Eko ham bahuh syam

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eko ham bahuh syam

eko ham bahuh syam (Sanskrit: eko `ham bahuh syām ) = "Einer bin ich, vielfältig will ich sein!"

Stell dir für einen Moment die absolute Stille vor dem Anfang von allem vor. Kein Himmel, keine Erde, kein Licht, kein Klang – nur ein einziges, ungeteiltes Bewusstsein. In dieser unendlichen Weite, so lehrt es die vedische Philosophie, entstand ein Impuls, ein Gedanke, ein göttlicher Wunsch. Dieser Wunsch lautet auf Sanskrit: „Eko ham bahuh syam“ – „Ich bin einer, möge ich viele werden.“ Es ist der Urknall des Bewusstseins, der schöpferische Akt, aus dem das gesamte Universum hervorgegangen ist.

Der Ausdruck stammt aus den Upanishaden, genauer gesagt aus der Taittiriya Upanishad, und beschreibt den Moment, in dem das Absolute, Brahman, beschließt, sich zu entfalten. Du kannst es dir wie einen Samen vorstellen, der die gesamte Kraft eines riesigen Baumes in sich trägt. Der Same bleibt nicht Same, er will keimen, er will sich ausdehnen und zur Vielfalt der Äste, Blätter und Früchte werden. Genauso ist es mit dem ursprünglichen Sein: Es ist vollkommen in sich, aber seine Natur ist es, sich in der Fülle der Schöpfung zu ergießen. Für dich als Mensch bedeutet das: Du bist kein zufälliges Etwas, das isoliert im All treibt. Deine Existenz ist der lebendige Beweis für diesen göttlichen Impuls. Du bist ein Teil dieses „Viele-Werdens“, ein Ausdruck der einen Quelle, die sich danach sehnt, sich in unzähligen Formen selbst zu erfahren.

In deiner Yogapraxis kannst du diese Wahrheit auf der Matte erfahren. Wenn du in der Tadasana, der Berghaltung, stehst, spürst du vielleicht zunächst nur dich selbst als einzelne Person. Doch dann, mit jedem Atemzug, weitest du dich aus. Du spürst die Verbindung deiner Füße zur Erde, die Weite des Himmels über dir, das Pulsieren des Lebens in deinen Adern. In diesem Moment löst sich das Gefühl der Getrenntheit auf. Du erkennst: Das Eine, das in dir atmet, ist dasselbe, das in den Bäumen rauscht und in den Sternen funkelt. Du wirst zum lebendigen Ausdruck von „Eko ham bahuh syam“ – das Eine, das in dir die Freude des Vielen feiert. Wie es die alten Weisen sagen: „Aus der Fülle des Einen strömt die ganze Welt hervor, und in der Fülle der Welt bleibt das Eine doch unberührt.“

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