Daivasamkalpa: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Daivasamkalpa''' ([[Sanskrit]]: daivasaṃkalpa ''m.'') = göttlicher Entschluss | |||
Daivasamkalpa setzt sich aus den Teilen daiva und samkalpa zusammen. | |||
* [[Daiva]] bedeutet im Sanskrit meist „göttlich“, „gottgegeben“ oder „zum Göttlichen gehörig“; | |||
* [[samkalpa]] heißt „Vorsatz“, „Entschluss“ oder „geistige Festlegung“. | |||
Zusammengesetzt bezeichnet Daivasamkalpa also einen göttlichen Vorsatz oder eine von der [[göttlich]]en Gegenwart inspirierte Intention — ein Beschluss, der nicht aus dem egoistischen Wollen des Ichs stammt, sondern als Angleichung des eigenen Willens an das höhere, überpersönliche Prinzip verstanden wird. | |||
In [[spirituell]]en Texten kann Daivasamkalpa verschiedene Nuancen tragen: es kann eine innere Öffnung meinen, bei der das individuelle Wollen zurücktritt und die aus dem Tiefenbewusstsein auftauchende, von Gott bestimmte Absicht angenommen wird; es kann eine Praxisform bezeichnen, in der man sich bewusst einem höheren Ziel unterordnet; oder es erscheint als theologische Idee, dass letztlich nur das Göttliche handelt und der Mensch als Instrument dieses Handelns dient. In der bhakti- und vedantischen Sprache wird ein solcher Begriff oft benutzt, um Vertrauen in das Wirken des Göttlichen auszudrücken und die persönliche Anstrengung mit Hingabe zu verbinden. | |||
Im [[Yoga]]- und [https://www.yoga-vidya.de/ Vedanta]-Kontext ist Daivasamkalpa eng verwandt mit dem Ideal, das eigene [[Ego]]-Wollen durch sankalpa der höheren [[Ordnung]] zu ersetzen. Während sankalpa allgemein einen bewussten Vorsatz bezeichnet (etwa das Ziel einer [[Meditation]]s- oder Yogapraxis), betont Daivasamkalpa, dass dieser Vorsatz von einer göttlichen Eingebung oder Führung getragen wird. In karmischem und tantrischem Denken steht die Unterscheidung zwischen ichbezogenen [[Samskara]]s (gewohnheitsmäßigen Absichten) und einer transpersonalen, heilenden Intention im Mittelpunkt; Daivasamkalpa ist die Formulierung und Ausrichtung auf letztere. Praktisch bedeutet das: du übst dich darin, Absichten nicht aus Angst, Gier oder Ego zu formen, sondern aus Mitgefühl, Dienst und innerer Klarheit — und vertraust darauf, dass das Ergebnis in Einklang mit dem Größeren steht. | |||
Der indische spirituelle Lehrer [[Sri Aurobindo]] schrieb oft über das Mitwirken des Göttlichen in menschlichen Entscheidungen, etwa: „True prayer is not asking; it is a longing of the soul.“ Diese Haltung passt zur Idee von Daivasamkalpa: Anstatt forderndes Wünschen nimmst du eine innere Ausrichtung an, die eher Empfang und [[Hingabe]] ist. Praktisch kannst du das in einer Yogapraxis so anwenden: vor einer Meditation oder [[Asana]]reihe setzt du ein kurzes Daivasamkalpa — nicht als selbstsüchtiges Ziel („ich will flexibler sein“), sondern als innere Absicht wie „möge diese Praxis Klarheit und Mitgefühl fördern“ — und wiederholst diese Intention leise, dann lässt du das Ergebnis dem größeren Fluss überlassen. | |||
=Siehe auch= | |||
* [[Lakshmi]] | |||
* [[Sarasvati]] | |||
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Aktuelle Version vom 12. Juni 2026, 02:30 Uhr

Daivasamkalpa (Sanskrit: daivasaṃkalpa m.) = göttlicher Entschluss
Daivasamkalpa setzt sich aus den Teilen daiva und samkalpa zusammen.
- Daiva bedeutet im Sanskrit meist „göttlich“, „gottgegeben“ oder „zum Göttlichen gehörig“;
- samkalpa heißt „Vorsatz“, „Entschluss“ oder „geistige Festlegung“.
Zusammengesetzt bezeichnet Daivasamkalpa also einen göttlichen Vorsatz oder eine von der göttlichen Gegenwart inspirierte Intention — ein Beschluss, der nicht aus dem egoistischen Wollen des Ichs stammt, sondern als Angleichung des eigenen Willens an das höhere, überpersönliche Prinzip verstanden wird.
In spirituellen Texten kann Daivasamkalpa verschiedene Nuancen tragen: es kann eine innere Öffnung meinen, bei der das individuelle Wollen zurücktritt und die aus dem Tiefenbewusstsein auftauchende, von Gott bestimmte Absicht angenommen wird; es kann eine Praxisform bezeichnen, in der man sich bewusst einem höheren Ziel unterordnet; oder es erscheint als theologische Idee, dass letztlich nur das Göttliche handelt und der Mensch als Instrument dieses Handelns dient. In der bhakti- und vedantischen Sprache wird ein solcher Begriff oft benutzt, um Vertrauen in das Wirken des Göttlichen auszudrücken und die persönliche Anstrengung mit Hingabe zu verbinden.
Im Yoga- und Vedanta-Kontext ist Daivasamkalpa eng verwandt mit dem Ideal, das eigene Ego-Wollen durch sankalpa der höheren Ordnung zu ersetzen. Während sankalpa allgemein einen bewussten Vorsatz bezeichnet (etwa das Ziel einer Meditations- oder Yogapraxis), betont Daivasamkalpa, dass dieser Vorsatz von einer göttlichen Eingebung oder Führung getragen wird. In karmischem und tantrischem Denken steht die Unterscheidung zwischen ichbezogenen Samskaras (gewohnheitsmäßigen Absichten) und einer transpersonalen, heilenden Intention im Mittelpunkt; Daivasamkalpa ist die Formulierung und Ausrichtung auf letztere. Praktisch bedeutet das: du übst dich darin, Absichten nicht aus Angst, Gier oder Ego zu formen, sondern aus Mitgefühl, Dienst und innerer Klarheit — und vertraust darauf, dass das Ergebnis in Einklang mit dem Größeren steht.
Der indische spirituelle Lehrer Sri Aurobindo schrieb oft über das Mitwirken des Göttlichen in menschlichen Entscheidungen, etwa: „True prayer is not asking; it is a longing of the soul.“ Diese Haltung passt zur Idee von Daivasamkalpa: Anstatt forderndes Wünschen nimmst du eine innere Ausrichtung an, die eher Empfang und Hingabe ist. Praktisch kannst du das in einer Yogapraxis so anwenden: vor einer Meditation oder Asanareihe setzt du ein kurzes Daivasamkalpa — nicht als selbstsüchtiges Ziel („ich will flexibler sein“), sondern als innere Absicht wie „möge diese Praxis Klarheit und Mitgefühl fördern“ — und wiederholst diese Intention leise, dann lässt du das Ergebnis dem größeren Fluss überlassen.