Ferdinand Joly

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Ferdinand Joly, 1765-1823, war ein österreichisches Original, ein Dichter, Komponist und Schriftsteller. Er soll sich immer wieder sehr originell verhalten haben, was immer wieder zu dem Ausdruck "Mein lieber Joly" geführt haben soll. Daraus soll dann die Redensart "Mein lieber Scholli" geworden sein, die heute allgemein als Ausdruck des Erstaunens, der Überraschung verwendet wird.

Leben von Ferdinand Joly

Ferdinand Joly war hugenottischer Herkunft. Er studierte in Salzburg. Nach seiner Exmatrikulation 1783 wurde er zu einem populären Aussteiger, Vagabund, Dichter, Sonderling, Schriftsteller und Komponist populärer Stücke. Ferdinand Joly wurde als "der ausgejagte Student von Salzburg" bekannt. Wie seine mittelalterlichen Vorfahren François Villon oder Carl Michael Bellmann zog auch er durch die Lande, fand mit seinen Liedern, Stücklein und Gedichten mal ein größeres, mal ein kleineres Publikum, jedenfalls fast immer ein Nachtlager und Essen. Ein paar Texte sind bis heute überliefert, volkstümlich derbe und witzige "Predigten" und Szenen, des weiteren einige lustige Lieder.

Der Onkel von Ferdinand Joly war Stiftsdirektor und Prediger von Kremsmünster. Das Leben von Ferdinand Joly jedenfalls war wie der Gegenentwurf des Lebens seines damals bekannten Onkels, das von Konventionen und gesellschaftlicher Anerkennung geprägt war.

Das einfache Volk fand Ferdinand Joly der Überlieferung zufolge jedenfalls wunderbar. Ferdinand Joly fühlte sich in der Gemeinschaft beim gemeinen Volk wohl. So konnte Ferdinand Joly auch zur Figur des Volksschauspiels und sprichwörtlich werden, als liebenswerter, herumstreifender Sprachkünstler, der sich einen feuchten Dreck um die Hochkultur schert und nur seinen Ideen folgt. Daher rührt denn auch der durchweg positive Beiklang der Wendung "Mein lieber Scholli" bis heute.

Ferdinand Joly als Aussteiger der Romantik

Ferdinand Joly führte ein Leben, wie es von Dichtern in der Romantik beschrieben wurde: Der Romantiker Joseph von Eichendorff beschreibt in seinem Werk Aus dem Leben eines Taugenichts ein Leben, das durchaus Ähnlichkeiten mit Ferdinand Joly hat. Ob Ferdinand Joly eine Vorlage für Eichendorffs Werk war, ist unklar. Jedoch gehörte Ferdinand Joly zu der Gruppe von Individualisten, die ihr Leben nach eigenen Überzeugungen und Impulsen, nach eigener Liebe und Neigung führten, und nicht gesellschaftlichen Konventionen folgten.

Ferdinand Joly und das Ideal der Wandermönche

Über Ferdinand Jolys Spiritualität ist wenig überliefert. Jedenfalls ist er nicht als spiritueller Schriftsteller bekannt. Er war sicherlich kein Wandermönch, der dem Ideal der Keuschheit gefolgt ist... Dennoch kann man in Ferdinand Joly eine der beiden Pole von Spiritualität sehen:

  • Kollektivistische Spiritualität: Es gibt die Spiritualität, die versucht, voller Liebe sich in die Gesellschaft, in die Gemeinschaft einzufügen, Erwartungen gerecht zu werden. Man kann diese Art der Spiritualität auch Kollektivistische Spiritualität nennen. Im Mönchstum wäre das z.B. das Klosterleben als eine größere spirituelle Lebensgemeinschaft. Und im Alltag wäre das jemand, der ganz in die Gesellschaft integriert ist.
  • Individualistische Spiritualität: Hier folgt der Aspirant seinem Herzen, kümmert sich wenig um die Erwartungen der anderen, wird zum Außenseiter, eventuell zum Aussteiger, zum Vagabunden. Der spirituelle Extremfall von dieser Art von individualistischer Spiritualität ist der Wandermönch, der Wander-Asket, wie er z.B. im indischen Sadhu, im islamischen Derwisch bzw. Fakir, früher in den Franziskanern, verkörpert ist.

Ferdinand Joly war sicherlich ein extremer Individualist. Das interessante ist dabei: Auch wenn es zum Funktionieren eines Gemeinwesens wichtig ist, dass Menschen sich an die Erfordernisse anpassen, lieben Menschen doch diejenigen, die aussteigen. Jeder Mensch ist eine Mischung aus Individualität und Kollektivismus. Manche Gesellschaften betonen mehr den einen Pol, manche mehr den anderen. Eine bunte Gesellschaft ermöglicht beides...

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