Gauri Nyasa und Japa als Rudras Geliebte
Gauri Nyasa und Japa als Rudras Geliebte verehrt Gauri mit der Anrede als Rudras Geliebte und Herrin des Yoga. Ihr Dhyana zeigt eine goldene Gestalt mit Spiegel und Schminkgerät sowie Schlinge und Stachelstock.

Umfang: Dhyana, sechs vollständig ausgeschriebene Nyasa-Formeln, 108 Mantrawiederholungen und Darbringung.
Anlass und spirituelle Ausrichtung
Die Göttin verbindet Schönheit und innige Beziehung mit geistiger Sammlung. Die Andacht richtet sich auf ihre Gegenwart und auf die Hingabe der eigenen Fähigkeiten. Der Spiegel kann in der anschließenden stillen Betrachtung an aufrichtige Selbsterkenntnis erinnern; diese Deutung ergänzt das überlieferte Bild.
Voraussetzungen und Material
Für Praktizierende mit Unterweisung in diesen Mantra und den zugehörigen Nyasa. Die eigene Diksha und die Hinweise des Guru bilden den persönlichen Praxisrahmen.
Ein sauberer Sitz und eine Mala oder andere Zählhilfe genügen. Ein Gottheitsbild kann die Sammlung unterstützen. Plane etwa 15 bis 25 Minuten ein.
Verwandte Ritualanleitungen sind Devi Puja und Devi Archanam.
1. Den Sitz und die innere Ausrichtung vorbereiten
Wasche die Hände, lege die Zählhilfe bereit und setze dich aufrecht und bequem. Vergegenwärtige Gauri. Widme die Sitzung der Hingabe und geistigen Sammlung. Ein persönliches Anliegen kann still in eigenen Worten benannt werden; dafür wird kein neues Sanskritmantra benötigt.
2. Den Körper durch Nyasa weihen
Weihe den Körper als Ort der göttlichen Gegenwart. Sprich bei jeder Berührung die gesamte Formel einmal. Die Körperorte werden behutsam berührt; der Atem fließt frei. Die letzte Handbewegung ist die hier gewählte schlichte Ausführung des Astra-Abschlusses.
| Handlung | Vollständige Rezitation und deutsche Bedeutung |
|---|---|
| Berühre mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger der rechten Hand die Brustmitte. | hrāṃ hṛdayāya namaḥ Das Bija hrāṃ vergegenwärtigt Gauri; es wird als heiliger Klang, ohne wörtliche Satzübersetzung, rezitiert. Dem Herzen: Verehrung. |
| Berühre mit Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand den obersten Punkt des Kopfes. | hrīṃ śirase svāhā Das Bija hrīṃ vergegenwärtigt Gauri; es wird als heiliger Klang, ohne wörtliche Satzübersetzung, rezitiert. Dem Haupt: Darbringung. |
| Berühre mit dem rechten Daumen die Shikha-Stelle am hinteren Scheitel. Eine Haarlocke ist dafür nicht erforderlich. | hrūṃ śikhāyai vaṣaṭ Das Bija hrūṃ vergegenwärtigt Gauri; es wird als heiliger Klang, ohne wörtliche Satzübersetzung, rezitiert. Der Shikha: Weihe und Bekräftigung. |
| Kreuze die Arme vor der Brust und lege die Hände auf die jeweils gegenüberliegende Schulter. | hraiṃ kavacāya huṃ Das Bija hraiṃ vergegenwärtigt Gauri; es wird als heiliger Klang, ohne wörtliche Satzübersetzung, rezitiert. Der schützenden Hülle: Schutzbekräftigung. |
| Halte Zeige-, Mittel- und Ringfinger der rechten Hand gespreizt vor Augen und Stirnmitte. Berühre die Augen nicht. | hrauṃ netratrayāya vauṣaṭ Das Bija hrauṃ vergegenwärtigt Gauri; es wird als heiliger Klang, ohne wörtliche Satzübersetzung, rezitiert. Den drei Augen: Weihe und Bekräftigung. |
| Führe die rechte Hand vor der Brust ruhig nach rechts außen. Diese vereinfachte Abschlussgeste begleitet die Vorstellung eines schützenden Kreises. | hraḥ astrāya phaṭ Das Bija hraḥ vergegenwärtigt Gauri; es wird als heiliger Klang, ohne wörtliche Satzübersetzung, rezitiert. Der Schutzwaffe: rituelle Abgrenzung. |
Mit dem Nyasa wird die Verehrung körperlich gegenwärtig: Herz, Denken, Wahrnehmung und Handeln werden dem Göttlichen gewidmet.
3. Die göttliche Gegenwart betrachten
Sprich den folgenden Dhyana einmal vollständig und betrachte anschließend die beschriebene Gestalt still.
hemābhāṃ bibhratīṃ dorbhir darpaṇāñjanasādhane |
pāśāṅkuśau sarvabhūṣāṃ tāṃ gaurīṃ sarvadā bhaje ||
Ich verehre allezeit jene goldglänzende Gauri, die in ihren Händen Spiegel und Gerät zum Auftragen von Augenschminke, Schlinge und Stachelstock hält und mit allem Schmuck geziert ist.
Yoga-Vidya-Vortrag zum Ablauf einer Puja. Das Video vertieft die Haltung der Praxis; die konkrete Ritualfolge steht in dieser Anleitung.
4. Den Mantra wiederholen
Sprich die folgende Formel 108-mal leise oder im Geist. Eine vollständig rezitierte Formel zählt als eine Wiederholung. Verwende eine Mala oder eine andere Zählhilfe; eine Meru-Perle wird nicht mitgezählt.
hrīṃ gauri rudradayite yogeśvari huṃ phaṭ svāhā
Hrīṃ, Shakti-Bija. O Gauri, Geliebte Rudras, Herrin des Yoga! Huṃ und phaṭ bekräftigen rituell Schutz und Abgrenzung. Svāhā: diese Gabe sei dir dargebracht.
Atme natürlich. Wenn Gedanken abschweifen, kehre freundlich zum Klang zurück. Halte zwischen zwei Wiederholungen nur so viel Abstand, dass die einzelnen Laute klar bleiben. Nach der letzten Rezitation ruhe einige Atemzüge in der Stille.
5. Die Rezitation darbringen
Vergegenwärtige die Frucht deiner Rezitation als Gabe in der linken Hand der Göttin. Diese Darbringung geschieht hier in der Vorstellung; es wird kein zusätzliches Wasser benötigt. Falte deine Hände und sprich einmal:
guhyātiguhyagoptrī tvaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam |
siddhir bhavatu me devi tvatprasādāt tvayi sthitiḥ ||
Du bist die Hüterin des Geheimsten. Nimm unsere Rezitation an. Durch deine Gnade möge mir Vollendung zuteilwerden: das Ruhen in dir.
Neige den Kopf. Lass das betrachtete Bild im Herzen zur Ruhe kommen und bleibe etwa eine Minute still. Öffne dann die Augen und beende die Sitzung bewusst.
Siehe auch
- Devi Puja
- Devi Archanam
- Durga Puja
- Durga Nityarchana Krama
- Mantramahodadhi
- Brihat Tantrasara
- Puja
- Mantra
- Japa
- Dhyana
- Bhakti
Quellen und redaktionelle Hinweise
Brihat Tantrasara von Krishnananda Agamavagisha, Sanskrit-IAST-Projektfassung nach dem elektronischen Text M00013 auf Grundlage des Drucks Calcutta 1896. Die Verszählung beginnt in den einzelnen Abschnitten neu. Teil 2, Gauri-Abschnitt, Verse 39–43: Mantra in 39, Nyasa in 40, Dhyana in 41. Die Anrede gauri wird als Vokativ kurz auslautend wiedergegeben; im Dhyana werden vibhratīṃ dobhir zu bibhratīṃ dorbhir sprachlich normalisiert. Die in späteren Versen beschriebenen zweckgebundenen Anwendungen sind nicht Bestandteil dieser Japa-Sitzung. Die Fingerzuordnung folgt den allgemeinen Nyasa-Regeln im Brihat Tantrasara, allgemeine Puja-Paddhati, Verse 74–78. Die im Ablauf beschriebene Astra-Handbewegung ist eine vereinfachte praktische Ausführung.
Die 108 Wiederholungen und der überschaubare Sitzungsrahmen sind eine redaktionelle Praxisanordnung. Der allgemeine Japa-Rahmen ist im Mantramahodadhi 21.166–170 beschrieben; das Darbringungsgebet steht in 22.152. Die dort in 22.151 mit Wasser vollzogene Darbringung wird hier als innere Geste ausgeführt. Für Göttinnen werden goptā und deva zu goptrī und devi angepasst, wie im Brihat Tantrasara, allgemeine Puja-Paddhati, Vers 6, angegeben. Der übrige Wortlaut folgt Mantramahodadhi 22.152. Die Anleitung bietet eine begrenzte innere Sitzung, keine vollständige Purashcharana oder äußere Avarana-Puja.
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