Abhirami
Abhirami (Sanskrit: अभिरामी abhirāmī; Tamil: அபிராமி, Apirāmi; auch Abirami) ist eine Erscheinungsform der göttlichen Mutter, die vor allem in Tamil Nadu verehrt wird. Ihr Name bedeutet „die Wunderschöne“, „die Entzückende“ oder „die Herzerfreuende“. Als Gefährtin Shivas ist sie eine Gestalt der Parvati und damit der einen göttlichen Shakti.
Ihr wichtigstes Heiligtum ist der Tempel von Tirukkadaiyur, wo sie an der Seite Shivas als Amritaghateswarar verehrt wird. Berühmt wurde sie durch den Priester und Dichter Abhirami Bhattar, dessen hundert Verse der Abhirami Antati bis heute zu den beliebtesten tamilischen Hymnen an die göttliche Mutter gehören.

Das Wichtigste auf einen Blick
| Merkmal | Einordnung |
|---|---|
| Name | Abhirami |
| Sanskrit | अभिरामी (abhirāmī) |
| Tamil | அபிராமி (Apirāmi) |
| Bedeutung | Die Wunderschöne, die Entzückende, die Herzerfreuende |
| Einordnung | Erscheinungsform der Parvati; Gestalt der göttlichen Shakti |
| Gefährte | Shiva als Amritaghateswarar |
| Hauptheiligtum | Amritaghateswarar-Abhirami-Tempel in Tirukkadaiyur, Tamil Nadu |
| Bekanntester Hymnus | Abhirami Antati von Abhirami Bhattar |
Name und Bedeutung
Das Sanskritwort abhirāma bedeutet „erfreulich, anmutig, schön“; Abhirami ist die weibliche Form und lässt sich mit „die Wunderschöne“ oder „die, an der sich das Herz erfreut“ wiedergeben. Der Name drückt aus, was die Verehrer in ihr erleben: eine Schönheit, die nicht nur das Auge erfreut, sondern das Herz zu Gott hinzieht.
In der Tradition der göttlichen Mutter ist Schönheit mehr als ein äußeres Merkmal. Sie gilt als Ausdruck göttlicher Fülle und Gnade. Wer die Schönheit der Göttin betrachtet, wird eingeladen, hinter allen schönen Formen der Welt die eine göttliche Quelle zu erkennen.
Abhirami in Tirukkadaiyur
Im Tempel von Tirukkadaiyur steht Abhirami in einem eigenen Schrein neben dem Heiligtum Shivas. Shiva wird dort als Amritaghateswarar, als „Herr des Nektartopfes“, und als Bezwinger des Todes verehrt, der seinen Verehrer Markandeya vor Yama rettete. Abhirami ist die liebevolle Mutter an seiner Seite. Die Verbindung von Shivas Macht über den Tod und Abhiramis mütterlicher Gnade macht den Tempel zu einem Ort, an dem Menschen um Schutz, Gesundheit und ein langes, gesegnetes Leben bitten.
Nach einer Überlieferung ist Abhirami an diesem Ort aus der Kraft Vishnus hervorgegangen. Auch Vishnu wird im Tempel verehrt, als Amritanarayana mit seiner Gefährtin Amritavalli. Darin zeigt sich die enge Verbindung der großen göttlichen Gestalten, die in der Volksfrömmigkeit Südindiens oft selbstverständlich nebeneinander verehrt werden.
Abhirami Bhattar und der Vollmond
Die bekannteste Geschichte über Abhirami ist die ihres Verehrers Abhirami Bhattar im 18. Jahrhundert. Der Priester war so tief in die Betrachtung der Göttin versunken, dass er ihr Antlitz überall sah und sie in allen Frauen seiner Umgebung erkannte. Als der Maratha-König Serfoji von Thanjavur ihn an einem Neumondtag nach dem Mondtag fragte, antwortete er, es sei Vollmond, denn das Antlitz der Göttin strahlte vor ihm wie der volle Mond.
Zur Strafe sollte er verbrannt werden, falls bis zum Abend kein Vollmond erschiene. Über einer Feuergrube sang Abhirami Bhattar Vers um Vers zu seiner Göttin. Nach dem 79. Vers erschien Abhirami, warf einen ihrer Ohrringe in den Himmel, und er leuchtete wie der Vollmond. Der König erkannte seinen Irrtum und ehrte den Priester, der die hundert Verse der Abhirami Antati vollendete.
Die Geschichte zeigt Abhirami als Mutter, die ihr Kind nicht im Stich lässt. Was der Welt als Irrtum erschien, bestätigte sie als Wahrheit des liebenden Herzens.
Die Göttin in der Abhirami Antati
In der Abhirami Antati wird die Göttin in reichen Bildern gepriesen: ihre roten Füße, ihr Lächeln, ihr blumengeschmücktes Haar und vor allem ihr gnädiger Seitenblick, der den Verehrern Wohlstand, Bildung, einen unermüdlichen Geist und alles Gute schenkt. Abhirami erscheint als Herrin des Universums, bei der selbst Shiva und Vishnu Zuflucht suchen, und zugleich als nahe, liebevolle Mutter.
Ein Vers zählt ihre vielen Namen auf und verbindet sie mit den großen Gestalten der göttlichen Mutter: Sie ist Narayani und Shambhavi, Shankari und Shamala, sie trägt die fünf Blumenpfeile und ist zugleich Varahi, die Speerträgerin, und Matangi. Darin wird deutlich, dass die Abhirami von Tirukkadaiyur als Gestalt der einen, allumfassenden Shakti verstanden wird. Die fünf Blumenpfeile verbinden sie mit der Bildsprache von Lalita Tripurasundari und der Sri Vidya-Tradition.
Verehrung
Abhirami wird besonders an Freitagen, an Vollmondtagen und am Neumond des tamilischen Monats Thai verehrt, an dem das Wunder von Tirukkadaiyur jedes Jahr gefeiert wird. Viele Verehrer rezitieren dabei die Abhirami Antati, manche täglich einige Verse. Einzelnen Versen werden in der Tradition besondere Wirkungen zugeschrieben, etwa Schutz, Erfolg im Lernen oder innerer Frieden.
Der Name Abhirami ist in Südindien auch als Mädchenname verbreitet. Er drückt den Wunsch aus, dass die Anmut und Güte der Göttin im Leben des Kindes aufscheinen möge.
Anregungen für Yoga und Meditation
Für eine Meditation kann man sich das strahlende Antlitz der göttlichen Mutter vorstellen, wie einen milden Vollmond, der in der Mitte des Herzens leuchtet. Lass dieses Licht sich ausbreiten, bis es den ganzen Körper und schließlich die Umgebung erfüllt.
Im Yoga kann Abhirami an eine einfache Übung erinnern, die Abhirami Bhattar vorgelebt hat: das Göttliche in den Menschen um uns herum zu sehen. Begegne heute jedem Menschen mit dem Gedanken, dass auch in ihm die göttliche Mutter wohnt, und achte darauf, wie sich dadurch dein Blick verändert.

Die Schönheit, die zum Göttlichen führt
Abhirami ist die Göttin, deren Schönheit das Herz öffnet. Ihre Verehrer erleben sie als Mutter, die schützt, nährt und segnet, und als Licht, das auch in dunklen Stunden aufgehen kann. Wer sich ihr zuwendet, kann lernen, die Welt mit liebevolleren Augen zu sehen.
Siehe auch
- Abhirami Antati
- Abhirami Bhattar
- Tirukkadaiyur
- Parvati
- Shakti
- Göttliche Mutter
- Lalita Tripurasundari
- Sri Vidya
- Shiva
Quellen und Literatur
- Wikipedia (englisch): Amritaghateswarar-Abirami Temple.
- Wikipedia (englisch): Thirukkadaiyur.
- Wikipedia (englisch): Abhirami Pattar.
- Sivaya.org: Abirami Anthathi, tamilischer Text der Abhirami Antati.
- Sri Abhirami Anthaadhi in Tamil and English, Text und Erläuterungen.
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