Mrigendra Tantra Sanskrit Devanagari
Mrigendra Tantra (Sanskrit: Mṛgendratantra, मृगेन्द्रतन्त्र), auch Mṛgendrāgama (मृगेन्द्रागम), ist eine śivaitische tantrische Schrift des Shaiva Siddhanta. Sie fragt, wodurch das Bewusstsein gebunden wird und wie seine Fähigkeit zu erkennen und zu wirken frei werden kann. Ihr Weg verbindet genaue Unterscheidung mit der Verehrung Shivas, hingebungsvoller Lebensführung und innerer Sammlung. Für ernsthafte Aspiranten liegt darin eine fruchtbare Einladung: die eigene Erfahrung sorgfältig zu prüfen und zugleich offen für Gnade zu bleiben.
Besonders anregend ist die Verbindung von Yoga und Erkenntnis. Zur Schulung gehören Atemlenkung, Sammlung, Meditation, prüfendes Nachdenken und Japa, die Wiederholung eines Mantras. Der Geist soll zur Ruhe finden und verstehen lernen, worauf er sich richtet. Am Ende des Yogateils beschreibt die Schrift eine Freiheit, in der das Selbst in seinem eigenen Wesen ruht. Diese Aussicht erhält ihren Sinn aus der ganzen Lehre von Shiva, Seele und Bindung.
Die folgende Ausgabe erschließt den zugänglichen Grundtext aller vier Abteilungen: 13 Kapitel Vidyā, acht Kapitel Kriyā, ein Kapitel Yoga und das unvollständig erhaltene erste Kapitel Caryā. Sie bietet 1197 fortlaufende Textpositionen sowie getrennt überlieferte Zitate, Fragmente und Abschlussformeln in Sanskrit und eigener deutscher Übersetzung. Sie ist damit eine Ausgabe des erhaltenen und hier geprüften Bestands; die verlorene Fortsetzung der Caryā-Abteilung wird nicht ergänzt. Fortlaufende Verfasserprosa wurde im aufgenommenen Grundtext nicht gefunden.
Mrigendra Tantra 108 Verse für die spirituelle Praxis · Mrigendra Tantra Sanskrit Devanagari

Hintergrund und Lehre
Name und Überlieferung
Mṛgendra bedeutet „Herr der Tiere“, insbesondere „Löwe“. Die Kommentierung verbindet den Namen mit Indra: Er habe von Vishnu einen Nṛsiṃha-Panzer erhalten und in dieser Gestalt Shivas Unterweisung gehört. Das ist eine traditionelle Erklärung des Titels. Der Grundtext selbst führt das Wissen von Hara, einem Namen Shivas, über Indra zu Bharadvāja und seinen Schülern zurück. Indra kündigt an, eine umfangreichere Kāmika-Lehre in kurzen, ihrem wesentlichen Sinn entsprechenden Lehrsätzen wiederzugeben. Diese Überlieferungserzählung ist keine historische Autorenbiografie.
In der Tradition wird das Werk als Nebenāgama des Kāmika eingeordnet. Nārāyaṇakaṇṭha verwendet auch die Bezeichnung Mṛgendrottara; Nārasiṃha begegnet als zugehörige Traditionsbezeichnung, benennt in anderen Āgama-Listen aber nicht notwendig denselben Text. Die hier verwendeten Titelblätter nennen Mṛgendratantra beziehungsweise Mṛgendrāgama. Das Werk ist von Abhinavaguptas Tantrasāra, seiner Darstellung im Zusammenhang mit dem Tantrāloka, zu unterscheiden. Eine Verfasserschaft Abhinavaguptas wird für den vorliegenden Grundtext nicht behauptet.
Historischer Rahmen
Ein historisch gesicherter menschlicher Verfasser des Grundtextes ist in den benutzten Zeugnissen nicht genannt. Seine genaue Entstehungszeit bleibt offen. Sicher zu unterscheiden sind der bereits vorausgesetzte Grundtext, Nārāyaṇakaṇṭhas ausführliche Vṛtti und spätere Auslegungen. Bhatt ordnet Nārāyaṇakaṇṭha und dessen Sohn Rāmakaṇṭha ungefähr dem 10. Jahrhundert zu. Damit weist die Kommentargeschichte auf einen älteren Grundtext. Bhatts zusätzliche Vermutung, der Text sei jünger als Śaṅkara, ist ein historischer Deutungsvorschlag, keine Datierung durch ein zeitgenössisches Dokument.
Die erhaltenen Handschriften und Drucke bezeugen eine weite Rezeptionsgeschichte. Die Ausgabe des Vidyā- und Yogateils von 1930 enthält Nārāyaṇakaṇṭhas Kommentar. Die kritische Ausgabe von 1962 erschließt Kriyā und die erhaltene Caryā anhand mehrerer Handschriften. Der Herausgeber führt außerdem Zitate in späteren Ritualhandbüchern an. In dieser Ausgabe bleiben solche Einzelzeugnisse vom fortlaufenden Text getrennt. Die 1960 datierte Grundtextabschrift ist ein neuzeitlicher Textzeuge; ihr Kopierdatum datiert nicht das Tantra.
Shiva, Seele und Bindung
Die Schrift unterscheidet Pati, den Herrn, die gebundene Seele und Pasha, ihre Fessel. Shiva ist frei; die Seele verfügt unter der Bindung nur eingeschränkt über Erkenntnis- und Wirkkraft. Befreiung bedeutet, dass diese Begrenzung aufgehoben wird. Die Welt besteht nach Vidyā 6 nicht um ihrer selbst willen oder zum Nutzen eines bedürftigen Schöpfers, sondern für die Erfahrung der Seelen. Der Text verteidigt dabei eine Vielheit von Selbsten und erklärt ausdrücklich, dass nicht ein einziges Selbst in allen Wesen anzunehmen sei.
Darum wäre es ungenau, jede Aussage über „Shiva-Sein“ sofort mit dem nichtdualistischen Advaita Vedanta gleichzusetzen. Ebenso wenig ist das Mṛgendra einfach eine Darstellung des Trika oder ein Handbuch heutigen Kundalini Yoga. Sein eigener Zusammenhang ist der Shaiva Siddhanta mit einer ausgearbeiteten Lehre von Karma, Verunreinigung und Maya als Grundlage der begrenzenden Weltordnung. Die Shakti des Herrn ist seine bewusste Erkenntnis- und Wirkkraft. Sein Mantraleib wird von einem gewöhnlichen materiellen Körper unterschieden.
Gnade und verantwortliche Übung
Vidyā 5 nennt Shiva den Freund der Welt: Er offenbart die Unendlichkeit des Erkennens und Wirkens der Seele, wenn ihre Hemmnisse weichen. Das Herabkommen seiner Kraft zeigt sich unter anderem im Verlangen nach Befreiung, im Vertrauen in die Lehre und in der Verbundenheit mit Shivas Verehrern. Gnade erscheint hier in einem Zusammenhang von Reifung, Eignung und Vermittlung durch den Guru.
Der Ritualteil entfaltet Diksha, die Einweihung, als Lösung von Bindungen und Hinführung zum Herrn. Erkenntnis, Einweihung, tägliche Verehrung und disziplinierte Lebensführung stehen deshalb in einem Verhältnis zueinander. Auch die Lehrbefähigung verlangt konkrete Eigenschaften. Der Text unterscheidet mehrere Initiationsstände und verschiedene Verpflichtungen. Seine Aussagen über befreiende Erkenntnis dürfen nicht zu einem allgemeinen Versprechen umgeschrieben werden, jede beliebige Erfahrung oder jede Rezitation führe ohne Voraussetzungen zur Befreiung.
Innere und äußere Verehrung
Die Kriyā-Abteilung behandelt unter anderem Waschungen, Mantras, Gesten, Feuerverehrung und Einweihung. Die äußere Handlung ist mit inneren Vorgängen verbunden: Der Übende stellt sich gereinigte Körper- und Weltordnungen vor, verehrt den Herrn und richtet seine Aufmerksamkeit durch Mantra und Dharana aus. Die Sanskritbezeichnung Mantra kann sowohl eine Lautform als auch ein bewusstes Mantrawesen innerhalb der kosmischen Hierarchie meinen. Eine Stelle, die einen Mantra nur benennt, enthält noch keinen ausgeschriebenen Rezitationstext.
Das Yogakapitel entfaltet sieben Glieder: Atemlenkung, Zurücknahme der Sinne, Konzentration, Meditation, prüfende Betrachtung, Mantrawiederholung und Versenkung. Yoga selbst ist das Ganze, dem diese Glieder angehören. Diese Zählung ist eigens zu beachten. Die sieben Glieder werden nicht in ein vermeintlich identisches Achtgliedersystem Patañjalis umbenannt.
Ein bemerkenswerter Gedankengang fragt, wie ein formloser Herr Gegenstand der Meditation sein könne. Die Antwort lässt verschiedene Formen zu: Beim Herrn des Alls kann der Geist dort gesammelt werden, wo er zur Ruhe kommt. Zugleich betont die Schrift Übung und das Nachlassen der Leidenschaft. Form, Denken und Sammlung sind damit Gegenstände einer sorgfältigen Untersuchung; bloße Zerstreuung wird nicht als Freiheit ausgegeben.
Lebensführung und historische Grenzen
Die Caryā-Abteilung behandelt Studium, Verhalten gegenüber Lehrenden, tägliche Verpflichtungen und Wiedergutmachung versäumter Pflichten. Neben historisch gebundenen Standes- und Reinheitsregeln steht eine konkrete Aufforderung: Ein erschöpfter, gefangener, kranker oder hungernder Anhänger Shivas soll mit aller verfügbaren Kraft unterstützt werden. Die Hauptübersetzung bewahrt auch zeitgebundene Hierarchien, polemische Aussagen und problematische Ritualinhalte. Die gesonderte Praxisauswahl wird nach ihrer Eignung für heutige spirituelle Betrachtung zusammengestellt.
Heutiges Yoga-Vidya-Video: 6. Chakra-Tantra-Kundalini, Energieerfahrungen und spirituelles Bewusstsein mit Sukadev. Ergänzung zur eigenen Betrachtung; keine Auslegung einer bestimmten Mṛgendra-Stelle.
Sanskrit und Übersetzung
Aufbau der Lesefassung
Der Vidyāpāda beginnt mit der Überlieferung der Lehre, prüft andere Heilslehren und behandelt anschließend den Herrn, seine Tätigkeiten, die Seele, ihre Bindungen, Karma, Māyā, die begrenzenden Kräfte und Erkenntnisformen, die Sinnesvermögen und den kosmischen Weg. Der Kriyāpāda führt durch Mantraerschließung, Reinigung, Verehrung, besondere Zielverehrung, Mudrās, Feuerhandlung, vorbereitende Weihe und Einweihung. Darauf folgen Yoga und Caryā. Die Kapitelbezeichnungen in dieser Lesefassung dienen der Orientierung und beanspruchen keine zusätzlichen Originalverse.
Die Abkürzungen VP, KP, YP und CP bedeuten Vidyā-, Kriyā-, Yoga- und Caryāpāda. Die anschließenden Ziffern nennen Kapitel und Originalposition. Drei Halbverse unter einer Nummer bleiben eine Einheit. Eckige Klammern in der Übersetzung zeigen notwendige Ergänzungen, unsichere Deutungen oder Textgrenzen. Zusatzzeichen und beschädigte Formen des Sanskrit werden bewahrt. Anhang I ist nur vermutungsweise zugehörig; Anhang II enthält ausdrücklich getrennte, in späteren Werken zugeschriebene Zitate. Lemmata und editions- oder handschriftenspezifische Schlussformeln stehen jeweils für sich. Ausführliche Erläuterungen folgen nach der Textausgabe.
Vidyā · Kriyā · Yoga · Caryā · Einzelzeugnisse
Vidyāpāda – Erkenntnis
Kapitel 1
VP 1.1
harādindrakramāyātaṃ jñānaṃ śṛṇuta suvratāḥ //
Übersetzung: Nachdem wir den höchsten Herrn und sodann den Seher Bharadvāja verehrt haben, hört nun, ihr, die ihr eure Gelübde gewissenhaft haltet, das Wissen, das von Hara über Indra zu uns gelangt ist.
VP 1.2
tepuḥ śivaṃ pratiṣṭhāpya tadekāhitamānasāḥ //
Übersetzung: In der heiligen Einsiedelei Nārāyaṇas hatten Bharadvāja und die anderen vedisch Eingeweihten ein Bild Shivas aufgestellt. Sie übten Askese und richteten ihren Geist allein auf ihn.
VP 1.3
tadāśramapadaṃ bheje svayaṃ tāpasaveṣabhṛt //
Übersetzung: Als der Herr der Götter erkannte, dass sie innerlich gereift waren, begab er sich eines Tages selbst zu ihrer Einsiedelei, als Asket verkleidet.
VP 1.4
provāca codanādharmaḥ kimarthaṃ nānuvartyate //
Übersetzung: Sie erwiesen ihm Ehre. Nachdem er sich nach dem Wohlergehen aller erkundigt hatte, sagte er: „Warum befolgt ihr nicht den Dharma, die durch die vedische Vorschrift gebotene Lebensordnung?“
VP 1.5
devatārādhanopāyas tapasābhīṣṭasiddhaye //
Übersetzung: Sie antworteten: „Aber, o Weiser, gerade dieser Dharma ist doch durch die Vorschrift geboten! Er ist ein Weg, die Gottheit zu verehren und durch Askese das ersehnte Ziel zu erreichen.
VP 1.6
sānnidhyakaraṇe 'pyasmin vihitaḥ kālpiko vidhiḥ //
Übersetzung: Im Veda gibt es eine Rudra gewidmete Hymnensammlung; Rudra ist die Gottheit, die sie bezeichnet. Auch für dieses Herbeiführen seiner Gegenwart ist ein Verfahren in den Ritualvorschriften gelehrt.“
VP 1.7
tānāha mithyā jñānaṃ vaḥ śabdamātraṃ hi devatā //
Übersetzung: Obwohl sie so gesprochen hatten, wollte der Herr ihre tiefste Gesinnung kennenlernen. Lächelnd sagte er zu ihnen: „Euer Wissen ist irrig; denn eine Gottheit ist nichts weiter als ein Wort.
VP 1.8
na sā prayāti sāṃnidhyaṃ mūrtatvādasmadādivat //
Übersetzung: Wäre sie etwas anderes als ein Wort, könnte sie nicht bei Opfernden an verschiedenen Orten gleichzeitig gegenwärtig werden. Denn als körperliches Wesen wäre sie wie wir und andere.
VP 1.9
vākyaṃ tadanyathāsiddhaṃ lokavādāḥ kva sādhavaḥ //
Übersetzung: Auch zeigt sich kein unwiderlegtes Erkenntnismittel, das ihre Existenz beweist. Die einschlägigen Schriftworte lassen sich anders erklären. Und wie könnten die Erzählungen der Menschen verlässlich sein?“
VP 1.10
śakreṇa na cacālaiṣāṃ dhīśailaḥ sāragauravāt //
Übersetzung: So bedrängte Indra sie wie ein Meer mit Fluten von Worten, die einen göttlichen Herrn bestritten. Doch der Berg ihrer Einsicht geriet nicht ins Wanken: Zu gewichtig war sein fester Kern.
VP 1.11
viśiṣṭaiśvaryasampannā sāto naitannidarśanam //
Übersetzung: „Die Gestalt einer Gottheit“, antworteten sie, „ist keineswegs wie unser Körper. Sie besitzt eine außergewöhnliche Macht. Daher trifft dein Vergleich nicht zu.
VP 1.12
nādatte ghaṭaśabdo 'mbhaś candraśabdo na rājate //
Übersetzung: Dann müsste dieselbe Überlegung auch für einen Topf gelten: Auch sein Name ist ein Wort, ebenso wie das Wort ‚Indra‘. Doch das Wort ‚Topf‘ nimmt kein Wasser auf, und das Wort ‚Mond‘ leuchtet nicht.
VP 1.13
karmarūpādiśabdānāṃ sārthakatvaṃ katham bhavet //
Übersetzung: Angenommen, die Schriftworte, die von Indra und den anderen Göttern sprechen, bezögen sich auf etwas anderes: Wie könnten dann ihre Ausdrücke für Handlungen, Gestalten und dergleichen einen Sinn haben?
VP 1.14
sa cedamūlo bhūtānāṃ hatāḥ sarvāḥ pravṛttayaḥ //
Übersetzung: Auch alle überlieferten Erzählungen für falsch zu erklären ist nicht vernünftig, denn sie haben eine Grundlage. Hätten sie keinerlei Grundlage, wäre alles Handeln der Wesen zunichte.
VP 1.15
kathaṃ tasya vaco mithyā yasya vaśyaḥ payonidhiḥ //
Übersetzung: Als der Weise Upamanyu Hara schaute, verging sein Kummer. Wie könnte das Wort dessen falsch sein, dem sogar der Milchozean gehorcht?
VP 1.16
huṅkṛtya mocitaḥ patyā dṛṣṭaḥ śveto ghanairjanaiḥ //
Übersetzung: Viele Menschen sahen, wie Śveta von einer Schlangenschlinge umschlossen war, die Reihen von Giftflammen ausstieß, und wie der Herr ihn mit einem Huṃ-Ruf daraus befreite.“
VP 1.17
sāśrugadgadavācastān vīkṣya prīto 'bhavaddhariḥ //
Übersetzung: Während dieser Erörterung erfüllte das Lob Haras sie mit Freude; Tränen kamen ihnen, und ihre Stimmen stockten. Als Indra sie so sah, war er erfreut.
VP 1.18
taruṇādityasaṃkāśaṃ stūyamānaṃ marudgaṇaiḥ //
Übersetzung: Der blitzbewaffnete Gott, Herr der hundert Opfer, zeigte ihnen seine eigene Gestalt. Sie strahlte wie die junge Sonne und wurde von den Scharen der Maruts gepriesen.
VP 1.19
so 'bravīducyatāṃ kāmo jagatsu pravaro 'pi yaḥ //
Übersetzung: Sie verneigten sich und priesen ihn mit den Hymnen des Ṛgveda, den Opferformeln des Yajurveda und den Gesängen des Sāmaveda. Er sagte: „Nennt euren Wunsch, und sei es auch der höchste in allen Welten.“
VP 1.20
kiṃtveko 'stu mama praṣṭā nikhilaśrotṛsammataḥ //
Übersetzung: Sie erwählten das Wissen von Shiva. Er sprach: „So hört! Doch einer soll mir die Fragen stellen, mit dem Einverständnis aller Zuhörer.“
VP 1.21
vāgmī pragalbhaḥ papraccha nyāyataḥ surapūjitam //
Übersetzung: Darauf trat der ehrwürdige Bharadvāja als ihr Sprecher hervor. Gewandt und sicher im Reden, befragte er den von den Göttern Verehrten auf angemessene Weise.
VP 1.22
kiṃ ca cetasi saṃsthāpya nirmame bhagavānidam //
Übersetzung: „Wie ist dieses höchste Wissen von Maheśvara zu uns gelangt? Und welche Absicht hatte der Erhabene im Sinn, als er es hervorbrachte?“
VP 1.23
vidhatte vimalaṃ jñānaṃ pañcasroto 'bhilakṣitam //
Übersetzung: „Zur Zeit der Schöpfung“, antwortete Indra, „bringt der große Herr das makellose Wissen hervor, das durch fünf Ströme gekennzeichnet ist, damit die Menschen ihre Lebensziele erreichen.
VP 1.24
saptakoṭiprasaṃkhyātān mantrāṃśca parame 'dhvani //
Übersetzung: Auf dem höchsten Weg setzt er die acht großen Herren ein, die durch die Wortgruppen dieser Lehre bezeichnet werden, sowie die siebzig Millionen Mantras – hier als bewusste Mantrawesen verstanden –,
VP 1.25
mantreśvarāṇāmūrdhvādhvasthiteśopamatejasām //
Übersetzung: und weitere hundertachtzehn Herren der Mantras, die den Bereich der Māyā verwalten und deren Glanz dem der Herren auf dem höheren Weg gleicht.
VP 1.26
prakāśayatyato 'nyeṣu yo 'rthaḥ samupapadyate //
Übersetzung: In diesen Herren offenbart sich der Erhabene. Er erschließt diese Lehre den dafür Geeigneten, damit sie ihr Ziel erreichen, und den anderen jeweils den Lehrgehalt, der ihnen entspricht.
VP 1.27
kāmadatvātkāmiketi pragītaṃ bahuvistaram //
Übersetzung: Dieses von Shiva verkündete, sehr umfangreiche Wissen wird von den Oberherren sowohl der Mantras als auch der Mantraherren als ‚Kāmika‘ gepriesen, weil es die Wünsche erfüllt.
VP 1.28
dadāvumāpatirmahyaṃ sahasrairbhavasaṃmitaiḥ //
Übersetzung: Nachdem Umāpati, der Gemahl Umās, es von ihnen empfangen hatte, übergab er es mir in elftausend Strophen – er, dessen Augenfeuer den Liebesgott Smara wie einen Baum in Flammen gehüllt hatte.
VP 1.29
vakṣye nirākulaṃ jñānaṃ taduktaireva bhūyasā //
Übersetzung: Ich werde nun auch daraus die Ausführlichkeit weglassen und das Wissen klar darlegen: in Sūtras, kurzen Lehrsätzen, die seinen wesentlichen Sinn ausdrücken, größtenteils genau in den von ihm selbst gesprochenen Worten.“
Kapitel 2
VP 2.1
pūrvavyatyāsitasyāṇoḥ pāśajālamapohati //
Übersetzung: Shiva, seit jeher frei vom Makel, allwirkend und allwissend, entfernt das Netz der Bindungen von der Einzelseele, deren Zustand den zuvor genannten Eigenschaften entgegengesetzt ist.
VP 2.2
sūtreṇaikena saṃhṛtya prāha vistaraśaḥ punaḥ //
Übersetzung: Mit diesem einen Lehrsatz fasste der Herr der Welt das große Tantra zusammen, das drei Grundgegenstände behandelt und aus vier Teilen besteht. Danach legte er es erneut ausführlich dar.
VP 2.3
kṛtyaṃ sakārakaphalaṃ jñeyamasyaitadeva hi //
Übersetzung: Das Entstehen, Bestehen und Vergehen der Welt, die Verhüllung und die Befreiung: Dies ist sein Wirken. Es soll zusammen mit den daran beteiligten Wirkfaktoren und seinen Früchten erkannt werden.
VP 2.4
arvāksiddhe 'navasthā syān mokṣo nirhetuko 'pi vā //
Übersetzung: Der Schöpfer der Welt muss daher aus eigenem Wesen vollkommen sein. Hätte er die Vollkommenheit erst später erlangt, ergäbe sich eine endlose Reihe weiterer Ursachen – oder Befreiung müsste auch ohne Ursache möglich sein.
VP 2.5
sarvataśca yato muktau śrūyate sarvatomukham //
Übersetzung: Bewusstsein besteht im Erkennen und Handeln. Es ist im Selbst immer und in jeder Hinsicht vorhanden; denn von seinem befreiten Zustand wird gelehrt, dass es sich nach allen Seiten erstreckt.
VP 2.6
vaśyo 'nāvṛtavīryasya so 'ta evāvimokṣaṇāt //
Übersetzung: Obwohl dieses Bewusstsein vorhanden ist, zeigt es sich nicht; daraus wird erkannt, dass es gehemmt ist. Gerade weil die Seele sich nicht selbst befreit, steht sie unter der Macht dessen, dessen Kraft unverhüllt ist.
VP 2.7
pāśajālaṃ samāsena dharmā nāmnaiva kīrtitāḥ //
Übersetzung: Die Verhüllung, die Macht des Herrn, das Karma sowie Māyā mit ihren Hervorbringungen: Das ist, kurz gesagt, das vierfache Netz der Bindungen. Seine Wirkweisen sind hier zunächst nur durch die Namen bezeichnet.
VP 2.8
caryāyogakriyāpādair viniyogo 'bhidhāsyate //
Übersetzung: Wie diese drei Wirklichkeiten, deren Wesen im ersten Teil bestimmt wird, in der Praxis anzuwenden sind, wird in den Teilen über Lebensführung, Yoga und Ritual dargelegt werden.
VP 2.9
parāparavibhāgena bhidyete te tvanekadhā //
Übersetzung: Die Frucht dieser Anwendung ist Befreiung; als begleitende Frucht kann auch der Genuss von Erfahrungen eintreten. Beide unterscheiden sich nach höheren und niederen Formen auf vielfältige Weise.
VP 2.10
sasādhanā muktirasti ko viśeṣaḥ śivāgame //
Übersetzung: „Auch im Vedānta, im Sāṃkhya, in der Lehre von Sein und Nichtsein, in der Kategorienlehre und in weiteren Systemen gibt es Befreiung und Mittel, sie zu erreichen. Was ist dann das Besondere an Shivas Offenbarungslehre?“
VP 2.11
upāyāḥ saphalāstadvac chaive sarvamidaṃ param //
Übersetzung: „Weil die Begründer jener Lehren nicht alles schauen, ist ihre Gesamtdarstellung der Wirklichkeit nicht klar; ebenso verhält es sich mit ihren Mitteln und deren Früchten. In Shivas Lehre hingegen ist dies alles von höchster Art.
VP 2.12
pratijñāmātramevedaṃ niścayaḥ kiṃnibandhanaḥ //
Übersetzung: Nach den Vedāntalehren gibt es nur ein einziges Selbst, das sich als Bewusstes und Unbewusstes offenbart. Doch dies ist zunächst bloß eine Behauptung. Worauf gründet die Gewissheit darüber?
VP 2.13
yatraitadubhayaṃ tatra catuṣṭayamapi sthitam //
Übersetzung: Nimmt man dafür ein Erkenntnismittel an, so wird das Selbst zum Gegenstand der Erkenntnis. Wo diese beiden bestehen, ist aber auch die Vierheit vorhanden: Erkennender, Erkenntnismittel, Erkenntnisgegenstand und Erkenntnis.
VP 2.14
bhogasāmyāvimokṣau ca yau neṣṭāvātmavādibhiḥ //
Übersetzung: Damit wäre die Nichtzweiheit aufgegeben; andernfalls fehlte jedes Erkenntnismittel. Zudem folgten die Gleichheit aller Erfahrungen und die Unmöglichkeit der Befreiung – beides wird von den Vertretern einer Selbstlehre nicht gewünscht.
VP 2.15
akartṛbhāvādbhoktuśca svātantryādapyacittvataḥ //
Übersetzung: Auch die Erkenntnislehre des Sāṃkhya ist irrig: Sie hält eine Wirkung für die letzte Ursache, spricht dem Erlebenden das Handeln ab und schreibt dem Unbewussten dennoch selbstständiges Wirken zu.
VP 2.16
saṃvaro nirjaraścaiva bandhamokṣāvubhāvapi //
Übersetzung: In einer weiteren Lehre werden sieben Grundgegenstände angenommen: Seele, Nichtseele und karmischer Zustrom als erste drei, sodann Hemmung des Zustroms, Abbau des Karmas sowie Bindung und Befreiung.
VP 2.17
tadeva sattadevāsad iti kena pramīyate //
Übersetzung: Sie alle werden mit der Einschränkung ‚in gewisser Hinsicht‘ versehen, da keine Aussage ausschließlich gelten soll. Doch wodurch wird erkannt, dass ein und dasselbe seiend und nichtseiend ist?
VP 2.18
asajjaghanyaṃ sacchreṣṭham ityapi bruvate budhāḥ //
Übersetzung: Ist das Seiende etwas anderes als das Nichtseiende, wird damit nur bewiesen, was bereits feststeht. Kundige verwenden ‚asat‘ auch für das Niedrige und ‚sat‘ für das Vortreffliche.
VP 2.19
atha cetsadasadbhāvaḥ sadāyuktataro mataḥ //
Übersetzung: Auch dann bestehen nicht beide im selben Bezug; sie gelten jeweils nur in Abhängigkeit von einem Vergleich. Soll hingegen Sein und Nichtsein schlechthin zusammen bestehen, wäre diese Ansicht stets umso widersinniger.
VP 2.20
sāmānyetarasambandhajñānābhāvādacetasaḥ //
Übersetzung: Aus Furcht vor einer Vermischung der karmischen Wirkungen lehrten sie außerdem, dass die Seele nicht alles durchdringe. In ihrer Unverständigkeit erkennen sie nicht den Unterschied zwischen einer allgemein bestehenden Verbindung und einer besonderen.
VP 2.21
sa vikāsādidharmā cet tato doṣaparamparā //
Übersetzung: Wie könnte etwas, das zuvor nicht alles durchdrang, am Ende von anderer Art sein? Unterläge es Ausdehnung und ähnlichen Veränderungen, ergäbe sich daraus eine ganze Reihe von Widersprüchen.
VP 2.22
rāgadveṣau mamatvaṃ ca tadviśeṣaguṇāstataḥ //
Übersetzung: Nach einer anderen Lehre schwindet das falsche Wissen durch die genaue Erkenntnis der sechs Kategorien. Dann schwinden Anhaften, Abneigung und das Gefühl des ‚Mein‘ sowie die besonderen Eigenschaften der Seele,
VP 2.23
sā muktirjaḍatārūpā tato muktaḥ śavo na kim //
Übersetzung: und zwar nach und nach, weil sie aus der Verbindung mit dem Körper entstehen. Eine solche Befreiung bestünde in Bewusstlosigkeit. Warum sollte dann nicht auch ein Leichnam als befreit gelten?
VP 2.24
vyajyate jāyamānaiva kṣaṇiketi matā paraiḥ //
Übersetzung: Andere halten das Bewusstsein für augenblicklich: Weil die Handlungen und die übrigen Bedingungen, durch die es hervortritt, nur einen Augenblick bestehen, trete es immer wieder als gerade neu entstandenes Bewusstsein hervor.
VP 2.25
sthitirniranvaye nāśe na smṛternāpi karmaṇaḥ //
Übersetzung: Das trifft nicht zu, denn die Folgen früherer Taten werden erfahren, und an vergangene Erfahrungen wird erinnert. Bei einer Vernichtung ohne jede Fortdauer hätten weder Erinnerung noch Karma Bestand.
VP 2.26
na cāstyanubhavaḥ kaścid bhavāvasthā varaṃ tataḥ //
Übersetzung: Dann verschwände das Übel der Vernichtung selbst in der Befreiung nicht, und keinerlei Erfahrung bliebe bestehen. Demgegenüber wäre sogar der Zustand im Daseinskreislauf vorzuziehen.
VP 2.27
apavargamabhīpsanti khadyotātpāvakārthinaḥ //
Übersetzung: Wer mit unverständigem Geist Befreiung in den Lehren solcher von Unwissenheit Verblendeten sucht, gleicht einem Menschen, der von einem Glühwürmchen Feuer erhalten möchte.
VP 2.28
yā vā kāścinmuktayaḥ pāśajanyās tāstāḥ sarvā bhedamāyānti sṛṣṭau //
Übersetzung: Die Loslösung durch die Unterscheidung von Seele und Urnatur, das Ruhen in der Überzeugung, alles sei Brahman, und welche anderen Formen der Befreiung auch immer aus Bindungen hervorgehen: Sie alle enden, wenn die Schöpfung erneut beginnt.
VP 2.29
viśvānarthānsvena viṣṭabhya dhāmnā sarveśānānīśitaḥ sarvadāste //
Übersetzung: Der in Shivas Lehre Vollendete erstrahlt über den anderen. Wer in ihr befreit ist, kehrt bei einer neuen Schöpfung nicht wieder in die niederen Bereiche zurück. Durch seine eigene Kraft hält er alle Dinge unter seiner Macht und besteht für immer, ohne selbst vom Herrn über alles gelenkt zu werden.“

Kapitel 3
VP 3.1
kartāramasya jānīmo viśiṣṭamanumānataḥ //
Übersetzung: Wir nehmen den Körper und die übrigen Dinge als etwas wahr, das die Eigenschaft einer Wirkung besitzt. Daraus erschließen wir für sie einen Schöpfer von besonderer Art.
VP 3.2
yadyathā yādṛśaṃ yāvatkāryaṃ tatkāraṇaṃ tathā /
nityaṃ kālānavacchedādvaitatyānna pradeśagam //
Übersetzung: Dass die Besonderheit einer Wirkung auf eine entsprechende Besonderheit ihrer Ursache schließen lässt, zeigt sich auch im gewöhnlichen Weltlauf. Wie eine Wirkung beschaffen ist, auf welche Weise sie entsteht und wie weit sie reicht, so ist auch ihre Ursache. Diese ist ewig, weil sie durch keine Zeit begrenzt wird, und wegen ihrer allumfassenden Ausdehnung auf keinen einzelnen Ort beschränkt.
VP 3.3
tasyāsti karaṇaṃ yena dṛṣṭā nākaraṇā kṛtiḥ //
Übersetzung: Weil Wirkungen nacheinander und zugleich entstehen, besitzt sie die Kraft, beides hervorzubringen. Dem Schöpfer steht ein Werkzeug zur Verfügung; denn eine Tätigkeit ohne Werkzeug wird nicht beobachtet.
VP 3.4
karaṇaṃ ca na śaktyanyac chaktirnācetanā citaḥ //
Übersetzung: Dieses Werkzeug muss als etwas verstanden werden, das er nicht erst später erwirbt, denn die Folge seiner Wirkungen ist ohne Anfang. Sein Werkzeug ist nichts anderes als seine Kraft; und die Kraft eines bewussten Wesens ist nicht unbewusst.
VP 3.5
kāryaṃ na sthitijanmādi bījasya prakṛteraṇoḥ //
Übersetzung: Weil die Gegenstände seines Erkennens keiner Einschränkung unterliegen, ist dieses Werkzeug eines; ebenso verhält es sich bei seinem Wirken. Das Erhalten, Hervorbringen und die übrigen Vorgänge der Welt sind weder das Werk eines Samens noch das der Urnatur oder der begrenzten Einzelseele.
VP 3.6
sambandhāgrahaṇe bādhā mānasyābhyeti kasyacit //
Übersetzung: Durch Ausschluss der anderen Möglichkeiten ergibt sich: Sie sind das Werk des von Bindung freien Großen Herrn. Dieser ist Shiva. Jemand wendet ein: Wenn die Verbindung zwischen Wirkung und Ursache nicht wahrgenommen worden ist, verliert der Schluss seine Beweiskraft.
VP 3.7
loke vapuṣmato dṛṣṭaṃ kṛtyaṃ so 'pyasmadādivat //
Übersetzung: Diese Schwierigkeit trifft auch den Gegner: Der Rauch auf dem Berg ist ein anderer als der in einer Küche oder an ähnlichen Orten. Ein weiterer Einwand lautet: In der Welt sehen wir Tätigkeit nur bei verkörperten Wesen; also müsste auch er so beschaffen sein wie wir.
VP 3.8
tadvapuḥ pañcabhirmantraiḥ pañcakṛtyopayogibhiḥ //
Übersetzung: Da eine materielle Wurzel und die übrigen Voraussetzungen eines solchen Körpers bei ihm nicht bestehen können, ist der Leib des Herrn von anderer Art: Er besteht aus Kraft. Dieser Leib wird durch fünf Mantras ausgedrückt, die den fünf Tätigkeiten dienen.
VP 3.9
īṣṭe yena jagatsarvaṃ guṇenoparivartinā //
Übersetzung: Īśa, Tatpuruṣa, Aghora, Vāma und Aja entsprechen seinem Haupt und den übrigen Körperbereichen. Die übergeordnete Eigenschaft, durch die er die ganze Welt beherrscht —
VP 3.10
tasya tasya tanuryā pūs tasyāmuṣati yena saḥ //
Übersetzung: — heißt sein Haupt, weil sie dessen höchste Stellung einnimmt; sie ist kein Glied eines Körpers. Der Leib eines jeden Wesens ist eine Stadt, in der er durch eine bestimmte Kraft wohnt.
VP 3.11
hṛdayaṃ bodhaparyāyaḥ so 'syāghoraḥ śivo yataḥ //
Übersetzung: Weil er durch diese Kraft jene Stadt schützt und Erkenntnis offenbar werden lässt, heißt sein Gesicht Tatpuruṣa. Das Herz ist eine andere Bezeichnung für Erkenntnis. Diese ist bei ihm Aghora, ‚nicht schrecklich‘, weil sie heilvoll ist.
VP 3.12
vāmastrivargavāmatvād rahasyaśca svabhāvataḥ /
vāmaṃ dhāma paraṃ guhyaṃ yasyāsau vāmaguhyakaḥ //
Übersetzung: Weil der von ihm in Dienst genommene Rudra schrecklich ist, wird auch er in übertragenem Sinn ‚schrecklich‘ genannt. Vāma heißt er, weil er die Seelen durch die drei weltlichen Ziele hinabstößt; seinem Wesen nach ist er verborgen. Da Vāma seine höchste, verborgene Kraft ist, heißt er ‚der Vāma als Schamglied hat‘.
VP 3.13
sadyo mūrtīryogināṃ vā vidhatte sadyomūrtiḥ kṛtyaśaighryānna mūrteḥ //
Übersetzung: Weil auf seinen Willen hin die Körper der Einzelseelen sogleich entstehen, trägt er den Namen Sadyo, ‚sogleich‘. Oder: Er verleiht den Yogins sogleich ihre Körper. ‚Sadyo als Gestalt habend‘ heißt er wegen der Schnelligkeit seines Wirkens, nicht wegen eines augenblicklichen Entstehens seiner eigenen Gestalt.
VP 3.14
tasyā bhedā ye 'pi vāmādayaḥ syus te 'pi proktāḥ kṛtyabhedena sadbhiḥ //
Übersetzung: So wird seine Kraft, die die Aufgaben eines Körpers erfüllt, mit Wörtern für einen Körper bezeichnet, obwohl ein solcher Körper nicht vorhanden ist. Auch ihre als Vāma und anders benannten Unterscheidungen haben die Weisen nach den verschiedenen Tätigkeiten beschrieben.
Kapitel 4
VP 4.1
karoti sarvadā kṛtyaṃ yadā yadupapadyate //
Übersetzung: Mit einer solchen Gestalt vollbringt er durch dieses Werkzeug von ungehinderter Kraft jederzeit das Werk, das jeweils ansteht.
VP 4.2
vāmādiśaktibhiryuktaṃ saptakoṭiparicchadam //
Übersetzung: Zuerst macht er aus den dafür geeigneten, von den übrigen Bindungen gelösten Einzelseelen eine Gruppe von acht Herren. Er stattet sie mit den Kräften Vāma und den weiteren Kräften aus und gibt ihnen siebzig Millionen Mantrawesen als Gefolge.
VP 4.3
ekanetraikarudrau ca trimūrtiścāmitadyutiḥ //
Übersetzung: Zu ihnen gehören Ananta, Sūkṣma, Śivottama, Ekanetra, Ekarudra und Trimūrti von unermesslichem Glanz —
VP 4.4
īṣadaprāptayogatvān niyojyāḥ parameṣṭhinaḥ //
Übersetzung: — ferner Śrīkaṇṭha und Śikhaṇḍin: Herren über die Herren der Könige von Königen. Weil ihnen zur Verbindung mit dem höchsten Zustand noch ein Weniges fehlt, unterstehen sie den Weisungen des Höchsten.
VP 4.5
parasparaṃ viśiṣyante mantrāścaivamadhaḥ sthitāḥ //
Übersetzung: Obwohl sie Allwissenheit und die übrigen Fähigkeiten besitzen, bleiben sie wegen eines Restes der Verunreinigung weisungsgebunden. Sie sind einander an Rang überlegen; ebenso bestehen Rangunterschiede zwischen den unter ihnen stehenden Mantrawesen.
VP 4.6
kurvantyanugrahaṃ puṃsāṃ yadā yeṣāṃ sa yujyate //
Übersetzung: Angetrieben von Shivas Kraft, die durch die Mantraherren offenbar wird, erweisen diese Mantrawesen den Seelen Gnade, jeweils dann, wenn diese dafür geeignet sind.
VP 4.7
kṛtvādhikāraṃ sthityante śivaṃ viśati seśvaram //
Übersetzung: Die Hälfte von ihnen bedarf des Körpers eines vermittelnden Lehrers. Nachdem sie im gesamten Weltenweg ihren Auftrag erfüllt hat, geht diese Gruppe am Ende der Erhaltungszeit zusammen mit ihren Herren in Shiva ein.
VP 4.8
kṛtvādhikāramīśeṣṭam apaiti svādhvasaṃhṛtau //
Übersetzung: Die andere Hälfte erfüllt den vom Herrn gewünschten Auftrag ohne einen solchen Träger unterhalb der höchsten Wirkung, der reinen Erkenntnisstufe Śuddhavidyā. Wenn ihr eigener Wirkungsbereich aufgelöst wird, gelangt auch sie zur Befreiung.
VP 4.9
kalādyārabdhadehānāṃ karotyaṣṭādaśaṃ śatam //
Übersetzung: Danach bringt er, durch Ananta und die übrigen offenbar wirkend, aus dem Knotenprinzip Māyā hundertachtzehn Herren hervor, deren Körper aus Kalā und den folgenden Prinzipien gebildet sind.
VP 4.10
yebhyaḥ sarvamidaṃ yeṣāṃ śaktiḥ karmanibandhanā //
Übersetzung: Indem der Erhabene auch in diese eingeht, setzt er die noch mit Verunreinigung behafteten Weltenherrscher ein. Aus ihnen geht diese ganze Welt hervor; ihre Macht bleibt an das Karma gebunden.
VP 4.11
svasādhyakārakopetān kāladhāmāvadhisthitān //
Übersetzung: Er bringt auch die Verkünder der Lehren für gebundene Seelen hervor und die gebundenen Seelen, die ihnen folgen. Sie sind mit den jeweils angestrebten Zielen und den Mitteln zu deren Verwirklichung ausgestattet und bestehen innerhalb festgesetzter Grenzen von Zeit und Weltbereich.
VP 4.12
yunakti svārthasiddhyarthaṃ bhūtairanabhilakṣitaḥ //
Übersetzung: Während der Erhaltungszeit durchdringt er sie samt ihren Mitteln mit seiner eigenen Kraft und setzt sie zur Verwirklichung des jeweiligen Ziels ein, ohne von den Wesen erkannt zu werden.
VP 4.13
tacca sātmakamākramya viśramāyāvatiṣṭhate //
Übersetzung: Dann zieht er die Mittel der Erfahrung zurück und lässt sie in ihrer Ursache aufgehen. Er durchdringt diese Ursache zusammen mit den in ihr ruhenden Seelen und verweilt, um ihnen Ruhe zu gewähren —
VP 4.14
svāpāvasānamāsādya punaḥ prāgvatpravartate //
Übersetzung: — ihnen, die durch das Dasein im Kreislauf erschöpft sind; denn er wirkt zum Wohl aller Wesen. Ist das Ende dieser Ruhe erreicht, setzt er sein Wirken wie zuvor wieder fort.
VP 4.15
māyāśaktīrvyaktiyogyāḥ prakurvan paśyansarvaṃ yadyathā vastujātam //
Übersetzung: Auch während der Weltenruhe bleibt er tätig: Er erweckt die zur Erkenntnis Geeigneten, hält diejenigen zurück, die noch zurückzuhalten sind, lässt das Karma der karmisch Gebundenen reifen und bereitet die Kräfte der Māyā auf ihre Offenbarung vor. Dabei erkennt er jedes Ding so, wie es beschaffen ist.
Kapitel 5
VP 5.1
vyanakti dṛkkriyānantyaṃ jagadbandhuraṇoḥ śivaḥ //
Übersetzung: Wenn die Herrschaft der Verunreinigung und der zurückhaltenden Kraft endet und diese von der Seele abfallen, offenbart Shiva, der Freund der Welt, die Unendlichkeit ihres Erkennens und Wirkens.
VP 5.2
saṃhṛtau vā samudbhūtāv aṇavaḥ patayo 'thavā //
Übersetzung: Diejenigen, die er während der Weltenruhe befreit, werden sogleich zu Shivas. Das gilt auch für die Befreiung während der Auflösung oder des Entstehens der Welt; doch können Seelen dann auch als Einzelseelen oder als Herren eingesetzt werden.
VP 5.3
sthitau yānanugṛhṇāti gurumāsthāya cidvataḥ //
Übersetzung: Die bewussten Wesen, denen er während der Erhaltungszeit Gnade erweist, indem er sich eines Gurus bedient, erlangen die Stufen der Rudras, der Mantrawesen, der Mantraherren oder Īśānas.
VP 5.4
teṣāṃ talliṅgamautsukyaṃ muktau dveṣo bhavasthitau //
Übersetzung: Wenn seine Kraft auf verkörperte Wesen herabkommt, um sie aus der Bindung zurückzuführen, zeigen sich diese Zeichen: ein lebhaftes Verlangen nach Befreiung und Abneigung gegen das Verbleiben im Daseinskreislauf —
VP 5.5
anenānumitiḥ śiṣṭahetoḥ sthūladhiyāmapi //
Übersetzung: — ferner Hingabe an Shivas Verehrer und Vertrauen in die Ordnung, die seine Lehre vermittelt. An diesen Zeichen können selbst Menschen von wenig feinem Verständnis auf die noch verbleibende Ursache der Bindung schließen.
VP 5.6
jyeṣṭhādiphalayogyānāṃ sādhikārāsu muktiṣu //
Übersetzung: Bei denen, die durch die Erkenntnislehren der gebundenen Seele und durch Yoga Vollendung erlangt haben, sind die beiden Verhaltensäußerungen von Zuneigung und Abneigung ausgeglichen. Ebenso verhält es sich bei den für die höchsten und die weiteren Früchte geeigneten Anwärtern auf Befreiungszustände, die noch mit einem Amt verbunden sind.
VP 5.7
dvayorvyatikaraḥ kaścic cyutisiddhivilakṣitaḥ //
Übersetzung: Diese drei Stufen werden jedoch anhand der Unterschiede in den Mitteln und in der Hingabe an sie ermittelt. Bei zweien gibt es Zwischenfälle, die sich als Verlust einer Stufe oder als Erlangen einer höheren zeigen.
VP 5.8
bhavantyetāni liṅgāni kiṃcicchiṣṭe ca dehinām //
Übersetzung: Diese Zeichen treten bei den Verkörperten auf, wenn die hemmende Tätigkeit des Herrn der Finsternis ein wenig aufgehört hat, wenn sie zur Hälfte aufgehört hat oder wenn nur noch ein kleiner Rest von ihr besteht.
VP 5.9
svāpe'ṇumanugṛhṇāti sādhikāramidaṃ yataḥ //
Übersetzung: Während der Weltenruhe erweist der Große Herr den Einzelseelen Gnade, indem er über alle diese drei Arten der Eignung hinausgeht; denn diese Dreiteilung betrifft Zustände mit einem Amt.
VP 5.10
sa yadvyapāsya kriyate tadvidho yo 'ṇurucyate //
Übersetzung: Am Anfang der Schöpfung und bei der dritten Form der Auflösung der Elemente wirkt diese Gnade wie während der Weltenruhe. Als Einzelseele wird hier das Wesen bezeichnet, das durch Beseitigung seiner Bindung in jenen Zustand versetzt wird.
VP 5.11
na yogyatāṅgamabhajat sadyaḥ syādauṣadhādivat //
Übersetzung: Ebenso lässt er durch sein Einwirken den Samen des Körpers und der übrigen Erfahrungsgrundlagen reifen. Ohne die Bedingungen zu erhalten, die es dazu befähigen, würde dieses Karma nicht sogleich fruchtbar, ebenso wenig wie ein Heilmittel ohne die erforderliche Zubereitung.
VP 5.12
dharmasāmānya evāyaṃ sarvasya pariṇāminaḥ //
Übersetzung: Auch wenn es zur Reifung geeignet ist, vermag es sich nicht aus eigener Kraft selbst zur Reife zu bringen. Das ist eine allgemeine Eigenschaft alles dessen, was der Veränderung unterliegt.
VP 5.13
yo yajjānāti kurute sa tadeveti susthitam //
Übersetzung: Weil er alles bewirkt, ist er allwissend und kennt auch die Mittel, ihre Bestandteile und ihre Ergebnisse. Denn fest steht: Wer etwas hervorbringt, vollbringt eben das, was er kennt.
VP 5.14
tanna sāṃśayikaṃ tasmād viparītaṃ na jātucit //
Übersetzung: Weil sein Wissen von keiner Hülle bedeckt ist, bedarf es keines Mittels, das es erst offenbar macht. Darum ist es weder zweifelhaft noch jemals verkehrt.
VP 5.15
vyañjakasyānurodhena tāni syurvyāhatānyapi //
Übersetzung: Erkenntnisse dagegen, die von den Kräften der Verunreinigung verhüllt sind, bedürfen eines Mittels zu ihrer Offenbarung. Weil sie von diesem Mittel abhängen, können sie auch beeinträchtigt sein.
VP 5.16
jñānamābhāti vimalaṃ sarvadā sarvavastuṣu //
Übersetzung: Shivas Erkenntnis ist weder Sinneswahrnehmung noch Schlussfolgerung aus einem Anzeichen noch Erkenntnis aus Worten. Sie leuchtet rein zu jeder Zeit und in Bezug auf alle Dinge.
VP 5.17
kartṛtvaṃ tadabhinnatvāt tadvadevopacārataḥ //
Übersetzung: Diese Erkenntnis ist eine; doch wegen der Unendlichkeit ihrer Gegenstände erscheint sie in unendlich vielen Unterscheidungen. Weil sein Wirken von ihr nicht verschieden ist, gilt dieselbe Vielheit auch für dieses, in übertragener Redeweise.
VP 5.18
te mocayanti bhavino bhavapaṅkamagnān no vistareṇa puruṣāḥ paśupāśarūpam //
Übersetzung: Wer das Wesen des Herrn anhand der hier knapp gegebenen Darlegungen seiner Existenz, seiner eigenen Natur, seines Werkzeugs, seines Zwecks, seiner Tätigkeiten und seines Erkennens versteht, befreit die im Schlamm des Daseinskreislaufs versunkenen Wesen. Das vermögen nicht jene Menschen, die lediglich das Wesen der gebundenen Seele und ihrer Fesseln ausführlich kennen.
Kapitel 6
VP 6.1
tadīśoktau gataprāyaṃ tathāpyuddeśa ucyate //
Übersetzung: Nun ist die Bestimmung des Selbst an der Reihe, um dessentwillen die Welt besteht. Sie ist bei der Darlegung des Herrn bereits weitgehend enthalten; dennoch soll sie hier ausdrücklich zusammengefasst werden.
VP 6.2
na svārthamapyacidbhāvān nānarthyaṃ kartṛgauravāt //
Übersetzung: Die Erde und die übrigen Weltbestandteile sind Wirkungen; ihr Schöpfer ist der Herr. Sie dienen nicht dem Nutzen ihres Schöpfers. Sie dienen auch nicht sich selbst, denn sie sind unbewusst; zwecklos sind sie ebenfalls nicht, angesichts der Erhabenheit dessen, der sie hervorbringt.
VP 6.3
paro dehastadarthatvāt parārthāḥ kṣmādayo nanu //
Übersetzung: Durch Ausschluss der anderen Möglichkeiten ergibt sich: Sie bestehen für einen anderen. Dieser von Schöpfer und Wirkung verschiedene andere ist der Kenner des Feldes, das Selbst. Einwand: Ist dieser andere nicht einfach der Körper? Die Erde und das Übrige würden doch bereits für einen anderen bestehen, wenn sie dem Körper dienten.
VP 6.4
cetanaścenna bhogyatvād vikāritvācca jātucit //
Übersetzung: Antwort: Gerade auch der Körper muss für einen anderen bestehen, weil er unbewusst ist. Einwand: Wenn er aber bewusst wäre? Antwort: Das ist keineswegs der Fall, denn er ist ein Gegenstand der Erfahrung und unterliegt Veränderungen.
VP 6.5
yasminsati ca sattvādvā na satyapi śave citiḥ //
Übersetzung: Wir sehen an Tüchern und ähnlichen Dingen, dass Gegenstände der Erfahrung, die sich verändern, ohne Bewusstsein sind. Einwand: Könnte Bewusstsein nicht zum Körper gehören, weil es vorhanden ist, wenn der Körper vorhanden ist? Antwort: Nein; auch bei vorhandenem Leichnam gibt es dort kein Bewusstsein.
VP 6.6
nāpyevaṃ supratītatvāt smartā kāyetaro'styataḥ //
Übersetzung: Einwand: Es könnte aufgrund einer besonderen Umwandlung des Körpers entstehen. Antwort: Dann wäre Erinnerung nicht möglich. Dass sie fehlte, trifft jedoch ebenfalls nicht zu, denn ihr Vorhandensein ist sicher bekannt. Also gibt es ein vom Körper verschiedenes Wesen, das sich erinnert.
VP 6.7
nākartā bhinnacidyogī pāśānte śivatāśruteḥ //
Übersetzung: Dieses Selbst ist allgegenwärtig und nicht bloß augenblicklich; es ist nicht ein einziges Selbst in allen Wesen und seinem Wesen nach nicht unbewusst. Es ist weder untätig noch mit einem von ihm verschiedenen, erst hinzutretenden Bewusstsein verbunden. Denn die Überlieferung lehrt sein Shiva-Sein, wenn seine Fesseln enden.
Kapitel 7
VP 7.1
yeṣāmapāye patayo bhavanti jagato 'ṇavaḥ //
Übersetzung: Nun werden die Fesseln, beginnend mit dem Nichtwissen, in ihren Grundzügen erklärt. Wenn sie verschwinden, werden die Einzelseelen zu Herren der Welt.
VP 7.2
svābhāvikaṃ cenmukteṣu muktaśabdo nivartate //
Übersetzung: Wenn es keine Fesseln gäbe, müsste erklärt werden, worauf die Abhängigkeit der Seele beruht. Wäre sie ihre angeborene Natur, so hätte bei den Befreiten das Wort ‚befreit‘ keinen Sinn mehr.
VP 7.3
etāvatī te baddhatvamuktatve baddhamuktayoḥ //
Übersetzung: Wir sehen Selbstbestimmung bei dem, der frei von Bindung ist, und Fremdbestimmung bei dem Gebundenen. Darin bestehen Gebundenheit und Befreiung des Gebundenen und des Befreiten.
VP 7.4
muktisādhanasaṃdoho vyartho 'lamanayā dhiyā //
Übersetzung: Diese Abhängigkeit ist die Gebundenheit. Wäre sie ebenso ewig wie das Bewusstsein und die übrigen Wesenseigenschaften, dann wäre die ganze Fülle der Befreiungsmittel vergeblich. Genug also mit dieser Auffassung!
VP 7.5
pāśavaṃ śāmbhavaṃ vāpi nānviṣyatyanyathā balam //
Übersetzung: Obwohl die Seele ein unvergänglicher, allgegenwärtiger Schatz an Bewusstseinskraft ist, sucht sie zur Erreichung ihrer Ziele nach einer Kraft, die dem gebundenen Zustand oder Shiva zugehört. Ohne eine Verhüllung würde sie das nicht tun.
VP 7.6
paryāyairbahubhirgītam adṛṣṭaṃ paśubhiḥ sadā //
Übersetzung: Diese den gebundenen Seelen stets verborgene Verhüllung der Einzelseele wird in Shivas fünfströmiger Lehre mit vielen Namen bezeichnet:
VP 7.7
avidyāvṛtirugglānipāpamūlakṣapādibhiḥ //
Übersetzung: Gebundensein, Nebel der gebundenen Seele, Tod, Betäubung, Verunreinigung, dunkler Überzug, Nichtwissen, Hülle, Krankheit, Ermattung, Wurzel des Übels, Nacht und weitere.
VP 7.8
pratyātmasthasvakālāntāpāyiśaktisamūhavat //
Übersetzung: Sie ist für alle Wesen eine einzige: ohne Anfang, dicht und weit ausgedehnt. Sie besitzt eine Vielzahl von Kräften, die in den einzelnen Seelen liegen und jeweils am Ende ihrer eigenen Wirkungszeit weichen.
VP 7.9
ruṇaddhi muktānevaṃ cen mokṣe yatnastato mṛṣā //
Übersetzung: Diese Verhüllung besteht ohne Anfang. Träte sie erst später hinzu, müsste ihre Ursache angegeben werden. Würde sie ohne eine solche Ursache hinzutreten, könnte sie auch die Befreiten wieder hemmen. Wäre das so, dann wäre das Bemühen um Befreiung vergeblich.
VP 7.10
kintu tacchaktayo 'nekā yugapanmuktyadarśanāt //
Übersetzung: Die Verunreinigung ist eine einzige; denn etwas, das als Vielheit dieser Art besteht, hat einen Ursprung. Ihre Kräfte jedoch sind viele, weil wir keine gleichzeitige Befreiung aller Seelen beobachten.
VP 7.11
dharmānuvartanādeva pāśa ityupacaryate //
Übersetzung: Die heilvolle Kraft des Großen Herrn erweist allen Gnade. Nur weil sie die hemmende Wirkungsweise jener Kräfte unterstützt, wird sie in übertragener Redeweise ebenfalls ‚Fessel‘ genannt.
VP 7.12
yadonmīlanamādhatte tadānugrāhikocyate //
Übersetzung: Sie lässt diese Kräfte sich wandeln, bis ihre Hemmung endet. Wenn sie durch den Erkenntnisglanz der Sonne des Hauptes die Seele sich entfalten lässt, heißt sie die Gnade erweisende Kraft.
VP 7.13
yugapanna kṣamaṃ śaktiḥ sarvānugrāhikā katham //
Übersetzung: Einwand: Bewusstsein und das Übrige sollen von Shambhu gefördert werden. Weil sie einander entgegenstehen, können sie nicht gleichzeitig gefördert werden. Wie kann seine Kraft dann allen Gnade erweisen?
VP 7.14
apakārakamāviśya yujyate tunnatodanam //
Übersetzung: Wie wäre es für den Herrn der Welt, der zum Wohl der Wesen wirkt, angemessen, in das Schädigende einzugehen und dadurch die bereits Gequälten nochmals zu quälen?
VP 7.15
kintu yatkriyate kiñcit tadupāyena nānyathā //
Übersetzung: Antwort: Er fördert die Verunreinigung nicht, um die Einzelseele zu quälen. Vielmehr wird alles, was zu vollbringen ist, durch ein geeignetes Mittel vollbracht und nicht anders.
VP 7.16
adhikāro 'pi tacchakteḥ pariṇāmānnivartate //
Übersetzung: Solange die Finsternis noch ihre Herrschaft ausübt, wird niemand befreit. Ihre Herrschaft endet wiederum durch eine Wandlung ihrer Kraft.
VP 7.17
sarvathā sarvadā yasmāc citprayojyamacetanam //
Übersetzung: Auch diese Wandlung entsteht nicht von selbst, selbst bei einem dafür geeigneten Gegenstand. Denn das Unbewusste muss in jeder Hinsicht und zu jeder Zeit durch Bewusstsein in Tätigkeit gesetzt werden.
VP 7.18
koṭāviṣṭārthadāyitvād duḥkhahetuḥ pratīyate //
Übersetzung: Es ist wie bei einem Arzt: Er gilt nicht als Urheber des Leides, auch wenn er dem Kranken mit Ätzmitteln und ähnlichen Behandlungen Schmerzen zufügt, weil er ihm am Ende das erwünschte Ergebnis verschafft.
VP 7.19
na ca yatrāsti kartavyaṃ tasminnaudāsyameti saḥ //
Übersetzung: Weil der Große Herr allgegenwärtig ist, wird sein Lenken durch nichts behindert. Wo etwas zu tun ist, verharrt er nicht in Untätigkeit.
VP 7.20
na so 'sti kasyacijjātu yaḥ patyā nānuvartate //
Übersetzung: Einem Träger von Eigenschaften Gnade zu erweisen bedeutet, seine jeweilige Eigenschaft zu unterstützen. Niemals gibt es bei irgendeinem Wesen oder Ding eine Eigenschaft, deren Wirken der Herr nicht trägt.
VP 7.21
paśoranugraho 'nyasya tādarthyādasti karmaṇaḥ //
Übersetzung: Der Seele wächst die Gnade zu, wenn die Kraft ihres verhüllenden Nebels ihre Herrschaft verloren hat. Auch dem anderen, dem Fesselwerk, kommt Förderung zu, weil dessen Tätigkeit auf dieses Ziel ausgerichtet ist.
VP 7.22
malasya sādhikārasya nivṛttestatparicyutau //
Übersetzung: Wenn die Herrschaft der Verunreinigung endet und die hemmende Kraft weicht, unterstützt er die beiden Eigenschaften: das Erkennen der Seele und die Wandlungsfähigkeit der Fesseln.
VP 7.23
māyāyāḥ sādhikārāyāḥ karmaṇaścokta eva saḥ //
Übersetzung: So lässt sich diese gleichzeitige Förderung aufgrund der aufeinanderfolgenden Vorgänge durchaus erklären. Dasselbe gilt für die noch wirksame Māyā und für das Karma; auch ihre Förderung ist damit bereits erklärt.
Kapitel 8
VP 8.1
nimittamāgāmibhāvād yato nāgāmyahetumat //
Übersetzung: Nun lässt sich für die Verbindung des Bewusstseins mit Sinnen, Körper und Gegenständen eine Ursache erschließen: Diese Verbindung tritt erst hinzu, und nichts neu Hinzutretendes ist ohne Ursache.
VP 8.2
pratipuṃniyatatvācca santatatvācca tadguṇam //
Übersetzung: Weil diese Verbindung örtlich begrenzt, verschiedenartig und vergänglich ist, weil sie jeder einzelnen Seele eigens zugeordnet ist und sich in einer fortlaufenden Folge erneuert, besitzt auch ihre Ursache entsprechende Eigenschaften.
VP 8.3
karma vyāpārajanyatvād adṛṣṭaṃ sūkṣmabhāvataḥ //
Übersetzung: Weil diese Ursache vom Herrn, vom Nichtwissen und den übrigen Bedingungen abhängt, heißt sie eine mitwirkende Ursache. Weil sie durch Tätigkeit hervorgebracht wird, heißt sie Karma, ‚das Getane‘; wegen ihrer Feinheit heißt sie auch ‚das Ungesehene‘.
VP 8.4
tatsatyānṛtayonitvād dharmādharmasvarūpakam //
Übersetzung: Das Karma bringt hervor, erhält und wird durch seine Früchte erfahren. Es verfügt über drei Mittel, angefangen beim inneren Denken: Denken, Sprechen und körperliches Handeln. Weil es aus wahrhaftigem oder unwahrhaftigem Handeln entspringt, hat es die Gestalt von Dharma oder Adharma, Verdienst oder Verfehlung.
VP 8.5
māyāyāṃ vartate cānte nābhuktaṃ layameti ca //
Übersetzung: Während der Weltenruhe gelangt es zur Reife; bei der Schöpfung kommt es zur Anwendung. Am Ende bleibt es in Māyā bestehen. Solange seine Früchte nicht erfahren sind, geht es nicht zugrunde.
VP 8.6
karma vyañjakamapyetad rodhi sadyanna muktaye //
Übersetzung: So setzt das anfangslose Karma die Bereiche von Māyā bis zur Zeit in Bewegung. Auch wenn es Gutes zur Entfaltung bringt, ist es eine Hemmung; denn selbst gutes Karma führt nicht zur Befreiung.
Kapitel 9
VP 9.1
kathyate granthipāśasya kiñcidyuktyāpi leśataḥ //
Übersetzung: Nun werden die Merkmale der Knotenfessel Māyā erklärt, die durch das Wort des Allwissenden erkannt wird. In begrenztem Umfang werden sie auch durch Überlegung begründet.
VP 9.2
sahakāryadhikārāntasaṃrodhi vyāpyanaśvaram //
Übersetzung: Sie ist eine einzige, unheilvolle Saat der Welt und besitzt vielfältige Kräfte. Sie bindet bis zum Ende der Wirksamkeit ihrer mitwirkenden Ursache, durchdringt alles und ist unvergänglich.
VP 9.3
tenopādānamapyasti na paṭastantubhirvinā //
Übersetzung: Aus derselben Eigenschaft der Welt, durch die ihr Schöpfer erschlossen wird, ergibt sich auch das Vorhandensein einer stofflichen Ursache. Ein Gewebe gibt es nicht ohne Fäden.
VP 9.4
prāptaḥ sarvaharo doṣaḥ kāraṇāniyamo 'nyathā //
Übersetzung: Diese stoffliche Ursache muss unbewusst sein, denn wir sehen, dass ihre Wirkung unbewusst ist. Andernfalls ergäbe sich der alles untergrabende Fehler, dass Ursachen keiner bestimmten Wirkung mehr zugeordnet wären.
VP 9.5
avyāpi cetkutastatsyāt sarveṣāṃ sarvatomukham //
Übersetzung: Wäre diese Ursache vergänglich, woraus würde die Welt als ihre Wirkung dann erneut entstehen? Wäre sie nicht allgegenwärtig, wie könnte daraus eine Welt hervorgehen, die sich für alle Wesen nach allen Seiten erstreckt?
VP 9.6
na tadutpattimattasmād ekamabhyupagamyatām //
Übersetzung: Was unbewusst ist und als Vielheit besteht, sehen wir als etwas, das entsteht. Diese Ursache aber ist nicht entstanden. Deshalb soll anerkannt werden, dass sie eine einzige ist.
VP 9.7
tadapyanekamekasmād eva bījātprajāyate //
Übersetzung: Einwand: Ein Gewebe entsteht doch, wie wir sehen, aus einer Menge von Fäden; alles Einzelne entsteht aus Vielem. Antwort: Auch dieses Viele geht aus einer einzigen Saat hervor.
VP 9.8
teṣāṃ dhūmena liṅgena jalaṃ kiṃ nānumīyate //
Übersetzung: Wer annimmt, dass aus einer ihrem Wesen nach bewussten Ursache auch Unbewusstes entsteht — warum schließt der dann nicht aus dem Anzeichen Rauch auf Wasser?
VP 9.9
teṣāṃ pūrvoditāddhetor jñātaiva jñānasūkṣmatā //
Übersetzung: Bei denen, deren Welt bei den Elementen endet und die Atome als ihre Ursache ansetzen, hat sich die Feinheit ihrer Erkenntnis bereits aus dem zuvor angeführten Grund gezeigt.
VP 9.10
kā vārtā nākhiladhvaṃso na sarvajño mṛṣā vadet //
Übersetzung: Wenn Körper und dergleichen nur aus anderen Körpern entstehen, was geschieht dann, wenn diese sämtlich untergehen? Einwand: Einen vollständigen Untergang gibt es nicht. Antwort: Doch; der Allwissende würde nicht die Unwahrheit sagen.
VP 9.11
sa tasya sarvataḥ kena jāyamāno nivāryate //
Übersetzung: Wenn eine Eigenschaft eines Trägers auch nur in einem Teil festgestellt ist, wodurch könnte verhindert werden, dass sie an ihm überall auftritt?
VP 9.12
so'pi pratīyate kālo yatrāśeṣajanakṣayaḥ //
Übersetzung: Wenn wir den Tod von Millionen gemeinsam versammelter verkörperter Wesen sehen, lässt sich auch eine Zeit erkennen, in der ausnahmslos alle Lebewesen untergehen.
VP 9.13
vivṛtau vyaktirūpāṇi vyāpriyante 'rthasiddhaye //
Übersetzung: Die Wirkungen ruhen in dieser Ursache: Bei der Auflösung bestehen sie als Kräfte, bei der Entfaltung als offenbar gewordene Gestalten. Als solche wirken sie zur Erfüllung ihrer jeweiligen Zwecke.
VP 9.14
sattve kārakaśabdo 'pi vyapaitīti hataṃ jagat //
Übersetzung: Einwand: Wer ein Gewebe haben möchte, nimmt Fäden und die übrigen Mittel zu Hilfe, weil das Gewebe noch nicht vorhanden ist. Wäre es schon vorhanden, fiele selbst die Bezeichnung dieser Dinge als ‚bewirkende Mittel‘ weg. Damit wäre die Ordnung der Welt zerstört.
VP 9.15
utpādayatu sarvasmāt sarvaḥ sarvamabhīpsitam //
Übersetzung: Einwand, fortgesetzt: Die bewirkenden Mittel sollen gerade dadurch sinnvoll sein, dass etwas zuvor Nichtvorhandenes entsteht. Antwort: Dann möge jeder aus allem alles hervorbringen, was er sich wünscht!
VP 9.16
na ca paśyāmi tatkiṃcit śaktiścetsiddhasādhyatā //
Übersetzung: Sagt ihr nun: ‚Das ist unmöglich; eine bestimmte Wirkung kann nur aus einer bestimmten Ursache entstehen‘ — was legt diese Beschränkung nach eurer Auffassung fest? Ich sehe dafür nichts. Nennt ihr eine Kraft, so beweist ihr nur das, was bereits anerkannt ist.
VP 9.17
śrutirādānamarthaśca vyapaitītyapi taddhatam //
Übersetzung: Andernfalls ließe sich überhaupt nicht erklären, warum die Gesamtheit der bewirkenden Mittel tätig wird. Damit ist auch der Einwand widerlegt, die Aufforderung, solche Mittel herbeizuschaffen, ihre Beschaffung und ihr Gebrauch würden sinnlos.
VP 9.18
tayorviśeṣaṇaṃ vācyaṃ naitatpaśyāmi kiñcana //
Übersetzung: Einwand: Es gibt zwar eine hervorbringende Kraft; doch die Wirkung selbst besteht nicht schon in Gestalt dieser Kraft. Antwort: Dann müsst ihr einen Unterschied zwischen beiden angeben. Einen solchen sehe ich nicht.
VP 9.19
sānvayavyatirekābhyāṃ rūḍhito vāvasīyate //
Übersetzung: Somit ist die Kraft der hervorzubringenden Wirkung dasjenige, was den Einsatz der bewirkenden Mittel bestimmt. Diese Kraft wird durch gemeinsames Vorhandensein und gemeinsames Fehlen oder durch geläufige Erfahrung erkannt.
VP 9.20
tena tantugatākāraṃ paṭākārāvarodhakam //
Übersetzung: Ihr Offenbarwerden durch das Zusammenwirken der bewirkenden Mittel nennt man Entstehen. Deshalb wird die in den Fäden liegende Gestalt, die das Erscheinen der Gewebeform verhindert —
VP 9.21
yathā kaṭādigūḍhasya paṭādestadvyudāsataḥ /
nāsataḥ kriyate vyaktiḥ kalādergranthitastathā //
Übersetzung: — durch den Webstuhl und die übrigen Mittel beseitigt, worauf die Gestalt des Gewebes hervortritt. Wie ein unter einer Matte oder anderem verborgener Stoff durch das Entfernen dieser Bedeckung sichtbar wird, so wird kein Nichtseiendes offenbar gemacht. Ebenso treten Kalā und die weiteren Prinzipien aus der Knotenfessel Māyā hervor.
Kapitel 10
VP 10.1
guṇadhīgarvacittākṣamātrābhūtānyanukramāt //
Übersetzung: Aus der Knotenfessel gehen in ihrer Reihenfolge hervor: Kalā, die begrenzte Handlungskraft, die Zeit, das Wissen, das Begehren, das Personenprinzip und die Mutter Urnatur; ferner die Grundeigenschaften, die unterscheidende Vernunft, das Ichbewusstsein, das Denken, die Sinne, die feinen Sinnesqualitäten und die Elemente.
VP 10.2
yathā yunakti yaddhetos tādṛktadadhunocyate //
Übersetzung: Um die Körper zustande zu bringen, bildet der Herr manches unmittelbar und anderes über eine Zwischenstufe. Was er jeweils hervorbringt, wie und aus welchem Grund er es zuordnet, wird nun erklärt.
VP 10.3
tamaścchannatayārtheṣu nābhāti niranugrahā //
Übersetzung: Die Kraft der Einzelseele zu handeln ist ewig und allgegenwärtig wie die Kraft des Herrn. Doch weil sie von Finsternis bedeckt ist, tritt sie ohne Förderung nicht an den Gegenständen hervor.
VP 10.4
māyāṃ vikṣobhya kurute pravṛttyaṅgaṃ paraṃ hi tat //
Übersetzung: Um sie zu fördern, bringt Hara, nachdem er Māyā in Bewegung gesetzt hat, das leuchtende Prinzip namens Kalā hervor. Es ist die vornehmste Voraussetzung dafür, dass Tätigkeit einsetzt.
VP 10.5
prakāśayatyekadeśaṃ vidārya timiraṃ ghanam //
Übersetzung: Mit diesem einer Lampe gleichenden Prinzip durchbricht er die dichte Finsternis und erhellt einen Teil des noch unklaren Bewusstseins der Einzelseele.
VP 10.6
protsāraṇaṃ preraṇaṃ sā kurvatī tamasaḥ kalā //
Übersetzung: Die Verbalwurzel kal wird im Sinn von Zählen und von Antreiben gebraucht. Hier bedeutet Antreiben ein Fortdrängen: Weil sie die Finsternis fortdrängt, heißt diese Kraft Kalā.
VP 10.7
bhogakriyāvidhau jantor nijaguḥ kartṛkārakam //
Übersetzung: Diese beiden, die Seele und Kalā, treten zusammen und wirken wie etwas Ungetrenntes. Deshalb, Brahmane, haben die Lehrer sie beim Vollzug der Erfahrung eines Lebewesens als die handelnde Ursache bezeichnet.
VP 10.8
bhajatyanugrahāpekṣāṃ svayaṃ draṣṭumaśaknuvat //
Übersetzung: Wenn auf diese Weise ihre Handlungskraft offenbar geworden ist, möchte die Seele den Gegenstand ihres Erkennens sehen. Weil sie ihn aus eigener Kraft nicht sehen kann, bedarf auch ihr Erkennen der Förderung.
VP 10.9
tattvaṃ vidyākhyamasṛjat karaṇaṃ paramātmanaḥ //
Übersetzung: Zu diesem Zweck versetzt der Herr wiederum Kalā, die zur Hervorbringung fähig ist, in Bewegung und erschafft das Prinzip namens Vidyā, das vornehmste Erkenntniswerkzeug der Seele.
VP 10.10
sarvakārakaniṣpādyam avaiti viṣayaṃ param //
Übersetzung: Durch dieses lichtartige Prinzip, das ihre Erkenntniskraft aufleuchten lässt, erkennt die Seele den von ihr verschiedenen Gegenstand, der durch das Zusammenwirken aller Mittel zugänglich wird.
VP 10.11
naiti taṃ janakaṃ rāgaṃ tasmādevāsṛjatprabhuḥ //
Übersetzung: Obwohl die dadurch offenbar gewordene Bewusstseinskraft einen Gegenstand erkennt, wendet sich die Seele ihm ohne Verlangen nicht zu. Darum erschafft der Herr aus demselben Prinzip Rāga, das Begehren hervorruft.
VP 10.12
ādatte na ca bhuñjāno virāgamadhigacchati //
Übersetzung: Von Rāga gefärbt, verlangt sie nach dem zu Erfahrenden und ergreift es, selbst wenn es unrein ist. Auch während sie es genießt, erlangt sie keine Leidenschaftslosigkeit.
VP 10.13
bhogabhūmiṣu nā bhuṅkte bhogānkālānuvartinaḥ //
Übersetzung: So in Tätigkeit versetzt, erfährt die Person in den Erfahrungswelten zeitlich geordnete Erlebnisse. Dazu dienen ihr die in den stofflichen Wirkungen verankerten Organe und die Körper der jeweiligen Welt.
VP 10.14
kalayannā samutthānān niyatyā niyataṃ paśum //
Übersetzung: Zeit ist dasjenige, worauf Vorstellungen von kleinsten Augenblicken und weiteren Zeitmaßen sich beziehen. Sie entsteht aus Māyā und bemisst die gebundene Seele, die seit dem Entstehen der Weltordnung durch Niyati festgelegt wird.
VP 10.15
kecinniyāmakaṃ karma yadanyadatiricyate //
Übersetzung: Einige sagen: Weil Erfahrung samt ihren Mitteln vom Karma abhängt, ist allein Karma das bestimmende Prinzip. Ein anderes, zusätzlich angenommenes Prinzip wäre überflüssig.
VP 10.16
karmaivāstu śarīrādi tataḥ sarvamapārthakam //
Übersetzung: Antwort: Erfahrung ist der Zweck aller Prinzipien, und auch sie hängt vom Karma ab. Dann möge doch das Karma selbst der Körper und alles Weitere sein; alles andere wäre damit zwecklos!
VP 10.17
tato niyatisāpekṣam astu karma niyāmakam //
Übersetzung: Wenn das Karma aber der Körper und der übrigen Mittel bedarf, um den Zweck der Person zu erfüllen, dann soll es auch als bestimmende Ursache von Niyati abhängig sein.
VP 10.18
āpūrakaṃ pradhānāder bhauvanerudrasaṃśrayam //
Übersetzung: Aus derselben Māyā tritt das Puruṣa-Prinzip hervor, auf dem die Wahrnehmung als Person beruht. Es erfüllt Pradhāna und die folgenden Prinzipien und bildet im Bereich der Welten die Stätte der Rudras.
VP 10.19
saptagranthinidānasya yattadgauṇasya kāraṇam //
Übersetzung: Danach bringt er aus Kalā das Prinzip Pradhāna, die Urnatur, hervor. Dieses ist die Ursache des Guṇa-Prinzips, aus dem die sieben Knoten entstehen.
VP 10.20
tadvṛttayaḥ prakāśādyāḥ prasiddhā eva bhūyasā //
Übersetzung: Daraus entsteht das aus Sattva, Rajas und Tamas bestehende Guṇa-Prinzip, die stoffliche Grundlage von Buddhi und den weiteren Prinzipien. Seine Wirkweisen — Erhellen und die übrigen — sind allgemein bekannt.
VP 10.21
ekaikaśrutireteṣāṃ vṛttyādhikyanibandhanā //
Übersetzung: Es sind drei Guṇas und dennoch ein einziges Prinzip, weil sie nicht voneinander getrennt vorkommen. Wenn jeweils nur einer von ihnen genannt wird, liegt das am Überwiegen seiner Wirkungsweise.
VP 10.22
yanna vyāptaṃ guṇairyasminn eko vāmiśrako guṇaḥ //
Übersetzung: In dieser Welt gibt es kein unbewusstes Ding, das nicht von den Guṇas durchdrungen wäre, und keines, in dem nur ein einziger Guṇa unvermischt vorkäme.
VP 10.23
paraṃ tadātmano bhogyaṃ vakṣyamāṇārthasaṃskṛtam //
Übersetzung: Daraus entsteht das Buddhi-Prinzip, gekennzeichnet durch vielfältige Anlagen und Bewusstseinszustände. Es ist der vornehmste Erfahrungsgegenstand der Seele und wird durch die im Folgenden beschriebenen Gegebenheiten gestaltet.
VP 10.24
sāttvikā vyatyayenaite rāgamutsṛjya tāmasāḥ //
Übersetzung: Die Anlagen sind Eigenschaften der Buddhi: rechtes Handeln, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Macht. Diese gehören zu Sattva. Ihre Gegenteile gehören zu Tamas, mit Ausnahme des Begehrens.
VP 10.25
sapta pañca ca vikhyātāḥ siddhyādyā vargaśo mune //
Übersetzung: Die Bewusstseinszustände haben in diesen Anlagen ihre Grundlage. Man kennt sie, Weiser, in Gruppen als acht Vollendungen, neun Zufriedenheiten, viermal sieben Unfähigkeiten und fünf Irrtumsformen.
VP 10.26
sāṃsiddhikā vainayikāḥ prākṛtāśca bhavantyaṇoḥ //
Übersetzung: Diese Anlagen samt ihren Bewusstseinszuständen werden nun in ihren Grundzügen bestimmt. Bei der Einzelseele kommen sie als bereits zur Vollendung gebrachte, als durch Schulung erworbene und als naturbedingte Anlagen vor.
VP 10.27
guṇaḥ sāṃsiddhiko bhāti dehābhāve 'pi pūrvavat //
Übersetzung: Bei denen, deren Geist durch die Prägungen außergewöhnlichen rechten Handelns hell entfacht ist, tritt die bereits zur Vollendung gebrachte Eigenschaft auch ohne Körper ebenso hervor wie zuvor.
VP 10.28
samarjito vainayiko manovāktanuceṣṭayā //
Übersetzung: Durch Einsicht in die Welt, durch Lehrer und durch Schriften tritt eine durch Schulung erworbene Eigenschaft hervor. Durch Schulung erworben ist auch, was durch die Betätigung von Denken, Rede und Körper angeeignet wurde.
VP 10.29
svargo muktiḥ prakṛtitvāvighātau yonikrāntirnirayāvāptibandhau /
rūpeṣvarthā vainayaprākṛteṣu sampadyante savighātāḥ krameṇa //
Übersetzung: Die naturbedingte Eigenschaft wird bei der Verbindung mit einem Körper offenbar, ähnlich wie Bewusstheit beim Erwachen aus einem Traum und verwandten Zuständen.
Bei den durch Schulung erworbenen und den naturbedingten Formen stellen sich der Reihe nach diese Ergebnisse ein: Himmel, Befreiung, Aufgehen in der Urnatur, Hindernislosigkeit, Wechsel der Geburtsform, Erreichen der Hölle, Bindung und Behinderung.
VP 10.30
bhogāsaktirnyakkṛtirdehalabdhir vighnaścārthāsteṣu sāṃsiddhikeṣu //
Übersetzung: Bei den bereits zur Vollendung gebrachten Formen sind die Ergebnisse: Beherrschung dessen, was beherrschbar ist, dessen vollständige Erkenntnis, kein Verlangen nach Genuss, Verschwinden der Schar von Hindernissen, Anhaften am Genuss, Erniedrigung, Erlangen eines Körpers und Behinderung.
Kapitel 11
VP 11.1
kathyate viplavo mā bhūt samāsokteḥ prabhedaśaḥ //
Übersetzung: Nun werden die allgemeinen Merkmale der Gruppen von Vollendung und der übrigen Zustände kurz erklärt. Damit aus der knappen Darstellung keine Verwirrung entsteht, geschieht dies nach ihren einzelnen Arten.
VP 11.2
tuṣṭirnurakṛtārthasya kṛtārtho 'smīti yā matiḥ //
Übersetzung: Als Vollendung gilt hier die Erkenntnis, die die Person, die Urnatur und die weiteren Prinzipien zum Gegenstand hat. Zufriedenheit ist dagegen die Vorstellung eines Menschen, der sein Ziel noch nicht erreicht hat: ‚Ich habe mein Ziel erreicht.‘
VP 11.3
kiñcitsāmānyato 'nyatra matiranyā viparyayaḥ //
Übersetzung: Unfähigkeit ist das Unvermögen, ein wirkliches Ziel zu verwirklichen, wenn die erforderlichen Mittel fehlen. Irrtum ist eine verkehrte Vorstellung, die aufgrund irgendeiner Gemeinsamkeit etwas für etwas anderes hält.
VP 11.4
prakāśārthapravṛttatvād rajoṃśaprabhavāpi ca //
Übersetzung: Weil Vollendung das Entfaltete und die übrigen Prinzipien erhellt, entsteht sie aus dem Sattva-Anteil. Weil sie aber zum Zweck dieses Erhellens tätig wird, entspringt sie auch einem Anteil von Rajas.
VP 11.5
sukharūpatayā brahman sāttvikyapyavasīyate //
Übersetzung: Zufriedenheit beruht wegen ihres trügerischen Wesens auf Tamas. Weil sie zugleich die Gestalt von Wohlbefinden hat, Brahmane, wird sie auch als sattvisch erkannt.
VP 11.6
rājasyapi guṇo dṛṣṭaḥ kārye kāraṇasaṃśrayaḥ //
Übersetzung: Unfähigkeit gehört wegen ihrer Untätigkeit zu Tamas, wegen ihres leidvollen Charakters aber auch zu Rajas. Denn in der Wirkung zeigt sich eine Eigenschaft, die in der Ursache begründet ist.
VP 11.7
sāmānyamātrakābhāsāt sattvātmeti viniścitaḥ //
Übersetzung: Irrtum hat seinen Ursprung in Tamas, weil seine Gestalt verkehrt ist. Weil in ihm dennoch eine allgemeine Gemeinsamkeit aufscheint, gilt er auch als von Sattva geprägt.
VP 11.8
bodha ityucyate bodhavyaktibhūmitayā paśoḥ //
Übersetzung: Dieses Aufleuchten der Buddhi, das sich als Anlagen und Bewusstseinszustände zeigt, wird Erkenntnis genannt, weil es für die gebundene Seele der Boden ist, auf dem ihre Erkenntnis offenbar wird.
VP 11.9
rāgo 'pi satyavairāgye kalāyoniḥ karoti kim //
Übersetzung: Einwand: Wenn Buddhi die Ursache des Erkennens ist, dann ist Vidyā überflüssig. Und was leistet der aus Kalā entstandene Rāga noch, wenn es bereits die Anlage mangelnder Leidenschaftslosigkeit gibt?
VP 11.10
manodevārthasadbhāve sati dhīrapyanarthikā //
Übersetzung: Antwort: Wenn ein offenbar machendes Mittel überflüssig wäre, sobald ein anderes vorhanden ist, dann wäre auch Buddhi sinnlos, da Denken und Sinne bereits vorhanden sind.
VP 11.11
so 'pi devairmanaḥṣaṣṭhaiḥ pakṣo 'naikāntikaḥ smṛtaḥ //
Übersetzung: Einige bringen diesen Einwand ausdrücklich im Hinblick auf den Werkzeugcharakter vor. Doch auch diese Behauptung ist durch die Sinne und das Denken als sechstes Werkzeug als nicht allgemein gültig erwiesen.
VP 11.12
śrotradṛkpāṇipādādi tato bhinnārthamastu nuḥ //
Übersetzung: Einwand: Wenn zwei Dinge dieselbe Verwendung haben, ist eines überflüssig. Antwort: Dann müssten Gehör, Gesichtssinn, Hände, Füße und die übrigen Organe für die Person ausschließlich getrennten Zwecken dienen!
VP 11.13
viniyogāntaradvārā na duṣṭānekasādhyatā //
Übersetzung: Vidyā und Buddhi haben jedoch keineswegs dieselbe Verwendung. Dass ein Ziel durch mehrere Mittel verwirklicht wird, ist kein Fehler, wenn diese durch unterschiedliche Teilaufgaben dazu beitragen.
VP 11.14
svīkṛtya puṃsprayuktasya karaṇasyaiti karmatām //
Übersetzung: Vidyā lässt die Bewusstseinskraft der Einzelseele offenbar werden. Buddhi nimmt die Gegenstände der Sinne auf, deren Lenker, das Denken, sie in Bewegung setzt, und wird selbst zum Gegenstand des von der Person eingesetzten Erkenntniswerkzeugs.
VP 11.15
tacca bhogyatvametadvā vītarāgastato hataḥ //
Übersetzung: Diese Buddhi ist also von Vidyā verschieden. Auch Rāga ist nicht einfach eine aus den Guṇas hervorgegangene Anlage, denn diese hat eine andere Eigenschaft: Sie ist selbst ein Gegenstand der Erfahrung. Würde man Rāga ebenfalls so auffassen, wäre damit die Möglichkeit eines Leidenschaftslosen aufgehoben.
VP 11.16
karmāstu vyāpakaṃ kalpyaṃ kalpite 'pītaratra yat //
Übersetzung: Rāga, der das Verlangen nach Gegenständen bewirkt, liegt weder im äußeren Gegenstand noch in jener Buddhi-Anlage. Einwand: Dann soll das Karma als umfassende Ursache gelten; es muss ja ohnehin angenommen werden, auch wenn ihr noch ein anderes Prinzip ansetzt.
VP 11.17
doṣaḥ sahānavasthāno nāsāmyāddveṣarāgayoḥ //
Übersetzung: Antwort: Der Einwand gegen Karma als alleinige Ursache wurde bereits bei Niyati dargelegt. Auch der Einwand, Begehren und Abneigung könnten nicht nebeneinander bestehen, trifft nicht: Sie treten unter unterschiedlichen Bedingungen auf.
VP 11.18
pravṛttasya sukhaṃ duḥkhaṃ moho vāpyupajāyate //
Übersetzung: Jede Tätigkeit eines jeden Menschen entspringt zu jeder Zeit der Vorstellung von Glück. Wenn er tätig geworden ist, können jedoch Glück, Leid oder Verwirrung daraus entstehen.
VP 11.19
dveṣānte sa punaryena vīryavadyogakāraṇam //
Übersetzung: Abneigung tritt nach dem Handeln auf; das Begehren liegt zeitlich davor. Nach dem Ende der Abneigung tritt es erneut hervor. Deshalb ist es eine kraftvolle Ursache der erneuten Verbindung mit dem Gegenstand.
VP 11.20
vyāpārādyasya ceṣṭante śārīrāḥ pañca vāyavaḥ //
Übersetzung: Aus Buddhi, einer weiteren Stufe der Entfaltung, entsteht dann das Ichbewusstsein als Werkzeug des bewussten Selbst. Durch seine Tätigkeit setzen die fünf im Körper befindlichen Lebenswinde ihre jeweiligen Bewegungen in Gang.
VP 11.21
vṛttiṃ leśānnigadato bharadvāja nibodha me //
Übersetzung: Prāṇa, Apāna und die übrigen unterscheiden sich durch ihre Funktion, nicht durch ihren Stoff. Höre, Bharadvāja, wie ich dir ihre Funktionen in Grundzügen erkläre.
VP 11.22
yattadūhaṃ matiḥ puṃsāṃ bhramatyandheva mārgatī //
Übersetzung: Die Funktion des Prāṇa heißt Fortführen und wird als Leben bezeichnet. Indem der menschliche Verstand nach einer Erklärung dafür sucht, irrt er wie ein Blinder umher.
VP 11.23
cityātivāhike śaktau prāṇaśabdaḥ kalāsu ca //
Übersetzung: Weil er diese Funktion erfüllt, wird der Lebenswind Prāṇa genannt; oder er heißt so wegen seiner Verbindung mit der Lebenskraft. Das Wort Prāṇa wird auch für Bewusstsein, den hinübertragenden feinen Leib, die Kraft und die Kalās gebraucht.
VP 11.24
kurvannapānaśabdena gīyate tattvadarśibhiḥ //
Übersetzung: Weil er das Gegessene und Getrunkene, Kot, Urin und Samen nach unten abführt, wird der betreffende Lebenswind von den Kennern der Wirklichkeit Apāna genannt.
VP 11.25
kurvansamāna ityukto vyāno vinamanāttanoḥ //
Übersetzung: Weil er Nahrung und Getränk nach allen Seiten gleichmäßig verteilt, heißt ein weiterer Samāna. Vyāna trägt seinen Namen vom Beugen und Bewegen des Körpers.
VP 11.26
vāgindriyasahāyena kriyate yena varṇatā //
Übersetzung: Derjenige Lebenswind, der, vom Sprechwillen und der entsprechenden Anstrengung eingeleitet und vom Sprachorgan unterstützt, den Klang als Eigenschaft des Raumes im Rumpf zu artikulierten Lauten formt —
VP 11.27
jayaḥ phalaṃ vācyaśeṣaṃ patyā skandhāntareritam //
Übersetzung: — ist Udāna. Wo jeder dieser Lebenswinde in diesem Körper bei der Konzentration seinen Ort hat, wie er gemeistert wird, welche Frucht daraus entsteht und was sonst noch zu erklären bleibt, hat der Herr in einer anderen Abteilung gelehrt.
Kapitel 12
VP 12.1
trīnniścakarṣa sattvādibhūyiṣṭhānīśaśaktigaḥ //
Übersetzung: Um die noch ausstehenden Aufgaben zu erfüllen, bringt er, durch die Kräfte der eingesetzten Herren wirkend, aus eben diesem Ichbewusstsein drei Zweige hervor, in denen jeweils Sattva, Rajas oder Tamas überwiegt.
VP 12.2
tebhyaḥ samātrakā devā mātrebhyo bhūtapañcakam //
Übersetzung: Sie heißen Taijasa, Vaikṛta und als dritter Bhūtādi. Aus ihnen entstehen die Sinnes- und Handlungsvermögen samt den feinen Sinnesqualitäten; aus diesen feinen Qualitäten entstehen die fünf Elemente.
VP 12.3
prakāśānvayataḥ sāttvās taijasaśca sa sāttvikaḥ //
Übersetzung: Gehör, Tastsinn, Gesichtssinn, Geschmackssinn und Geruchssinn gehören zusammen mit dem Denken zu Sattva, weil sie mit dem Erhellen verbunden sind. Taijasa ist der sattvische Zweig.
VP 12.4
karmānvayādrajobhūyān gaṇo vaikāriko 'tra yaḥ //
Übersetzung: Sprache, Hände, Geschlechtsorgan, After und Füße entstehen aus Rajas, weil sie mit Tätigkeit verbunden sind. Der hier Vaikārika genannte Zweig besitzt ein Übergewicht von Rajas.
VP 12.5
guṇāviśiṣṭāstanmātrās tanmātrapadayojitāḥ //
Übersetzung: Klang, Berührung, sichtbare Gestalt, Geschmack und als Fünftes der Geruch heißen, solange sie noch nicht durch besondere Eigenschaften bestimmt sind, Tanmātras, ‚nur dieses‘. Ihre Namen werden jeweils mit dem Wort Tanmātra verbunden.
VP 12.6
prakāśyatvācca bhūtādir ahaṅkāreṣu tāmasaḥ //
Übersetzung: Weil sie sich sowohl von der erhellenden als auch von der handelnden Gruppe unterscheiden, entstehen sie aus Tamas. Auch sind sie das, was erhellt wird. Daher ist Bhūtādi unter den Formen des Ichbewusstseins die tamasische.
VP 12.7
manaḥ śabdādiviṣaye grāhakāḥ śravaṇādayaḥ //
Übersetzung: Das Denken setzt die Sinne in Tätigkeit, bewegt sich rasch und hat das Entwerfen von Vorstellungen zur Eigenschaft. Gehör und die übrigen Sinne erfassen jeweils Klang und die weiteren Sinnesgegenstände.
VP 12.8
vāgādīnāṃ padānyatvaṃ pade satyapyatadguṇāḥ //
Übersetzung: Sprechen, Ergreifen, Lustempfinden, Ausscheiden und Fortbewegung sind die Tätigkeiten der entsprechenden Handlungsvermögen. Diese sind von ihren körperlichen Sitzen verschieden; denn auch wenn ein solcher Sitz vorhanden ist, kann die zugehörige Fähigkeit fehlen.
VP 12.9
pravṛttikārakāstitvaṃ yuktito 'pyavasīyate //
Übersetzung: Selbst wenn Selbst, Sinn und Gegenstand einander nahe sind, werden nicht alle Sinne tätig. Deshalb lässt sich auch durch Überlegung das Vorhandensein einer Ursache erschließen, die ihre Tätigkeit auslöst.
VP 12.10
saṃkalpo bījamabhyeti manastatpāriśeṣyataḥ //
Übersetzung: Das Entwerfen von Vorstellungen unterscheidet sich von den bereits erklärten Funktionen der anderen Prinzipien und weist deshalb auf eine eigene Ursache hin. Durch Ausschluss der anderen Möglichkeiten wird diese als Manas, das Denken, bestimmt.
VP 12.11
tathāpyābhāti yugapan nāśusaṃcaraṇādṛte //
Übersetzung: Erkenntnis entsteht durch die Verbindung dieses Denkens mit den Sinnen. Weil es sich nacheinander mit ihnen verbindet, entstehen die Erkenntnisse nacheinander. Dass sie trotzdem gleichzeitig erscheinen, lässt sich nur durch sein rasches Hinüberwechseln erklären.
VP 12.12
gandhādivyañjakatvācca tadādhārātmakānyapi //
Übersetzung: Manche meinen: Weil jeder Sinn auf einen bestimmten Gegenstand beschränkt ist, müssen die Sinne verschiedene Ursprünge haben. Weil sie Geruch und die übrigen Qualitäten offenbaren, sollen sie jeweils aus dem Stoff bestehen, der die betreffende Qualität trägt.
VP 12.13
tathāstu yadi nādatte saguṇaṃ kāraṇāntaram //
Übersetzung: So erfasst das Gehör nur Klang und der Tastsinn nur Berührung. Antwort: Das könnte gelten, wenn ein Sinn nicht auch einen anderen Grundstoff samt dessen Eigenschaften erfasste.
VP 12.14
tejovārimahīdravyaṃ dṛgādatte sarūpakam //
Übersetzung: Der Tastsinn erfasst gerade Gegenstände, die ihm nach dieser Zuordnung nicht zugehören, und wendet sich dem ihm zugeordneten Stoff nicht unmittelbar zu. Der Gesichtssinn erfasst Feuer, Wasser und Erde samt ihrer sichtbaren Gestalt.
VP 12.15
yenopalabhyate yo 'rthaḥ sa tasyārthasya kāraṇam //
Übersetzung: Dann müsste der Gesichtssinn aus drei Stoffen entstanden sein; das aber erkennt der Gegner nicht an. Nach seiner Annahme müsste jeweils der wahrgenommene Gegenstand die Ursache des ihn erfassenden Sinnes sein.
VP 12.16
karṇarandhraviśiṣṭaṃ khaṃ śabdavargāvabhāsakam //
Übersetzung: Dann ließe sich nicht einmal die Wahrnehmung von Bewegung und dergleichen begründen. So entsteht eine ganze Folge von Schwierigkeiten. Nehmen wir dennoch an, der durch die Ohröffnung bestimmte Raum mache die verschiedenen Klänge wahrnehmbar —
VP 12.17
tadadṛṣṭāvaruddhaṃ vā tadapyanyatra kiṃ kṛtam //
Übersetzung: — sagt dann: Was hindert den durch die Nasenöffnung bestimmten Raum daran? Soll diese Beschränkung durch das unsichtbare Karma festgelegt sein, so frage ich: Was wäre dann gegen dieselbe Erklärung bei der anderen Lehre einzuwenden?
VP 12.18
yuktyagamye 'pi sadvākyāt pratītiranupadravā //
Übersetzung: Im Ohr soll der Raum eintreffenden Klang erfassen, im Musikinstrument dagegen nicht. Hat etwa irgendein Räuber den dortigen Raum verflucht? Auch wo bloße Überlegung nicht hinreicht, ermöglicht die Aussage eines Wahrhaftigen eine ungestörte Erkenntnis.
VP 12.19
vyomaprabhañjanāgnyambubhūmayo bhūtapañcakam //
Übersetzung: Die Weisen erklären: Was einen unbegrenzten Gegenstandsbereich hat, ist dem überlegen, dessen Gegenstandsbereich begrenzt ist. Raum, Wind, Feuer, Wasser und Erde bilden die fünf Elemente.
VP 12.20
dhūnanajvalanaplāvakharatvāvedino guṇāḥ //
Übersetzung: Beginnend mit dem Klang besitzt jedes folgende Element eine Eigenschaft mehr. Ihre Funktionen beginnen mit dem Gewähren von Raum. Klänge, die Schütteln, Brennen, Fließen oder Härte anzeigen, sind Eigenschaften —
VP 12.21
vyūho 'vakāśadānaṃ ca paktisaṃgrahadhāraṇāḥ //
Übersetzung: — von Wind und den folgenden Elementen; im Raum treten sie als entsprechende Wiederklänge auf. Bewegen und Ordnen, Raumgewähren, Garen, Zusammenhalten und Tragen —
VP 12.22
śabdaḥ khaguṇa eveti tadanyatropalabdhitaḥ //
Übersetzung: — sind die Funktionen von Wind, Raum, Feuer, Wasser und Erde. Einwand: Manche sagen, Klang sei allein eine Eigenschaft des Raumes, weil er anderswo als an seinem stofflichen Ausgangspunkt wahrgenommen wird —
VP 12.23
kvānyatra śravaṇākāśe kathamanyatra tadguṇaḥ //
Übersetzung: — wie kann er dann, Erhabener, eine Eigenschaft aller Elemente sein? Antwort: Wo anderswo wird er wahrgenommen? Im Raum des Gehörs? Wie wäre er dann eine Eigenschaft des Raumes und zugleich anderswo als in diesem?
VP 12.24
kadācitkarṇamūle 'pi saṃvidityatha manyase //
Übersetzung: Ob er anderswo wahrgenommen wird als in dem vom Gegner angenommenen Träger, darüber entscheidet die Erfahrung der Menschen. Wenn du nun meinst, gelegentlich werde er auch unmittelbar am Ohr wahrgenommen —
VP 12.25
āgamādhyakṣavihatā hetavo nārthasādhakāḥ //
Übersetzung: — dann mag auch der Klang, ebenso wie die Tätigkeit des Gehörs, einer Veränderung unterliegen. Was wäre daran schädlich? Gründe, die durch Überlieferung und unmittelbare Wahrnehmung widerlegt werden, beweisen ihren Gegenstand nicht —
VP 12.26
ityapi sthitamevāyaṃ gandho 'pyastu nabhoguṇaḥ //
Übersetzung: — weil sie, wie die Kenner der Logik wissen, ‚zu spät vorgebracht‘ sind. Auch damit bleibt das Gesagte bestehen. Nach derselben Überlegung müsste dann auch Geruch eine Eigenschaft des Raumes sein —
VP 12.27
iti pañcasu śabdo 'yaṃ sparśo bhūtacatuṣṭaye //
Übersetzung: — denn auch der Duft einer Ketaka-Blüte und anderer Dinge wird trotz räumlicher Entfernung wahrgenommen. Somit gehört Klang zu allen fünf Elementen und Berührung zu vier Elementen.
VP 12.28
bhāsvadagnau jale śuklaṃ kṣitau śuklādyanekadhā //
Übersetzung: Bei Erde und Wind ist die Berührungsqualität weder kalt noch heiß; bei Wasser ist sie kalt, bei Feuer heiß. Die sichtbare Gestalt ist im Feuer leuchtend, im Wasser weiß und in der Erde vielfältig, beginnend mit Weiß —
VP 12.29
gandhaḥ kṣitāvasurabhiḥ surabhiśca mato budhaiḥ //
Übersetzung: — sichtbare Gestalt gehört also zu drei Elementen. Geschmack ist im Wasser süß und in der Erde sechsfach. Geruch gehört zur Erde; die Kundigen unterscheiden ihn als unangenehm oder wohlriechend.
VP 12.30
mūtraraktakaphasvedaśukrādau vāri saṃsthitam //
Übersetzung: Im Körper befindet sich Erde in Knochen, Fleisch, Haaren, Haut, Nägeln und Zähnen. Wasser besteht in Urin, Blut, Schleim, Schweiß, Samen und den weiteren Flüssigkeiten.
VP 12.31
prāṇādivṛttibhedena nabhasvānukta eva te //
Übersetzung: Feuer befindet sich im Herzen, in der Verdauung, in den Augen und in der Galle, weil dort seine Eigenschaften zu erkennen sind. Wind wurde dir bereits durch seine verschiedenen Funktionen als Prāṇa und die übrigen Lebenswinde erklärt.
VP 12.32
prayoktryādimahīprāntam etadaṇvarthasādhanam //
Übersetzung: Im Zusammenhang mit der Tätigkeit des Ichbewusstseins ist Raum in sämtlichen Körperkanälen vorhanden. Diese ganze Folge, von der antreibenden Kalā bis zur Erde, dient dazu, die Zwecke der Einzelseele zu erfüllen —
VP 12.33
sarvato yugapadvṛtter anutpādādasarvagam /
bhinnajātīyamapyekaphalaṃ dīpāṅgavastuvat //
Übersetzung: — und ist jeder Seele eigens zugeordnet, wie sich aus der Verschiedenheit ihrer Erfahrungen erkennen lässt. Sie ist nicht allgegenwärtig, denn ihre Funktionen treten nicht überall gleichzeitig auf. Obwohl ihre Bestandteile verschiedener Art sind, haben sie ein gemeinsames Ergebnis, wie die Teile einer Lampe.
VP 12.34
naitāvatālamiti bhauvanatattvapaṅktim ādhāradehaviṣayābhyudayāya vakṣye //
Übersetzung: Damit ist der hinübertragende feine Leib dieses Lebewesens kurz beschrieben: Durch seine Verbindung mit Bewusstsein ist er bewusst, und er bewegt sich im Innern des Dickichts der Māyā. Doch damit ist noch nicht alles erklärt. Darum werde ich nun die Reihe der Weltenprinzipien darlegen, damit verständlich wird, wie Aufenthaltsorte, Körper und Erfahrungsgegenstände hervortreten.

Kapitel 13
VP 13.1
sādhāraṇebhyo yonibhyaḥ kalādibhyo maheśvaraḥ //
Übersetzung: Dann schuf der große Herr [Ananta] die Welten und die übrigen Einrichtungen aus den gemeinsamen Ursprüngen Kalā und den weiteren Prinzipien, damit der zuvor genannte Zweck verwirklicht werde.
VP 13.2
saṃsāramiti tattvajñā bhogasthānaṃ pracakṣate //
Übersetzung: Die Kenner der Wirklichkeitsprinzipien nennen diese Bereiche, vom Feuer der Zeit bis zur Grenze der Kalā, den Weltenkreis, den Kreislauf des Daseins und die Stätte der Erfahrung.
VP 13.3
tattvaśuddhiśca dīkṣāyāṃ sarvaṃ tatkṛtimastake //
Übersetzung: Auch in Māyā werden Herrscher wie Gahaneśa überliefert; bei der Einweihung wird auch dieses Prinzip gereinigt. All dies liegt jedoch an der Spitze ihres Erzeugnisses.
VP 13.4
dṛṣṭaṃ purādi yadbhogyaṃ mūrtaṃ pralayadharmi ca //
Übersetzung: Das ergibt sich daraus, dass ihre Ewigkeit, Allgegenwart und die übrigen Eigenschaften gelehrt werden. Was dagegen als Stadt und dergleichen zum Gegenstand der Erfahrung wird, ist, wie man sieht, begrenzt gestaltet und der Auflösung unterworfen.
VP 13.5
ye tasyāmapi paṭhyante te 'pi tatkṛtimastake //
Übersetzung: Auch auf dem reinen Weltweg befinden sich die Herren, die der höheren Māyā zugeordnet und für ihre Aufgaben eingesetzt sind, an der Spitze ihres Erzeugnisses.
VP 13.6
tadaṣṭāṣṭaguṇasthāne tṛtīye syātkacāgrakam //
Übersetzung: In den Sonnenstrahlen, die seitlich durch ein Gitter eintreten, sieht man ein feines Staubteilchen. Wird dieses Maß Stufe um Stufe verachtfacht, so heißt die dritte Stufe eine Haarspitze.
VP 13.7
taireva guṇitaṃ pāṇir dhanustadvedalakṣitam //
Übersetzung: Ebenso folgen Nisse, Laus und Gerstenkorn jeweils durch Verachtfachung; acht Gerstenkörner ergeben eine Fingerbreite. Drei mal acht Fingerbreiten ergeben eine Elle; vier solcher Ellen bestimmen das Bogenmaß.
VP 13.8
dvikrośamāhurgavyūtiṃ dvigavyūtiṃ ca yojanam //
Übersetzung: Zwei Bogenmaße ergeben, wie man wissen soll, einen Stab; zweitausend Stäbe einen Krośa. Zwei Krośa nennt man eine Gavyūti und zwei Gavyūti ein Yojana.
VP 13.9
tasyāntaḥ kāñcanaṃ dhāma kālāgnestāvadeva hi //
Übersetzung: Die Schale des Welteis Brahmās ist ein Arbuda Yojanas dick. Innerhalb von ihr liegt Kālāgnis goldener Wohnbereich von genau demselben Ausmaß.
VP 13.10
rudrairāste vṛto devaḥ kālāgniriti viśrutaḥ //
Übersetzung: Dort wohnt der als Kālāgni, Feuer der Zeit, bekannte Gott, dessen Glanz dem von zehn Millionen Sonnen am Ende der Welt gleicht, umgeben von Rudras gleicher Art.
VP 13.11
bhayamutpadyate śaktyā saṃhartryā codite prabhoḥ //
Übersetzung: Wenn ihn die auflösende Kraft des Herrn antreibt und seine Glut hoch aufflammt, erfasst Furcht die Wesen auf dem gesamten Weltweg.
VP 13.12
yojanānāṃ tadardhena dhūmaḥ sāndraḥ sudāruṇaḥ //
Übersetzung: Schon von Natur aus reichen seine Flammen hundert Millionen Yojanas weit. Sein dichter, furchtbarer Rauch erstreckt sich halb so weit.
VP 13.13
tadantarāṇi dvātriṃśallakṣakāṇi durātmanām //
Übersetzung: Darauf folgen dreiunddreißig Schichten von jeweils neun Millionen Yojanas. Die zweiunddreißig Zwischenräume messen je hunderttausend und dienen den Übeltätern als Aufenthalte.
VP 13.14
tāni te nāmabhirvakṣye dvijamukhya nibodha me //
Übersetzung: Der Schöpfer des Weltwegs hat diese Orte zu ihrer Peinigung geschaffen. Ich werde dir ihre Namen nennen; höre mich an, du Erster der vedisch Eingeweihten.
VP 13.15
kālasūtrāṣṭamā hyete narakā iti viśrutāḥ //
Übersetzung: Raurava, Finsternis, Kälte, Hitze, Qual, Lotus und Großer Lotus sowie als achte Kālasūtra: Diese sind als Höllen bekannt.
VP 13.16
taptāṅgārā mahādāhāḥ saṃtāpāśceti ye mune //
Übersetzung: Ferner, Weiser, gibt es die Höllen namens Nadelmund, Kāla, Schwert, Rasiermesserschneide, Bratpfanne, glühende Kohlen, großer Brand und Qual.
VP 13.17
lākṣāpralepamāṃsādanirucchvāsanasocchvāsāḥ //
Übersetzung: Diese acht sind äußerst entsetzlich; zu ihrer Bezeichnung tritt das Wort »groß«. Lacküberzug, Fleischfresser, Erstickung und Atemholen —
VP 13.18
kṛmīṇāṃ nicayaśceti rājānaḥ parikīrtitāḥ //
Übersetzung: Bergpaar, Seidenwollbaum, glühendes Eisen, Hunger und Durst sowie Ansammlung von Würmern: Diese werden die Könige der Höllen genannt.
VP 13.19
tāmisraścāndhatāmisraḥ kumbhīpākaḥ sarauravaḥ //
Übersetzung: Eisensäule, Kot und Urin, der Fluss Vaitaraṇī, Finsternis und blinde Finsternis, Kesselsieden und Raurava —
VP 13.20
eṣāṃ puṭānāṃ narakaiḥ sārdhaṃ yojanasaṃkhyayā //
Übersetzung: Raurava führt dabei den Zusatz »groß«; hinzu kommt Avīci. Diese heißen die höchsten Herren über die Könige der Höllen. Das Maß dieser Schichten einschließlich der Höllen beträgt, in Yojanas gerechnet —
VP 13.21
tatastriṃśatsahasrāṇi tyaktvā bhūrnavalākṣikī //
Übersetzung: dreihundert Millionen und zweihunderttausend, du Bester der vedisch Eingeweihten. Nach weiteren dreißigtausend Yojanas folgt eine neunhunderttausend Yojanas mächtige Erdschicht.
VP 13.22
yo 'pyadhastātpuṭastasyā mṛdardhaṃ cārdhamāyasam //
Übersetzung: Sie besteht in ihrer ersten Hälfte aus Gold und in der anderen aus Eisen. Die Schicht unmittelbar darunter besteht zur Hälfte aus Erde und zur Hälfte aus Eisen.
VP 13.23
kūṣmāṇḍa iti vikhyātaḥ pralayārkānaladyutiḥ //
Übersetzung: Dort wohnt der Herr dieser zweiunddreißig Höllen, bekannt als Kūṣmāṇḍa. Er strahlt wie Sonne und Feuer beim Weltuntergang.
VP 13.24
ṭaṅkapāṇistathābhūtair bhūtairbhūyobhirāvṛtaḥ //
Übersetzung: Zornig, mit schrecklichem Gesicht und runden, hohlen Augen, hält er eine Axt in der Hand. Zahlreiche Geister von derselben Gestalt umringen ihn.
VP 13.25
sāhasrāḥ ṣaṭ parā madhyā vyarkalakṣatrikoṭikī //
Übersetzung: Über der Eisen- und Goldschicht liegt als achte diese unsere Erde. Sechs weitere Erdschichten messen je tausend Yojanas; die dazwischenliegende misst dreißig Millionen abzüglich einer Million zweihunderttausend.
VP 13.26
tadāsāṃ saptakaṃ sadbhiḥ khyātaṃ pātālasaptakam //
Übersetzung: Die bewohnten Zwischenräume messen je neuntausend Yojanas; der oberste misst zehntausend. Diese sieben Wohnbereiche sind den Kundigen als die sieben Unterwelten bekannt.
VP 13.27
ābhāsaṃ paratālākhyaṃ tritalaṃ ca gabhastimat //
Übersetzung: Höre von mir ihre Namen und ihre Herrscher: Ābhāsa, der Paratāla genannte Bereich, Tritala und Gabhastimat —
VP 13.28
saptasveteṣu daityendrabhujaṅgakṣaṇadācarāḥ //
Übersetzung: Mahātala, Rasāṅku und als siebter Pātāla, o Weiser. In diesen sieben Bereichen wohnen Fürsten der Daityas, Schlangen und Nachtgeister.
VP 13.29
daityāḥ śaṅkuśrutiḥ pūrve prahlādaḥ śiśupālakaḥ //
Übersetzung: Von jeder dieser Gruppen werden sieben genannt. Höre nun auch von ihnen: Die Daityas sind Śaṅkuśruti im ersten Bereich, Prahlāda und Śiśupālaka —
VP 13.30
kādraveyāḥ kuṭilako vāsukiḥ kambalastathā //
Übersetzung: Karkandhaka, Hiraṇyākṣa, Bṛhadgarbha und Bali. Die Schlangensöhne Kadrūs sind Kuṭilaka, Vāsuki und Kambala —
VP 13.31
vikaṭo lohitākṣaśca yamākṣo vikaṭānanaḥ //
Übersetzung: Kārkoṭaka, Kālāṅga, Durdarśa und Takṣaka. Vikaṭa, Lohitākṣa, Yamākṣa und Vikaṭānana —
VP 13.32
teṣāmupari niḥśeṣapātālādhipatīśvaraḥ //
Übersetzung: Karāla, Bhīmanirhrāda und Piṅgala heißen die Rākṣasas. Über ihnen allen wohnt der Herr, der sämtliche Unterwelten beherrscht.
VP 13.33
yaṃ stuvanti priyaprāptyai yatā yativibhūṣaṇaiḥ //
Übersetzung: Hāṭaka hat seinen Sitz in einem goldenen Wohnkreis von tausend Yojanas. Um das Geliebte zu erlangen, preisen ihn andächtig mit Worten, die durch kunstvolle rhythmische Zäsuren geschmückt sind —
VP 13.34
tataḥ koṭiśataṃ pṛthvī nānājanasamāśrayā //
Übersetzung: die Frauen der Herren über Daityas, Yakṣas und Asuras, mit anmutigen Versen. Darüber liegt die Erde mit einer Ausdehnung von einer Milliarde Yojanas, bewohnt von vielerlei Wesen.
VP 13.35
jambūśākakuśakrauñcaśālmagomedhapuṣkarāḥ //
Übersetzung: Sie ist geschmückt mit Inselkontinenten, Bergen, Flüssen und Meereskreisen. Die Inselkontinente heißen Jambū, Śāka, Kuśa, Krauñca, Śālma, Gomedha und Puṣkara.
VP 13.36
tato hiraṇmayī bhūmir lokālokaśca parvataḥ //
Übersetzung: Beginnend mit hunderttausend Yojanas verdoppelt sich jeweils ihr Ausmaß. Sie sind vom Salzmeer und den weiteren Meeren umgeben. Es folgen das goldene Land und der Berg Lokāloka.
VP 13.37
citraśailasariddvīpakānanodadhyalaṃkṛtām //
Übersetzung: Jenseits davon liegen die Finsternis, der Ozean Garbhoda und die Schale des Welteis. So ist der Erdbereich beschaffen. [Der Weise fragt:] »Von der mit mannigfaltigen Bergen, Flüssen, Inselkontinenten, Wäldern und Meeren geschmückten —«
VP 13.38
tvayi vaktari deveśa sarvapratyakṣadarśini //
Übersetzung: »ehrwürdigen Erde möchte ich ausführlich hören, Śakra. Wenn du, Herr der Götter, der alles unmittelbar sieht, der Sprecher bist —«
VP 13.39
vartayiṣye dvijaśreṣṭha prastutoktiśarīravat //
Übersetzung: »dann drängt mein Geist zum Hören, angezogen von der Freude an vollständigem Erkennen.« [Indra antwortet:] »Ich werde es dir darlegen, du Bester der vedisch Eingeweihten, entsprechend dem Zusammenhang der begonnenen Darstellung.«
VP 13.40
jambudvīpaṃ kṣiternābhis tadvṛttaṃ lakṣayojanam //
Übersetzung: »Höre mit gesammeltem Geist von den Inselkontinenten, ihren Flüssen und Wäldern. Jambudvīpa ist der Nabel der Erde; er ist rund und misst hunderttausend Yojanas.«
VP 13.41
tasya madhye sthitaḥ śailarājarājo hiraṇmayaḥ //
Übersetzung: »Ein ebenso breites Salzmeer umschließt ihn ringsum. In seiner Mitte steht der goldene König der Bergkönige —«
VP 13.42
sa ṣoḍaśa sahasrāṇi kṣitau viṣṭo mahītalāt //
Übersetzung: »Meru, von Göttern aufgesucht, dessen Leuchten den Sonnenglanz überstrahlt. Sechzehntausend Yojanas ist er in die Erde eingesenkt; über die Erdoberfläche —«
VP 13.43
triṣu pādāntareṣvasya caturvṛddheṣu parvasu //
Übersetzung: »ragt er hunderttausend abzüglich dieser sechzehntausend empor; an seinem Fuß ist er sechzehntausend Yojanas breit. An seinen drei Absätzen in Abständen von je einem Viertel der Höhe, mit einem Zuwachs von jeweils viertausend —«
VP 13.44
ekā daśasahasrā tu manusāhasrikī parā //
Übersetzung: »springen überaus leuchtende, armreifenförmige Ringe hervor. Der erste misst zehntausend Yojanas, der nächste vierzehntausend.«
VP 13.45
cakravāṭeti tāmāhuḥ sarvaratnaprabhāvatīm //
Übersetzung: »Den Ring nahe seinem Gipfel, auf dem die Welthüter wohnen und der im Glanz aller Edelsteine erstrahlt, nennt man Cakravāṭa.«
VP 13.46
tasyāmaṣṭasu śṛṅgeṣu puryo'ṣṭau samavasthitāḥ /
prācyādiṣvindramukhyānāṃ nāmatastānnibodhata //
Übersetzung: »Auf den Absätzen darunter wohnen Siddhas, Gandharvas und große Wesen. Auf den acht Gipfeln jenes Ringes stehen acht Städte, im Osten beginnend, für Indra und die übrigen Welthüter. Höre nun ihre Namen.«
VP 13.47
siddhasādhyamarujjuṣṭā rukmabhūramarāvatī //
Übersetzung: »Indras Amarāvatī hat goldenen Boden, ist mit einem Kreis von Lichtnetzen verschiedenster Edelsteine geschmückt und wird von Siddhas, Sādhyas und Maruts bewohnt.«
VP 13.48
vahnestejovatī vahnitulyabhūtaniṣevitā //
Übersetzung: »Agnis Tejovatī besitzt goldene Umfassungsmauern und Tortürme, vorwiegend mit roten und gelben Edelsteinen besetzt. Sie wird von Wesen bewohnt, die dem Feuer gleichen.«
VP 13.49
kālapāśapitṛvyādipretamāriniṣevitā //
Übersetzung: »Saṃyamanī, die Stadt des Todesgottes, ist von hohen eisernen Mauern umgeben. Zeit, Fangschlinge, Ahnen, Krankheiten, Totengeister und Seuchengestalten halten sich dort auf.«
VP 13.50
nīlaratnaprabhājālavitānavarabhūṣaṇā //
Übersetzung: »Kṛṣṇā, die Stadt des Daityaherrn, gleicht dem Wohnort des Todesgottes. Daityas bewohnen sie; ein prächtiger Baldachin aus den Lichtnetzen blauer Edelsteine schmückt sie.«
VP 13.51
pāṇḍurābhropamairyādaḥsevitā bhāti dhāmabhiḥ //
Übersetzung: Śuddhavatī, die Stadt des Herrn der Gewässer, ist aus Bergkristall erbaut. Wasserwesen bewohnen sie; ihre Gebäude glänzen wie weiße Wolken.
VP 13.52
balavadbhūtasaṃjuṣṭā sarvaratnavinirmitā //
Übersetzung: Gandhavatī, die Stadt des Windgottes, ist voller hoher weißer und gelber Fahnen. Kraftvolle Wesen bewohnen sie; sie ist aus Edelsteinen aller Art erbaut.
VP 13.53
dvijasaṃghastutā bhāti purairhimagiriprabhaiḥ //
Übersetzung: Mahodayā, die Stadt des Mondgottes, ist weiß und aus Perlen und ähnlichen Kostbarkeiten erbaut. Von Scharen vedisch Eingeweihter gepriesen, erstrahlt sie mit Gebäuden, die dem Schneegebirge gleichen.
VP 13.54
purī yaśovatī sarvaratnajā rudrasevitā //
Übersetzung: Yaśovatī ist die Stadt dessen, der den Ruhm trägt, mit seinem flammenden Stirnauge den Liebesgott und den Tod verbrannt zu haben. Sie besteht aus sämtlichen Edelsteinarten und wird von Rudras bewohnt.
VP 13.55
puryo 'ṣṭāvaniloddhūtapārijātarajo'ruṇāḥ //
Übersetzung: Diese acht Städte gewähren in allen Jahreszeiten Wohlbehagen; jede ist halb so breit wie Cakravāṭa. Vom Wind aufgewirbelter Blütenstaub der Pārijāta-Bäume färbt sie rötlich.
VP 13.56
bhūtaye svarga ityetā gīyante kavibhiḥ kṣitau //
Übersetzung: Der Schöpfer hat sie zum Wohlergehen derer geschaffen, die dem Kreis der Welthüter folgen. Auf Erden besingen die Weisen sie als den Himmel.
VP 13.57
madhye manovatī nāma purī lokeśavanditā //
Übersetzung: In der Mitte liegt Manovatī, die Stadt des Selbstentstandenen, vierzehntausend Yojanas groß und von den Herren der Welten verehrt.
VP 13.58
sāvitryā spardhamāneva svargakāmātivartinī //
Übersetzung: Mit ihrer herrlichen Lichtfülle färbt sie hoch oben die Bahnen der Blitze rötlich. Gleichsam mit Sāvitrī wetteifernd, lässt sie selbst bei denen, die den Himmel erstreben, dieses Verlangen schwinden.
VP 13.59
mahāyogīśvaraṃ siddhyai yamādyairbhūtavedhasam //
Übersetzung: Dort verehren die Götter und die mächtigen Weisen den Schöpfer der Wesen, den großen Herrn der Yogins, durch Selbstzügelung und die weiteren Übungsglieder, um Vollendung zu erlangen.
VP 13.60
yattajjyotiṣkamityāhuḥ sadā paśupatipriyam //
Übersetzung: Nordöstlich dieser Stadt erhebt sich ein Gipfel jenes Berges, der der Sonne gleicht. Man nennt ihn Jyotiṣka; er ist Paśupati stets lieb.
VP 13.61
skandanandimahākālagaṇeśādigaṇāvarāḥ //
Übersetzung: Auf seinen goldenen, mit Edelsteinen bunt geschmückten Berghängen wohnen die Gaṇas von niederem Rang, darunter Skanda, Nandin, Mahākāla und Gaṇeśa.
VP 13.62
rudrāyutagaṇairjuṣṭaṃ brahmādyaiśca surottamaiḥ //
Übersetzung: Auf seinem Gipfel liegt die Stätte des Gottes vor allen Göttern, des Vernichters der drei Städte. Zehntausendscharen von Rudras und höchste Götter wie Brahmā suchen sie auf.
VP 13.63
tacchiṣṭāni navadvīpe varṣāṇyasminnibodha me //
Übersetzung: So ist Meru beschaffen. Höre nun von den Bergen, die unten an seinem Rand in den verschiedenen Himmelsrichtungen stehen, und von den neun Landschaften dieses Inselkontinents, die zwischen ihnen verbleiben.
VP 13.64
merordakṣiṇato nīlaḥ śvetaḥ śṛṅgīti vāmataḥ //
Übersetzung: Südlich von Meru liegen die großen Berge Niṣadha, Hemakūṭa und Himavat; auf seiner linken, nördlichen Seite Nīla, Śveta und Śṛṅgin.
VP 13.65
prāgāyatāḥ suparvāṇāḥ sāgarāhitakoṭayaḥ //
Übersetzung: Sie sind zweitausend Yojanas breit und zehntausend hoch; neuntausend liegen jeweils zwischen ihnen. Nach Osten langgestreckt, mit schönen Absätzen, reichen ihre Enden bis an das Meer.
VP 13.66
yāmyottarau prākpratīcyor merutastāvadantarau //
Übersetzung: Mālyavat und Gandhamādana sind halb so breit. Sie verlaufen von Süden nach Norden, östlich und westlich von Meru, mit dem entsprechend bemessenen Zwischenraum.
VP 13.67
ilāvṛtaṃ nīlagirer yāmyato niṣadhādudak //
Übersetzung: Ilāvṛta liegt westlich von Mālyavat, östlich vom Berg Gandhamādana, südlich von Nīla und nördlich von Niṣadha.
VP 13.68
suketanaṃ ketumālaṃ pratīcyāṃ gandhamādanāt //
Übersetzung: Östlich von Mālyavat liegt die Landschaft Bhadrāśva, erfüllt von glücklichen Bewohnern. Westlich von Gandhamādana liegt Ketumāla mit seinen schönen Wohnstätten.
VP 13.69
nāmnā kiṃpuruṣaṃ khyātaṃ bhārataṃ himavadgireḥ //
Übersetzung: Südlich von Niṣadha liegt Harivarṣa. Südlich von Hemakūṭa liegt das unter dem Namen Kiṃpuruṣa bekannte Land; südlich des Himavatgebirges Bhārata.
VP 13.70
yaduttare śṛṅgavataḥ kuruvarṣaṃ taducyate //
Übersetzung: Nördlich von Nīla liegt das Ramyaka genannte Land, nördlich des Śveta-Gebirges Hiraṇya. Das Land nördlich von Śṛṅgavat wird Kuruvarṣa genannt.
VP 13.71
lakṣārdhonnatayaḥ kḷptās teṣāṃ pūrveṇa mandaraḥ //
Übersetzung: Zur Festigung Merus schuf der Schöpfer vier Stützberge von je fünfzigtausend Yojanas Höhe. Von ihnen liegt Mandara im Osten.
VP 13.72
pratīcyāṃ vipulo nīlaḥ supārśvaḥ saumyato 'ruṇaḥ //
Übersetzung: Er ist weiß. Im Süden liegt Gandhamādana, leuchtend wie Kurkumapulver; im Westen der blaue Vipula und im Norden der rötliche Supārśva.
VP 13.73
kadambajambvāvaśvatthanyagrodhau cottarāntikāḥ //
Übersetzung: Auf ihnen stehen wunscherfüllende Bäume, deren Schatten tausend Yojanas bedeckt: Kadamba, Jambū, Aśvattha und Nyagrodha, in dieser Reihenfolge bis zum nördlichen Berg.
VP 13.74
viveśa mūlamevāsya kanakīkṛtya tāṃ mahīm //
Übersetzung: Ein aus dem Saft der Jambū-Früchte entstandener Fluss umrundete Meru und floss in seinen Fuß hinein, nachdem er jenes Land in Gold verwandelt hatte.
VP 13.75
babhūvuḥ kāñcanā ye ca sattvāstasyāṃ kṛtāplavāḥ //
Übersetzung: Vögel, Schlangen, Mäuse, Wildtiere, Affen und andere Wesen wurden golden, nachdem sie daraus getrunken hatten; ebenso die Wesen, die in jenem Fluss badeten.
VP 13.76
prabhāvātiśayātkhyātaṃ jambūdvīpamidaṃ tataḥ //
Übersetzung: Obwohl es auch die anderen wunscherfüllenden Bäume gibt, wurde die Jambū wegen ihrer überragenden Macht zum Wahrzeichen des Inselkontinents. Daher ist dieser als Jambūdvīpa bekannt.
VP 13.77
saro 'ruṇodakaṃ nāma tatra hemābjamaṇḍitam //
Übersetzung: Im Osten, am Fuß des Stützberges, liegt der Wald Caitraratha. Dort befindet sich der Aruṇodaka genannte See, geschmückt mit goldenen Lotusblüten.
VP 13.78
nandanaṃ mānasaṃ tatra saro mānasataskaram //
Übersetzung: Am Fuß des südlichen Berges liegt Nandana, belebt von Gandharvas, Göttern, Siddhas und Apsaras. Dort ist der See Mānasa, der das Herz bezaubert.
VP 13.79
devairniṣevyate channaḥ kamalairaṃśumatprabhaiḥ //
Übersetzung: Am Fuß des Vipula liegen Vaibhrāja und der herrliche See Sitoda. Götter suchen ihn auf; Lotusblüten mit Sonnenglanz bedecken ihn.
VP 13.80
saugandhikāmbujacchannaḥ sevyate pitṛbhiḥ sadā //
Übersetzung: Am Fuß des Supārśva liegen der Wald namens Dhṛtimat und der See Bhadraka. Er ist mit duftenden Lotusblüten bedeckt und wird stets von den Ahnen aufgesucht.
VP 13.81
mervālokopalabdhārtho janaḥ sutvagilāvṛte //
Übersetzung: Die Bewohner Ilāvṛtas leben dreizehntausend Jahre, ernähren sich vom Saft der Jambū-Frucht und haben schöne Haut. Im Licht Merus nehmen sie die Dinge wahr.
VP 13.82
ketumāle jano divyadehabandhaḥ sukhī balī //
Übersetzung: Die Bewohner Ketumālas leben zehntausend Jahre, leuchten wie blaue Lotusblüten und nähren sich vom Saft der Jackfrucht. Sie besitzen göttlich gebildete Körper, sind glücklich und stark.
VP 13.83
daśavarṣasahasrāyurduḥkhaśokabhayojjhitaḥ //
Übersetzung: In Bhadrāśva strahlen die Bewohner wie die Mondscheibe, essen blaue Lotusblüten und leben zehntausend Jahre. Sie sind frei von Schmerz, Kummer und Furcht.
VP 13.84
yugmaprasūtiḥ kuruṣu śyāmāpuṣpadyutirjanaḥ //
Übersetzung: Die Bewohner Kurus leben dreißigtausend Jahre und essen die Früchte wunscherfüllender Bäume. Sie werden als Zwillingspaare geboren und leuchten wie die Blüte der Śyāmā-Pflanze.
VP 13.85
somavāyvāśayoḥ siddhamunicāraṇasevitau //
Übersetzung: Zwei Inseln von je fünfundvierzigtausend Yojanas Ausdehnung liegen in der Mond- und der Windrichtung, Norden und Nordwesten, jeweils durch eine Richtungsgrenze bestimmt. Siddhas, Weise und Cāraṇas besuchen sie.
VP 13.86
ailāvṛtaṃ tayorāyuḥ phalaṃ mūlaṃ ca bhojanam //
Übersetzung: Sie heißen Candra und Bhadrākara; ihre Bewohner leuchten auf der einen wie der Mond, auf der anderen wie rote Lotusblüten. Ihre Lebensspanne entspricht der in Ilāvṛta; Früchte und Wurzeln sind ihre Nahrung.
VP 13.87
adhyardhāni sahasrāṇi dvādaśāyurhiraṇvati //
Übersetzung: Sie werden Kuru zugerechnet; wegen ihrer Nähe wurden sie hier genannt, obwohl sie im Meer liegen. In Hiraṇvat beträgt die Lebensspanne zwölftausendfünfhundert Jahre —
VP 13.88
nīlanīrajaramyasya ramyake dvādaśasthitiḥ //
Übersetzung: für die Bewohner, die wie der Mond leuchten und sich stets von Lākuca-Früchten ernähren. In Ramyaka leben die Bewohner, schön wie blaue Wasserlotusblüten, zwölf —
VP 13.89
rajatadyutirikṣvādas tāvadāyurharau janaḥ //
Übersetzung: tausend Jahre und essen die Früchte des Nyagrodha-Baumes. In Harivarṣa leuchten die Menschen silbern, ernähren sich von Zuckerrohr und haben dieselbe Lebensspanne.
VP 13.90
iti kimpuruṣādīni varṣāṇyuktāni yāni te //
Übersetzung: In Kiṃpuruṣa glänzen die Menschen golden, essen Plakṣa-Früchte und leben zehntausend Jahre. In den soeben beschriebenen Landschaften, Kiṃpuruṣa und den übrigen —
VP 13.91
yugānurūpaprajñāyus tejobaladhanaprajaḥ //
Übersetzung: ändert sich die Lebensbeschaffenheit beim Wechsel der Weltzeitalter Kṛta und der weiteren nicht. In Bhārata hingegen richten sich Einsicht, Lebensspanne, Ausstrahlung, Kraft, Reichtum und Nachkommenschaft nach dem jeweiligen Weltzeitalter.
VP 13.92
guṇa eko yadudyukto neṣṭaṃ kiṃcinna sādhayet //
Übersetzung: Die Menschen Bhāratas essen Angepflanztes und wild Gewachsenes und werden von den drei Arten des Leidens bedrängt. Doch haben sie einen besonderen Vorzug: Wenn sie sich ernsthaft bemühen, gibt es nichts Erwünschtes, das sie nicht erreichen könnten.
VP 13.93
navābdhisrotasi dvīpā nava cātrārdhakasthale //
Übersetzung: Denn dieses Land des Handelns ist die Ursache aller Länder, in denen dessen Früchte erfahren werden. Hier gibt es neun Inseln in einem Gebiet mit neun Meeresarmen, das zur Hälfte Land und zur Hälfte Wasser ist.
VP 13.94
indradvīpaḥ kaśeruśca tāmraparṇo gabhastimān //
Übersetzung: Sie beginnen mit Indradvīpa. Höre ihre Namen von mir: Indradvīpa, Kaśeru, Tāmraparṇa und Gabhastimat —
VP 13.95
kumārikākhyo navamo nānāparvatanimnagāḥ //
Übersetzung: Nāgadvīpa, Cāndramasa, Gāndharva und Vāruṇa; der neunte heißt Kumārikā. Sie besitzen mannigfaltige Berge und Flüsse —
VP 13.96
āgnīdhro nāma nṛpatir jambūnātho manoḥ kule //
Übersetzung: und sind von Menschen verschiedenster Herkunft bevölkert. Sie werden dem Bhārata genannten Land zugerechnet. Ein König namens Āgnīdhra aus Manus Geschlecht war der Herr von Jambūdvīpa.
VP 13.97
kṣārakṣīradadhisneharasamadhvāmṛtodakaiḥ //
Übersetzung: Die Länder Bhārata und die übrigen tragen die Namen der von ihm abstammenden Könige. Mit Meeren aus Salzwasser, Milch, Dickmilch, Fett, Saft, Madhu-Trank und nektargleichem Wasser —
VP 13.98
śāke śākadrumastvaṅgaḥ śākasaṃjñānibandhanaḥ //
Übersetzung: sind die Inselkontinente, beginnend mit Jambūdvīpa, umgeben; ihre Ausdehnung beginnt bei hunderttausend Yojanas und verdoppelt sich jeweils. Auf Śāka steht der [hohe?] Śāka-Baum, nach dem die Insel ihren Namen hat.
VP 13.99
krauñce krauñco hato daityaḥ krauñcādrau hemakandare //
Übersetzung: Auf Kuśadvīpa entstand goldenes Kuśa-Gras, als der Selbstentstandene ein Opfer darbringen wollte. Auf Krauñca wurde der Daitya Krauñca am gleichnamigen Berg mit seinen goldenen Höhlen getötet —
VP 13.100
sa śailastasya daityasya khyātaścitreṇa karmaṇā //
Übersetzung: nachdem er mit seinen vielfältigen Zauberkünsten sehr lange gegen Skanda, den mächtigen Zauberer, gekämpft hatte. Das erstaunliche Wirken jenes Daityas machte den Berg berühmt.
VP 13.101
śālmale śālmalīvṛkṣo haimaḥ sāhasriko 'rkabhāḥ //
Übersetzung: Er wurde zum Wahrzeichen des Inselkontinents; nach ihm heißt dieser Krauñca. Auf Śālmala steht ein goldener Śālmalī-Baum, tausend Yojanas hoch und glänzend wie die Sonne.
VP 13.102
gomede gopatirnāma rājābhūdgosavodyataḥ //
Übersetzung: Den Unsterblichen lieb, ist er das Wahrzeichen dieser Insel und der Grund ihres Namens. Auf Gomedha lebte ein König namens Gopati, der ein Kuhopfer ausrichten wollte.
VP 13.103
sa teṣu hariyajñāya pravṛtteṣu bhṛgūn gurūn //
Übersetzung: Er stammte aus Manus Geschlecht und war der Opferherr der Nachkommen Utathyas, die dem Feuer glichen. Als diese zu einem Opfer für Indra aufgebrochen waren, wählte er die Bhṛgus zu seinen Lehrern —
VP 13.104
yajñavāṭe 'sya tā gāvo dagdhāḥ kopāgninā muneḥ //
Übersetzung: und Opferpriestern. Gautama verfluchte ihn aus Zorn, und er ging zugrunde. Auch jene Kühe auf seinem Opferplatz verbrannten im Zornesfeuer des Weisen.
VP 13.105
nadī puṣkariṇī nāma hemapuṣkaramaṇḍitā //
Übersetzung: Ihr Fett bedeckte den Boden; daher wurde die Insel Gomedha, Kuhfett, genannt. Ein Fluss namens Puṣkariṇī ist mit goldenen Lotusblüten geschmückt.
VP 13.106
yathā kimpuruṣādyeṣu kṛtāvāsaḥ sadā janaḥ //
Übersetzung: Durch ihn wurde der von Göttern besuchte Inselkontinent als Puṣkaradvīpa bekannt. Wie die Menschen in Kiṃpuruṣa und den übrigen Landschaften stets in derselben Lebensbeschaffenheit wohnen —
VP 13.107
himenduhimanīlābjasasyakasphaṭikadyutiḥ //
Übersetzung: so auch auf Śākadvīpa und den folgenden Inseln. Sie nähren sich von Milch und den weiteren genannten Flüssigkeiten. Ihre Ausstrahlung gleicht der Reihe nach Schnee, Mond, Eis, blauem Lotus, Smaragd und Bergkristall.
VP 13.108
saptamādudadherarvāk dve koṭī satrikaṃ dalam //
Übersetzung: Sie leben zehntausend Jahre; der eine Dorn des Leidens ist verschwunden. Vom siebten Meer einwärts gemessen beträgt der Abstand fünfundzwanzig Millionen dreihunderttausend —
VP 13.109
tato hiraṇmayī bhūmir nānāratnadrumācalā //
Übersetzung: und fünfzigtausend Yojanas bis zum Winkelbereich in der Mitte des goldenen Berges. Darauf folgt goldenes Land mit vielerlei Edelsteinen, Bäumen und Bergen.
VP 13.110
lokāloko bahistasyā lokālokaniyāmakaḥ //
Übersetzung: Der Schöpfer schuf es den Göttern zum Spiel; es misst hundert Millionen Yojanas. Außerhalb liegt Lokāloka, der Berg, der die Welt und den Bereich jenseits der Welt voneinander scheidet.
VP 13.111
tasya śṛṅgeṣu tīkṣṇāṃśor bhāsaścandrātapopamāḥ //
Übersetzung: Er ist zehntausend Yojanas breit und von hohen Gipfeln umgeben. Auf seinen Gipfeln gleichen die Sonnenstrahlen dem Mondlicht.
VP 13.112
tamaḥ parastānnibiḍaṃ lakṣāṇyekonaviṃśatiḥ //
Übersetzung: Wegen der großen Entfernung erhitzt die Sonne dort die Wohnstätten der Welthüter nicht, o Weiser. Jenseits davon liegt dichte Finsternis; ihr Ausmaß beträgt eine Million neunhunderttausend —
VP 13.113
saptaviṃśatilakṣāṇi koṭiścaikā samudrarāt //
Übersetzung: und vierzigtausend sowie dreihundertfünfzig Millionen Yojanas. Der König der Meere misst eine weitere Zehnmillion und zwei Millionen siebenhunderttausend.
VP 13.114
tithilakṣo bhuvarloko dhruvaprānto mahītalāt //
Übersetzung: Die goldene Schale misst zehn Millionen Yojanas. Garbhoda heißt jener rings umlaufende Ozean. Von der Erdoberfläche bis Dhruva reicht der Luftraum Bhuvarloka, eine Million fünfhunderttausend Yojanas hoch.
VP 13.115
mahardvikoṭiryatrāste marīcyādimunivrajaḥ //
Übersetzung: Svarloka, die Wohnstätte der vornehmsten Himmelsbewohner, misst zehn Millionen abzüglich dieses Maßes. Maharloka umfasst zwanzig Millionen Yojanas; dort wohnt die Schar der Weisen um Marīci.
VP 13.116
tapo 'rkakoṭiryatrāste mahāyogī sanandanaḥ //
Übersetzung: Janaloka umfasst achtzig Millionen Yojanas und ist die Wohnstätte der Ahnen und der Schar um Jahnu. Tapoloka misst hundertzwanzig Millionen; dort wohnen der große Yogin Sanandana —
VP 13.117
tataḥ satyadhiyaḥ sthānaṃ satyalokaḥ svayambhuvaḥ //
Übersetzung: Ṛbhu, Sanatkumāra und Sanaka von großer Askesekraft. Darauf folgt Satyaloka, die Stätte des Selbstentstandenen, dessen Einsicht der Wahrheit entspricht.
VP 13.118
sāvitrī mūrtimatyāste yatra vedāśca sānugāḥ //
Übersetzung: Diese Welt ist mit einem Übermaß an allem Erwünschten ausgestattet und misst neun plus sieben Zehnmillionen Yojanas. Dort wohnen die verkörperte Sāvitrī und die Veden mit ihrem Gefolge.
VP 13.119
sthāne jyotiṣmatīcitre koṭiraṇḍakaṭāhakaḥ //
Übersetzung: Es folgen die leuchtenden, prächtigen Stätten des Feindes Madhus und des Feindes der drei Städte, vier beziehungsweise sechs Zehnmillionen Yojanas groß. Die Schale des Welteis misst eine Zehnmillion.
VP 13.120
bhūyasā tulya evāyaṃ sarvasrotaḥsu mānataḥ //
Übersetzung: So hat die Kugel des Welteis eine Ausdehnung von einer Milliarde Yojanas. In den sämtlichen Strömen der Offenbarung wird ihr Maß im Wesentlichen gleich angegeben.
VP 13.121
dakṣiṇāṃ bhūtasaṃhartā rākṣaso dakṣaṇāparām //
Übersetzung: Śakra schützt seine östliche Richtung, Agni den Südosten, der Vernichter der Wesen den Süden und der Rākṣasa den Südwesten.
VP 13.122
udīcīṃ somayakṣeśāv īśaḥ prāguttarāṃ diśam //
Übersetzung: Der Gott Varuṇa schützt den Westen, der Windgott den Nordwesten, Soma und der Herr der Yakṣas den Norden, Īśa den Nordosten.
VP 13.123
eṣāmapi niyantāro rudrā daśa daśa sthitāḥ //
Übersetzung: Brahmā schützt oben, Hari unten; stets achten sie auf alle Aufgaben. Doch auch über diese Welthüter sind Lenker gesetzt: in jeder Richtung zehn Rudras.
VP 13.124
nānārūpairmahāvīryais taruṇārkasamaprabhaiḥ //
Übersetzung: Obwohl die Welthüter selbst große Macht besitzen, verlassen sie aus Furcht vor diesen Rudras ihren Posten nicht. Jene sind von Gefolgsleuten vielerlei Gestalt umgeben, von großer Kraft und strahlend wie die junge Sonne —
VP 13.125
budhnavajraśarīrājakapālīśapramardanāḥ //
Übersetzung: die verschiedenste Waffen tragen. Höre ihre Namen von mir: Budhna, Vajraśarīra, Aja, Kapālīśa und Pramardana —
VP 13.126
bhasmakṣayāntakaharajvalanāgnihutāśanāḥ //
Übersetzung: sowie Vibhūti, Avyaya, Śāstṛ, Pinākin und Tridaśādhipa im Osten. Bhasma, Kṣayāntaka, Hara, Jvalana, Agni und Hutāśana —
VP 13.127
vidhātṛdhātṛkartrīśakālamṛtyuviyojakāḥ //
Übersetzung: Piṅgala, Khādaka, Babhru und Dahana befinden sich in der Feuerrichtung, dem Südosten. Vidhātṛ, Dhātṛ, Kartrīśa, Kāla, Mṛtyu und Viyojaka —
VP 13.128
nirṛtirmāraṇakrodhahantṛdhūmravilohitāḥ //
Übersetzung: Yāmya, Dharmeśa, Saṃyoktṛ und Hara sind die Gebieter Yamas. Nirṛti, Māraṇa, Krodha, Hantṛ, Dhūmra und Vilohita —
VP 13.129
balātibalapāśāṅgaśvetabhūtajalāntakāḥ //
Übersetzung: Ūrdhvaliṅga, Virūpākṣa, Daṃṣṭrin und Bhīma beschützen den Fleischesser [Nirṛti]. Bala, Atibala, Pāśāṅga, Śveta, Bhūta und Jalāntaka —
VP 13.130
laghuśīghramahadvegasūkṣmatīkṣṇakṣayāntakāḥ //
Übersetzung: Mahābala, Mahābāhu, Sunādin und Abdarava sind die Beschützer des Wassers. Laghu, Śīghra, Mahadvega, Sūkṣma, Tīkṣṇa und Kṣayāntaka —
VP 13.131
nidhīśo rūpavān dhanyasaumyaśāntajaṭādharāḥ //
Übersetzung: Kapardin, Abdeśa, Pañcānta und Pañcacūḍa sind die Beschützer des Windes. Nidhīśa, Rūpavat, Dhanya, Saumya, Śānta und Jaṭādhara —
VP 13.132
vidyeśasarvavijjñānavedavijjyeṣṭhavedagāḥ //
Übersetzung: Kāma, Prasāda, Lakṣmīśa und Prakāśa beschützen den Mond- und den Yakṣaherrn. Vidyeśa, Sarvavid, Jñāna, Vedavid, Jyeṣṭha und Vedaga —
VP 13.133
śambhurgaṇādhyakṣavibhutryakṣacaṇḍāmarastutāḥ //
Übersetzung: Vidyāvidhātṛ, Bhūteśa, Balipriya und Sukhādhipa [stehen über dem nordöstlichen Welthüter]. Śambhu, Gaṇādhyakṣa, Vibhu, Tryakṣa, Caṇḍa und Amarastuta —
VP 13.134
krodhanānilabhugbhogigrasanodumbareśvarāḥ //
Übersetzung: Vicakṣaṇa, Nabholipsu, Saṃvāha und Vivāha befinden sich oben. Krodhana, Anilabhuj, Bhogin, Grasana und Udumbareśvara —
VP 13.135
tato 'mbhaḥpramukhā bhogabhūmayastāsu saṃsthitāḥ //
Übersetzung: Vṛṣa, Viṣadhara, Ananta, Vajra und Daṃṣṭrin sind die Beschützer Viṣṇus. Darüber folgen die Erlebniswelten, beginnend mit dem Wasserprinzip. In ihnen befinden sich —
VP 13.136
bhārabhūtyāṣāḍhiḍiṇḍilākulyamarapuṣkarāḥ //
Übersetzung: fünf Achtergruppen von Lenkern, welche die Herrlichkeit des an heiligen Stätten erlangten Lohnes zuteilen: Bhārabhūti, Āṣāḍhi, Ḍiṇḍi, Lākuli, Amara und Puṣkara —
VP 13.137
śrīśailajalpakedārabhairavāmrātakeśvarāḥ //
Übersetzung: Prabhāsa und Naimiṣa. Diese »geheime Achtergruppe« gehört zum Wasserprinzip. Śrīśaila, Jalpa, Kedāra, Bhairava und Āmrātakeśvara —
VP 13.138
mahendrabhīmavimalakurukṣetragayākhalāḥ //
Übersetzung: Hariścandra, Mahākāla und Madhya befinden sich im Feuerprinzip; ihre Gruppenbezeichnung erhält den Zusatz »überaus«. Mahendra, Bhīma, Vimala, Kurukṣetra, Gayā und Khala —
VP 13.139
sthāṇusvarṇākṣagokarṇabhadrakarṇamahālayāḥ //
Übersetzung: beim letztgenannten Namen wird »nā« vorangestellt, dazu Aṭṭahāsa und Nākhala: Diese befinden sich im Luftprinzip. Sthāṇu, Svarṇākṣa, Gokarṇa, Bhadrakarṇa und Mahālaya —
VP 13.140
pavitrāṣṭakamityāhur garve mātrendriyodare //
Übersetzung: Vastrapada, der Avimukta Genannte und Rudrakoṭi gehören zum Raumprinzip. Man nennt sie die »reine Achtergruppe«. Im Ichprinzip, das die subtilen Elemente und die Vermögen in sich birgt —
VP 13.141
mākoṭamaṇḍaleśānadviraṇḍachagalāṇḍakāḥ //
Übersetzung: liegt die Achtergruppe Sthāṇus. Ihre Namen werde ich dir nennen, du Bester der vedisch Eingeweihten: Mākoṭa, Maṇḍaleśāna, Dviraṇḍa und Chagalāṇḍaka —
VP 13.142
sūkṣmāmarapurāṇyaṣṭau buddhau paiśācamāditaḥ //
Übersetzung: Sthūla, Sthūleśvara, Śaṅkukarṇa und Kālañjara. Im Erkenntnisvermögen Buddhi liegen acht feine Götterstädte; die erste ist die der Piśācas.
VP 13.143
saumyaṃ prājeśvaraṃ brāhmaṃ dīptaṃ paramayā śriyā //
Übersetzung: Es folgen die Städte der Rākṣasas, Yakṣas und Gandharvas, die sehr mächtige Stadt Indras, die des Mondgottes, die des Herrn der Geschöpfe und die Brahmās, die in höchster Herrlichkeit strahlt.
VP 13.144
brāhmavaiṣṇavakaumāram aumaṃ śraikaṇṭhamantataḥ //
Übersetzung: Im Prinzip der Grundqualitäten liegen die Wohnstätten der Herren der Yogins: Akṛta, Kṛta, Bhairava, die Brahmās, Viṣṇus, Kumāras, Umās und zuletzt Śrīkaṇṭhas.
VP 13.145
svapadādho 'dhikārasthasarvarudrādhikaśriyaḥ //
Übersetzung: [Darüber liegt] Vīrabhadras leuchtende Wohnstätte, gepriesen von den besten Yogins. Seine Herrlichkeit überragt die sämtlicher Rudras, die unterhalb seines Bereichs ein Amt innehaben.
VP 13.146
sarveśāneśvarāvekavīraikaśivasaṃjñitau //
Übersetzung: Vāmadeva, Bhava, Ananta, Bhīma, Umāpati und Ajeśvara, ferner Sarveśāna und Īśvara, die auch Ekavīra und Ekaśiva heißen —
VP 13.147
tapasā guruṇopāsya krodhādīn gurutāṃ gatāḥ //
Übersetzung: Ugra, Pracaṇḍadṛś und Īśa befinden sich an der Spitze der Grundqualitäten. Durch strenge Askese und die Verehrung Krodhas und der übrigen [höheren Herren] sind sie zu eigener Herrschaft gelangt.
VP 13.148
tebhyo daśaguṇaśrīkān pradhānādhipatīñchṛṇu //
Übersetzung: Diese Rudras sind tatkräftig bei der Ausübung ihres Amtes und besitzen auf alle Gegenstände gerichtetes Erkennen und Wirken. Höre nun von den Herren des Pradhāna, deren Herrlichkeit die ihre zehnfach übertrifft.
VP 13.149
pañcāntakaikavīrau ca śikheda iti te smṛtāḥ //
Übersetzung: Als diese werden Krodheśa, Caṇḍa, Saṃvarta, Jyotis, Piṅgala, Sūraga, Pañcāntaka, Ekavīra und Śikheda überliefert.
VP 13.150
puruṣe niyatau yantā kāle kalanaśaktimān //
Übersetzung: Im Puruṣa-Prinzip wohnt [der Herr], der alle Vermögen und alle Körper umfasst und in sämtlichen inneren Organen seinen Sitz hat. In Niyati wohnt der Lenker; in der Zeit der mit der Kraft des Bemessens Ausgestattete.
VP 13.151
ekapiṅgekṣaṇeśānāṅguṣṭhamātrāśca bhāsvarāḥ //
Übersetzung: Bhuvaneśa, Mahādeva, Vāmadeva, Bhava, Udbhava, Ekapiṅgekṣaṇa, Īśāna und Aṅguṣṭhamātra sind leuchtende —
VP 13.152
mahāpuracatuḥṣaṣṭimaṇḍale maṇḍalādhipāḥ //
Übersetzung: dem höchsten Herrn vergleichbare Gebieter der Weltenkreise. Sie befinden sich im Kalā-Bereich, der Rāga und Vidyā in sich birgt, in einem Kreis von vierundsechzig großen Städten.
VP 13.153
dhruvatejodhipau rudrau gahaneśaśca viśvarāṭ //
Übersetzung: Ananta, Trikala, Goptṛ, Kṣemīśa und Brahmaṇaspati, die beiden Rudras Dhruva und Tejodhipa sowie Gahaneśa, der Weltenherr —
VP 13.154
saṃsāracakrakārūḍhabhūtagrāmavivartakāḥ //
Übersetzung: sind die in Māyā eingesetzten Rudras und die Herren der Weltenkreisgebieter. Sie versetzen die Scharen der Wesen in Bewegung, die das Rad des Daseins bestiegen haben.
VP 13.155
sīdantyajñānino yasyāṃ paṅke gāva ivācalāḥ //
Übersetzung: Bis hierher erstreckt sich dieser furchtbare Boden des Werdens aller Wesen. In ihm sinken die Unwissenden ein und kommen nicht mehr voran, wie Kühe im Schlamm.
VP 13.156
rūpiṇī nandinī jvālā saptasaptārbudeśvarāḥ //
Übersetzung: Bhṛguṇī, Brahmavetālī, Sthāṇumatī, die höchste Ambikā, Rūpiṇī, Nandinī und Jvālā: Diese sieben sind Herrinnen über sieben Arbudas —
VP 13.157
tāsāmupari dīptaśrīr devo vidyādhipaḥ sthitaḥ //
Übersetzung: [von Mantras] und werden als Vidyā-Königinnen in der reinen Vidyā überliefert, von Rudras gepriesen. Über ihnen befindet sich der Gott Vidyādhipa in leuchtender Herrlichkeit.
VP 13.158
ucchuṣmāḥ śambarāścaṇḍā mahāvīryāḥ padadruhaḥ //
Übersetzung: Ihm folgen acht Heerscharen von Rudras, durchdrungen vom Bewusstsein des Herrn über die Mantraherren. Dort sind Ucchuṣmas, Śambaras, Caṇḍas, die gewaltigen Mahāvīryas und die Padadruhs —
VP 13.159
te cānantaprabhṛtayo gaditā eva nāmataḥ //
Übersetzung: die Rudras, die Gaṇas mit den Hütern der Himmelsrichtungen, die Schriften und darüber die Herren. Die Namen dieser Herren, beginnend mit Ananta, sind dir bereits genannt worden —
VP 13.160
sādāśive pavitrāṅgasakalādiparicchadaḥ //
Übersetzung: ebenso ihr jeweiliges Wesen, Brahmane, im Zusammenhang mit deiner früheren Frage. Im Sādāśiva-Prinzip befindet sich, umgeben von den reinigenden Grundmantras, den Gliedmantras, Sakala und den übrigen [Rudras] —
VP 13.161
nāde dhvanipatiḥ śaktau sarvaśaktimatāṃ varaḥ //
Übersetzung: der Gott Sadāśiva. Im Bindu befinden sich die Herren der Kalās, beginnend mit Nivṛtti; im Nāda der Herr des Klangs; in Śakti der Vornehmste aller mit Kräften Begabten.
VP 13.162
sadāśivaśivāntādhvakalpitāṇuvapuḥsthitiḥ //
Übersetzung: Dort befinden sich auch der Ursprung des Alls und die Herren der Rede; jenseits davon ist Śiva. [Der Weise fragt:] »Auf dem Weg von Sadāśiva bis hin zu Śiva hast du den Seelen körperliche Daseinsformen zugeordnet —«
VP 13.163
īśānatītya śāntāntaṃ tattvaṃ sādāśivaṃ smṛtam //
Übersetzung: »doch in Sadāśiva kommen alle Steigerungen zur Ruhe. Wie kann es dann darüber weitere Herren geben?« [Antwort:] »Jenseits der [Mantra-]Herren reicht das sogenannte Sādāśiva-Prinzip bis zum vollkommen Stillen.«
VP 13.164
kiṃtu yaḥ patibhedo 'smin sa śāstre śaktibhedavat //
Übersetzung: »Die dortigen Welten sind die Kalās des Nāda und der weiteren Bereiche. Es gibt hier keinen anderen Herrn als Śiva. Die in dieser Schrift vorgenommene Unterscheidung von Herren ist jedoch, wie die Unterscheidung seiner Kräfte —«
VP 13.165
karotyunmīlanaṃ yābhiḥ śaktibhirnaratejasaḥ //
Übersetzung: »eine übertragene Benennung aufgrund verschiedener Aufgaben und der ihnen entsprechenden unterschiedlichen Wirkungsbereiche. Die Kräfte, durch die er das Licht der Seele zur Entfaltung bringt —«
VP 13.166
nivartayati bhūtāni yayā sāsya nivartikā //
Übersetzung: »sind die als Herren der Nivṛtti und der übrigen Welten bezeichneten Kräfte. Die Kraft, durch die er die Wesen vom Daseinskreislauf abwendet, ist seine Abwendende.«
VP 13.167
nivṛttasya gatirbhūyo yayā pracyāvalakṣaṇā //
Übersetzung: »Ihre Stätte heißt Nivṛtti, Abwendung, und der Herr dort wird Träger der Abwendung genannt. Die Kraft, durch die bei dem bereits Abgewendeten eine erneute Bewegung verhindert wird, die einem Rückfall gleichkäme —«
VP 13.168
tyaktvāptagamyaviṣayaṃ yayā jñānaṃ dadātyaṇoḥ //
Übersetzung: »heißt Pratiṣṭhā, Festigung; ebenso heißt ihre Stätte, und ihr Träger ist deren Herr. Die Kraft, durch die er der Seele Erkenntnis verleiht, unter Zurücklassung von Erkenntnis aus verlässlicher Aussage und Schlussfolgerung —«
VP 13.169
sarvaduḥkhapraśamanaṃ yayāsya kurute haraḥ //
Übersetzung: »heißt Vidyā, Erkenntnis; ebenso heißt ihre Stätte, und Vidyeśa ist ihr Herr. Die Kraft, durch die Hara alles Leiden der Seele zur Ruhe bringt —«
VP 13.170
ūrdhvādhoviṣayāloko mahānyaśca mahattaraḥ //
Übersetzung: »heißt Śānti, Frieden, und ebenso ihre Stätte. Weil er dies bewirkt, heißt auch er der Friedensträger. Eine große und eine noch größere Erhellung der oberen und unteren Gegenstände —«
VP 13.171
tā indhikādyāstatsthānaṃ tadvānīśastisṛṣvapi //
Übersetzung: »sowie eine allergrößte wird der nach Befreiung strebenden Seele durch die Kräfte verliehen, die Indhikā und die weiteren heißen. Ebenso heißen ihre Stätten. In allen dreien ist der mit der jeweiligen Kraft ausgestattete Herr gegenwärtig.«
VP 13.172
pramārṣṭi tadyayā sāsya mocikā tatpadaṃ ca yat //
Übersetzung: »Auch bei vorhandener Allwissenheit und den übrigen Fähigkeiten bleibt durch einen Rest der Unreinheit die Unterstellung unter einen Auftrag bestehen. Die Kraft, durch die er diese beseitigt, ist seine Mocikā, die Befreiende; ebenso heißt ihre Stätte —«
VP 13.173
sordhvagā tatpadaṃ ceti tadīśaścordhvagāpatiḥ //
Übersetzung: »und der, der diese Tätigkeit ausübt, heißt Befreier. Die Kraft, durch die er jene Seele zum Herrn macht, ist Ūrdhvagā, die Aufwärtsführende; ebenso heißt ihre Stätte, deren Herr Ūrdhvagāpati genannt wird.«
VP 13.174
te tatsthityantamāhlādaṃ prāpya yānti paraṃ padam //
Übersetzung: »Auch diejenigen, die durch die Anwendung der śivaitischen Mittel seine Stätte erreicht haben, erfahren Freude bis zum Ende ihres dortigen Aufenthalts und gelangen dann zur höchsten Stätte.«
VP 13.175
iti sādāśivaṃ tattvaṃ vyākhyātaṃ leśatastava //
Übersetzung: »Sie vollziehen jedoch nicht Schöpfung und die übrigen Welttätigkeiten, denn sie sind in der Erfüllung ihres eigenen Zieles gegründet. So ist dir das Sādāśiva-Prinzip in seinen Grundzügen erläutert.«
VP 13.176
kṛtyaṃ tadādiviṣayaṃ niṣkalo 'nyatra sarvadā //
Übersetzung: »Ebenso verhält es sich im Śakti-Prinzip. Aufgrund seiner Tätigkeit besitzt er Teile und Gestalt. Sein Wirken betrifft deren Anfang [ihre Ingangsetzung durch seinen Willen]. Außerhalb dieser Tätigkeit ist er stets ohne Teile und Gestalt.«
VP 13.177
guṇakārā daśādyāḥ syur nādakoṭeradho mune //
Übersetzung: »Auf der Erde, im Pradhāna, im Knoten [der Māyā], in Vidyā und in den Kalās des Bindu sowie den weiteren Bereichen liegen unterhalb der äußersten Nāda-Grenze die zehn vornehmlichen und die weiteren Bindungsstätten der Eigenschaften, o Weiser.«
VP 13.178
tadantarālametāvad iti dhījātra lakṣaṇā //
Übersetzung: »Oberhalb von Kalā und unterhalb von Vidyā werden die Herren der Māyā gelehrt. Die Bestimmung ›So weit reicht der Zwischenraum‹ beruht hier auf begrifflicher Setzung.«
VP 13.179
vilayaḥ prātilomyena śaktitattvadvayāvadhiḥ //
Übersetzung: »Beide Weltwege, die auf diese Weise in einer Folge von Hervorbringungen entstehen, lösen sich in umgekehrter Reihenfolge wieder auf, bis zu den beiden Kraftprinzipien.«
VP 13.180
tattvamārgasya bhagavan brūhi sarvārthadarśyasi //
Übersetzung: [Der Weise fragt:] »Wie vollzieht sich die Auflösung eines Teils und wie die des gesamten Weges der Prinzipien, und wie lange dauert sie? Sage es mir, Erhabener, denn du siehst alle Dinge.«
VP 13.181
sargo 'pyevaṃ sthiteḥ kālaḥ kathyamāno 'vadhāryatām //
Übersetzung: [Antwort:] »Beim großen Weltschlaf wird das Ganze aufgelöst; eine zwischenzeitliche Auflösung betrifft nur einen Teil. Ebenso verhält es sich mit der Schöpfung. Höre nun aufmerksam die Dauer des Bestehens.«
VP 13.182
niśā tāvatyahorātramānenābdaparārdhake //
Übersetzung: »Ein Tag des aus dem goldenen Ei Geborenen dauert tausend Zyklen von je vier Weltzeitaltern. Seine Nacht ist ebenso lang. Wenn, nach solchen Tagen und Nächten gerechnet, ein Parārdha von Jahren vergangen ist —«
VP 13.183
tadā rudraśataṃ vīraśrīkaṇṭhau ca pradhānapāḥ //
Übersetzung: »erfolgt diese Auflösung in umgekehrter Reihenfolge; Prakṛti und die weiteren [Ursachen] werden in ihrer Tätigkeit stillgelegt. Dann halten die hundert Rudras, Vīrabhadra und Śrīkaṇṭha sowie die Herren des Pradhāna —«
VP 13.184
prakṛtisthāśayān kālaṃ tatsvāpāntamupāsate //
Übersetzung: »mit ihrer Kraft die feingewordene Welt und die bewussten Wesen mit ihren feinen Körpern, deren karmische Anlagen in Prakṛti ruhen, unter ihrer Obhut und warten bis zum Ende ihres Weltschlafes.«
VP 13.185
kāle jagatsamutpādya svādhikāraṃ prakurvate //
Übersetzung: »Zur rechten Zeit bringen sie die Welt wieder hervor und üben ihre Ämter aus, angetrieben von den Herren der Weltenkreise; diese werden wiederum von den durch Śivas Willen bewegten Mantraherren angetrieben.«
VP 13.186
guṇino na guṇo 'paiti prakṛtāvucyate katham //
Übersetzung: [Einwand:] »Karma in Gestalt von Verdienst und seinem Gegenteil befindet sich doch als Eigenschaft in Buddhi. Eine Eigenschaft verlässt ihren Träger nicht. Wie kann man dann sagen, es befinde sich in Prakṛti?«
VP 13.187
dehākṣaphalabhūmīnāṃ tātsthyāt tatropacaryate //
Übersetzung: [Antwort:] »Richtig: Karma ist eine Eigenschaft der Buddhi, und eine Eigenschaft verlässt ihren Träger nicht. Weil aber Körper, Vermögen und die Welten der Fruchterfahrung in Prakṛti ruhen, wird diese Ortsangabe übertragen auch vom Karma gebraucht.«
VP 13.188
dharmādyanukṛtau ceti lakṣaṇāṃ sūrayo jaguḥ //
Übersetzung: »Die Kundigen sprechen von übertragener Bedeutung bei der Benennung nach Träger, Ursache, Wirkung, Nähe, Unterstützung sowie nach der Nachahmung von Eigenschaften und Ähnlichem.«
VP 13.189
kalā leḍhi kalāṃ māyā svādhikāraparāṅmukhī //
Übersetzung: »Wenn für die mit den Grundqualitäten beginnenden Schöpfungen auf diese Weise ein Parārdha verstrichen ist, verschlingt Kalā deren Ursache. Māyā, die sich von ihrer eigenen Tätigkeit abwendet, verschlingt wiederum Kalā.«
VP 13.190
sargasthityādiko yasmād adhikārastadāśrayaḥ //
Übersetzung: »Wenn ihre Tätigkeit endet, ziehen sich auch die darin eingesetzten Götter zurück. Denn ihre Ämter, Schöpfung, Erhaltung und die übrigen, beruhen auf ihr.«
VP 13.191
vidyāmatti sadātattvaṃ tadbindurbaindavaṃ dhvaniḥ //
Übersetzung: »Wenn auf diese Weise die obersten Mantraherren in die von ihnen erstrebte Stätte eingehen, nimmt das Sadāśiva-Prinzip Vidyā in sich auf, Bindu nimmt jenes auf und der Klang das zum Bindu Gehörige.«
VP 13.192
bhavināṃ viśramāyaivaṃ māyāyāśca paraḥ śivaḥ //
Übersetzung: »Die höchste Śakti nimmt Nāda in sich auf; über Śakti waltet Hara selbst. So bemisst der höchste Śiva den Weltschlaf zur Erholung der im Dasein wandernden Wesen und der Māyā —«
VP 13.193
evaṃ tattvāni bhāvāśca bhuvanāni vapūṃṣi ca //
Übersetzung: »mit seiner eigenen Erkenntniskraft und wendet sich dann wieder der Schöpfung zu. Damit sind die Prinzipien, ihre Zustandsweisen, die Welten und die Körper —«
VP 13.194
vidyā pañcāṇudehāśca bindurnādo 'tha kāraṇam //
Übersetzung: »des reinen und des unreinen Weltwegs dir in Kürze erklärt, Brahmane.« [Der Weise fragt:] »Vidyā, die fünf Mantraleiber [Sadāśivas], Bindu, Nāda und die Ursache —«
VP 13.195
nādaḥ sūkṣmaḥ kalā kālarāgayugme sapūruṣe //
Übersetzung: »bilden den höheren Weg mit seinen fünf Zweigen. Wo befinden sich darin die Zustandsweisen und die Formen der Erfahrung?« [Antwort:] »Der feine Nāda ist [in seiner durchdringenden Wirkung] Kalā; im Zeitpaar, im Rāga-Paar und im Puruṣa —«
VP 13.196
pradhānādicaturgranthinidhirbinduścatuṣkalaḥ //
Übersetzung: »ruht der grobe Nāda mit seinen fünf Kalās, der auf diesen fünf Prinzipien beruht, o Weiser. Bindu mit seinen vier Kalās birgt die vier Knoten, beginnend mit Pradhāna.«
VP 13.197
pañcamantratanurdevaḥ sthitastanmātrapañcake /
sūkṣmabhūteṣu mantreśā mantrāḥ sthūleṣu saṃsthitāḥ //
Übersetzung: »Im Ichprinzip befinden sich die Vermögen mit Manas an ihrer Spitze, in Buddhi die Zustandsweisen und die übrigen Formen der Erfahrung. Der Gott, dessen Leib aus fünf Mantras besteht, ruht in den fünf subtilen Elementqualitäten. In den feinen Wesen befinden sich die Mantraherren, in den groben die Mantras.«
VP 13.198
tadupaśamanimittaṃ vakṣyamāṇakriyāto rucadavihataśaktiḥ śāmbhavī mantrasampat //
Übersetzung: So ist das überaus vielfältige Netz der Fesseln beschaffen, das die Seele hemmt, angefangen bei dem Samen der Finsternis. Es bleibt denen verborgen, deren Blick den Lehren der Gebundenen folgt. Zu seiner Aufhebung tritt durch die noch darzulegenden rituellen Handlungen die Fülle der Mantras Śivas hervor, deren Kraft ungehindert wirkt.
Kriyāpāda – rituelles Handeln
Kapitel 1
KP 1.1
manucakraṃ samāsena nibodha dvijasattama //
Übersetzung: Höre nun in Kürze vom Kreis der Mantras, du Bester der vedisch Eingeweihten. Durch das Durchtrennen des Fesselbündels der Seele bringt er die erwünschte Frucht hervor.
KP 1.2
mūrtirādyā maheśasya sarvavācyānuyāyinī //
Übersetzung: Aus Śakti entstand Nāda, daraus Bindu, das Unvergängliche; daraus die Mātṛkā, die Mutter der Laute. Sie ist die erste Gestalt des großen Herrn und begleitet alles, was sich sprachlich bezeichnen lässt.
KP 1.3
varṇo vā vācakaḥ ṣaṣṭhacandrādikṛtaśekharaḥ //
Übersetzung: Eine beliebige ihrer Lautgruppen, geschmückt mit Bindu, der Ehrerbietungsformel und dem Praṇava, bezeichnet ihn; ebenso ein einzelner Laut, dessen Scheitel mit dem sechsten Vokal, der Mondsichel und den weiteren Zeichen versehen ist.
KP 1.4
adhaḥśakteranantasya dharmādīnāṃ mṛgadviṣām //
Übersetzung: Ebenso bezeichnet [ein solcher Laut], mit kurzen und langen Vokalen verbunden, die Gruppe der Brahma- und Gliedmantras. Für die untere Trägerkraft, Ananta und die Löwen, die Dharma und die übrigen [Thronkräfte verkörpern] —
KP 1.5
seśāyā maṇḍalatrayyā vācakaḥ praṇavaḥ smṛtaḥ //
Übersetzung: für die weiteren Bestandteile und ihre Glieder, für die Kräfte, den Lotus sowie die drei Kreise mitsamt ihren Herren gilt der Praṇava als bezeichnender Mantra.
KP 1.6
caṇḍeśvaragaṇādhyakṣavāstutattvabhṛtāmapi //
Übersetzung: Bei den Herren der Rede, den Gebietern, den Hütern der Himmelsrichtungen sowie bei Caṇḍeśvara, dem Führer der Gaṇas und den Trägern von Bauplatz und Wirklichkeitsprinzipien verwendet man jeweils den eigenen Namen im Dativ.
KP 1.7
dhāraṇānāṃ lavarayahakārāśceti kīrtitāḥ //
Übersetzung: Für alle Mudrās gilt ihr jeweiliger Laut, verbunden mit der zugehörigen Schlussformel und ihrem eigenen Bezeichnungswort. Für die Konzentrationen werden die Laute la, va, ra, ya und ha genannt.
KP 1.8
tadanyeṣāṃ svanāmaiva varṇaḥ sādhāraṇo 'pi vā //
Übersetzung: Für die Hüter der heiligen Bezirke gilt der Laut kṣa, mit Bindu darüber geschmückt. Für die übrigen verwendet man ihren eigenen Namen oder auch den gemeinsamen Laut.
KP 1.9
phaṭ caṇḍeśvaramantrānte tadvadeva haro 'bravīt //
Übersetzung: An das Ende der Herz- und der folgenden Gliedmantras treten der Reihe nach namaḥ, svāhā, vauṣaṭ, huṃ, vaṣaṭ und phaṭ. Ebenso ordnete Hara phaṭ am Ende des Mantras Caṇḍeśvaras an.
KP 1.10
tadādyamakṣaraṃ dīrghasvaramiṣṭo 'ṅgasaṅgrahaḥ //
Übersetzung: Jener Mantra wird mit der zugehörigen Schlussformel verbunden; auch der gemeinsame Laut kann dafür dienen. Sein erster Laut, mit langen Vokalen versehen, gilt als Bildung der zugehörigen Gliedmantras.
KP 1.11
satkriyāḥ śucījyākṛddhotṛśuddhakṣamānugāḥ //
Übersetzung: So sind die Mantragruppen dargelegt, die für ihre Anwendung herangezogen werden. Sie vollbringen wirksame Handlungen entsprechend der Fähigkeit, die ein reiner Verehrer und Opferer in ihnen geläutert hat.
Kapitel 2
KP 2.1
snānaṃ nigadyate saptavidhamīśoditaiḥ padaiḥ //
Übersetzung: Nun wird die siebenfache Reinigung beschrieben, die das bewusste Selbst zur Verehrung und zu den übrigen heiligen Handlungen befähigt, und zwar mit den vom Herrn gelehrten Worten.
KP 2.2
mānasaṃ ceti saṅkṣepādeṣāṃ lakṣaṇamucyate //
Übersetzung: Sie geschieht durch Wasser, Feuer, Erde und Wind; hinzu kommen die himmlische Reinigung, die Reinigung durch den Guru und die geistige Reinigung. Ihre Merkmale werden kurz erklärt.
KP 2.3
vāruṇaṃ vāriṇā snānaṃ sāmānyavidhipūrvakam //
Übersetzung: Die Wasserreinigung ist ein Bad mit Wasser, von dem Störungen abgewehrt wurden und das durch Śiva geheiligt ist. Sie umfasst die rituelle Übergießung und die Atemzügelung; die allgemeine Reinigungsvorschrift geht ihr voraus.
KP 2.4
gavādisadrajoyogamarutsevanamānilam //
Übersetzung: Die Feuerreinigung geschieht bei dem so Gereinigten mit Asche nach dem noch zu beschreibenden Verfahren. Die Windreinigung besteht darin, sich einem Wind auszusetzen, der heiligen Staub mit sich führt, etwa von Kühen aufgewirbelten Staub.
KP 2.5
vidhinā pārthivaṃ snānaṃ sūryavṛṣṭyā tu nābhasam //
Übersetzung: Die Erdreinigung geschieht vorschriftsgemäß mit Erde, die vom heiligen Wasser der Gaṅgā oder anderer heiliger Gewässer berührt wurde, oder mit anderweitig geheiligter Erde. Die Himmelsreinigung hingegen geschieht durch Regen bei Sonnenschein.
KP 2.6
mānasaṃ śāktameteṣāṃ vidhānamadhunā śṛṇu //
Übersetzung: Wer seinen Scheitel von den Lotusfüßen des Gurus berühren lässt, erfährt die Reinigung durch den Guru. Die geistige Reinigung geschieht durch die Śakti. Höre jetzt, wie diese Reinigungen vollzogen werden.
KP 2.7
deśe sadyena vāmena prokṣyāghoreṇa mantrayet //
Übersetzung: Mit dem Astra-Mantra nehme man Erde auf und lege sie mit Sadyojāta an einer reinen Stelle am Wasser nieder. Mit Vāmadeva besprenge man sie und mit Aghora bespreche man sie.
KP 2.8
nareṇaikaṃ tato gṛhya japtvāstreṇa malāpaham //
Übersetzung: Man weihe sie mit den Mantras, umhülle sie mit dem Schutzpanzer und teile sie in drei Teile. Dann nehme man mit Tatpuruṣa einen davon, spreche den Astra-Mantra darüber und vollziehe damit das schmutzbeseitigende …
KP 2.9
prāṅmukho vā bhajetsandhyāṃ vedasiddhāṃ dvirāśramī //
Übersetzung: … Bad, das bis zum Kopf reicht. Nach dem rituellen Wasserschlürfen wende man sich nach Norden oder Osten. Wer in zweifacher Weise einem Lebensstand angehört, verrichte dann die vedisch überlieferte Sandhyā-Verehrung.
KP 2.10
vibhajya pāṇijaṃ pūrvayāmyodaksaṃsthamālabhet //
Übersetzung: Hat man auch die verbleibenden Handlungen vollendet, teile man einen weiteren Erdanteil in drei Teile. Man halte sie auf der Hand, nach Osten, Süden und Norden angeordnet, und weihe sie …
KP 2.11
tadantenāmṛtīkuryād dvitīyenālabhettanum //
Übersetzung: … jeweils mit Astra, den Brahma-Mantras und Śiva. Mit dem ersten Teil vertreibe man die Störungen aus dem Wasser; mit dem letzten verwandle man es in Nektar. Mit dem zweiten bestreiche man den Körper.
KP 2.12
saṃyatāsurapāṃ madhye vaktramādhāya cetasā //
Übersetzung: Man bade damit und reinige die Hände wiederholt mit dem übrig gebliebenen Teil. Den Atem gezügelt, lege man das Gesicht ins Wasser und wiederhole im Geist …
KP 2.13
āplutya parivṛtyāntarvāso baddhvācāmecchikhām //
Übersetzung: … zur Beseitigung der Sündenmenge den rettenden Laut, der über das Leid hinüberführt. Nach dem Eintauchen wechsle man das Untergewand, binde den Haarknoten und vollziehe das rituelle Wasserschlürfen.
KP 2.14
mārjanaṃ cāghamarṣaṃ ca kuryāttaireva saṃyataḥ //
Übersetzung: Dann vollziehe man mit den Mantras und der Kalasha-Mudrā die Übergießung. Gesammelt führe man mit denselben Mantras auch die Besprengung und das Austreiben der Sünde aus.
KP 2.15
brahmādipañcakaṃ sarvānvidyāvidyeśvarānapi //
Übersetzung: Nach erneutem rituellem Wasserschlürfen bringe man mit den Fingerspitzen Wasserspenden dar: dem an Eigenschaften Höchsten, den fünf mit Brahmā beginnenden Gestalten, sämtlichen Vidyās und Vidyeśvaras …
KP 2.16
caturthyantābhidhānena svāhāntena pratarpayet //
Übersetzung: … sowie den Tattvas und allen ihren Herrschern. Man vergegenwärtige sie sich im Weltkreis bis hin zu Kālāgni und spende ihnen Wasser, indem man ihren jeweiligen Namen im Dativ nennt und mit svāhā abschließt.
KP 2.17
sanakādīnsabhṛgvādīnsvagotrapravarādhipān //
Übersetzung: Dann lasse man die heilige Schnur vom Hals herabhängen und spende Wasser den Sehern, angefangen mit Sanaka, den mit Bhṛgu beginnenden Sehern sowie den Stammvätern und führenden Ahnen des eigenen Geschlechts …
KP 2.18
tathāpasavyena pitṝnsapatnīkānpitāmahān //
Übersetzung: … und zwar über die Wurzel des kleinen Fingers; den Lebewesen und den übrigen Wesen spende man es über die Fingergelenke. Danach lege man die Schnur über die rechte Schulter und ehre mit Wasserspenden die Väter und Großväter samt ihren Frauen …
KP 2.19
bhrātṝnsakhīnupādhyāyānsmātāmahāmātulān //
Übersetzung: … ebenso die Urgroßväter und die Lehrer: jene, die zur Lehre hinführen, jene, die sie erklären, und die höheren Lehrer; ferner Brüder, Freunde und Unterweiser sowie die Großväter und Onkel mütterlicherseits …
KP 2.20
tatastīkṣṇāṃśubimbasthaṃ dhyātvā devaṃ sadāśivam //
Übersetzung: … indem man ihre Namen mit svadhā abschließt. Bei den Mittleren hingegen ende die Nennung mit der Verehrungsformel. Dann vergegenwärtige man sich den Gott Sadāśiva in der Scheibe der strahlenden Sonne …
KP 2.21
divyāṃ samuditāṃ pūjāṃ sampādyārghyapuraḥsarām //
Übersetzung: … und entlasse nach dem Mantra eine Gabe Wasser aus den hohlen Händen, während man ihn im Geist gegenwärtig hält. Man vollziehe die vollständige himmlische Verehrung, beginnend mit der Arghya-Gabe.
KP 2.22
bhasmanātha yatiḥ snāyāttadvanyairgomayopalaiḥ //
Übersetzung: Dann wiederhole man den Śiva-Mantra mitsamt seinen Gliedern, bringe die Wiederholung dar und beginne die nächste Handlung. Nun bade der Asket mit Asche; diese entsteht aus im Wald gesammelten Kuhfladen …
KP 2.23
vāmadevacitairghoradīpitaiḥ puṃnivījitaiḥ //
Übersetzung: … oder aus Hölzern wie Palāśa und Sandelholz, die mit dem ersten Mantra, Sadyojāta, herbeigebracht, mit Vāmadeva aufgeschichtet, mit Aghora entzündet und mit Tatpuruṣa angefacht wurden …
KP 2.24
janitaṃ śāmbhavaṃ bhasma gṛhītveśena mantrayet //
Übersetzung: … die vom Schutzpanzer umgeben und durch Astra bewacht wurden. Man nehme die auf reinem Boden erzeugte Śiva-Asche auf und bespreche sie mit Īśāna …
KP 2.25
sadādhāre 'stravarmabhyāṃ kṛtarakṣe dvijottama //
Übersetzung: … und mit dem Śiva-Mantra samt seinen Gliedern. Mit dem Herz-Mantra nehme man sie auf und bewahre sie in einem reinen Behältnis, das durch Astra und den Schutzpanzer gesichert ist, o Bester der vedisch Eingeweihten.
KP 2.26
uddhūlayecca sarvāṅgaṃ pāṇipādetaratsudhīḥ //
Übersetzung: Damit bestäube man der Reihe nach Scheitel, Gesicht, Körpermitte und beide Unterschenkel; gesammelt bestäube man auch den ganzen übrigen Körper, ausgenommen Hände und Füße.
KP 2.27
mantrābhiṣekasandhyādi sūryopasthānavāritam //
Übersetzung: Nach jedem Körperteil reinige man die ausführende Hand mit Astra. Wie zuvor folgen die Mantra-Übergießung, die Sandhyā und die übrigen Handlungen, jedoch ohne erneute Sonnenverehrung.
KP 2.28
spṛṣṭāṃ satkṣetrajāṃ vāpi mṛdaṃ saṃhitayālabhet //
Übersetzung: Für die Erdreinigung weihe man mit der Saṃhitā Erde, die vom heiligen Wasser der Gaṅgā, der Sonnentochter Yamunā, des Sindhu, der Sarasvatī oder anderer heiliger Gewässer berührt wurde, oder Erde von einem heiligen Ort.
KP 2.29
mārutaṃ saṃhitāmantraṃ smaranvāyurajo bhavet //
Übersetzung: Damit zeichne man unter Mantrarezitation drei waagerechte Striche auf den Scheitel und die übrigen Körperstellen. Die Windreinigung geschieht durch Wind und Staub, während man sich den Saṃhitā-Mantra vergegenwärtigt.
KP 2.30
prāk padāni vrajetsapta divyametaddivāmbhasā //
Übersetzung: Den Śiva-Mantra sprechend, empfange man den heiligen Regen bei Sonnenschein und gehe sieben Schritte nach Osten. Dies ist die himmlische Reinigung durch Wasser vom Himmel.
KP 2.31
gauravaṃ tad manovṛttyā mūlamāvilayātsmaran /
utsṛṣṭavāriṇā śakterālabhettaddhi mānasam //
Übersetzung: Mit gereinigtem Scheitel trage man die Füße des Gurus auf dem Kopf und spreche den Śiva-Mantra: Das ist die Reinigung durch den Guru. Die geistige Reinigung aber besteht darin, den Wurzelmantra im Geist bis zu seinem Verlöschen zu vergegenwärtigen und sich mit dem Wasser zu baden, das die Śakti ausströmen lässt.
KP 2.32
kṛtagaṇapatibhūtapālapūjaḥ pratimanumaṇḍalamarcayenmatālyai //
Übersetzung: So durch die vorschriftsgemäße Reinigung geheiligt, betrete man das Heiligtum auf einem Weg, der durch das Vertreiben der Störungen gereinigt ist. Nachdem man Gaṇapati und die Hüter der Wesen verehrt hat, verehre man den Kreis der einzelnen Mantras, damit sich das Erstrebte erfüllt.
Kapitel 3
KP 3.1
varmagarbhe śivībhūya bahirantaḥ śivaṃ yajet //
Übersetzung: Nun werde man selbst zu Śiva und verehre Śiva äußerlich und innerlich in einem reinen Heiligtum, das eine Mauer des Waffenmantras schützt und das vom Schutzpanzer umschlossen ist.
KP 3.2
tau kāryāvasināśodhyāplāvyeśānādikānnyaset //
Übersetzung: Die Auflegung der Mantras und die übrigen Handlungen werden mit den Händen ausgeführt. Darum verwandle man zuerst beide Hände in Mantrahände. Mit dem Waffenmantra reinige man sie gründlich, überflute sie und lege die mit Īśāna beginnenden Mantras …
KP 3.3
dhāmāṅguṣṭhadvaye śastraṃ tarjanyorvighnatarjanam //
Übersetzung: … auf Daumen und die übrigen Finger. Das Tattva lege man ringsum auf, die Gliedmantras in umgekehrter Reihenfolge. Auf beide Daumen komme der leuchtende Hauptmantra, auf die Zeigefinger der Waffenmantra, der die Störungen abschreckt.
KP 3.4
nirdahetpāśavīṃ mūrtiṃ sadāśivapadaspṛśā //
Übersetzung: Nach Osten oder Norden gewandt, zügle man dreimal den Atem und verbrenne die Gestalt des gebundenen Wesens im Feuer des Waffenmantras, das bis zur Stätte Sadāśivas reicht.
KP 3.5
dinakṛnmaṇḍalākāraṃ dṛkkriyāmaṇḍalaṃ citaḥ //
Übersetzung: Man lasse ihre Asche durch einen stillen Wind forttragen und schaue den Kreis des Erkennens und Handelns des bewussten Selbst, der wie die Sonnenscheibe erscheint.
KP 3.6
dṛṣṭamityatra mantrāṇi tāni mūrdhāditaḥ smaret //
Übersetzung: Eben dies ist sein Leib. Doch solange dessen Glieder unentfaltet bleiben, vermag er die Handlung nicht zu vollbringen. Deshalb vergegenwärtige man an ihm die aus Mantras bestehenden Glieder, beginnend mit dem Kopf.
KP 3.7
uttamāṅgāni vaktreṇa vaktrāmbujacatuṣṭayam //
Übersetzung: Mit Īśāna bilde man fünf Köpfe, nach oben, Osten, Süden und den übrigen Richtungen gewandt; mit dem Gesichtsmantra bilde man die vier Lotusgesichter.
KP 3.8
bahurūpeṇa vāmena kaṭyupasthagudasphicaḥ //
Übersetzung: Mit Bahurūpa bilde man Hals, Schultern, Brust, Rücken, Herz, Bauch und Nabelbereich; mit Vāmadeva Hüfte, Geschlechtsteil, After und Gesäß …
KP 3.9
pāṇināsāśiraśceti kalābhedena kalpayet //
Übersetzung: … ferner die Flanken, Oberschenkel, Knie und Unterschenkel. Mit Sadyojāta bilde man Füße, Arme, Hände, Nase und Kopf, jeweils entsprechend der Gliederung in Kalās.
KP 3.10
rakṣāṅgāni balaṃ mūrtau pāṇāvastraṃ subhāsvaram //
Übersetzung: Dann setze man Herz-, Kopf- und Haarknotenmantra als schützende Glieder an ihre jeweiligen Orte, den Kraftmantra auf den Leib und den hell leuchtenden Waffenmantra in die Hand.
KP 3.11
dhyātvā hṛtpaṅkaje devaṃ vakṣyamāṇavadarcayet //
Übersetzung: Nun vergegenwärtige man sich die allgemeine oder eine besondere Gestalt des höchsten Herrn und verehre den Gott im Lotus des Herzens in der Weise, die jetzt beschrieben wird.
KP 3.12
mūrtāvāvāhanaṃ kuryānmantrāntātsandhivartmanā //
Übersetzung: Man bereite im Herzen über den drei Scheiben den Sitz des Herrn und rufe ihn vom Endpunkt des Mantras auf dem verbindenden Weg in die Gestalt herab.
KP 3.13
sthāpanyā sthāpanaṃ kuryācchāktavigrahasaṃśraye //
Übersetzung: Man statte den wie die junge Sonne Strahlenden mit seinen Gliedern aus. Mit der Herbeirufungsgeste rufe man ihn herbei und mit der Festigungsgeste verankere man ihn in der aus Śakti bestehenden Gestalt.
KP 3.14
tataḥ pādadvaye pādyaṃ rūpaṃ kṛtyātmakaṃ smaran //
Übersetzung: Mit der Verehrungsgeste mache man ihn gegenwärtig und mit der Zurückhaltungsgeste halte man ihn fest. Dann bringe man beiden Füßen Wasser dar, während man seine durch das jeweilige Wirken bestimmte Gestalt vergegenwärtigt.
KP 3.15
snānavastropavītāni dhūpagandhavilepanam //
Übersetzung: Man reiche Arghya auf den Scheitel und Wasser zum Mundspülen an die Lotusgesichter, sodann ein Bad, Gewänder, die heilige Schnur, Räucherwerk, Duftstoffe und Salben …
KP 3.16
divyāyudhāni mālyaṃ ca tāmbūlaṃ pānabhojane //
Übersetzung: … jeglichen Schmuck, einen Yakschweifwedel, Licht und Spiegel, göttliche Waffen, eine Blumengirlande, Betel sowie Getränke und Speisen …
KP 3.17
hṛdodgīthena vā dadyādyāgāṅgamanunāpi vā //
Übersetzung: … ferner Baldachin, Sonnenschirm und eine hoch aufgerichtete, glänzende Fahne. All dies bringe man mit dem Herz-Mantra, mit Oṃ oder mit dem Mantra des jeweiligen Teils der Verehrung dar.
KP 3.18
lohitaṃ vāmamaudīcye 'ghoraṃ dakṣiṇato 'sitam //
Übersetzung: Dann rufe man auf dem westlichen Lotusblatt Sadyojāta herbei, weiß wie Muschelschale, Mond und Kunda-Blüte, auf dem nördlichen den roten Vāmadeva und auf dem südlichen den schwarzen Aghora …
KP 3.19
karṇikeśānabhāgasthaṃ yajedāvāhya pūjayet //
Übersetzung: … auf dem östlichen den gelben Tatpuruṣa und im nordöstlichen Bereich des Fruchtbodens den kristallhellen Īśāna. Man rufe sie herbei und verehre sie.
KP 3.20
kṛṣṇāṃ tu nairṛte cūḍāṃ vāyavye haritaṃ balam //
Übersetzung: Im Südosten verehre man das leuchtende Herz, im Nordosten den rauchfarbenen Kopf, im Südwesten den schwarzen Haarknoten und im Nordwesten den grünen Kraftpanzer …
KP 3.21
hemānalatamālālihimanīhārasaṃnibhāḥ //
Übersetzung: … an den äußeren Enden der Himmelsrichtungen verehre man im Geist den Waffenmantra, der wie die Sonne am Weltende strahlt. Gold, Feuer, Tamāla-Blatt, Biene, Schnee und Nebel gleichen die Farben …
KP 3.22
gaṇā nandimahākālagajavaktravṛṣābalāḥ //
Übersetzung: … der großen Herren, von Osten an; die beiden letzten sind rot und weiß. Die Gaṇas heißen Nandin, Mahākāla, Gajavaktra, Vṛṣa und Abala …
KP 3.23
evamāśābhṛto 'pi syuḥ kiṃ tu vajrādipāṇayaḥ //
Übersetzung: … sowie Skanda, Umā und Caṇḍa. Ihr Glanz entspricht jeweils dem der Vidyeśvaras. Ebenso stelle man sich die Hüter der Himmelsrichtungen vor, doch halten sie den Donnerkeil und ihre übrigen Waffen in den Händen …
KP 3.24
gaṇā vimānagāstryakṣāsteṣūmā darpaṇodvahā //
Übersetzung: … und reiten auf Elefanten und den anderen Reittieren. Die Träger der Mantras hingegen sitzen auf Lotussen und halten Lotusse. Die Gaṇas haben drei Augen und fahren in Himmelswagen; unter ihnen trägt Umā einen Spiegel.
KP 3.25
vṛṣāhate harau devī skando vā śikhisaṃśrayaḥ //
Übersetzung: Skanda und Gaṇeśa halten Lanze und Stoßzahn, die übrigen Dreizacke, mit Ausnahme des Stiers. Die Göttin sitzt auf einem Löwen; Skanda kann auch auf einem Pfau sitzen.
KP 3.26
tataḥ pradarśayenmudrāḥ pūraṇāya kriyāvidheḥ //
Übersetzung: Alle denke man sich dem großen Herrn zugewandt; oder man stelle sie sich so vor, wie es dem erstrebten Ziel entspricht. Dann zeige man die Mudrās, um den Vollzug des Rituals zu vervollständigen.
KP 3.27
manorathā tadanyeṣāṃ natiḥ sānnidhyakārikā //
Übersetzung: Für die Brahma-Mantras sind dies Sṛṅ, Makara, Śūla, Abja und Surabhi; für den Herrn Manorathā. Für die anderen ist es die Verehrungsgeste, die ihre Gegenwart bewirkt.
KP 3.28
dattvārghyaṃ ca tato japtvā śivamanyaddaśāṃśakam //
Übersetzung: Nachdem man die Verehrung so vollzogen hat, bringe man zum Schluss die Arghya-Gabe dar, die den Gott zuwendet und mit vaṣaṭ verbunden ist. Dann wiederhole man den Śiva-Mantra und die anderen Mantras jeweils ein Zehntel so oft.
KP 3.29
tubhyaṃ nivedayāmīti saṃpradānaprayogataḥ //
Übersetzung: Wer Befreiung sucht, bringe diese Wiederholung, am Anfang und Ende vom Herz-Mantra umschlossen, ohne eigennützigen Wunsch und in Verneigung dar. Er sage: »Dir bringe ich sie dar«, wobei er den Empfänger im Dativ nennt …
KP 3.30
bhagavanpālayasveti saṃkhyāyuktaṃ dine dine //
Übersetzung: … während der Sādhaka sein bestimmtes Ziel ins Auge fasst und die täglich gezählte Wiederholung mit den Worten »Erhabener, bewahre sie!« hinterlegt.
KP 3.31
mantrānśivāśrayānkṛtvā sandhāya bahirārabhet //
Übersetzung: Dann vollziehe man die Verehrung mit allen Gaben und bringe Arghya dar. In umgekehrter Reihenfolge lasse man die Mantras in Śiva eingehen, stelle die Verbindung her und beginne die äußere Verehrung.
KP 3.32
pūrayedambhasā vastrapūtenodgīthamuccaran //
Übersetzung: Man nehme ein Gefäß aus Gold oder einem der anderen geeigneten Stoffe, reinige es mit Astra, umhülle es mit dem Schutzpanzer und fülle es, Oṃ sprechend, mit durch ein Tuch gefiltertem Wasser.
KP 3.33
prokṣyedyajanāṅgāni yogyatāguṇasiddhaye //
Übersetzung: Dann lege man die Mantras von Sadyojāta bis zum Waffenmantra Śivas darin nieder, verwandle das Wasser in höchsten Nektar und besprenge die Bestandteile der Verehrung, damit sie die erforderliche Eignung erlangen.
KP 3.34
gaṇeśakamalāsvāmipādukāḥ kusumādibhiḥ //
Übersetzung: Vom Platz Brahmās aus verehre man mit Blumen und anderen Gaben Gaṇeśa, Kamalā und die Sandalen des Meisters an den mit dem Nordwesten beginnenden Orten.
KP 3.35
prārthayedabhyanujñānaṃ parameśārcanaṃ prati //
Übersetzung: Mit Kopf und Knien am Boden und zusammengelegten Händen verneige man sich vor ihnen und bitte um Erlaubnis, den höchsten Herrn zu verehren:
KP 3.36
yajantamanujānīta yathāsaṃpatprakārakam //
Übersetzung: »Herr der Gaṇas, Ambikā und Sandalen des Meisters, erlaubt mir, den Lehrer der Welt nach Maßgabe meiner Mittel zu verehren.«
KP 3.37
pūjayetprāgvadāvāhya mantracakraparicchadam //
Übersetzung: Dann rufe man Śaṅkara mit seinem Gefolge des Mantrakreises herbei und verehre ihn wie zuvor in seiner Gestalt auf dem Sitz, der von der tragenden Śakti an vollständig bereitet ist.
KP 3.38
hṛdā gṛhyāsumārgeṇa svahṛdabje niveśayet //
Übersetzung: Nach der dritten Arghya-Gabe lasse man die Mantras in Śiva eingehen, nehme ihn mit dem Herz-Mantra auf und führe ihn auf dem Weg des Atems in den eigenen Herzlotus.
KP 3.39
viśedanāmayaṃ tattvaṃ sādhakaḥ sādhyavigraham //
Übersetzung: Man vergegenwärtige ihn sich wie zuvor, stelle die Verbindung her und gehe auf dem Weg der Auflösung der Tattvas in das makellose Prinzip ein. Der Sādhaka gehe dabei in die Gestalt der Gottheit ein, deren Verwirklichung er erstrebt.
KP 3.40
sādhāraṇaṃ viśeṣaṃ vā brūhi lakṣaṇato hare //
Übersetzung: Die Vergegenwärtigung seiner Gestalt ist Meditation. Erkläre mir, o Indra, die Merkmale dieser allgemeinen oder besonderen Gestalt des Herrn, die seinem jeweiligen Wirken entspricht.
KP 3.41
tatra tatrāsya tatkartṛvapuṣānukṛtaṃ vapuḥ //
Übersetzung: Da er keinen körperlichen Leib besitzt, wird ihm für jede seiner Handlungen eine Gestalt entsprechend dem Leib dessen zugeschrieben, der eine solche Handlung vollzieht.
KP 3.42
tatsādhāraṇamanyacca tantre 'sminkathyate budhaiḥ //
Übersetzung: Weil der Leib sichtbar gestaltet ist, heißt diese durch das Wirken bestimmte Gestalt des Herrn rūpa. Die Kundigen erklären in diesem Tantra ihre allgemeine und ihre besondere Form.
KP 3.43
caṇḍatvaṃ bahurūpasya muktisthityantahetukam //
Übersetzung: Īśānas heitere Klarheit, Tatpuruṣas Unbewegtheit und Bahurūpas Wildheit stehen jeweils für Befreiung, Erhaltung und Auflösung.
KP 3.44
tirobhāvodbhavārthaṃ tatsarvārthaṃ sāmudāyikam //
Übersetzung: Die verlockende Art Vāmadevas dient der Verhüllung, das Versunkensein Sadyojātas der Hervorbringung. Ihre vereinte Gestalt dient sämtlichen Zielen.
KP 3.45
muktyarthaṃ sphaṭikākāraṃ prasannaṃ cetasā smaret //
Übersetzung: Dies ist die allgemeine Gestalt; anders beschaffene Gestalten sind die besonderen. Zur Befreiung vergegenwärtige man ihn sich im Geist kristallhell und heiter.
KP 3.46
karālamasitaṃ piṅgajaṭāmakuṭabhūṣitam //
Übersetzung: Für Stillstellung und ähnliche Wirkungen denke man ihn gelb, mit leichtem Lächeln und stolzem Ausdruck; für Vernichtung und verwandte Wirkungen hingegen schreckenserregend, schwarz und mit einer Krone aus rotbraunen Haarflechten geschmückt …
KP 3.47
janane sarvabhāvānāṃ dhyānāsaktamanusmaret //
Übersetzung: … zur Verhüllung rot und mit schönem Schmuck an den Gliedern; zur Hervorbringung sämtlicher Wesen vergegenwärtige man ihn sich in Versenkung vertieft.
KP 3.48
dīkṣāyāṃ naityake caiva sarvavyatikareṣu ca //
Übersetzung: Für das bewusste Selbst, das sämtliche Vollendungen erstrebt, vergegenwärtige man die allgemeine, dreiäugige Gestalt, die alles umfasst. Bei der Einweihung, der täglichen Verehrung und allen gemischten Verrichtungen …
KP 3.49
śvetababhru piśaṅgābhaṃ kṛṣṇādi asitamūrdhajam //
Übersetzung: … meditiere man über die allgemeine Gestalt; bei einem bestimmten Wunsch über die dem Wunsch entsprechende, o Seher: weiß, braun, gelbbraun, schwarz oder anders gefärbt. Die allgemeine Gestalt aber hat schwarzes Haar …
KP 3.50
gale nīlaṃ pṛthuskandhaṃ suvṛttāyatadigbhujam //
Übersetzung: … vier Lotusgesichter in den Farben Gold, Bienenschwarz, Schneeweiß und Rot, einen blauen Hals, breite Schultern und wohlgerundete lange Arme, zehn an der Zahl …
KP 3.51
suvastracchannamadhyāṅgaṃ pīnavṛttoruyugmakam //
Übersetzung: … eine breite, kräftige, erhobene Brust, schön geformte Flanken, Bauch und Nabel, eine mit schönem Gewand bedeckte Körpermitte und zwei kräftige, gerundete Oberschenkel …
KP 3.52
khaḍgakheṭadhanurbāṇakhaṭvāṅganṛkahastakam //
Übersetzung: … schöne Knie und Unterschenkel bis zu den Knöcheln, einen weißen Körper sowie rote Füße und Hände. In seinen Händen hält er Schwert, Schild, Bogen, Pfeil, Schädelstab und Menschenschädel …
KP 3.53
rūpaṃ bhūteśavaryasya dhyāyeddhome 'rcane jape //
Übersetzung: … ferner Wassergefäß und Gebetskette; zwei Hände gewähren Gaben und Furchtlosigkeit. Diese höchste Gestalt des Ersten unter den Herren der Wesen vergegenwärtige man bei Feueropfer, Verehrung und Mantrawiederholung …
KP 3.54
evaṃ vyaktādiliṅgeṣu kiṃ tu saṃhṛtya tānaṇūn //
Übersetzung: … sowie bei anderen Handlungen, um das Erstrebte zu erlangen, als Gestalt des höchsten Herrn oder auch als eigene Gestalt. Ebenso verfahre man bei den figürlichen und den übrigen Liṅgas; doch ziehe man dort die Mantras zusammen …
KP 3.55
paro 'rghyasteṣviyattāyai pūjāyāṃ na visṛṣṭaye //
Übersetzung: … die sich an ihren jeweiligen Wohnstätten befinden, und lege sie in der Gottesgestalt nieder; man entlasse sie nicht. Die letzte Arghya-Gabe bezeichnet bei diesen Formen das Ende der Verehrung, nicht die Entlassung der Gottheit.
KP 3.56
vidyāpīṭhe 'pi matvaivamekoccāreṇa pūjayet //
Übersetzung: Die tägliche Herbeirufung dient dort der Bitte um Erlaubnis zur Verehrung, nicht erst der Herstellung göttlicher Gegenwart. So verstehe man auch die Verehrung am Vidyā-Sitz und verehre mit einer einzigen Rezitation …
KP 3.57
sūryendumaṇḍale vyomni gurau tatpādukāsu ca //
Übersetzung: … mit Blumenketten, Duftstoffen, Räucherwerk und Speisegaben den Herrn, wenn man eine kurze Form vorzieht. Ebenso verehre man ihn in Sonnen- und Mondscheibe, im Raum, im Guru und in dessen Sandalen …
KP 3.58
Übersetzung: … im Wasser, im Feuer und auf dem eigenen Scheitel, voll Vertrauen, um die Befleckung zu beseitigen.
KP 3.59
dhṛtivibhavanimittasyārcanaṃ leśataste /
gaditamatulamasyānyatphalaṃ tāvadāstāṃ
sapadi patisamatvaṃ sādhyasāmyādupaiti //
Übersetzung: So habe ich dir die unvergleichliche Verehrung dessen in Kürze erklärt, der die vom Auflösungsfeuer bis zu Ananta reichende Erhaltungsmacht begründet. Lassen wir ihre übrigen Früchte einstweilen beiseite: Schon unmittelbar erlangt der Verehrer Gleichheit mit dem Herrn, indem er der zu verwirklichenden Gottheit gleich wird.
Kapitel 4
KP 4.1
sarvathā sarvadā guptaṃ sādhako vakṣyamāṇavat //
Übersetzung: Nachdem er den großen Herrn verehrt hat, verehre der Sādhaka zur Erlangung des Erstrebten seinen zu verwirklichenden Mantra, stets und auf jede Weise geschützt, wie es jetzt beschrieben wird.
KP 4.2
aghoralocanajyotirmadhye nānyatra kutracit //
Übersetzung: Auf dem südlichen Lotusblatt verehre er dessen weibliche und männliche Gestalt im vorderen beziehungsweise hinteren Bereich, mitten im Licht der Augen Aghoras und nirgendwo sonst.
KP 4.3
tatra svādhvāntamambhojaṃ praṇavena niveśayet //
Übersetzung: Denn im Zentrum würde der Verehrer zu Asche, außerhalb aber würde er zugrunde gehen. An jenem bezeichneten Ort setze er mit Oṃ einen Lotus ein, der bis zum Ende des Wirkungswegs dieser Gottheit reicht.
KP 4.4
sannidhāyāṅginaṃ kṛtvā pūjayeduktavartmanā //
Übersetzung: Er mache die durch den leuchtenden Herz-Mantra Śivas geschützte Mantragottheit an ihrem eigenen Sitz gegenwärtig, statte sie mit ihren Gliedern aus und verehre sie auf dem beschriebenen Weg.
KP 4.5
saṃhṛtya jāgratīśe 'sivarmaguptaṃ hṛdā nyaset //
Übersetzung: Zum Schluss wiederhole er den Mantra geistig oder in einer der anderen Rezitationsweisen, entsprechend dem erstrebten Erfolg. Er fasse die Wiederholung zusammen und hinterlege sie mit dem Herz-Mantra im wachen Herrn, durch Waffenmantra und Schutzpanzer gesichert.
KP 4.6
ekībhūyāṇvadhiṣṭhānamāsiddhestattvavartmanā //
Übersetzung: Dann lasse er den Mantra von dem Herrn beherrschen, dessen Leib die Gestalt jener Gottheit angenommen hat. Mit ihm eins geworden, führe er ihn auf dem Weg durch die Tattvas an den eigenen Sitz des Mantras, bis der Erfolg eintritt.
KP 4.7
hitvā rodhaṃ māntrikaṃ tadvratasthaḥ /
kṣemādyarthaṃ kasyacitsvātmano vā
jijñāsurvā mudritāśeṣarandhraḥ //
Übersetzung: Auch ein Lehrer kann so für kurze Zeit verfahren, wenn er das zugehörige Gelübde hält und den Einschluss des Mantras auslässt: zum Wohlergehen eines anderen oder seiner selbst oder um die Wirksamkeit des Mantras zu erkunden. Dabei seien durch die Mudrās sämtliche Lücken des Rituals geschlossen.
Kapitel 5
KP 5.1
gaditā eva parighākṛṣṭitālaghaṭāhate //
Übersetzung: Nun werden die Mudrās erklärt, weil sie Bestandteile des Rituals sind. Ihre Namen wurden bereits genannt, mit Ausnahme von Riegelgeste, Heranziehungsgeste, Händeklatschen und Gefäßgeste.
KP 5.2
yato na vastuno 'nyasya śrūyate kṛtyamīdṛśam //
Übersetzung: Man nennt sie Mudrās, weil sie die Scharen der Störungen bannen. Sie sind Kräfte Haras, denn von keinem anderen Wesen wird eine solche Wirksamkeit gelehrt.
KP 5.3
vyastayormadhyamāṅgulyau sāryoparyagrasaṃgate //
Übersetzung: Mit dem kleinen Finger der einen Hand fasse man den kleinen Finger der anderen. Über den beiden folgenden, gekreuzten Fingern führe man die Mittelfinger nach oben, sodass ihre Spitzen zusammentreffen …
KP 5.4
ṣaṇṇāṃ srugeṣā jātasya mudrā śaktiprarocanī //
Übersetzung: … und verbinde die Paare von Zeigefingern und Daumen oberhalb dieser sechs Finger. Dies ist die Löffelgeste des Sadyojāta, die seine Kraft aufleuchten lässt.
KP 5.5
makarī vāmadevasya kuñcite tarjanīdvaye //
Übersetzung: Aus derselben Löffelgeste entsteht durch das unterschiedliche Beugen und Strecken der unteren und oberen Teile die Makarī-Geste Vāmadevas, wenn beide Zeigefinger gekrümmt sind.
KP 5.6
sthitayormadhyayoḥ prāgvat kiṃ tu ṣaṭpiṇḍagarbhayoḥ //
Übersetzung: Der Dreizack Bahurūpas zerreißt die schädlichen Wesen. Die seitlichen Finger und die Mittelfinger bleiben wie zuvor angeordnet, doch liegen die Mittelfinger nun inmitten einer Gruppe von sechs Fingern.
KP 5.7
saktopabāhukaṃ vaktramantraśaktiprarocanam //
Übersetzung: Beide Hände, mit den Daumen im Inneren, bilden bei gespreizten Fingern einen Lotus. Die Unterarme liegen aneinander. Diese Geste lässt die Kraft des Gesichtsmantras aufleuchten.
KP 5.8
kanyasānāmike caiṣā dhenurīśapradarśinī //
Übersetzung: Als weitere Möglichkeit verbinde man beide Hände, indem man Zeigefinger und Mittelfinger sowie kleinen Finger und Ringfinger zusammenfügt. Dies ist die Kuhgeste, die Īśāna sichtbar werden lässt.
KP 5.9
tadantare svatalage tarjanyau saṃgate puraḥ //
Übersetzung: Man verschränke die Mittelfinger und die kleinen Finger beider Hände; die dazwischenliegenden Finger ruhen in den jeweiligen Handflächen. Die Zeigefinger treffen vorn zusammen …
KP 5.10
mudrā manorathā nāma prabhoḥ sānnidhyakārikā //
Übersetzung: … und die Daumenspitzen werden an ihre Wurzelgelenke gelegt. Diese Geste heißt Manorathā; sie bewirkt die Gegenwart des Herrn.
KP 5.11
niruktānuktamantrāṇāṃ sānnidhyakaraṇī parā //
Übersetzung: Zwei gerade ausgestreckte Hände, deren Innenseiten aneinanderliegen und deren Daumen angelegt sind, bilden die Verehrungsgeste. Sie bewirkt in höchstem Maß die Gegenwart der genannten und der nicht genannten Mantragottheiten.
KP 5.12
aṅguṣṭhau sarvamantrāṇāmiyamāvāhakarmaṇi //
Übersetzung: Man bilde mit beiden Händen eine hohle Gabehaltung und lege die Daumen an die Wurzeln der kleinen Finger. Diese Geste dient der Herbeirufung aller Mantragottheiten.
KP 5.13
tau niṣṭhurā nirodhāya sarvāṇūnāmihāgame //
Übersetzung: Zwei Fäuste mit aufgerichteten Daumen bilden die Festigungsgeste. Werden die Daumen in die Fäuste eingeschlossen, ist dies die strenge Geste, die in diesem Āgama dem Festhalten sämtlicher Mantragottheiten dient.
KP 5.14
tarjanī parighaścaṇḍo vighnasaṃghātanāśanaḥ //
Übersetzung: Schließt ein Kundiger die Hand vom Mittelfinger bis zum Daumen zur Faust, bildet der ausgestreckte Zeigefinger den wilden Riegel, der die Scharen der Störungen vernichtet.
KP 5.15
kṛtena śākhāmudreyaṃ karṣaṇī sarvakṛṣṭiṣu //
Übersetzung: Man krümme die Finger der ausführenden Hände außer den Daumen an ihren eigenen Gelenken. Die so vollzogene Fingergeste ist die Heranziehungsgeste; sie wird bei allen Handlungen des Heranziehens verwendet.
KP 5.16
suśliṣṭamūlāvaṅguṣṭhau tarjanyaṅguṣṭhaparvagau //
Übersetzung: Man halte die Finger beider Hände geschlossen zusammen und lege die halbmondförmig gewölbten Handrücken jeweils in die Höhlung der anderen Hand. Die Wurzeln der Daumen liegen eng aneinander; ihre Spitzen befinden sich an den Gelenkstellen von Zeigefinger und Daumen [genaue Zuordnung unsicher] …
KP 5.17
tālastrirāhatiḥ pāṇyoḥ sāṭṭahāso 'ntarāyanut //
Übersetzung: … dies heißt Gefäßgeste und vervollständigt das Bad und verwandte Riten. Das dreimalige Zusammenschlagen der Hände, begleitet von lautem Lachen, heißt Tāla und vertreibt die Hindernisse.
KP 5.18
sānnidhyārthaṃ vāṅmanobhyāṃ vidheyāḥ /
dehe bhūmāvarghyapātre calādau /
proktairaṅgairagnikārye ca sadbhiḥ //
Übersetzung: Bei den Gaben der inneren Verehrung vollziehe man diese Mudrās durch Wort und Geist, um die Gegenwart der Gottheiten zu bewirken. Bei der Verehrung am Leib, auf dem Boden, am Arghya-Gefäß, an beweglichen und anderen Kultbildern sowie beim Feueropfer vollziehe man sie mit den beschriebenen wirklichen Körpergliedern.
Kapitel 6
KP 6.1
taducyamānaṃ saṃkṣepānnibodha dvijasattama //
Übersetzung: Nun soll der Kundige das Feueropfer vollziehen, denn es ist vorgeschrieben. Höre, wie es in Kürze erklärt wird, o Bester der vedisch Eingeweihten.
KP 6.2
kuṇḍe hastamite vṛtte vedāśre vāstraśodhite //
Übersetzung: An einer Stelle außerhalb der Richtungen des Windes, der Daityas und Yamas bereite man eine durch Nabel und die übrigen Teile ausgestattete Feuergrube: eine Elle groß, rund oder viereckig und durch den Waffenmantra gereinigt …
KP 6.3
sikte vyudastarajasi pralipte vajralakṣmaṇi //
Übersetzung: … ausgehoben, aufgefüllt, eingeebnet und festgestampft, besprengt, von Staub befreit, bestrichen und mit dem Vajra-Zeichen versehen …
KP 6.4
devīmāvāhayedvidyāṃ vidhivadviśvamātaram //
Übersetzung: … sowie mit Achsenlinien und vier Wegen ausgestattet. Darin bereite man mit dem Herz-Mantra einen Sitz und rufe vorschriftsgemäß die Göttin Vidyā, die Mutter des Alls, herbei.
KP 6.5
prasannavadanāṃ padmapatrābhanayanaprabhām //
Übersetzung: Man vergegenwärtige sie sich dunkel, in ihrer fruchtbaren Zeit, mit schönen Gewändern, Girlanden und Schmuck, mit heiterem Gesicht und Augen, deren Glanz Lotusblättern gleicht.
KP 6.6
kāntāraṇijadāvākhyavaidyutānyatamaṃ hṛdā //
Übersetzung: Nachdem man sie mit Fußwasser und den übrigen Gaben verehrt hat, hole man mit dem Herz-Mantra Feuer herbei: aus einem Sonnenstein, aus Reibhölzern, aus einem Waldbrand oder aus einem Blitz …
KP 6.7
śodhyāvakuṇṭhya saṃpūjya hṛdā bījatvasandhitam //
Übersetzung: … oder gewöhnliches Feuer aus dem Haus eines vedisch Eingeweihten, eingeschlossen zwischen zwei geeigneten Gefäßen. Man reinige es, umhülle es schützend und verehre es mit dem Herz-Mantra, während man es als Samen vergegenwärtigt …
KP 6.8
yonau vinikṣipedvidvānvidyāyāḥ śivamuccaran //
Übersetzung: … weihe es nochmals, verwandle es in Nektar und führe es dreimal außen um die Feuergrube. Dann lege der Kundige es, den Śiva-Mantra sprechend, in den Schoß der Göttin Vidyā.
KP 6.9
tataḥ sadyādibhirmantrairgarbhādhānādisiddhaye //
Übersetzung: Man bedecke es mit Darbha-Gras und vollziehe die Weihehandlungen, während man ein durch den Waffenmantra geschütztes Armband trägt. Mit den bei Sadyojāta beginnenden Mantras bringe man zur Vollendung der Empfängnisweihe und der folgenden Riten …
KP 6.10
kiṃ tu puṃsavane bindumapāṃ darbheṇa nikṣipet //
Übersetzung: … jeweils fünf Opfergaben dar, begleitet von der Verehrung mit dem Herz-Mantra. Bei der Puṃsavana-Zeremonie lege man jedoch mit einem Darbha-Halm einen Tropfen Wasser hinein …
KP 6.11
vapustrisīma sīmante darbheṇa prāk prakalpayet //
Übersetzung: … denke dabei »dies ist das lebendige Selbst« und spreche: »Werde männlich!« Bei der Sīmanta-Zeremonie bilde man zuvor mit Darbha-Gras eine Gestalt mit drei Begrenzungen.
KP 6.12
jātakarmaṇi niṣpanne vaktroddhāṭanaśodhane //
Übersetzung: Dann forme man den Leib mit den einzelnen Kalās oder mit den Mantras als Ganzem aus. Ist der Geburtsritus vollzogen, führe man das Öffnen und Reinigen der Münder aus …
KP 6.13
tataḥ sureśavaruṇapretanakṣatrabhartṛṣu //
Übersetzung: … und besprenge mit dem Waffenmantra die Stätte, um die mit der Geburt verbundene rituelle Unreinheit zu beseitigen. Danach verehre man in den Richtungen Indras, Varuṇas, des Herrn der Toten und des Herrn der Sterne …
KP 6.14
nitambamekhalāsaktaviṣṭareṣu caturṣvapi //
Übersetzung: … an den Wülsten der Feuergrube der Reihe nach Brahmā und die folgenden Gottheiten zum Schutz. Auf allen vier Sitzen an dem mit der Böschung verbundenen Wulst verehre man …
KP 6.15
kṣetraṃ daśāṅgulaṃ tyaktvā kalāḥ paridhivigrahāḥ //
Übersetzung: … Śivas Waffenmantra, der wie die Sonne der Weltauflösung strahlt, und außerhalb davon die Welthüter. Nach einem freien Zwischenraum von zehn Fingerbreiten lege man die Kalās aus dem Bindu als Einfassungshölzer an …
KP 6.16
tatastrayīpraṇetāraṃ yajñādhyakṣatayā yajet //
Übersetzung: … um die Störungen zurückzuhalten. Außen streue man Kuśa-Gras aus. Dann verehre man den Verkünder der drei Veden als Aufseher des Opfers …
KP 6.17
tathodagvārisampūrṇe pātre yajñārisūdanam //
Übersetzung: … auf der Südseite am Ende der Einfassung, auf trockenem Kuhdung mit Darbha-Gras. Ebenso verehre man auf der Nordseite in einem wassergefüllten Gefäß den Vernichter der Feinde des Opfers …
KP 6.18
iṣṭvā praṇamya vijñāpya muktvā kaṅkaṇaṃ karāt //
Übersetzung: … Nārāyaṇa, den Ersten unter den Göttern, mit seinem eigenen Namen, mit Blumen und anderen Gaben. Nach der Verehrung verneige man sich, trage seine Bitte vor und nehme das Armband von der Hand.
KP 6.19
hṛdā vaktrāṇi saṃdadhyāttadyogācchambhunā param //
Übersetzung: Dann gebe der vortreffliche Lehrer dem Feuer den Namen »Śivāgni«. Mit dem Herz-Mantra verbinde er dessen Münder; nach ihrer Verbindung vereine er den obersten mit Śambhu.
KP 6.20
sruksruvau vāriṇāstreṇa prokṣyāvṛtya pratāpayet //
Übersetzung: Man sättige die Göttin mit Gaben, ziehe ihre Gegenwart zurück und opfere zunächst sechzehn Brennhölzer. Den großen und den kleinen Opferlöffel besprenge man mit Wasser und dem Waffenmantra, umhülle sie schützend und erwärme sie …
KP 6.21
pratyaṃśamastramantreṇa gandhādiprokṣaṇānvitam //
Übersetzung: … und berühre ihre Spitze, ihren Fuß und ihre Mitte dreimal mit den entsprechenden Teilen von Kuśa-Gräsern. Für jeden Teil spreche man den Waffenmantra und verbinde dies mit Duftgaben und Besprengung.
KP 6.22
sarpirastrokṣitaṃ guptaṃ dharmeśadiśamāśritam //
Übersetzung: Danach lege man die Löffel mit den Öffnungen nach unten rechts auf einen Kuśa-Sitz. Die geklärte Butter werde mit Astra besprengt, geschützt und in die Richtung Dharmeśas gebracht …
KP 6.23
kuśāgnirociṣā pūtaṃ vīkṣya saṃhitayālabhet //
Übersetzung: … dreimal emporgeführt und mit dem Pavitra durch die Riten Utplava und Saṃplava gereinigt. Durch die Flamme eines Kuśa-Halms geheiligt und rituell angeschaut, werde sie mit den Saṃhitā-Mantras geweiht.
KP 6.24
juhuyādagnaye svāhetyatha somāya cakṣuṣoḥ //
Übersetzung: Der Lehrer verwandle sie in Nektar und kennzeichne mit Darbha-Gras zwei Bereiche. Dann opfere er für die beiden Augen des Feuers mit »agnaye svāhā« und danach entsprechend für Soma …
KP 6.25
ityuktakṛtasaṃskāraṃ pṛthakkuṇḍe hutāśanam //
Übersetzung: … und in der Mitte für beide gemeinsam. In der dunklen Monatshälfte ist die Reihenfolge umgekehrt. Ein so durch die beschriebenen Riten geweihtes Feuer setze man in eine gesonderte Feuergrube …
KP 6.26
pratyahaṃ vā kriyāhetoḥ sāmāsikavidhau sthitaḥ //
Übersetzung: … und bewahre es, durch den Schutzpanzer gesichert, zum Zubereiten von Opferbrei und anderen Gaben. Oder man bewahre es für den täglichen Vollzug, wenn man dem verkürzten Verfahren folgt.
KP 6.27
anāhūtaśivaṃ rakṣetpratyahaṃ tvavisarjitam //
Übersetzung: Denn wenn Śiva aus dem Feuer zurückgezogen wurde, darf darin außer der Verehrung Caṇḍeśas kein Ritus vollzogen werden. Darum bewahre man das Feuer, in das Śiva noch nicht gerufen wurde, von Tag zu Tag, ohne es zu entlassen.
KP 6.28
iṣṭvā saṃdhāya yāgoktyā tarpayecchaktitaḥ kramāt //
Übersetzung: Dann trete man durch den inneren Kanal in die Gestalt des Feuers ein, verehre Śaṅkara in dessen Herzen, stelle die Verbindung her und sättige ihn der Reihe nach und nach den eigenen Kräften mit Gaben, wie es bei der Verehrung gelehrt wurde …
KP 6.29
prāyaścittāhutīraṣṭau hutvāstreṇopasaṃharet //
Übersetzung: … doch mit Mantras, die auf svāhā enden, und voller Vertrauen. Nach acht Sühneopfern mit dem Waffenmantra ziehe man die göttliche Gegenwart zurück.
KP 6.30
śatenārdhena pādena daśādhitisṛbhiḥ param //
Übersetzung: Nach der abschließenden vollen Opfergabe sättige man Caṇḍeśa nach den eigenen Kräften: mit hundert, fünfzig, fünfundzwanzig oder dreizehn Gaben, jedenfalls mit wenigstens drei.
KP 6.31
nirmālyavadagādhāsu kṣipedapsvavaṭe 'pi vā //
Übersetzung: Ist das heilige Feuer erloschen, sammle man stets seine Asche ein und gebe sie wie die abgelegten Opfergaben in tiefes Wasser oder in eine Grube.
KP 6.32
māṣādirajasā soṣṇavāriṇā sruksruvādikam //
Übersetzung: Durch Erde, Kuhdung und Wasser wird die Feuergrube wieder für die Weihe geeignet; die großen und kleinen Opferlöffel und die anderen Geräte durch Pulver von Māṣa-Bohnen oder Ähnlichem mit warmem Wasser.
KP 6.33
pavitrārghyādipātrāṇāmaraṇeranalasya ca //
Übersetzung: Erkläre die Merkmale des kleinen und des großen Opferlöffels, der Feuerstätte, ihrer Einfassung, der Sitze und des Opfergrases, des Pavitra, der Arghya-Gefäße und der übrigen Gefäße, der Reibhölzer und des Feuers …
KP 6.34
prabrūhi bhagavanyacca nāviditvā pracoditam //
Übersetzung: … samt Anwendung und Maßen, ebenso die Merkmale der Opfergaben, o Erhabener, und alles Weitere, wonach ich aus Unkenntnis nicht gefragt habe.
KP 6.35
dvyaṅguṣṭhaparvago 'ṅguṣṭhadaṇḍo hastāyatiḥ sruvaḥ //
Übersetzung: Der Sruva, der kleine Opferlöffel, soll aus dem Holz eines Brahma-Baumes [Palāśa], eines Aśvattha, Śamī, Parṇi, Śiṃśapā oder eines ähnlichen Baumes bestehen. Er ist eine Elle lang, sein Stiel daumendick und sein Kopf zwei Daumenglieder lang.
KP 6.36
viparyaye 'dhikanyūnavyaṅgavakravapur mataḥ //
Übersetzung: Seine Höhlung gleicht einem Kuhhufabdruck; sie ist halb so breit wie lang und fasst einen Karṣa [Butterschmalz]. So dient er dem Gedeihen. Ein zu großer, zu kleiner, verstümmelter oder krummer Löffel gilt dagegen als Ursache des Gegenteils.
KP 6.37
pañcartvadrimukhā hastakanyasā pṛthunirgamā //
Übersetzung: Die Sruc, der große Opferlöffel, ist sechs mal sechs, also sechsunddreißig Fingerbreiten lang. Ihre Plattform misst acht, sieben oder sechs Fingerbreiten, ihr Hals eine. Der Ausguss misst fünf, sechs oder sieben Fingerbreiten; seine Öffnung ist so breit wie der kleine Finger.
KP 6.38
bhāgārdhamekhalā śeṣacitrapattrādibhūṣaṇā //
Übersetzung: Die runde Schale beginnt bei vier Fingerbreiten Weite [und misst bei den beiden größeren Formen fünf beziehungsweise sechs]. Ihre Vertiefung ist drei Fingerbreiten tief; ihr Randwulst misst eine halbe Fingerbreite. Der übrige Bereich ist mit kunstvollen Blättern und ähnlichen Formen geschmückt.
KP 6.39
ṣaṇṇāhadaṇḍabhāgārdhanirvṛttakalaśodgatā //
Übersetzung: An die Plattform schließt sich ein viereckiger oder achteckiger Zierkörper an, dessen Maß die Hälfte ihres Maßes beträgt. Der Stiel hat sechs Fingerbreiten Umfang; an ihm erhebt sich ein Zierkrug mit dem Maß einer halben Fingerbreite.
KP 6.40
maṇḍalārdhenduvedī vā gūḍhakaṇṭhāpi vā hitā //
Übersetzung: Eine vorzügliche Sruc hat einen Abfluss wie die Rinne gefalteter Hände oder wie eine Kuhohr-Rinne. Auch eine kreisrunde oder halbmondförmige Plattform ist geeignet, ebenso eine Form mit verborgenem Hals.
KP 6.41
ekāṅgulauṣṭhamuktāśāmānasaṃsthānamuttamam //
Übersetzung: Oder ihr Stiel hat fünf Fingerbreiten Umfang und erhebt sich aus einem Sockel in Gestalt eines Makara oder eines ähnlichen Wesens. Für die Feuergrube gelten, abgesehen vom eine Fingerbreite breiten Lippenrand, die zuvor genannten Maße und die zuvor genannte Form als die besten.
KP 6.42
aśvatthadalasaṃsthānadvādaśāṅgulanābhikam //
Übersetzung: Sie hat drei umlaufende Ränder, die jeweils vier, drei und zwei Fingerbreiten hoch und ebenso breit sind. Ihr Nabel hat die Gestalt eines Aśvattha-Blattes und misst zwölf Fingerbreiten.
KP 6.43
naityake pāvakāgāraṃ śṛṇu naimittike 'dhikam //
Übersetzung: Oder sie ist von einem einzigen Rand umgeben, der sechs Fingerbreiten hoch und breit ist. So ist die Feuerstätte für das tägliche Ritual beschaffen. Höre nun von der größeren für besondere Anlässe.
KP 6.44
tasyānupātādoṣṭhādi vihitaikaiva mekhalā //
Übersetzung: Bei Feueropfern mit tausend und weiter steigenden Zahlen von Gaben kommen [entsprechend größere Gruben von] zwei, vier und acht Ellen in Betracht. Lippenrand und übrige Teile richten sich nach ihren Proportionen; dabei ist ein einziger Randwulst vorgeschrieben.
KP 6.45
stambhatāpajayadhvaṃsaśāntyuccāṭādikaśca yaḥ //
Übersetzung: Auch die Unterschiede der Himmelsrichtung, Form und übrigen Merkmale, die sich nach dem angestrebten Ziel richten, werden erläutert: etwa beim Stillstellen, Erhitzen, Siegen, Vernichten, Befrieden und Vertreiben.
KP 6.46
hotrāśe yonisaṃsthānaṃ tāpākarṣaṇadīptiṣu //
Übersetzung: Für Riten des Gedeihens, des Stillstellens und des Heereswesens ist die Grube im Osten viereckig; für Erhitzen, Heranziehen und Entfachen hat sie in der Richtung des Opferfeuers, im Südosten, die Gestalt einer Yoni.
KP 6.47
tryaśraṃ daityeśādigbhāge mohavidveṣamṛtyuṣu //
Übersetzung: Im Süden gleicht sie einer Beilschneide, um den Wald der Feindesscharen zu fällen; für Verblendung, Entzweiung und Tod ist sie in der Richtung des Daitya-Herrn, im Südwesten, dreieckig.
KP 6.48
ṣaḍaśramānile kṣobhaviyogoccāṭanādiṣu //
Übersetzung: Für Befriedung, Überwindung des Todes und ähnliche Ziele hat sie im Westen die Form der Mondscheibe; für Aufruhr, Trennung, Vertreibung und ähnliche Ziele ist sie im Nordwesten sechseckig.
KP 6.49
vasvaśraṃ śāṅkare kuṇḍamaṇimādiprasiddhaye //
Übersetzung: Für die Erlangung von Vermögen, Lebensdauer und Glück hat sie im Norden die Form eines Lotus oder einer Wasserlilie. Für die Verwirklichung des Kleinwerdens und der übrigen außergewöhnlichen Fähigkeiten ist die Grube im Nordosten achteckig.
KP 6.50
kaniṣṭhikāsthūlamūlā haritā vraṇavarjitāḥ //
Übersetzung: Die Einfassungsstäbe stammen von opfergeeigneten Bäumen, sind armlang und gleichmäßig, an ihrem unteren Ende kleinfingerdick, frisch und ohne Verletzung.
KP 6.51
viṃśattantukṛtā veṇī barhiṣāṃ viṣṭaraḥ smṛtaḥ //
Übersetzung: Die Brennhölzer sind rissfrei, gerade, mit Rinde versehen und sechzehn Fingerbreiten lang. Als Grassitz gilt ein Geflecht aus zwanzig Strängen des Opfergrases.
KP 6.52
prādeśāyatadarbhāgre dviguṇagrathite mithaḥ //
Übersetzung: Die Kuśa-Halme sind ebenso lang, frisch, schön und unverformt. Zwei eine Spanne lange Darbha-Spitzen, doppelt gelegt und miteinander verflochten, …
KP 6.53
sauvarṇaṃ rājataṃ tāmraṃ bhaumaṃ vā pāṇipūrakam //
Übersetzung: … bilden den Pavitra-Reiniger, der Hindernisse und Fehler beseitigt und von der Strahlkraft [des heiligen Lautes] erglänzt. Aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton, die Hand füllend, …
KP 6.54
sacchaṅkhaśuktiśṛṅgādi palāśābjadalādi vā //
Übersetzung: … ist das runde, unbeschädigte Gefäß für Śivas Arghya-Ehrengabe mit einem Lotus gekennzeichnet. Auch eine einwandfreie Muschelschale, Perlmutterschale, ein Horn oder Ähnliches, ebenso ein Palāśa- oder Lotusblatt und dergleichen, kann dafür dienen.
KP 6.55
ṣaḍaṅgulārdhaviṣkambhasamasiddhāni bhūtaye //
Übersetzung: Auch die Gefäße für die Kuhprodukte bestehen aus diesen Materialien, jedoch ohne Horn, Stoßzahn und Ähnliches. Zum Gedeihen werden sie gleichmäßig mit einem Radius von sechs Fingerbreiten hergestellt.
KP 6.56
vasvarkatryaṣṭakotsedhavistārāyāmalakṣitā //
Übersetzung: Die Gefäße für das geweihte Wasser, den Sesam und das Butterschmalz bestehen aus den vier mit Ton abschließenden Materialien. Durch acht Fingerbreiten Höhe, zwölf Breite und dreimal acht, also vierundzwanzig Länge gekennzeichnet …
KP 6.57
ṣaḍaṅgulaṃ prajananaṃ candre vṛtte bhujādhike //
Übersetzung: … ist das untere Reibholz samt Trittbrett, das aus Śamī- oder Aśvattha-Holz besteht. Den sechs Fingerbreiten langen Feuerbohrer setzt man in eine runde Scheibe, deren Umfang etwas mehr als eine Armlänge beträgt, …
KP 6.58
gāyatrījamayā śaṃbhum uccaran bhrāmayed dṛḍham //
Übersetzung: … befestigt ihn in der Mitte mit Eisen und bringt ihn zwischen den beiden Reibhölzern an. Mit einer Schnur aus Kuhschweifhaaren und einer aus Gāyatrī-Holz gefertigten [Antriebsvorrichtung] dreht man ihn kräftig, während man Śambhus Mantra ausspricht.
KP 6.59
tasminnuparatajvāle na dhūmavyākulārciṣi //
Übersetzung: Das erzeugte Feuer legt man in ein Gefäß und weiht es auf dem erläuterten Weg. In dieses Feuer darf man, wenn seine Flamme erloschen oder sein Flammenlicht von Rauch bedrängt ist, …
KP 6.60
śāntyāpyāyananauyānavṛṣṭimṛtyuñjayādiṣu //
Übersetzung: … oder wenn es nur schwach leuchtet, keine Gabe opfern, auch wenn man es eilig hat und die Lehre kennt. Für Befriedung, Stärkung, Schiffsreise, Regen, Überwindung des Todes und ähnliche Ziele …
KP 6.61
saubhāgyakṛṣisantānabalamūlādisiddhaye //
Übersetzung: … ist ein sanft leuchtendes Feuer mit rechtsdrehenden Flammen, dessen Glanz den Mond überstrahlt, [günstig]. Für Glück, Ackerbau, Nachkommenschaft, Kraft, wirksame Wurzeln und ähnliche Errungenschaften …
KP 6.62
vidveṣoccāṭaruktāpaśoṣamohakṣayādiṣu //
Übersetzung: … [ist ein Feuer günstig], dessen Leuchten mit Bandhūka- und Granatapfelblüten und mit Korallen wetteifert. Für Entzweiung, Vertreibung, Krankheit, Qual, Austrocknung, Verblendung, Vernichtung und ähnliche Ziele …
KP 6.63
rasāyanarasārogyasthairyarājyādisiddhaye //
Übersetzung: … gilt ein Feuer mit dunklen, blauen oder schwarzen Flammen, mit Rauch und heftigem Getöse als geeignet. Für Verjüngungsmittel, alchemistische Stoffe, Gesundheit, Festigkeit, Königsherrschaft und ähnliche Errungenschaften …
KP 6.64
tattvajñānamahāyogadivyasiddhiprasiddhaye //
Übersetzung: … [ist ein Feuer günstig], dessen Glanz dem von Kurkuma, Safran, Honig oder Karṇikāra-Blüten gleicht. Für die Erkenntnis der Wirklichkeitsprinzipien, den großen Yoga und die Verwirklichung göttlicher Fähigkeiten …
KP 6.65
candanājyapayojātimallikāgandhagandhavān //
Übersetzung: … [ist ein Feuer günstig], dessen Flamme Bergkristall nachbildet. Ein gemischtes Feuer bewirkt gemischte Ziele. Ein Feuer, das nach Sandelholz, Butterschmalz, Milch, Jāti- und Mallikā-Jasmin duftet, [ist günstig] …
KP 6.66
karmaṇyaniṣṭabhūyiṣṭhe śavāsṛṅmadyamedasām //
Übersetzung: … für Befriedung und Ähnliches; bei der Schar der übrigen Verwirklichungen [ist der Geruch] von Kampfer, Aloeholz und Blut [günstig]. Bei einem Wirken, in dem Unheil vorherrscht, [gilt der Geruch] von Leichen, Blut, berauschendem Getränk und Fett [als geeignet].
KP 6.67
kapigugguladantīśamadāyugmacchadātmanām //
Übersetzung: Bei Riten des Gedeihens [ist der Duft] von Kadamba, Ketakī, Bilva, Campaka und Ähnlichem [günstig]; [der Duft] von Kapi-Harz, Guggulu, dem Schläfensekret eines Elefanten und Ayugmacchada …
KP 6.68
pañcaśākhāhṛtaṃ vrīhiyavaṃ muṣṭyā tilādikam //
Übersetzung: … [ist günstig] für die höchste Verwirklichung. Das Feuer soll Gestalten und Laute von Gegenständen annehmen, die dem jeweiligen Ritual entsprechen. Reis und Gerste opfert man in der Menge, die alle fünf Finger gemeinsam fassen; Sesam und Ähnliches mit der Faust.
KP 6.69
dadhi pāṇinikuñjena mūlajātaṃ trikhaṇḍakam //
Übersetzung: Honig, Milch, Butterschmalz, Zuckerrohrsaft und Ähnliches misst man mit dem Sruva; Dickmilch mit der gehöhlten Hand. Wurzeln und Knollen teilt man in drei Stücke.
KP 6.70
dvyaṅgulā latāvalyaḥ phalaṃ puṣpam akhaṇḍitam //
Übersetzung: Zubereitete Speisen [opfert man] so, wie sie fertiggestellt wurden; Stoffe mit Knoten in Abschnitten von je einem Knotenglied. Rankenstücke sind zwei Fingerbreiten lang; Früchte und Blüten bleiben ungeteilt, …
KP 6.71
vārkṣyo yavīyasīsthūlāḥ satvaco nirvraṇāḥ parāḥ //
Übersetzung: … ebenso Blätter. Alle Opferhölzer haben die Länge einer Spanne. Die vorzüglichen stammen von Bäumen, sind kleinfingerdick, mit Rinde versehen und ohne Beschädigung.
KP 6.72
sruvodantaśikhaṃ vāpi kaṇasaktūṃstilādivat //
Übersetzung: Den mit Dickmilch, Milch oder Ähnlichem vermischten gekochten Reis [opfert man] in mundgerechter Menge oder als gehäuften Sruva voll. Körnerbruch und geröstetes Mehl behandelt man wie Sesam.
KP 6.73
guggulormahiṣākṣasya gulikā badaropamā //
Übersetzung: Für Kāsāra-Speise, Kuhdung, Piṇḍī-Klößchen und Ölkuchen gilt dasselbe Maß wie für den gekochten Reis. Ein Kügelchen des Mahiṣākṣa genannten Guggulu-Harzes hat die Größe einer Jujubefrucht.
KP 6.74
dīkṣāyāṃ nityake śuddhau svāhāntairvihitaiḥ padaiḥ //
Übersetzung: [Ein Kügelchen] aus Sandelholzpaste und ähnlichen Pasten oder aus Moschus und Ähnlichem hat die Größe einer Kichererbse. Bei der Einweihung, beim täglichen Ritual und bei der Reinigung [opfert man] mit den vorgeschriebenen Mantraworten, die auf svāhā enden, …
KP 6.75
kiṃ tu kṛtyānuguṇārthairdvirākhyopapadānvitaiḥ //
Übersetzung: … ebenso bei Riten des Gedeihens oder der Befriedung; bei schädigenden Riten dagegen mit solchen, die auf phaṭ enden. Die Mantraworte müssen jedoch einen dem Vorhaben entsprechenden Sinn haben und mit der zweimal ausgesprochenen Handlungsbezeichnung sowie dem beigefügten Namen [des Betroffenen] verbunden sein.
KP 6.76
dvitayanimittatayoditā samāsāt /
hutavahatanubimbitogradhāmnaḥ
sapadi hṛdābhimatāptaye 'dhivāsyā //
Übersetzung: So ist die Verehrung des Herrn der Mantraherren, dessen gewaltiger Glanz sich im Leib des Feuers spiegelt, als Mittel zu den beiden erstrebten Zielen [Welterfahrung und Befreiung] in Kürze dargelegt. Mit dem Herzenswunsch, das Begehrte sogleich zu erlangen, ist sie als vorbereitende Weihe zu vollziehen.
Kapitel 7
KP 7.1
vidhinā vakṣyamāṇena kṛtvā bhūmeḥ parigraham //
Übersetzung: Nun soll der Lehrer den Schüler der vorbereitenden Weihe unterziehen, damit dessen Bewusstsein dazu geeignet wird. Zuvor nimmt er den Boden nach dem Verfahren in Besitz, das jetzt erläutert wird.
KP 7.2
deśe varṇānugāṃ bhūmiṃ prāgīśodakplavāṃ bhajet //
Übersetzung: In einer heiligen, ansprechenden Gegend, die Brennholz, Blumen, Kuśa-Gras und Wasser bietet, wählt er einen dem jeweiligen Stand entsprechenden Boden, der nach Osten, Nordosten oder Norden abfällt.
KP 7.3
ghṛtāsṛggośakṛnmadyagandhitāṃ suprarohiṇīm //
Übersetzung: Er gleicht [je nach Stand] Schnee, Blut, gelbem Auripigment oder dunklem Blau; sein vorherrschender Geschmack ist der Reihe nach süß und so weiter. Er riecht nach Butterschmalz, Blut, Kuhdung oder berauschendem Getränk und lässt Saaten gut aufgehen.
KP 7.4
āmapātragatājyasthavartibhiścodagādibhiḥ //
Übersetzung: Der Boden ist geschmeidig und tragfähig und wird durch eine Grube, Wasser und Blumen geprüft, außerdem durch die nach Norden und in die weiteren Richtungen gelegten Dochte im Butterschmalz eines ungebrannten Gefäßes.
KP 7.5
yājñīyasāravṛkṣamudgaraiḥ sudṛḍhīkṛtām //
Übersetzung: Man hebt ihn sorgfältig bis zum Wasser aus, füllt ihn mit reiner Erde und Wasser und festigt ihn mit Stampfern aus dem Kernholz opfergeeigneter Bäume.
KP 7.6
vidhāya darpaṇākārāṃ vidadhyādyāgamaṇḍapam //
Übersetzung: Durch Begießen mit einem herben Pflanzensud und durch Reiben mit einem glatten, guten Stein macht man ihn spiegelglatt. Darauf errichtet man die Opferhalle.
KP 7.7
diksūtrāṇyupalabhyādau sāradārviṣṭakādinā //
Übersetzung: Zunächst bestimmt man die Richtungsschnüre durch das Anpeilen des Polarsterns, von Puṣya und anderen Sternen oder anhand des Sonnenschattens. Aus Kernholz, Ziegeln und ähnlichen Baustoffen [errichtet man die Halle], …
KP 7.8
satkavāṭārgaladvāradhūmanirgamaśobhitam //
Übersetzung: … wobei Pflockmarkierungen und ähnliche Zeichen die Enden der vier Brahma-Schnüre kennzeichnen. Sie erhält gute Türen mit Türflügeln und Riegeln sowie Öffnungen für den Rauchabzug, …
KP 7.9
liptaṃ gośakṛtā labdhasuvā snātaḥ praviśya ca //
Übersetzung: … gesonderte Plätze für das Maṇḍala, das Feueropfer und die Krüge und einen Anstrich mit Kuhdung, der den Erdboden erreicht hat. Nach dem Bad tritt [der Lehrer] ein …
KP 7.10
diśamadhyāsya saumyāsyaḥ śivībhūtaḥ svalaṅkṛtaḥ //
Übersetzung: … und prüft, ob alle erforderlichen Hilfsmittel vorhanden sind. Er nimmt im Süden, der von Agastya bewohnten Richtung, mit dem Gesicht nach Norden Platz. Er hat sich zu Śiva verwandelt und sich angemessen geschmückt, …
KP 7.11
vidhāyārghyatrayaṃ śambhupaśurodhābhidhānakam //
Übersetzung: … trägt einen goldenen Fingerring, einen Turban, ein Yogaband und eine Gebetskette und bereitet die drei Arghya-Ehrengaben mit den Namen Śambhu, Paśu und Rodha zu.
KP 7.12
śivābhidhānaṃ pūjānte pādye cācamanīyake //
Übersetzung: Die Rodha-Ehrengabe wird nach dem rituellen Festhalten und bei der Entlassung verwendet; die nach Śiva benannte am Ende der Verehrung sowie für das Fußwaschwasser und das Wasser zum Mundspülen.
KP 7.13
prāyaścittaṃ tu vailopye tantre 'sminprāha sarvavit //
Übersetzung: Die Paśu-Ehrengabe dient den am Schüler vollzogenen Verrichtungen, ferner dem Besprengen seines Körpers und ähnlichen Handlungen. Für das Unterlassen [der vorgeschriebenen Verrichtungen] hat der Allwissende in diesem Tantra eine Sühne bestimmt.
KP 7.14
śivāmbhasā pṛthaksthāni gomūtrādīnyanukramāt //
Übersetzung: Nachdem er seine Hand zu einer Śiva-Hand gemacht hat, bringt er die Kuhprodukte herbei und reinigt die getrennt stehenden Stoffe, angefangen mit dem Kuhurin, der Reihe nach mit Śiva-Wasser.
KP 7.15
sadyādyaiḥ pṛthagālabhya śivenaikatra yojayet //
Übersetzung: Kuhurin, Kuhdung, Milch, Dickmilch, Butterschmalz und Kuśa-Wasser [sind diese Stoffe]. Die einzelnen [Kuhprodukte] berührt er mit den bei Sadyojāta beginnenden Mantras und vereinigt sie mit Śivas Mantra in einem Gefäß; …
KP 7.16
kuśena śastrajaptena bhuvamullikhya pūrayet //
Übersetzung: … mit demselben [Śiva-Mantra] fügt er das Kuśa-Wasser hinzu und berührt die Mischung dann mit der Saṃhitā der Mantras. Mit einem Kuśa-Halm, über den der Waffenmantra gesprochen wurde, ritzt er den Boden auf und füllt ihn …
KP 7.17
dṛḍhāṃ saṃmārjitāṃ liptāṃ gavyena prokṣayetpunaḥ //
Übersetzung: … mit den Lichtteilchen der Śakti, ebnet ihn und besprengt ihn mit demselben [Waffenmantra]. Den gefestigten, gefegten und bestrichenen Boden besprengt er erneut mit der Mischung der Kuhprodukte …
KP 7.18
tānastrakalpānsphurato daityāṃśe bhaumuge sthitaḥ //
Übersetzung: … und mit Śiva-Wasser. Dann bespricht er die Streukörner mit dem Waffenmantra. Im Südwesten, am Bhaumuga genannten Ort stehend, streut er sie, die wie leuchtende Waffen sind, …
KP 7.19
tatastānīśato nītvā sadvāsodarbhacāmaraiḥ //
Übersetzung: … entlang des Weltweges in der Opferhalle bis zum Śiva-Endpunkt in der Nordostecke. Darauf bringt er die Körner mit einem sauberen Tuch, Darbha-Gras und einem Wedel im Nordosten zusammen, …
KP 7.20
hemāderudbhavaṃ kumbhaṃ nirduṣṭaṃ mṛṇmayādikam //
Übersetzung: … zeichnet dort mit Duftstoffen einen Kreis und legt den hier beschriebenen Sitz an. Einen unbeschädigten Krug aus Gold oder einem anderen Metall, aus Ton oder einem ähnlichen Material, …
KP 7.21
sarvaratnauṣadhīloharasagandhakuśodaram //
Übersetzung: … gefüllt mit durch ein Tuch gefiltertem Wasser, mit Duftstoffen bestrichen, mit Samen versehen und im Inneren mit allerlei Edelsteinen, Heilpflanzen, Metallen, alchemistischen Stoffen, Duftstoffen und Kuśa-Gras ausgestattet, …
KP 7.22
santāḍyāhṛtya mantreṇa śatālabdhaṃ nyasedguruḥ //
Übersetzung: … dessen Öffnung mit Zweigen von Aśoka, Aśvattha, Mango und anderen Bäumen geschmückt ist, soll der Lehrer durch rituelles Anschlagen reinigen, herbeibringen, hundertmal mit dem Mantra berühren und aufstellen.
KP 7.23
kṛtvāṅginaṃ yajetprāgvatsraggandhabalibhirvaraiḥ //
Übersetzung: Er bereitet ihn als Verkörperung vor und ruft den höchsten Śiva in ihn herab. Nachdem er ihn mit seinen Mantragliedern versehen hat, verehrt er ihn wie zuvor mit vorzüglichen Kränzen, Duftstoffen und Opfergaben.
KP 7.24
kartaryadhikṛtaṃ tadvadyajedduṣṭaughavārakam //
Übersetzung: Rechts davon verehrt er auf einem Lotus aus dem Praṇava die Waffe des großen Herrn, die in der Kartarī [dem Ausgussgefäß] ihren Sitz hat. Ebenso [verehrt er] sie als die Abwehr der Scharen schädlicher Mächte, …
KP 7.25
prāvṛtya sitavastrābhyāṃ saṃdhāya prārthayedvaram //
Übersetzung: … furchterregend, gewaltig dröhnend und der Sonne am Ende eines Weltzeitalters gleich. Beide [Gefäße] bedeckt er mit weißen Tüchern. Er sammelt sich [auf den Herrn] und bittet um die Gunst: …
KP 7.26
sarvāṅgeṣu ca sānnidhyamāmakhāntaṃ bhajasva me //
Übersetzung: »Nimm, Erhabener, diesen glückverheißenden Ort des Rituals in Besitz. Sei mir bis zum Abschluss des Opfers in allen seinen Gliedern gegenwärtig.«
KP 7.27
bhrāmayedvardhanīdhārāmastradurgamanusmaran //
Übersetzung: Nachdem er die Erlaubnis erhalten hat, führt er unter dem Waffenmantra den Wasserstrahl der Vardhanī im Rechtsumlauf [an der Wand entlang; Lesung unsicher]. Dabei vergegenwärtigt er sich die Schutzfestung der Waffe, …
KP 7.28
dvayamapyetadabhyarcya punarvaiśeṣikairdhanaiḥ //
Übersetzung: … während der Krug ihm folgt, bis er wieder an seinen Platz zurückgelangt ist. Beide verehrt er nochmals mit besonders kostbaren Gaben.
KP 7.29
kasthāne pañcagavyādimaṇḍale śaṅkaraṃ yajet //
Übersetzung: Dann stellt er die Verbindung zu den Hütern der Himmelsrichtungen, beginnend mit Indra, her und verehrt sie. Am Brahma-Platz verehrt er Śaṅkara in einem Kreis aus den fünf Kuhprodukten und weiteren Stoffen, …
KP 7.30
praṇataḥ samanujñāto dikpatibhyo baliṃ haret //
Übersetzung: … nach dem zuvor beschriebenen Verfahren, seinen Mitteln entsprechend und gesammelt. Er verneigt sich, empfängt die Erlaubnis und bringt den Richtungshütern eine Bali-Gabe dar, …
KP 7.31
seśvarebhyaśca bhūtebhyo mātṛbhyaḥ svapadāṇubhiḥ //
Übersetzung: … ebenso nach der Vorschrift den Gottheiten dieses Ortes, den ergreifenden Mächten, den Geisterwesen samt ihren Herren und den Müttern, jeweils mit den zu ihren Namen gehörenden Mantras, …
KP 7.32
skando 'ryamā jṛmbhakaśca balipiccho grahottamāḥ //
Übersetzung: … und den Rudras mit dem folgenden Mantra sowie Räucherwerk, Duftstoffen, Kränzen und Ähnlichem: »Skanda, Aryaman, Jṛmbhaka und Balipiccha, die vorzüglichsten der ergreifenden Mächte, …
KP 7.33
saumyāścaiva tu ye kecitsaumyasthānanivāsinaḥ //
Übersetzung: … die Rudras mit ihrem wilden Wirken, die an den Stätten Rudras wohnen, und alle friedlichen Wesen, die an friedlichen Stätten wohnen, …
KP 7.34
vighnabhūtāstathā cānye divividikṣu samāśritāḥ //
Übersetzung: … die Mütter in Rudra-Gestalt, die Herren der Scharen und andere Wesen, die Hindernisse hervorrufen und im Himmel und in den Zwischenrichtungen wohnen: …
KP 7.35
siddhiṃ juṣantu naḥ kṣipraṃ bhayebhyaḥ pāntu nityaśaḥ //
Übersetzung: … Mögen sie alle mit hoch erfreutem Herzen diese Bali-Gabe annehmen! Mögen sie uns rasch das Gelingen gewähren und uns stets vor Gefahren schützen!«
KP 7.36
paceccaruṃ sadāśāsthaścullyāṃ vā tena vahninā //
Übersetzung: Nach dem Bad und dem rituellen Mundspülen entfacht er das Śiva-Feuer in der Feuerstätte. Mit diesem Feuer kocht er die Caru-Opferspeise, wobei er eine günstige Richtung einnimmt, oder er kocht sie auf einem Herd.
KP 7.37
sūtreṇa varmapūtena trirānaddhagalāṃ sthitām //
Übersetzung: Einen festen, einwandfreien Kochtopf, der durch den Waffenmantra gereinigt und von einer Schutzhülle umgeben ist, dessen Hals dreimal mit einer durch den Kavaca-Mantra gereinigten Schnur umwunden ist und der …
KP 7.38
kuṇḍoktaśuddhiyoginyāṃ cullyāmāropya gopayaḥ //
Übersetzung: … in einem mit Kuhdung bestrichenen Kreis auf einer Unterlage aus durch den Waffenmantra geweihtem Kuśa steht, setzt er auf einen Herd, der die für die Feuergrube beschriebene Reinigung erhalten hat. Kuhmilch, …
KP 7.39
tasyāmādhāya dīptvāgniṃ vipacecchivamuccaran //
Übersetzung: … die besprengt, rituell angeschlagen, geschützt und hundertmal mit dem Mantra berührt wurde, füllt er samt Reis hinein. Er entfacht das Feuer und kocht die Speise unter dem Aussprechen von Śivas Mantra.
KP 7.40
hṛdā vighaṭṭayetsvinnaṃ praṇavenāvatārayet //
Übersetzung: Mit dem Waffenmantra bewegt er [den Topf], mit dem Augenmantra blickt er ihn an; mit dem Herzmantra rührt er die gegarte Speise um und nimmt sie mit dem Praṇava vom Feuer.
KP 7.41
maṇḍale viṣṭarasthasya praliptasyāparaḥ kṣitau //
Übersetzung: Bevor er sie jedoch vom Feuer nimmt, gießt er unter der Saṃhitā der Mantras mit dem Sruva Butterschmalz darüber. Ein weiterer Guss erfolgt, wenn [der Topf] auf dem Boden im Kreis auf seiner Unterlage steht und bestrichen ist.
KP 7.42
amṛtatvāya tatsyādagnīṣomātmakaṃ yataḥ //
Übersetzung: Diese beiden Güsse sind für die Caru-Speise als Verkörperungen von Agni und Soma vorgeschrieben. Dies soll der Unsterblichkeit dienen, weil die Opfergabe so aus Agni und Soma besteht.
KP 7.43
mantrāṇāṃ mantrasampātaḥ kāryaḥ saṃhitayaiva tu //
Übersetzung: Nachdem er die Mantras auf die im Kapitel über den Feuerritus beschriebene Weise gesättigt hat, ist mit eben dieser Saṃhitā die Sampāta-Weihe durch die Mantras zu vollziehen.
KP 7.44
sampātasiddhaye vidvānyatra mantrāntataḥ śrutiḥ //
Übersetzung: Zur Vollendung der Sampāta-Weihe opfert der Wissende bei svā die Hälfte ins Feuer; bei hā schüttelt er den Kopf des Sruva [über dem zu weihenden Gegenstand]. Dies geschieht dort, wo nach dem Mantra die zugehörige Weihaussage zu sprechen ist.
KP 7.45
kāryastathaiva sampātastilavrīhyādikasya ca //
Übersetzung: Ebenso ist die Sampāta-Weihe für die kleinen Gefäße, Pflöcke und Schnüre, für die Schere und die Farbpulver sowie für Sesam, Reis und weitere Stoffe zu vollziehen.
KP 7.46
niveditaḥ purastatsānnidheyaṃ carurīśataḥ //
Übersetzung: Nach der vollen Opfergabe steht er auf und meldet Śambhu: »Diese Speise ist fertig.« Die Caru-Speise ist vor ihm, in der Nähe im Nordosten, aufzustellen, …
KP 7.47
tataḥ sthālīgataṃ tredhā darbheṇa vibhajeccarum //
Übersetzung: … ebenso die durch Sampāta geweihten Stoffe wie Farbpulver und Schnüre. Dann teilt er die im Topf befindliche Caru-Speise mit einem Darbha-Halm in drei Teile.
KP 7.48
śambhave sthaṇḍilasthāya dadyātkumbhasthitāya ca //
Übersetzung: Einen Teil legt er in ein Gefäß, verehrt ihn mit dem Herzmantra und reicht ihn Śambhu auf dem Opferplatz und im Krug, …
KP 7.49
sruveṇa juhuyādvidvānśivāyāṇumate manāk //
Übersetzung: … ferner der Waffe im Kartarī-Gefäß. Vom nächsten Teil opfert der Kundige im Feuer mit dem Sruva eine geringe Menge für Śiva, der von den Mantras umgeben ist.
KP 7.50
taṃ vakṣyamāṇavidhinā śiṣyaśeṣaṃ bhajedguruḥ //
Übersetzung: Den nach dem Opfern verbleibenden Rest legt er wieder in den Topf und rührt ihn mit dem Herzmantra um. Auf die noch zu erläuternde Weise soll der Lehrer den vom Schüler übriggelassenen Teil verzehren.
KP 7.51
dve śate bahurūpeṇa juhuyādasināpi vā //
Übersetzung: Um die Schar der Hindernisse zu besänftigen und Lücken im Ritual zu beseitigen, opfert er darauf zweihundert Gaben mit dem Bahurūpa-Mantra oder mit dem Waffenmantra.
KP 7.52
karma yacchiṣyaviṣayaṃ samāsāttu nigadyate //
Übersetzung: Nach der vollen Opfergabe erhält er die Erlaubnis des großen Herrn und vollzieht den folgenden, auf den Schüler bezogenen Ritus, der nun in Kürze beschrieben wird.
KP 7.53
vidhāyāropayecchiṣyaṃ stabdhadehamudaṅmukham //
Übersetzung: In einem mit Kuhdung bestrichenen Kreis legt er Darbha-Gras aus, bereitet einen Sitz aus dem Praṇava und lässt den Schüler ihn einnehmen, mit reglosem Körper und dem Gesicht nach Norden.
KP 7.54
prokṣayecchaṅkarāstreṇa prāṅmukho deśikottamaḥ //
Übersetzung: Füße, Kopf, Hals und Augen hält [der Schüler] gerade; seine Hände sind zum Añjali gefaltet. Der vorzügliche Lehrer wendet sich nach Osten und besprengt ihn mit Śaṅkaras Waffenmantra.
KP 7.55
śaithilyahetoḥ pāśānāṃ saśabdaṃ mūrdhni tāḍayet //
Übersetzung: Mit derselben, in der Asche vergegenwärtigten [Mantrawaffe], die wie sprühende Feuerfunken leuchtet, vollzieht er unter hörbarem Laut einen rituellen Schlag auf den Scheitel, um die Fesseln zu lockern.
KP 7.56
trirūrdhvaṃ bhautikaṃ pūrvamuttare 'ṅge 'dhare param //
Übersetzung: Mit einem Darbha-Halm, über den der Waffenmantra gesprochen wurde, zieht er dreimal unterhalb des Nabels und dreimal oberhalb Striche. Beim auf Welterfahrung gerichteten Schüler beginnt er am oberen Körperteil, beim anderen am unteren.
KP 7.57
sitenānupayuktena saddaśenāpareṇa ca //
Übersetzung: Nachdem er die Mantras in der allgemeinen Weise aufgelegt hat, verhüllt er unter dem Augenmantra die Augen [des Schülers] mit einem weißen, unbenutzten Tuch mit gutem Saum und mit einem weiteren Tuch.
KP 7.58
dhāma dhāmapatermantramantreśvarakṛtālayam //
Übersetzung: Dann öffnet der Lehrer den Vorhang, nimmt den Schüler bei der Hand und betritt die Halle des Herrn des Lichtglanzes, in der die Mantras und die Mantraherren ihren Wohnsitz genommen haben.
KP 7.59
tyājayetsapraṇāmāni śraddhāvānśraddhayā yutaḥ //
Übersetzung: Er richtet ihn auf den Herrn aus und legt ihm Blumen in die gefalteten Hände. Selbst von Vertrauen und Hingabe erfüllt, lässt er ihn die Blumen vor dem Herrn unter einer Verneigung niederlegen.
KP 7.60
taṃ muktiyogyatāśūnyairadṛṣṭamamarairapi //
Übersetzung: Er öffnet ihm die Augen und spricht: »Mein Lieber, sieh den großen Herrn, den selbst die Unsterblichen nicht schauen, wenn ihnen die Eignung zur Befreiung fehlt!«
KP 7.61
dakṣiṇasyāṃ prabhormūrtau nidadhyātpraṇavāsane //
Übersetzung: Er sieht die von Freude erfüllten Augen des Schülers, hebt den auf der Erde Niedergebeugten auf und setzt ihn auf einen Praṇava-Sitz an die Südseite der Gestalt des Herrn.
KP 7.62
śivīkṛtaśivākhyena ke kareṇālabhetpaśum //
Übersetzung: Der Lehrer blickt nach Osten, der Schüler nach Norden. Nachdem er ihn durch Besprengen und die übrigen Handlungen vorbereitet hat, berührt er den Schüler am Kopf mit seiner zu Śiva gewordenen, Śiva genannten Hand, …
KP 7.63
mokṣaprāptyantarāyaughaśaithilyaguṇahetunā //
Übersetzung: … die nach Kränzen und Duftstoffen duftet, durch den Glanz des verehrten Herrn die Himmelsrichtungen rötlich erhellt und die Kraft besitzt, die Schar der Hindernisse auf dem Weg zur Befreiung zu lockern.
KP 7.64
pūjayātreti taṃ brūyātsarvāmayaharaṃ haram //
Übersetzung: Er legt ihm einen Kranz in die gefalteten Hände und sagt: »Verehre hier Hara, der auf dem Yoga-Sitz weilt und alle Leiden nimmt!«
KP 7.65
nidadhyātpraṇave pīṭhe śivaikāhitamānasam //
Übersetzung: Hat der Schüler das Aufgetragene getan, führt der Lehrer ihn an das Feuer und lässt ihn auf dessen Südseite auf einem Praṇava-Sitz Platz nehmen, den Geist allein auf Śiva gerichtet, …
KP 7.66
kuśacchalena tannāḍī gurunāḍyāṃ layaṃ gatā //
Übersetzung: … wobei er das Wurzelende eines Kuśa-Halms ergreift, dessen Spitze fest am Unterschenkel des Lehrers liegt. Unter dem Zeichen dieses Halms geht seine Nāḍī, sein innerer Leitungsweg, in die Nāḍī des Lehrers ein, …
KP 7.67
tisrastadanusandhyarthamāhutīḥ pratipādayet //
Übersetzung: … denn durch diese muss er für das Herauslösen, Ergreifen und die weiteren Vorgänge [an der Seele] wiederholt durchdrungen werden. Um diese Verbindung herzustellen, bringt [der Lehrer] drei Opfergaben dar, …
KP 7.68
taduttamāṅgamādhāya kṣitau śastrāntakairguṇaiḥ //
Übersetzung: … mit dem Praṇava, dem Herzmantra oder dem Grundmantra. Dann legt der Lehrer den Kopf des Schülers auf den Boden und vollzieht mit der beim Waffenmantra abschließenden Mantrareihe …
KP 7.69
prāyaścittāhutīrdattvā pūrṇāṃ dadyācchivaṃ smaran //
Übersetzung: … wie zuvor das Sampāta-Opfer. Darauf sättigt er die Mantras, bringt die Sühnegaben dar und opfert, Śiva vergegenwärtigend, die volle Gabe.
KP 7.70
yatprāpya yogyatāmeti dūrārogyātivartiṣu //
Übersetzung: So ist der Ritus der Samaya-Einweihung beschaffen. Wer ihn empfangen hat, erlangt die Eignung zum Hören [der Lehre], zur Verehrung und zum inneren Gedenken – Handlungen, die über die schwer zugänglichen Bereiche hinausführen.
KP 7.71
karmocyate samāsena nibodha dvijasattama //
Übersetzung: Für den, der zur Vollendung [der Befreiung] gelangen will, wird nun das von der Überlieferung vorgeschriebene Verfahren beschrieben, angefangen mit dem Binden der Fesseln. Höre es in Kürze, Bester der Zweimalgeborenen!
KP 7.72
triguṇaṃ triguṇīkṛtya sūtraṃ prokṣyāvṛtaṃ yajet //
Übersetzung: Eine gleichmäßig von einem Mädchen gesponnene Schnur, frei von Haaren und ähnlichen Beimischungen und ohne Knoten, macht er aus drei Strängen und verdreifacht sie nochmals. Er besprengt sie, umgibt sie mit einer Schutzhülle und verehrt sie.
KP 7.73
nāḍī vaiṣuvatī divyā sannidhisthānamātmanaḥ //
Übersetzung: Er spannt sie von der Spitze des Haarschopfes bis zur Höhe der beiden großen Zehen aus. [Er vergegenwärtigt sie sich als] die göttliche Vaiṣuvatī-Nāḍī, den Ort der Gegenwart der Seele, …
KP 7.74
praviśya nāḍīmārgeṇa caturthyantaṃ satārakam //
Übersetzung: … und als Ansammlung der Fesseln, angefangen mit der aus Māyā bestehenden. Durch den Nāḍī-Weg tritt [der Lehrer in den Schüler] ein und spricht den Namen [des Schülers] im Dativ, mit dem Tāraka-Laut am Anfang, …
KP 7.75
hṛtpuṭasthāṃ samādāya nāḍyā sūtre niyojayet //
Übersetzung: … und mit huṃ phaṭ am Schluss, um [die Nāḍī] abzulösen. Ebenso ergreift er sie, hält sie in der Umhüllung des Herzmantras und verbindet sie über den Nāḍī-Weg mit der Schnur.
KP 7.76
upāṃśunā suṣumnāyai svāhetyekāgramānasaḥ //
Übersetzung: Nachdem er sie verehrt und mit dem Schutzmantra umhüllt hat, bringt er mit gesammeltem Geist drei Opfergaben dar und rezitiert leise: »Svāhā für die Suṣumnā!«
KP 7.77
tāḍayedastramantreṇa saṃhārāya cito vapuḥ //
Übersetzung: Als leise Rezitation gilt ein zarter Laut, den nur der Rezitierende selbst wahrnimmt. Um das Bewusstsein zusammenzuziehen, vollzieht er mit dem Waffenmantra einen rituellen Schlag auf den Körper [des Schülers].
KP 7.78
hṛdā vikṛṣya pāśānte gṛhya tenaiva yojayet //
Übersetzung: Mit demselben [Mantra] tritt er ein, löst [das Bewusstsein], das einer Sternenkugel gleicht, heraus, zieht es mit dem Herzmantra bis an das Ende der Fesseln und ergreift es mit eben diesem. Dann verbindet er es …
KP 7.79
tenātivāhikārūḍhaṃ dṛkkriyāśaktitejasā //
Übersetzung: … mit der Schnur, unter dem Himmelslaut mit Bindu, dem Praṇava am Anfang und der Verehrungsformel [am Ende]. [Er vergegenwärtigt sich] den vom Übergangsleib getragenen [Weltenkörper], der von dieser Seele in ihrer strahlenden Erkenntnis- und Handlungskraft …
KP 7.80
nirodhya varmaṇārakṣya svāhā paśvātmane bruvan //
Übersetzung: … durchdrungen wird und als aus Fesseln bestehender Weltkörper in der Schnur gegenwärtig ist. Er hält [die Seele] dort fest, schützt sie mit dem Kavaca-Mantra und spricht: »Svāhā für die gebundene Seele!«, …
KP 7.81
athottareṣāṃ pāśānāṃ jagadvyāpyāvatiṣṭhatām //
Übersetzung: … während er wie zuvor Opfergaben darbringt, um ihre Gegenwart zu befestigen. Nun sind auch die weiteren Fesseln, die die Welt durchdringen und in ihr bestehen, …
KP 7.82
śāntyatītādayo mūrdhamukhahṛdundhyapādagāḥ //
Übersetzung: … durch das im Folgenden beschriebene Verfahren eben dort gegenwärtig zu machen. Śāntyatītā und die folgenden [Kalās] befinden sich an Scheitel, Gesicht, Herz, Nabel und Füßen; …
KP 7.83
tadārūḍhāni karmāṇi śaktayaśca niyāmikāḥ //
Übersetzung: … ihre jeweiligen Bereiche reichen bis zu Bindu, zum Mantraherrn, zu Vidyā, zum Wasser und zur Stätte Kālas. [Hinzu kommen] die ihnen anhaftenden Werke und die lenkenden Kräfte, …
KP 7.84
vilokyāstreṇa santāḍya huṅkārahṛdayasampuṭe //
Übersetzung: … sowie Śambhus Kraft, ohne die die Fesseln keine Fesselwirkung hätten. Er schaut [diese Gesamtheit] an, schlägt sie mit dem Waffenmantra an und ergreift sie in der Umhüllung aus huṃ und dem Herzmantra, …
KP 7.85
nirodhya juhuyātprāgvadāhutīḥ sannidhiṃ prati //
Übersetzung: … um sie ebenso mit der Schnur zu verbinden, wie zuvor die Nāḍī und die Seele mit ihr verbunden wurden. Er hält sie fest und bringt wie zuvor Opfergaben dar, um ihre Gegenwart zu bewirken.
KP 7.86
eṣāmatyarthasaktānāṃ vibhāgāyāsināhutīḥ //
Übersetzung: Er vollzieht erneut die Sättigung der Fesseln, damit ihre Wirksamkeit hervortritt. Um die überaus fest miteinander verbundenen [Fesseln] voneinander zu sondern, bringt er mit dem Waffenmantra …
KP 7.87
tataḥ skandhāntabhāgeṣu rocanākṛtalakṣmasu //
Übersetzung: … jeweils drei Opfergaben in umgekehrter Reihenfolge dar; der Mantra ist mit den Lauten an Anfang und Ende versehen. Darauf sind an den Enden der einzelnen Abschnitte, die mit Rocanā markiert wurden, …
KP 7.88
chidyante grathitāḥ pāśāste hi tatskandhasandhayaḥ //
Übersetzung: … unter dem Waffenmantra Knoten zu knüpfen, nachdem diese Stellen mit Blumen oder Ähnlichem rituell angeschlagen wurden. Die geknoteten Fesseln werden [später] durchtrennt, denn diese Knoten sind die Verbindungsstellen ihrer Abschnitte.
KP 7.89
prabodhe huṃphaḍākhyeśakaraṇa krūrajātayaḥ //
Übersetzung: Auch in der gewöhnlichen Welt wird eine Kette oder eine ähnliche Fessel, die Verbindungen besitzt, an einer Verbindungsstelle gelöst. Zum Erwecken [der Mantras dienen] huṃ und phaṭ. Die Handlungsbezeichnungen, die Mantras als Werkzeuge des Herrn und die heftigen Schlusslaute …
KP 7.90
tatastānkṛtasampātānpāśānāvedya śambhave //
Übersetzung: … sind beim Durchtrennen, Herauslösen und Binden jeweils in der entsprechenden Folge anzuwenden. Dann meldet er Śambhu die durch Sampāta geweihten Fesseln …
KP 7.91
muktvā darbhaṃ samutthāya vahnidhāmni ghaṭe gurau //
Übersetzung: … und legt sie kundig mit den Worten »Beschütze sie!« nahe beim Krug nieder. Der Schüler lässt den Darbha-Halm los, steht auf und verehrt Śiva im Feuer, im Krug und im Lehrer …
KP 7.92
tataḥ sadgomayakṛte maṇḍalatritaye bahiḥ //
Übersetzung: … mit Verneigung und Rechtsumwandlung. Danach [gibt der Lehrer] ihm draußen auf drei mit reinem Kuhdung angelegten Kreisen …
KP 7.93
dadyācchivena sāṅgena hṛdā vā dantadhāvanam //
Übersetzung: … die fünf Kuhprodukte, die Caru-Speise und das Zahnholz. Das Zahnholz reicht der Lehrer unter Śivas Mantra samt dessen Gliedmantras oder unter dem Herzmantra.
KP 7.94
teneśvaramahāsevāpratijñāvratalakṣmaṇā //
Übersetzung: Es stammt von einem milchsaftführenden Baum, trägt seine Rinde, hat eine ungerade Zahl von Knoten und ist unbeschädigt. An diesem Zeichen des Gelübdes, sich dem hohen Dienst am Herrn zu verpflichten, …
KP 7.95
harīnduvaruṇeśānadikṣvabhīṣṭaphalodayaḥ //
Übersetzung: … erkennt der in günstigen und ungünstigen Zeichen erfahrene Lehrer je nach der Richtung, in die es fällt, [den Ausgang]. Fällt es in die Richtungen Indras, des Mondes, Varuṇas oder Īśānas [Osten, Norden, Westen oder Nordosten], ergibt sich das erwünschte Ergebnis …
KP 7.96
tatastriyonyantarāyapraśamāya śatatrayam //
Übersetzung: … ohne Hindernis. In den anderen Richtungen [des Falls] opfert er hundert Gaben mit dem Waffenmantra. Dann bringt er zur Besänftigung der Hindernisse aus den drei Ursprüngen dreihundert Gaben dar …
KP 7.97
tarpaṇe mantramukhyānāṃ pūrṇāhutyantake kṛte //
Übersetzung: … mit Śivas Mantra, mit dem dunkelgliedrigen [Aghora] beziehungsweise mit dem Waffenmantra, der die Scharen der Hindernisse vernichtet. Nachdem die Sättigung der vorzüglichsten Mantras bis zur vollen Opfergabe abgeschlossen ist, …
KP 7.98
śuddhāyāmavanāvastraśatālabdhena barhiṣā //
Übersetzung: … überführt er den auf dem Opferplatz gegenwärtigen [Śiva] nach der abschließenden Arghya-Gabe auf dem Weg über das Feuer in den Krug. Auf reinem Erdboden soll der Lehrer mit Opfergras, das hundertmal unter dem Waffenmantra berührt wurde, …
KP 7.99
yāmyadikkṛtakasthānaṃ mumukṣoḥ śuddhabhasmanā //
Übersetzung: … dem nach Welterfahrung Strebenden ein Lager mit dem Kopfende im Osten bereiten. Für den Befreiungssuchenden bereitet er es aus reiner Asche und richtet die Stelle für den Kopf nach Süden aus.
KP 7.100
vāsasā varmajaptena pracchādya bahirālikhet //
Übersetzung: Er schützt [das Lager] und lässt den Schüler unter dem Herzmantra darauf Platz nehmen; dessen Haarschopf ist durch den Śikhā-Mantra geschützt. Er deckt ihn mit einem unter dem Kavaca-Mantra besprochenen Tuch zu und zeichnet außen …
KP 7.101
dattvā baliṃ bahiḥ prāgvaddīkṣitaiḥ saha deśikaḥ //
Übersetzung: … drei Linien mit Sesam, Senfsamen und Asche, die vom Waffenmantra entflammt sind. Nachdem der Lehrer draußen wie zuvor eine Bali-Gabe dargebracht hat, isst er zusammen mit den Eingeweihten …
KP 7.102
tatraiva śayyāmāstīrya prāguktavidhinā svapet //
Übersetzung: … die Caru-Speise, der die Einnahme der Kuhprodukte vorausgeht. Rein und in saubere Kleider gehüllt bereitet er sich in eben dieser Halle nach dem zuvor genannten Verfahren ein Lager und legt sich schlafen.
KP 7.103
Übersetzung: Nachdem er die Mantras in besonderer Weise aufgelegt hat, rezitiert er den Suptamāṇavaka-Mantra.
KP 7.104
yadvā vigavyacarupāśayamādi sadyaḥ /
yenoktamantrapurasāravatābhipūto /
yogyatvameti vividhodayasādhanasya //
Übersetzung: So hat der Herr dieses Verfahren der vorbereitenden Weihe gelehrt; oder es wird als unmittelbare Weihe ohne Kuhprodukte, Caru-Speise, Fesselbindung und Ähnliches vollzogen. Durch diese Weihe, die den wesentlichen Gehalt der erläuterten Mantras und des Maṇḍalas in sich trägt, wird der Schüler gereinigt und fähig zu einem Verfahren, das vielfältige Verwirklichungen hervorbringt.
Kapitel 8
KP 8.1
nigadyate samāsena dvitvādarthasya sā dvidhā //
Übersetzung: Nun wird in Kürze die Einweihung erläutert, die aus dem Mund des höchsten Herrn hervorgegangen ist und das Erstrebte verwirklicht. Weil das Ziel zweifach ist, ist auch sie zweifach.
KP 8.2
sāpekṣā nirapekṣānyā yā lokaśivadharmiṇī //
Übersetzung: Sie heißt Bhautikī, wenn sie auf Welterfahrung gerichtet ist, und Naiṣṭhikī, wenn sie zur endgültigen Vollendung führt. Bei weiterer Unterteilung gibt es die an Voraussetzungen gebundene und die davon unabhängige Weihe; eine weitere Unterscheidung betrifft die weltliche Ordnung und die Śiva-Ordnung.
KP 8.3
viśiṣṭātmaguṇaprāyaṃ sāpekṣā socyate budhaiḥ //
Übersetzung: Die Weihe, die einen Menschen mit überwiegend vorzüglichen Eigenschaften der Seele, der die Gelübde und die weiteren Verpflichtungen einhält, in Śarvas Stätte führt, nennen die Wissenden »an Voraussetzungen gebunden«.
KP 8.4
yāsau tadanapekṣitvānnirapekṣā nigadyate //
Übersetzung: Diejenige, die Menschen, die zu den Gelübden und weiteren Verpflichtungen nicht fähig sind – Alte, Unverständige, Kinder, Abala [Frauen oder körperlich Schwache] und andere –, [dorthin führt], heißt »davon unabhängig«, weil sie diese Voraussetzungen nicht verlangt.
KP 8.5
nāmnā nairvāṇikī pāke tamaso yāpyate pare //
Übersetzung: Die höchste Form davon ist jene, die sogleich frei von Leiden macht. Sie heißt Nairvāṇikī und wird erlangt, wenn das Dunkel [der ursprünglichen Unreinheit] vollkommen gereift ist.
KP 8.6
hitetarā vinā bhaṅgaṃ tanorāvilayādbhuvām //
Übersetzung: Die Śivadharmiṇī-Weihe ist für die Seele die Wurzel der herrlichen Früchte der Śiva-Ordnung. Eine weitere Form davon dient dem Heil, ohne dass der Körper zerfällt; [sie gewährt Welterfahrung] bis zur Auflösung der Welten.
KP 8.7
dehottarāṇimādyarthaṃ śiṣṭhā lokadharmiṇī //
Übersetzung: Wenn der Anteil übler Taten in sämtlichen Welten der Erfahrung vernichtet ist, gilt für das Erlangen des Kleinwerdens und der übrigen Fähigkeiten nach diesem Körper die von den Kennern gebilligte Lokadharmiṇī-Weihe.
KP 8.8
abhisandhikṛtādbhedāddeśikottamaśiṣyayoḥ //
Übersetzung: Obwohl die rituellen Mittel bei diesen Weihen gleich sind, führen sie zu verschiedenen Zielen. Der Unterschied entsteht durch die jeweilige Absicht des vorzüglichen Lehrers und des Schülers.
KP 8.9
kṛtāhniko yāgagṛhe śiṣyaiḥ svapne nivedite //
Übersetzung: Will [der Lehrer] eine dieser Weihen vollziehen, steht er am Morgen auf und erledigt seine täglichen Pflichten. Wenn ihm die Schüler in der Opferhalle ihre Träume berichtet haben, …
KP 8.10
maṅgalāmaṅgalaṃ leśādidānīmupadiśyate //
Übersetzung: … verkündet er bei einem günstigen Traum Gutes und vollzieht bei einem ungünstigen einen Befriedungsritus. Welche Träume günstig und ungünstig sind, wird nun in Kürze erläutert.
KP 8.11
vārirāśisaridgartasaraḥpaṅkādilaṅghanam //
Übersetzung: Das Besteigen eines Pfaus, eines Rindes, eines Pferdes, eines Berges, eines Elefanten, eines Himmelswagens oder Ähnlichen; das Überqueren eines Meeres, Flusses, Grabens, Sees, Sumpfes oder Ähnlichen; …
KP 8.12
madirājyadadhikṣīralābho viṣṭhānulepanam //
Übersetzung: … der Besitz von Gold, Silber, kostbaren Edelsteinen, guten Blumen und Früchten; das Erlangen von berauschendem Getränk, Butterschmalz, Dickmilch und Milch; das Bestreichen mit Kot; …
KP 8.13
rājyopakaraṇaprāptiḥ sūryendujvalanatviṣaḥ //
Übersetzung: … das Trinken von Blut und das Baden darin; das Verzehren lebender Fische, Löwen oder Menschen; das Erlangen königlicher Insignien und des Glanzes von Sonne, Mond und Feuer; …
KP 8.14
siddhāmarāpsaroviprayajñavāṭapradarśanam //
Übersetzung: … das Schauen einer weißen Wolke, einer Himmelsstadt, von Blitzen, Gestirnen und Indras Bogen [dem Regenbogen], ferner von Vollendeten, Göttern, himmlischen Tänzerinnen, Brahmanen und einem Opferplatz; …
KP 8.15
vajrādyāyudhasaṃsiddhiḥ siddhadravyasamāgamaḥ //
Übersetzung: … das Trinken des Meeres, das Verschlingen von Sonne, Mond oder Feuer und das Verweilen in ihnen; das Erlangen des Donnerkeils und anderer Waffen sowie das Zusammentreffen mit wirkmächtigen Stoffen; …
KP 8.16
phalavatkṣīravadvṛkṣapuṣpitopavanāni ca //
Übersetzung: … das Besteigen des Fruchtbodens eines großen Lotus, das Aufsuchen eines läuternden heiligen Ortes sowie [das Schauen] fruchttragender und milchsaftführender Bäume und blühender Haine; …
KP 8.17
kharoṣṭrīsūkarāroho gartādipatanaṃ natiḥ //
Übersetzung: … Weinen und Verkehr mit einer Person, mit der solcher Verkehr verboten ist: Diese und ähnliche [Träume] verheißen die Verwirklichung des Erstrebten. Das Reiten auf einem Esel, einer Kamelstute oder einem Schwein, das Fallen in Gruben und Ähnliches, das Zusammensinken des Körpers, …
KP 8.18
lākṣālavaṇalohālikākakroṣṭragāgamaḥ //
Übersetzung: … das Versinken in flüssigem Kuhdung, Schlamm oder Wasser, Samenerguss, das Auftreten von Lackharz, Salz, Eisen, Bienen, Krähen und Schakalen; …
KP 8.19
nṛttavāditragītādi snehābhyaṅgaḥ pradhāvanam //
Übersetzung: … das Tragen roter oder schwarzer Kränze, Salben, Kleider und Schmuckstücke, Tanzen, Instrumentenspiel, Gesang und Ähnliches, das Einreiben mit Öl und hastiges Laufen; …
KP 8.20
sūryendupatanaṃ śoṣo vāridhergirikampanam //
Übersetzung: … lautes Knallen und Rufen, der Umgang mit toten Wesen, das Herabfallen von Sonne und Mond, das Austrocknen des Meeres und das Erzittern von Bergen; …
KP 8.21
rājyopakaraṇāpāyo ghoranīhārasaṃvṛtiḥ //
Übersetzung: … die Zerstörung von Bäumen, Häusern und Städten, die Beschädigung von Torbögen und Fahnen, der Verlust königlicher Insignien und das Eingehülltwerden in schrecklichen Nebel; …
KP 8.22
eṣāṃ niśānte jyāyastvaṃ madhyamatvaṃ niśārdhake //
Übersetzung: … das Bemühen um artfremden Beischlaf, gekochtes Fleisch und Ähnliches [als Trauminhalte] deuten auf Misslingen. Am Ende der Nacht ist die Wirkung dieser Träume am stärksten, um Mitternacht mittelstark, …
KP 8.23
paraḥ sāhasriko homo ghoreṇāstreṇa vā bhavet //
Übersetzung: … zu Beginn der Nacht gering. Für die übrigen Teile der Nacht ist sie entsprechend abzuschätzen. Das stärkste [Befriedungsritual] besteht aus tausend Feueropfergaben mit dem Aghora- oder dem Waffenmantra; …
KP 8.24
tataḥ śuddhe 'dhvarasthāne karaṇyā sūtrayetpuram //
Übersetzung: … das geringste aus hundert. Für die übrigen Fälle sollen die Wissenden den Befriedungsritus verständig bemessen. Danach zeichnet er am gereinigten Opferort das Maṇḍala mit der Zeichenschnur vor, …
KP 8.25
satkanyāvartitādoṣatredhātriguṇasūtrayā //
Übersetzung: … die dreimal so lang wie das Maṇḍala ist und aus Flachs, Baumwolle oder Hanf besteht. Sie ist von einem geeigneten Mädchen gleichmäßig und fehlerfrei aus drei dreifachen Strängen gesponnen, …
KP 8.26
kṛtvā pūrvāparāṃ rekhāṃ tanmadhye dakṣiṇottarām //
Übersetzung: … so dick wie ein Āḍhakī-Samen und mit Pulver aus einem weißen Mineral oder aus Asche versehen. Er zeichnet eine Linie von Osten nach Westen und durch ihre Mitte eine von Süden nach Norden.
KP 8.27
bhavedabhimataṃ kṣetraṃ dikṣu sūtranipātanāt //
Übersetzung: Mit ihrer halben Länge bestimmt er die Zeichen für die Zwischenrichtungen. Indem er die Schnur in den Richtungen aufsetzt, entsteht das gewünschte viereckige Feld.
KP 8.28
karṇikādidalāgrāntaṃ paṅkajāṅgacatuṣṭayam //
Übersetzung: Teilt man die Hälfte der »Lotushals« genannten Messstrecke in vier, so liegen die vier Teile des Lotus, vom Fruchtboden bis zu den Blattspitzen, innerhalb der Grenzen von vier Kreisen.
KP 8.29
pure dvitricaturhaste vīthīśobhā tu śeṣataḥ //
Übersetzung: Dieser Lotus hat acht Blätter und zweiunddreißig Staubfäden und misst bei einem Maṇḍala von zwei, drei oder vier Ellen selbst eine Elle. Der übrige Raum dient dem Umgang und seiner Ausschmückung.
KP 8.30
vedavṛttodaraṃ pīṭhaṃ tadekaṃ cālpake 'dhvare //
Übersetzung: Bei [Maṇḍalas von] fünf bis acht Ellen werden die Maße des Sitzes entsprechend bis auf zweiunddreißig Fingerbreiten abgestuft. Sein Inneres umfasst die vier Kreise. Bei einem kleinen Opfer ist nur ein solcher [Lotus] anzulegen.
KP 8.31
smarādiyāge tīkṣṇāgraṃ digbhūtāṃ mantharāgrakam //
Übersetzung: Für Gedeihen weisen die Blattspitzen nach oben; für Befreiung ist [der Lotus] weit geöffnet. Bei Riten für Liebe und Ähnliches sind die Spitzen scharf, bei den Wesen der Himmelsrichtungen stumpf.
KP 8.32
aśvatthadalasaṃsthānapatrakaṃ hitamambujam //
Übersetzung: Für die Herren [der Vidyā] gleichen die Spitzen einem Kuhohr, für die Gaṇas sind sie rund. Ein Lotus mit Blättern in der Form von Aśvattha-Blättern ist geeignet …
KP 8.33
gaṇeṣu caṇḍanāthasya gajavaktrasya ceṣyate //
Übersetzung: … für Gaurī, Vāc, Īśvara und die weiteren [Gottheiten]. Für die ergreifenden Mächte gilt das zu ihren Herren Gesagte. Unter den Gaṇas wird für Caṇḍanātha und den Elefantengesichtigen [die Form der Herren] gewünscht.
KP 8.34
pītaraktasitodagrakesarālaṅkṛtodaram //
Übersetzung: [Der Lotus] hat einen goldfarbenen Fruchtboden, neun blaue Samen und weiße Blätter. Sein Inneres schmücken gelbe, rote und weiße, hervortretende Staubfäden.
KP 8.35
pīṭhaṃ māheśvaraṃ kuryānmaṇḍalaṃ caturasrakam //
Übersetzung: Den Sitz des großen Herrn gestaltet er mit verschiedenfarbigen Gliedern in den Himmelsrichtungen, roten Ecklotussen und blauen Verbindungszapfen. [Um ihn legt er] ein viereckiges Maṇḍala an, …
KP 8.36
caṇḍeśāmṛtavidyānāṃ śvetamardhendusaṃsthitiḥ //
Übersetzung: Es ist mit vier Toren geschmückt, die jeweils nach dem halben Maß des Lotus ausgeführt werden. Für Caṇḍeśa und die Amṛtavidyās ist ein weißes Maṇḍala in Halbmondgestalt vorgesehen.
KP 8.37
āpyāyane ghaṭākāraṃ vṛṣṭyarthaṃ pūrṇamaṇḍalam //
Übersetzung: Für die Glück verleihenden Vidyās ist es rot und gleicht einer Yoni, einem Herzen oder einem Bogen. Zur Kräftigung hat es die Form eines Kruges; für Regen bildet es einen vollständigen Kreis.
KP 8.38
svavarṇamīśvarādīnāṃ yathākāmamathāpi vā //
Übersetzung: Dafür eignet sich auch eine weiße Form wie der Bauch eines Fisches oder die Gestalt einer Schildkröte. Für die Īśvaras und die übrigen Gottheiten verwendet man ihre jeweilige Farbe oder richtet sich nach dem angestrebten Wunsch.
KP 8.39
haridrakādinā pītā kṛṣṇā dagdhayavādinā //
Übersetzung: Die weiße Linie wird aus gutem Reismehl hergestellt, die rote aus einem Bergmineral, die gelbe aus Gelbwurz und ähnlichen Stoffen, die schwarze aus verbrannter Gerste und dergleichen.
KP 8.40
citābhasmaikāṅgāramukhyaiścābhicārake //
Übersetzung: Für das Hervortreten von Wohlstand und gutem Gelingen nimmt man Perlen, Korallen, Gold und ähnliche Stoffe; für Schadenzauber dagegen vor allem Asche vom Scheiterhaufen, Einzelkohle und dergleichen.
KP 8.41
tadanyā viṣamāstāśca muktaye bhuktaye samāḥ //
Übersetzung: Die erste Linie soll einen Finger hoch und breit sein. Die übrigen sind um ein Gerstenkorn geringer und durch Zwischenräume von je einem Gerstenkorn getrennt. Für Befreiung sind sie ungleich, für Welterfahrung gleich [die genaue Maßrelation bleibt unsicher].
KP 8.42
kāryā padmocchritā pūjā kāme hīnādhikāpi vā //
Übersetzung: Nach dem im Tantra gelehrten Verfahren soll die Verehrung Śambhus in der Breite des Lotusfruchtbodens und bis zur Höhe des Lotus ausgeführt werden. Bei einem besonderen Wunsch darf sie auch kleiner oder größer sein.
KP 8.43
matāntarādvā patyurhi dhāma nābhātyanāvṛtam //
Übersetzung: Außerhalb des Sockels soll man die Gottheiten verehren, außerhalb des Maṇḍalas die Waffen, wie zuvor beschrieben oder nach einer anderen Lehrüberlieferung. Denn die Wohnstatt des Herrn erstrahlt nicht ohne ihre Umfassung.
KP 8.44
sarvakāmopayogitvāducyate sārvakāmikaḥ //
Übersetzung: Ein Opfer mit einem einzigen Umfassungskreis oder auch mit sämtlichen Umfassungskreisen heißt Sārvakāmika, weil es allen Wünschen dienen kann.
KP 8.45
madhyamādhamasiddhyarthe lokapālāyudhāvadhi //
Übersetzung: Zum Erlangen von Erkenntnis reicht es bis zu den Herren, für göttliche Vollkommenheit bis zu den Gaṇas; für mittlere beziehungsweise niedrigere Vollkommenheit endet es bei den Welthütern beziehungsweise ihren Waffen.
KP 8.46
kāmadasya prabhoryāgaḥ kāmike śaktimaṇḍale //
Übersetzung: Bei gemischten Wünschen umfasst es drei oder vier Kreise. Die Verehrung des Wünsche gewährenden Herrn erfolgt im wunscherfüllenden Śaktimaṇḍala.
KP 8.47
pañcavargamahāpīṭhe dantadvāropaśobhite //
Übersetzung: Auch beim eigentlichen Hauptritus soll der Lotus zweiunddreißig Finger nicht überschreiten. Auf dem großen Sockel mit fünfundzwanzig [Lotussen], der mit zweiunddreißig Toren geschmückt ist, ...
KP 8.48
pīṭhaṃ cābjadalatryaṃśaṃ vistṛtāṃśacatuṣṭayam //
Übersetzung: ... spart man dort für die Umrandung des Lotus einen Finger und ein Drittel aus und legt den Sockel aus einem Drittel des Lotusblattmaßes an, mit einer Breite von vier Maßeinheiten.
KP 8.49
kintvāvṛtitrayādaiśamardhāṃśenātiricyate //
Übersetzung: Man fertigt jeweils acht Götterlotusse an; auch hier gilt das genannte Kennzeichen. Nur der Kreis der Īśvaras übertrifft die drei anderen Umfassungskreise um einen halben Anteil.
KP 8.50
nirvartya kalpayecchobhāṃ yatra yatropapadyate //
Übersetzung: Aus den Zwischenräumen bildet man wie zuvor zweiunddreißig Tore in den Himmelsrichtungen und bringt Verzierungen überall dort an, wo sie sich einfügen.
KP 8.51
svāstramūlordhvagau pūjyau vidyādāvuktavadbahiḥ //
Übersetzung: Bei den Welthütern sollen Satyeśa oberhalb und der Gott mit Garuḍa im Banner unterhalb bei ihren eigenen Waffen außerhalb des Bereichs der Welthüter verehrt werden, wie zu Beginn der Wissenslehre erklärt.
KP 8.52
yāgo vidhānavatkāryaḥ śastrāṇāṃ ca dvijottama //
Übersetzung: In kleinen Maṇḍalas soll die Verehrung der Gottheiten und ihrer Waffen vorschriftsgemäß an Svastikas, Wasserlilien oder Punkten vollzogen werden, o Bester der Zweimalgeborenen.
KP 8.53
iṣṭvā śivaṃ paśordīkṣāṃ kuryātsthaṇḍilake 'pi vā //
Übersetzung: Nachdem man Śiva auf einem Sockel oder auf einem vierblättrigen Lotus mit fünf Samen und der halben Zahl von Staubfäden verehrt hat, soll man die gebundene Seele einweihen; dies ist auch auf einem kleinen Sthaṇḍila-Altar möglich.
KP 8.54
bahiḥ kṛtāstradigbandhaṃ dhāma kṛtvā ghanāvṛtam //
Übersetzung: Nachdem man die Wohnstatt rituell angeschlagen, besprengt und mit hundert [Mantrarezitationen] berührt, die Waffen seitlich der Zugänge angeordnet, außen mit dem Astra-Mantra die Richtungen gebunden und die Wohnstatt mit einer dichten Hülle versehen hat, ...
KP 8.55
citrāvasau yajetprāgvatprāyaścittoktamāntakam //
Übersetzung: ... soll man den großen Herrn wie beschrieben verehren, sich verneigen und ihn um Erlaubnis bitten. Von ihm dazu ermächtigt, soll man im Feuer wie zuvor opfern, bis zum Abschluss des für die Sühne vorgeschriebenen Verfahrens.
KP 8.56
tvatprasādādidaṃ karma bhavatūttarasādhakam //
Übersetzung: Dem Herrn im Maṇḍala soll man deutlich anzeigen, dass dies ausgeführt ist: ‚Durch deine Gnade möge dieses Werk das Gelingen des folgenden ermöglichen.‘
KP 8.57
bhāge maṇḍalakaṃ kṛtvā nyasetpraṇavamāsanam //
Übersetzung: Nachdem er die Antwort ‚So sei es‘ empfangen hat, verlässt der Lehrer frohen Herzens die Wohnstatt, zeichnet auf der Südseite ein kleines Maṇḍala und setzt den Praṇava als Sitz ein.
KP 8.58
tasminmūrtivadādhāya śivīkṛtya śivaṃ karam //
Übersetzung: Er besprengt den Schüler mit Wasser, berührt ihn rituell mit Asche und zieht mit Darbhagras Striche an ihm. Er setzt ihn wie eine Göttergestalt auf diesen Sitz, macht ihn zu Śiva und legt die Śiva-Hand ...
KP 8.59
taṃ gṛhya dakṣiṇe pāṇau puramāveśya deśikaḥ //
Übersetzung: ... strahlend auf sein Haupt, sodass sie die Keime der Fesseln vernichtet. Der Lehrer nimmt ihn an der rechten Hand und führt ihn in das Maṇḍala.
KP 8.60
srajaṃ vimocayednāma dīkṣitānāṃ tadādikam //
Übersetzung: Er stellt sich südlich auf, verbindet dem Schüler erneut die Augen mit einem Tuch und lässt ihn eine Blumengirlande fallen. Der Name der Eingeweihten beginnt mit dem Namen der dabei [getroffenen Gottheit] ...
KP 8.61
sthitānāṃ samayeṣvevaṃ tatsrakpātanibandhanam //
Übersetzung: ... und endet bei den Zweimalgeborenen auf Śiva, bei den anderen auf Gaṇa. Für diejenigen, die in den Verpflichtungen des Samaya feststehen, ist er auf diese Weise vom Fall der Blumengirlande abhängig.
KP 8.62
labdhottarakriyānujño gururapyuttaraṃ bhajet //
Übersetzung: Nachdem sich der Schüler vor dem Maṇḍala, dem Krug und dem Guru verneigt hat, lässt der Guru ihn aufstehen. Auch der Guru empfängt die Erlaubnis für die nächste Handlung und wendet sich dem Folgenden zu.
KP 8.63
prokṣyālabhyārcya saṃdhāya saṃpātyāṇūn pratarpayet //
Übersetzung: Er führt ihn in die Nähe des Feuers und setzt ihn auf einen Sitz. Nachdem er ihn besprengt, berührt und verehrt, die Verbindung hergestellt und den Sampāta vollzogen hat, soll er die Mantras durch Opfergaben sättigen.
KP 8.64
bījāśanāśayotthānāṃ doṣāṇāmapanuttaye //
Übersetzung: Nach dem Opfer zur Behebung von Lücken und der vollen Opfergabe soll er jeweils drei Opfergaben darbringen, um die aus dem Samen, der Nahrung und der inneren Verfassung entstandenen Mängel zu beseitigen ...
KP 8.65
tadgarbhayogyatā nāma rudrāṃśatvaṃ na rudratā //
Übersetzung: ... mit dem Herzmantra, und ebenso, um die Teilhabe an Rudra zu erlangen. Rudrāṇī nennt man die Śakti. Die Eignung, in ihren Schoß einzugehen, heißt Teilhabe an Rudra; sie ist nicht das Rudra-Sein selbst.
KP 8.66
karṣyetprāṇaśaktyaiva dvādaśānte vigṛhya ca //
Übersetzung: Nachdem er den Schüler mit dem Astra-Mantra rituell angeschlagen und besprengt hat, tritt er durch den Energiekanal in ihn ein und löst [die Seele] ab. Mit der Kraft des Lebenshauchs zieht er sie heraus und ergreift sie am Dvādaśānta.
KP 8.67
prāpitaḥ paramaṃ sthānaṃ yogyo bhavati karmaṇaḥ //
Übersetzung: Mit der Auflösungs-Mudrā aufgenommen und auf dem Weg über Brahmā, Viṣṇu und die übrigen zum höchsten Ort geführt, wird [die Seele] für den Ritus geeignet.
KP 8.68
viśeṣayogyatāsiddhirevaṃ niṣṭhāṃ yiyāsataḥ //
Übersetzung: Von dort führt er sie ins Herz und dann durch den Energiekanal wieder in ihren eigenen Körper. So wird die besondere Eignung dessen vollendet, der zur endgültigen Vollendung gelangen will.
KP 8.69
viśeṣatarpaṇaṃ kuryānmantrāṇāṃ pūrvavadvidhiḥ //
Übersetzung: Dann gibt er dem Zweimalgeborenen die mit Śiva geweihte heilige Schnur und vollzieht eine besondere Sättigung der Mantras. Das Verfahren ist wie zuvor.
KP 8.70
paśyettadgatamadhvānaṃ śiṣyadehe svavigrahe //
Übersetzung: Er lässt die Fesselschnur vom Haupt am Körper herabhängen und schaut den Weltweg in ihr, im Körper des Schülers und im eigenen Körper.
KP 8.71
kalāvasthāni tattvāni tatstho bhuvanavrajaḥ //
Übersetzung: ... sowie im Krug, im Maṇḍala und im Śiva-Feuer. Indem er ihn als einen einzigen vergegenwärtigt, opfert er hundertmal. Die Tattvas ruhen in den Kalās, und in ihnen befindet sich die Schar der Welten.
KP 8.72
hṛdā tadarthaṃ juhuyādāhutitrayamātmavān //
Übersetzung: Er soll ihre Verbindung durch den Energiekanal herstellen, der alle Stätten berührt. Gesammelt soll er dafür mit dem Herzmantra drei Opfergaben darbringen.
KP 8.73
sāṃnidhyāya punasteṣāṃ kalānāṃ ca tathā mune //
Übersetzung: Zum Erwecken der Herren, angefangen beim Viergesichtigen, bringt er je drei Gaben dar und nochmals ebenso viele für ihre Gegenwart. Dasselbe gilt für die Kalās, o Weiser.
KP 8.74
tadupasthāpanaṃ nāmnā svena svāheti homayet //
Übersetzung: Auch um die Kalās sich zuwenden zu lassen, gilt dasselbe [Lesung unsicher]. Zu ihrer Herbeirufung soll er mit dem jeweiligen eigenen Namen und dem Wort Svāhā opfern.
KP 8.75
tanubhirviśvarūpābhirviśvamākramya rocanīm //
Übersetzung: Dann gibt er der Göttin einen Sitz und setzt sie ein: die Mutter des Alls, die mit ihren allgestaltigen Körpern das All durchdringt und erstrahlen lässt.
KP 8.76
laukikādīni bhāgeṣu yathāsaṃbhavamadhvanaḥ //
Übersetzung: Auch die vielfältigen Karmas, angefangen bei den weltlichen, soll er zugleich als gereift vergegenwärtigen, in den Teilen des Weltwegs, in denen sie jeweils vorkommen.
KP 8.77
keṣāmasattā sattā vetyucyatāṃ marutāṃ pate //
Übersetzung: Wie viele Arten nehmen die Karmas an, und in welchem Teil des Weltwegs? Welche sind dort nicht vorhanden und welche vorhanden? Das möge erklärt werden, o Herr der Maruts.
KP 8.78
karmāṇi kṣetrikādīśagaṇakājñāntakāni tu //
Übersetzung: Die Karmas der Seele sind weltlicher, vedischer, dem Atimārga zugehöriger, auf innerer Ausrichtung beruhender und śivaitischer Art. Ihre Bereiche reichen über die bei den Kṣetrikas beginnenden Herrenscharen bis zur Anordnung [Śivas].
KP 8.79
yogavijñānajanyāni parataḥ parato mune //
Übersetzung: In den drei Bereichen entstehen sie aus Handlungen, den damit verbundenen Mühen und Leidenschaftslosigkeit; jenseits davon entstehen sie aus Yoga und, noch weiter darüber, aus Erkenntnis, o Weiser.
KP 8.80
śastreṇa juhuyādaṣṭāvāhutīrvakṣyamāṇavat //
Übersetzung: Nachdem er diese Karmas samt ihren Mitteln in dem gegenwärtig gemachten Abschnitt zusammengeführt hat, soll er mit dem Astra-Mantra acht Opfergaben nach dem noch zu beschreibenden Verfahren darbringen.
KP 8.81
śivājñayā namaścānte svāheti juhuyāditi //
Übersetzung: Nach dem Praṇava und dem Astra-Mantra [spricht er]: ‚Durch Śivas Anordnung mögen die Karmas zusammen mit ihren Mitteln zur Reife kommen.‘ Am Ende fügt er Namaḥ und Svāhā an; so soll er opfern.
KP 8.82
jñānavān smṛtimāndānto guruḥ saṃpaccakārakaḥ //
Übersetzung: Darauf vollzieht der Guru das höchste Werk, das Einweihung heißt und von den Göttern gepriesen wird: wissend, achtsam, selbstbeherrscht und für das Gelingen sorgend.
KP 8.83
bheṣajaṃ paramaṃ yattatkathayanti vipaścitaḥ //
Übersetzung: Die Einsichtigen nennen es das höchste Heilmittel für das Bewusstsein, dessen Glanz durch die schwere Krankheit von Māyā und Karma verdrängt worden ist.
KP 8.84
vaikalyayogyatāmūlamaṅganyūnatvalakṣaṇam //
Übersetzung: Wenn dieses Werk vollständig ist, welches erstrebenswerte Ziel könnten die Menschen dann nicht erreichen? Seine Unvollständigkeit, erkennbar am Fehlen von Gliedern, hat ihre Wurzel in der Eignung [des Empfängers].
KP 8.85
bhagavan śaktipātasya vaikalyamanumīyate //
Übersetzung: Was ist Einweihung, und was sind ihre Glieder, aus deren mangelndem Gelingen, o Herr, auf eine Unvollständigkeit des Herabkommens der Kraft geschlossen wird?
KP 8.86
saṃyogabhogaviśleṣaprotkṣepāḥ saparicchadāḥ //
Übersetzung: Einweihung ist die Reinigung des Unreinen. Ihre Glieder sind, kurz gesagt, Verbindung, Erfahrung, Ablösung und Emporhebung, jeweils mit den zugehörigen Bestandteilen.
KP 8.87
śaktisthāpanamādhānaṃ janma bhoktuṃ ca yogyatā //
Übersetzung: Verbindung ist die Vereinigung mit sämtlichen vollständig vorhandenen Wirkfaktoren. Ihre Glieder sind das Einsetzen der Śakti, die Einlegung, die Geburt und die Fähigkeit zur Erfahrung.
KP 8.88
janma bhogāvaniśleṣo vayaḥkālādi yogyatā //
Übersetzung: Einsetzen bedeutet, [die Śakti] gegenwärtig zu machen; Einlegung bedeutet die Hervorbringung eines Körpers. Geburt ist die Verbindung mit einem Boden der Erfahrung; die Fähigkeit dazu besteht in Alter, Zeit und den übrigen Voraussetzungen.
KP 8.89
prāgbhuktarūpatācchāyāṃ gate 'rthe 'nubhavakṣaṇe //
Übersetzung: Auch diese [Verbindung] ist als Glied der Erfahrung zu verstehen, denn sie wird mitsamt den Wirkfaktoren hergestellt. Wenn der Gegenstand im Augenblick der Erfahrung zum Nachbild seiner zuvor erfahrenen Gestalt geworden ist, ...
KP 8.90
taṃ bhogakṣaṇa evāyaṃ janayanpravilīyate //
Übersetzung: ... heißt die für eine gewisse Zeit verbleibende Einprägung in den Rituallehren auch Laya, Aufgehen. Schon im Augenblick der Erfahrung bringt dieser [Erfahrungsmoment] sie hervor und vergeht.
KP 8.91
so 'pyaṅgaṃ niṣkṛteḥ sā hi viśuddhiḥ sāmudāyikī //
Übersetzung: Dieser [Laya] unterscheidet sich vom Erfahren selbst durch seinen ursächlichen Zusammenhang mit der Betätigung am Erfahrungsgegenstand [genauer Bezug unsicher]. Auch das Erfahren ist ein Glied der Niṣkṛti; denn sie ist eine Reinigung, die die Gesamtheit umfasst.
KP 8.92
prerakatvaṃ tadīśasya jātyāyurbhogahetutā //
Übersetzung: Dass der Weltweg Ursache eines Körpers und dessen Grundlage ist, dass sein Herr zum Erfahren antreibt und dass die Handlung Ursache von Geburtsart, Lebensspanne und Erfahrung ist, ...
KP 8.93
tathāpyāgamasaṃsiddhā śuddhireṣāṃ viśeṣataḥ //
Übersetzung: ... all diese Gegebenheiten der gebundenen Seele werden zwar durch ihre Zugehörigkeit zum Gegenstand [der Einweihung mit erfasst]; dennoch ist ihre besondere Reinigung durch die Überlieferung ausdrücklich festgelegt.
KP 8.94
vyapaiti niṣkṛtāveva sahoktairvakṣyamāṇavat //
Übersetzung: Die Unreinheit, die dieser ganzen Welt zugrunde liegt, und die beiden Kräfte des Herrn verlieren eben bei der Niṣkṛti zusammen mit dem Genannten ihre bindende Wirkung, wie noch beschrieben wird.
KP 8.95
yena sṛṣṭyantare dehaḥ śrūyate kevalātmanaḥ //
Übersetzung: Eben darin erfolgt auch die höchste Reinigung dessen, was noch zu erfahren ist und wodurch, wie die Überlieferung lehrt, die isolierte Seele in einer neuen Schöpfung wieder einen Körper erhält.
KP 8.96
dṛṣṭo mūlavato mūlakṣayātsarvātmanā kṣayaḥ //
Übersetzung: Solange die Wurzel des Karmas wirksam bleibt, sieht man eine Hemmung, die nur bis zur nächsten Schöpfung reicht. Was eine Wurzel besitzt, vergeht dagegen vollständig, wenn seine Wurzel zerstört wird.
KP 8.97
vidhāya bhāsayeddhāma pāśavicchittivartmanā //
Übersetzung: Nachdem er die Reinigung vollzogen hat, welche die Kraft des im Bewusstsein befindlichen Geflechts von Fesseln hemmt, soll er durch den Weg des Fesseldurchtrennens das Licht des Bewusstseins zum Erstrahlen bringen.
KP 8.98
vidhāya pūrvaṃ viśleṣaṃ sa coktacchedayogyatā //
Übersetzung: Dies ist die höchste Niṣkṛti, weil sie die Kraft der Seele vollständig offenbar macht. Zuvor vollzieht er die Ablösung; sie bedeutet, für das genannte Durchtrennen geeignet zu werden.
KP 8.99
na baddhyenāvibhaktasya yogyaṃ viśleṣaṇaṃ tataḥ //
Übersetzung: Man sieht, dass eine Schnur oder Ähnliches zum Durchschneiden geeignet ist, wenn sie abgehoben worden ist, jedoch nicht, wenn sie vom Gebundenen ungetrennt bleibt. Darum ist die Ablösung angemessen.
KP 8.100
pāśānāṃ sādhikārāṇāṃ chedanaśrutyasaṃbhavāt //
Übersetzung: Diese [Ablösung] ist ein Glied der Niṣkṛti, denn diese wurde als der umfassende Vollzug bezeichnet. Die Lehre kann kein Durchschneiden der Fesseln mitsamt ihrer [allgemeinen] Wirksamkeit besagen.
KP 8.101
parā śuddhirbalaṃ vyaktirmuktiḥ paramaniṣkṛtiḥ //
Übersetzung: Einweihung, höchste Ablösung, Durchtrennen der Fesseln, Hemmung, höchste Reinigung, Kraft, Offenbarung, Befreiung und höchste Niṣkṛti ...
KP 8.102
dīkṣāyāṃ sā hi vikalā vidhatte na phalaṃ citaḥ //
Übersetzung: ... sind solche gleichbedeutenden Bezeichnungen in den von Śiva gesungenen Tantras, o Weiser. Bei der Einweihung bringt diese [Niṣkṛti], wenn sie unvollständig ist, dem Bewusstsein keine Frucht.
KP 8.103
hetuḥ śivecchā sāpyeti na yogye citi vikriyām //
Übersetzung: Wie beim Kochen und anderen Vorgängen ist Unvollständigkeit möglich, weil es sich um eine Handlung handelt; doch auch sie ist nicht ursachlos. Die Ursache ist Śivas Wille. Dieser aber erleidet bei einer geeigneten bewussten Seele keine Beeinträchtigung.
KP 8.104
atha yoniṣu sarvāsu vidyāmṛtumatīṃ smaret //
Übersetzung: Nun ist es an der Zeit, ihr Verfahren darzulegen. Erfahre es von mir. Dann soll er die Vidyā in allen Mutterschößen als in ihrer fruchtbaren Zeit befindlich vergegenwärtigen ...
KP 8.105
tāḍyeddhṛdi saṃhṛtyai puṣpavyaktāsinā naram //
Übersetzung: ... gleichzeitig, und sie mit ihrem eigenen Mantra samt Mudrā verehren. Zur Zurücknahme soll er den Menschen am Herzen mit dem durch eine Blüte verkörperten Astra-Mantra rituell anschlagen.
KP 8.106
hṛdaiva saṃpuṭīkṛtya nāḍyā svahṛdi vinyaset //
Übersetzung: Er tritt durch den Energiekanal ein, löst [die Seele] mit demselben [Astra-Mantra] ab und zieht sie mit dem Herzmantra heraus. Mit dem Herzmantra umschließt er sie und setzt sie durch den Energiekanal in sein eigenes Herz ein.
KP 8.107
kumbhakena parāvasthāmālambyotkṣipya pūrvavat //
Übersetzung: Mit der Auflösungs-Mudrā nimmt er sie, geformt wie eine runde Kadambablüte, aus dem Bereich der Śakti auf. Durch Atemanhalten stützt er sich auf den höchsten Zustand und hebt sie wie zuvor empor.
KP 8.108
ādhānamapi niṣpattyai dhāraṇaṃ cetasā guruḥ //
Übersetzung: Er ergreift sie und legt sie durch den Energiekanal mit dem Herzmantra oder Vāmadeva in deren Mutterschoß. Der Guru vergegenwärtigt dabei auch die Einlegung und, damit sie zur Vollendung gelangt, das Tragen im Schoß ...
KP 8.109
sadyena janayetsadyo nānāniṣpannavigraham //
Übersetzung: ... im Geist und bringt mit Vāmadeva drei Opfergaben dar. Mit Sadyojāta lässt er sie sogleich geboren werden, versehen mit vielfältig ausgebildeten Körpern.
KP 8.110
lambhayedbahurūpeṇa bhogānvaktreṇa bhojayet //
Übersetzung: Mit Bahurūpa lässt er sie die Voraussetzungen von Ort, Zeit, Alter und Zustand für das Erfahren erlangen; mit dem Gesichtsmantra lässt er sie die Erfahrungen durchleben.
KP 8.111
tattvādidharmānsaṃdhāya vaśitāparibandhinaḥ //
Übersetzung: Mit jeweils drei Gaben; ebenso führt er sie mit Īśāna in den Laya. Dann vergegenwärtigt er die Eigenschaften der Tattvas und des Übrigen, die die freie Verfügung einschränken ...
KP 8.112
mantrasaṃruddhaśaktīnāṃ pāśānāmasināhutīḥ //
Übersetzung: ... und bringt als trefflicher Guru mit dem Śiva-Mantra hundertacht Opfergaben dar. Zur Ablösung der Fesseln, deren Kraft durch die Mantras gehemmt ist, bringt er mit dem Astra-Mantra Opfergaben dar ...
KP 8.113
tataḥ śivena sāstreṇa huṃphaḍantena sasvaram //
Übersetzung: ... acht an der Zahl, wobei es zwischen Sadyojāta und Phaṭ steht. Dann spricht er hörbar den Śiva-Mantra zusammen mit dem Astra-Mantra und dem Schluss Huṃ Phaṭ ...
KP 8.114
tatastān sruvamāropya juhuyādājyasaṃyutān //
Übersetzung: ... und durchschneidet mit der Schere unablässig [Lesung unsicher] die Fesseln bis zur Grenze des jeweiligen Tattva. Dann legt er sie auf den Sruva-Löffel und opfert sie zusammen mit geklärter Butter.
KP 8.115
bāhyādhyātmāṅgahīnatvapūraṇāyāsināhutīḥ //
Übersetzung: Mit derselben Mantraverbindung bringt er anschließend noch sechzehn weitere Opfergaben dar. Um Mängel an äußeren und inneren Gliedern auszugleichen, bringt er mit dem Astra-Mantra Opfergaben dar ...
KP 8.116
skandhāntaragataṃ dhyātvā śārīrakaraṇojjhitam //
Übersetzung: ... acht, zusammen mit der vollen Opfergabe; danach entlässt er die Vidyā mit dem Herzmantra. Er vergegenwärtigt [die Seele] als in einen anderen Abschnitt eingegangen, befreit von Körper und Wirkzeugen ...
KP 8.117
sthitvā kiṃcinnirodhena virecya granthisaṃgatam //
Übersetzung: ... nimmt sie mit der Kraft des Lebenshauchs auf und setzt sie wie zuvor in sein eigenes Herz ein. Er verweilt kurz im Atemanhalten, atmet aus und nimmt die an den Knoten gelangte [Seele] ...
KP 8.118
utkṣepārthaṃ hṛdā tisro dehayogāya cāhutīḥ //
Übersetzung: ... wie zuvor auf; durch den Energiekanal verbindet er sie mit dem Körper des Schülers. Für das Emporheben und für die Verbindung mit dem Körper soll er mit dem Herzmantra je drei Opfergaben ...
KP 8.119
saṃdhānaṃ nāma vilayaḥ śuddhasyāśuddhavartmani //
Übersetzung: ... darbringen. Dies gilt auch für die übrigen [Abschnitte], doch geht ihnen die Verbindung voraus. Verbindung bedeutet das Aufgehen des Gereinigten in dem noch ungereinigten Weltweg.
KP 8.120
oṃ nivṛtipratiṣṭhāyai svāhetyekāgramānasaḥ //
Übersetzung: Die Opfergaben erfolgen mit dem zugehörigen Mantra, nachdem der Herr angerufen worden ist. Mit ganz gesammeltem Geist [spricht er]: ‚Oṃ, der Nivṛti-Pratiṣṭhā Svāhā.‘
KP 8.121
śāntyatītapade śuddhe śuddhaśaktyabhisaṃdhite //
Übersetzung: Ebenso [verfährt er] mit Pratiṣṭhā und Vidyā, mit Śānti und dem darüber hinausgehenden Selbst. Wenn die reine Stätte Śāntyatīta mit der reinen Śakti verbunden worden ist, ...
KP 8.122
sā viśuddhāpyadhiṣṭheyā preṣyā ca śivatejasaḥ //
Übersetzung: ... soll er die Seele, die die Vereinigung mit ihr erreicht hat, auch von dort wieder zurückführen [Lesung unsicher]. Denn selbst diese reine [Śakti] wird vom Licht Śivas beherrscht und in Dienst genommen.
KP 8.123
vidhāya pāśaviśleṣaṃ tacchedāvasare śikhām //
Übersetzung: Auch der Mensch nähme durch sein Verweilen dort diese Beschaffenheit an; darum soll er ihn zurückführen. Nachdem er die Fesseln abgelöst hat, soll er zur Zeit ihres Durchtrennens die Haarlocke ...
KP 8.124
nidhāyānyasya pāṇau tāṃ svayaṃ snātasya pūrvavat //
Übersetzung: ... abschneiden, indem er sie als hemmende Kraft betrachtet, und sie mit geklärter Butter opfern. Er legt sie in die Hand eines anderen; nachdem der Schüler selbst gebadet hat und an ihm wie zuvor ...
KP 8.125
karmacchidre hute śaṃbhumāmantryotkṣipya yojayet //
Übersetzung: ... das Aufstellen, die Einsetzungen, die Verehrung und die Handlungen mit dem Energiekanal vollzogen wurden, und nachdem zur Behebung von Lücken im Ritus geopfert ist, bittet er Śambhu um Erlaubnis, hebt [die Seele] empor und verbindet sie ...
KP 8.126
tataḥ svatantramamalaṃ sarvajñaṃ sarvakāraṇam //
Übersetzung: ... als Kenner der Lehre vorschriftsgemäß mit seinem eigenen Körper, um sie mit Śiva zu verbinden. Dann vergegenwärtigt er das Śiva-Tattva: unabhängig, rein, allwissend, Ursache von allem, ...
KP 8.127
śivatattvamupasthāpya kṛtvā karma layāntakam //
Übersetzung: ... unvergänglich, eine Schatzkammer wahren Lichtes und angeborener, unvergleichlicher Wonne. Nachdem er es gegenwärtig gemacht und die Handlungen bis zum Laya ausgeführt hat, ...
KP 8.128
tadādhānaṃ samāveśo jananaṃ dṛkkriyodayaḥ //
Übersetzung: ... soll er mit der vollen Opfergabe die besondere Vereinigung vollziehen und dabei seine Eigenschaften vergegenwärtigen. Einlegung bedeutet hier völliges Eingehen; Geburt ist das Hervortreten von Erkenntnis und Wirken.
KP 8.129
pāśātīto mahānnityo layastattulyayogitā //
Übersetzung: Die Befähigung ist nun höchste Herrschaft; Erfahrung ist die eigene, höchste Wonne, jenseits der Fesseln, groß und ewig. Laya bedeutet, an gleichen Eigenschaften wie er teilzuhaben.
KP 8.130
prakāśantāmiti dhyāyan kṣipedāśivasaṃvidam //
Übersetzung: Er füllt den Sruva mit geklärter Butter und gießt sie ins Feuer, während er vergegenwärtigt: ‚Unabhängigkeit, Reinheit und die übrigen Eigenschaften mögen offenbar werden‘ – bis das Bewusstsein von Śiva erreicht ist.
KP 8.131
vedīgrīvāmukhāṃśeṣu nivṛttyādivibhāgaśaḥ //
Übersetzung: Auf die Sruc legt er den Weltweg, nach den mit Nivṛtti beginnenden Abschnitten gegliedert, auf ihre Teile: Krug, Schaft, Knauf, Plattform, Hals und Mund.
KP 8.132
sūryamaṇḍalasaṃkāśaṃ pāśātītaṃ śivonmukham //
Übersetzung: An ihrem vorderen Ende verbindet er den Energiekanal, ruft die Seele herbei und setzt sie dort ein: strahlend wie die Sonnenscheibe, jenseits der Fesseln und Śiva zugewandt.
KP 8.133
sarvādhvāvayavaṃ vidvān srugananyadanusmaret //
Übersetzung: Dann vergegenwärtigt der Wissende den Praṇava als den auf der Kraft des Lebenshauchs ruhenden Körper des Herrn, der sämtliche Teile des Weltwegs umfasst und von der Sruc nicht verschieden ist.
KP 8.134
kalpyastadudgatasnigdhadhvanidhārādhirūḍhayā //
Übersetzung: Mit der im Bindu endenden Silbe soll der Körper der Sruc bis zu ihrer Höhlung gestaltet werden. Durch Śivas Kraft, die auf dem daraus aufsteigenden Strom sanften Klanges ruht, ...
KP 8.135
guṇānāpādayettatra siddhānāhutibhistribhiḥ //
Übersetzung: ... hebt er [die Seele] empor und führt sie zur höchsten Wohnstatt Śivas. Dort soll er ihr mit drei Opfergaben die bereits vollendeten Eigenschaften zukommen lassen, ...
KP 8.136
ityuccyamānasatkarmavyutkramāpāyarakṣaṇe //
Übersetzung: ... Unabhängigkeit und die übrigen; so wünschen es die Einsichtigen zur Festigung des Verfahrens. Für diejenigen, die sich vor den Gefahren einer Übertretung der noch zu lehrenden guten Pflichten schützen können, ...
KP 8.137
evamevaitadanyeṣāṃ kiṃ tu vidhyantarānvitam //
Übersetzung: ... ist dieses Verfahren als Mittel zur Befreiung gelehrt worden. Für die übrigen gilt eben dasselbe, doch verbunden mit einem zusätzlichen Verfahren.
KP 8.138
yadaprāpya narāḥ pūrve prāpte karmaṇi yātanāḥ //
Übersetzung: Auch dieses ist jetzt an der Reihe; höre es, o Bester der Zweimalgeborenen. Ohne es erlangt zu haben, erfahren Menschen, wenn früheres Karma wirksam wird, Qualen ...
KP 8.139
bhūvārigocarāḥ solkā vetālāḥ kṣetrapāśca te //
Übersetzung: ... nachdem sie einen von den Guten missbilligten Piśāca-Körper angenommen haben. Als Ulkās, Vetālas und Kṣetrapālas bewegen sie sich auf der Erde und im Wasser ...
KP 8.140
śrutitvagviplutirbrāhmī brahmakravyādyonidā //
Übersetzung: ... und stehen in Daseinsbedingungen, die den Anordnungen Brahmās und der übrigen Gottheiten entsprechen. Eine Verfehlung des Hörens und des Tastsinns gehört zu Brahmā und führt zur Geburt als Brahmarākṣasa.
KP 8.141
aiśvarī garvadhīmūlā mānasī śivadevatā //
Übersetzung: Eine Verfehlung des Geschmacks gehört zu Viṣṇu, eine durch Geruch oder Sehen verursachte zu Rudra. Eine in Selbstüberhebung oder Unterscheidungsvermögen wurzelnde gehört zu Īśvara; eine des Denkens hat Śiva zur Gottheit.
KP 8.142
śabdārthatvācchrutau vāṇī vidhāvaceti sūrayaḥ //
Übersetzung: Die vier Handlungsgottheiten sind im Tastsinn enthalten, weil Berührung ihr Gegenstand ist; die Sprache ist im Gehör enthalten, weil sie den Laut zum Gegenstand hat. So nennen die Weisen sie bei diesem Verfahren.
KP 8.143
pāśaviśleṣavaddhutvā devatāstvadhiropayet //
Übersetzung: Die äußeren Gottheiten soll er zusammen mit den drei Tätigkeiten des inneren Organs durch Opfer reinigen, wie bei der Ablösung der Fesseln, und sie emporheben.
KP 8.144
śeṣavṛtyupabhogāya sadyo nirvāṇadā tu yā //
Übersetzung: Dann bringt er die volle Opfergabe dar, hebt [die Seele] empor und setzt sie in den Körper ein, damit sie die verbleibende Lebenswirksamkeit erfahre. Die Einweihung aber, die sofort Nirvāṇa verleiht, ...
KP 8.145
saṃdhāya nikhilānpāśān saṃnidhāvitaratra vā //
Übersetzung: ... soll ein vollendeter Lehrer vollziehen, nachdem er im Geist die Eignung erkannt und sämtliche Fesseln zusammengeführt hat, sei der Schüler gegenwärtig oder anderswo.
KP 8.146
kiṃ tu dehāviyogārthaṃ prārabdhaṃ karma dehinaḥ //
Übersetzung: Ebenso werden durch den entsprechenden Ritualvollzug die höhere und die niedrigere Bhautikī-Einweihung ausgeführt. Doch soll das bereits wirksam gewordene Karma des Verkörperten bewahrt werden, damit keine Trennung vom Körper eintritt, ...
KP 8.147
sānubandhaṃ dahedanyaddīpte dīkṣāhutāśane //
Übersetzung: ... indem er es mit dem durch die śivaitische Praxis zu erlangenden [Karmaertrag] verbindet. Alles andere verbrennt er mitsamt seinen Folgeverbindungen im lodernden Feuer der Einweihung.
KP 8.148
yogo 'syātmikadīkṣāyāmanyasyāmiṣṭavigrahe //
Übersetzung: Bei seiner Ātmikā-Einweihung erfolgt die Vereinigung mit dem wirksamen fünfgesichtigen Herrn, der an der Grenze der Stätten Kaṭha und Akaṭha steht [Bezeichnungen unsicher]; bei der anderen mit der gewünschten Gestalt.
KP 8.149
taddharmāpādanaṃ kuryācchive vā muktikāṅkṣiṇām //
Übersetzung: Den nach weltlicher Ordnung Eingeweihten soll er zum gewünschten Weltenherrn emporführen und ihn dessen Eigenschaften teilhaftig machen; diejenigen aber, die Befreiung wünschen, soll er mit Śiva verbinden.
KP 8.150
mantrānte tāramuccārya yojayetkaṣṭamaspṛśan //
Übersetzung: Welcher Weltweg dem jeweiligen Herrn zugehört, an dessen Ende vergegenwärtigt er ihn samt seiner Kraft. Am Ende des Mantras spricht er den Praṇava und vollzieht die Vereinigung, ohne Leid zu berühren.
KP 8.151
sāyujyaṃ bhaktimānneyastadadhvani viśodhite //
Übersetzung: Ebenso soll ein von Hingabe Erfüllter zur Vereinigung mit Ambikā, Sūrya, Smara, Viṣṇu oder dem Schöpfer der Wesen geführt werden, nachdem der zugehörige Weltweg gereinigt ist.
KP 8.152
parasyāṃ sottaropāyo laukikyāmiṣṭaceṣṭitam //
Übersetzung: Dasselbe gilt für die auf dem Weltweg befindlichen und die anderen Gottheiten. Bei der höheren [Einweihung] kommt das zusätzliche Verfahren hinzu; bei der weltlichen [Einweihung] gilt das gewünschte Tun.
KP 8.153
kalādibhirnayecchuddhiṃ mātṛkārṇāṃśake 'pi vā //
Übersetzung: So soll er sich die untergeordnete Welt im Sadāśiva-Tattva vergegenwärtigen und sie mittels der Kalās und des Übrigen zur Reinheit führen; oder auch in einem Bereich, der aus den Buchstaben der Mātṛkā besteht.
KP 8.154
pṛthagvā sarvatattvāni prakṛtyādīni vā nava //
Übersetzung: Oder in der Gestalt der Mātṛkā-Wörter oder in einem Körper aus der Saṃhitā; oder er reinigt alle Tattvas einzeln, oder die neun mit Prakṛti beginnenden.
KP 8.155
śivaśaktī śivākhyaṃ vā śodhyaṃ pañcakameva vā //
Übersetzung: Zu reinigen sind die als Ātman, Vidyā und Śiva bezeichneten [drei]; oder nur die beiden, Śiva und Śakti; oder das Śiva genannte [eine]; oder allein die Fünfergruppe.
KP 8.156
vidyāyoge kṛtāḥ sarvāḥ kriyāḥ saṃdhāya niṣkṛtau //
Übersetzung: Oder er reinigt die genannten Welten beziehungsweise ihre Herren. Dabei vergegenwärtigt er für die Niṣkṛti sämtliche Handlungen, die bei der Verbindung mit der Vidyā ausgeführt wurden, ...
KP 8.157
matena vādhvanā yojya muktvā taṃ pratibandhakam //
Übersetzung: ... opfert für jede Welt hundertmal und vollzieht danach die Vereinigung [Lesung unsicher]. Oder er verbindet [die Seele] mit dem gewählten Weltweg und löst dessen Hemmung ...
KP 8.158
bhauvanyāṃ purataḥ kṣetrātprāksthūlādamarāṣṭakāt //
Übersetzung: ... opfert hundert-, fünfhundert- oder tausendmal und verbindet sie mit dem Höchsten. Bei der Einweihung über die Welten soll er vom voranstehenden Bereich an bis vor die grobe Achtergruppe der Gottheiten ...
KP 8.159
garbhādhānaṃ puṃsavanaṃ sīmantonnayanaṃ tataḥ //
Übersetzung: ... die Hemmung durch die in der vedischen Überlieferung gelehrten Lebensriten beseitigen: die Einlegung des Keims in den Schoß, den Ritus zur Zeugung eines Sohnes und danach das Scheiteln des Haares der Schwangeren, ...
KP 8.160
vrataṃ vedavratānyante gokṣaṇaṃ pāṇiyogitā //
Übersetzung: ... den Geburtsritus, die Namensgebung, das erste Hinausgehen, das erste Speisen, den Haarschopfritus, die Verpflichtung [zum Schülerstand], die vedischen Gelübde und an deren Ende Gokṣaṇa sowie die Verbindung der Hände [bei der Heirat], ...
KP 8.161
satrāṇi vanavāsitvaṃ pārivrājyaṃ guṇāstataḥ //
Übersetzung: ... die Speiseopfer, die Havis-Opfer, die Soma-Opferformen, darüber hinaus die langen Opfersitzungen, das Wohnen im Wald, das Wanderasketentum und schließlich die Tugenden.
KP 8.162
śodhayedvidhinoktena saṃskārānhṛdayena tu //
Übersetzung: Danach folgt die allgemeine Befähigung für die göttlichen Bereiche, angefangen bei Bhuvarloka. Er soll sie nach dem beschriebenen Verfahren reinigen, die Lebensriten jedoch mit dem Herzmantra.
KP 8.163
nādhastādakhilaprānte yojayetparame pade //
Übersetzung: Bis zu dem Bereich, in den die vedischen Handlungen reichen, gilt auch bei den anderen [Einweihungsformen] der Anfang mit diesen Handlungen; darunter gilt er nicht. Am Ende des Ganzen soll er [die Seele] mit der höchsten Stätte verbinden.
KP 8.164
chidraṃ hutvā samutthāpya kṛtamāvedya pūjitam //
Übersetzung: Nachdem sich der Schüler an allen Wohnstätten verneigt hat, bringt der Lehrer Opfer zur Behebung von Lücken dar, erhebt sich und zeigt an, dass das Werk vollzogen ist. Den verehrten [Herrn] ...
KP 8.165
purasthamanalasthaṃ ca tataḥ śuddhāvanau guruḥ //
Übersetzung: ... entlässt er aus dem Maṇḍala und dem Feuer, nachdem er Arghya gegeben, sich mit einem Lobpreis verneigt und ‚Vergib!‘ gesprochen hat. Danach soll der Guru auf reinem Boden ...
KP 8.166
tataścaṇḍeśanāthasya puraṃ pañcāṃśavarjitam //
Übersetzung: ... zusammen mit den selbstbeherrschten Schülern, deren Aufgabe vollendet ist, verweilen und opfertaugliche Speise essen. Dann fertigt er für Caṇḍeśanātha ein um ein Fünftel verkleinertes Maṇḍala an, ...
KP 8.167
kiṃ tu sraggandhadhūpādi rajorekhodarasthitam //
Übersetzung: ... und vollzieht darin die Verehrung ebenso wie für Śiva. Doch Girlanden, Duftstoffe, Räucherwerk und alles andere innerhalb der gezogenen Pulverlinie ...
KP 8.168
snātān śucīnsamācāntān śiṣyāṃścaṇḍātmanaḥ puraḥ //
Übersetzung: ... darf er nicht für einen anderen Gebrauch wegnehmen, o Bester der Zweimalgeborenen. Den Schülern, die gebadet haben, rein sind und das rituelle Wasserschlürfen vollzogen haben, soll er vor Caṇḍa ...
KP 8.169
yena viplutimāpannaṃ brahmādivyaktaśaktikam //
Übersetzung: ... nachdem sie geopfert und sich verneigt haben und in den Verpflichtungen feststehen, die Samayas verkünden. Denn einen, der eine Verfehlung begangen hat, selbst wenn die Kräfte Brahmās und der übrigen [in ihm] offenbar geworden sind, ...
KP 8.170
nindā śivaśivajñānagurvagniśivayajvanām //
Übersetzung: ... hemmt Śambhu selbst in der Gestalt Caṇḍas, auch wenn er gereinigt worden ist. [Zu den Verfehlungen gehört] die Herabsetzung Śivas, der Śiva-Erkenntnis, des Gurus, des Feuers und derer, die Śiva Opfer darbringen, ...
KP 8.171
taddānabhakṣaṇe caiśāśvaśaṇḍādhikṛtasya ca //
Übersetzung: ... das Überschreiten des Schattens eines Eingeweihten, der Gegenstände der Śiva-Verehrung, der Opfergaben und der Girlanden, ferner ihr Verschenken und Verzehren; sowie [eine hier nicht sicher deutbare Vorschrift über Speisen und ihre Geber].
KP 8.172
mahāsamayagartāḥ syurimāḥ patanabhīruṇā //
Übersetzung: ... und das Essen der Speise von Menschen, die davon leben, von einem durch Geburt oder Tod rituell betroffenen Haushalt oder von einer menstruierenden Frau. Dies sind die Fallgruben der großen Verpflichtungen. Wer den Fall fürchtet, ...
KP 8.173
ato 'nye samayācārāḥ śaive vartmani tiṣṭhatām //
Übersetzung: ... soll diese meiden und seinen Weg gehen: So hat der Herr selbst gesprochen. Die weiteren Regeln der Verpflichtung für diejenigen, die auf dem śivaitischen Weg stehen, ...
KP 8.174
tato 'gnau yajñaśeṣeṇa sahasreṇa śatena vā //
Übersetzung: ... werden im Caryāpāda dargelegt, denn Caryā bedeutet Lebensführung. Dann soll er im Feuer mit dem Rest des Opfers durch tausend oder hundert Gaben ...
KP 8.175
tataḥ praśaste digbhāge bhūtale svastikāṅkite //
Übersetzung: ... Caṇḍanātha sättigen und ihn mit den Worten ‚Vergib!‘ entlassen. Danach soll er an einer günstigen Himmelsrichtung, auf einem mit einem Svastika bezeichneten Erdboden, ...
KP 8.176
tadāstāṃ duritadhvaṃsimantroccārābhisaṃdhimat //
Übersetzung: ... das abschließende Bad mit dem Śiva-Krug vollziehen, nachdem das Astra-Wasser vorangegangen ist. Vom Bad selbst, das mit der Absicht und der Rezitation von Unheil vernichtenden Mantras verbunden ist, brauchen wir dabei noch gar nicht zu reden: ...
KP 8.177
tataḥ praṇamya śraddhāvānguruṃ sarvasvapūjayā //
Übersetzung: ... schon die daraus stammenden Tropfen sind mit den Beschwichtigungsriten der Gebundenen nicht vergleichbar. Danach soll der von Vertrauen Erfüllte sich vor dem Guru verneigen und ihn mit seinem gesamten Besitz als Gabe ...
KP 8.178
putrakaḥ karmasu sveṣu deśikottamasādhakau //
Übersetzung: ... verehren. Hat er die Erlaubnis empfangen, darf der Putraka nach seinem Wunsch leben, o Weiser. Der vorzügliche Lehrer und der Sādhaka dagegen sollen sich ihren jeweiligen Aufgaben ...
KP 8.179
ābhiṣecanikaṃ karma deśikasyetarasya ca //
Übersetzung: ... erst nach der Weihe zuwenden, wenn sie die Erlaubnis erhalten haben. [Erkläre] den Weiheritus des Lehrers und des anderen ...
KP 8.180
śrūyatāṃ muniśārdūla deśikasyābhiṣecanam //
Übersetzung: ... und die Kennzeichen beider wahrheitsgemäß, o Bezwinger Pākas. Höre, o Tiger unter den Weisen, die Weihe des Lehrers ...
KP 8.181
athaudāryadayādākṣyadamaśraddhāsamanvitam //
Übersetzung: ... und, daraus abgeleitet, in Kürze die des Sādhaka, nachdem zuerst ihre Kennzeichen genannt sind. Einen, der Großherzigkeit, Mitgefühl, Geschick, Selbstbeherrschung und Vertrauen besitzt, ...
KP 8.182
śivadīkṣāsivicchinnapāśamīśapriyapriyam //
Übersetzung: ... dessen nichtiger Haufen von Zweifeln vom Feuer der Tantra-Erkenntnis aufgezehrt und dessen Fesseln vom Schwert der Śiva-Einweihung zerschnitten sind, dem diejenigen lieb sind, die dem Herrn lieb sind, ...
KP 8.183
śāstrānvayāgatācāraṃ dvijāgryaṃ puṇyadeśajam //
Übersetzung: ... einen Hüter des großen Schatzes der Tantra-Lehre, einen Verehrer Śivas, dessen Lebensführung aus der Überlieferung der Lehrschriften stammt, einen vorzüglichen Zweimalgeborenen aus einem heiligen Land, ...
KP 8.184
adīnaṃ nāturaṃ nādhaścakṣuṣaṃ satparikramam //
Übersetzung: ... mit wohlgestalteten Körpergliedern und einer tiefen, angenehmen Stimme, nicht mutlos, nicht krank, nicht mit gesenktem Blick und mit gutem Gang, ...
KP 8.185
bhūvāripāvakavyomacchāyamityādilakṣaṇam //
Übersetzung: ... kräftig, von vorzüglichem Körpermaß, schwerer als ein halber Bhāra und mit einer Ausstrahlung von Erde, Wasser, Feuer oder Raum – einen mit solchen und ähnlichen Kennzeichen ...
KP 8.186
udaṅmārgapravṛtte 'rke śuklapakṣe dine śubhe //
Übersetzung: ... soll der Guru nach dem noch zu beschreibenden Verfahren in das Amt des Gurus führen. Wenn die Sonne ihren nördlichen Lauf genommen hat, in der hellen Monatshälfte an einem günstigen Tag, ...
KP 8.187
vāsavyarevatītvāṣṭravaiṣṇavādityage 'pi vā //
Übersetzung: ... wenn [der Mond] im Prajāpati-Stern, in einem der Uttarā-Sterne, in Puṣya, im Mitra- oder Savitṛ-Stern steht oder im Vasu-Stern, in Revatī, im Tvaṣṭṛ-, Viṣṇu- oder Aditi-Stern, ...
KP 8.188
prāgvadiṣṭvā maheśānaṃ dikṣu kumbheṣvidaṃ nyaset //
Übersetzung: ... und der Herr der Sterne frei von ungewöhnlichen Zeichen, schädlichen Planeteneinflüssen und ähnlichen Störungen ist, soll er Maheśāna wie zuvor verehren und Folgendes in die Krüge der Himmelsrichtungen legen: ...
KP 8.189
śaṅkhapuṣpībalābījājyotiṣmatyaparājitāḥ //
Übersetzung: ... Sahadevī, Brāhmī, Trāyantī, Lakṣaṇāvatī, Śaṅkhapuṣpī, Balā, Bījā, Jyotiṣmatī und Aparājitā; ...
KP 8.190
śatāhvāśāribādūrvākuśavyāghrīpunarnavāḥ //
Übersetzung: ... Viṣṇukrāntā, Balā, Moṭā, Bilva, Dhātrī, Abhayā, Amṛtā, Śatāhvā, Śāribā, Dūrvā, Kuśa, Vyāghrī und Punarnavā.
KP 8.191
ratnāni sarvagandhāṃśca lohānyaṣṭau ca śāstravit //
Übersetzung: Dazu Samen, angefangen bei Gerste, Geschmacksstoffe, angefangen bei Salz, Edelsteine, alle Duftstoffe und die acht Metalle; [dies lege] der Kenner der Lehre [hinein].
KP 8.192
vimalaṃ mākṣikaṃ dhātūnmāṅgalyānaparānapi //
Übersetzung: Haritāla, Śilā, Kāṅkṣī, Kāsīsa, Añjana, Gairika, Vimala und Mākṣika sowie auch andere glückverheißende Mineralien.
KP 8.193
paścimaṃ sadyamantreṇa vāmenottarataḥ sthitam //
Übersetzung: Dann weiht er die fünf Krüge mit den zugehörigen, mit Sadyojāta beginnenden Mantras: den westlichen mit dem Sadyojāta-Mantra, den nördlich stehenden mit Vāmadeva, ...
KP 8.194
īśānenaiśamālabhya sarvānsāṅgena śambhunā //
Übersetzung: ... den südlichen mit Bahurūpa und den im Osten aufgestellten mit Nara. Nachdem er den nordöstlichen mit Īśāna geweiht hat, weiht er alle mit Śambhu samt seinen Gliedern.
KP 8.195
prāgvidyayā ca kaṇṭheṣu sraksūtrakṛtabhūṣaṇān //
Übersetzung: Auch mit den Kreisen der Mantraherren, der Gaṇas und der Welthüter, mit den Waffen sowie mit der ursprünglichen Vidyā [verehrt er sie]. Ihre Hälse sind mit Girlanden und Schnüren geschmückt, ...
KP 8.196
satpaṭaprāvṛtānarcya kuryādasyābhiṣecanam //
Übersetzung: ... sie sind mit Sandelholz und Agaru bestrichen, tragen Mangosprosse und Früchte an ihren Öffnungen und sind mit guten Tüchern bedeckt. Nachdem er sie verehrt hat, soll er die Weihe dieses [Anwärters] vollziehen.
KP 8.197
mantrapīṭhatvamāpanne lagnāṃśe saumyavīkṣite //
Übersetzung: Auf einem im Nordosten hergerichteten, gut geschmückten Sitz unter einem Baldachin, der zu einem Mantrasitz geworden ist, wenn der Aszendentenabschnitt unter dem Blick wohltätiger Planeten steht, ...
KP 8.198
niveśya secayetkumbhaiḥ sadyādyairīśapaścimaiḥ //
Übersetzung: ... und der höchste Herr in Suṣumnā oder Iḍā wirksam ist, lässt er ihn Platz nehmen und übergießt ihn aus den mit Sadyojāta beginnenden Krügen, wobei der Īśāna-Krug zuletzt kommt.
KP 8.199
vāsasī paridhāyainaṃ niviṣṭaṃ sakalīkṛtam //
Übersetzung: Der Einsichtige rezitiert dabei Śiva samt seinen Gliedern, jeweils mit dem betreffenden Mantra voran. Dann legt er dem Anwärter zwei Gewänder an, lässt ihn sitzen und macht ihn durch die Einsetzung der Glieder vollständig; ...
KP 8.200
kṛtamantrāsane pīṭhe prāṅmukhaḥ sa udaṅmukham //
Übersetzung: ... er nimmt ihn an der Hand und setzt ihn zur rechten Seite der Gottesgestalt auf einen mit Mantras versehenen Sitz. Er selbst schaut nach Osten, der Anwärter nach Norden.
KP 8.201
vāriṇā śaṅkhamāpūrya lohadhāturasauṣadhīḥ //
Übersetzung: Nahe dem Śiva-Sitz, südlich davon, füllt er die auf einem Praṇava-Sitz stehende Muschel mit Wasser. Metalle, Mineralien, Geschmacksstoffe und Kräuter ...
KP 8.202
kalāḥ pañca nivṛttyādyā brahmādyaiḥ saha kāraṇaiḥ //
Übersetzung: ... nimmt er zusammen mit Edelsteinen, Samen und Duftstoffen und legt sie hinein. Er setzt die fünf mit Nivṛtti beginnenden Kalās samt den mit Brahmā beginnenden Ursachen ein, ...
KP 8.203
oṃ sṛṣṭaye nama iti vimokṣāyeti paścimam //
Übersetzung: ... den Grundmantra als Śiva samt seinen Gliedern sowie die fünf Tätigkeiten. [Er beginnt mit] ‚Oṃ, Verehrung der Schöpfung‘ und endet mit ‚der Befreiung‘.
KP 8.204
mūrdhni dadyānmahākṛtyaniyogapratipādakam //
Übersetzung: Er nimmt die Muschel auf, die vom Glanz des höchsten Königs der großen Mantras gerötet ist, und gibt [ihr Wasser] auf das Haupt: Es überträgt die Beauftragung mit den großen Tätigkeiten.
KP 8.205
sakalīkṛtya saṃpūjya śivahastaṃ vidhāya ca //
Übersetzung: Dann versieht er ihn mit zwei neuen Gewändern samt heiliger Schnur, setzt die Glieder ein, verehrt ihn und legt die Śiva-Hand auf. Danach übergibt er ihm ...
KP 8.206
sruksruvāvakṣasūtraṃ ca soṣṇīṣe chatrapāduke //
Übersetzung: ... ein Buch, ein kleines Gefäß und eine Schnur, eine Schere, ein Yoga-Band, Sruc und Sruva, eine Gebetsschnur sowie Turban, Schirm und Sandalen, ...
KP 8.207
manasā yadasaṃpannaṃ pratipādyābhivādayet //
Übersetzung: ... und die verfügbaren königlichen Insignien, etwa einen Yakschweifwedel. Was nicht vorhanden ist, übergibt er im Geist. Nachdem er dies überreicht hat, soll er ihn ehrerbietig grüßen.
KP 8.208
sa kartavyastvayā tāvadyāvatsaṃkrāmito 'nyataḥ //
Übersetzung: Er soll sagen: ‚Dieses Amt, das ich dir jetzt übertragen habe, sollst du so lange ausüben, bis es einem anderen übergeben worden ist.‘
KP 8.209
asau nātha tvayājñapto 'dyadhikāre tvadicchayā //
Übersetzung: Nachdem er dessen Versprechen empfangen hat, lässt er ihn aufstehen und stellt ihn Śambhu vor: ‚Herr, dieser von dir Beauftragte ist heute [Textverbindung unsicher] nach deinem Willen in dieses Amt ...
KP 8.210
sa kṛteṣṭirnato brūyādavighnamidamastu me //
Übersetzung: ... von uns eingesetzt worden; darum gewähre ihm deine Gnade.‘ Der [neu Geweihte] bringt ein Opfer dar, verneigt sich und spricht: ‚Möge dies für mich ohne Hindernisse gelingen.‘
KP 8.211
vilokya seśvaraṃ vartma dadyāddaśadaśāhutīḥ //
Übersetzung: Nachdem der Guru das Feuer gesättigt hat, nimmt er ihn wie zuvor auf, betrachtet den Weltweg samt seinen Herren und bringt je zehn Opfergaben dar.
KP 8.212
viṣayatvaṃ prapadyadhvamanujānīta nāyakāḥ //
Übersetzung: Er soll sagen: ‚Alle Ebenen, werdet zum Wirkungsbereich dieses Amtsträgers! Ihr Herren, gebt eure Zustimmung!‘
KP 8.213
śivādibhiḥ karasyāgramulmukāgreṇa saṃspṛśet //
Übersetzung: Dann gibt der Lehrer für denjenigen, dessen Feueropfer vollzogen ist, die volle Opfergabe. Mit den bei Śiva beginnenden Mantras berührt er die Spitze seiner Hand mit dem Ende eines glühenden Holzstücks, ...
KP 8.214
karmaṇo 'nte baliṃ dattvā brūyānnītvā puraḥ prabhoḥ //
Übersetzung: ... damit die Mantras wie ein Schwert aufleuchten, zum Durchtrennen der Fesseln und den übrigen Aufgaben. Am Ende des Ritus gibt er ein Bali-Opfer, führt ihn vor den Herrn und sagt: ...
KP 8.215
bahudhā bahu ca jñānaṃ kṛtyaṃ kāryaṃ sucarcitam //
Übersetzung: ‚Was du gelernt hast, sollst du den danach Verlangenden erklären; zugleich sollst du selbst von anderen lernen. Vielgestaltig und umfassend soll dein Wissen werden, und die auszuführenden Aufgaben sollen gründlich erwogen sein.
KP 8.216
pratiṣṭhā ca śivādīnāṃ teṣāṃ prārthayatāṃ bhṛśam //
Übersetzung: Lege die Trägheit ab, Lehrer, und erweise den Hingebungsvollen Gnade. Nimm auch die Einsetzung Śivas und der übrigen [Gottheiten] vor, wenn sie dich nachdrücklich darum bitten.
KP 8.217
vartethā laukikenāpi svāgamādavirodhinā //
Übersetzung: Lebe Tag für Tag so, dass deine Verpflichtungen auch durch kleine Feueropfer, Mantrawiederholungen und Verehrungen nicht abreißen. Du darfst auch weltlichen Gepflogenheiten folgen, soweit sie deiner eigenen Überlieferung nicht widersprechen.
KP 8.218
tatsarvamanusartavyaṃ vaktavyaṃ cānuvartiṣu //
Übersetzung: Was sonst noch als geboten oder verboten gelehrt werden wird, dem sollst du vollständig folgen und es auch denen erklären, die dir nachfolgen.‘
KP 8.219
sarvabhūtagaṇābhīṣṭaṃ sādhakatvaṃ prapadyate //
Übersetzung: Nachdem er dies mit ‚So sei es‘ versprochen hat und vom Lehrer ermächtigt worden ist, kann der Einsichtige den Sādhaka-Stand erlangen, den alle Scharen von Wesen begehren.
KP 8.220
taducyamānaṃ saṃkṣepānnibodha dvijasattama //
Übersetzung: Auch für den Mantrapraktizierenden gelten die für den Guru genannten Kennzeichen. Was darüber hinausgeht, höre nun in kurzer Darlegung, o Bester der Zweimalgeborenen.
KP 8.221
tatsādhanapravṛttānāṃ siddhihetustadanvayaḥ //
Übersetzung: Der Weltweg besteht aus fünf Abschnitten und steht unter der Herrschaft von fünf Mantras. Für diejenigen, die sich ihrer Verwirklichung zuwenden, ist die Zugehörigkeit zum jeweiligen [Mantra] eine Ursache des Erfolgs.
KP 8.222
sādhayantyabhiyogena laghunaiveśadaivatam //
Übersetzung: Menschen ohne Begehren, mit himmelsgleicher Ausstrahlung, feinem Körper und gutem Verständnis verwirklichen die Īśāna-Gottheit schon mit geringer Anstrengung.
KP 8.223
tṛtīyaṃ taijasacchāyāḥ kṛṣṇapiṅgadṛśaḥ kharāḥ //
Übersetzung: Hellfarbige mit einer ansprechenden Ausstrahlung verwirklichen den Tatpuruṣa-Abschnitt; den dritten diejenigen mit feurigem Glanz, schwarz und gelbbraun gefärbten Augen und rauher Haut.
KP 8.224
vāricchāyā haṭhasnigdhadehāḥ sadyaparigraham //
Übersetzung: Diejenigen mit trägem Blick und rötlich hellem Glanz verwirklichen den Bereich Vāmadevas; diejenigen mit wassergleicher Ausstrahlung und kräftigem, glattem Körper den Bereich Sadyojātas.
KP 8.225
tadākāraṃ vapuḥ siddhyai bhāvaceṣṭā ca dehinām //
Übersetzung: Bei Verkörperten, die Brahmā, Viṣṇu, Indra, Soma, Sūrya, Smara oder der Göttin folgen, dienen ein Körper von entsprechender Gestalt sowie eine entsprechende innere Haltung und Betätigung dem Erfolg.
KP 8.226
kiṃ tu sādhyāsanasthasya sādhyaikagatacetasaḥ //
Übersetzung: Für ihn soll der Guru das bei der Lehrerweihe beschriebene Verfahren vollziehen; doch sitzt er dabei auf dem Sitz der zu verwirklichenden Gottheit und richtet seinen Geist allein auf sie.
KP 8.227
kramavyutkramaśo madhye sādhyālabdhatanostataḥ //
Übersetzung: Beim ersten Abschnitt geschieht es in der gewöhnlichen Reihenfolge, beim letzten in umgekehrter, in den mittleren in vorwärts und rückwärts verlaufender Folge. Danach, wenn sein Körper mit dem angestrebten [Mantra] geweiht ist, ...
KP 8.228
secanaṃ tasya mantreṇa taduccārasamanvitam //
Übersetzung: ... setzt man ihn auf einen anderen Sitz und übergießt ihn mit dem Wasser der Muschel, in dem die Kraft offenbar geworden ist, unter Rezitation des Mantras jener [Gottheit].
KP 8.229
labdhamityabhisaṃdhāya sādhako mūrdhni vinyaset //
Übersetzung: Mit einer Girlande, Duftstoff, Wasser und unversehrten Reiskörnern übergibt er den Mantra in seine Hand. Im Bewusstsein ‚Ich habe ihn empfangen‘ setzt der Sādhaka seinen Mantra auf sein Haupt, ...
KP 8.230
tataḥ sarvamanuṣṇīṣaṃ prāguktaṃ pratipādayet //
Übersetzung: ... dessen Strahlenkreis die Dunkelheit vertreibt. Dann übergibt er ihm alle zuvor genannten Gegenstände, mit Ausnahme des Turbans.
KP 8.231
tataścainaṃ samutthāpya śivāyāvedya deśikaḥ //
Übersetzung: Der Guru soll ihn nicht ehrerbietig grüßen, da er in einem nachgeordneten Rang steht. Dann lässt der Lehrer ihn aufstehen, stellt ihn Śiva vor und ...
KP 8.232
so 'pi praṇamya deveśaṃ bhūmivinyastamastakaḥ //
Übersetzung: ... sagt: ‚Herr, möge dieser Sādhaka das Gelingen seines gewünschten Ziels erlangen.‘ Auch er verneigt sich vor dem Herrn der Götter, legt sein Haupt auf die Erde und ...
KP 8.233
labdhānujñaṃ samutthāpya brūyāddakṣiṇataḥ sthitam //
Übersetzung: ... spricht: ‚Hara, durch deine Gnade möge mein Vorhaben ohne Hindernisse gelingen.‘ Nachdem er die Erlaubnis empfangen hat, lässt der Lehrer ihn aufstehen und sagt zu ihm, der rechts von ihm steht: ...
KP 8.234
vane guhāyāṃ kṣetre vā kṛtaliṅgaparigrahaḥ //
Übersetzung: ‚Du sollst in der Lebensordnung deines eigenen Tantra feststehen. In einem Wald, einer Höhle oder einem heiligen Bezirk, nachdem du einen Liṅga in Obhut genommen hast, ...
KP 8.235
hiṃsānugrahaśāstroktipratigrahaparāṅmukhaḥ //
Übersetzung: ... bemühe dich mit guten Gefährten um eine sehr erfreuliche Verwirklichung. Wende dich von Schädigung, Begünstigung, dem Verkünden der Lehrschrift und dem Annehmen von Gaben ab, ...
KP 8.236
tato 'gnau mantramukhyeṣu tarpiteṣu viśeṣataḥ //
Übersetzung: ... vollziehe deine Verehrung im Verborgenen und sei frei von Täuschung, Neid und Überheblichkeit.‘ Nachdem die Hauptmantras im Feuer in besonderer Weise gesättigt worden sind, ...
KP 8.237
kṛtāṇutarpaṇe tasminsādhyamutkṣipya deśikaḥ //
Übersetzung: ... soll der Guru den Sādhaka vergegenwärtigen und den zu verwirklichenden Mantra sättigen. Ist diese Mantrasättigung für ihn vollzogen, hebt der Lehrer den angestrebten [Mantra] empor, ...
KP 8.238
deśiko 'pīdamātiṣṭhedvidhānaṃ śāntikādiṣu //
Übersetzung: ... setzt ihn in dessen Körper ein und nimmt die mit Śiva beginnenden Mantras zurück. Auch der Lehrer darf dieses Verfahren anwenden, wenn Beschwichtigungsriten und ähnliche Handlungen ...
KP 8.239
kiṃ tu tripañcasaptāhadaśarātradvisaptakam //
Übersetzung: ... bei Störungen und anderen Anlässen für andere oder für ihn selbst auszuführen sind; jedoch nur für drei, fünf oder sieben Tage, zehn Nächte, vierzehn Tage, ...
KP 8.240
putrako gauravaṃ dhāma bhajettiṣṭhetsvadhāmni vā //
Übersetzung: ... einen halben Monat, einundzwanzig Tage oder einen Monat, nicht länger. Der Putraka soll im Haus des Gurus verweilen oder in seiner eigenen Wohnstatt bleiben, ...
KP 8.241
sa cedabhyarthayedbhoktuṃ mārgāṃśe nivṛtto 'pi san //
Übersetzung: ... in Erwartung der wunderbaren Stätte, von der ihn noch das Ablegen des Körpers trennt. Sollte er aber darum bitten, in einem Abschnitt des Weltwegs Erfahrungen zu machen, obwohl er schon darüber hinausgeführt worden ist, ...
KP 8.242
tatra mithyāprayuktāṇuḥ prāyaścittaṃ bhajedguruḥ //
Übersetzung: ... dann hat der Herr für eben diesen Abschnitt die Reinigung nicht beabsichtigt. Der Guru, dessen Mantras dort vergeblich angewendet wurden, soll eine Sühne vollziehen.
KP 8.243
yojayetputrakatve taṃ samayasthamapaspṛham /
saspṛhaṃ sādhakaṃ cainaṃ vidhinoktena deśikaḥ //
Übersetzung: Den Geeigneten, der den großen Herrn verehrt hat, soll er in den gewünschten [Bereich] einsetzen. Einen im Samaya Feststehenden ohne Begehren soll der Lehrer nach dem beschriebenen Verfahren mit dem Putraka-Stand verbinden; einen mit Begehren aber zum Sādhaka machen.
KP 8.244
leśāduktaṃ pravaraṃ sādhanānām /
tyaktākṣepaprativādānubandhaiḥ
śārvaiḥ sūtraiḥ surayogīśajuṣṭam //
Übersetzung: So habe ich dir dieses vorzüglichste Mittel für reine, gemischte und unreine Ziele in Kürze dargelegt, in Śivas Lehrsätzen, die die Folge von Einwänden und Gegenreden beiseitelassen: ein Mittel, dem Götter und große Yogins sich zuwenden.
Yogapāda – Yoga
Heutiges Yoga-Vidya-Video: Sukadev spricht über Samadhi und den Weg dorthin. Ergänzung zur eigenen Betrachtung; keine Auslegung einer bestimmten Mṛgendra-Stelle.

Kapitel 1
YP 1.1
yaterannātmavattāyai deśikādyā jigīṣavaḥ //
Übersetzung: Nun sollen der Lehrer und die übrigen, die höhere Stufen erlangen wollen, erkennen, dass ihre eigene Aufgabe für Menschen ohne Selbstbeherrschung sehr schwer zu erfüllen ist, und sich darum um Selbstbeherrschung bemühen.
YP 1.2
prāṇāyāmādyanuṣṭhānāj jitākṣatvaṃ śanaiḥ śanaiḥ //
Übersetzung: Diese Selbstbeherrschung ist das Yoginsein. Sie kommt dem zu, der seine Sinne gemeistert hat. Die Meisterung der Sinne entsteht durch die Übung der Atemregelung und der weiteren Glieder, allmählich, Schritt für Schritt.
YP 1.3
japaḥ samādhirityaṅgāny aṅgī yogo 'ṣṭamaḥ svayam //
Übersetzung: Atemregelung, Zurückziehen der Sinne, Festhalten der Aufmerksamkeit, Meditation und prüfende Einsicht, Mantrawiederholung und Versenkung: Dies sind die Glieder. Yoga selbst ist als ihr Träger das achte.
YP 1.4
preraṇākṛṣṭisaṃrodhalakṣaṇaṃ kratudoṣanut //
Übersetzung: Prāṇa ist der zuvor beschriebene Lebenswind. Seine Regelung ist dessen Beanspruchung durch Hinaustreiben, Hereinziehen und Anhalten; sie beseitigt die Fehler der Sinne und des Wollens.
YP 1.5
pratyāhāro vidhātavyaḥ sarvato vinivartanam //
Übersetzung: Darauf soll das Denken, das sich dem Genuss der kleinen Freuden jener Sinne zugewandt hat, zurückgezogen werden: Pratyāhāra ist sein vollständiges Abwenden von allen Seiten.
YP 1.6
dhāraṇāyogyatāmeti pade svecchāprakalpite //
Übersetzung: Dadurch hört das Bewusstsein auf, mit den Sinnesgegenständen in Verbindung zu stehen, und die Denktätigkeit wird geeignet, an einer nach eigenem Willen bestimmten Stelle festgehalten zu werden.
YP 1.7
tadekatānatāmeti sa samādhirvidhīyate //
Übersetzung: Das Nachsinnen über diesen Gegenstand ist Meditation; sie wurde schon wiederholt gelehrt. Wird sie zu einem einzigen ununterbrochenen Strom, so wird dies Versenkung genannt.
YP 1.8
ūho 'bhivīkṣaṇaṃ vastuvikalpānantaroditaḥ //
Übersetzung: Japa ist das Aussprechen jenes Mantras, o Weiser, wodurch das zu Betrachtende gegenwärtig wird. Ūha ist die prüfende Einsicht, die unmittelbar auf die gedankliche Unterscheidung des Gegenstandes folgt.
YP 1.9
tatpoṣakaṃ vipakṣaṃ ca yacca tatpoṣakaṃ param //
Übersetzung: Wenn er durch das Bestehen dieser Einsicht erkennt, welche Stufe aufzugeben und welche anzunehmen ist, was sie fördert, was ihr entgegensteht und was wiederum dieses Entgegenstehende fördert …
YP 1.10
vibhānti śaktayo viśvaṃ vyāpya bhānoriva tviṣaḥ //
Übersetzung: … dann leuchten die Kräfte des Yogin, der sich um diese Glieder einzeln oder gemeinsam bemüht hat, wie Sonnenstrahlen auf und durchdringen das All.
YP 1.11
rorucānamatītyaitān dṛkkriyāprāṇarociṣā //
Übersetzung: Kein Mensch vermag ihn zu beherrschen, auch keine Rākṣasas, Dānavas oder Menschen: Er überstrahlt sie alle mit dem Glanz seiner Erkenntnis, seiner Tatkraft und seiner Lebenskraft.
YP 1.12
nivṛttirdhāraṇādīnāṃ mūlaṃ sarvasya tattataḥ //
Übersetzung: Das Beanspruchen des Atems bewirkt, dass sich das Denken vom Kontakt mit den Sinnesgegenständen zurückzieht. Dieses Zurückziehen ist die Wurzel der Konzentration und der weiteren Glieder; deshalb ist die Atemübung die Grundlage des Ganzen …
YP 1.13
yadanyatsādhanaṃ kiṃcid yogasiddheśca kathyatām //
Übersetzung: … erkläre sie daher ausführlich, o Bester der Götter! Beschreibe auch, was als entferntere Hilfe gilt, und jedes andere Mittel zur Vollendung des Yoga.
YP 1.14
praśnasyāvaśyavācyatvāt tathāpyuddeśa ucyate //
Übersetzung: Eine ausführliche Darstellung der Vorschriften ist nicht möglich, weil sie zu weit führen würde. Da die Frage aber unbedingt eine Antwort erhalten soll, wird dennoch ein kurzer Überblick gegeben.
YP 1.15
mṛdbhirliṅgagudāsavyahastayugmāni śaucayet //
Übersetzung: Nachdem er Urin und die übrigen Ausscheidungen vorschriftsgemäß entleert hat, soll er mit Erde das Geschlechtsglied einmal, den After fünfmal, die linke Hand zehnmal und beide Hände zusammen siebenmal reinigen.
YP 1.16
khabāhunābhihṛtkāni dvistrirvā śaucitādharaḥ //
Übersetzung: Ein Gelübdehalter soll dies doppelt ausführen. Nachdem er dreimal Wasser geschluckt und den Mund zweimal abgewischt hat, soll er die Sinnesöffnungen, Arme, Nabel, Herzgegend und Kopf berühren; die Lippen soll er dabei zwei- oder dreimal reinigen.
YP 1.17
bādhāśūnye vanādau vā svāsanastha udaṅmukhaḥ //
Übersetzung: Er soll bekömmliche, bereits verdaute Nahrung zu sich genommen haben und sich wohl befinden. In einem von drei Mauern umgebenen Haus oder an einem ungestörten Ort im Wald und dergleichen nimmt er seinen Sitz ein, nach Norden gewandt …
YP 1.18
ṛjugrīvāśirovakṣā nāsāgrāhitadṛgdvayaḥ //
Übersetzung: … verneigt sich vor dem großen Herrn, vor Umā, Skanda und dem Herrn der Scharen, hält Hals, Kopf und Brust gerade und richtet beide Augen auf die Nasenspitze …
YP 1.19
viṣṭabdhadeho dantāgre jihvāmādāya susthitaḥ //
Übersetzung: … schützt die Hoden mit beiden Fersen, lässt die oberen und unteren Zähne einander nicht berühren, hält den Körper fest und legt die Zunge an den vorderen Teil der Zähne. So sitzt er sicher …
YP 1.20
sa recakastadabhyāsād vedhavikṣiptakarmasu //
Übersetzung: … und soll den Atem nach Maßgabe seiner Kraft durch ein Nasenloch ausströmen lassen. Das ist Recaka, die Entleerung. Durch deren Übung gewinnt er bei Handlungen des Durchdringens und des Wegschleuderns …
YP 1.21
bāhyena vāyunā mūrteḥ śaktisīmaprapūraṇam //
Übersetzung: … allmählich Befähigung, auch wenn die Gegenstände weit entfernt sind. Das Füllen des Körpers mit äußerer Luft bis zur Grenze seiner Kraft …
YP 1.22
tyāgasaṃgrahaṇe hitvā nirodhaḥ kumbhakaḥ smṛtaḥ //
Übersetzung: … ist Pūraka, die Füllung. Durch dessen Übung vermag er selbst sehr Schweres heranzuziehen. Das Anhalten unter Verzicht auf Ausstoßen und Aufnehmen heißt Kumbhaka.
YP 1.23
tathāsya carato vidvān somasūryeśavartmasu //
Übersetzung: Durch dessen Übung tritt seine Kraft des Anhaltens ungehemmt hervor. Ebenso soll der kundige Yogin beim Strömen dieses Atems auf den Bahnen des Mondes, der Sonne und des Herrn …
YP 1.24
pūrakaṃ kumbhakaṃ vāpi bhajeccandrapathi sthite //
Übersetzung: … erkennen, zu welchen Wirkungen die jeweilige Bahn geeignet ist, und so das Gewünschte vollbringen. Befindet sich der Atem auf der Mondbahn, soll er Füllung oder Anhalten anwenden …
YP 1.25
anagnijvalane vṛkṣaśoṣaṇe bījanāśane //
Übersetzung: … um für sich selbst Stärkung, Überwindung des Todes und dergleichen zu erlangen; für einen anderen dagegen Ausatmung. Beim Entzünden ohne Feuer, beim Verdorrenlassen eines Baumes und beim Vernichten von Samen …
YP 1.26
dhyānārcanajapādyeṣu dehatyāge ca śāṅkare //
Übersetzung: … sowie beim Hervorrufen von Erschütterung, Wahnsinn, Steigerung einer Giftwirkung und ähnlichen Handlungen ist Ausatmung anzuwenden. Für Meditation, Verehrung, Mantrawiederholung und dergleichen sowie für das Verlassen des Körpers auf der Bahn Śivas …
YP 1.27
yavīyān madhyamo jyeṣṭhaḥ sa tālairdvādaśādibhiḥ //
Übersetzung: … gelten Atemanhalten und Ausatmung als erwünscht, ebenso bei Einweihungen und Einsetzungen. Die Atemregelung heißt gering, mittel oder vorzüglich je nach ihrer Dauer, beginnend mit zwölf Tālas.
YP 1.28
so 'pi dhyānajapopetaḥ sagarbho 'nyastadujjhitaḥ //
Übersetzung: Ein Tāla entspricht zwölf Umläufen um den Umfang des Knies. Ist die Atemregelung mit Meditation und Mantrawiederholung verbunden, heißt sie ‚mit innerem Gehalt‘; die andere ist davon frei.
YP 1.29
prātarniśākṛtaṃ pāpaṃ dinānte ca divākṛtam //
Übersetzung: Wie die Atemregelung mit innerem Gehalt zur Beständigkeit des Denkens beiträgt, so vermag es die andere nicht. Am Morgen [vernichtet sie] die nachts begangene Verfehlung und am Tagesende die am Tage begangene …
YP 1.30
snāto bhavati tīrtheṣu sarvakratuṣu dīkṣitaḥ //
Übersetzung: … selbst ohne inneren Gehalt vernichtet sie die Unruhe der davoneilenden Sinnesgötter. Als einer, der an den heiligen Badeorten gebadet und die Weihe zu sämtlichen Opfern empfangen hat, gilt …
YP 1.31
dhyāyedadhvāntagaṃ devaṃ japettadvācakaṃ sadā //
Übersetzung: … wer diese Übung mit innerem Gehalt beständig ausführt; seinen Ahnen wird er zum Boot über das Weltendasein. Er soll über den Gott jenseits des gesamten Weltweges meditieren und stets den Mantra wiederholen, der ihn bezeichnet …
YP 1.32
yasmānnācetanaṃ tattvaṃ siddhamapyupakārakam //
Übersetzung: … oder über die Weltprinzipien von der Erde an, beziehungsweise über sie als von seiner Gestalt durchwaltet. Denn ein unbewusstes Weltprinzip bringt, selbst wenn es gemeistert ist, keinen Nutzen …
YP 1.33
siddhaye dhāraṇādīnāṃ vṛttīnāmanilasya ca //
Übersetzung: … darum soll er über alles, was er anstrebt, als über Śivas Leib meditieren. Um Konzentration und die weiteren Glieder sowie die Wirkungsweisen des Lebenswindes zu vollenden …
YP 1.34
ayamarkaguṇaṃ kālaṃ kṛtacittavyavasthitiḥ //
Übersetzung: … soll der Kundige mit unermüdetem Denken das Atemanhalten mit innerem Gehalt üben. Wird dieses mit festgehaltenem Denken über die zwölffache Zeit ausgeführt …
YP 1.35
sthityartho dhāraṇāśabdaḥ sthānārtho 'pyupacārataḥ //
Übersetzung: … erhält es den Namen Dhāraṇā, weil es die Vollendung der Konzentration verleiht. Das Wort Dhāraṇā bedeutet das Verweilen; in übertragener Rede bezeichnet es auch den Ort des Verweilens.
YP 1.36
tāni hemahimajyotiḥkṛṣṇasvacchāni rūpataḥ //
Übersetzung: Für den Anfänger bilden die genannten Prinzipien von der Erde an den Ort der Konzentration, nichts anderes. Ihrer Farbe nach sind sie golden, schneeweiß, feuerleuchtend, schwarz und durchsichtig …
YP 1.37
sthairyāpyāyanaviploṣapreraṇāśūnyatāptaye //
Übersetzung: … und haben die Gestalt eines viereckigen Altars, eines Halbkreises, eines Dreiecks, eines Kreises und eines Lotus. Sie dienen dem Erlangen von Festigkeit, Stärkung, Verbrennen, Fortbewegung und Leerheit …
YP 1.38
bādhakānyanuvartīni madhyasthānyavagatya ca //
Übersetzung: … und sind mit Vajra, Lotus, Flamme, Punkt und Leere versehen. Hat er erkannt, welche einander hemmen, welche einander unterstützen und welche neutral zueinander sind …
YP 1.39
kva deśe dhāraṇārūpaṃ cintanīyaṃ vipaścitā //
Übersetzung: … soll der Yogin sie einzeln oder gemeinsam in der Konzentration festhalten, um das Gewünschte zu erreichen. An welchem Ort soll der Kundige über diese Konzentrationsgestalt nachdenken …
YP 1.40
hṛdi cetasi vikṣipte dhārayetkṣitimarthavit //
Übersetzung: … und welche Frucht bringen die einzelnen und die gemeinsamen Übungen? Sage es, o Herr der Götter! – Ist das Denken zerstreut, soll der Sachkundige die Erde im Herzen festhalten …
YP 1.41
prāṇādivṛttisiddhyarthaṃ hṛtkaṇṭhādiṣu mārutam //
Übersetzung: … bei Durst das Wasser in der Kehle, bei schwachem Verdauungsfeuer das Feuer im Bauch; um die Wirkungsweisen von Prāṇa und den übrigen Lebenswinden zu meistern, den Wind in Herz, Kehle und den weiteren Stellen …
YP 1.42
khaṃ samasteṣu bhūteṣu vārivāyū śikhikṣitī //
Übersetzung: … bei Überwältigung durch Gift und dergleichen den Raum an der jeweils nützlichen dieser Stellen. Der Raum verhält sich zu sämtlichen Elementen [freundlich]. Wasser und Wind, Feuer und Erde …
YP 1.43
madhyasthārātimitrāṇi catuṣke yugmayugmaśaḥ //
Übersetzung: … Wasser und Feuer, Erde und Wind; Wasser und Erde, Feuer und Wind: Innerhalb dieser Vierergruppen sind die Elemente jeweils paarweise neutral, feindlich oder freundlich zueinander.
YP 1.44
kāni prāṇādivṛttīnāṃ sthānānyasmin śarīrake //
Übersetzung: Nachdem der Verständige dies erkannt hat, soll er sie einsetzen, um das Gewünschte zu erreichen. Welche Stellen haben die Wirkungsweisen von Prāṇa und den übrigen Lebenswinden in diesem Körper …
YP 1.45
tasya hṛnnābhyuraḥkaṇṭhapṛṣṭhadeśeṣu dhāraṇāt //
Übersetzung: … und was geschieht, wenn sie gemeistert sind? Sage es, o Bester der Götter! – Durch Festhalten des Lebenswindes in Herz-, Nabel-, Brust-, Kehl- und Rückengegend …
YP 1.46
jitapraṇayano dhatte svecchayā dehamātmanaḥ //
Übersetzung: … gewinnt der Yogin Herrschaft über das Erhalten des Lebens und die weiteren Wirkungsweisen. Wer die lebenserhaltende Tätigkeit gemeistert hat, erhält seinen eigenen Körper nach seinem Willen.
YP 1.47
vijitonnayano 'bhyeti vāgvaśitvādikān guṇān //
Übersetzung: Wer die abführende Tätigkeit gemeistert hat, isst, ohne Kot und dergleichen auszuscheiden. Wer die aufwärtsführende Tätigkeit bezwungen hat, erlangt Eigenschaften wie die Herrschaft über die Rede.
YP 1.48
vapurvihāravaśitā bhavedvinamane jite //
Übersetzung: Durch Meisterung der ausgleichenden Tätigkeit wird er Herr seiner selbst und ist vom Alter befreit. Ist die durchdringende Bewegung gemeistert, gewinnt er freie Bewegung im Körper …
YP 1.49
dhāraṇā dvādaśa dhyānaṃ divyālokapravṛttidam //
Übersetzung: … bleibt von Schlamm, Wasser und Dornen unberührt und besitzt eine unerschöpfliche, wunderbare Kraft. Zwölf Konzentrationen bilden eine Meditation; sie lässt göttliches Licht hervortreten …
YP 1.50
prāṇāyāmaṃ vināpyevaṃ vaśyātmā cetasi sthitaḥ //
Übersetzung: … zwölf solcher Meditationen bilden die Versenkung, die Ursache der Fähigkeit, winzig klein zu werden, und der übrigen Kräfte. Auch ohne Atemregelung kann derjenige, der sich selbst beherrscht, im festgehaltenen Denken verweilen …
YP 1.51
yadyadvastu yathoddiṣṭakramayogāt prapadyate //
Übersetzung: … und durch fortgesetztes Üben unmittelbar die eben genannten Eigenschaften erlangen. Welchen Gegenstand er auch durch Anwendung der beschriebenen Abfolge erreicht …
YP 1.52
iti bāhye sthite sarvamākalayya svacakṣuṣā //
Übersetzung: … an ihm entfaltet sich sein Bewusstsein in einem Umfang, der diesen Gegenstand durchdringt. Hat er so, während er beim Äußeren verweilt, alles mit seinem eigenen Erkenntnisblick erfasst …
YP 1.53
śivagarbhān samātiṣṭhan prāṇāyāmādikānapi //
Übersetzung: … soll er sämtliche Gegenstände loslassen und sich beständig dem Śiva-Prinzip widmen. Auch wer Atemregelung und die weiteren Glieder ausführt, während Śiva ihr innerer Gehalt ist …
YP 1.54
rūpaṃ paraṃ maheśasya dhyātuṃ śakyaṃ na jātucit //
Übersetzung: … und dabei sein Leben aushaucht, gelangt zum Śiva-Zustand. [Einwand:] Über das höchste Wesen des großen Herrn lässt sich doch niemals meditieren …
YP 1.55
pārthivāpye vicitrāṅke na dhyeye dhāraṇe tadā //
Übersetzung: … und eine vorgestellte Gestalt führt durch ihre Mannigfaltigkeit zur Zerstreuung. Wie könnte das Denken in ihr ruhen? [Antwort:] Dann dürften auch die Konzentrationen auf Erde und Wasser mit ihren vielfältigen Zeichen keine Gegenstände der Meditation sein …
YP 1.56
bhogaviplutacittasya kathaṃ syāccittasaṃsthitiḥ //
Übersetzung: … und dennoch hört man von Yogins, die durch die Übung dieser beiden Vollendung erlangt haben. [Einwand:] Wie kann das Denken eines Menschen, dessen Geist von Genusserfahrungen fortgerissen wird, zur Ruhe kommen?
YP 1.57
śakyate viṣayīkartuṃ jagadapyakhilaṃ śanaiḥ //
Übersetzung: [Antwort:] Hara hat dieses Mittel nicht für Seelen gelehrt, die sich noch nicht von ihrem Begehren gelöst haben. Selbst die gesamte Welt lässt sich allmählich zum Gegenstand der gesammelten Erkenntnis machen …
YP 1.58
keyaṃ vā rūpakeyattā sarvādhiṣṭhānayoginaḥ //
Übersetzung: … wie viel mehr eine mannigfaltige Gestalt, wenn Selbstbeherrschte sich durch Loslösung und Übung auszeichnen! Und welche Begrenzung auf eine bestimmte Gestalt könnte überhaupt für den gelten, der allem gegenwärtig ist …
YP 1.59
sthānarūpapramāṇāni parikalpya svacetasā //
Übersetzung: … der jederzeit allen Wesen in jeder Weise hilfreich ist? Hat man mit dem eigenen Denken Ort, Gestalt und Ausmaß bestimmt …
YP 1.60
tenāsya cetasaḥ sthairyaṃ saviśeṣaguṇaṃ śanaiḥ //
Übersetzung: … soll man immer wieder über das meditieren, worin das Denken zur Ruhe kommt. Dadurch entsteht allmählich eine Beständigkeit seines Denkens, die mit besonderen Fähigkeiten verbunden ist …
YP 1.61
evamātiṣṭhataḥ samyag vinaivākārakalpanām //
Übersetzung: … nachdem die prägenden Kräfte des Yoga sich entfaltet haben und seine Hindernisse beseitigt sind. Bei dem, der so auf rechte Weise verweilt, ganz ohne sich eine Gestalt vorzustellen …
YP 1.62
sarvārthadṛkkriyārūpamānandamayamavyayam //
Übersetzung: … und an nichts mehr denkt, entfaltet sich das eigene Wesen: Erkenntnis und Wirken in Bezug auf alle Gegenstände, voller Glückseligkeit und unvergänglich.
YP 1.63
etatsamastaguhyānāṃ guhyaṃ siddhāmarastutam //
Übersetzung: Hat er dieses erlangt, gerät er nicht wieder in die unheilbringende Verbindung mit Leiden. Dies ist das Geheimnis aller Geheimnisse, gepriesen von Vollendeten und Göttern …
YP 1.64
nālpakāloṣitāyaitad deyaṃ nātipramādine /
nāmedhine nātapase yaśca nābhyarcayecchivam //
Übersetzung: … das unmittelbare Schauen Śambhus, höchst läuternd und unübertrefflich. Man darf es keinem anvertrauen, der erst kurze Zeit beim Lehrer verweilt hat, keinem übermäßig Nachlässigen, keinem ohne Einsicht, keinem ohne asketische Disziplin und keinem, der Śiva nicht verehrt.
YP 1.65
iṣṭān lokān rorucāno vihṛtya /
kāle hitvāpāsravaṃ dehamāste
svātmanyevāścaryacaryādhivāsaḥ //
Übersetzung: Durch diese Übung erstrahlt er in den Strahlennetzen göttlicher Kräfte und durchwandert die Welten, die er wünscht. Zur rechten Zeit verlässt er den Körper, dessen nach außen gerichtetes Strömen zur Ruhe gekommen ist, und ruht allein im eigenen Selbst, als Wohnstatt wunderbaren Wirkens.
Caryāpāda – Lebensführung
Heutiges Yoga-Vidya-Video: Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev. Ergänzung zur eigenen Betrachtung; keine Auslegung einer bestimmten Mṛgendra-Stelle.

Kapitel 1
CP 1.1
paraścāvasaraprāptaḥ samāsenopadiśyate //
Übersetzung: Nun wird anschließend in Kürze eine Zusammenfassung der gemeinsamen Lebensregeln für den Lehrer und die übrigen gegeben, ebenso der besonderen Regeln, deren Darstellung jetzt an der Reihe ist.
CP 1.2
catvāra ete śaivāḥ syur vratino 'vratino 'pi vā //
Übersetzung: Der Lehrer, der von der Mantrapraxis Lebende, der Putraka und der Samayin: Diese vier sind Śaivas, Anhänger Śivas. Sie können Gelübdehalter sein oder ohne besonderes Gelübde leben.
CP 1.3
tilakaiḥ puṇḍrakaiḥ paṭṭair bhūṣitā bhūmipādayaḥ //
Übersetzung: Die Gelübdehalter tragen verfilzte Haarsträhnen oder sind kahl geschoren. Die unter ihnen als vorzüglich Geltenden sind weiß von Asche; Könige und die übrigen schmücken sich mit Tilakas, Puṇḍras oder Streifen.
CP 1.4
na yoṣicca vayo'ntastho na rogī vikalo'pi vā //
Übersetzung: Verfilzte Haarsträhnen soll weder ein Śūdra tragen noch ein Unwissender oder Nachlässiger, weder eine Frau noch ein Mensch am Ende seines Lebensalters, weder ein Kranker noch jemand mit einer körperlichen Beeinträchtigung.
CP 1.5
vibhajya keśānsampātya pratyaṃśaṃ saṃhitāṇubhiḥ //
Übersetzung: Man soll die Haare entsprechend der Zahl der Kalās, der Weltprinzipien, der läuternden Mantras, der Śaktis oder der Mantraherren aufteilen und jede Abteilung mit den Saṃhitā-Mantras durch Übertragung der Opferkraft weihen …
CP 1.6
mantriṇaḥ sādhyamantreṇa hṛdā putrakayogyayoḥ //
Übersetzung: … und sie vor dem Herrn des Gelübdes mit Śivas Glanz zusammenbinden. Für den Mantrapraktizierenden geschieht dies mit dem zu verwirklichenden Mantra, für Putraka und Samayin mit dem Herzmantra.
CP 1.7
sāyacūrṇena vā puṣṭiṃ nayettā bhautikavratī //
Übersetzung: Der Gelübdehalter auf Zeit soll diese Haarsträhnen kräftigen: mit Asche, die mit wurm- und ungezieferwidrigen Stoffen vermischt ist, mit Asche aus den drei Früchten oder mit Sāya-Pulver [Bezeichnung unsicher].
CP 1.8
dehapātāntakaṃ yeṣāṃ te niṣṭhāvratinaḥ smṛtāḥ //
Übersetzung: Bhautika-Gelübdehalter sind diejenigen, deren Gelübde eine zeitliche Grenze hat. Diejenigen, deren Gelübde erst mit dem Tod des Körpers endet, gelten als lebenslange Gelübdehalter.
CP 1.9
pūrṇavratāvadhiḥ samyag vrateśāyārpitavrataḥ //
Übersetzung: Zu diesen gehören Lehrer und Putrakas, nicht aber die von Anfang an als Sādhakas Eingesetzten. Wer die Frist seines Gelübdes vollständig erfüllt und es ordnungsgemäß dem Herrn des Gelübdes dargebracht hat …
CP 1.10
bhautikaḥ kāmya ityuktaḥ satsāntānika eva vā //
Übersetzung: … die Gelübdezeichen abgelegt hat und mit der guten Fügung einer Ehe mit einer geeigneten Frau ausgestattet ist, heißt als Bhautika ‚Kāmya‘, auf erwünschte Lebensziele gerichtet, oder auch ‚guter Sāntānika‘.
CP 1.11
samayī prāggṛhasthaśca śaivāḥ syurvratavarjitāḥ //
Übersetzung: Der Sādhaka auf dem Weg weltlicher Pflichterfüllung, der Putraka, der nach dem abschließenden Bad als Haushälter lebt, der Samayin und der von Anfang an als Haushälter Lebende: Diese Śaivas leben ohne besonderes Gelübde.
CP 1.12
snānādīni tadaṅgāni parvasu dviguṇakriyā //
Übersetzung: Allen gemeinsam sind die Verehrung an den Tagesübergängen, der Gottesdienst und dessen vorbereitende Handlungen wie das Bad. An Fest- und Übergangstagen werden die Übungen verdoppelt.
CP 1.13
kāṃsye vābhojanaṃ bhaikṣaṃ cāturvarṇyamakutsitam //
Übersetzung: Sie sollen nicht von Blättern des Nyagrodha, Aśvattha, Vātaghna oder Akṣa und nicht aus einem Bronzegefäß essen. Almosenspeise aus allen vier sozialen Ständen ist zulässig, sofern sie nicht zu beanstanden ist.
CP 1.14
sīmantonnayanādyeṣu saṃskāreṣvannavarjanam //
Übersetzung: Bei Einsetzungen sämtlicher Gottheiten, bei der Gründung von Brücken und ähnlichen Anlagen sowie bei Lebensriten wie dem Scheiteln des Haares der Schwangeren ist die dort gereichte Speise zu meiden.
CP 1.15
caturdaśyāmathāṣṭamyāṃ pañcadaśyāṃ ca vartanam //
Übersetzung: Am vierzehnten, achten und fünfzehnten Mondtag soll man sich von Opferbrei, Früchten und Wurzeln oder anderer als Opfergabe geeigneter Nahrung erhalten.
CP 1.16
viśeṣasaṃyamaḥ kāryaḥ śaivānāṃ ca pratarpaṇam //
Übersetzung: Bei Vyatīpāta, dem Ausfall eines Tages, der Einschaltung eines Monats, den Sonnenwenden und ähnlichen Zeiten soll man sich besonders zügeln und die Anhänger Śivas reichlich versorgen.
CP 1.17
sarvātmanā samuddhāraḥ kartavyaḥ śivayoginaḥ //
Übersetzung: Ist ein Śiva-Yogin auf dem Weg erschöpft, in die Gewalt eines Feindes geraten, von Krankheit gequält oder von Hunger bedrängt, so soll man ihn mit allen Kräften aus seiner Not retten.
CP 1.18
mātrārakṣaṇamekasya kamaṇḍalusahāyatā //
Übersetzung: Der Gelübdehalter soll auf Fleisch, Geschlechtsverkehr und Madhu [Honig oder berauschenden Trank] verzichten, auf dem Boden schlafen, seine wenigen Geräte sorgfältig hüten und allein leben, mit dem Wasserkrug als einzigem Gefährten.
CP 1.19
striyā raho 'vyavasthānaṃ sragabhyaṅgādivarjanam //
Übersetzung: Er soll Gesang, Tanz, Gespräche und reizende Gebärden von Frauen unbeachtet lassen, sich nicht mit einer Frau an einem abgeschiedenen Ort aufhalten und auf Blumenschmuck, Salbungen und dergleichen verzichten.
CP 1.20
śrāddhaṃ parvasu sarveṣu viṣuve cāṣṭakādiṣu //
Übersetzung: Am vierzehnten und achten Tag der dunklen Monatshälfte, bei der Begegnung mit einem Vollendeten, an sämtlichen Festtagen, zur Tagundnachtgleiche und an den Aṣṭakā-Tagen und dergleichen soll das Ahnenopfer vollzogen werden.
CP 1.21
pūjanaṃ madhuparkādyaiḥ svakāle strīniṣevaṇam //
Übersetzung: Den Lehrer, ihm gleichgestellte Verwandte und auch ältere Brüder soll man mit Madhuparka und ähnlichen Ehrengaben verehren. Zur dafür geeigneten Zeit ist ehelicher Verkehr erlaubt …
CP 1.22
pṛthakpṛthaktathaiteṣām ācāro 'pi vidhīyate //
Übersetzung: … ebenso die Teilnahme an glückverheißenden Bräuchen und das Tragen von Duftstoffen, Girlanden und dergleichen. Für jeden dieser Einweihungsstände werden nun auch die besonderen Lebensregeln gelehrt.
CP 1.23
parīkṣābhiḥ parijñāya vṛddhoktābhiḥ prayatnavān //
Übersetzung: Der Lehrer soll denjenigen die Gnade der Einweihung erweisen, die von der Kraft des großen Herrn bewegt sind. Sorgfältig soll er sie durch die von den erfahrenen Lehrern beschriebenen Prüfungen erkennen.
CP 1.24
prāyaścittī bhavedyasmāt kuryādyatnamataḥ param //
Übersetzung: Denn wenn er Śiva-Hingegebene nicht einweiht oder wenn er Unbeständige einweiht, muss er Sühne leisten. Deshalb soll er sich mit größter Sorgfalt darum bemühen.
CP 1.25
sṛṣṭitaḥ saṃhitāhomād adhaḥ pūrṇāsamanvitam //
Übersetzung: Ist ein Unbeständiger eingeweiht worden, soll er den Ritus der ‚Wiederbelebung‘ vollziehen: durch Feueropfer mit den Saṃhitā-Mantras in der Schöpfungsfolge, verbunden mit einer nach unten gerichteten Vollopfergabe.
CP 1.26
khedanāpāyaśamanaṃ prāyaścittaṃ hi tadguroḥ //
Übersetzung: Verbranntes Karma kann nicht wiederbelebt werden. Vielmehr ist dies die Sühne des Lehrers, welche die schädlichen Folgen davon besänftigt, dass er das bewusste Selbst vergeblich gequält hat.
CP 1.27
vidhāyaivaṃ svajātyantaṃ dīkṣāṃ kuryādvilomataḥ //
Übersetzung: Bei denen, die aus den Ordnungen anderer Lehrsysteme ausgeschieden sind und nun diesem Weg folgen, soll er auf diese Weise bis zur eigenen Geburtsart vorgehen und danach die Einweihung in umgekehrter Folge vollziehen.
CP 1.28
mantrasādhanasaṃsiddheḥ kuryāttānītarāṇyataḥ //
Übersetzung: Als erneut Aufgenommene gelten sie nicht als berechtigte Anwender der Mantras oder der durch Mantrapraxis erlangten Vollendung. Deshalb soll er jene Mantrapraktiken von ihnen getrennt halten.
CP 1.29
nyāyato nyāyavartibhyaḥ pālayan gurusantatim //
Übersetzung: Den Śiva-Hingegebenen, die dem rechten Weg folgen, soll er ohne Neid den Sinn des Tantra auf angemessene Weise auslegen und dabei die Überlieferung der Lehrer bewahren.
CP 1.30
na chardyāṃ nātisāre vā nāsnātaḥ kṛtamaithunaḥ //
Übersetzung: Er soll nicht lehren bei unverdauter Nahrung und saurem Aufstoßen, bei bedrängendem Stuhl- oder Harndrang, bei Erbrechen oder Durchfall, auch nicht nach Geschlechtsverkehr, solange er noch nicht gebadet hat.
CP 1.31
paridhyantaḥsthitaṃ ceṣṭvā śivaṃ praṇavavigraham //
Übersetzung: Er nimmt auf gereinigtem Boden Platz, außerhalb der Hörweite Uneingeweihter, und verehrt Śiva, der innerhalb der Umgrenzung gegenwärtig ist und den Praṇava als Gestalt hat …
CP 1.32
pustakaṃ guptasatsūtraṃ vidhāyopari kasyacit //
Übersetzung: … ebenso den Herrn der Scharen, den Lehrer und die für die Handlung benötigten Geräte. Er legt das Buch mit seiner sorgfältig verwahrten Bindeschnur auf eine geeignete Unterlage …
CP 1.33
prārabheta gururvyākhyāṃ sambandhārthoktipūrvikām //
Übersetzung: … und sagt dem vorbereiteten Schüler: „Mein Lieber, lies!“ Nach Osten oder Norden gewandt soll der Lehrer die Auslegung beginnen und zuerst den Überlieferungszusammenhang, den Gegenstand und den Zweck darlegen.
CP 1.34
pravṛttaye guruṃ svaṃ ca steyī syāttadakīrtanāt //
Übersetzung: Er soll den Überlieferungsstrom, seine Nebenströme, Unterteilungen und deren Zahl nennen, ebenso seinen eigenen Lehrer, um Vertrauen in die Lehre zu begründen. Unterlässt er dessen Nennung, gilt er als Dieb.
CP 1.35
sammohādyuttaraṃ prācyaṃ trotalādi suvistaram //
Übersetzung: Die Überlieferungsströme sind: der obere mit dem Kāmika und den weiteren Schriften, der südliche mit dem Asitāṅga und den weiteren, der nördliche mit dem Saṃmoha und den weiteren und der weit ausgedehnte östliche mit dem Trotala und den weiteren …
CP 1.36
śaivaṃ māntreśvaraṃ gāṇaṃ divyamārṣaṃ ca gauhyakam //
Übersetzung: … und der westliche mit dem Caṇḍāsidhāra und den weiteren Schriften, den der Herr Caṇḍa übernommen hat. Der śivaische, der den Mantraherren zugehörige, der den Scharen zugehörige, der göttliche, der den Sehern zugehörige und der Gauhyaka-Strom …
CP 1.37
pratisroto'nuyāyīni tāni brūyādvibhāgaśaḥ //
Übersetzung: … sowie der Yoginī-Kaula- und der Siddha-Kaula-Strom: Diese acht Ströme kennen die Weisen. Sie durchziehen jeden Hauptstrom; der Lehrer soll sie nach ihren Unterteilungen darstellen.
CP 1.38
tadīśānairgaṇairdevair munibhiśca tadicchayā //
Übersetzung: Der śivaische Strom ist die ursprüngliche Gestaltung der Tantras, allein durch den göttlichen Befehl zustande gekommen und frei von Zweifel. Die Mantraherren, die Scharen, die Götter und die Seher haben dieses Wissen nach seinem Willen …
CP 1.39
guhyakā bhujagā yakṣā dānavāśca śiveritāḥ //
Übersetzung: … erkannt und in ihren eigenen Worten zusammengetragen; dadurch erhielt es die jeweilige Bezeichnung. Guhyakas, Schlangenwesen, Yakṣas und Dānavas wurden von Śiva dazu bewegt …
CP 1.40
yoginyo lebhire jñānaṃ sadyo yogāvabhāsakam //
Übersetzung: … und was sie zusammenfassend lehrten, wird Gauhyaka-Strom genannt. Die Yoginīs empfingen ein Wissen, das augenblicklich Yoga aufleuchten lässt …
CP 1.41
tathānyadapi saṃhāro yo miśro miśra eva saḥ //
Übersetzung: … weshalb es Yoginī-Kaula heißt; es ist aus ihrer eigenen Überlieferung nicht hinausgelangt. Dasselbe gilt für den anderen, den Siddha-Kaula-Strom. Eine Zusammenfassung aus gemischten Überlieferungen bleibt eben eine gemischte.
CP 1.42
śaivā raudrā mahābhedā daśāṣṭādaśa cordhvake //
Übersetzung: Da sie sich entsprechend den verschiedenen Lehrenden weiter aufteilen, lässt sich ihre Zahl nicht bestimmen. Im oberen Strom gibt es zehn große śivaische und achtzehn große raudrische Unterteilungen.
CP 1.43
śaivānāṃ kāmikaṃ pūrvaṃ yogodbhavamacintyakam //
Übersetzung: Die raudrischen Schriften wurden von Rudras ausgesprochen, die von Śiva durchdrungen waren, nicht aus ihrem eigenen Denken heraus. Unter den śivaischen ist das Kāmika das erste; dann folgen Yogodbhava und Acintyaka …
CP 1.44
sāhasramaṃśumatsaṃjñaṃ suprabhiddaśamaṃ viduḥ //
Übersetzung: … die Lehre Kāraṇa, Ajita, das Dīpta genannte, das vorzügliche Sūkṣmaka, Sāhasra und das Aṃśumat genannte; als zehntes kennt man Suprabhid.
CP 1.45
svāyambhuvaṃ tathāgneyaṃ vīrabhadraṃ ca rauravam //
Übersetzung: Unter den raudrischen ist Vijaya das erste, dann folgen Niḥśvāsa, Pārameśvara, Svāyambhuva, Āgneya, Vīrabhadra und Raurava …
CP 1.46
mukhabimbakamudgītaṃ lalitaṃ siddhasaṃjñakam //
Übersetzung: … Makuṭa, das Vimala genannte, das Candrajñāna genannte, Mukhabimbaka, Udgīta, Lalita und das Siddha genannte …
CP 1.47
tadārabhya ciraṃ nāti vyākuryātprathame 'hani //
Übersetzung: … ferner Santāna, Śarvokta, Kiraṇa und als letztes Vātula. Hat der Lehrer mit der Auslegung begonnen, soll er am ersten Tag nicht zu lange fortfahren.
CP 1.48
trīṇi mūlāni sūtrāṇi dve tathaikamathāpi vā //
Übersetzung: Auch soll es gleich zu Beginn kein Übermaß an Fragen und Gegenfragen geben. Drei grundlegende Lehrsätze, zwei oder auch nur einen …
CP 1.49
yatra bīja ivārūḍho mahātantrārthapādapaḥ //
Übersetzung: … soll er behandeln und dann aufhören; wer darüber hinaus spricht, trifft auf Hindernisse. Der Lehrsatz, in dem der große Baum des Tantra-Sinnes wie in einem Samen angelegt ist und hervorleuchtet …
CP 1.50
tasyoddeśakamanyatsyāt saṃkhyāsaṃjñādivācakam //
Übersetzung: … ist der Wurzellehrsatz, geschmückt mit dem Anfangswort ‚atha‘ und dergleichen. Ein weiterer ist dessen zusammenfassende Ankündigung, welche Zahlen, Bezeichnungen und ähnliches nennt …
CP 1.51
brūte ya evaṃ yo 'dhīte tāvubhau hatakalmaṣau //
Übersetzung: … die Darlegung seines eigenen Wesens ist die bestimmende Definition. Was darüber hinausgeht, bildet die erläuternde Ausführung. Wer auf diese Weise lehrt und wer auf diese Weise lernt, beide werden von Verfehlung frei …
CP 1.52
anadhyāye svatantroktavidhinā śṛṇvate mṛṣā //
Übersetzung: … erlangen leuchtenden Ruhm in der Welt und gehen in Śivas Wohnstatt ein. Wer hingegen während einer nach den Regeln seines eigenen Tantra unterrichtsfreien Zeit einem vergeblich Hörenden …
CP 1.53
nādhyāpayeccaturdaśyām aṣṭamyāṃ pakṣayordvayoḥ //
Übersetzung: … die śivaische Lehre vorträgt, lebt hier nur kurz und gelangt nach seinem Tod in den Zustand eines Totengeistes. Am vierzehnten und achten Tag beider Monatshälften soll er keinen Unterricht geben …
CP 1.54
nirghātolkāmahīkampapaścāccāpeṣu vāsaraḥ //
Übersetzung: … ebenso nicht am ersten und fünfzehnten, am vierten Mondtag oder beim Eintritt der Sonne in ein neues Tierkreiszeichen. Bei einem Donnerschlag, einem Meteor, einem Erdbeben oder einem Regenbogen im Westen ist ein Tag unterrichtsfrei …
CP 1.55
nīhāraprāgdhanurvyomapureṣveteṣu darśanāt //
Übersetzung: … ebenso bei Donner in der Dämmerung, glühenden Himmelsrichtungen, einem Hof um die Sonne oder Hagel. Bei Nebel, einem Regenbogen im Osten oder einer ‚Stadt am Himmel‘ dauert die Unterbrechung so lange, wie die Erscheinung zu sehen ist …
CP 1.56
pañcarātraṃ harimakhe pavitre ca makhadviṣaḥ //
Übersetzung: … bei einem keilförmigen Zeichen an Sonne oder Mond sowie beim Erscheinen des Svarbhānu drei Tage; beim Fest Haris und beim Pavitra-Fest des Opferzerstörers fünf Nächte.
CP 1.57
tryahaṃ triphaṇini vyāle dṛṣṭe dviphaṇini dvyaham //
Übersetzung: Gehen eine Katze, eine Schlange oder ein Frosch zwischen Lehrer und Zuhörer hindurch, ist ein Tag unterrichtsfrei. Beim Anblick einer Schlange mit drei Hauben sind es drei Tage, bei einer mit zwei Hauben zwei Tage.
CP 1.58
tadvirāmaṃ vinā khyātajantumṛtyau ca vāsaram //
Übersetzung: Hört man während des Unterrichts Totenklage, brennt es, ist Leichengeruch wahrnehmbar oder weht ein heftiger Wind, so bleibt der Unterricht ausgesetzt, bis dies aufhört. Beim Tod eines bekannten Menschen ist ein Tag unterrichtsfrei.
CP 1.59
śaive rājani saptāhaṃ trirātraṃ paśudharmiṇi //
Übersetzung: Ist der Lehrer zu Śiva eingegangen, gilt eine Pause von einem Monat; beim Tod eines Bruders, Schülers und dergleichen drei Tage. Bei einem śivaischen König sind es sieben Tage, bei einem König, der der Ordnung der Uneingeweihten folgt, drei Nächte …
CP 1.60
prāgvyākhyānaparāmarśasamādhāneṣṭikṛdbhavet //
Übersetzung: … ebenso soll der Lehrer bei anderen Verstorbenen verfahren, deren Verbindung mit seiner eigenen Überlieferung feststeht. Bei der Auslegung soll er die frühere Erklärung erneut bedenken, Widersprüche auflösen und den beabsichtigten Geltungsbereich darlegen.
CP 1.61
nivedayedanujñāto gurave pīṭhavartine //
Übersetzung: Erkennt ein Samayin oder Putraka etwas Neues, so soll er es nach erteilter Erlaubnis dem auf dem Lehrsitz befindlichen Guru vortragen.
CP 1.62
bahiḥ sthito bahiḥsaṃsthāt parasiktādapīṭhagāt //
Übersetzung: Der Guru kann auch von einem durch ihn selbst geweihten Lehrer hören, nachdem er Śaṅkara auf dem Yogapīṭha verehrt hat. Befindet er sich außerhalb, so hört er dort von einem durch einen anderen Geweihten, der ebenfalls außerhalb und nicht auf dem Lehrsitz sitzt.
CP 1.63
nātiprāṅnātivelāyāṃ na rātrau na kharātape //
Übersetzung: Der Lehrer soll nirgendwo ohne Schuhe hingehen und auch nicht ohne Begleiter, weder allzu früh noch zu spät, weder nachts noch bei heftiger Sonnenhitze.
CP 1.64
tathā nopahasetkaṃcinnānukuryānna pīḍayet //
Übersetzung: Er soll nicht mit als niedrig geltenden Menschen zusammenleben und nicht zwecklos von Haus zu Haus gehen. Er soll niemanden auslachen, niemanden spöttisch nachahmen und niemanden bedrängen.
CP 1.65
tadāpannamamānyatvaṃ mantryādiṣu na vāryate //
Übersetzung: Er soll keinerlei schlechtes Verhalten annehmen, denn er ist der Lehrer. Die Missachtung, die ihn dadurch trifft, lässt sich auch von den Mantrapraktizierenden und den übrigen Schülern nicht fernhalten.
CP 1.66
kṛtapraṇāmo 'nujñāto guruṇā kṛtyamācaret //
Übersetzung: Putraka und Samayin sollen morgens aufstehen, ihre täglichen Pflichten erfüllen, sich vor dem Lehrer verneigen und nach seiner Erlaubnis die anstehenden Aufgaben ausführen.
CP 1.67
tyaktvābhimānamātsaryaḍambhavyasanasantatim //
Übersetzung: Nach dem eigenen Studium sollen sie die Erklärung der Schrift hören, beim Lehrer wohnen und sich seiner Leitung anvertrauen, nachdem sie Selbstüberhebung, Neid, Heuchelei und die Kette leidvoller Verstrickungen aufgegeben haben.
CP 1.68
gurorna kuryānno vādaṃ kaiścinnotkṛṣṭaveṣavān //
Übersetzung: In Gegenwart des Lehrers soll der Schüler nicht den Hals mit einem Tuch umwickeln, ausspucken, husten, lachen und dergleichen tun, mit niemandem streiten und nicht besonders prunkvoll gekleidet sein …
CP 1.69
samānālāpaparyaṅkabandhadhyānārcanādikam //
Übersetzung: … auch nicht den Körper abreiben oder pflegen, gähnen, einen Sitz einnehmen, mit dem Lehrer wie mit einem Gleichrangigen sprechen, sich in der verschränkten Sitzhaltung niederlassen, meditieren, Gottesverehrung vollziehen und ähnliches.
CP 1.70
sthitaṃ gurusamīpe vā matimānnābhivādayet //
Übersetzung: Der Verständige soll den Lehrer nicht förmlich grüßen, während dieser isst, in Versenkung weilt, umhergeht, eine Handlung ausführt oder in der Nähe seines eigenen Lehrers steht.
CP 1.71
tadvaco nānuyuñjīta śayānaṃ na prabodhayet //
Übersetzung: Geht der Lehrer, soll der Schüler hinter ihm gehen; nimmt er Platz, soll der Schüler sich nach ihm setzen. Er soll die Worte des Lehrers nicht mit Gegenforderungen bedrängen und ihn nicht wecken, wenn er schläft.
CP 1.72
śayīta supta ityādi kuryādvidhyuditaṃ ca yat //
Übersetzung: Mit Erlaubnis soll er Almosen sammeln und das Erlangte erst essen, nachdem er es dem Lehrer vorgelegt hat. Er soll sich schlafen legen, wenn der Lehrer eingeschlafen ist, und ebenso alles Weitere tun, was die Vorschrift anordnet.
CP 1.73
samayī prāggṛhasthaśca yatnenopacaredgurum //
Übersetzung: Ein Putraka darf mit Erlaubnis nach Belieben wandern oder in der Wohnstätte bleiben. Der Samayin und der von Anfang an als Haushälter Lebende sollen dem Lehrer sorgfältig dienen …
CP 1.74
na cānyavṛttiniṣṭhasya tasmāttatsādhako bhavet //
Übersetzung: … weil sie den Gipfel des zu Erreichenden noch nicht erlangt haben und auch dessen Erlangung vom Lehrer abhängt. Sie kommt nicht dem zu, der sich anderen Tätigkeiten verschreibt; darum sollen sie sich um diesen Dienst bemühen.
CP 1.75
sādhyaveṣadharo maunī haviṣyacaruśākabhuk //
Übersetzung: Der Sādhaka soll mit Erlaubnis des Lehrers einen heiligen Ort aufsuchen, die Erscheinungsform der zu verwirklichenden Gottheit annehmen, schweigen und von opfergeeigneter Nahrung, Opferbrei oder Gemüse leben …
CP 1.76
iṣṭvā śivaṃ yajetsādhyaṃ japaṃ kuryāttridhoditam //
Übersetzung: … einen Helfer bei sich haben und achtsam bleiben; er kann sich auch von Früchten und Wurzeln ernähren. Nach der Verehrung Śivas soll er die zu verwirklichende Gottheit verehren und Japa in der beschriebenen dreifachen Weise üben.
CP 1.77
kṣetrasthaḥ prārabhetkarma caranvā siddhisaṃśrayam //
Übersetzung: Nachdem er ein Zehntel der Wiederholungszahl als Feueropfer vollzogen und mit Wasser aus dem Krug jener Verehrung gebadet hat, soll er an einem günstigen Tag die auf Vollendung gerichtete Praxis beginnen, sei es an einem festen heiligen Ort oder wandernd.
CP 1.78
nāsīta ciramanyatra vinā kṣetraparigrahāt //
Übersetzung: Er soll niemandem eine Begünstigung erweisen, niemandem schmeicheln oder dienen und niemanden schelten. An einem anderen Ort soll er nicht lange bleiben, außer wenn er ihn als Übungsort übernommen hat.
CP 1.79
sarvamantramukhe puṇye parameśādhidaivate //
Übersetzung: Wie eine Biene soll er Almosen sammeln, nachdem zur Tagesmitte der heilige Gottesdienst vollzogen ist, dessen Gottheit der höchste Herr ist und in dem sämtliche Mantras gegenwärtig werden.
CP 1.80
mantrāstaṃ nādhitiṣṭhanti yogapīṭhavyavasthitāḥ //
Übersetzung: Wer isst, ohne diesen von den Göttern verehrten Gottesdienst vollzogen zu haben, in dem nehmen die auf dem Yogapīṭha gegenwärtigen Mantras keinen Aufenthalt.
CP 1.81
śaivātsvāyambhuvādeśca kutaścilliṅgino'pi vā //
Übersetzung: Von jemandem, der selbst Almosen sammelt, soll er keine Almosen annehmen; auch nicht von einem getadelten Śaiva, einem Anhänger des Svāyambhuva und dergleichen oder irgendeinem anderen Träger religiöser Abzeichen.
CP 1.82
parihāsādicaturā yatra nāryastato'pi vā //
Übersetzung: Er soll keine Almosen annehmen, die reich an köstlichen Speisen oder übermäßig aufwendig zubereitet sind, auch nicht aus einem Haus, in dem Frauen besonders gewandt in Scherzen, Neckereien und dergleichen sind.
CP 1.83
bhikṣāmalabdhvā no kopaṃ kuryānno vidhṛtaściram //
Übersetzung: Rituell geschützt und des Astra-Mantras eingedenk soll er schweigend umhergehen. Er soll nicht zornig werden, wenn er keine Almosen erhält oder lange hingehalten wird …
CP 1.84
gurvagniśivavidyābhyaḥ kṣetrapālāya cāṃśakam //
Übersetzung: … auch nicht über Menschen, die auf den Wegen vorbeieilen, oder wenn jemand etwas Unfreundliches zu ihm sagt. Für Lehrer, Feuer, Śiva, die heilige Lehre und den Hüter des Ortes soll er einen Anteil …
CP 1.85
samācānto japenmantraṃ vaiṣṇave samaye tataḥ //
Übersetzung: … zurücklegen, das Übrige mit seinem Helfer teilen und rein auf dem Boden sitzend essen. Nach der Mundspülung soll er zur Viṣṇu-Zeit den Mantra wiederholen; ist diese Zeit dann …
CP 1.86
baliṃ ca nairṛte dadyād gandhadhūpapuraḥsaram //
Übersetzung: … vorüber, soll er im Südwesten ein Bali darbringen, nachdem er Duftstoff und Räucherwerk dargeboten hat, mit den Worten ‚Dem Hüter des Ortes: svāhā‘, denen Oṃ vorangestellt ist.
CP 1.87
dhyāyanmantraṃ japedvidvān khinnastasmiṃllaghu svapet //
Übersetzung: Dann soll der Kundige ein geeignetes Fell ausbreiten, seine Sitzhaltung einnehmen und unermüdlich den Mantra wiederholen, während er über ihn meditiert. Wird er müde, soll er darauf kurz schlafen.
CP 1.88
tataśca savane brāhme samidādyāharettataḥ //
Übersetzung: Zur Mitternacht soll er aufstehen und Verehrung, Mantrawiederholung und dergleichen ausführen. Danach, zur morgendlichen Brahmā-Zeit, soll er Brennholz und weitere notwendige Dinge beschaffen.
CP 1.89
sampannaiḥ kārakaistāṃśca jñātvā liṅgairyathārhitaḥ //
Übersetzung: Śaivas, die in seiner Unterkunft eintreffen, soll er mit höchster Hingabe ehren. Nachdem er sie an ihren Kennzeichen erkannt hat, soll er ihnen mit den verfügbaren Mitteln ihrem Rang entsprechend dienen [Textform unsicher].
CP 1.90
nākṣipedoṣadhīrmantragobrāhmaṇatapasvinaḥ //
Übersetzung: Er soll sich vor niemandem verneigen und keinem seinen zu verwirklichenden Mantra mitteilen. Er soll weder Heilpflanzen noch Mantras, Kühe, Brahmanen oder Asketen verächtlich machen …
CP 1.91
viśiṣṭenopahāreṇa yajetparvasu śaṃkaram //
Übersetzung: … denn sie sind Orte, an denen Śiva offenbar wird; ihre Verunglimpfung ist daher eine Verunglimpfung Śivas selbst. An Festtagen soll er Śaṅkara mit einer besonderen Gabe verehren …
CP 1.92
labdhānujño mṛṣā jātu tiṣṭhennaikamapi kṣaṇam //
Übersetzung: … ebenso den Hüter des Ortes und den zu verwirklichenden Mantra. Den Opferbrei soll er niemandem geben. Hat er die erbetene Erlaubnis erhalten, soll er auch nicht einen einzigen Augenblick untätig verstreichen lassen.
CP 1.93
kramaśaḥ siddhimāpnoti siddhikṣetrāṇi saṃcaran //
Übersetzung: Er hält seine Gebetsschnur und die Geräte der Verehrung verborgen und kennt die Einteilung der Handlungen und ihrer Zeiten. So gelangt er allmählich zur Vollendung, während er die Orte der Verwirklichung durchwandert.
CP 1.94
gaṇeśavṛṣabhaskandamātṛlokeśakīlitam //
Übersetzung: Oder er soll einen Ort mit einem geeigneten Liṅga übernehmen und dort wohnen. Ein Heiligtum, das durch Gaṇeśa, den Stier, Skanda, die Mütter oder die Weltenhüter rituell verriegelt ist …
CP 1.95
mahājanākulaṃ dūrasamitpuṣpakuśodakam //
Übersetzung: … dessen Eingang im Süden oder Norden liegt, das von einem anderen Sādhaka beansprucht wird, von vielen Menschen bevölkert ist oder weit entfernt von Brennholz, Blumen, Kuśa-Gras und Wasser liegt …
CP 1.96
bāṇe liṅge svayaṃvyakte munisiddhaniṣevite //
Übersetzung: … und von Störungen bedroht ist, soll er meiden und einen geeigneten Ort übernehmen. Dies kann bei einem Bāṇa-Liṅga, einem von selbst erschienenen Liṅga oder einem von Sehern und Vollendeten verehrten Liṅga geschehen …
CP 1.97
śuklapakṣe caturdaśyāṃ viśeṣeṇottarāyaṇe //
Übersetzung: … oder bei einem, das er selbst nach der in seiner eigenen Überlieferung gelehrten Vorschrift errichtet hat. Am vierzehnten Tag der hellen Monatshälfte, besonders während des nördlichen Sonnenlaufes …
CP 1.98
yāgadhāma vidhāyādāvastraṃ māheśvaraṃ yajet //
Übersetzung: … oder am achten Tag soll der Kundige gesammelt die Übernahme des Ortes vollziehen. Zuerst richtet er einen Opferplatz her und verehrt das Astra des großen Herrn …
CP 1.99
bhūrisragbalidhūpādyair iṣṭaliṅgasthaśaṃkaraḥ //
Übersetzung: … wiederholt es zehntausendmal und lässt ein Feueropfer mit einem Zehntel dieser Zahl folgen. Nachdem er Śaṅkara im Liṅga mit vielen Girlanden, Bali-Gaben, Räucherwerk und anderem verehrt hat …
CP 1.100
nāḍībhūtena sūtreṇa sandhāya bahirālikhet //
Übersetzung: … soll er die Herren der Himmelsrichtungen von Śakra an in ihren jeweiligen Richtungen als Pflöcke einsetzen. Er verbindet sie mit einer Schnur, die als verbindender Kanal dient, und zieht außerhalb …
CP 1.101
tadantarakhilairbījair varmālabdhaistaduccaran //
Übersetzung: … einen Wall aus Asche, während er das strahlende Astra des großen Herrn wiederholt. Innerhalb davon soll er mit verschiedensten Samen, die durch den Panzer-Mantra geweiht sind, unter Wiederholung dieses Mantras …
CP 1.102
grāmaśaṅkuṣu lokeśānpradoṣe prativāsaram //
Übersetzung: … einen Panzerwall bilden; ebenso soll er es für seine eigene Wohnstätte tun. Jeden Abend soll er an den Begrenzungspflöcken des Wohnbereichs die Weltenhüter verehren …
CP 1.103
kṣetrapālaṃ svadigbhāge parvasu kṣetranemigān //
Übersetzung: … im äußeren Umkreis deren Waffen, im Inneren den dicht umhüllenden Panzer und in dessen eigener Himmelsrichtung den Hüter des Ortes; an Festtagen auch die Gottheiten am Rand des gesamten Übungsortes.
CP 1.104
na siddhikṣetramutsṛjya padamapyanyato vrajet //
Übersetzung: Was an diesem Ort fehlt, soll er durch seinen Helfer aus der Ferne herbeischaffen lassen und verwenden. Er soll den Ort der Verwirklichung nicht verlassen und auch keinen Schritt anderswohin gehen.
CP 1.105
svaśāstravihitāṃ vṛttimāsthitasya prasiddhyati //
Übersetzung: Durch hunderttausend Wiederholungen für jede Silbe des Mantras und ein Feueropfer im Umfang eines Zehntels davon wird der Mantra für denjenigen wirksam, der sich an die in seiner eigenen Schrift vorgeschriebene Lebensweise hält.
CP 1.106
akāmātkāmataḥ kuryāt tadeva triguṇaṃ sudhīḥ //
Übersetzung: Hat er unabsichtlich eine Vorschrift übertreten, soll er die dafür festgesetzte Sühne leisten. Bei absichtlicher Übertretung soll der Verständige dieselbe Sühne in dreifachem Umfang vollziehen.
CP 1.107
śataṃ vā saṃyataprāṇo vāsaraṃ mārutāśanaḥ //
Übersetzung: Bei Unterbrechung der täglichen Pflichten des Sādhaka soll er den Sadyojāta-Mantra zehntausendmal wiederholen, oder hundertmal bei beherrschtem Atem, während er einen Tag lang nur von Luft lebt.
CP 1.108
vaktrasya syandane rātrau divā taddviguṇaṃ japet //
Übersetzung: Bei einem Verstoß gegen die Speiseregeln gilt der Vāmadeva-Mantra, bei einer Gewalttat der Bahurūpa-Mantra, bei nächtlichem Samenerguss der Vaktra-Mantra; geschieht der Erguss am Tage, soll die Wiederholungszahl verdoppelt werden.
CP 1.109
caturdalābjamadhyeṣṭyā kasthāne pañcamaṃ yajet //
Übersetzung: Bei Berührung mit Speiseresten eines Zweimalgeborenen oder eines Angehörigen der weiteren Stände soll er den jeweils entsprechenden Mantra von Vaktra an in der Mitte eines vierblättrigen Lotus verehren und den fünften an dessen Stelle einsetzen [Textform unsicher].
CP 1.110
juhuyādayutaṃ jñāte dviguṇaṃ śuddhikāraṇāt //
Übersetzung: Nach sechs Tagen Fasten oder bei Ernährung aus Waldfrüchten soll er den Mantra hunderttausendmal wiederholen und zehntausend Feueropfergaben darbringen; bei wissentlich begangenem Verstoß das Doppelte, um Reinigung zu erlangen.
CP 1.111
samagrasaṃhitālakṣaṃ japennirmālyabhojane //
Übersetzung: Bei Berührung bereits dargebrachter Kultgaben soll er alle Brahma-Mantras jeweils hunderttausendmal wiederholen. Hat er solche Gaben gegessen, soll er sämtliche Mantras der vollständigen Saṃhitā jeweils hunderttausendmal wiederholen.
CP 1.112
ajāto 'dhipatiḥ proktas trayīnaiṣṭhikaliṅginām //
Übersetzung: Vāmadeva und die folgenden sind die Herren der Śākyas, der Pādārthikas und der Kapālins. Sadyojāta wird als Herr der in den drei Veden fest Gegründeten und der übrigen Träger religiöser Abzeichen bezeichnet.
CP 1.113
kiṃtvaindavavrataprānte kāpālyannāśane matam //
Übersetzung: Für den Verzehr ihrer Speise erfolgt die Reinigung wie bei der Berührung der sozialen Gruppen. Hat man jedoch Speise eines Kapālin gegessen, gilt diese Reinigung erst nach Abschluss des Mondgelübdes.
CP 1.114
kāpālisaṅkare trīṇi lakṣāṇi kṛtasaṃyamaḥ //
Übersetzung: Zur Reinigung von bloßem Kontakt mit ihnen soll er den Īśāna-Mantra hunderttausendmal wiederholen; bei Kontakt mit einem Kapālin dreihunderttausendmal, nachdem er die vorgeschriebene Disziplin auf sich genommen hat.
CP 1.115
lakṣaṃ japenmaheśasya punaḥ kuryātparigraham //
Übersetzung: Gehen das Liṅga oder die Gebetsschnur durch Nachlässigkeit verloren oder werden sie entwendet, soll er den Mantra des großen Herrn hunderttausendmal wiederholen und die rituelle Übernahme erneut vollziehen.
CP 1.116
tadanyatrārdhamūlaṃ vā sahasraṃ sulaghīyasi //
Übersetzung: Bei einem sonstigen Herabfallen oder einer verursachten Beschädigung ist ein Zehntel vorgeschrieben, o Weiser; in anderen Fällen die Hälfte dieses Grundmaßes, bei ganz geringfügigen tausend Wiederholungen.
CP 1.117
hāritārdhaṃ guṇacchede saṃkhyāsūtrasya doṣanut //
Übersetzung: Ebenso gilt das zuletzt genannte Maß, wenn ein Uneingeweihter den Gegenstand gesehen hat; bei Berührung soll er das Zehnfache wiederholen. Reißt der Faden der Zählschnur, beseitigt die Hälfte der für Entwendung festgesetzten Zahl den Fehler.
CP 1.118
pramādādyoṣitaṃ gatvā prāṇāyāmāyutaṃ bhajet //
Übersetzung: Ein von Schleim, Kot oder Urin berührter Gegenstand ist aufzugeben, außer wenn er aus Metall besteht. Hat er aus Unachtsamkeit Geschlechtsverkehr mit einer Frau gehabt, soll er zehntausend Atemregelungen ausführen …
CP 1.119
mahāpātakasaṃyoge śivaikādaśikāyutam //
Übersetzung: … zur Reinigung verbunden mit dem Aussprechen des Praṇava; bei absichtlichem Handeln das Zehnfache. Bei einer der großen Verfehlungen soll er die elf Śiva-Mantras zehntausendmal …
CP 1.120
tatsameṣvevameva syāt kiṃ tu prāṇāyatiṃ vinā //
Übersetzung: … wiederholen, bei absichtlicher Tat in zehnfachem Umfang, mit beherrschtem Atem und von Früchten und Wurzeln lebend. Bei den gleichgestellten Verfehlungen gilt dieselbe Vorschrift, jedoch ohne Atemanhalten.
CP 1.121
japedekādaśājātam ekaṃ vā brahmamadhyagam //
Übersetzung: Bei anderen Verfehlungen und bei Verstößen gegen die rituelle Ordnung soll er die elf Mantras, den Sadyojāta allein oder einen der Brahma-Mantras wiederholen.
CP 1.122
ādadāno 'parijñānāt pūrvoktādardhamācaret //
Übersetzung: Kein Gerät, das ein mit Verfehlung belasteter Helfer herbeigebracht hat, darf angenommen werden. Nimmt er es aus Unkenntnis doch an, soll er die Hälfte der zuvor genannten Sühne ausführen …
CP 1.123
jñātvaivaṃ sādhako vidvān sahāyaṃ sadguṇaṃ bhajet //
Übersetzung: … bei einer Verbindung über viele Tage jedoch die volle Sühne, weil er dessen Zustand teilt. In diesem Wissen soll sich der kundige Sādhaka einen Helfer von guten Eigenschaften suchen …
CP 1.124
putrakaṃ samayasthaṃ vā susnigdhamaparaṃ tataḥ //
Übersetzung: … aus demselben sozialen Stand und guter Herkunft, jünger an Jahren und vorzüglich an Eigenschaften, einen Putraka oder jemanden, der die Samaya-Verpflichtungen einhält; andernfalls einen anderen, der ihm aufrichtig zugetan ist.
CP 1.125
dviguṇaṃ svavaśastāvaccaredasvavaśo vratī //
Übersetzung: Ein Lehrer ohne besonderes Gelübde, der unwillentlich gehandelt hat, soll das für den Sādhaka genannte Sühnegelübde vollziehen; bei willentlicher Tat das Doppelte. Ebenso viel soll ein Lehrer mit Gelübde leisten, der unwillentlich gehandelt hat …
CP 1.126
putrakārdhaṃ tu samayī pūrvoktānuktapāpmanām //
Übersetzung: … bei willentlicher Tat das Dreifache. Ein Putraka soll das für den Sādhaka genannte Maß um ein Drittel vermindern, ein Samayin die Hälfte des Putraka-Maßes vollziehen, für die zuvor genannten ebenso wie für nicht eigens genannten Verfehlungen.
CP 1.127
parākaṃ taptakṛcchraṃ vā mantrī sānucaraścaret //
Übersetzung: Der Mantrapraktizierende soll mit seinem Helfer alle sechs Monate ein Kṛcchra-Gelübde oder jährlich ein Mondgelübde, ein Parāka- oder ein Taptakṛcchra-Gelübde vollziehen …
CP 1.128
sarvacchidraharaścānyo vidhireṣāṃ nigadyate //
Übersetzung: … wenn er ungehinderte Vollendung wünscht; die anderen drei Stände tun es um der Befreiung willen. Für sie wird noch ein weiteres Verfahren gelehrt, das sämtliche Lücken der rituellen Pflichterfüllung beseitigt …
CP 1.129
śrāvaṇe tadupānte vā nabhasye vocyamānavat //
Übersetzung: … das die Götter durch Askese von Hara erlangten, um ihre eigenen Riten zu vervollständigen. Im Monat Śrāvaṇa, im unmittelbar vorangehenden Monat oder im Nabhasya soll man gemäß der folgenden Darstellung …
CP 1.130
Übersetzung: … Śambhu das Pavitra darbringen und damit den jährlichen Ritus vervollständigen.
Anhang I – nur vermutungsweise zugehörige Fragmente
Die beiden Textpositionen werden unabhängig vom fortlaufenden Caryā-Text wiedergegeben.
Anhang I · 1
sarvajñavihitaṃ yāvadbubhukṣoritarasya vā ||
Übersetzung: Dieses Liṅga ist aus Stein, Metall, Erde, Edelstein oder Holz gefertigt und auf der Erde hergestellt, soweit es der Allwissende vorgeschrieben hat, für einen, der Genusserfahrung wünscht, oder für den anderen, der Befreiung sucht.
Anhang I · 2
lohādi pāṇiṣaḍḍhastaṃ dārubhistrividhaṃ param ||
Übersetzung: Ein aus Edelstein gefertigtes Liṅga misst von einer Fingerbreite bis zu zwei Ellen, nicht mehr. Für Metall und die weiteren Stoffe gilt ein Handmaß bis zu sechs Ellen; bei Holz ist das Weitere dreifach gegliedert [genauer Bezug nicht erhalten].
Anhang II – zugeschriebene Zitate
Die folgenden Segmente sind voneinander unabhängige Zitate; ihre Kennungen folgen Bhatts Zitatgruppen. Sie schließen nicht zu einem fortlaufenden Kapitel zusammen.
Anhang II · 1
Übersetzung: Am dritten oder vierten Tag soll man [die Überreste] sammeln und dabei den Astra-Mantra aussprechen.
Anhang II · 2
sūtraṃ navaguṇaṃ kṛtvā sadyena navatantukam || śuddhodakena prakṣālya tathā candanavāriṇā |
śoṣayedbahurūpeṇa kuryātkandukavaddhṛdā ||
Übersetzung: Man soll Dukūla-Gewebe, Seidenfaden, Leinen oder Baumwolle nehmen und mit dem Sadyojāta-Mantra eine neunfach gelegte Schnur aus neun Fäden herstellen. Man wäscht sie mit reinem Wasser und mit Sandelwasser, trocknet sie mit dem Bahurūpa-Mantra und formt sie mit dem Herzmantra zu einem Knäuel.
Anhang II · 3
Übersetzung: Dann soll er all dies erneut entsprechend der Fülle seiner geistigen Vorstellung anordnen.
Anhang II · 4
pūrvamuktaṃ ca sāpekṣaṃ kṣamasveti visarjayet ||
Übersetzung: Nachdem er [die Gottheit] entlassen und die Verehrung Caṇḍas vollzogen hat, soll er das abschließende Bad nehmen. Das zuvor freigegebene, noch mit einer Erwartung verbundene [Wesen; Bezug unklar] soll er mit den Worten ‚Verzeih!‘ entlassen.
Anhang II · 5
antaḥkaraṇaceṣṭābhirlakṣayitvā gurūttamaiḥ ||
Übersetzung: In den äußeren Übungen erfahren, die eigenen Pflichten wahrend …; nachdem [man sie] anhand der Regungen des inneren Sinnes erkannt hat, durch die besten Lehrer … [Die Satzverknüpfung ist im Ausschnitt nicht sicher herzustellen.]
Anhang II · 6
prasaktendhanamārgeṇa nītvāgniṃ paridīpayet ||
Übersetzung: Dann soll er den Gott von beiden Orten entlassen, jenen [Verstorbenen] auf den Scheiterhaufen legen, das Feuer entlang des anschließenden Brennmaterials heranführen und den Scheiterhaufen ringsum entzünden.
Anhang II · 7
Übersetzung: Dann soll er drei Gefäße auf einem mit Kuhdung hergerichteten Maṇḍala aufstellen.
Anhang II · 8A
Übersetzung: Ebenso weiß und schwarz [Bezug unklar]; eine Schnur mit den von Mahendra genannten Merkmalen [Wortverbindung unsicher].
Anhang II · 8B
Übersetzung: Oṃ, den Mond, das Feuer, Brahmā, den Nāga, Guha und die Sonne, [sadeśaṃ: unklare Götterbezeichnung] sowie sämtliche Götter soll er auf den neun Fäden einsetzen.
Anhang II · 9
pavitramañjalau kṛtvā brūyādimamaviskhalan || oṃkārātman tvayā deva yaddṛṣṭaṃ māmake vidhau |
kṛtaṃ kliṣṭaṃ samutsṛṣṭaṃ hṛdā guptaṃ ca matkṛtam ||
Übersetzung: Er soll das Pavitra mit Duftstoffen und Blumen, Dūrvā-Gras und unversehrten Reiskörnern in die zusammengelegten Hände nehmen und ohne Stocken dies sprechen: ‚O Gott, dessen Wesen Oṃ ist! Was du in meinen Riten gesehen hast – was ich vollzogen, mangelhaft ausgeführt oder unterlassen, im Herzen verborgen und selbst getan habe …‘
Anhang II · 10
Übersetzung: … eine Ehrung mit Räucherwerk, Licht und dergleichen, verbunden mit allem Glückverheißenden …
Anhang II · 11
pūjayetpūrvamāsārdhaṃ naimittikamathācaret ||
Übersetzung: Mit einem von Asche bestäubten Körper soll er dort den Pavillon betreten. Er soll verehren [die Angabe pūrvamāsārdham ist nicht eindeutig zu deuten] und danach das anlassbezogene Ritual vollziehen.
Anhang II · 12
Übersetzung: Die Einweihung, die von weltlicher Pflichterfüllung bestimmt ist, und ebenso die von Śivas Ordnung bestimmte Einweihung …
Anhang II · 13
Übersetzung: Auch wenn Leiden eintritt, soll man den Körper nicht aufgeben.
Anhang II · 14
Übersetzung: Hat man die Verehrung zur Zeit des Tagesübergangs versäumt, soll man die elf Śiva-Mantras wiederholen.
Anhang II · 15
brahmagranthiyutā cāgre vistṛtā vigharaṃ śubham || yā veṇī keśapāśābhā vigharaṃ tu taducyate |
Übersetzung: Ein Geflecht wird aus armlangen [Streifen; Anzahl und erste Wortverbindung unklar] geflochten, am Anfang mit einem Brahma-Knoten versehen und ausgebreitet; dies ist das glückverheißende ‚Vighara‘ [Bezeichnung unsicher]. Das Geflecht, das einem Haarzopf gleicht, wird ‚Vighara‘ genannt.
Anhang II · 16
Übersetzung: In der Śiva-Unterteilung ist Śiva zu verehren; in der Rudra-Unterteilung ist es ebenfalls er selbst.
Anhang II · 17
Übersetzung: So soll man die Lebensregeln der sozialen Stände und Lebensstadien nicht einmal in Gedanken übertreten.
Anhang II · 18
suprasannendriyagrāmaḥ sarvajñaḥ sarvagocaraḥ || yogī yogeśvaraḥ svāmī svatantraḥ paśupāśahā |
tasyoktiḥ pauruṣaiḥ sthūlaiḥ purāṇairna ca bādhyate ||
Übersetzung: Der Erhabene, dessen Leib aus fünf Mantras besteht, wird ‚mit Gestalt‘ genannt. Seine Sinneskräfte sind vollkommen klar; er ist allwissend und auf alles gerichtet, Yogin, Herr des Yoga, Gebieter, unabhängig und Zerstörer der Fesseln der gebundenen Seelen. Seine Aussage wird durch grobe, von Menschen verfasste Purāṇas nicht widerlegt.
Anhang II · 19
śakteḥ pravṛttibhedena bhedastasyopacārataḥ ||
Übersetzung: Der Handelnde wird dreifach beschrieben: als befähigt, als zur Tätigkeit bereit und als tätig. Seine Unterscheidung erfolgt nur in übertragener Rede, entsprechend der unterschiedlichen Betätigung seiner Kraft.
Anhang II · 20
antarikṣe nirādhāro dṛṣṭaḥ śākhādikapkṛt ||
Übersetzung: Wer hier für einen anderen Zweck tätig ist, mit oder auch ohne Stütze [Bezüge unsicher], wird ohne Stütze im Luftraum gesehen, als [nicht sicher deutbare Tätigkeitsbezeichnung: śākhādikapkṛt].
Anhang II · 22
Übersetzung: Der Glanz wird wegen seiner Ähnlichkeit mit Gold mit dessen Namen bezeichnet.
Anhang II · 23
vardhanīṃ jalabhāṇḍaṃ ca kṣālayedastramantrataḥ ||
Übersetzung: Das Arghya-Gefäß, die Muschel, die Gefäße für Fußwasser und Mundspülung, die Vardhanī und den Wasserkrug soll er mit dem Astra-Mantra auswaschen.
Anhang II · 24
indrādīśānaparyantāndikṣveṣu yathākramam ||
Übersetzung: Er soll Brahmā, Viṣṇu, Hara und Īśāna einsetzen und verehren, ebenso die Hüter von Indra bis Īśāna in diesen Himmelsrichtungen, in der jeweiligen Reihenfolge.
Anhang II · 26
abhayaṃ varadopetaṃ pāśaśūladharānvitam || atasīpuṣpasaṃkāśāṃ tatra devīṃ salakṣaṇām |
taddhṛdvāgīśvaraṃ devaṃ hṛdā vinyasya pūjayet ||
Übersetzung: Vāgīśvara ist rot leuchtend, dreiäugig und vierarmig, mit der furchtnehmenden und der gabenverleihenden Geste sowie mit Schlinge und Dreizack versehen. Dort ist die Göttin, einer Atasī-Blüte gleichend und mit ihren Kennzeichen ausgestattet. In ihrem Herzen soll er den Gott Vāgīśvara mit dem Herzmantra einsetzen und verehren.
Anhang II · 27
Übersetzung: Wenn die Erkenntnis des eigenen Wesens …, dann wird es so genannt … [Die Verbindung patitīti ist nicht sicher übersetzbar.]
Anhang II · 28
tadvigranthyasaṃkrāntaṃ śubhaṃ kāryaṃ vipaścitā
Übersetzung: Zur Förderung der Verehrung soll der Kundige am Kopf ein glückverheißendes Dreifaches herstellen, dessen Wesen die drei Weltprinzipien sind; [die dazwischenstehende Angabe über die Knoten ist nicht sicher deutbar].
Anhang II · 29
Übersetzung: Diese Knoten sind gezählt und hängen an eben diesen [Trägern] herab [Satzbezug unsicher].
Anhang II · 30
bhāgaṃ samantato jāgratsupuṣṭye sapādakam ||
Übersetzung: Nach der Einteilung zur Bestimmung des Maßes gilt für den Kopf [eine nicht zuverlässig lesbare Maßangabe]; ringsum ein Teil samt einem Viertel [die Beziehung zur Wortfolge jāgratsupuṣṭye bleibt unklar].
Isolierte Lemmata zu Anhang I
Die sieben Einzelwörter sind getrennt überlieferte Anhaltspunkte, keine zusammenhängende Sanskritpassage.
Lemma 1
Übersetzung: von den Unsterblichen verehrt
Lemma 2
Übersetzung: [in sichtbarer Gestalt]
Lemma 3
Übersetzung: ohne ausgeprägte Gestalt
Lemma 4
Übersetzung: von beiderlei Art
Lemma 5
Übersetzung: um der Verwirklichung willen
Lemma 6
Übersetzung: durch andere
Lemma 7
Übersetzung: der Lehrer
Gesonderte Abschlussformeln
Die folgenden editions- und handschriftenspezifischen Schlussvermerke bleiben getrennte Zeugnisse. Ihre genaue Zuordnung steht im Quellenverzeichnis.
Schlussformel 1
Übersetzung: Das erste Kapitel, die Einführung, ist abgeschlossen.
Schlussformel 2
Übersetzung: Das zweite Kapitel, die Widerlegung anderer Befreiungslehren, ist abgeschlossen.
Schlussformel 3
Übersetzung: Das dritte Kapitel: Untersuchung der Merkmale des Herrn.
Schlussformel 4
Übersetzung: Das vierte Kapitel: Darlegung des Wesens des Herrn.
Schlussformel 5
Übersetzung: Das fünfte Kapitel, das Kapitel über die fünf Tätigkeiten, ist abgeschlossen.
Schlussformel 6
Übersetzung: Das sechste Kapitel, das Kapitel über die Merkmale der gebundenen Seele, ist abgeschlossen.
Schlussformel 7
Übersetzung: Das Kapitel über die Merkmale der Fesseln ist abgeschlossen.
Schlussformel 8
Übersetzung: Das achte Kapitel, die Untersuchung des Karma, ist abgeschlossen.
Schlussformel 9
Übersetzung: Das neunte Kapitel, das Kapitel über die Merkmale der Māyā, ist abgeschlossen.
Schlussformel 10
Übersetzung: Das Kapitel über die Wirkungen von Kalā und den weiteren Prinzipien ist abgeschlossen.
Schlussformel 11
Übersetzung: Das elfte Kapitel, das Kapitel über die Bewusstseinszustände und die weiteren Themen, ist abgeschlossen.
Schlussformel 12
Übersetzung: Das zwölfte Kapitel, das Kapitel über die Sinne und die weiteren Themen, ist abgeschlossen.
Schlussformel 13
Übersetzung: Das dreizehnte Kapitel ist abgeschlossen.
Schlussformel 14
Übersetzung: Das elfte Kapitel ist abgeschlossen [so die fehlerhafte Schlussformel des dreizehnten Kapitels in dieser Ausgabe].
Schlussformel 15
Übersetzung: Damit ist auch der Erkenntnisteil abgeschlossen.
Schlussformel 16
Übersetzung: Im ehrwürdigen Mṛgendra ist der Erkenntnisteil abgeschlossen.
Schlussformel 17
Übersetzung: Damit endet im ehrwürdigen Mṛgendra, im Teil über die rituellen Handlungen, das erste Kapitel über das Erschließen der Mantras.
Schlussformel 18
Übersetzung: So endet im Kriyāpāda des Mṛgendra das zweite Kapitel, genannt Vorschrift der Reinigung.
Schlussformel 19
Übersetzung: So endet im Kriyāpāda des ehrwürdigen Mṛgendra das dritte Kapitel über die Vorschrift der Verehrung.
Schlussformel 20
Übersetzung: So endet im Kriyāpāda des ehrwürdigen Mṛgendra das vierte Kapitel über die Vorschrift zur Verehrung des zu verwirklichenden Mantras.
Schlussformel 21
Übersetzung: So endet im Kriyāpāda des ehrwürdigen Mṛgendra das fünfte Kapitel über die Vorschrift der Mudrās.
Schlussformel 22
Übersetzung: So endet im Kriyāpāda des Mṛgendra das sechste Kapitel mit dem Namen »Vorschrift für den Feuerritus«.
Schlussformel 23
Übersetzung: So endet im Kriyāpāda des ehrwürdigen Mṛgendra das siebte Kapitel über das Verfahren der vorbereitenden Weihe.
Schlussformel 24
Übersetzung: So endet im ehrwürdigen Mṛgendra, im Kriyāpāda, das achte Kapitel über das Verfahren der Einweihung.
Schlussformel 25
Übersetzung: Und der Kriyāpāda ist abgeschlossen.
Schlussformel 26
Übersetzung: Damit ist dieser dritte Teil, der Yogapāda, abgeschlossen.
Schlussformel 27
Übersetzung: So endet im ehrwürdigen Mṛgendra, einer Unterteilung des Kāmika, das neunte Kapitel: Vorschrift der Lebensführung gemäß den Verpflichtungen.
Schlussformel 28
Übersetzung: Der Caryāpāda ist abgeschlossen.
Spirituelle Bedeutung heute

Heutige Betrachtung: aufmerksam lesen, gesammelt üben
Das Studium des Mṛgendratantra kann dazu anregen, die eigene Sadhana genauer zu verstehen. Was ist im Erleben veränderlich? Wer erkennt die Veränderung? Welche Rolle spielen Gewohnheit, Bindung und verantwortliches Handeln? Solche Fragen gewinnen an Tiefe, wenn sie mit regelmäßiger Sammlung und ehrlicher Selbstprüfung verbunden werden. Dies ist eine heutige Anregung zur Lektüre, keine zusätzliche Lehre des Sanskrittextes.
Besonders hilfreich ist die Verbindung von Viveka, unterscheidendem Verstehen, und Bhakti, Hingabe. Der Text betrachtet das Selbst nicht als bloßes Erzeugnis des Körpers und behandelt die Freiheit des Erkennens zugleich als Gabe Shivas. Diese Spannung darf beim Lesen bestehen bleiben. Sie öffnet Raum für sorgfältiges Nachdenken über Bewusstsein, für gelebte Anteilnahme und für eine Meditation, die sich vom Wunsch nach äußerer Macht zur Frage nach wirklicher Befreiung vertieft.
Heutiges Yoga-Vidya-Video: Sahasrara Chakra Segens-Meditation. Ergänzung zur eigenen Betrachtung; keine Auslegung einer bestimmten Mṛgendra-Stelle.
Anmerkungen und Quellen
Umfang und Textarten
Die Ausgabe umfasst 1197 fortlaufende Originalpositionen: 451 im Vidyāpāda (13 Kapitel), 551 im Kriyāpāda (acht Kapitel), 65 im Yogapāda und 130 im unvollständig erhaltenen ersten Caryā-Kapitel. 1184 dieser Positionen enthalten je eine vollständige Strophe, neun jeweils drei Halbverse, eine einen Halbvers mit einer langen Strophe und drei nur einen Halbvers. Die drei halben Positionen sind KP 3.58, KP 7.103 und CP 1.130; die gemischte Position ist VP 10.29. Fortlaufende Verfasserprosa wurde nicht gefunden. Die weiteren 31 Anhangsegmente sind keine 31 neu erschlossenen vollständigen Originalstrophen. Sieben isolierte Lemmata und 28 gesonderte Schlussformeln vervollständigen den aufgenommenen Bestand von 1263 Einheiten. Die Caryā-Fortsetzung fehlt bereits im Leitdruck. Die Ausgabe ergänzt sie nicht aus anderen Werken.
Textgrundlage und Prüfung
Sämtliche aufgenommenen Sanskritstellen wurden am Quellenbild gelesen und die deutschen Übersetzungen jeweils inhaltlich am Sanskrit selbst geprüft. Die elektronische GRETIL-Ausgangstranskription wurde dabei berichtigt. Der automatische Schriftwechsel zwischen IAST und Devanagari wurde über den gesamten Bestand durch Rücktransliteration abgeglichen; eine zusätzliche visuelle Schriftkontrolle ist eine Stichprobe. Technische Textgleichheit ersetzt keine philologische Beurteilung. Eine unabhängige externe Fachbegutachtung liegt nicht vor. 42 Einheiten enthalten fortbestehende Lesungs-, Bezugs- oder Fragmentfragen. Bei zwölf Einheiten sind einzelne Wortgruppen nur teilweise oder nicht zuverlässig übersetzbar; diese Grenzen werden in der Übersetzung sichtbar belassen.
VP 3.2 enthält drei Halbverse. Der erste wurde über das in GRETIL dokumentierte Parallelzeugnis aus Trilocanas Kommentar dem Grundtext zugeordnet; das Parallelmanuskript selbst wurde nicht eingesehen. Der mittlere Halbvers von VP 13.46 steht im Druck innerhalb des Kommentars, wird aber durch das ausdrückliche Herausgebererratum dem Grundtext zugewiesen. VP 13.198 und YP 1.65 tragen am Grundtext keine sichtbare Nummer; die hier angezeigten Nummern führen die belegte Kapitelzählung fort. Abweichende Zählungen der Kontrollausgabe werden nicht als neue Grundtextverse übernommen. Sabharathnams Schluss des dreizehnten Kapitels nennt irrtümlich das elfte Kapitel; diese Zeugnislesung bleibt in der gesonderten Schlussformel erhalten. In KP 3.59 und KP 6.76 bleiben die vier metrischen Zeilen erhalten; bloße Drucktrennstriche innerhalb eines Wortes werden nicht als Sanskritlaute wiedergegeben. KP 6.76 hat nach dem Druck einen einfachen Danda nach der zweiten Zeile und einen doppelten nach der vierten. Sonstige Bindestriche, Klammern, Fragezeichen und Fragmentgrenzen bleiben erhalten.
Anhang I folgt zwei bei Bhatt nur vermutungsweise dem Mṛgendra zugeordneten Textpositionen sowie sieben isolierten Lemmata. Die dort genannte Handschrift C (D 5470, Bl. 204–205) wurde nicht unmittelbar eingesehen. Anhang II folgt 30 gedruckten Zitatgruppen bei Bhatt. Die vollständigen Wiederholungen 21 und 25 werden nicht doppelt aufgenommen. Gruppe 8 wird in die eigenständigen Fragmente 8A und 8B aufgeteilt; die dort wiederholten vier Halbverse stehen bereits unter Gruppe 2. Daraus ergeben sich 29 eigenständige Segmente in Anhang II. Die zitierenden Werke wurden hier nicht unmittelbar eingesehen; ihre Angaben sind aus Bhatt vermittelt. Lemmata und Schlussformeln sind gesonderte Zeugnisse und werden nicht als fortlaufende Originalstrophen gezählt. Ein Abschlussvermerk der Abschrift hebt die tatsächlich fehlende Caryā-Fortsetzung nicht auf.
Literatur und zugängliche Quellen
Grundausgabe VP und YP
Madhusudan Kaul Shastri (Hg.): The Śrī Mṛgendra Tantram (Vidyāpāda and Yogapāda), with the commentary of Nārāyaṇakaṇṭha. Kashmir Series of Texts and Studies 50, Bombay 1930. Vollständiger Scan: 441 PDF-Seiten. VP: Druck 4–362, Abschluss 363, PDF 33–392; YP: Druck 3–45, Abschluss 46, PDF 395–438. Quelle
Grundausgabe KP und CP sowie Anhänge
N. R. Bhatt (Hg.): Mṛgendrāgama (Kriyāpāda et Caryāpāda), avec le commentaire de Bhaṭṭa-Nārāyaṇakaṇṭha. Édition critique. Publications de l’Institut Français d’Indologie 23, Pondichéry 1962. Vollständiger Scan: 386 PDF-Seiten. KP: Druck 1–205, PDF 23–245; CP: Druck 206–250, PDF 246–290; Anhänge I–II: Druck 251–256, PDF 291–296. Quelle
Elektronische Ausgangstranskription
Dominic Goodall, GRETIL: Mṛgendratantra, Vidyā-, Yoga- und Caryāpāda; ausdrücklich als nicht korrekturgelesen bezeichnet. Die übernommenen Stellen wurden am Druckbild geprüft und gegebenenfalls berichtigt. Keine Kriyā-Quelle. Quelle
Kontrollausgabe Vidyā
S. P. Sabharathnam: Mṛgendra Āgama, Vidyāpāda, bereitgestellt von Himalayan Academy. 112 PDF-Seiten. Sanskrit vollständig als Kontrolltext eingesehen; die englische Übersetzung wurde nicht übernommen. Abweichende Schlussnummern und Kapitelkolophone bleiben Zeugnisse dieser Ausgabe. Quelle
Grundtextabschrift
Institut Français de Pondichéry, T0022: Grundtextabschrift von T. Ramanujan, Abschlussdatum 29. Juli 1960; 177 PDF-Seiten. Ausgewählte Kriyā-Stellen und Abschlussformeln kontrolliert; keine vollständige Handschriftenkollation. Quelle
Belege zur Einordnung
Titel, Kāmika-Zuordnung, Nṛsiṃha-Erzählung, Mṛgendrottara und unterschiedliche Nārasiṃha-Namen: Bhatt 1962, Einleitung ii–iii, PDF 8–9; Grundtext VP1.1–29. Erzählung und traditionelle Zuordnung, keine historische Verfasserbiografie.
Datierung und Kommentargeschichte: Bhatt 1962, Einleitung iv und vi–vii, PDF 10 und12–13. Ungefähr 10.Jh. nach Bhatt betrifft Kommentatoren; Śaṅkara-Nachzeitigkeit des Grundtextes ausdrücklich nur Vermutung.
Aufbau und unvollständige Caryā: Bhatt 1962, Einleitung i–v, PDF 7–11; eigene vollständige Grundtexterfassung und Datensatzumfang. Bhatts metrische Umfangsrechnung1196 unterscheidet sich von1197 Originalpositionen; nicht gleichsetzen.
Seele, Herr, Vielheit und bewusste Kraft: VP3.1–14; VP4; VP5.1–8; VP6.1–7; VP7–9. Eigene Zusammenfassung der geprüften Übersetzung.
Einweihung, Handlungs- und Erkenntniskraft, Eignung: KP8.71–105, 176–210; CP23–29. Keine Übertragung auf voraussetzungslose moderne Praxis.
Sieben Yogaglieder, formloser Herr und Übung: YP1–9; YP50–65. Yoga selbst ist das Ganze; keine Gleichsetzung mit Patañjalis Zählung.
Soziale Hilfe und Studium: CP17; CP29–34; CP60–67. Heutige Anregungen separat bezeichnet.
Erläuterungen zu einzelnen Textstellen
Die Stellenlinks führen zur jeweiligen Sanskritstelle und ihrer deutschen Übersetzung. Lesungsvarianten, Kommentarerläuterungen und moderne Hinweise bleiben vom Grundtext getrennt.
VP 1.4 – Sabharathnam PDF 2–3 hat abweichend tataḥ saṃpūjitaḥ; KSTS-Grundtext sa taiḥ saṃpūjitaḥ bewahrt.
VP 1.15 – Fehlt vollständig in Sabharathnams erstem Kapitel (PDF 5). In KSTS als Grundtext abgedruckt und kommentiert.
VP 1.16 – Fehlt vollständig in Sabharathnam PDF 5; dadurch dessen folgende Nummern um zwei niedriger. Die zunächst beibehaltene fehlerhafte Drucktrennung hi pāśena ist durch das ausdrückliche Erratum KSTS PDF 26, Druck 37 Z.4 zu kroḍīkṛto'hipāśena berichtigt.
VP 1.24 – Satz setzt vidhatte aus1.23 fort und wird in 1.25 ergänzt. Die Erläuterung der Mantras als Wesen entspricht dem ausdrücklich am Sanskritkommentar PDF 72 gelesenen Verständnis; keine bloße Zählung von Rezitationsformeln.
VP 1.25 – Druck und GRETIL: cānyacchrutaṃ; Arbeitslesung cānyacchataṃ folgt dem Kommentar auf derselben Seite und der Kontrollausgabe. Die Berichtigungsliste PDF 26 nennt diese Stelle nicht. Hundertachtzehn folgt der hier ausdrücklich ausgewiesenen Emendation cchataṃ; Druck cchrutaṃ. Māyā bezeichnet hier den Stoffgrund der gebundenen Welt, nicht schlicht eine unwirkliche Täuschung.
VP 1.26 – Satzanschluss yo'rthaḥ samupapadyate anhand der Vṛtti KSTS PDF 74 kontrolliert; Offenbarung nach der Eignung der Empfänger, keine Behauptung, alle erhielten dieselbe Lehre.
VP 1.27 – mantramantreśvareśvaraiḥ: die Herren der Mantras UND der Mantraherren, nicht die Mantras als eigene Sprechergruppe; Vṛtti KSTS PDF 75 ausdrücklich mantrāṇāṃ mantreśvarāṇāṃ ceśvaraiḥ.
VP 1.28 – KSTS 50 Druck 46/PDF 75 trennt dṛgjyoti- / jvālā-. GRETIL dṛgjyotir jvālā- wird als reguläre Sandhiform von jyotis im Kompositum beibehalten; die im Scan fehlende r-Verbindung ist damit redaktionell berichtigt, nicht als genau so gedruckt ausgegeben. Erratum auf PDF 26 zu Seite46 Zeile7 betrifft das unmittelbar vorausgehende Kommentarzitat, nicht einen zusätzlichen Grundtextvers. bhavasaṃmitaiḥ sahasraiḥ: elftausend; Vṛtti KSTS PDF 75 erklärt ausdrücklich ekādaśabhiḥ sahasraiḥ. Umāpati ist hier Empfänger der Übermittlung; nicht ohne Hinweis mit jeder Ebene der vorherigen Offenbarung gleichgesetzt.
VP 2.1 – aṇu bezeichnet die individuelle Seele; Gegensatz zwischen Shivas unbeschränktem Erkennen/Wirken und dem gebundenen Zustand. anādi nicht als zeitlich erst erworbene Reinheit verstanden.
VP 2.7 – Vier Glieder nach Vṛtti KSTS PDF 86–87: Mala als Verhüllung; die hemmende Macht des Herrn; Karma; Māyā samt ihren Wirkungen. māyākāryaṃ nicht als zusätzliche fünfte Bindung gezählt.
VP 2.15 – Die knappe Dreierkritik anhand der Vṛtti PDF 100–102 kontrolliert: Pradhāna gilt hier selbst als Wirkung; dem Puruṣa wird im Sāṃkhya das Handeln abgesprochen, der unbewussten Prakṛti selbstständiges Wirken zugeschrieben. Dies ist die Kritik des Textes, keine neutrale Gesamtbeschreibung des Sāṃkhya.
VP 2.16 – KSTS 50 und GRETIL jīvājīvāstravāstrayaḥ mit str; Kontrollausgabe jīvājīvāsravāstrayaḥ mit sr im technischen Jainabegriff āsrava. Drucklesung vorerst bewahrt, Variante ausgewiesen.
VP 2.19 – KSTS 50 Druck 80 setzt im zweiten Halbvers eine entstellte Fassung samt Fragezeichen; Berichtigungsliste PDF 26 korrigiert ausdrücklich zu atha cetsadasadbhāvaḥ sadāyuktataro mataḥ. GRETIL enthält bereits diese berichtigte Lesung. Die durch Herausgebererratum gesicherte Lesung sadāyuktataro wird als sadā + ayuktataraḥ verstanden. Vergleichsabhängigkeit von gut/schlecht nach Vṛtti PDF 108–109; der Text bestreitet damit keine gewöhnlichen Vergleichsaussagen, sondern ihre Tauglichkeit für den behaupteten absoluten Gegensatz.
VP 2.20 – Vṛtti PDF 110 unterscheidet die allgemeine, anfangslose Allgegenwart der Seele von der erst bei der Befreiung offenbar werdenden; nicht vorschnell als abstrakte Universalienlehre übersetzt.
VP 2.28 – Metadatum bei Übersetzungsprüfung präzisiert: lange Strophe mit vier metrischen Zeilen; kein neuer Sanskrittext. Lange Strophe mit vier metrischen Zeilen. bhedamāyānti sṛṣṭau nach Vṛtti PDF 123 als Ende dieser Befreiungszustände bei erneuter Schöpfung, keine Gleichsetzung mit endgültiger Befreiung.
VP 2.29 – Metadatum bei Übersetzungsprüfung präzisiert: lange Strophe mit vier metrischen Zeilen; kein neuer Sanskrittext. viśvān arthān: alle Dinge, nicht viśvān anarthān als alle Übel. sarveśāna + anīśitaḥ: nicht vom Allherrn gelenkt. Beide Beziehungen durch Vṛtti PDF 125 kontrolliert; keine zusätzliche Behauptung eigener Weltschöpfung. Lange Strophe.
VP 3.2 – %% This last half-line appears as part of the commentary (Ked p.104, lines 4--5) %% but it probably belongs to the text and is quoted as part of it %% in Trilocana's Siddhāntārthasamuccaya (IFP MS T.206, p.62 and T.284, p.133). Umfang drei Halbverse nach GRETIL. Der erste Halbvers vaiśiṣṭyaṃ… ist in KSTS 50 typographisch Teil des Kommentars; GRETIL beruft sich für seine Grundtextzugehörigkeit auf Siddhāntārthasamuccaya, IFP T206 S62 und T284 S133. Diese beiden Handschriften wurden hier nicht direkt geprüft. Sabharathnam lässt diesen Halbvers weg; Zuordnung bleibt ausdrücklich textkritisch erschlossen. Drei Halbverse unter einer Originalnummer; der erste ist textkritisch dem Grundtext zugeordnet. Die letzten Aussagen beziehen sich auf die Ursache der Welt.
VP 3.6 – Der Einwand beginnt mit dem zweiten Halbvers. Die vorausgehende Bezeichnung mukta meint hier den von Bindung freien Herrn; sie behauptet keine frühere Gebundenheit Shivas.
VP 3.7 – Die Rauchbeispiele betreffen die Schlussfolgerung auf Feuer: Auch dort wird aus einem einzelnen beobachteten Zusammenhang auf andere Fälle geschlossen. Im zweiten Halbvers beginnt ein neuer Einwand.
VP 3.9 – Der Satz läuft in 3.10 weiter. Aja bezeichnet hier Sadyojāta; die Zuordnung wird in den folgenden Strophen erläutert.
VP 3.10 – Die Wörter für Körperbereiche werden ausdrücklich als Bezeichnungen göttlicher Kräfte erklärt. pūḥ, ‚Stadt‘, leitet zur Deutung von Tatpuruṣa über.
VP 3.11 – GRETIL so'syāghoraḥ folgt der KSTS 50-Berichtigungsliste PDF 27 zu Druck 116; der unberichtigte Hauptdruck setzt so'sya ghoraḥ. aghoraḥ folgt der ausdrücklichen Druckberichtigung. Der Kommentar erklärt vyañjana als Offenbarwerden von Erkenntnis und Tatkraft; die Übersetzung nennt Erkenntnis zur Verständlichkeit, ohne eine neue Körperlehre einzuführen.
VP 3.12 – Drei Halbverse. KSTS 50 setzt Nummer12 nach dem zweiten Halbvers; vāmaṃ dhāma… folgt unnummeriert. GRETIL ordnet diesen dritten Halbvers derselben Nummer zu. Sabharathnam nummeriert ihn getrennt als 13 und verschiebt dadurch die Schlussnummern13–14 auf14–15. Drei Halbverse unter einer Originalnummer. Der Kommentar identifiziert parigraha mit dem von Shiva bevollmächtigten Rudra. Er erklärt vāma hier durch vam, ‚ausstoßen, hinabschleudern‘: Die Seelen werden durch Dharma, Artha und Kāma, Pflicht, Wohlstand und Genuss, angelockt und hinabgestoßen. guhya bedeutet sowohl ‚verborgen‘ als auch ‚Schamglied‘; dieser Wortbezug bleibt erhalten.
VP 3.13 – Sadyo ist die Kurzbezeichnung für Sadyojāta. Beide Deutungen des Grundtextes sind übersetzt. Der Schluss weist ausdrücklich die Vorstellung zurück, der Herr selbst erhalte plötzlich einen Körper.
VP 4.2 – kevalāṇu bezeichnet nach dem Kommentar hier vijñānakevala-Seelen, deren Karma- und Māyā-Bindung aufgehoben ist, während ein Rest von Mala bleibt. Sie sind daher nicht als vollständig befreit bezeichnet.
VP 4.4 – Die Namen in 4.3–4 ergeben zusammen acht. Der Kommentar beschreibt die Herrschaftsstufen von Indra und weiteren Weltherren über die Śatarudras und Maṇḍalins bis zu diesen Vidyeśvaras; die Übersetzung bewahrt die gestufte Titelbildung.
VP 4.7 – Der Kommentar erläutert prayoktṛ als anugrahītṛ, den Vermittler der Gnade, und seśvaram als ‚zusammen mit den Mantraherren‘.
VP 4.8 – Der Vṛtti-Kommentar zerlegt pradhānavikṛti als pradhānā ca asau vikṛtiś ca und identifiziert sie mit Śuddhavidyā. Gemeint sind hier nicht die Entwicklungsprodukte der Sāṃkhya-Urnatur. vinādhikaraṇena wird dort ausdrücklich als Wirken ohne die Verkörperung in einem Lehrer erklärt. apaiti wird im Kommentar durch apavṛjyate, ‚wird befreit‘, erklärt.
VP 4.9 – aṣṭādaśaṃ śatam ist nach dem Kommentar aṣṭādaśādhikaṃ śatam, 118. Das Hervorbringen betrifft hier die Ausstattung bereits bestehender Seelen mit Körpern und Ämtern, nicht eine erstmalige Erschaffung ihrer Seele.
VP 4.12 – svārthasiddhyartham lässt sich auf die Erfüllung seines Wirkens oder auf die Ziele der Seelen beziehen. Der Kommentar nennt beide und erklärt als Ziele der Seelen Erfahrung und Befreiung; die Übersetzung hält die Zuordnung offen.
VP 5.1 – Der Kommentar unterscheidet tamas als Mala und śakti als die zum Herrn gehörende zurückhaltende Vāma-Kraft. Die unbegrenzten Fähigkeiten werden offenbar; sie werden nicht erst neu erschaffen.
VP 5.2 – Nach dem Kommentar sind während der Weltenruhe keine Ämter zu besetzen. Bei Auflösung und Schöpfung gibt es daneben Gnade mit verbleibender Amtsaufgabe: bei der Auflösung für künftig amtierende Rudra-Seelen, bei der Schöpfung für Herren. ‚Zu Shivas werden‘ gibt śivāḥ bhavanti wieder und behauptet keine Verschmelzung aller Seelen zu einer einzigen Person.
VP 5.3 – Der Kommentar unterscheidet vier Stufen innerhalb des zusammengesetzten Ausdrucks rudramantrapatīśāna; pati bezeichnet hier die Vidyeśvaras über den Mantras. Īśāna umfasst in der Kommentarerklärung Īśvara und Sadāśiva.
VP 5.5 – śiṣṭahetu meint nach dem Kommentar die noch übrige Ursache des Verbleibens im Saṃsāra, das Māyā-Netz. Schwächere Anzeichen erlauben dort einen Schluss auf eine entsprechend geringere Lockerung der Bindungen.
VP 5.6 – karmavyaktidvaya bezeichnet hier nach dem Vṛtti die Äußerungen von Freude beziehungsweise Ärger gegenüber Hilfe oder Schädigung. Gemeint ist nicht einfach ein Gleichgewicht guter und schlechter karmischer Früchte. Der Satz reicht in 5.7 weiter: Gleichmut allein unterscheidet die drei Befreiungsstufen nicht.
VP 5.7 – Der Kommentar bezieht dvayor auf die mittlere und die niedrigere Stufe. Bei ihnen ist ein Wechsel des Amtes vor der endgültigen Befreiung möglich; bei der höchsten folgt die Befreiung unmittelbar nach Ende des Amtes. siddhi bezeichnet hier das Erlangen einer höheren Stufe.
VP 5.8 – Drei Grade: wenig aufgehoben, halb aufgehoben, fast vollständig aufgehoben. Der Kommentar erklärt tamaḥpati hier durch den, der das Erkennen und Wirken hemmt; die Übersetzung bewahrt den Ausdruck ‚Herr der Finsternis‘.
VP 5.10 – tṛtīyāyām gehört nach dem Kommentar zu bhūtasaṃhṛtau, ‚bei der dritten Auflösung der Elemente‘, nicht zur dritten Eignungsstufe. Der zweite Halbvers erläutert aṇu als Bezeichnung für die gebundene Seele, deren Shiva-Natur durch Wegnahme ihrer Bindung offenbar wird. Die ergänzende Benennung der Bindung macht den elliptischen Sanskritsatz verständlich.
VP 5.11 – Der Kommentar erläutert das Wirken durch die überall tätigen Kräfte des Herrn. Der ‚Same‘ ist Karma als Ursache von Körper, Sinnen, Geburt, Lebensdauer und Erfahrung. Das Arzneimittel dient als Vergleich für eine Wirkung, die geeignete Reifungsbedingungen voraussetzt; der Text gibt hier keine medizinische Anleitung.
VP 5.13 – Der zweite Halbvers begründet den Schluss vom umfassenden Wirken auf umfassendes Wissen. Er behauptet nicht, dass bereits jedes beliebige Wissen unweigerlich eine entsprechende Tat hervorbringt.
VP 5.17 – Sabharathnams Kontrollausgabe lässt VP5.17 aus; auf Nummer16 folgt18. Bewahrter Grundtext in KSTS 50 S.146/PDF 175.
VP 5.18 – Schlussstrophe im KSTS-Grundtext ohne gedruckte Zahl; GRETIL und Sabharathnam zählen18. Kommentarabschluss PDF 177 hat irrtümlich17. Der Kommentar ordnet die Schlussstrophe den vorher behandelten Gesichtspunkten zu: Existenz, Wesen, Kraft als Werkzeug, Erfahrung und Befreiung als Zweck, fünf Tätigkeiten und Erkenntnis. Er deutet den letzten Satz als Kritik an Lehren, die eine Seele oder ein bindendes Prinzip zum höchsten Herrn erklären.
VP 6.6 – Der Kommentar erläutert den Einwand durch aufeinanderfolgende körperliche Umwandlungen. Die Antwort setzt voraus, dass ein nur mit einer jeweiligen Umwandlung entstehendes Erkennen nicht die früheren Erfahrungen eines anderen Zustands erinnern könnte. Die Übersetzung gibt das historische Argument wieder, ohne es als Ergebnis heutiger Bewusstseinsforschung auszugeben.
VP 6.7 – KSTS S.160 liest nākartā bhinnacidyogī ohne Avagraha; Sabharathnam hat nākartā'bhinnacidyogī. KSTS-Lesung bewahrt. Der Kommentar S.161 verneint eine erst hinzutretende Bewusstheit. Die Negation ist bei bhinnacidyogī aus der vorausgehenden Reihe zu ergänzen; der Vṛtti erklärt ausdrücklich, das Selbst sei nicht mit einem erst hinzukommenden Bewusstsein verbunden. Die gedruckte Lesung bhinna bleibt erhalten. Die Aussagen wenden sich gegen verschiedene historische Selbstlehren und behaupten trotz der Allgegenwart keine einzige Seele für alle Lebewesen.
VP 7.5 – Das im Sanskrit elliptische ‚andernfalls nicht‘ ist als Gegenannahme ausformuliert: Ohne Fessel wäre die Suche nach einer zusätzlichen Befähigung sinnlos, da die Seele die Kraft ihrem Wesen nach besitzt.
VP 7.6 – Sabharathnam PDF 34 liest proktam statt KSTS/GRETIL gītam; Ausgangsausgabe beibehalten.
VP 7.7 – KSTS/GRETIL kṣapā- gegenüber Sabharathnam kṣayā-; Ausgangsausgabe beibehalten. Die Benennungen geben paśutva, paśunīhāra, mṛtyu, mūrcchā, mala, añjana, avidyā, āvṛti, ruj, glāni, pāpamūla und kṣapā wieder. añjana, eigentlich ein aufgetragener dunkler Stoff beziehungsweise Augensalbe, steht hier für die verhüllende Verunreinigung.
VP 7.9 – Die hypothetischen Satzglieder werden nach der ausdrücklichen Ergänzung des Kommentars verbunden. Das Argument begründet den anfangslosen Charakter der Bindung, nicht ihre Endlosigkeit.
VP 7.12 – kārka wird im Vṛtti durch ka, ‚Haupt‘, und den Vergleich Īśānas mit der Sonne erklärt: Von der als Haupt bezeichneten höchsten Kraft geht der erleuchtende Erkenntnisglanz aus. Der Text behandelt weiterhin den in Kapitel3 erläuterten Kraftleib.
VP 7.13 – Der Kommentar versteht ‚Bewusstsein und das Übrige‘ als bewusste Seelen einerseits sowie unbewusste Fesseln und deren Wirkungen andererseits. Die Förderung der verhüllenden Fessel scheint der Entfaltung des Bewusstseins zu widersprechen.
VP 7.14 – Sabharathnam PDF 36 ersetzt kathaṃ durch na ca und tunnatodanam durch kiñca todanam. KSTS-Lesung bewahrt.
VP 7.15 – Der Kommentar erklärt die Förderung der Verunreinigung als deren Umwandlung und Reifung, die zuletzt der Gnade für die Seele dient. Das ist die Antwort des historischen Textes auf den vorausgehenden Einwand.
VP 7.18 – koṭāviṣṭārthadāyitvād ist als koṭāv iṣṭārtha- zu gliedern; Kommentar erklärt koṭau prānte. Sabharathnam PDF 37 enthält mehrere offenbare Eingabefehler (kṣīrādinā, rigīṇam). Historischer Vergleich; kṣāra bezeichnet hier ein ätzendes alkalisches Mittel. koṭau heißt nach dem Kommentar ‚am Ende‘. Der Vers enthält keine Zubereitungs- oder Anwendungsvorschrift.
VP 7.21 – anyasya bezieht der Kommentar ausdrücklich auf Mala und die übrigen Fesseln, nicht auf eine zweite Gruppe von Seelen. karmaṇaḥ meint hier deren Tätigkeit beziehungsweise Umwandlung.
VP 7.22 – Der Vṛtti verbindet das Ende der Mala-Herrschaft mit dem Nachlassen der zurückhaltenden Kraft. boddhṛtva gehört zur Seele, pariṇāmitva zu den Fesseln; beide erhalten eine ihrer jeweiligen Natur entsprechende Förderung.
VP 8.2 – kṣaṇikatva wird im Kommentar hier als anityatva, Vergänglichkeit, erläutert. santatatva ist die fortlaufende Folge über Geburten hinweg, nicht die Unvergänglichkeit jedes einzelnen Karma-Bestands.
VP 8.3 – GRETIL īśāvidyādyapekṣitvāt berücksichtigt bereits KSTS-Errata PDF 27 zu S.181 Z.16; Hauptdruck hat īśavidyā-. īśāvidyādi ist nach Druckberichtigung als īśa + avidyā + ādi zu verstehen. Der Kommentar nennt die zurückhaltende Kraft des Herrn, Mala und Māyā als Voraussetzungen; īśāvidyā ist hier kein Name einer eigenen Wissensstufe.
VP 8.4 – Der Vṛtti erläutert adhyātmāditrisādhanam zuerst durch Geist, Rede und Körper. Als zweite Deutung nennt er Karma als Ursache der drei Arten von Freude und Leid: aus dem eigenen Inneren, durch andere Wesen und durch übermenschliche beziehungsweise Naturkräfte. Der Grundtext wird einmal vollständig übersetzt; die alternative Erklärung wird nicht als zusätzliche Textpassage gezählt.
VP 8.6 – Die Schlusswendung wird im Kommentar zunächst auf gutes, verdienstvolles Karma bezogen. Der Kommentar behandelt daneben den Einwand, wie Befreiung bei noch vorhandenem Karma möglich sei: durch Gnade kann es unwirksam werden. Die Übersetzung behauptet daher nicht, dass jeder noch vorhandene karmische Rest Befreiung grundsätzlich ausschließt.
VP 9.2 – aśiva wird im Kommentar durch ihre verwirrende Wirkung erklärt. Die mitwirkende Ursache ist hier Karma: Solange dieses wirksam ist, bindet Māyā die Seele. Māyā ist die stoffliche Ursache, nicht ein zweiter bewusster Schöpfer.
VP 9.5 – Der Kommentar bezieht anitya auf Māyā als stoffliche Ursache und kārya auf die erneut entstehende Welt. Die Frage behauptet nicht, die sichtbare Welt selbst sei unvergänglich.
VP 9.8 – Der Vergleich richtet sich gegen eine stoffliche Ableitung des Unbewussten aus Bewusstsein. Er betrifft nicht die bereits unterschiedene Rolle Shivas als wirkender Ursache.
VP 9.9 – Die Wendung über die ‚Feinheit‘ gehört zur polemischen Prüfung der Atomlehre. Der Kommentar verweist auf die bereits behandelten Kategorien dieser Lehre und beanstandet unter anderem, dass die Vielheit unbewusster Atome wiederum eine Ursache erfordern würde. Sie ist hier keine unbedingte Anerkennung der Atomtheorie.
VP 9.12 – Der Text führt Massensterben als Argument für eine kosmische Auflösung an. Die Übersetzung bewahrt diese historische Schlussfolgerung; sie wird nicht als heutiger naturwissenschaftlicher Nachweis dargestellt.
VP 9.15 – Der Sprecherwechsel liegt innerhalb dieser Strophe: 9.15a setzt laut Vṛtti den Einwand aus 9.14 fort; 9.15b beginnt die Erwiderung.
VP 9.17 – śruti meint im Kommentar hier eine praktische Aufforderung, etwa zum Herbeibringen der Mittel eines Töpfers, nicht eine vedische Offenbarung. Der Schluss nimmt den Einwand aus 9.14 auf.
VP 9.19 – anvaya und vyatireka bezeichnen hier den positiven und negativen Zusammenhang von Ursache und Wirkung; rūḍhi wird im Kommentar durch die allgemein bekannte Wahl geeigneter Ausgangsstoffe erläutert. janyaśakti wird auf die latent vorhandene Wirkung bezogen. Variante (GRETIL-Goodall): kāra[ṇa]vastunaḥ. Markierte elektronische Abweichung; KSTS und Kontrollausgabe kārakavastunaḥ.
VP 9.21 – Drei Halbverse: erster auf S.201/PDF 230 unnummeriert, zwei weitere mit Schlussnummer21 auf S.202/PDF 231. Sabharathnam PDF 46 ordnet den ersten neben20 und zählt die beiden folgenden Halbverse21 und22; keine zusätzlichen Textstellen. Drei Halbverse unter Originalnummer21; keine zusätzliche Strophe. Der erste schließt den Satz aus 9.20 ab, die beiden weiteren führen Vergleich und kosmologische Anwendung zu Ende. Das ‚Entfernen‘ betrifft die das Gewebe verhindernde Anordnung der Fäden, nicht die Vernichtung seines Materials.
VP 10.1 – Die Liste gibt kalā, kāla, vidyā, rāga, nṛ, mātṛ, guṇa, dhī, garva, citta, akṣa, mātrā und bhūta wieder. Der Kommentar fasst unter kalā in dieser Kurzliste auch Niyati und erklärt mātṛ als Prakṛti. Die Aufzählung ist eine Folge der Hervorbringung, keine Behauptung, sämtliche Glieder entstünden unmittelbar aus Māyā.
VP 10.6 – Traditionelle Worterklärung des Textes. Der Kommentar verbindet die andere Bedeutung ‚zählen, begrenzen‘ mit Niyati; die Übersetzung des Grundtextes ersetzt diese Ableitung nicht durch eine moderne Etymologie.
VP 10.9 – param ātmanaḥ wird nach dem Kommentar als ‚das vornehmste Werkzeug der Seele‘ verbunden, nicht als Genitiv des Begriffs Paramātman.
VP 10.10 – paraṃ viṣayam ist nach dem Kommentar zunächst der vom erkennenden Subjekt und dessen Werkzeug verschiedene Gegenstand; eine weitere Deutung nennt die unmittelbar erfasste Buddhi, in der sich äußere Gegenstände abbilden. Gemeint ist hier nicht ein höchster transzendenter Gegenstand.
VP 10.11 – ‚Aus demselben Prinzip‘ meint laut Kommentar wiederum Kalā, nicht Vidyā.
VP 10.14 – truṭi ist eine kleine Zeiteinheit; der Text gibt hier keine moderne Sekundenumrechnung. Der Kommentar bezieht ā samutthānāt auf das Hervortreten Niyatis aus seiner Ursache und erläutert ihre Zuweisung karmischer Erfahrung bis zur Auflösung. Niyati bestimmt die Zuordnung, Zeit deren zeitliches Maß.
VP 10.15 – Einwand gegen die Annahme eines eigenen Niyati-Prinzips.
VP 10.18 – Das hervorgebrachte puṃstattva wird hier als kosmisches Personenprinzip und als Weltbereich beschrieben. Es ist nicht mit der erstmaligen Erschaffung der anfangslosen bewussten Einzelseele gleichzusetzen. Der Kommentar unterscheidet es entsprechend vom bloßen Vorliegen einer Seele in einem Weltbereich.
VP 10.19 – Die sieben Knoten sind nach dem Kommentar Mahat beziehungsweise Buddhi, Ahaṃkāra und die fünf feinen Sinnesqualitäten. Das Guṇa-Prinzip ist ihre unmittelbare Ursache; Pradhāna ist die Ursache dieses Guṇa-Prinzips.
VP 10.24 – Die Ausnahme rāga wird im Kommentar Rajas zugeordnet. Die vier positiven bhāvas heißen Dharma, Jñāna, Vairāgya und Aiśvarya; ihre Gegenteile Adharma, Ajñāna, Avairāgya und Anaiśvarya.
VP 10.25 – caturguṇāḥ gehört zu sapta: 4×7 = 28, nicht 4×9. Zusammen ergeben die genannten Gruppen 50. Die Benennungen nach siddhyādi werden im Kommentar vollständig aufgeschlüsselt.
VP 10.29 – Nummer29 umfasst einen Śloka-Halbvers (prākṛto...) und eine folgende Strophe in längerem Metrum (svargo...). Beide stehen in KSTS 50 auf S.223, Zahl29 nur am Ende. Sabharathnam PDF 54 zählt den Halbvers29, die lange Strophe30; dort folgende Schlussstrophe31 entspricht KSTS 30. vainayaprākṛteṣu ist bereits die Herausgeberberichtigung zu gedrucktem vinayaprākṛteṣu: Errata PDF 27, S.223. nirayāvāpti- am fünffach vergrößerten Druckbild bestätigt. Gemischte Originalposition: ein Halbvers und anschließend eine vollständige Strophe in längerem Metrum, gemeinsam unter der überlieferten Nummer29. Beide Teile sind übersetzt. Der Kommentar erläutert die Ergebnisse der Reihe nach für Dharma, Jñāna, Vairāgya, Aiśvarya, Adharma, Ajñāna, Avairāgya, Anaiśvarya. Er erklärt prakṛtitva als prakṛtilaya, Aufgehen in der Urnatur. Die in diesem Klassifikationszusammenhang genannte Befreiung wird nicht stillschweigend mit jedem zuvor unterschiedenen Befreiungszustand gleichgesetzt.
VP 10.30 – Acht Ergebnisse in derselben Reihenfolge der Anlagen wie in 10.29. Besonders zu beachten: Genussanhaftung entspricht hier dem voll entfalteten Adharma, Erniedrigung dem Ajñāna und erneute Körperannahme dem Avairāgya. Diese Zuordnung ist im Vṛtti ausdrücklich geprüft.
VP 11.4 – Sabharathnam PDF 57 bietet prakāśatayā statt prakāśakatayā. Die vollständige Lesung des KSTS-Drucks bleibt Grundlage.
VP 11.7 – Sabharathnam PDF 57 bietet sattvameti statt sattvātmeti; KSTS 50 bleibt Grundlage.
VP 11.11 – deva bezeichnet hier die Sinnesorgane, nicht zusätzliche Gottheiten. Der Kommentar erläutert, dass ein Werkzeug auf andere Werkzeuge angewiesen sein kann; ihr gemeinsamer Werkzeugcharakter macht keines automatisch überflüssig.
VP 11.14 – Der Satz über Buddhi reicht bis zum ersten Wort von 11.15. Nach dem Kommentar regt Buddhi Manas als Lenker der Sinne an, nimmt deren Gegenstände auf und wird dann von Vidyā erfasst. Vidyā und Buddhi werden daher nicht als austauschbare Namen übersetzt.
VP 11.15 – Das Rāga-Prinzip wird als Ursache des Verlangens beim Erfahrenden von Avairāgya als Buddhi-Zustand unterschieden. Der Kommentar erläutert den letzten Einwand: Wenn Begehren allein im äußeren Erfahrungsgegenstand läge, müsste jeder, der damit in Berührung kommt, gleichermaßen begehren.
VP 11.16 – Die beiden mit viṣayadvaya bezeichneten Fälle werden im Kommentar als äußerer begehrter Gegenstand und als erfahrbarer Buddhi-Zustand erläutert. Der Sprecherwechsel liegt vor karma astu.
VP 11.19 – Sabharathnam PDF 61 bietet pūrvakālajaḥ statt pūrvakālataḥ; KSTS 50, PDF 268, hat deutlich pūrvakālataḥ.
VP 11.22 – Sabharathnam PDF 62 hat bhramayatyan(dheva); KSTS 50 PDF 270 bietet bhramatyandheva und bleibt Grundlage.
VP 11.23 – Der Kommentar erklärt ātivāhika als den aus den Prinzipien bestehenden subtilen Leib und nennt bei Kalā hier Anteile beziehungsweise Kräfte von Mond und Sonne. Die Aufzählung belegt mehrere Wortverwendungen; sie erklärt diese Dinge nicht sämtlich für identisch mit körperlicher Luft.
VP 11.27 – Verweis des Grundtextes auf den Yoga-Abschnitt; die einzelnen Angaben zu Konzentrationsorten und Wirkungen werden hier nicht aus anderen Schriften ergänzt.
VP 12.1 – Der Vṛtti bezieht īśa in īśaśaktigaḥ hier auf Ananta und die weiteren Herren des Māyā-Bereichs. Shiva wirkt durch die in ihnen offenbar werdenden Kräfte. Die Satzauflösung wurde an KSTS 50 PDF 274 kontrolliert.
VP 12.4 – Die Zuordnung Taijasa–Sattva und Vaikārika–Rajas folgt diesem Text; sie wird nicht an abweichende Sāṃkhya-Schemata angeglichen. bhaga und pāyu werden als körperliche Organe übersetzt.
VP 12.5 – Gemeint sind die noch unspezifizierten Grundlagen von Klang, Berührung usw., bevor etwa kalt und warm, verschiedene Farben oder angenehme und unangenehme Gerüche unterschieden werden.
VP 12.13 – Sabharathnam PDF 67 lässt den ersten Halbvers śabdaikagrāhakaṃ śrotram ... ca tvak aus. Von Kontrollnummer 13 bis25 werden jeweils der zweite Halbvers der gleichnamigen KSTS-Nummer und der erste der folgenden verbunden. KSTS-Gliederung bleibt maßgeblich. Der erste Halbvers setzt die fremde Auffassung aus12.12 fort. Der zweite beginnt ihre Prüfung. kāraṇa bezeichnet in diesem Argument den als stoffliche Ursache des Sinnes angesetzten Grundstoff.
VP 12.14 – yukta und ayukta meinen laut Kommentar hier den dem Sinn als eigene Ursache zugeordneten Stoff beziehungsweise andere Stoffe. Gemeint ist nicht ‚mit oder ohne körperlichen Kontakt‘. Der Einwand betrifft beim Tastsinn die behauptete Herkunft aus Luft.
VP 12.16 – Sabharathnam PDF 68, Kontrollnummer16, liest kāyarandhraviśiṣṭaṃ statt karṇarandhraviśiṣṭaṃ. KSTS-Grundtext und Kommentar bewahren karṇa (Ohr). karma bedeutet hier Bewegung beziehungsweise Tätigkeit als Kategorie der gegnerischen Wahrnehmungslehre, nicht die karmische Vergeltung. Der Kommentar nennt auch Allgemeinheit und Inhärenz als weitere wahrgenommene Kategorien, die keine elementaren Grundstoffe sind.
VP 12.17 – Der zweite Halbvers verweist auf die eigene Lehre vom Ursprung der Sinne im Ichbewusstsein: Auch sie kann die unterschiedliche Zuständigkeit mit Karma verbinden. Anders als in 12.16 ist adṛṣṭa hier der karmische Faktor.
VP 12.18 – Sabharathnam PDF 68, Kontrollnummer17, hat śabdaṃ statt śaptaṃ; KSTS PDF 285 und die Kommentarauslegung śaptavat bestätigen śaptaṃ. Die KSTS-Lesung bleibt Grundlage. Die spöttische Frage ist ein Argument gegen die Identifizierung des Gehörs mit einem beliebigen räumlichen Hohlraum. Sie ist keine Beschwörung oder Anweisung zum Verfluchen.
VP 12.19 – Der erste Halbvers schließt die Begründung aus12.18 ab: Gemeint ist laut Kommentar die Reichweite der auf Allwissenheit gegründeten Überlieferung gegenüber begrenzter Schlussfolgerung. Der zweite Halbvers beginnt die Elementenlehre.
VP 12.26 – kālātyayāpadiṣṭa ist hier eine Bezeichnung für einen untauglichen Beweisgrund, dessen Behauptung bereits durch stärkere Erkenntnismittel widerlegt ist. Die anschließende Aussage über Geruch ist eine Widerlegung durch Konsequenz, keine neue Zuordnung des Geruchs zum Raum.
VP 12.27 – Sabharathnam PDF 70–71 lässt den ersten Halbvers yena ketakapuṣpāder vaikṛṣṭye api upalabhyate aus. Seine Nummer26 verbindet KSTS 26b und27b; danach entsprechen Kontrollnummer27–30 den KSTS 28–31.
VP 12.32 – Sabharathnam PDF 71: erster Halbvers neben der Erläuterung zu Kontrollnummer30 unnummeriert; zweiter Halbvers hat Kontrollnummer31. Beide KSTS-Hälften bleiben unter 32.
VP 12.33 – Drei zusammengehörige Halbverse: KSTS PDF 294 erster Halbvers; PDF 295 zweiter mit Nummer 33, dritter anschließend unnummeriert. Vollständig erfasst. Sabharathnam PDF 71–72 zählt die ersten beiden KSTS-Halbverse als 32 und den dritten als 33. Keine zusätzliche Grundtextstelle; KSTS-Dreihalbstrophe vollständig bewahrt. Drei Halbverse unter einer Originalnummer. Das nicht allgegenwärtige Gebilde ist der subtile Leib aus den genannten Prinzipien, nicht die zuvor als allgegenwärtig bestimmte Seele. Der Kommentar vergleicht Öl, Gefäß, Docht und Feuer, die gemeinsam Licht hervorbringen.
VP 12.34 – Schlussstrophe in längerem Metrum. Der Kommentar erklärt citsaṅgacit: Der an sich unbewusste feine Leib erhält durch seine Verbindung mit Bewusstsein dessen Erscheinungsweise. gahana, ‚Dickicht‘, bezeichnet Māyā. Dies ist eine Erklärung der überlieferten Zusammensetzung, keine Sanskritergänzung.
VP 13.1 – Sabharathnam PDF 73 sādhāraṇābhyo statt KSTS sādhāraṇebhyo. Der Kommentar PDF 298 bestimmt maheśvara hier als Ananteśa. Der vorangehende Zweck ist die Erfahrung, durch welche bindendes Karma abgearbeitet wird.
VP 13.3 – Mit dem Erzeugnis ist nach dem Kommentar PDF 301 Kalā als erste Entfaltung der Māyā gemeint. Māyā selbst ist keine räumlich begrenzte Welt.
VP 13.5 – Der Kommentar PDF 302 bezeichnet die höhere Māyā hier als Śuddhavidyā. kṛtau bezeichnet die jeweils zu verrichtende Aufgabe, nicht die Schöpfung der ewigen Seelen.
VP 13.6 – Die Stufen werden einschließlich des Ausgangsmaßes gezählt; der Kommentar PDF 303 nennt die Zwischenstufe trasareṇu. Keine Umrechnung in heutige Längeneinheiten.
VP 13.7 – Satzanschluss und Faktoren nach Kommentar PDF 303–304: acht Gerstenkörner je aṅgula, vierundzwanzig aṅgula je pāṇi/hasta, vier hasta je dhanus. Die verkürzte Formulierung im Grundtext darf nicht zu drei Fingerbreiten je Elle führen.
VP 13.9 – Arbuda bleibt als überlieferte Zahlbezeichnung stehen. Der Kommentar PDF 304 setzt es hier mit einer Koṭi, zehn Millionen, gleich; das weicht vom geläufigen dezimalen Wert hundert Millionen ab. Die Übersetzung vereinheitlicht diese Abweichung nicht stillschweigend.
VP 13.16 – %% kālakhaḍgākhya KSTS Sabharathnam PDF 76 hat he mune statt KSTS ye mune; KSTS-Lesung beibehalten.
VP 13.17 – Der zweite Halbvers beginnt eine neue Namensgruppe, die im nächsten Vers fortgesetzt wird. Der Kommentar PDF 307 erklärt mahāśabdapadānugāḥ als Bezeichnung mahānaraka, große Hölle, nicht als acht nochmals mit mahā erweiterte Eigennamen.
VP 13.18 – Erstickung und Atemholen (nirucchvāsanasocchvāsa) bilden zusammen einen Namen; damit ergeben sich einschließlich der Fortsetzung in 13.18 acht Könige der Höllen. Abgrenzung auch bei Sabharathnam PDF 76.
VP 13.20 – Sabharathnam PDF 76 rājarājeśvarāḥ smṛtāḥ statt KSTS rājarājeśvareśvarāḥ; keine stille Übernahme. mahāpadānugaḥ bezieht sich auf Raurava am Ende des vorhergehenden Halbverses. Mit Mahāraurava und Avīci umfasst die Reihe acht Namen; Sabharathnam PDF 76 bestätigt diese Abgrenzung.
VP 13.22 – Der Kommentar PDF 308–309 bezieht pūrva auf die goldene Hälfte und beschreibt die darunter liegende Schicht anschließend gesondert. Der Grundtext nennt hier keine Himmelsrichtung.
VP 13.26 – Kommentar PDF 310–311: sechs dünne und eine mächtige unterirdische Erdschicht; sieben Zwischenräume, deren oberster zugleich Hāṭakeśas Sitz ist. Die Zahl der Wohnbereiche ist nicht mit der Zahl einzelner Herrscher zu verwechseln.
VP 13.27 – Sabharathnam PDF 78 nit alaṃ / nitalaṃ statt KSTS tritalaṃ; Kontrollfassung bestätigt gabhastimat.
VP 13.28 – Sabharathnam PDF 78 und GRETIL rasāṅkaṃ, KSTS vergrößert rasāṅkuṃ. Beide Lesungen dokumentiert; Drucklesung Arbeitsgrundlage.
VP 13.30 – Sabharathnam PDF 78 karkandukā statt KSTS karkandhako; KSTS-Grundtext beibehalten.
VP 13.33 – yati bezeichnet hier eine rhythmische Zäsur, nicht einen Asketen; Kommentar PDF 313 erläutert die musikalisch gestalteten Lobpreisungen der im folgenden Halbvers genannten Frauen.
VP 13.34 – Sabharathnam PDF 79 surādhīśa statt KSTS asurādhīśa; KSTS-Grundtext beibehalten.
VP 13.35 – Sabharathnam PDF 79 gomada statt KSTS gomedha; KSTS-Grundtext beibehalten.
VP 13.37 – GRETILs verstümmelte Zeichenfolge und Ergänzung [al] sind keine Drucklücke. KSTS PDF 315 und Sabharathnam PDF 80 haben vollständig citraśailasariddvīpakānanodadhyalaṃkṛtām. Sprecherwechsel mitten in der Originalnummer. Die Frage setzt im zweiten Halbvers ein und läuft bis 13.39a. Die Sprecherangabe ist eine redaktionelle Verständnishilfe, keine zusätzliche Sanskritzeile.
VP 13.43 – Zahlen nach Kommentar PDF 317–318: 84.000 Yojanas Höhe über der Erde und 16.000 Breite an der Basis; die Ringabsätze wachsen von 10.000 über 14.000 auf 18.000. Der Kommentar nennt für die Viertelabstände 25.000, was er zusammen mit den Absatzhöhen von insgesamt 9.000 auf 84.000 verrechnet. Diese zusätzliche Berechnung wird nicht in den Grundtext eingeschrieben.
VP 13.44 – Sabharathnam PDF 80–81 daśasahasrānvā statt KSTS daśasahasrā tu; KSTS-Grundtext beibehalten.
VP 13.46 – Drei Halbverse einschließlich des ausdrücklich vom Herausgeber nachgewiesenen zusätzlichen Grundtexthalbverses. GRETIL hat den mittleren ausgelassen. Sabharathnam46 umfasst die ersten beiden; der dritte ist dort erste Hälfte47. Seine Folgehalbverse werden bis48 anders gepaart; KSTS 48b steht anschließend unnummeriert, ab49 stimmen die Nummern wieder überein. Die graphisch zunächst mehrdeutige Gruppe puryoṣṭau ist durch die Kontrollausgabe PDF 81 gestützt; regulärer Sandhi puryaḥ + aṣṭau → puryoṣṭau. Kein frei erfundener Ergänzungsvers. Sabharathnam46 hat marutāṃ statt mahatāṃ; Sabharathnam47 endet nāmatastānnibodhame statt KSTS nāmatastānnibodhata. KSTS-Varianten beibehalten. Alle drei Halbverse der nach dem ausdrücklichen Erratum ergänzten Originalnummer übersetzt. Keine zusätzliche Versnummer für die mittlere Hälfte.
VP 13.47 – Hari bezeichnet hier Indra, nicht Viṣṇu; Zusammenhang der acht Welthüter.
VP 13.49 – Die Leitlesung pitṛvyādi ist an dieser Stelle auffällig. Sabharathnam PDF 82 liest pitṛvyādhi; darauf beruht die sinngemäße Wiedergabe Ahnen und Krankheiten. Der Sanskrit-Leittext bleibt unverändert. Māri ist nach dem Kommentar PDF 320 eine personifizierte, viele Menschen zugleich treffende Todesmacht.
VP 13.53 – Sabharathnam PDF 83 gṛhair himagiriprabhaiḥ statt KSTS purair himagiriprabhaiḥ; Grunddruck beibehalten. Der nördliche Welthüter ist in dieser Liste Soma, der Mondgott. Die Übersetzung ersetzt ihn nicht durch den in anderen Listen üblichen Kubera.
VP 13.58 – Der Vergleich mit Sāvitrī ist im Grundtext selbst enthalten; der Kommentar PDF 323–324 verbindet ihn mit Lichtfülle und der Hinwendung zur höheren göttlichen Stätte. Er ist keine zusätzliche Rezitationsanweisung.
VP 13.59 – GRETIL mahāyogīśvaraṃ entspricht bereits dem ausdrücklichen KSTS-Erratum PDF 27 zu Druck 295 Zeile5. Hauptdruckform mahāyogīśvaraiḥ nicht zurückübernommen. Bezug ist Brahmā als Bewohner Manovatīs. Der Kommentar PDF 324 erläutert yamādyaiḥ mit Yamas und Niyamas, nicht mit dem Todesgott Yama.
VP 13.61 – GRETIL gaṇeśādigaṇāvarāḥ entspricht bereits dem ausdrücklichen KSTS-Erratum PDF 28 zu Druck 296 Zeile2. Hauptdruckform gaṇeśādigaṇeśvarāḥ nicht zurückübernommen. Die nach dem Erratum gesicherte Arbeitslesung gaṇāvarāḥ bleibt maßgeblich. Der Kommentar PDF 325 unterscheidet diese hiesigen Aufenthalte von der ursprünglichen Zugehörigkeit der Gaṇaherren zum Sadāśiva-Prinzip.
VP 13.62 – Sabharathnam PDF 84 śāsiturdevadevasya statt KSTS mūrdhni devādidevasya; Grunddruck beibehalten.
VP 13.63 – navadvīpe ist hier mit der im Kommentar PDF 325 erklärten Neunzahl der varṣas zu verbinden, nicht als Eigenname der späteren Stadt Navadvīpa zu übersetzen.
VP 13.66 – Die Breite beträgt tausend Yojanas. Der Kommentar PDF 327 erläutert den entsprechenden Zwischenraum mit dem von den anderen Grenzgebirgen und Landschaften bestimmten Maß; der Grundtext gibt hier keine neue ausgeschriebene Zahl.
VP 13.69 – Sabharathnam PDF 86 harivarṣaṃ statt KSTS harivarṣe; Grunddruck beibehalten. Das Erratum zu KSTS S.299 betrifft eine fehlende Kommentarauslegung zu69–70, keinen fehlenden Grundtexthalbvers.
VP 13.71 – KSTS PDF 328 hat vollständig lakṣārdhonnatayaḥ kḷptās teṣāṃ pūrveṇa mandaraḥ. GRETIL verkürzt onnatayaḥ zu onnataḥ und fügt danach [te] ein; diese Eingabe ist am Druck berichtigt, keine Lücke behauptet.
VP 13.72 – Die Farbadjektive werden gemäß dem Grundtext verteilt. Der Kommentar PDF 329 nennt in seiner zusammenfassenden Farbliste eine abweichende Reihenfolge; sie ersetzt nicht die klare Zuordnung in den Strophen.
VP 13.75 – Sabharathnam PDF 87 tāṃ pītvā statt KSTS taṃ pītvā. KSTS bezieht sich auf den zuvor genannten Fruchtsaft; Lesung beibehalten.
VP 13.84 – Der Kommentar PDF 333 erläutert die Zwillingspaare als Mädchen und Knabe sowie śyāmā als Priyaṅgu. Diese mythologische Schilderung wird nicht als biologische oder gesundheitliche Tatsachenbehauptung ausgelegt.
VP 13.85 – bhūtaveda ist eine Stellenwertzahl aus fünf und vier, hier45.000; nicht zwei getrennte Maße von 5.000 und4.000. Kommentar PDF 334, vergrößert gelesen: pañcacatvāriṃśadyojanasahasrāṇi. somavāyvāśayoḥ wird dort als Norden/Nordwesten erklärt.
VP 13.87 – adhyardhāni sahasrāṇi dvādaśa bezeichnet nach Kommentar PDF 335 zwölftausend und ein halbes Tausend, nicht zwölfmal anderthalbtausend.
VP 13.92 – Satzbeginn setzt die Bewohnerbeschreibung aus13.91b fort. Die dreifache Leidensgliederung und die Aussage über das Erreichen von Zielen gehören zur historischen Kosmologie; 13.93a begründet sie mit Bhāratas Stellung als karmabhūmi.
VP 13.93 – Kommentar PDF 337 versteht alle Länder der Fruchterfahrung im Zusammenhang karmischer Folgen. Daraus folgt keine Behauptung, Befreiung oder jeder reine göttliche Bereich werde allein durch Karma hervorgebracht.
VP 13.97 – Die sieben Flüssigkeiten gehören zur mythologischen Geografie. sneha ist hier Fett beziehungsweise geklärte Butter, rasa im üblichen Kontext Zuckerrohrsaft; madhu kann Honig oder einen berauschenden Honigtrank bezeichnen. Die Unterscheidung wird nicht durch eine moderne harmlose Ersatzdeutung aufgehoben.
VP 13.98 – KSTS PDF 339, vergrößerter Grundtext: śākadrumastvaṅgaḥ. Die Vṛtti PDF 340 erklärt unnataḥ. Sabharathnam PDF 91–92 liest śākadrumastuṅgaḥ. Druckwortlaut bleibt mit markierter Unsicherheit erhalten; für die Auslegung ist tuṅgaḥ (hoch) die belegte Kontrolllesung. Das unsichere Wort stvaṅgaḥ bleibt im Sanskrit stehen. Die Wiedergabe hoher folgt vorsichtig der Variante stuṅgaḥ und der Kommentarglosse unnataḥ; keine stillschweigende Emendation.
VP 13.100 – Der handelnde Töter ist Skanda; der Daitya Krauñca ist citramāyī und Skanda sumāyin. Die Benennung des Inselkontinents wird in 13.101a abgeschlossen.
VP 13.101 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.102 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.103 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition. Hari bezeichnet hier Indra; Kommentar PDF 341 ausdrücklich indrayajñārtha. Der König ist derjenige, für den die Priester opfern, nicht selbst ein Mitglied ihrer Priesterfamilie.
VP 13.104 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.105 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.106 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.107 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.108 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition. Satzanschluss13.108b–109a: Die Gesamtzahl lautet25.350.000Yojanas. Die verkürzte Zahlform wird vom Kommentar PDF 343 als zwei Koṭi plus53Lakṣa plus50.000 erläutert; Detailbild gelesen.
VP 13.109 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition. karṇa wird im Kommentar PDF 343 auf den Winkel des durch die Stützgebirge bestimmten Ilāvṛta-Bereichs bezogen; hemādrigarbha auf die Mitte Merus. Es ist keine Strecke in heutiger geografischer Vermessung.
VP 13.110 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.111 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.112 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.113 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition. Zusammen mit 13.112b beträgt die Finsternis351.940.000Yojanas; Garbhoda12.700.000. Die Zahlengruppen stehen im Grundtext in dieser Reihenfolge.
VP 13.114 – KSTS-Druckfehlerverzeichnis PDF 28, S. 316 Z. 6: garbhādeti → garbhodeti. Sabharathnam PDF 94 hat garbhāditi. Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition. garbhodeti gemäß ausdrücklichem Erratum, nicht der fehlerhaften Hauptdruckform garbhateti. tithi ist die Zahl15; Dhruva ist hier der feste Bezugspunkt des Gestirnkreises.
VP 13.115 – %% dhruve prānto KSTS; %% but quoted ad Svacchanda 10: 516c--517b with dhruvaprānto, and %% dhruvaprānto is supported by Nārayaṇa. %% svarloka<> KSTS; %% but quoted up to the end of this pāda ad Svacchanda 10:516c--517b, %% which implies that this word split was made. Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.116 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.117 – KSTS-Druckfehlerverzeichnis PDF 28, S. 317 Z. 9, im Detail geprüft: satyādhip → satyadhiyaḥ. Damit tataḥ satyadhiyaḥ sthānaṃ; die elektronische Konjektur [ma] wird gegenstandslos. Sabharathnam PDF 95: satyadhiyasthānam ohne Visarga. Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition. satyadhiyaḥ nach dem Erratum; Bezug auf Brahmā, wie der Kommentar PDF 347 mit satyaikabuddhi erläutert.
VP 13.118 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.119 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition. Reihenfolge40Millionen für Viṣṇu und60Millionen für Śiva. Zusammen mit den vorangehenden Bereichen und der äußeren Schale ergeben die oberen Höhen500MillionenYojanas.
VP 13.120 – GRETIL folgt bereits der ausdrücklichen Berichtigung KSTS PDF 28, S. 318 Z. 17: srotaḥ samā → srotaḥsu mā. Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition. sarvasrotaḥsu nach Erratum bezeichnet die verschiedenen Überlieferungsströme; es ist keine Aussage über gewöhnliche Wasserläufe.
VP 13.121 – KSTS PDF 348 zeigt dakṣaṇāparām ohne i; diese Druckschreibung bleibt erhalten. Sabharathnam PDF 96: dakṣiṇāparām. Gemeint ist die südwestliche Richtung. Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.122 – GRETIL folgt bereits KSTS-Druckfehlerverzeichnis PDF 28, S. 319 Z. 13: somapakṣeśā → somayakṣeśā. Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition. Hier nennt der Grundtext Soma und den Yakṣaherrn gemeinsam; diese Doppelangabe unterscheidet sich von der zuvor allein Soma gewidmeten Stadtbeschreibung.
VP 13.123 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.124 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.125 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition. Kapālīśa ist hier ein einzelner Name. Mit den fünf Namen des folgenden Halbverses ergeben sich zehn östliche Rudras; Sabharathnam PDF 97 bestätigt diese Wortgrenze.
VP 13.126 – KSTS hat prāgvibhūtyavyayau śāstā; Sabharathnam PDF 97 vibhūtiravyayaśśāstā ohne prāg. Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.127 – Die Namensliste bei Sabharathnam PDF 97 weicht im zweiten Halbvers ab: vidhātṛ dhātṛ kartāro yāmyamṛtyu viyojakāḥ. KSTS-Lesung beibehalten. Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition. Die Namensabgrenzung Kartrīśa ergibt zusammen mit der Fortsetzung 13.128a zehn südliche Rudras. Sabharathnam bietet in dieser Reihe abweichende Namen, die nicht in den Leittext eingemischt werden.
VP 13.128 – Sabharathnam PDF 97 verbindet dharmādharmēśa mit dem vorherigen Halbvers und hat anschließend nirṛtirmāraṇo hantā krūrākṣo dhūmralohitau. KSTS-Namensliste beibehalten. Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.129 – Sabharathnam PDF 97–98: pāśāṅka śvetabhadra statt KSTS pāśāṅga śvetabhūta. Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition. palādapaḥ bezeichnet nach Kommentar PDF 351 die Beschützer des fleischessenden Nirṛti im Südwesten. Es ist keine Vorschrift für die Ernährung der Leser.
VP 13.130 – Sabharathnam PDF 98: sunādābdaravāḥ und mahad-/marudvega (Devanagari/IAST abweichend); KSTS sunādyabdaravāḥ, mahadvega beibehalten. Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.131 – Sabharathnam PDF 98 hat im zweiten Halbvers eine abweichende Namenreihe, u. a. saumyalakṣmī statt saumyaśānta; KSTS beibehalten. Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.132 – Sabharathnam PDF 98: prakāmaśrīratnadhara prasādāś... statt kāmaprasādalakṣmīśaprakāśāś..., außerdem sarvavijñāni statt sarvavijjñāna. KSTS beibehalten. Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.133 – Sabharathnam PDF 98: śambhurvibhurgaṇādhyakṣaḥ tryakṣaśca tridaśeśvaraḥ; KSTS-Reihe beibehalten. Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.134 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition. Der Kommentar PDF 352 löst saṃvivāhāḥ ausdrücklich in Saṃvāha und Vivāha auf. Oben ist Brahmās Richtung; die folgende Gruppe steht unten über Viṣṇu. Die abweichenden Richtungsangaben der englischen Kontrollübersetzung werden nicht übernommen.
VP 13.135 – Sabharathnam PDF 98: viṣo statt KSTS vṛṣo. Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.136 – KSTS PDF 353 im Detail geprüft: kṣetrāvāptaphalaśriyaḥ; nicht kṣetrāvāsaphalaśriyaḥ. Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition. kṣetrāvāptaphalaśriyaḥ wird nicht durch die Hauptdruckform kṣetrāvāsaphalaśriyaḥ ersetzt. Die Herrscher gewährleisten die Frucht der mit den heiligen Stätten verbundenen Verehrung.
VP 13.137 – śrīśaila am Druck KSTS PDF 354 und Sabharathnam PDF 99 bestätigt. Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.138 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition. sātipadāḥ erweitert den vorherigen Gruppennamen guhya zu atiguhya: die überaus geheime Achtergruppe. Ati ist hier kein neunter Eigenname; Kommentar PDF 354.
VP 13.139 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition. Der Kommentar PDF 354 erklärt den Zusatz nā beim letzten Namen des vorherigen Halbverses ausdrücklich. Dadurch erscheinen im Leittext zwei gleichlautende Nākhala-Nennungen. Sabharathnam PDF 100 unterscheidet Naakhala und Nakhala; diese Vokalabweichung wird nicht stillschweigend in den Leittext eingetragen.
VP 13.140 – KSTS PDF 355 im Detail: vimuktāhva und mātrendriyodare. Sabharathnam PDF 99/100 bestätigt diese Wörter. Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.141 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.142 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.143 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.144 – KSTS PDF 356 und Sabharathnam PDF 100 haben kṛtabhairavam. Die GRETIL-Arbeitslesung kṛtaraibhavam wird nicht übernommen; der eingeschobene Kommentar „% kṛtabhairavam KSTS“ ist kein Sanskritgrundtext. KSTS śraikaṇṭhamantataḥ gegenüber Sabharathnam śrīkaṇṭhamantimam. Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.145 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.146 – KSTS endet ekaśivasaṃjñitau; Sabharathnam PDF 101 hat ekaśivasaṃjñitāḥ. Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition. saṃjñitau ist Dual und ordnet die beiden zuletzt genannten Namen als weitere Bezeichnungen dem vorherigen Paar zu. Sie werden nicht als vier zusätzliche Gestalten gezählt.
VP 13.147 – gurutāṃ gatāḥ durch KSTS PDF 357 und Sabharathnam PDF 101 bestätigt. Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.148 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.149 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition.
VP 13.150 – Kontrolle Sabharathnam PDF 93–101: abweichende Paarung der Halbverse und Nummern; Grundausgabe KSTS bestimmt die Originalposition. Die drei Attribute im ersten Halbvers beschreiben nach Kommentar PDF 358 einen Herrscher im Puruṣa-Bereich; sie werden nicht als drei zusätzliche Gottheiten gezählt.
VP 13.151 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.152 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.153 – KSTS PDF 360 im Detail: dhruvatejodhipau; bestätigt durch Sabharathnam PDF 102. Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht. Viśvarāj wird als Beiname Gahaneśas verstanden. So ergeben sich die acht Māyā-Herrscher, die der Kommentar PDF 360 ausdrücklich nennt.
VP 13.154 – KSTS PDF 360 im Detail bestätigt saṃsāracakrakārūḍha; keine Streichung von ka. Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.155 – Sabharathnam PDF 102 ivābalāḥ; KSTS ivācalāḥ beibehalten. Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.156 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht. Der Kommentar PDF 361 zählt ausdrücklich sieben Vidyā-Königinnen. parā ist hier Beiwort Ambikās, kein achter Name; Brahmavetālī ist ein Name. Arbuda wird dort wiederum mit Koṭi erläutert, wie schon bei13.9. Die lokale Zahlbezeichnung bleibt erhalten.
VP 13.157 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.158 – Sabharathnam PDF 103 abweichend śabarāḥ/śa-/ca- in Devanagari/IAST; KSTS śambarāḥ beibehalten. Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.159 – Sabharathnam PDF 103 patayaḥ sthitāḥ; KSTS patayastataḥ. Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht. Der Kommentar PDF 362 ordnet die Rudragruppen, Gaṇas, Welthüter, Schriften und Ananta samt den übrigen Herren diesem Bereich zu; die Namen werden nicht als zusätzliche Mantraformeln behandelt.
VP 13.160 – Sabharathnam PDF 103 svarūpataśca und PDF 104 sadāśive/pavitrāga (IAST); KSTS svasvarūpāśca, sādāśive pavitrāṅga beibehalten. Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht. pavitra/ aṅga/ sakalādi sind nach Kommentar PDF 363 drei Bestandteile des Gefolges: die Brahmamantras wie Sadyojāta, Gliedmantras und acht Rudras. Der Grundtext gibt hier keine ausgeschriebenen Rezitationsformeln.
VP 13.161 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.162 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht. Der Ursprung des Alls wird im Kommentar PDF 363 als Kuṇḍalinī-Śakti erläutert. Die Frage setzt im zweiten Halbvers ein; die Sprecherangabe ist redaktionell.
VP 13.163 – Sabharathnam PDF 104 sadāśivam; KSTS sādāśivam. Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht. śāntānta wird im Kommentar PDF 365 als niṣkalatattvānta, bis zum gestaltlosen Śiva-Prinzip, erläutert. Es bezeichnet hier nicht nur die Kalā Śānti. īśān atītya bezieht sich auf die zuvor beschriebenen Herren des Īśvara-Bereichs.
VP 13.164 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.165 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.166 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.167 – KSTS PDF 367 im Detail: pracyāvalakṣaṇā; Kontroll-IAST PDF 105 prācyāva, Devanagari pracyāva. Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.168 – KSTS PDF 367 im Detail: tadvāṃśca. KSTS āptagamyaviṣayaṃ beibehalten; Kontroll-IAST PDF 105 verkürzt ām-/āmagamya-. Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht. Der Kommentar PDF 368 trennt āpta-viṣaya, Wissen aus Aussage, und gamya-viṣaya, erschlossenes Wissen. Gemeint ist unmittelbar vergegenwärtigte Erkenntnis aller Gegenstände; kein von der Allwissenheit grundsätzlich ausgeschlossener Sachbereich.
VP 13.169 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.170 – Sabharathnam PDF 105 śaktimān; KSTS śāntimān. Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.171 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht. Kommentar PDF 369 erklärt vimucyataḥ hier durch den Wunsch nach Befreiung, nicht als schon vollendete Befreiung. Die drei Kräfte heißen dort Indhikā, Dīpikā und Rocikā; der Grundtext nennt nur die erste ausdrücklich.
VP 13.172 – Sabharathnam PDF 106 tatpadaṃ ca tat; KSTS tatpadaṃ ca yat. Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.173 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.174 – Sabharathnam PDF 106 ānandaṃ; KSTS āhlādaṃ. Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.175 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht. Die ausdrückliche Verneinung der Weltschöpfung durch diese befreiten beziehungsweise zur höchsten Stätte gelangenden Seelen bleibt erhalten. svārthaniṣṭha meint hier Ruhe im eigenen Befreiungsziel, nicht moralischen Egoismus.
VP 13.176 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht. Der Kommentar PDF 372–373 erklärt sakala durch die für die fünf Welttätigkeiten angenommenen Formen, niṣkala durch deren Fehlen vor oder nach der Tätigkeit. Der Herr wird nicht zu einem materiell zusammengesetzten Wesen. Die knappe Wendung kṛtyaṃ tadādiviṣayam wird nach dem vergrößert gelesenen Kommentar PDF 372–373 als anfängliche Ingangsetzung der fünf Tätigkeiten durch seinen Willen erläutert.
VP 13.177 – KSTS PDF 373 und Sabharathnam PDF 107: guṇakārā daśādyāḥ mit Sandhi; elektronischer Visarga entfernt. Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht. guṇakārā bedeutet hier nach Kommentar PDF 373–375 Gefängnisse beziehungsweise Begrenzungsstätten der Eigenschaften; keine mathematischen Multiplikationsfaktoren. Als zehn vornehmliche werden Śuddhavidyā sowie die neun Bindu-/Nāda-Kalās erläutert, dazu die unteren Bindungsbereiche. Auch reine Zwischenzustände können die unbeschränkte Entfaltung der göttlichen Erkenntnis- und Handlungskräfte noch begrenzen.
VP 13.178 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht. Vidyā bezeichnet hier ausdrücklich Māyā, Kommentar PDF 375–376. Die Begrenzung ist gedanklich; für die an sich unbegrenzte Māyā wird damit kein physisches Endmaß angegeben.
VP 13.179 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht. Nach Kommentar PDF 376 endet die Rücknahme des reinen Weltwegs in der höchsten Śakti, die des unreinen in Māyā. Die beiden Kraftprinzipien werden nicht als eine einzige materielle Ursache gleichgesetzt.
VP 13.180 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.181 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.182 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht. Parārdha bleibt als überlieferter indischer Großzahlname stehen. Hier ist nicht ohne Weiteres die Hälfte eines hundertjährigen Menschenlebens gemeint. Der Kommentar PDF 379 rechnet das Jahr mit 360 solchen Tagen und Nächten; eine moderne Jahres- oder Datierungsangabe wird daraus nicht konstruiert.
VP 13.183 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht. nivāryate meint nach Kommentar PDF 379 die Rücknahme der jeweiligen Tätigkeit. Prakṛti wird in diesem Teilzyklus nicht schon als vernichtet dargestellt, da die folgenden Verse sie als ruhenden Träger voraussetzen.
VP 13.184 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.185 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht. Reihenfolge nach Kommentar PDF 380–381: Śivas Wille → Ananta und weitere Vidyeśvaras → Maṇḍalādhipas → die zuvor genannten Amtsträger. Keine Umkehr des handelnden Subjekts.
VP 13.186 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.187 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.188 – Die folgenden Beispiele und Zitate KSTS PDF 383–385 gehören zum Kommentar. Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht. lakṣaṇā bezeichnet hier eine sprachliche Bedeutungsübertragung. Die Beispiele im folgenden Kommentar gehören nicht zum Grundtext und werden nicht als zusätzliche Strophen übernommen.
VP 13.189 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht. guṇakāraṇa ist hier Pradhāna/Avyakta; der Kommentar PDF 386 deutet Verschlingen als Rücknahme in die jeweilige Ursache, nicht als Vernichtung der ewigen gebundenen Seelen.
VP 13.190 – Sabharathnam PDF 110 svargasthityādiko; KSTS sargasthityādiko. Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.191 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.192 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.193 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht.
VP 13.194 – Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht. Die Aufzählung bildet laut Kommentar PDF 389 fünf Zweige: Śuddhavidyā, Sadāśiva, Bindu, Nāda und Parāśakti. pañcāṇudehāḥ wird als die fünf Mantraleiber der Sadāśiva-Stufe wiedergegeben, nicht als fünf zusätzliche Hauptstufen.
VP 13.195 – KSTS PDF 388 und Sabharathnam PDF 111 bestätigen pratyayāḥ im Plural. Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht. Die Frage betrifft die Einordnung von bhāvas und pratyayas in den reinen Weg. Nach Kommentar PDF 390 bezeichnet das Zeitpaar Niyati und Kāla, das Rāga-Paar Vidyā und Rāga. Der feine Nāda wird wegen seiner Durchdringung der Kalā übertragen als diese bezeichnet.
VP 13.196 – Errata KSTS PDF 28, S.360 Z.10: nidhibindu → nidhibinduḥ; nidhirbinduś... gibt die bereits in GRETIL berichtigte Sandhiform wieder. Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht. Die vier Knoten sind nach Kommentar PDF 390 Pradhāna, die Guṇas, Buddhi/Mahat und Ahaṃkāra. Die fünf unteren Träger des groben Nāda sind die in 13.195b benannten Prinzipien, nicht die fünf groben Elemente.
VP 13.197 – Drei Halbverse; KSTS PDF 389 setzt Nummer197 nach dem zweiten, der dritte folgt unnummeriert. Sabharathnam PDF 111: KSTS 196b+197a unter 197, KSTS 197b/c unter 198. Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht. Alle drei Halbverse übersetzt. Nach Kommentar PDF 390–391 bezeichnet sūkṣmabhūteṣu hier Wesen mit feinen Körpern; es wird von den zuvor genannten Tanmātras unterschieden. Die Zuordnungen werden als Durchdringungsverhältnisse des reinen und unreinen Weltwegs erläutert.
VP 13.198 – Lange Schlussstrophe im KSTS-Grundtext PDF 391 ohne sichtbare Nummer; Kommentarabschluss PDF 392 hat198. Sabharathnam PDF 112 zählt199 und hat subhūri statt KSTS subhūyaḥ. KSTS-Wortlaut im Detail gelesen. Sabharathnam PDF 102–112 bildlich kontrolliert; abweichende Paarung der Halbverse/Nummern ersetzt die KSTS-Position nicht. Lange Schlussstrophe vollständig übersetzt. Die polemische Bezeichnung paśumata wird vom Kommentar PDF 391 auf nichttheistische Lehrsysteme bezogen. Die Wirksamkeitsaussage über die Mantras ist die Aussage des historischen Textes; daraus wird keine zusätzliche moderne Heil- oder Erfolgsgarantie abgeleitet. Die Strophe leitet zum Kriyāpāda über.
KP 1.1 – Grundtext steht über der mit [vṛttiḥ] markierten Kommentarinvokation; diese wurde nicht übernommen.
KP 1.2 – akṣaraṃ wird im Kommentar BhattPDF24 als unvergänglich auf Bindu bezogen. Daraus werden nicht ohne Beleg vier getrennte Entstehungsstufen Śakti/Nāda/Bindu/Akṣara vor Mātṛkā konstruiert.
KP 1.3 – Praṇava ist Oṃ, die Ehrerbietungsformel namas. Der Kommentar BhattPDF25 bestimmt den sechsten Vokal als ū, beschreibt Oṃ am Anfang und namas am Ende sowie Bindu an jedem Laut. Die genaue Ausarbeitung der Mantraform wird vom Grundwortlaut unterschieden.
KP 1.4 – Die beiden Halbverse sind im Druck durch einen Kommentarabsatz getrennt. Die Löwen sind die vier Stützen des göttlichen Sitzes, nicht Objekte einer hier angeordneten Tötung; BhattPDF25. adhaḥśakti wird als Ādhāraśakti, tragende Grundkraft, erläutert.
KP 1.5 – Die drei Kreise werden im Kommentar BhattPDF26 als Sonne, Mond und Feuer mit Brahmā, Viṣṇu und Rudra erklärt. Die Aufzählung gehört zur Gliederung des Verehrungssitzes.
KP 1.7 – Die fünf Laute stehen nach BhattPDF27 der Reihe nach für die Konzentrationen auf Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum. Der Kommentar ergänzt Bindu; der Grundtext nennt hier zunächst die fünf Buchstaben. jāti bezeichnet eine Mantra-Schlussformel, nicht gesellschaftliche Herkunft.
KP 1.9 – Die Reihenfolge vauṣaṭ vor huṃ und vaṣaṭ nach huṃ folgt dem Leittext. Die im Sanskrit durch Sandhi entstehenden Formen vauṣaḍ und vaṣaḍ sind hier als selbständige Formeln wiedergegeben. Der Kommentar BhattPDF27 bestätigt phaṭ für den Astra-Mantra und Caṇḍeśvara.
KP 1.10 – Jener bezieht sich auf Caṇḍeśvara. Der Kommentar BhattPDF28 unterscheidet seinen Namensmantra und den allgemeinen Laut; die langen Vokale dienen der Bildung seiner Gliedmantras. Es werden keine zusätzlichen Formeln als angeblicher Grundtext eingeschrieben.
KP 1.11 – Die nachfolgende Langkolophonzeile schließt Nārāyaṇakaṇṭhas Kommentarabschnitt; die kurze Kapitelabschlusszeile steht in Herausgeberklammern. Keine davon als Grundtextvers übernommen. BhattPDF28 erklärt kṣamā als Fähigkeit, die erwünschte Frucht hervorzubringen, und śuddha als gereinigt beziehungsweise rituell bereitet. Die Aussage setzt den reinen Vollziehenden voraus; sie ist keine bedingungslose Wirksamkeitsgarantie.
KP 2.3 – Der Kommentar bestimmt nirvighna als durch den Astra-Mantra von Störungen befreit und īśapūta als durch den Śiva-Mantra geheiligt. Die allgemeine Vorschrift umfasst das Entfernen körperlichen Schmutzes.
KP 2.8 – Der Satz setzt sich in 2.9 fort. Mantras bezeichnet hier die Saṃhitā-Mantras; varman ist der Kavaca-Mantra, nara der Tatpuruṣa-Mantra.
KP 2.9 – Dvirāśramin bezeichnet nach dem Kommentar jemanden, der einen der vier vedischen Lebensstände mit śivaitischer Einweihung verbindet. Die Aussage ist keine Beschränkung auf bloß zwei der vier Lebensstände.
KP 2.10 – Nach dem Kommentar dient der erste der ursprünglichen drei Teile der Schmutzbeseitigung, der zweite dem wiederholten Reinigen der Hände und der hier erneut geteilte dritte der besonderen śivaitischen Reinigung.
KP 2.12 – Der Anschluss an2.11 bezieht den zum Baden bestimmten Erdteil auf die mit den Brahma-Mantras geweihte Portion; die zurückbehaltene Erde dient dem Reinigen der Hände. Der folgende Halbvers gehört zum historischen Ritual des Textes.
KP 2.13 – Tāraka wird vom Kommentar als Oṃ erklärt. Baddhvā gehört trotz der gedrängten Wortstellung zu śikhām, dem Haarknoten; parivṛtya zum Untergewand.
KP 2.14 – Kalasha-Mudrā ist die Gefäßgeste; mārjana und aghamarṣa bezeichnen hier verschiedene rituelle Reinigungshandlungen.
KP 2.15 – Guṇottama ist laut Kommentar der Herr des Mūla-Mantras. Die Fünfergruppe wird als die mit Sadyojāta beginnenden Brahma-Mantras erklärt. Vidyās bezeichnet die bewussten Mantrawesen. Variante (IFP-T0022): brahmādipañcakaṃ sāṅgaṃ mūlaṃ vidyeśvarānapi. Abweichender Halbvers; nur vidyeśvarān zur belegten Korrektur des Druckfehlers herangezogen, keine Vermischung des ganzen Halbverses.
KP 2.16 – Kālāntamaṇḍala wird im Kommentar als das bis zu Kālāgni reichende Weltei erläutert.
KP 2.19 – Die drei Lehrerklassen entsprechen codaka, bodhaka und para. Ihre Unterscheidung ist im Kommentar ausdrücklich ausgeführt.
KP 2.20 – Mit den Mittleren sind nach dem Kommentar die Seher zwischen Göttern und Ahnen gemeint; ihre Formel endet mit namas. Das ist keine soziale Rangbezeichnung der aufgezählten Verwandten.
KP 2.23 – Die frühere unsichere Arbeitslesung prākkṛśāmbara wurde durch erneutes Bildlesen zu prākśambara berichtigt. Der Kommentar erklärt diesen Namen ausdrücklich als den ersten Mantra Sadyojāta. Puṃnivījita, mit Tatpuruṣa angefacht, folgt dem Druck; die Handschrift hat puṃnirvījita.
KP 2.31 – Drei Halbverse. Zahl31 im Druck bereits nach dem zweiten Halbvers; abschließender Halbvers folgt auf Druck 17, dessen Kommentar ebenfalls mit 31 schließt. Keine zusätzliche Versnummer eingeführt. Diese Originalposition umfasst drei Halbverse. Der Kommentar versteht das Wasser der Śakti als geistig geschauten Strom der ungegliederten Kraft, nicht als äußeres Wasser. Der Mantra wird bis zur stillen Auflösung am Dvādaśānta verfolgt.
KP 3.1 – Śivībhūya bezeichnet hier die im folgenden Ritual vollzogene Angleichung an Śiva durch Mantra und innere Vergegenwärtigung.
KP 3.3 – Die Brahma-Mantras werden vom Daumen zum kleinen Finger aufgelegt, die Gliedmantras in der Gegenrichtung. Dhāman wird vom Kommentar als Mūla-Mantra erklärt; tattva bezeichnet die umfassende Durchdringung der Hände mit Śiva.
KP 3.4 – Der Zusammenhang beschreibt die innere rituelle Reinigung und Neugestaltung des Leibes. Der Kommentar diskutiert ihre Wirksamkeit innerhalb der Einweihungslehre; eine äußere Verbrennung des Körpers ist hier nicht die vorgeschriebene Handlung.
KP 3.5 – Der Grunddruck liest śāntena, mit stillem Wind. Der Kommentar hat śāktena und erläutert den Wind als aus der höchsten Śakti hervorgehend; eine Handschrift bietet ebenfalls śāktena. Diese Variante wird nicht still in den Grundtext eingesetzt.
KP 3.6 – Erster Halbvers durch zwei Kommentarblöcke in Viertelverse getrennt; beides als Grundtext gesetzt.
KP 3.7 – Der Gesichtsmantra ist hier Tatpuruṣa. Der Text unterscheidet fünf Köpfe von vier ausgeführten Gesichtern; der Kommentar erklärt das obere Īśāna-Gesicht als in der Kopfgestaltung bereits einbegriffen.
KP 3.8 – Bahurūpa ist Aghora. Die Aufteilung entspricht den Kalās, den Teilkräften der jeweiligen Mantras.
KP 3.10 – Bala, Kraft, bezeichnet den Kavaca-Mantra. Nach dem Kommentar geht es nun um die schützende Auflegung der Gliedmantras; die Körperteile selbst wurden bereits zuvor gestaltet.
KP 3.12 – Letzter Halbvers am vergrößerten Druckbild geprüft; Kommentar Druck 24 bestätigt mantrāntāt und sandhivartmanā getrennt. Die drei Scheiben sind Sonne, Mond und Feuer. Der Kommentar erläutert den Weg als Entfaltungsfolge aus dem stillen Endpunkt der Mantrarezitation.
KP 3.20 – Gemeint sind die personifizierten Gliedmantras. Harita wird im Kommentar mit nīla erläutert; die Übersetzung grün folgt dem Wortlaut des Grundtexts.
KP 3.22 – Die großen Herren sind die acht Vidyeśvaras. Abala bezeichnet nach dem Kommentar Bhṛṅgin; Gajavaktra ist Gaṇeśa. Die acht Namen der Gaṇas verteilen sich auf Kriyā3.22–23.
KP 3.25 – Die Träger der Mantras in 3.24 sind die Vidyeśvaras. Vṛṣāhate wird nach dem Kommentar als Ausnahme des Stiers verstanden; diesem wird kein Dreizack in die Hand gegeben.
KP 3.27 – Der Kommentar erklärt die fünf Gesten als Śakti-, Makara-, Dreizack-, Lotus- und Kuhgeste. Ihre Ausführung behandelt Kapitel5; hier stehen nur Namen und Zuordnungen.
KP 3.30 – Mumukṣu am Anfang dieser Strophe gehört syntaktisch noch zur vorigen. Die deutsche Satzfolge unterscheidet wie der Kommentar die wunschfreie Darbringung des Befreiungssuchenden von der zweckgebundenen Hinterlegung des auf besondere Erfolge gerichteten Sādhaka.
KP 3.33 – Die gedrängte Wendung ajātāyutāntāṇūn wird nach dem unmittelbar geprüften Kommentar Druck 29/PDF 53 aufgelöst: sadyojātādimantrān śivāstrāntān, die Mantras von Sadyojāta bis Śivas Astra. Āyuta wird hier als Waffenbezeichnung verstanden, nicht als Zahl10.000. Sanskritlesung unverändert. Variante (IFP-T0022 Wr21/PDF 26, direkt gelesen): ajātāyudhāntāṇūn. Die Handschrift schreibt āyudha, Waffe; der Grunddruck āyuta. Bedeutungszuordnung des Kommentars bestätigt.
KP 3.34 – Der Kommentar lässt den Verehrer am Brahmā-Platz stehen und ordnet die Verehrten vom Nordwesten aus an; pitāmahasthāna ist somit nicht einfach der Standort Gaṇeśas. Kamalā ist Lakṣmī.
KP 3.36 – Die Bitte nennt die Göttin Ambikā, während3.34 Kamalā nennt. Beide überlieferten Benennungen bleiben erhalten.
KP 3.39 – Der Kommentar unterscheidet hier den Eintritt des Befreiungssuchenden in das ungegliederte Śiva-Prinzip vom Eintritt des auf besondere Erfolge gerichteten Sādhaka in seine bestimmte Gottheitsgestalt.
KP 3.40 – Hier fragt Bharadvāja. Die Anrede hare wird vom Kommentar ausdrücklich auf Indra bezogen.
KP 3.50 – Die Zahl der Arme ist durch dik, Himmelsrichtung, bezeichnet und wird im Kommentar ausdrücklich als zehn aufgelöst.
KP 3.55 – Der Kommentar bezieht die Sonderregel auf dauerhaft eingesetzte Gottesbilder und Liṅgas. Bei ihnen werden die Mantras in der dort bleibenden Śiva-Gestalt gesammelt.
KP 3.56 – Vidyāpīṭha wird im Kommentar auf die Schrift als Trägerin des offenbarten Wissens bezogen. Ekoccāra ist eine einmalige zusammenfassende Anrufung.
KP 3.58 – Nur ein Halbvers unter eigener Nummer; keine Lücke durch Herausgeber angezeigt. Als einzeln nummerierter Halbvers, nicht als vollständige Strophe zählen. Die Originalnummer58 umfasst nur diesen Halbvers; er setzt den Satz aus3.56–57 fort.
KP 3.59 – Der Kommentar erläutert die sofortige Gleichheit durch die ritualgemäße Verwandlung in eine aus Mantras bestehende Gottesgestalt. Diese Aussage ist von den daneben genannten späteren Früchten, Genuss und Befreiung, zu unterscheiden. Schlussstrophe in längerem Metrum; Druckzeilentrennungen sind keine zusätzlichen Sanskritzeichen. Hutāśa und nimitta nach erneutem Druckbildvergleich berichtigt. Der Kommentar erläutert dhṛtivibhava als die Macht der Kräfte Vāma usw.; die Übersetzung bezeichnet Śiva als ihre bewirkende Ursache.
KP 4.2 – Nach dem Kommentar kommt eine weibliche Mantragottheit auf die östliche, eine männliche auf die westliche Hälfte dieses südlichen Blattes. Daneben nennt er eine Auslegung mit linkem und rechtem Auge; sie wird nicht mit dem Grundwortlaut vermischt.
KP 4.3 – Zentrum bezeichnet hier den Fruchtboden des Hauptlotus. Svādhvānta meint nach dem Kommentar die Reichweite der jeweiligen Mantragottheit im Gefüge der Wirklichkeitsstufen, nicht eine beliebige räumliche Wegstrecke.
KP 4.5 – Der Kommentar bezieht saṃhṛtya hier auf die gesammelte Mantrawiederholung und unterscheidet geistige, geflüsterte und hörbare Rezitation. Die im Kommentar hinzugefügten Einzelregeln sind keine weiteren Grundverse.
KP 4.6 – Aṇvadhiṣṭhāna ist hier die Stätte des Mantras, bis zu der seine Wirksamkeit reicht. Der Kommentar betont, dass diese Auflösung nicht über die eigene Wirklichkeitsebene der Mantragottheit hinausgeführt wird.
KP 4.7 – Kommentar und Kapitelabschluss auf Druck 44/PDF 68; keine zusätzliche Grundtextstrophe dort. Der Kommentar erläutert den ausgelassenen Mantra-Einschluss als das zuvor beschriebene Auflösen des Mantras an seiner Wirkungsgrenze. Mudritāśeṣarandhra bezieht er auf das Schließen von Lücken im Ritual durch Mudrās, nicht auf ein körperliches Verschließen sämtlicher Öffnungen. Die Schlussstrophe steht in längerem Metrum.
KP 5.2 – Der Wortlaut leitet mudrā von mudraṇa, Versiegeln oder Bannen, ab. Der Kommentar betont, dass Mudrās in dieser Lehre mehr sind als bloße Fingerstellungen.
KP 5.3 – Die beiden auf die kleinen Finger folgenden Finger sind die Ringfinger. Der Kommentar erklärt mehrere eng verwandte Ausführungsweisen; die Übersetzung bleibt bei der Abfolge des Grundtexts.
KP 5.4 – Der Grunddruck hat athordhvam, nun oberhalb; eine Handschrift und die Auslegung im Kommentar unterscheiden adhaḥ/ūrdhvam, unten und oben. Diese Abweichung betrifft die genaue Lage von Daumen und Zeigefingern. Sruc ist der rituelle Opferlöffel.
KP 5.5 – Makara bezeichnet das mythische Wassertier. Der Kommentar bezieht die unteren und oberen Teile auf Daumen und Zeigefinger.
KP 5.6 – Die knappe Satzstellung wird nach dem Kommentar gelesen: Daumen und kleine Finger bilden die seitlichen Spitzen; die Mittelfinger sind von den sechs übrigen Fingern umgeben. Diese Erläuterung zählt nicht als zusätzlicher Grundtext.
KP 5.7 – Der Kommentar bezieht die Verbindung genauer auf die Handgelenke und erklärt den Gesichtsmantra als Tatpuruṣa.
KP 5.8 – Druck pāṇī; Apparat nennt pāṇi in A–D. Druck caiṣā, nicht caiva. Der Kommentar erläutert die Verbindungen jeweils über Kreuz zwischen den beiden Händen.
KP 5.9 – Mit den dazwischenliegenden Fingern sind nach dem Kommentar die Ringfinger gemeint; im Grundtext sind sie nicht nochmals ausdrücklich benannt.
KP 5.11 – Udara, Bauch oder Innenseite, bezeichnet hier die Handflächen, nicht den Bauch des Ausführenden.
KP 5.16 – Apparat vermutet beim Kommentator tarjanyaṅguṣṭhamūlagau statt Druck tarjanyaṅguṣṭhaparvagau; hier keine stille Ersetzung. In der Arbeitsabschrift wurde das ausgelassene da in pṛṣṭhārdhendudarāhitau nach Druck und T0022 ergänzt. Die genaue Zuordnung der Fingerspitzen in der zweiten Vershälfte bleibt schwierig; bereits der Herausgeber weist auf eine vom Kommentar abweichende Lesung hin. Die Übersetzung macht daraus keine zweifelsfrei rekonstruierte Handanleitung.
KP 5.17 – Drucknummer 17 nach dem Halbvers zur Tālamudrā; der vorangehende Halbvers steht auf Druck 51 nach Nummer16. Nummerierung und Halbstrophengrenzen des Drucks bewahrt.
KP 5.18 – Druck 52/PDF 76 setzt irrtümlich Nummer14; Addenda et Errata327/PDF 367 berichtigen ausdrücklich zu18. Originalnummernkorrektur nach Herausgeber. Die Schlussstrophe unterscheidet den geistigen Vollzug von der äußeren Ausführung. Der Kommentar zählt vierzehn Mudrās von der Löffelgeste bis zum Händeklatschen; die achtzehn Originalstrophen sind nicht achtzehn Gesten.
KP 6.2 – Ausgeschlossen sind Nordwesten, Südwesten und Süden. Nabel, yoni, Wülste und weitere Ausdrücke bezeichnen in diesem Abschnitt Teile der Feuergrube; ihre Maße folgen später.
KP 6.4 – Der Kommentar erklärt die sich kreuzenden Wege durch nach Osten und Norden ausgerichtete Darbha-Gräser. Die Göttin wird als Vāgīśvarī, Kraft des Herrn der Sprache, erläutert.
KP 6.8 – Die Zeugungs- und Geburtsbilder in 6.5–19 beziehen sich auf die Weihe des Feuers in der als Göttin vergegenwärtigten Feuergrube. Der Kommentar erklärt den Samen als Samen des höchsten Herrn.
KP 6.11 – Die Riten Puṃsavana und Sīmanta werden auf die rituelle Geburt des Feuers übertragen. Prāk bedeutet hier nach dem Kommentar vor der Darbringung der Opfergaben; es bezeichnet an dieser Stelle keine Himmelsrichtung.
KP 6.12 – Der Kommentar nennt als einzelne Ausformung die38Kalās, alternativ die zusammenfassende Gestaltung durch die fünf Brahma-Mantras.
KP 6.14 – Bhatt Erratum Druck 57 Z.16 rudrān→rudreśvarān betrifft Kommentar, nicht Grundtext brahmādīn; PDF 87 bildlich erneut abgegrenzt. Die Richtungen sind Osten, Westen, Süden und Norden. Der Kommentar nennt Brahmā, Viṣṇu, Rudra und Īśvara. Das Herausgebererratum zu6.14 ändert nur eine Kommentarlesung, keinen Grundvers.
KP 6.16 – Der Kommentar erklärt akṣakurān als Kuśa-Gräser und die Einfassungen als die vier Kalās des Bindu. Der Verkünder der drei Veden ist Brahmā.
KP 6.19 – Die Namensformel ist verständlich, obwohl die Drucklesung śivāgnirityenāma metrisch bzw. sprachlich beschädigt ist; sie wird nicht still ergänzt. T0022 bietet eine abweichende Lesung. Der Kommentar erläutert paarweise Verbindungen der Münder und die Verbindung des oberen Īśāna-Mundes mit Śiva. Variante (IFP-T0022): tataḥ śivāgnirityagne nāma kṛtvā guruttamaḥ. Handschrift hat zusätzliche Silben und eine deutlichere Benennungsformel; Genitiv agner/vokativ agne und Wortverbindung noch abschließend prüfen. Nicht stillschweigend in Bhatt eingefügt.
KP 6.21 – Offene Lesung durch visuellen Vergleich mit T0022 S40/PDF 45 geklärt. Variante (IFP-T0022): triragramūlamadhyāṃśaiḥ kauśaisteṣveva saṃspṛśet / pratyaṃśamastramantreṇa gandhādiprokṣaṇānvitam. Bestätigt korrigierte Drucklesung teṣveva und astramantreṇa.
KP 6.22 – Der Kommentar erklärt savyataḥ hier ausdrücklich als rechts. Dharmeśas Richtung ist Süden; die Erklärung lautet yāmyadigbhāga.
KP 6.23 – Pavitra ist ein rituelles Reinigungsgerät aus Gras. Der Kommentar erläutert Utplava und Saṃplava als Bewegungen des Pavitra von der eigenen Seite weg und wieder zu sich hin.
KP 6.24 – Die ausgeschriebene Formel des Grundtexts lautet agnaye svāhā; somāya steht als anschließende Dativform. Ausführlichere vom Kommentar ausgeschriebene Formeln werden nicht als zusätzliche Grundtext-Mantras gezählt.
KP 6.30 – Śata, Hälfte und Viertel ergeben100,50und25; daśādhitisṛbhiḥ wird vom Kommentar als 13 erklärt. Param erläutert er zusätzlich als Untergrenze von drei Gaben.
KP 6.31 – Kommentarabschluss auf Druck 64 fälschlich29; Errata Druck 327 berichtigen zu31.
KP 6.34 – Mit6.33–34 fragt Bharadvāja nach den bislang vorausgesetzten Geräten, Mengen und Anwendungsvorschriften. Die Antwort beginnt in 6.35.
KP 6.36 – Der Kommentar erklärt ardha-viṣkambha als halbe eigene Länge, nicht als Halbierung eines anderweitig festgelegten Durchmessers; Karṣa ist eine traditionelle Gewichtseinheit.
KP 6.37 – Zahlwörter und technische Maße folgen dem Kommentarzusammenhang; sie werden nicht frei in moderne Maße umgesetzt. Die Zahlwörter sind nach der ausdrücklichen Auslegung im Kommentar Bhatt PDF 95–99 aufgelöst: ṣaḍaṅga = 36; die drei Plattformgrößen 8, 7, 6 und die Ausgusslängen 5, 6, 7. Klein, mittel und groß haben Plattform/Ausguss 6/5, 7/6, 8/7; die unterschiedliche Stiellänge erhält die Gesamtlänge 36. Die Arbeitslesung aṣṭāṅga bleibt trotz der erklärten Sieben unverändert.
KP 6.38 – Bhatt PDF 99 erläutert vedavṛtta hier als kreisförmige Höhlung von vier Fingerbreiten, mit fünf und sechs bei den größeren Formen; trikalā als drei Fingerbreiten Tiefe. Die Zahlen 5 und 6 sind erläuternde Ergänzungen, keine zusätzlichen Sanskritwörter.
KP 6.39 – Āśāśra lässt nach dem Kommentar vier oder acht Ecken zu. Ṣaṇṇāha bezeichnet den Umfang des Stiels. Die knappe Formulierung des Krugornaments wird im Kommentar auf eine halbe Fingerbreite bezogen.
KP 6.40 – Umfangreicher Kommentar dazwischen; Druck 67/PDF 99 vollständig eingesehen, dort kein zusätzlicher nummerierter Grundtext. Tafeln PDF 97–98.
KP 6.41 – In der zweiten Vershälfte wechselt das Thema von der Sruc zur Feuergrube. Die früher genannte Normalgröße beträgt eine Elle. Das Maß des Lippenrandes wird gesondert behandelt; keine aus dem Kommentar ergänzte neue Gesamtgröße wird zum Wurzeltext erklärt.
KP 6.44 – Der Wurzeltext nennt in geraffter Form die Größen 2, 4 und 8, ohne jeder eine genaue Opferzahl zuzuordnen. Der Kommentar behandelt die einellige Grube bei tausend Gaben und weitere Stufen; seine zusätzlich genannte Größe von sechs Ellen wird nicht in den Grundtext eingeschoben.
KP 6.53 – Der Kommentar deutet guṇa in guṇatejasā als Praṇava, den Laut Oṃ. Die zweite Hälfte eröffnet die Beschreibung des Arghya-Gefäßes in 6.54.
KP 6.55 – Ardha-viṣkambha bezeichnet hier ausdrücklich den halben Durchmesser: Der Kommentar Bhatt PDF 108 erklärt einen Gesamtdurchmesser von zwölf Fingerbreiten. Die Übersetzung unterscheidet dies von der Verwendung in 6.36.
KP 6.56 – Gemeint sind Gold, Silber, Kupfer und Ton. Mit der zweiten Hälfte beginnen die Maße der unteren Araṇi in 6.57; sie beziehen sich nicht auf die drei Gefäße. Vasu, Arka und dreimal acht bezeichnen 8, 12 und 24.
KP 6.58 – Der Kommentar erläutert die Befestigung der Bohrerspitze und das Drehen zwischen den beiden Araṇis. Die knappe Instrumentalform gāyatrījamayā setzt ein Gerät voraus; der Pflanzenname wird bewahrt, ohne eine hier nicht gesicherte botanische Gleichsetzung einzusetzen.
KP 6.61 – Mūla wird im Kommentar auf besondere Wurzeln beziehungsweise deren Kräfte bezogen. Die Prädikate der verschiedenen Feuerzeichen reichen mehrfach über die Versgrenzen.
KP 6.63 – Rasāyana und rasa stehen hier im historischen Zusammenhang von Mitteln zur Erhaltung beziehungsweise Festigung des Körpers und der Alchemie; der Kommentar nennt bei rasa unter anderem Quecksilber. Die behauptete Wirksamkeit ist eine Aussage des Ritualtextes.
KP 6.66 – Die erste Wendung schließt die Duftliste aus 6.65 ab. Sādhanānīka erläutert der Kommentar als Gruppe von Siddhis, darunter āpyāyana. Karpūrāgarukāsṛjām ist karpūra–agaruka–asṛjām: Der Kommentar sagt ausdrücklich agaru–karpūra–rudhirāṇāṃ, also Aloeholz, Kampfer und Blut. Dies ist eine Beschreibung rituell gedeuteter Feuergerüche, keine hier ergänzte Liste einzuwerfender Stoffe.
KP 6.67 – Kapi erklärt der Kommentar als Sihlaka-Räucherharz, dantīśamada als Elefantenschläfensekret und ayugmacchada als Saptaparṇa. Dantīśa und mada sind hier keine zwei getrennten Listenposten.
KP 6.71 – Yavīyasī bezeichnet hier den kleinsten Finger; der Kommentar verweist auf die frühere Beschreibung und unterscheidet Baumholz von Ranken.
KP 6.74 – Mada erläutert der Kommentar hier als kastūrikā, Moschus. Śuddhi wird auf rituelle Sühne beziehungsweise Reinigung bezogen.
KP 6.75 – Der Kommentar Bhatt PDF 117 erklärt dvirākhyopapadānvitaiḥ durch verdoppelte Handlungswörter und einen angrenzenden Namen; er zeigt zwei mögliche Stellungen. Seine vollständigen Beispielmantras werden nicht als Grundtext ausgegeben.
KP 6.76 – Im Druck Zeilentrennung innerhalb von iṣṭa-dvitaya; der Trennstrich bezeichnet keinen Laut. Vier metrische Zeilen, Danda nach der zweiten und doppelter Danda nach der vierten. Kommentar und Abschluss auf Druck 82/PDF 118. Der Kommentar versteht ṛddhi als pūjā und das erstrebte Zweifache als bhukti und mukti. Adhivāsyā leitet zur vorbereitenden Weihe beziehungsweise zum Adhivāsa des folgenden Kapitels über; hṛdā wird als cetasā, mit dem inneren Anliegen, erklärt. Vierzeiliger Abschluss in langem Metrum.
KP 7.1 – Citaḥ ist hier der Genitiv zu cit, Bewusstsein, und hängt von yogyatāyai ab; es bezeichnet keinen ausgewählten Lehrer. Der Kommentar erklärt saṃvidaḥ arhatvārtham. Adhivāsa ist die vorbereitende Weihe vor dem eigentlichen Einweihungsritual.
KP 7.2 – Varṇa meint in diesem Abschnitt die vier gesellschaftlichen Stände. Die nachfolgende traditionelle Zuordnung wird als Aussage des Textes wiedergegeben.
KP 7.3 – Die vier Farben und Gerüche beziehen sich in der Reihenfolge auf Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras. Der Kommentar löst die im Grundtext verkürzte Geschmacksreihe als süß, herb, sauer und scharf auf; tāla bezeichnet das gelbe haritāla. Diese zusätzlichen Geschmackswörter werden nicht als ausgeschriebener Grundtext ausgegeben.
KP 7.8 – Die vier Brahma-Schnüre markieren die beiden Hauptachsen und die beiden Diagonalen. Der Kommentar unterscheidet Markierungen an ihren Enden von Pflöcken mitten im Maṇḍala; seine zusätzlichen Bauverbote sind kein weiterer Grundtext.
KP 7.9 – Bhatt Fußnote4: Der Kommentar impliziert die abweichende Verbindung vahnyāśrayaghaṭāśrayam; Druckgrundtext beibehalten. Labdhasuvā erläutert der Kommentar Bhatt PDF 125 ausdrücklich als bhūtalaṃ prāptena, den Erdboden erreicht habend, bezogen auf den Kuhdung. Die zuvor offene technische Deutung ist dadurch geklärt.
KP 7.11 – Der Kommentar ordnet die drei Gefäße dem Śiva-, Ātma- und Vidyātattva zu. Diese Zuordnung wird nicht als weitere Vershälfte ergänzt. Paśu bezeichnet hier die gebundene Seele, Rodha das rituelle Festhalten der angerufenen Gegenwart.
KP 7.16 – Die fünf Kuhprodukte erhalten die fünf Brahmamantras; für das Kuśa-Wasser nennt die Fortsetzung ausdrücklich denselben Śiva-Mantra. Der nachfolgende Bodenritus setzt die zuvor bereits vorgenommene tatsächliche Bodenbereitung voraus.
KP 7.17 – Śāktaiḥ rajaiḥ erklärt der Kommentar Bhatt PDF 127 als Teilchen des von der höchsten Śakti ausströmenden Lichtes. Dies ist eine innere Vorstellung zur Beseitigung verbliebener Unreinheiten, keine neue Anweisung zum Einfüllen gewöhnlicher Erde.
KP 7.18 – Die Ortsbezeichnung bhaumuge bleibt als Arbeitslesung des Drucks erhalten; der Apparat nennt abweichende Formen. Der Kommentar Bhatt PDF 128 erläutert den gemeinten Bereich als unter Kālānala gelegen. Die folgenden Ortsangaben beziehen die Opferhalle auf den kosmischen Adhvan; es handelt sich nicht um einen zusätzlichen realen Ort unter dem Boden. Variante (IFP T0022): bhaumuje. Bhatt liest bhaumuge; Apparat dort bhaumuje in A. Die Kommentarglosse nennt die Region des Kālāgni unterhalb der Erde.
KP 7.19 – Die Auslegung des Ritualraums als kosmischer Weg wird im Kommentar Bhatt PDF 128 ausdrücklich auf die Strecke von der Südwestecke bis zum Śiva-Ort im Nordosten bezogen. Das Zusammenbringen der Körner im Nordosten folgt der Erklärung īśataḥ = aiśānyāṃ diśi in PDF 131.
KP 7.21 – Rasa wird in der Erläuterung des Kruginhalts unter anderem durch pārada, Quecksilber, erklärt. Die Übersetzung bewahrt die historische Stoffkategorie, ohne daraus eine heutige Verwendungsempfehlung zu machen.
KP 7.22 – Zwischen Druckseiten92–93 liegen Tafelseiten PDF 129–130.
KP 7.24 – Der Kommentar Bhatt PDF 131 setzt Kartarī mit Vardhanī gleich. Die Ortsangabe lautet rechts vom Śiva-Krug; sie wird hier nicht ungeprüft durch eine zusätzliche Himmelsrichtung ersetzt.
KP 7.27 – Bhityasaktāṃ steht so in der Arbeitslesung; die Übersetzung an der Wand entlang setzt die wahrscheinliche Deutung bhitti-asaktām voraus. Erneuter Detailabgleich Bhatt PDF 132 und T0022 S60/PDF 65 (dort wegen früherer Abweichung unter Nr26) lässt die Ligatur beziehungsweise Verdopplung weiterhin nicht sicher auflösen. Der Sanskrittext wird nicht stillschweigend zu bhittyasaktāṃ normalisiert. Die Übersetzung dieser Teilangabe ist ausdrücklich vorläufig.
KP 7.29 – Kasthāna erklärt der Kommentar als Brahmasthāna. Die Verbindung der Richtungshüter wird dort als rituelle Verbindung von Nāḍīs erläutert; das knappe Verb saṃdhāya wird nicht um einen ungenannten physiologischen Vorgang erweitert.
KP 7.31 – Graha bezeichnet hier ergreifende Mächte; die im folgenden Vers genannten Namen sind nicht die übliche Liste der neun Planeten. Die Übersetzung verwendet deshalb keine Planetenbezeichnung.
KP 7.32 – Der Kommentar leitet mit tam evāha, nun spricht er eben diesen [Mantra], ausdrücklich schon die Namensreihe der zweiten Vershälfte ein. Die zitierte Bali-Formel beginnt folglich in 7.32b und endet in 7.35, nicht erst in 7.33.
KP 7.36 – Sadāśā erklärt der Kommentar als die günstigen Richtungen Osten, Norden und Nordosten. Das zum Kochen benutzte Feuer wird von der rituellen Hauptfeuerstätte hergenommen; die zusätzliche Herdmöglichkeit gehört zum Grundtext.
KP 7.37 – Ghanāvṛtā wird vom Kommentar als kavacāvaguṇṭhitā, vom Schutzmantra umhüllt, erläutert; es ist hier keine Vorschrift für einen schweren Topfdeckel.
KP 7.43 – Sampāta bezeichnet hier die Übertragung der Mantraweihe auf die Speise durch eine mit dem Feueropfer verbundene Besprengung. Das folgende Verfahren erläutert diese Verknüpfung.
KP 7.44 – Kommentar PDF 137 erläutert sve als ersten und hā als zweiten Teil des Mantraabschlusses svāhā; Wortlaut der Grundtextkontraktionen beibehalten. Svety und heti enthalten svā + iti und hā + iti: Die Schlussformel svāhā wird auf Feueropfer und Besprengung verteilt. Der Kommentar Bhatt PDF 137 erläutert die Nennung des Gegenstandes und eine nachfolgende Weihaussage; seine ausgeschriebene Formel wird nicht als zusätzlicher Grundtext eingefügt. Die halbe Gabe im Feuer und die Ausrichtung des übrigen Inhalts auf das Weiheziel sind unterschieden.
KP 7.45 – Der Kommentar erläutert kartarī hier als die Schere zum Durchtrennen der Paśu-Fessel beziehungsweise ihrer Schnur. Derselbe Ausdruck bezeichnet in 7.24 nach dessen Kommentar die Vardhanī; die beiden konkreten Verwendungen werden nicht vereinheitlicht.
KP 7.46 – Die Buchstabenfolge purastatsānnidheyaṃ durch Druckdetail PDF 137 und T0022 PDF 70 (Manuskript65, Vers45) bestätigt; syntaktische Aufteilung vor Übersetzung offen. Die gedrängte Verbindung purastatsānnidheyaṃ bleibt im Sanskrit unverändert. Der Kommentar Bhatt PDF 137 erläutert das Aufstellen vor dem Herrn und in dessen Nähe, im Nordosten beim Śiva-Krug. Die Übersetzung folgt dieser ausdrücklich belegten Auslegung, ohne eine neue Sanskritlesung einzusetzen.
KP 7.50 – Śiṣyaśeṣa erklärt der Kommentar als den nach dem Essen des Schülers verbliebenen Teil. Die Reihenfolge wird bewahrt; die Speise wird nicht als ausschließlich für den Lehrer bestimmt beschrieben.
KP 7.51 – Bahurūpa erläutert der Kommentar als Aghora; asinā, mit dem Schwert, bezeichnet hier den Astra-Mantra. Es wird kein wirklicher Schwertgebrauch in das Opferverfahren eingefügt.
KP 7.55 – Der Kommentar erläutert bhasmany aktena als in der Asche verehrt und gegenwärtig gemacht; saśabdam als mit Lauten. Gemeint ist die Astra-Mantrawaffe aus dem vorherigen Vers. Die Übersetzung beschreibt den historischen rituellen Vorgang und ergänzt keinen Schlag mit einer materiellen Klinge.
KP 7.56 – Der Kommentar Bhatt PDF 140 unterscheidet die Reihenfolge für den Bhukti-Suchenden und den Befreiungssuchenden: oben–unten beziehungsweise unten–oben. Die drei Striche werden mit dem Halm gezogen; kein Einschneiden wird ergänzt.
KP 7.59 – Die Blumen werden hier als Verehrungsgabe dargebracht. Der Kommentar Bhatt PDF 141 unterscheidet dies ausdrücklich von dem erst später beschriebenen Blumenwurf zur Namensbestimmung.
KP 7.62 – Ke erläutert der Kommentar Bhatt PDF 142 als mūrdhni, am Scheitel. Es bezeichnet hier nicht den Brahma-Platz wie ka in 7.29. Die Śiva-Hand wird auf die bereits in 7.14 beschriebene Mantraweihe bezogen.
KP 7.66 – Der Kommentar erklärt die Verbindung ausdrücklich als innere Vorstellung, durch den Darbha-Halm dargestellt. Die Näherung an den Unterschenkel und das Ergreifen des Wurzelendes werden auseinandergehalten.
KP 7.67 – Viśleṣa und grahaṇa erläutert der Kommentar als Herauslösen aus dem Körper und Ergreifen im Einweihungsritual. Die Nāḍī-Verbindung bezeichnet den rituell vorgestellten Zugang des Lehrers; die Übersetzung macht daraus keine körperliche Verletzung.
KP 7.70 – Der Kommentar beschreibt die dadurch erlangte Eignung für Hören der Lehre, Verehrung, Rezitation und Meditation. Dūrārogyātivartiṣu wird dort auf das Überschreiten schwer erreichbarer Bereiche bezogen; trotz des Wortbildes geht es hier nicht um körperliche Gesundheit. Die Arbeitslesung wird bewahrt. Diese Samaya-Weihe ist die erste Zugangsweihe und wird nicht mit sämtlichen späteren Initiationsstufen gleichgesetzt.
KP 7.72 – Drei dreifache Stränge ergeben nach dem Kommentar neun Fäden. Kanyā bezeichnet die traditionelle Spinnerin; die Angabe wird als Teil des historischen Ritualtextes bewahrt.
KP 7.73 – Der Kommentar identifiziert Vaiṣuvatī mit der mittleren Suṣumnā und erläutert die Schnur als deren Darstellung. Bei der Ausspannung unterscheidet er für Frauen die linke und für Männer die rechte große Zehe; diese zusätzliche Zuordnung steht nicht ausgeschrieben im Grundtext.
KP 7.75 – Viśleṣāya ist die im erneuten Druckbildvergleich berichtigte Zweckangabe. Der Kommentar erläutert die innere Überführung der mittleren Nāḍī über den rechten Nāḍī-Weg und gibt ein ausführlicheres Namensmantra als Beispiel. Dessen zusätzliche Wörter werden nicht als Grundtext aufgenommen.
KP 7.76 – Der Grundtext nennt suṣumnāyai svāhā. Ein im Kommentar vorangestelltes Oṃ wird der überlieferten Grundtextformel nicht hinzugefügt.
KP 7.78 – Der Kommentar erläutert das Bild als Glanz eines hellen Sterns und den Endpunkt der Fesseln als Dvādaśānta. Es geht um die rituelle Vorstellung des Herauslösens des Bewusstseins, nicht um das Entfernen eines körperlichen Organs.
KP 7.79 – Vyoman wird im Kommentar als ha, Bindu als dessen Nasalierung und nati als namaḥ erklärt. Die Passage nennt die Bestandteile einer Formel in verschlüsselter Form; die Übersetzung kennzeichnet sie als solche. Ātivāhika ist der die Seele begleitende Übergangsleib. Ātivāhikārūḍham ist in der Eigenprüfung als Attribut zu vapuḥ zugeordnet; der Kommentar erläutert es durch puryaṣṭakādhiṣṭhitam. Die Übergangsleib-Verbindung wird nicht als grammatisches Attribut der instrumentalen Seele ausgegeben.
KP 7.80 – Die tatsächliche Wortfolge des Grundtexts ist svāhā paśvātmane. Die im Kommentar umgeordnete und um Oṃ erweiterte Fassung wird nicht als zusätzlicher Grundtext ausgegeben.
KP 7.82 – hṛdundhya ist im Druckdetail und in IFP T0022 PDF S. 79 (Abschrift S. 74, Vers 81) bestätigt; der Kommentar benennt die Nabelregion (nābhyante).
KP 7.83 – Der Kommentar ordnet Śāntyatītā dem Bindu-Bereich und dem Scheitel, Śānti dem Mantraherrn und dem Gesicht, Vidyā dem Vidyātattva und dem Herzen, Pratiṣṭhā dem Wasserprinzip und dem Nabel, Nivṛtti dem untersten Bereich bis zur Kālāgni-Stätte und den Füßen zu. Die Wurzelverse nennen die fünf Kalās nur durch śāntyatītādayaḥ; ihre Namen werden nicht als zusätzliche Sanskritliste eingeschoben.
KP 7.87 – Der Kommentar erklärt die Rahmung des Waffenmantras durch den Praṇava am Anfang und huṃ am Ende. Vilomataḥ bezeichnet die umgekehrte Reihenfolge der Kalā-Bereiche; die einzelnen Mantraformulierungen des Kommentars werden nicht als weitere Grundtextformeln ergänzt.
KP 7.89 – Die gedruckte Form karaṇa bleibt trotz der abweichenden Flexionen karaṇāḥ in A/B/D und karaṇāt in C unverändert. Der Kommentar Bhatt PDF 150–151 zerlegt ākhyā als Bezeichnung der beabsichtigten Handlung, īśakaraṇa als Mantras und krūrajātayaḥ als heftige Schlusslaute wie huṃ/phaṭ. Diese begriffliche Erklärung ermöglicht die Übersetzung, ohne die Formfrage stillschweigend zu beseitigen. Variante (IFP T0022): prabodhe huṃphaḍākhyeśakaraṇāḥ krūrajātayaḥ. Visarga nach karaṇāḥ ausdrücklich geschrieben; bestätigt Druckapparat A/B/D. Druckgrundtext karaṇa vorerst erhalten.
KP 7.90 – Der Kommentar unterscheidet die Wortreihenfolge des Verses von der praktischen Reihenfolge: erst Binden, dann Herauslösen, dann Durchtrennen. Die Übersetzung wahrt die überlieferte Aufzählung und behauptet nicht, das Durchtrennen gehe dem Binden voraus.
KP 7.96 – Die drei Ursprünge erklärt der Kommentar Bhatt PDF 153 als Körper, Rede und Geist, nicht als eine beliebige andere Dreiergruppe von Leiden.
KP 7.97 – Vāsitāṅgena wird nach dem Kommentar als vā asitāṅgena verstanden; gemeint ist Aghora, nicht ein mit Duft bestrichener Körper. Der Kommentar verteilt die drei Mantras auf körperliche, sprachliche und geistige Ritualfehler und nennt daneben die Wahl eines Mantras für alle dreihundert Gaben.
KP 7.98 – Agnipathe erklärt der Kommentar als Überführung vom Sthaṇḍila ins Feuer und von dort in den Krug. Der Grundtext wird nicht auf eine unmittelbare Überführung ohne diesen Zwischenschritt verkürzt.
KP 7.99 – Kasthāna bezeichnet hier nach dem Kommentar die Kopfstelle auf dem Lager, nicht den Brahma-Platz. Die unterschiedliche Ausrichtung für Bhukti und Mukti bleibt erhalten.
KP 7.103 – Nur ein nummerierter Halbvers im Grundtext. Der anschließende Kommentar läuft bis Druck 117/PDF 155. Keine fehlende Hälfte ergänzt. Nur ein Halbvers ist überliefert. Suptamāṇavaka ist nach dem Kommentar eine Mantrabezeichnung; A/B und der Kommentarzeuge C haben die Variante Svapnamāṇavaka. Der Kommentar verweist für den Wortlaut auf einen Pratiṣṭhā-Abschnitt, der in den für diese Edition benutzten Handschriften fehlt. Es wird deshalb kein ungesicherter Mantrawortlaut ergänzt.
KP 7.104 – Abschließende Strophe in längerem Metrum; Kommentarabschluss auf Druck 118/PDF 156. Der folgende Kolophon nennt ausdrücklich Nārāyaṇakaṇṭhas Vṛtti und gehört zum Kommentar. T0022 PDF 84, Manuskript79, Schlussnummer102½: eingeschobene Halbverse und andere Nummerierung bewirken die Abweichung zu Bhatt 104. Kein unmittelbarer Verlust von 1½ Strophen daraus ableitbar. Der Kommentar erklärt sadyaḥ als eine bei fehlender Zeit mögliche unmittelbare Vorbereitung und vi-gavya-caru-pāśa-yamādi als Auslassung der Kuhprodukte, Caru-Einnahme, Fesselbindung und ähnlicher Schritte. Pura wird dort als Maṇḍala erklärt; mantrapurasāra wird nicht mit einem hier ungenannten Puraścaraṇa-Verfahren verwechselt. Der Vers ist ein vollständiger vierzeiliger Abschluss in langem Metrum.
KP 8.2 – Sāpekṣā und nirapekṣā beziehen sich auf die erforderliche Einhaltung von Gelübden und weiteren Verpflichtungen; loka- und śivadharmiṇī bezeichnen unterschiedliche Ziel- und Praxisordnungen. Der Kommentar nennt zusätzlich Unterarten und differenziert nach Aufgabe und Fähigkeit des Empfängers. Die Übersetzung behauptet keine über den Wortlaut hinaus vereinfachte, für alle Fälle starre Verzweigung.
KP 8.4 – Abala/abalā lässt hier die Bedeutungen schwach beziehungsweise Frau zu; die knappe Aufzählung und die vom Kommentar genannten Gründe der Unfähigkeit legen die traditionelle Personengruppe nahe, entscheiden die deutsche Benennung aber nicht eindeutig. Die Alternative bleibt deshalb sichtbar. Nirapekṣā bedeutet in diesem Zusammenhang Unabhängigkeit von der Fähigkeit zu den genannten Gelübden, nicht allgemein völlige Bedingungslosigkeit.
KP 8.5 – Der Kommentar bezieht die Reifung auf Mala und das Freisein von Leiden auf die Bindung an Saṃsāra. Die Strophe beschreibt eine Einweihungslehre und kein Verfahren zur sofortigen Heilung körperlicher Krankheiten. Variante (IFP T0022): vyāpyate. Bhatt Grundtext yāpyate, Apparat A/B vyāpyate, C vāpyate; Kommentar erklärt āpyate.
KP 8.6 – Itarā erläutert der Kommentar hier ausdrücklich als eine zweite Form der Śivadharmiṇī selbst. Er bezieht sie auf das freie Erfahren bei fortbestehendem Körper bis zur Weltauflösung; der zweite Satz wird deshalb nicht voreilig schon der Lokadharmiṇī aus 8.7 zugeordnet.
KP 8.7 – Die ungewöhnliche Lesung śiṣṭhā wird bewahrt. Bhatt PDF 160 im Detail und T0022 PDF 86/S81 bestätigen sie; der Kommentar erläutert sie als von den Sachkundigen gutgeheißen. Dehottara wird auf die Zeit nach dem Ende des gegenwärtigen Körpers bezogen. Gute karmische Wirkungen bleiben nach der Kommentarerklärung für die künftige Erfahrung bestehen.
KP 8.11 – Śikhin bezeichnet hier nach dem Kommentar den Pfau, nicht das Feuer. Die folgenden Aufzählungen sind ausdrücklich Traumzeichen im Zusammenhang von 8.9–10.
KP 8.13 – Historische Traumzeichenliste; keine Handlungsanweisung. Dieser Kontext bleibt in der Übersetzung erhalten.
KP 8.15 – Der Kommentar unterscheidet bei grasanāśrayāḥ ausdrücklich das Verschlingen und das Verweilen in Sonne, Mond und Feuer. Beide Traummotive sind erhalten.
KP 8.17 – Mit der zweiten Hälfte beginnt die Liste ungünstiger Traumzeichen. Nati erläutert der Kommentar als Zusammenkrümmen des Körpers, nicht als ehrerbietige Verneigung. Die scheinbar widersprüchlichen Wertungen der Traummotive werden nicht nach heutiger Erwartung umgeordnet.
KP 8.18 – Druckdetail PDF 164 bestätigt kroṣṭragāgamaḥ; T0022 PDF 89 (Manuskript84) und Bhatt-Apparat C/D lesen kroṣṭṛgāgamaḥ. Nicht stillschweigend vereinheitlicht. Der Kommentar erklärt loha als Eisen, ali als Biene und kroṣṭṛ als Schakal. Die gedruckte Verbindung kroṣṭragāgamaḥ wird trotz der kürzeren Variante kroṣṭrāgamaḥ in C/D bewahrt; die Übersetzung folgt der ausdrücklich erläuterten Tierliste.
KP 8.22 – Pakvamāṃsādyasiddhaye ist die anhand der Errata bestätigte Lesung; die gegenteilige Wertung der in 8.13 genannten Traumspeisen wird nicht geändert. Viyoni bezeichnet hier die Abweichung von der vorgesehenen Art der sexuellen Verbindung; es handelt sich weiterhin um die historische Traumdeutung. Variante (IFP T0022): pakvamāṃsādyasiddhaye. Druckgrundtext und Kommentarglosse haben apakvamāṃsādi; Manuskriptwortlaut weicht ab.
KP 8.26 – Tafeln zur Dīkṣāyāgaśālā auf PDF 167–168 eingeschoben.
KP 8.28 – Kaṇṭha ist hier ein technischer Name für eine durch das vorgesehene Lotusfeld gespannte Messstrecke; der Kommentar verbindet sie mit dem in die Zwischenrichtungen gespannten Faden. Die Vierzahl wird dort als vier konzentrische Kreise zum Abgrenzen der Lotusbereiche erklärt; kein natürlicher Stängel wird in vier Stücke geteilt.
KP 8.30 – Der Kommentar Bhatt PDF 170, vergrößert nachgelesen, gibt für Maṇḍalas von 5/6/7/8 Ellen die Lotusgrößen 26/28/30/32 Fingerbreiten an. Im Wurzeltext steht nur die Endzahl 32 mit anupātataḥ; die Zwischenwerte bleiben als Kommentarerläuterung kenntlich. Kara in 8.29 ist nach dem Kommentar eine Elle, keine einzelne Handbreite.
KP 8.32 – Die eigene Transkription wurde anhand des vergrößerten Drucks zu hitamambujam berichtigt; der Kommentar erklärt ambujam ausdrücklich als padmam, Lotus. Īśānām deutet er hier auf die Vidyeśvaras. Die weitere Zuordnung folgt in 8.33.
KP 8.33 – Der Kommentar trennt gaurī-vāk-īśvara und erläutert Vāc als die Göttin Vāgīśvarī; die Wortfolge wird deshalb nicht ungeprüft als ausschließlich männlicher Einzelname Vāgīśvara wiedergegeben. Für Grahas nennt er die stumpfen Blattspitzen der Richtungshüter; Caṇḍanātha und Gaṇapati sind Ausnahmen von den runden Gaṇa-Spitzen und erhalten die für die Herren beschriebene Form.
KP 8.35 – Der Kommentar beschreibt die blauen Kīlakas als Verbindungszeichen an den Ecken. Die Beschreibung des umgebenden Maṇḍalas setzt sich in der ersten Hälfte von 8.36 mit den vier Toren fort; diese wird nicht ausgelassen oder vorgezogen.
KP 8.36 – Die erste Vershälfte setzt die Beschreibung des quadratischen Maṇḍalas in 8.35 fort. Die zweite beginnt besondere Maṇḍalaformen; Amṛtavidyā bezeichnet hier eine Mantragottheit beziehungsweise entsprechende Vidyās.
KP 8.38 – Die ersten Alternativen führen die Regenriten aus 8.37 fort. kūrmajanman wird mit dem Kommentar als Schildkrötengestalt verstanden.
KP 8.39 – adri-dhātu: mineralischer roter Farbstoff; der Kommentar nennt gairika, roten Ocker.
KP 8.40 – Gemeint sind die Materialien für die Farblinien, als Pulver verwendet. ekāṅgāra wird wörtlich als Einzelkohle wiedergegeben; der Grundtext erläutert ihre besondere rituelle Beschaffenheit hier nicht. Historische Vorschrift für abhicāra, keine heutige Praxisempfehlung.
KP 8.41 – Bhatt, PDF 173–174: Der Kommentar zerlegt prāk als erste Linie, erklärt pṛthvī durch vipulā und yavonāḥ durch yavena nyūnāḥ. Er bezieht die geringeren Linien auf die erste und bestätigt Gerstenkornabstände. viṣama/sama bleibt als ungleich/gleich wiedergegeben; eine zusätzliche Deutung als ungerade/gerade Anzahl wird nicht ungeprüft eingesetzt. Die gedruckte Verbindung prāgyavonā und ihre Varianten bleiben dokumentiert.
KP 8.42 – Der Kommentar erläutert die räumlich bestimmte pūjā durch eine Aufschichtung von Blüten, namentlich die Höhe der Staubfäden. Die Zahlen verschiedener Lotusschemata aus dem Kommentar werden nicht in den Grundtext eingesetzt.
KP 8.43 – pura bezeichnet hier das Maṇḍala; āvṛti/āvaraṇa umfasst dessen umgebende Götterkreise.
KP 8.45 – pati wird vom Kommentar auf die Vidyeśvaras bezogen. Die beiden letzten Ziele und Umfassungen sind in entsprechender Reihenfolge zuzuordnen.
KP 8.47 – Der Satz über den großen Sockel setzt sich in 8.48–50 fort. pañcavarga ist nach dem Kommentar fünf zum Quadrat, danta die Zahl der Zähne, zweiunddreißig. Die Gesamtanlage umfasst den Hauptlotus und drei Gruppen zu acht; diese Erläuterung ist keine zusätzliche Grundtextzeile.
KP 8.48 – Ligaturen satryaṃśa und dalatryaṃśa im fünffach vergrößerten Druckausschnitt nachgelesen. Bhatt, PDF 177, erläutert satryaṃśam aṅgulam als 1⅓ Finger und vistṛtāṃśacatuṣṭayam als vier Finger Breite. Das zugrunde gelegte Blattmaß von sechzehn Fingern ergibt ein Drittel von 5⅓; nach Abzug des Zwischenraums bleiben vier. Die verdichtete Konstruktionsvorschrift wird nicht zu einer ungeprüften maßstabgetreuen Zeichnung erweitert.
KP 8.49 – aṣṭāṃśona am Detailbild; Kommentar PDF 178 erläutert Maßverhältnis, ohne die Grundtextlesung zu ersetzen. Gegenüber der Ausgangstranskription berichtigt: ardhāṃśena, nicht aṣṭāṃśonā. Bhatt, PDF 176 im vergrößerten Grundtext sowie PDF 178 im Kommentar: ardhāṃśena ... adhikaṃ bhavati. aiśa bezeichnet hier den Vidyeśvarakreis. Die relative Maßangabe wird nicht ohne weiteres in ein zusätzliches absolutes Fingermaß umgerechnet.
KP 8.51 – taddhāmnaḥ durch Kommentarlemma taddhāmno bahiḥ auf PDF 178 bestätigt; vidyādāvuktavadbahiḥ im fünffachen Druckausschnitt gelesen. Satyeśa ist Brahmā, Garuḍadhvaja Viṣṇu. Der Kommentar, Bhatt PDF 178, nennt Viṣṇu unten beim Cakra und Brahmā oben beim Lotus. Die deutsche Reihenfolge wurde zur eindeutigen Zuordnung ausdrücklich formuliert; vidyādau verweist auf den Vidyāpāda. Variante (Bhatt Apparat PDF 177): A/D: bahirvidyādi pūrvavat; C: bahirindrādi pūrvavat.
KP 8.53 – Der Kommentar bestimmt die halbe Zahl der Staubfäden aus den zuvor genannten zweiunddreißig als sechzehn. paśu bezeichnet den Einzuweihenden als gebundene Seele.
KP 8.54 – Der Satz setzt sich in 8.55 fort. Die dichte Hülle wird vom Kommentar als Mantrapanzer erläutert; die Beschreibung betrifft die rituelle Zurichtung des Heiligtums.
KP 8.57 – Praṇava bezeichnet Oṃ. Die Wohnstatt ist hier der abgegrenzte Maṇḍalabereich.
KP 8.58 – Der Kommentar ordnet die drei Handlungen und Mittel ausdrücklich in gleicher Reihenfolge zu. Die letzte Wendung setzt sich in 8.59 fort; śivīkṛtya beschreibt die rituelle Verwandlung durch Mantras.
KP 8.59 – Erster Halbvers vor Kommentar zu57–58, zweiter darunter; originale Druckzählung59 bewahrt.
KP 8.60 – Die Namensregel wird in 8.61 abgeschlossen. Es handelt sich hier um den namensbestimmenden Blumenwurf.
KP 8.61 – Der Kommentar, Bhatt PDF 181, erklärt dvijendrāṇām ausdrücklich durch brāhmaṇa-kṣatriya-viśām, also die drei traditionellen zweimalgeborenen Gruppen; eine Beschränkung auf Brahmanen wäre falsch. Die übrige Gruppe wird dort als Śūdras bezeichnet. Diese soziale Unterscheidung gehört zum historischen Ritus.
KP 8.63 – pratarpayet am fünffachen Detailbild nachgelesen; Kommentar erläutert mantratarpaṇa. citrāṃśu ist hier das Feuer. aṇu bezeichnet Mantras. saṃdhāna und sampāta sind die zuvor beschriebenen rituellen Verbindungs- und Übertragungsverfahren.
KP 8.64 – Der Satz wird durch hṛdā und den weiteren Zweck in 8.65 ergänzt. Der Kommentar, Bhatt PDF 182, erklärt drei Gaben für jeden einzelnen Zweck, nicht drei insgesamt. bīja, aśana und āśaya werden als Samen, Nahrung und innere Disposition unterschieden.
KP 8.65 – Erster Halbvers durch Kommentar zu63–64 unterbrochen; Nummer65 umfasst hṛdā...ucyate und tadgarbha...rudratā.
KP 8.66 – asinā wird vom Kommentar als Astra-Mantra bestimmt, nicht als körperlicher Schwertgebrauch. Der Kommentar erklärt den Eintritt durch den linken Energiekanal und die Abtrennung mittels der Karṣaṇī-Mudrā; diese Einzelheiten werden nicht als zusätzliche Grundtextwörter ausgegeben.
KP 8.68 – vapuṣi durch Kommentarlemma svake vapuṣi auf PDF 183 bestätigt. Bhatt, PDF 183, erklärt svake vapuṣi ausdrücklich als śiṣyadehe, den Körper des Schülers. Zuvor wird die Seele im Herzen des Lehrers aufgenommen; von dessen Körper aus führt er sie durch den rechten Energiekanal zurück. niṣṭhā wird dort auf die Befreiung bezogen.
KP 8.70 – adhvan, der Weltweg, bezeichnet die Gesamtheit der kosmischen Entfaltung, die in den folgenden Versen rituell vergegenwärtigt wird. Der Satz wird durch weitere Orte in 8.71 fortgeführt.
KP 8.71 – Die erste Hälfte ergänzt die Orte des adhvan aus 8.70. Der Kommentar, Bhatt PDF 184, erklärt den Opferzweck als Zusammenführung des Weltwegs in Schüler, Lehrer, Maṇḍala, Krug und Feuer. Die zweite Hälfte beginnt die Erklärung seiner Gliederung.
KP 8.72 – sarvapadaspṛśā zusätzlich in T0022 PDF 103, Manuskript98 (dort Vers73), bildlich bestätigt. Der Kommentar bezieht die Verbindung auf Kalās, Tattvas und Welten. ātmavān bezeichnet hier die Sammlung auf die jeweils vergegenwärtigten Gegenstände.
KP 8.74 – Der Druck bietet taddeva hi, ebenso T0022 PDF 103. Keine stille Ersetzung durch tadeva oder tathaiva. Der Zusammenhang trägt den Sinn der Wiederholung, die konkrete Wortgestalt bleibt problematisch. Bhatt PDF 184–185: Der Kommentar erklärt upasthāpana als Einladung aller Genannten und die eigenen Namen im Dativ mit Svāhā; ausgeführte Formeln werden nicht ergänzt.
KP 8.75 – rocanīm ist Drucklesung; Apparat nennt Nirmalamaṇi rocinīm, ebenso T0022 PDF 103 am Rand. Der Kommentar bestimmt die Göttin als Vāgīśvarī und erklärt rocanī als bhāsayantī, erstrahlen lassend. Hier wird kein zusätzlicher Eigenname Rocanī eingeführt. Variante (Bhatt PDF 185 Apparat2; T0022 PDF 103): rocinīm.
KP 8.77 – Frage des Weisen an Indra; die Sprecher werden vom Kommentar erläutert, ohne dass daraus eine zusätzliche Sanskrit-Sprecherzeile erzeugt wird.
KP 8.78 – Fünffacher Druckausschnitt und T0022 PDF 104 verglichen; dort abweichende/berichtigte Abschrift im letzten Kompositum. Kommentar PDF 186 erläutert ājñāntakāni durch śivājñā. Die kompakte Folge kṣetrikādīśagaṇakājñāntakāni wird mit dem Kommentar, Bhatt PDF 186, als Bereiche von Herrengruppen und schließlich Śivas Anordnung verstanden: die Kṣetrikas als Rudras der fünf Achtergruppen; darauf höhere Īśagaṇas. ājñāntakāni wird ausdrücklich bis śivākhyavyāptyājñā erläutert. Die Einzelzuordnung der fünf Karmaarten erfolgt in 8.79; die äußere Reihenfolge der fünf Kompositumsglieder darf nicht mechanisch auf dessen drei plus zwei Bereiche übertragen werden.
KP 8.79 – karmatatkṛcchra am vergrößerten Druckbild und T0022 PDF 104 Randkorrektur (dort Nummer80) nachgelesen. Nach dem Kommentar: weltliche Werke aus Handeln; vedische aus ritueller Mühe; auf innerer Ausrichtung beruhende aus vairāgya. Atimārga folgt als yogabedingt, śivaitisches Karma als erkenntnisbedingt. Auch gutes Karma bleibt hier zu reinigen, sofern sein besonderer Ertrag noch begehrt wird; diese Erläuterung steht im Kommentar, nicht als zusätzlicher Grundtext.
KP 8.80 – skandha ist hier der bearbeitete Abschnitt des Weltwegs, nicht der Gott Skanda. sādhanāni umfasst im Kommentar die zugehörigen Wirkzeuge, etwa Sinne und Erkenntnisvermögen.
KP 8.81 – Der Vers gibt Bestandteile und Anordnung einer Opferformel an. Der ausgeführte Lautkörper des Astra-Mantras wird nicht aus anderem Zusammenhang eingeschoben. Kommentar Bhatt PDF 187 bestätigt praṇavapūrveśānāstrānantaram und die Zusammenfügung von Namaḥ und Svāhā.
KP 8.82 – Arbeitslesung saṃpaccakārakaḥ nach dem Druck; T0022 PDF 105 saṃpatkārakaḥ. Der Kommentar erläutert die Ausstattung mit den nötigen Materialien und Voraussetzungen. Der auffällige zusätzliche Laut bleibt in der Sanskritfassung dokumentiert; die deutsche Wiedergabe folgt dem erkennbaren Sinn, keine unmarkierte Sanskritnormalisierung.
KP 8.83 – nirākṛtarucaścitaḥ im fünffach vergrößerten Druckbild kontrolliert; zusätzlich T0022 PDF 105 (dort84) gelesen. Krankheit und Heilmittel sind hier Bilder für Bindung und Einweihung; eine körperliche Heilwirkung wird damit nicht behauptet.
KP 8.84 – vaikalya-yogyatā-mūlam wird im Kommentar durch den Zusammenhang von unterschiedlicher Reife, Intensität des Śaktipāta und vollständigem Vollzug erklärt. Die rhetorische Zusage bleibt an avikala, den vollständigen Vollzug, gebunden.
KP 8.85 – Frage des Weisen. śaktipāta bezeichnet das Herabkommen der göttlichen Kraft beziehungsweise Gnade, dessen Grade hier als Ursache verschiedener Eignung gelten.
KP 8.88 – Wichtig ist deha-niṣkṛti: Der Kommentar, Bhatt PDF 190, erklärt hier dehasya nirmitiḥ, Körperbildung, nicht Körperbeseitigung. bhogāvani bezeichnet den jeweiligen Ort möglicher Erfahrung; yogyatā umfasst die dafür geeigneten Bedingungen.
KP 8.89 – prāgbhuktarūpatācchāyāṃ am Detailbild kontrolliert. Die erste Hälfte bezieht asau auf den zuvor erklärten saṃyoga, ausdrücklich im Kommentar Bhatt PDF 190. Die zweite Hälfte beginnt die Erklärung des Nachklangs einer Erfahrung, die in 8.90–91 fortgesetzt wird.
KP 8.90 – Bhatt PDF 190–191 erklärt saṃskāra als kurze Fortdauer einer genossenen Erfahrung, auch nach ihrem unmittelbaren Ende. ayam bezeichnet den Erfahrungsmoment; taṃ den daraus entstehenden Laya. Hier ist keine kosmische Weltauflösung gemeint.
KP 8.91 – Die erste Hälfte führt den Laya fort. Der Kommentar, Bhatt PDF 191, erklärt die zweite Hälfte mit bhogo ... niṣkṛter aṅgam: Erfahrung ist Glied der umfassenden Reinigung. niṣkṛti bezeichnet hier einen technisch bestimmten Reinigungsakt; seine verschiedenen Reichweiten werden im Folgenden unterschieden. Die kompakte Begründung bhogyakarmahetutvāt wird ohne ungesicherte Festlegung der Kausalrichtung wiedergegeben; das zweite saḥ bezeichnet nach dem Kommentar ausdrücklich bhoga.
KP 8.92 – kṛteḥ, von der Handlung beziehungsweise vom Karma, folgt erst am Anfang von 8.93 und ist für den deutschen Satzbau vorgezogen.
KP 8.93 – Der Kommentar, Bhatt PDF 192, erläutert arthānubandhajāḥ durch die Einbeziehung aufgrund des Zusammenhangs mit der Einweihung. Es genügt nach dieser Aussage nicht, die einzelnen Bedingungen nur allgemein mitzumeinen; eine besondere Reinigung wird verlangt.
KP 8.94 – Der Kommentar, Bhatt PDF 192, bezieht mūlam auf mala und nennt die beiden Kräfte Māyā und Rodhana. vyapaiti wird durch den Wegfall ihrer Bindung erläutert; der Text behauptet hier keine Vernichtung von Śivas Kräften für sämtliche Seelen.
KP 8.95 – bhogya ist nach dem Kommentar das noch zu erfahrende Karma, das trotz vorheriger Reinigung der übrigen Faktoren eine neue Verkörperung des kevalātman bewirken kann. Die Aussage beschreibt die Notwendigkeit seiner gründlichen Reinigung.
KP 8.96 – Der Kommentar, Bhatt PDF 193, unterscheidet die vorübergehende karmische Ruhe von der endgültigen Unterbindung durch das Ende ihrer Wurzel. Nicht jede vorübergehende Nichtwirksamkeit bedeutet schon Befreiung.
KP 8.97 – cidvarti und pāśavicchitti am vergrößerten Druckbild kontrolliert; Apparat A nennt cidvyakti und vicchinna, nicht übernommen. dhāman wird vom Kommentar, Bhatt PDF 194, als das eigene Leuchten des Selbst, bestehend in Erkenntnis und Wirken, bestimmt. bhāsayet erläutert er durch die zuvor genannte Emporhebung, protkṣepa.
KP 8.98 – śakti-vyakti-niṣkaraṇāt wird im Kommentar durch niḥśeṣeṇa karaṇāt, vollständiges Bewirken der Offenbarung von Erkenntnis und Wirken, erklärt. Es bedeutet hier nicht Beseitigung der Kraftentfaltung.
KP 8.99 – Die Druckligatur der Arbeitslesung baddhyena bleibt orthographisch unsicher; die Varianten betreffen unter anderem badhyena. Der Kommentar, Bhatt PDF 194, erläutert eindeutig das zu bindende beziehungsweise gebundene Objekt: Die Schnur muss von ihm abgehoben werden, um gezielt durchtrennt zu werden.
KP 8.100 – Die erste Hälfte ergänzt die Erklärung der Ablösung. Die zweite grenzt den Sinn des Durchtrennens ein: Der Kommentar, Bhatt PDF 194–195, erklärt sādhikāra durch die fortbestehende Zuständigkeit für die Bindung der ganzen Welt. Es geht um das Ende der Bindung der jeweiligen Seele, nicht um die Freisetzung aller Seelen durch einen einzigen Ritus. Das dort zitierte andere Werk bleibt Kommentarquelle.
KP 8.103 – kriyābhāvāt wird vom Kommentar, Bhatt PDF 195, als kriyātvāt, aufgrund des Handlungscharakters, erklärt; es ist hier nicht kriyā-abhāvāt, wegen Fehlens einer Handlung. PDF 196 erklärt die Eignung durch vollendete Reife und verneint eine Behinderung der Befreiung bei einer solchen Seele.
KP 8.104 – Die erste Hälfte beendet die lehrhafte Erklärung und leitet den Ritualvollzug ein. Die zweite Hälfte beginnt die gleichzeitige Gegenwart der Vāgīśvarī in allen Geburtsstätten; die Handlung setzt sich in 8.105 fort.
KP 8.105 – samudreṇa ist sa-mudreṇa, mit Mudrā, nicht samudra, Meer. Der Kommentar, Bhatt PDF 196, beschreibt den Astra-Mantra als in der Blüte manifestiert und saṃhṛti als Rückführung in die eigene Wesensgestalt. Das ist ritueller Mantragebrauch, kein Gebrauch eines körperlichen Schwertes.
KP 8.106 – viyojyākarṣayeddhṛdā im fünffachen Detailausschnitt kontrolliert.
KP 8.107 – Sandhi ālambyotkṣipya am vergrößerten Druckausschnitt und am Kommentarlemma utkṣipya kontrolliert. Bhatt PDF 197, auch vergrößert: Der Kommentar erklärt śakteḥ durch paśoḥ dvādaśāntāt, vom Dvādaśānta der gebundenen Seele, und parāvasthā als höchste Śivagestalt. Es handelt sich um rituelle Visualisierung; zusätzliche moderne Atemanweisungen werden nicht ergänzt.
KP 8.108 – Der Schoß ist derjenige der zuvor eingesetzten Vidyā, Vāgīśvarī. Die zweite Hälfte setzt sich mit saṃdhāya in 8.109 fort; dhāraṇa ist hier das Tragen des entstehenden Körpers.
KP 8.110 – Bahurūpa wird im Kommentar als Aghora, vaktra als Tatpuruṣa bestimmt. Ort, Zeit, Alter und Zustand werden als Voraussetzungen der jeweiligen Erfahrung erklärt.
KP 8.111 – Die erste Bestimmung gilt auch für die vorangehenden Handlungen. Laya bezeichnet hier den bereits erläuterten Abschluss beziehungsweise Nachklang der Erfahrung. Die zweite Hälfte setzt sich in 8.112 fort.
KP 8.112 – aṣṭaśata wird im Kommentar, Bhatt PDF 198, ausdrücklich als aṣṭottaraśatika, hundertacht, erklärt. Die Zahl der Gaben für die Ablösung folgt in 8.113.
KP 8.113 – sadyaphaṇmadhyavartinā am fünffachen Detailbild; Kommentar erläutert Stellung zwischen Sadyojāta-Mantra und phaṭ. Sandhiform phaṇ vor m erhalten. Nach dem Kommentar steht das Astra zwischen dem Sadyojāta-Mantra und Phaṭ. sasvaram wird dort als gedehnte Lautäußerung erläutert. Die Grundtextschreibung sadyaphaṇmadhyavartinā wird bewahrt, ohne eine zusätzliche ausgeführte Mantraformel zu erzeugen.
KP 8.114 – Bhatt PDF 199, auch im vergrößerten Grundtext und Kommentar: Die Arbeitslesung śāstrajasayā bleibt auffällig; die Übersetzung unablässig folgt der Kommentarerklärung ajasratayā. Keine stille Sanskritkorrektur. Kartarī bezeichnet hier die Schere, mit der die entsprechende Fesselschnur geschnitten wird; der Kommentar deutet sie zugleich als höchste Śakti.
KP 8.115 – Die Zahl für den zweiten Zweck folgt in 8.116. Äußere Glieder sind die körperlich vollzogenen Ritualhandlungen, innere Glieder etwa die Mantravergegenwärtigung, nach dem Kommentar.
KP 8.116 – Die Vidyā ist Vāgīśvarī. Der nächste Abschnitt, skandhāntara, ist die folgende Stufe des zu reinigenden Weltwegs.
KP 8.117 – Der Kommentar, Bhatt PDF 200, nennt beim granthi die Brahmā und den übrigen Ursachen zugeordneten Knoten und erläutert das Ergreifen am Dvādaśānta. Die Fortsetzung steht in 8.118.
KP 8.119 – Bhatt PDF 200–201: Gemeint ist das Zusammenführen einer bereits gereinigten Kalā mit der noch zu reinigenden nächsthöheren; die verbleibenden Abschnitte sind nicht als bereits gereinigt zu verstehen.
KP 8.120 – Die genaue Grundtextform lautet oṃ nivṛtipratiṣṭhāyai svāhā; nivṛti mit einfachem t ist in Bhatt PDF 201 sowohl im Grundtext als auch im zitierten Kommentar sichtbar. Die reguläre Kalābezeichnung lautet sonst Nivṛtti. Die Formel bringt deren Verbindung mit Pratiṣṭhā zum Ausdruck; der überlieferte Lautkörper wird nicht still normalisiert.
KP 8.121 – Der Kommentar, Bhatt PDF 201, erläutert die aufeinanderfolgenden Verbindungen Pratiṣṭhā–Vidyā, Vidyā–Śānti und Śānti–Śāntyatīta beziehungsweise Parāśakti. Die einzelnen vollständigen Formeln stehen nur im Kommentar und werden nicht in den Grundtext eingefügt.
KP 8.122 – Die auffällige Druckform taddeva bleibt bestehen. Bhatt PDF 201–202 erklärt die Rückführung auch aus diesem Zustand damit, dass die Parāśakti trotz ihrer Reinheit unter Śivas Lenkung steht. Der nächste Vers bezieht diese Abhängigkeit auf die mit ihr verbundene Seele.
KP 8.124 – Die rituelle Reihenfolge erschließt der Kommentar, Bhatt PDF 202: Haarlocke abschneiden, einem Helfer geben, den Schüler baden lassen und erneut aufstellen sowie rituell herrichten, dann die Locke opfern. Der Grundtext nennt das Opfer vorweg; dieser Vorgriff bleibt im Deutschen erkennbar.
KP 8.126 – svadehe bezeichnet hier gemäß Kommentar Bhatt PDF 202–203 den Körper des Gurus; die Seele wird in dessen Herz aufgenommen. Der zweite Satz setzt sich in 8.127 fort.
KP 8.128 – Der Text deutet die früheren Ritualglieder für die Verbindung mit dem ungeteilten Śiva-Tattva neu. Die im groben Weltbereich üblichen Bedeutungen von Körperbildung und Geburt dürfen hier nicht unverändert angesetzt werden.
KP 8.129 – Der Kommentar, Bhatt PDF 203–204, erläutert tattulyayogitā durch Gleichheit der Eigenschaften mit dem höchsten Herrn. Die Merkmale jenseits der Fesseln, groß und ewig beziehen sich auf die Wonne; sie sind nicht als drei weitere Ritualhandlungen zu zählen.
KP 8.130 – āśivasaṃvidam wird vom Kommentar, Bhatt PDF 204, als śivajñāna-sad-vijñāna-niṣpatti-paryantam erläutert. Es bedeutet hier bis zum Śivabewusstsein, nicht Beseitigung eines unheilvollen Bewusstseins.
KP 8.131 – Die sechs Bauteile der großen Opferkelle wurden in KP6 beschrieben. Der Kommentar ordnet die fünf Kalās samt Parāśakti diesen sechs Teilen zu. Sruc und Sruva bleiben als unterschiedliche Geräte unterschieden.
KP 8.134 – tadudgata am Druckdetail und T0022 PDF 118/written113 (anderer Halbversschnitt dort134–135) kontrolliert. Die Silbe ist nach dem Kommentar der Praṇava bis zum Bindu. puṣkara ist der Ort für die geklärte Butter. śivaśaktyā aus8.135 ist für den deutschen Satzbau vorgezogen. dhārādhirūḍhayā beschreibt Śivas Kraft als auf dem Klangstrom ruhend; die umgekehrte Trägerbeziehung wurde bei der Selbstprüfung korrigiert.
KP 8.136 – vidherdārḍhyādicchantyevaṃ am fünffachen Druckdetail. Bhatt PDF 206 Fußnote10 diskutiert ausdrücklich eine abweichende, aus Kommentar erschließbare Lesung und behält den gedruckten Handschriftenwortlaut bei; diesen beibehalten. Bhatt PDF 206–207: Die Gaben bestätigen die im Śivazustand schon vorhandenen Eigenschaften. Die zweite Hälfte beginnt die Beschränkung dieses Verfahrens auf Personen, die den Samaya-Verpflichtungen entsprechen können; der Satz endet in 8.137.
KP 8.137 – Der Kommentar unterscheidet hier die Einweihung mit fortbestehenden Verpflichtungen, sāpekṣā, von der nirapekṣā für die übrigen; letztere benötigt das folgende Zusatzverfahren.
KP 8.138 – pūrve gehört nach dem Kommentar, Bhatt PDF 208, zu karmaṇi, früheres Karma, nicht als Beiwort zu Menschen früherer Zeiten. Der Kommentar nennt Verstöße gegen die Samaya-Regeln, deren Wirkung bei der Einweihung nicht zuvor unterbunden wurde.
KP 8.139 – Dies sind die im Text angedrohten Folgen von Regelverletzungen; die Ausgabe beschreibt diese historische Lehre. solkā wird als zusammen mit Ulkās aufgelöst, im Anschluss an die Aufzählung des Kommentars.
KP 8.140 – Bhatt PDF 208 erklärt vipluti als Verletzung der für die betreffenden Sinne gebotenen Regeln, nicht als körperliche Hör- oder Hautkrankheit. brahma-kravyād, wörtlich Brahma-Fleischfresser, wird vom Kommentar als Brahmarākṣasa erläutert und entsprechend übersetzt. Die an Bhatt und T0022 PDF 120 gesicherte Lesung brahmakravyādyonidā bleibt erhalten; keine Rückkehr zur früher falschen Form brahmarakṣādyayonidā.
KP 8.141 – Fortsetzung von 8.140. Es geht nach dem Kommentar, Bhatt PDF 208–209, um regelwidrigen Gebrauch der Sinnes- und inneren Vermögen; garva und dhī werden dort auf Ahaṃkāra und Buddhi bezogen.
KP 8.142 – Nach dem Kommentar sind mit den vier die Organe des Gehens, Greifens, Ausscheidens und Zeugens gemeint. vāṇī ist das fünfte Handlungsvermögen, die Sprache. Der Text rechnet sie den zuvor genannten Sinnen zu, statt fünf weitere Reinigungsgruppen einzuführen.
KP 8.143 – bāhyārthāḥ wird auf die äußeren Gottheiten bezogen; tisṛbhiḥ ... antaḥkaraṇavṛttibhiḥ bezeichnet die drei Funktionen von Manas, Buddhi und Ahaṃkāra, nach Kommentar PDF 209–210. Die zugehörigen Kräfte werden den jeweiligen höheren Gottheiten übergeben.
KP 8.144 – Der Kommentar, Bhatt PDF 210, erklärt, dass das den bestehenden Körper tragende Karma durch sein Erfahren enden soll. Das sofort befreiende Verfahren wird erst in 8.145 behandelt.
KP 8.145 – siddha wird im Kommentar als siddhamantra erklärt: ein Lehrer, dessen Mantra zur Wirksamkeit gelangt ist. Die Eignung wird mit intensivem Śaktipāta verbunden; dies ist die Bedingung des beschriebenen Ritus, keine allgemeine Sofortbefreiungszusage.
KP 8.147 – Der Kommentar, Bhatt PDF 211, erklärt die Bewahrung des bereits fruchtenden, körpertragenden Karmas und dessen Verbindung mit dem Befolgen des Samaya beziehungsweise dem Ziel der Śiva-Praxis. sānubandham verhindert ein Verständnis, bei dem nur ein isolierter Karmaanteil ohne seine weiteren Bindungen gereinigt würde.
KP 8.148 – Die Arbeitslesung kaṭhākaṭha bleibt hinsichtlich der technischen Laut- und Zeichenbezeichnung unsicher. Der Kommentar, Bhatt PDF 211, erklärt die beiden Bereiche als bhava und abhava und den fünfgesichtigen Herrn als Sadāśiva. Ātmikā wird dort auf die höhere Einweihung bezogen, die andere auf die niedrigere, bei der ein Körper im gewünschten Erfahrungsbereich entsteht.
KP 8.149 – lokadharmiṇ bezeichnet die zuvor erklärte Lokadharmiṇī-Einweihung. Auch innerhalb dieser Kategorie unterscheidet der Vers ausdrücklich das angestrebte Ziel.
KP 8.150 – Bhatt PDF 212 erklärt kaṣṭam durch die Erfahrung unheilvollen Karmas, die zuvor beseitigt wurde. Es ist nicht bloß eine Zusage, das Ritual werde ohne praktische Schwierigkeit ausgeführt.
KP 8.151 – prajāsṛj ist Brahmā. Die Wahl richtet sich nach dem jeweiligen Ziel und seiner Gottheit; daraus wird keine unterschiedslose Gleichsetzung sämtlicher Zustände abgeleitet.
KP 8.152 – Der Kommentar, Bhatt PDF 213, erläutert den zusätzlichen Weg durch die Beseitigung der Folgen von Samaya-Verletzungen, wie bei der Nirapekṣā-Einweihung. iṣṭaceṣṭitam bezieht er auf erwünschte verdienstvolle Handlungen; diese werden nicht als weiterer Sanskritsatz aus dem Kommentar eingefügt.
KP 8.153 – Sanskrittranskription berichtigt: saṃkalpyādharaṃ jagat, die untergeordnete Welt vergegenwärtigend, und mātṛkārṇāṃśake nach Bhatt PDF 213 im vergrößerten Grundtext und Kommentarfortsetzung214. T0022 PDF 123 hat an letzterer Stelle mātṛkārṇātmake; die Handschriftenvariante wird getrennt vom Leittext dokumentiert. Variante (IFP T0022 PDF 123/Wr118): mātṛkārṇātmake. Abweichung vom Leitdruck mātṛkārṇāṃśake; am Bild kontrolliert.
KP 8.154 – Der Kommentar, Bhatt PDF 214, erläutert die Saṃhitā als die elf Śiva-Mantras. Die verschiedenen Gliederungen sind Alternativen für die Durchführung, keine zusätzlichen nebeneinander bestehenden Weltwege.
KP 8.155 – Nach dem Kommentar umfasst die Fünfergruppe die fünf mit Erde beginnenden Elemente, in denen die Kalās vergegenwärtigt werden. Die Zahlen drei und eins sind im Deutschen zur Verdeutlichung der im Sanskrit durch die Namen erkennbaren Alternativen ergänzt.
KP 8.156 – Vidyā bezeichnet hier Vāgīśvarī, nicht bloß ein abstraktes Wissensprinzip. Der folgende Vers gibt die Opferzahl für jede Welt an.
KP 8.157 – Bhatt PDF 215 bietet die problematische Folge juhuyādyojyetataḥ; der Kommentar erklärt tataḥ yojayet. T0022 PDF 123/Wr118 liest juhuyād yojayet tataḥ bei abweichender Strophennummer156. Der unsichere Leittext wird bewahrt. Die zweite Hälfte leitet ein verkürztes Verfahren ein und setzt sich in 8.158 fort.
KP 8.158 – Die Opferzahlen sind ausdrücklich im Kommentar, Bhatt PDF 216, als hundert, fünfmal hundert oder tausend erläutert; nicht hundert oder fünftausend. PDF 216–217 erklärt die räumliche Grenze anhand der Kṣetras der fünf Achtergruppen und der groben Göttergeburten im Bereich der Buddhi. Die zweite Hälfte wird in 8.159 abgeschlossen.
KP 8.159 – Genannt sind Garbhādhāna, Puṃsavana und Sīmantonnayana. Die folgenden Strophen setzen die Aufzählung der Saṃskāras fort. Die Ausgabe beschreibt traditionelle Ritualziele, ohne sie als belegte körperliche Wirkungen auszugeben.
KP 8.160 – Nach Bhatt PDF 218 bezeichnet vrata die Upanayana; gokṣaṇa wird als Godāna-Saṃskāra, pāṇiyogitā als Heirat erklärt. Die englischen oder deutschen Bezeichnungen fremder Übersetzungen werden nicht übernommen; die Aufzählung folgt den Sanskritgliedern.
KP 8.162 – Der Kommentar, Bhatt PDF 219, stellt den allgemeinen göttlichen Bereich den an bestimmte Lebensriten und soziale Voraussetzungen gebundenen Bereichen gegenüber. Es handelt sich um eine Gliederung der rituellen Reinigung.
KP 8.163 – Erster Halbvers am fünffach vergrößerten Druckbild gelesen; Kommentarlemma āvaidikakriyānyāse. Bhatt PDF 220 überträgt die Regel auf die übrigen Tattva-, Kalā-, Wort-, Buchstaben- und Mantragliederungen. kriyāmukhaḥ wird auf den Beginn mit den Saṃskāras bezogen; unterhalb Bhuvarlokas ist ihre Reinigung nach dem vergrößert gelesenen Kommentar nicht anzusetzen. Die letzte Verbindung ist ausdrücklich die höchste, nicht eine weitere untergeordnete Station.
KP 8.164 – Die Wohnstätten sind im Kommentar die Orte seiner Gegenwart in Maṇḍala, Krug und den übrigen Trägern. samutthāpya wird dort durch utthāya, sich erhebend, erläutert.
KP 8.166 – Bhatt PDF 221 erläutert pañcāṃśavarjitam als ein Maß aus vier von fünf Anteilen und die Form als Halbmond. Die Formangabe steht hier im Kommentar mit Rückverweis auf8.36, nicht zusätzlich im Grundtext.
KP 8.168 – T0022 PDF 126: abweichende Zuordnung der Halbverse und śambhoḥ statt śiṣyān. Bhatt-Fassung maßgeblich; Apparat181 Fußnoten8,12.
KP 8.169 – brahmādivyakta auch in T0022 PDF 127/Wr122; Druckzählung beibehalten.
KP 8.170 – Die Warnung ist an die zuvor erläuterte Einweihung mit Verpflichtungen gebunden. niṣkṛtam api wird als trotz erfolgter Reinigung wiedergegeben; daraus wird keine pauschale Aussage über einen Rückfall aus endgültiger Befreiung abgeleitet.
KP 8.171 – śivārcāṅga nach vergrößertem Druckbild und T0022 PDF 127/Wr122; Kommentar PDF 223: śivārcāṅgānāṃ ca tatpūjopakaraṇānām. Die Folge caiśāśvaśaṇḍādhikṛtasya ca bleibt auch nach erneutem Abgleich Bhatt PDF 222–223 und T0022 PDF 127/Wr122 nicht sicher deutbar. Der Kommentar erläutert das Verschenken/Verzehren der Śiva-Opfergaben und anschließend 8.172, bietet aber keine eindeutige Auflösung dieses Kompositums. Es wird weder still ausgelassen noch durch eine erfundene Liste verbotener Personen ersetzt; die betreffende Wortgruppe ist im vollständigen Sanskrit erhalten und ihre deutsche Deutung ausdrücklich offen. Die Wortgruppe caiśāśvaśaṇḍādhikṛtasya ca bleibt semantisch nicht zuverlässig auflösbar und ist mit ausdrücklichem Übersetzungsvorbehalt wiedergegeben. Sanskrit vollständig erhalten.
KP 8.172 – tajjīva erläutert der Kommentar, Bhatt PDF 223, als Menschen, deren Lebensunterhalt von Parameśvara, also vom Tempel beziehungsweise seinem Besitz, abhängt. sūtaka/preta/puṣpavatī benennen traditionelle Regeln ritueller Unreinheit; die Übersetzung kennzeichnet sie als solche und nicht als hygienische oder medizinische Sachverhalte.
KP 8.175 – Die letzte Hälfte eröffnet das abschließende Bad in 8.176, noch nicht die spätere Lehrerweihe. Der Satz wird dort fortgesetzt.
KP 8.176 – śāṃbhukumbhena, nicht aus Kommentar śivakumbhena ersetzt; auch T0022 PDF 128/Wr123a gelesen. avabhṛtha ist das rituelle Schlussbad. Die zweite Hälfte eröffnet einen steigernden Vergleich: Schon einzelne Tropfen gelten als anderen Beschwichtigungsriten überlegen; dies folgt in 8.177.
KP 8.177 – paśuśānti bezeichnet nach dem Kommentar, Bhatt PDF 224, die Beschwichtigungsriten der als gebunden eingeordneten Lehrüberlieferungen, nicht die Besänftigung von Tieren. sarvasvapūjā wird dort als Hingabe des gesamten Besitzes erläutert; die Ausgabe bewahrt diese historische Vorschrift.
KP 8.178 – Putraka ist hier eine Stufe der Einweihung. Die Ermächtigung zum Amt des Lehrers oder zum besonderen Sādhana wird durch die folgende Aussage zusätzlich an die Weihe gebunden.
KP 8.179 – Zwischen den Halbversen stehen Kommentar und Überschrift athācāryābhiṣekaḥ; letztere nicht als nummerierten Grundtext übernommen.
KP 8.180 – Sprecherwechsel zwischen Halbversen im Kommentar mit atr edam aindraṃ vacaḥ angekündigt; keine zusätzliche Grundtextzeile erfunden. Die erste Hälfte beendet die Frage an Indra; die zweite beginnt seine Antwort. Die überlieferten Strophengrenzen bleiben trotz Sprecherwechsel erhalten.
KP 8.182 – Der Kommentar, Bhatt PDF 226, erklärt asāra durch die Haltlosigkeit der Zweifel und īśapriyapriya durch die Liebe zu Śivas Verehrern. Das Schwert bezeichnet hier die Einweihung selbst.
KP 8.183 – Bhatt PDF 226–227: Der Hüter bewahrt die Lehre und gibt sie geeigneten Schülern weiter. Der Kommentar behandelt die herkömmliche Rangordnung sozialer Gruppen; diese historische Einordnung wird nicht zu einer heutigen Zugangsvoraussetzung erklärt. dvijāgrya wird vom Kommentar zunächst auf einen Brahmanen bezogen; anschließend erläutert er nachgeordnete Kandidaten aus anderen traditionellen Gruppen. Diese Kommentardifferenzierung ist nicht als zusätzliche Grundtextzeile eingefügt.
KP 8.185 – uttamonmānaṃ am vergrößerten Druckbild und Kommentar PDF 227 geprüft; T0022 PDF 130 hat stattdessen saṃsāramuktamātmānaṃ, zugleich Bhatt Apparat185 A-Lesung. Keine Mischung der Fassungen. Der Kommentar, Bhatt PDF 227, erläutert satsāra als große Kraft und das vorzügliche Höhenmaß als 108 Finger. Bhāra bleibt als historisches Gewichtsmaß stehen; eine ungesicherte Umrechnung in Kilogramm wird nicht eingeführt. Die körperlichen Merkmale gehören zur traditionellen Auswahllehre.
KP 8.186 – PDF 227 vollständig Kommentar, keine zusätzliche Grundtextstrophe.
KP 8.187 – Bhatt PDF 228 erläutert Prājāpatya als Rohiṇī, Maitra als Anurādhā, Sāvitra als Hasta, Vāsavya als Dhaniṣṭhā, Tvāṣṭra als Citrā, Vaiṣṇava als Śravaṇa und Āditya als Punarvasu. Uttarā bezeichnet die entsprechende Nakṣatra-Gruppe. Die traditionelle astrologische Datierung wird nicht in eine heutige Terminempfehlung umgewandelt.
KP 8.188 – Bhatt Druck 188 Apparat21: A,B,C kumbheṣu vinyaset gegenüber gewähltem kumbheṣvidaṃ nyaset.
KP 8.189 – Die historischen Pflanzennamen bleiben als Namen erhalten. Eine botanische Gleichsetzung mit heutigen Arten wäre bei mehreren Bezeichnungen nicht eindeutig. Die Aufzählung wird in 8.190 fortgesetzt.
KP 8.190 – Bhatt PDF 229 nennt die Liste insgesamt als 22 Kräuter. Die Druckformen Moṭā und Śāribā bleiben bewahrt; der Apparat verzeichnet unter anderem die Variante Mothā. Balā erscheint bei dieser Worttrennung auch in 8.189; die Verbindungsfuge viṣṇukrāntābalā kann ohne sichere Einzelidentifikation nicht botanisch entschieden werden. Kuśa und Vyāghrī sind getrennte Listenglieder. Keine ungeprüfte moderne Heilpflanzenzuordnung.
KP 8.192 – Der Kommentar, Bhatt PDF 230, erläutert mehrere traditionelle Mineralbezeichnungen, etwa Śilā als Manaḥśilā. Ihre Namen werden bewahrt; es handelt sich um Zutaten des historischen Weihewassers, nicht um eine Empfehlung zur Einnahme.
KP 8.194 – Bahurūpa ist Aghora, Nara Tatpuruṣa. Die Reihenfolge und Richtungen werden in der deutschen Fassung einzeln erhalten.
KP 8.195 – Sanskritkorrektur prāgvidyayā statt prāgvidhayā anhand Bhatt PDF 230 im vergrößerten Grundtext und Kommentarfortsetzung231. Die ursprüngliche Vidyā wird dort ausdrücklich als Mātṛkā erklärt; die Stelle bedeutet nicht lediglich nach dem früheren Verfahren.
KP 8.197 – Die folgende Strophe enthält das Setzen des Anwärters auf diesen Sitz. saumyavīkṣita wird im Kommentar, Bhatt PDF 231, astrologisch erklärt; keine zusätzliche moderne Berechnung wird daraus abgeleitet.
KP 8.198 – Der Kommentar, Bhatt PDF 232, deutet den höchsten Herrn hier als den Lebenshauch, dessen Wesen Erkenntnis und Wirken ist und der im mittleren oder linken Energiekanal fließt. Die fünf Krüge werden in der vorgegebenen Mantrareihenfolge verwendet.
KP 8.199 – sakalīkṛta bezeichnet die rituelle Ausstattung mit dem Mantrakörper. tanmantraprathama bezieht sich auf den jeweiligen Krugmantra, der der Śiva-Rezitation vorangeht.
KP 8.201 – praṇavāsanasaṃsthitam ist hier auf die Muschel, śaṅkham, zu beziehen; der Anwärter hat bereits in 8.200 seinen Sitz erhalten. Kommentar Bhatt PDF 232–233 im zusammenhängenden Satz gelesen.
KP 8.203 – Der Grundtext nennt oṃ sṛṣṭaye namaḥ und als Schlusswort vimokṣāya. Der Kommentar, Bhatt PDF 233, führt die fünf Funktionen aus; die drei im Grundtext nicht ausgeschriebenen Mittelformeln werden nicht als Originaltext ergänzt. mūlavidyā wird dort durch mūlamantra erklärt.
KP 8.204 – Der Kommentar, Bhatt PDF 233, erklärt die Muschel als durch das Licht Śivas erstrahlend und mūrdhni dadyāt als erneutes Übergießen. Die großen Tätigkeiten sind die zuvor genannten fünf Funktionen.
KP 8.206 – ghaṭikā ist ein kleines Gefäß; seine genaue Funktion als Gerät wird hier nicht weiter erklärt. Die beiden Opferlöffel werden unterschieden. Der Satz über die Übergabe schließt in 8.207.
KP 8.207 – Der Kommentar, Bhatt PDF 233, stellt klar, dass der weihende Lehrer zuerst den neu Geweihten grüßt. Fehlende äußere Gegenstände werden durch bewusste rituelle Vergegenwärtigung übergeben.
KP 8.209 – Die Aussage setzt sich in 8.210 fort. Im vergrößerten Grundtext und in der Kommentarwiederholung, Bhatt PDF 234, ist dy statt zuvor transkribiertem dhy erkennbar. Die Arbeitsform 'dyadhikāre wird bewahrt; die gegenüber regulärem adyādhikāre auffällige Vokalverbindung bleibt markiert. Aus dem Zusammenhang ergibt sich adya, heute.
KP 8.210 – Zweiter Halbvers am fünffachen Druckausschnitt kontrolliert.
KP 8.212 – Nach dem Kommentar, Bhatt PDF 235, betrifft der Wirkungsbereich die Einweihung, Einsetzung und weiteren Aufgaben des Lehrers auf den verschiedenen Weltebenen.
KP 8.214 – Die Hand wird hier rituell als Instrument der Einweihung mit dem Schwert verglichen; dies ist die historische Weihevorschrift, keine ausgeweitete praktische Anweisung.
KP 8.216 – anugraha umfasst im Zusammenhang das geistliche Handeln des Lehrers für die Schüler; pratiṣṭhā ist die rituelle Einsetzung beziehungsweise Weihe von Gottheitenbildern und ähnlichen Trägern.
KP 8.219 – Der Kommentar, Bhatt PDF 237, beschreibt dies als Wunsch eines geweihten Lehrers nach besonderen Erfolgen und stellt ausdrücklich klar: nicht als etwas zwingend zu Vollziehendes. Die modale Übersetzung kann erhält diese Einschränkung.
KP 8.221 – Der Kommentar, Bhatt PDF 237–238, erklärt tadanvaya als Eignung für den jeweiligen Mantra und ordnet die fünf Abschnitte den mit Sadyojāta beginnenden Mantras zu.
KP 8.223 – kṛṣṇapiṅgadṛśaḥ bezeichnet nach Bhatt, Grundtext und Kommentar PDF S. 238, die Augenfarbe. Die Lesung wurde unverändert bewahrt. Bhatt PDF 238 erläutert den dritten Abschnitt als Aghora und khara durch die rauhe Beschaffenheit der Haut. Die Arbeitslesung kṛṣṇapiṅgadṛśaḥ ist im Grundtext und Kommentar bestätigt; piṅga wird nicht still durch piṅgala ersetzt. Dies ist die traditionelle Zuordnungslehre des Textes, kein heutiges Auswahlkriterium.
KP 8.227 – Gemeint ist die Reihenfolge der Krüge bei der Besprengung. Bhatt PDF 239 erläutert den ersten Abschnitt als Īśāna, den letzten als Sadyojāta und die mittleren als die übrigen drei. Diese Gliederung darf nicht mit der umgekehrten Aufzählung der Kalās verwechselt werden.
KP 8.230 – anuṣṇīṣam ist ausdrücklich ohne Turban; der bei der Lehrerweihe übergebene Turban wird beim Sādhaka ausgenommen.
KP 8.231 – Der Kommentar, Bhatt PDF 240, begründet den Unterschied zur Lehrerweihe mit dem engeren Aufgabenbereich des Sādhaka. Es ist eine Unterscheidung der rituellen Ämter.
KP 8.234 – svatantrācāra wird vom Kommentar, Bhatt PDF 241, als die Lebensführung im eigenen Tantra erklärt, nicht als uneingeschränkt selbstbestimmtes Verhalten. kṛtaliṅgaparigraha beschreibt die Übernahme eines Liṅga für die Verehrung.
KP 8.235 – Der Kommentar, Bhatt PDF 241–242, erläutert anugraha durch priyācaraṇa, jemandem Gunst erweisen, und śāstrokti durch Lehrverkündigung. Diese Aufgabenbeschränkung für den auf sein Sādhana ausgerichteten Praktizierenden wird nicht zu einem allgemeinen Verbot von Mitgefühl umformuliert.
KP 8.236 – gupteṣṭikārako durch vergrößertes Druckbild Bhatt 241/201 und T0022 PDF 143/Wr137 bestätigt.
KP 8.238 – Der Sādhya-Mantra verbleibt im Körper des Sādhaka; die übrigen Mantras werden rituell zurückgenommen. Die zweite Hälfte beginnt eine zeitlich begrenzte Ausnahme für den Lehrer.
KP 8.239 – Drucknummer229 laut Berichtigungsverzeichnis Druck 328/PDF 368 zu239 korrigiert; Originaldruckbild bleibt unverändert. Variante (T0022 PDF 144/Wr138): dvisaptakam. Kurzes i bildlich klar; Drucklesung entsprechend zu kontrollieren.
KP 8.240 – Der Kommentar, Bhatt PDF 243, bestätigt die Obergrenze von einem Monat. Die im Grundtext getrennt genannten vierzehn Tage und der halbe Monat werden nicht still zusammengelegt.
KP 8.242 – Bhatt PDF 243 erläutert mithyāprayuktāṇu durch vergeblich eingesetzte Mantras, nicht durch die Verwendung eines falschen Mantras. Die fortbestehende Erfahrungslust wird in dieser Lehre als Hinweis auf Śivas entsprechenden Willen verstanden.
KP 8.243 – Diese Originalnummer enthält ausdrücklich drei Halbverse; nicht in zusätzliche Originalnummern zerlegen. Diese Originalnummer hat drei Halbverse; alle sind übersetzt. Der erste führt den Sonderfall aus8.241–242 fort, die beiden weiteren nennen die Einstufung des Samayin nach seinem Ziel. apaspṛham bleibt als Drucklesung bewahrt; der Kommentar, Bhatt PDF 244, erklärt niḥspṛha. T0022 PDF 145/Wr139 bietet eine abweichende api-Form und verteilt die Stelle auf243 und243½. Es entstehen daraus keine zusätzlichen Grundtextverse.
KP 8.244 – Schlussstrophe in längerem Metrum, im Druck vier Zeilen. Grundtext endet auf Druck 204/PDF 244; Druck 205/PDF 245 enthält Kommentarschluss mit eigener Nārāyaṇakaṇṭha-Strophe und Vṛtti-Kolophon. Lange Schlussstrophe in vier Druckzeilen, Bhatt PDF 244; Kommentar245. Die drei Arten von Zielen werden im Kommentar als rein, rein-unrein und unrein erläutert. tyaktākṣeprativādānubandhaiḥ beschreibt die knappe Darstellung des Ritualteils; es ist keine Erlaubnis für den Herausgeber, vorhandene Einwände oder Textteile zu streichen. Die anschließende Nārāyaṇakaṇṭha-Strophe und der Vṛtti-Kolophon gehören zum Kommentar und werden nicht als Grundtext eingeschoben.
YP 1.1 – KSTS-Druck 3/PDF 395: athānātmavatāṃ matvā; GRETIL athātmavatāṃ matvā [vā] abweichend. Kommentar erklärt zuerst ātmavantaḥ, dann Tätigkeit der noch nicht so Befähigten. GRETIL-Klammerzusatz ist kein zweiter Grundtext. Die allgemeine Warnung des elektronischen Imports ist durch den dokumentierten Bildabgleich erledigt; weitere konkrete Varianten bleiben im Datensatz. Ātmavattā umfasst hier die Verwirklichung des eigenen Selbst, nicht bloß Willensdisziplin. Der Kommentar nennt Lehrer, Putraka, Samayin und Sādhaka als Träger unterschiedlicher Aufgaben.
YP 1.3 – Sieben Glieder: Prāṇāyāma, Pratyāhāra, Dhāraṇā, Dhyāna, Vīkṣaṇa, Japa und Samādhi. Yoga ist der Aṅgin, das mit diesen Gliedern ausgestattete Ganze.
YP 1.4 – Prakhedana bezeichnet das Beanspruchen beziehungsweise Anstrengen des Atems. Kratu wird im Kommentar als Sinnesvermögen oder Entschluss erklärt; gemeint sind Fehler durch Unterlassen des Gebotenen und Vollziehen des Verbotenen.
YP 1.5 – vṛtasya nach Grundtext und Kommentar (tatparasya); GRETIL vṛttasya mit zusätzlichem t.
YP 1.6 – Mati meint hier nach dem Kommentar die Tätigkeit des Denkens, nicht das Weltprinzip Buddhi. Pāda 6b beschreibt die Eignung zur Dhāraṇā.
YP 1.8 – Tadbhāṣaṇa wird als Wiederholung des den Meditationsgegenstand bezeichnenden Mantras erläutert; der Kommentar unterscheidet geistige, leise und hörbare Wiederholung. Ūha erläutert das in 3 genannte Vīkṣaṇa.
YP 1.9 – Die Unterscheidung gilt nach dem Kommentar jeweils für die aufzugebende und für die anzunehmende Stufe. Der Druck hat yadā; der Kommentar erläutert yad/yasmāt kausal. Die mit ‚wenn‘ eröffnete Formulierung wird im Deutschen zum folgenden Ergebnis offen gehalten.
YP 1.11 – Die Wiederholung ‚Mensch/Menschen‘ folgt naraḥ/mānavāḥ des Grundtextes. Rakṣas und Dānava bezeichnen unterschiedliche übermenschliche Wesen.
YP 1.12 – Hier beginnt die Frage des Weisen; sie reicht bis zum Ende von 13.
YP 1.15 – Die gedrängte Zahlenfolge ekārdhadaśasaptabhiḥ wird im Kommentar eindeutig als 1, 5, 10, 7 entfaltet; ardha bezeichnet hier die Hälfte von zehn. Historische Reinheitsvorschrift.
YP 1.16 – KSTS-Druck 13/PDF 405 hat khabāhu, nicht GRETIL svabāhu. Kommentar Druck 14/PDF 406 erläutert khāni als Sinnesöffnungen. Dvir vratī verdoppelt nach dem Kommentar die vorangegangenen Reinigungsvorgänge. Kha bezeichnet die Sinnesöffnungen, ka den Kopf. Der Kommentar unterscheidet Gelübdehalter von den übrigen Angehörigen der vier Initiationsstände.
YP 1.17 – Svāsana kann einen geeigneten Sitzplatz oder eine eingeübte Sitzhaltung meinen; beide Erklärungen stehen im Kommentar. Der Satz reicht über 18–19 bis 20.
YP 1.19 – Die Körperangaben geben die historische Vorschrift wieder; sie sind keine nachträglich ergänzte moderne Übungsanleitung.
YP 1.20 – Śaktiparyanta meint nach dem Kommentar yathāśakti, entsprechend der eigenen Kraft, keinen kosmischen Śakti-Endpunkt. Ein bestimmtes Nasenloch steht erst im Kommentar.
YP 1.24 – Mond-, Sonnen- und Śiva-Bahn werden im Kommentar als linke, rechte und mittlere Atembahn erläutert.
YP 1.25 – Der Kommentar ordnet die zuletzt genannten schädigenden Anwendungen der Sonnenbahn zu. Die historischen Wirkungsbehauptungen werden als Textinhalt übersetzt.
YP 1.26 – Stobha wird als Erschütterung beziehungsweise Erregung eines Körpers erklärt. Śāṅkara bezieht sich auf die mittlere Suṣumnā-Bahn. Diese Passagen bleiben außerhalb der erhebenden Praxisauswahl.
YP 1.27 – Saṃsthāpana meint Pratiṣṭhā, rituelle Einsetzung beziehungsweise Installation. Der Kommentar entfaltet die Stufen zu 12, 24 und 48 Tālas; die anschließend zitierte Vergleichsstelle nennt für die höchste Stufe dagegen das Dreifache der geringsten. Der Grundtext selbst nennt nur ‚zwölf und so weiter‘.
YP 1.28 – Der Kommentar meint Umläufe der Hand um das Knie. Sagarbha, wörtlich ‚mit einem Inneren/Keim‘, bezeichnet die Verbindung mit Dhyāna und Japa; agarbha beziehungsweise nirgarbha deren Fehlen.
YP 1.29 – Das Verb hanti steht erst in 30. Der Kommentar bezieht die Tilgung der Verfehlungen auf die Übung mit Dhyāna und Japa und den folgenden Satz über die Sinnesunruhe auf die Übung ohne diese beiden.
YP 1.30 – Devāḥ wird im Kommentar als die Sinne einschließlich des Denkens erklärt. Der zweite Halbvers wird durch das Subjekt in 31 vervollständigt.
YP 1.32 – Der folgende Halbvers begründet die Betrachtung aller Gegenstände als Gestalt Śivas. Die im Sanskrit mit vā bezeichneten Möglichkeiten werden nicht als unabhängig von Śiva wirkende Elemente erklärt.
YP 1.35 – Die zwölffache Zeit in 34 wird durch arkaguṇa, ‚in der Zahl der Sonnen vervielfacht‘, ausgedrückt und im Kommentar ausdrücklich als zwölf erläutert.
YP 1.36 – Gemeint sind die fünf groben Elemente Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum. Die Zuordnung setzt sich in 37–38 in derselben Reihenfolge fort.
YP 1.38 – Ka im Kompositum vajrakajvālā bezeichnet nach der Kommentarglosse vārija einen Lotus; Vajra ist das diamantene Donnerkeilzeichen. Die Zeichen werden von den in 37 genannten Grundformen unterschieden.
YP 1.39 – Der zweite Halbvers eröffnet die Frage des Weisen, die sich bis 40a fortsetzt.
YP 1.42 – ‚Freundlich‘ ergänzt das erst in 43 stehende gemeinsame Prädikat mitra. Die Glosse erklärt den Raum aufgrund seiner Durchdringung und Aufnahme aller Elemente als ihren Verbündeten. Die erste Hälfte enthält historische Aussagen über Wirkungen der Konzentration.
YP 1.43 – Die drei Vierergruppen ergeben sechs Paare: Wasser/Wind und Feuer/Erde neutral; Wasser/Feuer und Erde/Wind feindlich; Wasser/Erde und Feuer/Wind freundlich. Die Reihenfolge reicht von 42b bis 43a.
YP 1.44 – Mit dem zweiten Halbvers beginnt eine neue Frage, abgeschlossen in 45a.
YP 1.46 – Praṇayana ist die lebenserhaltende Tätigkeit des Prāṇa. Die folgenden Tätigkeiten sind Apanayana/Apāna, Unnayana/Udāna, Samāna und Vinamana/Vyāna; die räumliche Reihenfolge des Grundtextes wird nicht nach anderen Yoga-Systemen umgestellt.
YP 1.48 – Yogapāda-Errata KSTS PDF 29 geprüft: Druck S. 31 Zeilen 15–16; korrekte Formen jite und kaṇṭaka- bereits im GRETIL-Wortlaut. Vinamana bezeichnet hier die Tätigkeit des Vyāna. Der Kommentar erläutert das Sichbewegen im Körper und durch seine Öffnungen, nicht bloß gewöhnliche körperliche Beweglichkeit.
YP 1.49 – Yogapāda-Errata KSTS PDF 29 geprüft: Druck S. 31 Zeilen 15–16; korrekte Formen jite und kaṇṭaka- bereits im GRETIL-Wortlaut.
YP 1.50 – Aṇimā ist eine der traditionell genannten besonderen Yogakräfte. Die Zwölferverhältnisse gehören zur hier gelehrten zeitlichen Steigerung; der Grundtext nennt keine modernen Zeiteinheiten.
YP 1.53 – Mit ‚Äußerem‘ sind hier die Gegenstände außerhalb des höchsten Śiva-Prinzips gemeint. Der Kommentar bezieht das Loslassen auf die von Śiva verschiedenen Prinzipien, nicht auf eine Verwerfung Śivas.
YP 1.54 – Der zweite Halbvers beginnt die Frage nach der Meditierbarkeit des gestaltlosen höchsten Śiva; er darf nicht als abschließende Zurückweisung der Meditation gelesen werden.
YP 1.56 – Die Sprecherwechsel sind redaktionell aus dem Frage-Antwort-Zusammenhang kenntlich gemacht; sie sind keine zusätzlich erfundenen Sanskrit-Sprecherzeilen.
YP 1.61 – Yogasaṃskāra bezeichnet die durch Yoga gebildete Prägung beziehungsweise fortwirkende Anlage. Der Übergang von gestützter Betrachtung zu einer Übung ohne Gestaltvorstellung bleibt erhalten.
YP 1.62 – Keine Textlücke in diesem Vers der Druckausgabe; frühere Fragmentklassifizierung beruhte ausschließlich auf fehlerhafter elektronischer Eingabe.
YP 1.64 – Drei Halbverse: Die Nummer 64 folgt im Druck auf den zweiten; ein weiterer unnummerierter Halbvers nāmedhine … śivam steht direkt danach vor dem Kommentar und wird hier derselben erweiterten Einheit zugeordnet. Drei Halbverse; die beiden letzten bilden weitere Bedingungen der Weitergabe. Alpakāloṣita wird im Kommentar auf einen Schüler bezogen, dessen Glauben und Hingabe mangels langer Begleitung noch nicht geprüft sind.
YP 1.65 – Schlussstrophe im Druck unnummeriert; 65 ist die fortlaufende elektronische Positionsnummer. Nārāyaṇakaṇṭha kündigt diese Strophe ausdrücklich als Abschluss und Überleitung zum Caryāpāda an (S. 45). Unnummerierte Schlussstrophe des Grundtextes, redaktionell als 65 zugeordnet. Apāsrava erklärt der Kommentar durch das Ende des nach außen gerichteten Sinnesstroms und die Hinwendung aller Sinne nach innen. Der anschließende Lobvers des Kommentators und dessen Vṛtti-Kolophon gehören nicht zum Grundtext.
CP 1.2 – Mantravṛtti bezeichnet den Sādhaka. Putraka ist der voll initiierte Schüler, Samayin der in die grundlegenden Verpflichtungen aufgenommene Schüler. Die Unterscheidung vratin/avratin hebt die gemeinsamen Pflichten nicht auf.
CP 1.3 – Der Kommentar legt die historische soziale Zuordnung offen: Brahmanen mit ganzkörperlicher Aschebedeckung, Kṣatriyas mit Tilaka, Vaiśyas mit Puṇḍra, Śūdras mit streifenförmigen Zeichen. Diese Rangordnung ist Textinhalt, keine moderne Wertung.
CP 1.4 – Historische Zulassungsbeschränkungen. Vayo'ntastha wird im Kommentar als alter Mensch erklärt.
CP 1.5 – Der Kommentar nennt hier ausdrücklich38 Kalās,36 Tattvas,5 läuternde Mantras von Sadyojāta an,9 Śaktis von Vāmā an und8 Mantraherren von Ananta an. Kalā meint an dieser Stelle daher nicht einfach die sonst häufig genannte Fünferreihe.
CP 1.6 – Śivatejas wird als Śiva-Grundmantra für den Ācārya erläutert. Yogi in putrakayogya- bezeichnet hier nach der Kommentarglosse den Samayin; es wird keine weitere Personengruppe hinzugefügt.
CP 1.7 – Die Drucklesung sāyacūrṇa bleibt bewahrt. Der Kommentar erklärt sie als Beimischung von niśā-Pulver, also Kurkuma; die Handschriftenvarianten sāra/sāya lösen die Lesungsfrage nicht abschließend. Traiphala wird durch Harītakī, Vibhītaka und Āmalaka erläutert. Historische Haarpflegevorschrift; kein modernes Rezept.
CP 1.9 – Beide Halbverse durch Kommentar und Zwischenrubrik getrennt; Originalnummer9 nach der zweiten Hälfte. Prāthamika-Sādhaka ist vom späteren Eintritt eines bereits geweihten Lehrers in den Sādhaka-Stand zu unterscheiden; vgl. Kriyāpāda8.219. Der zweite Halbvers beginnt die Beschreibung des Menschen nach Ablauf seines zeitlich begrenzten Gelübdes.
CP 1.10 – Der Kommentar bietet zusätzlich eine unterscheidende Erklärung: Kāmya ist der Verheiratete, Sāntānika dagegen kann der Unverheiratete sein, der von würdig erlangten Almosen lebt. Der Grundtext fasst die Benennungen knapper zusammen; Sāntānika wird deshalb nicht ungesichert ausschließlich als ‚Nachkommenerzeuger‘ übersetzt.
CP 1.11 – Lokadharmī bezeichnet den entsprechend eingeweihten Sādhaka. Prāggṛhastha bezeichnet nach dem Kommentar einen von Anfang an und fortdauernd im Haus Lebenden; diese Gruppe wird neben dem Samayin genannt. Die Zuordnung wurde beim Vergleich mit 73–74 präzisiert.
CP 1.12 – Teṣām bezieht sich nach dem Kommentar auf Gelübdehalter und Nichtgelübdehalter gemeinsam, nicht allein auf die zuletzt in 11 genannten Personen.
CP 1.13 – Bhatt Fußnote12 diskutiert vā abhojanam / vā bhojanam; Grundtext und Negation nicht stillschweigend umdeuten. Der Kommentar identifiziert Nyagrodha mit Vaṭa, Vātaghna mit Eraṇḍa und Akṣa mit Vibhītaka; die Pflanzennamen werden nicht ohne botanische Quellen in moderne Artennamen umgewandelt. Akutsita bezieht sich auf nicht getadelte beziehungsweise unbescholtene Geber.
CP 1.14 – Sīmantonnayana ist ein Schwangerschaftsritus. Der Kommentar bezieht die Vorschrift auf die Speise bei diesen Veranstaltungen; sie bedeutet kein allgemeines Verbot der genannten Riten.
CP 1.16 – Vyatīpāta ist eine traditionelle astronomisch-kalendarische Konstellation. Dinadhvaṃsa und Māsavṛddhi bezeichnen Besonderheiten der Tages- und Monatszählung des historischen Kalenders; sie werden nicht auf einen heutigen Kalendertermin festgelegt.
CP 1.17 – Śivayogin umfasst hier nach dem Kommentar jeden, der zur Lehre Śivas gehört, nicht nur fortgeschrittene Übende bestimmter Yoga-Techniken.
CP 1.18 – Madhu wird hier im Kommentar nicht näher bestimmt; beide geläufigen Bedeutungen bleiben sichtbar. Mātrā meint nach dem Kommentar die notwendige Ausstattung wie Fell, Gebetsschnur, Stab und Wasserkrug. Die letzten drei Vorschriften gelten ausdrücklich für Gelübdehalter.
CP 1.19 – Fortsetzung der historischen Regeln für Gelübdehalter; die späteren Regeln für verheiratete Haushälter sind davon zu unterscheiden.
CP 1.20 – Aṣṭakā bezeichnet besondere Tage des Ahnenrituals, nicht unterschiedslos jeden achten Mondtag. Siddhadarśana wird als Begegnung mit einem Siddha aufgefasst.
CP 1.21 – Zweite Hälfte nach madhuparkādyaiḥ durch Kommentar getrennt; svakāle strīniṣevaṇam schließt Nummer21. Mit dem letzten Viertel beginnt nach dem Kommentar die Regel für einen Bhautika nach Abschluss seines zeitlichen Gelübdes; es ist keine Ausnahme für lebenslang Enthaltsame. Madhuparka ist eine traditionelle Ehrengabe. Das Ältersein der Brüder kann Geburt, Einweihung oder spirituellen Vorzug betreffen.
CP 1.25 – Saṃjīvana ist zunächst der Name des Ritus; der folgende Vers verwirft ausdrücklich die Vorstellung, bereits verbranntes Karma könne dadurch tatsächlich wiederbelebt werden. Die Vollopfergabe richtet sich nach der Kommentarglosse nach unten.
CP 1.26 – Mṛṣā citaḥ khedana bezieht der Kommentar auf die unnötige Belastung des ungeeigneten Schülers durch eine fehlangebrachte Einweihung, nicht auf ein Wiederherstellen seiner verbrannten Bindungen.
CP 1.27 – Der Kommentar erläutert zuerst eine rituelle Schöpfungsfolge bis zum menschlichen Geburtsstand und dann die umgekehrte, auflösende Folge bis zum vorher genannten höchsten Ziel. Es handelt sich um die Aufnahme von Menschen aus anderen Einweihungsordnungen.
CP 1.28 – Punarbhava bezeichnet hier nach dem Kommentar die erneute Initiation nach Zugehörigkeit zu einem anderen System. Kuryāt tānītarāṇi wird ausdrücklich als gesondertes Bewahren und Nichtoffenbaren der betreffenden Praktiken erklärt. Die historische Berechtigungsregel ist von der in 29 genannten Auslegung des Lehrtextes zu unterscheiden.
CP 1.31 – Paśu bezeichnet in diesem Zusammenhang nach dem Kommentar nicht eingeweihte Zuhörer; es wird hier nicht mit ‚Tier‘ übersetzt.
CP 1.32 – Kāraka meint nach dem Kommentar die zur Auslegung benötigten Gegenstände wie Schnüre und Buchstaben-/Schreibutensilien. Guptasatsūtra bezeichnet die gesicherte gute Schnur des Manuskripts, nicht verborgene Lehrsätze.
CP 1.33 – Kṛtārtha wird mit dem rituell vorbereiteten Schüler verbunden. Der Kommentar erläutert Prāgudaṅmukha ausdrücklich als Osten oder Norden, nicht zwingend als Nordosten. Sambandha und Artha sind Einleitungsbestandteile der Textauslegung. Artha und Ukti werden im Kommentar durch Prayojana, Tātparyākhyāna und Abhidheya erläutert; die Einleitung umfasst daher auch den Gegenstand der Lehre.
CP 1.34 – Pravṛttaye wird mit Śāstrapratītaye erklärt: Die Nennung begründet die Verlässlichkeit der Überlieferung, nicht nur deren Weitergabe.
CP 1.35 – Die Aufzählung wird in 36a mit dem westlichen Strom fortgesetzt. Die Srotas-Lehre beschreibt die historische Gliederung tantrischer Überlieferungen.
CP 1.36 – Āpya bezeichnet die westliche Himmelsrichtung. Mit36b beginnt eine zweite Gliederung: acht Nebenströme innerhalb der fünf zuvor genannten Hauptströme.
CP 1.39 – Die ersten vier abgeleiteten Benennungen lauten entsprechend Māntreśvara, Gāṇa, Divya und Ārṣa. Die zweite Vershälfte eröffnet die Erklärung von Gauhyaka.
CP 1.41 – Anya wird im Kommentar ausdrücklich als Siddha-Kaula erklärt. Nottīrṇa bedeutet, dass die jeweilige Überlieferung innerhalb der Linie der Yoginīs beziehungsweise Siddhas geblieben sei; es bezeichnet hier keine fehlende Befreiung der Praktizierenden.
CP 1.44 – Jñāna ist hier die Bezeichnung als Lehre/Wissen, kein elfter Schriftentitel; ebenso ist para ein Beiwort. Die zehn Namen werden in der belegten Fassung belassen, auch wo andere Listen geläufigere Namensformen haben.
CP 1.50 – Atha bedeutet etwa ‚nun‘ und ist ein traditionelles Eröffnungswort. Der Kommentar veranschaulicht die drei Grundsatzarten an den ersten drei Strophen des Vidyāpāda.
CP 1.51 – brūte entspricht der ausdrücklichen Druckberichtigung S.328/PDF 368 zu S.224 Z.15; GRETIL enthält bereits die korrigierte Form. Bhāṣyasaṃgraha bezeichnet hier die weitere erklärende Entfaltung; daraus wird keine zusätzliche, im Datensatz nicht belegte Prosa des Grundtextes konstruiert.
CP 1.53 – Die Sanktionsaussage gehört zum historischen Text. Die Begründung aus52–53 wird vollständig wiedergegeben.
CP 1.55 – Der Kommentar unterscheidet die eintägige Pause der zuerst genannten Erscheinungen von der an die Sichtbarkeit gebundenen Pause für die letzte Gruppe. Vyomapura wird als Gandharva-Stadt, eine stadtähnliche Himmelserscheinung, erläutert.
CP 1.56 – Svarbhānu wird als Rāhu bei einer Finsternis erklärt. Der Kommentar zieht die Dreitagesfrist auch auf die Kīlaka-Erscheinung. Hari-Fest wird alternativ als Indra-Fest oder Hariprabodha erläutert; der Opferzerstörer ist Śiva, dessen Pavitra-Fest gemeint ist.
CP 1.58 – Śavaśruti meint nach dem Kommentar das Hören von Klage und Weinen wegen eines Verstorbenen. Dāha wird als Brand eines Hauses und dergleichen erklärt, nicht ausschließlich als Leichenverbrennung.
CP 1.60 – Der erste Halbvers setzt die Todesfallregel fort und wird im Kommentar als dreitägige Pause erklärt. Iṣṭi im zweiten Halbvers meint hier nach der Kommentarglosse eine begriffliche Präzisierung, insbesondere die Vermeidung eines zu weiten oder zu engen Geltungsbereichs; kein zusätzliches Opfer.
CP 1.62 – Der Kommentar unterscheidet den Yogapīṭha als Ort der Śiva-Verehrung vom Lehrsitz. Die zweite Hälfte regelt einen Lehrer aus einer anderen Weihefolge; sie ist nicht auf ungeweihte Vortragende bezogen.
CP 1.64 – Nīca/nikṛṣṭa bleibt als historische soziale beziehungsweise sittliche Wertung kenntlich; eine bestimmte Kaste wird an dieser Stelle nicht genannt. Der Kommentar erläutert Pīḍana auch durch Schläge und Wegnahme von Besitz.
CP 1.68 – Der Text nennt Verhaltensregeln seiner historischen Lehrer-Schüler-Etikette. Kaṇṭhaprāvṛti meint laut Kommentar das Umwickeln des Halses mit dem Obergewand.
CP 1.69 – saṃsthitīḥ mit Visarga gemäß Errata S.328/PDF 368 zu S.230 Z.6; GRETIL enthält den Visarga bereits. Das Verbot gilt weiterhin für die Gegenwart des Lehrers. Aṅgasaṃskāra umfasst im Kommentar Bad, Zahnreinigung und Salbung; es handelt sich um Etikette, kein allgemeines Verbot von Körperpflege, Meditation oder Verehrung.
CP 1.70 – Abhivādana bezeichnet den förmlichen ehrerbietigen Gruß. Die Regel will solche Tätigkeiten beziehungsweise die Anwesenheit des übergeordneten Lehrers nicht durch eine Begrüßung unterbrechen.
CP 1.71 – Anuyoga wird im Kommentar als insistierendes Nachfragen beziehungsweise Zur-Rede-Stellen erklärt. Die Vorschrift hebt den im Text selbst belegten Unterricht durch Fragen nicht allgemein auf.
CP 1.74 – Der Kommentar bezieht diese Begründung auf Samayin und Prāggṛhastha und erklärt tatsādhaka als einen, der sich der dienenden Begleitung des Ācārya widmet. Das Wort führt hier noch nicht den Mantrapraktizierenden des folgenden Verses ein.
CP 1.76 – Die drei Japa-Weisen sind hörbar, leise und geistig. Der Kommentar erläutert unterschiedliche Zuordnungen nach erstrebter Kraft oder Mantrarang; diese zusätzlichen Zitatregelungen werden nicht in den Grundtext eingefügt.
CP 1.78 – Der Kommentar bezieht den ersten Teil auf den Almosengang: keine Segenserteilung aus Gegenleistungserwartung, keine Schmeichelei und kein Schelten bei ausbleibender Gabe. Anugraha meint hier nicht ohne Weiteres ein allgemeines Verbot jeder menschlichen Hilfe.
CP 1.79 – Mādhūkarī bezeichnet das Sammeln kleiner Gaben bei mehreren Häusern. Das Savana zur Tagesmitte ist zuerst abzuschließen; sarvamantramukha wird als Gegenwart aller Mantras in dieser Verehrung erklärt.
CP 1.81 – Vigarhita wird im Kommentar mit dem Śaiva verbunden. Die anderen genannten Gruppen werden davon getrennt aufgeführt; die Kommentarbeispiele umfassen unter anderem Träger des Mahāvrata. Die Vorschrift beschreibt die historische Abgrenzung bei der Speiseannahme.
CP 1.85 – Der Kommentar ordnet Vaiṣṇava-samaya hier dem Abend zu. Vidyā in 84 kann die heilige Lehre beziehungsweise ihre sakrale Verkörperung bezeichnen.
CP 1.86 – Die Textform nennt kṣetrapālāya svāhā und schreibt Oṃ als Vorsatz ausdrücklich vor. Es wird kein weiteres Bīja ergänzt.
CP 1.89 – Die Druckform yathārhitaḥ hat einen unklaren syntaktischen Anschluss; der Kommentar erläutert yathāyocita, ‚wie angemessen‘. Er bezieht die Kennzeichen auf Gelübdeabzeichen und Einweihungsstände sowie die historischen sozialen Gruppen. Die Arbeitslesung wird nicht stillschweigend zu yathārhataḥ oder yathārham geändert.
CP 1.90 – Der Kommentar nimmt beim Verneigungsverbot den eigenen Lehrer ausdrücklich aus. Der Mantra ist die besondere Sādhana-Formel dieses Geweihten; kein allgemeines Verbot, über Mantras zu sprechen.
CP 1.92 – Die Glosse bezieht Caru auf den für den eigenen Sādhana-Mantra geweihten Opferbrei. Die Erlaubnis im letzten Halbvers wird als von der Gottheit erbetene Zustimmung zum angekündigten Vorhaben erläutert.
CP 1.94 – Die zweite Hälfte beginnt die Ausschlussliste, die erst in 96a ihr Verb erhält. Sie darf nicht als Empfehlung eines durch diese Gottheiten verriegelten Ortes gelesen werden.
CP 1.95 – Anyarakṣita wird ausdrücklich als bereits von einem anderen Sādhaka gehütet beziehungsweise übernommen erklärt; es bezeichnet hier keine allgemeine Sicherheitsausstattung.
CP 1.96 – Die in 94b–96a genannten Eigenschaften bilden Ausschlussgründe. Der Kommentar erklärt Bāṇa-Liṅga über die Überlieferung des Tripura-Herrschers; eine moderne geographische oder mineralogische Festlegung wird nicht ergänzt.
CP 1.102 – Druck und Kommentarbeginn grāmaśaṅkuṣu; GRETIL dhāmaśaṅkuṣu ist hiervon abweichend.
CP 1.103 – Ghanacchada wird im Kommentar als der Kavaca-Panzer erläutert. Die eigene Richtung des Kṣetrapāla ist der bereits in 86 genannte Südwesten. Die Randgottheiten sind die zuvor eingesetzten Weltenhüter.
CP 1.104 – Diese Regel gilt für den fest übernommenen Übungsort; sie widerspricht nicht der zuvor gesondert beschriebenen wandernden Praxis.
CP 1.106 – Dies ist die allgemeine Regel; die folgenden Verse enthalten besondere, teils abweichende Maßzahlen für einzelne Fälle und Einweihungsstände.
CP 1.107 – Mārutāśana bezeichnet hier die historische Fastenvorschrift ohne Nahrung. Die Fassung übersetzt den Text und ergänzt keine moderne Durchführungsempfehlung.
CP 1.108 – Bahurūpa ist Aghora, Vaktra ist Tatpuruṣa. Der Kommentar bezieht die ersten Angaben auf die Sühneformen des vorherigen Verses und erläutert den Samenerguss als unwillkürlich.
CP 1.109 – kasthāne im Grundtext und mehrfach im Kommentar; dort Bezug auf östliches Lotosblatt. GRETIL tatsthāne nicht übernommen. Die Druckform kasthāne ist nicht eindeutig; eine Variante lautet tatsthāne. Der Kommentar beschreibt eine Versetzung des zum jeweiligen Stand gehörigen Mantras in die Mitte und Īśānas an dessen bisherigen Platz auf einem Lotusblatt. Es ist hier daher kein ungesicherter ‚Kopfplatz‘ gemeint. Vaktra, Bahurūpa, Vāma und Sadyojāta werden entsprechend den historischen sozialen Gruppen zugeordnet.
CP 1.110 – Der Kommentar differenziert die Fastenzeit je nach Berührungsfall zu1/2/3/6 Tagen. Im Grundtext steht hier ausdrücklich sechs; die zusätzlichen Abstufungen bleiben Kommentarinhalt.
CP 1.111 – Nirmālya bezeichnet bereits dargebrachte Kultgaben, die hier für den Sādhaka nicht zum Gebrauch freigegeben sind. Die Glosse erklärt für beide Mantragruppen die Wiederholung jedes einzelnen Mantras.
CP 1.112 – Śākya wird durch Saugata, also Buddhist, erläutert; Pādārthika durch Arhat-Anhänger, hier die Jainas; Kapālin durch Mahāvrata-Träger. Dies ist die Einordnung dieser Gruppen in die śivaische Ritualsystematik des Textes.
CP 1.113 – Aindava-vrata wird im Kommentar als Cāndrāyaṇa erklärt. Die Vorschrift beschreibt historische Reinheitsgrenzen zwischen religiösen Gruppen.
CP 1.114 – Die Glosse unterscheidet bloßen Kontakt von der zuvor behandelten Speiseaufnahme und erläutert Saṃyama hier durch die genannten Fasten- und Reinheitsregeln.
CP 1.115 – Der Kommentar behandelt Verlust und Entwendung der beiden Kultgegenstände. Hārita heißt hier ‚weggebracht/entwendet‘, nicht bloß ‚getragen‘.
CP 1.116 – Der Kommentar präzisiert: außerhalb der schwerer gewichteten Unterbrechung der Verehrung beim Herabfallen oder Bruch10000, für andere Fälle an niedrigerem Gerät5000, bei sehr geringfügiger Störung1000. ‚Hälfte‘ bezieht sich hier auf das zuletzt genannte Zehntel, nicht erneut auf100000.
CP 1.117 – Nach dem Kommentar sind dies1000 beim Sehen,10000 bei Berührung und50000 beim Reißen des Gebetsschnurfadens. Paśu meint hier einen nicht eingeweihten Menschen.
CP 1.118 – Die Glosse erlaubt bei Metall die Reinigung statt Aufgabe des Gegenstandes. Die zweite Hälfte betrifft den enthaltsam lebenden Sādhaka und wird in 119a fortgesetzt.
CP 1.119 – Dvipañcaguṇita ist nach dem Kommentar zehnfach, nicht zwei- oder fünffach. Der Vorsatzfall wird dort ausdrücklich vom vorangegangenen Pramāda-Fall unterschieden. Śivaikādaśikā bezeichnet die elfgliedrige Saṃhitā.
CP 1.120 – Der Kommentar ordnet die zehnfache Zahl dem vorsätzlichen Fall zu. Die Behandlung gleichgestellter Verfehlungen nimmt Prāṇāyati ausdrücklich aus.
CP 1.121 – Ajāta bezeichnet hier Sadyojāta. Der Kommentar versteht die Alternativen als Wiederholung der ganzen Saṃhitā oder eines dem jeweiligen Fall entsprechenden einzelnen Brahma-Mantras.
CP 1.124 – Der Kommentar gestattet die zuletzt genannte Alternative, wenn die vorrangig beschriebenen geeigneten Helfer nicht verfügbar sind. Die Herkunftsregel ist Teil der historischen Ordnung.
CP 1.125 – Erste Hälfte ausdrücklich avratī; Negation auch im Kommentar erläutert. GRETIL vratī wäre sinnverändernd. Asvavaśa und Svavaśa werden im Kommentar als unwillentlich und willentlich begangene Verfehlung erklärt, nicht als Mangel beziehungsweise Besitz allgemeiner spiritueller Selbstbeherrschung.
CP 1.126 – Nach der Kommentarglosse beträgt das Putraka-Maß zwei Drittel der Sādhaka-Regel, das Samayin-Maß davon die Hälfte. Es wird nicht irrtümlich ein Drittel vom unmittelbar vorher erwähnten dreifachen Lehrermaß abgezogen.
CP 1.127 – Die historischen Sühnegelübde werden als Fachbezeichnungen übersetzt. Detaillierte Fastenrezepte stehen erst in den vom Kommentar zitierten Fremdtexten und werden nicht als Wortlaut des Mṛgendra-Grundtextes ausgegeben.
CP 1.129 – Tadupānta wird im Kommentar als die vorausgehende Zeit im Āṣāḍha erklärt; Nabhasya ist Bhādrapada. Der angekündigte nähere Ablauf ist im erhaltenen Schluss nicht mehr überliefert.
CP 1.130 – Nur ein Halbvers unter Originalnummer130. Schluss des in allen Bhatt-Handschriften erfassten Caryāpāda, nicht Beweis vollständiger ursprünglicher Abteilung. Vṛtti-Kolophon gehört zum Kommentar. Nur ein Halbvers ist erhalten. Pavitra bezeichnet die rituellen Fäden beziehungsweise Girlanden des jährlichen Ergänzungs- und Läuterungsrituals. Text und Kommentar brechen in den für die Ausgabe benutzten Zeugen hier ab; die folgenden Abschlussformeln einer Abschrift belegen keine Vollständigkeit der Caryā-Abteilung.
Anhang I · 1 – Keine ursprünglichen Verszahlen im Druck; zwei durch Kommentar unterbrochene Halbstrophen der zweiten Position. Māyā- und Kiraṇa-Zitate gehören zum Kommentar, nicht zu diesem Grundtext. Die allgemeine Warnung des elektronischen Imports ist durch den dokumentierten Bildabgleich erledigt; weitere konkrete Varianten bleiben im Datensatz. Der Gegenstand Liṅga und der Bezug ‚der andere‘ auf den Befreiungssuchenden sind im begleitenden Kommentar ausdrücklich erklärt. Bhaumasādhita ist wörtlich erdbezogen wiedergegeben; eine besondere Herstelltechnik wird nicht aus dem isolierten Fragment erschlossen. Die Zugehörigkeit dieses Abschnitts zum Caryāpāda ist Bhatts Vermutung, keine durch direkte Handschriftenkollation gesicherte Einordnung.
Anhang I · 2 – Keine ursprünglichen Verszahlen im Druck; zwei durch Kommentar unterbrochene Halbstrophen der zweiten Position. Māyā- und Kiraṇa-Zitate gehören zum Kommentar, nicht zu diesem Grundtext. Die zwei Halbverse stehen im Druck auf getrennten Seiten und sind durch Kommentar samt Fremdzitaten unterbrochen. Pāṇi bezeichnet ein Handmaß; sein Verhältnis zur Elle wird im erhaltenen Kommentar nicht erläutert. Dārubhis trividhaṃ param bleibt ohne nachfolgenden Kommentar mehrdeutig; daraus wird weder eine sichere Dreistufenregel noch ein Höchstmaß von 18 Ellen konstruiert. Die Schlusswörter dārubhis trividhaṃ param werden nur wörtlich angenähert; die genaue Dreiteilung und ihr Bezug sind im überlieferten Ausschnitt nicht auflösbar.
Anhang II · 1 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Der Gegenstand von cinuyāt fehlt im Halbvers. Die Ergänzung bezieht sich auf den von Bhatt genannten Zusammenhang der Totenriten; sie bleibt als Ergänzung sichtbar.
Anhang II · 2 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Dukūla bezeichnet ein feines historisches Gewebe; eine eindeutige moderne Faserart wird nicht behauptet. Dieser Ausschnitt steht in zwei von Bhatt genannten Belegen und wird nur einmal als eigener Text aufgenommen.
Anhang II · 3 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Was ‚all dies‘ umfasst, ist im isolierten Halbvers nicht angegeben.
Anhang II · 4 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Pūrvamukta und Sāpekṣa bleiben in ihrer Beziehung unsicher. Ohne den vollständigen Zitierkontext wird weder eine bestimmte Initiationsklasse noch eine zusätzliche Gottheit eingesetzt.
Anhang II · 5 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Die Nominativformen niṣṇātāḥ/parirakṣakāḥ, das Absolutiv lakṣayitvā und der Instrumental gurūttamaiḥ lassen sich ohne den verlorenen Satzrahmen nicht zu einem gesicherten vollständigen Satz verbinden. Die erhaltenen Wortgruppen werden deshalb getrennt wiedergegeben. Die Satzverknüpfung von Nominativgruppe, Absolutiv und Instrumental ist nicht gesichert; nur Wortgruppenübersetzung möglich.
Anhang II · 6 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Der im Pronomen tam vorausgesetzte Verstorbene ergibt sich aus dem Bestattungskontext. Welche beiden Kultorte gemeint sind, nennt der Ausschnitt nicht.
Anhang II · 7 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt.
Anhang II · 8A – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Śuklakṛṣṇe kann ohne den fehlenden Zusammenhang nicht sicher auf Fäden, Zeiten oder eine andere Zweiergruppe bezogen werden. Die gedruckte Verbindung sūtramahendroditalakṣaṇam ist sprachlich nicht eindeutig; die angegebene Deutung bleibt ausdrücklich vorläufig. Die zwischen diesem Halbvers und Q008B erneut zitierten vier Halbverse stehen bereits unter Q002. Bezug von śuklakṛṣṇe und Verbindung sūtramahendroditalakṣaṇam unklar; nur vorläufige Wortgruppendeutung.
Anhang II · 8B – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Die Folge enthält neun Zuordnungen, wenn sadeśaṃ als eigenes achtes Glied gelesen wird; der Name wird nicht zu einer vermuteten Gottheit normalisiert. Guha ist Skanda, Nāga bezeichnet ein Schlangenwesen beziehungsweise dessen göttlichen Vertreter. Sadeśaṃ als Göttername nicht zuverlässig deutbar; keine Normalisierung.
Anhang II · 9 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Das Gebet bricht im zitierten Ausschnitt ab; eine Bitte um Vergebung oder Vervollständigung wird nicht hinzugefügt. Die gedrängte Folge kṛtaṃ kliṣṭaṃ samutsṛṣṭaṃ hṛdā guptaṃ ca matkṛtam bleibt mit ihren Wiederholungen erhalten.
Anhang II · 10 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Nominale Wortgruppe ohne erhaltenen vollständigen Satz.
Anhang II · 11 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Pūrvamāsārdham wird nicht zu einer gesicherten Halbmonats-, Vormonats- oder Anderthalbmonatsfrist umgedeutet. Naimittika bezeichnet ein durch einen besonderen Anlass veranlasstes Ritual. Pūrvamāsārdham nicht zuverlässig übersetzbar; keine Zeitfrist erfunden.
Anhang II · 12 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Erhaltener Halbvers ohne anschließenden Satz. Die Unterscheidung entspricht den im fortlaufenden Text behandelten Initiationswegen.
Anhang II · 13 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Der Halbvers steht als Mṛgendra-Zitat im Kommentar zum Kriyāpāda; seine ursprüngliche Grundtextposition ist nicht erhalten.
Anhang II · 14 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Śivaikādaśikā bezeichnet die elfgliedrige Mantra-Saṃhitā. Zwei von Bhatt genannte Belege desselben Halbverses werden nicht doppelt gezählt.
Anhang II · 15 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Die Druckfolge triśadbhedalairveṇī ist nicht zuverlässig auflösbar; daraus wird keine sichere Zahl konstruiert. Vigharaṃ steht zweimal im Druck, möglicherweise liegt eine beschädigte technische Bezeichnung vor. Drei Halbverse; keine Ergänzung zu zwei vollständigen Strophen. Anfangskompositum und technischer Name vigharaṃ ungesichert; Zahl und genaue Herstellung bleiben offen.
Anhang II · 16 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt.
Anhang II · 17 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Historische Varṇāśrama-Norm. Die doppelte Bezeugung dieses Halbverses ergibt keine zwei verschiedenen Textstellen.
Anhang II · 18 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Sakala bezeichnet die mit Gestalt beziehungsweise Gliedern ausgestattete Manifestation Śivas. Die abschließende Abwertung anderer Schriften ist Bestandteil des Zitats und wird nicht verschwiegen oder als eigene Bewertung übernommen.
Anhang II · 19 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt.
Anhang II · 20 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Parārthe wurde am vergrößerten Druck von der früheren Verlesung parārdhe berichtigt. Ohne den vollständigen Argumentationskontext ist die Beziehung von Zweck, Träger und Stütze nicht abschließend zu bestimmen. Das letzte Kompositum bleibt unübersetzbar; es wird keine konkrete übernatürliche Leistung ergänzt. Letztes Kompositum unübersetzbar, Verknüpfung von Stütze und Zweck ohne Zitierkontext unklar.
Anhang II · 22 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt.
Anhang II · 23 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Die frühere Transkription eśamantrataḥ wurde anhand des sechsfach vergrößerten Druckausschnitts zu astramantrataḥ berichtigt. Die Vardhanī ist ein besonderes Ritualgefäß.
Anhang II · 24 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Der Druck ist stellenweise blass; die Arbeitslesungen parinyasya prapūjayet und dikṣveṣu bleiben vorläufig. Eine genauere räumliche Anordnung als die im Ausschnitt genannte wird nicht ergänzt.
Anhang II · 26 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Atasī ist die Leinpflanze; die traditionelle Farbvergleichung wird durch den Blütenvergleich selbst bewahrt. Der Wortlaut beschreibt vier Armfunktionen, keine zusätzlich erfundenen Attribute.
Anhang II · 27 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Der Halbvers wird nicht zu einer erfundenen Definition des Śaktipāta oder eines anderen Zustandes vervollständigt. Die Wortgruppen svarūpavijñāna und tadocyate sind verständlich, ihre Verbindung mit patitīti bleibt offen. Patitīti nicht zuverlässig auflösbar; keine vollständige Lehrdefinition ableitbar.
Anhang II · 28 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Der Gegenstand des Dreifachen ist im Ausschnitt nicht ausdrücklich genannt. Die Folge tadvigranthyasaṃkrāntaṃ bleibt ungesichert; kein bestimmtes Knotenmaß oder Material wird ergänzt. Das im Druck fehlende Schlusszeichen nach vipaścitā bleibt in der Sanskritfassung erhalten. Knotenangabe tadvigranthyasaṃkrāntaṃ nicht zuverlässig übersetzbar.
Anhang II · 29 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Teṣveveti und die Beziehung der Pronomina sind im Ausschnitt nicht eindeutig. Ein konkreter Träger oder eine zusätzliche Knotenzahl wird nicht erfunden. Pronomenbezug und teṣveveti nicht gesichert; nur Annäherung der Wortgruppen.
Anhang II · 30 – Keine Originalverszahl. Zitierender Beleg nach Bhatt; dessen eigene Quelle nicht direkt eingesehen. Zuschreibungsformel im Sanskrit wird von Bhatt hier nicht abgedruckt. Die Druckfolgen śiro'ṣṭādhirasaṃ und jāgratsupuṣṭye erlauben keine gesicherte Rekonstruktion der Maßvorschrift. Übersetzt sind nur die erkennbaren Wortgruppen vibhajya mānasiddhyartham, śiras, bhāgaṃ samantataḥ und sapādakam; das Ergebnis ist ausdrücklich keine verwendbare Maßanleitung. Maßangaben und Satzverbindung beschädigt; nur die sicheren Wortgruppen übersetzt.
Lemma 1 – Isoliertes Textwort; der Kommentar bezieht es auf das Liṅga. Kein vollständiger Originalsatz.
Lemma 2 – Das Lemma ist bereits im Sanskritdruck in eckigen Klammern ergänzt. Der Kommentar erklärt es als Pratimā, bildliche Darstellung.
Lemma 3 – Der Kommentar erklärt dies als nicht bildhaft ausgestaltetes Liṅga; nicht mit dem kosmologischen Avyakta zu verwechseln.
Lemma 4 – Der Kommentar verbindet sichtbare und nicht bildhaft ausgestaltete Form im Mukha-Liṅga, dem Liṅga mit Gesicht.
Lemma 5 – Nur isoliertes Lemma im Kommentar; kein fortlaufender Satz erschließbar.
Lemma 6 – Der Kommentar nennt Samayins, Sādhakas, Putrakas und weitere Auftraggeber im Gegensatz zum einsetzenden Ācārya.
Lemma 7 – Hier im Kommentar ausdrücklich als Ācārya erklärt.
Schlussformel 1 – Kapitelabschluss aus der Kontrollausgabe; als Editionsparatext gesondert bewahrt, nicht als ursprüngliche Grundtextstrophe gezählt.
Schlussformel 2 – Kapitelabschluss aus der Kontrollausgabe; als Editionsparatext gesondert bewahrt, nicht als ursprüngliche Grundtextstrophe gezählt.
Schlussformel 3 – Kapitelabschluss der Kontrollausgabe, Editionsparatext; keine zusätzliche Grundtextstrophe.
Schlussformel 4 – Kapitelabschluss der Kontrollausgabe, Editionsparatext; keine zusätzliche Grundtextstrophe.
Schlussformel 5 – Kapitelabschluss der Kontrollausgabe, Editionsparatext; keine zusätzliche Grundtextstrophe.
Schlussformel 6 – Kapitelabschluss der Kontrollausgabe, Editionsparatext; keine zusätzliche Grundtextstrophe.
Schlussformel 7 – Kapitelabschluss der Kontrollausgabe, Editionsparatext; keine zusätzliche Grundtextstrophe.
Schlussformel 8 – Kapitelabschluss der Kontrollausgabe, Editionsparatext; keine zusätzliche Grundtextstrophe.
Schlussformel 9 – Kapitelabschluss der Kontrollausgabe, Editionsparatext; keine zusätzliche Grundtextstrophe.
Schlussformel 10 – Kapitelabschluss der Kontrollausgabe, Editionsparatext; keine zusätzliche Grundtextstrophe. Offenbarer Schreibfehler parakaraṇaṃ der Abschlusszeile zu prakaraṇaṃ normalisiert; Kapitelüberschrift PDF 47 hat prakaraṇam.
Schlussformel 11 – Kapitelabschluss in Sabharathnams Grundtextausgabe, PDF 63, visuell gelesen. Als Editionsparatext separat erfasst; nicht als zusätzliche Originalstrophe gezählt. Wortabstände und regulärer Sandhi bei prakaraṇam ekādaśam normalisiert.
Schlussformel 12 – Kapitelabschluss der Kontrollausgabe, Editionsparatext; keine zusätzliche Grundtextstrophe.
Schlussformel 13 – Abschlussformel nach dem ausdrücklich als Mṛgendravṛtti bezeichneten Kommentar-Kolophon. Als Editionsparatext getrennt von Grundtextstrophen bewahrt; die Abschlussstrophen des Kommentators werden nicht als Wurzeltext erfasst.
Schlussformel 14 – Am Schluss des dreizehnten Kapitels irrtümlich ekādaśaṃ (elftes). Wortlaut dokumentiert, Grundausgabe nicht umnummeriert. ekādaśaṃ wird wörtlich übersetzt; keine Umnummerierung des Kapitels.
Schlussformel 16 – Schlussformel der Kontrollausgabe; Editionsparatext, kein Grundvers.
Schlussformel 17 – Grundtextabschrift T0022, Kapitelkolophon im fortlaufenden Haupttext; abweichende Randkolophone gesonderte Varianten, nicht hineingemischt. Wortlaut der Abschrift bewahrt; kein Ersatz für den abweichenden Kommentar-Kolophon bei Bhatt.
Schlussformel 18 – Grundtextabschrift T0022, Kapitelkolophon im fortlaufenden Haupttext; abweichende Randkolophone gesonderte Varianten, nicht hineingemischt. Wortlaut der Abschrift bewahrt; kein Ersatz für den abweichenden Kommentar-Kolophon bei Bhatt.
Schlussformel 19 – Grundtextabschrift T0022, Kapitelkolophon im fortlaufenden Haupttext; abweichende Randkolophone gesonderte Varianten, nicht hineingemischt. Wortlaut der Abschrift bewahrt; kein Ersatz für den abweichenden Kommentar-Kolophon bei Bhatt.
Schlussformel 20 – Grundtextabschrift T0022, Kapitelkolophon im fortlaufenden Haupttext; abweichende Randkolophone gesonderte Varianten, nicht hineingemischt. Wortlaut der Abschrift bewahrt; kein Ersatz für den abweichenden Kommentar-Kolophon bei Bhatt.
Schlussformel 21 – Grundtextabschrift T0022, Kapitelkolophon im fortlaufenden Haupttext; abweichende Randkolophone gesonderte Varianten, nicht hineingemischt. Wortlaut der Abschrift bewahrt; kein Ersatz für den abweichenden Kommentar-Kolophon bei Bhatt.
Schlussformel 22 – Grundtextabschrift T0022, Kapitelkolophon im fortlaufenden Haupttext; abweichende Randkolophone gesonderte Varianten, nicht hineingemischt. Wortlaut der Abschrift bewahrt; kein Ersatz für den abweichenden Kommentar-Kolophon bei Bhatt.
Schlussformel 23 – Schlusskolophon der Grundtextabschrift T0022; nicht mit Nārāyaṇakaṇṭhas Vṛtti-Kolophon bei Bhatt PDF S. 156 gleichzusetzen. Im Gesamtabgleich als Kapitelkolophon7 aufgenommen; kein Vṛtti-Kolophon.
Schlussformel 24 – Grundtextabschrift T0022, Kapitelkolophon im fortlaufenden Haupttext; abweichende Randkolophone gesonderte Varianten, nicht hineingemischt. Wortlaut der Abschrift bewahrt; kein Ersatz für den abweichenden Kommentar-Kolophon bei Bhatt. Kapitelkolophon der Grundtextabschrift T0022, PDF 145/Wr139; eigener Zeugenparatext. Die abweichenden Randkolophone werden nicht hineingemischt.
Schlussformel 25 – Abschlussformel der Abschrift; die Formel belegt für sich allein keine vollständige Überlieferung der Caryā-Abteilung. Separater Abschlussvermerk aus T0022 PDF 145/Wr139, einschließlich des überlieferten ca. Kein zusätzlicher Grundtextvers.
Schlussformel 26 – Abschlussformel nach dem ausdrücklich als Mṛgendravṛtti bezeichneten Kommentar-Kolophon. Als Editionsparatext getrennt von Grundtextstrophen bewahrt; die Abschlussstrophen des Kommentators werden nicht als Wurzeltext erfasst.
Schlussformel 27 – Abschlussformel der Abschrift; die Formel belegt für sich allein keine vollständige Überlieferung der Caryā-Abteilung. Die Abschrift zählt nach den acht Kriyāpāda-Kapiteln weiter und nennt dieses Caryāpāda-Kapitel das neunte. Diese Zeugenform wird bewahrt, ohne die redaktionelle CP1-Zuordnung zu ersetzen.
Schlussformel 28 – Abschlussformel der Abschrift; die Formel belegt für sich allein keine vollständige Überlieferung der Caryā-Abteilung. Abschlussbehauptung der Abschrift, keine redaktionelle Bestätigung eines vollständig erhaltenen Caryāpāda.
Quellenzuordnung sämtlicher Einheiten
PDF-Seiten werden ab der ersten Datei-Seite gezählt. Druck- und Abschriftseiten folgen der jeweiligen Vorlage; dadurch sind wechselnde Offsets nachvollziehbar.
| Textstelle | Quelle und Seite |
|---|---|
| VP 1.1 | KSTS 50 (1930); Druck S. 4; PDF S. 33 |
| VP 1.2 | KSTS 50 (1930); Druck S. 10; PDF S. 39 |
| VP 1.3 | KSTS 50 (1930); Druck S. 11; PDF S. 40 |
| VP 1.4 | KSTS 50 (1930); Druck S. 11; PDF S. 40 |
| VP 1.5 | KSTS 50 (1930); Druck S. 13; PDF S. 42 |
| VP 1.6 | KSTS 50 (1930); Druck S. 15; PDF S. 44 |
| VP 1.7 | KSTS 50 (1930); Druck S. 17; PDF S. 46 |
| VP 1.8 | KSTS 50 (1930); Druck S. 18; PDF S. 47 |
| VP 1.9 | KSTS 50 (1930); Druck S. 20, 24, 27; PDF S. 49, 53, 56 |
| VP 1.10 | KSTS 50 (1930); Druck S. 28; PDF S. 57 |
| VP 1.11 | KSTS 50 (1930); Druck S. 28, 29; PDF S. 57, 58 |
| VP 1.12 | KSTS 50 (1930); Druck S. 31; PDF S. 60 |
| VP 1.13 | KSTS 50 (1930); Druck S. 32; PDF S. 61 |
| VP 1.14 | KSTS 50 (1930); Druck S. 33, 34; PDF S. 62, 63 |
| VP 1.15 | KSTS 50 (1930); Druck S. 35, 36; PDF S. 64, 65 |
| VP 1.16 | KSTS 50 (1930); Druck S. 37; PDF S. 66 |
| VP 1.17 | KSTS 50 (1930); Druck S. 38; PDF S. 67 |
| VP 1.18 | KSTS 50 (1930); Druck S. 39; PDF S. 68 |
| VP 1.19 | KSTS 50 (1930); Druck S. 39; PDF S. 68 |
| VP 1.20 | KSTS 50 (1930); Druck S. 39, 40; PDF S. 68, 69 |
| VP 1.21 | KSTS 50 (1930); Druck S. 40; PDF S. 69 |
| VP 1.22 | KSTS 50 (1930); Druck S. 41; PDF S. 70 |
| VP 1.23 | KSTS 50 (1930); Druck S. 42; PDF S. 71 |
| VP 1.24 | KSTS 50 (1930); Druck S. 43; PDF S. 72 |
| VP 1.25 | KSTS 50 (1930); Druck S. 44; PDF S. 73 |
| VP 1.26 | KSTS 50 (1930); Druck S. 44; PDF S. 73 |
| VP 1.27 | KSTS 50 (1930); Druck S. 45; PDF S. 74 |
| VP 1.28 | KSTS 50 (1930); Druck S. 46; PDF S. 75 |
| VP 1.29 | KSTS 50 (1930); Druck S. 46, 47; PDF S. 75, 76 |
| VP 2.1 | KSTS 50 (1930); Druck S. 48; PDF S. 77 |
| VP 2.2 | KSTS 50 (1930); Druck S. 52; PDF S. 81 |
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| VP 2.5 | KSTS 50 (1930); Druck S. 55; PDF S. 84 |
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| KP 8.128 | Bhatt (1962); Druck S. 163; PDF S. 203 |
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| KP 8.131 | Bhatt (1962); Druck S. 164; PDF S. 204 |
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| KP 8.137 | Bhatt (1962); Druck S. 167; PDF S. 207 |
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| KP 8.147 | Bhatt (1962); Druck S. 171; PDF S. 211 |
| KP 8.148 | Bhatt (1962); Druck S. 171; PDF S. 211 |
| KP 8.149 | Bhatt (1962); Druck S. 172; PDF S. 212 |
| KP 8.150 | Bhatt (1962); Druck S. 172; PDF S. 212 |
| KP 8.151 | Bhatt (1962); Druck S. 172; PDF S. 212 |
| KP 8.152 | Bhatt (1962); Druck S. 172, 173; PDF S. 212, 213 |
| KP 8.153 | Bhatt (1962); Druck S. 173; PDF S. 213 |
| KP 8.154 | Bhatt (1962); Druck S. 173, 174; PDF S. 213, 214 |
| KP 8.155 | Bhatt (1962); Druck S. 174; PDF S. 214 |
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| CP 1.72 | Bhatt (1962); Druck S. 231; PDF S. 271 |
| CP 1.73 | Bhatt (1962); Druck S. 231; PDF S. 271 |
| CP 1.74 | Bhatt (1962); Druck S. 231; PDF S. 271 |
| CP 1.75 | Bhatt (1962); Druck S. 232; PDF S. 272 |
| CP 1.76 | Bhatt (1962); Druck S. 232; PDF S. 272 |
| CP 1.77 | Bhatt (1962); Druck S. 232; PDF S. 272 |
| CP 1.78 | Bhatt (1962); Druck S. 233; PDF S. 273 |
| CP 1.79 | Bhatt (1962); Druck S. 233; PDF S. 273 |
| CP 1.80 | Bhatt (1962); Druck S. 234; PDF S. 274 |
| CP 1.81 | Bhatt (1962); Druck S. 234; PDF S. 274 |
| CP 1.82 | Bhatt (1962); Druck S. 234; PDF S. 274 |
| CP 1.83 | Bhatt (1962); Druck S. 235; PDF S. 275 |
| CP 1.84 | Bhatt (1962); Druck S. 235; PDF S. 275 |
| CP 1.85 | Bhatt (1962); Druck S. 235; PDF S. 275 |
| CP 1.86 | Bhatt (1962); Druck S. 235, 236; PDF S. 275, 276 |
| CP 1.87 | Bhatt (1962); Druck S. 236; PDF S. 276 |
| CP 1.88 | Bhatt (1962); Druck S. 236; PDF S. 276 |
| CP 1.89 | Bhatt (1962); Druck S. 236; PDF S. 276 |
| CP 1.90 | Bhatt (1962); Druck S. 237; PDF S. 277 |
| CP 1.91 | Bhatt (1962); Druck S. 237; PDF S. 277 |
| CP 1.92 | Bhatt (1962); Druck S. 237; PDF S. 277 |
| CP 1.93 | Bhatt (1962); Druck S. 238; PDF S. 278 |
| CP 1.94 | Bhatt (1962); Druck S. 238; PDF S. 278 |
| CP 1.95 | Bhatt (1962); Druck S. 238; PDF S. 278 |
| CP 1.96 | Bhatt (1962); Druck S. 238, 239; PDF S. 278, 279 |
| CP 1.97 | Bhatt (1962); Druck S. 239; PDF S. 279 |
| CP 1.98 | Bhatt (1962); Druck S. 239; PDF S. 279 |
| CP 1.99 | Bhatt (1962); Druck S. 239; PDF S. 279 |
| CP 1.100 | Bhatt (1962); Druck S. 239; PDF S. 279 |
| CP 1.101 | Bhatt (1962); Druck S. 240; PDF S. 280 |
| CP 1.102 | Bhatt (1962); Druck S. 240; PDF S. 280 |
| CP 1.103 | Bhatt (1962); Druck S. 240; PDF S. 280 |
| CP 1.104 | Bhatt (1962); Druck S. 241; PDF S. 281 |
| CP 1.105 | Bhatt (1962); Druck S. 241, 242; PDF S. 281, 282 |
| CP 1.106 | Bhatt (1962); Druck S. 242; PDF S. 282 |
| CP 1.107 | Bhatt (1962); Druck S. 242; PDF S. 282 |
| CP 1.108 | Bhatt (1962); Druck S. 242, 243; PDF S. 282, 283 |
| CP 1.109 | Bhatt (1962); Druck S. 243; PDF S. 283 |
| CP 1.110 | Bhatt (1962); Druck S. 243; PDF S. 283 |
| CP 1.111 | Bhatt (1962); Druck S. 244; PDF S. 284 |
| CP 1.112 | Bhatt (1962); Druck S. 244; PDF S. 284 |
| CP 1.113 | Bhatt (1962); Druck S. 244; PDF S. 284 |
| CP 1.114 | Bhatt (1962); Druck S. 244, 245; PDF S. 284, 285 |
| CP 1.115 | Bhatt (1962); Druck S. 245; PDF S. 285 |
| CP 1.116 | Bhatt (1962); Druck S. 245; PDF S. 285 |
| CP 1.117 | Bhatt (1962); Druck S. 245; PDF S. 285 |
| CP 1.118 | Bhatt (1962); Druck S. 245, 246; PDF S. 285, 286 |
| CP 1.119 | Bhatt (1962); Druck S. 246; PDF S. 286 |
| CP 1.120 | Bhatt (1962); Druck S. 246; PDF S. 286 |
| CP 1.121 | Bhatt (1962); Druck S. 247; PDF S. 287 |
| CP 1.122 | Bhatt (1962); Druck S. 247; PDF S. 287 |
| CP 1.123 | Bhatt (1962); Druck S. 247; PDF S. 287 |
| CP 1.124 | Bhatt (1962); Druck S. 247; PDF S. 287 |
| CP 1.125 | Bhatt (1962); Druck S. 248; PDF S. 288 |
| CP 1.126 | Bhatt (1962); Druck S. 248; PDF S. 288 |
| CP 1.127 | Bhatt (1962); Druck S. 248; PDF S. 288 |
| CP 1.128 | Bhatt (1962); Druck S. 249; PDF S. 289 |
| CP 1.129 | Bhatt (1962); Druck S. 250; PDF S. 290 |
| CP 1.130 | Bhatt (1962); Druck S. 250; PDF S. 290 |
| Anhang I · 1 | Bhatt (1962); Druck S. 251; PDF S. 291; Madras Government Oriental Manuscripts Library D 5470, Siglum C, fol. 204–205; Handschrift nicht direkt eingesehen |
| Anhang I · 2 | Bhatt (1962); Druck S. 251, 252; PDF S. 291, 292; Madras Government Oriental Manuscripts Library D 5470, Siglum C, fol. 204–205; Handschrift nicht direkt eingesehen |
| Anhang II · 1 | Bhatt (1962); Druck S. 253; PDF S. 293; zitiert aus: Aghoraśivācāryapaddhati / Kriyākramajyoti, Aghoraśivācārya, aparakriyāvidhi; Grantha, Cintātripēṭṭai/Madras 1907, S. 272 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 2 | Bhatt (1962); Druck S. 253; PDF S. 293; zitiert aus: Prabhā, Nirmalamaṇi-deśika, Aghoraśivācāryapaddhati-vyākhyā / Kriyākramadyotikā-vyākhyā; Grantha, Cidambaram 1927, S. 149 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 3 | Bhatt (1962); Druck S. 253; PDF S. 293; zitiert aus: Prabhā, S. 177 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 4 | Bhatt (1962); Druck S. 253; PDF S. 293; zitiert aus: Prabhā, S. 194 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 5 | Bhatt (1962); Druck S. 253; PDF S. 293; zitiert aus: Prabhā, S. 268 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 6 | Bhatt (1962); Druck S. 253; PDF S. 293; zitiert aus: Prabhā, S. 437 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 7 | Bhatt (1962); Druck S. 254; PDF S. 294; zitiert aus: Prabhā, S. 484 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 8A | Bhatt (1962); Druck S. 254; PDF S. 294; zitiert aus: Kriyādīpikā, Śivāgrayogīndra; Grantha, Madras 1930, S. 112 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 8B | Bhatt (1962); Druck S. 254; PDF S. 294; zitiert aus: Kriyādīpikā, S. 112 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 9 | Bhatt (1962); Druck S. 254; PDF S. 294; zitiert aus: Pavitrotsavavidhi; Grantha, Cintātripēṭṭai/Madras 1930, S. 181 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 10 | Bhatt (1962); Druck S. 254; PDF S. 294; zitiert aus: Pavitrotsavavidhi, S. 188 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 11 | Bhatt (1962); Druck S. 254; PDF S. 294; zitiert aus: Pratiṣṭhā-aṣṭādaśakriyāvali; Grantha, Cintātripēṭṭai/Madras 1927, S. 61 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 12 | Bhatt (1962); Druck S. 254; PDF S. 294; zitiert aus: Mṛgendravṛtti, Bhaṭṭanārāyaṇakaṇṭha, Vidyāpāda, Ausgabe Devakōṭṭai, S. 163 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 13 | Bhatt (1962); Druck S. 254; PDF S. 294; zitiert aus: Mṛgendravṛtti, Bhaṭṭanārāyaṇakaṇṭha, Kriyāpāda, Bhatt 1962, S. 20 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 14 | Bhatt (1962); Druck S. 255; PDF S. 295; zitiert aus: Vāruṇapaddhati, Varuṇaśivācārya; IFP T 55, S. 87 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 15 | Bhatt (1962); Druck S. 255; PDF S. 295; zitiert aus: Vāruṇapaddhati, IFP T 55, S. 469–470 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 16 | Bhatt (1962); Druck S. 255; PDF S. 295; zitiert aus: Vāruṇapaddhati, IFP T 55, S. 527 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 17 | Bhatt (1962); Druck S. 255; PDF S. 295; zitiert aus: Śivajñānabodhabhāṣya, Śivāgrayogīndra; Grantha, Madras 1921, S. 76 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 18 | Bhatt (1962); Druck S. 255; PDF S. 295; zitiert aus: Śivajñānabodhabhāṣya, Śivāgrayogīndra, S. 84 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 19 | Bhatt (1962); Druck S. 255; PDF S. 295; zitiert aus: Śivajñānabodhabhāṣya, Sadāśiva Śivācārya; Grantha, Cintātripēṭṭai/Madras 1924, S. 16 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 20 | Bhatt (1962); Druck S. 255; PDF S. 295; zitiert aus: Śivajñānabodhabhāṣya, Sadāśiva Śivācārya, S. 18 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 22 | Bhatt (1962); Druck S. 256; PDF S. 296; zitiert aus: Śivapūjāstava-vyākhyā, Jñānaśambhu Śivācārya; Devakōṭṭai 1935, S. 86 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 23 | Bhatt (1962); Druck S. 256; PDF S. 296; zitiert aus: Śaivasiddhāntasaṃgraha; IFP T 46, S. 212 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 24 | Bhatt (1962); Druck S. 256; PDF S. 296; zitiert aus: Śaivasiddhāntasaṃgraha; IFP T 46, S. 486 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 26 | Bhatt (1962); Druck S. 256; PDF S. 296; zitiert aus: Sakalāgamasārasaṃgraha; Grantha, Cintātripēṭṭai/Madras 1911, S. 118 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 27 | Bhatt (1962); Druck S. 256; PDF S. 296; zitiert aus: Siddhāntasārāvalīvyākhyā, Ananta Śivācārya; IFP T 52, S. 230 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 28 | Bhatt (1962); Druck S. 256; PDF S. 296; zitiert aus: Siddhāntasārāvalīvyākhyā; IFP T 52, S. 776 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 29 | Bhatt (1962); Druck S. 256; PDF S. 296; zitiert aus: Siddhāntasārāvalīvyākhyā; IFP T 52, S. 778 (Angabe nach Bhatt) |
| Anhang II · 30 | Bhatt (1962); Druck S. 256; PDF S. 296; zitiert aus: Siddhāntasārāvalīvyākhyā; IFP T 52, S. 850 (Angabe nach Bhatt) |
| Lemma 1 | Bhatt (1962); Druck S. 251; PDF S. 291 |
| Lemma 2 | Bhatt (1962); Druck S. 251; PDF S. 291 |
| Lemma 3 | Bhatt (1962); Druck S. 251; PDF S. 291 |
| Lemma 4 | Bhatt (1962); Druck S. 251; PDF S. 291 |
| Lemma 5 | Bhatt (1962); Druck S. 251; PDF S. 291 |
| Lemma 6 | Bhatt (1962); Druck S. 251; PDF S. 291 |
| Lemma 7 | Bhatt (1962); Druck S. 251; PDF S. 291 |
| Schlussformel 1 | Sabharathnam; PDF S. 8 |
| Schlussformel 2 | Sabharathnam; PDF S. 16 |
| Schlussformel 3 | Sabharathnam; PDF S. 20 |
| Schlussformel 4 | Sabharathnam; PDF S. 24 |
| Schlussformel 5 | Sabharathnam; PDF S. 29 |
| Schlussformel 6 | Sabharathnam; PDF S. 32 |
| Schlussformel 7 | Sabharathnam; PDF S. 38 |
| Schlussformel 8 | Sabharathnam; PDF S. 40 |
| Schlussformel 9 | Sabharathnam; PDF S. 46 |
| Schlussformel 10 | Sabharathnam; PDF S. 55 |
| Schlussformel 11 | Sabharathnam; PDF S. 63 |
| Schlussformel 12 | Sabharathnam; PDF S. 72 |
| Schlussformel 13 | KSTS 50 (1930); Druck S. 363; PDF S. 392 |
| Schlussformel 14 | Sabharathnam; PDF S. 112 |
| Schlussformel 15 | KSTS 50 (1930); Druck S. 363; PDF S. 392 |
| Schlussformel 16 | Sabharathnam; PDF S. 112 |
| Schlussformel 17 | IFP T0022; Abschrift S. 3; PDF S. 8 |
| Schlussformel 18 | IFP T0022; Abschrift S. 12; PDF S. 17 |
| Schlussformel 19 | IFP T0022; Abschrift S. 27; PDF S. 32 |
| Schlussformel 20 | IFP T0022; Abschrift S. 29; PDF S. 34 |
| Schlussformel 21 | IFP T0022; Abschrift S. 34; PDF S. 39 |
| Schlussformel 22 | IFP T0022; Abschrift S. 53; PDF S. 58 |
| Schlussformel 23 | IFP T0022; Abschrift S. 79; PDF S. 84 |
| Schlussformel 24 | IFP T0022; Abschrift S. 139; PDF S. 145 |
| Schlussformel 25 | IFP T0022; Abschrift S. 139; PDF S. 145 |
| Schlussformel 26 | KSTS 50 (1930); Druck S. 46; PDF S. 438 |
| Schlussformel 27 | IFP T0022; Abschrift S. 171; PDF S. 177 |
| Schlussformel 28 | IFP T0022; Abschrift S. 171; PDF S. 177 |
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