Vasordhara

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Vasordhara (Sanskrit: वसोर्धारा vasor dhārā f.) bedeutet „Strom des Reichtums“ oder „Strom der Güter“. Im vedischen Feuerritual bezeichnet Vasordhara einen ununterbrochenen Strom von Ghee, der zum Abschluss eines großen Homa ins Feuer gegossen wird. Diese Gabe gilt als Höhepunkt des Rituals und symbolisiert die Fülle des Segens, die vom Göttlichen auf die Welt herabströmt. Traditionell wird die Vasordhara vom Chamakam begleitet, dem zweiten Teil des Sri Rudram.

Etymologie

  • Vasu (वसु), Genitiv vasoḥ: Gut, Reichtum, Wohlstand; auch Name einer Gruppe von acht vedischen Gottheiten (die Vasus).
  • Dhara (धारा): Strom, Fluss, ununterbrochener Strahl; von der Wurzel dhāv bzw. dhṛ = fließen, strömen, tragen.

Vasor dhārā heißt also „der Strom des Guten“ oder „der Strom der Fülle“.

Herkunft

Die Vasordhara stammt aus dem großen vedischen Feueraltar-Ritual (Agnicayana), wie es im Krishna Yajurveda (Taittiriya Samhita) beschrieben wird. Nach der Errichtung des Feueraltars wird ein langer, ununterbrochener Ghee-Strom in das Feuer gegossen, während die Verse des Chamakam rezitiert werden. Heute wird die Vasordhara vor allem bei großen Homas durchgeführt, besonders beim Rudra Homa und bei Homas, die mit der Rezitation von Rudram und Chamakam verbunden sind.

Das Chamakam

Das Chamakam ist eine lange Litanei, in der der Rezitierende um alle Güter des Lebens bittet – materielle wie spirituelle. Jede Bitte wird mit ca me („und mir“) verbunden, daher der Name Chamakam. Es beginnt so:

agnāviṣṇū sajoṣasemā vardhantu vāṃ giraḥ |
dyumnair vājebhir āgatam ||
vājaś ca me prasavaś ca me prayatiś ca me prasitiś ca me ...

Übersetzung (sinngemäß):

O Agni und Vishnu, mögen diese Lieder euch erfreuen und stärken.
Kommt zu uns mit Glanz und Kraft.
Nahrung möge mir zuteilwerden, und Antrieb, und Bemühen, und Ausdauer ...

Im weiteren Verlauf erbittet das Chamakam unter anderem Gesundheit, langes Leben, Kraft, Wohlstand, Nahrung, Freude, Wissen, Opferhandlungen, Hingabe und schließlich die Verwirklichung des Höchsten.

Ablauf der Vasordhara

  • Die Vasordhara folgt meist am Ende des Homa, vor oder zusammen mit der Purnahuti.
  • Ein Gefäß mit Ghee wird so über das Feuer gehalten oder an einem Gestell befestigt, dass ein dünner, ununterbrochener Strahl ins Feuer fließt.
  • Oft dient dazu ein großer Löffel, eine Schale mit Ausguss oder ein Gefäß mit kleiner Öffnung.
  • Während des gesamten Gießens wird das Chamakam rezitiert. Der Strahl soll möglichst nicht abreißen.
  • Zum Abschluss folgt die Purnahuti, die vollständige Gabe.

Spirituelle Bedeutung

  • Ununterbrochene Hingabe: Der stetige Ghee-Strom symbolisiert eine Hingabe, die nicht abreißt – wie der Geist, der in der Meditation ununterbrochen beim Göttlichen verweilt. Die Yoga-Tradition vergleicht diese Konzentration mit einem Strom von Öl, der ohne Unterbrechung fließt (tailadhārāvat).
  • Fülle und Segen: Wie das Ghee ins Feuer fließt, so fließt Segen vom Göttlichen zurück zum Menschen und zur ganzen Welt.
  • Ganzheitliches Wohl: Das Chamakam bittet um alles, was das menschliche Leben ausmacht – von Nahrung und Gesundheit bis zu Erkenntnis und Befreiung. Damit drückt es aus, dass materielles und spirituelles Wohl zusammengehören.
  • Rückgabe an die Quelle: Alles, was wir empfangen, geben wir dem Göttlichen zurück. Im Opfer wird der Kreislauf von Geben und Empfangen vollendet.

Vasordhara bei Yoga Vidya

Bei großen Homas in den Yoga Vidya Ashrams, besonders bei Festen zu Ehren Shivas und bei Rudra-Homas, wird zum Abschluss eine Vasordhara dargebracht, oft begleitet von der Rezitation des Chamakam. Die Teilnehmenden werden eingeladen, sich innerlich mit dem Strom der Fülle zu verbinden und Segen für sich, für andere und für die ganze Welt zu erbitten.

Abgrenzung

Nicht zu verwechseln ist Vasordhara mit Vasudhara (वसुधारा), dem Namen einer Göttin der Fülle und des Wohlstands, die besonders im Buddhismus verehrt wird, sowie mit Vasudha (Erde, „Trägerin der Güter“).

Praxistipps

  • Wenn du bei einer Vasordhara anwesend bist, verfolge den Ghee-Strom mit deiner Aufmerksamkeit und lasse deinen Geist ebenso ruhig und stetig fließen.
  • Bitte innerlich um Segen nicht nur für dich, sondern für alle Wesen.
  • Nutze das Bild des ununterbrochenen Stroms auch in der Meditation: Lasse deine Gedanken wie einen stetigen Strom zum Göttlichen hin fließen.
  • Spüre Dankbarkeit für die Fülle, die du bereits in deinem Leben erfährst.

Siehe auch