vielen Avarana-Gaben genügen jeweils kleine Mengen.
  • Gewöhnliches Wassergefäß, besonderes Arghya-Gefäß mit Unterlage, Sprinkelschale, Löffel, Abwasserschale und kleine Schälchen für die einzelnen Dienste; sauberes Trinkwasser gesondert.
  • Für Arghya: Duftstoff, Blüte, ungebrochener Reis, Gerste, Kusha-Spitzen, Sesam, weißer Senf und Durva in Wasser. Für das Fußwasser nennt die Quelle Shyama, Durva, Lotus und Vishnukranta; für Mundwasser Jati, Nelke und Kakkola. Die Pflanzennamen müssen als Puja-Material richtig bestimmt sein; dies ist kein Auftrag, unbekannte Pflanzen einzunehmen.
  • Etwas Honig, Joghurt und Ghee für Madhuparka; Badewasser; kleines Gewand und Schmuckgabe; Räucherwerk, sichere Lampe und Glocke; frische Speise und Betelblatt. Bereite insbesondere eine saubere Portion gekochten Reises beziehungsweise einer vegetarischen Reisspeise vor. Sie wird als Naivedya dargebracht und nach Abschluss als Prasad geteilt. Reis mit Ghee wird im besonderen Homa-Abschnitt ausdrücklich genannt; eine bestimmte Naivedya-Rezeptur schreibt dieser Puja-Kalpa nicht vor.
  • Wenig Puffreis, weißer Senf, Sandel, saubere Ritualasche, Durva, Kusha und Akshata für die äußere Reinigung; Blüten für Guru und Türgottheiten.
  • Eine Zählhilfe für 108 Gayatri- und 100 Mula-Mantra-Wiederholungen; einen sauberen Stein in einer eigenen Auffangschale für die Aghamarshana-Handlung.

Stelle brennbare Gegenstände mit Abstand zur Lampe und zum Räucherhalter auf. Benutztes Opferwasser kommt in die Auffangschale. Die Mengen werden in diesen Abschnitten nicht pauschal festgelegt; bereite kleine, für alle genannten Dienste ausreichende Portionen vor.

Zeichne auf eine saubere feste Unterlage einen achtblättrigen Lotus mit einem Sechsstern aus zwei ineinandergestellten Dreiecken im Zentrum; umgib ihn mit einem Quadrat mit vier Öffnungen in den Hauptrichtungen. Dies ist das im allgemeinen Abschnitt ausdrücklich zugelassene Yantra, wenn der einzelne Kalpa keine andere Zeichnung vorschreibt. Lass zwischen Mitte, Staubfäden, Blattflächen, Blattspitzen und äußerem Quadrat genügend Platz für kleine Gaben.

Richtungen lesen: Die Paddhati legt hier Ritualrichtungen fest: O ist die dem Praktizierenden zugewandte Vorderseite der Gottheit; W liegt hinter ihr. Vom Praktizierenden aus gesehen liegt S links und N rechts. Die acht Plätze laufen also: vorne O → vorne links SO → links S → hinten links SW → hinten W → hinten rechts NW → rechts N → vorne rechts NO. „Rechts von der Gottheit“ liegt für dich links. Diese Zuordnung gilt für den Gottheitssitz und seine Umkreise; tatsächliche Raumrichtungen werden davon unterschieden.

Die Erläuterung ersetzt keine besondere Yantra-Weihe. Eine temporäre Zeichnung wird in der nachstehenden Puja angerufen und am Schluss wieder aufgelöst.

Zusätzlich für das Homa vorbereiten

  • Kleine geeignete Homa-Schale auf nicht brennbarer Fläche; trockenes unbehandeltes Homa-Holz, Steinfunken-Zündgerät und sauberes Zündmaterial.
  • Zwei weitere kleine feuersichere Schalen für Übernahme und ausgesonderten Glutanteil; Zange und hitzefeste Hilfsmittel.
  • Ghee-Schale, Homa-Löffel, zwei saubere Kusha-Halme von ungefähr einer Handspanne Länge; 108 kleine Portionen gekochter Reis mit wenig Ghee, eine weitere für die Purnahuti und Ghee für die Voropfer.
  • Blumen und Akshata für die Ränder; Zeichenmaterial für den kalten Boden der Feuerstelle.
  • Ein sauberer mit Wasser gefüllter Kalasha, nordöstlich der Feuerstelle auf dem erhöhten Puja-Altar in der Mitte des Annapurna-Yantras. Die nachstehende Anrufung und Prana-Pratishtha gelten dem Kalasha als Träger der göttlichen Gegenwart. Lege die Anrufungsblüte an seine Öffnung und halte die Hand bei der Einsetzung über das Gefäß. Die Yantra-Gaben liegen ringsum.

Führe die Feuerhandlung im Freien oder an einem ausdrücklich dafür geeigneten Ort durch. Lass Abstand zu Kleidung und anderem Brennbaren, sorge für Luftzufuhr und halte geeignetes Löschmaterial bereit. Die Mengen sollen zur kleinen Schale passen; große Brennstoffmengen sind kein Bestandteil der liturgischen Zählung.

Handgesten für diesen Ablauf

Die Gesten werden an den angegebenen Stellen eingesetzt; übe ihre Fingerstellung vor Beginn. Erzwinge keine schmerzhafte Verschränkung. Bei den Gesten ohne eigene Formel wird nur das beim Handlungsschritt genannte Mantra gesprochen.

Mudra Ausführung
Aṅkuśa Mittelfinger der rechten Hand ausstrecken; den Zeigefinger an dessen mittleres Glied legen und etwas hakenförmig beugen. Die übrigen Finger locker einziehen. Beim Herbeiziehen der Tirthas die Geste vom vorgestellten heiligen Ort zum Wasser führen.
Āvāhanī Beide Handflächen vor der Brust zusammenlegen; die Daumen an die Grundglieder der Ringfinger legen. So die Gottheit einladen.
Sthāpanī Die gleiche zusammengelegte Handstellung mit den Fingerspitzen nach unten wenden: Einsetzung.
Sannidhāpanī Beide Fäuste nebeneinander zusammenführen, die Daumen aufrichten: Vergegenwärtigung.
Sannirodhinī Die Daumen in diese Fäuste hineinnehmen: das Verweilen erbitten.
Avaguṇṭhana Linke Faust bilden, Zeigefinger nach unten ausstrecken und mit ihm die äußere Begrenzung des Gegenstandes umrunden. Das bezeichnet eine schützende Umhüllung.
Dhenu Handflächen zueinander halten. Die Spitzen des rechten kleinen Fingers und linken Ringfingers, des linken kleinen Fingers und rechten Ringfingers, des rechten Zeigefingers und linken Mittelfingers sowie des linken Zeigefingers und rechten Mittelfingers paarweise verbinden. Die verschränkten Finger nach unten halten; stelle dir herabströmenden Nektar vor.
Gālinī Jeden kleinen Finger mit dem Daumen der gegenüberliegenden Hand verbinden. Zeige-, Mittel- und Ringfinger beider Hände gerade und beieinander halten. Die Geste über dem Wassergefäß zeigen.
Matsya Die linke Handfläche auf den rechten Handrücken legen. Die Daumen wie seitliche Flossen bewegen; mit der Geste das Gefäß bedecken.
Paramīkaraṇa Daumen ineinanderhaken, die übrigen Finger ausstrecken. Die Gabe beziehungsweise die Erscheinungsform als von göttlicher Gegenwart erfüllt vergegenwärtigen.
Cakra Die Handflächen einander zuwenden, die Finger etwas beugen und spreizen; die kleinen Finger und die Daumen jeweils miteinander in Berührung bringen. Den so angedeuteten Schutzkreis über der Speise zeigen.
Saṃhāra Linke Handfläche nach unten, rechte nach oben halten, die Finger ineinander verschränken und die verbundenen Hände behutsam wenden. Bei der Rücknahme die Gegenwart mit dem Duft der Blüte ins Herz zurückführen.

1. Reinigung, Guru und Eintritt in den Puja-Raum

Beginne nach dem Waschen beziehungsweise Baden, mit sauberer Kleidung und sauberem Mund. Die persönlichen täglichen Pflichten deiner Tradition bleiben vorausgesetzt; dieser Artikel beginnt mit der konkreten Vorbereitung der Puja. Sitze tagsüber nach Osten, nachts nach Norden. Ein dauernd konsekriertes Tempelbild verlangt seine eigene Tempelordnung; hier wird eine für diese Sitzung angerufene Gegenwart auf einem Puja-Yantra verehrt.

Stelle dir über dem Scheitel den Guru vor: weiß leuchtend, mit zwei Händen, segnend, mit seiner roten Shakti. Bringe ihm im Geist Duft, Blumen, Räucherwerk, Licht und Speise dar. Sprich:

akhaṇḍamaṇḍalākāraṃ vyāptaṃ yena carācaram |
tatpadaṃ darśitaṃ yena tasmai śrīgurave namaḥ ||

Verehrung dem verehrten Guru, durch den jene Wirklichkeit gezeigt wurde, deren ungeteilte Ganzheit alles Bewegliche und Unbewegliche durchdringt.

ajñānatimirāndhasya jñānāñjanaśalākayā |
cakṣurunmīlitaṃ yena tasmai śrīgurave namaḥ ||

Verehrung dem verehrten Guru, der die durch das Dunkel des Nichtwissens verschlossenen Augen mit dem Stift der Erkenntnis geöffnet hat.

Führe drei kleine Schlucke sauberen Wassers als Achamana aus. Sprich zu jedem Schluck eine der folgenden Formeln:

Schluck Formel Bedeutung
1 oṃ ātmatattvāya svāhā Dem Prinzip des Selbst dargebracht.
2 oṃ vidyātattvāya svāhā Dem Prinzip der Erkenntnis dargebracht.
3 oṃ śivatattvāya svāhā Dem Shiva-Prinzip dargebracht.

1.1 Tantrische Sandhya vor der Puja

Die allgemeine Paddhati verlangt vor der Puja eine tantrische Sandhya. Führe nach dem eben beschriebenen Achamana die folgende Folge aus. Wenn diese Tages-Sandhya bereits vollständig vollzogen wurde, wird sie vor derselben Puja nicht noch einmal angesetzt. Persönliche vedische Tagespflichten, soweit sie zur eigenen Unterweisung gehören, gehen der tantrischen Sandhya voraus.

Rufe in einer Schale sauberen Wassers die Tirthas an. Zeige Ankusha-Mudra und sprich:

oṃ gaṅge ca yamune caiva godāvari sarasvati | narmade sindhu kāveri jale'smin sannidhiṃ kuru ||

Om. Ganga, Yamuna, Godavari, Sarasvati, Narmada, Sindhu und Kaveri: Seid in diesem Wasser gegenwärtig.

Gib mit Kusha dreimal etwas Wasser zur Erde beziehungsweise in eine dafür bestimmte Auffangschale; rezitiere zu jeder Gabe hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā. Besprenge dann mit derselben Formel siebenmal den Scheitel. Führe anschließend drei Wechselatemzüge aus. Zähle durch innerliche Om-Wiederholung. Die Quelle erlaubt bei begrenzter Atemkapazität ausdrücklich 1 : 4 : 2 statt 16 : 64 : 32. Ein Zählwert ist eine kurze innere Wiederholung, keine festgelegte Sekundenzahl. Halte nur mühelos; diese Puja ist kein Anlass, eine ungeübte Atemretention zu erzwingen.

Atemzug Einatmen Halten Ausatmen
1 links: 1 × oṃ beide Nasenlöcher geschlossen: 4 × oṃ rechts: 2 × oṃ
2 rechts: 1 × oṃ beide geschlossen: 4 × oṃ links: 2 × oṃ
3 links: 1 × oṃ beide geschlossen: 4 × oṃ rechts: 2 × oṃ

Verschließe das rechte Nasenloch mit dem rechten Daumen, das linke mit Ring- und kleinem Finger; Zeige- und Mittelfinger bleiben von der Nase weg. Om vergegenwärtigt die göttliche Ganzheit.

Setze danach die sechs Mantraglieder am Körper ein:

Handlung Vollständige Formel Bedeutung
Mit Mittel-, Ring- und Zeigefinger das Herz berühren. hrīṃ hṛdayāya namaḥ Dem Herzen: Verehrung.
Mit Mittel- und Zeigefinger den Scheitel berühren. hrīṃ śirase svāhā Dem Haupt: dargebracht.
Mit dem Daumen die Shikha-Stelle am hinteren Scheitel berühren. hrīṃ śikhāyai vaṣaṭ Der Shikha: Bekräftigung.
Die Arme kreuzen; beide Hände an die gegenüberliegenden Oberarme legen. hrīṃ kavacāya huṃ Der schützenden Hülle: huṃ.
Zeige-, Mittel- und Ringfinger vor rechtem Auge, Stirnmitte und linkem Auge halten; die Augen nicht drücken. hrīṃ netratrayāya vauṣaṭ Den drei Augen: Weihe.
Mit Zeige- und Mittelfinger in die gegenüberliegende Handfläche klatschen und den Schutz nach außen vergegenwärtigen. hrīṃ astrāya phaṭ Der Schutzwaffe: phaṭ.

Nimm etwas Wasser in die linke Handfläche und bedecke es mit rechts. Sprich dreimal die vollständige Elementfolge:

haṃ yaṃ vaṃ laṃ raṃ |

Die Bija-Kräfte von Raum, Luft, Wasser, Erde und Feuer. Die Quelle nennt hier genau diese Reihenfolge.

Verbinde an der rechten Hand Daumen- und Ringfingerspitze zur Tattva-Mudra. Nimm damit beziehungsweise lasse durch die Finger etwas Wasser tropfen und besprenge siebenmal den Kopf, jedes Mal mit hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā. Gib den Rest in die rechte Hand.

Vergegenwärtige das Wasser als leuchtend. Nimm seine Lichtkraft im Geist durch die linke Nasenbahn in den Körper auf; sie wäscht die belastenden Handlungen rein. Führe die nun als dunkel vorgestellte Last durch die rechte Nasenbahn zurück in das Wasser der rechten Hand. Das ist eine Visualisierung; ziehe kein Wasser in die Nase. Gib dieses Wasser auf einen vor dir liegenden sauberen Stein in einer Auffangschale und sprich phaṭ – die Abgrenzung und Entlassung der Belastung. Dies ist die Aghamarshana-Handlung.

Wasche die Hände und vollziehe nochmals drei kleine Achamana-Schlucke wie oben. Biete dann mit einem kleinen Wasserstrahl zur Sonne hin – oder vor der vergegenwärtigten Sonne in die Schale – ein Arghya dar:

hrīṃ haṃsaḥ idam arghyaṃ svāhā |

Hrīṃ, Haṃsaḥ. Dieses Ehrenwasser sei dargebracht. Die Formel gilt hier der solaren Gegenwart.

Vergegenwärtige Annapurna im Sonnenkreis. Biete dreimal je eine kleine Wassergabe mit:

oṃ sūryamaṇḍalasthāyai annapūrṇāyai namaḥ |

Om. Verehrung Annapurna, gegenwärtig im Sonnenkreis.

Halte bei der morgendlichen Gayatri die goldrote, wie die aufgehende Sonne leuchtende Brahmi mit Buch und Gebetskette gegenwärtig. Mittags nennt die allgemeine Paddhati eine dunkle, vierarmige Göttin mit Muschel, Diskus, Keule und Lotus auf dem Sonnensitz; abends eine weiße, dreiäugige Göttin in weißem Gewand auf dem Stier, mit Segen, Schlinge, Dreizack und Schädelgefäß. Diese Bilder begleiten die Meditation; sie führen hier keine zusätzlichen Einzelmantras ein.

Rezitiere danach 108-mal die folgende Gayatri. Die Bija- und Namensmantras werden dadurch nicht ersetzt.

bhagavatyai vidmahe māheśvaryai dhīmahi tan no’nnapūrṇe pracodayāt |

Wir möchten die erhabene Göttin erkennen. Über die große Herrin meditieren wir. Annapurna, möge sie uns anregen und führen. Die überlieferte letzte Anrede steht im Vokativ; sie wird hier nicht stillschweigend zu einer anderen Mantrafassung geändert.

Die vollständige 108er-Zahl folgt § 33. Der Text lässt bei Unvermögen auch zehn zu; wenn du diese bezeugte Erleichterung brauchst, entscheide dies vor Beginn. Damit ist die hier gewählte tantrische Sandhya-Folge aus §§ 7–14 und 31–37 abgeschlossen. Gehe nun zur Bereitung des gewöhnlichen Arghya und zum Eintritt in den Puja-Raum über.

Lege links vor dir eine kleine Unterlage mit Dreieck, Kreis und äußerer quadratischer Einfassung an. Gib eine Blüte auf die Unterlage:

oṃ ādhāraśaktaye namaḥ

Om. Verehrung der tragenden Kraft.

Spüle das gewöhnliche Arghya-Gefäß mit phaṭ aus und fülle es mit namaḥ mit Wasser. Phaṭ markiert Abgrenzung und Reinigung; namaḥ bedeutet Verehrung. Zeige Ankusha-Mudra und rufe die heiligen Flüsse ins Wasser:

oṃ gaṅge ca yamune caiva godāvari sarasvati | narmade sindhu kāveri jale'smin sannidhiṃ kuru ||

Om. Ganga, Yamuna, Godavari, Sarasvati, Narmada, Sindhu und Kaveri: Seid in diesem Wasser gegenwärtig.

Gib mit oṃ etwas Duftstoff und eine Blüte hinein. Zeige Dhenu-Mudra, sprich achtmal oṃ und stelle dir das Wasser als Nektar vor. Om ist die heilige Grundsilbe, keine übersetzbare Gegenstandsbezeichnung. Dieses Wasser dient der Reinigung und den äußeren Vorbereitungen.

Besprenge den Türbereich mit etwas Wasser und phaṭ. Lege bei jeder folgenden Formel eine Blüte oder etwas Akshata an die genannte Stelle; ein sauberer kleiner Teller am jeweiligen Ort genügt zum Auffangen.

Ort Formel Bedeutung
Obere Türmitte, erste Gabe oṃ vighnāya namaḥ Verehrung Vighna, dem Herrn der Hindernisse.
Obere Türmitte, zweite Gabe oṃ mahālakṣmyai namaḥ Verehrung Mahalakshmi.
Obere Türmitte, dritte Gabe oṃ sarasvatyai namaḥ Verehrung Sarasvati.
Rechter Pfosten oṃ vighnāya namaḥ Verehrung Vighna.
Linker Pfosten oṃ kṣetrapālāya namaḥ Verehrung dem Hüter des Ortes.
Eine Türseite oṃ gaṅgāyai namaḥ Verehrung Ganga.
Andere Türseite oṃ yamunāyai namaḥ Verehrung Yamuna.
Schwelle oṃ astrāya namaḥ Verehrung der Schutzwaffe.
Tatsächlicher Südwesten des Raumes, nach dem Eintritt oṃ vāstupuruṣāya namaḥ Verehrung dem Vastu-Purusha, der Gegenwart im bebauten Raum.
Ebendort, zweite Gabe oṃ brahmaṇe namaḥ Verehrung Brahma.

Tritt mit dem rechten Fuß zuerst ein; berühre dabei den linken Pfosten und nimm die rechte Schulter etwas zurück. Vergegenwärtige die Gottheit mit ihrem Mula-Mantra hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā und richte einen klaren Blick in den Raum. Besprenge den Zwischenraum mit astrāya phaṭ – „der Schutzwaffe: phaṭ“ – und stampfe dreimal mit der linken Ferse auf den Boden. Besprich eine kleine Mischung aus Puffreis, weißem Senf, Sandel, sauberer Ritualasche, Durva, Kusha und Akshata siebenmal mit phaṭ, streue sie an die Ränder des Platzes und sprich:

oṃ apasarpantu te bhūtā ye bhūtā bhuvi saṃsthitāḥ |
ye bhūtā vighnakartāras te naśyantu śivājñayā ||

Om. Es mögen jene Wesen weichen, die sich auf der Erde aufhalten. Die Wesen, die Hindernisse bereiten, mögen durch Shivas Gebot verschwinden.

Verehre unter dem Sitz die tragende Kraft mit einer Blüte:

hrīṃ ādhāraśaktikamalāsanāya namaḥ

Hrīm. Verehrung dem Lotussitz der tragenden Kraft.

Berühre den Sitz. Vergegenwärtige für diese Sitzformel Meruprishtha als Rishi, Sutala als Metrum und Kurma als Gottheit. Sprich:

oṃ pṛthvi tvayā dhṛtā lokā devi tvaṃ viṣṇunā dhṛtā |
tvaṃ ca dhāraya māṃ nityaṃ pavitraṃ kuru cāsanam ||

Om. Erde, Göttin, die Welten werden von dir getragen, und du wirst von Vishnu getragen. Trage auch mich beständig und mache diesen Sitz rein.

Setze dich. Halte links die Wassergefäße, rechts die Opfergaben und hinter dir eine Schale für benutztes Wasser bereit. Reinige die Ablageflächen vorher und trenne Trinkwasser, Opferwasser und Abwasser.

Verehre links die Guru-Reihe mit je einer Blüte: oṃ gurubhyo namaḥ („den Gurus Verehrung“), oṃ paramagurubhyo namaḥ („den Gurus der Gurus Verehrung“), oṃ parāparagurubhyo namaḥ („der weiterführenden Guru-Reihe Verehrung“). Rechts sprich oṃ gaṇeśāya namaḥ („Ganesha Verehrung“). Über dem Scheitel vergegenwärtige Annapurna mit hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā.

Zerreibe eine duftende Blüte zwischen den Händen mit phaṭ. Klatsche dreimal, jeweils etwas höher, und schnippe in die acht Richtungen sowie nach oben und unten. Umgrenze den Platz mit wenigen Wassertropfen unter raṃ; stelle dir eine schützende Feuerwand vor. Raṃ ist das Feuer-Bija.

2. Bhutashuddhi: den Körper als göttlichen Ort erneuern

Lege die Hände mit den Handflächen nach oben in den Schoß. Der Text bietet ausdrücklich zwei Bhutashuddhi-Verfahren; hier steht seine Alternative aus der Puraścaraṇacandrikā (§ 52). Sie ist eine im Kompendium überlieferte Wahlform.

Vergegenwärtige im Herzen einen Lotus: Dharma ist seine Wurzel, Erkenntnis sein Stängel, die acht Herrlichkeitskräfte sind seine Blütenblätter, Losgelöstheit seine Mitte. Lass ihn mit oṃ aufleuchten. In seiner Mitte ruht dein individuelles Bewusstsein als kleine Flamme. Erwecke im Geist Kundalini an der Basis der Wirbelsäule und führe die Flamme mit ihr durch Sushumna bis zur Einheit mit dem höchsten Selbst über dem Scheitel. Lass die Begrenzung auf den gewöhnlichen Körper in dieser Einheit ruhen.

Für die Rückkehr folgt die allgemeine Anweisung desselben Abschnitts: Bringe Kundalini, Lebensbewusstsein und die körperbildenden Prinzipien wieder an ihre Orte. Sprich dabei so'ham und vergegenwärtige das Lebensbewusstsein im Herzen. Die Formel bezeichnet die Einheit des Selbst mit dem höchsten Bewusstsein. Lege die rechte Hand auf das Herz und sprich:

āṃ so'ham

Āṃ; ich bin Das. Das Bija und die Identitätsformel dienen hier der Einsetzung des Lebensbewusstseins in den erneuerten Körper.

Die ausführliche Variante mit den Element-Bijas und drei Atemzyklen steht in Bhutashuddhi nach dem Brihat Tantrasara. Innerhalb dieser Puja wähle ein Verfahren; führe nicht beide nacheinander aus.

3. Matrika-Nyasa: die Lautkräfte einsetzen

Sprich zunächst die Zuordnung des Mantras:

asya mātṛkāmantrasya brahmā ṛṣiḥ gāyatrī chandaḥ mātṛkāsarasvatī devatā halo bījāni svarāḥ śaktayo mātṛkānyāse viniyogaḥ |

Für diesen Matrika-Mantra ist Brahma der Seher, Gayatri das Metrum und Matrika-Sarasvati die Gottheit; die Konsonanten sind die Keimsilben, die Vokale die Kräfte. Seine Anwendung ist der Matrika-Nyasa.

Berührung Formel Bedeutung
Scheitel oṃ brahmaṇe ṛṣaye namaḥ Verehrung Brahma als Seher.
Mund oṃ gāyatrīchandase namaḥ Verehrung dem Gayatri-Metrum.
Herz oṃ mātṛkāsarasvatyai devatāyai namaḥ Verehrung der Gottheit Matrika-Sarasvati.
Unterleibsregion, über der Kleidung oṃ vyañjanebhyo bījebhyo namaḥ Verehrung den Konsonanten als Keimkräften.
Füße oṃ svarebhyaḥ śaktibhyo namaḥ Verehrung den Vokalen als Kräften.

3.1 Hand-Nyasa

Handlung Vollständige Formel Bedeutung
Beide Daumen mit den Zeigefingern berühren. aṃ kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ āṃ aṅguṣṭhābhyāṃ namaḥ Die genannten Lautkräfte werden in beiden Daumen eingesetzt; namaḥ.
Beide Zeigefinger mit den Daumen berühren. iṃ caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ īṃ tarjanībhyāṃ svāhā Die genannten Lautkräfte werden in beiden Zeigefingern eingesetzt; svāhā.
Beide Mittelfinger mit den Daumen berühren. uṃ ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ ūṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ Die genannten Lautkräfte werden in beiden Mittelfingern eingesetzt; vaṣaṭ.
Beide Ringfinger mit den Daumen berühren. eṃ taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ aiṃ anāmikābhyāṃ huṃ Die genannten Lautkräfte werden in beiden Ringfingern eingesetzt; huṃ.
Beide kleinen Finger mit den Daumen berühren. oṃ paṃ phaṃ baṃ bhaṃ maṃ auṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ Die genannten Lautkräfte werden in beiden kleinen Fingern eingesetzt; vauṣaṭ.
Mit der jeweils anderen Hand über Handfläche und Handrücken streichen. aṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ laṃ kṣaṃ aḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ Die genannten Lautkräfte werden in Handflächen und Handrücken eingesetzt; phaṭ.

3.2 Sechsgliedriger Körper-Nyasa

Handlung Vollständige Formel Bedeutung
Mit Mittel-, Ring- und Zeigefinger das Herz berühren. aṃ kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ āṃ hṛdayāya namaḥ Dem Herzen: Verehrung.
Mit Mittel- und Zeigefinger den Scheitel berühren. iṃ caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ īṃ śirase svāhā Dem Haupt: dargebracht.
Mit dem Daumen die Shikha-Stelle am hinteren Scheitel berühren. uṃ ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ ūṃ śikhāyai vaṣaṭ Der Shikha: Bekräftigung.
Die Arme kreuzen; beide Hände an die gegenüberliegenden Oberarme legen. eṃ taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ aiṃ kavacāya huṃ Der schützenden Hülle: huṃ.
Zeige-, Mittel- und Ringfinger vor rechtem Auge, Stirnmitte und linkem Auge halten; die Augen nicht drücken. oṃ paṃ phaṃ baṃ bhaṃ maṃ auṃ netratrayāya vauṣaṭ Den drei Augen: Weihe.
Mit Zeige- und Mittelfinger in die gegenüberliegende Handfläche klatschen und den Schutz nach außen vergegenwärtigen. aṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ laṃ kṣaṃ aḥ astrāya phaṭ Der Schutzwaffe: phaṭ.

3.3 Innere Matrika

Vergegenwärtige die folgenden Lotuszentren im Körper. Sprich die Lautreihe langsam und setze jeweils einen Laut auf ein Blütenblatt, vom vorderen Blatt aus im Umlauf. Es handelt sich um innere Einsetzung, nicht um Berührung innerer Organe. Die hier gewählte allgemeine Fassung setzt die Bindu-Laute ohne zusätzliche Namah-Endung ein; der Text nennt daneben eine besondere vaishnavitische Form mit Namah.

Zentrum Vollständige Lautfolge
Hals, 16 Blätter aṃ āṃ iṃ īṃ uṃ ūṃ ṛṃ ṝṃ ḷṃ ḹṃ eṃ aiṃ oṃ auṃ aṃ aḥ
Herz, 12 Blätter kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ ṅaṃ caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ ṭaṃ ṭhaṃ
Nabel, 10 Blätter ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ paṃ phaṃ
Svadhishthana, 6 Blätter baṃ bhaṃ maṃ yaṃ raṃ laṃ
Muladhara, 4 Blätter vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ
Ajna zwischen den Brauen, 2 Blätter haṃ kṣaṃ

Die Laute sind die Matrika, die „Mutterkräfte“ der Sprache. Sie haben an dieser Stelle keine einzeln übersetzbare Satzbedeutung. Die beiden aṃ in der Vokalreihe sind kein Druckfehler: am Anfang steht der mit Bindu versehene Vokal a, an der vorletzten Position Anusvara.

3.4 Äußere Matrika

Stelle dir die weiße, dreiäugige Göttin der Sprache vor: Die Matrika-Schriftlaute bilden ihren Leib; Mondsichel, Perlenkette, Nektargefäß, Wissensbuch und Handgeste vergegenwärtigen ihre Kräfte. Dies ist eine Visualisierungsanweisung, kein zusätzlich zu rezitierender Mantra.

Benutze für Stirn Mittel- und Ringfinger; für den Gesichtsumriss die drei mittleren Finger; vor den Augen Daumen und Ringfinger; an den Ohren die Daumen; an den Nasenflügeln Daumen und kleinen Finger; an den Wangen die drei mittleren Finger; an den Lippen den Mittelfinger; an den Zahnreihen den Ringfinger, ohne unrein gewordene Finger anschließend an Gaben zu bringen; am Scheitel den Mittelfinger, am Mund Mittel- und Ringfinger. Für Gliedmaßen, Flanken und Rücken nimm Mittel-, Ring- und kleinen Finger, am Nabel zusätzlich den Daumen, am Bauch alle fünf Finger. Herz, Schultern und Nacken berühre mit der Handfläche. Die letzten sechs Einsetzungen führen vom Herzen zum Zielort. Berühre nur die Körperoberfläche; bei bekleideten oder schwer erreichbaren Stellen vergegenwärtige die Berührung.

Sprich zu jeder Stelle genau die ausgeschriebene Formel. Alle bedeuten: „Verehrung der hier eingesetzten Lautkraft.“

Nr. Körperstelle Formel
1 Stirn aṃ namaḥ
2 Umriss des Gesichts āṃ namaḥ
3 rechtes Auge iṃ namaḥ
4 linkes Auge īṃ namaḥ
5 rechtes Ohr uṃ namaḥ
6 linkes Ohr ūṃ namaḥ
7 rechtes Nasenloch ṛṃ namaḥ
8 linkes Nasenloch ṝṃ namaḥ
9 rechte Wange ḷṃ namaḥ
10 linke Wange ḹṃ namaḥ
11 Oberlippe eṃ namaḥ
12 Unterlippe aiṃ namaḥ
13 obere Zahnreihe oṃ namaḥ
14 untere Zahnreihe auṃ namaḥ
15 Scheitelöffnung aṃ namaḥ
16 Mund aḥ namaḥ
17 rechter Oberarmansatz kaṃ namaḥ
18 rechter Ellbogen khaṃ namaḥ
19 rechtes Handgelenk gaṃ namaḥ
20 rechte Fingerwurzeln ghaṃ namaḥ
21 rechte Fingerspitzen ṅaṃ namaḥ
22 linker Oberarmansatz caṃ namaḥ
23 linker Ellbogen chaṃ namaḥ
24 linkes Handgelenk jaṃ namaḥ
25 linke Fingerwurzeln jhaṃ namaḥ
26 linke Fingerspitzen ñaṃ namaḥ
27 rechter Beinansatz ṭaṃ namaḥ
28 rechtes Knie ṭhaṃ namaḥ
29 rechter Knöchel ḍaṃ namaḥ
30 rechte Zehenwurzeln ḍhaṃ namaḥ
31 rechte Zehenspitzen ṇaṃ namaḥ
32 linker Beinansatz taṃ namaḥ
33 linkes Knie thaṃ namaḥ
34 linker Knöchel daṃ namaḥ
35 linke Zehenwurzeln dhaṃ namaḥ
36 linke Zehenspitzen naṃ namaḥ
37 rechte Körperseite paṃ namaḥ
38 linke Körperseite phaṃ namaḥ
39 Rücken baṃ namaḥ
40 Nabel bhaṃ namaḥ
41 Bauch maṃ namaḥ
42 Herz yaṃ namaḥ
43 rechte Schulter raṃ namaḥ
44 Nacken laṃ namaḥ
45 linke Schulter vaṃ namaḥ
46 vom Herzen zur rechten Hand śaṃ namaḥ
47 vom Herzen zur linken Hand ṣaṃ namaḥ
48 vom Herzen zum rechten Fuß saṃ namaḥ
49 vom Herzen zum linken Fuß haṃ namaḥ
50 vom Herzen zum Bauch laṃ namaḥ
51 vom Herzen zum Mund kṣaṃ namaḥ

4. Pranayama und innerer Pitha-Nyasa

Führe drei Wechselatemzüge aus. Zähle durch innerliche Om-Wiederholung. Die Quelle erlaubt bei begrenzter Atemkapazität ausdrücklich 1 : 4 : 2 statt 16 : 64 : 32. Ein Zählwert ist eine kurze innere Wiederholung, keine festgelegte Sekundenzahl. Halte nur mühelos; diese Puja ist kein Anlass, eine ungeübte Atemretention zu erzwingen.

Atemzug Einatmen Halten Ausatmen
1 links: 1 × oṃ beide Nasenlöcher geschlossen: 4 × oṃ rechts: 2 × oṃ
2 rechts: 1 × oṃ beide geschlossen: 4 × oṃ links: 2 × oṃ
3 links: 1 × oṃ beide geschlossen: 4 × oṃ rechts: 2 × oṃ

Verschließe das rechte Nasenloch mit dem rechten Daumen, das linke mit Ring- und kleinem Finger; Zeige- und Mittelfinger bleiben von der Nase weg. Om vergegenwärtigt die göttliche Ganzheit.

Berühre zu jeder Formel den angegebenen Körperort und stelle dir den göttlichen Sitz im Herzen vor. Die negativen Gegenprinzipien werden in diesen tragenden Sitz eingeordnet; sie sind kein Auftrag, sie zu kultivieren.

Ort Formel Bedeutung
Herz oṃ ādhāraśaktaye namaḥ Verehrung der tragenden Kraft.
Herz oṃ prakṛtaye namaḥ Verehrung der Urnatur.
Herz oṃ kūrmāya namaḥ Verehrung Kurma, der tragenden Schildkröte.
Herz oṃ anantāya namaḥ Verehrung Ananta, dem Unendlichen.
Herz oṃ pṛthivyai namaḥ Verehrung der Erde.
Herz oṃ kṣīrasamudrāya namaḥ Verehrung dem Milchozean.
Herz oṃ śvetadvīpāya namaḥ Verehrung der Weißen Insel.
Herz oṃ maṇimaṇḍapāya namaḥ Verehrung der Edelsteinhalle.
Herz oṃ kalpavṛkṣāya namaḥ Verehrung dem Wunschbaum.
Herz oṃ maṇivedikāyai namaḥ Verehrung dem Edelsteinaltar.
Herz oṃ ratnasiṃhāsanāya namaḥ Verehrung dem Edelsteinthron.
rechte Schulter oṃ dharmāya namaḥ Verehrung Dharma, der tragenden Ordnung.
linke Schulter oṃ jñānāya namaḥ Verehrung der Erkenntnis.
linker Oberschenkel oṃ vairāgyāya namaḥ Verehrung der Losgelöstheit.
rechter Oberschenkel oṃ aiśvaryāya namaḥ Verehrung der göttlichen Herrlichkeit.
Mund oṃ adharmāya namaḥ Verehrung dem Gegenprinzip zum Dharma.
linke Flanke oṃ ajñānāya namaḥ Verehrung dem Nichtwissen.
Nabel oṃ avairāgyāya namaḥ Verehrung der Anhaftung.
rechte Flanke oṃ anaiśvaryāya namaḥ Verehrung dem Unvermögen.
Herz oṃ anantāya namaḥ Verehrung Ananta, dem Unendlichen.
Herz oṃ padmāya namaḥ Verehrung dem Lotus.
Herz aṃ sūryamaṇḍalāya dvādaśakalātmane namaḥ Verehrung dem Sonnenkreis mit zwölf Kalas.
Herz uṃ somamaṇḍalāya ṣoḍaśakalātmane namaḥ Verehrung dem Mondkreis mit sechzehn Kalas.
Herz maṃ vahnimaṇḍalāya daśakalātmane namaḥ Verehrung dem Feuerkreis mit zehn Kalas.
Herz saṃ sattvāya namaḥ Verehrung Sattva, dem Prinzip der Klarheit.
Herz raṃ rajase namaḥ Verehrung Rajas, dem Prinzip der Aktivität.
Herz taṃ tamase namaḥ Verehrung Tamas, dem Prinzip der Trägheit.
Herz āṃ ātmane namaḥ Verehrung dem Selbst.
Herz aṃ antarātmane namaḥ Verehrung dem inneren Selbst.
Herz paṃ paramātmane namaḥ Verehrung dem höchsten Selbst.
Herz hrīṃ jñānātmane namaḥ Verehrung dem Erkenntnis-Selbst.

Nun die neun Kräfte auf den acht Staubfadenpositionen des Lotus und in der Mitte einsetzen. Die Orte werden im Herzlotus visualisiert.

Ort Formel Bedeutung
O oṃ jayāyai namaḥ Verehrung Jaya, der Sieghaften.
SO oṃ vijayāyai namaḥ Verehrung Vijaya, der Überwindenden.
S oṃ ajitāyai namaḥ Verehrung Ajita, der Unbesiegten.
SW oṃ aparājitāyai namaḥ Verehrung Aparajita, der Unüberwindlichen.
W oṃ nityāyai namaḥ Verehrung Nitya, der Ewigen.
NW oṃ vilāsinyai namaḥ Verehrung Vilasini, der Spielenden.
N oṃ dogdhryai namaḥ Verehrung Dogdhri, der Nährenden.
NO oṃ aghorāyai namaḥ Verehrung Aghora, der Nichtschrecklichen.
Mitte oṃ maṅgalāyai namaḥ Verehrung Mangala, der Heilvollen.

Zum Schluss im Zentrum:

hrīṃ sarvaśaktikamalāsanāya namaḥ

Hrīṃ. Verehrung dem Lotussitz aller Kräfte.

5. Der besondere Nyasa für Annapurna

Berührung Formel Bedeutung
Scheitel oṃ brahmaṇe ṛṣaye namaḥ Om. Verehrung Brahma als Seher.
Mund paṅktaye chandase namaḥ Verehrung dem Pankti-Metrum.
Herz annapūrṇāyai devatāyai namaḥ Verehrung Annapurna als Gottheit.

5.1 Hände

Handlung Vollständige Formel Bedeutung
Beide Daumen mit den Zeigefingern berühren. hrīṃ aṅguṣṭhābhyāṃ namaḥ Die genannten Lautkräfte werden in beiden Daumen eingesetzt; namaḥ.
Beide Zeigefinger mit den Daumen berühren. hrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā Die genannten Lautkräfte werden in beiden Zeigefingern eingesetzt; svāhā.
Beide Mittelfinger mit den Daumen berühren. hrīṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ Die genannten Lautkräfte werden in beiden Mittelfingern eingesetzt; vaṣaṭ.
Beide Ringfinger mit den Daumen berühren. hrīṃ anāmikābhyāṃ huṃ Die genannten Lautkräfte werden in beiden Ringfingern eingesetzt; huṃ.
Beide kleinen Finger mit den Daumen berühren. hrīṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ Die genannten Lautkräfte werden in beiden kleinen Fingern eingesetzt; vauṣaṭ.
Mit der jeweils anderen Hand über Handfläche und Handrücken streichen. hrīṃ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ Die genannten Lautkräfte werden in Handflächen und Handrücken eingesetzt; phaṭ.

5.2 Körper

Handlung Vollständige Formel Bedeutung
Mit Mittel-, Ring- und Zeigefinger das Herz berühren. hrīṃ hṛdayāya namaḥ Dem Herzen: Verehrung.
Mit Mittel- und Zeigefinger den Scheitel berühren. hrīṃ śirase svāhā Dem Haupt: dargebracht.
Mit dem Daumen die Shikha-Stelle am hinteren Scheitel berühren. hrīṃ śikhāyai vaṣaṭ Der Shikha: Bekräftigung.
Die Arme kreuzen; beide Hände an die gegenüberliegenden Oberarme legen. hrīṃ kavacāya huṃ Der schützenden Hülle: huṃ.
Zeige-, Mittel- und Ringfinger vor rechtem Auge, Stirnmitte und linkem Auge halten; die Augen nicht drücken. hrīṃ netratrayāya vauṣaṭ Den drei Augen: Weihe.
Mit Zeige- und Mittelfinger in die gegenüberliegende Handfläche klatschen und den Schutz nach außen vergegenwärtigen. hrīṃ astrāya phaṭ Der Schutzwaffe: phaṭ.

6. Dhyana und innere Darbringung

Baue das folgende Dhyana-Bild im Herzen auf. Der Vers beschreibt die Visualisierung; du kannst ihn dazu rezitieren, er ist kein zusätzlicher Japa-Mantra.

raktāṃ vicitravasanāṃ navacandracūḍām
annapradānaniratāṃ stanabhāranamrām |
nṛtyantam induśakalābharaṇaṃ vilokya
hṛṣṭāṃ bhaje bhagavatīṃ bhavaduḥkhahantrīm ||

Ich verehre die erhabene Göttin, die das Leid des Daseins hinwegnimmt: rot, in vielfarbigem Gewand, mit der jungen Mondsichel auf dem Haupt. Sie ist ganz dem Spenden von Nahrung zugewandt, von der Fülle ihrer Brüste sanft geneigt. Freude erfüllt sie beim Anblick des Tanzenden, dessen Schmuck die Mondsichel ist – Shiva.

Bringe der so vergegenwärtigten Gottheit im Geist Duft, Blumen, Räucherwerk, Licht und Speise dar. Nimm dir für jede Gabe einen eigenen Moment. Für diese mānasopacāra-Stelle schreibt der Gottheitenabschnitt keine zusätzlichen fünf Lautformeln vor. Sprich deshalb keine erfundenen Zusatzmantras. Halte danach das Gottesbild gesammelt gegenwärtig.

7. Vishesharghya: das besondere Opferwasser

Bereite links vor dem Altar ein besonderes Arghya-Gefäß auf einer eigenen dreieckigen Unterlage vor. Du kannst eine sauber aufgestellte Puja-Muschel oder das vom Text ebenfalls zugelassene Kupfergefäß verwenden. Es ist vom gewöhnlichen Reinigungswasser zu unterscheiden.

Spüle das Gefäß mit phaṭ und gib unter namaḥ Sandel, Blüten, Akshata, Gerste, Kusha-Spitzen, Sesam, weißen Senf und Durva hinein. Fülle es mit Wasser, während du die Matrika rückwärts rezitierst; schließe mit dem Mula-Mantra. Die Rezitation bezeichnet die Rückführung aller Lautkräfte in das geheiligte Wasser:

kṣaṃ laṃ haṃ saṃ ṣaṃ śaṃ vaṃ laṃ raṃ yaṃ maṃ bhaṃ baṃ phaṃ paṃ naṃ dhaṃ daṃ thaṃ taṃ ṇaṃ ḍhaṃ ḍaṃ ṭhaṃ ṭaṃ ñaṃ jhaṃ jaṃ chaṃ caṃ ṅaṃ ghaṃ gaṃ khaṃ kaṃ aḥ aṃ auṃ oṃ aiṃ eṃ ḹṃ ḷṃ ṝṃ ṛṃ ūṃ uṃ īṃ iṃ āṃ aṃ | hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā |

Die Lautkräfte der hier wiedergegebenen Matrika-Fassung in umgekehrter Folge; anschließend der Mula-Mantra von Annapurna.

Ort Formel Bedeutung
Unterlage maṃ vahnimaṇḍalāya daśakalātmane namaḥ Verehrung dem Feuerkreis mit zehn Kalas.
Gefäß aṃ sūryamaṇḍalāya dvādaśakalātmane namaḥ Verehrung dem Sonnenkreis mit zwölf Kalas.
Wasser uṃ somamaṇḍalāya ṣoḍaśakalātmane namaḥ Verehrung dem Mondkreis mit sechzehn Kalas.

Zeige Ankusha-Mudra zum Herbeiziehen der Tirthas und sprich über dem Wasser erneut die vollständige Flussanrufung:

oṃ gaṅge ca yamune caiva godāvari sarasvati | narmade sindhu kāveri jale'smin sannidhiṃ kuru ||

Om. Ganga, Yamuna, Godavari, Sarasvati, Narmada, Sindhu und Kaveri: Seid in diesem Wasser gegenwärtig.

Rufe Annapurna ins Wasser:

annapūrṇe ihāvaha iha tiṣṭha |

Annapurna, bringe deine Gegenwart hierher und verweile hier.

Zeige Avagunthana mit huṃ, Galini mit vaṣaṭ und blicke unter vauṣaṭ gesammelt ins Wasser. Diese Schlusslaute bezeichnen Schutz, Befestigung und Weihe. Setze die sechs Mantraglieder durch Berührung der Außenseite beziehungsweise Zeigen über dem Wasser ein:

Glied Formel
Herz hrīṃ hṛdayāya namaḥ
Haupt hrīṃ śirase svāhā
Shikha hrīṃ śikhāyai vaṣaṭ
Schutzhülle hrīṃ kavacāya huṃ
Augen hrīṃ netratrayāya vauṣaṭ
Schutzwaffe hrīṃ astrāya phaṭ

Lege eine duftende Blüte mit namaḥ hinein, bedecke das Gefäß mit Matsya-Mudra und sprich achtmal hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā. Zeige Dhenu mit vaṃ – dem Wasser- und Nektar-Bija – und sichere die Begrenzung mit hrīṃ astrāya phaṭ. Entnimm etwas Wasser in eine eigene Sprinkelschale. Besprenge damit unter je einer Wiederholung von hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā dreimal dich selbst und die bereitgelegten Materialien. Der restliche Arghya-Inhalt bleibt für die Gaben reserviert.

8. Guru-Reihe und äußerer Gottheitssitz

Verehre zunächst die Guru-Reihe am nördlichen Rand des Yantras, von NW nach NO fortschreitend, mit je einer kleinen Gabe:

Stelle der Reihe Formel Bedeutung
1 oṃ gurubhyo namaḥ Den Gurus Verehrung.
2 oṃ paramagurubhyo namaḥ Den übergeordneten Gurus Verehrung.
3 oṃ parāparagurubhyo namaḥ Der weiterführenden Guru-Reihe Verehrung.
4 oṃ parameṣṭhigurubhyo namaḥ Den höchsten Gurus Verehrung.

Lege zu jeder Formel eine kleine Blüten- oder Akshata-Gabe am angegebenen Platz ab.

Ort Formel Bedeutung
Mitte des Yantras oṃ ādhāraśaktaye namaḥ Verehrung der tragenden Kraft.
Mitte des Yantras oṃ prakṛtaye namaḥ Verehrung der Urnatur.
Mitte des Yantras oṃ kūrmāya namaḥ Verehrung Kurma, der tragenden Schildkröte.
Mitte des Yantras oṃ śeṣāya namaḥ Verehrung Shesha, der tragenden Weltenschlange.
Mitte des Yantras oṃ pṛthivyai namaḥ Verehrung der Erde.
Mitte des Yantras oṃ kṣīrasamudrāya namaḥ Verehrung dem Milchozean.
Mitte des Yantras oṃ śvetadvīpāya namaḥ Verehrung der Weißen Insel.
Mitte des Yantras oṃ maṇimaṇḍapāya namaḥ Verehrung der Edelsteinhalle.
Mitte des Yantras oṃ kalpavṛkṣāya namaḥ Verehrung dem Wunschbaum.
Mitte des Yantras oṃ maṇivedikāyai namaḥ Verehrung dem Edelsteinaltar.
Mitte des Yantras oṃ ratnasiṃhāsanāya namaḥ Verehrung dem Edelsteinthron.
SO oṃ dharmāya namaḥ Verehrung Dharma, der tragenden Ordnung.
SW oṃ jñānāya namaḥ Verehrung der Erkenntnis.
NW oṃ vairāgyāya namaḥ Verehrung der Losgelöstheit.
NO oṃ aiśvaryāya namaḥ Verehrung der göttlichen Herrlichkeit.
O oṃ adharmāya namaḥ Verehrung dem Gegenprinzip zum Dharma.
S oṃ ajñānāya namaḥ Verehrung dem Nichtwissen.
W oṃ avairāgyāya namaḥ Verehrung der Anhaftung.
N oṃ anaiśvaryāya namaḥ Verehrung dem Unvermögen.
Mitte des Yantras oṃ anantāya namaḥ Verehrung Ananta, dem Unendlichen.
Mitte des Yantras oṃ padmāya namaḥ Verehrung dem Lotus.
Mitte des Yantras aṃ sūryamaṇḍalāya dvādaśakalātmane namaḥ Verehrung dem Sonnenkreis mit zwölf Kalas.
Mitte des Yantras uṃ somamaṇḍalāya ṣoḍaśakalātmane namaḥ Verehrung dem Mondkreis mit sechzehn Kalas.
Mitte des Yantras maṃ vahnimaṇḍalāya daśakalātmane namaḥ Verehrung dem Feuerkreis mit zehn Kalas.
Mitte des Yantras saṃ sattvāya namaḥ Verehrung Sattva, dem Prinzip der Klarheit.
Mitte des Yantras raṃ rajase namaḥ Verehrung Rajas, dem Prinzip der Aktivität.
Mitte des Yantras taṃ tamase namaḥ Verehrung Tamas, dem Prinzip der Trägheit.
Mitte des Yantras āṃ ātmane namaḥ Verehrung dem Selbst.
Mitte des Yantras aṃ antarātmane namaḥ Verehrung dem inneren Selbst.
Mitte des Yantras paṃ paramātmane namaḥ Verehrung dem höchsten Selbst.
Mitte des Yantras hrīṃ jñānātmane namaḥ Verehrung dem Erkenntnis-Selbst.

Nun die neun Kräfte auf den acht Staubfadenpositionen des Lotus und in der Mitte einsetzen. Gib auch hier jeweils eine kleine Gabe.

Ort Formel Bedeutung
O oṃ jayāyai namaḥ Verehrung Jaya, der Sieghaften.
SO oṃ vijayāyai namaḥ Verehrung Vijaya, der Überwindenden.
S oṃ ajitāyai namaḥ Verehrung Ajita, der Unbesiegten.
SW oṃ aparājitāyai namaḥ Verehrung Aparajita, der Unüberwindlichen.
W oṃ nityāyai namaḥ Verehrung Nitya, der Ewigen.
NW oṃ vilāsinyai namaḥ Verehrung Vilasini, der Spielenden.
N oṃ dogdhryai namaḥ Verehrung Dogdhri, der Nährenden.
NO oṃ aghorāyai namaḥ Verehrung Aghora, der Nichtschrecklichen.
Mitte oṃ maṅgalāyai namaḥ Verehrung Mangala, der Heilvollen.

Zum Schluss im Zentrum:

hrīṃ sarvaśaktikamalāsanāya namaḥ

Hrīṃ. Verehrung dem Lotussitz aller Kräfte.

9. Anrufung und Einsetzung der Lebensgegenwart

Nimm eine duftende Blüte. Rezitiere hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā und vergegenwärtige die Erscheinungsform. Der vollständige Annapurna-Mantra vergegenwärtigt die nährende Göttin auf ihrem Lotussitz. Wiederhole innerlich das Dhyana aus Abschnitt 6. Führe die leuchtende Gegenwart aus dem Herzen durch Sushumna und den Atem in die Blüte; lege diese in die Mitte des Yantras.

Sprich die folgende Anrufung; zeige dabei zu ihāgaccha Avahani, zu iha tiṣṭha Sthapani, zu sannidhehi Sannidhapani, zu sannirudhyasva Sannirodhini:

hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā annapūrṇe ihāgaccha ihāgaccha iha tiṣṭha iha tiṣṭha iha sannidhehi iha sannidhehi iha sannirudhyasva |

Annapurna, komm hierher, komm hierher; verweile hier, verweile hier; sei hier gegenwärtig, sei hier gegenwärtig; bleibe hier gesammelt gegenwärtig.

Zeige Avagunthana mit huṃ. Setze die sechs Glieder jetzt an der visualisierten Gottheit ein, indem du auf die betreffenden Orte im Zentrum zeigst. Alle Formeln sind hier erneut ausgeschrieben:

Ort an der Gottheit Formel Bedeutung
Herz hrīṃ hṛdayāya namaḥ Dem Herzen: Verehrung.
Scheitel hrīṃ śirase svāhā Dem Haupt: dargebracht.
Shikha hrīṃ śikhāyai vaṣaṭ Der Shikha: Bekräftigung.
Schutzhülle hrīṃ kavacāya huṃ Der schützenden Hülle: huṃ.
drei Augen hrīṃ netratrayāya vauṣaṭ Den drei Augen: Weihe.
Schutz nach außen hrīṃ astrāya phaṭ Der Schutzwaffe: phaṭ.

Zeige Dhenu mit vaṃ und danach Paramikarana. Vergegenwärtige die Gottheit als vollständig von Nektar und Bewusstsein erfüllt. Es folgt die zeitweilige Prana-Pratishtha für diese Puja; sie ist keine dauerhafte Tempel- oder Bildweihe.

asya prāṇapratiṣṭhāmantrasya brahmaviṣṇumaheśvarā ṛṣayaḥ | ṛgyajuḥsāmāni chandāṃsi | caitanyaṃ devatā | prāṇapratiṣṭhāyāṃ viniyogaḥ ||

Für diesen Mantra sind Brahma, Vishnu und Maheshvara die Seher, Rik, Yajus und Saman die Versmaße, Bewusstsein die Gottheit; seine Anwendung ist die Einsetzung der Lebensgegenwart.

Halte die rechte Hand über das Zentrum, ohne die Gaben zu verschieben. Sprich jede der folgenden vier Formeln vollständig:

āṃ hrīṃ kroṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ hauṃ haṃsaḥ annapūrṇāyāḥ prāṇā iha prāṇāḥ |

Die Lebenskräfte von Annapurna seien hier als Lebenskräfte gegenwärtig. Die vorangestellten Bijas rufen die Lebens- und Bewusstseinskräfte auf; sie sind keine übersetzbaren Wörter.

āṃ hrīṃ kroṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ hauṃ haṃsaḥ annapūrṇāyāḥ jīva iha sthitaḥ |

Das lebendige Bewusstsein von Annapurna sei hier gegenwärtig. Die vorangestellten Bijas rufen die Lebens- und Bewusstseinskräfte auf; sie sind keine übersetzbaren Wörter.

āṃ hrīṃ kroṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ hauṃ haṃsaḥ annapūrṇāyāḥ sarvendriyāṇi |

Alle Sinnes- und Wirkungskräfte von Annapurna [seien hier gegenwärtig]. Die vorangestellten Bijas rufen die Lebens- und Bewusstseinskräfte auf; sie sind keine übersetzbaren Wörter.

āṃ hrīṃ kroṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ hauṃ haṃsaḥ annapūrṇāyāḥ vāṅmanaścakṣuḥśrotraghrāṇaprāṇā ihāgatya sukhaṃ ciraṃ tiṣṭhantu svāhā |

Rede, Geist, Sehen, Hören, Riechen und Lebenskräfte von Annapurna mögen hierherkommen und lange in Freude verweilen. Dargebracht sei dies. Die vorangestellten Bijas rufen die Lebens- und Bewusstseinskräfte auf; sie sind keine übersetzbaren Wörter.

10. Die ersten Dienste und fünf Blütengaben

Die sechzehn Dienste bilden eine zusammenhängende Folge; Räucherwerk, Licht, Speise und Verneigung folgen nach den Begleitgottheiten. Beginne mit der Sitzgabe:

Dienst Handlung Vollständige Formel Übersetzung
Sitz Lege eine Blüte als Sitzgabe in die Mitte. hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā idam āsanaṃ annapūrṇāyai namaḥ Diesen Sitz bringe ich Annapurna verehrend dar.

Begrüße danach Annapurna:

hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā annapūrṇe svāgataṃ te |

Annapurna, willkommen!

Dienst Handlung Vollständige Formel Übersetzung
Fußwasser Gib etwas mit Shyama, Durva, Lotus und Vishnukranta bereitetes Fußwasser in die Auffangschale vor dem Zentrum. hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā etat pādyaṃ annapūrṇāyai namaḥ Dieses Fußwasser bringe ich Annapurna dar.
Ehrenwasser Hebe das Arghya zum gedachten Haupt und gieße eine kleine Gabe in die Auffangschale. hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā idam arghyaṃ annapūrṇāyai svāhā Dieses Ehrenwasser sei Annapurna dargebracht.
Mundwasser Biete an der gedachten Mundhöhe dreimal je etwas mit Jati, Nelke und Kakkola aromatisiertes Wasser dar; jede Gabe in die Auffangschale. hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā idam ācamanīyaṃ annapūrṇāyai svadhā Dieses Mundwasser sei Annapurna dargebracht.
Madhuparka Biete die kleine Mischung aus Honig, Joghurt und Ghee in einem eigenen Schälchen dar. hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā eṣa madhuparkaḥ annapūrṇāyai svadhā Diese süße Ehrengabe sei Annapurna dargebracht.
Erneutes Mundwasser Biete erneut ein wenig sauberes Mundwasser dar. hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā idam punarācamanīyaṃ annapūrṇāyai svadhā Dieses erneute Mundwasser sei Annapurna dargebracht.
Bad Biete Badewasser an; bei einem Papier-Yantra nur in einer Schale vor dem Zentrum, nicht darüber gießen. hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā idaṃ snānīyaṃ annapūrṇāyai nivedayāmi Dieses Badewasser bringe ich Annapurna dar.
Kleidung Lege ein kleines sauberes Stoffstück als Kleidgabe neben das Zentrum. hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā idaṃ vastraṃ annapūrṇāyai namaḥ Dieses Gewand bringe ich Annapurna verehrend dar.
Schmuck Lege ein Schmuckstück oder eine kleine Schmuckgabe dazu. hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā idam ābharaṇaṃ annapūrṇāyai namaḥ Diesen Schmuck bringe ich Annapurna verehrend dar.
Duft Lege etwas Sandelpaste in eine kleine Schale oder an die dafür vorgesehene Unterlage. hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā eṣa gandhaḥ annapūrṇāyai namaḥ Diesen Duft bringe ich Annapurna verehrend dar.
Blumen Lege frische Blumen auf das Yantra, mit der natürlichen Oberseite nach oben. hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā etāni puṣpāṇi annapūrṇāyai vauṣaṭ Diese Blumen seien Annapurna geweiht.

Verehre nun die sechs Mantraglieder an der vorgestellten Gestalt Annapurnas. Lege für jede Tabellenzeile eine kleine Blütengabe am Yantra-Zentrum ab und beziehe sie innerlich auf den genannten Ort. Die allgemeine Puja-Folge schreibt diese Verehrung vor den fünf Pushpanjalis vor (§ 97); die Verehrung im äußeren Umkreis folgt danach gesondert.

Ort an Annapurnas Gestalt Formel Bedeutung
Herz hrīṃ hṛdayāya namaḥ Dem Herzen: Verehrung.
Haupt hrīṃ śirase svāhā Dem Haupt sei die Gabe dargebracht.
Shikha hrīṃ śikhāyai vaṣaṭ Der Shikha: Bekräftigung durch vaṣaṭ.
Schutzhülle hrīṃ kavacāya huṃ Der schützenden Hülle: huṃ.
Drei Augen hrīṃ netratrayāya vauṣaṭ Den drei Augen: Weihe durch vauṣaṭ.
Schutz nach außen hrīṃ astrāya phaṭ Der Schutzwaffe: phaṭ.

Bringe anschließend fünf Pushpanjalis dar: Halte jeweils etwas Blüte in beiden Händen, rezitiere hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā einmal und lege die Gabe in Beziehung zu (1) Haupt, (2) Herz, (3) Unterleib, (4) Füßen und (5) ganzer Gestalt der Gottheit ab. Beim Yantra geschieht dies am Zentrum; die verschiedenen Körperorte werden dabei vorgestellt.

11. Avarana-Puja: das Gefolge verehren

Für jede Tabellenzeile gib eine kleine Blüte oder Akshata auf den genannten Ort. Die Plätze und die vollständigen Namensformeln sind ausgeschrieben; die Namen allein sind keine ausreichende Rezitationsanweisung.

Verehre die sechs Mantraglieder an den Staubfäden beziehungsweise in der Mitte; die sechste Gabe wird auf die vier Hauptrichtungen verteilt:

Ort Formel Bedeutung
SO hrīṃ hṛdayāya namaḥ Dem Herzen: Verehrung.
SW hrīṃ śirase svāhā Dem Haupt: dargebracht.
NW hrīṃ śikhāyai vaṣaṭ Der Shikha: Bekräftigung.
NO hrīṃ kavacāya huṃ Der schützenden Hülle: huṃ.
Mitte hrīṃ netratrayāya vauṣaṭ Den drei Augen: Weihe.
alle vier Hauptrichtungen hrīṃ astrāya phaṭ Der Schutzwaffe: phaṭ.
Lotusblatt oder besonderer Ort Formel Bedeutung
O oṃ brāhmyai namaḥ Verehrung Brahmi.
SO oṃ māheśvaryai namaḥ Verehrung Maheshvari.
S oṃ kaumāryai namaḥ Verehrung Kaumari.
SW oṃ vaiṣṇavyai namaḥ Verehrung Vaishnavi.
W oṃ vārāhyai namaḥ Verehrung Varahi.
NW oṃ indrāṇyai namaḥ Verehrung Indrani.
N oṃ cāmuṇḍāyai namaḥ Verehrung Chamunda.
NO oṃ mahālakṣmyai namaḥ Verehrung Mahalakshmi.

Verehre außerhalb der Lotusblätter die zehn Richtungswächter. Die oberen und unteren Richtungen erhalten die eigens angegebenen Zwischenplätze. Gib zu jeder Formel eine kleine Gabe:

Platz Vollständige Formel Bedeutung
O oṃ lāṃ indrāya devādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ Verehrung Indra, Herr der Götter, mit Waffe, Reittier und Gefolge.
SO oṃ rāṃ agnaye tejo’dhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ Verehrung Agni, Herr der Glut und Leuchtkraft, mit Waffe, Reittier und Gefolge.
S oṃ yāṃ yamāya pretādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ Verehrung Yama, Herr der Verstorbenen, mit Waffe, Reittier und Gefolge.
SW oṃ kṣāṃ nirṛtaye rakṣo’dhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ Verehrung Nirriti, Herr der Rakshasas, mit Waffe, Reittier und Gefolge.
W oṃ vāṃ varuṇāya jalādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ Verehrung Varuna, Herr des Wassers, mit Waffe, Reittier und Gefolge.
NW oṃ yāṃ vāyave prāṇādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ Verehrung Vayu, Herr der Lebenskräfte, mit Waffe, Reittier und Gefolge.
N oṃ sāṃ somāya tārādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ Verehrung Soma, Herr der Sterne, mit Waffe, Reittier und Gefolge.
NO oṃ hāṃ īśānāya gaṇādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ Verehrung Ishana, Herr der Scharen, mit Waffe, Reittier und Gefolge.
zwischen O und NO, als Oben oṃ āṃ brahmaṇe prajādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ Verehrung Brahma, Herr der Geschöpfe, mit Waffe, Reittier und Gefolge.
zwischen SW und W, als Unten oṃ hrīṃ anantāya nāgādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ Verehrung Ananta, Herr der Nagas, mit Waffe, Reittier und Gefolge.

Verehre danach die zehn Waffen beziehungsweise Attribute unmittelbar außerhalb ihrer Träger, in derselben Reihenfolge:

Platz Formel Bedeutung
O oṃ vajrāya namaḥ Verehrung dem Donnerkeil.
SO oṃ śaktaye namaḥ Verehrung dem Speer.
S oṃ daṇḍāya namaḥ Verehrung dem Stab.
SW oṃ khaḍgāya namaḥ Verehrung dem Schwert.
W oṃ pāśāya namaḥ Verehrung der Schlinge.
NW oṃ aṅkuśāya namaḥ Verehrung dem Lenkhaken.
N oṃ gadāyai namaḥ Verehrung der Keule.
NO oṃ śūlāya namaḥ Verehrung dem Dreizack.
zwischen O und NO, als Oben oṃ padmāya namaḥ Verehrung dem Lotus.
zwischen SW und W, als Unten oṃ cakrāya namaḥ Verehrung dem Diskus.

12. Räucherwerk, Licht und Speise

Lege Blüte und Akshata an die Glocke und sprich:

jayadhvani mantramātaḥ svāhā |

Du Klang des Sieges, Mutter der Mantras: Dir sei diese Gabe dargebracht.

Läute mit links; führe mit rechts zunächst Räucherwerk unterhalb des Gesichts der Gottheit vor und dann die Lampe bis zur gedachten Augenhöhe. Stelle den Räucherhalter links von der Gottheit oder davor ab; die Lampe rechts oder davor. Im Mandala meint „rechts“ die rechte Seite der Gottheit.

Gabe Formel Bedeutung
Räucherwerk hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā eṣa dhūpaḥ annapūrṇāyai namaḥ Dieses Räucherwerk bringe ich Annapurna verehrend dar.
Licht hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā eṣa dīpaḥ annapūrṇāyai namaḥ Dieses Licht bringe ich Annapurna verehrend dar.

Bringe drei weitere Blütenhandvoll dar, jeweils mit hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā. Stelle die Speise vor die Gottheit. Besprenge sie mit phaṭ, zeige Cakra-Mudra, sprich achtmal hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā und zeige Dhenu-Mudra. Vergegenwärtige die Speise als Nektar. Entnimm einen Tropfen aus dem besonderen Arghya-Gefäß und gib ihn zur Darbringung in die Auffangschale; halte Speise und benutztes Wasser getrennt. Sprich:

hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā idaṃ naivedyaṃ annapūrṇāyai namaḥ |

Diese Speise bringe ich Annapurna verehrend dar.

Biete erneut Mundwasser und danach ein Betelblatt als Tambula an. Verwende das Betelblatt als Ritualgabe; eine Einnahme von Arekanuss ist für diese Anleitung nicht vorgesehen.

hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā idam punarācamanīyaṃ annapūrṇāyai svadhā |

Dieses erneute Mundwasser sei Annapurna dargebracht.

hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā idaṃ tāmbūlaṃ annapūrṇāyai namaḥ |

Dieses Tambula bringe ich Annapurna verehrend dar.

Sprich freudig jaya jaya – „Sieg! Heil!“ –, gib nochmals etwas besonderes Arghya mit hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā idam arghyaṃ annapūrṇāyai svāhā und eine Blütenhandvoll mit hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā. Wenn du singst, tanzt oder ein zusätzliches Stotra rezitierst, kommt es hier; der Quellabschnitt schreibt kein bestimmtes längeres Stotra vor. Die vorgeschriebenen Texte sind vollständig im Ablauf enthalten.

13. Hingabe, Japa und Verneigung vor dem Homa

Nimm etwas sauberes Wasser in die rechte Hand und gieße es bei der folgenden Hingabe in die Auffangschale:

oṃ itaḥ pūrvaṃ prāṇabuddhidehadharmādhikārato jāgratsvapnasuṣuptyavasthāsu manasā vācā hastābhyāṃ padbhyām udareṇa śiśnā yat smṛtaṃ yad uktaṃ yat kṛtaṃ tat sarvaṃ brahmārpaṇaṃ bhavatu svāhā | māṃ madīyaṃ sakalaṃ samyak annapūrṇāyai samarpaye | oṃ tat sat ||

Om. Was bis hierher aus dem Wirken von Lebenskraft, Einsicht und Körper im Wachen, Träumen und Tiefschlaf durch Geist, Rede, Hände, Füße, Bauch und Zeugungsorgan gedacht, gesagt oder getan wurde, möge ganz dem Brahman dargebracht sein. Mich selbst und alles Meine übergebe ich vollständig Annapurna. Om, Das ist die Wahrheit.

Setze dich zum Japa. Rezitiere den Mula-Mantra hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā genau 100-mal. Die allgemeine Paddhati nennt 100 oder 1.008; diese tägliche Puja verwendet die kleinere der beiden genannten Zahlen. Eine Mala mit 108 Perlen kann als Zählhilfe dienen, aber die hier gewählte Zahl bleibt 100. Sprich jede Wiederholung vollständig, leise oder im Geist, und halte die Dhyana-Gestalt gegenwärtig.

Schließe die Japa-Sammlung mit den drei bereits zu Beginn verwendeten Atemzügen ab. Die allgemeine Atemregel nennt ausdrücklich Anfang und Ende der Handlung (§ 63ka). Verwende wieder die erlaubte kleine Zählung 1 : 4 : 2 mit innerlichem oṃ:

Atemzug Einatmen Mühelos halten Ausatmen
1 links, 1 × oṃ beide Nasenlöcher geschlossen, 4 × oṃ rechts, 2 × oṃ
2 rechts, 1 × oṃ beide geschlossen, 4 × oṃ links, 2 × oṃ
3 links, 1 × oṃ beide geschlossen, 4 × oṃ rechts, 2 × oṃ

Das rechte Nasenloch wird mit dem rechten Daumen, das linke mit Ring- und kleinem Finger geschlossen. Om vergegenwärtigt die göttliche Ganzheit. Halte den Atem nur so, wie es ohne Anstrengung möglich ist.

Bringe das Japa dar: Lege eine Blüte und einen Tropfen Wasser symbolisch an die linke Hand der Gottheit und sprich:

oṃ guhyātiguhyagoptrī tvaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam |
siddhir bhavatu me devi tvatprasādāt tvayi sthitā ||

Om. Du Hüterin des überaus Geheimen, nimm dieses von uns vollzogene Japa an. Möge die in dir gründende Vollendung mir durch deine Gnade zuteilwerden.

Verneige dich mit Händen, Knien und Stirn beziehungsweise mit der ganzen körperlich möglichen Verneigung; richte dabei auch Blick, Rede und Geist auf die Gottheit. Dies ist der abschließende sechzehnte Dienst. Die Quelle beschreibt für Shakti eine dreieckige Pradakshina: vom Süden zum Nordwesten, von dort zum Nordosten und zurück zum Süden des Ritualzentrums. Führe diesen Weg achtsam aus, wenn um den Altar Platz ist. Die äußere Verneigung kann laut allgemeiner Paddhati auch innerlich vergegenwärtigt werden, wenn die räumliche Ausführung nicht möglich ist.


Die angerufene Gegenwart bleibt für das Homa bestehen. Die Rücknahme erfolgt nach dem Feueropfer.

14. Der vollständige Saṃkṣepa-Homa-Ablauf

H1. Feuerstelle reinigen und Mandala anlegen

Beginne mit einer kalten, sauberen, feuersicheren Homa-Schale. Die nachstehenden Richtungsbezeichnungen der Feuerstelle beziehen sich auf die wirklichen Himmelsrichtungen. Sitze westlich und blicke nach Osten. Die zuvor erläuterten, auf die Gottheit bezogenen Ritualrichtungen bleiben für den Puja-Altar gültig; verwechsle beide Ordnungen nicht.

Blicke die Feuerstelle gesammelt mit hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā an. Berühre beziehungsweise beklopfe sie leicht mit Kusha unter phaṭ, besprenge sie unter phaṭ und umhülle sie unter huṃ. Der Mula-Mantra vergegenwärtigt Annapurna, Phaṭ grenzt ab und reinigt, Huṃ bezeichnet die schützende Hülle.

Gib eine Blüte in die Mitte:

hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā oṃ kuṇḍāya namaḥ |

Hrīṃ und die vollständige Annapurna-Anrufung; Om. Verehrung der Opferfeuerstelle.

Ziehe drei parallele Linien mit ihren Enden nach Osten und drei mit ihren Enden nach Norden. Verehre die drei östlichen Linienenden in der Reihenfolge Mukunda, Isha, Purandara, dann die drei nördlichen Brahma, Vaivasvata, Indu. Gib an jedes Linienende eine kleine Gabe. Die Linie ist ein rituelles Zeichen auf dem kalten Boden der Schale, kein glühender Gegenstand.

Reihe Formel Bedeutung
Ostenden 1 oṃ mukundāya namaḥ Verehrung Mukunda, dem Befreier.
Ostenden 2 oṃ īśāya namaḥ Verehrung Isha, dem Herrn.
Ostenden 3 oṃ purandarāya namaḥ Verehrung Purandara, Indra.
Nordenden 1 oṃ brahmaṇe namaḥ Verehrung Brahma.
Nordenden 2 oṃ vaivasvatāya namaḥ Verehrung Vaivasvata, Yama.
Nordenden 3 oṃ indave namaḥ Verehrung Indu, dem Mond.

Zeichne in die Mitte ein Dreieck, darum einen aus zwei Dreiecken gebildeten Sechsstern, darum einen Kreis, außen einen achtblättrigen Lotus und schließlich ein Quadrat mit vier Toren. Die Verschachtelung des Kurztextes wird hier anhand der parallelen Beschreibung im Mahanirvana Tantra 6.124 klargestellt. Gib eine Blütenhandvoll unter hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā darauf; besprenge Zeichnung und Materialien mit oṃ.

H2. Sitz des Feuers und göttliches Elternpaar

Verehre das Feuer-Pitha auf der noch kalten Zeichnung. Gib zu jeder Tabellenzeile wenig Blüte oder Akshata:

Platz im Feuer-Mandala Formel Bedeutung
Mitte oṃ ādhāraśaktaye namaḥ Verehrung der tragenden Kraft.
Mitte oṃ prakṛtaye namaḥ Verehrung der Urnatur.
Mitte oṃ kūrmāya namaḥ Verehrung Kurma, der tragenden Schildkröte.
Mitte oṃ anantāya namaḥ Verehrung Ananta, dem Unendlichen.
Mitte oṃ pṛthivyai namaḥ Verehrung der Erde.
Mitte oṃ kṣīrasamudrāya namaḥ Verehrung dem Milchozean.
Mitte oṃ śvetadvīpāya namaḥ Verehrung der Weißen Insel.
Mitte oṃ maṇimaṇḍapāya namaḥ Verehrung der Edelsteinhalle.
Mitte oṃ kalpavṛkṣāya namaḥ Verehrung dem Wunschbaum.
Mitte oṃ maṇivedikāyai namaḥ Verehrung dem Edelsteinaltar.
Mitte oṃ ratnasiṃhāsanāya namaḥ Verehrung dem Edelsteinthron.
SO oṃ dharmāya namaḥ Verehrung Dharma, der tragenden Ordnung.
SW oṃ jñānāya namaḥ Verehrung der Erkenntnis.
NW oṃ vairāgyāya namaḥ Verehrung der Losgelöstheit.
NO oṃ aiśvaryāya namaḥ Verehrung der göttlichen Herrlichkeit.
O oṃ adharmāya namaḥ Verehrung dem Gegenprinzip zum Dharma.
S oṃ ajñānāya namaḥ Verehrung dem Nichtwissen.
W oṃ avairāgyāya namaḥ Verehrung der Anhaftung.
N oṃ anaiśvaryāya namaḥ Verehrung dem Unvermögen.
Mitte oṃ anantāya namaḥ Verehrung Ananta, dem Unendlichen.
Mitte oṃ padmāya namaḥ Verehrung dem Lotus.
Mitte aṃ sūryamaṇḍalāya dvādaśakalātmane namaḥ Verehrung dem Sonnenkreis mit zwölf Kalas.
Mitte oṃ somamaṇḍalāya ṣoḍaśakalātmane namaḥ Verehrung dem Mondkreis mit sechzehn Kalas.
Mitte raṃ vahnimaṇḍalāya daśakalātmane namaḥ Verehrung dem Feuerkreis mit zehn Kalas.
O oṃ pītāyai namaḥ Verehrung der gelben Kraft.
SO oṃ śvetāyai namaḥ Verehrung der weißen Kraft.
S oṃ aruṇāyai namaḥ Verehrung der rötlichen Kraft.
SW oṃ kṛṣṇāyai namaḥ Verehrung der schwarzen Kraft.
W oṃ dhūmrāyai namaḥ Verehrung der rauchfarbenen Kraft.
NW oṃ tīvrāyai namaḥ Verehrung der intensiven Kraft.
N oṃ sphuliṅginyai namaḥ Verehrung der funkensprühenden Kraft.
NO oṃ rucirāyai namaḥ Verehrung der glänzenden Kraft.
Mitte oṃ jvālinyai namaḥ Verehrung der flammenden Kraft.

raṃ vahnyāsanāya namaḥ |

Raṃ. Verehrung dem Sitz des Feuers.

Vergegenwärtige unter diesem Sitz Vagishvari, nach dem Bad am Ende ihrer Monatszeit, mit Augen wie blauen Lotussen, in Vereinigung mit Vagishvara. Dies ist das symbolische Elternpaar des zu gebärenden Feuers; die Anweisung betrifft die Visualisierung. Verehre beide:

oṃ hrīṃ vāgīśvarāya namaḥ |

Om, Hrīṃ. Verehrung Vagishvara, dem Herrn der Sprache.

oṃ hrīṃ vāgīśvaryai namaḥ |

Om, Hrīṃ. Verehrung Vagishvari, der Herrin der Sprache.

Bringe beiden nacheinander fünf Dienste dar. Stelle die kleinen Gaben vor die Feuerstelle; Räucherwerk und Licht werden vorgezeigt. Alle Gabeformeln lauten:

Empfänger und Gabe Formel Bedeutung
Vagishvara, Duft oṃ hrīṃ eṣa gandhaḥ vāgīśvarāya namaḥ Diese Gabe – Duft – bringe ich Vagishvara dar.
Vagishvara, Blüte oṃ hrīṃ etat puṣpaṃ vāgīśvarāya vauṣaṭ Diese Gabe – Blüte – bringe ich Vagishvara dar.
Vagishvara, Räucherwerk oṃ hrīṃ eṣa dhūpaḥ vāgīśvarāya namaḥ Diese Gabe – Räucherwerk – bringe ich Vagishvara dar.
Vagishvara, Licht oṃ hrīṃ eṣa dīpaḥ vāgīśvarāya namaḥ Diese Gabe – Licht – bringe ich Vagishvara dar.
Vagishvara, Speise oṃ hrīṃ idaṃ naivedyaṃ vāgīśvarāya namaḥ Diese Gabe – Speise – bringe ich Vagishvara dar.
Vagishvari, Duft oṃ hrīṃ eṣa gandhaḥ vāgīśvaryai namaḥ Diese Gabe – Duft – bringe ich Vagishvari dar.
Vagishvari, Blüte oṃ hrīṃ etat puṣpaṃ vāgīśvaryai vauṣaṭ Diese Gabe – Blüte – bringe ich Vagishvari dar.
Vagishvari, Räucherwerk oṃ hrīṃ eṣa dhūpaḥ vāgīśvaryai namaḥ Diese Gabe – Räucherwerk – bringe ich Vagishvari dar.
Vagishvari, Licht oṃ hrīṃ eṣa dīpaḥ vāgīśvaryai namaḥ Diese Gabe – Licht – bringe ich Vagishvari dar.
Vagishvari, Speise oṃ hrīṃ idaṃ naivedyaṃ vāgīśvaryai namaḥ Diese Gabe – Speise – bringe ich Vagishvari dar.

Sprich über der Feuerstätte oṃ vahneryogapīṭhāya namaḥ – „Verehrung dem Yoga-Sitz des Feuers“. Verehre an den vier Seiten O, S, W, N mit je einer Blüte:

Ort Formel Bedeutung
O oṃ vāmāyai namaḥ Verehrung Vama.
S oṃ jyeṣṭhāyai namaḥ Verehrung Jyeshtha.
W oṃ raudryai namaḥ Verehrung Raudri.
N oṃ ambikāyai namaḥ Verehrung Ambika.

hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā annapūrṇākuṇḍāya namaḥ |

Nach der vollständigen Annapurna-Anrufung: Verehrung der Annapurna-Feuerstelle.

H3. Feuer übernehmen, reinigen und einsetzen

Bereite auf einer zweiten feuersicheren kleinen Schale eine saubere Glut beziehungsweise kleine Flamme aus geeignetem trockenem Holz vor. Der Text nennt durch Brennstein, Feuerbohren oder Steinfunken gewonnenes Feuer sowie geeignetes übernommenes Ritualfeuer; hier wird ein durch Funken entzündetes Holzfeuer verwendet. Ein modernes Funkenzündgerät ist eine praktische Umsetzung und wird im alten Text nicht als Gerät genannt. Behandle den entzündeten Brennstoff mit Zange und geeigneten hitzefesten Gefäßen.

Blicke das Feuer mit hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā vauṣaṭ an – „Annapurna: geweiht“. Sprich hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā astrāya phaṭ zur Abgrenzung und übernimm mit raṃ die zur Homa bestimmte Glut. Sondere mit der Zange eine winzige Glutmenge in ein zweites feuerfestes Gefäß ab. Sprich dabei:

hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā huṃ phaṭ kravyādebhyaḥ svāhā |

Die vollständige Annapurna-Anrufung, dann Huṃ, Phaṭ. Den fleischverzehrenden Feuermächten sei dieser ausgesonderte Anteil dargebracht.

Es handelt sich um die Absonderung eines Anteils des Feuers; dazu wird hier kein Fleisch geopfert. Bewahre auch diese kleine Glut gesichert auf.

Schütze den verbleibenden Feueranteil mit hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā astrāya phaṭ, zeige Avagunthana mit huṃ und Dhenu-Mudra zur Nektarisierung. Führe das kleine geeignete Trägergefäß dreimal im Uhrzeigersinn über den Randbereich der Homa-Schale. Knie beim Einsetzen so, dass du das Gefäß sicher handhaben kannst; lege die Glut von deiner Seite in die Mitte. Vergegenwärtige das Feuer als Shiva-Keim, der in den Schoß der zuvor visualisierten Göttin eingesetzt wird. Diese Bildsprache gehört zur Ritualdeutung des Feuers.

Verehre und belebe das eingesetzte Feuer:

hrīṃ vahnimūrtaye namaḥ |

Hrīṃ. Verehrung der Gestalt des Feuers.

raṃ vahnicaitanyāya namaḥ |

Raṃ. Verehrung dem Bewusstsein des Feuers.

Lege kleine trockene Hölzer so an, dass eine ruhige Flamme entsteht, und sprich:

oṃ citpiṅgala hana hana daha daha paca paca sarvajñājñāpaya svāhā |

Om. Du goldbraunes Bewusstseinsfeuer: schlage, schlage; verbrenne, verbrenne; verwandle durch Hitze, verwandle; Allwissender, lass dein Gebot wirksam werden. Svaha.

Richte die Anrufung auf das rituelle Feuer und die Verwandlung der Gaben. Verneige dich:

agniṃ prajvalitaṃ vande jātavedaṃ hutāśanam |
suvarṇavarṇam amalaṃ samiddhaṃ viśvatomukham ||

Ich verehre das entzündete Feuer, Jatavedas, den Verzehrer der Opfergaben: goldfarben, rein, gut entflammt und nach allen Seiten gewandt.

Gib dem Feuer den Namen der Hauptgottheit:

agne tvaṃ annapūrṇānāmāsi |

Agni, du trägst den Namen Annapurna.

H4. Agni verehren und sein Gefolge einsetzen

oṃ vaiśvānara jātaveda ihāvaha lohitākṣa sarvakarmāṇi sādhaya svāhā |

Om. Allmenschenfeuer, Jatavedas, führe die göttliche Gegenwart hierher, Rotäugiger; bringe alle rituellen Handlungen zur Erfüllung. Svaha.

Biete Ehrenwasser in einer kleinen Schale vor dem Feuer an; gieße kein Wasser in die aktive Flamme. Danach folgen Duft, Blüte, Räucherwerk, Licht und Speise vor der Feuerstelle. Der Feuer-Mantra bleibt als Vorsatz jeder Gabe vollständig erhalten:

Gabe Vollständige Formel
Ehrenwasser oṃ vaiśvānara jātaveda ihāvaha lohitākṣa sarvakarmāṇi sādhaya svāhā idam arghyaṃ agnaye svāhā
Duft oṃ vaiśvānara jātaveda ihāvaha lohitākṣa sarvakarmāṇi sādhaya svāhā eṣa gandhaḥ agnaye namaḥ
Blüte oṃ vaiśvānara jātaveda ihāvaha lohitākṣa sarvakarmāṇi sādhaya svāhā etat puṣpaṃ agnaye vauṣaṭ
Räucherwerk oṃ vaiśvānara jātaveda ihāvaha lohitākṣa sarvakarmāṇi sādhaya svāhā eṣa dhūpaḥ agnaye namaḥ
Licht oṃ vaiśvānara jātaveda ihāvaha lohitākṣa sarvakarmāṇi sādhaya svāhā eṣa dīpaḥ agnaye namaḥ
Speise oṃ vaiśvānara jātaveda ihāvaha lohitākṣa sarvakarmāṇi sādhaya svāhā idaṃ naivedyaṃ agnaye namaḥ

Jede Formel bedeutet nach der ausgeschriebenen Agni-Anrufung: „Diese [genannte Gabe] bringe ich Agni dar.“ Hier sind namaḥ, vauṣaṭ und svāhā die jeweiligen Darbringungsworte.

Verehre Agnis sieben Zungen mit der im Kurzverfahren ausdrücklich vorgesehenen Sammelformel:

oṃ agner hiraṇyādisaptajihvābhyo namaḥ |

Om. Verehrung den sieben Zungen Agnis, beginnend mit Hiranya.

Die nächsten sechs Glieder und acht Gestalten sind im Kurztext abgekürzt; die folgende Tabelle löst sie mit der anschließenden Bṛhaddhomapaddhati auf. Gib die kleinen Blüten-/Akshata-Gaben auf den äußeren Rand beziehungsweise vergegenwärtige die genannten Orte im Feuer, ohne mit der Hand in die Flamme zu greifen.

Ort Formel Bedeutung
SO oṃ sahasrārciṣe hṛdayāya namaḥ Verehrung dem Herzen des Tausendflammigen.
SW oṃ svastipūrṇāya śirase svāhā Dem Haupt des von Heil Erfüllten sei die Gabe dargebracht.
NW oṃ uttiṣṭhapuruṣāya śikhāyai vaṣaṭ Der Shikha des sich erhebenden Purusha: Bekräftigung durch vaṣaṭ.
NO oṃ dhūmavyāpine kavacāya huṃ Der schützenden Hülle des mit Rauch Durchdringenden: huṃ.
Mitte oṃ saptajihvāya netratrayāya vauṣaṭ Den drei Augen des Siebenzüngigen: Weihe durch vauṣaṭ.
alle vier Hauptrichtungen oṃ dhanurdharāya astrāya phaṭ Der Schutzwaffe des Bogenträgers: phaṭ.
Lotusblatt im Feuer-Mandala Formel Bedeutung
O oṃ agnaye jātavedase namaḥ Verehrung Agni als Jatavedas, Kenner der Geschöpfe.
SO oṃ agnaye saptajihvāya namaḥ Verehrung Agni als Siebenzüngigem.
S oṃ agnaye havyavāhanāya namaḥ Verehrung Agni als Träger der Opfergabe.
SW oṃ agnaye aśvodarajāya namaḥ Verehrung Agni als im Pferdebauch Geborenem.
W oṃ agnaye vaiśvānarāya namaḥ Verehrung Agni als Allmenschenfeuer.
NW oṃ agnaye kaumāratejase namaḥ Verehrung Agni als jugendlichem Glanz.
N oṃ agnaye viśvamukhāya namaḥ Verehrung Agni als Allgesichtigem.
NO oṃ agnaye devamukhāya namaḥ Verehrung Agni als Mund der Götter.

Verehre danach vier weitere Kreise, jeweils außerhalb des vorherigen. Für diese Gruppen schreibt das Kurzverfahren selbst Sammelformeln vor:

Kreis Formel Bedeutung
acht Shaktis oṃ brāhmyādyaṣṭaśaktibhyo namaḥ Verehrung den acht Kräften, beginnend mit Brahmi.
acht Schätze oṃ padmādyaṣṭanidhibhyo namaḥ Verehrung den acht Schätzen, beginnend mit Padma.
Richtungswächter oṃ indrādilokapālebhyo namaḥ Verehrung den Richtungswächtern, beginnend mit Indra.
Waffen oṃ vajrādyastrebhyo namaḥ Verehrung den Waffen, beginnend mit dem Donnerkeil.

H5. Die ersten Ghee-Gaben

Lege zwei etwa eine Handspanne lange, saubere Kusha-Halme in die Ghee-Schale, sodass links, Mitte und rechts unterschieden werden können. Vergegenwärtige links Ida, rechts Pingala und in der Mitte Sushumna. Nimm mit dem Homa-Löffel jeweils nur eine kleine Gabe. Anweisungen wie „rechtes Auge“ bezeichnen die visualisierten Augen Agnis, nicht wechselnde Stellen, an denen du Brennstoff außerhalb des Feuers verteilen sollst. Gib jede Gabe bei svāhā ruhig in die Flamme.

Entnahmestelle und Ziel Formel Bedeutung
Ghee rechts entnehmen; rechtes Feuerauge oṃ agnaye svāhā Om. Agni sei diese Gabe dargebracht.
Ghee links; linkes Feuerauge oṃ somāya svāhā Om. Soma sei diese Gabe dargebracht.
Ghee aus der Mitte; Stirnauge oṃ agnīṣomābhyāṃ svāhā Om. Agni und Soma sei diese Gabe dargebracht.
Ghee rechts mit „oṃ namaḥ“ entnehmen; Feuermund oṃ agnaye sviṣṭikṛte svāhā Om. Agni, dem Vollender des gut Geopferten, sei diese Gabe dargebracht.

Die Entnahmeformel beim letzten Schritt lautet vollständig oṃ namaḥ – „Om, Verehrung“. Opfere nun je einmal mit den drei großen Weltrufen:

Formel Bedeutung
oṃ bhūḥ svāhā Om. Der Erdsphäre sei die Gabe dargebracht.
oṃ bhuvaḥ svāhā Om. Der Zwischenraumsphäre sei die Gabe dargebracht.
oṃ svaḥ svāhā Om. Der Himmelssphäre sei die Gabe dargebracht.

Gib anschließend drei weitere Ghee-Gaben, jede mit dem vollständigen Feuer-Mantra:

oṃ vaiśvānara jātaveda ihāvaha lohitākṣa sarvakarmāṇi sādhaya svāhā |

Om. Allmenschenfeuer, Jatavedas, führe die göttliche Gegenwart hierher, Rotäugiger; bringe alle rituellen Handlungen zur Erfüllung. Svaha.

H6. Annapurna im Feuer vergegenwärtigen

Vergegenwärtige jetzt Annapurnas Sitz im Feuer. Führe die vollständig ausgeschriebene Pitha-Folge aus Abschnitt 8 dieses Artikels innerlich am Feuer aus: Grundlagen, Dharma und Gegenprinzipien, die drei Lichtkreise, die drei Gunas, die vier Selbstformen, die neun im Annapurna-Kalpa vorausgesetzten Jaya-Shaktis und der Lotussitz. Die räumlichen Gaben bleiben am Rand; berühre keine Flamme.

Vergegenwärtige die rote, vielfarbig gekleidete Annapurna wie im Dhyana in Abschnitt 6. Sprich ihren Mula-Mantra hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā und führe die bereits am Altar verehrte Gegenwart in das Feuer. Bringe Duft, Blüte, Räucherwerk, Licht und Speise am Feuer dar:

Gabe Formel Bedeutung
Duft hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā eṣa gandhaḥ annapūrṇāyai namaḥ Diese Gabe – Duft – bringe ich Annapurna dar.
Blüte hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā etat puṣpaṃ annapūrṇāyai vauṣaṭ Diese Gabe – Blüte – bringe ich Annapurna dar.
Räucherwerk hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā eṣa dhūpaḥ annapūrṇāyai namaḥ Diese Gabe – Räucherwerk – bringe ich Annapurna dar.
Licht hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā eṣa dīpaḥ annapūrṇāyai namaḥ Diese Gabe – Licht – bringe ich Annapurna dar.
Speise hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā idaṃ naivedyaṃ annapūrṇāyai namaḥ Diese Gabe – Speise – bringe ich Annapurna dar.

Gib nun 25 kleine Ghee-Gaben in den gedachten Mund Annapurnas, jede mit:

hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā |

Hrīṃ. Verehrung dir, erhabene Göttin, große Herrin, Annapurna, du von Nahrung Erfüllte. Dir sei diese Gabe dargebracht.

Vergegenwärtige anschließend die Einheit von dir selbst, Feuer und Gottheit. Gib 11 weitere Ghee-Gaben mit derselben vollständig rezitierten Formel hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā.

Für Mantraglieder und Begleitgottheiten lässt das Kurzverfahren gemeinsame Gaben zu. Opfere je einmal:

hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā aṅgadevatābhyaḥ svāhā |

Nach der vollständigen Annapurna-Anrufung: Den Gottheiten der Mantraglieder sei diese Gabe dargebracht.

hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā āvaraṇadevatābhyaḥ svāhā |

Nach der vollständigen Annapurna-Anrufung: Den Gottheiten der Umkreise sei diese Gabe dargebracht.

H7. Das eigentliche Annapurna-Homa mit 108 Gaben

Für jede Hauptgabe wird der vollständige siebzehnsilbige Mantra genau einmal gesprochen. Sein abschließendes Svāhā ist bereits das Opferwort; unmittelbar dahinter wird kein zweites Svāhā angehängt. Bei den gesonderten Formeln für die Glieder und Umkreise steht nach dem vollständigen Mula-Mantra dagegen eine eigene Empfängerformel mit Svāhā.

Formuliere dein Vorhaben klar. Für die hier gewählte alltägliche Annapurna-Verehrung kann es lauten: „Ich vollziehe 108 Reis-Ghee-Gaben zur Verehrung Annapurnas und aus Dankbarkeit für Nahrung und zur Bitte um gedeihlichen Lebensunterhalt.“ Das ist eine deutsche Absichtserklärung; der Kurztext ordnet an dieser Stelle einen Sankalpa an, gibt aber keinen ausformulierten Sanskrit-Satz vor.

Gib 108 kleine Portionen sauberen gekochten Reises mit wenig Ghee nacheinander ins Feuer. Nimm einen Homa-Löffel, sprich pro Gabe den gesamten Mantra und lass die Portion bei svāhā in die Flamme gleiten:

hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā |

Hrīṃ. Verehrung dir, erhabene Göttin, große Herrin, Annapurna, du von Nahrung Erfüllte. Dir sei diese Gabe dargebracht.

Zähle die 108 Hauptgaben gesondert; die vorherigen 25 und 11 Gaben gehören nicht zu diesen 108. Halte ein ruhiges Tempo. Wenn die Flamme kleiner wird, ergänze wenig trockenes Holz und warte, bis sie die nächste kleine Gabe aufnehmen kann. Übergieße das Feuer nicht mit großen Ghee-Mengen.

Die Zahl folgt der allgemeinen Regel des Kompendiums für Homa ohne besondere Zahlenvorgabe. Gekochter Reis mit Ghee ist der für Annapurna ausdrücklich genannte Homa-Stoff (§ 64 ihres Kalpa). Diese 108 Gaben sind keine abgekürzte Erfüllung der 16.000-Japa-Purashcharana; dafür gelten eigene Pflichten und Zählungen.

H8. Purnahuti und Rücknahme

Bereite eine letzte, für die kleine Feuerstelle gut verträgliche Gabe derselben Reis-Ghee-Mischung vor. Die Purnahuti bezeichnet die abschließende ganze Hingabe; sie verlangt hier keine gefährlich große Brennstoffmenge. Opfere einmal:

hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā |

Hrīṃ. Verehrung dir, erhabene Göttin, große Herrin, Annapurna, du von Nahrung Erfüllte. Dir sei diese abschließende Gabe dargebracht.

Vergegenwärtige, dass mit dieser Gabe die gesamte Handlung übergeben ist. Die Gesamtzahl der hier festgelegten Feuer-Gaben beträgt 157: 4 Augen-/Mundgaben, 3 Weltrufe, 3 Agni-Anrufungen, 25 und 11 Einigungsgaben, 2 gemeinsame Gaben an Glieder und Umkreise, 108 Hauptgaben und 1 Purnahuti. Die vorangehenden Blüten- und Wassergaben werden nicht mitgezählt.

Beende die Verehrung an Feuer und Altar mit dem folgenden gemeinsamen Abschluss. Die Rücknahme wird einmal für die gesamte angerufene Gegenwart vollzogen.

15. Gemeinsamer Abschluss an Feuer und Altar

Lass die Begleitgottheiten in Annapurna eingehen. Vergegenwärtige die am Altar und im Feuer verehrte Annapurna als dieselbe göttliche Gegenwart. Zeige Samhara-Mudra, nimm eine geopferte Blüte vom Puja-Altar und atme ihren Duft sanft ein. Führe dabei die leuchtende Gegenwart durch Sushumna in den Herzlotus zurück. Sprich:

kṣamasva |

Vergib; sieh mir Unvollkommenheiten nach.

Sprich anschließend dreimal hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā und vergegenwärtige Annapurna im ganzen Körper. Damit ist die für diese Sitzung angerufene Gegenwart aus den äußeren Ritualträgern zurückgenommen.

Gib eine angemessene Dakshina beziehungsweise eine vorher dafür bestimmte Gabe an die berechtigte empfangende Person; der Text schreibt hier keinen zusätzlichen Sanskrit-Satz vor. Vergegenwärtige acchidra, die Geschlossenheit der Darbringung. Die Zusammenführung von Altar- und Feuerabschluss löst den Anschluss beider im Artikel vollständig beschriebenen Riten auf; es wird keine zweite Anrufung oder Rücknahme dazwischengeschoben.

Lasse die Glut beaufsichtigt auf einer sicheren Fläche ausbrennen. Auch der abgesonderte Glutanteil bleibt bis zum vollständigen Erlöschen gesichert.

Lege im Nordosten auf einer kleinen dreieckigen Unterlage die verbliebenen Blütenreste ab und sprich:

oṃ śeṣikāyai namaḥ

Om. Verehrung Sheshika, der Empfängerin der verbliebenen Gaben.

Nimm etwas von der unverdorbenen, sauber gehaltenen Speise als Prasad und teile den Rest. Ein Schluck reinen, trinkbaren Weihwassers gehört zum beschriebenen Abschluss; Wasser mit Asche, ungeeigneten Duftstoffen oder bereits abgewaschenen Rückständen wird nicht getrunken. Lege Blumenreste an einen sauberen dafür vorgesehenen Ort.

Quellen und Textentscheidungen

Bṛhattantrasāra des Kṛṣṇānanda Āgamavāgīśa; Sanskrit-Grundlage: Muktabodha, E-Text M00013, nach der Kalkutta-Ausgabe von 1896, die bereitgestellten Dateien Brihat_Tantrasara_Sanskrit_1.txt und Brihat_Tantrasara_Sanskrit_2.txt. Die Absatznummern beginnen innerhalb der Abschnitte wieder neu; deshalb wird immer der Abschnitt mitgenannt.

  • Pariccheda 2, Sāmānyapūjāpaddhati: Guru-Verehrung; §§ 7–14 und 31–37 tantrische Sandhya und Gayatris; §§ 44–58 Bhutashuddhi und Matrika; §§ 59–64 Atem und Pitha, einschließlich der Anfangs-/Endregel § 63ka; §§ 84–98 Guru-Reihe, äußeres Pitha, Ritualrichtungen, allgemeines Yantra, Anrufung und Dienste einschließlich der Gliederverehrung § 97; §§ 99–100 sowie die neu beginnende Zählung §§ 1–20: Avarana-Übergang, Räucherwerk, Speise, Hingabe, Japa und Abschluss.
  • Pariccheda 1, Dīkṣāprakaraṇa: gewöhnliches Arghya und Tür-/Sitzreinigung (§§ 97–100 und Fortsetzung); besonderes Arghya (§§ 19–26 der neu beginnenden Zählung); Anrufung und Dienste (§§ 39ka–46). Diese Bausteine werden vom allgemeinen Puja-Abschnitt ausdrücklich zurückverwiesen.
  • Pariccheda 2, Annapūrṇāmantrāḥ, §§ 55–64: Mantra-Varianten, Rückverweis auf das Bhuvaneshvari-Pitha, Brahma/Pankti/Annapurna-Zuordnung, Hrīm-Nyasa, Dhyana und Avarana. Hier ist ausschließlich die mit Hrīṃ beginnende siebzehnsilbige Fassung ausgeführt.
  • Pariccheda 2, Bhuvaneśvarīmantra, §§ 36ka–37: ausgeschriebene zehn Dikpalas und ihre Attribute; Maheśamantra, § 16: acht Matrikas.
  • Pariccheda 3, Yantrasaṃskāra, §§ 35–36: allgemeine Prana-Pratishtha. Die im Quelltext vorgesehenen Einsetzstellen für den Gottheitsnamen wurden grammatisch auf Annapurna bezogen.
  • Pariccheda 4, Mudrāprakaraṇa: Anrufungs- und Abschlussgesten, Ankusha, Dhenu, Galini, Matsya und Cakra. Für die Tattva-Mudra ergänzt Gandharva Tantra 8.20, die ausdrücklich ausgeschriebene Definition aṅguṣṭhānāmikāyogaṃ tattvamudreyam īritā (Verbindung von Daumen und Ringfinger), die Handbeschreibung.

Auflösung der Kurzverweise: Die Quelle gibt viele Serien als „ebenso“ oder „mit Om am Anfang und Namah am Ende“ an. Die Tabellen führen diese Regeln aus; sie sind keine Behauptung, dass jede Zeile im Druck schon einzeln ausgeschrieben steht. Die Reihenfolge und Namen stammen aus den genannten Abschnitten. Die Gabeformeln folgen der ausdrücklichen Regel Mula-Mantra – Gabe – Empfänger im Dativ – Darbringungswort.

Lesekorrekturen: In der digitalen Matrika-Liste werden das versehentliche vaṃ am Rücken zu baṃ und yaṃ auf dem Weg zur linken Hand zu ṣaṃ berichtigt; die Alphabetfolge und die unmittelbar angeführten Parallelverse sichern die Zuordnung. Die sechs Svadhishthana-Laute beginnen mit ba, wie die ausgeschriebene Reihe ba bha ma … bestätigt. Das zweite laṃ vor kṣaṃ bleibt als Lesart der Vorlage erhalten; andere Alphabetsysteme notieren an dieser Stelle ḻaṃ. Das verschlüsselte māyā-hṛt-bhagavati … ṭhayugala wird als hrīṃ namo bhagavati māheśvari annapūrṇe svāhā aufgelöst. Der unmittelbar anschließende Text bestätigt die Varianten nach dem Anfangsbija und ihre Silbenzahl. Ein zusätzliches Om gehört nicht zum hier gewählten siebzehnsilbigen Mula-Mantra. Der Hrīm-Nyasa benutzt sechsmal dasselbe Bija, nicht die sechs langen Vokalvarianten. In § 63 fehlt in der digitalen Siebenerliste Kaumari; die ausdrückliche Anweisung aṣṭadaleṣu … brāhmyādyāḥ verlangt acht Muttergottheiten. Ihre vollständige Reihenfolge wird aus der ausgeschriebenen Acht-Matrika-Liste desselben Kompendiums (Maheśamantra § 16) ergänzt. Die Annapurna-Gayatri bewahrt annapūrṇe aus der Vorlage. induśakalābharaṇam im Dhyana normalisiert die Verwechslung von śa und sa. Die Hingabeformel liest prāṇabuddhidehadharmādhikārato nach Shri Vidyarnava Tantra, Shvasa 13, Druck-S. 276 (M00217), statt des verkürzten dharmākārato der Digitalvorlage; samarpaye setzt die dargebrachte Selbsthingabe in die erste Person. Die Japa-Darbringung liest tvayi sthitā entsprechend der dort zitierten Soma-Shambhu-Parallelstelle in Shvasa 16, Druck-S. 367: Die weibliche Form bezieht sich auf siddhi, die Vollendung. Die Digitalvorlage des Brihat Tantrasara hat hier sthite. Die innere Matrika enthält 50 Laute. Die äußere Liste enthält durch das zusätzliche laṃ vor kṣaṃ tatsächlich 51 Positionen, obwohl die Vorlage sie konventionell als Fünfzigerfolge bezeichnet. Die äußere Einsetzung und die rückläufige Arghya-Reihe geben diese längere Lesefassung vollständig wieder. Die Formen tejo’dhipataye und rakṣo’dhipataye zeigen das ausgefallene a durch Avagraha an. Die Sanskrit-Worttrennung und offensichtliche Schreibfehler der Digitalisierung sind normalisiert; die Fassung enthält keine vedischen Tonakzente.

Traditionelle Ziele und Zählungen: Für die gesonderte Purashcharana werden 16.000 Japa und ein Zehntel, also 1.600 Homa-Gaben aus gekochtem Reis mit Ghee, genannt (§ 64). Diese besondere Zählung wird nicht mit den 100 Japa der täglichen Puja verwechselt. Der Kalpa verbindet die verschiedenen Anfangsbijas mit unterschiedlichen Wunschzielen; hier werden ihre Namen und Zahlen nicht zu einer Mischfassung kombiniert. Die Wirkungsangaben sind Aussagen der jeweiligen Ritualtradition. Sie werden hier weder als Erfolgsgarantie noch als Ersatz für praktische Entscheidungen ausgegeben.

Zusätzliche Quellen zum Homa

  • Brihat Tantrasara, Pariccheda 3, Saṃkṣepahomaprayoga, §§ 1–17: Feuerstelle, Liniengottheiten, Feuer-Pitha, Elternpaar des Feuers, Feuerübernahme, Agni-Verehrung, erste Ghee-Gaben, Gottheit im Feuer, Homa und Rücknahme.
  • Unmittelbar vorangehende allgemeine Homa-Regel § 77: 108 oder 1.000 Gaben bei fehlender Sonderzahl. Hier gilt 108 für die persönliche Tagesanwendung.
  • Pariccheda 3, Bṛhaddhomapaddhati, §§ 9–11 und 16: vollständige Agni-Glieder und acht Agni-Gestalten hinter den Kurzverweisen.
  • Annapurna-Kalpa, Pariccheda 2, § 64: gekochter Reis mit Ghee als Homa-Stoff; die dortige Sonderzahl 1.600 gehört zur gesonderten Purashcharana.
  • Mahanirvana Tantra 6.124: parallele, klarere Anordnung von Dreieck, Sechsstern, Kreis, Lotus und vier Toren.

Die im allgemeinen Homa-Verfahren offenen Gottheitsnamen sind grammatisch auf Annapurna bezogen. Die Sammelformeln für Gottheitengruppen stammen aus dem gewählten Kurzverfahren; sie sind keine redaktionell gekürzte Liste einer großen Homa-Paddhati. Die digitale Angabe von zwölf Feuer-Kalas wurde anhand der allgemeinen Arghya-Lehre desselben Werkes zu zehn berichtigt. Sonne und Mond behalten zwölf und sechzehn. Im Feuer-Pitha (H2) folgen die Anfangssilben der betreffenden Kurz-Homa-Stelle: aṃ für die Sonne, oṃ für den Mond und raṃ für das Feuer. Die anderen Pitha- und Arghya-Abschnitte bewahren ihre dort überlieferten Silben. Die Lesart sviṣṭikṛte der vorliegenden Homa-Quelle bleibt erhalten; sie wird nicht stillschweigend durch die verbreitete Form sviṣṭakṛte ersetzt. Die vollständige große Feuer-Samskara-Folge wird für dieses ausdrücklich überlieferte kompakte Verfahren nicht vorgeschrieben.

Siehe auch