Manthana Bhairava Tantra: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Manthana Bhairava Tantra''' ([[Sanskrit]]: मन्थानभैरवतन्त्र manthāna-bhairava-tantra ''n.'') ist der Name eines [[Tantra]], das dem Kult und der Verehrung der Göttin [[Kubjika]] gewidmet ist. | |||
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Das '''Manthana Bhairava Tantra''' erschließt eine Welt, in der der menschliche Körper, die Laute der Sprache und die heiligen Orte einander entsprechen. Im Mittelpunkt steht [[Kubjika|Kubjikā]], die göttliche Kraft, deren Namen und Gestalten sich in einer vielschichtigen Überlieferung entfalten. Das Werk verbindet Erzählung und Lobpreis mit [[Mantra]], innerer Verehrung, [[Yoga]], Einweihung und der Frage nach befreiender Erkenntnis. Wer es aufmerksam liest, begegnet einer anspruchsvollen Form tantrischer Spiritualität: Das Heilige soll gehört, im eigenen Leib vergegenwärtigt und in einer lebendigen Überlieferung erkannt werden. | Das '''Manthana Bhairava Tantra''' erschließt eine Welt, in der der menschliche Körper, die Laute der Sprache und die heiligen Orte einander entsprechen. Im Mittelpunkt steht [[Kubjika|Kubjikā]], die göttliche Kraft, deren Namen und Gestalten sich in einer vielschichtigen Überlieferung entfalten. Das Werk verbindet Erzählung und Lobpreis mit [[Mantra]], innerer Verehrung, [[Yoga]], Einweihung und der Frage nach befreiender Erkenntnis. Wer es aufmerksam liest, begegnet einer anspruchsvollen Form tantrischer Spiritualität: Das Heilige soll gehört, im eigenen Leib vergegenwärtigt und in einer lebendigen Überlieferung erkannt werden. | ||
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== Name und Werkidentität == | == Name und Werkidentität Manthana Bhairava Tantra== | ||
Die Sanskritform des Titels lautet ''Manthānabhairavatantra''; als Editionstitel begegnet ''Manthānabhairavatantram Kumārikākhaṇḍaḥ''. Die allgemein gut lesbare Schreibweise dieses Artikels ist Manthana Bhairava Tantra. ''Manthāna'' bezeichnet das Quirlen beziehungsweise einen Quirl. Die von Mark S. G. Dyczkowski verwendete englische Wiedergabe spricht entsprechend vom „Churning Bhairava“. Die Bedeutung erschöpft sich jedoch nicht in einem deutschen Wort: Bhairava steht hier in einer Überlieferung von göttlicher Offenbarung, Kraft und Erkenntnis. ''Kumārikākhaṇḍa'' bedeutet etwa „Abschnitt über die jungfräuliche Göttin“. | Die Sanskritform des Titels lautet ''Manthānabhairavatantra''; als Editionstitel begegnet ''Manthānabhairavatantram Kumārikākhaṇḍaḥ''. Die allgemein gut lesbare Schreibweise dieses Artikels ist Manthana Bhairava Tantra. ''Manthāna'' bezeichnet das Quirlen beziehungsweise einen Quirl. Die von Mark S. G. Dyczkowski verwendete englische Wiedergabe spricht entsprechend vom „Churning Bhairava“. Die Bedeutung erschöpft sich jedoch nicht in einem deutschen Wort: Bhairava steht hier in einer Überlieferung von göttlicher Offenbarung, Kraft und Erkenntnis. ''Kumārikākhaṇḍa'' bedeutet etwa „Abschnitt über die jungfräuliche Göttin“. | ||
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== Überlieferung und Umfang == | == Überlieferung und Umfang == | ||
Das Werk gehört zur mittelalterlichen śivaitisch-śāktischen [[Kaula]]-Überlieferung der Kubjikā. [[Bhairava]], die Göttin, Yoginīs, heilige Sitze und vollendete Lehrer bilden miteinander verbundene Bezugspunkte. Eine solche Schrift ist nicht notwendig in einem einzigen Arbeitsgang entstanden; für den gesamten überlieferten Wortlaut lässt sich hier kein gesichertes einzelnes Entstehungsjahr angeben. Auch mythische Angaben über Weltalter sind keine historischen Datierungen. | Das Werk Manthana Bhairava Tantra gehört zur mittelalterlichen śivaitisch-śāktischen [[Kaula]]-Überlieferung der Kubjikā. [[Bhairava]], die Göttin, Yoginīs, heilige Sitze und vollendete Lehrer bilden miteinander verbundene Bezugspunkte. Eine solche Schrift ist nicht notwendig in einem einzigen Arbeitsgang entstanden; für den gesamten überlieferten Wortlaut lässt sich hier kein gesichertes einzelnes Entstehungsjahr angeben. Auch mythische Angaben über Weltalter sind keine historischen Datierungen. | ||
Der Schluss des aufgenommenen Kumārikākhaṇḍa nennt Kumārikā, Siddha und Ādi als drei Abteilungen und bezeichnet die Sammlung traditionell als vierundzwanzigtausend Verse; für Kumārikā nennt er sechstausend (69.28–29). Diese überlieferte Umfangsangabe ist von einer heutigen Zählung des tatsächlich zugänglichen Textes zu unterscheiden. Die zusätzlichen Zitate werden mit den Bezeichnungen ihrer Forschungsquellen wiedergegeben, insbesondere ''Yogakhaṇḍa (1)'', ''Yogakhaṇḍa (2)'' und ''Siddhakhaṇḍa''. Ihre Zuordnung und ihre unterschiedliche Überlieferung werden nicht durch eine neu erfundene einheitliche Zählung ersetzt. | Der Schluss des aufgenommenen Kumārikākhaṇḍa nennt Kumārikā, Siddha und Ādi als drei Abteilungen und bezeichnet die Sammlung traditionell als vierundzwanzigtausend Verse; für Kumārikā nennt er sechstausend (69.28–29). Diese überlieferte Umfangsangabe ist von einer heutigen Zählung des tatsächlich zugänglichen Textes zu unterscheiden. Die zusätzlichen Zitate werden mit den Bezeichnungen ihrer Forschungsquellen wiedergegeben, insbesondere ''Yogakhaṇḍa (1)'', ''Yogakhaṇḍa (2)'' und ''Siddhakhaṇḍa''. Ihre Zuordnung und ihre unterschiedliche Überlieferung werden nicht durch eine neu erfundene einheitliche Zählung ersetzt. | ||
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Dyczkowskis Publikation von 2009 umfasst Einleitungen, Text und Übersetzung, Anmerkungen sowie Konkordanzen. Vierzehn physische Bindungen sind daher weder vierzehn Sanskritkapitel noch vierzehn Werkabteilungen. Für diese Bearbeitung wurden die im Quellenverzeichnis bezeichneten digitalen Textstände benutzt. Ihr Verhältnis zum gedruckten Stand ist nicht an jeder Stelle durch einen Druckvergleich gesichert. | Dyczkowskis Publikation von 2009 umfasst Einleitungen, Text und Übersetzung, Anmerkungen sowie Konkordanzen. Vierzehn physische Bindungen sind daher weder vierzehn Sanskritkapitel noch vierzehn Werkabteilungen. Für diese Bearbeitung wurden die im Quellenverzeichnis bezeichneten digitalen Textstände benutzt. Ihr Verhältnis zum gedruckten Stand ist nicht an jeder Stelle durch einen Druckvergleich gesichert. | ||
== Ein Weg durch die Kapitel == | == Ein Weg durch die Kapitel des Manthana Bhairava Tantra== | ||
Die Kapitel heißen im Sanskrit häufig ''Ānanda'', „Wonne“. Das ist eine überlieferte Kapitelbezeichnung, keine Zusicherung eines bestimmten Erlebnisses beim Lesen. Die folgende Orientierung fasst belegte Themen zusammen; sie ersetzt keine ursprünglichen Kapiteltitel. | Die Kapitel heißen im Sanskrit häufig ''Ānanda'', „Wonne“. Das ist eine überlieferte Kapitelbezeichnung, keine Zusicherung eines bestimmten Erlebnisses beim Lesen. Die folgende Orientierung fasst belegte Themen zusammen; sie ersetzt keine ursprünglichen Kapiteltitel. | ||
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== Umfang der Sanskritausgabe == | == Umfang der Sanskritausgabe des Manthana Bhairava Tantra== | ||
* Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 1: Originalnummern 1–20; 19 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen. | * Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 1: Originalnummern 1–20; 19 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen. | ||
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== Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 1 == | == Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 1 des Manthana Bhairava Tantra== | ||
[[Datei:Durga painting.jpg|thumb|Ergänzende Darstellung Durgās: ein allgemeines Bild göttlicher Kraft, keine belegte Darstellung Kubjikās.]] | [[Datei:Durga painting.jpg|thumb|Ergänzende Darstellung Durgās: ein allgemeines Bild göttlicher Kraft, keine belegte Darstellung Kubjikās.]] | ||
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So endet die als Kramodaya, „Entfaltung der Überlieferungsfolge“, bezeichnete Wonne: die Darlegung der Merkmale von Guru und Schüler, innerhalb der ursprünglichen Herabkunft, im großen Opfer des Manthānabhairava, in der auf siebzig Millionen bemessenen Überlieferung, hervorgegangen aus dem Meruweg, im Bereich der Hunderttausend und eines Viertels [Ausdruck unsicher], herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha, in der Bestimmung der reinen Sechs, in der mit Kā beginnenden Abteilung, in der höchsten herrschaftlichen Weisung, in der Lehre der Herrin. 32. | So endet die als Kramodaya, „Entfaltung der Überlieferungsfolge“, bezeichnete Wonne: die Darlegung der Merkmale von Guru und Schüler, innerhalb der ursprünglichen Herabkunft, im großen Opfer des Manthānabhairava, in der auf siebzig Millionen bemessenen Überlieferung, hervorgegangen aus dem Meruweg, im Bereich der Hunderttausend und eines Viertels [Ausdruck unsicher], herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha, in der Bestimmung der reinen Sechs, in der mit Kā beginnenden Abteilung, in der höchsten herrschaftlichen Weisung, in der Lehre der Herrin. 32. | ||
== Weiterführende Lektüre == | == Weiterführende Lektüre zur Manthana Bhairava Tantra== | ||
[[Manthana Bhairava Tantra Teil 2|Nächster Teil]] | [[Manthana Bhairava Tantra Teil 2|Nächster Teil]] | ||
Aktuelle Version vom 15. September 2026, 19:21 Uhr
Manthana Bhairava Tantra (Sanskrit: मन्थानभैरवतन्त्र manthāna-bhairava-tantra n.) ist der Name eines Tantra, das dem Kult und der Verehrung der Göttin Kubjika gewidmet ist.
Das Manthana Bhairava Tantra erschließt eine Welt, in der der menschliche Körper, die Laute der Sprache und die heiligen Orte einander entsprechen. Im Mittelpunkt steht Kubjikā, die göttliche Kraft, deren Namen und Gestalten sich in einer vielschichtigen Überlieferung entfalten. Das Werk verbindet Erzählung und Lobpreis mit Mantra, innerer Verehrung, Yoga, Einweihung und der Frage nach befreiender Erkenntnis. Wer es aufmerksam liest, begegnet einer anspruchsvollen Form tantrischer Spiritualität: Das Heilige soll gehört, im eigenen Leib vergegenwärtigt und in einer lebendigen Überlieferung erkannt werden.
Diese deutsche Teilausgabe des Gesamtwerks enthält alle 69 hier erschlossenen Kapitel des Kumārikākhaṇḍa einschließlich ihrer Sprecherzeilen, Eingangsverehrungen und Kolophone sowie bereits übersetzte, gesondert bezeichnete Zitate aus weiteren Werkabteilungen. Sie ist keine Gesamtausgabe des Manthānabhairavatantra. Beschädigte Stellen und nur teilweise zitierte Strophen bleiben kenntlich. Die vollständige Erschließung eines Khaṇḍa darf nicht mit der vollständigen Erschließung des Gesamtcorpus verwechselt werden.
Alle Wiki Artikel zum Manthana Bhairava Tantra:
Name und Werkidentität Manthana Bhairava Tantra
Die Sanskritform des Titels lautet Manthānabhairavatantra; als Editionstitel begegnet Manthānabhairavatantram Kumārikākhaṇḍaḥ. Die allgemein gut lesbare Schreibweise dieses Artikels ist Manthana Bhairava Tantra. Manthāna bezeichnet das Quirlen beziehungsweise einen Quirl. Die von Mark S. G. Dyczkowski verwendete englische Wiedergabe spricht entsprechend vom „Churning Bhairava“. Die Bedeutung erschöpft sich jedoch nicht in einem deutschen Wort: Bhairava steht hier in einer Überlieferung von göttlicher Offenbarung, Kraft und Erkenntnis. Kumārikākhaṇḍa bedeutet etwa „Abschnitt über die jungfräuliche Göttin“.
Das Kubjikāmata Tantra gehört zum verwandten Überlieferungsraum, ist aber ein anderes Werk. Gleichartige Gottheiten, gemeinsame Begriffe und Parallelstellen erlauben es nicht, fehlende Verse des einen Textes durch das andere zu ersetzen.
Überlieferung und Umfang
Das Werk Manthana Bhairava Tantra gehört zur mittelalterlichen śivaitisch-śāktischen Kaula-Überlieferung der Kubjikā. Bhairava, die Göttin, Yoginīs, heilige Sitze und vollendete Lehrer bilden miteinander verbundene Bezugspunkte. Eine solche Schrift ist nicht notwendig in einem einzigen Arbeitsgang entstanden; für den gesamten überlieferten Wortlaut lässt sich hier kein gesichertes einzelnes Entstehungsjahr angeben. Auch mythische Angaben über Weltalter sind keine historischen Datierungen.
Der Schluss des aufgenommenen Kumārikākhaṇḍa nennt Kumārikā, Siddha und Ādi als drei Abteilungen und bezeichnet die Sammlung traditionell als vierundzwanzigtausend Verse; für Kumārikā nennt er sechstausend (69.28–29). Diese überlieferte Umfangsangabe ist von einer heutigen Zählung des tatsächlich zugänglichen Textes zu unterscheiden. Die zusätzlichen Zitate werden mit den Bezeichnungen ihrer Forschungsquellen wiedergegeben, insbesondere Yogakhaṇḍa (1), Yogakhaṇḍa (2) und Siddhakhaṇḍa. Ihre Zuordnung und ihre unterschiedliche Überlieferung werden nicht durch eine neu erfundene einheitliche Zählung ersetzt.
Dyczkowskis Publikation von 2009 umfasst Einleitungen, Text und Übersetzung, Anmerkungen sowie Konkordanzen. Vierzehn physische Bindungen sind daher weder vierzehn Sanskritkapitel noch vierzehn Werkabteilungen. Für diese Bearbeitung wurden die im Quellenverzeichnis bezeichneten digitalen Textstände benutzt. Ihr Verhältnis zum gedruckten Stand ist nicht an jeder Stelle durch einen Druckvergleich gesichert.
Ein Weg durch die Kapitel des Manthana Bhairava Tantra
Die Kapitel heißen im Sanskrit häufig Ānanda, „Wonne“. Das ist eine überlieferte Kapitelbezeichnung, keine Zusicherung eines bestimmten Erlebnisses beim Lesen. Die folgende Orientierung fasst belegte Themen zusammen; sie ersetzt keine ursprünglichen Kapiteltitel.
- Kapitel 1–7: Fragen, Offenbarungserzählungen, Lobpreis, göttliche Vollmacht und heilige Orte.
- Kapitel 8–16: Vidyās und Lautordnungen, innere Reinigung, Lebensführung und ausgedehnte Anrufungen.
- Kapitel 17–28: Übertragungsfolgen, Lautgesamtheit, Nyāsa und verschiedene rituelle Gliederungen.
- Kapitel 29–30: Vergegenwärtigung der Göttin sowie Umgang mit dem Lehrtext.
- Kapitel 31–39: Einweihung, Guru und Schüler, Feueropfer, Erkenntnis, Verpflichtungen und Sprache der Kula-Praxis.
- Kapitel 40–47: Erkenntnis, Yoga, Überlieferung in den Weltaltern, Entfaltungsordnungen und Lebensführung.
- Kapitel 48–56: Überlieferungsfolgen, innere Verehrung, Meru und Pīṭhas, Praṇavas, Maṇḍala und Siddhas.
- Kapitel 57–69: weitere Entfaltungen der Überlieferung, heilige Sitze und Gottheiten, Ājñā, Kula und Wirklichkeitsprinzipien; zuletzt befreiende Erkenntnis und Abschluss der Sammlung.
Göttin, Körper und heilige Orte
Kubjikā erscheint in einem Geflecht von Namen, Kräften und Gestalten. Kula kann dabei einen zusammengehörigen Verband bezeichnen: göttliche Familie, Überlieferung oder eine im jeweiligen Zusammenhang bestimmte Gesamtheit. Eine einzige Übersetzung des Wortes passt nicht an jeder Stelle. Die Göttin lässt sich ebenso wenig auf ein modernes psychologisches Symbol reduzieren wie jede ihrer Gestalten auf ein äußerlich getrenntes Wesen. Der Text arbeitet gerade mit solchen Übergängen.
Heilige Sitze, Pīṭhas, sind nicht nur Namen auf einer Landkarte. Im Werk treten sie in Beziehungen zu göttlichen Kräften und inneren Ordnungen. Entsprechendes gilt für Meru, Mond, Sonne und Feuer. Ihre Bedeutung muss jeweils aus dem beschriebenen Zusammenhang erschlossen werden. Die Körper- und Lautordnungen des Werkes sind deshalb nicht ohne Weiteres das heute verbreitete Modell von sieben Hauptchakras. Besonders die Kapitel 13, 29, 49, 51 und 59–61 zeigen unterschiedliche Zugänge zu innerer Reinigung, Vergegenwärtigung und heiligen Sitzen.
Mantra und lebendige Übertragung
Vidyā kann Wissen, eine göttliche Mantraform oder die betreffende Göttin bezeichnen. Nyāsa ist das rituelle Zuordnen beziehungsweise Einsetzen von Lauten und Gottheiten, häufig am Körper. Krama bezeichnet eine Folge oder Überlieferungsordnung. Diese Begriffe verbinden Sprache mit verkörperter Verehrung. Buchstabenlisten sind dabei nicht automatisch selbstständige Rezitationen.
Von besonderem Gewicht ist Ājñā: Weisung, Vollmacht und autorisierte Übertragung. Der Begriff meint hier nicht an jeder Stelle das heute so genannte Stirnchakra. Die Kapitel über Guru und Schüler sowie über Einweihung machen deutlich, dass das Werk seine Praxis in Beziehungen und Verpflichtungen verankert. Ein aus dem Zusammenhang gelöstes Mantra ersetzt diese Beziehungen nicht. Die gesonderte Praxisseite unterscheidet daher vollständige Anrufungen und Gebete von Namen, beschädigten Lautfolgen und Formeln, deren Gebrauch einen besonderen Ritualrahmen verlangt.
Yoga und befreiende Erkenntnis
Das Manthana Bhairava Tantra kennt aufwendige Formen der Verehrung und zugleich Aussagen, die über solche Formen hinausweisen. In 13.78 wird Bhairava als selbstleuchtende, Dunkelheit vertreibende Gegenwart beschrieben. Spätere Kapitel verbinden innere Wege, göttliche Weisung und Erkenntnis. Kapitel 68 spricht schließlich auch von einem Zustand jenseits von Mantra und Vidyā.
Diese Aussagen stehen im selben Werk wie die ausführlichen rituellen Unterweisungen. Sie sind im Gang des Textes zu lesen: Eine Aussage über das Überschreiten bestimmter Mittel ist nicht automatisch eine Aufforderung, als Anfänger jedes Üben aufzugeben. Ebenso sollte man die befreiende Erkenntnis des Werkes nicht stillschweigend mit späterem Advaita Vedanta oder mit einer heutigen Yogaschule gleichsetzen.
Bedeutung für heutige Aspiranten
Die folgenden Überlegungen sind heutige Praxisreflexionen. Eine fruchtbare Lektüre kann damit beginnen, einen kurzen zusammenhängenden Abschnitt langsam zu lesen und auf die Beziehungen zwischen Laut, Aufmerksamkeit, Körper und Verehrung zu achten. Welche Vorstellung von Körperlichkeit eröffnet der Text? Wo erscheint die Göttin als Gegenüber, wo als innere Gegenwart? Solche Fragen brauchen keine künstliche Vereinfachung der Überlieferung.
Für erfahrene Praktizierende liegt ein besonderer Gewinn darin, vertraute Begriffe neu hören zu lernen. Ājñā, Kula, Vidyā und Yoga besitzen hier eine eigene Tiefe. Geduld mit ihrer Vieldeutigkeit kann mehr erschließen als eine schnelle Zuordnung zu schon bekannten Modellen. Die fortlaufenden Praxisverse bieten dafür einen gut lesbaren Einstieg; die Hauptübersetzung bewahrt den weiteren Zusammenhang.
Die historische Schrift enthält auch Praktiken, die nicht zum heutigen spirituellen Rahmen von Yoga Vidya passen. Die Hauptübersetzung erhält solche Textaussagen, ohne sie in moderne Handlungsanleitungen auszubauen. Die Praxisauswahl und Rezitationsempfehlungen folgen einem anderen Zweck: Sie beschränken sich auf geeignete, in ihrem Zusammenhang verständliche Stellen.
Der aufgenommene Bestand umfasst 6.283 vollständige einzeln zugeordnete Verse, darunter drei Schlussstrophen, sowie 28 beschädigte Verspositionen. Hinzu kommen 36 unnummerierte Halbverse, ein nummerierter Halbvers, 13 zitierte Halbstrophen, zwei weitere Teilstrophen, 31 unnummerierte metrische Zitateinheiten und zwei zitierte Versgruppen, die nicht künstlich zu neu nummerierten Originalversen hochgezählt werden. Die 126 Abschnitte des Mālinī-Daṇḍaka sowie Sprecherzeilen, Anrufungen, Formeln und Kolophone sind gesondert erhalten.
Umfang dieser Seite: Kumārikākhaṇḍa, Kapitel 1–32.
Umfang der Sanskritausgabe des Manthana Bhairava Tantra
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 1: Originalnummern 1–20; 19 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 2: Originalnummern 1–45; 45 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 3: Originalnummern 1–170; 170 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 4: Originalnummern 1–51; 51 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 5: Originalnummern 1–83; 83 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 6: Originalnummern 1–224; 223 vollständige Verse; 1 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 7: Originalnummern 1–100; 100 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 8: Originalnummern 1–129; 129 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 9: Originalnummern 1–74; 74 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 10: Originalnummern 1–69; 69 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 11: Originalnummern 1–99; 98 vollständige Verse; 1 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 12: Originalnummern 1–42; 42 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 13: Originalnummern 1–152; 151 vollständige Verse; 1 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 14: Originalnummern 1–131; 131 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 15: Originalnummern 1–58; 57 vollständige Verse; 1 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 16: Originalnummern 1–138; 138 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 17: Originalnummern 1–56; 56 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 18: Originalnummern 1–113; 113 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 19: Originalnummern 1–95; 95 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 20: Originalnummern 1–32; 32 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 21: Originalnummern 1–51; 51 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 22: Originalnummern 1–29; 29 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 23: Originalnummern 1–65; 64 vollständige Verse; 1 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 24: Originalnummern 1–121; 121 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 25: Originalnummern 1–56; 56 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 26: Originalnummern 1–94; 94 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 27: Originalnummern 1–69; 69 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 28: Originalnummern 1–169; 168 vollständige Verse; 1 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 29: Originalnummern 1–60; 60 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 30: Originalnummern 1–241; 240 vollständige Verse; 1 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 31: Originalnummern 1–135; 135 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 32: Originalnummern 1–73; 73 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 33: Originalnummern 1–187; 186 vollständige Verse; 1 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 34: Originalnummern 1–136; 135 vollständige Verse; 1 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 35: Originalnummern 1–107; 107 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 36: Originalnummern 1–118; 118 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 37: Originalnummern 1–69; 69 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 38: Originalnummern 1–34; 34 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 39: Originalnummern 1–175; 174 vollständige Verse; 1 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 40: Originalnummern 1–166; 165 vollständige Verse; 1 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 41: Originalnummern 1–67; 67 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 42: Originalnummern 1–81; 81 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 43: Originalnummern 1–32; 32 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 44: Originalnummern 1–67; 66 vollständige Verse; 1 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 45: Originalnummern 1–69; 67 vollständige Verse; 2 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 46: Originalnummern 1–305; 305 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 47: Originalnummern 1–27; 27 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 48: Originalnummern 1–95; 93 vollständige Verse; 2 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 49: Originalnummern 1–68; 68 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 50: Originalnummern 1–34; 34 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 51: Originalnummern 1–30; 30 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 52: Originalnummern 1–2; 2 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 53: Originalnummern 1–15; 15 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 54: Originalnummern 1–15; 15 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 55: Originalnummern 1–19; 19 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 56: Originalnummern 1–16; 16 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 57: Originalnummern 1–106; 105 vollständige Verse; 1 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 58: Originalnummern 1–104; 103 vollständige Verse; 1 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 59: Originalnummern 1–105; 104 vollständige Verse; 1 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 60: Originalnummern 1–100; 100 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 61: Originalnummern 1–103; 102 vollständige Verse; 1 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 62: Originalnummern 1–103; 103 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 63: Originalnummern 1–101; 101 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 64: Originalnummern 1–100; 100 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 65: Originalnummern 1–72; 72 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 66: Originalnummern 1–90; 89 vollständige Verse; 1 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 67: Originalnummern 1–49; 49 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 68: Originalnummern 1–143; 137 vollständige Verse; 6 beschädigte Verspositionen.
- Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 69: Originalnummern 1–35; 38 vollständige Verse; 0 beschädigte Verspositionen.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 1 des Manthana Bhairava Tantra

Kumārikākhaṇḍa 1: Eingangsverehrung (invocation_1)
- oṃ svasti
Oṃ. Heil und Wohlergehen!
Kumārikākhaṇḍa 1: Eingangsverehrung (invocation_2)
- śrīnāthapādukābhyāṃ namaḥ
Verehrung den beiden Sandalen Śrīnāthas!
Kumārikākhaṇḍa 1: Eingangsverehrung (invocation_3)
- śrīgaṇeśāya namaḥ
Verehrung dem erhabenen Gaṇeśa!
Kumārikākhaṇḍa 1: Kapitelkopf (heading)
- manthānabhairavatantre kumārikākhaṇḍe prathamānandaḥ
Erstes Kapitel im Kumārikākhaṇḍa des Manthānabhairavatantra.
Kumārikākhaṇḍa 1.1
- saṃvartāmaṇḍalānte kramapadanihitānandaśaktiḥ subhīmā
sṛṣṭinyāye catuṣkaṃ tvakulakulagataṃ pañcakaṃ cānyaṣaṭkam |
catvāraḥ pañcako'nyaḥ punarapi caturaḥ ṣoḍaśājñābhiṣekaṃ
divyāṣṭau mūrtimadhye hasakhapharakalā bindupuṣpā khamudrā ||
Im Innern des Saṃvartā-Mandalas ist die überaus furchterregende Kraft der Wonne in den Gliedern der Überlieferungsfolge gegenwärtig. In der Ordnung des Hervorgehens liegen die Vierergruppe im Akula und im Kula, die Fünfergruppe und eine weitere Sechsergruppe, sodann vier, eine andere Fünfergruppe und wiederum vier. Dazu gehören die sechzehnfache Weihe der Ājñā, die acht Göttlichen und, inmitten der göttlichen Gestalt, die Kraft der Laute ha, sa, kha, pha, ra, die Punktblüte und die Geste des Raumes.
Kumārikākhaṇḍa 1.2
- bālaṃ kaumāravṛddhaṃ paramaśivakalā vakradevī kramāṇāṃ
śrīnāthaṃ candrapuryāṃ navanavakalitaṃ yugmabhedaṃ tu sāram |
trīṇi siddhāvatāraṃ prathamakaliyuge koṅkaṇe cādhikāraṃ
teṣāṃ vai putraśiṣyā navapuruṣakrame teṣu madhyād dviraṣṭau ||
Da sind die Folgen des Kindes, des Jugendlichen und des Alten. Vakrā, die gekrümmte Göttin, ist die Kraft des höchsten Śiva in diesen Überlieferungsfolgen. In Candrapurī ist Śrīnātha zusammen mit zweimal neun gegenwärtig; die Unterscheidung des Paares bildet den wesentlichen Kern. Drei Siddhas steigen zu Beginn des Kali-Zeitalters herab und begründen die geistige Befugnis in Koṅkaṇa. Ihnen folgen die Schüler als geistige Söhne in der Folge der neun Personen; aus ihrer Mitte gehen zweimal acht hervor.
Kumārikākhaṇḍa 1.3
- santānaṃ gotrapiṇḍaṃ kramapadasakalaṃ ṣoḍaśāntaṃ kramāntaṃ
śeṣā vai maṇḍalāni paribhramavimalaṃ pūjyasadbhāvavṛndam |
ādāvaṣṭādaśāntaṃ kulakramasakalaṃ maṇḍalotthānapūrvaṃ
saṃskāraṃ trikrameṇa paśumalakṣayakṛt piṇḍaśuddhiḥ śivāgnau ||
Die Überlieferungslinie, der aus den Sippen gebildete Leib, sämtliche Glieder der Überlieferungsfolge, das Ende der Sechzehn als Vollendung der Folge, die übrigen Mandalas und das reine Umkreisen: Dies ist die Gesamtheit des Wesens dessen, was verehrt wird. Anfangs, noch vor dem Entstehen des Mandalas, ist der ganze Kulakrama innerhalb der Achtzehn enthalten. Die Reinigung durch die dreifache Überlieferungsfolge vernichtet die Unreinheit des gebundenen Wesens; sie ist die Reinigung des Leibes im Feuer Śivas.
Kumārikākhaṇḍa 1.4
- madhye viśrāmabhūmiḥ prasaramanubhavaṃ pratyayaṃ svādhikāram
saṃsṛṣṭaṃ yena tasmai namata guruvaraṃ bhairavaṃ śrīkulīśam ||
In der Mitte sind die Stätte des Ruhens, die Entfaltung und ihre Erfahrung, unmittelbare Gewissheit und die eigene geistige Befugnis. Verneigt euch vor dem, der dies alles hervorgebracht hat: vor dem vortrefflichen Lehrer, Bhairava, dem erhabenen Kulīśa!
Kumārikākhaṇḍa 1.5
- vṛttādhyuṣṭaṃ kramārthaṃ racitamanubhavaṃ khañjinīmūrtipūrvaṃ
divyo'yaṃ devasaṃjñaṃ punarapi aparaṃ mānavaṃ trikramaugham |
bhedānekairvibhinnaṃ sakalapadakramaṃ maṇḍalaṃ ṣaṭprakāraṃ
saṃketaṃ kādipūrvaṃ sakalaguṇayutaṃ maṇḍalaṃ bhairavaṃ tam ||
In dreieinhalb Strophen ist der Sinn der Überlieferungsfolge niedergelegt: eine in Worte gefasste Erfahrung, die von Khañjinīs Gestalt ausgeht. Dieser göttliche Strom wird nach den Göttern benannt; daneben gibt es den menschlichen Strom der dreifachen Überlieferungsfolge. Das sechsfache Mandala enthält die ganze Folge mit allen ihren Gliedern und ist in zahlreiche Arten gegliedert. Seine geheime Unterweisung beginnt mit Kā; dieses mit allen Eigenschaften ausgestattete Mandala ist Bhairava.
Kumārikākhaṇḍa 1: Sprecherzeile (speaker_before_6)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 1.6
- maṇḍalānte tu kaḥ kartā maṇḍalaṃ tu kathaṃ bhavet |
kathamānandaśaktistu sā śaktirbhīṣaṇī katham ||
Wer ist der Wirkende im Innern des Mandalas, und wie ist das Mandala beschaffen? Wie ist die Kraft der Wonne beschaffen, und weshalb ist diese Kraft furchterregend?
Kumārikākhaṇḍa 1.7
- tasyāvaraṇamādāya kīdṛk caiva padakramam |
sṛṣṭinyāye catuṣkaṃ tu akulaṃ tu kathaṃ bhavet ||
Wie ist, wenn man seine Umhüllung einbezieht, die Folge seiner Glieder beschaffen? Was ist die Vierergruppe in der Ordnung des Hervorgehens, und wie ist Akula beschaffen?
Kumārikākhaṇḍa 1.8
- kulaṃ caiva kathaṃ proktaṃ kulācāraṃ ca kīdṛśam |
pañcakaṃ kiṃ samāsena ṣaṭkaṃ catvāra eva ca ||
Was wird Kula genannt, und wie sieht die Lebens- und Praxisordnung des Kula aus? Was sind, kurz gesagt, die Fünfergruppe, die Sechsergruppe und die vier?
Kumārikākhaṇḍa 1.9
- pañcakaḥ kaścaturbhūyaḥ ṣoḍaśājñā kathaṃ bhavet |
ādau kutrābhiṣekaṃ tu devatāṣṭau vadasva me ||
Was ist die weitere Fünfergruppe, was sind wiederum die vier, und wie ist die sechzehnfache Ājñā beschaffen? Wo findet zu Beginn die Weihe statt? Erzähle mir von den acht Gottheiten!
Kumārikākhaṇḍa 1.10
- mūrtimadhye kathaṃ tacca mudrā tatraiva kīdṛśī |
bālakramaṃ ca kaumāraṃ tathā vṛddhakramaṃ katham ||
Wie verhält es sich damit im Innern der göttlichen Gestalt, und wie ist die dortige Geste beschaffen? Wie sind die Folgen des Kindes, des Jugendlichen und des Alten beschaffen?
Kumārikākhaṇḍa 1.11
- kā kalā paramā śārvī kramāṇāṃ kramadevatā |
candrapuryaṃ kathaṃ proktaṃ śrīnāthaṃ kiṃ svarūpiṇam ||
Was ist jene höchste Kraft Śivas, die Göttin aller Überlieferungsfolgen? Was wird Candrapurī genannt, und welches Wesen hat Śrīnātha?
Kumārikākhaṇḍa 1.12
- ṣoḍaśātmakaśiṣyaughaṃ avasānaṃ kathaṃ bhavet |
santānaṃ gotrapiṇḍaṃ tu sakalaṃ tu padakramam ||
Wie kommt die Überlieferung im sechzehnfachen Strom der Schüler zum Abschluss? Was sind die Überlieferungslinie, der aus den Sippen gebildete Leib und die vollständige Folge der Glieder?
Kumārikākhaṇḍa 1.13
- ṣoḍaśāntaṃ kramāntaṃ kiṃ śeṣā vai maṇḍalāni ke |
paribhramaṃ na me jñātaṃ vimalaṃ tu viśeṣataḥ ||
Was sind das Ende der Sechzehn und die Vollendung der Folge? Welches sind die übrigen Mandalas? Das Umkreisen habe ich nicht erkannt, insbesondere das reine.
Kumārikākhaṇḍa 1.14
- etat sarvaṃ samāsena pūjyasadbhāvanirṇayam |
tasyāṣṭādaśabhedāni kathaṃ jñāsyanti putrakāḥ ||
Dies alles ist, kurz gefasst, die Bestimmung des Wesens dessen, was verehrt wird. Wie werden die geistigen Söhne seine achtzehn Gliederungen erkennen?
Kumārikākhaṇḍa 1.15
- yugmabhedaṃ kathaṃ sāraṃ siddhāstritayaśāsane |
dakṣiṇe ko'dhikārī syānnavakaṃ kiṃ svarūpiṇam ||
Inwiefern ist die Unterscheidung des Paares der wesentliche Kern? Wer sind die Siddhas in der Lehre der drei? Wer besitzt im Süden die geistige Befugnis, und wie ist die Neunergruppe beschaffen?
Kumārikākhaṇḍa 1.16
- tathāṣṭādaśabhedāni āśramaṃ pūrvamaṇḍalam |
kathaṃ vijñāyate devi saṃskāraṃ trikrameṇa tu ||
Was sind ferner die achtzehn Gliederungen, und was ist die Stätte der Überlieferung, das ursprüngliche Mandala? Wie, Göttin, erkennt man die Reinigung durch die dreifache Überlieferungsfolge?
Kumārikākhaṇḍa 1.17
- paśuḥ ko'tra samāsena maṇḍalaṃ tu kathaṃ bhavet |
kṣayaṃ kena svarūpeṇa malasyaiva tu vidyate ||
Wer ist hier das gebundene Wesen? Wie ist, kurz gesagt, das Mandala beschaffen? Durch welche Wesenswirklichkeit wird die Unreinheit vernichtet?
Kumārikākhaṇḍa 1.18
- ādau piṇḍaṃ tu kiṃ proktaṃ dehe dehe vyavasthitam |
śivaṃ nāma kathaṃ hyagnimadhye viśrāmabhūmikā ||
Was wird der ursprüngliche Leib genannt, der in jedem einzelnen Körper gegenwärtig ist? Was bedeutet Śiva, und wie ist die Stätte des Ruhens inmitten des Feuers beschaffen?
Kumārikākhaṇḍa 1.19
- kā svarūpā ca kiṃ devi pratyayaṃ svādhikārakam |
sṛṣṭaṃ yena sa vai ko'tra bhairavaśca kathaṃ bhavet ||
Von welcher Wesensart ist sie? Und was, Göttin, ist die unmittelbare Gewissheit, die zur eigenen geistigen Befugnis gehört? Wer ist derjenige, der dies hervorgebracht hat, und wie ist Bhairava beschaffen?
Kumārikākhaṇḍa 1.20
- kaulīśaṃ nāma kiṃ proktaṃ sarvamevānupaddhatiḥ |
kathayasva prasādena yadi tuṣṭāsi vakrike ||
Wer wird Kaulīśa genannt? Erzähle mir gnädig alles in der gehörigen Folge, o Vakrikā, wenn du zufrieden bist!
Kumārikākhaṇḍa 1: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike ādyapīṭhāvatārite vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite śrīnāthapraśnādhikāro nāmānandaḥ prathamaḥ ||
So endet das erste Kapitel, genannt »Śrīnāthas Fragen«: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 2
Kumārikākhaṇḍa 2: Kapitelkopf (heading)
- dvitīyānandaḥ
Zweites Kapitel.
Kumārikākhaṇḍa 2: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 2.1
- śṛṇu nātha mahāprājña kulakaulasya bhājana |
yena vijñātamātreṇa saṃvittirbhavate sphuṭā ||
Höre, Herr von großer Weisheit, du Gefäß von Kula und Kaula! Schon durch die Erkenntnis dessen, wovon ich spreche, wird das Bewusstsein klar offenbar.
Kumārikākhaṇḍa 2.2
- tadahaṃ saṃpravakṣyāmi vakrikāṃ parameśvarīm |
yaḥ śāvarādirityāhurekadhā bahudhā gataḥ ||
Davon will ich nun sprechen: von Vakrikā, der höchsten Herrin. Derjenige, den man Śāvara und mit weiteren Namen bezeichnet, ist einer und hat sich zu vielerlei Gestalten entfaltet.
Kumārikākhaṇḍa 2.3
- maṇḍalānte sthito nityaṃ sṛṣṭisaṃhārakārakaḥ |
atasīpuṣpasaṃkāśaṃ nityoditamakhaṇḍitam ||
Er weilt stets im Innern des Mandalas und bewirkt Hervorgehen und Rücknahme. Das Mandala gleicht der Atasī-Blüte; es ist immer aufgegangen und ungeteilt.
Kumārikākhaṇḍa 2.4
- sarvagaṃ sarvadā śāntaṃ maṇḍalaṃ taṃ kulakrame |
kharaṇḍadaṇḍamadhyasthā aṇucitkalayāpinī ||
Alles durchdringend und allezeit friedvoll ist dieses Mandala im Kulakrama. Inmitten des Stabes im Hohlraum weilt sie, die Bewusstseinskraft des begrenzten Wesens durchdringend.
Kumārikākhaṇḍa 2.5
- prāṇāpānāntare līnā ānandaśaktirucyate |
kālavelāvicitrāṅgī tanvī tattvaprabodhakī ||
Zwischen Prāṇa und Apāna, den beiden Atemströmungen, verborgen, wird sie die Kraft der Wonne genannt. Ihre Glieder sind durch Zeit und Augenblick vielfältig gestaltet; zart ist sie und erweckt zur Wirklichkeit.
Kumārikākhaṇḍa 2.6
- nirānandapade līnā bhīṣaṇī paramāvyayā |
padaṣoḍaśaprastāre devyā mūrtistridhā gatā ||
Sie ruht im Zustand des Nirānanda, der Wonne der Stille: furchterregend, die Höchste und Unvergängliche. Im Gefüge der sechzehn Glieder hat die Gestalt der Göttin drei Formen angenommen.
Kumārikākhaṇḍa 2.7
- aṅgapratyaṅgavaktraistu padabhedairvyavasthitā |
bhargapūrvakramaṃ yacca vilomāṃśe vyavasthitam |
kramaṃ tu navadhā bhinnaṃ vṛddhaṃ kaumārabālakam ||
Sie ist in Gliedern, Nebengliedern und Gesichtern entsprechend den verschiedenen Teilen angeordnet. Die mit Bharga beginnende Überlieferungsfolge ist in der umgekehrten Richtung angeordnet. Die Folge ist neunfach unterteilt: in die des Alten, des Jugendlichen und des Kindes.
Kumārikākhaṇḍa 2.8
- icchā jñānī kriyākhyā prakaṭitavibhavā buddhiretaccatuṣkaṃ tanmātrāḥ pañca śabdaprabhṛtaya iti ye pañcakaṃ jñānapūrvam |
tvakcakṣurghrāṇajihvāśravaṇa iti manāṃsīti ṣaṭkaṃ kriyākhyam jāgrat suptaṃ suṣuptaṃ padamapi aparaṃ turyagaṃ taccatuṣkaṃ ||
Wille, Erkenntnis, die Handlung genannte Kraft mit offenbar gewordener Macht und die unterscheidende Vernunft: Das ist die Vierergruppe. Die fünf feinen Sinnesgegenstände, angefangen mit dem Klang, bilden die Fünfergruppe der Erkenntnis. Haut, Auge, Nase, Zunge und Gehör samt dem Denken sind die Sechsergruppe, die Handlung genannt wird. Wachen, Schlaf, Tiefschlaf und der weitere Zustand, der zum Vierten gehört: Das ist jene Vierergruppe.
Kumārikākhaṇḍa 2.9
- āpastejo'tha pṛthvīpavanagaganakaṃ pañcakaṃ ratnapūrvam sattvaṃ rajastamāṃsi triguṇaguṇayutaṃ saṃsthitaṃ vṛkṣanātham |
śrīkubjī ṣaṭprakārā hasakhapharakalā vyāpayantī bhagākhyā tasyānte kṣobhitāyāṃ paramasukhanidhau rudraśaktau praviśya ||
Wasser, Feuer, Erde, Wind und Raum bilden die Fünfergruppe der Juwelen. Vṛkṣanātha weilt dort, mit den Eigenschaften der drei Guṇas Sattva, Rajas und Tamas ausgestattet. Die erhabene Kubjī hat sechs Erscheinungsweisen. Als Kraft der Laute ha, sa, kha, pha, ra durchdringt sie alles und wird Bhaga genannt. Wenn Rudras Kraft, der Schatz höchster Wonne, erregt wird, tritt sie in sein Inneres ein.
Kumārikākhaṇḍa 2.10
- saṃlīnā mūlanāthe punarapi ca tadācchādakāḥ ṣaṭprakārāḥ pīṭhādyaiḥ ṣaṭprakāraistaduparimathanaṃ divyaliṅgaṃ vibhinnam |
tatrājñānandarūpā sukharativimalā viśvakartrī ca hantrī cidrūpā vakrikākhyā paramapadagatā bhuktidā muktidā ca ||
Sie geht im ursprünglichen Herrn Mūlanātha auf; ebenso verschmelzen wiederum die sechs Formen ihrer Umhüllung. Durch das Quirlen von oben wird das göttliche Liṅga in sechs Erscheinungsweisen gegliedert, angefangen mit den heiligen Sitzen. Dort ist Vakrikā: die Wonne der Ājñā, rein in lustvoller Vereinigung, Schöpferin und Vernichterin des Alls. Ihr Wesen ist Bewusstsein; im höchsten Zustand gegenwärtig, schenkt sie sowohl Lebensgenuss als auch Befreiung.
Kumārikākhaṇḍa 2.11
- lalanārthaṃ khamādāya ghaṇṭikāyāḥ parāmṛtam |
ātmānaṃ plāvya tenaiva abhiṣekamidaṃ bhavet ||
Nachdem man sich zum Spiel den Raum zu eigen gemacht und sich mit dem höchsten Nektar vom Zäpfchen überflutet hat, geschieht diese Weihe.
Kumārikākhaṇḍa 2.12
- mālinī śabdarāśiśca gotraṃ vyāpya vyavasthitau |
tad gotraṃ sṛṣṭikartāraṃ śivaśaktyāvṛtaṃ jagat ||
Mālinī und Śabdarāśi sind gegenwärtig, nachdem sie die Sippe durchdrungen haben. Diese Sippe bringt die Schöpfung hervor: die von Śiva und Śakti umhüllte Welt.
Kumārikākhaṇḍa 2.13
- gṛhavargasamopetaṃ kulāṣṭakasamanvitam |
cakrāṣṭakasamāyuktaṃ brahmāṇīdevatāṣṭakam ||
Die acht Gottheiten, angefangen mit Brahmāṇī, sind mit den Häusern und Lautgruppen, mit der Achtergruppe des Kula und mit acht Rädern verbunden.
Kumārikākhaṇḍa 2.14
- mudrāśaktiḥ samākhyātā yayedaṃ mudritaṃ jagat |
caturvidhā tu sā sṛṣṭirbhūtagrāme caturvidhe ||
Die Kraft der Mudrā wird diejenige genannt, durch die diese Welt ihr Siegel empfängt. Sie ist das vierfache Hervorgehen in der vierfachen Gesamtheit der Wesen.
Kumārikākhaṇḍa 2.15
- bālakramaṃ ca kaumāraṃ tathā vṛddhaṃ kramaṃ kramāt |
viṣuvasthānamārgeṇa trimārge saṃvyavasthitā ||
Die Folge des Kindes, die des Jugendlichen und die des Alten stehen der Reihe nach. Auf dem dreifachen Weg ist sie durch den Weg der Ausgleichsstellen gegenwärtig.
Kumārikākhaṇḍa 2.16
- khakalā pūrṇimāsyante amānte saṃvyavasthitā |
sā kalā khakalā jñeyā sā ca pūrṇā hṛdi sthitā ||
Die Kraft des Raumes ist am Ende des Vollmonds im Neumond gegenwärtig. Diese Kraft ist als Raumkraft zu erkennen; sie ist ganz erfüllt und weilt im Herzen.
Kumārikākhaṇḍa 2.17
- anvayaṃ śrīmatākhyaṃ ca devī trailokyacāriṇī |
catuḥṣaṣṭikrameṇoktā kramadevī ca vakrikā ||
Die Überlieferung heißt Śrīmata. Die Göttin durchwandert die drei Welten in der Folge der Vierundsechzig; sie wird Vakrikā genannt, die Göttin der Überlieferungsfolge.
Kumārikākhaṇḍa 2.18
- visargayogamadhye tu candrapūryaṃ vyavasthitam |
sūṣmaṇāmaṇḍalādhāraṃ kallolāmṛtavāhinaḥ ||
Inmitten der Vereinigung im Ausströmen liegt die Mondstadt Candrapūrya: Grundlage des Sūṣmaṇā-Mandalas, die Wogen des Nektars trägt.
Kumārikākhaṇḍa 2.19
- viśvarūpaṃ paraṃ tattvaṃ unmanānte vyavasthitam |
śrīnāthaṃ taṃ kulālambī kujīśaṃ siddhanāyakam ||
Die höchste Wirklichkeit, deren Gestalt das All ist, weilt im Innern des Zustands jenseits des Denkens. Das ist Śrīnātha, der das Kula trägt, Kujīśa, der Führer der Siddhas.
Kumārikākhaṇḍa 2.20
- divyāṣṭādaśabhedāni kathayāmi sureśvara |
aṣṭādaśakramāmnāyaṃ unmanājñāvinirgatam ||
Herr der Götter, ich erkläre dir die achtzehn göttlichen Gliederungen: die Überlieferung der achtzehn Folgen, hervorgegangen aus der Ājñā jenseits des Denkens.
Kumārikākhaṇḍa 2.21
- catuḥprakārasaṃyuktaṃ pañca ṣaṭ ca tridhātmakam |
prathamamunmanāmnāyaṃ dvitīyaṃ ca manonmanam ||
Sie umfasst vier Arten, fünf, sechs und eine Dreiergruppe. Die erste ist die Überlieferung des Unmanā, die zweite Manonmana.
Kumārikākhaṇḍa 2.22
- tṛtīyaṃ samanāvyāptiḥ vyāpinyāyāścaturthakam |
avyaktaṃ pañcamaṃ śambho nandinyā ṣaṣṭha ucyate ||
Die dritte ist die Durchdringung der Samanā, die vierte gehört Vyāpinī. Avyakta ist die fünfte, o Śambhu; die sechste wird nach Nandinī benannt.
Kumārikākhaṇḍa 2.23
- manthānaṃ saptamaṃ vakre aṣṭamaṃ pherukaṃ bhavet |
navamaṃ samayākhyaṃ ca jambhalaṃ daśamaṃ smṛtam ||
Die siebte ist Manthāna, o Vakrā, die achte Pheruka. Die neunte heißt Samaya, und als zehnte gilt Jambhala.
Kumārikākhaṇḍa 2.24
- daśaikaṃ kālasaṃkarṣaṃ dvādaśaṃ caṇḍanirṇayam |
trayodaśamaghorīśaṃ trailokyaṃ ca caturdaśam ||
Die elfte ist Kālasaṃkarṣa, die zwölfte die Bestimmung des Caṇḍa. Die dreizehnte ist Aghorīśa, die vierzehnte Trailokya.
Kumārikākhaṇḍa 2.25
- vinayaṃ pañcadaśaṃ proktaṃ kamalaṃ ṣoḍaśaṃ bhavet |
daśasaptaṃ carcikā devī śrīnātho'ṣṭādaśaṃ bhavet ||
Die fünfzehnte wird Vinaya genannt; die sechzehnte ist Kamala. Die siebzehnte ist die Göttin Carcikā, und die achtzehnte ist Śrīnātha.
Kumārikākhaṇḍa 2.26
- ityaṣṭādaśabhedāni pāramparyakramāgatāḥ |
āgataṃ oghabhedena divyāmnāyamanukramāt ||
So sind diese achtzehn Gliederungen durch die fortlaufende Überlieferung herabgekommen. In geordneter Folge ist die göttliche Überlieferung als eine der Strömungen eingegangen.
Kumārikākhaṇḍa 2.27
- śivaśaktisamāyogaṃ sāmarasyaṃ vidustathā |
ubhe pakṣe tu melāpaṃ yugmabhedamidaṃ smṛtam ||
Die Vereinigung von Śiva und Śakti kennt man als Sāmarasya, das Einssein in einer gemeinsamen Essenz. Diese Begegnung beider Seiten wird die Unterscheidung des Paares genannt.
Kumārikākhaṇḍa 2.28
- candrārkāgnistrayaḥ siddhā mi–ṣa–o vai trike matāḥ |
adhikārapadasthāśca siddhāstribhuvanādhipāḥ ||
Mond, Sonne und Feuer sind die drei Siddhas, die im Dreifachen als Mi, Ṣa und O gelten. Die Siddhas stehen auf den Sitzen der geistigen Befugnis und sind die Herren der drei Welten.
Kumārikākhaṇḍa 2.29
- somārkānalamadhyasthā citkalā amṛtopamā |
ṣaḍadhvaśuddhatattvātmāvṛkṣanāthaṃ tu dakṣiṇe ||
Inmitten von Mond, Sonne und Feuer ist die Bewusstseinskraft dem Nektar gleich. Vṛkṣanātha, dessen Wesen die reine Wirklichkeit der sechs Wege ist, befindet sich im Süden.
Kumārikākhaṇḍa 2.30
- navātmānandadeveśaṃ navaśaktisamanvitam |
navadhāgatirāgatya gakārādivyavasthitam ||
Er ist der Herr der Götter, die Wonne des Navātman, ausgestattet mit neun Kräften. Mit dem Eintreffen seiner neunfachen Bewegung sind die mit dem Laut Ga Beginnenden gegenwärtig.
Kumārikākhaṇḍa 2.31
- bhargasthānādayaścaiva ṣoḍaśādhāramaṇḍalāḥ |
śiṣyaughāmoghasaṃbhūtaṃ mahābhyudayakārakam ||
Die Mandalas der sechzehn Grundlagen beginnen mit dem Ort Bhargas. So ist der unfehlbare Strom der Schüler hervorgegangen, der großes Gedeihen bewirkt.
Kumārikākhaṇḍa 2.32
- piṇḍaṃ kuṇḍalinī proktaṃ navātmānandasaṃyutam |
kramaṇe kramabhedena piṇḍarūpā tu pīṭhagā ||
Kuṇḍalinī wird der Leib genannt, verbunden mit der Wonne des Navātman. Als Leib gestaltet, geht sie in den verschiedenen Überlieferungsfolgen voran und weilt in den heiligen Sitzen.
Kumārikākhaṇḍa 2.33
- avatārakrameṇaiva dvādaśānte vyavasthitā |
aparaparabhedena avatīrṇā ca vakrikā ||
In der Folge ihres Herabsteigens ist sie am Ende der Zwölf gegenwärtig. Vakrikā steigt in der Unterscheidung des Niederen und des Höheren herab.
Kumārikākhaṇḍa 2.34
- santatiprasaraughaṃ syānnirānandā ca sā kalā |
saṃsāre vartate tasmāt taraṅgiṇyā parā kalā ||
So entsteht der Strom, in dem sich ihre Überlieferungslinie ausbreitet. Diese Kraft ist Nirānanda, die Wonne der Stille. Weil sie sich im Kreislauf des Werdens bewegt, ist sie die höchste Kraft der Taraṅgiṇī, der Wogenden.
Kumārikākhaṇḍa 2.35
- gotrapañcāśadbhirbhinnā piṇḍarūpā śivā kalā |
śivaṃ tu nirvikāraṃ vai saṃsārottīrṇabheṣajam ||
Nach den fünfzig Sippen gegliedert, ist die glückverheißende Kraft als Leib gestaltet. Śiva aber ist unveränderlich, das Heilmittel zum Überschreiten des Kreislaufs des Werdens.
Kumārikākhaṇḍa 2.36
- udāsīnamanāmaṃ ca śivamityucyate tataḥ |
iḍāpiṅgalayormadhye vakrā viśrāmabhūmikā ||
Weil diese Wirklichkeit unbeteiligt und namenlos ist, wird sie Śiva genannt. Zwischen Iḍā und Piṅgalā weilt Vakrā als Stätte des Ruhens.
Kumārikākhaṇḍa 2.37
- kāraṇotthā sadā tiṣṭhecchivamārgānuyāyinī |
atasīpuṣpasaṃkāśā ṣaḍvaktrā paramā kalā ||
Aus der Ursache hervorgegangen, bleibt sie stets gegenwärtig und folgt dem Weg Śivas. Der Atasī-Blüte gleich, mit sechs Gesichtern, ist sie die höchste Kraft.
Kumārikākhaṇḍa 2.38
- caitanyasahitā tiṣṭhed vidyārūpā parā kalā |
pratyayaṃ bahudhā tasyāḥ vijñānājñānugā parā ||
Die höchste Kraft, deren Gestalt die Vidyā ist, weilt gemeinsam mit dem Bewusstsein. Vielgestaltig ist ihre unmittelbare Erfahrungsgewissheit; die Höchste folgt der Weisung erwachten Erkennens.
Kumārikākhaṇḍa 2.39
- bhuvanādhipatiḥ sā vai vakrikā kularūpiṇī |
adhikāre prasiddhā sā pañcatattvairadhiṣṭhitā ||
Sie ist die Herrin der Welten: Vakrikā, deren Gestalt das Kula ist. In ihrer geistigen Befugnis ist sie wohlbekannt und von den fünf Wirklichkeitsprinzipien getragen.
Kumārikākhaṇḍa 2.40
- kramanāyakivikhyātā sādhikāre tu śāmbhave |
pañcāśadbhuvanavyāptiḥ kālāgnyādiśivāntikā ||
Im Bereich der Befugnis Śambhus ist sie als Herrin der Überlieferungsfolge bekannt. Sie durchdringt die fünfzig Welten, vom Feuer der Zeit bis hin zu Śiva.
Kumārikākhaṇḍa 2.41
- tatra madhye mayā sṛṣṭaṃ carācaraṃ caturvidham |
triguṇā sā trimātrā ca sṛṣṭirūpā vyavasthitā ||
Darin, in der Mitte, habe ich die vierfache Gesamtheit des Beweglichen und Unbeweglichen hervorgebracht. Sie besitzt drei Guṇas und drei Maße und ist als Hervorgehen gegenwärtig.
Kumārikākhaṇḍa 2.42
- bhairavaṃ bharitākāraṃ anādinidhanaṃ mahat |
bharatyamṛtarūpeṇa vyomagātraṃ nirañjanam ||
Bhairavas Gestalt ist Fülle. Er ist groß, ohne Anfang und Ende. In der Gestalt des Nektars erfüllt er seinen makellosen Leib, der Raum ist.
Kumārikākhaṇḍa 2.43
- ravati jñānasadbhāvaṃ tenāsau bhairavaḥ prabhuḥ |
akṣayaḥ kṣayahīnaśca bhairavaḥ parikīrtitaḥ ||
Er lässt das Wesen der Erkenntnis ertönen; deshalb ist er Bhairava, der Herr. Als Bhairava wird er gepriesen: unvergänglich und frei von Verfall.
Kumārikākhaṇḍa 2.44
- kulakaulāntamadhyasthaṃ īśaṃ nāma vyavasthitam |
īśvaraṃ sarvadevānāṃ kaulīśaṃ parikīrtitam ||
Im innersten Bereich von Kula und Kaula weilt derjenige, der Īśa, Herr, genannt wird. Er ist der Herr aller Götter und wird Kaulīśa genannt.
Kumārikākhaṇḍa 2.45
- catuṣkaṃ caturo bhedaiḥ sā śaktiśca caturvidhā |
mi–ṣa–ca–o prasiddhāśca paddhatistairnidarśitā ||
Die Vierergruppe ist nach vier Arten gegliedert, und auch jene Kraft ist vierfach. Mi, Ṣa, Ca und O sind wohlbekannt; sie haben den Weg gezeigt.
Kumārikākhaṇḍa 2: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike ādyapīṭhāvatārite vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite praśnottarādhikāravarṇane kramodayo nāmānando dvitīyaḥ ||
So endet das zweite Kapitel, das Hervortreten der Überlieferungsfolge in der Darstellung der Antworten auf die Fragen: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 3
Kumārikākhaṇḍa 3: Kapitelkopf (heading)
- tṛtīyānandaḥ
Drittes Kapitel.
Kumārikākhaṇḍa 3: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 3.1
- kailāsasyāpare mūrtau merumandiramūrdhani |
mahārāme ca ramye ca tūṣṇīnāthaguhāśramam ||
Auf dem Gipfel des Meru-Tempels, einer weiteren Gestalt des Kailāsa, liegt in einem großen, lieblichen Hain die Höhlenstätte Tūṣṇīnāthas, des stillen Herrn.
Kumārikākhaṇḍa 3.2
- trirasraṃ saptaskandhābhaṃ kulāṣṭakasamāvṛtam |
tanmadhye ca trirasraṃ tu śatayojanavistaram ||
Sie ist dreieckig, zeigt sieben Abschnitte und wird von der Achtergruppe des Kula umgeben. Das Dreieck in ihrer Mitte erstreckt sich über hundert Yojana.
Kumārikākhaṇḍa 3.3
- sā śilā candrakāntistu taptahemasamaprabhā |
maṇimuktāpravālaistu citritā sumanoramā ||
Dieser Stein besitzt den Glanz des Mondes und strahlt wie glühendes Gold. Mit Edelsteinen, Perlen und Korallen geschmückt, ist er von großer Lieblichkeit.
Kumārikākhaṇḍa 3.4
- suspaṣṭā ca mahādīptā candrakoṭisamaprabhā |
saptaskandhasamāyuktā pañcāsanasamanvitā ||
Klar sichtbar und überaus leuchtend, strahlt er wie zehn Millionen Monde. Er hat sieben Abschnitte und ist mit fünf Sitzen ausgestattet.
Kumārikākhaṇḍa 3.5
- tanmadhye vartulākāraṃ ṣaḍaśītistu yojanāḥ |
vistāraṃ ca adhaścaiva śuddhasphaṭikanirmalam ||
In seiner Mitte liegt eine kreisrunde Gestalt mit einer Weite von sechsundachtzig Yojana. Auch darunter ist es makellos wie reiner Kristall.
Kumārikākhaṇḍa 3.6
- toraṇadvayasaṃyuktaṃ prākārāṣṭakabhūṣitam |
devatāṣṭakasaṃyuktaṃ vikarālaṃ ca bhīṣaṇam ||
Mit zwei Torbögen versehen und mit acht Umfassungsmauern geschmückt, birgt es die acht Gottheiten: gewaltig und furchterregend.
Kumārikākhaṇḍa 3.7
- akhaṇḍamaṇḍalāvāsaṃ siṃhanādamalaṃkṛtam |
mahāsānnidhyakaraṇaṃ ādikādisamāyutam ||
Seine Wohnstätte ist der ungeteilte Kreis, geschmückt mit dem Löwenklang. Es bewirkt die große göttliche Gegenwart und ist mit den bei A und bei Ka beginnenden Lautfolgen verbunden.
Kumārikākhaṇḍa 3.8
- tanmadhye taṃ trikoṇaṃ tu yojanānāṃ śatārdhakam |
mekhalātrayasaṃyuktaṃ bhūgṛhaṃ devatālayam ||
In seiner Mitte liegt jenes Dreieck im Ausmaß eines halben Hunderts Yojana. Mit drei Gürteln versehen, ist es das Haus der Erde und die Wohnstatt der Gottheiten.
Kumārikākhaṇḍa 3.9
- āraktaṃ rājataṃ subhraṃ śatārkavaputejasam |
yojanāḥ pañcaviṃśaiva tanmadhye'khaṇḍamaṇḍalam ||
Hellrot, silbern glänzend und strahlend, hat es die Leuchtkraft von hundert Sonnen. Fünfundzwanzig Yojana beträgt sein Maß; in seiner Mitte liegt der ungeteilte Kreis.
Kumārikākhaṇḍa 3.10
- niśākarārdhajaṭharaṃ tanmadhye kulakālikā |
śatārdhaṃ yojanānāṃ tu ātmānaṃ ravimaṇḍalam ||
Sein Inneres ist der Halbmond; in dessen Mitte ist Kulakālikā. Die Sonnenscheibe, sein Selbst, hat ein Ausmaß von einem halben Hundert Yojana.
Kumārikākhaṇḍa 3.11
- tanmadhye kramamudrā ca ājñā ulitraye guruḥ |
jyeṣṭhamadhyamabālaṃ ca sadivyaṃ khecarakramam ||
In der Mitte ist die Geste der Überlieferungsfolge: die Ājñā, die in den drei Überlieferungslinien als Guru wirkt. Da sind die Folge der Ältesten, die mittlere und die des Kindes, zusammen mit der göttlichen Folge der Himmelswandler.
Kumārikākhaṇḍa 3.12
- etad vai paścimaṃ veśmaṃ candrapuryeti nāmataḥ |
maṇḍalaṃ prathamedaṃ tu adhikāraṃ tu mantriṇām ||
Dies ist das westliche Haus, Candrapurī, die Mondstadt, genannt. Dieses ursprüngliche Mandala ist der Ort der geistigen Befugnis für diejenigen, die Mantras praktizieren.
Kumārikākhaṇḍa 3.13
- ekapādaṃ triśakti tu vidyātritayabheditam |
tanmadhye cādhikāriṇyā sukhopāyena kaulinī ||
Es hat einen Fuß, besteht aus drei Kräften und ist nach den drei Vidyās gegliedert. In seiner Mitte weilt Kaulinī, die auf dem Weg der Wonne geistige Befugnis besitzt.
Kumārikākhaṇḍa 3.14
- saṃsthitā liṅgarūpeṇa siṃharūpā adhomukhī |
pṛcchate bhagavān rudro śrīkaṇṭho'sau umāpatiḥ ||
In Gestalt eines Liṅga ist sie gegenwärtig, löwengestaltig und nach unten gewandt. Der erhabene Rudra, Śrīkaṇṭha, der Gemahl Umās, fragt sie.
Kumārikākhaṇḍa 3: Sprecherzeile (speaker_before_15)
- śrīkaṇṭha uvāca
Śrīkaṇṭha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 3.15
- asmin gurugṛhe śākte madhyaliṅge bhagodite |
kasyādhikāramāyātaṃ tiṣṭhate ko gururnṛṇām ||
Wer hat die geistige Befugnis in diesem Haus des Gurus erlangt, das der Śakti gehört, im mittleren Liṅga, das als Schoß hervorgegangen ist? Wer weilt hier als Guru der Menschen?
Kumārikākhaṇḍa 3: Sprecherzeile (speaker_before_16)
- śrīkaulinyuvāca
Die erhabene Kaulinī sprach:
Kumārikākhaṇḍa 3.16
- sadyojātakramasyaiva paścimasya gṛhasya ca |
adhikāraṃ mamehaiva dattaṃ vai guruṇā purā ||
Die geistige Befugnis über die Folge Sadyojātas und über das westliche Haus ist hier die meine. Der Guru hat sie mir einst verliehen.
Kumārikākhaṇḍa 3.17
- yā sā śaktirbhagākhyā ca jaganmātā trirakṣarī |
sā cājñā kaulinī hyaiva napuṃsakapade sthitā ||
Jene Kraft, die Bhaga, Schoß, genannt wird, die Mutter des Alls mit drei Lauten, ist die Ājñā selbst: Kaulinī, die im Zustand jenseits von männlich und weiblich weilt.
Kumārikākhaṇḍa 3: Sprecherzeile (speaker_before_18)
- śrīkaṇṭha uvāca
Śrīkaṇṭha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 3.18
- tvaṃ yoniḥ paramākāśaṃ divyaliṅgaṃ napuṃsakam |
antaḥpuravaraṃ garbhaṃ bhagāhlādena bhairavī ||
Du bist der Schoß, der höchste Raum und das göttliche Liṅga, jenseits von männlich und weiblich. Du bist die Gebärmutter, das kostbare innerste Gemach; durch die Wonne des Schoßes bist du Bhairavī.
Kumārikākhaṇḍa 3.19
- saṃsthitājñā tribhirbhedaistrimūrtiriti kaulinī |
bahurūpakrameṇaiva ekā tvaṃ kuladevatā ||
Als Ājñā bist du in drei Gliederungen gegenwärtig und hast drei Gestalten, o Kaulinī. Durch die Folge deiner vielerlei Formen bist du die eine Gottheit des Kula.
Kumārikākhaṇḍa 3.20
- tvaṃ mātā jagatāṃ devi viśvayoniḥ pitāmahe |
tvayā mayā ca deveśi otaprotaṃ jagattrayam ||
Du bist die Mutter der Welten, Göttin, du Urmutter, der Schoß des Alls. Von dir und mir, Herrin der Götter, sind die drei Welten wie Kette und Schuss durchwoben.
Kumārikākhaṇḍa 3.21
- nāhaṃ śiṣyastava prāyaḥ kintu mitratvamāgataḥ |
pūrvaprītivaśād devi pūjājñānaṃ tavāntikam ||
Ich bin wohl nicht dein Schüler; vielmehr bin ich als Freund gekommen. Aufgrund unserer früheren Zuneigung, Göttin, suche ich bei dir das Wissen um die Verehrung.
Kumārikākhaṇḍa 3.22
- āyāto jñānakāṅkṣī ca samācakṣva tato ume |
anekaśo mayā khyātaṃ tava jñānamanuttamam ||
Als einer, der Erkenntnis ersehnt, bin ich gekommen. Darum erkläre es mir, Umā! Schon viele Male habe ich dir dein unübertreffliches Wissen verkündet.
Kumārikākhaṇḍa 3.23
- tvayāpi mama pūrvaṃ hi tadākhyātamaśeṣataḥ |
tasmānna bhagnaśiṣyatvaṃ āvayorvidyate pare ||
Auch du hast es mir früher vollständig erklärt. Darum, Höchste, ist unser gegenseitiges Schülersein nicht aufgehoben.
Kumārikākhaṇḍa 3.24
- kevalaṃ sauhṛdaṃ bhadre tasmānniḥsaṃśayaṃ vada |
yasmād jñānaṃ tu vāṃcchāmi kaulikaṃ pratyayātmakam ||
Es ist allein Freundschaft zwischen uns, du Gütige. Sprich deshalb ohne jeden Zweifel! Ich begehre das Wissen des Kaula, dessen Wesen unmittelbare Erfahrung ist.
Kumārikākhaṇḍa 3: Sprecherzeile (speaker_before_25)
- śrīkaulinī uvāca
Die erhabene Kaulinī sprach:
Kumārikākhaṇḍa 3.25
- mānavena tu rūpeṇa kiṃ tvaṃ śrīkaṇṭha ucyase |
devaprakṛtirāyātaḥ niścayaṃ tvamumāpatiḥ ||
Warum wirst du in Menschengestalt Śrīkaṇṭha genannt? Mit göttlicher Natur bist du gekommen; gewiss bist du der Gemahl Umās.
Kumārikākhaṇḍa 3.26
- māyāveśadharo dhīmān snehena mama lubdhakaḥ |
svagirā lakṣitaḥ śambho māyājālena mohitaḥ ||
Du Weiser trägst das Gewand Māyās und jagst mir aus Liebe nach. An deiner eigenen Rede erkenne ich dich, o Śambhu, im Netz der Māyā befangen.
Kumārikākhaṇḍa 3.27
- tamovidhvaṃsanārthāya āgato jñānalubdhakaḥ |
mayā jñātaṃ mahāśambho tat kimarthaṃ maheśvara ||
Du bist als Suchender nach Erkenntnis gekommen, um die Dunkelheit zu vernichten. Das habe ich erkannt, großer Śambhu. Welchem Zweck dient es, großer Herr?
Kumārikākhaṇḍa 3.28
- ātmānaṃ gūhase nūnaṃ kasya hetoḥ samāśrayāt |
yathāvṛttaṃ pravakṣyāmi atīva mama vallabha ||
Warum verbirgst du dich, auf welchen Beweggrund gestützt? Mein innig Geliebter, ich werde dir erzählen, wie es sich verhält.
Kumārikākhaṇḍa 3.29
- tathā śṛṇuṣva bho nātha yogakāraṇamuttamam |
vistareṇābhidhāsyāmi pūrvaṃ yat sūcitaṃ mayā ||
Höre also, Herr, von der höchsten Ursache des Yoga! Ich werde ausführlich erklären, was ich zuvor nur angedeutet habe.
Kumārikākhaṇḍa 3.30
- kailāsasyāpare bimbe merumandiramūrdhani |
mahārāme ca ramye ca tuṣṇīnāthaguhāśramam ||
Auf dem Gipfel des Meru-Tempels, einem weiteren Bild des Kailāsa, liegt in einem großen, lieblichen Hain die Höhlenstätte Tuṣṇīnāthas, des stillen Herrn.
Kumārikākhaṇḍa 3.31
- trirasraṃ saptaskandhābhaṃ kulāṣṭakasamāvṛtam |
yojanānāṃ śatāstrīṇi ślokadvādaśaveṣṭitam ||
Es ist dreieckig, zeigt sieben Abschnitte und wird von der Achtergruppe des Kula umgeben. Sein Maß beträgt dreihundert Yojana; die zwölf Strophen umschließen es.
Kumārikākhaṇḍa 3.32
- pañcāśat siddhayoginyaḥ saṃjātāḥ śrīkulecchayā |
ādikādithakārāditriprakāramayā śilā ||
Fünfzig vollendete Yoginīs sind durch den Willen des Śrīkula entstanden. Der Stein besteht aus drei Teilen: den bei A, bei Ka und bei Tha beginnenden Lautfolgen.
Kumārikākhaṇḍa 3.33
- jananī kulamātrīṇāṃ siddhānāṃ mokṣadāyikā |
viniṣkrāntā guhāvāsānmantramudrā trayoliṣu ||
Sie ist die Mutter der Kula-Mütter und schenkt den Vollendeten Befreiung. Als Mantra und Mudrā in den drei Überlieferungslinien ist sie aus der Höhlenstätte hervorgetreten.
Kumārikākhaṇḍa 3.34
- rajobhāvena rūpaṃ syāt puṣpavat parigīyate |
sā śilā candrakāntistu taptahemasamaprabhā ||
Ihre Gestalt erscheint als Menstruation; als blutend wird sie gepriesen. Dieser Stein besitzt die Schönheit des Mondes und strahlt wie glühendes Gold.
Kumārikākhaṇḍa 3.35
- suspaṣṭā hakṣamadhyasthā amayā madhyabheditā |
śaktisthā śaktimadhyasthā hakṣadvayavisarpiṇī ||
Klar sichtbar steht sie zwischen Ha und Kṣa und ist in der Mitte mit Amā verbunden. In der Kraft ruhend, inmitten der Kraft weilend, strömt sie zwischen den beiden, Ha und Kṣa, hervor.
Kumārikākhaṇḍa 3.36
- trikoṇabhuvanādhāre āgneye yonimaṇḍale |
ravimaṇḍala tadbāhye āraktaṃ tat sutejasam ||
Sie strömt in das feurige Mandala des Schoßes, in das Dreieck, den Grund der Welt. Außerhalb davon liegt die Sonnenscheibe: hellrot und überaus leuchtend.
Kumārikākhaṇḍa 3.37
- yojanānāṃ śataṃ sārdhaṃ samantāt tanmanoramam |
akhaṇḍamaṇḍalākāraṃ bhuvanaṃ sarvayoginām ||
Ringsum misst sie hundertfünfzig Yojana und ist von großer Lieblichkeit. Sie hat die Gestalt eines ungeteilten Kreises und ist die Welt aller Yogīs.
Kumārikākhaṇḍa 3.38
- tanmadhyāt tu viniṣkrāntamanvayaṃ saptakoṭikam |
tathā ca bhairavaṃ ghoraṃ dvātriṃśatsiṃhasaṃjñakam ||
Aus ihrer Mitte ist die Überlieferung von siebzig Millionen hervorgegangen. Ebenso der gewaltige Bhairava, der als Löwe der Zweiunddreißig bezeichnet wird.
Kumārikākhaṇḍa 3.39
- bījasthaṃ pañcadhāvasthaṃ śaktisthaṃ pañcadhāsthitam |
tasyotsaṅge ca sā vidyā sūṣmaṇāmṛtavarṣiṇī ||
Er weilt in der Keimsilbe und besitzt fünf Zustände; in der Kraft ruhend ist er fünffach gegenwärtig. Auf seinem Schoß ist jene Vidyā, die den Nektar der Sūṣmaṇā herabregnen lässt.
Kumārikākhaṇḍa 3.40
- bhairavī kālikānandā trailokye kṣobhakāriṇī |
niśākarārdhajaṭharaṃ āpītaṃ kālikāsanam ||
Sie ist Bhairavī, Kālikānandā, die Wonne der Kālikā, die die drei Welten erregt. Der Halbmond ist Kālikās Sitz; sein Inneres ist hellgelb.
Kumārikākhaṇḍa 3.41
- sutaptahemasaṃkāśaṃ caturāśītiyojanam |
uttānaṃ tadadhasthaṃ tu tanmadhye tu napuṃsakam ||
Er strahlt wie stark erhitztes Gold und misst vierundachtzig Yojana. Nach oben geöffnet liegt er darunter; in seiner Mitte ist das jenseits von männlich und weiblich Liegende.
Kumārikākhaṇḍa 3.42
- śuddhasphaṭikasaṃkāśaṃ vartulaṃ ravimaṇḍalam |
taccātmā tasya cakrasya candrārkānalabheditam ||
Die Sonnenscheibe ist kreisrund und gleicht reinem Kristall. Sie ist das Selbst dieses Rades, das durch Mond, Sonne und Feuer gegliedert ist.
Kumārikākhaṇḍa 3.43
- tanmadhye tu amā devī pakṣāpakṣanirodhinī |
tadā siṃhakrame jātā vakradevī trivargasu ||
In seiner Mitte ist die Göttin Amā, die beide Pole zur Ruhe bringt. Da ist die Göttin Vakrā in der Löwenfolge hervorgetreten, in den drei Gruppen.
Kumārikākhaṇḍa 3.44
- mayūkhacandrikākārā pañcasthā pañcabhūṣitā |
pañcapañcakrameṇāpi saṃpūrṇā nagnavāsasā ||
Ihre Gestalt sind Strahlen des Mondlichts. Sie ruht in den Fünf und ist mit den Fünf geschmückt; auch durch die Folge von jeweils fünf ist sie vollkommen erfüllt. Nacktheit ist ihr Gewand.
Kumārikākhaṇḍa 3.45
- kumārī brahmacaryeṇa śrīmāndevī bhagodarā |
adhikāraṃ tridhābhūtaṃ dvīpānte kurutecchayā ||
Durch ihre Enthaltsamkeit ist sie Kumārī, die Jungfrau: die erhabene Göttin im Innern des Schoßes. Auf der Insel übt sie nach ihrem Willen die dreifache geistige Befugnis aus.
Kumārikākhaṇḍa 3.46
- na strī na puruṣākāraṃ ānandaṃ taṃ napuṃsakam |
sādhikāraṃ liṅgarūpaṃ niradhikaraṇaṃ tathā ||
Diese Wonne hat weder eine weibliche noch eine männliche Gestalt; sie liegt jenseits beider. Sie hat die Form des Liṅga, besitzt geistige Befugnis und untersteht keiner anderen Instanz.
Kumārikākhaṇḍa 3.47
- khasthaṃ nivartitākāraṃ avyaktaṃ bhairavātmakam |
evamānandaśaktistu divyaliṅgā kramoditā ||
Sie ruht im leeren Raum; ihre Gestalt ist zurückgenommen, sie ist unoffenbar und von Bhairavas Wesen. So ist die Kraft der Wonne das göttliche Liṅga, das in der Überlieferungsfolge hervorgetreten ist.
Kumārikākhaṇḍa 3.48
- ubhayorbāhyagaṃ kṣetraṃ mudrātritayabheditam |
kūṭasthaṃ varṇarāśistu trikoṇaṃ guhavāsakam ||
Außerhalb beider liegt das Feld, gegliedert durch die drei Mudrās. Auf dem Gipfel ruhend ist es die Gesamtheit der Laute: das Dreieck, die Höhlenstätte.
Kumārikākhaṇḍa 3.49
- gṛhaṃ candrapuraṃ nāma paścimasthamadhomukham |
ekapādaṃ trihastaṃ tu triśaktitarumaṇḍitam ||
Das Haus heißt Candrapura, Mondstadt. Es liegt im Westen und ist nach unten gewandt. Es besitzt einen Fuß und drei Hände und ist mit dem Baum der dreifachen Kraft geschmückt.
Kumārikākhaṇḍa 3.50
- tanmadhye cādhikāraṃ tu manthānasya mahatpure |
manthānabhairavī śaktirbhedānāṃ kulakaulinī ||
In seiner Mitte, in der großen Stadt Manthānas, ruht die geistige Befugnis. Manthānabhairavī ist die Kraft der Gliederungen, Kulakaulinī.
Kumārikākhaṇḍa 3.51
- saṃsthitā liṅgarūpeṇa vakradevī hyadhomukhī |
ātmānaṃ ca hṛdisthaṃ tu śvetaṃ piṅgalanāyakam ||
Als Göttin Vakrā weilt sie in Gestalt eines Liṅga, nach unten gewandt. Das Selbst aber wohnt im Herzen; es ist weiß, der Herr Piṅgala.
Kumārikākhaṇḍa 3.52
- vartulaṃ cātiśobhāḍhyaṃ oṃkāramiti gīyate |
tatrasthaṃ jyotimadhyasthaṃ ādyapīṭhaṃ svarūpadhṛk ||
Kreisrund und von überaus großer Schönheit wird es als Oṃ-Laut besungen. Dort, inmitten des Lichtes, liegt der ursprüngliche heilige Sitz, der die eigene Wesensgestalt trägt.
Kumārikākhaṇḍa 3.53
- liṅgaratnamayākāraṃ atyāraktaṃ sutejasam |
sadyāveśakaraṃ ghoraṃ aghorasyoparisthitam ||
Er hat die Gestalt eines kostbaren Liṅga, ist tiefrot und leuchtet hell. Gewaltig bewirkt er das unmittelbare Ergriffenwerden durch die Gottheit und befindet sich über Aghora.
Kumārikākhaṇḍa 3.54
- tasyājñā svamukhe nityaṃ bhedaiśca saptaviṃśatiḥ |
ṣaṭprakārakrameṇaiva āmnāyena mukhāgamam ||
Seine Ājñā, die geistige Vollmacht, liegt mit ihren siebenundzwanzig Gliederungen stets auf meinen Lippen. Als Tradition der sechsfachen Überlieferungsfolge ist sie mündlich weitergegebene Offenbarung.
Kumārikākhaṇḍa 3.55
- bālaṃ kaumāravṛddhaṃ ca trividhaṃ krama saṃsthitam |
jyeṣṭhaṃ madhyaṃ kaniṣṭhaṃ ca olitritayabhūṣitam ||
Die Folge ist dreifach gegenwärtig: als Kind, als Jugendlicher und als Alter. Die älteste, die mittlere und die jüngste Folge sind mit den drei Überlieferungslinien geschmückt.
Kumārikākhaṇḍa 3.56
- etad vai paścimaṃ veśmaṃ candrapuryeti nāmataḥ |
kramamaṇḍala olīnāṃ tridhātattvaparigraham ||
Dies ist das westliche Haus, Candrapurī genannt. Es ist das Mandala der Überlieferungsfolge der Linien und umfasst die Wirklichkeit in dreifacher Gliederung.
Kumārikākhaṇḍa 3.57
- kramamudrādhikāraṃ tu mudrāpīṭhakṛtāṅkitam |
ardhacandrasya madhyasthaṃ puraṃ praṇavayojitam ||
Es besitzt die geistige Befugnis der Kramamudrā und trägt das Zeichen des Mudrā-Sitzes. In der Mitte des Halbmondes liegt die Stadt, verbunden mit dem Praṇava.
Kumārikākhaṇḍa 3.58
- vilomena cakārādau maṇipūrṇe tataḥ punaḥ |
śrīmad vai rudra pādābjaṃ paścimaṃ icchase kramam ||
Sodann wiederum in Maṇipūrṇa, in umgekehrter Ordnung mit dem Laut Ca beginnend: O erhabener Rudra mit den Lotusfüßen, du verlangst nach der westlichen Überlieferungsfolge.
Kumārikākhaṇḍa 3: Sprecherzeile (speaker_before_59)
- śrīkaṇṭha uvāca
Śrīkaṇṭha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 3.59
- gṛhe candrapure śākte madhyaliṅge bhagodite |
tiṣṭhate ko gururmantrī paścimasya kramasya ca ||
Wer weilt als Guru und Mantrapraktizierender der westlichen Überlieferungsfolge im Haus der Mondstadt, das der Śakti gehört, im mittleren Liṅga, das im Schoß hervorgegangen ist?
Kumārikākhaṇḍa 3: Sprecherzeile (speaker_before_60)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 3.60
- candrapuryasya veśmasya aghorasya maheśvara |
ahaṃ gururahaṃ mantrī napuṃsakapade sthitā ||
O großer Herr, ich bin der Guru und die Mantrapraktizierende dieses Hauses Aghoras, der Mondstadt. Ich weile in dem Zustand jenseits von männlich und weiblich.
Kumārikākhaṇḍa 3.61
- vyāptivyāpakabhedena sarvajñā unmanā parā |
siddhavāsād viniṣkrāntā śāmbhavājñāsvarūpataḥ ||
Ich bin die Allwissende, Unmanā, die über das Denken Hinausgehende, Parā, die Höchste. Durch die Unterscheidung von Durchdringung und Durchdringendem bin ich aus der Wohnstatt der Siddhas hervorgetreten; mein Wesen ist die Ājñā Śambhus.
Kumārikākhaṇḍa 3.62
- paścimaṃ śāmbhavaṃ tasmāt sarveṣāmuparisthitam |
saviśeṣamidaṃ nityaṃ bahurūpasya sāmpratam ||
Die westliche Überlieferung gehört daher Śambhu und steht über allen anderen. Mit ihren besonderen Gliederungen besteht sie ewig und ist nun die Überlieferung Bahurūpas, des Vielgestaltigen.
Kumārikākhaṇḍa 3.63
- yā sā śaktirbhagākhyātā śambhorutsaṅgagāminī |
kaulinī brahmacaryeṇa śrīmāndevī napuṃsakā ||
Jene Kraft, die Schoß genannt wird und sich auf Śambhus Schoß begibt, ist durch ihre Enthaltsamkeit Kaulinī: die erhabene Göttin jenseits von männlich und weiblich.
Kumārikākhaṇḍa 3.64
- nirvāṇabhūmikā prāptā siddhājñā ca nabhe'kṣayā |
śrīkaṇṭha uvāca
vada me kaulasadbhāvaṃ yaduktaṃ paścime gṛhe ||
Sie hat die Ebene des Nirvāṇa erreicht und ist die vollendete, im leeren Raum unvergängliche Ājñā. — Sage mir das wahre Wesen des Kaula, wie es im westlichen Haus gelehrt wird.
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Śrīkaṇṭha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 3.65
- māyāvṛtasya ambe me sadyonirvāṇatāṃ vada |
śrīvakrā uvāca
na ca māyāvṛtastvaṃ hi sākṣād devo nirañjanaḥ ||
Mutter, sage mir, den Māyā umhüllt, wie das unmittelbare Nirvāṇa erlangt wird. — Du bist keineswegs von Māyā umhüllt: Du bist der Gott selbst, unmittelbar gegenwärtig und makellos.
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 3.66
- īśvaraḥ pañcavaktrastvaṃ jñānārthī rudrasaṃjñakaḥ |
trailokye tvaṃ guruḥ kartā hartā tvaṃ ca punaḥ punaḥ ||
Du bist der fünfgesichtige Herr, Rudra genannt, der nach Wissen verlangt. In den drei Welten bist du der Guru; immer wieder bist du der Schöpfer und der Zerstörer.
Kumārikākhaṇḍa 3.67
- sṛṣṭisaṃhārakartṛtve ekastvaṃ pārthive kule |
tat kimarthaṃ jagannātha śāmbhavājñāṃ tvamicchasi ||
Du allein bewirkst in diesem irdischen Kula das Hervorbringen und Zurücknehmen. Warum also, o Herr der Welt, verlangst du nach der Ājñā Śambhus?
Kumārikākhaṇḍa 3.68
- prāyaśastvaṃ hi kāmārthī ājñārthī na kathañcana |
asmākaṃ tapanāśāya rudrastvamiha āgataḥ ||
Vor allem verlangst du nach Liebeslust, keineswegs nach der Ājñā. Du, Rudra, bist hierhergekommen, um unsere Askese zu zerstören.
Kumārikākhaṇḍa 3.69
- strītvaṃ pūrvaṃ mayā tyaktaṃ pauruṣaṃ ca tathaiva ca |
bhūmikājñāprabhāvena prakaṭāhaṃ yuge yuge ||
Schon früher habe ich das Weiblichsein aufgegeben und ebenso das Männlichsein. Durch die Macht der Ājñā dieser Ebene werde ich in jedem Weltalter sichtbar.
Kumārikākhaṇḍa 3.70
- ahaṃ śūnyasvarūpeṇa parā divyatanurhyaham |
ahaṃ sā mālinī devī ahaṃ sā siddhayoginī ||
Mein Wesen ist die Leere; ich bin Parā, die Höchste, mit göttlichem Leib. Ich bin jene Göttin Mālinī, ich bin jene vollendete Yoginī.
Kumārikākhaṇḍa 3.71
- ahaṃ sā kālikā kācit kulayāgeśvarī hyaham |
ahaṃ sā carcikā devī kubjikāhaṃ ca ṣaḍvidhā ||
Ich bin jene Kālikā, ich bin Kulayāgeśvarī, die Herrin des Kula-Opfers. Ich bin jene Göttin Carcikā; ich bin Kubjikā in sechsfacher Gestalt.
Kumārikākhaṇḍa 3.72
- evaṃ sā kalikāle tu mumukṣūṇāṃ vimuktaye |
saṃsārabhayabhītānāṃ avatāraṃ prakurvate ||
So steigt sie im Kali-Zeitalter in die Welt herab, um diejenigen zu befreien, die nach Befreiung verlangen und vor den Schrecken des Daseinskreislaufs erschrecken.
Kumārikākhaṇḍa 3.73
- dakṣasya duhitā pūrvamāsmyahaṃ bhadrakālikā |
atirūpā viśālākṣī śambhunā ca vivāhitā ||
Ich bin Bhadrakālikā, die einst Dakṣas Tochter war: überaus schön, mit großen Augen und mit Śambhu vermählt.
Kumārikākhaṇḍa 3.74
- dakṣeṇa tu pradattāhaṃ sṛṣṭihetornabhāntare |
praviṣṭā ṛtukāle tu devī devasya vistare ||
Dakṣa hatte mich hingegeben, damit die Schöpfung entstehe. In meiner fruchtbaren Zeit trat ich, die Göttin, in das Innere des leeren Raumes, in das Lager des Gottes ein.
Kumārikākhaṇḍa 3.75
- līnāhaṃ paramānandā ānandatanutāṃ gatā |
yajñaṃ karoti vimalaṃ atha dakṣaḥ prajāpatiḥ ||
Ich verschmolz, die höchste Wonne, und nahm einen Leib aus Wonne an. Nun veranstaltete Dakṣa, der Herr der Geschöpfe, ein reines Opfer.
Kumārikākhaṇḍa 3.76
- māyāpuryāṃ taṭe gaṅgā dharmakāmārthasādhanam |
devāsuragaṇāḥ sarve vāsudevādi sarvaśaḥ ||
Es fand in Māyāpurī am Ufer der Gaṅgā statt und diente der Verwirklichung von Dharma, Liebeslust und Wohlstand. Sämtliche Scharen der Götter und Asuras, Vāsudeva und alle anderen,
Kumārikākhaṇḍa 3.77
- āmantritāstu dakṣeṇa trailokye ye vyavasthitāḥ |
nāhaṃ tena purā tatra īśvaraṃ pañca–ānanam ||
die in den drei Welten wohnen, waren von Dakṣa eingeladen worden. Mich aber hatte er damals dorthin nicht eingeladen, auch nicht den fünfgesichtigen Herrn.
Kumārikākhaṇḍa 3.78
- yajñakṣobhabhayād deva ṛṣiṇāṃ ca tu śaṃkayā |
bhayabhītena dakṣeṇa sabhāyāṃ na nimantritau ||
O Gott, aus Furcht vor einer Störung des Opfers und wegen der Besorgnis der Seher hatte der von Angst erfüllte Dakṣa uns beide nicht in die Versammlung eingeladen.
Kumārikākhaṇḍa 3.79
- īśvareṇa tadārabdhaṃ mahat kopaṃ sudāruṇam |
yajñavidhvaṃsanārthāya dakṣe śāpaḥ pravartitaḥ ||
Da erhob sich im Herrn ein gewaltiger, überaus furchtbarer Zorn. Um das Opfer zu zerstören, richtete er einen Fluch gegen Dakṣa.
Kumārikākhaṇḍa 3.80
- trailokye vijayāyukto vīrabhadro gaṇaiḥ saha |
prahitaśca mahāvīro gaṇavṛndasamāvṛtaḥ ||
Vīrabhadra, auf den Sieg in den drei Welten ausgerichtet, wurde mit seinen Scharen ausgesandt: der große Held, umgeben von der Menge seiner Gefolgsleute.
Kumārikākhaṇḍa 3.81
- ārabdhaṃ yajñavidhvaṃsaṃ koṭisambhārasaṃvṛtam |
vidhvaṃsitamaśeṣaṃ tu ādyantoccāṭanaṃ kṛtam ||
Er begann, das mit millionenfachem Zubehör ausgestattete Opfer zu zerstören. Es wurde restlos vernichtet, von Anfang bis Ende entwurzelt.
Kumārikākhaṇḍa 3.82
- trastāśca devatāḥ sarve palāyante diśo daśa |
śaraṇyāḥ kecid vai tatra prāṇatrāṇaparāyaṇāḥ ||
Alle Gottheiten erschraken und flohen in die zehn Richtungen. Einige suchten dort Zuflucht und waren nur darauf bedacht, ihr Leben zu retten.
Kumārikākhaṇḍa 3.83
- kecit pātālavivare kecit gahvaramāgatāḥ |
kecinnaṣṭā nabhoyāne kecit svargaṃ samāgatāḥ ||
Einige gelangten in die Höhlen der Unterwelt, andere in eine Schlucht. Einige gingen auf dem Himmelsweg verloren, einige erreichten den Himmel.
Kumārikākhaṇḍa 3.84
- kecit praviṣṭāḥ pātālaṃ dakṣo vihvalatāṃ gataḥ |
ārādhayat sa hṛṣṭātmā rājīvāsanasaṃsthitam ||
Einige waren in die Unterwelt eingetreten. Dakṣa geriet außer sich; doch freudigen Herzens verehrte er den auf dem Lotussitz Ruhenden.
Kumārikākhaṇḍa 3: Sprecherzeile (speaker_before_85)
- dakṣa uvāca
Dakṣa sprach:
Kumārikākhaṇḍa 3.85
- bhagavan devadeveśa lokānugrahakāraka |
avyaktabhagavan śambho liṅgarūpi sadāśiva ||
O Erhabener, Herr über die Götter, du erweist der Welt Gnade! Unoffenbarer Erhabener, Śambhu, Sadāśiva in Gestalt des Liṅga!
Kumārikākhaṇḍa 3.86
- mahāvanasya madhye tu mayāsmin nandane vane |
japtaṃ yaṣṭaṃ hutaṃ bhaktyā īdṛgāha anekadhā ||
Mitten im großen Wald, hier im Nandana-Hain, habe ich hingebungsvoll rezitiert, geopfert und Gaben ins Feuer dargebracht. Solche Worte sprach er wieder und wieder.
Kumārikākhaṇḍa 3.87
- prasīda bhagavan śambho yāgasaṃpūrṇatāṃ kuru |
evaṃ vijñāpya sa dakṣaḥ kṛtāñjalipuṭaḥ sthitaḥ ||
Sei gnädig, erhabener Śambhu, bringe das Opfer zur Vollendung! Nachdem Dakṣa so gebeten hatte, stand er mit zusammengelegten Händen da.
Kumārikākhaṇḍa 3.88
- stunoti stavarājena mahāśaktisamanvitaḥ |
dakṣa uvāca
namaste kulanāthāya kaulasiddhipradāyaka ||
Von großer Kraft erfüllt preist er ihn mit dem König der Lobgesänge. — Verehrung dir, dem Herrn des Kula, der die Vollendung des Kaula schenkt!
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Dakṣa sprach:
Kumārikākhaṇḍa 3.89
- jñānavijñānarūpāya śrīśrīnātha namo'stu te |
hṛtpuṇḍarīkamadhyasthaṃ taruṇādityamaṇḍale ||
Dir, dessen Wesen Wissen und erkennendes Bewusstsein ist, erhabener Śrīnātha, sei Verehrung! Du ruhst in der Mitte des Herzlotus, im Kreis der jungen Sonne.
Kumārikākhaṇḍa 3.90
- nityoditaprakāśāya vande vidyāmahāvratam |
śatārdhacakrasaṃghātaṃ yasyotpannaṃ śivecchayā ||
Dem immer aufgegangenen Licht gilt meine Verehrung; ich verehre das große Gelübde der Vidyā. Die Vereinigung der fünfzig Räder ist die Quelle dessen, was durch Śivas Willen hervorgegangen ist.
Kumārikākhaṇḍa 3.91
- siddhaughaṃ devatāmnāyaṃ vande jñānamahārṇavam |
mantratattvārthasaṃbodhaṃ ṣaṭcakrakulaparvate ||
Ich verehre den großen Ozean des Wissens, den Strom der Siddhas, die Überlieferung der Gottheit: das erwachte Erkennen des wahren Sinns der Mantra-Wirklichkeit auf dem Kula-Berg der sechs Räder.
Kumārikākhaṇḍa 3.92
- yasyecchānirgataṃ sarvaṃ vande vijñānabhāskaram |
nādabindukalājyotirānandakramapañcakam ||
Ich verehre die Sonne des erkennenden Bewusstseins, aus deren Willen alles hervorgegangen ist. Ihre fünfgliedrige Folge besteht aus Klang, Punkt, Kraft, Licht und Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 3.93
- pañcāvasthāṃ gato yastaṃ vande jñeyaṃ parāparam |
manobuddhirahaṃkāraṃ tyaktvā ajñānagahvaram ||
Ich verehre den, der diese fünf Zustände angenommen hat, das zu Erkennende, das Höchste und Nichthöchste. Dabei sind Geist, Vernunft und Ichgefühl, die Schlucht der Unwissenheit, aufgegeben.
Kumārikākhaṇḍa 3.94
- dṛśyate mantrasadbhāvaṃ vande vijñānasāgaram |
saptasāgaraparyantaṃ saṃsārārṇavagocaram ||
Dann wird das wahre Wesen des Mantras geschaut; ich verehre den Ozean des erkennenden Bewusstseins. Sein Bereich ist das Meer des Daseinskreislaufs bis hin zu den Grenzen der sieben Meere.
Kumārikākhaṇḍa 3.95
- niṣprapañcaṃ nirādhāraṃ vande vyomni parāparam |
trikūṭaṃ pañcatattvasthaṃ pañcāvasthagataṃ vibhum ||
Ich verehre das Höchste und Nichthöchste im Himmelsraum, frei von Entfaltung, auf keine Stütze angewiesen: den dreifachen Gipfel, den Alldurchdringenden in den fünf Prinzipien und den fünf Zuständen.
Kumārikākhaṇḍa 3.96
- akulakulasadbhāvaṃ trikabhedaṃ parāparam |
mantracakrakalādhāraṃ vande kulamanāmayam ||
Er ist das wahre Wesen von Akula und Kula, dreifach gegliedert, das Höchste und Nichthöchste. Ich verehre das unversehrte Kula, den Grund der Kraft des Mantra-Rades.
Kumārikākhaṇḍa 3.97
- adhobrahmabilaṃ cakraṃ caturdalasamanvitam |
raktavarṇaṃ mahādīptaṃ vande ādhāramaṇḍalam ||
Ich verehre das Mandala des Grundes: unten die Brahman-Höhlung, das Rad mit vier Blütenblättern, von roter Farbe und großem Glanz.
Kumārikākhaṇḍa 3.98
- tasyordhve nābhimūle tu cakraṃ pañcadalānvitam |
padmarāganibhaṃ vajraṃ vande pūrṇamaṇīpuram ||
Darüber, an der Wurzel des Nabels, liegt das Rad mit fünf Blütenblättern. Dem Rubin gleich ist es der Vajra; ich verehre die mit Juwelen erfüllte Stadt.
Kumārikākhaṇḍa 3.99
- pañcāre hṛtpure cakraṃ nīlajīmūtavāhanam |
prajvalantaṃ mahādīptaṃ vande devamanāhatam ||
In der Herzstadt mit fünf Speichen ist das Rad; eine dunkelblaue Wolke ist sein Fahrzeug. Ich verehre den Gott Anāhata, den ungeschlagenen Klang, der entflammt und gewaltig leuchtet.
Kumārikākhaṇḍa 3.100
- evaṃ pañcadalopetaṃ viśuddhaṃ kaṇṭhamāśritam |
taptahemanibhaprakhyaṃ vande hyamṛtagocaram ||
Ebenso verehre ich das reine Rad am Hals, ausgestattet mit fünf Blütenblättern. Es glänzt wie glühendes Gold und ist der Bereich des Nektars.
Kumārikākhaṇḍa 3.101
- turyasthāne pañcākāraṃ bindusthaṃ kopamūrdhani |
śuddhasphaṭikasaṃkāśaṃ vande ājñāparāparam ||
Ich verehre das Ājñā-Rad, das Höchste und Nichthöchste, am Ort des vierten Zustands. Fünffach gestaltet ruht es im Punkt zwischen den Augenbrauen und gleicht reinem Kristall.
Kumārikākhaṇḍa 3.102
- tālumadhye mahānādaṃ ṣoḍaśāraṃ nirañjanam |
jyotirūpaṃ mahācakraṃ vande divyamanāmayam ||
Ich verehre das große, göttliche und unversehrte Rad in der Mitte des Gaumens: den großen Klang, makellos, mit sechzehn Speichen, dessen Gestalt Licht ist.
Kumārikākhaṇḍa 3.103
- yakārādisamāyuktaṃ brahmamantraparigraham |
himakundendudhavalaṃ sadyo vande yathā śivam ||
Ich verehre Sadyojāta wie Śiva, verbunden mit Ya und den übrigen Lauten seiner Gruppe, in der Gestalt des Brahmā-Mantras, weiß wie Schnee, Jasmin und Mond.
Kumārikākhaṇḍa 3.104
- tatastādivibhedena bheditaṃ tu janārdanam |
padmarāgasamaprakhyaṃ vande raktavibhūṣaṇam ||
Sodann verehre ich Janārdana, der durch die Gruppe von Ta und den folgenden Lauten gegliedert ist. Er glänzt wie ein Rubin und trägt roten Schmuck.
Kumārikākhaṇḍa 3.105
- ṭādipañcasamopetaṃ rudraṃ tṛtīyaṃ pūjitam |
bhinnāñjanamahādīptaṃ vande ghoramanāmayam ||
Ich verehre den als Dritten verehrten Rudra, versehen mit den fünf Lauten von Ṭa an. Gewaltig leuchtet er wie frisch gebrochene schwarze Augensalbe; er ist furchterregend und unversehrt.
Kumārikākhaṇḍa 3.106
- yacca cādisvarūpeṇa īśvaraṃ pañcabheditam |
alātapuṣpasaṃkāśaṃ vande taṃ liṅgabhāsvaram ||
Ich verehre jenen Īśvara, der mit Ca und den folgenden Lauten fünffach gegliedert ist. Sein leuchtendes Liṅga gleicht einer Blüte aus kreisendem Feuer.
Kumārikākhaṇḍa 3.107
- tasyordhve kādibhedena śaktipañcakayojitam |
śuddhasphaṭikarūpeṇa vande īśānabhairavam ||
Über ihm verehre ich Īśānabhairava in der Gestalt reinen Kristalls, der durch die bei Ka beginnende Gruppe mit den fünf Kräften verbunden ist.
Kumārikākhaṇḍa 3.108
- akārādivisargāntaṣoḍaśaistu sadāśivam |
jyotirūpaṃ sadā vande kaulikājñāprabodhakam ||
Stets verehre ich Sadāśiva zusammen mit den sechzehn Lauten, von A bis zum Visarga. Seine Gestalt ist Licht; er erweckt zur Ājñā des Kaula.
Kumārikākhaṇḍa 3.109
- tatrādhāragatāṃ madhye mantramudrāvibhedakīm |
cakranāyakivikhyātāṃ vande'haṃ kulaḍāmarīm ||
Ich verehre Kulaḍāmarī, die als Herrin des Rades bekannt ist. Dort in der Mitte des Grundes weilt sie und durchdringt Mantra und Mudrā.
Kumārikākhaṇḍa 3.110
- maṇipūrṇagatāṃ devīṃ paratattvaprakāśakīm |
cakranāyakivikhyātāṃ vande uḍḍāmarīṃ pure ||
Ich verehre Uḍḍāmarī in der Stadt des Leibes, die als Herrin des Rades bekannt ist: die Göttin in Maṇipūrṇa, die die höchste Wirklichkeit erhellt.
Kumārikākhaṇḍa 3.111
- hṛtpuṇḍarīkamadhyasthāṃ siddhacakraprabodhakīm |
cakranāyakivikhyātāṃ vande tāṃ jvālinīṃ pure ||
Ich verehre jene Jvālinī in der Stadt des Leibes, die als Herrin des Rades bekannt ist. Sie wohnt in der Mitte des Herzlotus und erweckt den Kreis der Siddhas.
Kumārikākhaṇḍa 3.112
- viśuddhacakramadhyasthāṃ śavarījñānabhedakīm |
cakranāyakivikhyātāṃ vande dūtīṃ ca śākinīm ||
Ich verehre Śākinī, die Botin und Gefährtin, bekannt als Herrin des Rades. Sie wohnt in der Mitte des reinen Rades und durchdringt es mit Śavarīs Wissen.
Kumārikākhaṇḍa 3.113
- ājñāmūrdhani cakrasthāṃ siddhatattvasamāyutām |
cakranāyakivikhyātāṃ vande'haṃ vyomarūpiṇīm ||
Ich verehre Vyomarūpiṇī, deren Gestalt der leere Raum ist, bekannt als Herrin des Rades. Sie ruht im Ājñā-Rad am Scheitel und ist mit der vollendeten Wirklichkeit verbunden.
Kumārikākhaṇḍa 3.114
- anāmacakramadhyasthāṃ siddhatattvasamanvitām |
cakranāyakivikhyātāṃ vande'haṃ khecarīṃ pure ||
Ich verehre Khecarī in der Stadt des Leibes, die als Herrin des Rades bekannt ist. Sie weilt in der Mitte des namenlosen Rades und ist mit der vollendeten Wirklichkeit verbunden.
Kumārikākhaṇḍa 3.115
- kadambagolakākārāṃ ṣoḍaśānte vyavasthitām |
śuklapakṣe tvahaṃ vande pūrṇākhyāmṛtarūpiṇīm ||
In der hellen Monatshälfte verehre ich die Pūrṇā Genannte, deren Wesen Nektar ist. Sie hat die Gestalt einer Kadamba-Blütenkugel und ist am Ende der Sechzehn gegenwärtig.
Kumārikākhaṇḍa 3.116
- tanmadhye kālikābimbaṃ utsaṅgāmṛtakesarīm |
devīṃ amāmahaṃ vande candrikākārarūpiṇīm ||
In ihrer Mitte ist das Bild Kālikās. Ich verehre die Göttin Amā, die Löwin des Nektars der Umarmung, deren Gestalt das Mondlicht ist.
Kumārikākhaṇḍa 3.117
- vāmāmṛtapurotkṛṣṭāṃ utkṛṣṭāṃ carunanditām |
vāmāṃ sṛṣṭikarāṃ vande devīṃ tāṃ kulamālinīm ||
Ich verehre jene Göttin Vāmā, Kulamālinī, die die Schöpfung hervorbringt: erhaben in der Stadt des Wein-Nektars, erhaben und durch den Opferbrei erfreut.
Kumārikākhaṇḍa 3.118
- parāṃ tejasamāvasthāṃ tattvātmāsuparigrahām |
tejodṛptāṃ ca dakṣiṇe vande siddhadivākarām ||
Ich verehre Parā, die in strahlender Kraft ruht und die schöne Gestalt des Wesens der Wirklichkeitsprinzipien annimmt. Rechts ist sie, stolz auf ihre Leuchtkraft, die Sonne der Vollendeten.
Kumārikākhaṇḍa 3.119
- śaktitritayamadhye tu aṃkurākāradevatā |
piṇḍaṃ tasyā bhagākāraṃ vande triṣkoṇapīṭhagām ||
In der Mitte der drei Kräfte ist die Gottheit in Gestalt eines Sprosses. Ihr Leib hat die Form eines Schoßes; ich verehre sie, die im dreieckigen heiligen Sitz weilt.
Kumārikākhaṇḍa 3.120
- nādasthāne mahāratnaṃ jāṭharāgnisamujjvalam |
paramārthadaśādhāraṃ vande'haṃ nābhimaṇḍalam ||
Ich verehre das Nabelmandala: das große Juwel am Ort des Klanges, leuchtend wie das Feuer im Bauch, den tragenden Grund der Stufe höchster Wirklichkeit.
Kumārikākhaṇḍa 3.121
- tasyāvaraṇa siddhāṅgā kuṇḍalī nāma devatā |
tristhāṃ trivalayākārāṃ vande'haṃ siddhakuṇḍalīm ||
Seine Umhüllung ist die Gottheit namens Kuṇḍalī, deren Glieder die Siddhas sind. Ich verehre die vollendete Kuṇḍalī, die in den Drei weilt und die Gestalt dreier Windungen besitzt.
Kumārikākhaṇḍa 3.122
- anantaṃ yasya mantrasya tejorūpaṃ navātmakam |
kūṭasthaṃ paramavyomni vande kūṭaṃ yathā gurum ||
Ich verehre den Gipfel wie den Guru. Auf dem Gipfel im höchsten leeren Raum steht er; sein grenzenloser Mantra ist neunfach und hat die Gestalt strahlender Kraft.
Kumārikākhaṇḍa 3.123
- anāmāṃ paradhāmnisthāṃ śaktitritayabhāvinīm |
ekatattvasthitāṃ yatra vande vijñānaghaṭṭinīm ||
Ich verehre die Namenlose im höchsten Wohnsitz, die die drei Kräfte vergegenwärtigt. In der einen Wirklichkeit ruht sie, die alles im erkennenden Bewusstsein zusammenführt.
Kumārikākhaṇḍa 3.124
- icchājñānakriyābhedairbheditāṃ candramūrdhani |
gamāgamakrameṇaiva vande śaktyantagocare ||
Ich verehre sie im Bereich am Ende der Kraft, am Gipfel des Mondes. Durch die Folge des Gehens und Kommens gliedert sie sich in Willen, Wissen und Handeln.
Kumārikākhaṇḍa 3.125
- vyomapañcakalādhāraṃ viparītena māyayā |
niśācāreṇa saṃvedyaṃ ghaṭaṃ vande yathāgamam ||
Der Überlieferung gemäß verehre ich das Gefäß des Leibes, den Grund der Kräfte der fünf leeren Räume. Durch Māyā in umgekehrter Weise, durch den nächtlichen Wandel, ist es erkennbar.
Kumārikākhaṇḍa 3.126
- turyasthamamṛtaṃ śuklaṃ paramārthamukhodgatam |
dravate jñānamāśritya vande binduṃ manoratham ||
Ich verehre den Punkt, den ersehnten: den weißen Nektar im vierten Zustand, hervorgegangen aus dem Mund der höchsten Wirklichkeit. Auf Wissen gestützt, schmilzt und strömt er.
Kumārikākhaṇḍa 3.127
- tasyordhve jyotimātraṃ tu kalāśeṣasya dhāriṇī |
dṛśyate binduvedhena vande koṭaramavyayam ||
Darüber ist reines Licht, die Kraft, die alles trägt. Sie wird durch das Durchdringen mit dem Punkt geschaut; ich verehre die unvergängliche Höhlung.
Kumārikākhaṇḍa 3.128
- jīvādhāramahāratnaṃ paśupāśamalāpaham |
nirmalaṃ maṇḍalākāraṃ vande cākhaṇḍamaṇḍalam ||
Ich verehre den ungeteilten Kreis, das große Juwel, den Grund des Lebens. Rein und kreisförmig beseitigt er den Makel der Fesseln des gebundenen Wesens.
Kumārikākhaṇḍa 3.129
- sarvāṅgavyāpakaṃ devaṃ mudrāmantravibhūṣitam |
citsvarūpaprakāśasthaṃ vande śivaṃ mahāmṛtam ||
Ich verehre Śiva, den großen Nektar: den Gott, der alle Glieder durchdringt, mit Mudrā und Mantra geschmückt ist und im Licht ruht, dessen Wesen Bewusstsein ist.
Kumārikākhaṇḍa 3.130
- layātītaṃ tu mantrāṇāṃ ṣoḍaśānte viparyayam |
dvādaśānte parāvasthaṃ vande nādāntamāśritam ||
Ich verehre das jenseits der Auflösung Liegende: die Umkehr der Mantras am Ende der Sechzehn, den höchsten Zustand am Ende der Zwölf, der am Ende des Klanges ruht.
Kumārikākhaṇḍa 3.131
- paratattvaprakāśāya ātmatattvagarīyasīm |
antargatāṃ mahālakṣmīṃ vande'haṃ kālikāṃ parām ||
Dem Licht der höchsten Wirklichkeit gilt die Verehrung. Ich verehre die höchste Kālikā, Mahālakṣmī im Innern, die noch über dem Prinzip des Selbst steht.
Kumārikākhaṇḍa 3.132
- vidyātattvaninādena nādenākramya devatām |
mūrtimadhye bahirlakṣe vande śuṣkābhayapradām ||
Ich verehre Śuṣkā, die Furchtlosigkeit schenkt. Durch den Klang, den Widerhall der Vidyā-Wirklichkeit, ist sie in die Gottheit eingegangen und ruht in der Mitte ihrer Gestalt, am äußerlich sichtbaren Ziel.
Kumārikākhaṇḍa 3.133
- śivapakṣe pare vyomni gatā vidyā parāparā |
turyacakrarathārūḍhā vande śivamayīṃ kalām ||
Ich verehre die aus Śiva bestehende Kraft. Die höchste und nichthöchste Vidyā ist im höchsten leeren Raum auf Śivas Seite gegenwärtig; sie fährt auf dem Wagen des Rades des vierten Zustands.
Kumārikākhaṇḍa 3.134
- śaktimadhye manaṃ kṛtvā cintayed vyomni cidghanam |
sarvadvandvavinirmuktaṃ vande śāntaṃ nirañjanam ||
Nachdem man den Geist in die Mitte der Kraft gebracht hat, soll man im leeren Raum die ungeteilte Fülle des Bewusstseins betrachten. Ich verehre das Friedvolle und Makellose, das von allen Gegensatzpaaren frei ist.
Kumārikākhaṇḍa 3.135
- nābhideśe mahāghoraṃ vyomarājakhamāśritam |
cintayan mūlasaṃgṛhyaṃ vande vyomamanādikam ||
Ich verehre den anfangslosen leeren Raum, indem ich im Nabel den überaus Furchterregenden betrachte, der im Raum des Raumkönigs ruht und als Ursprung zu erfassen ist.
Kumārikākhaṇḍa 3.136
- hṛtpure khamanaṃ kṛtvā vyomagarbhaṃ ca mārutam |
saṃsmaran pūrvakāraṇaṃ vande jyotimaheśvaram ||
Nachdem ich den Geist in der Herzstadt zum leeren Raum gemacht habe, vergegenwärtige ich den Lebenshauch, dessen Schoß dieser Raum ist, und die ursprüngliche Ursache. Ich verehre den großen Herrn des Lichtes.
Kumārikākhaṇḍa 3.137
- kaṇṭhamadhye samāśritya velā iva mahodadheḥ |
paravyomasvarūpeṇa vande vyomakalārṇavam ||
In der Mitte des Halses ruhend, gleichsam am Ufer eines großen Ozeans, verehre ich das Meer der Kräfte des leeren Raumes als das Wesen des höchsten Raumes.
Kumārikākhaṇḍa 3.138
- tālumadhyagataṃ vyomaṃ uttānaṃ taḍitāhatām |
brahmaghoṣarathārūḍhāṃ vande vyomnyāśritāṃ parām ||
Der Raum in der Mitte des Gaumens ist nach oben geöffnet. Ich verehre Parā, die vom Blitz getroffene Höchste, die dort im leeren Raum auf dem Wagen des Brahman-Klanges fährt.
Kumārikākhaṇḍa 3.139
- kulavijñānapañcāśacchabdarāśikrameṇa tu |
stavarājaṃ mahāguhyaṃ mahāvijñānabhairavam ||
Dies ist der König der Lobgesänge, das große Geheimnis, der große Bhairava des erkennenden Bewusstseins: in der Folge der fünfzig Laute, der Erkenntnis des Kula.
Kumārikākhaṇḍa 3.140
- stutaṃ dakṣeṇa manasā antaryāgena dhāraṇā |
saṃsmared yaḥ kramasyāgre triṣkālaṃ smarate'thavā ||
Dakṣa hat ihn im Geist gepriesen, in gesammelter Betrachtung durch das innere Opfer. Wer ihn vor der Überlieferungsfolge vergegenwärtigt oder seiner zu den drei Tageszeiten gedenkt,
Kumārikākhaṇḍa 3.141
- satataṃ bhaktipūrveṇa bhairavasamatāṃ vrajet |
jarāvyādhivinirmukto bhogajālavivarjitaḥ ||
und zwar beständig mit Hingabe, gelangt zur Gleichheit mit Bhairava. Frei von Alter und Krankheit, entstrickt dem Netz weltlichen Erlebens,
Kumārikākhaṇḍa 3.142
- duḥkhadāridryanirmukto vicareta yathāsukham |
tiṣṭhate suciraṃ kālaṃ jīvanmuktidharaḥ pumān ||
frei von Leid und Armut, mag er nach Wohlgefallen umherziehen. Als ein Mensch, der schon zu Lebzeiten Befreiung trägt, verweilt er lange Zeit.
Kumārikākhaṇḍa 3.143
- apamṛtyurna bādhyeta vighnajālavivarjitaḥ |
stavarājaprabhāvena bhavate nātra saṃśayaḥ ||
Vorzeitiger Tod bedrängt ihn nicht; er ist vom Netz der Hindernisse frei. Dies wird ihm durch die Macht des Königs der Lobgesänge zuteil; daran besteht kein Zweifel.
Kumārikākhaṇḍa 3.144
- gopayet paraśiṣyāṇāṃ na deyaṃ yasya kasyacit |
putrasyāpi na dātavyaṃ bhaktihīne kadācana ||
Man soll ihn vor den Schülern anderer verborgen halten und ihn nicht einem Beliebigen geben. Auch dem eigenen Sohn darf er niemals gegeben werden, wenn dieser ohne Hingabe ist.
Kumārikākhaṇḍa 3.145
- kulācāravilupte ca na dadhyād vai kadācana |
tāntrikānāṃ na dātavyaṃ rakṣaṇīyaṃ śarīravat ||
Einem, der die Kula-Lebensweise aufgegeben hat, soll man ihn niemals geben. Den Tāntrikas darf er nicht gegeben werden; man soll ihn wie den eigenen Leib hüten.
Kumārikākhaṇḍa 3.146
- mokṣasadbhāvavijñānaṃ ātmajñānaprakāśakam |
yaḥ punaḥ prātarutthāya saṃsmared dehanirṇayam ||
Er ist die Erkenntnis des wahren Wesens der Befreiung und erhellt die Erkenntnis des Selbst. Wer morgens aufsteht und sich die Darlegung des Leibes vergegenwärtigt,
Kumārikākhaṇḍa 3.147
- ātmajñānamasau vetti stavabodhasvarūpiṇam |
vidhinānena saṃpūrṇaṃ kṛtvā dakṣaḥ kṣamāpayet ||
erkennt das Selbst in dem erwachten Verständnis dieses Lobgesangs. Nachdem Dakṣa auf diese Weise alles vollendet hatte, bat er um Vergebung.
Kumārikākhaṇḍa 3.148
- prasannaḥ parameśānaḥ stavarājena toṣitaḥ |
ūcurevaṃ paraḥ śāntaḥ brūhi me paramārthataḥ ||
Der höchste Herr war gnädig, durch den König der Lobgesänge erfreut. Vollkommen friedvoll sprach er so: Sage mir wahrheitsgemäß,
Kumārikākhaṇḍa 3.149
- stavarājena mahatā kimarthaṃ stavitastvayā |
dakṣa uvāca
prārabdhaṃ yanmayā deva yajñaṃ gaṅgātaṭe śubham ||
warum du mich mit dem großen König der Lobgesänge gepriesen hast. — O Gott, das glückverheißende Opfer, das ich am Ufer der Gaṅgā begonnen hatte,
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Dakṣa sprach:
Kumārikākhaṇḍa 3.150
- dharmakāmārthasiddhyarthaṃ na siddhaṃ mandabuddhinā |
mayā nāmantrito devo yajñaṃ vidhvaṃsitaṃ tataḥ ||
um Dharma, Liebeslust und Wohlstand zu verwirklichen, gelang mir Toren nicht. Ich hatte den Gott nicht eingeladen; darum wurde das Opfer zerstört.
Kumārikākhaṇḍa 3.151
- yuṣmatkopācca saṃjātaṃ śāpabhraṣṭamahaṃ punaḥ |
makhasthayājakānāṃ ca teṣāmudvegabandhanam ||
Durch deinen Zorn kam es dazu; auch bin ich durch den Fluch zu Fall gekommen. Die Fessel der Angst, die die beim Opfer tätigen Priester ergriff,
Kumārikākhaṇḍa 3.152
- devasya kopāt saṃjātaṃ tat kṣamadhvaṃ mahāprabho |
ye gatā ye praṇaṣṭāśca ye ca baddhā mahodare ||
entstand aus dem Zorn des Gottes. Vergib dies, o großer Herr! Denjenigen, die fortgegangen oder zugrunde gegangen sind, und jenen, die im großen Schlund gefangen sind,
Kumārikākhaṇḍa 3.153
- teṣāṃ kuru prasādaṃ tu yena te saṃbhavaṃ nahi |
śrīnātha uvāca
ityuktaṃ saprasādaṃ tu uttiṣṭha ṛṣiputraka ||
erweise Gnade, sodass sie nicht wieder geboren werden. — So wurde gnädig gesprochen: Erhebe dich, Sohn eines Sehers!
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 3.154
- naṣṭānāṃ ca praṇaṣṭānāṃ bandhane ye ca saṃsthitāḥ |
teṣāṃ kṛtā mayā muktiḥ satyedaṃ ca śucivrata ||
Den Verschwundenen und Umgekommenen und denen, die in Fesseln liegen, habe ich Befreiung gewährt. Dies ist wahr, o du mit dem reinen Gelübde!
Kumārikākhaṇḍa 3.155
- yajñārambhaṃ kuru prājña matprasādena siddhidam |
bhavate nātra saṃdehaḥ śāpasyāyaṃ mahad varam ||
Beginne das Opfer, o Weiser! Durch meine Gnade wird es gewiss Vollendung schenken. Dies ist die große Gabe des Fluches.
Kumārikākhaṇḍa 3.156
- jñātvā cedaṃ tadā devī idaṃ vṛttāntamāgatam |
matsaṃbandhācca dakṣasya ahaṃ sā pāpakāriṇī ||
Als die Göttin dies erfuhr, dachte sie: Dieses Geschehen ist wegen seiner Verbindung mit mir über Dakṣa gekommen. Ich bin diejenige, die das Unheil verursacht hat.
Kumārikākhaṇḍa 3.157
- pituryajñaṃ mayā dhvastaṃ ātmānaṃ śodhayāmyaham |
jvalajvālormisaṃkāśamuddīpya paramānalam ||
Durch mich ist das Opfer meines Vaters zerstört worden; ich werde mich selbst reinigen. Sie entfachte das höchste Feuer, das Wogen brennender Flammen glich.
Kumārikākhaṇḍa 3.158
- jvalantaṃ cintayitvā tu mudrāmaṇḍalamadhyataḥ |
vajrāsanaṃ tato badhvā smṛtāghoreśvarīkalā ||
Sie stellte es sich lodernd in der Mitte des Mudrā-Mandalas vor, nahm darauf den Vajra-Sitz ein und gedachte der Kraft Aghoreśvarīs.
Kumārikākhaṇḍa 3.159
- kālāgninā svayaṃ dagdhā nirdhūmāṅgāratāṃ gatā |
mṛtā bhasmagatā sādhvī uttīrṇā martyalokataḥ ||
Sie verbrannte sich selbst im Feuer der Zeit und wurde zu rauchloser Glut. Die Tugendhafte starb, wurde zu Asche und verließ die Welt der Sterblichen.
Kumārikākhaṇḍa 3.160
- punareva tvahaṃ jātā himavantasya mandire |
aṣṭame tu mahājanme jātāhaṃ bhadrakālikā ||
Dann wurde ich im Haus Himavats wiedergeboren. Bei der achten großen Geburt wurde ich als Bhadrakālikā geboren.
Kumārikākhaṇḍa 3.161
- jñātvā ca me purā vāṇīṃ himavantasya īśvaraḥ |
īpsate pāṇigrahaṇaṃ kālīṃ māṃ dada suvrata ||
Nachdem der Herr meine frühere Stimme erkannt hatte, begehrte er die Vermählung und sprach zu Himavat: O du mit den guten Gelübden, gib mir Kālī!
Kumārikākhaṇḍa 3.162
- kālī dattā paricarye himavantena sundarī |
kailāse tu mahāśaile devadevasya mandire ||
Himavat gab die schöne Kālī in hingebungsvollem Dienst zur Gemahlin: auf dem großen Berg Kailāsa, im Haus des Gottes der Götter.
Kumārikākhaṇḍa 3.163
- mahādeśaṃ samutpannaṃ sāṃprataṃ kiñcidanvaye |
guhāvāsasya madhye tu vidyate śāmbhavaṃ padam ||
Da erhob sich eine große Unterweisung: Nun gibt es etwas in der Überlieferung — inmitten der Höhlenstätte liegt der Zustand Śambhus.
Kumārikākhaṇḍa 3.164
- gatvā tvanugrahaṃ tatra bhaviṣye tava sāṃpratam |
jñātvā cedaṃ purā devī saṃjātā paścime gṛhe ||
Dorthin gehend werde ich jetzt deine Gnade sein. Nachdem die Göttin dies erkannt hatte, trat sie einst im westlichen Haus hervor.
Kumārikākhaṇḍa 3.165
- kuladevī ca kauleśī adhikāre vyavasthitā |
āgato devadeveśo'nugrahārthī mahāprabhuḥ ||
Als Kula-Göttin und Herrin des Kaula stand sie in geistiger Befugnis. Der Gott der Götter, der große Herr, kam zu ihr und verlangte nach Gnade.
Kumārikākhaṇḍa 3.166
- pāramparyakrameṇaiva tayā tasya tvanugraham |
kṛtaṃ tacchaktipātena saṃpūrṇaṃ śuddhavāsanā ||
Gemäß der überlieferten Folge erwies sie ihm Gnade. Durch das Herabkommen der Kraft wurde dies vollendet; ihre inneren Prägungen waren rein.
Kumārikākhaṇḍa 3.167
- saṃjātā carcikā devī ājñā yā mālinīkule |
krāmitā paramā divyā śāmbhavājñāmakhaṇḍitā ||
Sie wurde zur Göttin Carcikā, der Ājñā im Mālinīkula. Die höchste, göttliche Ājñā Śambhus wurde ungebrochen weitergegeben.
Kumārikākhaṇḍa 3.168
- devī ājñāprabhāvena vidyutpuñjaśatākulā |
tejobhābhiḥ susaṃdīptā divyaliṅgatvamāgatā ||
Durch die Macht der Ājñā, erfüllt von Hunderten Scharen von Blitzen und hell erleuchtet durch strahlende Kräfte, nahm die Göttin die Gestalt des göttlichen Liṅga an.
Kumārikākhaṇḍa 3.169
- evaṃ sā liṅgarūpeṇa kalikāle tu carcikā |
gṛhe candrapure divye adhikāre vyavasthitā ||
So ist sie im Kali-Zeitalter Carcikā in Gestalt eines Liṅga und steht im göttlichen Haus der Mondstadt in geistiger Befugnis.
Kumārikākhaṇḍa 3.170
- ityāgamaṃ mayā prāptaṃ caturthe tu mahāyuge |
pāramparyamukhāmnāyaṃ śāmbhavaṃ kaulikānvaye ||
Diese Offenbarung habe ich im vierten großen Weltalter empfangen: die von Śambhu stammende mündliche Überlieferung der Lehrerfolge innerhalb der Kaulika-Tradition.
Kumārikākhaṇḍa 3: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike ādyapīṭhāvatārite vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite dakṣaśāpānugrahādhikāro nāmānandaḥ ||
So endet das Kapitel mit dem Titel „Dakṣas Fluch und Begnadigung“: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 4
Kumārikākhaṇḍa 4: Kapitelkopf (heading)
- caturthānandaḥ
Viertes Kapitel.
Kumārikākhaṇḍa 4: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīkaṇṭha uvāca
Śrīkaṇṭha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 4.1
- evaṃ prāptaṃ svarūpeṇa tvayājñāśāmbhavaṃ padam |
sarvadvandvaparityāgāt śāntātītaṃ parāparam ||
So hast du kraft deines eigenen Wesens den Zustand der Ājñā Śambhus erlangt: das Höchste und Nichthöchste jenseits der Ruhe, indem du alle Gegensatzpaare aufgegeben hast.
Kumārikākhaṇḍa 4.2
- tena tvaṃ gururme mātā yuktyāyuktaṃ kṣamasva mām |
mātṝṇāṃ siddharudrāṇāṃ tvamekā hṛdi devatā ||
Darum bist du, Mutter, mein Guru. Vergib mir in deiner Einsicht, was unangemessen war. Du allein bist die Gottheit im Herzen der Mütter, der Siddhas und der Rudras.
Kumārikākhaṇḍa 4.3
- tvaṃ śaktirmama rudrasya mātarī paścime gṛhe |
kāmārthino hyahaṃ neha ājñārthī kramalubdhakaḥ ||
Du bist meine Kraft, die Mutter Rudras im westlichen Haus. Ich bin hier nicht einer, der nach Liebeslust verlangt; ich verlange nach der Ājñā und sehne mich nach der Überlieferungsfolge.
Kumārikākhaṇḍa 4.4
- divyādivyakramaughasya santānasya mahodayam |
tava śiṣyo hyahaṃ samyak upasannaḥ prasannadhīḥ ||
Die große Entfaltung der Abstammungslinie, den Strom göttlicher und nichtgöttlicher Überlieferung, erbitte ich. Ich bin ganz dein Schüler, dir nahegetreten mit klarem, heiterem Geist.
Kumārikākhaṇḍa 4.5
- kathayasva kulāmnāyaṃ pāramparyakramāgatam |
pratyayāṣṭau ca deveśi kādibhedaṃ mataṃ mama ||
Lehre mich die Kula-Überlieferung, die durch die Folge der Lehrer weitergegeben wurde. O Herrin der Götter, lehre mich die acht Zeichen der Verwirklichung und die Lehre der Kādi-Abteilung.
Kumārikākhaṇḍa 4.6
- dada me parame ambe yat khyātaṃ saptakoṭike |
evaṃ vāyupurāṇādau likhitākṣaramālikāṃ ||
Gib mir, höchste Mutter, was in der Überlieferung der siebzig Millionen gelehrt wird, ebenso die Buchstabengirlande, die im Vāyupurāṇa und anderen Schriften niedergeschrieben ist.
Kumārikākhaṇḍa 4.7
- ājñāpratyayahīnasya devadevasya niścayam |
vaikalpyaṃ bhavate tasmādājñāṃ yācāmi paścime ||
Dem Gott der Götter fehlt ohne die Ājñā und ihre Zeichen die Gewissheit; Unentschiedenheit entsteht. Darum bitte ich in der westlichen Überlieferung um die Ājñā.
Kumārikākhaṇḍa 4.8
- śrīkārājñā punastasya gurvāmnāye pravartate |
tatra sā śāmbhavī ājñā śrīnātho labhate kalau ||
Die Ājñā der erhabenen Göttin wirkt für ihn wiederum in der Überlieferung der Gurus. Dort erlangt Śrīnātha im Kali-Zeitalter die Ājñā Śambhus.
Kumārikākhaṇḍa 4.9
- mokṣārthaṃ sarvajantūnāṃ avatāraṃ kariṣyati |
purāṇārthamidaṃ satyaṃ tvadbhaktisevanādapi ||
Um alle Lebewesen zu befreien, wird er in die Welt herabsteigen. Dies ist der wahre Sinn der alten Überlieferung, auch durch hingebungsvollen Dienst an dir verwirklicht.
Kumārikākhaṇḍa 4.10
- śrīmataṃ paścimāmnāyaṃ mūlānvayakramāgatam |
rajamaṇḍalanirmuktaṃ jātipraṇavavarjitam ||
Es ist das Śrīmata, die westliche Überlieferung, weitergegeben in der Folge der ursprünglichen Linie: frei vom Bereich des Rajas und ohne die Jāti-Laute und den Praṇava.
Kumārikākhaṇḍa 4.11
- sasphuraṃ kaulikāmnāyaṃ gurvāmnāyaṃ kramaṃ vada |
ūcurevaṃ mahāvāṇīṃ tejaliṅgāntavāsinī ||
Lehre mich diese pulsierende Kaulika-Überlieferung, die Überlieferung der Gurus und ihre Folge. Da sprach die im Innern des leuchtenden Liṅga wohnende Göttin gewaltige Worte,
Kumārikākhaṇḍa 4.12
- tīvrājñādhiṣṭhitā devī śrutvā devagirāṃ śubhām |
śrīvakrā uvāca
yadetat paścimaṃ mārgaṃ śrīkramaṃ guṇavattamam ||
von einer machtvollen Ājñā erfüllt, nachdem sie die glückverheißenden Worte des Gottes gehört hatte. — Dieser westliche Weg ist der Śrīkrama, die vorzüglichste Überlieferungsfolge.
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 4.13
- ālayaṃ sarvasiddhānāṃ saviśeṣaṃ tu śāmbhavam |
āveśakārakaṃ śambho smaraṇādapi siṃhakam ||
Er ist die Wohnstatt aller Siddhas und gehört mit seinen besonderen Gliederungen Śambhu. O Śambhu, er ist die Löwenfolge, die schon durch bloßes Gedenken das Ergriffenwerden durch die Gottheit bewirkt.
Kumārikākhaṇḍa 4.14
- daśasaptakramā jyeṣṭhā guruśiṣyakrameṇa tu |
teṣāmājñāprasādena asmākaṃ ca samāgatā ||
Jyeṣṭhā, die Älteste mit ihrer Folge von siebzehn, ist durch die Reihe von Gurus und Schülern herabgekommen. Durch die Gnade ihrer Ājñā ist sie auch zu uns gelangt.
Kumārikākhaṇḍa 4.15
- tvaṃ hi teṣāṃ kathaṃ deva śiṣyatve saṃbhaviṣyasi |
jyeṣṭhājñollaṅghanād deva ājñāyāstamanaṃ bhavet ||
Wie wirst du, o Gott, ihr Schüler werden? Wird die Ājñā der Ältesten übertreten, o Gott, so geht die Ājñā unter.
Kumārikākhaṇḍa 4.16
- ājñāhīnaḥ śocanīyo gotrabāhyo vidhīyate |
tvaṃ prabhuḥ sarvadevānāṃ na dṛṣṭaṃ me tavādhikam ||
Wer ohne Ājñā ist, ist zu beklagen und gilt als außerhalb der Überlieferungssippe stehend. Du bist der Herr aller Götter; ich habe niemanden gesehen, der über dir steht.
Kumārikākhaṇḍa 4.17
- gurutve'haṃ kathaṃ tasmād bhavāmi tava vigrahe |
śrīkaṇṭha uvāca
pāramparyakrameṇāpi ājñā sphurati kaulinī ||
Wie also kann ich dein Guru sein, wenn ich in deiner eigenen Gestalt wohne? — Auch durch die Reihe der Überlieferung erstrahlt die Ājñā als Kaulinī.
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Śrīkaṇṭha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 4.18
- yadi dṛṣṭaṃ padārthaṃ tu ko doṣo vidyate kule |
sāramekaṃ kule kaule teṣāṃ śiṣyamahaṃ punaḥ ||
Ist die Wirklichkeit geschaut, welcher Mangel könnte dann im Kula bestehen? In Kula und Kaula ist nur ein Wesen; daher bin ich wiederum ihr Schüler.
Kumārikākhaṇḍa 4.19
- yā sthitā ughamārge'smin jyeṣṭhānukramayogataḥ |
nāhaṃ jyeṣṭhākule devi evaṃ kuruṣva nugraham ||
Jene, die auf diesem Weg des Überlieferungsstroms gemäß der Rangfolge der Ältesten steht, bist du, o Göttin; ich bin es nicht im Kula der Ältesten. So gewähre mir Gnade!
Kumārikākhaṇḍa 4.20
- tvaṃ trātā gururme śrīmān pūjyāmi tvāṃ trimadhyataḥ |
atra doṣaṃ na paśyāmi gurorājñā svayaṃprabhā ||
Du bist meine Retterin, mein erhabener Guru. Ich verehre dich in der Mitte der Drei. Darin sehe ich keinen Fehler: Die Ājñā des Gurus leuchtet aus sich selbst.
Kumārikākhaṇḍa 4.21
- mantro vidyā parāmudrā yoginī kuladevatā |
ājñā pañcavidhā śaktiḥ liṅgayonyāṃ vyavasthitā ||
Mantra, Vidyā, höchste Mudrā, Yoginī und Kula-Gottheit: Die Ājñā ist diese fünffache Kraft und ruht in Liṅga und Schoß.
Kumārikākhaṇḍa 4.22
- tatrodare jagat sarvaṃ kramaṃ cāpi mahākramam |
tat praviśya mahādevi ājñārthī iha janmani ||
In ihrem Innern ist das ganze All, die Überlieferungsfolge und die große Überlieferungsfolge. Tritt dort ein, o große Göttin; ich verlange noch in diesem Leben nach der Ājñā.
Kumārikākhaṇḍa 4.23
- dada me parame ambe bhaktyā jñānaṃ mahākramam |
śiṣye bhaktirgurorājñā saṃprāptirubhayoryadā ||
Gib mir, höchste Mutter, um meiner Hingabe willen das Wissen der großen Überlieferungsfolge. Wenn beides zusammenkommt — Hingabe im Schüler und die Ājñā des Gurus —,
Kumārikākhaṇḍa 4.24
- tadāsau kaulikī ājñā avatāraṃ prakurvati |
tasyāśramamidaṃ liṅgaṃ tvacchaktikulavigraham ||
dann steigt diese Kaulika-Ājñā in die Welt herab. Ihre Wohnstatt ist dieses Liṅga, dessen Gestalt die Gemeinschaft deiner Kräfte ist.
Kumārikākhaṇḍa 4.25
- pāramparyakramāmnāye adhikāraṃ kramāgatam |
ājñāliṅgaṃ mahāsiddhaṃ vikalpamohavarjitam ||
Die geistige Befugnis, die in der Lehrerfolge durch die Überlieferung weitergegeben wird, ist das Liṅga der Ājñā: von großer Vollendung, frei von gedanklicher Unterscheidung und Verblendung.
Kumārikākhaṇḍa 4.26
- tasya śāstraṃ ca tantraṃ ca lakṣapādādhikaṃ tvidaṃ |
upasanno mahādevi dehyanujñāṃ ramāṃ prati ||
Seine Lehrschrift und sein Tantra sind dieses Werk, das hunderttausend um ein Viertel übersteigt. O große Göttin, ich bin dir nahegetreten; erlaube mir das Liebesspiel.
Kumārikākhaṇḍa 4.27
- ahaṃ nivedito devi mattulyo nāsti kaścana |
niveditaṃ tvayā bhadre śaraṇāgatavatsale ||
Mir wurde kundgetan, o Göttin: Niemand ist mir gleich. Du hast es verkündet, du Gütige, die den Zufluchtsuchenden liebevoll zugewandt ist.
Kumārikākhaṇḍa 4.28
- gṛhāvatārasakalaṃ merorupari mūrdhani |
kalau martyāvatāraṃ tu svaśiṣyāya nivedayet ||
Du hast die gesamte Herabkunft des Hauses auf den Gipfel des Meru am Haupt verkündet. Die menschliche Herabkunft im Kali-Zeitalter soll man dem eigenen Schüler mitteilen.
Kumārikākhaṇḍa 4.29
- yāgakāle siddhidaṃ syāt pūjitaṃ varadaṃ bhavet |
tarpitaṃ dīkṣitaṃ sarvaṃ avatāraṃ prakurvati ||
Zur Zeit des Opfers schenkt sie Vollendung, und verehrt gewährt sie Gaben. Wenn alle mit Opfergaben erfreut und eingeweiht sind, vollzieht sie ihre Herabkunft.
Kumārikākhaṇḍa 4.30
- anyāyopārjitaṃ cāpi niṣphalaṃ tu bhaviṣyati |
ājñābhaṅgakaraṃ tasya udvegaṃ tu dine dine ||
Was jedoch unrechtmäßig erworben wird, bleibt fruchtlos. Es bewirkt den Bruch der Ājñā und verursacht ihm Tag für Tag Unruhe.
Kumārikākhaṇḍa 4.31
- gṛhayāgaṃ purā kṛtvā paścāt saṃgrāhyaṃ tad gṛham |
śrīkaṇṭha uvāca
tataḥ stavena divyena devenānandabhṛdgirā ||
Zuerst soll man das Hausopfer vollziehen und danach jenes Haus wieder aufnehmen. — Darauf begann der Gott mit göttlichem Lob und einer von Wonne getragenen Stimme
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Śrīkaṇṭha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 4.32
- divyaṃ stotraṃ samārabdhaṃ aśeṣārthaprabodhakam |
mathitvā tu paraṃ tattvaṃ tenedaṃ mālinīstavam ||
einen göttlichen Hymnus, der den gesamten Sinn erhellt. Nachdem er die höchste Wirklichkeit durchdrungen hatte, verfasste er diesen Mālinī-Lobpreis,
Kumārikākhaṇḍa 4.33
- sabījaṃ daṇḍakaṃ bhaktyā racitaṃ tatra paścime |
tasya sā devatāvāṇī ādeśena mahaughavān ||
hingebungsvoll als Daṇḍaka mit Keimsilben dort in der westlichen Überlieferung. Es ist seine Rede der Gottheit, durch die Weisung von einem großen Überlieferungsstrom erfüllt.
Kumārikākhaṇḍa 4.34
- tayā sārdhaṃ bhavatyevaṃ mālinīkulavigraham |
yuktaṃ dvādaśabhirbhedairmūrtirājñāvalokitam ||
Zusammen mit dieser Rede tritt so die Gestalt des Mālinīkula hervor: mit zwölf Gliederungen verbunden und vom Blick der Ājñā der göttlichen Gestalt erfasst.
Kumārikākhaṇḍa 4.35
- tataḥ stavena mahatā nātha ājñāṃ labhiṣyati |
upasannastadā yogī śrīkaṇṭhājñāmanugrahe ||
Durch diesen großen Lobpreis wird der Herr die Ājñā erlangen. Da trat der Yogī Śrīkaṇṭha hingebungsvoll heran, um mit der Ājñā begnadet zu werden.
Kumārikākhaṇḍa 4.36
- īdṛganupradānena vākpuṣpaiḥ stutipūrvakaiḥ |
prāṇāyāmādibhiryajñairdivyavarṣaśataṃ tapaḥ ||
Mit solchen Gaben, mit Blüten der Rede, denen Lobpreis voranging, und mit Opfern wie der Atemlenkung übte er hundert göttliche Jahre Askese.
Kumārikākhaṇḍa 4.37
- ekānuṣṭhānamanasā prastutastutipūrvakaiḥ |
stunoti vividhaiḥ stotrairdevo bhuvanamālinīm ||
Sein Geist war allein auf die Verehrung gerichtet. Mit mannigfaltigen Hymnen und einleitendem Lob preist der Gott Bhuvanamālinī, die die Welten als Girlande trägt.
Kumārikākhaṇḍa 4.38
- jaya tvaṃ mālinīdevi nirmale malanāśini |
jñānaśaktiḥ prabhurdevi buddhistvaṃ tejavardhanī ||
Sei siegreich, Göttin Mālinī, du Reine, die den Makel vernichtet! Du bist die Kraft des Wissens, die Herrin, o Göttin; du bist die Vernunft und mehrst das strahlende Licht.
Kumārikākhaṇḍa 4.39
- jananī sarvabhūtānāṃ saṃsāre'smin vyavasthitā |
mātā vīrāvalī devī kāruṇyaṃ kuru vatsale ||
Du bist die Mutter aller Wesen, die in diesem Daseinskreislauf weilt, die Mutter, die Göttin Vīrāvalī. Erweise Mitgefühl, du Liebevolle!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (1)
- aim̐ jayati paramatattvanirvāṇasaṃbhūtatejomayī |
Aim̐! Sie ist siegreich, die aus strahlender Kraft besteht, hervorgegangen aus dem Nirvāṇa der höchsten Wirklichkeit.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (2)
- īm̐ niḥsṛtā vyaktarūpā parā jñānaśaktistvamicchā kriyā |
Īm̐! Hervorgetreten in offenbarter Gestalt bist du Parā, die Höchste; du bist die Kraft des Wissens, du bist Wille und Handeln.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (3)
- oṃ ṛjvirekhā punaḥ suptanāgendravatkuṇḍalākārarūpā prabhurnādaśaktistvaṃ saṃgīyase |
Oṃ! Du bist die gerade Linie und dann die ringförmige Gestalt, gewunden wie der schlafende König der Schlangen. Als Herrin, als Kraft des Klanges, wirst du besungen.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (4)
- hām̐ bhāsurākārarūpā surūpā śivā jyeṣṭhanāmā ca vāmātha raudrī anākhyāmbikā bindurūpāvadhūtārdhacandrākṛtistvaṃ trikoṇā ekāra – aikāra – īkāra – aṃkārasaṃyojitaikatra yat tattvamāpadyate |
Hām̐! Deine Gestalt leuchtet und ist schön. Du bist Śivā, Jyeṣṭhā, Vāmā und Raudrī, die namenlose Ambikā. Du hast die Gestalt des Punktes, bist Avadhūtā, die Ungebundene, und hast die Form des Halbmondes. Du bist das Dreieck, das, an einem Ort mit E, Ai, Ī und Aṃ vereint, jene Wirklichkeit erreicht.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (5)
- aim̐ vyutkrameṇotthitā tatsvarūpā bhagākārāvasthāyinī |
Aim̐! Von dieser Wesensgestalt bist du in umgekehrter Folge hervorgetreten und verweilst in der Form des Schoßes.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (6)
- aṃ aḥ āditattvodbhavā |
Aṃ, aḥ! Du bist aus der ursprünglichen Wirklichkeit hervorgegangen.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (7)
- hrīm̐ ādikṣāntayonisvarūpā ca śrīkaṇṭhasaṃmohinī |
Hrīm̐! Du bist der Ursprung der Laute von A bis Kṣa und diejenige, die Śrīkaṇṭha bezaubert.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (8)
- phrem̐ rudramātā tathānantaśaktiḥ susūkṣmā trimūrtyāmareśārghinī |
Phrem̐! Du bist Rudras Mutter, ebenso die Kraft Anantas, die überaus feine Susūkṣmā, die dreigestaltige Trimūrti, Amareśā, die Herrin der Unsterblichen, und Arghinī, die die Willkommensgabe darbringt.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (9)
- hakāraukāra ekatra saṃbodhanī bindusvarūpiṇī |
In Ha und Au gemeinsam bist du die Erweckende, deren eigene Gestalt der Punkt ist.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (10)
- krām̐ ha – ra – īkārabindvaṅkitā yoginī siddhayogeśvarī |
Krām̐! Mit Ha, Ra, Ī und dem Punkt bezeichnet bist du die Yoginī Siddhayogeśvarī, die Herrin des vollendeten Yoga.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (11)
- hraum̐ yogamāyātattvā bhārabhūtiḥ |
Hraum̐! Du bist die Wirklichkeit der Yogamāyā, Bhārabhūti.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (12)
- hrīm̐ tithīśātmikā |
Hrīm̐! Du bist von Tithīśas Wesen.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (13)
- kām̐ sthāṇubhūtā harākhyā ca jhaṇṭīśabhautīśasadyātmikānugraheśārcitā |
Kām̐! Du bist als Sthāṇu gegenwärtig und heißt Harā; Jhaṇṭīśa, Bhautīśa, Sadyātmika und Anugraheśa verehren dich.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (14)
- hrūaum̐ krūradehānugā tvaṃ mahāsenasaṃbhoginī |
Hrūaum̐! Du folgst dem, dessen Leib Krūra ist, und genießt die Liebesvereinigung mit Mahāsena.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (15)
- hsrūaum̐ ṣoḍaśāntāmṛtā bindusaṃdohinī śāmbhavī śvetaniṣyandadehaplutā
Hsrūaum̐! Du bist der Nektar am Ende der Sechzehn, die den Punkt milkt, Śāmbhavī; dein Leib ist von weißem Ausfluss durchtränkt.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (16)
- aim̐ aśeṣasamyakparānandanirvāṇasaukhyaprade |
Aim̐! Du schenkst restlos das vollkommene Glück des Nirvāṇa, die höchste Wonne!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (17)
- hrīm̐ devi bhairavi |
Hrīm̐! O Göttin Bhairavī!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (18)
- hsrīm̐ bhairavodyānakrīḍānusakte pare |
Hsrīm̐! O Höchste, dem Spiel in Bhairavas Garten hingegeben!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (19)
- saḥ parāmālini malayāvali |
Saḥ! O höchste Mālinī, du Malaya-Gebirgskette!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (20)
- sauḥ tribhuvanāvali |
Sauḥ! O Folge der drei Welten!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (21)
- vlūm̐ bhaganāyaki |
Vlūm̐! O Herrin des Schoßes!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (22)
- īm̐ bhageśvari |
Īm̐! O Göttin des Schoßes!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (23)
- ghuḥ ghore |
Ghuḥ! O Furchtbare!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (24)
- thaḥ thaghore |
Thaḥ! O Thaghorā!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (25)
- hrīm̐ paramaghore |
Hrīm̐! O höchst Furchtbare!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (26)
- phrem̐ amoghe |
Phrem̐! O Unfehlbare!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (27)
- khphrem̐ paramakulayogeśvari |
Khphrem̐! O Herrin des höchsten Kula-Yoga!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (28)
- hrem̐ mātṛcakreśvari |
Hrem̐! O Herrin des Kreises der Mütter!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (29)
- ḍmryūm̐ ḍām̐ ḍākini |
Ḍmryūm̐, ḍām̐! O Ḍākinī!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (30)
- rmryūm̐ rām̐ rākini |
Rmryūm̐, rām̐! O Rākinī!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (31)
- lmryūm̐ lām̐ lākini |
Lmryūm̐, lām̐! O Lākinī!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (32)
- kmryūm̐ kām̐ kākini |
Kmryūm̐, kām̐! O Kākinī!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (33)
- smryūm̐ sām̐ sākini |
Smryūm̐, sām̐! O Sākinī!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (34)
- hmryūm̐ hām̐ hākini | |
Hmryūm̐, hām̐! O Hākinī!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (35)
- ymryūm̐ yām̐ yākini |
Ymryūm̐, yām̐! O Yākinī!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (36)
- ḍaralakasahamryūm̐ phetkāragambhīraghoreśvari |
Ḍaralakasahamryūm̐! O Herrin, tief und furchterregend durch deinen Phet-Ruf!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (37)
- jum̐ trailokyamahāntārike |
Jum̐! O große Retterin der drei Welten!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (38)
- tām̐ tāriṇi |
Tām̐! O Tāriṇī, die hinüberführt!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (39)
- khakhaphrem̐ kha ākāśaliṅgoditamahāmātṛśākini |
Khakhaphrem̐! Im leeren Raum, aus dem Liṅga des Raumes hervorgetretene große Mutter Śākinī!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (40)
- rum̐ rudramālārcite |
Rum̐! O du, die als Rudras Girlande verehrt wird!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (41)
- rum̐ rudraśaktiḥ khage |
Rum̐! Du bist Rudras Kraft, o Himmelswandlerin!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (42)
- raum̐ rudrayogeśvari |
Raum̐! O Herrin von Rudras Yoga!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (43)
- hraḥ rudrasiddhyāruhe |
Hraḥ! O du, die auf Rudras Vollendung emporsteigt!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (44)
- he he hā hā hasa hasa hām̐ hāsyahāsini |
He, he! Hā, hā! Lache, lache! Hām̐! O du, die über das Lachhafte lacht!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (45)
- ruaum̐ rudracāmuṇḍe |
Ruaum̐! O Rudracāmuṇḍā!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (46)
- vlūm̐ ugre |
Vlūm̐! O Furchtbare!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (47)
- ūm̐ ugrogranāyaki |
Ūm̐! O Herrin der Furchtbarsten unter den Furchtbaren!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (48)
- aim̐ samastamantratejomaye |
Aim̐! O du, die aus dem strahlenden Licht sämtlicher Mantras besteht!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (49)
- khphrem̐ jñānavijñānagambhīracinnāthamānotsuke |
Khphrem̐! O du, die nach der Ehre des Herrn des Bewusstseins verlangt, der durch Wissen und erkennendes Bewusstsein unergründlich ist!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (50)
- ām̐ anekayugasañcitacarcitacaraṇe |
Ām̐! O du, deren Wandel durch viele Weltalter angesammelt und betrachtet wurde!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (51)
- nām̐ nānākārarūpe |
Nām̐! O du mit mannigfaltigen Gestalten!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (52)
- drām̐ devi subhage |
Drām̐! O Göttin, du Schöne und Glückverheißende!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (53)
- klīm̐ klinne |
Klīm̐! O Feuchte!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (54)
- klīm̐ kāminī |
Klīm̐! O Leidenschaftliche!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (55)
- kām̐ kāmarājeśvari |
Kām̐! O Herrin des Königs der Liebe!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (56)
- kṣaḥ sarvagrahāṇāṃ tāḍani |
Kṣaḥ! O du, die alle Grahas schlägt!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (57)
- hsrūaum̐ merunāyaki |
Hsrūaum̐! O Herrin des Meru!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (58)
- hsaḥ brahmacāriṇi |
Hsaḥ! O du, die in Enthaltsamkeit lebt!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (59)
- kṣmaḥ avadhūte |
Kṣmaḥ! O Avadhūtā, du Ungebundene!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (60)
- śrīm̐ śrīmāndevi varaprade |
Śrīm̐! O erhabene Göttin, Spenderin der Gaben!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (61)
- kum̐ sudīptakanakākāre |
Kum̐! O du, deren Gestalt hell leuchtendem Gold gleicht!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (62)
- hrīm̐ paramakulayogeśvari |
Hrīm̐! O Herrin des höchsten Kula-Yoga!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (63)
- sraḥ siddhamāte vibhuḥ śabdarāśīti yonyārṇave |
Sraḥ! O Mutter der Siddhas, du Alldurchdringende, im Ozean des Schoßes „Gesamtheit der Laute“ genannt!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (64)
- hūm̐ ārṇave |
Hūm̐! O du Ozeangleiche!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (65)
- vām̐ vāgviśuddhā śivā siddhavāgeśvari |
Vām̐! Du bist die reine Rede, Śivā, die vollendete Herrin der Sprache!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (66)
- mām̐ mātṛkā tvamicchā kriyā maṅgalā siddhalakṣmī vibhūtiḥ subhūtirmatiḥ śāśvatākhyā parākhyeti nārāyaṇī |
Mām̐! Du bist Mātṛkā, die kleine Mutter, Wille und Handeln, Maṅgalā, die Glückverheißende, Siddhalakṣmī, Vibhūti, Subhūti und Mati, die Einsicht. Du heißt die Ewige und die Höchste und bist Nārāyaṇī!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (67)
- ūm̐ devi cintāmaṇi cintāhlādakāriṇi |
Ūm̐! O Göttin, Wunschjuwel, die du die Gedanken erfreust!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (68)
- chām̐ cittajñānaprabodhani |
Chām̐! O du, die das Wissen im Geist erweckt!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (69)
- hūm̐ siddhabalaparākrame |
Hūm̐! O du, die die Tatkraft vollendeter Stärke ist!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (70)
- hūm̐ paramavicceśvari |
Hūm̐! O höchste Vicceśvarī!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (71)
- khaḥ susūkṣme |
Khaḥ! O überaus Feine!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (72)
- vom̐ vīramāte |
Vom̐! O Mutter der Helden!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (73)
- am̐ ame |
Am̐! O Amā, du Neumondgöttin!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (74)
- ām̐ devagandharvasiddhāsuramāte |
Ām̐! O Mutter der Götter, Gandharvas, Siddhas und Asuras!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (75)
- hūm̐ rakṣa rakṣa |
Hūm̐! Schütze, schütze!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (76)
- rām̐ suraktāvali |
Rām̐! O Schar der von Leidenschaft Erfüllten!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (77)
- haum̐ sarvavarṇavibhūṣitāvali |
Haum̐! O Reihe, geschmückt mit allen Farben!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (78)
- hrīm̐ raktacaṇḍā karālekṣaṇā |
Hrīm̐! Du bist Raktacaṇḍā, die rote Wilde mit furchtbarem Blick!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (79)
- bhām̐ bhīmarūpā |
Bhām̐! Du hast eine furchterregende Gestalt!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (80)
- hyam̐ iha saṃvīkṣya |
Hyam̐! Blicke hierher!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (81)
- yam̐ saṃvīkṣya |
Yam̐! Blicke her!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (82)
- yaḥ ham̐ truṭilavanimiṣārdhamātrātisūkṣmātisūkṣme |
Yaḥ, ham̐! O du, überaus fein, feiner als das bloße halbe Augenzwinkern eines winzigen Zeitbruchteils!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (83)
- hām̐ hām̐ tāraya tāraya |
Hām̐, hām̐! Führe hinüber, führe hinüber!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (84)
- glūm̐ devi sarvagatamāte |
Glūm̐! O Göttin, allgegenwärtige Mutter!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (85)
- ṛm̐ mahocchuṣmayogapriye |
Ṛm̐! O du, die die Vereinigung mit Mahocchuṣma liebt!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (86)
- haum̐ tvaṃ jayā tvaṃ vijayā jayantyā tvaṃ cāparājitā rudraśaktirmahāmohamāyā parā |
Haum̐! Du bist Jayā, du bist Vijayā, du bist Jayantyā und Aparājitā. Du bist Rudras Kraft, die Māyā der großen Verblendung und Parā, die Höchste!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (87)
- hrīm̐ raudrabalāvali |
Hrīm̐! O Reihe von Rudras Kräften!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (88)
- haim̐ rudrasaṃmohani |
Haim̐! O du, die Rudra bezaubert!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (89)
- shkṣmlvryūm̐ tvaṃ navātmānandadevasya cotsaṅgayānāśritā mantramārgānugairmātṛbhirvīrapānānuraktaiḥ subhaktaiśca saṃpūjyase |
Shkṣmlvryūm̐! Du ruhst auf dem Weg der Umarmung des Gottes, der die Wonne Navātmans ist. Verehrt wirst du von den Müttern, die dem Mantra-Weg folgen, dem Heldentrank zugetan und voller guter Hingabe sind.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (90)
- gspmnlūm̐ devi pañcāmṛtairdivyapānotsavaiḥ pūjyase |
Gspmnlūm̐! O Göttin, du wirst mit den fünf Nektaren und mit Festen göttlichen Trinkens verehrt!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (91)
- aṃ aḥ ha he aim̐ haum̐ ekajanmadvijanmatrijanmacatuḥpañcaṣaṭsaptajanmodbhavaistaistairnāraiḥ śubhaiḥ phalguṣaistarpyase |
Aṃ, aḥ, ha, he, aim̐, haum̐! Du wirst mit glückverheißendem Menschenfleisch gesättigt, das aus einer, zwei, drei, vier, fünf, sechs und sieben Geburten stammt.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (92)
- svaum̐ aliphalgupriye |
Svaum̐! O du, die Fleisch und Wein liebt!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (93)
- mlūm̐ mantravidyāvratodbhāsini muṇḍakaṅkālakāpālibhirdivyacaryānurūḍhaiḥ (saṃpūjyase) |
Mlūm̐! Du erhellst Mantra, Vidyā und Gelübde; von kahlköpfigen, mit Skeletten verbundenen Schädelträgern, die der göttlichen Lebensweise hingegeben sind, (wirst du verehrt).
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (94)
- saum̐ vaḥ svarūpe |
Saum̐, vaḥ! O eigene Wesensgestalt!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (95)
- kām̐ muṇḍadhāriṇi |
Kām̐! O Trägerin des abgeschlagenen Hauptes!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (96)
- rūḥ rūḥ ru ru khaṭvāṅgadhāriṇi |
Rūḥ, rūḥ, ru, ru! O Trägerin des Khaṭvāṅga-Stabes!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (97)
- klīm̐ trailokyakṣobhakāriṇi |
Klīm̐! O du, die die drei Welten erregt!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (98)
- klūm̐ kaulamātaṅgini |
Klūm̐! O Kaulamātaṅginī!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (99)
- klūḥ nāgayajñopavītamekhalāvadhūte |
Klūḥ! O Avadhūtā, deren heilige Schnur und Gürtel Schlangen sind!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (100)
- ām̐ paramānandadāyini |
Ām̐! O Spenderin höchster Wonne!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (101)
- aim̐ oṃkāra–namaḥ–svāhā–svadhākāra–vauṣaḍ–vaṣaṭkāra–hūm̐phaṭkārajātibhiretaiśca mantrākṣaroccārottīrṇapūrṇā saṃpūjyase |
Aim̐! Mit diesen Jāti-Lauten — Oṃ, Namaḥ, Svāhā, Svadhā, Vauṣaṭ, Vaṣaṭ, Hūm̐ und Phaṭ — wirst du verehrt, wenn die Mantra-Laute ausgesprochen werden: du, die darüber hinausgegangen und vollkommen ist!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (102)
- tham̐ dvātriṃśaparamabhairavi ubhayapañcakasaṃpuṭasthe |
Tham̐! O höchste Bhairavī der Zweiunddreißig, die du in der Umhüllung beider Fünfergruppen weilst!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (103)
- vām̐ vāgbījāvalistvaṃ ca catvāriṃśativarṇadvayādhikā kīrtyase hsrūaum̐ vāmahastasthitākṣasūtrāvalījāpibhiḥ sādhakaiḥ putrakairmātṛbhirmaṇḍale dīkṣitairyogibhiryoginīvṛndamelāpakaiḥ |
Vām̐! Du bist die Reihe der Keime der Rede und wirst als die aus vierzig und zwei Lauten Bestehende gepriesen. Hsrūaum̐! Die Sādhakas rezitieren mit der Gebetskette in der linken Hand; Putrakas und Mütter, im Mandala eingeweihte Yogīs und Teilnehmer an Begegnungen mit Yoginī-Scharen preisen dich.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (104)
- hsaum̐ saṃvartamaṇḍalāntāvasthite anugrahāvalokini |
Hsaum̐! O du, die im Innern des Saṃvarta-Mandalas weilt und mit Gnade blickt!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (105)
- khphrem̐ khecakranāyaki |
Khphrem̐! O Herrin des Rades im leeren Raum!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (106)
- ṛm̐ ṝm̐ om̐ aum̐ cakramelāpakāriṇi |
Ṛm̐, ṝm̐, om̐, aum̐! O du, die das Zusammentreffen des Kreises bewirkt!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (107)
- kṣlūm̐ rudrakrīḍālasaiḥ pūjyase |
Kṣlūm̐! Du wirst von denen verehrt, die Rudras Spiel genießen!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (108)
- bhṝm̐ bhṛkuṭī karālabhairavi bhairavapriye |
Bhṝm̐! O Bhṛkuṭī, furchtbare Bhairavī, Geliebte Bhairavas!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (109)
- vrūm̐ vīravīrendravīravandite |
Vrūm̐! O du, die von Helden, von Herren der Helden und von Tapferen verehrt wird!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (110)
- bhaim̐ unmattakrīḍālase |
Bhaim̐! O du, die sich dem ekstatischen Spiel hingibt!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (111)
- yūm̐ yoginīnāṃ yogasiddhiprade |
Yūm̐! O du, die den Yoginīs Vollendung im Yoga schenkt!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (112)
- mlām̐ devi tvaṃ padmapatropamairlocanaiḥ snehapūrṇaistu yaṃ paśyase kham̐ tasya divyāntarikṣasthitā saptapātālasatkhecarīsiddhiravyāhatā vartate |
Mlām̐! O Göttin, wen du mit deinen lotusblattgleichen, liebevollen Augen ansiehst — kham̐! —, dem ist ungehindert die wahre Vollendung des Himmelswandelns zuteil, die sich im göttlichen Luftraum und in den sieben Unterwelten erstreckt.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (113)
- hūm̐ bhaktito yaḥ paṭhed mahādaṇḍakamekakālaṃ dvikālaṃ trikālaṃ śuciḥ saṃsmared yaḥ sadā mānavaḥ so'pi caurāgniśastrārṇave parvatāgre'pi saṃrakṣase
Hūm̐! Den reinen Menschen, der diesen großen Daṇḍaka aus Hingabe einmal, zweimal oder dreimal täglich liest und seiner stets gedenkt, beschützt du auch unter Dieben, in Feuer, unter Waffen, auf dem Meer und selbst auf einem Berggipfel.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (114)
- phem̐ phem̐ phem̐ devi putrānurāgānmahālakṣmi ye hemacaurānyadārānuraktāśca brahmaghnagoghnamahādoṣaduṣṭā vimucyanti saṃsmṛtya tvadīyaṃ mukhaṃ pūrṇacandrānukāri sphuraddivyamāṇikyasatkuṇḍalodghṛṣṭagaṇḍasthalam ye'pi baddhā dṛḍhairbandhanairnāgapāśairbhujapādārgalaiste'pi bandhād vimucyanti |
Phem̐, phem̐, phem̐! O Göttin, Mahālakṣmī, aus Liebe zu deinen Kindern werden selbst Golddiebe und jene, die nach den Frauen anderer verlangen, sowie die durch schwere Verfehlungen wie Brahmanen- und Kuhtötung Befleckten befreit, wenn sie dein Antlitz vergegenwärtigen. Es gleicht dem Vollmond; leuchtende göttliche Rubine und schöne Ohrringe berühren seine Wangen. Auch die mit festen Banden, Schlangenfesseln und Verschlüssen an Armen und Füßen Gebundenen werden aus ihrer Gefangenschaft befreit.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (115)
- phrem̐ grastā grahairye bahubhūtavetālarakṣasaiśca saṃpīḍitāste'pi te nāmasaṃkīrtanād devi mucyanti ghorairmahāvyādhibhiḥ saṃsmṛtya pādāravindadvayaṃ te |
Phrem̐! Die von Grahas Ergriffenen und von zahlreichen Geistern, Vetālas und Rākṣasas Bedrängten werden durch das Preisen deines Namens, o Göttin, befreit, auch von furchtbaren schweren Krankheiten, wenn sie deine beiden Lotusfüße vergegenwärtigen.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (116)
- hūm̐ mahākāli kālāgnitejaprabhe |
Hūm̐! O Mahākālī, Licht der strahlenden Kraft des Zeitfeuers!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (117)
- kaḥ skandagovindabrahmendracandrārkapuṣpāyudhairmaulimālālisatpadmakiñjalkasatpiñjaraiḥ śobhase |
Kaḥ! Du erstrahlst durch Skanda, Govinda, Brahmendra, Mond, Sonne und den Blumenbewaffneten, durch die Girlande auf deinem Haupt mit Bienen und schönen goldgelben Lotusfäden.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (118)
- hsrūaum̐ karavīraśmaśānanāthāvali |
Hsrūaum̐! O Reihe der Nāthas des Verbrennungsplatzes Karavīra!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (119)
- glaum̐ guhāṭavīparvatodyānavanamaṇḍitakadambāmbike |
Glaum̐! O Mutter des Kadamba-Baums, geschmückt mit Höhlen, Wildnis, Bergen, Gärten und Wäldern!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (120)
- haskṣraim̐ karavīraguhāvāsini |
Haskṣraim̐! O Bewohnerin der Höhle von Karavīra!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (121)
- cchaum̐ caturdaśabhuvanodyānavāsini |
Cchaum̐! O Bewohnerin des Gartens der vierzehn Welten!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (122)
- kṛkarāṭ trailokyanirghoṣiṇi |
Kṛkarāṭ! O du, die die drei Welten ertönen lässt!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (123)
- ḍām̐ ḍām̐ ḍāmarāmbike |
Ḍām̐, ḍām̐! O Mutter Ḍāmarā!
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (124)
- jmrūphrum̐ hskhphrem̐ pādukākramaliṅgoditaśaktyante mahākāraṇaṃ śāmbhavaṃ padaṃ kādimaṇḍalaughamahājñānapustako'yaṃ tatra vīrāvalīśabdarāśiprabhābhāsvaram |
Jmrūphrum̐, hskhphrem̐! Am Ende der Kraft, die aus dem Liṅga der Überlieferung der Lehrersandalen hervorgeht, liegt die große Ursache, der Zustand Śambhus. Dies ist das Buch großen Wissens aus dem Strom des Kādi-Mandalas; dort leuchtet es hell im Licht Vīrāvalīs und der Gesamtheit der Laute.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (125)
- aim̐ hrīm̐ śrīm̐ khphrem̐ hsrūaum̐ divyaliṅgāsanaṃ maṇḍalotkṛṣṭanirvāṇayogāvalīśaktibhiḥ hkṣaum̐ śuddhasphaṭikasaṃkāśākāśaparamanirvāṇamahābāṇapañcakopetājñādhikāraparamaviśrāmabhūmikāsakalakalābhūtonmādamadanasaṃkramaṃ sāgamaṃ yoginīsiddhaṃ vanditaṃ satatābhinanditaṃ vidyāmnāyaughagadyapadyaiścatuṣpādābhidhyātasarvārthasaṃvitsaṃbodhaṃ saṃbudhyase sarvavīrāmbike |
Aim̐, hrīm̐, śrīm̐, khphrem̐, hsrūaum̐! Der Sitz des göttlichen Liṅga wird von den Kräften der Folge des erhabenen Nirvāṇa-Yoga im Mandala verehrt. Hkṣaum̐! Wie reiner Kristall ist der höchste Nirvāṇa-Raum; mit seinen fünf großen Pfeilen ist die geistige Befugnis der Ājñā ausgestattet. Ihre höchste Ebene der Ruhe besteht aus sämtlichen Kräften und ist die Übertragung ekstatischer Leidenschaft. Zusammen mit der Offenbarung ist sie durch die Yoginīs vollendet, verehrt und beständig gepriesen. O Mutter aller Helden, durch die Prosa und die Verse des Stroms der Vidyā-Überlieferung erweckst du das Erwachen zur Einsicht in den gesamten Sinn, der in den vier Teilen betrachtet wird.
Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (126)
- bhaim̐ bhaim̐ bhaim̐ bhairavi bhairavaste śaraṇāgato'haṃ ājñārthino'haṃ liṅgākāśabhairavi kṣamasvāparādhaṃ śive ume jaganmāte kālike kulakamalaguhāgahanavāsini mālinīstavanāt tubhyaṃ samayanandino'haṃ caraṇavandino'haṃ kāruṇyādanukampasva māmiti
Bhaim̐, bhaim̐, bhaim̐! O Bhairavī, ich bin Bhairava und habe bei dir Zuflucht gesucht. Ich verlange nach der Ājñā. O Bhairavī des Liṅga-Raumes, vergib mir mein Vergehen! O Śivā, Umā, Mutter der Welt, Kālikā, die du in der tiefen Höhle des Kula-Lotus wohnst! Mit dem Lobpreis Mālinīs wende ich mich an dich; deine überlieferte Ordnung ist meine Freude, deine Füße verehre ich. Erbarme dich meiner aus Mitgefühl! So lautet seine Bitte.
Kumārikākhaṇḍa 4.40
- mālinīstavarājaṃ tu ādināthāvatāritam | preryamāṇā mahāvāṇī ājñayānandapreritā ||
Der König des Mālinī-Lobpreises wurde von Ādinātha herabgebracht: die große Rede, von der Ājñā bewegt und von Wonne angetrieben.
Kumārikākhaṇḍa 4.41
- ājñāmanugrahārthāya adhikārārthahetunā | bālakramasya samaye kramāgre paṭhate tu yaḥ ||
Sie dient der Begnadung mit der Ājñā und dem Erlangen geistiger Befugnis. Wer sie gemäß der Ordnung der Kindesfolge vor der Überlieferungsfolge liest,
Kumārikākhaṇḍa 4.42
- kramāt siddhistadā tasya aṇimādiguṇāṣṭakam | ānandapadasaṃsparśo uccārādeva jāyate ||
dem erwächst aus dieser Folge Vollendung und dann die Gruppe der acht Fähigkeiten, beginnend mit Aṇimā. Schon durch das Aussprechen entsteht die Berührung mit dem Zustand der Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 4.43
- triṣkālamekakālaṃ vā ekacittaḥ samāhitaḥ | bījasaṃkhyādhikāreṇa divyāveśaḥ pravartate ||
Ob zu den drei Tageszeiten oder zu einer Tageszeit: Ist man gesammelt und auf eines ausgerichtet, so vollzieht sich durch die Befugnis der Betrachtung der Keimsilben das göttliche Ergriffenwerden.
Kumārikākhaṇḍa 4.44
- ājñāmanugrahaṃ dhanyaṃ vācāsiddhirna saṃśayaḥ | evaṃ krameṇa vai tasya mantrāmnāyamanekadhā ||
Die Begnadung mit der Ājñā ist segensreich; Vollendung der Rede entsteht, daran besteht kein Zweifel. So erschließt sich ihm nach und nach die mannigfaltige Mantra-Überlieferung.
Kumārikākhaṇḍa 4.45
- adṛṣṭavigrahe śānte paratattve gatiṃ labhet | ekadhā smaraṇāt sarvaṃ mantravidyākramaṃ labhet ||
Er gelangt in die höchste Wirklichkeit, friedvoll und von unsichtbarer Gestalt. Durch einmaliges Gedenken erlangt er die gesamte Folge von Mantras und Vidyās.
Kumārikākhaṇḍa 4.46
- dvidhā eva parijñānaṃ tridhā cāmbāpadaṃ labhet | gopayet paraśiṣyāṇāṃ pāramparyavivarjitām ||
Durch zweimaliges Gedenken erlangt er umfassendes Wissen, durch dreimaliges den Zustand der Mutter. Vor den Schülern anderer soll man dies verborgen halten, wenn ihnen die Überlieferungslinie fehlt.
Kumārikākhaṇḍa 4.47
- ahaṃkāre'dhirūḍhānāṃ dambhikānāṃ na dāpayet | evaṃ stutā mahādevī bhairavena mahātmanā ||
Denen, die sich im Ichgefühl überheben, und den Heuchlern soll man es nicht geben. Als die große Göttin so von dem großen Bhairava gepriesen worden war,
Kumārikākhaṇḍa 4.48
- tato liṅgaṃ vinirbhidya nirgatā parameśvarī | vadate siddhanāthasya liṅgasthā liṅgarūpiṇī ||
brach die höchste Herrin das Liṅga auf und trat hervor. Die im Liṅga Wohnende, deren Gestalt das Liṅga ist, sprach zu Siddhanātha:
Kumārikākhaṇḍa 4.49
- pūrvaprītivaśācchambho maitrībhāvena bhāvanāt | bhāvagrāhyaṃ kulaṃ kaulaṃ dadāmi tava niścayam ||
O Śambhu, um unserer früheren Liebe und deiner Vergegenwärtigung in Freundschaft willen gebe ich dir die Gewissheit über Kula und Kaula, die im Sein zu erfassen sind.
Kumārikākhaṇḍa 4.50
- manasā vacasā snehāt mahākaulikamādiśet | āmantrito yadā devyā tadā mitratvamāgataḥ ||
In Gedanken und Worten lehrte sie aus Zuneigung die große Kaula-Wirklichkeit. Als die Göttin ihn so ansprach, trat er in die Freundschaft ein.
Kumārikākhaṇḍa 4.51
- tenāyaṃ siddhanātho'tra vikhyāto mitrasaṃjñakaḥ | ādyārabhyātra madbhāge svāmitvaṃ tava kaulike ||
Darum ist dieser Siddhanātha hier unter dem Namen Mitra, Freund, bekannt. Von heute an liegt hier in meinem Bereich die Herrschaft bei dir, o Kaulikā!
Kumārikākhaṇḍa 4: unnummerierter Halbvers (half_stanza_after_51)
- bhavanājñādharo mantrī kaulīśaścādhikāriṇaḥ |
Auch Kaulīśa, der Mantrapraktizierende und Träger der Ājñā der Vergegenwärtigung, besitzt geistige Befugnis.
Kumārikākhaṇḍa 4: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike ādyapīṭhāvatārite vidyāpīṭhamārge vimalabhedottaraṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminimate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite mālinīstavarājādhikāro nāmānandaḥ ||
So endet das Kapitel mit dem Titel „Der König des Mālinī-Lobpreises“: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der nachfolgenden Sechs der reinen Abteilung, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 5
Kumārikākhaṇḍa 5: Kapitelkopf (heading)
- pañcamānandaḥ
Fünftes Kapitel.
Kumārikākhaṇḍa 5: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 5.1
- yadetat kaulikaṃ jñānaṃ kramamaṇḍaladhīpuram |
dātuṃ na vihitaṃ deva bhaktiste ratikāmataḥ ||
Dieses Kaula-Wissen, das Mandala der Überlieferungsfolge, die Wohnstatt der Einsicht, darf dir nicht gegeben werden, o Gott. Deine Hingabe entspringt dem Verlangen nach Liebesvereinigung.
Kumārikākhaṇḍa 5.2
- pūrvasnehavaśāt prītistena śiṣyaḥ kathaṃ mama |
guruśiṣyaviparyāsaṃ ayuktaṃ śūlapāṇine ||
Aus unserer früheren Zuneigung entsteht Liebe; wie kannst du dadurch mein Schüler sein? Für den Träger des Dreizacks ist es unpassend, Lehrer und Schüler miteinander zu vertauschen.
Kumārikākhaṇḍa 5.3
- kṛtenāpi ca deveśa upahāsaḥ pravartate |
anulomasya mārgasya vilomācca mahad bhayam ||
Selbst wenn man es tut, o Herr der Götter, entsteht Spott. Eine große Gefahr liegt darin, den vorwärts gerichteten Weg umzukehren.
Kumārikākhaṇḍa 5.4
- buddhihānirmanoglānirayuktācaraṇād bhavet |
yāvanna guruśiṣyatvaṃ kleśaṃ yāvanna dāsavat ||
Aus unangemessenem Verhalten entstehen Verlust der Einsicht und Ermattung des Geistes. Solange keine Lehrer-Schüler-Beziehung besteht und man sich nicht wie ein Diener müht,
Kumārikākhaṇḍa 5.5
- tāvat kulakrame siddhiḥ kuto bhavati mantriṇaḥ |
na śiṣyaṃ tvāṃ pravakṣyāmi na bhavāmi ahaṃ guruḥ ||
wie sollte der Mantrapraktizierende so in der Kula-Überlieferung Vollendung erlangen? Ich werde dich nicht meinen Schüler nennen; ich werde nicht dein Guru sein.
Kumārikākhaṇḍa 5.6
- itaḥ sūtrakramaṃ śambho dīyate tat kulakramam |
bhavān jñānī mahāvidvān śiṣyatve naiva sā sudhīḥ ||
Von hier, o Śambhu, wird die Folge der Lehrsätze, die Kula-Überlieferung, weitergegeben. Du bist wissend und ein großer Gelehrter; in der Stellung eines Schülers ist solche Einsicht nicht zu finden.
Kumārikākhaṇḍa 5.7
- śiṣye bhaktirgurorjñānaṃ saṃvittirubhayoryadā |
tadā sā jāyate dīkṣā anyathā ca viḍambikā ||
Wenn im Schüler Hingabe und im Guru Wissen ist und beide Erkenntnis besitzen, dann entsteht Einweihung. Andernfalls ist sie ein bloßes Schauspiel.
Kumārikākhaṇḍa 5: Sprecherzeile (speaker_before_8)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 5.8
- yat purāsīśca tvaṃ bhāryā asmyahaṃ pūrvamanmathaḥ |
ubhauprītivaśānande kāmasyānte yathā punaḥ ||
Einst warst du meine Gemahlin, und ich war dein Liebender. So wie wir beide durch unsere Liebe in der Wonne am Ende des Liebesgenusses wieder zueinanderkommen,
Kumārikākhaṇḍa 5.9
- tathā tvamanyadehī syāt ahaṃ martyaśarīriṇaḥ |
āvayoḥ parivartena saṃsārastacca kāmikam ||
so magst du eine andere leibliche Gestalt annehmen und ich einen sterblichen Körper. Durch unseren Wandel entsteht der Daseinskreislauf, der vom Begehren geprägt ist.
Kumārikākhaṇḍa 5.10
- tathā krameṇa śiṣyo'haṃ tvaṃ mātāmiti kalpitā naiva doṣakriyā cātra mantrasaṃketakaṃ tapaḥ ||
Ebenso bin ich in dieser Folge der Schüler, und du wirst als Mutter aufgefasst. Darin liegt kein Fehlverhalten: Es ist Askese gemäß der verbindlichen Mantra-Überlieferung.
Kumārikākhaṇḍa 5.11
- bhavatāmiti saṃprāpte tvaṃ ca siddhaḥ kulakrame |
evaṃ krameṇa śiṣyo'haṃ sthitaḥ pūrvasamuccaye ||
Wenn dies dir zuteilwird, bist du im Kulakrama vollendet. So bin ich in dieser Folge der Schüler, der in der ursprünglichen Zusammenfassung der Lehre steht.
Kumārikākhaṇḍa 5.12
- kramasyāgre maṇḍalasyāgre yuṣmadagre prasannadhīḥ |
parivartya svarūpeṇa tubhyaṃ mahyaṃ yathārthataḥ ||
Mit heiterem Geist stehe ich vor der Überlieferungsfolge, vor dem Mandala und vor dir. Unserem eigenen Wesen gemäß wechseln die Rollen zwischen dir und mir, wie es der Wirklichkeit entspricht.
Kumārikākhaṇḍa 5.13
- tathā me prītipūrveṇa kuru jñānaprakāśanam |
śiṣyo'haṃ tava kalyāṇi tvaṃ mātā me pratīkuru ||
So lass mir voller Zuneigung das Wissen aufleuchten. Ich bin dein Schüler, o Gütige, und du bist meine Mutter; hilf mir!
Kumārikākhaṇḍa 5.14
- evaṃ tu āvayoḥ prāptaṃ uttīrṇaṃ pūrvasaṃgraham |
tasmādanugrahārthāya snehena paśyase mama ||
So haben wir beide das frühere Überlieferungsgut erlangt und durchschritten. Darum blicke mich mit Liebe an, um mir Gnade zu erweisen.
Kumārikākhaṇḍa 5.15
- nāsti siddhiḥ kalau tantre caturthe tu mahāyuge |
siddhyanti niścayaṃ cātra śrīmaccandrapure gṛhe ||
Im Kali-Zeitalter, dem vierten großen Weltalter, gibt es im Tantra keine Vollendung. Hier aber, im erhabenen Haus der Mondstadt, erlangt man gewiss Vollendung.
Kumārikākhaṇḍa 5.16
- maṇḍale sāvadhāno'haṃ bhave janmani janmani |
evamājñākramaṃ brūhi saṃhitārthasamuccayam ||
Im Mandala bin ich in jeder Geburt dieses Daseins aufmerksam gegenwärtig. Verkünde daher die Folge der Ājñā, die Zusammenfassung des Sinnes der Saṃhitā.
Kumārikākhaṇḍa 5.17
- yena vijñānamātreṇa kampate dehapañjaram |
kaulikaṃ tu paraṃ jñānaṃ upadeśaṃ vadasva me ||
Schon durch das bloße Erkennen davon erzittert der Käfig des Leibes. Verkünde mir die Unterweisung, das höchste Kaula-Wissen!
Kumārikākhaṇḍa 5.18
- tvamekākāśaliṅgaṃ tu āsanaṃ pṛthivī tviyam |
carācaraṃ tvayi līnaṃ tena tvaṃ liṅgarūpiṇī ||
Du allein bist das Liṅga des Raumes, und diese Erde ist der Sitz. Alles Bewegliche und Unbewegliche ist in dir aufgegangen; darum hast du die Gestalt des Liṅga.
Kumārikākhaṇḍa 5.19
- tvaṃ mantrastvaṃ parā vidyā tvamājñā tvaṃ parāparā |
tvaṃ siddhistvaṃ ca śaktistvaṃ śaraṇāgatavatsale ||
Du bist Mantra, du bist die höchste Vidyā, du bist Ājñā und das Höchste und Nichthöchste. Du bist Vollendung, du bist Kraft, du Liebevolle gegenüber denen, die Zuflucht suchen!
Kumārikākhaṇḍa 5.20
- tvacchaktyā prerito'haṃ ca bhave janmani janmani |
ahaṃ dhanyatanurmartyo yastvayārādhane kṣamaḥ ||
Von deiner Kraft werde ich in jeder Geburt ins Dasein bewegt. Ich bin jener Sterbliche mit gesegnetem Leib, der durch dich zu deiner Verehrung fähig ist.
Kumārikākhaṇḍa 5.21
- viśeṣakramavijñānaṃ bhavet siddhipradaṃ matam |
siddhirūpāśramaikatvaṃ vinayenopagamyate ||
Das besondere Wissen der Überlieferungsfolge gilt als Vollendung schenkend. Durch Demut wird jene Einheit erreicht, die die Wohnstatt der Vollendung ist.
Kumārikākhaṇḍa 5.22
- tadeva tapayuktasya liṅgasya khecarasya ca |
vyaktāvyaktasya śuddhasya nādiphānte sthitasya ca ||
Dies ist die Einheit des Liṅga, das mit Askese verbunden ist und im leeren Raum wandelt: rein, offenbar und unoffenbar, in der Lautfolge von Na bis Pha gegenwärtig.
Kumārikākhaṇḍa 5.23
- siṃhasaṃketadehasya mālinīkramamadhyataḥ |
mayā niveditātmānaṃ sāṣṭāṅgagatipūrvakam ||
Sein Leib ist die Löwen-Konvention inmitten der Mālinī-Folge. Dieses Selbst habe ich kundgetan, nachdem ich mich mit acht Gliedern niedergeworfen hatte.
Kumārikākhaṇḍa 5.24
- etad bhaktyāśramaṃ cātra devi tubhyaṃ niveditam |
śiṣyatvena na saṃdeho na tvatparataraṃ dhanam ||
Dies ist hier die Wohnstatt der Hingabe, o Göttin, die ich dir im Verhältnis der Schülerschaft dargelegt habe. Daran besteht kein Zweifel; es gibt keinen größeren Schatz als dich.
Kumārikākhaṇḍa 5.25
- siddhyase nātra saṃdeho bhaktaścājñāṃ labhet sphuṭam |
śiṣye bhaktirgurorjñānaṃ ājñālabdhaṃ kulāgamam ||
Du wirst verwirklicht, daran ist kein Zweifel; der Hingebungsvolle erlangt die Ājñā deutlich. Hingabe liegt im Schüler, Wissen im Guru; durch die Ājñā wird die Kula-Offenbarung erlangt.
Kumārikākhaṇḍa 5.26
- mudrā jñānaśalākā yā bhaktiyukte pravartate |
prasannā bhava deveśi darśanaṃ dehi sāmpratam ||
Jene Mudrā, der Stift des Wissens, wirkt in dem von Hingabe Erfüllten. Sei gnädig, Herrin der Götter, und gewähre mir jetzt deinen Anblick!
Kumārikākhaṇḍa 5.27
- śarīraṃ na mayā dṛṣṭaṃ liṅgaṃ dṛśyati kevalam |
śuddhahemamayaṃ divyaṃ bhramate agnidīpavat ||
Deinen Leib habe ich nicht gesehen; nur das Liṅga ist sichtbar. Göttlich und aus reinem Gold wirbelt es wie eine Feuerflamme.
Kumārikākhaṇḍa 5.28
- tena me vibhramaṃ citte ātmānaṃ prakaṭaṃ kuru |
liṅgasya sphoṭanaṃ kṛtvā pratyakṣā bhava me prabho ||
Darum ist mein Geist verwirrt. Zeige dich selbst deutlich! Sprenge das Liṅga auf und werde mir unmittelbar sichtbar, o Herrin!
Kumārikākhaṇḍa 5: Sprecherzeile (speaker_before_29)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 5.29
- liṅgasphoṭaṃ kṛtaṃ śambho niṣkrāntāhaṃ suvarcasā |
kuṭilākṛtirūpeṇa triṣkoṇānanabhīṣaṇā ||
O Śambhu, das Liṅga ist aufgebrochen; ich bin in schönem Glanz hervorgetreten: in gekrümmter Gestalt, furchterregend mit dreieckigem Antlitz.
Kumārikākhaṇḍa 5.30
- śyāmā raktā trinetrāhaṃ kālānalasamaprabhā |
siṃhāvalokasaṃpannā tena siṃhāvalokinī ||
Ich bin dunkelblau und rot, habe drei Augen und strahle wie das Feuer der Zeit. Ich besitze den Blick eines Löwen; darum heiße ich Siṃhāvalokinī, die mit dem Löwenblick.
Kumārikākhaṇḍa 5.31
- dṛṣṭvā tvāṃ bhairavānandaṃ lajjāsaṃkucitā aham |
saṃjātā vakrikā tena aṣṭāṅgakarabhūṣitā ||
Als ich dich, die Wonne Bhairavas, sah, zog ich mich aus Scheu zusammen. So wurde ich Vakrikā, die kleine Gekrümmte, geschmückt mit den Strahlen meiner acht Glieder.
Kumārikākhaṇḍa 5.32
- ahaṃ jātā tadā vakrā divyadehā mahābalā |
dṛṣṭamātreṇa viddhastvaṃ idaṃ tathyaṃ mayā kṛtam ||
Da wurde ich Vakrā, die Gekrümmte, mit göttlichem Leib und großer Kraft. Allein dadurch, dass ich dich ansah, wurdest du durchdrungen; dies habe ich tatsächlich bewirkt.
Kumārikākhaṇḍa 5: Sprecherzeile (speaker_before_33)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 5.33
- ahaṃ viddhastvayā śaktyā vihvalo hyavalokanāt |
na te dṛṣṭaṃ mayā kāyaṃ nidrāghūrmivaśaṃ gataḥ ||
Du hast mich mit deiner Kraft durchdrungen; durch deinen Blick bin ich außer mir. Deinen Leib habe ich nicht gesehen, weil mich Schlaf und Taumel überwältigten.
Kumārikākhaṇḍa 5.34
- na śṛṇomi na paśyāmi paracetāpahāritaḥ |
tadāhaṃ ca tvayā devi vedhitaścāvalokanāt ||
Ich höre nicht und sehe nicht; ein anderer Geist hat mich fortgerissen. Da bin ich von dir, o Göttin, durch deinen Blick durchdrungen worden.
Kumārikākhaṇḍa 5.35
- etatpratyayasaṃprāpte vedhadīkṣā kulakrame |
śrutirmatirmanodṛṣṭiśceto dhṛtiḥ kṣameti ca ||
Wenn diese Zeichen eintreten, geschieht im Kulakrama die Einweihung durch Durchdringung: Hören, Einsicht, geistiges Schauen, Bewusstheit, Standhaftigkeit und Geduld.
Kumārikākhaṇḍa 5.36
- anyacittagato viddhaḥ śaktyāveśena vigrahaḥ |
pratyayājñā svarūpeṇa prāptā jñānaśalākayā ||
Die Gestalt, die im Geist eines anderen gegenwärtig ist, wird durch das Eindringen der Kraft durchdrungen. Die Ājñā der unmittelbaren Erkenntnis wird in ihrer eigenen Wesensgestalt durch den Stift des Wissens erlangt.
Kumārikākhaṇḍa 5.37
- siddhānāmādyasiddho'smi mitrākhyo nāmanāmataḥ |
tava bhakto hyahaṃ dāso gatistvaṃ śaraṇaṃ param ||
Unter den Vollendeten bin ich der erste Vollendete; nach der Namensgebung heiße ich Mitra. Ich bin dein Hingebungsvoller, dein Diener; du bist der Weg und die höchste Zuflucht.
Kumārikākhaṇḍa 5.38
- sāṣṭāṅgapraṇipāto'yaṃ kṛtaṃ daṇḍaṃ tridhā punaḥ |
ājñādharamahaṃ śiṣyastvamekā vyāpinī guruḥ ||
Die Niederwerfung mit acht Gliedern habe ich wie einen ausgestreckten Stab wieder dreifach vollzogen. Ich bin der Schüler, der die Ājñā trägt; du allein bist der alles durchdringende Guru.
Kumārikākhaṇḍa 5.39
- jātaḥ śiṣyo hyahameko gotrācāreṇa dhīmataḥ |
kṣamasva devadeveśi saṃkrāntājñāmanugrahāt ||
Durch die Lebensweise der Überlieferungssippe bin ich, der Einsichtige, ganz zum Schüler geworden. O Herrin der Götter, vergib mir und gewähre aus Gnade die übertragene Ājñā.
Kumārikākhaṇḍa 5.40
- vakrike tvaṃ prabhurmātā devī viśrāmabhūmikā |
tvaṃ gatistvaṃ ca me svāmī tavāhaṃ śaraṇaṃ gataḥ ||
Vakrikā, du bist die Herrin, die Mutter, die Göttin und die Ebene der Ruhe. Du bist der Weg, du bist meine Gebieterin; bei dir habe ich Zuflucht gesucht.
Kumārikākhaṇḍa 5.41
- svargāpavargayordevi tvamekā yoni mātaraḥ |
adya me saphalaṃ janma adya me saphalaṃ tapaḥ ||
O Göttin, du bist die Mutter und die einzige Quelle von Himmel und Befreiung. Heute ist meine Geburt fruchtbar geworden, heute ist meine Askese fruchtbar geworden.
Kumārikākhaṇḍa 5.42
- adya me vibhavaṃ prāptaṃ ājñā saṃkramitādya me |
adya yogīśvaro'haṃ ca tvatprasādācca bhairavi ||
Heute habe ich herrliche Macht erlangt; heute wurde mir die Ājñā übertragen. Heute bin ich Herr der Yogīs, o Bhairavī, durch deine Gnade.
Kumārikākhaṇḍa 5.43
- upadeśaṃ kriyāṃ śikṣāṃ sāmprataṃ kathayasva me |
siddhavākyamidaṃ śrutvā devī vacanamabravīt ||
Verkünde mir nun die Unterweisung, das rituelle Handeln und die Schulung. Nachdem die Göttin diese Worte des Vollendeten gehört hatte, sprach sie:
Kumārikākhaṇḍa 5: Sprecherzeile (speaker_before_44)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 5.44
- mayā ca tava mitratvaṃ pūrvasnehānniveditam |
mitradeva mahāsiddha ājñānāma prakīrtitam ||
Um unserer früheren Zuneigung willen habe ich deine Freundschaft verkündet. Mitradeva, großer Siddha: So ist der Name der Ājñā bekannt gemacht.
Kumārikākhaṇḍa 5.45
- puṣpāḥ saptadaśārādhyā ātmāṣṭādaśakam tathā |
daśasaptakrame jyeṣṭhā ārādhyā mama suvrata ||
Die siebzehn Blüten sollen verehrt werden, ebenso das Selbst als Achtzehntes. Meine Jyeṣṭhā soll in der siebzehnteiligen Folge verehrt werden, o du mit dem guten Gelübde.
Kumārikākhaṇḍa 5.46
- tavaite pūjanīyāstu śāmbhavāḥ siddhanāyakāḥ |
unmanādikrameṇaiva yāvat śrīnāthaciñciṇī ||
Diese zu Śambhu gehörenden Führer der Siddhas sind von dir zu verehren: in der Folge von Unmanā an bis zu Śrīnātha und Ciñciṇī.
Kumārikākhaṇḍa 5.47
- puṣpasaṃketakaṃ śambho ajñātvā naiva muktibhāk |
bālakramaṃ tathā deva pīṭhāḥ pīṭheṣu devatāḥ ||
Wer die Blütenlehre nicht kennt, o Śambhu, hat keinen Anteil an der Befreiung. Ebenso ist es, o Gott, mit der Kindesfolge, den heiligen Sitzen und den Gottheiten auf diesen Sitzen,
Kumārikākhaṇḍa 5.48
- bāhye tu devatāścāṣṭau nādiphāntā tu kaulikī |
uttiṣṭha sphurate cājñā kramayukte maheśvara ||
mit den acht äußeren Gottheiten und mit Kaulikī, der Lautfolge von Na bis Pha. Erhebe dich, großer Herr! In dem mit der Überlieferungsfolge Verbundenen erstrahlt die Ājñā.
Kumārikākhaṇḍa 5.49
- tvamekaṃ cānvaye gotre mayādya prakaṭīkṛtam |
rakṣaṇīyamidaṃ jñānaṃ pāramparyakramāgatam ||
Heute habe ich dich als den Einen in der Überlieferung und ihrer Sippe sichtbar gemacht. Dieses durch die Lehrerfolge herabgekommene Wissen soll bewahrt werden.
Kumārikākhaṇḍa 5.50
- yoginīmukhaniṣkrāntaṃ merumārgavinirgatam |
kumārīyoginībhaktiḥ samayadrohanigraham ||
Es ist aus dem Mund der Yoginī hervorgegangen und dem Meru-Weg entsprungen. Hingabe an Kumārīs und Yoginīs ist geboten und das Zurückweisen des Verrats an der überlieferten Ordnung.
Kumārikākhaṇḍa 5.51
- kartavyaṃ ca madīyājñā yathecchā vicaret sukham |
lokā bhaktiratā yatra tatra jñānaṃ prakāśaya ||
Meine Ājñā ist auszuführen; dann mag man nach Belieben freudig umherziehen. Wo die Menschen der Hingabe zugewandt sind, dort lass das Wissen offenbar werden.
Kumārikākhaṇḍa 5.52
- guṭikā pādalakṣā tu pātanīyāvalokanāt |
candrārtho'nugrahet sarvān saṃsādhya ājñayā khaga ||
Die Kugel, deren Umfang als Pādalakṣā bezeichnet wird, soll durch den Blick herabgesandt werden. O Himmelswandler, verwirkliche durch die Ājñā den Sinn der Mondüberlieferung und erweise allen Gnade.
Kumārikākhaṇḍa 5.53
- iti jñānaprabhāvo'yaṃ tavoktaṃ hi tu bhairava |
nigrahānugrahe śaktirbhavate tava niścayam ||
So habe ich dir, o Bhairava, diese Macht des Wissens mitgeteilt. Die Kraft zur Zügelung und zur Begnadung wird dir gewiss zuteil.
Kumārikākhaṇḍa 5.54
- martyaloke vrajitvā tu kuru krīḍāṃ yathecchayā |
jarāmaraṇanirmuktaḥ khagatistava nityaśaḥ ||
Geh in die Welt der Sterblichen und spiele dort nach deinem Willen. Frei von Alter und Tod ist dir das Wandeln im Himmelsraum allezeit eigen.
Kumārikākhaṇḍa 5.55
- vimuktaḥ sarvapāpebhyastvaṃ hi kāñcanavad yathā |
brahmahatyādipāpāni ye kurvanti dine dine ||
Du bist von allen Verfehlungen befreit, wie reines Gold. Selbst Verfehlungen wie Brahmanentötung, die Menschen Tag für Tag begehen,
Kumārikākhaṇḍa 5.56
- tava smaraṇamātreṇa naśyante nātra saṃśayaḥ |
ye dhyāyanti sadā tubhyaṃ triṣkālasmaraṇādapi ||
vergehen durch das bloße Gedenken an dich; daran besteht kein Zweifel. Diejenigen, die dich beständig betrachten oder deiner zu den drei Tageszeiten gedenken,
Kumārikākhaṇḍa 5.57
- te siddhā nātra saṃdeho vimuktāḥ pāśabandhanaiḥ |
ye nindanti tu tvāṃ mitra dūṣayantyathavā yadi ||
sind Vollendete, ohne Zweifel, befreit von den bindenden Fesseln. Diejenigen aber, die dich schmähen, o Mitra, oder dir Fehler vorwerfen,
Kumārikākhaṇḍa 5.58
- mriyante kugatiṃ yānti mokṣahāste na saṃśayaḥ |
rauravaṃ narakaṃ yānti muktisteṣāṃ kuto bhavet ||
sterben und gelangen auf eine elende Bahn; ohne Zweifel zerstören sie ihre Befreiung. Sie gehen in die Hölle Raurava — wie sollte ihnen Befreiung zuteilwerden?
Kumārikākhaṇḍa 5.59
- evamuktvā tu siddhasya yogāvasthā tu sundarī |
śrīnātha uvāca
vadate parayā bhaktyā devyagre praṇataḥ sthitaḥ ||
So sprach die Schöne, die der Yoga-Zustand des Vollendeten ist. — Vor der Göttin verneigt stehend spricht er mit höchster Hingabe:
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 5.60
- deśikastvaṃ mahādevi abhiṣekaṃ dadasva me |
dada vibhavasāmarthyaṃ dīkṣāvyākhyādyanugraham ||
Du bist die Lehrerin, große Göttin; gewähre mir die Weihe. Gib mir die Kraft herrlicher Macht und die Gnade der Einweihung, der Auslegung und der weiteren Unterweisungen.
Kumārikākhaṇḍa 5.61
- tato bhramāmi ācāryo yogeśīnāṃ tu madhyataḥ |
siddhavākyamidaṃ śrutvā tuṣṭāsau yogamātaram ||
Dann werde ich als Lehrer inmitten der Herrinnen des Yoga umherziehen. Als die Mutter des Yoga diese Worte des Vollendeten hörte, war sie erfreut.
Kumārikākhaṇḍa 5.62
- vadate siddhanāthasya he mitra jagataḥ prabho |
idaṃ tadabhiṣekaṃ tu ṣoḍaśāntāvalokanāt ||
Sie sprach zu Siddhanātha: O Mitra, Herr der Welt, dies ist die Weihe durch den Blick vom Ende der Sechzehn.
Kumārikākhaṇḍa 5.63
- kalāṣoḍaśasaṃpūrṇā pūrṇā devī samuccaret |
amṛtaughaṃ pravarṣantī amā saptādaśī kalā ||
Die Göttin Pūrṇā, von den sechzehn Kräften ganz erfüllt, erhebt sich. Als Amā, die siebzehnte Kraft, lässt sie einen Strom von Nektar herabregnen.
Kumārikākhaṇḍa 5.64
- abhiṣekaṃ tu nāthasya dattaṃ devyāvalokanāt |
khecaratvaṃ dadāmyadya liṅgaṃ gṛhya yathārthataḥ ||
Durch den Blick der Göttin wurde dem Herrn die Weihe erteilt. Heute gebe ich dir das Himmelswandeln; erfasse das Liṅga so, wie es wirklich ist!
Kumārikākhaṇḍa 5.65
- dīkṣāvyākhyāsasāmarthyaṃ ityājñā muktidā tava |
idaṃ tadabhiṣekaṃ tu mayā dattaṃ tava priya ||
Einweihung, Auslegung und die Fähigkeit dazu: Dies ist deine Befreiung schenkende Ājñā. Dies ist jene Weihe, die ich dir gegeben habe, Geliebter.
Kumārikākhaṇḍa 5.66
- vajraṃ vidārayelliṅgaṃ saṃjīvyaḥ paramaḥ śaśiḥ |
pūjanīyaṃ sadā hīdaṃ liṅgamekaṃ kulāgame ||
Der Vajra möge das Liṅga aufbrechen; der höchste Mond ist zu beleben. Dieses eine Liṅga soll in der Kula-Überlieferung stets verehrt werden.
Kumārikākhaṇḍa 5.67
- yatra yatrāpi deśe tu mantrajaṃ sahajaṃ hi vā |
kṛtrimaṃ bhavate vātha pūjanīyaṃ viśeṣataḥ ||
Wo auch immer es sich befindet — ob aus Mantra hervorgegangen, von selbst entstanden oder künstlich geschaffen —, soll es besonders verehrt werden.
Kumārikākhaṇḍa 5.68
- namaskārecchucirbhaktyā śrīliṅgaṃ paścimāmukham |
tadabhiṣekamācārye liṅgapūjā dine dine ||
Rein und hingebungsvoll soll man dem erhabenen, nach Westen gerichteten Liṅga Verehrung erweisen. Die tägliche Liṅga-Verehrung ist diese Weihe im Lehrer.
Kumārikākhaṇḍa 5.69
- kulācāryābhiṣiktā ye liṅgārādhanavarjitāḥ |
na teṣāṃ sādhanī siddhiḥ anyathā patanaṃ bhavet ||
Wer zum Kula-Lehrer geweiht ist und die Verehrung des Liṅga unterlässt, kann keine Vollendung erlangen. Handelt man anders, kommt es zum Fall.
Kumārikākhaṇḍa 5.70
- evamuktvā tu siddhasya adṛṣṭakulavigrahā |
saṃjātā devadeveśī cakre siṃhāvalokinī ||
Nachdem die Herrin der Götter dem Vollendeten dies gesagt hatte, wurde sie im Rad als unsichtbare Kula-Gestalt gegenwärtig: Siṃhāvalokinī, die mit dem Löwenblick.
Kumārikākhaṇḍa 5.71
- tataḥ siddho mahātuṣṭaḥ siṃharūpo gataḥ svayam |
sāṣṭāṅgaistu namaskāraiḥ siddhaḥ kṣāmyati bhairavīm ||
Darauf trat der überaus erfreute Vollendete von selbst in Löwengestalt heran. Mit achtgliedrigen Niederwerfungen bat er Bhairavī um Nachsicht.
Kumārikākhaṇḍa 5.72
- ślokadvādaśakairdivyaiḥ stuvate divyaśāsanam |
aiṃkārāsanamārūḍhāṃ vajrapadmoparisthitām ||
Mit zwölf göttlichen Strophen preist er die göttliche Unterweisung. Sie sitzt auf dem Laut Aiṃ als ihrem Thron und weilt über dem Vajra-Lotus.
Kumārikākhaṇḍa 5.73
- siddhiṃ māṃ dadate nityaṃ śrīkujākhyāṃ namāmyaham |
jñānaśaktiṃ mahāmāyāṃ divyajñānaprakāśakīm ||
Ich verneige mich vor der Śrīkujā Genannten, die mir stets Vollendung schenkt. Sie ist die Kraft des Wissens, Mahāmāyā, die göttliche Erkenntnis erhellt.
Kumārikākhaṇḍa 5.74
- antardhānagatāṃ devīṃ śrīkujākhyāṃ namāmyaham |
catuḥpīṭhakamadhyasthāṃ divyaśaktiprabhāvataḥ ||
Ich verneige mich vor der Śrīkujā Genannten, der Göttin, die unsichtbar geworden ist. Durch die Macht ihrer göttlichen Kraft weilt sie in der Mitte der vier heiligen Sitze.
Kumārikākhaṇḍa 5.75
- ṣaṭprakārasamopetāṃ śrīkujākhyāṃ namāmyaham |
menākhyaduhitā devī turyasthāne vyavasthitā ||
Ich verneige mich vor der Śrīkujā Genannten, die mit sechs Gliederungen versehen ist. Die Göttin ist Menās Tochter und weilt am Ort des vierten Zustands.
Kumārikākhaṇḍa 5.76
- liṅgānte vasate nityaṃ śrīkujākhyāṃ namāmyaham |
bālakramasamopetāṃ bhagāhlādena ciñciṇīm ||
Ich verneige mich vor der Śrīkujā Genannten, die immer im Innern des Liṅga wohnt. Mit der Kindesfolge verbunden ist sie Ciñciṇī durch die Wonne des Schoßes.
Kumārikākhaṇḍa 5.77
- nādiphāntāsvarāghorāṃ śrīkujākhyāṃ namāmyaham |
candradvīpe śilā śuddhā pūjitā ca mayā purā ||
Ich verneige mich vor der Śrīkujā Genannten: die Lautfolge von Na bis Pha, lautlos und nicht furchterregend. Auf der Mondinsel ist der reine Stein, den ich schon früher verehrt habe.
Kumārikākhaṇḍa 5.78
- saptajanmaviniṣkrāntāṃ śrīkujākhyāṃ namāmyaham |
ghorāṃ ghoratarāghorāghorajñānāvalambinīm ||
Ich verneige mich vor der Śrīkujā Genannten, die aus sieben Geburten hervorgegangen ist. Sie ist Ghorā, die Furchtbare, Ghoratarā, die noch Furchtbarere, und Aghorā, die Nichtfurchtbare, gestützt auf Aghoras Wissen.
Kumārikākhaṇḍa 5.79
- nityayuktāṃ svacakrasthāṃ śrīkujākhyāṃ namāmyaham |
janmatrikoṇamadhyasthāṃ taruṇādityavarcasām ||
Ich verneige mich vor der Śrīkujā Genannten, die beständig verbunden ist und in ihrem eigenen Rad weilt. Sie ruht in der Mitte des Geburtsdreiecks und strahlt wie die junge Sonne.
Kumārikākhaṇḍa 5.80
- divyāmājñāsvarūpeṇa śrīkujākhyāṃ namāmyaham |
rudraśaktiḥ sadā pūjyā pīṭhānāṃ kīrtanādapi ||
Ich verneige mich vor der Śrīkujā Genannten, die als Ājñā göttlich ist. Rudras Kraft soll stets verehrt werden, auch durch das Preisen der heiligen Sitze.
Kumārikākhaṇḍa 5.81
- siddhiṃ sphuṭāṃ pradātārīṃ śrīkujākhyāṃ nāmāmyaham |
devataiḥ pūjitāṃ nityaṃ brahmacaryaparāyaṇaiḥ ||
Ich verneige mich vor der Śrīkujā Genannten, die deutliche Vollendung schenkt. Die der Enthaltsamkeit hingegebenen Gottheiten verehren sie stets.
Kumārikākhaṇḍa 5.82
- siddhayogeśvarīkhyātāṃ śrīkujākhyāṃ namāmyaham |
siddhavidyādharairyakṣairyoginīgaṇavṛndakaiḥ ||
Ich verneige mich vor der Śrīkujā Genannten, die als Herrin des vollendeten Yoga bekannt ist. Gemeinsam mit Siddhas, Vidyādharas, Yakṣas und den Scharen der Yoginīs
Kumārikākhaṇḍa 5.83
- vādyanṛtyaratāṃ devīṃ śrīkujākhyāṃ namāmyaham |
bharitāṃ bhairavīmugrāṃ amāntapadagāminīm ||
verneige ich mich vor der Śrīkujā Genannten, der Göttin, die Musik und Tanz liebt. Sie ist die erfüllte, gewaltige Bhairavī, die zum Zustand am Ende Amās gelangt.
Kumārikākhaṇḍa 5: unnummerierter Halbvers (half_stanza_after_83)
- mitramātaḥ
prabhuṃ devīṃ
śrīkujākhyāṃ namāmyaham |
O Mutter Mitras, ich verneige mich vor der Herrin und Göttin, die Śrīkujā genannt wird.
Kumārikākhaṇḍa 5: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite śrīnāthājñābhiṣekādhikāro nāmānandaḥ ||
So endet das Kapitel mit dem Titel „Śrīnāthas Weihe mit der Ājñā“: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; auf dem Weg des Vidyāpīṭha, in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 6
Kumārikākhaṇḍa 6: Kapitelkopf (heading)
- ṣaṣṭhānandaḥ
Sechstes Kapitel der Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 6: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 6.1
- pīṭhāvatāramanyaṃ tu yathā bhavati bhairavi |
tadeva brūhi māṃ devi yena kṣubhyanti jantavaḥ ||
Bhairavī, erzähle mir nun, wie sich das weitere Herabkommen der heiligen Sitze vollzieht, durch das die Lebewesen erregt und aufgerüttelt werden, o Göttin.
Kumārikākhaṇḍa 6: Sprecherzeile (speaker_before_2)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 6.2
- yā sā śaktirbhagākhyātā purā siddhā tu bhāṣitā |
kvacinmudrāśrame sthāne praviṣṭā devataiḥ saha ||
Jene Kraft, die Bhaga, Schoß, heißt und zuvor als vollendet beschrieben wurde, trat zusammen mit den Gottheiten an einem Ort in die Einsiedelei der Mudrā ein.
Kumārikākhaṇḍa 6.3
- tūṣṇīṃ bhūtvā guhāmadhye ārūḍhā tapabhāvanā |
unmattabrahmacaryeṇa kṛṣṇarūpāvadhūtayā ||
Schweigend inmitten der Höhle versenkte sie sich in die Betrachtung der Askesekraft. Sie übte die ekstatische Enthaltsamkeit und legte ihre dunkle Gestalt ab.
Kumārikākhaṇḍa 6.4
- uḍḍīkārayate nityaṃ niśācāreṇa brahmavit |
tataḥ śabdo mahān jātaḥ trailokye sacarācare ||
Durch den Wandel der Nacht lässt sie beständig das Auffliegen geschehen, o Kenner des Brahman. Darauf erhob sich ein gewaltiger Klang in den drei Welten mit allem, was sich bewegt und was unbeweglich ist.
Kumārikākhaṇḍa 6.5
- divyajñānaprabhāvena siddharūpā balotkaṭā |
āgatā brahmacaryeṇa krīḍayitvā nabhāntare ||
Nachdem sie im Inneren des leeren Raumes gespielt hatte, kam sie in der Gestalt einer Vollendeten herbei, übermächtig durch die Kraft göttlicher Erkenntnis und durch Enthaltsamkeit.
Kumārikākhaṇḍa 6.6
- ubhau uḍipraveśena pīṭhodyānaṃ vidhīyate |
khageśastatra saṃsiddhastrailokyākarṣaṇakṣamaḥ ||
Da beide in Uḍi eintraten, wurde Udyāna als heiliger Sitz eingerichtet. Dort war Khageśa ganz vollendet und vermochte die drei Welten an sich zu ziehen.
Kumārikākhaṇḍa 6.7
- prāpte devyāśrame bhaktyā ārādhayati pādukām |
yathecchā pūjitā devī kramājñā pārameśvarī ||
Als er zur Einsiedelei der Göttin gelangte, verehrte er hingebungsvoll ihre Sandalen. Frei nach seinem Wunsch verehrte er die Göttin, die höchste Ājñā der Überlieferungsfolge.
Kumārikākhaṇḍa 6.8
- aṣṭāṅgapraṇipātena aśrupūrṇaḥ kṣamāpayet |
kulajā siddhanāthasya divyājñā saṃbhaviṣyati ||
Mit einer achtgliedrigen Niederwerfung und voller Tränen bat er um Nachsicht. Die göttliche, aus Kula geborene Ājñā werde Siddhanātha zuteil werden.
Kumārikākhaṇḍa 6.9
- tato namaskṛtaṃ paścādoḍīśaḥ siddhanāyakaḥ |
gato vṛkṣāntare siddho niśācāreṇa kaulavit ||
Nachdem Oḍīśa, der Anführer der Vollendeten, seine Verehrung erwiesen hatte, trat der vollendete Kenner des Kaula durch den Wandel der Nacht in den Baum ein.
Kumārikākhaṇḍa 6.10
- kadambavad bhramed vṛkṣaṃ vṛkṣaṃ tena kadambakam |
siṃharūpaṃ gato yasmāt tasmāt saṃketasiṃhakam ||
Der Baum dreht sich wie ein Kadamba; deshalb ist dieser Baum ein Kadamba. Weil er die Gestalt eines Löwen annahm, heißt die geheime Unterweisung die des Löwen.
Kumārikākhaṇḍa 6.11
- siṃhajñānamidaṃ tena bhuktimuktiphalapradam |
atha pañcāśad rudrāstu tūṣṇīṃ bhūtvā samāgatāḥ ||
So ist dies das Löwenwissen, das als Frucht weltliche Erfüllung und Befreiung schenkt. Nun kamen die fünfzig Rudras schweigend herbei.
Kumārikākhaṇḍa 6.12
- pūjitā kubjikā devī stutā sarvaiḥ surādibhiḥ |
varaṃ dadāti sā tuṣṭā vicaradhvaṃ yathāsukham ||
Alle Götter und die übrigen Wesen verehrten und priesen die Göttin Kubjikā. Zufrieden gewährte sie ihnen den Segen: Zieht umher, wie es euch gefällt!
Kumārikākhaṇḍa 6.13
- evaṃ śrutvā ca te tuṣṭā devyāmārādhayanti hi |
pañcopacārapūjāyāṃ tadoktāḥ paricārakāḥ ||
Als sie dies hörten, waren sie erfreut und verehrten die Göttin mit den fünf Darbringungen. Deshalb wurden sie ihre Diener genannt.
Kumārikākhaṇḍa 6.14
- śrīkaṇṭhaśca anantaśca sūkṣmīśaṃ ca trimūrtikam |
amarīśaṃ tathārghīśaṃ bhārabhūtyatithīśvaram ||
Śrīkaṇṭha, Ananta, Sūkṣmīśa, Trimūrtika, Amarīśa und Arghīśa, Bhārabhūti und Atithīśvara;
Kumārikākhaṇḍa 6.15
- sthāṇunāma haraścaiva jhaṇṭīśaṃ bhautikaṃ tathā |
sadyojāto'nugrahīśaṃ aṃkurīśamataḥ param ||
der Sthāṇu Genannte und Hara, Jhaṇṭīśa und Bhautika, Sadyojāta, Anugrahīśa und danach Aṃkurīśa;
Kumārikākhaṇḍa 6.16
- mahāsenaśca krodhīśaṃ caṇḍīśaṃ ca pracaṇḍarāṭ |
krūrākhyamekarudraśca kūrmaṃ caivaikanetrakam ||
Mahāsena, Krodhīśa, Caṇḍīśa und Pracaṇḍarāṭ, der Krūra Genannte und Ekarudra, Kūrma und Ekanetraka;
Kumārikākhaṇḍa 6.17
- caturmukho ajeśaśca śyenaḥ someśvarastathā |
lāṃgulī dārukeśaśca ardhanārīśvarastathā ||
Caturmukha und Ajeśa, Śyena und Someśvara, Lāṃgulī und Dārukeśa sowie Ardhanārīśvara;
Kumārikākhaṇḍa 6.18
- umākāntastathāṣāḍī ḍiṇḍinaṃ dhātṛrudrakam |
mīnaṃ caiva tathā meṣaṃ lohitaṃ ca tathaiva ca ||
Umākānta, Āṣāḍī, Ḍiṇḍina und Dhātṛrudraka, Mīna, Meṣa und Lohita;
Kumārikākhaṇḍa 6.19
- śikhivāhī tathā cānyaṃ chagalaṇḍaṃ tathaiva ca |
dviraṇḍaṃ ca mahākālaṃ bālīśaṃ ca bhujaṅgamam ||
Śikhivāhī und weiterhin Chagalaṇḍa, Dviraṇḍa und Mahākāla, Bālīśa und Bhujaṅgama;
Kumārikākhaṇḍa 6.20
- pinākīśaṃ ca khaḍgākhyaṃ bakānandaṃ ca śvetakam |
lakulī bhṛgudeveśaṃ saṃvartakamataḥ param ||
Pinākīśa, der Khaḍga Genannte, Bakānanda und Śvetaka, Lakulī, Bhṛgu, der Herr der Götter, und danach Saṃvartaka.
Kumārikākhaṇḍa 6.21
- evaṃ pañcāśad rudrāstu praticaryāratāḥ sadā |
tathānye devatāḥ sapta sumūlapraticārakāḥ ||
Dies sind die fünfzig Rudras, die stets freudig ihren Dienst versehen. Daneben gibt es sieben weitere Gottheiten als ihre vorzüglichen Hauptdiener.
Kumārikākhaṇḍa 6.22
- ājñāvidheyāḥ sarve te devyāpādārcane ratāḥ |
tathā vṛkṣāḥ smṛtāstrīṇi vellakatritayaṃ tathā ||
Sie alle folgen der Ājñā und widmen sich der Verehrung der Füße der Göttin. Weiter werden drei Bäume und eine Dreiheit von Vellakas genannt.
Kumārikākhaṇḍa 6.23
- khararā gararā caiva rarā ca paricārikāḥ |
kuberaṃ khagamaścaiva karburaṃ praticārakam ||
Die Dienerinnen sind Khararā, Gararā und Rarā; die Diener sind Kubera, Khagama und Karbura.
Kumārikākhaṇḍa 6.24
- ājñāvidheyāḥ sarve te aparā bhairavāḥ svayam |
anyeṣāṃ praticārīṇāṃ devagandharvayoṣitām ||
Sie alle folgen der Ājñā und sind selbst weitere Bhairavas. Die übrigen Dienenden — Götter, Gandharvas, Frauen,
Kumārikākhaṇḍa 6.25
- yogiyoginivīrāṇāṃ parisaṃkhyā na vidyate |
evaṃ krameṇa saṃyogāt pīṭhodyānamudāhṛtam ||
Yogis, Yoginīs und Helden — lassen sich nicht zählen. Durch ihr Zusammenkommen in dieser geordneten Folge wird der heilige Sitz Udyāna genannt.
Kumārikākhaṇḍa 6.26
- karavīraṃ śmaśānaṃ tu karapuṣpairadhiṣṭhitam |
tatra cakraṃ tu rudrāṇāṃ nāmnā kaṅkālabhairavam ||
Die Leichenstätte heißt Karavīra und ist von Kara-Blüten erfüllt. Der dortige Kreis der Rudras trägt den Namen Kaṅkālabhairava.
Kumārikākhaṇḍa 6.27
- raudraṃ raudrataraṃ tīvraṃ vyālavyagrograbhīṣaṇam |
bhaktānāṃ rakṣate nityaṃ paśūnāṃ mārayet kṣaṇāt ||
Er ist schrecklich, überaus schrecklich, heftig und furchterregend, voller grausiger wilder Tiere. Stets schützt er die Verehrer; die gebundenen Wesen tötet er in einem Augenblick.
Kumārikākhaṇḍa 6.28
- śmaśānapālakastatra nāmnā yogeśvaraḥ kule |
evaṃ pīṭhamidaṃ proktaṃ triprakārāntarasthitam ||
Der Hüter der Leichenstätte in diesem Kula heißt Yogeśvara. So wird dieser heilige Sitz beschrieben, der sich innerhalb einer dreifachen Gliederung befindet.
Kumārikākhaṇḍa 6.29
- nirālambā sthitā mudrā bandhaṃ yasyā na vidyate |
sā mudrā mokṣadātārī pīṭhamadhye prakalpitā ||
Die Mudrā ruht ohne Stütze; bei ihr gibt es keine Bindung. Diese Befreiung spendende Mudrā wird in der Mitte des heiligen Sitzes vergegenwärtigt.
Kumārikākhaṇḍa 6.30
- prakaṭā sā candrākāre pīṭhāmbā saha saṃyutā |
pīṭheśī bhavate tasmin khecarī nāmanāmataḥ ||
Sie tritt in Mondgestalt hervor und ist mit der Mutter des heiligen Sitzes verbunden. Die Herrin dieses Sitzes heißt Khecarī, die Himmelswandlerin.
Kumārikākhaṇḍa 6.31
- devī tatra khageśī ca kubjikānāmaviśrutā |
tathā coḍīśasiddhastu śeṣānye praticārakāḥ ||
Die Göttin dort ist Khageśī, weithin als Kubjikā bekannt. Ebenso ist dort der Vollendete Oḍīśa; die übrigen sind ihre Diener.
Kumārikākhaṇḍa 6.32
- evaṃ siddhikaraṃ proktaṃ oḍiyānaṃ vinirgatam |
divyavarṣaśatāstrīṇi devī tatra vyavasthitā ||
So ist Oḍiyāna entstanden und als Vollendung bringender Sitz beschrieben. Die Göttin verweilte dort dreihundert göttliche Jahre.
Kumārikākhaṇḍa 6.33
- bharitā bhairavānandā śivamārge ca khegatā |
ṛṣayo viṃśatistatra tvaritāśca samāgatāḥ ||
Ganz erfüllt, als Bhairavas Wonne, flog sie auf Śivas Weg durch den Himmelsraum. Zwanzig Ṛṣis kamen eilends dorthin,
Kumārikākhaṇḍa 6.34
- ājñāmupārjanārthāya sadbhaktāśca vicakṣaṇāḥ |
dvādaśābdairatītaistu siddhanāthena dīkṣitāḥ ||
um die Ājñā zu erlangen: aufrichtige Verehrer und weise Männer. Nach Ablauf von zwölf Jahren wurden sie von Siddhanātha eingeweiht.
Kumārikākhaṇḍa 6.35
- kaśyapaścaiva mārkaṇḍo vaśiṣṭho gotamastathā |
māṇḍavaḥ śambhuḥ saṃvarta āpastambaḥ parāśaraḥ ||
Kaśyapa, Mārkaṇḍa, Vaśiṣṭha und Gotama, Māṇḍava, Śambhu, Saṃvarta, Āpastamba und Parāśara;
Kumārikākhaṇḍa 6.36
- yājñavalkyastathā vyāso durvāsa āsurī tathā |
hārīto nīlakaṇṭhaśca viśvāmitro dhanurdharaḥ ||
Yājñavalkya und Vyāsa, Durvāsa und Āsurī, Hārīta und Nīlakaṇṭha, Viśvāmitra und Dhanurdhara;
Kumārikākhaṇḍa 6.37
- ṛṣiśṛṅgaḥ śaktiputro dakṣaṃ ca viṃśamaṃ viduḥ |
jyeṣṭhapīṭhāvatāro'yaṃ oṃkāraṃ prathamaṃ smṛtam ||
Ṛṣiśṛṅga, Śaktiputra und Dakṣa, den man als den zwanzigsten kennt. Dies ist das Herabkommen des ältesten heiligen Sitzes; als erster wird er Oṃkāra genannt.
Kumārikākhaṇḍa 6.38
- atha dvitīyakaṃ vakṣye bhagadakṣiṇataḥ sthitam |
tatraivottaramārgasthaṃ vīrakṣetraṃ tu nāmataḥ ||
Nun werde ich den zweiten beschreiben, der rechts vom Schoß liegt. Dort befindet sich auf dem nördlichen Weg der Ort namens Vīrakṣetra, das Feld der Helden.
Kumārikākhaṇḍa 6.39
- oṃkāre yā smṛtā devī khageśī nāma vatsalā |
sā evānyasvarūpeṇa praviśet tatra yogavit ||
Die liebevolle Göttin, die in Oṃkāra Khageśī genannt wird, tritt dort selbst in einer anderen Gestalt ein, o Kenner des Yoga.
Kumārikākhaṇḍa 6.40
- cāmuṇḍā raktarūpeṇa cchāyāyāṃ bilvavṛkṣake |
yogārūḍhā sthitā tasmin kumārīsaptabhirvṛtā ||
Als rote Cāmuṇḍā weilt sie dort, fest im Yoga verankert, im Schatten eines Bilva-Baumes und von sieben Jungfrauen umgeben.
Kumārikākhaṇḍa 6.41
- evaṃ kaumārarūpeṇa caryāvasthāgataḥ priya |
praviṣṭo bhairavaḥ siddho devyāpādāgrato bhuvi ||
So trat auch der vollendete Bhairava in jugendlicher Gestalt ein, Geliebter, in den Zustand der Observanz versunken, auf den Boden vor den Füßen der Göttin.
Kumārikākhaṇḍa 6.42
- kṛtaṃ maṇḍalakaṃ divyaṃ yaduktaṃ paścimānvaye |
pūjitāḥ pīṭhadevyastu svaśarīraṃ niveditam ||
Er schuf das göttliche Maṇḍala, wie es in der westlichen Überlieferung beschrieben wird, verehrte die Göttinnen der heiligen Sitze und brachte seinen eigenen Körper dar.
Kumārikākhaṇḍa 6.43
- kṛtvā daṇḍanamaskāraṃ aśrupūrṇaḥ kṣamāpayet |
tasya tuṣṭā tu sā devī siddhasaṃjñāṃ dadecchubhām ||
Er warf sich lang ausgestreckt nieder und bat unter Tränen um Nachsicht. Die Göttin war mit ihm zufrieden und verlieh ihm den glückverheißenden Namen Siddha.
Kumārikākhaṇḍa 6.44
- caryādeveśa uttiṣṭha tavājñā sphurate svayaṃ |
caryāyuktamabhūt tatra śraddhavān tu śucivrataḥ ||
Erhebe dich, Caryādeveśa! Deine Ājñā leuchtet aus sich selbst hervor. Gläubig und einem reinen Gelübde verpflichtet, widmete er sich dort der Observanz.
Kumārikākhaṇḍa 6.45
- yaṃ sthānaṃ paśyate saumyaṃ krīḍate tatra nityaśaḥ |
evaṃ te vīrāḥ pañcāśat santrastāstatra cāgatāḥ ||
Wo immer er einen lieblichen Ort erblickte, spielte er beständig. So kamen jene fünfzig Helden erschrocken dorthin.
Kumārikākhaṇḍa 6.46
- vīramārge yadārūḍhāstena vīrāḥ smṛtā bhuvi |
gatāste sarva'vaikalyaṃ devyāpādārcane ratāḥ ||
Weil sie den Heldenweg beschritten haben, nennt man sie Helden in der Welt. Der Verehrung der Füße der Göttin ergeben, gelangten sie alle zur Unversehrtheit.
Kumārikākhaṇḍa 6.47
- pūjitā taiḥ samastaiśca pañcāśairvīranāyakaiḥ |
stuvanti saṃmatāḥ sarve vīrakṣetre pṛthak pṛthak ||
Alle fünfzig Anführer der Helden verehrten sie. Einmütig priesen sie sie im Feld der Helden, jeder für sich.
Kumārikākhaṇḍa 6.48
- varaṃ dadāti sā tuṣṭā sarveṣāṃ vīranāyikā |
jarāmaraṇanirmuktā vicaradhvaṃ yathāsukham ||
Zufrieden gewährte die Herrin der Helden ihnen allen einen Segen: Zieht umher, wie es euch gefällt, frei von Alter und Tod!
Kumārikākhaṇḍa 6.49
- praticaryāratāḥ sarve ājñāśravaṇatatparāḥ |
kamaṇḍaluṃ naṭaṃ dhūrtaṃ somaṃ ṭaṅkaṭaśūlinam ||
Alle widmen sich ihrem Dienst und sind darauf bedacht, die Ājñā zu hören: Kamaṇḍalu, Naṭa, Dhūrta, Soma, Ṭaṅkaṭa und Śūlin;
Kumārikākhaṇḍa 6.50
- muṇḍadhārī sphuliṅgaṃ ca trāṇaṃ vīryaṃ surārcitam |
darpaṇamamaraṃ loḍaṃ jīvaṃ sarvāṅgasundaram ||
Muṇḍadhārī und Sphuliṅga, Trāṇa, Vīrya und Surārcita, Darpaṇa, Amara, Loḍa, Jīva und Sarvāṅgasundara;
Kumārikākhaṇḍa 6.51
- śivottamaṃ mahārāvaṃ nandivīraṃ kapardinam |
someśvaraṃ tathā śambhuṃ ekanetraṃ vṛṣadhvajam ||
Śivottama, Mahārāva, Nandivīra und Kapardin, Someśvara und Śambhu, Ekanetra und Vṛṣadhvaja;
Kumārikākhaṇḍa 6.52
- mātaṅgaṃ candranāgaṃ ca mohanaṃ kamaleśvaram |
ḍambaraṃ lohitaṃ dhūmraṃ kāmadaṃ ghoradaṃṣṭriṇam ||
Mātaṅga und Candranāga, Mohana und Kamaleśvara, Ḍambara, Lohita, Dhūmra, Kāmada und Ghoradaṃṣṭrin;
Kumārikākhaṇḍa 6.53
- saṃvaraṃ śarvaraṃ candraṃ aṭṭahāsaṃ kapīśvaram |
dīrghatanuṃ mahārāvaṃ bhṛṅgirāvaṃ vṛkodaram ||
Saṃvara, Śarvara, Candra, Aṭṭahāsa und Kapīśvara, Dīrghatanu, Mahārāva, Bhṛṅgirāva und Vṛkodara;
Kumārikākhaṇḍa 6.54
- markaṭaṃ lambakarṇaṃ ca jīmūtaṃ meghanisvanam |
dāmodaraṃ karālaṃ ca mahodadhistathānekam ||
Markaṭa und Lambakarṇa, Jīmūta und Meghanisvana, Dāmodara und Karāla, Mahodadhi und Aneka.
Kumārikākhaṇḍa 6.55
- vīrasiddhiprabhāveṇa vīrāḥ pañcāśat siddhidāḥ |
veśyā muṇḍini kaivartī trayete praticārikāḥ ||
Diese fünfzig Helden verleihen durch die Kraft der Heldenvollendung selbst Vollendung. Veśyā, Muṇḍini und Kaivartī sind die drei Dienerinnen.
Kumārikākhaṇḍa 6.56
- lolādevī vicitrā ca bhābhūtī ca tṛtīyakā |
veśyāditrikasaṃjñā ca parikarme vyavasthitāḥ ||
Lolādevī, Vicitrā und als dritte Bhābhūtī sind zusammen mit der zuvor genannten Dreiheit um Veśyā zum Dienst bestellt.
Kumārikākhaṇḍa 6.57
- paricārāstrayaḥ puṃsāḥ svanāmena pṛthak pṛthak |
kallolaṃ kṛkaraṃ caiva kāmeśvaraṃ tṛtīyakam ||
Die drei männlichen Diener tragen jeweils einen eigenen Namen: Kallola, Kṛkara und als dritter Kāmeśvara.
Kumārikākhaṇḍa 6.58
- tathānyaṃ siddhanāthaṃ ca sarveṣāṃ prabhurīśvaram |
śeṣāścaiva samākhyātā dvāre tiṣṭhanti kiṅkarāḥ ||
Außerdem ist da Siddhanātha, der Herr und Gebieter über sie alle. Die übrigen sind als Diener benannt, die am Tor stehen.
Kumārikākhaṇḍa 6.59
- evaṃ dakṣiṇapīṭhaṃ tu oḍḍiyāṇād vinirgatam |
śmaśānaṃ tatra codyānaṃ lakuṭaṃ nāma bhīṣaṇam ||
So ist der südliche heilige Sitz aus Oḍḍiyāṇa hervorgegangen. Dort sind ein Garten und die furchterregende Leichenstätte namens Lakuṭa.
Kumārikākhaṇḍa 6.60
- yogicakraṃ sthitaṃ tatra divyayoginisaṃyutam |
śmaśānapālakastatra cchinnamuṇḍakapāladhṛk ||
Dort weilt ein Kreis von Yogis, vereint mit göttlichen Yoginīs. Der Hüter der Leichenstätte trägt die Schädelschale eines abgetrennten Kopfes.
Kumārikākhaṇḍa 6.61
- kṣuradhāraiva tat tīvraṃ viṣamaṃ kaulagocaram |
mārayet kṣaṇamātreṇa mūḍhānāṃ nāmadhārakam ||
Diese Stätte ist scharf wie eine Rasierklinge, gefährlich und schwer zu bestehen: der Erfahrungsbereich des Kaula. In einem einzigen Augenblick tötet sie die Toren, die den Namen nur äußerlich tragen.
Kumārikākhaṇḍa 6.62
- viśvāsaṃ naiva hantavyaṃ pīṭhe jālandhare śubhe |
darpaṃ tatra na kartavyaṃ yadi sākṣāt sadāśivaḥ ||
Am glückverheißenden heiligen Sitz Jālandhara darf man kein Vertrauen brechen. Dort soll man nicht hochmütig sein, auch wenn man Sadāśiva in eigener Person ist.
Kumārikākhaṇḍa 6.63
- īdṛg jālandharaṃ pīṭhaṃ jālāvvā tatra viśrutā |
karālā saṃsthitā mudrā pīṭhacchāyā ca raktajā ||
So ist der heilige Sitz Jālandhara; dort ist Jālāvvā bekannt. Die Mudrā Karālā weilt dort, ebenso Pīṭhacchāyā und Raktajā.
Kumārikākhaṇḍa 6.64
- raktaścāpi punaḥ siddhaḥ vīraiḥ suravarārcitaḥ |
puṣpasaṃjñaṃ bhavet pīṭhaṃ kumāro nāmanāmataḥ ||
Auch der Vollendete ist rot und wird mit den Helden von den höchsten Göttern verehrt. Der heilige Sitz heißt Blüte; sein Name ist Kumāra.
Kumārikākhaṇḍa 6.65
- śāvareṇa tu rūpeṇa tatra sā śavarī smṛtā |
siddhayoginināmā ca caryāsiddhaṃ mahābalam ||
In der Gestalt einer Śavara-Frau wird sie dort Śavarī genannt; sie heißt auch Siddhayoginī. Caryāsiddha ist von großer Kraft.
Kumārikākhaṇḍa 6.66
- śeṣānye paricārāśca kriyāmārgeṣvanukramāt |
divyavarṣaśatārdhe ca saṃsthitā parameśvarī ||
Die übrigen Diener folgen der Reihe nach den Wegen des rituellen Handelns. Die höchste Göttin verweilte dort fünfzig göttliche Jahre.
Kumārikākhaṇḍa 6.67
- bahurūpadharātyugrā utpatet gaganāntare |
ṛṣayo dvādaśastatra ājñārthina upāgatāḥ ||
Sie, die viele Gestalten annimmt und überaus furchterregend ist, flog in den Himmelsraum empor. Zwölf Ṛṣis kamen dorthin, um die Ājñā zu erlangen.
Kumārikākhaṇḍa 6.68
- pūrvābdairatītaiśca siddhanāthena dīkṣitāḥ |
prāṇatyāgena sadbhaktā anvaye siddhibhājanāḥ ||
Nachdem die früher genannten Jahre vergangen waren, wurden sie von Siddhanātha eingeweiht. Durch das Aufgeben ihres Lebens wurden sie zu aufrichtigen Verehrern und in der Überlieferung zu Empfängern der Vollendung.
Kumārikākhaṇḍa 6.69
- kapilaścaiva vālmīkaḥ bhṛguḥ śrīvatsabhṛṅgirāṭ |
ṛṣabhastimiraścaiva gālavaḥ sūryaraśmayaḥ ||
Kapila, Vālmīka, Bhṛgu, Śrīvatsa und Bhṛṅgirāṭ, Ṛṣabha, Timira und Gālava — Sonnenstrahlen gleich —,
Kumārikākhaṇḍa 6.70
- kumāraścandramā jyotiḥ śakraścaiva tu dvādaśaḥ |
evaṃ tretāyuge proktaṃ dakṣapīṭhāvatārakam ||
Kumāra, Candramā und Jyoti sowie Śakra als zwölfter. So wird das Herabkommen des rechten heiligen Sitzes im Tretā-Zeitalter beschrieben.
Kumārikākhaṇḍa 6.71
- oḍiyāṇād viniṣkrāntaṃ dvitīyaṃ pīṭhanāyakam |
atha tṛtīyakaṃ vakṣye yathā bhavati tacchṛṇu ||
Der zweite Herr eines heiligen Sitzes ging aus Oḍiyāṇa hervor. Nun werde ich den dritten beschreiben; höre, wie es sich mit ihm verhält.
Kumārikākhaṇḍa 6.72
- kvacid deśaṃ tathā ramyaṃ deśānāmuttamo nidhiḥ |
diśāṃ dakṣiṇadigbhāge dakṣiṇāpathamaṇḍale ||
Es gibt ein liebliches Land, den vorzüglichsten Schatz unter den Ländern. Es liegt im südlichen Himmelsviertel, im Gebiet des südlichen Landes.
Kumārikākhaṇḍa 6.73
- tatraiva cottamā lokā bhaktivanto dṛḍhavratāḥ |
etaddeśe mahādeśe asti vai bhairavāśramam ||
Dort leben vortreffliche Menschen, hingebungsvoll und fest in ihren Gelübden. In diesem Land, diesem großen Land, befindet sich Bhairavas Einsiedelei.
Kumārikākhaṇḍa 6.74
- bhairavāmṛtasaṃpūrṇaṃ girau madhye virājate |
pūrvaiva saṃsthito devo vimalārthaprabodhakaḥ ||
Ganz vom Nektar Bhairavas erfüllt, erstrahlt sie inmitten des Berges. Vor ihr weilt der Gott, der das reine Wirkliche zur Erkenntnis bringt.
Kumārikākhaṇḍa 6.75
- pañcāśad bhairavāstatra krīḍayanti muhurmuhuḥ |
* * * * * * * * āgatā bhaktitatparāḥ ||
Dort spielen die fünfzig Bhairavas immer wieder. [Ein Versfuß fehlt.] Sie kamen, ganz der Hingabe zugewandt.
Kumārikākhaṇḍa 6.76
- krīḍayanti mahāyāne amṛtena tu pūritāḥ |
pūrṇacandrāvalokena śavarī divyarūpiṇī ||
Vom Nektar erfüllt, spielen sie auf dem großen Weg. Śavarī erscheint durch den Blick des vollen Mondes in göttlicher Gestalt.
Kumārikākhaṇḍa 6.77
- samatvāt sarvabhūtānāṃ samarī tena cocyate |
kalā pūrṇoditā bhūtvā pātālācca samutthitā ||
Weil sie die Gleichheit aller Wesen ist, nennt man sie Samarī. Als voll aufgegangene Kraft erhob sie sich aus der Unterwelt.
Kumārikākhaṇḍa 6.78
- pītavarṇā suśobhāḍhyā divyamālāsvalaṃkṛtā |
tatrāśrame sthiraṃ cittaṃ kṛtaṃ niścalabhāvanā ||
Gelb, von großer Schönheit und mit göttlichen Girlanden geschmückt, machte sie dort in der Einsiedelei den Geist durch unbewegte Betrachtung fest.
Kumārikākhaṇḍa 6.79
- tena niścalamākhyātaṃ bhairavasyākṣaciñciṇī |
evaṃ samarikā nāma sthitā paramavāsanā ||
Deshalb heißt die Einsiedelei Niścala, die Unbewegte. So weilt Bhairavas Akṣaciñciṇī mit Namen Samarikā in der höchsten Wohnstatt.
Kumārikākhaṇḍa 6.80
- kulajāsaptabhiryuktā aṣṭamī tu śivātmikā |
evaṃ jñātvā tu siddho'sau praviṣṭaḥ pītavigrahaḥ ||
Mit sieben aus Kula geborenen Kräften verbunden, ist sie selbst die achte, deren Wesen Śivā ist. Nachdem der Vollendete dies erkannt hatte, trat er in gelber Gestalt ein.
Kumārikākhaṇḍa 6.81
- adṛṣṭavigraho jāto gataḥ pādāgrabhūtale |
maṇḍalotthāpitaṃ bhaktyā yathoktaṃ kulaśāsane ||
Er wurde unsichtbar und begab sich auf den Boden vor ihren Füßen. Hingebungsvoll errichtete er das Maṇḍala, wie es in der Kula-Lehre beschrieben wird.
Kumārikākhaṇḍa 6.82
- kṛtā pūjā yathā coktā paścime yoginīgṛhe |
stuvate tu namaskārairvividhai rativigrahaḥ ||
Er vollzog die Verehrung, wie sie im westlichen Haus der Yoginī gelehrt wird. Als Verkörperung erotischer Lust pries er sie mit vielerlei Verneigungen.
Kumārikākhaṇḍa 6.83
- śaktyucchālasvarūpeṇa plavate ca muhurmuhuḥ |
kṛtaṃ daṇḍanamaskāraṃ toṣitā tena bhairavī ||
Durch das Emporschnellen der Kraft erhob er sich immer wieder. Er warf sich lang ausgestreckt nieder und erfreute so Bhairavī.
Kumārikākhaṇḍa 6.84
- saṃtuṣṭā dadate ājñāṃ vīracakre vraja svayam |
āharasva mahāphalguṃ vīracakrāt sureśvara ||
Zufrieden erteilte sie die Ājñā: Gehe selbst in den Kreis der Helden! Hole aus dem Heldenkreis das große Fleisch, o Herr der Götter!
Kumārikākhaṇḍa 6.85
- evaṃ śrutvā gataḥ siddhastatraivāntarataṃ kvacit |
praviṣṭo vīracakre tu bhūcarīṇāṃ tu madhyataḥ ||
Als der Vollendete dies gehört hatte, begab er sich irgendwo in das Innere jenes Ortes. Er trat in den Kreis der Helden ein, mitten unter die erdwandelnden Yoginīs.
Kumārikākhaṇḍa 6.86
- āmiṣārthī sthitastasmin ahorātrañca pañcakam |
tato'bhyantarasaṃsthaiśca vijñaptamāmiṣārthinam ||
Fleisch begehrend verweilte er dort fünf Tage und Nächte. Die im Inneren Versammelten meldeten darauf, dass er Fleisch begehre.
Kumārikākhaṇḍa 6.87
- taccakraṃ kṣobhitaṃ tasya mahākṣobhamajāyata |
cakrasthairvahitaḥ siddho mathitvā ghaṭake kṛtaḥ ||
Dieser Kreis geriet in Erregung, und große Erregung entstand in ihm. Die im Kreis Versammelten behandelten den Vollendeten, kneteten ihn durch und brachten ihn in einen kleinen Krug.
Kumārikākhaṇḍa 6.88
- vikṣepaṃ madhyataḥ kṣiptaṃ vyomamudrāsumudritam |
pañcarātrasthitaṃ yāvat tiṣṭhate ghaṭakāntare ||
Der Ausstoß wurde in die Mitte geworfen und mit der Himmelsmudrā wohl versiegelt. Fünf Nächte lang blieb er im Inneren des kleinen Kruges.
Kumārikākhaṇḍa 6.89
- devyāyājñāprabhāvena ghaṭaṃ sphoṭya vinirgataḥ |
kṣaṇārdhaṃ tiṣṭhate tatra gṛhṇate āmiṣaṃ tataḥ ||
Durch die Macht der Ājñā der Göttin sprengte er den Krug und trat hervor. Kaum einen halben Augenblick blieb er dort; dann nahm er das Fleisch.
Kumārikākhaṇḍa 6.90
- taccakraṃ trasitaṃ tasya chalaṃ kṛtvā gataḥ svayam |
prāpte devyāśramasthāne pādābjaṃ ca namaskaret ||
Der Kreis geriet vor ihm in Furcht. Nachdem er seine List vollbracht hatte, ging er von selbst fort. Als er zur Einsiedelei der Göttin gelangte, verneigte er sich vor ihren Lotusfüßen.
Kumārikākhaṇḍa 6.91
- dṛṣṭvā taṃ bhairavānandaṃ hṛṣṭā vadati bhairavī |
dvitīyadravyamānītaṃ yogicakrāt sureśvara ||
Als Bhairavī ihn, Bhairavānanda, sah, sprach sie erfreut: Du hast aus dem Yogikreis die zweite Substanz hergebracht, o Herr der Götter.
Kumārikākhaṇḍa 6.92
- tritattvayogayuktānāṃ pratyayaṃ te kṛtaṃ mahat |
śrutvā hṛṣṭamano bhūtvā vijñaped yogimaṇḍalam ||
Damit hast du ein großes Zeichen der Verwirklichung für jene erbracht, die mit dem Yoga der drei Prinzipien verbunden sind. Als er dies hörte, wurde sein Herz froh, und er berichtete von der Versammlung der Yogis:
Kumārikākhaṇḍa 6.93
- gato'haṃ yuṣmadājñātaḥ khecarīcakramelake |
tasmin cakre praviṣṭo'haṃ vijñaptamāmiṣārthinam ||
Auf eure Ājñā hin ging ich zur Zusammenkunft des Kreises der Himmelswandlerinnen. Ich trat in diesen Kreis ein und wurde als einer gemeldet, der Fleisch begehrt.
Kumārikākhaṇḍa 6.94
- śrutvaivaṃ cakrasaṃsthaistu kṣobhāviṣṭairmahābalaiḥ |
mathitvā tu ahaṃ kṣipto madyakumbhāntare tataḥ ||
Als die gewaltigen, von Erregung erfüllten Wesen im Kreis dies hörten, kneteten sie mich durch. Dann wurde ich in einen Weinkrug geworfen.
Kumārikākhaṇḍa 6.95
- vikṣepaṃ kumbhamadhye tu pañcarātrāvadhisthitam |
tato ājñābalenaiva devyāpādāgrasmaraṇāt ||
Der Ausstoß blieb im Krug, bis fünf Nächte vergangen waren. Dann, allein durch die Kraft der Ājñā und durch die Erinnerung an die Füße der Göttin,
Kumārikākhaṇḍa 6.96
- taṃ ghaṭaṃ sphoṭayitvā tu nirgato'haṃ cchalena tu |
evaṃ śrutvā tadā tuṣṭā punarājñāṃ dadecchubhām ||
sprengte ich den Krug und kam durch diese List heraus. Als sie dies hörte, war sie zufrieden und erteilte ihm erneut die glückverheißende Ājñā.
Kumārikākhaṇḍa 6.97
- nāma dattaṃ mahāratnaṃ ṣaṣṭhadevaṃ mahāgurum |
praticārāḥ sthitāstatra yogacintāsamanvitāḥ ||
Dem großen Lehrer wurde als kostbares Juwel der Name Ṣaṣṭhadeva verliehen. Dort weilen die Diener, ganz mit der Betrachtung des Yoga verbunden.
Kumārikākhaṇḍa 6.98
- bhairavāstatra pañcāśat pūrṇagiryāṃ samāgatāḥ |
tena tad bhairavaṃ kṣetraṃ bhairavīsiddhidāyakam ||
Fünfzig Bhairavas kamen dort in Pūrṇagiri zusammen. Deshalb ist dies Bhairavas Feld, das die Vollendung Bhairavīs gewährt.
Kumārikākhaṇḍa 6.99
- āgatāstatra te sarve devyāpādārcane ratāḥ |
pañcopacārapūjāyāṃ aliphalgusamāyutaiḥ ||
Sie alle kamen dorthin, der Verehrung der Füße der Göttin ergeben. In der Verehrung mit fünf Darbringungen, verbunden mit Wein und Fleisch,
Kumārikākhaṇḍa 6.100
- pūjitā pīṭhadevyā ca stutistotrairanekadhā |
asitāṅgaḥ sitāṅgaśca kāpālī bhṛkuṭī kṛtaḥ ||
wurde die Göttin des heiligen Sitzes mit vielerlei Lobreden und Hymnen verehrt. Asitāṅga und Sitāṅga, Kāpālī, Bhṛkuṭī und Kṛta;
Kumārikākhaṇḍa 6.101
- krodhaṃ caiva tathonmattaṃ karālaṃ bhīṣaṇaṃ viduḥ |
maheśvaraṃ mahākāyaṃ aṭṭahāsaṃ ca tumburum ||
Krodha und Unmatta, Karāla und der als Bhīṣaṇa Bekannte, Maheśvara, Mahākāya, Aṭṭahāsa und Tumburu;
Kumārikākhaṇḍa 6.102
- mahākāyaṃ nṛsiṃhaśca vijayaṃ paśupatistathā |
khaṭvāṅgī ḍāmaraṃ ṭaṅkaṃ caṇḍīśaṃ ca pracaṇḍavān ||
Mahākāya und Nṛsiṃha, Vijaya und Paśupati, Khaṭvāṅgī, Ḍāmara, Ṭaṅka, Caṇḍīśa und Pracaṇḍavān;
Kumārikākhaṇḍa 6.103
- muṇḍadhārī śivaṃ śambhuṃ uḍḍāmaṃ ḍāmaraṃ tathā |
ardhanārī vṛddhaṃ śukraṃ kālaṃ caṇḍaṃ kuleśvaram ||
Muṇḍadhārī, Śiva, Śambhu, Uḍḍāma und Ḍāmara, Ardhanārī, Vṛddha, Śukra, Kāla, Caṇḍa und Kuleśvara;
Kumārikākhaṇḍa 6.104
- lamboṣṭhaṃ ghargharaṃ ghoraṃ kāladaṃṣṭrograrūpiṇam |
bhīmanāsaṃ vajrakāyaṃ kaulīśaṃ govṛṣadhvajam ||
Lamboṣṭha, Gharghara, Ghora, Kāladaṃṣṭra und Ugrarūpin, Bhīmanāsa, Vajrakāya, Kaulīśa und Govṛṣadhvaja;
Kumārikākhaṇḍa 6.105
- raktāmbaradharaṃ śūlī vyagrograṃ piṅgalaṃ bhṛguḥ |
trailokyabhāsuraṃ caiva evaṃ pañcāśad bhairavāḥ ||
Raktāmbaradhara, Śūlin, Vyagrogra, Piṅgala, Bhṛgu und Trailokyabhāsura: Dies sind die fünfzig Bhairavas,
Kumārikākhaṇḍa 6.106
- kathitāścānupūrveṇa siddhidāḥ smaritāḥ sadā |
śrīpūrvān bhāṣayet sarvān pūjitavyāḥ prayatnataḥ ||
die in ihrer Reihenfolge beschrieben wurden. Stets vergegenwärtigt, schenken sie Vollendung. Alle soll man mit vorangestelltem Śrī ansprechen und sorgfältig verehren.
Kumārikākhaṇḍa 6.107
- sarve ājñāvidheyāśca devyāḥ padābjapūjakāḥ |
praticārāste vijñeyāḥ pūrṇagiryāṃ mahāyaśāḥ ||
Alle folgen der Ājñā und verehren die Lotusfüße der Göttin. Als ihre ruhmreichen Diener in Pūrṇagiri soll man sie erkennen.
Kumārikākhaṇḍa 6.108
- kuladevyastathā śambho khaṭṭikyādyāḥ smṛtāstrayaḥ |
trayete paricaryāyāṃ trikasaṃjñā tathā bhavet ||
Ebenso werden, Śambhu, drei Kula-Göttinnen genannt, beginnend mit Khaṭṭikī. Diese drei stehen im Dienst und werden die Dreiheit genannt.
Kumārikākhaṇḍa 6.109
- vijayā damanā caiva mahimā ca tṛtīyakā |
trayete khaṭṭikyādyāstu cellakāstrayameva hi ||
Vijayā, Damanā und als dritte Mahimā: Diese drei sind die drei Dienerinnen der Gruppe um Khaṭṭikī.
Kumārikākhaṇḍa 6.110
- vikramaṃ ḍobikaṃ sadyaṃ teṣāṃ saṃjñātrayaṃ viduḥ |
praticārāḥ smṛtā hyete parikarme udāhṛtāḥ ||
Vikrama, Ḍobika und Sadya kennt man als die drei Namen der Diener. Sie sind dazu bestimmt, den Dienst zu versehen.
Kumārikākhaṇḍa 6.111
- anyeṣāṃ praticārīṇāṃ devagandharvayoṣitām |
parisaṃkhyā na vidyate maṇḍalāgre varānane ||
Die übrigen Dienenden vor dem Maṇḍala — Götter, Gandharvas und Frauen — sind unzählbar, o Schönantlitzige.
Kumārikākhaṇḍa 6.112
- evaṃ devyāḥ svarūpeṇa pūrṇapīṭhamudāhṛtam |
pūrṇāvvā prakaṭā jñeyā guptapīṭhamataḥ śṛṇu ||
So wird der heilige Sitz Pūrṇa in der Gestalt der Göttin beschrieben. Pūrṇāvvā ist als seine offenbare Gestalt zu erkennen. Höre nun vom verborgenen Sitz.
Kumārikākhaṇḍa 6.113
- khecaraṃ nāma pīṭhaṃ tu śavarīdevatālayam |
mātā ca maṅgalāvvā ca ṣaṣṭhadevaḥ svayaṃ prabhuḥ ||
Der heilige Sitz namens Khecara ist die Wohnstatt der Gottheit Śavarī. Die Mutter ist Maṅgalāvvā, und Ṣaṣṭhadeva selbst ist der Herr.
Kumārikākhaṇḍa 6.114
- padmamudrā punastatra dhyānapīṭhamudāhṛtam |
evaṃ bhairavapīṭhaṃ tu śmaśānaṃ kathayāmi te ||
Dort ist auch die Lotusmudrā; er wird der heilige Sitz der Meditation genannt. Nun werde ich dir die Leichenstätte als heiligen Sitz Bhairavas beschreiben.
Kumārikākhaṇḍa 6.115
- nāmnā uḍḍāmarākhyaṃ tu sabhayaṃ yoginirbhayam |
samayaṃ saṃsthitaṃ tatra kaulabhedaṃ tu bhūtale ||
Sie heißt Uḍḍāmara. Furchterregend ist sie, doch für den Yogi ohne Furcht. Dort besteht die verbindliche Ordnung als Kaula-Zweig auf der Erde.
Kumārikākhaṇḍa 6.116
- tena kaṣṭataraṃ raudraṃ kālaṃ tatra vyavasthitam |
siddhibhājanavīrāṇāṃ yogajñānaprabodhakam ||
Deshalb weilt dort der Tod, überaus schwer zu bestehen und schrecklich. Den Helden, die der Vollendung teilhaftig sind, erschließt diese Stätte die Erkenntnis des Yoga.
Kumārikākhaṇḍa 6.117
- yogināṃ siddhidātāraṃ anyeṣāṃ na kadācana |
śmaśānapālakastatra nāmnā ca vikṛtānanaḥ ||
Sie verleiht den Yogis Vollendung, anderen dagegen niemals. Der Hüter der Leichenstätte heißt Vikṛtānana.
Kumārikākhaṇḍa 6.118
- evaṃ cottarapīṭhaṃ tu dakṣasiṃhāsane sthitam |
divyavarṣaśataṃ sārdhaṃ sthitvā sā gaganaṃ gatā ||
So befindet sich der nördliche heilige Sitz auf dem rechten Löwenthron. Nachdem sie dort hundertfünfzig göttliche Jahre verweilt hatte, ging sie in den Himmelsraum ein.
Kumārikākhaṇḍa 6.119
- siddhanāthenānuṣṭhānaṃ bahukālaṃ kṛtaṃ svayam |
divyajñānaprabhāveṇa tatraivāntaradhīyata ||
Siddhanātha selbst vollzog lange Zeit die Observanz. Durch die Kraft göttlicher Erkenntnis verschwand er ebendort.
Kumārikākhaṇḍa 6.120
- dvipañca ṛṣayastena śiṣyaputrāḥ kṛtānvaye |
varuṇaṃ ca tathāgastī vṛddhaṃ śukraṃ janārdanam ||
Zweimal fünf Ṛṣis machte er in der Überlieferung zu Schülern und Söhnen: Varuṇa, Agastī, Vṛddha, Śukra und Janārdana,
Kumārikākhaṇḍa 6.121
- yamaṃ ca nāradaṃ ketuṃ rāhuścaiva dvipañcakam |
pūrṇapīṭhāvatāraṃ tu saṃjātaṃ dvāpare yuge ||
Yama, Nārada, Ketu und Rāhu — zweimal fünf. Das Herabkommen des heiligen Sitzes Pūrṇa geschah im Dvāpara-Zeitalter.
Kumārikākhaṇḍa 6.122
- jālandharād viniṣkrāntaṃ tṛtīyaṃ pīṭhanāyakam |
caturthaṃ saṃpravakṣyāmi avatāraṃ yathā bhavet ||
Der dritte Herr eines heiligen Sitzes ging aus Jālandhara hervor. Nun werde ich beschreiben, wie sich das vierte Herabkommen vollzieht.
Kumārikākhaṇḍa 6.123
- dvīpānte divyamastīti sthānaṃ siddhāśramaṃ mahat |
kvacid deśaṃ mahāramyaṃ divyaṃ cātimanoramam ||
Am Ende einer Insel liegt ein göttlicher Ort, die große Einsiedelei der Vollendeten: irgendwo ein überaus liebliches Land, himmlisch und höchst bezaubernd.
Kumārikākhaṇḍa 6.124
- sānnidhyaṃ bhavate tatra yoginīnāṃ gṛhe gṛhe |
samayaṃ sarvabhūtānāṃ śāstro'yaṃ śrīkujāmatam ||
Dort sind die Yoginīs in jedem Haus unmittelbar gegenwärtig. Die verbindliche Ordnung für alle Wesen ist diese Schrift, die Lehre der erhabenen Kujā.
Kumārikākhaṇḍa 6.125
- bhagākhyā kāmarūpeṇa tatra kāmeśvarī sthitā |
rasasiddhāstu pañcāśat kāmecchākrīḍanirbharāḥ ||
Die Bhaga, Schoß, Genannte weilt dort als Kāmeśvarī in der Gestalt des Begehrens. Fünfzig im Rasa vollendete Adepten sind vom Verlangen nach Liebesspiel erfüllt.
Kumārikākhaṇḍa 6.126
- tena siddhāśramaṃ proktaṃ śavarī dṛḍhayauvanā |
svayaṃbhūrjāyate bhūmau śūnyadevakulottare ||
Deshalb wird der Ort Einsiedelei der Vollendeten genannt. Śavarī, in der Kraft ihrer Jugend, entsteht von selbst auf der Erde, im nördlichen Haus des Gottes der Leere.
Kumārikākhaṇḍa 6.127
- mātarīsaptasahitā aṣṭamī tatra devatā |
devāgāre bhramennityaṃ kadambākhyaṃ trilocana ||
Mit den sieben Müttern vereint, ist sie dort die achte Gottheit. Das Kadamba Genannte dreht sich beständig in der Wohnstatt der Gottheit, o Dreiäugiger.
Kumārikākhaṇḍa 6.128
- tena vṛkṣaṃ samākhyātaṃ kadambaṃ kāmarūpake |
kāmarūpī ca bhagavān śvetarūpadharo mahān ||
Deshalb wird der Baum in Kāmarūpaka Kadamba genannt. Der erhabene Gott hat die Gestalt des Begehrens; groß ist er und trägt eine weiße Gestalt.
Kumārikākhaṇḍa 6.129
- mitradevaḥ svayaṃ siddhaḥ śāpānugrahakārakaḥ |
svāmibhaktivaśāt tatra avatāraṃ karoti saḥ ||
Er ist Mitradeva selbst, der Vollendete, der Fluch und Gnade gewährt. Von der Hingabe an seine Herrin bewegt, steigt er dort herab.
Kumārikākhaṇḍa 6.130
- pādukābjaṃ namaskṛtvā praviṣṭo yoginīgṛhe |
kalakalaravaṃ muñcati devyāḥ pādāgrasmaraṇāt ||
Nachdem er sich vor dem Lotus ihrer Sandalen verneigt hatte, trat er in das Haus der Yoginī ein. Durch die Erinnerung an die Füße der Göttin ließ er ein lautes Tosen erschallen.
Kumārikākhaṇḍa 6.131
- maṇḍalaṃ sthāpayed divyaṃ nirdiṣṭaṃ yat kulānvaye |
cintāmaṇimahāpuṣpaiḥ surā kādambarī śubhā ||
Er errichtete das göttliche Maṇḍala, wie es in der Kula-Überlieferung gelehrt wird. Mit großen Blüten aus wunscherfüllenden Edelsteinen wurde die glückverheißende Kādambarī, die Wein-Göttin,
Kumārikākhaṇḍa 6.132
- śāvarī pūjitā siddhairyayā sṛṣṭaṃ carācaram |
divyolkā nirgatā vakrā siddhanāthasya paścime ||
als Śāvarī von den Vollendeten verehrt, sie, die alles Bewegliche und Unbewegliche erschaffen hat. Vakrā trat als göttliche Feuererscheinung im Westen Siddhanāthas hervor.
Kumārikākhaṇḍa 6.133
- kulajñānaṃ tathā prāṇaṃ sarvasvaṃ ca niveditam |
pradakṣiṇaśataṃ kṛtvā sāṣṭāṅgaṃ tu namaskaret ||
Er brachte das Wissen des Kula, seinen Lebenshauch und all seinen Besitz dar. Nachdem er sie hundertmal umschritten hatte, verneigte er sich mit achtgliedriger Niederwerfung.
Kumārikākhaṇḍa 6.134
- prasannā śavarī tasya ājñāṃ dadati puṣkalām |
vadate mitradeveśa uttiṣṭha jagatāraka ||
Mit ihm zufrieden, verlieh Śavarī ihm die Fülle der Ājñā. Sie sprach: Erhebe dich, Mitradeveśa, Retter der Welt!
Kumārikākhaṇḍa 6.135
- vicarasva yathāśaktyā kāmarūpe kalau yuge |
sṛṣṭisaṃhārakartāraṃ tvamekaḥ kulaśāsane ||
Wandle deiner Kraft entsprechend in Kāmarūpa im Kali-Zeitalter. In der Kula-Lehre bist du allein Schöpfer und Auflöser.
Kumārikākhaṇḍa 6.136
- guṭikāsiddhiste dattā vicarasva yathāsukham |
pūjayitvā namaskṛtvā sarve tatra samāgatāḥ ||
Dir ist die Vollendung der Guṭikā verliehen. Wandle umher, wie es dir gefällt! Nachdem sie Verehrung und Verneigung vollzogen hatten, kamen dort alle zusammen.
Kumārikākhaṇḍa 6.137
- tato hṛṣṭamanā bhūtvā devī vacanamabravīt |
yuṣmadupārjitaṃ kiñcit guṭikādi mahāyaśāḥ ||
Darauf sprach die Göttin mit erfreutem Herzen: Ihr Ruhmreichen, was immer ihr erlangt habt, angefangen mit der Guṭikā,
Kumārikākhaṇḍa 6.138
- tat sarvaṃ matprasādena saphalaṃ ca bhaviṣyati |
evaṃ labdhavarā bhūtvā tatraivāntarasaṃsthitāḥ ||
das alles wird durch meine Gnade Frucht tragen. Nachdem sie so den Segen empfangen hatten, verweilten sie dort im Inneren.
Kumārikākhaṇḍa 6.139
- praticārāḥ smṛtāḥ sarve pañcāśājñāvidheyikāḥ |
akulaṃ vimalaṃ yogī ānandaṃ kamaleśvaram ||
Alle fünfzig werden als Diener bezeichnet, die der Ājñā folgen: Akula, Vimala, Yogī, Ānanda und Kamaleśvara;
Kumārikākhaṇḍa 6.140
- bahulaṃ pulinaṃ bhūtirmadanaḥ kaṅkarāṭ śiśuḥ |
kumudaṃ capalaṃ śyāmaṃ tamālaṃ gadakoṃkaṇam ||
Bahula, Pulina, Bhūti, Madana, Kaṅkarāṭ und Śiśu, Kumuda, Capala, Śyāma, Tamāla, Gada und Koṃkaṇa;
Kumārikākhaṇḍa 6.141
- kaulīśaṃ kamalaṃ kāntiṃ damathaṃ aṭavīmukham |
amṛtaṃ kumbhakeśaśca kālanāma tu ghurghuram ||
Kaulīśa, Kamala, Kānti, Damatha, Aṭavī und Mukha, Amṛta und Kumbhakeśa, der Kāla Genannte und Ghurghura;
Kumārikākhaṇḍa 6.142
- amoghaṃ sundaraṃ caiva saṃvartaṃ prabhuravyayam |
krodhīśaṃ nayanaṃ kānti ākāśaṃ paramaṃ śaśiḥ ||
Amogha und Sundara, Saṃvarta, Prabhu und Avyaya, Krodhīśa, Nayana, Kānti, Ākāśa, Parama und Śaśi;
Kumārikākhaṇḍa 6.143
- kauberaṃ kulavāgīśaṃ kuberaṃ virajaṃ viduḥ |
nityānandaṃ tathā śvetaṃ yogeśvaraṃ gaṇeśvaram ||
Kaubera, Kulavāgīśa, Kubera und der als Viraja Bekannte, Nityānanda und Śveta, Yogeśvara und Gaṇeśvara;
Kumārikākhaṇḍa 6.144
- someśvaraṃ kulādhāraṃ naktaṃ dhūrjaṭi saṃkhyayā |
evaṃ pañcāśat siddhāśca mātṛkāderanukramāt ||
Someśvara, Kulādhāra, Nakta und Dhūrjaṭi: Nach ihrer Zahl sind dies fünfzig Vollendete, entsprechend der Reihenfolge der Mātṛkā und der übrigen Lautkräfte.
Kumārikākhaṇḍa 6.145
- siddhā rasakṛṣā deva sthitā āsthānamaṇḍape |
praticārī tathā sapta tatraiva ca vyavasthitāḥ ||
Die Vollendete Rasakṛṣā weilt, o Gott, im Versammlungspavillon. Ebenso befinden sich dort sieben Dienerinnen.
Kumārikākhaṇḍa 6.146
- trīṇi bāhye samuddiṣṭāḥ śilpinī cakriṇī dvayam |
mātaṅginī tṛtīyā ca trayete praticārikāḥ ||
Drei werden für den äußeren Bereich genannt: Śilpinī und Cakriṇī, die beiden, und Mātaṅginī als dritte. Dies sind die drei Dienerinnen.
Kumārikākhaṇḍa 6.147
- guptasaṃjñā bhavet teṣāṃ yathā śāstre nigadyate |
sunandinī ca bhadrā ca cchiṃcchā devī tṛtīyakā ||
Sie haben geheime Namen, wie sie in der Schrift gelehrt werden. Sunandinī und Bhadrā sowie die Göttin Cchiṃcchā als dritte
Kumārikākhaṇḍa 6.148
- cellakāḥ praticārāśca tāraṃ vajradharaṃ kulam |
trayete smṛtāstatra praticārāśca bhairava ||
sind die Dienerinnen. Die männlichen Diener sind Tāra, Vajradhara und Kula. Diese drei gelten dort als Diener, o Bhairava.
Kumārikākhaṇḍa 6.149
- evaṃ siddhāśramaṃ hyugraṃ devyā ājñāprabhāvataḥ |
tena pīṭhaṃ samākhyātaṃ nāmnā vai kāmarūpakam ||
So ist die Einsiedelei der Vollendeten durch die Macht der Ājñā der Göttin gewaltig. Deshalb wird der heilige Sitz Kāmarūpaka genannt.
Kumārikākhaṇḍa 6.150
- kāmukatve yadā devo kāmarūpaṃ taducyate |
śvetaṃ varṇaṃ bhavet tasmin śvetarūpeṇa nāyakī ||
Wenn der Gott im Zustand des Begehrens ist, wird dies Kāmarūpa genannt. Dort ist die Farbe weiß; die Herrin trägt eine weiße Gestalt.
Kumārikākhaṇḍa 6.151
- ubhayoryogabhāvena bālikā pīṭhadevatā |
bhagāgre tu vijānīyāt pīṭhedaṃ kāmarūpakam ||
Durch den Zustand der Vereinigung beider ist Bālikā, das Mädchen, die Gottheit des heiligen Sitzes. Diesen Sitz Kāmarūpaka soll man an der Vorderseite des Schoßes erkennen.
Kumārikākhaṇḍa 6.152
- kāmārthāya samāyuktaṃ guptayugmaṃ bravīmyaham |
ucchuṣmapīṭhaṃ varāroha śāvarasya tu śāvarī ||
Ich werde das verborgene Paar beschreiben, das zur Erfüllung des Begehrens vereint ist. Der heilige Sitz heißt Ucchuṣma, o Schöngestalteter; dort ist die Śāvarī des Śāvara.
Kumārikākhaṇḍa 6.153
- nāmnā sā koṅkaṇā devī koṃkaṇāt tu vinirgatā |
tathā ca bhavate siddhaḥ mitradeveti nāmataḥ ||
Die Göttin heißt Koṅkaṇā und ist aus Koṃkaṇa hervorgegangen. Ebenso heißt der Vollendete dort Mitradeva.
Kumārikākhaṇḍa 6.154
- yonimudrāṃ vijānīyāt yonyagre mātṛmaṇḍale |
tatraivāntaramārgasthaṃ śmaśānamaṭavīmukham ||
Die Yoni-Mudrā soll man im Kreis der Mütter vor der Yoni erkennen. Dort liegt auf dem inneren Weg die Leichenstätte Aṭavīmukha.
Kumārikākhaṇḍa 6.155
- nāyakastatra vikhyātaḥ śaṅkhapālaḥ kṛtāntavat |
rākṣasāstasya sevante tathā gagananāyakāḥ ||
Der dort bekannte Anführer Śaṅkhapāla gleicht dem Tod. Rākṣasas dienen ihm und ebenso die Anführer im Himmelsraum.
Kumārikākhaṇḍa 6.156
- rātrau prajvalite dīpe krīḍate yoginīgaṇam |
yamacakraṃ sthitaṃ tatra yoginīvīrasaṃgamam ||
Nachts, wenn die Lampe entzündet ist, spielt die Schar der Yoginīs. Dort weilt Yamas Kreis, in dem Yoginīs und Helden zusammenkommen.
Kumārikākhaṇḍa 6.157
- raudradine suṛkṣe ca melāpaṃ bhavate tataḥ |
viṣayaṃ kulakaulaṃ tu yoginīvīramelakam ||
An Rudras Tag, unter einem günstigen Mondgestirn, findet die Vereinigung statt. Der Bereich heißt Kulakaula, die Zusammenkunft der Yoginīs und Helden.
Kumārikākhaṇḍa 6.158
- siddhanāthaḥ sthitastatra antardhāne mahāprabhuḥ |
evaṃ tadagrapīṭhaṃ tu pīṭhadevyā samanvitam ||
Siddhanātha, der große Herr, weilt dort unsichtbar. So ist dieser vordere heilige Sitz mit seiner Göttin verbunden.
Kumārikākhaṇḍa 6.159
- saṃsthitā divyarūpeṇa kāmabhogasukhe ratā |
datvā siddhasya pīṭhaṃ taṃ gatā sā khecarīkrame ||
Sie weilt dort in göttlicher Gestalt und erfreut sich am Glück des Liebesgenusses. Nachdem sie dem Vollendeten diesen Sitz übergeben hatte, ging sie in die Überlieferungsfolge der Himmelswandlerin ein.
Kumārikākhaṇḍa 6.160
- tataḥ siddhānvayaṃ jātaṃ anekāstatra dīkṣitāḥ |
citraseno nāsikastu śukastrailokyapālakaḥ ||
Daraus entstand die Überlieferungslinie der Vollendeten, und viele wurden dort eingeweiht: Citrasena, Nāsika, Śuka und Trailokyapālaka,
Kumārikākhaṇḍa 6.161
- kapālī ḍāmaraścaiva vighneśaṃ kālapāśakam |
ṛṣayo'ṣṭau smṛtā hyete dīkṣitāḥ siddhanāyakāḥ ||
Kapālī und Ḍāmara, Vighneśa und Kālapāśaka. Diese acht werden als Ṛṣis bezeichnet, als Eingeweihte und Anführer der Vollendeten.
Kumārikākhaṇḍa 6.162
- kāmarūpāvatāro'yaṃ saṃjātaṃ ca kalau yuge |
pūrṇapīṭhād viniṣkrāntaṃ bhuktimuktiphalapradam ||
Dieses Herabkommen Kāmarūpas geschah im Kali-Zeitalter. Aus dem heiligen Sitz Pūrṇa hervorgegangen, schenkt es als Frucht weltliche Erfüllung und Befreiung.
Kumārikākhaṇḍa 6.163
- evaṃ kṛtayugārabhya pīṭhāmnāyaṃ catuṣṭayam |
yo vetti sa kilāmnāye anyathā nāmadhārakaḥ ||
So besteht seit dem Kṛta-Zeitalter die vierfache Überlieferung der heiligen Sitze. Wer sie kennt, steht wahrhaft in dieser Überlieferung; andernfalls trägt er nur ihren Namen.
Kumārikākhaṇḍa 6.164
- tasmin kaliyugasyānte śrīmatkāmākhyamaṇḍale |
tasmin siddhāśrame pūrve aṭavyāṃ tisrasaṃjñakam ||
Am Ende dieses Kali-Zeitalters wird im Gebiet des erhabenen Kāmākhya, in jener Einsiedelei der Vollendeten, im östlichen Gehölz der Tisra genannte Ort sein.
Kumārikākhaṇḍa 6.165
- nadīsrotatraye madhye vighneśaṃ kṣetrapālakam |
devatāśramaṃ tat sthānaṃ tisrapīṭheti sūcitam ||
Inmitten der Strömungen dreier Flüsse ist Vighneśa der Hüter des Feldes. Dieser Ort, die Einsiedelei der Gottheit, wird als Tisrapīṭha bezeichnet.
Kumārikākhaṇḍa 6.166
- bhaktihīne śaṭhe loke mandājñā saṃpravartate |
dvīpānte cottare bhāge trikūṭabhuvaneṣu ca ||
In einer hinterlistigen Welt ohne Hingabe wirkt die Ājñā nur schwach. Am Ende der Insel, im nördlichen Teil und in den Welten des Dreigipfels,
Kumārikākhaṇḍa 6.167
- māyā mātaṅgirūpeṇa triṣu srotasu madhyataḥ |
tisranadyāṃ gataṃ sthānaṃ yakṣakandaramāgatam ||
weilt Māyā in Mātaṅgīs Gestalt inmitten der drei Ströme. Er gelangte an den Ort am Fluss Tisra und kam zur Schlucht der Yakṣas.
Kumārikākhaṇḍa 6.168
- kṛtaṃ tatrāvatāraṃ tu pīṭhaṃ tisrākhyasaṃbhavam |
kṛtaḥ pūrvatanurdeva gopito martyalokataḥ ||
Dort vollzog er sein Herabkommen, und der Tisra genannte heilige Sitz entstand. O Gott, er nahm die frühere Gestalt an und blieb der Menschenwelt verborgen.
Kumārikākhaṇḍa 6.169
- kalāvardhe tato devaṃ prakaṭaṃ pañcamaṃ bhavet |
tatrārabhya kramāyātaṃ tataḥ saṃvartakaṃ bhavet ||
Dann wird in der Mitte des Kali-Zeitalters der fünfte Gott offenbar. Von dort aus wird in der überlieferten Folge der Weltuntergangsbrand eintreten.
Kumārikākhaṇḍa 6.170
- ājñāyāstamanaṃ bhūyaḥ vartate martyalokataḥ |
tvayā sārdhamanuṣṭhānaṃ mayā pūrvaṃ kṛtaṃ tataḥ ||
Die Ājñā geht erneut in der Menschenwelt unter. Zuvor hatte ich dort gemeinsam mit dir die Observanz vollzogen.
Kumārikākhaṇḍa 6.171
- tvaṃ ca tatra mataṅgīśaṃ saṃjātaṃ cāntime yuge |
antyajājñāprasūtistu punaḥ santānamarhati ||
Du wurdest dort im letzten Zeitalter Mataṅgīśa. Die aus der Ājñā der Antyajā hervorgehende Überlieferung soll erneut eine Nachkommenschaft erhalten.
Kumārikākhaṇḍa 6.172
- punaḥ sthitikramādāya tisrapīṭhād vinirgatam |
ughaṃ gurugṛhaṃ deva tailikākramamaṇḍalam ||
Indem sie wieder die Folge des Bestehens aufnimmt, geht sie aus dem heiligen Sitz Tisra hervor. Der Strom ist das Haus des Lehrers, o Gott, das Maṇḍala der Überlieferungsfolge der Ölpresserin.
Kumārikākhaṇḍa 6.173
- prakaṭaṃ tad bhaviṣyeta sadyojñānaṃ pravartate |
mahāsānnidhyamatulaṃ evaṃ pīṭhānvayaṃ bhavet ||
Dies wird offenbar werden, und unmittelbare Erkenntnis wird wirksam sein. So wird die Überlieferung des heiligen Sitzes von unvergleichlicher, großer Gottesnähe erfüllt sein.
Kumārikākhaṇḍa 6.174
- tasmin yuge hyahaṃ vṛkṣaṃ tvayā hyakulakandare |
etad yugāntimaṃ pīṭhaṃ pañcamaṃ pīṭhanāyakam ||
In jenem Zeitalter bin ich gemeinsam mit dir der Baum in der Schlucht des Akula. Dies ist der heilige Sitz am Ende des Zeitalters, der fünfte Herr der Sitze.
Kumārikākhaṇḍa 6.175
- caturthe kaliyuge prāpte mleccharājye tu uttare |
itare guruśiṣye tu lobhamohavaśaṃ gate ||
Wenn das vierte, das Kali-Zeitalter, gekommen ist und im Norden eine Herrschaft der Mlecchas besteht; wenn andere Lehrer und Schüler unter die Gewalt von Gier und Verblendung geraten,
Kumārikākhaṇḍa 6.176
- ājñāveśe gate kṣīṇe adhikāre kṣayaṃ gate |
samayabhaṅgasaṃprāpte gurorājñā ca laṅghane ||
wenn das Ergriffensein von der Ājñā geschwunden ist, die Befugnis zugrunde geht, die verbindliche Ordnung gebrochen und die Ājñā des Lehrers übertreten wird,
Kumārikākhaṇḍa 6.177
- punaḥ sṛṣṭiṃ kariṣyāmi avatāraṃ tu pañcamam |
tisrākhye tu mahāpīṭhe sarvapīṭhaparīvṛte ||
dann werde ich erneut eine Schöpfung hervorbringen, das fünfte Herabkommen, am großen heiligen Sitz namens Tisra, umgeben von allen heiligen Sitzen.
Kumārikākhaṇḍa 6.178
- sarveṣāmuttare ghore sadyonigrahakārake |
punaḥ sthitiṃ kramaughasya tasmād vai pīṭhapañcamāt ||
Er steht über allen, ist schrecklich und vollzieht unmittelbar die Züchtigung. Von diesem fünften Sitz aus wird der Strom der Überlieferungsfolge wieder Bestand haben.
Kumārikākhaṇḍa 6.179
- tat cāṣṭāviṃśamaṃ bhedaṃ pūjyamānaṃ bhaviṣyati |
kubjikā adhikāriṇī tathā siddho mataṅgakaḥ ||
Jener achtundzwanzigste Zweig wird verehrt werden. Kubjikā wird die Befugnis innehaben und Mataṅgaka der Vollendete sein.
Kumārikākhaṇḍa 6.180
- dvāvetau sṛṣṭikartārau kalisyānte na saṃśayaḥ |
evaṃ pīṭhaṃ bhavet tisraṃ guptaṃ vai pīṭhanāyakam ||
Am Ende des Kali-Zeitalters sind diese beiden die Schöpfer, daran besteht kein Zweifel. So wird Tisra der verborgene Herr der heiligen Sitze sein.
Kumārikākhaṇḍa 6.181
- tisrapīṭhe tu tisrāvvā triṣu lokeṣu viśrutā |
guptasaṃjñā bhavet tatra bindutattve vyavasthitam ||
Am heiligen Sitz Tisra ist Tisrāvvā in den drei Welten bekannt. Dort ist ihr Name geheim; sie ruht im Prinzip des Bindu.
Kumārikākhaṇḍa 6.182
- kucandraṃ pīṭhasiddhaṃ ca avvā sā vakrikā svayam |
kramasaṃjñā tathā mudrā bhavate tu kadambinī ||
Kucandra ist der Vollendete des Sitzes; die Mutter ist Vakrikā selbst. Kadambinī ist der Name der Überlieferungsfolge und ebenso der Mudrā.
Kumārikākhaṇḍa 6.183
- tāḍanāt tāḍivṛkṣaṃ tu dahyamānaṃ bhavet tataḥ |
divyajñānaprabhāveṇa siddhanāthe prakāśitam ||
Durch das Schlagen heißt der Baum Tāḍī; darauf wird er verbrannt. Durch die Kraft göttlicher Erkenntnis wird Siddhanātha offenbart,
Kumārikākhaṇḍa 6.184
- pañcamaṃ cottamaṃ pīṭhaṃ kalisyānte na saṃśayaḥ |
tisrapīṭhāt samārabhya pūjākriyā pravartate ||
dass dies am Ende des Kali-Zeitalters der fünfte und höchste heilige Sitz ist, ohne Zweifel. Vom Sitz Tisra aus nimmt die rituelle Verehrung ihren Anfang.
Kumārikākhaṇḍa 6.185
- oṃkārāditaḥ pīṭhānāṃ uktā ye praticārakāḥ |
praticāryaśca tāḥ sarvāḥ bhaviṣyanti ca pañcame ||
Alle männlichen Diener, die für die heiligen Sitze von Oṃkāra an genannt wurden, und ebenso sämtliche Dienerinnen werden auch am fünften sein.
Kumārikākhaṇḍa 6.186
- bhaviṣyanti na saṃdeho tisrākhye pīṭhanāyake |
śmaśānānāmaghoraṃ tu surasiddhanamaskṛtam ||
Sie werden, daran besteht kein Zweifel, am Tisra genannten Herrn der Sitze sein. Unter den Leichenstätten ist er der Nichtschreckliche, von Göttern und Vollendeten verehrt,
Kumārikākhaṇḍa 6.187
- nāyakaṃ ghoranāmānāṃ sasiddhāmaravanditam |
ardhacandrottare pīṭhaṃ bhagamūrdhni vinirgatam ||
der Anführer der als schrecklich Bezeichneten, von Vollendeten und Unsterblichen gepriesen. Der Sitz liegt oberhalb des Halbmondes und ist am Scheitel des Schoßes hervorgegangen.
Kumārikākhaṇḍa 6.188
- tatrasthā paramā kālī divyajñānaprakāśakī |
pāramparye kramaṃ jñānaṃ śāstro'yaṃ vimalaṃ matam ||
Dort weilt die höchste Kālī, die göttliche Erkenntnis erhellt. Diese Schrift ist die reine Lehre: Erkenntnis der Überlieferungsfolge, durch die Reihe der Lehrer weitergegeben.
Kumārikākhaṇḍa 6.189
- bhaviṣye prakaṭaṃ nātha kalisyārdhe na saṃśayaḥ |
idaṃ pīṭhāvatāro'yaṃ kathitaṃ tava sundara ||
Sie wird künftig in der Mitte des Kali-Zeitalters offenbar, Herr, daran besteht kein Zweifel. Dieses Herabkommen der heiligen Sitze habe ich dir beschrieben, o Schöner.
Kumārikākhaṇḍa 6.190
- bhaviṣyaṃ ca vibhāvyate pañcamaṃ tisrapīṭhakam |
bālakramaṃ ca kāmākhye khecaraṃ jālapīṭhake ||
Als künftig wird der fünfte, der heilige Sitz Tisra, betrachtet. Die Überlieferung des Kindes ist in Kāmākhya, die des Himmelswandlers am Sitz Jāla,
Kumārikākhaṇḍa 6.191
- kaumāraṃ pūrṇapīṭhe tu oḍiyāṇe tu vṛddhakam |
evaṃ pīṭhakramaṃ jñātvā pāramparyakramāgatam ||
die des Jugendlichen am heiligen Sitz Pūrṇa und die des Alten in Oḍiyāṇa. Wer so die durch die Lehrerfolge überkommene Ordnung der heiligen Sitze erkannt hat,
Kumārikākhaṇḍa 6.192
- yastu saṃpūjayennityaṃ sa sākṣād bhairavaḥ svayam |
pīṭhān paryaṭate yo vai ācāryaḥ sādhako'pi vā ||
und sie beständig verehrt, ist Bhairava selbst in unmittelbarer Gegenwart. Wer die heiligen Sitze durchwandert, sei er Lehrer oder praktizierender Adept,
Kumārikākhaṇḍa 6.193
- sa muktaḥ sa śivaḥ sākṣāt sāmnāyī deśikottamaḥ |
brahmahatyāsahasraikaṃ gohatyāmayutaṃ tathā ||
ist befreit, ist Śiva in unmittelbarer Gegenwart, gehört der Überlieferung an und ist ein vorzüglicher Lehrer. Tausend Brahmanentötungen und zehntausend Kuhtötungen,
Kumārikākhaṇḍa 6.194
- sarvapāpā vinaśyanti asaṃkhyāḥ pīṭhasevanāt |
pūjayennityamevaṃ hi sadā pīṭhacatuṣṭayam ||
ja alle zahllosen Verfehlungen vergehen durch den Dienst an den heiligen Sitzen. Deshalb soll man stets und fortwährend die vier heiligen Sitze verehren.
Kumārikākhaṇḍa 6.195
- tasyecchā bhavate siddhiryoginīnāṃ priyo bhavet |
śrīpūrvān bhāṣayet sarvān pīṭhānte yān vyavasthitān ||
Sein Wunsch wird zur Vollendung, und er wird den Yoginīs lieb. Alle, die innerhalb der heiligen Sitze weilen, soll man mit vorangestelltem Śrī ansprechen.
Kumārikākhaṇḍa 6.196
- tebhyo labdhavaro bhūtvā rudraloke mahīyate |
uḍiyāṇe praviṣṭo yo vīro darpaṃ kariṣyati ||
Nachdem er von ihnen einen Segen empfangen hat, wird er in Rudras Welt geehrt. Doch der Held, der Uḍiyāṇa betritt und dort Hochmut zeigt,
Kumārikākhaṇḍa 6.197
- dāridryaṃ maraṇaṃ tasya māsamekaṃ sa jīvati |
jālandhare tu yo darpaṃ mūḍhātmā ca kariṣyati ||
wird arm und stirbt; einen Monat lebt er noch. Der Tor aber, der in Jālandhara Hochmut zeigt,
Kumārikākhaṇḍa 6.198
- taskaro hanate tasya nadī vā vyādhidāruṇā |
ṣaṇmāsaṃ jīvitaṃ tasya mriyate bāndhavaiḥ saha ||
wird von einem Räuber, einem Fluss oder einer furchtbaren Krankheit getötet. Sechs Monate dauert sein Leben; er stirbt zusammen mit seinen Angehörigen.
Kumārikākhaṇḍa 6.199
- athavā pūrṇapīṭhe tu dveṣaṃ saṃcarate tu yaḥ |
ahaṃkāraṃ ca kurute agnidāhād vinaśyati ||
Wer am heiligen Sitz Pūrṇa Hass verbreitet und sich selbst überhebt, kommt durch Verbrennung im Feuer um
Kumārikākhaṇḍa 6.200
- athavā viṣasaṃgrāme mriyate māsapañcame |
kāmarūpe sukhāsīnaḥ kaścid darpaṃ kariṣyati ||
oder stirbt im fünften Monat in einem gefährlichen Kampf. Wer in Kāmarūpa bequem sitzt und Hochmut zeigt,
Kumārikākhaṇḍa 6.201
- adṛṣṭamudgarāghātaḥ patate tasya mūrdhani |
śuṣyate svaśarīreṇa mriyate pakṣamadhyataḥ ||
auf dessen Scheitel fällt der Schlag eines unsichtbaren Hammers. Sein Körper vertrocknet, und er stirbt in der Mitte des Mondhalbmonats.
Kumārikākhaṇḍa 6.202
- darpaṃ kṛtvā tu subhaga sa gururnarakaṃ vrajet |
tasmāt tasya na bhuktiḥ syāt paratra ca na vidyate ||
Der Lehrer, der sich hochmütig verhält, gelangt in die Hölle, o Glücklicher. Für ihn gibt es daher keine weltliche Erfüllung, und auch jenseits findet sie sich nicht.
Kumārikākhaṇḍa 6.203
- tasmād darpaṃ na kartavyaṃ vidveṣaṃ na samācaret |
vinayād bhavate bhuktirmuktirvai vinayād bhavet ||
Deshalb soll man keinen Hochmut zeigen und keinen Hass üben. Durch Bescheidenheit erlangt man Erfüllung; durch Bescheidenheit erlangt man Befreiung.
Kumārikākhaṇḍa 6.204
- tasmād vinayakaulo'yaṃ vinayaṃ tu samācaret |
vīrabhojyaṃ prakartavyaṃ ojāpūkācatuṣṭaye ||
Deshalb ist dies das Kaula der Bescheidenheit, und Bescheidenheit soll man üben. An den vier als O–Jā–Pū–Kā bezeichneten Sitzen ist das Heldenmahl zu vollziehen.
Kumārikākhaṇḍa 6.205
- kṛtvā pūjāṃ yathāśaktyā pīṭhajān pūjayet tadā |
sādhakaḥ siddhimāpnoti ihaloke paratra ca ||
Nachdem man nach Kräften Verehrung dargebracht hat, soll man die aus den heiligen Sitzen Hervorgegangenen verehren. Der Adept erlangt Vollendung in dieser Welt und jenseits.
Kumārikākhaṇḍa 6.206
- rudrāśca bhairavā vīrāḥ siddhāḥ pūjyāścatuṣṭaye |
catuṣpīṭhāvatāro'yaṃ nirṇītaṃ tu caturyuge ||
Rudras, Bhairavas, Helden und Vollendete sind an den vier Sitzen zu verehren. Das Herabkommen der vier heiligen Sitze in den vier Zeitaltern ist hiermit dargelegt.
Kumārikākhaṇḍa 6.207
- aṭate yo hi satyena ācāryaḥ sa kule bhavet |
trimātraṃ jyotisaṃkāśaṃ vahnimaṇḍalamadhyataḥ ||
Wer wahrhaftig umherwandert, ist ein Lehrer im Kula. Drei Maße umfassend, dem Licht gleich und in der Mitte des Feuerkreises gelegen,
Kumārikākhaṇḍa 6.208
- śrī–udyānamahaṃ vande kaulikājñāpravartakam |
dvimātraṃ paramaṃ tīvraṃ dakṣakoṇavyavasthitam ||
ist das erhabene Udyāna, das die Ājñā des Kaula in Bewegung setzt: Ihm erweise ich Verehrung. Zwei Maße umfassend, höchst kraftvoll und in der rechten Ecke gelegen,
Kumārikākhaṇḍa 6.209
- śrījālākhyamahaṃ vande māyājālaniyāmakam |
ekamātraṃ paraṃ sūkṣmaṃ parajñānaprasiddhidam ||
ist der erhabene Jāla genannte Sitz, der das Netz der Māyā lenkt: Ihm erweise ich Verehrung. Ein Maß umfassend, höchst fein und die höchste Erkenntnis zur Vollendung bringend,
Kumārikākhaṇḍa 6.210
- vāmakoṇagataṃ vande pūrṇākhyaṃ devadurlabham |
ardhamātraṃ susūkṣamaṃ tu paramānandarūpakam ||
ist der Pūrṇa genannte Sitz in der linken Ecke, selbst für die Götter schwer zu erlangen: Ihm erweise ich Verehrung. Ein halbes Maß umfassend, überaus fein und von der Gestalt höchster Wonne,
Kumārikākhaṇḍa 6.211
- tadagre saṃsthitaṃ divyaṃ śrīkāmākhyaṃ namāmyaham |
śrīcandradvīpapurāntasthaṃ tribhiḥ srotapravāhakam ||
ist der göttliche erhabene Kāma genannte Sitz vor jenem: Vor ihm verneige ich mich. In der erhabenen Stadt der Mondinsel gelegen und mit drei Strömen dahinfließend,
Kumārikākhaṇḍa 6.212
- dvādaśāntagataṃ vande kaulikājñāpravartakam |
evamuktvā gatā śīghraṃ devī aṭanapīṭhakān ||
ist der Sitz am Ende der Zwölf, der die Ājñā des Kaula in Bewegung setzt: Ihm erweise ich Verehrung. Nachdem die Göttin so gesprochen hatte, ging sie rasch zu den heiligen Sitzen ihrer Wanderung:
Kumārikākhaṇḍa 6.213
- kāmarūpe vārāṇasyāṃ nepāle pūrṇavardhane |
purastīre kanyākubje pūrṇagiryāṃ tathārbude ||
nach Kāmarūpa, Vārāṇasī, Nepāla und Pūrṇavardhana, nach Purastīra, Kanyākubja, Pūrṇagiri und Arbuda;
Kumārikākhaṇḍa 6.214
- āmrātakeśvaraikāmre trisrote kāmakoṭṭake |
kailāse bhṛgunagare kedāre candrapuryake ||
nach Āmrātakeśvara und Ekāmra, Trisrota und Kāmakoṭṭaka, Kailāsa, Bhṛgunagara, Kedāra und Candrapuryaka;
Kumārikākhaṇḍa 6.215
- śrīpīṭhe caiva ekoṇe śrījālandharamālave |
kulūtyāṃ devikoṭe ca gokarṇe marukeśvare ||
nach Śrīpīṭha und Ekoṇa, zum erhabenen Jālandhara und nach Mālava, nach Kulūtyā, Devikoṭa, Gokarṇa und Marukeśvara;
Kumārikākhaṇḍa 6.216
- aṭṭahāse tu viraje rājagṛhe mahāpathe |
elāpure kollagiryāṃ sopāre tu jayantikām ||
nach Aṭṭahāsa, Viraja, Rājagṛha und Mahāpatha, Elāpura, Kollagiri, Sopāra und Jayantikā;
Kumārikākhaṇḍa 6.217
- ujjayinyāṃ caritre ca kṣīrikāṃ hastināpure |
odukese prayāgākhye pīṭhe māyāpurīṃ tathā ||
nach Ujjayinī und Caritra, Kṣīrikā und Hastināpura, Odukesa, zum Prayāga genannten heiligen Sitz und nach Māyāpurī;
Kumārikākhaṇḍa 6.218
- urasāṃ malaye caiva śaile bheruṇḍake tathā |
māhendraṃ vāruṇaṃ caiva hiraṇyapurameva ca ||
nach Urasā, Malaya, Śaila und Bheruṇḍaka, Māhendra, Vāruṇa und Hiraṇyapura;
Kumārikākhaṇḍa 6.219
- mahālakṣmīṃ tathodyāṇaṃ chāyāchatraṃ tato gatā |
yatra yatra gatā devī yatra yatrāvalokate ||
nach Mahālakṣmī und Udyāṇa; dann ging sie nach Chāyāchatra. Wohin die Göttin auch ging und wohin sie auch blickte,
Kumārikākhaṇḍa 6.220
- tatra saṃdohatīrthāni divyānyāyatanāni ca |
kṛtvā ca bhārate varṣe ātmakīrtiṃ kulāmbike ||
dort entstanden Versammlungsorte, heilige Übergangs- und Badestätten und göttliche Heiligtümer. So begründete sie im Land Bhārata ihren Ruhm, o Mutter des Kula.
Kumārikākhaṇḍa 6.221
- tena kaumārikākhaṇḍaṃ saṃjātaṃ puṇyapāvanam |
pūrvasantānadevena yaduktaṃ bhārataṃ vraja ||
Dadurch entstand die verdienstvolle und läuternde Region der Jungfrau. Seit der Gott der früheren Überlieferungslinie gesagt hatte: Gehe nach Bhārata!,
Kumārikākhaṇḍa 6.222
- tataḥ prabhṛtirdeveśa ubhābhyāṃ melakaṃ tviha |
tat kṛtaṃ sakalaṃ devyā ājñānandāvabodhanam ||
findet hier die Vereinigung mit uns beiden statt, o Herr der Götter. All dies vollbrachte die Göttin: das Erwachen zur Wonne der Ājñā.
Kumārikākhaṇḍa 6.223
- āgatā tu punastatra pūrvarūpānuyāyinī |
devo'pi pūrvasantāne śiṣyaḥ suravarārcitaḥ ||
Sie kehrte dorthin zurück und nahm wieder ihre frühere Gestalt an. Auch der Gott war in der früheren Überlieferungslinie ihr Schüler, von den höchsten Göttern verehrt.
Kumārikākhaṇḍa 6.224
- śrīmadoḍḍumaheśānaṃ kṛtvā cājñāṃ dadet tu sā |
tadā ca bhārate varṣe itaḥ prabhṛtyanugraham ||
Sie machte ihn zum erhabenen Oḍḍu-Maheśāna und verlieh ihm die Ājñā. Von nun an soll im Land Bhārata Begnadigung geschehen.
Kumārikākhaṇḍa 6: unnummerierter Halbvers (half_after_224)
- uḍupīṭhapurārabhya kuru sṛṣṭimanekadhā |
Von der Stadt des heiligen Sitzes Uḍu ausgehend, bringe die Schöpfung in vielfältiger Weise hervor!
Kumārikākhaṇḍa 6: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svaminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite śrīnāthājñāpīṭhavyāptināmānandaḥ || 6 ||
So endet das Kapitel mit dem Titel „Die Durchdringung von Śrīnāthas heiligem Sitz der Ājñā“: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; auf dem Weg des Vidyāpīṭha, in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 7
Kumārikākhaṇḍa 7: Kapitelkopf (heading)
- saptamānandaḥ
Siebtes Kapitel der Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 7: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 7.1
- kimetat paścimaṃ veśma adhikāraṃ tu tasya kim |
kathaṃ divyatanurmudrā tathā caiva kulakramam ||
Was ist dieses westliche Haus, und worin besteht seine Befugnis? Wie hat die Mudrā einen göttlichen Leib, und was ist die Überlieferungsfolge des Kula?
Kumārikākhaṇḍa 7.2
- saṃketaṃ mūlabhāṣā ca tathā caiva kulāgamam |
upadeśaṃ na me jñātaṃ sarvaṃ kathaya vakrike ||
Was sind die geheimen Zeichen, die Grundsprache und die Kula-Offenbarung? Ich habe die Unterweisung noch nicht verstanden. Erzähle mir alles, Vakrikā!
Kumārikākhaṇḍa 7: Sprecherzeile (speaker_before_3)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 7.3
- manthānasya tu bhedasya bhairavasya tu saṃgraham |
kādibhedaṃ pravakṣyāmi sahasrajyeṣṭhakaulikam ||
Ich werde die Zusammenfassung der Abteilung des Manthāna-Bhairava darlegen: die Kādi-Abteilung, das Kaula der tausend Ältesten.
Kumārikākhaṇḍa 7.4
- vakrikākramasiddhasya ājñāśāstraṃ kramodayam |
śrīnātha te pravakṣyāmi merumārgavinirgatam ||
Ich werde dir, Śrīnātha, die Schrift der Ājñā des in Vakrikās Überlieferungsfolge Vollendeten verkünden: das Aufgehen der Überlieferungsfolge, hervorgegangen aus dem Meru-Weg.
Kumārikākhaṇḍa 7.5
- caturthe tu yuge prāpte ādyapīṭhāvatāritam |
paścimasya gṛhasyaiva avatāraṃ kalau yuge ||
Als das vierte Zeitalter gekommen war, wurde sie in den ursprünglichen heiligen Sitz herabgebracht. Dies ist das Herabkommen des westlichen Hauses im Kali-Zeitalter.
Kumārikākhaṇḍa 7.6
- tasyoddhāropadeśaṃ tu saṃpradāyaṃ tu kaulikam |
ādikādisamāyuktaṃ sarvasaṃhāramantritam ||
Die Unterweisung im Hervorbringen seiner Mantras ist eine Kaula-Überlieferung. Sie ist mit den Lautreihen von A und von Ka an verbunden und mit der Auflösung von allem durch Mantra erfüllt.
Kumārikākhaṇḍa 7.7
- bhairavaṃ bhairavīsārdhaṃ tasyordhve tu kulakramam |
saptāviṃśatibhirbhedaiḥ saṃsthitaṃ tu vibhedataḥ ||
Sie gehört zu Bhairava gemeinsam mit Bhairavī. Darüber besteht die Überlieferungsfolge des Kula, in siebenundzwanzig Zweige gegliedert.
Kumārikākhaṇḍa 7.8
- gṛhamityavatāro'yaṃ paścimāmukhamuttamam |
tasyopadeśamaparaṃ avatāraṃ ca siṃhakam ||
Dieses Herabkommen heißt Haus: das höchste westliche Antlitz. Seine Unterweisung ist das weitere Herabkommen, das des Löwen,
Kumārikākhaṇḍa 7.9
- ṣoḍaśaiḥ ṣoḍaśaiścaiva apare caiva ṣoḍaśa |
evaṃ tritayasaṃyogāt ślokāni dvādaśāni vai ||
mit sechzehn und wiederum sechzehn sowie weiteren sechzehn. Durch das Zusammenwirken dieser drei Gruppen entstehen die zwölf Strophen.
Kumārikākhaṇḍa 7.10
- gajendraṃ prathamaṃ nāma vidyākūṭaṃ ca ṣaḍvidham |
tad varṇaṃ tacchivākāśaṃ talliṅgaṃ tacchiveti ca ||
Der erste Name ist Gajendra, Herr der Elefanten, und der Vidyākūṭa ist sechsfach. Dies ist der Laut, dies ist Śivas Himmelsraum, dies das Liṅga und dies Śiva.
Kumārikākhaṇḍa 7.11
- tadāsau āpabījaṃ tu devyātmānaṃ tathaiva ca |
padaikamaṣṭadhā proktaṃ aṃśaślokāni dvādaśa ||
Dies ist die Keimsilbe des Wassers und ebenso das Selbst der Göttin. Jeder einzelne Versfuß wird als achtfach beschrieben; zwölf sind die als Abschnitte gegliederten Strophen.
Kumārikākhaṇḍa 7.12
- candrasūryaśivecchayā kṛtvā varṇagamāgamam |
parasparasamāyogādetat kṣetraparigraham ||
Indem durch den Willen von Mond, Sonne und Śiva das Gehen und Kommen der Laute bewirkt wird, entsteht aus ihrer gegenseitigen Verbindung die Umgrenzung des Feldes.
Kumārikākhaṇḍa 7.13
- amṛtādivisargāntāḥ kalāṣoḍaśaraśmayaḥ |
tiryagā sā smṛtā rekhā katāntā vāmadevatā ||
Sechzehn Strahlen der Kraft reichen von Amṛta bis Visarga. Jene wird als schräg verlaufende Linie bezeichnet; die linke Gottheit reicht von Ka bis Ta.
Kumārikākhaṇḍa 7.14
- unnatā dakṣiṇe raudrī thasāntāmityanukramāt |
jyeṣṭhā vāmā ca raudrī ca brahmaviṣṇumaheśvarāḥ ||
Rechts ragt Raudrī empor, in der Folge von Tha bis Sa. Jyeṣṭhā, Vāmā und Raudrī sind Brahmā, Viṣṇu und Maheśvara.
Kumārikākhaṇḍa 7.15
- ekībhāvaṃ tribhiryasmāt tadāsau yoginīgṛham |
amṛtādyaśca jīvanti ye liṅgā yonimaṇḍale ||
Weil durch die drei Einheit entsteht, ist dies das Haus der Yoginī. Die Liṅgas von Amṛta an leben im Kreis der Yoni;
Kumārikākhaṇḍa 7.16
- teṣāṃ siddhāñca yoginyā uparyupari yojayet |
svaracakreśvarī rekhā dvitīyā kāditāntagā ||
ihre Siddhas soll man Stufe um Stufe mit den Yoginīs verbinden. Eine Linie ist die Herrin des Vokalrades; die zweite reicht von Ka bis Ta,
Kumārikākhaṇḍa 7.17
- thādisāntā tṛtīyā ca tribhiḥ rekhaiḥ sureśvarī |
pañcāśat siddhayoginyo atra ye te vadāmyaham ||
die dritte von Tha bis Sa. Aus drei Linien besteht die Herrin der Götter. Ich werde die fünfzig Siddhas und Yoginīs nennen, die hier sind.
Kumārikākhaṇḍa 7.18
- ānandaṃ vimalaṃ ciñcimitramoḍīśacaryakam |
ṣaṣṭhadevaṃ tathā tūṣṇī kadambaṃ maunisaṃjñayā ||
Ānanda, Vimala, Ciñcimitra, Oḍīśa und Caryaka, Ṣaṣṭhadeva sowie Tūṣṇī, Kadamba und der Mauni Genannte;
Kumārikākhaṇḍa 7.19
- advaitaṃ siṃhanāthaṃ ca tathā kandarpī krāḍakam |
varadaṃ caiva kaulīśaṃ garuḍaṃ piṅgalaṃ khagam ||
Advaita und Siṃhanātha, Kandarpī und Krāḍaka, Varada, Kaulīśa, Garuḍa, Piṅgala und Khaga,
Kumārikākhaṇḍa 7.20
- pañcakaṃ caiva kallolaṃ tathā caiva tu khecaram |
candragarbhaṃ gajendraṃ ca kuṇḍalaṃ candrapuryakam ||
die Fünfergruppe; ferner Kallola und Khecara, Candragarbha und Gajendra, Kuṇḍala und Candrapuryaka;
Kumārikākhaṇḍa 7.21
- śaṅkhanāthaṃ ca śavaraṃ vīradevaṃ ca vikramam |
pippalīśaṃ pulindaṃ ca goṣṭhīśaṃ kamalaṃ tathā ||
Śaṅkhanātha und Śavara, Vīradeva und Vikrama, Pippalīśa und Pulinda, Goṣṭhīśa und Kamala;
Kumārikākhaṇḍa 7.22
- gajakarṇaṃ mahendrañca tārākhyaṃ varcakeśakam |
akhaṇḍaṃ ca kuraṅgaṃ ca tathā caiva tu vaiphalam ||
Gajakarṇa und Mahendra, der Tāra Genannte und Varcakeśaka, Akhaṇḍa und Kuraṅga sowie Vaiphala;
Kumārikākhaṇḍa 7.23
- ājñānāthaṃ viśuddhākhyaṃ tathā caiva anāhatam |
maṇipūrṇaṃ svādhiṣṭhānaṃ avatāraṃ kumārakam ||
Ājñānātha, der Viśuddha Genannte und Anāhata, Maṇipūrṇa, Svādhiṣṭhāna, Avatāra und Kumāraka;
Kumārikākhaṇḍa 7.24
- śilāśekharanāthaṃ ca krūraṃ ca ataḥ param |
aṣṭacatvāriṃśad jñeyā evaṃ siddhaparigraham ||
Śilāśekharanātha und danach Krūra: Achtundvierzig soll man kennen. So ist die Umfassung durch die Siddhas.
Kumārikākhaṇḍa 7.25
- gṛhaṃ siddhakrameṇaiva ślokānāṃ saṃprabodhakam |
atordhvaṃ saṃpravakṣyāmi gṛhadevyā yathākramam ||
Das Haus erweckt die Strophen durch die Überlieferungsfolge der Siddhas. Als Nächstes werde ich die Göttinnen des Hauses in ihrer Reihenfolge nennen:
Kumārikākhaṇḍa 7.26
- śarvarī śavarī caiva śāvarī ca pulindikā |
klinnā kāmeśvarī devī śākinī bhūtaḍāmarī ||
Śarvarī und Śavarī, Śāvarī und Pulindikā, Klinnā, die Göttin Kāmeśvarī, Śākinī und Bhūtaḍāmarī;
Kumārikākhaṇḍa 7.27
- koṭarī śaṅkhinī caiva kiṅkiṇī ca karaṅkiṇī |
avvādevī samāyākhyā suṣirā ratnasundarī ||
Koṭarī und Śaṅkhinī, Kiṅkiṇī und Karaṅkiṇī, Avvādevī und die Samāyā Genannte, Suṣirā und Ratnasundarī;
Kumārikākhaṇḍa 7.28
- raktākṣī agnijihvā ca ucchuṣmā nārajihvikā |
ambikā lambikā caiva tathā caiva kadambinī ||
Raktākṣī und Agnijihvā, Ucchuṣmā und Nārajihvikā, Ambikā und Lambikā sowie Kadambinī;
Kumārikākhaṇḍa 7.29
- bhadrakālī ca siddhā ca śuṣkā caivāparājitā |
ghorā caiva aghorā ca thaghorā ca bhagānanā ||
Bhadrakālī und Siddhā, Śuṣkā und Aparājitā, Ghorā und Aghorā, Thaghorā und Bhagānanā;
Kumārikākhaṇḍa 7.30
- nandinī mālinī caiva saṃhārī kapilā tathā |
vivvā vidyutpatākā ca kāpālinyā tathaiva ca ||
Nandinī und Mālinī, Saṃhārī und Kapilā, Vivvā und Vidyutpatākā sowie Kāpālinyā;
Kumārikākhaṇḍa 7.31
- mahāmāyā ca peppiryā ca cchommā yogamāyikā |
kālikā mīnameṣā ca kālasaṃkarṣaṇī parā ||
Mahāmāyā und Peppiryā, Cchommā und Yogamāyikā, Kālikā und Mīnameṣā, Kālasaṃkarṣaṇī und Parā;
Kumārikākhaṇḍa 7.32
- śivādūtī vicitrā ca jñeyā devyaḥ krameṇa tu |
siddhapatnīsamūho'yaṃ śuddhaṃ devyāḥ parigraham ||
Śivādūtī und Vicitrā: Diese Göttinnen soll man der Reihe nach kennen. Dies ist die Schar der Gattinnen der Siddhas, die reine Umfassung der Göttin.
Kumārikākhaṇḍa 7.33
- yathā varṇāstathā siddhāḥ devatāyonimaṇḍale |
etad vai ślokarāśyādau siddhakramamudāhṛtam ||
Wie die Laute, so sind die Siddhas im Yoni-Kreis der Gottheit angeordnet. Dies wird die Überlieferungsfolge der Siddhas am Beginn der Strophensammlung genannt.
Kumārikākhaṇḍa 7.34
- kṛtvādau praṇavān pañca avvāpādāvasānagam |
anena vidhinā deva yaṣṭavyaṃ paścimaṃ gṛham ||
Man setze die fünf Praṇavas an den Anfang und lasse sie in Avvāpāda enden. Nach diesem Verfahren ist das westliche Haus zu verehren, o Gott.
Kumārikākhaṇḍa 7.35
- śivaḥ śaktirgṛhasyānte hakṣāvetau varānana |
śrīmaitreyaṃ kucandrākhyaṃ śrīmāndevī ca kubjikā ||
Im Inneren des Hauses sind Śiva und Śakti die beiden Laute Ha und Kṣa, o Schönantlitziger: der erhabene Maitreya, Kucandra genannt, und die erhabene Göttin Kubjikā.
Kumārikākhaṇḍa 7.36
- dvāvetau yugapad yojyau pañcasthau kūṭaveśmani |
pañcādau pañcabhiścānte tayormadhye ca vidyayā ||
Diese beiden, in den fünf ruhend, sind zugleich im Haus der geballten Silben zu verbinden. Fünf am Anfang und fünf am Ende, mit der Vidyā zwischen beiden:
Kumārikākhaṇḍa 7.37
- sā cājñā pratyayaṃ loke trailokye mahantārikā |
yamavalokayet sā tu so'pi yāti pare pade ||
Sie ist die Ājñā, das Zeichen der Verwirklichung in der Welt, die große Retterin in den drei Welten. Wen sie anblickt, der gelangt zur höchsten Stätte.
Kumārikākhaṇḍa 7.38
- pare prāpte pade deva tadā siddhiṃ dhruvaṃ labhet |
ityāśrame mukhāmnāyaḥ tribhirbhedaiḥ prakīrtitaḥ ||
Ist die höchste Stätte erreicht, o Gott, erlangt man gewiss Vollendung. So ist in der Einsiedelei die mündliche Überlieferung mit drei Abteilungen beschrieben.
Kumārikākhaṇḍa 7.39
- ūrdhvaṃ ṣoḍaśasiddhājñā siddhāḥ ṣoḍaśa uttare |
dakṣiṇe ṣoḍaśaścaiva śivo madhye ca devatā ||
Oben ist die Ājñā der sechzehn Siddhas; sechzehn Siddhas sind im Norden und sechzehn im Süden. Śiva ist die Gottheit in der Mitte.
Kumārikākhaṇḍa 7.40
- bhagamadhye niṣaṇṇātmā bhittvā yoniṃ paraṃ vrajet |
svādhipūrakayormadhye viśrāntā tiryagākṛtiḥ ||
Das Selbst, das in der Mitte des Schoßes sitzt, durchdringt die Yoni und gelangt zum Höchsten. Zwischen Svādhi und Pūraka ruht die schräg gestaltete
Kumārikākhaṇḍa 7.41
- ityājñā kramacakrasya brahmagranthiradhomukhī |
unmanā kaulinīśaktiḥ karotyāveśamuttamam ||
Ājñā des Rades der Überlieferungsfolge: der abwärts gewandte Brahma-Knoten. Die Kaulinī-Kraft, Unmanā, bewirkt das höchste Ergriffensein.
Kumārikākhaṇḍa 7.42
- tasyā ūrdhvagataṃ cakraṃ taccārdhakṛtamaṇḍalam |
tadantarakṛtaṃ vṛkṣaṃ kadambaṃ kuṇḍagolakam ||
Oberhalb von ihr liegt ihr Rad, das in zwei Hälften geteilte Maṇḍala. Der darin befindliche Baum ist Kadamba, Kuṇḍagolaka.
Kumārikākhaṇḍa 7.43
- tasyāntaragatā sūkṣmā ājñāvartirhalākṛtiḥ |
bhagānte sā gatā ājñā viśrāntā ca adhomukhī ||
In ihm ist der feine Docht der Ājñā, von der Gestalt eines Pfluges. Diese Ājñā befindet sich im Schoß und ruht mit dem Gesicht nach unten.
Kumārikākhaṇḍa 7.44
- parā sā vakrikā bhīmā jñātvā vedhaḥ pravartate |
dhunanāveśanaṃ kampaṃ tiryagūrdhvagatiḥ kṣaṇāt ||
Sie ist die höchste, furchtgebietende Vakrikā. Wird sie erkannt, setzt das Durchdringen ein: Erschütterung, Ergriffensein, Zittern und in einem Augenblick schräges oder aufwärts gerichtetes Bewegen
Kumārikākhaṇḍa 7.45
- pātāle tu praveśaṃ vā ājñāsmaraṇamātrataḥ |
śrīkaṇṭhādiṣu rudrāṇāṃ pañcāśānāṃ puroddhṛtāḥ ||
oder auch Eintritt in die Unterwelt — allein durch die Erinnerung an die Ājñā. Aus den fünfzig Rudras von Śrīkaṇṭha an wurden zuvor
Kumārikākhaṇḍa 7.46
- merudvādaśaślokāstu ardhacakre vyavasthitāḥ |
tanmadhye sṛṣṭicakraṃ tu mārgadevīvinirgatam ||
die zwölf Meru-Strophen hervorgebracht und im halben Rad angeordnet. In dessen Mitte liegt das Schöpfungsrad, das aus der Göttin des Weges hervorgegangen ist.
Kumārikākhaṇḍa 7.47
- tavādhikāraṃ kurvāmi tvayā sārdhaṃ maheśvara |
yogapīṭhādipīṭhānāṃ sadyojātaṃ ca paścime ||
Ich begründe deine Befugnis gemeinsam mit dir, o großer Herr. Unter den Sitzen, beginnend mit dem Yoga-Sitz, ist Sadyojāta im Westen.
Kumārikākhaṇḍa 7.48
- siddhālayapuredaṃ tu yonimudrāgṛhālayam |
purametat samākhyātaṃ dvādaśaślokabheditam ||
Dies ist die Stadt der Wohnstatt der Siddhas, die Wohnstatt des Hauses der Yoni-Mudrā. Sie wird die Stadt genannt, die durch die zwölf Strophen gegliedert ist.
Kumārikākhaṇḍa 7.49
- tatra madhye gatā vidyā ubhaupañcapuṭīkṛtā |
pūrṇimākramamārgasya mārgaṃ devyāḥ kuleśvara ||
Die Vidyā befindet sich dort in der Mitte, von beiden Fünfergruppen umschlossen. Die Bahn des Weges der Vollmondfolge ist der Weg der Göttin, o Herr des Kula.
Kumārikākhaṇḍa 7.50
- ahaṃ yā viramet tatra ādyapīṭhe adhomukhī |
adhikāraṃ ca kurute vāmāvartaparibhramāt ||
Ich bin es, die dort im ursprünglichen heiligen Sitz, nach unten gewandt, zur Ruhe kommt. Durch die Drehung nach links übe ich die Befugnis aus.
Kumārikākhaṇḍa 7.51
- anāmānte ca saṃsiddhe ājñāsiddhiḥ kulakrame |
bhakārādicakārāntā adhordhvaṃ ca visarpitā ||
Ist das Ende der Namenlosen ganz verwirklicht, besteht in der Kula-Folge die Vollendung der Ājñā. Von Bha bis Ca reichend, breitet sie sich nach unten und oben aus.
Kumārikākhaṇḍa 7.52
- śaktidīpaśikhākārā rūpavidyā virājate |
tadā candrakalājyotiḥ kucandrotsaṅgamālinī ||
Die Gestalt-Vidyā erstrahlt wie die Flamme der Lampe der Kraft. Dann ist das Licht der Mondkraft Mālinī im Schoß Kucandras.
Kumārikākhaṇḍa 7.53
- pūrṇādhikāracandro'yaṃ śivamadhyād vinirgatam |
evaṃ te dvādaśa ślokā evaṃ sā kramadevatā ||
Dies ist der Mond der vollständigen Befugnis, der aus Śivas Mitte hervorgegangen ist. So sind die zwölf Strophen; so ist sie die Gottheit der Überlieferungsfolge.
Kumārikākhaṇḍa 7.54
- saṃyogena kramācchambho santānaṃ merumārgayoḥ |
viniṣkrāntaṃ mahādeva kaulikaṃ guṇavattaram ||
Durch die geordnete Verbindung beider Meru-Wege, o Śambhu, ist die überaus vorzügliche Kaula-Überlieferungslinie hervorgegangen, o großer Gott.
Kumārikākhaṇḍa 7.55
- śaktyādhāraṃ puraṃ proktaṃ puraṃ kṣetraparigraham |
tasyāntaragatā devyā kubjikāhaṃ ca candramā ||
Die Stadt wird die Grundlage der Kraft genannt; die Stadt ist die Umgrenzung des Feldes. Ich bin Kubjikā, die darin befindliche Göttin, und der Mond.
Kumārikākhaṇḍa 7.56
- sā ca liṅgaṃ kulādhāraṃ adhikāraṃ tu ciñciṇī |
kṣetraliṅgāśramayogād gṛhaṃ candrapuraṃ bhavet ||
Sie ist das Liṅga, die Grundlage des Kula; die Befugnis ist Ciñciṇī. Aus der Verbindung von Feld, Liṅga und Einsiedelei wird das Haus zur Stadt des Mondes.
Kumārikākhaṇḍa 7.57
- candrapūrṇagṛhārabhya anvayasya tvanukramam |
prakaṭaṃ martyaloke tu avatāraṃ kalau yuge ||
Vom mondvollen Haus ausgehend, tritt die Folge der Überlieferungslinie in der Menschenwelt hervor: das Herabkommen im Kali-Zeitalter.
Kumārikākhaṇḍa 7.58
- ulisiddhāśramaṃ martye candrapuryād vinirgatam |
okāraśca ṣakāraśca tathā tvaṃ mitrasaṃjñakaḥ ||
Die Einsiedelei der Siddhas der Überlieferungslinien ist aus der Stadt des Mondes in die Menschenwelt hervorgegangen. Da sind der Laut O und der Laut Ṣa sowie du, der Mitra Genannte.
Kumārikākhaṇḍa 7.59
- mudritaṃ teṣu tajjñānamākhyātaṃ uḍapīṭhake |
tadāvatāritaṃ śiṣyairnavabhiḥ puṇḍravardhane ||
In ihnen ist jenes Wissen versiegelt, das am heiligen Sitz Uḍa gelehrt wurde. Es wurde durch neun Schüler nach Puṇḍravardhana herabgebracht.
Kumārikākhaṇḍa 7.60
- tribhiścaivādhikāraṃ syāt koṅkaṇe pūrṇagiryake |
tribhiḥ siddhaiśca pātāle antarikṣe tribhiḥ punaḥ ||
Durch drei besteht die Befugnis in Koṅkaṇa, in Pūrṇagiryaka; durch drei Siddhas in der Unterwelt und durch weitere drei im Luftraum.
Kumārikākhaṇḍa 7.61
- candrapūrṇapure tatra ciñciṇīnāma vṛkṣakam |
bhañjitaṃ tat tvayā nātha tena tvaṃ ciñciṇī smṛtaḥ ||
In jener mondvollen Stadt steht der Baum namens Ciñciṇī. Du hast ihn gebrochen, Herr; deshalb wirst du Ciñciṇī genannt.
Kumārikākhaṇḍa 7.62
- kīrtideveti vikhyātastasmin vai candrapuryake |
siddhānāṃ ṣoḍaśaḥ putrāḥ sthitā ye tānanugrahet ||
In jener Stadt des Mondes bist du als Kīrtideva bekannt. Die sechzehn Söhne der Siddhas, die dort weilen, möge er begnadigen.
Kumārikākhaṇḍa 7.63
- khyātaṃ gurutvāmnāyaṃ vai teṣāmanukrameṇa tu |
unmanādikrameṇaiva yāvat śrīnāthaciñciṇī ||
Die Überlieferung der Lehrerschaft ist in ihrer Reihenfolge beschrieben: in der Folge von Unmanā bis Śrīnātha-Ciñciṇī.
Kumārikākhaṇḍa 7.64
- puṣpasaṃketakaṃ śambho ajñātvā naiva muktibhāk |
unmanādyādināthāntaṃ gurvoghaṃ puṣpasaṃjñakam ||
Wer die geheime Blütenlehre nicht kennt, Śambhu, hat keinen Anteil an der Befreiung. Der Blüten genannte Strom der Lehrer reicht von Unmanā bis Ādinātha.
Kumārikākhaṇḍa 7.65
- koṅkaṇe tu tridhābhinnaṃ nāthādau tat kalau yuge |
na dīkṣā na paratvaṃ ca pāramparyakramaṃ na hi ||
In Koṅkaṇa wurde er im Kali-Zeitalter zunächst dreifach gegliedert, o Herr. Ohne diese Blütenlehre gibt es weder Einweihung noch höchsten Zustand, weder eine Folge von Lehrern
Kumārikākhaṇḍa 7.66
- kramasya kramaṇaṃ nāsti puṣpasaṃketavarjite |
bījojjhite yathā kṣetre sasyaṃ naiva prarohati ||
noch ein Fortschreiten der Überlieferungsfolge. Wie auf einem Feld ohne Saat kein Getreide wächst,
Kumārikākhaṇḍa 7.67
- puṣpasaṃketahīneṣu muktirnaiva ca vidyate |
ādināthastrayolīnāṃ vṛkṣanātheti viśrutaḥ ||
so gibt es für jene ohne die Blütenlehre keine Befreiung. Ādinātha, der erste Nātha der drei Überlieferungslinien, ist als Vṛkṣanātha bekannt.
Kumārikākhaṇḍa 7.68
- tasya te nava putrāśca vartamāne kalau yuge |
saṃjātāḥ koṅkaṇe martye adhastrīṇi trayordhvataḥ ||
In diesem gegenwärtigen Kali-Zeitalter sind ihm in Koṅkaṇa, in der Menschenwelt, neun Söhne entstanden: drei unten und drei oben.
Kumārikākhaṇḍa 7.69
- nirvaṃśāśca gatāḥ ṣaṭ ca savaṃśāstrīṇi koṅkaṇe |
teṣāṃ saṃjñā mukhāmnāye śrīdeśe gotramaṇḍale ||
Sechs gingen ohne fortbestehende Nachkommenschaft dahin; drei blieben mit Nachkommen in Koṅkaṇa. Ihre Namen in der mündlichen Überlieferung, im Kreis der Sippe in Śrīdeśa, sind:
Kumārikākhaṇḍa 7.70
- gaganaḥ kumudastathā padmo devaśca bhairavaḥ |
kamalaḥ śivarāmaśca kṛṣṇānandastrilocana ||
Gagana und Kumuda, Padma, Deva und Bhairava, Kamala, Śiva und Rāma sowie Kṛṣṇānanda, o Dreiäugiger.
Kumārikākhaṇḍa 7.71
- evaṃ krameṇa te jātāḥ saṃketena pṛthak pṛthak |
dvitīyaṃ ca caturthaṃ ca pañcamaṃ ca adhastrayaḥ ||
So sind sie der Reihe nach entstanden, jeder mit seiner besonderen Kennzeichnung. Der zweite, der vierte und der fünfte sind die drei unteren.
Kumārikākhaṇḍa 7.72
- saptamaṃ cāṣṭanavamaṃ trīṇyete ūrdhvagāḥ kramāt |
khecarāste purā sarve divyājñāyāḥ prabhāvataḥ ||
Der siebte, achte und neunte sind der Reihe nach die drei nach oben Gegangenen. Durch die Macht der göttlichen Ājñā sind sie seit alters alle Himmelswandler.
Kumārikākhaṇḍa 7.73
- pātāle ye gatāstrīṇi bhogān bhuñjanti cāpare |
adhikāre sthitāstrīṇi prathamaṃ ca tṛtīyakam ||
Die drei, die zur Unterwelt gegangen sind, genießen die Freuden des unteren Bereichs. In der Befugnis stehen drei: der erste, der dritte
Kumārikākhaṇḍa 7.74
- ṣaṣṭhamājñā svarūpeṇa adhikārakrame sthitāḥ |
teṣāṃ santatiḥ saṃjātā puruṣāṇīha ṣoḍaśa ||
und der sechste; als Gestalt der Ājñā ruhen sie in der Folge der Befugnis. Aus ihnen ist hier eine Nachkommenschaft von sechzehn Männern entstanden.
Kumārikākhaṇḍa 7.75
- teṣāṃ nāmāni vakṣyāmi pūjāsaṃketakena tu |
sūrastīvraśca khecaryo garbhamuktaśca siṃhakaḥ ||
Ich werde ihre Namen gemäß der rituellen Kennzeichnung nennen: Sūra und Tīvra, Khecarya, Garbhamukta und Siṃhaka,
Kumārikākhaṇḍa 7.76
- jayo vijayamitraśca vīro vimalapañcakam |
ratnakeśavamunmattamudrāsrotāvahaṃ tataḥ ||
Jaya, Vijayamitra und Vīra, die Fünfergruppe der Reinen, dann Ratnakeśava, Unmattamudrā und Srotāvaha.
Kumārikākhaṇḍa 7.77
- ityete ṣoḍaśaḥ siddhā bhaviṣyanti kalau yuge |
dvicatuṣkaṃ ca yat pūrvaṃ pañcamojjhitaṃ suvrata ||
Diese sind die sechzehn Siddhas, die im Kali-Zeitalter sein werden. Die ersten zweimal vier, mit Ausnahme des fünften, o du mit gutem Gelübde,
Kumārikākhaṇḍa 7.78
- gadevasya sutā jñeyā vijñeyā jyeṣṭha–oligāḥ |
pañcamo madhyamolyāṃ tu padevasya sutaḥ smṛtaḥ ||
sind als Söhne Gadevas und als Angehörige der Linie der Ältesten zu erkennen. Der fünfte in der mittleren Linie gilt als Sohn Padevas.
Kumārikākhaṇḍa 7.79
- navādiṣoḍaśāntāstu vijñeyā bāla–olikāḥ |
kadevasya sutā jñeyā evaṃ te siddhaṣoḍaśa ||
Vom neunten bis zum sechzehnten gehören sie zur Linie des Kindes; als Söhne Kadevas sind sie zu erkennen. So sind diese sechzehn Siddhas.
Kumārikākhaṇḍa 7.80
- parānvayaṃ tu prathamaṃ dvitīyaṃ vakrikānvayam |
siddhānvayaṃ tataḥ paścāt bhaviṣyati kalau yuge ||
Die erste ist die höchste Überlieferungslinie, die zweite Vakrikās Linie. Danach wird im Kali-Zeitalter die Linie der Siddhas sein.
Kumārikākhaṇḍa 7.81
- dvāpañcāśad bhavejjyeṣṭhe saptāviṃśati madhyame |
bālakrame bhaviṣyanti caturāśīti saṃkhyayā ||
Zur Linie der Ältesten gehören zweiundfünfzig, zur mittleren siebenundzwanzig; in der Überlieferung des Kindes werden es vierundachtzig sein.
Kumārikākhaṇḍa 7.82
- eṣāṃ vai siddhasantānamasaṃkhyānaṃ bhaviṣyati |
ājñā caṇḍatarā teṣāṃ bhaviṣyati maheśvara ||
Die Nachkommenschaft dieser Siddhas wird unzählbar sein. Ihre Ājñā wird überaus mächtig sein, o großer Herr.
Kumārikākhaṇḍa 7.83
- navānāṃ ṣoḍaśānāṃ ca pūjāsthānān vadāmyaham |
prathamaṃ ca bhrūvormadhye dvitīyādhāramaṇḍale ||
Ich werde die Verehrungsstätten der neun und der sechzehn nennen. Der erste ist zwischen den Augenbrauen, der zweite im Ādhāra-Maṇḍala, dem Kreis der Grundlage.
Kumārikākhaṇḍa 7.84
- tṛtīyaṃ maṇipūre tu caturthaṃ pañcamaṃ tathā |
punarādhāre saṃpūjya ṣaṣṭhaṃ vai svādhiṣṭhānagam ||
Der dritte ist im Maṇipūra; den vierten und ebenso den fünften verehre man wiederum in der Grundlage. Der sechste befindet sich im Svādhiṣṭhāna.
Kumārikākhaṇḍa 7.85
- saptāṣṭanavamaṃ deva turyātīte tu pūjayet |
evaṃ te navasiddhānāṃ śarīre pūjanakramam ||
Den siebten, achten und neunten verehre man jenseits des vierten Zustands, o Gott. So ist die Reihenfolge der Verehrung der neun Siddhas im Körper.
Kumārikākhaṇḍa 7.86
- ṣoḍaśānāṃ mahādeva śrūyatāṃ sthānanirṇayam |
aṣṭau kapālamālāyāṃ navamaṃ nābhimaṇḍale ||
Höre nun, o großer Gott, die Bestimmung der Orte der sechzehn. Acht sind in der Schädelgirlande, der neunte im Kreis des Nabels.
Kumārikākhaṇḍa 7.87
- dvipañcāt ṣoḍaśaṃ yāvat bhagamālāṃ prapūjayet |
teṣāṃ santatiḥ saṃjātā saṃsāre kalivartmani ||
Vom zehnten bis zum sechzehnten verehre man sie in der Girlande der Yonis. Ihre Nachkommenschaft ist im Saṃsāra, auf dem Weg des Kali-Zeitalters, entstanden.
Kumārikākhaṇḍa 7.88
- sthānamekādaśaṃ yāvat oliśuddhiriha krame |
pāramparyānvayaṃ hyetat guruśiṣyakramaṃ tathā ||
Bis zur elften Stätte reicht hier in der Überlieferungsfolge die Reinigung der Linien. Dies ist die Überlieferung durch die Lehrerfolge und die Reihenfolge von Lehrern und Schülern.
Kumārikākhaṇḍa 7.89
- bhaviṣyati kulanātha niḥśeṣaṃ tu kalau yuge |
sva–ulyāṃ guru–oghaṃ tu nirbījaṃ pūjayati yaḥ ||
Dies alles wird im Kali-Zeitalter sein, o Herr des Kula. Wer in seiner eigenen Linie den Strom der Lehrer ohne Keim verehrt,
Kumārikākhaṇḍa 7.90
- saṃsāre vartate bhūyaḥ saṃsārānna nivartate |
vṛkṣanāthaṃ vinā yastu śrīnāthaṃ pūjayati yaḥ ||
bleibt weiterhin im Saṃsāra und kehrt nicht aus ihm zurück. Wer Śrīnātha ohne Vṛkṣanātha verehrt,
Kumārikākhaṇḍa 7.91
- saṃsāre vartate bhūyaḥ saṃsārānna nivartate |
olitritayamārgaṃ tu kathitaṃ tava maṇḍale ||
bleibt weiterhin im Saṃsāra und kehrt nicht aus ihm zurück. Den Weg der drei Linien habe ich dir im Maṇḍala beschrieben.
Kumārikākhaṇḍa 7.92
- nākhyātaṃ nirṇayaṃ cātra ākhyātamiha saṃhitām |
siddhānāṃ ṣoḍaśaḥ putrāḥ saṃjātā mitrayoniṣu ||
Die genaue Bestimmung ist hier nicht ausgeführt; sie wird in dieser Sammlung gelehrt. Die sechzehn Söhne der Siddhas sind in Mitras Schößen entstanden.
Kumārikākhaṇḍa 7.93
- prathamā jyeṣṭha–olī ca kramabhede samāsataḥ |
puramadhye samākhyātā tatrārabhya kramārcanam ||
Die erste, die Linie der Ältesten, wird in der Gliederung der Überlieferung kurz als inmitten der Stadt befindlich beschrieben. Dort beginnt die Verehrung der Überlieferungsfolge.
Kumārikākhaṇḍa 7.94
- dvitīyā madhyamolī ca dakṣiṇottarakoṇayoḥ |
tṛtīyā agrakoṇasthā bālolī tadanukramāt ||
Die zweite, die mittlere Linie, liegt in der südlichen und nördlichen Ecke. Die dritte, die Linie des Kindes, liegt der Reihe nach in der vorderen Ecke.
Kumārikākhaṇḍa 7.95
- tatra sā kathitā mudrā anvayājñātra yoniṣu |
oṣamitrāstu siddhāśca triṣu oliṣu kīrtitāḥ ||
Dort wird sie Mudrā genannt, die Ājñā der Überlieferung in den Yonis. O, Ṣa und Mitra werden als die Siddhas der drei Linien gepriesen.
Kumārikākhaṇḍa 7.96
- anyathā vadate yastu candrapūryagṛhāśramam |
tathā ulitrayaṃ deva ślokadvādaśanirṇayam ||
Wer die Einsiedelei des Hauses der Stadt des Mondes anders erklärt und die drei Linien, o Gott, die genaue Bestimmung der zwölf Strophen,
Kumārikākhaṇḍa 7.97
- yogapīṭhaṃ trisiddhān ca kramaṃ vidyāṃ ca maṇḍalam |
yo na jānāti deveśa na sa pūjyo bhaviṣyati ||
den Yoga-Sitz, die drei Siddhas, die Überlieferungsfolge, die Vidyā und das Maṇḍala nicht kennt, Herr der Götter, wird nicht verehrungswürdig sein.
Kumārikākhaṇḍa 7.98
- nāsau śiṣyaḥ kule kaule śāstre'smin nādhikāriṇaḥ |
candrapūryasya sūtredaṃ pratijñāsūtrakaṃ tvidam ||
Er ist kein Schüler im Kula und Kaula und hat keine Befugnis in dieser Schrift. Dies ist der Leitfaden der Stadt des Mondes, der Leitfaden der einleitenden Darlegung.
Kumārikākhaṇḍa 7.99
- prathamaṃ kulaśāstre'smin paścāt tasyaiva uttaram |
ādimudrā tribhirbhedaistathā ślokāni dvādaśa ||
Er steht am Anfang dieser Kula-Schrift; danach folgt seine Fortsetzung. Die ursprüngliche Mudrā mit ihren drei Abteilungen, die zwölf Strophen,
Kumārikākhaṇḍa 7.100
- gṛhasiddhāstathā devyo vidyādevī ca pūrṇimā |
olisiddhāstripuruṣāḥ siddhāścaiva tu ṣoḍaśa ||
die Siddhas des Hauses und die Göttinnen, die Vidyā-Göttin als voller Mond, die Siddhas der Linien, die drei Personen und die sechzehn Siddhas:
Kumārikākhaṇḍa 7: unnummerierter Halbvers (half_after_100)
- jñātvā tān prathamaṃ deva paścāt kramamudāharet |
Erkenne diese zuerst, o Gott; danach lege die Überlieferungsfolge dar!
Kumārikākhaṇḍa 7: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike ādyapīṭhāvatarite vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāśite śrīcandrapurādhikāravarṇane kramodayo nāmānandaḥ || 7 ||
So endet das Kapitel mit dem Titel „Das Aufgehen der Überlieferungsfolge“, in der Darstellung der Befugnis in der erhabenen Stadt des Mondes: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 8

Kumārikākhaṇḍa 8: Eingangsverehrung (invocation_1)
- || oṃ svasti ||
Oṃ. Wohlergehen!
Kumārikākhaṇḍa 8: Eingangsverehrung (invocation_2)
- śrīnāthapādukābhyāṃ namaḥ| śrīgaṇeśāya namaḥ|
Verehrung den beiden Sandalen Śrīnāthas. Verehrung dem erhabenen Gaṇeśa.
Kumārikākhaṇḍa 8: Kapitelkopf (volume_title)
- manthānabhairavatantre kumārikākhaṇḍe
Im Manthānabhairava-Tantra, im Kumārikākhaṇḍa.
Kumārikākhaṇḍa 8: Kapitelkopf (heading)
- aṣṭamānandaḥ
Achtes Kapitel der Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 8: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 8.1
- devi siddhistvaṃ me svāmi ādināthe kulodbhave |
brūhi jñānopadeśaṃ tu yat sāraṃ paścimānvaye ||
Göttin, du bist die Vollendung, meine Herrin, erste Nāthā, aus Kula hervorgegangen! Verkünde die Unterweisung im Wissen, das den Kern der westlichen Überlieferung bildet.
Kumārikākhaṇḍa 8.2
- prakaṭaṃ kuru kaulīśe meruprastāramuttamam |
yena vijñātamātreṇa vidyāmārgaṃ pravartate ||
Mache das höchste Meru-Raster offenbar, o Herrin des Kaula. Sobald man es erkennt, entfaltet sich der Weg der Vidyā.
Kumārikākhaṇḍa 8.3
- sabāhyābhyantaraṃ meru sthūlaṃ sūkṣamaṃ vyavasthitam |
sūkṣmaṃ tu devatācakraṃ sthūlaṃ varṇaparigraham ||
Meru besteht äußerlich und innerlich, grobstofflich und feinstofflich. Die feine Gestalt ist der Kreis der Gottheiten, die grobe die Anordnung der Laute.
Kumārikākhaṇḍa 8: Sprecherzeile (speaker_before_4)
- śrīkubjikā uvāca
Die erhabene Kubjikā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 8.4
- yo'sau parāparo'nanto vibhuḥ kāraṇamadhyagaḥ |
tasyecchā nirgatā śaktirvakradevī hyadhomukhī ||
Der unendliche, alles durchdringende Herr, der höchst und nicht-höchst ist, weilt inmitten der Ursache. Aus ihm ging sein Wille als Kraft hervor: die nach unten gewandte Göttin Vakrā.
Kumārikākhaṇḍa 8.5
- tasyāśramamidaṃ meru koṣṭhakeṣu śatārdhakam |
gurorvaktrāt purā jñātvā tasyoddhāraṃ samāruhet ||
Ihre Einsiedelei ist dieser Meru, fünfzigfach in Felder gegliedert. Nachdem man dies aus dem Mund des Lehrers erfahren hat, beginne man mit seinem Hervorbringen.
Kumārikākhaṇḍa 8.6
- vidyā ca pūrṇimārabhya kādibhedeṣu ṣaḍvidham |
tavākhyātaṃ tu siddhasya sāmprataṃ kiñcidanvayam ||
Die Vidyā beginnt mit dem vollen Mond und ist in den Kādi-Abteilungen sechsfach. Dir, dem Vollendeten, wurde nun einiges über die Überlieferung gesagt.
Kumārikākhaṇḍa 8.7
- ādisthaṃ merumārgo'yaṃ yat sāraṃ paścimānvaye |
suśuddhe bhūpradeśe tu pāṃśugomayalepite ||
Dieser Meru-Weg steht am Anfang; er ist der Kern der westlichen Überlieferung. Auf einer sorgfältig gereinigten Bodenstelle, mit Erde und Kuhdung bestrichen
Kumārikākhaṇḍa 8.8
- puṣpaprakarasaṃkīrṇe hastatritaya kārayet |
tatraikāṃ pūjayet kanyāṃ tathaivācāryaputrakam ||
und mit Blüten bestreut, lege man einen Raum von drei Hastas an. Dort verehre man eine Jungfrau sowie den Lehrer und seinen eingeweihten Schüler.
Kumārikākhaṇḍa 8.9
- ekānte vijane ramye na paśujanasaṃkule |
snātena mantrapūtena suśuddhenāntarātmanā ||
Dies geschehe an einem einsamen, menschenleeren, lieblichen Ort, der nicht mit Uneingeweihten gefüllt ist. Gebadet, durch Mantra geläutert und im inneren Selbst rein,
Kumārikākhaṇḍa 8.10
- madirānandacaitanyo vīravanditavigrahaḥ |
kṛtvādau maṇḍalaṃ tatra saṃpūjya gurupādukām ||
im Bewusstsein von der Wonne des Weins erfüllt und von den Helden verehrt, errichte man zuerst dort das Maṇḍala und verehre die Sandalen des Lehrers.
Kumārikākhaṇḍa 8.11
- hemagodānavastrādyaiḥ saṃtoṣya atibhaktitaḥ |
pūjyaḥ kulāgamācāryaḥ prāṅmukhaṃ tadanantaram ||
Mit Gaben von Gold, Kühen, Gewändern und anderem erfreue und verehre man den Lehrer der Kula-Offenbarung in tiefer Hingabe. Danach, nach Osten gewandt,
Kumārikākhaṇḍa 8.12
- meruvanmeruprastāraṃ sarvamantrālayaṃ śubham |
vyāpakaṃ kuladevīnāṃ adhikāraṃ tu mantriṇām ||
verehre man das Meru-Raster wie Meru selbst: die glückverheißende Wohnstatt aller Mantras, welche die Kula-Göttinnen durchdringt und die Befugnis der Mantra-Praktizierenden verkörpert.
Kumārikākhaṇḍa 8.13
- khaṭikānavātmakaṃ yaṣṭvā tataḥ dharmāriho bhavet |
saptaviṃśāṃgulaṃ kṣetraṃ samantāt samasūtritam ||
Nachdem man die Grundlage als Navātman verehrt hat, wird man zum Vernichter der Feinde des Dharma. Das Feld sei ringsum gleichmäßig mit Schnüren abgemessen, siebenundzwanzig Fingerbreiten groß.
Kumārikākhaṇḍa 8.14
- tatraiva ālikhet meruṃ tasyānukramapaddhatiḥ |
bhāgāstrayodaśa nātha ṛjuspaṣṭāḥ krameṇa tu ||
Darin zeichne man Meru entsprechend seiner überlieferten Reihenfolge. Dreizehn Abschnitte seien, o Herr, der Reihe nach gerade und deutlich.
Kumārikākhaṇḍa 8.15
- tiryagāścāṣṭabhiścaiva samasūtrāṇi ca likhet |
catuṣṭayaśataikaṃ ca koṣṭhakān parisaṃkhyayā ||
Man zeichne außerdem acht waagerechte, gleichmäßige Linien. Nach ihrer Anzahl ergeben sich einhundertvier Felder.
Kumārikākhaṇḍa 8.16
- prāgekaṃ madhyamaṃ gṛhya tadadhastiryagastrayaḥ |
adhastāt pañcakaścaiva tadadhaḥ saptabhiḥ punaḥ ||
Zuerst nehme man das eine mittlere Feld, darunter drei nebeneinander, darunter fünf und darunter wiederum sieben,
Kumārikākhaṇḍa 8.17
- navādhastādadhastācca tadadhikādaśa punaḥ |
trayodaśānyadhaśceti varṇamekaṃ ca madhyataḥ ||
darunter neun, darunter wieder elf, darunter dreizehn und in der Mitte einen einzelnen Laut.
Kumārikākhaṇḍa 8.18
- prāksthānamāditaḥ kṛtvā merukramaṃ vadāmyaham |
ādau merośca mūrdhnisthaṃ gṛhaṃ gṛhya parāparam ||
Ich werde die Meru-Folge darlegen, ausgehend von der ersten Stelle. Zunächst nehme man das höchste und nicht-höchste Haus auf dem Gipfel Merus:
Kumārikākhaṇḍa 8.19
- yogapīṭhaṃ trisiddhāśca tadadho ratnapañcakam |
adhastānmātaraḥ sapta navabhirdevatānyadhaḥ ||
den Yoga-Sitz, dann die drei Siddhas, darunter die fünf Juwelen. Darunter sind die sieben Mütter, darunter die Gottheiten in neun Feldern,
Kumārikākhaṇḍa 8.20
- rudraikādaśako'dhastād divyasiddhāstrayodaśa |
tadadhaściñciṇīnāthaṃ bhedāḥ pañcāśat kīrtitāḥ ||
darunter die elf Rudras, dann die dreizehn göttlichen Siddhas und darunter Ciñciṇīnātha. Fünfzig Abteilungen werden so genannt.
Kumārikākhaṇḍa 8.21
- meruprastārabimbasya etat pūjākramoddharam |
sṛṣṭinyāyena kṛtvādau śeṣānyaṃ lopayed bahiḥ ||
Dies ist das Hervorbringen der Verehrungsfolge für die Gestalt des Meru-Rasters. Nachdem man sie zuerst nach der Ordnung der Schöpfung angelegt hat, lösche man die übrigen äußeren Felder.
Kumārikākhaṇḍa 8.22
- prācīmukhādi aparaṃ aparādiṣu prāṅmukham |
ṣaḍbhistu pañcabhiścaiva caturdhā tribhirekataḥ ||
Von der Ostseite her nach Westen, und vom Westen her nach Osten: mit sechs, fünf, vier, drei und einem,
Kumārikākhaṇḍa 8.23
- tathā ṣaḍbhiḥ krameṇaiva ṣaḍbhirekadvayaṃ tribhiḥ |
catvāraḥ pañcabhiḥ ṣaḍbhiranulomavilomayoḥ ||
dazu der Reihe nach sechs; dann mit sechs, einem, zwei, drei, vier, fünf und sechs, in vorwärts und rückwärts verlaufender Ordnung.
Kumārikākhaṇḍa 8.24
- suviluptaṃ ca prastāraṃ liṅgarūpaṃ ca kevalam |
ekastrayodaśaścaiva ekādaśa navastathā ||
Nach dem sorgfältigen Auslöschen bleibt das Raster allein in Liṅga-Gestalt. Ein Feld, dreizehn, elf, neun,
Kumārikākhaṇḍa 8.25
- saptabhiḥ pañcabhistrīṇi eka eva maheśvaraḥ |
śivādirandhraśaktyantaṃ tathā ca sahajākramam ||
sieben, fünf, drei und eines allein als Maheśvara: So verläuft die angeborene Überlieferungsfolge von Śiva bis zur Kraft der Öffnung.
Kumārikākhaṇḍa 8.26
- pūjayet parayā bhaktyā upacāraistu pañcabhiḥ |
varṇasiddhāṃśca pañcāśadālikhenmātṛkākramāt ||
Man verehre sie mit höchster Hingabe und den fünf Darbringungen. Die fünfzig Laut-Siddhas zeichne man in der Reihenfolge der Mātṛkā ein,
Kumārikākhaṇḍa 8.27
- vāmāvartakrameṇaiva madhye tu yāvat paścimam |
napuṃsakasamāyuktaṃ vargātītamadhaḥ kuru ||
in einer Linksdrehung bis zum letzten in der Mitte. Darunter setze man das mit dem Neutrum verbundene, jenseits der Lautgruppen Stehende.
Kumārikākhaṇḍa 8.28
- ajakārajhakāraśca ākāraṃ ca samuddharet |
chakāraśca bhakāraśca ña ma ikāra–pañcamam ||
A, Ja und Jha, und auch Ā bringe man hervor. Cha, Bha, Ña, Ma und als fünftes I;
Kumārikākhaṇḍa 8.29
- cabakārasahaścaiva ya ṭa īkāra–saptamam |
ṅaphakāraṣakāraśca śavakāraṃ larephakam ||
Ca und Ba, Sa und Ha, Ya, Ṭa und als siebtes Ī; Ṅa, Pha und Ṣa, Śa und Va, La und Ra,
Kumārikākhaṇḍa 8.30
- ṭhakāraśca ukāraśca navamaṃ mātṛmaṇḍale |
gha pakāraṃ nakāraśca dha–dakārastathaiva ca ||
Ṭha und als neuntes U im Kreis der Mütter. Gha, Pa und Na, Dha und Da,
Kumārikākhaṇḍa 8.31
- thatakāraṇaḍhaścaiva ḍa ūkāra–daśādhikam |
ga khakāraṃ kakāraśca aḥkāraṃ aṃ tathaiva ca ||
Tha, Ta, Ṇa und Ḍha, Ḍa und als elftes Ū; Ga, Kha und Ka, Aḥ und Aṃ,
Kumārikākhaṇḍa 8.32
- au okāraṃ ca aikāraṃ e lṝkāraṃ ḷ ṝ ṛ ca |
trayodaśa samākhyātāḥ kaṣākhyaṃ ca adhaḥsthitam ||
Au, O und Ai, E, das lange vokalische L, Ḷ, Ṝ und Ṛ: Dreizehn werden genannt. Das Ka-Ṣa Genannte liegt darunter.
Kumārikākhaṇḍa 8.33
- adhunā śṛṇu deveśa śabdanighaṇṭvaropitān |
akārādikṣakārāntān nyāsayogād vadāmyaham ||
Höre nun, o Herr der Götter: Ich werde die von A bis Kṣa reichenden Laute nach ihrer Zuordnung im Lautlexikon in Verbindung mit dem Nyāsa darlegen.
Kumārikākhaṇḍa 8.34
- anulomena vinyāsaṃ vilomācchabdavarṇanam |
amṛtaṃ bhānujaṃ māyā gaurī ekajavedhakam ||
Die Einsetzung verläuft vorwärts, die Beschreibung der Lautnamen rückwärts: Amṛta, Bhānuja, Māyā, Gaurī, Ekaja und Vedhaka;
Kumārikākhaṇḍa 8.35
- luptaṃ caiva mahendraṃ ca rāvaṇo bhṛkuṭīmukhaḥ |
pudgalo gajakārṇaśca goṣṭhī tripadi eva ca ||
Lupta und Mahendra, Rāvaṇa und Bhṛkuṭīmukha, Pudgala und Gajakārṇa, Goṣṭhī und Tripadi;
Kumārikākhaṇḍa 8.36
- tathā binduḥ svarāntaṃ ca varṇodayamataḥ param |
mahān vṛṣabhasiṃhaśca mātaraṃ haṭṭakeśvaram ||
ferner Bindu und Svarānta. Danach folgt das Hervortreten der weiteren Laute: Mahān, Vṛṣabha und Siṃha, Mātṛ und Haṭṭakeśvara;
Kumārikākhaṇḍa 8.37
- jihmakaṃ śūlarājaṃ ca unmatto vīrabāhukam |
kapālaṃ ca jaṭāhāraṃ vāsukiḥ ṣoḍhatadgraham ||
Jihmaka und Śūlarāja, Unmatta und Vīrabāhuka, Kapāla und Jaṭāhāra, Vāsuki, Ṣoḍha und Tadgraha;
Kumārikākhaṇḍa 8.38
- nīlakaṇṭhaṃ parāvartaṃ kuveraṃ girijātmajam |
tāraṃ dvijapatiḥ rāvaṃ tathā śaktipurandaram ||
Nīlakaṇṭha, Parāvarta, Kuvera und Girijātmaja, Tāra, Dvijapati, Rāva, Śakti und Purandara;
Kumārikākhaṇḍa 8.39
- ekavīro hayaṃ caiva agnidhāma ca pārthivam |
padmayonirmahāśaṃkhastathā dhūmradhvajaṃ punaḥ ||
Ekavīra und Haya, Agnidhāma und Pārthiva, Padmayoni und Mahāśaṃkha sowie Dhūmradhvaja;
Kumārikākhaṇḍa 8.40
- sṛṣṭibījamanaṅgaṃ ca cchāyāchatramataḥ param |
etad vai meruprastāraṃ pūjayet khaṭikāyutam ||
Sṛṣṭibīja, Anaṅga und danach Cchāyāchatra. Dies ist der Meruprastāra; man verehre ihn zusammen mit seiner Grundlage.
Kumārikākhaṇḍa 8.41
- na cātra vismaret kiñcid vidyāmārgaṃ samuddharet |
siṃhāvalokane śambho saṃhāreṇa svarūpataḥ ||
Man vergesse dabei nichts und bringe den Weg der Vidyā hervor, o Śambhu, mit dem Löwenblick, in der Auflösungsfolge ihrer Gestalt.
Kumārikākhaṇḍa 8.42
- pīṭhanāyakyahaṃ devyā kubjikā nāma yoginī |
kṛṣabhedena caivātra ajāmāvāsikaṃ kramam ||
Ich bin die Herrin des heiligen Sitzes, die Göttin, die Yoginī namens Kubjikā. Hier ist die Folge des ungeborenen Neumondes nach der dunklen Abteilung.
Kumārikākhaṇḍa 8.43
- sāṃprataṃ hi pravakṣyāmi vidyoddhāravinirṇayam |
ādyaṃ śaktipurasyaiva rāvasyaiva tu mastakam ||
Nun werde ich die genaue Bestimmung des Hervorbringens der Vidyā darlegen. Das Zeichen vor der Stadt der Śakti, das Haupt des Rāva,
Kumārikākhaṇḍa 8.44
- dvidhābhūtaikapādaśca ādyaṃ vai akṣaraṃ śubham |
śaṃkhapārthivayormadhye padmayoniḥ śivālayam ||
verdoppelt und mit Ekapāda verbunden, ist der erste glückverheißende Laut. Zwischen Śaṃkha und Pārthiva liegt Padmayoni, die Wohnstatt Śivas.
Kumārikākhaṇḍa 8.45
- māyāyuktaṃ mahādeva dvitīyamakṣaraṃ bhavet |
āsanaṃ cāgnidhāmasya kapālordhvena bheditam ||
Mit Māyā verbunden, wird dies der zweite Laut, o großer Gott. Der Sitz Agnidhāmas, mit dem Zeichen oberhalb Kapālas verbunden,
Kumārikākhaṇḍa 8.46
- tṛtīyamakṣaraṃ proktaṃ caturthaṃ kathayāmi te |
anantahanumanmadhye deva varṇodayaṃ śubham ||
wird der dritte Laut genannt. Ich werde dir den vierten nennen: Zwischen Ananta und Hanumān tritt der glückverheißende Laut hervor, o Gott.
Kumārikākhaṇḍa 8.47
- āntaṃ māyāsamāyuktaṃ uddhareta surottama |
ṣoḍhādyaṃ ṭordhvabhinnaṃ tu akṣaraṃ pañcamaṃ bhavet ||
Mit Māyā verbunden, hebe man das Endzeichen hervor, o Bester der Götter. Das Ṣoḍha vorausgehende Zeichen, mit dem oberhalb von Ṭa verbunden, wird der fünfte Laut.
Kumārikākhaṇḍa 8.48
- āsanaṃ dvijapateśca kapālaśirabhūṣitam |
ṣaṣṭhamakṣaramākhyātaṃ saptamaṃ cādhunā śṛṇu ||
Der Sitz Dvijapatis, mit dem Haupt Kapālas geschmückt, wird als sechster Laut bezeichnet. Höre nun den siebten.
Kumārikākhaṇḍa 8.49
- harādyaṃ hi tathā pātyaṃ hayāntenordhvamaṇḍitam |
vāsukerantamadhyasthaṃ candro'yaṃ paramākṣaram ||
Das Hara vorausgehende Zeichen ist einzusetzen, oben mit dem Endzeichen Hayas geschmückt. In der Mitte befindet sich das Vāsuki vorangehende Zeichen: Dieser Mond ist der höchste Laut.
Kumārikākhaṇḍa 8.50
- śūlahāṭakayormadhye unmattāntavibheditam |
ekavīrakṛtaṃ śambho sauramaṣṭākṣaroddhṛtam ||
Das Zeichen zwischen Śūla und Hāṭaka, mit dem Unmatta vorangehenden verbunden und durch Ekavīra vollendet, ist, o Śambhu, der hervorgebrachte achte Sonnenlaut.
Kumārikākhaṇḍa 8.51
- dvāvetau candrasūryobhau kapālenordhvamaṇḍitau |
ājñā mūrdhni kṛtābhāsau vidyāprākāratoraṇau ||
Diese beiden, Mond und Sonne, sind oben mit dem Zeichen über Kapāla geschmückt. Mit der Ājñā auf dem Haupt sind sie die beiden Torbögen der Umwallung der Vidyā.
Kumārikākhaṇḍa 8.52
- siṃhaughahanumān nātha māyayā veṣṭitaṃ puram |
navamaṃ sarvakāminyā akṣaro'yaṃ nipātitam ||
Die Stadt Hanumāns aus dem Löwenstrom ist von Māyā umhüllt, o Herr. Dieser neunte Laut wird von der Allbegehrenden eingesetzt.
Kumārikākhaṇḍa 8.53
- śiro bījamanaṅgasya jaṭāhārāntabheditam |
akṣaredaṃ tu daśamaṃ ākhyātaṃ tava bhairava ||
Die Keimsilbe am Haupt Anaṅgas, mit dem Jaṭāhāra vorangehenden Zeichen verbunden: Diesen zehnten Laut habe ich dir genannt, Bhairava.
Kumārikākhaṇḍa 8.54
- jaṭāpārthivayormadhye agnidhāmaṃ nipātayet |
aibhānusaṃgataṃ bhedyaṃ akṣaraikādaśaṃ bhavet ||
Zwischen Jaṭā und Pārthiva setze man Agnidhāma ein. Mit Aibhānu verbunden, bildet dies den elften Laut.
Kumārikākhaṇḍa 8.55
- hanumānśirasiṃhaśca cchāyāchatrordhvamaṇḍitam |
dvādaśaṃ varṇamākhyātaṃ unmattordhvaṃ trayodaśam ||
Siṃha am Haupt Hanumāns, mit dem Zeichen oberhalb Cchāyāchatras geschmückt, wird der zwölfte Laut genannt; das Zeichen oberhalb Unmattas ist der dreizehnte.
Kumārikākhaṇḍa 8.56
- tasyāsanamekavīraṃ tadgrahāsanabheditam |
caturdaśaṃ samākhyātaṃ akṣaraṃ tridaśeśvara ||
Dessen Sitz ist Ekavīra; mit dem Sitz Tadgrahas verbunden, wird dies, o Herr der Götter, als vierzehnter Laut bezeichnet.
Kumārikākhaṇḍa 8.57
- dvijapateḥ śivasyāntaṃ tārakākṣara kevalam |
pañcadaśaṃ samākhyātaṃ devadevyā prakāśitam ||
Das Endzeichen Dvijapatis, Śivas, ist der Laut Tāraka allein. Er wird der fünfzehnte genannt, von der Göttin der Götter offenbart.
Kumārikākhaṇḍa 8.58
- nīlakaṇṭhasya ṣoḍhasya madhyapure tu tadgraham |
kevalaṃ ṣoḍaśaṃ khyātaṃ hayaśīrṣaṃ ca kevalam ||
Tadgraha im mittleren Feld zwischen Nīlakaṇṭha und Ṣoḍha wird allein als der sechzehnte bezeichnet. Das Haupt Hayas allein
Kumārikākhaṇḍa 8.59
- saptādaśaṃ samākhyātaṃ phakārādyaṃ daśāṣṭamam |
anunāsikacatvāraḥ siddhā mantrasya vyāpakāḥ ||
wird als der siebzehnte genannt, das dem Laut Pha vorausgehende als der achtzehnte. Die vier Nasale sind die Siddhas, die den Mantra durchdringen.
Kumārikākhaṇḍa 8.60
- te yugāni tu catvāraḥ te pīṭhā aihikābhuvi |
tato bījatrayaṃ jñeyaṃ vidyājihvā surottama ||
Sie sind die vier Zeitalter und die heiligen Sitze hier auf Erden. Danach sind die drei Keimsilben als Zunge der Vidyā zu erkennen, o Bester der Götter.
Kumārikākhaṇḍa 8.61
- hayasṛṣṭigatānaṅgaṃ pārthivāntena bheditam |
rāvaṇādyena saṃbhinnaṃ anaṅgaśirasāhatam ||
Anaṅga, bei Haya und Sṛṣṭi gelegen, wird mit dem Pārthiva vorangehenden Zeichen verbunden, mit dem auf Rāvaṇa folgenden vereint und mit Anaṅgas Haupt versehen.
Kumārikākhaṇḍa 8.62
- etad bījaṃ tu rudrasya ekonaviṃśa saṃkhyayā |
harapārthivamadhyasthaṃ jaṭāntena vibheditam ||
Dies ist Rudras Keimsilbe, der Zahl nach die neunzehnte. Das Zeichen zwischen Hara und Pārthiva wird mit dem auf Jaṭā folgenden verbunden,
Kumārikākhaṇḍa 8.63
- kapālāntayutaṃ gauryā harānujavibheditam |
etanmāyātmakaṃ piṇḍaṃ viṣṇumūrdhni ca viṃśamam ||
mit Gaurī beim Ende Kapālas vereint und mit Haras jüngerem Bruder verbunden. Diese aus Māyā bestehende Lautballung ist die zwanzigste auf Viṣṇus Haupt.
Kumārikākhaṇḍa 8.64
- śaṃkhavīrāntagānaṅgaṃ jaṭāhārādyabheditam |
a–imadhyagataṃ kūṭaṃ harāntena śirāhatam ||
Anaṅga, zwischen Śaṃkha und Vīra gelegen, wird mit dem auf Jaṭāhāra folgenden verbunden; dazu kommt der geballte Laut zwischen A und I, dessen Haupt mit dem auf Hara folgenden versehen ist.
Kumārikākhaṇḍa 8.65
- etad brahmākṣaraṃ piṇḍaṃ ekaviṃśaṃ prakīrtitam |
brahmā viṣṇuśca rudraśca ete siddhāḥ kramānvitāḥ ||
Diese Lautballung Brahmās wird als einundzwanzigste bezeichnet. Brahmā, Viṣṇu und Rudra sind diese mit der Überlieferungsfolge verbundenen Vollendeten.
Kumārikākhaṇḍa 8.66
- eṣāṃ mūrdhni sthitā śaktirmāyā kāsanasaṃsthitā |
akṣamadhyamavarṇānāṃ udayaṃ ca samāyutam ||
Über ihren Häuptern steht die Kraft Māyā, auf dem Sitz von Ka. Sie ist mit dem Hervortreten der Laute zwischen A und Kṣa verbunden.
Kumārikākhaṇḍa 8.67
- etad varṇaṃ ca dvāviṃśaṃ trayoviṃśamakaṃ bhavet |
sṛṣṭiśaktipurādyaṃ ca haśireṇa samāyutam ||
Dies ist der zweiundzwanzigste Laut. Der dreiundzwanzigste ist das Zeichen vor der Stadt der Schöpfungskraft, mit dem Haupt von Ha verbunden
Kumārikākhaṇḍa 8.68
- kapālaśirasākrantaṃ eṣā cakratanurhyaham |
pudgalasya tu pūrvādyaṃ vāsukiśirasi sthitam ||
und mit Kapālas Haupt versehen. Dies bin ich, deren Leib aus Rädern besteht. Das erste Zeichen vor Pudgala, auf Vāsukis Haupt befindlich,
Kumārikākhaṇḍa 8.69
- caturviṃśamakaṃ varṇaṃ mudrānāmābhidhānakam |
ākhyātaṃ tava siddhyarthaṃ śrīnāthena samāyutam ||
ist der vierundzwanzigste Laut, der die Mudrā bezeichnet. Verbunden mit Śrīnātha habe ich ihn dir zur Erlangung der Vollendung genannt.
Kumārikākhaṇḍa 8.70
- pañcaviṃśatikaṃ varṇaṃ śara–īkārasaṃjñayā |
ekapadagatānaṅgaṃ puraṃ śaktyantabheditam ||
Der fünfundzwanzigste Laut trägt die Bezeichnung Śa–Ra–Ī. Die Stadt des Anaṅga, mit Ekapāda verbunden, wird mit dem Endzeichen der Śakti vereint;
Kumārikākhaṇḍa 8.71
- triṣu varṇāntahanumān tena yuktamadhaḥkṛtam |
dhūmramātaramadhyasthaṃ yuktaṃ ṭāsanameva ca ||
das letzte der drei Zeichen ist Hanumān. Mit ihm verbunden, wird es darunter gesetzt. Das Zeichen zwischen Dhūmra und Mātṛ wird damit verbunden, ebenso der Sitz von Ṭa.
Kumārikākhaṇḍa 8.72
- śirobhūṣaṇaratnāḍhyaṃ tenākrāntaṃ ca piṇḍakam |
ājñādīptaṃ kṛtaṃ kūṭaṃ ṣaḍviṃśaṃ kulanāyakam ||
Die Lautballung trägt das Juwel als Hauptschmuck und ist von ihm bekrönt. Als sechsundzwanzigster geballter Laut, vom Licht der Ājñā erfüllt, ist sie der Herr des Kula.
Kumārikākhaṇḍa 8.73
- anena smarate devaṃ bhavet kaulasya bhājanaḥ |
ājñā pravartate śiṣye ājñayābhyāsanena tu ||
Wer damit des Gottes gedenkt, wird des Kaula teilhaftig. Die Ājñā wird im Schüler wirksam; durch das Üben mit der Ājñā
Kumārikākhaṇḍa 8.74
- khagatiśca na saṃdeho acirādapi sundara |
etaccaitanyakūṭaṃ tu ṣaḍvidhaṃ parameśvara ||
erlangt man bald das Himmelswandeln, o Schöner, daran besteht kein Zweifel. Dies ist der sechsfache Gipfellaut des Bewusstseins, o höchster Herr.
Kumārikākhaṇḍa 8.75
- ṣaḍbhiḥ pīṭhaiḥ samāyuktaṃ khecaraṃ ādyapīṭhakam |
tad yadālokayenmantrī patate iti niścayam ||
Mit sechs heiligen Sitzen verbunden, ist er der Himmelswandler, der ursprüngliche heilige Sitz. Worauf der Mantra-Praktizierende seinen Blick richtet, das fällt gewiss nieder.
Kumārikākhaṇḍa 8.76
- saptāviṃśatilakṣaistu japitaiścāpi khegatiḥ |
kramamaṇḍalamadhyasthaṃ jvalantaṃ dīparūpakam ||
Durch siebenundzwanzig Lakṣas von Wiederholungen wird das Himmelswandeln erlangt. In der Mitte des Maṇḍala der Überlieferungsfolge glüht es wie eine Lampe.
Kumārikākhaṇḍa 8.77
- talliṅgaṃ taṃ ca vṛkṣaṃ ca vidhinā kramanāyakam |
tasyodyānaṃ sapūrvaṃ ca agnirjālandharoditaḥ ||
Dies ist das Liṅga, der Baum und nach der Ordnung der Herr der Überlieferungsfolge. Sein Udyāna ist das Zeichen vor Sa; das Feuer geht aus Jālandhara hervor.
Kumārikākhaṇḍa 8.78
- khārṇāntaṃ pūrṇagiryaṃ ca hasāntamiti koṃkaṇam |
ekapādaṃ ca tisrākhyaṃ siddhaṃ pīṭhakrameṇa tu ||
Das auf den Laut Kha folgende Zeichen ist Pūrṇagiri; das Ende von Ha und Sa ist Koṃkaṇa. Ekapāda heißt Tisra, vollendet gemäß der Folge der heiligen Sitze.
Kumārikākhaṇḍa 8.79
- etad vai ṣaḍvidhaṃ piṇḍaṃ āśramaṃ pārameśvaram |
eṣā sā khecarīmudrā grastaṃ trailokyamadbhutam ||
Dies ist die sechsfache Lautballung, die Einsiedelei des höchsten Herrn. Sie ist die Khecarī-Mudrā; die wunderbaren drei Welten sind von ihr verschlungen.
Kumārikākhaṇḍa 8.80
- olitritayamadhye tu eṣājñā kubjikākrame |
tasyā mūrtiraghorā ca uddhāraṃ tu vilomataḥ ||
In der Mitte der drei Überlieferungslinien ist dies die Ājñā in Kubjikās Folge. Ihre Gestalt ist Aghorā; das Hervorbringen geschieht rückwärts.
Kumārikākhaṇḍa 8.81
- jaṭāhārādyamanalaṃ tadgrahādhaḥsamanvitam |
saptāviṃśamakaṃ varṇaṃ aṣṭāviṃśamakaṃ bhavet ||
Das Feuer, das auf Jaṭāhāra folgt, verbunden mit dem Zeichen unter Tadgraha, ist der siebenundzwanzigste Laut. Der achtundzwanzigste wird
Kumārikākhaṇḍa 8.82
- hanumānśirasiṃhasya parāvartādhayojitam |
gajendrasya śiraṃ pātyaṃ nīlakaṇṭheti nāmataḥ ||
aus Siṃha an Hanumāns Haupt mit dem unter Parāvarta liegenden Zeichen verbunden. Einzusetzen ist das Haupt Gajendras, Nīlakaṇṭha genannt.
Kumārikākhaṇḍa 8.83
- māyāyuktamūnatriṃśaṃ kathitaṃ tava sundara |
triṃśamaṃ kathayiṣyāmi parāvartaśiraṃ punaḥ ||
Mit Māyā verbunden, ist dies der neunundzwanzigste, den ich dir genannt habe, o Schöner. Ich werde den dreißigsten nennen: wiederum das Haupt Parāvartas.
Kumārikākhaṇḍa 8.84
- kevalaṃ hanumādyaṃ ca ekatriṃśaṃ prakīrtitam |
śūlasyaivāsanaṃ deva dvātriṃśaṃ samudāhṛtam ||
Das Hanumān folgende Zeichen allein wird als einunddreißigstes bezeichnet. Der Sitz Śūlas, o Gott, wird als zweiunddreißigstes genannt.
Kumārikākhaṇḍa 8.85
- ekavīrādi–ārabhya bhagāntaṃ yāvad bhairava |
ākhyātaṃ paramaṃ dehaṃ bimbā devī nabhasthitā ||
Von Ekavīra an bis zu Bhaga ist der höchste Leib beschrieben, Bhairava: die Göttin Bimbā, die im Himmelsraum weilt.
Kumārikākhaṇḍa 8.86
- uddhṛtā tu vilomena pīṭhān kuryānnulomataḥ |
etat siṃhāvalokena siṃhavat siṃhasaṃjñayā ||
Sie ist rückwärts hervorgebracht; die heiligen Sitze aber ordne man vorwärts an. Dies geschieht mit dem Löwenblick, einem Löwen gleich und mit dem Namen Löwe.
Kumārikākhaṇḍa 8.87
- ādipīṭheśvarī khyātā mudrātritayabheditā |
śrīnātha uvāca
yadetat puravaraṃ devi jvalantaṃ bhīmarūpiṇam ||
Sie ist als Herrin des ursprünglichen heiligen Sitzes bekannt und in drei Mudrās gegliedert. — Göttin, diese vorzügliche Stadt glüht in furchterregender Gestalt
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 8.88
- bhayāvahaṃ tu śiṣyāṇāṃ amṛtīkaraṇaṃ vada |
yena sarvatra śiṣyāṇāṃ saṃpūrṇasiddhidā bhavet ||
und flößt den Schülern Furcht ein. Erkläre die Verwandlung in Nektar, durch die sie den Schülern überall vollständige Vollendung schenken möge.
Kumārikākhaṇḍa 8.89
- etat prayogamicchāmi cāndreyaṃ karaṇaṃ śubham |
śrīvakrā uvāca
atordhvaṃ saṃpradāyaṃ tu pūrvasyaiva tu uttaram ||
Ich wünsche dieses Verfahren, den glückverheißenden Mondvorgang. — Als Nächstes folgt die Überlieferung, die das Vorherige ergänzt.
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 8.90
- śrīnātha tvāṃ pravakṣyāmi amṛtīkaraṇaṃ śubham |
kṛtvādau praṇavāḥ pañca ante te'pi vilomataḥ ||
Śrīnātha, ich werde dir die glückverheißende Verwandlung in Nektar erklären. Man setze zuerst die fünf Praṇavas und am Ende dieselben in umgekehrter Folge.
Kumārikākhaṇḍa 8.91
- tayormadhyagatā vidyā pūrṇimā nātra saṃśayaḥ |
na cātra vistaraṃ kiñcit vidyāpañcārṇamuddharet ||
Die Vidyā zwischen beiden ist der volle Mond; daran besteht kein Zweifel. Eine weitere Ausdehnung gibt es hier nicht. Man bringe die fünf Laute der Vidyā hervor.
Kumārikākhaṇḍa 8.92
- yayoccāritamātrayā maheśvaryaṃ pravartate |
vāyuvarṇāccaturthaṃ tu adhasthaṃ yat purārcitam ||
Durch deren bloßes Aussprechen entfaltet sich höchste Herrschaft. Das vierte Zeichen unter dem Laut des Windes, das zuvor verehrt wurde,
Kumārikākhaṇḍa 8.93
- śikhāśekharamākrāntaṃ ājñāvartisamujjvalam |
eṣā kauleśvarī vidyā okārāntavibheditā ||
ist mit der Spitze der Flamme bekrönt und leuchtet mit dem Docht der Ājñā. Dies ist die Kauleśvarī-Vidyā, verbunden mit dem Zeichen vor O.
Kumārikākhaṇḍa 8.94
- eṣā bhagavatī devī nāmnā sā vahnivāsinī |
āraktāṃ cintayed deva ādhāramaṇimadhyataḥ ||
Sie ist die erhabene Göttin namens Vahnivāsinī, die im Feuer Wohnende. Man vergegenwärtige sie rötlich zwischen der Grundlage und dem Juwelenzentrum, o Gott.
Kumārikākhaṇḍa 8.95
- lakṣaikajapanāt siddhirmahāvedhaḥ pravartate |
amṛtādicaturthaṃ tu ikārādhastṛtīyakam ||
Durch ein Lakṣa von Wiederholungen wird Vollendung erlangt, und das große Durchdringen setzt ein. Das vierte Zeichen von Amṛta an, mit dem dritten unter I,
Kumārikākhaṇḍa 8.96
- yāntāntaṃ bindunādasthaṃ aśireṇa śirāhatam |
mahāmāyā smṛtā hyeṣā trailokyakṣobhakāriṇī ||
dazu das Endzeichen des Endzeichens von Ya, in Bindu und Nāda ruhend und am Haupt mit dem Haupt von A versehen: Dies ist Mahāmāyā, die die drei Welten erregt.
Kumārikākhaṇḍa 8.97
- vahniṃ kapilasaṃkāśaṃ cintayenmaṇipūrake |
vaśīkaraṇamāveśaṃ lakṣaikajapanācchriyaḥ ||
Man vergegenwärtige das Feuer im Maṇipūraka gelbbraun. Ein Lakṣa von Wiederholungen bringt Unterwerfung, Ergriffensein und Machtfülle.
Kumārikākhaṇḍa 8.98
- ṣavāntaṃ ṭāsanārūḍhaṃ uśireṇa vibheditam |
kalābindvaṅkitaṃ nādaṃ ājñāmūrdhni kṛtāntakam ||
Das Zeichen zwischen Ṣa und Va, auf den Sitz von Ṭa gestellt, wird mit dem Haupt von U verbunden. Nāda ist mit Kraft und Bindu gezeichnet und am Ende auf das Haupt der Ājñā gesetzt.
Kumārikākhaṇḍa 8.99
- eṣā sā śāṅkarī devī sarvaduḥkhakṣayaṃkarī |
himakundendusaṃkāśāṃ dhyāyed deva anāhate ||
Dies ist die Göttin Śāṅkarī, die alles Leiden zum Schwinden bringt. Man meditiere über sie im Anāhata, o Gott, hell wie Schnee, Jasmin und Mond.
Kumārikākhaṇḍa 8.100
- sakṛjjaptena lakṣeṇa kaulajñānaṃ labhennaraḥ |
aihikān prāpnuyād bhogān saubhāgyaṃ yaśasaḥ śriyam ||
Durch die Rezitation eines Lakṣa erlangt der Mensch Kaula-Wissen. Er gewinnt die Freuden dieser Welt, glückliche Fügung, Ruhm und Wohlstand.
Kumārikākhaṇḍa 8.101
- pānujaṃ kharamadhyasthaṃ elīnaravibheditam |
indubindukalākrantaṃ devānāmapi durlabham ||
Das auf Pa folgende Zeichen zwischen Kha und Ra, mit der in E aufgegangenen Sonne verbunden und von der Kraft des Mondtropfens durchdrungen, ist selbst für Götter schwer zu erlangen.
Kumārikākhaṇḍa 8.102
- eṣā sā khecarī vidyā śyāmā raktā viśuddhagā |
lakṣaikajapanāt siddhirmātṛlabdhavaro bhavet ||
Dies ist die Khecarī-Vidyā, dunkel und rot, im Viśuddha weilend. Durch ein Lakṣa von Wiederholungen wird Vollendung erlangt; man empfängt den Segen der Mütter.
Kumārikākhaṇḍa 8.103
- laghutvaṃ karmavicchedaṃ nirgamaṃ jālakāntare |
dhārāstambhaṃ na saṃdehaḥ karotyāveśamuttamam ||
Sie bewirkt Leichtigkeit, die Durchtrennung des Karma, das Entkommen aus einem Netz oder einer unwegsamen Tiefe und das Anhalten eines Stromes. Sie bewirkt, ohne Zweifel, das höchste Ergriffensein.
Kumārikākhaṇḍa 8.104
- yaśamadhyagatākāśaṃ habāntaṃ ca laṭhāntaram |
ṛśiraṃ ośiraikatvaṃ bindunādakhagāṅkitam ||
Der Raum zwischen Ya und Śa, das Zeichen zwischen Ha und Ba und das zwischen La und Ṭha, das Haupt von Ṛ, mit dem Haupt von O vereint und durch Bindu, Nāda und Khecarī gezeichnet:
Kumārikākhaṇḍa 8.105
- eṣā sā bhairavī vidyā śvetaraktāṃ vicintayet |
ājñāsthānaśalākāyā lakṣaikajapanācchriyaḥ ||
Dies ist die Bhairavī-Vidyā. Man vergegenwärtige sie weiß und rot. Durch ein Lakṣa von Wiederholungen der Nadel am Ort der Ājñā erlangt man Machtfülle.
Kumārikākhaṇḍa 8.106
- kṛtvā krodhaṃ kṣayaṃ yāti śakrasainyaṃ na saṃśayaḥ |
nigrahaṃ caiva duṣṭānāṃ śatrūṇāṃ caiva tāḍanam ||
Wird Zorn erregt, geht Śakras Heer zugrunde, ohne Zweifel. Ebenso werden die Bösen gezüchtigt und die Feinde geschlagen.
Kumārikākhaṇḍa 8.107
- bhavate nātra saṃdeho yayārādhanamātrataḥ |
dharmārthakāmamokṣāṇāṃ phalaṃ prāpnoti mānavaḥ ||
Dies geschieht, daran besteht kein Zweifel, durch ihre bloße Verehrung. Der Mensch erlangt die Früchte von Dharma, Wohlstand, Begehren und Befreiung.
Kumārikākhaṇḍa 8.108
- yastvidaṃ vindate yogī vidyāpañcakakaulikam |
so'pi yāti pare tattve yatra gatvā na śocate ||
Der Yogi, der diese Kaula-Fünfheit der Vidyās erlangt, gelangt zum höchsten Prinzip. Wer dorthin gelangt ist, trauert nicht mehr.
Kumārikākhaṇḍa 8.109
- vāgbhavaṃ prathamaṃ bījaṃ māyābījaṃ dvitīyakam |
tṛtīyaṃ ca śriyo bījaṃ caturthaṃ caiva khecaram ||
Vāgbhava ist die erste Keimsilbe, die Māyā-Keimsilbe die zweite. Die dritte ist die Keimsilbe der Śrī, die vierte Khecara.
Kumārikākhaṇḍa 8.110
- pañcamaṃ bhairavaṃ nāma vijñeyāḥ kulabhūṣaṇāḥ |
praṇavāḥ pañca ākhyātā dīpakāni kulakrame ||
Die fünfte heißt Bhairava. Als Schmuckstücke des Kula sind sie zu erkennen. Die fünf Praṇavas sind beschrieben, die Lichter in der Überlieferungsfolge des Kula.
Kumārikākhaṇḍa 8.111
- punareva hi vidyāyā ādipīṭhāḥ prakīrtitāḥ |
prathamaṃ kāmarūpaṃ tu jālapīṭhaṃ dvitīyakam ||
Weiter werden sie die ursprünglichen heiligen Sitze der Vidyā genannt. Der erste ist Kāmarūpa, der zweite der Sitz Jāla,
Kumārikākhaṇḍa 8.112
- pūrṇagiryaṃ tṛtīyaṃ tu oḍiyānaṃ caturthakam |
pañcamaṃ tisrapīṭhākhyaṃ siddhāste punaḥ pañcabhiḥ ||
der dritte Pūrṇagiri, der vierte Oḍiyāna und der fünfte der Tisra genannte Sitz. Ihnen entsprechen wiederum fünf Siddhas:
Kumārikākhaṇḍa 8.113
- maitrīśaṃ caryadevaṃ ca ṣaṣṭhīśo oḍameva ca |
tūṣṇīśaṃ devadeveśa siddhāḥ pañca krameṇa tu ||
Maitrīśa und Caryadeva, Ṣaṣṭhīśa und Oḍa sowie Tūṣṇīśa — diese fünf Siddhas in ihrer Reihenfolge, o Herr der Götter.
Kumārikākhaṇḍa 8.114
- ādyapīṭhāt samārabhya kuryādeva kramārcanam |
pañcapraṇavasaṃyuktaṃ siddhyate nātra saṃśayaḥ ||
Vom ursprünglichen heiligen Sitz ausgehend, vollziehe man die Verehrung der Überlieferungsfolge. Mit den fünf Praṇavas verbunden, gelangt sie zur Vollendung, ohne Zweifel.
Kumārikākhaṇḍa 8.115
- vidyāpañcārṇarahitaṃ yastu pūjayate kramam |
akramasthaḥ sa vijñeyo na mokṣāya vidhīyate ||
Wer die Überlieferungsfolge ohne die fünf Laute der Vidyā verehrt, ist als außerhalb der Überlieferungsfolge stehend zu erkennen. Seine Verehrung führt nicht zur Befreiung.
Kumārikākhaṇḍa 8.116
- kramaṃ pañcākṣaraṃ yogaṃ kramavidyārṇapañcakam |
pañcadhātugṛhaṃ cakraṃ tathātmānaṃ ca pañcadhā ||
Die Überlieferungsfolge ist die Verbindung der fünf Laute, die Vidyā der Folge die Gruppe der fünf Laute. Das Rad ist das Haus der fünf Körperbestandteile; ebenso ist das Selbst fünffach.
Kumārikākhaṇḍa 8.117
- pañcākṣaramidaṃ nyāsaṃ kṛtvā kṣobho'bhijāyate |
ye yoginīkule jātā te ca vindanti pañcakam ||
Nach dieser Einsetzung der fünf Laute entsteht Erregung. Die im Kula der Yoginīs Geborenen erlangen die Fünfheit.
Kumārikākhaṇḍa 8.118
- gatvā vai kāmarūpe tu tathā jālandhare tu ca |
aparaṃ pūrṇagiryāyāṃ gatvā pīṭhe caturthake ||
Nachdem man nach Kāmarūpa und Jālandhara gegangen ist, sodann nach Pūrṇagiri und zum vierten heiligen Sitz
Kumārikākhaṇḍa 8.119
- tisrākhye ca punargatvā vidyāpañcakamabhyaset |
pūrvakrameṇa siddhyanti nānyathā vīravandita ||
und weiter zum Tisra genannten, übe man die Fünfheit der Vidyās. Nach der zuvor beschriebenen Folge gelangen sie zur Vollendung, nicht anders, o von den Helden Verehrter.
Kumārikākhaṇḍa 8.120
- ādau te pañca lakṣāṇi japtavyāḥ sādhakena tu |
saṃyogāllakṣamekaṃ tu japed vidyādyapīṭhake ||
Zuerst soll der Adept fünf Lakṣas rezitieren; danach rezitiere er ein Lakṣa in verbundener Form am ursprünglichen heiligen Sitz der Vidyā.
Kumārikākhaṇḍa 8.121
- sādhakaḥ siddhibhāgī syāt khegatirnātra saṃśayaḥ |
melāpaṃ khecarīsārdhaṃ tatra pīṭhe labhennaraḥ ||
Der Adept wird der Vollendung teilhaftig und erlangt das Himmelswandeln, ohne Zweifel. An jenem heiligen Sitz gewinnt der Mensch die Vereinigung mit Khecarī,
Kumārikākhaṇḍa 8.122
- vīrasiddhirmahāvyāptiḥ purakṣobhaṃ tu icchayā |
aṇimā mahimā caiva laghimā prāptireva ca ||
die Vollendung der Helden, die große Durchdringung und nach Wunsch die Erregung der Stadt. Aṇimā, das Kleinwerden, Mahimā, das Großwerden, Laghimā, die Leichtigkeit, und Prāpti, das Erlangen,
Kumārikākhaṇḍa 8.123
- prākāmyaṃ caiva īśitvaṃ vaśīkaraṇameva ca |
yatra kāmagatīcchayā siddhyaṣṭāviha janmani ||
Prākāmya, die Erfüllung des Willens, Īśitva, Herrschaft, und Vaśīkaraṇa, Unterwerfung: Wohin immer der Wunsch ihn führen mag, erlangt er in diesem Leben die acht Vollendungen.
Kumārikākhaṇḍa 8.124
- labhedamarapadaṃ yogī svayaṃ rudro bhaviṣyati |
eṣā pañcākṣarī vidyā mudrāpañcakabhūṣitā ||
Der Yogi erlangt die unsterbliche Stätte und wird selbst Rudra sein. Dies ist die aus fünf Lauten bestehende Vidyā, geschmückt mit fünf Mudrās.
Kumārikākhaṇḍa 8.125
- prathamā kulakaule tu jñātavyā kṣobhacintakaiḥ |
yonimudrā tu śaṅkhinyā padmamudrā tathaiva ca ||
Sie ist die erste im Kulakaula und von denen zu erkennen, die das Erregen betrachten. Die Mudrās sind Yoni-Mudrā, Śaṅkhinī und ebenso die Lotusmudrā,
Kumārikākhaṇḍa 8.126
- kapālamudrā deveśa tathā vai ghaṭasaṃjñayā |
mudrāpañcakanirmukto vidyāpañcakavarjitaḥ ||
die Schädelmudrā, o Herr der Götter, und die Krug genannte. Wer ohne die fünf Mudrās und ohne die Fünfheit der Vidyās ist,
Kumārikākhaṇḍa 8.127
- nāsau anvayiko mantrī na bhavet siddhibhājanaḥ |
jihvopasthanimityarthaṃ kaulikān tān brūvanti ye ||
ist als Mantra-Praktizierender kein Angehöriger der Überlieferung und hat keinen Anteil an der Vollendung. Wer solche Menschen nur um der Zunge und der Geschlechtsorgane willen Kaulikas nennt,
Kumārikākhaṇḍa 8.128
- na teṣāṃ kulakaulo'sti anyathā patanaṃ bhavet |
vidyā dhyānāni pīṭhāni siddhā mudrāśca pañcakam ||
hat keinen Anteil am Kulakaula; andernfalls kommt es zum Fall. Vidyās, Meditationen, heilige Sitze, Siddhas und Mudrās bilden die Fünfheit.
Kumārikākhaṇḍa 8.129
- etad vai tattvato jñeyaṃ tathā pañcārṇapañcakam |
sūcitaṃ tava siddhasya gopanīyaṃ śarīravat ||
Dies ist in seinem wahren Wesen zu erkennen, ebenso die Fünfheit der fünf Laute. Was dir, dem Vollendeten, angedeutet wurde, ist wie der eigene Leib verborgen zu halten.
Kumārikākhaṇḍa 8: unnummerierter Halbvers (half_after_129)
- idaṃ rahasyaṃ paramaṃ nākhyeyaṃ yasya kasyacit |
Dieses höchste Geheimnis soll nicht beliebigen Menschen mitgeteilt werden.
Kumārikākhaṇḍa 8: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike ādyapīṭhāvatārite vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite meruprasthāranirṇaye vidyā–uddhāro nāmānandaḥ || 8 ||
So endet das Kapitel mit dem Titel „Das Hervorbringen der Vidyā“, in der Bestimmung des Meru-Rasters: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 9
Kumārikākhaṇḍa 9: Kapitelkopf (heading)
- navamānandaḥ
Neunte Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 9: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 9.1
- śrutaṃ ca devadeveśi vidyā–uddhāramuttamam |
devyāḥ kūṭaṃ na me jñātaṃ vistareṇa mayā prabho ||
O Herrin des Gottes der Götter, ich habe die vorzügliche Herauslösung der Vidyā gehört. Doch den Kūṭa, die Gipfelsilbe der Göttin, habe ich noch nicht ausführlich kennengelernt, o Herr.
Kumārikākhaṇḍa 9.2
- adhunā śrotumicchāmi idānīṃ tad vada prabho |
śrīvakrā uvāca
kūṭamekaṃ gurorvaktrāt jñātavyaṃ tat maheśvara ||
Jetzt möchte ich davon hören; sage es mir nun, o Herr. — Der eine Kūṭa muss aus dem Mund des Lehrers erkannt werden, o Maheśvara.
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 9.3
- na tena rahitā siddhistadākarṇaya sundara |
prathamaṃ jālapīṭhaṃ tu pūrṇagiryaṃ dvitīyakam ||
Ohne ihn gibt es keine Vollendung. Höre also zu, du Schöner. Der erste Sitz heißt Jāla, der zweite Pūrṇagiri.
Kumārikākhaṇḍa 9.4
- tṛtīyaṃ koṃkaṇaṃ proktaṃ kāmarūpaṃ caturthakam |
pañcamaṃ pīṭhamoṃkāraṃ ṣaṣṭhaṃ trisrotanāyakam ||
Der dritte wird Koṃkaṇa genannt, der vierte Kāmarūpa. Der fünfte Sitz ist Oṃkāra, der sechste der Herr der drei Ströme.
Kumārikākhaṇḍa 9.5
- sālambāste smṛtāḥ ṣaḍbhiḥ śarīre tu vinirdiśet |
nirālambān tadūrdhvaṃ tu ṣaḍbhirvakṣyāmi sāmpratam ||
Diese sechs gelten als „mit Stütze“; man soll sie im Körper bestimmen. Nun werde ich die sechs „ohne Stütze“ erklären, die oberhalb davon liegen.
Kumārikākhaṇḍa 9.6
- indubinduḥ svayaṃnāthaḥ śaktirūrdhve ca vyāpinī |
tadūrdhve samanā jñeyā unmanā vai tathopari ||
Mond und Tropfen, der Herr selbst, darüber Śakti und Vyāpinī: Oberhalb davon ist Samanā zu erkennen, und darüber wiederum Unmanā.
Kumārikākhaṇḍa 9.7
- ubhayorapi saṃyogāt dvādaśāni bhavanti te |
padārthāni samūhena atha vakṣyāmi sāmpratam ||
Durch die Verbindung beider Gruppen werden sie zu zwölf. Nun werde ich diese Gegebenheiten in ihrem Zusammenhang erläutern.
Kumārikākhaṇḍa 9.8
- tejorūpaṃ tu jālākhyaṃ hṛdaye tu hutāśanam |
dāḍimīpuṣpasaṃkāśaṃ kūpasthaṃ pūrṇagiryakam ||
Der Jāla genannte Sitz hat die Gestalt leuchtender Kraft: Er ist das Feuer im Herzen. Pūrṇagiri gleicht der Blüte des Granatapfels und befindet sich in der Grube der Kehle.
Kumārikākhaṇḍa 9.9
- koṅkaṇaṃ ghaṇṭikāyāṃ tu śaradgaganasannibham |
kāmākhyaṃ tālumadhye tu himakundendunirmalam ||
Koṅkaṇa liegt am Zäpfchen und gleicht dem Herbsthimmel. Kāmākhya liegt in der Mitte des Gaumens, rein wie Schnee, Jasmin und Mond.
Kumārikākhaṇḍa 9.10
- tasya ūrdhvaṃ tu vijñeyaṃ oṃkāraṃ darpaṇaprabham |
brahmarandhre trikoṇākhyaṃ ūrdhvavaktraṃ vicintayet ||
Oberhalb davon ist Oṃkāra zu erkennen, glänzend wie ein Spiegel. In der Brahmaöffnung vergegenwärtige man sich das nach oben gerichtete Antlitz, das „Dreieck“ heißt.
Kumārikākhaṇḍa 9.11
- taptahemanibhaṃ dhyāyet tisrākhyaṃ pīṭhanāyakam |
tadūrdhvaṃ vyomacakraṃ tu ālātakasamaprabham ||
Man meditiere über Tisra, den Herrn der heiligen Sitze: Er gleicht glühendem Gold. Darüber liegt das Raumrad, leuchtend wie eine kreisende Feuerfackel.
Kumārikākhaṇḍa 9.12
- bindurūpaṃ samābhyasya ardhendustasya copari |
jyotirūpaṃ samākhyātaṃ ādināthaṃ tu mūrdhani ||
Hat man sich in die Gestalt des Tropfens versenkt, so liegt darüber der Halbmond. Ādinātha, der Urherr, wird als Lichtgestalt bezeichnet und befindet sich oben am Haupt.
Kumārikākhaṇḍa 9.13
- śivatattvaṃ vijānīyādavyaktaṃ cakravat smaret |
hṛdayāt tu samārabhya yāvadūrdhvaṃ hi mastakam ||
Man erkenne ihn als das Śiva-Prinzip, als das Unoffenbare, und vergegenwärtige ihn sich einem Rad gleich. Vom Herzen an bis hinauf über das Haupt
Kumārikākhaṇḍa 9.14
- tāvat kūṭaṃ samākhyātaṃ navadhā saṃvyavasthitam |
suṣumnānāḍibhedena śanaiḥ śanaistu bhedayet ||
erstreckt sich der Kūṭa, der in neun Teilen angeordnet ist. Indem man den Suṣumnā-Kanal durchdringt, soll man ihn nach und nach durchdringen.
Kumārikākhaṇḍa 9.15
- tadūrdhve olibhedāni tribhirvakṣyāmi sāmpratam |
caturaṃgulamutsṛjya ṛjuśaktirvidhīyate ||
Nun werde ich die drei Gliederungen der Überlieferungslinien oberhalb davon erklären. Vier Fingerbreiten weiter oben wird die aufrechte Kraft, Ṛjuśakti, angesetzt.
Kumārikākhaṇḍa 9.16
- atasīpuṣpasaṃkāśāṃ vyomavyāpīṃ vicintayet |
tadūrdhve vyāpinī proktā catvāryaṃgulamūrdhvataḥ ||
Man vergegenwärtige sie sich einer Flachsblüte gleich und den Raum durchdringend. Darüber wird Vyāpinī genannt; weitere vier Fingerbreiten nach oben
Kumārikākhaṇḍa 9.17
- samanā sā svarūpeṇa candrakoṭisamaprabhā |
śivatattvasya ūrdhve tu olidevyastrayaḥ smṛtāḥ ||
liegt Samanā, ihrem eigenen Wesen nach so strahlend wie zehn Millionen Monde. Diese drei gelten als die Göttinnen der Überlieferungslinien über dem Śiva-Prinzip.
Kumārikākhaṇḍa 9.18
- tasyordhve unmanāvasthā śabdāvasthaṃ hi śāmbhavam |
śūnyamekaṃ samābhyasya yatra sarvaṃ nivartate ||
Darüber liegt der Zustand Unmanā, jenseits des Denkens: der Śiva zugehörige Zustand des Wortes. Man versenke sich in die eine Leere, in der alles zur Ruhe kommt.
Kumārikākhaṇḍa 9.19
- śūnyānte tūnmane prāpte ko na mucyeta bandhanāt |
athānyaṃ saṃpravakṣyāmi kāraṇaṃ gūḍhamuttamam ||
Wenn Unmanā am Ende der Leere erreicht ist, wer würde da nicht von der Bindung frei? Nun werde ich eine andere, höchste und verborgene Ursache erläutern.
Kumārikākhaṇḍa 9.20
- prathamaṃ kāmarūpākhyaṃ śṛṅgāṭākṛtiśekharam |
māyābījaṃ dvitīyaṃ tu guhā mudrā ca tūṣṇikā ||
Die erste heißt Kāmarūpa, „Gestalt des Verlangens“: eine Spitze in der Form einer Wassernuss. Die zweite ist der Māyā-Same, die Höhle, die Mudrā und die Schweigende.
Kumārikākhaṇḍa 9.21
- tṛtīyaṃ rudrabījaṃ tu divyaṃ suravarārcitam |
caturthaṃ khecaraṃ pīṭhaṃ khapharemiti vigraham ||
Der dritte ist der göttliche Rudra-Same, den die vorzüglichsten Götter verehren. Der vierte ist der Khecara-Sitz, dessen Lautgestalt als „khapharem“ bezeichnet wird.
Kumārikākhaṇḍa 9.22
- pañcamaṃ bhairavaṃ nāma hasarau–upadāṅkitam |
pīṭhapañcakamākhyātaṃ guptasaṃjñaṃ kulāgame ||
Der fünfte heißt Bhairava und ist mit der Bezeichnung „hasarau–u“ versehen. Dies wird in der Kula-Überlieferung als Geheimbezeichnung der fünf Sitze erklärt.
Kumārikākhaṇḍa 9.23
- teṣāṃ saṃketakāḥ pañca śāstre'smin svavatāritāḥ |
īkāraśca ākāraśca i u o svarapañcakam ||
Ihre fünf Zeichen sind in dieser Schrift herabgebracht worden: die fünf Vokale Ī und Ā sowie I, U und O.
Kumārikākhaṇḍa 9.24
- ete tattvakramācchambho saṃjātāni kulecchayā |
ādyaṃ pīṭhaṃ bhaved dīrghaṃ caturthaṃ svaranāyakam ||
Sie sind, o Śambhu, durch den Willen Kulas gemäß der Folge der Wirklichkeitsprinzipien entstanden. Der erste Sitz ist der lange vierte Vokal, der Anführer der Vokale.
Kumārikākhaṇḍa 9.25
- svarodayaṃ dvitīyaṃ ca tṛtīye ca tṛtīyakam |
caturthakaṃ caturthe tu pañcame tu trayodaśam ||
Der zweite ist das Aufgehen der Vokale; beim dritten steht der dritte, beim vierten der vierte und beim fünften der dreizehnte.
Kumārikākhaṇḍa 9.26
- ete pīṭhāḥ smṛtā ratnā ojāpūkāḥ satisrakāḥ |
eteṣāṃ nāyikāhaṃ ca vidyā ca mahāntārikā ||
Diese Sitze gelten als Juwelen: O, Jā, Pū und Kā zusammen mit Tisra. Ich bin ihre Herrin und die Vidyā Mahāntārikā, die große Retterin.
Kumārikākhaṇḍa 9.27
- sākārā ca nirākārā advaitākārabhūṣitā |
sā sthūlā sā ca vai sūkṣmā cicchaktyantaracāriṇī ||
Sie hat Gestalt und ist ohne Gestalt, geschmückt mit der Gestalt der Nichtzweiheit. Sie ist grobstofflich und ebenso feinstofflich; als Bewusstseinskraft bewegt sie sich im Inneren.
Kumārikākhaṇḍa 9.28
- bodharūpā mahāmāyā alekhyā lekhyarūpiṇī |
guhye ca hṛdaye vaktre vilaset parameśvarī ||
Sie ist Mahāmāyā, ihrem Wesen nach Erkenntnis: nicht aufzuzeichnen und doch von aufzeichenbarer Gestalt. Die höchste Herrin erstrahle im Geschlechtsbereich, im Herzen und im Mund.
Kumārikākhaṇḍa 9.29
- mudrākūṭasamāyuktā tena sā mudritā bhavet |
yāvanna vindate kūṭaṃ tāvad vidyā na siddhyati ||
Mit Mudrā und Kūṭa verbunden wird sie dadurch besiegelt. Solange man den Kūṭa nicht erlangt, gelangt die Vidyā nicht zur Vollendung.
Kumārikākhaṇḍa 9.30
- paścāt saṃpūrṇaṃ karaṇaṃ kādibhedena kaulikam |
gūḍhārthena pravakṣyāmi vidyā dvātriṃśadakṣarā ||
Danach werde ich das vollständige Kaula-Verfahren nach der mit Kā beginnenden Gliederung in seinem verborgenen Sinn erläutern: die Vidyā von zweiunddreißig Silben,
Kumārikākhaṇḍa 9.31
- saṃketena yathā proktā siddhidā caiva yoginām |
prathamaṃ pīṭhasaṃketaṃ bhagavatītyataḥ param ||
wie sie mittels der Zeichen erklärt wurde und den Yogins Vollendung schenkt. Zuerst steht das Zeichen der heiligen Sitze, danach „bhagavati“.
Kumārikākhaṇḍa 9.32
- tṛtīyaṃ mūrtisaṃketaṃ caitanyaṃ ca ataḥ param |
caturthaṃ tu samākhyataṃ alaṅkāraṃ ca pañcamam ||
Als Drittes folgt das Zeichen der Gestalt, danach das Bewusstsein: Dies wird als Viertes bezeichnet. Der Schmuck ist das Fünfte.
Kumārikākhaṇḍa 9.33
- abhidhānaṃ tataḥ ṣaṣṭhaṃ brahmākhyaṃ bījasaptamam |
aṣṭamaṃ viṣṇubījaṃ tu navamaṃ rudramucyate ||
Dann folgt als Sechstes die Benennung; der siebte Same heißt Brahmā. Der achte ist der Viṣṇu-Same, der neunte wird Rudra genannt.
Kumārikākhaṇḍa 9.34
- dvipañcakaṃ karālākhyaṃ amṛtaikādaśocyate |
mahābhairavarūpaṃ tu dvādaśaṃ samupasthitam ||
Der zehnte heißt Karāla, der elfte wird Nektar genannt. Der zwölfte tritt in der Gestalt des großen Bhairava auf.
Kumārikākhaṇḍa 9.35
- trayodaśaṃ bhaved vyāptiḥ saṃsthitiśca caturdaśam |
siddhiḥ pañcadaśe sthāne ājñā ṣoḍaśame pade ||
Der dreizehnte ist Durchdringung, der vierzehnte gefestigtes Bestehen. Vollendung steht an fünfzehnter Stelle, die Ājñā an sechzehnter.
Kumārikākhaṇḍa 9.36
- ṣoḍaśātmakasaṃketaṃ upadeśakṛte kṛtam |
tridhā devī kramāṇāṃ hi olīnāṃ tadanantaram ||
Zum Zweck der Unterweisung wurde dieses Zeichen in sechzehn Teilen angelegt. Die Göttin der Übertragungsfolgen und sodann der Überlieferungslinien ist dreifach.
Kumārikākhaṇḍa 9.37
- yathā karṇopadeśaṃ tu tat pravakṣyāmyanantaram |
mūrtibhedaṃ tridhā proktaṃ vyutkrameṇa kramatraye ||
Nun werde ich es so erklären, wie es ins Ohr gelehrt wird. Die Gliederung der Gestalt wird als dreifach bezeichnet, in umgekehrter Folge innerhalb der drei Übertragungen.
Kumārikākhaṇḍa 9.38
- viparītena regho vai dvau siddhau a gaṇādhipaḥ |
yāvanna jñāyate cāraṃ oliśuddhiḥ kutaḥ krame ||
Re und Gho in umgekehrter Reihenfolge sind die beiden Vollendeten; A ist der Herr der Scharen. Solange man die Bewegung nicht kennt, wie könnte es in der Übertragung Reinheit der Linien geben?
Kumārikākhaṇḍa 9.39
- ādau vikṛtikāraṇaṃ saumyaṃ ca tadanantaram |
mahāvṛkṣaṃ punaścātra trividhaṃ karaṇena tu ||
Am Anfang steht die Ursache der Veränderung, danach das Sanfte; wiederum ist hier der große Baum durch das Verfahren dreifach.
Kumārikākhaṇḍa 9.40
- mūrtiśuddhiṃ purā jñātvā ājñātattvamanusmaret |
caitanyena vinirmuktaṃ pramādādapi vartate ||
Hat man zuerst die Reinigung der Gestalt erkannt, soll man sich das Prinzip der Ājñā vergegenwärtigen. Wird die Vidyā aus Nachlässigkeit ohne Bewusstsein vollzogen,
Kumārikākhaṇḍa 9.41
- tatra śūnyaṃ kramaṃ tasya adhikāraṃ vinā guroḥ |
śaktinā vyatiriktaṃ tu rudrabījaṃ trikandakam ||
so ist die Übertragung des Betreffenden leer, ohne die Ermächtigung des Lehrers. Ist der dreigliedrige Rudra-Same von Śakti getrennt,
Kumārikākhaṇḍa 9.42
- malānāṃ dahanaṃ kasmācchaktinā paribhāvyate |
śaktiyuktaṃ purā jñātvā tadādiṣṭaṃ malakṣayam ||
wie könnten die Unreinheiten verbrannt werden? Durch Śakti geschieht es. Erst wenn man ihn als mit Śakti verbunden erkannt hat, ist damit die Vernichtung der Unreinheiten angewiesen.
Kumārikākhaṇḍa 9.43
- amṛtaṃ yoginīriktaṃ visargarahitaṃ yadā |
apavargaṃ kutastasmād nāpi svargaṃ pravartate ||
Wenn der Nektar ohne Yoginī und ohne Ausströmung ist, wie könnte daraus Befreiung entstehen? Nicht einmal der Himmel wird erreicht.
Kumārikākhaṇḍa 9.44
- bhairavāntaṃ yadā dīrghaṃ bhinnaṃ kasmāt kalevaram |
kutaḥ syād bhairavīśaktiḥ kutaḥ syāt siddhimaṇḍale ||
Wenn das Ende Bhairavas lang ist, wodurch könnte dann der Leib aufgespalten werden? Wo wäre die Kraft Bhairavīs, wo wäre sie im Kreis der Vollendung?
Kumārikākhaṇḍa 9.45
- avyayena yadā riktaṃ vyāptaṃ maṇḍalapañjaram |
saṃsāramaṇḍalāt tasmānna muktiriha gīyate ||
Wenn das Gehäuse des Maṇḍala von einer Vidyā durchdrungen ist, der das Unvergängliche fehlt, wird hier keine Befreiung aus dem Kreis des Daseinswandels verkündet.
Kumārikākhaṇḍa 9.46
- sarveṣāṃ pūrvato devyā namo āmantraṇe pade |
kulabhraṃśavināśāya matibhraṃśaḥ sadātmani ||
Vor allen Teilen steht bei der Anrufung die Verehrung der Göttin, „namo“, um den Abfall vom Kula zu beseitigen. Andernfalls besteht im eigenen Inneren fortwährend Verwirrung des Denkens.
Kumārikākhaṇḍa 9.47
- malānāṃ bhavate vṛddhistadvad vṛddhiḥ kuto bhavet |
tadā saṃsāracakre'smin udayate dine dine ||
Die Unreinheiten nehmen zu; wie könnte es dann Wachstum geben? So tritt man Tag für Tag weiter in dieses Rad des Daseinswandels ein.
Kumārikākhaṇḍa 9.48
- pīṭhariktā amāvāsyā neha siddhiphalapradā |
bhāgyakṣayaṃ ca kurute ante ājñāvivarjitā ||
Die Neumond-Vidyā ohne die heiligen Sitze gewährt hier keine Frucht der Vollendung. Fehlt ihr am Ende die Ājñā, so zerstört sie die glückliche Fügung.
Kumārikākhaṇḍa 9.49
- durbhagā jāyate vidyā durbhagatvaṃ na saṃśayaḥ |
atha saṃpuṭayogaṃ vā ādyante'vakṛtaṃ yadi ||
Die Vidyā wird unheilvoll; Unheil ist dann gewiss. Wird nun die Verbindung durch Umschließung am Anfang und am Ende unterlassen,
Kumārikākhaṇḍa 9.50
- tadā rephaprabhāveṇa jajvalad bhairavānalam |
tena sā bhīṣaṇīmūrtiḥ sākṣāt klinnā bhaviṣyati ||
so lodert durch die Kraft des Ra-Lautes Bhairavas Feuer auf. Dadurch wird sie, die eine schreckliche Gestalt hat, unmittelbar feucht werden.
Kumārikākhaṇḍa 9.51
- tatrāsti karaṇaṃ kiñcit hasamadhye pravartate |
raverlopaṃ purā kṛtvā tatra sā vāruṇī kalā ||
Darin liegt ein bestimmtes Verfahren, das zwischen Ha und Sa wirksam ist. Hat man zuerst die Sonne entfernt, so ist dort die Vāruṇī-Kraft.
Kumārikākhaṇḍa 9.52
- karaṇaṃ candracāreṇa tadā pūrṇataraṅgiṇī |
candrāṃśuḥ kṣarate yasmāt tasmāt pūrṇā nigadyate ||
Durch den Gang des Mondes wird dieses Verfahren zur vollen Taraṅgiṇī. Weil der Mondstrahl fließt, wird sie „die Volle“ genannt.
Kumārikākhaṇḍa 9.53
- ubhaupañcakahīnā ca japitā vidhinā yadi |
tathāpi hi na siddhyanti ityājñā pārameśvarī ||
Selbst wenn die Vidyā vorschriftsmäßig rezitiert wird, aber ohne die beiden Fünfergruppen, gelangen die Rezitierenden nicht zur Vollendung. So lautet die Ājñā der höchsten Herrin.
Kumārikākhaṇḍa 9.54
- ubhaupañcakanirmuktā namo āmantraṇe yutā |
tena vidyāṃ amāvāsyāṃ japtvā koṭiśatairapi ||
Wird diese Neumond-Vidyā ohne die beiden Fünfergruppen, doch mit „namo“ bei der Anrufung, auch in Hunderten von Koṭis rezitiert,
Kumārikākhaṇḍa 9.55
- vimukhā jāyate vidyā martyaloke kalau yuge |
yadyapi dakṣiṇe proktā mantrasiṃhāsane hara ||
so wendet sich die Vidyā in der Welt der Sterblichen im Kali-Zeitalter ab, o Hara — auch wenn sie zur Rechten auf dem Löwenthron des Mantras angesetzt wird.
Kumārikākhaṇḍa 9.56
- nigrahānugrahe śaktiḥ vṛkṣasphoṭādipratyayā |
tadidaṃ kṣetramāhātmyaṃ tat tu vidyāprabhāvataḥ ||
Ihre Kraft wirkt hemmend und begünstigend; ihre Erweise sind das Zersprengen von Bäumen und Ähnliches. Diese Größe des heiligen Feldes beruht auf der Macht der Vidyā.
Kumārikākhaṇḍa 9.57
- vaṭukasya prabhāveṇa saṃsthitā bāhyapratyayāḥ |
svapratyayā bhaved vidyā yathā oghakrameṇa tu ||
Die äußeren Erweise bestehen durch Vaṭukas Macht. Die Vidyā aber ist gemäß der Folge des Überlieferungsstroms ihr eigener Erweis.
Kumārikākhaṇḍa 9.58
- oghahīnā na mucyanti patanaṃ tena khecara |
anulomena pāṭhyādau vilomānte ca pañcakam ||
Wer ohne diesen Strom ist, wird nicht befreit; daraus folgt der Fall, o Himmelswanderer. Die Fünfergruppe ist am Anfang vorwärts und am Ende rückwärts zu rezitieren.
Kumārikākhaṇḍa 9.59
- kṛtvā gamāgamaṃ deva madhye vidyā sureśvara |
bhādisṛṣṭikrameṇaiva tadā sā pūrṇimā bhavet ||
Nachdem dieses Hin- und Hergehen vollzogen ist, steht die Vidyā in der Mitte, o Gott, o Herr der Götter. In der mit Bha beginnenden Schöpfungsfolge wird sie zum Vollmond.
Kumārikākhaṇḍa 9.60
- sakṛduccāritā vidyā kampate dehapañjaram |
rudrāṃśako bhavenmantrī vidyā devī ca pūrṇimā ||
Wird die Vidyā auch nur einmal ausgesprochen, erzittert das Gehäuse des Leibes. Der Mantrarezitierende wird zu einem Anteil Rudras, und die Vidyā-Göttin ist der Vollmond.
Kumārikākhaṇḍa 9.61
- anyathā na bhaved deva śāstre'sminavatāritā |
etadvai saṃpuṭaṃ yogaṃ vidyāyā tanupūrvakam ||
Anders kann sie nicht sein, o Gott, die in diese Schrift herabgebracht wurde. Dies ist die Verbindung der Vidyā durch Umschließung, der die Bildung ihres Leibes vorausgeht.
Kumārikākhaṇḍa 9.62
- pañcārṇamiti vikhyātaṃ yo vindati sa siddhyati |
vidyā saṃpuṭitā śuddhā saṃpuṭena vivarjitā ||
Sie ist als „Fünflautige“ bekannt; wer sie erlangt, gelangt zur Vollendung. Durch die Umschließung ist die Vidyā rein; fehlt ihr diese Umschließung,
Kumārikākhaṇḍa 9.63
- aśuddhā nātra saṃdeho vighnadātrī pade pade |
vighnavidāraṇārthāya tadākhyātaṃ ca saṃpuṭam ||
ist sie unrein — daran besteht kein Zweifel — und bereitet auf Schritt und Tritt Hindernisse. Um diese Hindernisse aufzubrechen, wurde die Umschließung erklärt.
Kumārikākhaṇḍa 9.64
- amāvāsyā bhavet pūrṇā kṛṣṇā sthūlā bhaviṣyati |
raudrā sā bhavate saumyā ākrāntā karaṇena tu ||
Der Neumond wird voll; die Dunkle wird eine ausgeprägte Gestalt annehmen. Die Schreckliche wird sanft, wenn das Verfahren sie ergreift.
Kumārikākhaṇḍa 9.65
- ye te pañca kramāt pīṭhāḥ pūrvoktā hi surottama |
te ca kuryād bhakārādau vāgbhavādyanulomataḥ ||
Jene fünf heiligen Sitze in ihrer Reihenfolge, die zuvor genannt wurden, o Bester der Götter, soll man vor Bha setzen, in der Vorwärtsfolge, die mit Vāgbhava beginnt.
Kumārikākhaṇḍa 9.66
- punaste'pi vilomācca cakārānte niyojayet |
ādau te praṇavāḥ pañca ante te'pi visarpitāḥ ||
Dieselben soll man sodann in umgekehrter Folge an das Ende bei Ca setzen. Die fünf Praṇavas vom Anfang entfalten sich also auch am Ende.
Kumārikākhaṇḍa 9.67
- vidyāmadhye gatāhaṃ ca tvamūrtiriti kaulinī |
dvātriṃśākṣarikā yā tu anena karaṇena tu ||
Ich bin in die Mitte der Vidyā eingegangen, die gestaltlose Kaulinī. Die Vidyā von zweiunddreißig Silben wird durch dieses Verfahren
Kumārikākhaṇḍa 9.68
- dvicatvāriṃśatī sā tu svamantraṃ paścimānvaye |
taccāsya praṇavaṃ deyaṃ dīpanaṃ vaidikaṃ priya ||
zu einer von zweiundvierzig Silben: dem eigenen Mantra der westlichen Überlieferung. Ihr soll dieser Praṇava gegeben werden, der vedische Entzünder, o Geliebter.
Kumārikākhaṇḍa 9.69
- tena sā ca vinirmuktā ṣaḍjātibhyo vivarjitā |
oṃkāraṃ ca namaḥ pūrvaṃ namaḥ svāhā svadhā vaṣaṭ ||
Dadurch ist sie frei und ohne die sechs Jāti-Endungen: Oṃkāra und vorangestelltes Namaḥ, Namaḥ, Svāhā, Svadhā, Vaṣaṭ,
Kumārikākhaṇḍa 9.70
- vauṣaṭ caiva tu svāhāntaṃ rakṣaphaṭkāravarjitā |
ebhirmantrapadaistatra uttīrṇā siddhyate parā ||
Vauṣaṭ und Svāhā am Ende; sie ist frei vom schützenden Phaṭ-Laut. Über diese Mantrawörter hinausgegangen gelangt die höchste Vidyā zur Vollendung.
Kumārikākhaṇḍa 9.71
- pradhānāste'pi tantreṣu ijyārthe homakarmasu |
taistu kṛtvā kulāmnāye yogabhraṃśo hi jāyate ||
Auch wenn diese in den Tantras für Verehrung und Feueropfer die wichtigsten sind: Werden sie in der Kula-Überlieferung verwendet, entsteht ein Abfall vom Yoga.
Kumārikākhaṇḍa 9.72
- svabhāve dīpitā vidyā saṃsthitā vahnimaṇḍale |
tadā sā tantramantraistu uttīrṇā cāpi siddhyati ||
Die Vidyā ist in ihrem eigenen Wesen entflammt und ruht im Feuerkreis. So gelangt sie zur Vollendung, auch wenn sie über die Tantras und ihre Mantras hinausgegangen ist.
Kumārikākhaṇḍa 9.73
- na cāsyāḥ sadṛśā vidyā triṣu lokeṣu vidyate |
vidyate kulaśāstre'smin pīṭhānāṃ pīṭhadevatā ||
In den drei Welten gibt es keine Vidyā, die ihr gleicht. In dieser Kula-Lehre ist sie gegenwärtig, die Gottheit der heiligen Sitze.
Kumārikākhaṇḍa 9.74
- asyā vidyā parā nāsti ājñāśāstrāt paraṃ nahi |
pīṭhakramāt paraṃ nāsti guruvaktrāt paraṃ nahi ||
Es gibt keine höhere Vidyā als sie, nichts Höheres als die Schrift der Ājñā, nichts Höheres als die Übertragung der heiligen Sitze und nichts Höheres als den Mund des Lehrers.
Kumārikākhaṇḍa 9: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike ādyapīṭhāvatārite vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite vidyāpūrṇādibhedacaitanyādhikāravarṇane kramodayo nāmānandaḥ || 9 ||
So endet das neunte Kapitel, die Wonne namens „Das Hervortreten der Übertragung“, in der Darstellung der Ermächtigung des Bewusstseins und der Gliederungen der Vidyā als der Vollen und der übrigen: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 10
Kumārikākhaṇḍa 10: Kapitelkopf (heading)
- daśamānandaḥ
Zehnte Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 10: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 10.1
- kimetat pūrṇakaraṇaṃ vidyāyāḥ kathitaṃ tvayā |
bhairavasya tu piṇḍasya yat tejo ausamadhyataḥ ||
Was ist das von dir erklärte Verfahren zur Fülle der Vidyā — jene Leuchtkraft der kompakten Bhairava-Silbe zwischen Au und Sa?
Kumārikākhaṇḍa 10.2
- ādāvante sthitasyaiva dvau rephau sannirodhataḥ |
vakrīkaraṇametad vai na pūrṇaṃ karaṇaṃ kvacit ||
Die beiden Ra-Laute dessen, der am Anfang und am Ende steht, bewirken eine Sperre. Dies ist ein Krümmen; keineswegs ist das Verfahren dadurch vollständig.
Kumārikākhaṇḍa 10.3
- etacchalyaṃ ca vidyāyāstadā sā kīlitā bhavet |
utkīlanaṃ vada tasyā yena sā pūrṇimā bhavet ||
Dies ist der Stachel der Vidyā; dadurch wird sie festgenagelt. Erkläre ihre Entsperrung, durch die sie zum Vollmond wird.
Kumārikākhaṇḍa 10: Sprecherzeile (speaker_before_4)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 10.4
- etat praśnavaraṃ guhyaṃ devadevāvatāritam |
tvadṛte buddhimān nāsti uttaraṃ tasya tacchṛṇu ||
Dies ist die beste Frage nach dem Geheimnis, das der Gott der Götter herabgebracht hat. Außer dir ist niemand so verständig. Höre nun die Antwort.
Kumārikākhaṇḍa 10.5
- bhairavasya tu piṇḍasya ādāvante sthitasya ca |
ausamadhyagataṃ śalyaṃ madhyāhnārkasamaprabham ||
Der Stachel in der kompakten Bhairava-Silbe, die am Anfang und am Ende steht, befindet sich zwischen Au und Sa und leuchtet wie die Mittagssonne.
Kumārikākhaṇḍa 10.6
- lopanaṃ tasya tat kṛtvā tatra sā vāruṇī kalā |
kṛtvā cāmṛtamādyante tato vidyā ca siddhyati ||
Hat man ihn entfernt, so ist dort die Vāruṇī-Kraft. Wenn auf diese Weise Nektar an den Anfang und das Ende gesetzt ist, gelangt die Vidyā zur Vollendung.
Kumārikākhaṇḍa 10.7
- upadeśaṃ samākhyātaṃ lakṣajāpena khegatiḥ |
sādhakasya bhaved deva nātra kāryā vicāraṇā ||
Dies ist die Unterweisung: Durch ein Lakṣa von Wiederholungen erlangt der Übende das Wandeln im Himmel, o Gott. Daran soll man hier nicht zweifeln.
Kumārikākhaṇḍa 10.8
- tasya tatkramayuktasya vidyājāparatasya ca |
antime ca yuge siddhiḥ pratyayāni bahūnyapi ||
Dem, der mit dieser Übertragung verbunden und der Rezitation der Vidyā hingegeben ist, werden im letzten Zeitalter Vollendung und viele Erweise zuteil.
Kumārikākhaṇḍa 10.9
- naṣṭapratyantavijñānaṃ vidyānābhyasanād bhavet |
etat tasyāpi saṃtānaṃ prastāraṃ pūrvabhāṣitam ||
Unterbleibt die Übung der Vidyā, geht die Erkenntnis bis an ihre Grenze verloren. Dazu gehört auch ihr Überlieferungsstrom, das zuvor erklärte Raster.
Kumārikākhaṇḍa 10.10
- merūtthā rudraśaktistu jñātvā vidyārthino bhavet |
idānīṃ padabhedena vidyā pūrṇā nigadyate ||
Hat man Rudras Kraft erkannt, die aus Meru hervorgeht, wird man zu einem Sucher der Vidyā. Nun wird die volle Vidyā in der Gliederung ihrer Abschnitte erklärt.
Kumārikākhaṇḍa 10.11
- cceviṇikipadaṃ pūrvaṃ ṇikicchīṃcchāṃ dvitīyakam |
tṛtīyaṃ khimurāgho amenaṇa caturthakam ||
Der erste Abschnitt lautet „cceviṇiki“, der zweite „ṇikicchīṃcchāṃ“, der dritte „khimurāgho“, der vierte „amenaṇa“.
Kumārikākhaṇḍa 10.12
- pañcamaṃ ca ña ṅa shraum̐ shrīm̐ ṣaṣṭhaṃ shrām̐ kebjiku bhavet |
śrīm̐ hskhphrem̐ regho saptamaṃ syāt tivagabhapadāṣṭhamam ||
Der fünfte ist „ña ṅa shraum̐ shrīm̐“, der sechste „shrām̐ kebjiku“. Der siebte lautet „śrīm̐ hskhphrem̐ regho“, der achte „tivagabha“.
Kumārikākhaṇḍa 10.13
- vidyā cāṣṭapadairuktā aghoraiṣā mahātanuḥ |
pañcapraṇavapūrvā ca ante pañca vilomagāḥ ||
So ist die Vidyā in acht Abschnitten erklärt: Aghorā, deren Leib groß ist. Die fünf Praṇavas gehen ihr voraus; am Ende folgen dieselben fünf rückwärts.
Kumārikākhaṇḍa 10.14
- pūrṇakaraṇayogo'yaṃ kathitaṃ tava bhairava |
asyā vaktraṣaḍaṅgāni karanyāse viśodhayet ||
O Bhairava, damit ist dir die Verbindung erklärt, welche die Fülle des Verfahrens herstellt. Ihre Gesichter und sechs Glieder soll man beim Einsetzen auf die Hände reinigen.
Kumārikākhaṇḍa 10.15
- bhedadvādaśasaṃyuktān pūrvaṃ caiva tu vinyaset |
vaktranyāsamataḥ pūrvaṃ sṛṣṭinyāyena kārayet ||
Zuerst setze man diese zwölf Gliederungen ein. Dabei vollziehe man zunächst das Einsetzen der Gesichter nach der Ordnung der Schöpfung.
Kumārikākhaṇḍa 10.16
- ūrdhvavaktrāt samārabhya yāvat paścimamānanam |
saumyaṃ sṛṣṭikrameṇaiva raudramanyakrameṇa tu ||
Vom obersten Gesicht beginnend bis hin zum westlichen Gesicht gilt die Schöpfungsfolge als sanft; die andere Folge dagegen als schrecklich.
Kumārikākhaṇḍa 10.17
- paścimānana kṛtvādau yāvad ūrdhvaṃ kramānanam |
tāvat saṃhāramevoktaṃ siddhāṅgapañcakaṃ bhavet ||
Beginnt man mit dem westlichen Gesicht und geht bis hinauf zum oberen Gesicht der Übertragung, so wird dies Einziehung genannt; so besteht die Fünfergruppe der vollendeten Glieder.
Kumārikākhaṇḍa 10.18
- sṛṣṭikrameṇa sakalaṃ saṃhāreṇa tu niṣkalam |
sṛṣṭisaṃhārayorjñātvā divyavaktraṃ praveśayet ||
Die gegliederte Gestalt entspricht der Schöpfungsfolge, die ungegliederte der Einziehung. Hat man Schöpfung und Einziehung erkannt, soll man in das göttliche Antlitz eintreten.
Kumārikākhaṇḍa 10.19
- bhakārādi ca rephāntaṃ ūrdhvavaktraṃ ca vinyaset |
devyākūṭādi nāmāntaṃ mūrdhavaktraṃ tu vinyaset ||
Vom Laut Bha bis zum Ra-Laut setze man das oberste Gesicht ein. Vom Kūṭa der Göttin bis zum Ende ihres Namens setze man das Gesicht des Hauptes ein.
Kumārikākhaṇḍa 10.20
- bījatrayaṃ samāropya vinyaset pūrvamānanam |
ṅakārādi ca śūnyāntaṃ vijñeyaṃ dakṣamānanam ||
Die drei Samen stelle man auf und setze sie als östliches Gesicht ein. Was mit Ṅa beginnt und mit der Leere endet, ist als südliches Gesicht zu erkennen.
Kumārikākhaṇḍa 10.21
- sūryādisomaparyantaṃ vinyaseccottarānanam |
kyādi cānukramābhyāsād vaktredaṃ paścimaṃ nyaset ||
Von der Sonne am Anfang bis zum Mond am Ende setze man das nördliche Gesicht ein. Den mit Ki beginnenden Abschnitt setze man bei der Übung in seiner Reihenfolge als westliches Gesicht ein.
Kumārikākhaṇḍa 10.22
- devyaḥ ṣaṭkagatāsteṣāṃ yathā caiva krameṇa tu |
parā devī ca mālinyā siddhayogeśvarī tathā ||
Die Göttinnen dieser Sechsergruppe sind in der entsprechenden Folge die Göttin Parā, Mālinī und Siddhayogeśvarī,
Kumārikākhaṇḍa 10.23
- kālikākhyā tathā devī tripurāmūrti pañcamī |
paścime tu punastasya umākhecari pūrvikā ||
die Kālikā genannte Göttin, als Fünfte die Gestalt Tripurās, und im Westen wiederum Umākhecarī, die Vorderste.
Kumārikākhaṇḍa 10.24
- paścimānanamārabhya vāgbhavādyantayojitāḥ |
pīṭhanyāsānunyāsaistu kṛtvāṅgāni ṣaḍiḥ punaḥ ||
Mit dem westlichen Gesicht beginnend werden sie am Anfang und Ende mit Vāgbhava und den übrigen verbunden. Durch das Einsetzen der heiligen Sitze und die zugehörigen weiteren Einsetzungen bilde man wiederum die sechs Glieder.
Kumārikākhaṇḍa 10.25
- punareva bhakārādau rephāntaṃ hṛdayaṃ nyaset |
ātmakūṭādi nāmāntaṃ uddhṛtaṃ tu śiraṃ nyaset ||
Erneut setze man vom Laut Bha an bis zum Ra-Laut das Herz ein. Was vom Kūṭa des Selbst bis zum Ende des Namens herausgelöst wurde, setze man als Haupt ein.
Kumārikākhaṇḍa 10.26
- śikhāyāṃ trīṇi bījāni brahmaviṣṇumaheśvarāḥ |
ṅādi caiva tu śūnyāntaṃ varmadevyāmanukramāt ||
In die Haarspitze setze man die drei Samen, Brahmā, Viṣṇu und Maheśvara. Was mit Ṅa beginnt und in der Leere endet, setze man der Folge nach in die Göttin des Panzers ein.
Kumārikākhaṇḍa 10.27
- cchām̐ cchīm̐ caiva tu candrārkau dvāvetau netrayornyaset |
vicce kiṇikiṇipūrvaṃ astrarājaṃ tu vinyaset ||
Cchām̐ und Cchīm̐ — diese beiden als Mond und Sonne — setze man in die Augen ein. Vicce, dem Kiṇikiṇi vorausgeht, setze man als König der Waffen ein.
Kumārikākhaṇḍa 10.28
- evaṃ cāṅgāni subhaga kaulikādyantayojitāḥ |
puṭitāñca nyased deva sarvarakṣakarāḥ parāḥ ||
So sind die Glieder, o Glücklicher, an Anfang und Ende mit der Kaulikā verbunden. Setze sie so umschlossen ein, o Gott: die höchsten Kräfte, die alles schützen.
Kumārikākhaṇḍa 10.29
- tairaṅgairdevatāṣaṭkaṃ hṛdayādikrameṇa tu |
devī hṛtkamalāmbākhyā kuladīpā tathaiva ca ||
Mit diesen Gliedern steht eine Sechsergruppe von Gottheiten in der beim Herzen beginnenden Folge: die Göttin namens Hṛtkamalāmbā und ebenso Kuladīpā,
Kumārikākhaṇḍa 10.30
- barbarā bahurūpākhyā mahantārī ca koṅkaṇā |
evaṃ te devatāṣaṭkaṃ aṅgānāṃ parikīrtitam ||
Barbarā, die Bahurūpā Genannte, Mahantārī und Koṅkaṇā. Damit ist dir die Sechsergruppe der Gottheiten der Glieder verkündet.
Kumārikākhaṇḍa 10.31
- etairdvādaśabhirbhedairvinyaset kuladevatām |
tantrādeśavinirmuktāḥ siddhāṅgāni ṣaḍaṅgayoḥ ||
Mit diesen zwölf Gliederungen setze man die Kula-Gottheit ein. Die vollendeten Glieder der beiden Sechsergruppen sind frei von der Anweisung der Tantras.
Kumārikākhaṇḍa 10.32
- oṃ namaścaiva svāhāntaṃ vauṣaṭ ca svasthirārṇavam |
vaṣaṭ phaṭ krameṇaiva uttīrṇāṅgāni vinyaset ||
Oṃ und Namaḥ, das abschließende Svāhā, Vauṣaṭ und Svasthirārṇava, Vaṣaṭ und Phaṭ in ihrer Folge: Man setze die darüber hinausgehenden Glieder ein.
Kumārikākhaṇḍa 10.33
- yogapīṭhakramācchambho ādyante viniyojitāḥ |
paścādārabhyate nyāsaṃ yathākhyātaṃ kulāgame ||
Gemäß der Übertragung des Yogasitzes werden sie am Anfang und Ende eingesetzt, o Śambhu. Danach beginnt das Einsetzen, wie es in der Kula-Überlieferung erklärt ist.
Kumārikākhaṇḍa 10.34
- vakramukhaṃ bhavet ṣaṭkaṃ ākhyātaṃ pūrvanirṇaye |
aṅgaṣaṭke ṣaḍimudrā mudrā dvādaśadhākrame ||
Die zuvor erklärte Sechsergruppe ist das Antlitz der Vakrā. Zu den sechs Gliedern gehören sechs Mudrās; innerhalb der Übertragung sind die Mudrās zwölffach.
Kumārikākhaṇḍa 10.35
- yonimudrā tathā siṃhā dūtīmudrā ca ciñciṇī |
śūlamudrā ca vakriṇyā mudrāṣaṭkaṃ krameṇa tu ||
Yonimudrā, Siṃhā, Dūtīmudrā, Ciñciṇī, Śūlamudrā und Vakriṇī: Dies sind der Reihe nach die sechs Mudrās.
Kumārikākhaṇḍa 10.36
- etaistu bheditā vidyā tadā siddhyāruho bhavet |
mudritā yonimudrāyāṃ tadā vidyāṃ samabhyaset ||
Ist die Vidyā durch diese gegliedert, führt sie zum Aufstieg in die Vollendung. In der Yonimudrā besiegelt, soll die Vidyā geübt werden.
Kumārikākhaṇḍa 10.37
- dhyānadvādaśakaṃ vakṣye vaktrāṅgeṣu pṛthak pṛthak |
śvetaṃ raktānanaṃ mūrdhaṃ pāṇḍuraṃ pūrvamānanam ||
Nun werde ich zwölf Vergegenwärtigungen erklären, einzeln für die Gesichter und Glieder: Das oberste Gesicht ist weiß, das Gesicht am Haupt rot, das östliche blassweiß.
Kumārikākhaṇḍa 10.38
- dakṣiṇānana kṛṣṇaṃ tu pītaṃ caivottarānanam |
paścimaṃ śyāmaraktaṃ tu vaktraṃ tridaśapūjitam ||
Das südliche Gesicht ist dunkel, das nördliche gelb; das westliche, von den Göttern verehrte Gesicht ist dunkelblau und rot.
Kumārikākhaṇḍa 10.39
- śuddhasphaṭikasaṃkāśaṃ devyā hṛdi viśiṣyate |
taptahemapratīkāśaṃ śiro devyāḥ prakīrtitam ||
Das Herz der Göttin wird besonders als reinem Kristall gleich beschrieben. Ihr Haupt wird als glühendem Gold gleich verkündet.
Kumārikākhaṇḍa 10.40
- jvālāmālākulāṃ raudrāṃ vidyujjihvāṃ śikhāṃ smaret |
kiñcicchāmaṃ ca raktaṃ ca bahuvarṇaṃ kavacaṃ nyaset ||
Man vergegenwärtige die Haarspitze schrecklich, von Flammenkränzen erfüllt, mit einer Zunge aus Blitzen. Den vielfarbigen Panzer setze man ein, etwas dunkelblau und rot.
Kumārikākhaṇḍa 10.41
- netrau candrārkatulyābhau vartulau himaśītalau |
vahnivat sadṛśaṃ cāstraṃ sarvavighnavināśakam ||
Die beiden Augen leuchten wie Mond und Sonne, sind rund und kühl wie Schnee. Die Waffe gleicht dem Feuer und zerstört alle Hindernisse.
Kumārikākhaṇḍa 10.42
- etat kramāgataṃ yogaṃ nyāsadvādaśakaṃ prati |
sadā nyastaistu deveśa sādhakaḥ siddhibhāg bhavet ||
Dies ist der aus der Übertragung hervorgegangene Yoga hinsichtlich der zwölf Einsetzungen. Werden sie beständig vollzogen, so wird der Übende der Vollendung teilhaftig, o Herr der Götter.
Kumārikākhaṇḍa 10.43
- yāni cecchati kāmāni tāni labhati nānyathā |
eka eva mahādoṣo vidyayābhyasanād bhavet ||
Was immer er begehrt, das erlangt er, anders ist es nicht. Doch ein einziger großer Fehler kann aus der Übung der Vidyā entstehen:
Kumārikākhaṇḍa 10.44
- yameva lokayejjantuṃ kopāviṣṭastu sādhakaḥ |
pātayennātra saṃdeho yadi śakrasamo bhavet ||
Welches Lebewesen der Übende im Zorn auch ansieht, er bringt es gewiss zu Fall, selbst wenn es Śakra gleicht.
Kumārikākhaṇḍa 10.45
- pīṭhanyāsānunyāsaistu kṛtvā vai vajrapañjaram |
mudrāsphoṭāḥ pravartante cālanaṃ cāvalokanam ||
Hat man durch das Einsetzen der heiligen Sitze und die weiteren Einsetzungen ein Vajra-Gehäuse gebildet, entfalten sich das Aufbrechen der Mudrās, Bewegung und Schauen.
Kumārikākhaṇḍa 10.46
- divyadehaṃ na saṃdeho vapustejaścirāyuṣam |
saubhāgyaṃ kāntilakṣmī ca vidyākṣobhaḥ samantataḥ ||
Ein göttlicher Leib entsteht, daran besteht kein Zweifel: strahlende Erscheinung und langes Leben, glückliche Fügung, Schönheit und Glanz sowie allseitige Erregung durch die Vidyā.
Kumārikākhaṇḍa 10.47
- kāmeśvaryaṃ balaṃ śauryaṃ sarvasiddhiḥ pravartate |
ityāgamaviśuddhasya vidyā śuddhakramasya ca ||
Herrschaft über das Verlangen, Kraft, Mut und alle Vollendung entfalten sich. Dies ist die Vidyā dessen, der durch die Überlieferungslehre gereinigt ist und eine reine Übertragung besitzt.
Kumārikākhaṇḍa 10.48
- prabhāvametadākhyātaṃ siddhapratyayalakṣaṇam |
satatābhyāsayogena dvādaśābdaistu siddhyati ||
Damit ist ihre Macht erklärt, gekennzeichnet durch vollendete Erweise. Durch beständige Übung dieses Yoga gelangt man nach zwölf Jahren zur Vollendung.
Kumārikākhaṇḍa 10.49
- svayamākāśagāmī ca pātālatala bhuñjati |
yathā cāhaṃ yathā tvaṃ ca tathāsau sādhakottamaḥ ||
Von selbst wandelt man im Himmel und genießt die Bereiche der Unterwelt. Wie ich bin und wie du bist, so ist jener vorzügliche Übende.
Kumārikākhaṇḍa 10.50
- devamātā jaganmātā viśvamātā pratiṣṭhitā |
sarveṣāmālayaṃ deva devadevī mahātanuḥ ||
Fest gegründet ist sie die Mutter der Götter, die Mutter der Welt und die Mutter des Alls, o Gott: die Wohnstatt aller, die Göttin der Götter mit ihrem großen Leib.
Kumārikākhaṇḍa 10.51
- sadyāveśakarī ghorā aghorāghorarūpiṇī |
mahāvidyeśvarī māyā bhairavī devatā parā ||
Sie bewirkt augenblickliches Ergriffensein, ist schrecklich und nichtschrecklich, von nichtschrecklicher Gestalt: die Herrin der großen Vidyā, Māyā, Bhairavī, die höchste Gottheit.
Kumārikākhaṇḍa 10.52
- asyoccāraṇamātreṇa sarvapāpakṣayo bhavet |
brahmahatyā asaṃkhyāni strīṇāṃ gaubālahantakāḥ ||
Durch ihr bloßes Aussprechen schwinden alle Verfehlungen: ungezählte Tötungen von Brahmanen sowie die Vergehen derer, die Frauen, Kühe oder Kinder getötet haben,
Kumārikākhaṇḍa 10.53
- bhūmihantā suvarṇaṃ ca paradāraharāśca ye |
gurudrohī durātmā ca mitradrohī viśeṣataḥ ||
derer, die Land zugrunde richten, Gold rauben oder die Frauen anderer entführen, die ihrem Lehrer feind sind, böse handeln und insbesondere Freunde verraten,
Kumārikākhaṇḍa 10.54
- agnidrohakarā ye ca tathā viśvāsaghātakāḥ |
rathyācaurakarā ye ca pitṛmātṛ–upekṣakāḥ ||
derer, die sich am Feuer vergehen, Vertrauen brechen, Straßenraub begehen oder Vater und Mutter vernachlässigen.
Kumārikākhaṇḍa 10.55
- bahūnyapi kṛtānyāyāt merurāśipramāṇataḥ |
vidyoccāraṇanyāsaistu bhasmasāt yānti tatkṣaṇāt ||
Selbst wenn viele solche Untaten begangen wurden, ein Haufen so groß wie Meru: Durch Aussprechen und Einsetzen der Vidyā werden sie augenblicklich zu Asche.
Kumārikākhaṇḍa 10.56
- sakṛduccaraṇād deva sarvatīrthaphalaṃ labhet |
smaraṇānnirmalo yogī bhavate nīrujaḥ sadā ||
Durch einmaliges Aussprechen, o Gott, erlangt man die Frucht aller heiligen Pilgerstätten. Durch ihr Erinnern wird der Yogi rein und dauerhaft frei von Krankheit.
Kumārikākhaṇḍa 10.57
- aśvamedhasahasrāṇāṃ gokanyādānakoṭīnāma |
smaraṇāt tāraṇaṃ puṇyaṃ gogṛhe śaraṇāgate ||
Durch das Erinnern erlangt man das rettende Verdienst von Tausenden von Pferdeopfern und Koṭis von Gaben an Kühen und Jungfrauen; ebenso das Verdienst im Kuhstall und angesichts eines Schutzsuchenden,
Kumārikākhaṇḍa 10.58
- saṃgrāme sanmukho yuddhe gograhe prāṇadāyakaḥ |
anaśane ca bhṛgoḥ pāte tathā caiva mahāpathe ||
beim Kampf von Angesicht zu Angesicht in der Schlacht, beim Hingeben des Lebens bei einem Viehraub, beim Fasten, beim Sturz von einer Felswand und auf dem großen Weg.
Kumārikākhaṇḍa 10.59
- grahaṇe somasūryayoḥ rāhugraste tu yat phalam |
tat phalaṃ prāpnuyād vīro vidyāyāḥ smaraṇādapi ||
Welche Frucht man bei einer Mond- oder Sonnenfinsternis erlangt, wenn Rāhu sie verschlingt, auch diese Frucht erlangt der Held allein durch Erinnern an die Vidyā.
Kumārikākhaṇḍa 10.60
- yoginyo varadāstasya pīṭhajāḥ kṣetrajāśca vā |
sahajāḥ kalajāścaiva pūjayanti pade pade ||
Die Yoginīs gewähren ihm Gaben: die aus heiligen Sitzen und Feldern geborenen, die von selbst und die aus den Kräften geborenen verehren ihn auf Schritt und Tritt.
Kumārikākhaṇḍa 10.61
- durbhagaḥ subhago yāti janasaubhāgyavatsalaḥ |
saṃgrāme tu jayaprāptiḥ rājadvāre yaśo labhet ||
Der Unglückliche wird glücklich und von den Menschen liebevoll begünstigt. In der Schlacht erlangt er Sieg, am Tor des Königs Ruhm.
Kumārikākhaṇḍa 10.62
- aputro labhate putrān āyurārogyasaṃpadaḥ |
mṛtavatsā tu yā nārī sutajīvantikā bhavet ||
Wer keine Söhne hat, erhält Söhne sowie langes Leben, Gesundheit und Wohlergehen. Eine Frau, deren Kinder starben, wird zur Mutter lebender Kinder.
Kumārikākhaṇḍa 10.63
- kṛtakṛtyaḥ sa deveśa yasya vidyā mukhe sthitā |
ekayā jihvayā deva nāhaṃ varṇayituṃ kṣamā ||
Wer die Vidyā im Mund trägt, o Herr der Götter, hat getan, was zu tun ist. Mit nur einer Zunge, o Gott, vermag ich sie nicht zu beschreiben.
Kumārikākhaṇḍa 10.64
- yān yān vāṃcchayate kāmān tāṃstān sarvānavāpnuyāt |
kalau yuge prabhāvo'yaṃ martyānāṃ gocaraṃ gataḥ ||
Alle Wünsche, nach denen man verlangt, werden erfüllt. Diese Macht ist im Kali-Zeitalter in den Bereich der Sterblichen gelangt.
Kumārikākhaṇḍa 10.65
- sādhitā devadeveśa brahmaviṣṇveṃdranāyakaiḥ |
asyā vidyāprabhāveṇa narā devatvamāgatāḥ ||
Sie wurde von den Führern Brahmā, Viṣṇu und Indra zur Vollendung gebracht, o Herr des Gottes der Götter. Durch die Macht dieser Vidyā sind Menschen zur Göttlichkeit gelangt.
Kumārikākhaṇḍa 10.66
- ye smaranti imāṃ nityaṃ bhuktimuktiphalapradām |
tasya hastatale mokṣaṃ ityājñā pārameśvarī ||
Wer sich beständig an sie erinnert, die Genuss und Befreiung als Frucht schenkt, dem liegt Befreiung in der Handfläche. So lautet die Ājñā der höchsten Herrin.
Kumārikākhaṇḍa 10.67
- brahmaṇā pūjitā caiṣā śakreṇa ca maheśvara |
viṣṇunā bhairaveṇāpi siddhagandharvakinnaraiḥ ||
Sie wird von Brahmā und Śakra verehrt, o Maheśvara, von Viṣṇu und Bhairava, von Siddhas, Gandharvas und Kinnaras,
Kumārikākhaṇḍa 10.68
- mārutena kuvereṇa lokapālairdaśo diśaiḥ |
sarvaiḥ saṃpūjitā vidyā vanditā tridaśairapi ||
von Māruta, Kuvera, den Welthütern und den zehn Richtungen. Von allen wird die Vidyā verehrt und auch von den Göttern gepriesen.
Kumārikākhaṇḍa 10.69
- nānyā sā gīyate vidyā dravyahīnāṃ na coccaret |
kṛtaṃ tena mahāśāpaṃ yoginyaścakranāyikāḥ ||
Keine andere Vidyā wird ihr gleich besungen. Ohne Opfergaben soll man sie nicht aussprechen; dadurch würde man einen großen Fluch auf sich ziehen. Die Yoginīs, die Herrinnen der Kreise,
Kumārikākhaṇḍa 10: unnummerierter Halbvers (half_after_69)
- rakṣaṇīyā prayatnena ityājñā pārameśvarī |
sind mit Sorgfalt zu schützen. So lautet die Ājñā der höchsten Herrin.
Kumārikākhaṇḍa 10: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike ādyapīṭhāvatārite vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite vidyāmāhātmyavarṇane kramodayo nāmānandaḥ || 10 ||
So endet das zehnte Kapitel, die Wonne namens „Das Hervortreten der Übertragung“, in der Darstellung der Größe der Vidyā: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 11
Kumārikākhaṇḍa 11: Kapitelkopf (heading)
- ekādaśānandaḥ
Elfte Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 11: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 11.1
- varṇadevyāḥ kramaṃ śambho vadāmyahaṃ yathā bhavet |
tathā kūṭasya vinyāsaṃ japasaṃkhyārghamaṇḍalam ||
O Śambhu, ich erkläre die Folge der Buchstabengöttinnen, wie sie besteht, ebenso das Einsetzen des Kūṭa, die Zahl der Rezitationen und das Maṇḍala für die Ehrengabe.
Kumārikākhaṇḍa 11.2
- sṛṣṭikrameṇa ūrdhvādi devyo dvātriṃśasaṃyutāḥ |
vāgbhavādyaṃ tataḥ kṛtvā vidyānyāsaṃ ca kaulikam ||
In der Schöpfungsfolge von oben her stehen die Göttinnen mit den zweiunddreißig Lauten verbunden. Man bilde die mit Vāgbhava beginnende Gruppe und vollziehe das Kaula-Einsetzen der Vidyā.
Kumārikākhaṇḍa 11.3
- mastake prathamaṃ deyaṃ dvitīyaṃ turyamaṇḍale |
tṛtīyaṃ ca caturthaṃ ca dvāvetau netrayornyaset ||
Die erste Silbe ist auf das Haupt zu setzen, die zweite in den Kreis des vierten Zustands. Die dritte und die vierte setze man in die beiden Augen.
Kumārikākhaṇḍa 11.4
- pañcamaṃ ca tathā ṣaṣṭhaṃ dvāvetau ca bhruvornyaset |
ājñāsthāne saptamaṃ ca nāsikāgre tathāṣṭamam ||
Die fünfte und die sechste setze man in die beiden Augenbrauen, die siebte an den Ort der Ājñā und die achte an die Nasenspitze.
Kumārikākhaṇḍa 11.5
- navamārṇaṃ tribhirmadhye vaktre caiva daśākṣaram |
bījaṃ dvādaśamaṃ karṇe tathā vāme trayodaśam ||
Der neunte Laut steht in der Mitte zwischen den dreien, die zehnte Silbe im Mund. Der zwölfte Same steht am Ohr, der dreizehnte entsprechend am linken.
Kumārikākhaṇḍa 11.6
- kaṇṭhasthāne vijānīyād varṇaṃ devyāścaturdaśam |
dakṣe pañcadaśaṃ skandhe uttare ṣoḍaśaṃ bhavet ||
Am Ort der Kehle ist der vierzehnte Laut der Göttin zu erkennen. Der fünfzehnte steht an der rechten Schulter, der sechzehnte an der linken.
Kumārikākhaṇḍa 11.7
- saptādaśaṃ bāhudaṇḍe dakṣiṇe'ṣṭādaśottare |
ekonaviṃśaṃ hṛdaye viṃśamaṃ nābhimaṇḍale ||
Der siebzehnte steht am rechten Arm, der achtzehnte am linken, der neunzehnte im Herzen und der zwanzigste im Nabelkreis.
Kumārikākhaṇḍa 11.8
- ekaviṃśaṃ ūrubhyāṃ ca dvāviṃśaṃ yonimaṇḍale |
trayoviṃśāramadhye ca caturviṃśaṃ tu nāḍigam ||
Der einundzwanzigste steht an den beiden Oberschenkeln, der zweiundzwanzigste im Yoni-Kreis, der dreiundzwanzigste in der Mitte der Speichen und der vierundzwanzigste im Kanal,
Kumārikākhaṇḍa 11.9
- sūṣmanāyāṃ mahādeva sphije ca pañcaviṃśamam |
dakṣiṇe tu bhagīśākhyaṃ ṣaḍviṃśaṃ cottare sphije ||
in der Sūṣmanā, o großer Gott. Der fünfundzwanzigste, Bhagīśa genannt, steht an der rechten Gesäßhälfte, der sechsundzwanzigste an der linken.
Kumārikākhaṇḍa 11.10
- saptāviṃśaṃ cāṣṭāviṃśaṃ dvāvetau jānunī nyaset |
ekonatriṃśaṃ * triṃśaṃ ca jaṅghayorubhayornyaset ||
Den siebenundzwanzigsten und achtundzwanzigsten setze man in die Knie, den neunundzwanzigsten [Textlücke] und den dreißigsten in die beiden Unterschenkel.
Kumārikākhaṇḍa 11.11
- ekatriṃśaṃ ca dvātriṃśaṃ pāde dakṣe tathottare |
varṇānāṃ devatedānīṃ dvātriṃśacchubha bhairava ||
Der einunddreißigste steht am rechten Fuß, der zweiunddreißigste am linken. Nun die zweiunddreißig Gottheiten der Laute, o glückverheißender Bhairava:
Kumārikākhaṇḍa 11.12
- svanāmākṣarabhedena padamantrairvisarpitāḥ |
bhīmā gaganavegā ca vīradevī caturthikā ||
Sie entfalten sich mit den Abschnittsmantras entsprechend den Lauten ihrer eigenen Namen: Bhīmā, Gaganā, Vegā und als Vierte Vīradevī;
Kumārikākhaṇḍa 11.13
- ghorā caiva tu raktākṣī kūṭamudrā śreyastathā |
kuveryā kubjikādevyā kaivartā haradevatā ||
Ghorā, Raktākṣī, Kūṭamudrā und Śreyas; Kuveryā, die Göttin Kubjikā, Kaivartā und Haradevatā;
Kumārikākhaṇḍa 11.14
- harī caiva harānandā ṅaṇanañamaṭeśvarī |
nāgākhyā mīnadevī ca tathā caiva tu ambikā ||
Harī und Harānandā; Ṅa, Ṇa, Na, Ña und Maṭeśvarī, die Nāgā heißt; Mīnadevī, die zugleich Ambikā ist;
Kumārikākhaṇḍa 11.15
- ghoramukhī ca rāvā ca musalāyudhakhecarī |
cchāṃkārī caiva chiṃcchā ca kiṅkiṇī kuladevatā ||
Ghoramukhī, Rāvā, Musalāyudhā und Khecarī; Cchāṃkārī, Chiṃcchā, Kiṅkiṇī und Kuladevatā;
Kumārikākhaṇḍa 11.16
- karaṅkiṇī nārāyaṇī vimalā varcikā tathā |
jñeyā dvātriṃśatirdevyaḥ sthāne sthāne'dhikāriṇyaḥ ||
Karaṅkiṇī, Nārāyaṇī, Vimalā und Varcikā. Diese zweiunddreißig Göttinnen sind als Herrinnen ihrer jeweiligen Orte zu erkennen.
Kumārikākhaṇḍa 11.17
- etāsu pūjitāsveva na bhūyo janmabandhanam |
etadeva purākhyātaṃ tasyoccāraṃ tu kaulikam ||
Sind sie verehrt, gibt es keine erneute Bindung an Geburt. Dies wurde bereits erklärt; nun das Kaula-Aussprechen jener Vidyā.
Kumārikākhaṇḍa 11.18
- sā ca ekākṣaraṃ kūṭaṃ saptadhājñā ca khecaram |
karaṇaṃ ṣaḍvidhaṃ tasya tatra siṃhakramaṃ bhavet ||
Sie ist der einsilbige Kūṭa und die siebenfache Ājñā, die im Himmel wandelt. Ihr Verfahren ist sechsfach; darin besteht die Übertragung des Löwen.
Kumārikākhaṇḍa 11.19
- oḍiyāṇaṃ bhruvormadhye kāmākhyaṃ śaktijanmani |
śūnyaṃ ṣaṭkoṇamadhye tu rāvapūrṇena pūrṇakam ||
Oḍiyāṇa liegt zwischen den Augenbrauen, Kāmākhya am Geburtsort der Kraft. Die Leere in der Mitte des Sechsecks ist Pūrṇaka, erfüllt von der Fülle des Klanges.
Kumārikākhaṇḍa 11.20
- tejo jālandharaṃ nābhau tisrākhyaṃ ca viśuddhiṣu |
tālumadhye tu candrākhyaṃ tanmadhye bindumaṇḍalam ||
Jālandhara ist die Leuchtkraft im Nabel, der Tisra genannte Sitz liegt im Viśuddhi. Das Candra Genannte liegt in der Mitte des Gaumens, darin der Kreis des Tropfens.
Kumārikākhaṇḍa 11.21
- ṣoḍaśānte smṛtā ājñā etat khecaryanukramāt |
padānveṣaṇaśīlā ye jīvanmuktiratāśca ye ||
Am Ende der Sechzehn wird die Ājñā angesetzt: Dies ist die Folge der Khecarī. Die nach der höchsten Stätte suchen und der Befreiung zu Lebzeiten hingegeben sind,
Kumārikākhaṇḍa 11.22
- na teṣāṃ patanaṃ deva gatāste paścime pade |
kṛtvā tritayasaṃyogaṃ kṣiptā ājñāntamaṇḍale ||
fallen nicht mehr, o Gott; sie sind in die westliche Stätte eingegangen. Nach der Vereinigung der Drei wird die Ājñā in den Kreis an der äußersten Grenze gesetzt.
Kumārikākhaṇḍa 11.23
- raśmijvālākadambaṃ ca cintayecca adhomukham |
navalakṣakṛte deva trailokyamapi sādhayet ||
Man vergegenwärtige sie nach unten gerichtet, als Kadamba voller Strahlenflammen. Sind neun Lakṣas vollzogen, o Gott, kann man selbst die drei Welten beherrschen.
Kumārikākhaṇḍa 11.24
- kulācāre yathā proktaṃ arghamaṇḍalakaṃ śṛṇu |
ekānte vijane ramye ekāre paścimādiśi ||
Höre nun vom Maṇḍala der Ehrengabe, wie es in der Kula-Praxis erklärt ist. An einem schönen, abgeschiedenen Ort ohne Menschen, beim E-Zeichen in westlicher Richtung,
Kumārikākhaṇḍa 11.25
- paśudṛṣṭivinirmukte ekahastapramāṇataḥ |
gomayena prakartavyaṃ maṇḍalaṃ caturasrakam ||
geschützt vor dem Blick der Uneingeweihten, soll ein quadratisches Maṇḍala im Maß einer Elle mit Kuhdung angelegt werden.
Kumārikākhaṇḍa 11.26
- tanmadhye sūryabimbaṃ tu maṇḍalaṃ vartulaṃ kuru |
alicandanakāśmīraiḥ pañcapraṇavamantritam ||
In seiner Mitte mache einen runden Kreis als Sonnenscheibe, mit alkoholischem Trank, Sandelholz und Safran, durch die fünf Praṇavas besprochen.
Kumārikākhaṇḍa 11.27
- kṣiptvā pañcārṇavidyāṃ tāṃ dakṣahastatalāruhet |
saṃyogena tu utthāpya vāmāvartaparibhramāt ||
Hat man diese fünflautige Vidyā hineingegeben, setze man die rechte Handfläche darauf. Man hebe sie in Verbindung damit an und drehe sie nach links herum.
Kumārikākhaṇḍa 11.28
- muṣṭiṃ madhye tato badhvā akhaṇḍamiti maṇḍalam |
pañcapraṇava kṛtvādau prākārāṣṭaka vinyaset ||
Dann balle man die Faust in der Mitte: Dies ist das „ungebrochene“ Maṇḍala. Hat man zuerst die fünf Praṇavas gebildet, setze man die acht Umwallungen ein,
Kumārikākhaṇḍa 11.29
- aindrādārabhya deveśa digdiśāṣṭau krameṇa tu |
tribījairāruhet teṣāṃ tato hastaṃ samuddharet ||
von Indras Richtung ausgehend in die acht Haupt- und Zwischenrichtungen der Reihe nach, o Herr der Götter. Mit ihren drei Samen setze man sie ein; danach hebe man die Hand.
Kumārikākhaṇḍa 11.30
- darpaṇaṃ śodhayet tatra ṣoḍaśāṃgulamānataḥ |
triguṇaṃ cāṃgulaikaṃ tu bhasmanā ca viśodhayet ||
Dort reinige man einen Spiegel, der sechzehn Fingerbreiten misst; sein Umfang sei das Dreifache, seine Dicke eine Fingerbreite. Man reinige ihn mit Asche.
Kumārikākhaṇḍa 11.31
- sthāpayed devyaśastreṇa kavacenāvaguṇṭhayet trikoṇānte likhecchaktiṃ kauleśīṃ ca adhomukhīm ||
Man stelle ihn mit der Waffe der Göttin auf und hülle ihn in den Panzer. Im Dreieck zeichne man die Kraft Kauleśī mit nach unten gerichtetem Antlitz.
Kumārikākhaṇḍa 11.32
- tadbāhye kārayet ṣaṭkaṃ mekhalātrayabhūṣitam |
vīrapātramathāropya anena karaṇena tu ||
Außerhalb davon bilde man eine Sechserfigur, geschmückt mit drei Gürteln. Dann stelle man das Heldengefäß mit diesem Verfahren auf.
Kumārikākhaṇḍa 11.33
- tasyā vaktraṣaḍaṅgāni sabāhyābhyantare nyaset |
kṣetreśavaṭukābhyāṃ ca yoginīnāṃ balitrayam ||
Ihre Gesichter und sechs Glieder setze man außen und innen ein. Nachdem für Kṣetreśa, Vaṭuka und die Yoginīs drei Bali-Gaben
Kumārikākhaṇḍa 11.34
- kṛtvādau prārabhet pūjāṃ nirvighnā siddhiriṣyate |
āniyād hemakalaśaṃ tadabhāvena raupyajam ||
zuerst dargebracht wurden, beginne man die Verehrung; hindernislose Vollendung wird erstrebt. Man beschaffe einen goldenen Krug, bei dessen Fehlen einen silbernen,
Kumārikākhaṇḍa 11.35
- tāmrajaṃ mṛnmayaṃ vāpi nirvraṇaṃ susamaṃ śubham |
kambugrīvocchritaṃ svarṇaṃ bālabālukavarjitam ||
einen kupfernen oder auch einen aus Ton: unbeschädigt, schön gleichmäßig und glückverheißend, mit muschelartigem Hals, hoch aufragend, goldfarben und frei von Haaren und Sand.
Kumārikākhaṇḍa 11.36
- udake pūrvataḥ kṣālya astrarājena śodhayet |
avaguṇṭhya ca varmeṇa alidravyeṇa pūrayet ||
Man wasche ihn zunächst mit Wasser und reinige ihn mit dem König der Waffen. Nachdem er in den Panzer gehüllt ist, fülle man ihn mit alkoholischem Trank.
Kumārikākhaṇḍa 11.37
- sthāpayet koṅkaṇāstreṇa maṇḍalāgre maheśvara |
kavacenāvaguṇṭhena mūrtyāveśastathātmanā ||
Man stelle ihn mit der Koṅkaṇa-Waffe vor dem Maṇḍala auf, o Maheśvara. Durch die Umhüllung mit dem Panzer und durch das Selbst geschieht das Eintreten der Gestalt.
Kumārikākhaṇḍa 11.38
- vidyānyāsaṃ tataḥ kuryād bhādi cānukrameṇa tu |
kramārcanamataḥ kuryāt pṛthakvarṇakrameṇa tu ||
Dann vollziehe man das Einsetzen der Vidyā in der mit Bha beginnenden Folge. Danach verehre man die Übertragung gemäß der Folge der einzelnen Laute.
Kumārikākhaṇḍa 11.39
- trikoṇānte tu vinyasya vidyāṃ puṣpāñjaliṃ kṣipet |
saṃyogena tu vidyāyāḥ pīṭhaṣaṭkaṃ tu bāhyataḥ ||
Nachdem die Vidyā in das Dreieck eingesetzt ist, gebe man eine Handvoll Blumen hinein. Die sechs heiligen Sitze befinden sich außerhalb, mit der Vidyā verbunden.
Kumārikākhaṇḍa 11.40
- pañcapraṇavasaṃyuktā oṃkāre paścime dale |
āgneyāṃ jālapīṭhaṃ tu nairṛtyāṃ paurṇagiryakam ||
Mit den fünf Praṇavas verbunden steht sie bei Oṃkāra auf dem westlichen Blütenblatt. Der Jāla-Sitz liegt im Südosten, Paurṇagiryaka im Südwesten,
Kumārikākhaṇḍa 11.41
- pūrvakoṇe tu kāmākhyaṃ vāyukoṇe tu tisrakam |
īśāne koṅkaṇaṃ nāma ulisiddhāśrayaṃ punaḥ ||
Kāmākhya in der östlichen Ecke, Tisraka in der nordwestlichen und der Koṅkaṇa genannte Sitz im Nordosten. Wiederum befindet sich die Wohnstatt der Siddhas der Überlieferungslinien
Kumārikākhaṇḍa 11.42
- triṣkoṇe tu bhagīśākhyaḥ pūjitavyaḥ krameṇa tu |
siddhāṅgapañcakaṃ madhye ṣaḍaṅgaṃ tu ṣaḍasrake ||
im Dreieck; dort ist Bhagīśa der Folge nach zu verehren. Die Fünfergruppe der vollendeten Glieder steht in der Mitte, die sechs Glieder in der Sechserfigur.
Kumārikākhaṇḍa 11.43
- hṛdayaṃ kāmarūpe tu śiraḥ pūrṇagiriḥ smṛtam |
śikhā jālandhare pīṭhe kavacaṃ tisrasaṃjñake ||
Das Herz liegt in Kāmarūpa; als Haupt gilt Pūrṇagiri. Die Haarspitze liegt im Jālandhara-Sitz, der Panzer im Tisra genannten.
Kumārikākhaṇḍa 11.44
- netramoṃkārapīṭhe tu astraṃ caiva tu koṃkaṇe |
tadbāhye mekhalāyāṃ tu ślokāni dvādaśārcayet ||
Das Auge liegt im Oṃkāra-Sitz und die Waffe in Koṃkaṇa. Außerhalb davon verehre man in der Umgürtung die zwölf Verse.
Kumārikākhaṇḍa 11.45
- akārādivisargāntā svaracakreśimekhalā |
kādibhāntakrame siddhirdvitīyā bāhyamekhalā ||
Von A bis zum Visarga reicht die Umgürtung der Herrin des Vokalrades. Die zweite äußere Umgürtung ist die Vollendung in der Folge von Ka bis Bha.
Kumārikākhaṇḍa 11.46
- mādisāntā tṛtīyā ca etad vai varṇarāśikam |
malayādhivāsitaiḥ puṣpaiḥ śvetaiḥ kuṃkumacarcitaiḥ ||
Die dritte reicht von Ma bis Sa: Dies ist die Gesamtheit der Laute. Mit weißen Blumen, die von Sandelduft durchzogen und mit Kumkuma bestrichen sind,
Kumārikākhaṇḍa 11.47
- darpaṇe ca purā śuddhaistathā sarvoṣadhīṣu ca |
sugandhena tu dhūpena godhūmādikadīpakaiḥ ||
rein, zunächst am Spiegel, ebenso mit allen Kräutern, mit wohlriechendem Räucherwerk und Lichtern aus Weizen und anderem,
Kumārikākhaṇḍa 11.48
- trividhena tu madyena kṣīrodanaguḍaudanaiḥ |
māṃsaudanaistribhirdeva āmamāṃsena kardamaiḥ ||
mit dreierlei alkoholischem Trank und den drei Reisspeisen — Milchreis, Reis mit Rohzucker und Fleischreis — sowie mit rohem Fleisch und breiigen Speisen, o Gott,
Kumārikākhaṇḍa 11.49
- kubjikākramametaddhi pūjayitvā nivedayet |
kalaśaṃ pūjayet paścāt vidyāpuṣpāṃjalitribhiḥ ||
verehre man diese Kubjikā-Übertragung und bringe ihr die Gaben dar. Danach verehre man den Krug mit der Vidyā und drei Handvoll Blumen.
Kumārikākhaṇḍa 11.50
- candanaṃ kuṃkumādīni ātmānaṃ ca nivedayet |
tato'pyarghaṃ ca puṣpāni dvātriṃśākṣarasaṃkhyayā ||
Sandelholz, Kumkuma und Weiteres sowie das eigene Selbst bringe man dar. Danach die Ehrengabe und Blumen entsprechend der Zahl der zweiunddreißig Silben.
Kumārikākhaṇḍa 11.51
- jānunī ubhayau bhūmau kṣiptvā cārghaṃ tu vidyayā |
vinivedya mahācakre japasaṃkhyāmudīrayet ||
Man setze beide Knie auf den Boden und bringe mit der Vidyā die Ehrengabe dem großen Kreis dar. Dann spreche man die Zahl der Rezitationen aus:
Kumārikākhaṇḍa 11.52
- ambe siddhe tathāghore dehi māṃ parameśvari |
mamepsitāṃ mahāsiddhiṃ sarvakāmaphalodayām ||
„O Mutter, Vollendete, Nichtschreckliche, höchste Herrin! Gewähre mir die von mir ersehnte große Vollendung, in der die Frucht aller Wünsche aufgeht.“
Kumārikākhaṇḍa 11.53
- kumāryaṣṭau tataḥ pūjyāḥ ṣaṭkaṃ ca trayamekā vā |
tataḥ siddhiṃ labhenmantrī ādiparve na saṃśayaḥ ||
Dann sind acht Jungfrauen zu verehren, oder eine Gruppe von sechs, drei oder eine einzelne. So erlangt der Mantrarezitierende beim ersten Festzeitpunkt gewiss Vollendung.
Kumārikākhaṇḍa 11.54
- brahmacaryavrataṃ kuryāt kāmakrodhādi ghātayet |
tataḥ siddhirna saṃdeho sevanād gatiriṣyate ||
Man halte ein Gelübde der Enthaltsamkeit und überwinde Begehren, Zorn und die übrigen Regungen. Dann entsteht zweifellos Vollendung; durch Übung wird der Weg zum Ziel erstrebt.
Kumārikākhaṇḍa 11.55
- sahasrādi ca lakṣāntaṃ japasaṃkhyāvidhiṃ śṛṇu |
vāmapāṇyakṣamālā yā sphāṭikairatha putrakaiḥ ||
Höre nun die Vorschrift für die Zahl der Rezitationen, von tausend bis zu einem Lakṣa. Die Gebetskette für die linke Hand besteht aus Kristallperlen oder Putraka-Samen,
Kumārikākhaṇḍa 11.56
- padmākṣairvā prakartavyā yathālābhena kārayet |
akṣasūtramalābhena pāṇinā japyamārabhet ||
oder sie ist aus Lotussamen herzustellen, je nachdem, was verfügbar ist. Wenn keine Gebetskette zu erlangen ist, beginne man das Zählen der Rezitation mit der Hand.
Kumārikākhaṇḍa 11.57
- āgamārthavidhānena vāmāvartaparibhramāt |
tarjanīvāmamūlāt tu pūrvārabhya maheśvara ||
Nach der Anweisung der überlieferten Lehre bewegt man sich dabei linksherum und beginnt an der Wurzel des linken Zeigefingers, o Maheśvara.
Kumārikākhaṇḍa 11.58
- upadeśaṃ gurorvaktrājjapasiddhiṃ labhet kramāt |
sthūlaṃ vāpyatha sūkṣamaṃ vā na meruṃ laṅghayet kare ||
Die Unterweisung erhält man aus dem Mund des Lehrers und erlangt so schrittweise Vollendung der Rezitation. Ob sie grob oder fein vollzogen wird: Den Meru in der Hand soll man nicht überschreiten.
Kumārikākhaṇḍa 11.59
- varjayitvā tu tajjyeṣṭhaṃ kuryāt prāntaṃ catuṣṭayam |
parvasaṃkhyākṛtaṃ japyaṃ madhyamobhau tu varjayet ||
Man lasse den Mittelfinger aus und bilde am Rand die Vierergruppe. Die Rezitation wird nach der Zahl der Fingerglieder gezählt; die beiden mittleren lasse man aus.
Kumārikākhaṇḍa 11.60
- evaṃ kramavidhānena vāmāvartaparibhramāt |
gamāgamena manasā hṛdgataṃ gamanaṃ kuru ||
So führe nach der vorgeschriebenen Folge und in linksherum kreisender Bewegung das geistige Hin- und Hergehen ins Herz.
Kumārikākhaṇḍa 11.61
- pūrakena svakīyena manaṃ kumbhe prakalpayet |
recayitvā tataḥ siddhirihaloke paratra ca ||
Mit der eigenen Einatmung richte man den Geist im angehaltenen Atem ein. Nach dem Ausatmen entsteht Vollendung in dieser Welt und jenseits.
Kumārikākhaṇḍa 11.62
- yāvadakṣarasaṃkhyā ca tāvat kuryācca kumbhakam |
vāyunā saha vegena karotyāveśamuttamam ||
Dem Maß der Silbenzahl soll das Atemanhalten entsprechen. Mit dem Atem und seiner Kraft bewirkt man höchstes Ergriffensein.
Kumārikākhaṇḍa 11.63
- anenaiva vidhānena na drutaṃ na vilambitam |
madhyacāragatiṃ jñātvā japaṃ kuryāt trayoliṣu ||
Nach eben diesem Verfahren, weder schnell noch langsam, erkenne man den Gang in der Mitte und vollziehe die Rezitation in den drei Überlieferungslinien.
Kumārikākhaṇḍa 11.64
- evaṃ pāṇikṛtaṃ japyaṃ uttamaṃ parikīrtitam |
akṣasūtreṇa vā deva māhātmyamathavā śṛṇu ||
So gilt die mit der Hand gezählte Rezitation als vorzüglich. Oder man verwende die Gebetskette, o Gott; höre nun von ihrer Größe.
Kumārikākhaṇḍa 11.65
- sahasreṇa tu japtena prāptaḥ śatruḥ parāṃmukhaḥ |
dvibhiḥ pravartate tejastribhiraiśvaryasaṃpadaḥ ||
Durch tausend Wiederholungen wendet sich der begegnende Feind ab. Bei zweitausend entfaltet sich Leuchtkraft, bei dreitausend die Fülle der Herrschaft.
Kumārikākhaṇḍa 11.66
- caturbhirjanasaubhāgyaṃ āyurārogyaṃ pañcabhiḥ |
jñānaprāptirbhavet ṣaḍbhiravasthā saptabhirbhavet ||
Bei viertausend entsteht die Gunst der Menschen, bei fünftausend langes Leben und Gesundheit, bei sechstausend Erkenntnis, bei siebentausend der entsprechende Zustand.
Kumārikākhaṇḍa 11.67
- aṣṭābhiḥ paśyate kiñcid divyarūpaṃ kulātmakam |
navabhirlabhate yogaṃ nirvāṇaṃ khecarakramam ||
Bei achttausend erblickt man etwas von göttlicher Gestalt und vom Wesen Kulas. Bei neuntausend erlangt man Yoga, Nirvāṇa und die Übertragung der Himmelswanderer.
Kumārikākhaṇḍa 11.68
- daśabhirvartate vedhaṃ mudrāsphoṭaṃ tu viṃśabhiḥ |
māraṇaṃ triṃśabhiścaiva catvāriṃśabhiḥ stambhanam ||
Bei zehntausend tritt Durchdringung ein, bei zwanzigtausend das Aufbrechen der Mudrā, bei dreißigtausend Tötung und bei vierzigtausend Lähmung,
Kumārikākhaṇḍa 11.69
- raṇe rājakule dyūte vivāde śatrumadhyataḥ |
śilānāṃ bhedanaṃ stobhaṃ vṛkṣāṇāṃ pātanaṃ tathā ||
in der Schlacht, im Königshaus, beim Würfelspiel, im Streit und inmitten der Feinde. Das Spalten von Steinen, das Erstarren und das Fällen von Bäumen entstehen
Kumārikākhaṇḍa 11.70
- pañcāśadbhiḥ sahasraistu japitairnātra saṃśayaḥ |
ṣaṣṭibhiśca sahasraistu devakanyā tilottamā ||
durch fünfzigtausend Wiederholungen, daran besteht kein Zweifel. Durch sechzigtausend wird selbst die himmlische Jungfrau Tilottamā
Kumārikākhaṇḍa 11.71
- vaśaṃ yāti na saṃdeho mānuṣeṣu ca kā kathā |
rājānaḥ maṇḍalīkāstu antaḥpuranivāsinaḥ ||
zweifellos unterworfen — was wäre da von den Menschen zu sagen? Könige, Fürsten, die Bewohner der inneren Palastgemächer
Kumārikākhaṇḍa 11.72
- ye cānye mānavā loke ājñāśravaṇatatparāḥ |
saptatibhiḥ sahasraiśca vetālānyabhisādhayet ||
und die anderen Menschen in der Welt werden eifrig auf den Befehl hören. Durch siebzigtausend beherrscht man die Vetālas
Kumārikākhaṇḍa 11.73
- tathā carācaraṃ deva mahiṣāsuradānavam |
brahmā sampadyate mūrtau svayaṃrūpeṇa dehinā ||
und ebenso das Bewegliche und Unbewegliche, o Gott, sowie den Dānava Mahiṣāsura. Im eigenen Leib wird man zu Brahmā selbst,
Kumārikākhaṇḍa 11.74
- pātāle bhuñjate bhogān kanyābhiḥ saha krīḍate |
aśītibhiḥ sahasraistu japitairnātra saṃśayaḥ ||
genießt die Freuden der Unterwelt und spielt dort mit jungen Frauen: durch achtzigtausend Wiederholungen, daran besteht kein Zweifel.
Kumārikākhaṇḍa 11.75
- navatibhirbhaved viṣṇuḥ svayaṃ martyatanuḥ priya |
pṛthivyādhipatirbhūtvā ekacchatreṇa bhuñjate ||
Durch neunzigtausend wird man, selbst noch im sterblichen Leib, zu Viṣṇu, o Geliebter. Als Herr der Erde genießt man sie unter einem einzigen Herrscherschirm.
Kumārikākhaṇḍa 11.76
- lakṣaikena svayaṃ rudro bhave tiṣṭhati mānavaḥ |
vimānaṃ tasya cāyāti pañcacāmarabhūṣitam ||
Durch ein Lakṣa steht der Mensch selbst als Rudra im Dasein. Sein Himmelsfahrzeug kommt zu ihm, mit fünf Yakschweiffächern geschmückt,
Kumārikākhaṇḍa 11.77
- devyaṣṭakasamopetaṃ catuḥṣaṣṭibhirāvṛtam |
veṣṭitaṃ bahubhiḥ siddhaistārānakṣatramaṇḍalaiḥ ||
begleitet von acht Göttinnen, von vierundsechzig umgeben und umringt von vielen Siddhas, Sternen- und Sternbilderkreisen.
Kumārikākhaṇḍa 11.78
- bhavet kalau mahāsiddhaḥ sādhako vidyayā yutaḥ |
vrajate ca khamārgeṇa yatrasthā bhairavī svayam ||
Der mit der Vidyā verbundene Übende wird im Kali-Zeitalter zu einem großen Siddha. Auf dem Himmelsweg gelangt er dorthin, wo Bhairavī selbst weilt,
Kumārikākhaṇḍa 11.79
- vasate tatra madhye tu bhavate ajarāmaraḥ |
yathāhaṃ devadeveśa tathāsau sādhakottamaḥ ||
und wohnt dort in ihrer Mitte, frei von Altern und Tod. Wie ich bin, o Herr des Gottes der Götter, so ist jener vorzügliche Übende.
Kumārikākhaṇḍa 11.80
- icchārūpadharaḥ śrīmān lakṣajāpena khecaraḥ |
trailokye krīḍate'sau vai kāmarūpī mahābalaḥ ||
Durch ein Lakṣa von Wiederholungen trägt der glanzvolle Himmelswanderer jede gewünschte Gestalt. Mächtig und von frei gewählter Erscheinung spielt er in den drei Welten.
Kumārikākhaṇḍa 11.81
- kṣaṇācca śāṅkaraṃ rūpaṃ kṣaṇād rūpaṃ ca vaiṣṇavam |
kṣaṇād brāhmaṃ ca aindraṃ ca sauraṃ cāndraṃ kṣaṇena tu ||
In einem Augenblick nimmt er Śaṅkaras Gestalt an, in einem anderen die Viṣṇus, augenblicklich die Brahmās oder Indras, die der Sonne oder die des Mondes.
Kumārikākhaṇḍa 11.82
- kṣaṇānnārāyaṇaṃ rūpaṃ kṣaṇād vai mārutaṃ bhavet |
kṣaṇāccāpi jvaladrūpaṃ sthūlaṃ sūkṣmaṃ kṣaṇāt kṣaṇāt ||
Augenblicklich nimmt er Nārāyaṇas Gestalt an, augenblicklich die des Windes. In einem Augenblick ist seine Gestalt flammend, bald grob, bald fein.
Kumārikākhaṇḍa 11.83
- kṣaṇāt pakṣiṇamākāśe kṣaṇāt siṃhaṃ mahāvane |
mārjāraṃ ca śṛgālaṃ ca śvānamuṣṭraṃ ca gardabham ||
Im Nu ist er ein Vogel am Himmel, ein Löwe im großen Wald, eine Katze, ein Schakal, ein Hund, ein Kamel oder ein Esel,
Kumārikākhaṇḍa 11.84
- vṛṣaṃ caiva tu meṣaṃ ca ulūkaṃ ca tathaiva ca |
vyāghraṃ caiva tu ṛkṣaṃ ca mṛgaṃ vātha mahādvipam ||
ein Stier, ein Widder, eine Eule, ein Tiger, ein Bär, ein Wildtier oder ein großer Elefant.
Kumārikākhaṇḍa 11.85
- kṣaṇācca mānuṣe loke nānārūpadharo bhavet |
evaṃ saṃjāyate siddhirbhavate ajarāmaraḥ ||
Augenblicklich kann er in der Menschenwelt vielerlei Gestalten tragen. So entsteht Vollendung; er wird frei von Altern und Tod.
Kumārikākhaṇḍa 11.86
- niścayāt lakṣajāpena sādhakasya tu khegatiḥ |
yatra yatra mano yāti tatra tatra mahāśriyaḥ ||
Durch ein Lakṣa von Wiederholungen erlangt der Übende gewiss das Wandeln im Himmel. Wohin sein Geist auch geht, dort sind große Herrlichkeiten.
Kumārikākhaṇḍa 11.87
- yad yad kāmayate kāmaṃ tat tat kṣaṇāt pravartate |
na tasya durgamaṃ sthānaṃ bhramate'sau pataṅgavat ||
Welchen Wunsch er auch hegt, augenblicklich wird er wirksam. Kein Ort ist für ihn schwer erreichbar; er wandert umher wie ein Vogel.
Kumārikākhaṇḍa 11.88
- mattamātaṅgayūthānāṃ hanatyeko'pi keśarī |
tathāsau bhavadevānāṃ hanati sādhakottamaḥ ||
Ein einziger Löwe tötet Herden rasender Elefanten. Ebenso tötet jener vorzügliche Übende die Götter des bedingten Daseins.
Kumārikākhaṇḍa 11.89
- tvattulyaḥ sādhakendrastu vidyayābhyasanād bhavet |
ekavṛkṣe śmaśāne ca gatvā caiva catuṣpathe ||
Durch die Übung der Vidyā wird der Herr der Übenden dir gleich. Man begebe sich zu einem einzeln stehenden Baum, einer Verbrennungsstätte oder einer Wegkreuzung,
Kumārikākhaṇḍa 11.90
- aṭavyāṃ nirjane sthāne śūnye devagṛhe tu ca |
eṣu sthāneṣu kartavyaṃ vidyājāpamanantakam ||
in einen Wald, an einen menschenleeren Ort oder in einen leeren Tempel. An diesen Orten soll die Vidyā ohne Ende rezitiert werden.
Kumārikākhaṇḍa 11.91
- pūjākāle tu subhaga niśācāreṇa kaulavit |
paribhrājitacittasya saṃsāre viratātmanaḥ ||
Zur Zeit der Verehrung, o Glücklicher, handle der Kenner des Kaula nach dem nächtlichen Ritus. Dem, dessen Geist hell erstrahlt und der vom Daseinswandel abgewandt ist,
Kumārikākhaṇḍa 11.92
- tasyaiṣā siddhirākhyātā vidyārādhanakarmaṇi |
na ca māyāvṛtasyaiva gṛhasthasya tu bhairava ||
wird diese Vollendung bei der Verehrung der Vidyā zugesprochen — nicht aber, o Bhairava, dem von Māyā umhüllten Haushalter.
Kumārikākhaṇḍa 11.93
- gṛhe siddhistathā naiva bhuktimuktimavāpnuyāt |
ihaiva jīvaloke'smin jīvanmuktā na saṃśayaḥ ||
Im Hause gibt es für ihn keine Vollendung; Genuss und Befreiung erlangt er dort nicht. Schon hier in dieser Welt der Lebenden sind dagegen zweifellos zu Lebzeiten befreit
Kumārikākhaṇḍa 11.94
- vidyāpūjāratā ye tu tanmanāstatparāyaṇāḥ |
gatvā vai ādipīṭhe tu athavā pūrṇagiryake ||
jene, die der Verehrung der Vidyā hingegeben sind, ihren Geist auf sie richten und sie als höchstes Ziel haben. Wenn sie zum ursprünglichen Sitz oder nach Pūrṇagiryaka gehen,
Kumārikākhaṇḍa 11.95
- jālākhye tvathavā deva tathā śrīkāmarūpake |
siddhyante ca na saṃdeho na teṣāṃ parivedanā ||
zum Jāla genannten Sitz, o Gott, oder zum ehrwürdigen Kāmarūpaka, gelangen sie zweifellos zur Vollendung und haben keine Bedrängnis.
Kumārikākhaṇḍa 11.96
- yasya eṣā mahāvidyā mukhe tiṣṭhati nityaśaḥ |
sa sarvavighnanirmukto jayaṃ sarvatra āpnuyāt ||
Wer diese große Vidyā beständig im Mund trägt, ist von allen Hindernissen frei und erlangt überall Sieg:
Kumārikākhaṇḍa 11.97
- raṇe rājakule dyūte śatrumadhye jalāgniṣu |
aṭavyāṃ viṣame durge tathā caurapatheṣu ca ||
in der Schlacht, im Königshaus, beim Würfelspiel, unter Feinden, in Wasser und Feuer, in einem schwierigen Waldgebiet, an unzugänglichem Ort und auf Räuberwegen,
Kumārikākhaṇḍa 11.98
- vṛścike viṣasarpeṣu gajonmattavṛṣeṣu ca |
ulkāpāte ca digdāghe yoginīgaṇamadhyataḥ ||
bei Skorpionen und Giftschlangen, bei Elefanten und rasenden Stieren, bei Meteorfall, beim Brennen der Himmelsrichtungen und inmitten der Yoginīscharen,
Kumārikākhaṇḍa 11.99
- niśācāraikavṛkṣe vā vajrapāte catuṣpathe |
saṃgrāme samaye cakre pīṭhe kṣetre tvevādiṣu ||
beim nächtlichen Ritus oder am einzeln stehenden Baum, bei Blitzschlag, an einer Wegkreuzung, in der Schlacht, bei der Observanz, im Kreis, an heiligen Sitzen, Feldern und anderen solchen Orten.
Kumārikākhaṇḍa 11: unnummerierter Halbvers (half_after_99)
- śubhaṃ ca prapnuyād yogī asya vidyāprabhāvataḥ |
Durch die Macht dieser Vidyā erlangt der Yogi Heilvolles.
Kumārikākhaṇḍa 11: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānbhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike ādyapīṭhāvatārite vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite vidyājapyārghavidhāno nāmānandaḥ || 11 ||
So endet das elfte Kapitel, die Wonne namens „Die Vorschrift für die Rezitation der Vidyā und die Ehrengabe“: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 12
Kumārikākhaṇḍa 12: Kapitelkopf (heading)
- dvādaśānandaḥ
Zwölfte Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 12: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 12.1
- jayaṃ bhavati deveśa yasya vidyā hṛdi sthitā |
sukhamārogyakalyāṇaṃ cirāyuḥ śauryavṛttiśca ||
O Herr der Götter, dem wird Sieg zuteil, in dessen Herzen die Vidyā weilt: Glück, Gesundheit, Wohlergehen, langes Leben und mutiges Handeln.
Kumārikākhaṇḍa 12.2
- prabhā dīptiśca kāntiśca vidyayābhyasanād bhavet |
bhaviṣyati na saṃdeho kā cintā maraṇe raṇe ||
Licht, Leuchten und Schönheit entstehen durch die Übung der Vidyā. So wird es zweifellos sein; welche Sorge besteht dann beim Sterben oder in der Schlacht?
Kumārikākhaṇḍa 12.3
- yasya vidyā bhavet siddhā durlabhā mahatārikā |
tasya siddhiḥ kare baddhā sa siddho nātra saṃśayaḥ ||
Wem die schwer zu erlangende Vidyā Mahatārikā zur Vollendung gelangt ist, dem liegt Vollendung fest in der Hand. Er ist ein Siddha, daran besteht kein Zweifel.
Kumārikākhaṇḍa 12.4
- gohatyānāṃ sahasraikaṃ lakṣaikaṃ brahmahatyānām |
tathānye māyajāḥ pāpāḥ naśyante nātra saṃśayaḥ ||
Tausend Tötungen von Kühen, ein Lakṣa von Tötungen von Brahmanen und die anderen aus Māyā entstandenen Verfehlungen werden zweifellos vernichtet.
Kumārikākhaṇḍa 12.5
- vidyā smaritamātrā yā aśubhaṃ ca vinaśyati |
miṣṭānnabhojanaṃ pānaṃ divyabhogaṃ rasāyanam ||
An diese Vidyā braucht man sich nur zu erinnern, und Unheil schwindet. Köstliche Speise und Trank, göttliche Freuden und Rasāyana,
Kumārikākhaṇḍa 12.6
- śayanaṃ cottamaṃ yānaṃ vastrābharaṇabhūṣaṇam |
sakṛtsmaraṇamātreṇa vidyāveśāt pravartate ||
ein Lager, ein vorzügliches Fahrzeug, Kleidung und Schmuck werden durch das Ergriffensein von der Vidyā zuteil, wenn man sich auch nur einmal an sie erinnert.
Kumārikākhaṇḍa 12.7
- padārthamarthavijñānaṃ sarvasvaṃ putrapautrakam |
paramārthaṃ paraṃ jñānaṃ vidyāveśāt pravartate ||
Gegenstände, das Verstehen ihrer Bedeutung, aller Besitz, Söhne und Enkel, das höchste Ziel und höchste Erkenntnis entstehen durch das Ergriffensein von der Vidyā.
Kumārikākhaṇḍa 12.8
- paraṃ tattvaṃ parāvasthā paraṃ yogamarūpakam |
paraṃ saubhāgyamatulaṃ vidyāveśāt pravartate ||
Höchste Wirklichkeit, höchster Zustand, höchster gestaltloser Yoga und höchstes, unvergleichliches Glück entstehen durch das Ergriffensein von der Vidyā.
Kumārikākhaṇḍa 12.9
- parājñā paramānandaṃ paraṃ vāgbhavaśāsanam |
sakṛtsmaraṇamātreṇa vidyāveśāt pravartate ||
Die höchste Ājñā, höchste Wonne und die höchste Lehre Vāgbhavas entfalten sich durch das Ergriffensein von der Vidyā, wenn man sich auch nur einmal an sie erinnert.
Kumārikākhaṇḍa 12.10
- śāmbhavaṃ śaktivijñānaṃ vaiṣṇavaṃ saurasaṃhitā |
bauddhādi ārahantāśca cāndrāyaṇaparāyaṇam ||
Das Śiva Zugehörige, die Erkenntnis der Śakti, das Viṣṇu Zugehörige, die Sonnen-Saṃhitā, die Buddhisten und die Ārahantas sowie die Hingabe an das Cāndrāyaṇa-Gelübde:
Kumārikākhaṇḍa 12.11
- kṣubhyanti ca ṣaḍaṅgāni vidyāveśānna cānyathā |
śaivasiddhādisiddhāntā lākulāstumburādayaḥ ||
Die sechs Glieder werden durch das Ergriffensein von der Vidyā erregt und auf keine andere Weise. Die Lehren der Śaivas, der Siddhas und der übrigen, die Lākulas und die Tumburu-Lehren,
Kumārikākhaṇḍa 12.12
- nityātantrādikā ye ca vidyāveśāt pravartate |
vaidikaṃ gāruḍaṃ tantraṃ sutantraśabdalakṣaṇam ||
die Nityā-Tantras und die übrigen entfalten sich durch das Ergriffensein von der Vidyā. Das Vedische, das Gāruḍa-Tantra und das durch die Worte des guten Tantra Gekennzeichnete,
Kumārikākhaṇḍa 12.13
- yogaṃ paramanirvāṇaṃ vidyāveśāt pravartate |
yat sarvasātvikaṃ jñānaṃ martyaloke vyavasthitam ||
Yoga und höchstes Nirvāṇa entfalten sich durch das Ergriffensein von der Vidyā. Was immer an lauterer Erkenntnis in der Welt der Sterblichen besteht,
Kumārikākhaṇḍa 12.14
- sakṛtsmaraṇamātreṇa vidyāveśāt pravartate |
ye kecicchāstrasaṃghātā nityātantrādi sarvaśaḥ ||
entfaltet sich durch das Ergriffensein von der Vidyā schon bei einmaligem Erinnern. Alle Sammlungen von Lehren, die Nityā-Tantras und die übrigen,
Kumārikākhaṇḍa 12.15
- kṣubhyanti devadeveśa vidyayā parameśvara |
tāvat garjanti tantrāṇi svacchandādīnyanekaśaḥ ||
werden in jeder Hinsicht durch die Vidyā bewegt, o Herr des Gottes der Götter, o höchster Herr. Die vielerlei Tantras, Svacchanda und die übrigen, brüllen nur bis dahin;
Kumārikākhaṇḍa 12.16
- dvātriṃśākṣaravidyāyāḥ kalāṃ nārhanti ṣoḍaśīm |
yathā dantisahasrāṇi siṃhasyaiva parāṃmukhāḥ ||
sie erreichen nicht einmal ein Sechzehntel der Vidyā mit zweiunddreißig Silben. Wie Tausende Elefanten sich vor einem einzigen Löwen abwenden,
Kumārikākhaṇḍa 12.17
- tathā vidyāśca mantrāśca vimukhāḥ prāptavidyayā |
niśāyāṃ ca śaśiryadvat āpyāyet sacarācaram ||
so wenden sich die Vidyās und Mantras ab, wenn diese Vidyā erlangt ist. Wie der Mond in der Nacht die bewegliche und unbewegliche Welt nährt,
Kumārikākhaṇḍa 12.18
- tathaiṣā pūrṇabhedena āpyāyanakarī bhavet |
yathā dīpaḥ pradīptastu andhakāraṃ vināśayet ||
so ist diese Vidyā in ihrer vollen Gestalt nährend. Wie eine hell brennende Lampe die Dunkelheit vertreibt,
Kumārikākhaṇḍa 12.19
- teṣāṃ ca paṭalaṃ ghoraṃ chedayennātra saṃśayaḥ |
tathā śrīśrīkujāvidyā ṣaṭprakārā varānana ||
so durchschneidet sie zweifellos deren schreckliche Hülle. Ebenso verbrennt die ehrwürdige Vidyā der ehrwürdigen Kujā in ihren sechs Formen, o Schöngesichtiger,
Kumārikākhaṇḍa 12.20
- dahate nātra saṃdeho dehasthaṃ pāpasaṃcayaṃ |
śubhāśubhaṃ ca yat karma saptajanmāntarārjitam ||
zweifellos die im Leib angesammelten Verfehlungen. Was an gutem oder schlechtem Karma über sieben Geburten hinweg erworben wurde,
Kumārikākhaṇḍa 12.21
- tat sarvaṃ vilayaṃ yāti vidyābhyāsānna saṃśayaḥ |
ye kecit śāstrasaṃghātā mantrā vidyādyanekaśaḥ ||
geht durch die Übung der Vidyā vollständig unter, daran besteht kein Zweifel. Alle Sammlungen von Lehren und die vielerlei Mantras und Vidyās
Kumārikākhaṇḍa 12.22
- tasya vidyāprabhāvasya kalāṃ nārhanti ṣoḍaśīm |
śrīnātha uvāca
yuktamuktaṃ prabhāvo'yaṃ vidyābhyāsena nānyathā ||
erreichen nicht einmal ein Sechzehntel der Macht dieser Vidyā. — Zutreffend ist gesagt, dass diese Macht durch die Übung der Vidyā entsteht und nicht anders.
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 12.23
- paraṃ japyaratānāṃ tu kiṃ na siddhyanti sādhakāḥ |
tat kimarthaṃ mahādevi saṃśayaṃ chettumarhasi ||
Warum gelangen dann Übende nicht zur Vollendung, obwohl sie ganz der Rezitation hingegeben sind? Woran liegt das, o große Göttin? Bitte löse diesen Zweifel.
Kumārikākhaṇḍa 12: Sprecherzeile (speaker_before_24)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 12.24
- mānavā durbhagā deva vidyāhaṃkāragarvitāḥ |
jātiśīlavinirmuktā agamyagamanodyatāḥ ||
O Gott, Menschen sind unglücklich, weil sie sich im Hochmut ihres Wissens und ihres Ichgefühls gefallen. Sie haben das ihrer Herkunft entsprechende Verhalten aufgegeben und streben nach unerlaubtem geschlechtlichem Verkehr.
Kumārikākhaṇḍa 12.25
- abhakṣyabhakṣaṇaratāḥ kalahanti yatastataḥ |
prāṇibhaṅgaṃ prakurvanti bahulobhasamanvitāḥ ||
Sie essen mit Vorliebe, was nicht gegessen werden darf, streiten hier und dort, schädigen Lebewesen und sind voller Gier.
Kumārikākhaṇḍa 12.26
- bahukāmaprasaktāśca bahuśāstrārthacintakāḥ |
udgrāhayanti tarkārthaṃ vivadanti parasparam ||
Sie hängen an vielen Begierden und grübeln über den Sinn vieler Schriften. Sie greifen Streitfragen der Logik auf und disputieren miteinander.
Kumārikākhaṇḍa 12.27
- mahāmāyāvimohena arthasaṃgrahaṇādiṣu |
kukarmāṇi prakurvanti nindāṃ rāgaṃ caranti ca ||
Durch die große Māyā verblendet begehen sie schlechte Taten, um Reichtum anzuhäufen und Ähnliches. Sie üben Verleumdung und folgen ihren Leidenschaften.
Kumārikākhaṇḍa 12.28
- samayāni na manyante gurvājñālopakārakāḥ |
gurudrohaṃ prakurvanti samayadrohaṃ varānana ||
Sie achten die Verpflichtungen nicht und übertreten den Auftrag des Lehrers. Sie verraten den Lehrer und die Verpflichtungen, o Schöngesichtiger.
Kumārikākhaṇḍa 12.29
- tena te siddhinirmuktāḥ vidyayābhyāsanādapi |
tapobhraṣṭā narā ye ca teṣāṃ saṃkhyā na vidyate ||
Darum bleiben sie ohne Vollendung, selbst wenn sie die Vidyā üben. Ungezählt sind die Menschen, die von ihrer Askese abgefallen sind.
Kumārikākhaṇḍa 12.30
- tṛptā madyena māṃsena parastrīramaṇotsukāḥ |
agamyagamanād deva bhuktimuktirna vidyate ||
Mit Alkohol und Fleisch gesättigt, verlangen sie nach Liebesgenuss mit den Frauen anderer. Durch unerlaubten geschlechtlichen Verkehr, o Gott, entstehen weder Genuss noch Befreiung.
Kumārikākhaṇḍa 12.31
- śvapacāste samākhyātāḥ prākṛtāḥ śvānakukkuṭāḥ |
pibanti svecchayā madyaṃ māṃsaṃ khādanti svecchayā ||
Sie werden Hundekocher genannt, gewöhnliche Hunde und Hähne. Nach eigenem Belieben trinken sie Alkohol und essen Fleisch.
Kumārikākhaṇḍa 12.32
- agamyagamanaṃ yānti ajñānapaṭalāvṛtāḥ |
na teṣāṃ muktirastīha saṃyamānmuktiriṣyate ||
Von der Hülle des Nichtwissens bedeckt, gehen sie unerlaubte geschlechtliche Beziehungen ein. Für sie gibt es hier keine Befreiung; durch Selbstbeherrschung wird Befreiung erstrebt.
Kumārikākhaṇḍa 12.33
- bahupānāt kuto muktiricchābhoge tathaiva ca |
agamyagamanācārād abhakṣasya ca bhakṣaṇāt ||
Wie könnte Befreiung aus vielem Trinken entstehen, ebenso aus Genuss nach eigenem Belieben, aus unerlaubtem geschlechtlichem Verkehr und dem Essen des Verbotenen?
Kumārikākhaṇḍa 12.34
- vikarmaṇā kuto muktirarthalobhāt kuto bhavet |
pāpiṣṭhāṃ darpaduṣṭānāṃ dūṣakāṃ tantravādinām ||
Wie könnte Befreiung aus schlechten Handlungen entstehen, wie aus Gier nach Reichtum? Für die schwer Fehlenden, durch Hochmut Verdorbenen, die Schaden stiften und vom Tantra reden,
Kumārikākhaṇḍa 12.35
- kumārgeṣu prasaktānāṃ na siddhirvidyate kvacit |
āgamārthavinirmuktāḥ samayācāralopakāḥ ||
die an verkehrten Wegen hängen, gibt es nirgends Vollendung. Wer vom Sinn der überlieferten Lehre getrennt ist und die verpflichtende Lebensführung verletzt,
Kumārikākhaṇḍa 12.36
- na teṣāṃ sādhane siddhirna ca te mokṣabhājanāḥ |
evaṃbhūtaguṇāḥ śiṣyāḥ sādhakācāryaputrakāḥ ||
findet in seiner Übung keine Vollendung und wird nicht zum Gefäß der Befreiung. Schüler, Sādhakas, Lehrer und Putrakas mit entsprechenden Eigenschaften
Kumārikākhaṇḍa 12.37
- vidyārādhanaśīlā hi bhavante siddhibhājanāḥ |
gurubhaktā vinītāśca samayācārapālakāḥ ||
werden durch beständige Verehrung der Vidyā zu Gefäßen der Vollendung: Sie sind dem Lehrer ergeben, bescheiden und bewahren ihre Verpflichtungen und ihre Lebensführung.
Kumārikākhaṇḍa 12.38
- dvaitācārapadārūḍhā makāratrayavarjitāḥ |
nirlobhāḥ sadayāḥ śāntāḥ nityānandaratāḥ sadā ||
Sie stehen fest auf dem Boden unterscheidenden Verhaltens, sind frei von den drei M, ohne Gier, mitfühlend und friedlich, immer der beständigen Wonne hingegeben.
Kumārikākhaṇḍa 12.39
- āgamārtharatā dhīrāḥ tarkaśāstramupekṣakāḥ |
anuraktāśca bhaktāśca sarvajīvadayāparāḥ ||
Sie sind dem Sinn der Überlieferung zugewandt, standhaft, lassen die Schriften der Logik beiseite, sind liebevoll und hingebungsvoll und dem Mitgefühl für alle Lebewesen ergeben.
Kumārikākhaṇḍa 12.40
- evaṃguṇaviśiṣṭā ye siddhyante hyavicārataḥ |
eteṣāṃ siddhyate vidyā anyeṣāṃ na kadācana ||
Wer durch solche Eigenschaften ausgezeichnet ist, gelangt ohne Zweifel zur Vollendung. Bei diesen gelingt die Vidyā, bei den anderen niemals.
Kumārikākhaṇḍa 12.41
- pāramparyāgatā vidyā arghasaṃskāramaṇḍale |
saṃsphuṭā yāvanna jñātvā tāvat siddhiṃ kuto labhet ||
Solange man die durch die Lehrerfolge überkommene Vidyā nicht klar im Maṇḍala zur Weihe der Ehrengabe erkannt hat, woher könnte man Vollendung erlangen?
Kumārikākhaṇḍa 12.42
- anyagranthād viniṣkrāntā jātibhedena saṃyutā |
siddhidā sā na vijñeyā anvaye paścime gṛhe ||
Eine Vidyā, die aus einer anderen Schrift stammt und mit verschiedenen Jāti-Endungen verbunden ist, ist im westlichen Haus der Überlieferung nicht als Vollendung gewährende zu betrachten.
Kumārikākhaṇḍa 12: unnummerierter Halbvers (half_after_42)
- tasmāt sarvaprayatnena guruvaktrāt samabhyaset |
Darum übe man sie mit aller Sorgfalt aus dem Mund des Lehrers.
Kumārikākhaṇḍa 12: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike ādyapīṭhāvatārite vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhaṣite vidyāmāhātmyavarṇanādhikāre kramodayo nāmānandaḥ || 12 ||
So endet das zwölfte Kapitel, die Wonne namens „Das Hervortreten der Übertragung“, im Abschnitt über die Darstellung der Größe der Vidyā: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 13
Heutiger Vortrag von Sukadev über Chakra, Tantra und Kundalini; ergänzend, keine Auslegung dieser Verse.
Kumārikākhaṇḍa 13: Kapitelkopf (heading)
- trayodaśānandaḥ
Dreizehnte Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 13: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 13.1
- śiveti kathitaṃ nāma sa kathaṃ gamyate jagat |
vaikalpena apūrṇatvāt kathaṃ kartṛtvamāpnuyāt ||
Sein Name wird als Śiva angegeben. Wie gelangt er in die Welt? Wie könnte er zum Handelnden werden, wenn ihn unterscheidendes Denken unvollkommen macht?
Kumārikākhaṇḍa 13.2
- kathaṃ vā bhuñjate bhogān saṃsārati tamāśritaḥ |
mṛtyurasti kathaṃ tasya satyamākhyāhi nirṇayam ||
Wie genießt er die Freuden, und wie wandert er, von Dunkelheit umfangen, durch den Kreislauf des Daseins? Wie kann es für ihn Tod geben? Lege mir die wahre Entscheidung darüber dar.
Kumārikākhaṇḍa 13: Sprecherzeile (speaker_before_3)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 13.3
- sarvaśreṣṭhaṃ paraṃ śāntaṃ avarṇatattvamāśritam |
jyotirūpaṃ nirābhāsaṃ anantaṃ satatoditam ||
Das Beste von allem, das Höchste, Friedvolle, das im Prinzip jenseits der Buchstaben ruht, lichtgestaltig, ohne Erscheinungsform, grenzenlos und beständig aufleuchtend,
Kumārikākhaṇḍa 13.4
- apratarkyamidaṃ jñeyaṃ svayaṃ muktaṃ ca saṃsthitam |
acchedyaṃ ca abhedyaṃ ca alepyaṃ ca parāparam ||
ist als das zu erkennen, was dem Denken unzugänglich und aus sich selbst befreit ist. Es lässt sich weder schneiden noch teilen noch beflecken und ist zugleich das Höchste und das Niedere.
Kumārikākhaṇḍa 13.5
- brahmā viṣṇuśca rudrādyaḥ amṛtaṃ jīvamāśritam |
parānandasvarūpeṇa nityānandaparāyaṇam ||
Es ist Brahmā, Viṣṇu, Rudra und die übrigen; das Unsterbliche, das im Lebendigen ruht. Seinem Wesen nach höchste Wonne, ist es ganz der beständigen Wonne hingegeben.
Kumārikākhaṇḍa 13.6
- nirānandamayaṃ śāntaṃ kāraṇāṣṭakavarjitam |
guṇatattvavinirmuktaṃ heyopādeyavarjitam ||
Es ist erfüllt von der Wonne der Stille, friedvoll und frei von den acht Ursachen, frei von den Guṇas und den Wirklichkeitsprinzipien, frei von dem, was abzulegen, und von dem, was anzunehmen ist.
Kumārikākhaṇḍa 13.7
- na tasya garbhasaṃbhūtiḥ sarvāvasthagato vibhuḥ |
sa kartā na paraḥ kaścidaśarīraḥ śivaḥ prabhuḥ ||
Es gibt für ihn keine Entstehung in einem Mutterleib. Allgegenwärtig ist er in jedem Zustand. Er ist der Handelnde, kein anderer: körperlos, Śiva, der Herr.
Kumārikākhaṇḍa 13.8
- tasyecchā nirgatā śaktirnādarūpā cidātmikā |
tayāsau nīyate tattve adhomūrtestu dhāraṇāt ||
Aus ihm ist seine Willenskraft hervorgegangen, die Śakti, deren Gestalt innerer Klang und deren Wesen Bewusstsein ist. Durch sie wird er zum Prinzip des bedingten Daseins geführt, indem er seine niedere Gestalt vergegenwärtigt.
Kumārikākhaṇḍa 13.9
- tattvairyuktā yadā bhāti tadā tanmayatāṃ gataḥ |
mūrtabhūto'pyamūrtastu svabhāvādapi nirmalaḥ ||
Wenn sie, mit den Wirklichkeitsprinzipien verbunden, erscheint, nimmt er deren Wesen an. Doch obwohl er eine Gestalt angenommen hat, ist er gestaltlos und von Natur aus unbefleckt.
Kumārikākhaṇḍa 13.10
- mahāmāyāśrito yasmāt tasmāt kartā sa karmaṇi |
jāyate vrajate dehe tattvairyuktamamalakaḥ ||
Weil er in Mahāmāyā eingegangen ist, handelt er im Bereich des Karma. Der Unbefleckte wird geboren und tritt in einen Leib ein, der mit den Wirklichkeitsprinzipien verbunden ist.
Kumārikākhaṇḍa 13.11
- māyātattvena lipastu tadā bhogāṃśca bhuñjati |
bhogyakṣaye bhavet duḥkhaṃ ramate pūrvadhiṣṭhitaḥ ||
Vom Māyā-Prinzip berührt, genießt er die Freuden. Vergeht das Genießbare, entsteht Leid; von seinem früheren Handeln bestimmt, erfreut er sich wieder.
Kumārikākhaṇḍa 13.12
- māyājaṃ karmajaṃ caiva aihikaṃ tattvamāśritam |
trividhastu malaḥ proktaḥ sattvarajastameritaḥ ||
Dreifach wird die Verunreinigung genannt: die aus Māyā entstandene, die aus dem Handeln entstandene und die diesseitige, die sich auf das Wirklichkeitsprinzip stützt. Sie werden durch Sattva, Rajas und Tamas angetrieben.
Kumārikākhaṇḍa 13.13
- māyājaṃ sattvamārūḍhaṃ svābhāvikaṃ śivecchayā |
śaktyāveśena saṃprāpte samale tu yadātmani ||
Die aus Māyā entstandene Verunreinigung ruht auf Sattva und gehört durch Śivas Willen zur eigenen Natur. Wenn durch das Eindringen der Śakti das Selbst verunreinigt ist,
Kumārikākhaṇḍa 13.14
- tadā karmajasaṃprāptiḥ bhāvasaṃsthiticitpure |
tadā saṃbhavate bhūya aihikastu mahāmalaḥ ||
entsteht die aus dem Handeln hervorgehende Verunreinigung in der Bewusstseinsstadt des bedingten Daseins. Dann entsteht wiederum die große diesseitige Verunreinigung.
Kumārikākhaṇḍa 13.15
- tasyaiva dahanaṃ kuryāt śaktipātena mantravit |
parānandasvarūpeṇa śaktinākramya pūrvavat ||
Der Mantrakundige lasse eben diese verbrennen durch Śaktipāta, das Herabkommen der Kraft, in der Gestalt höchster Wonne, nachdem er wie zuvor mit der Kraft eingedrungen ist.
Kumārikākhaṇḍa 13.16
- ākrāntaṃ pūrvakāraṇaṃ adhordhvaṃ ca vighaṭṭitam |
śaktirdīpaśikhākārā ānandatvaṃ samuddharet ||
Wenn die frühere Ursache durchdrungen und nach unten und oben aufgebrochen ist, lasse die Śakti, einer Lampenflamme gleich, den Zustand der Wonne hervortreten.
Kumārikākhaṇḍa 13.17
- mahāmāyā malastatra śodhyādhvani ca līlayā |
nīyate tena sā ūrdhve ūrṇātantuninādavat ||
Dort ist Mahāmāyā als Verunreinigung. Spielerisch wird sie durch ihn auf dem Weg des zu Reinigenden aufwärtsgeführt, wie ein Widerhall entlang eines Spinnenfadens.
Kumārikākhaṇḍa 13.18
- brahmaghoṣeṇa balavān prāktanaṃ yanmalaṃ dahet |
tasyordhve paramā śaktiḥ śivena saha saṃsthitā ||
Der Kraftvolle verbrenne die frühere Verunreinigung durch den Brahmanlaut. Oberhalb davon ruht die höchste Śakti zusammen mit Śiva.
Kumārikākhaṇḍa 13.19
- līyate parame vyomni pare dhāmni vinikṣipet |
aihikaṃ śodhayet tatra malastyajati kāñcanam ||
Sie löst sich im höchsten Raum auf; man lasse sie in die höchste Wohnstatt eingehen. Dort reinige man die diesseitige Verunreinigung: Die Schlacke verlässt das Gold,
Kumārikākhaṇḍa 13.20
- trividhastu samāsena śivena paramātmanā |
śaktisaṃgamakāle tu prāptametanmalatrayam ||
die dreifache Verunreinigung insgesamt, durch Śiva, das höchste Selbst. Diese drei Verunreinigungen wurden zur Zeit der Vereinigung mit der Śakti angenommen.
Kumārikākhaṇḍa 13.21
- ātmāntare kṛtaṃ śūnyaṃ rudraśaktiprabhāvataḥ |
malaśuddhistadā tasya nirmalatvaṃ prapadyate ||
Durch die Macht der Rudra-Śakti entsteht im Inneren des Selbst die Leere. Dann geschieht seine Reinigung von Verunreinigung, und es erlangt Reinheit.
Kumārikākhaṇḍa 13.22
- prakṛtistho yadā muñcejjanmasaṃsārabandhanāt |
ātmanātmā purā śodhyaḥ śaktipātena pratyayāt ||
Wenn jemand, der in Prakṛti, der Natur, steht, von der Bindung an Geburt und Daseinskreislauf frei werden will, muss zuvor das Selbst durch das Selbst gereinigt werden: durch das Herabkommen der Kraft und durch Verwirklichung.
Kumārikākhaṇḍa 13.23
- tadā malakṣayaṃ tasya dehaṃ tiṣṭhati kevalam |
tattvairyukto yadā yuktaḥ puṇyapāpakṣaye sati ||
Dann schwindet seine Verunreinigung, und allein der Leib bleibt bestehen. Wenn der mit den Wirklichkeitsprinzipien Verbundene von ihnen gelöst ist [Lesung unsicher], wenn Verdienst und Verfehlung erschöpft sind
Kumārikākhaṇḍa 13.24
- karmakṣaye'pi saṃprāpte muktirasti na saṃśayaḥ |
viśuddhaṃ kāñcanaṃ yadvannāgasaṃgād vinaśyati ||
und auch das Karma erschöpft ist, besteht Befreiung, daran ist kein Zweifel. Wie reines Gold durch die Verbindung mit Blei verdorben wird,
Kumārikākhaṇḍa 13.25
- evaṃ viśuddhaśāntātmā māyāsaṃgād vinaśyati |
dīkṣāmātreṇa śiṣyasya saṃbhaved gatiruttamā ||
so wird das reine, friedvolle Selbst durch die Verbindung mit Māyā verdorben. Schon durch die Einweihung kann dem Schüler der höchste Zustand zuteilwerden.
Kumārikākhaṇḍa 13.26
- śaktipātena saṃśuddhirmalastyajati kāñcanam |
trividhastu samāsena śivena paramātmanā ||
Durch das Herabkommen der Kraft geschieht Reinigung: Die Schlacke verlässt das Gold. Die dreifache Verunreinigung wird insgesamt durch Śiva, das höchste Selbst,
Kumārikākhaṇḍa 13.27
- tyajyate vedhapākena mantrābhyāsena līlayā |
malapākamidaṃ proktaṃ trividhaṃ trisvarūptaḥ ||
spielerisch aufgegeben, indem sie durch das Durchdringen reift und durch Mantraübung. Dies wird das Reifen der Verunreinigung genannt, dreifach entsprechend ihren drei Formen.
Kumārikākhaṇḍa 13.28
- sthūlaṃ sūkṣmaṃ paraṃ caiva bhittvā śuddhatanurbhavet |
satatābhyāsayogena vidraveta malatrayam ||
Hat man das Grobe, Feine und Höchste durchdrungen, erlangt man einen reinen Leib. Durch den Yoga beständiger Übung lasse man die drei Verunreinigungen zerschmelzen.
Kumārikākhaṇḍa 13.29
- māyāmalavinirmuktaḥ sa bhavet jñānacakṣuṣā |
jīvanmuktastu yogīśo'yaṃ yadā carate śivaḥ ||
Durch das Auge der Erkenntnis wird man von Māyās Verunreinigung frei. Wenn Śiva handelt, ist dieser Herr der Yogis schon zu Lebzeiten befreit.
Kumārikākhaṇḍa 13.30
- tena tasya na lepo'sti padmapatramivāmbhasi |
bindumadhyagatasyaiva tattvairyuktasya cecchayā ||
Daher wird er nicht befleckt, wie ein Lotusblatt im Wasser. Obwohl er im Inneren des Bindu weilt und aus eigenem Willen mit den Wirklichkeitsprinzipien verbunden ist,
Kumārikākhaṇḍa 13.31
- śivasyaiva na lepo'sti yogābhyāsācca tattvavit |
pratyayājñāsvarūpeṇa viddhasyaivaṃ malakṣayam ||
wird Śiva nicht befleckt. Durch Yogaübung erkennt man die Wirklichkeit. So schwindet die Verunreinigung dessen, der durchdrungen wurde, durch das Wesen der Ājñā, die Verwirklichung bewirkt.
Kumārikākhaṇḍa 13.32
- saṃsārāvadhi saṃprāpya tattvaṃ yāsyati vyutkramāt |
pṛthivī pārthive yāti āpo varuṇamaṇḍale ||
Hat man die Grenze des Daseinskreislaufs erreicht, gelangt man in umgekehrter Folge zur Wirklichkeit. Erde geht in das Erdprinzip ein, Wasser in den Kreis Varuṇas.
Kumārikākhaṇḍa 13.33
- tejo hyagnau layaṃ yāti māruto vāyumaṇḍale |
ākāśaṃ vyomni madhye tu vrajate tattvapañcakam ||
Feuerglut löst sich im Feuer auf, Wind im Kreis des Windes. Der Raum geht in die Mitte des Himmelsraums ein. Das ist die Gruppe der fünf Wirklichkeitsprinzipien.
Kumārikākhaṇḍa 13.34
- śabdaṃ līyate cākāśe sparśaṃ vai vāyumūrdhani |
rasaṃ vai jalamadhye tu rūpaṃ tejomukhe hutam ||
Klang löst sich im Raum auf, Berührung im Haupt des Windes, Geschmack in der Mitte des Wassers; sichtbare Form wird dem Mund des Feuers geopfert.
Kumārikākhaṇḍa 13.35
- pārthive līyate gandhaṃ tanmātramiti pañcakam |
vācā vāgīśvare tattve pāṇiḥ karaṇapañcake ||
Geruch löst sich im Erdprinzip auf. Dies sind die fünf feinen Elemente. Die Rede geht in das Prinzip Vāgīśvaras ein, die Hand in die Gruppe der fünf Werkzeuge.
Kumārikākhaṇḍa 13.36
- pādau līyati pātāle pāyurvai vāyumaṇḍale |
upasthaṃ vyomni madhye tu ityetat karmapañcakam ||
Die Füße lösen sich in der Unterwelt auf, der After im Kreis des Windes, das Geschlechtsorgan in der Mitte des Himmelsraums. Dies sind die fünf Handlungsvermögen.
Kumārikākhaṇḍa 13.37
- buddhīndriyeṣu saṃparkāt tallayaṃ ca tathā bhavet |
śrotraṃ līyati śabde'smin tvacaṃ ca piśite tathā ||
Entsprechend geschieht die Auflösung bei den Erkenntnissinnen durch ihre Verbindung. Das Ohr löst sich in diesem Klang auf und ebenso die Haut im Fleisch.
Kumārikākhaṇḍa 13.38
- cakṣurlīyati candrārke jihvā vai rāhumaṇḍale |
nāsikā gandhatattve tu ata ūrdhvaṃ catuṣṭayam ||
Das Auge löst sich in Mond und Sonne auf, die Zunge im Kreis Rāhus, die Nase im Prinzip des Geruchs. Darüber folgt die Vierergruppe.
Kumārikākhaṇḍa 13.39
- mano līyati bindau ca vidyātattve dhiyaḥ punaḥ |
ahaṃkāraḥ śivasyānte prakṛteḥ sarvato layaḥ ||
Das Denken löst sich im Bindu auf, die Einsichten wiederum im Prinzip der Erkenntnis, das Ichbewusstsein an Śivas äußerster Grenze; Prakṛti löst sich überall auf.
Kumārikākhaṇḍa 13.40
- dharmakāmārthavaśagaṃ caturviṃśātmakaṃ kulam |
layaṃ yāti iḍāpātre mokṣavarge caturthake ||
Die aus vierundzwanzig Prinzipien bestehende Gesamtheit, die unter der Macht von Dharma, Begehren und weltlichem Nutzen steht, löst sich im Opfergefäß Iḍā auf, im vierten Lebensziel, der Befreiung.
Kumārikākhaṇḍa 13.41
- śaktipātena saṃpātāt śiṣyasya vinivartate |
vrajate māyayā rikto kailāsaṃ sarvamūrdhani ||
Durch die Herabkunft der Kraft schwindet die Verunreinigung des Schülers. Frei von Māyā gelangt er zum Kailāsa, auf dem Gipfel von allem.
Kumārikākhaṇḍa 13.42
- tena mṛtyuriyaṃ cātra caturviṃśātmakasya ca |
na mṛtyuḥ śivatattvasya apavargagatasya ca ||
Dies ist hier also der Tod dessen, was aus vierundzwanzig Prinzipien besteht. Für das Śiva-Prinzip, das zur Befreiung gelangt ist, gibt es keinen Tod.
Kumārikākhaṇḍa 13.43
- māyākaraṇavaikalye śaktipātena pratyayāt |
vidyate tacchivo hyeko darpaṇe ca yathā mukham ||
Wenn Māyā als Mittel der Bindung durch die Herabkunft der Kraft und durch Verwirklichung unwirksam wird, erscheint der eine Śiva wie ein Gesicht im Spiegel.
Kumārikākhaṇḍa 13.44
- abhītvā praviśet tatra kulasyāntargataḥ prabhuḥ |
jarāmaraṇanirmukto mokṣaṃ ca antajanmani ||
Ohne Furcht trete man dort ein [Lesung unsicher]. Der Herr ist im Inneren des Leibes, frei von Altern und Tod; Befreiung findet sich in der letzten Geburt.
Kumārikākhaṇḍa 13.45
- yathā ekamanekañca yogābhyāsena tattvavit |
pratyayājñāsvabhāvasya viddhasyaiva ca pratyayaḥ ||
Wie der Wirklichkeitskundige durch Yogaübung das Eine und das Viele erkennt, so ist die Verwirklichung dessen, der durchdrungen wurde und dessen Wesen die Verwirklichung bewirkende Ājñā ist.
Kumārikākhaṇḍa 13.46
- malapāte vaśaṃ prāpte muktīha kuladarśane |
na muktirhetuvādebhyo aviddhasya na tiṣṭhati ||
Wenn die Verunreinigung abgefallen und Meisterschaft erlangt ist, besteht hier, in der Kula-Lehre, Befreiung. Sie entsteht nicht durch Lehren der Beweisführung; dem nicht Durchdrungenen wird sie nicht zuteil.
Kumārikākhaṇḍa 13.47
- dīkṣāmantravihīnasya vinā ca malaśodhanam |
tasya pūrvavaśāt karma prasajyate muhurmuhuḥ ||
Wer weder Einweihung noch Mantra besitzt und ohne Reinigung der Verunreinigung ist, an den heftet sich aufgrund seines früheren Handelns das Karma immer wieder.
Kumārikākhaṇḍa 13.48
- malaṃ trividhamādhatte svayamātmāvaśottare |
aviditvā paraṃ tattvaṃ tatra baddho na mucyate ||
Das Selbst nimmt die dreifache Verunreinigung auf sich, wenn es seiner selbst nicht mächtig ist. Ohne die höchste Wirklichkeit zu erkennen, bleibt es dort gebunden und wird nicht frei.
Kumārikākhaṇḍa 13.49
- nopavāsāditīrthebhyo na vrataśodhitātmani |
anaśane somasūryarāhugraste raṇe'pi vā ||
Nicht durch Fasten, Wallfahrtsorte und Ähnliches, nicht durch ein mittels Gelübden gereinigtes Selbst, nicht durch Verzicht auf Nahrung, bei einer Verfinsterung von Mond oder Sonne durch Rāhu oder in der Schlacht,
Kumārikākhaṇḍa 13.50
- śaraṇāgatasaṃbandhe gograhe vā jalāgniṣu |
devāyatanamūleṣu vārāṇasyāṃ jaleśvare ||
nicht durch die Bindung an einen Schutzsuchenden, beim Ergreifen einer Kuh, in Wasser oder Feuer, am Fuß von Göttertempeln, in Vārāṇasī oder Jaleśvara,
Kumārikākhaṇḍa 13.51
- kedārādiṣu sarvatra kurukṣetre raṇe'pi vā |
na muktirasti bhūtānāṃ vṛthāḥ kliśyanti te janāḥ ||
in Kedāra und anderen Orten, überall, in Kurukṣetra oder auch in der Schlacht entsteht den Wesen Befreiung. Vergeblich mühen sich diese Menschen ab.
Kumārikākhaṇḍa 13.52
- kintu svargamavāpyante aṣṭadhāguṇo vartate |
ṛṇaśeṣaḥ pravartate martye bhuvanamaṇḍale ||
Sie erlangen jedoch den Himmel, und achtfache Kraft entfaltet sich. Eine Restschuld wirkt weiter in der Welt der Sterblichen.
Kumārikākhaṇḍa 13.53
- śubhāśubhe ca saṃprāpte bhuñjate sukhaduḥkhayoḥ |
karmakṣayaṃ vinā teṣāṃ kathaṃ muktirvidhīyate ||
Wenn Gutes und Schlechtes zur Reife kommt, erfahren sie Freude und Leid. Wie könnte ihnen Befreiung zuteilwerden, ohne dass ihr Karma erschöpft ist?
Kumārikākhaṇḍa 13.54
- dīkṣāmātrādanabhyāsāt śaktipātena niścayāt |
malaśuddhimavāpnoti kampastobhādipratyayān ||
Allein durch die Einweihung, auch ohne Übung, durch die Herabkunft der Kraft und Gewissheit erlangt man Reinigung von Verunreinigung und Verwirklichungszeichen wie Zittern, Erstarren und andere.
Kumārikākhaṇḍa 13.55
- bhuktīha sarvasāmānyā prakṛtiḥ puruṣecchayā |
prakṛtiḥ puruṣādhārā svakarmaṇā ihocyate ||
Genuss ist hier allen gemeinsam: Prakṛti wirkt nach dem Willen des Puruṣa. Prakṛti hat im Puruṣa ihren Grund; durch das eigene Handeln, so wird hier gelehrt, besteht sie.
Kumārikākhaṇḍa 13.56
- śūnye śūnyamanāśritya nirāśīti parigrahaḥ |
nāstibhāvapadāruhya bhāvasiddhistadā bhavet ||
Wenn man im Leeren einen leeren Geist ruhen lässt und den Zustand ohne Verlangen ergreift, gelangt man auf die Stufe des Nichtseins; dann entsteht die Vollendung des Seins.
Kumārikākhaṇḍa 13.57
- pratyakṣe bahikarmāṇi svayaṃ bhūtāni yāni vai |
tānyeva vidhipūrveṇa śodhyānyanena mantravit ||
Was an äußeren Handlungen und an Elementen unmittelbar vor Augen liegt, soll auf diese Weise nach der Vorschrift gereinigt werden, o Mantrakundiger.
Kumārikākhaṇḍa 13: Sprecherzeile (speaker_before_58)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 13.58
- evaṃ māyāśrito'nantamāyākarmasamuccayaḥ |
māyābījaṃ kathaṃ tasmāt vedhanaṃ bhuvanatraye ||
So ruht der Māyā-Keim in Māyā, eine Ansammlung endloser Māyā und endlosen Karmas. Wie kann daher in den drei Welten ein Durchdringen geschehen?
Kumārikākhaṇḍa 13.59
- tena saṃsmṛtamātreṇa kiṃ phalaṃ bhavate nṛṇām |
śarīrasya yathātathyaṃ saptadhātuvimiśraṇam ||
Welche Frucht erwächst den Menschen allein durch das Erinnern daran? Wie verhält es sich in Wahrheit mit dem Leib, mit der Verbindung seiner sieben Bestandteile,
Kumārikākhaṇḍa 13.60
- evaṃ tattvapramāṇaṃ tu asthināḍiparigraham |
kathaṃ vyaktapure cātra dehe dehe tathoditam ||
mit dem Umfang der Wirklichkeitsprinzipien und der Anordnung von Knochen und Kanälen? Wie ist all dies hier in der manifesten Wohnstatt, in jedem einzelnen Leib, entstanden?
Kumārikākhaṇḍa 13.61
- tathāvidharūpeṇa brūhi sarvaṃ tu me ume |
śrīvakrā uvāca
ādau tanvī parā devī daṇḍinī cārunanditā ||
Erkläre mir alles in seiner jeweiligen Gestalt, o Umā. — Zu Beginn ist die höchste Göttin schlank, einem Stab gleich, schön und von Wonne erfüllt,
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 13.62
- svarahīnā mahāmāyā prajvalantī śivāsane |
ṛjuḥ spaṣṭā mahaughena smaret tāṃ yonimudritām ||
lautlos: Mahāmāyā, die auf Śivas Sitz leuchtet. Gerade und klar vergegenwärtige man sie sich mit dem großen Strom, vom Siegel der Yoni geprägt.
Kumārikākhaṇḍa 13.63
- khecarīmūlamāśritya śivena saha jalpate |
nīyate hṛdguhānte ca kadambakusumatviṣā ||
An der Wurzel der Khecarī ruhend, spricht sie mit Śiva. Mit dem Leuchten einer Kadamba-Blüte wird sie ins Innere der Herzenshöhle geführt.
Kumārikākhaṇḍa 13.64
- saṃsmared jñānacandreṇa binducakre ca mūrdhani |
nīyate parame vyomni himakundendunirmalā ||
Man vergegenwärtige sie sich durch den Mond der Erkenntnis im Bindu-Kreis am Haupt. Rein wie Schnee, Kunda-Blüte und Mond wird sie in den höchsten Raum geführt.
Kumārikākhaṇḍa 13.65
- kṣīyamāṇāṃ smared vakrāṃ nāsikāgre layaṃ kuru |
sadānandamahaughaṃ tu vartate girijātmaje ||
Man denke an die schwindende Vakrā; lasse sie an der Nasenspitze zur Auflösung kommen. So besteht der große Strom beständiger Wonne im Sohn der Berggeborenen.
Kumārikākhaṇḍa 13.66
- māyāvidhvaṃsanaṃ samyak yogāveśanadhāraṇāt |
layotpattivipattiñca kṛtvā ācāravān bhavet ||
Durch rechtes Aufrechterhalten des Ergriffenseins im Yoga wird Māyā vernichtet. Nachdem man Auflösung, Entstehung und Vergehen bewirkt hat, ist man in der rechten Lebensführung gegründet.
Kumārikākhaṇḍa 13.67
- vidhvastamāyācaitanyā śuddhasphaṭikanirmalā |
karaṇena sadābhyāsād yoganidrā tato bhavet ||
Dann entsteht durch beständigen Einsatz des Mittels jener yogische Schlaf, der Yoganidrā heißt: Bewusstsein, in dem Māyā vernichtet ist, makellos wie reiner Kristall.
Kumārikākhaṇḍa 13.68
- māyākaraṇasaṃbandhaṃ kathitaṃ siddhihetave |
mumukṣūṇāṃ vimuktyarthaṃ śaktibhedaṃ parāparam ||
Der Zusammenhang von Māyā und den Mitteln ist erklärt, ebenso die höhere und niedere Unterscheidung der Kräfte: um Vollendung zu erlangen und die nach Befreiung Verlangenden zu befreien.
Kumārikākhaṇḍa 13: Sprecherzeile (speaker_before_69)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 13.69
- udayāstamanaṃ cādyaṃ tacca kramāt kathaṃ viduḥ |
nigrahānugrahe śākte āṇave śāmbhave krame ||
Wie erkennt man der Reihe nach Aufgang, Untergang und das Ursprüngliche, bei Bindung und Begnadung, in der Śākta-, Āṇava- und Śāmbhava-Folge?
Kumārikākhaṇḍa 13: Sprecherzeile (speaker_before_70)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 13.70
- nigrahasya ca saṃśuddhirantaryāge viśodhayet |
yā sā śivamayī pūrvaṃ uddhṛtā bhairavāgame ||
Die Bindung muss gereinigt werden; beim inneren Opfer reinige man sie. Jene von Śiva erfüllte Vidyā, die zuvor im Bhairava-Āgama herausgehoben wurde,
Kumārikākhaṇḍa 13.71
- tayā karmakṣayaḥ svāntadehe pūrvaṃ kramārcanāt |
śrīnātha uvāca
ādau karma kathaṃ proktaṃ kṣaye tasya kimoṣadhiḥ ||
bewirkt die Auflösung des Karma im eigenen inneren Leib, vor der Verehrung der Überlieferungsfolge. — Was wird zunächst als Karma bezeichnet, und was ist das Heilmittel zu seiner Auflösung?
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 13.72
- kathaṃ śuddhirmanuṣyāṇāṃ mokṣamārgaṃ kathaṃ vada |
śrīvakrā uvāca
tāntrikāḥ karmasaṃśuddhiṃ na vindanti yathātmanaḥ ||
Wie werden die Menschen gereinigt? Sage, wie verläuft der Weg zur Befreiung? — Weil die Tāntrikas keine Reinigung des eigenen Selbst vom Karma erlangen,
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 13.73
- tena teṣāṃ na muktīha astīti kulaśāsane |
prabhutve ca śivaḥ kartā bhūtagrāme caturvidhe ||
gibt es hier für sie keine Befreiung, wie sie in der Kula-Lehre besteht. In seiner Herrschaft ist Śiva der Handelnde in der vierfachen Gesamtheit der Wesen.
Kumārikākhaṇḍa 13.74
- paramātmā nirākāśaḥ sāvakāśāt samudbhavaḥ |
svayaṃbhū kāraṇaṃ loke śūnyabhūtamacetanam ||
Das höchste Selbst ist raumlos; aus dem mit Raum Versehenen geht das Entstehen hervor. Die selbstentstandene Ursache in der Welt ist leer geworden und ohne Bewusstsein [Satzbezug unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 13.75
- asvatantraṃ yadā jīvaṃ cārācāravivarjitam |
śūnyabhūtātmakaṃ loke yogābhyāsāt pravartate ||
Das unfreie Lebewesen, dem rechtes und unrechtes Verhalten fehlen und dessen Wesen leer geworden ist, wird in der Welt durch Yogaübung tätig.
Kumārikākhaṇḍa 13.76
- tasyāpi cordhvacaitanyaṃ nimittaṃ jñānabhāskaram |
udayāstamanaikatve rājate bodharūpakam ||
Auch für dieses ist das höhere Bewusstsein die bewirkende Ursache, die Sonne der Erkenntnis. Im Einswerden von Aufgang und Untergang leuchtet die Erkenntnisgestalt
Kumārikākhaṇḍa 13.77
- kāmasya viṣatattvasya nirañjanāntargasya ca |
candrārkapratibimbaṃ ca niṣkalaṃ taritātmajam ||
des Begehrens, des Gift-Prinzips und dessen, was im Unbefleckten liegt: ein Spiegelbild von Mond und Sonne, ungegliedert, aus dem hinübergelangten Selbst geboren.
Kumārikākhaṇḍa 13.78
- tāpyamānaṃ svayaṃ tiṣṭhed bhārūpaṃ timirāpaham |
puruṣaḥ sarvasāmānyo bharaṇādapi bhairavaḥ ||
Aus sich selbst glühend ruht es als Lichtgestalt, die Dunkelheit vertreibt. Der Puruṣa ist allen gemeinsam; auch weil er alles trägt, ist er Bhairava.
Kumārikākhaṇḍa 13.79
- nirmalaḥ sakalo vyāpī kṣīramadhye yathā ghṛtam |
pracchannaṃ paramānandaṃ śivatattvaṃ nirañjanam ||
Unbefleckt, mit allen Kräften versehen und alles durchdringend wie Butter in der Milch, verborgen, höchste Wonne: so ist das makellose Śiva-Prinzip,
Kumārikākhaṇḍa 13.80
- abhedyamavyayaṃ śāntaṃ sarvoktaṃ sarvatomukham |
tasyecchā nirgatā śaktirṛjurekhā hyadhomukhī ||
unteilbar, unvergänglich, friedvoll, alles Gesagte, mit Gesichtern nach allen Seiten. Sein Wille ist als Śakti hervorgegangen, eine gerade Linie, nach unten gerichtet.
Kumārikākhaṇḍa 13.81
- visargamadhyagā bhīmā agnijvālā suvarcasā |
vyāpikā sṛṣṭimārgasya dharmādharmātmake pade ||
In der Mitte der Ausströmung ist sie schrecklich, eine Feuerflamme von schönem Glanz. Sie durchdringt den Schöpfungsweg auf der Ebene von Dharma und Adharma.
Kumārikākhaṇḍa 13.82
- svābhāvikī kalā māyā sṛṣṭihetoḥ samudbhavā |
guṇatrayadharātyugrā nādarūpā manonmanī ||
Sie ist Māyā, die der eigenen Natur zugehörige Kraft, zum Zweck der Schöpfung entstanden. Sie trägt die drei Guṇas, ist überaus gewaltig, klanggestaltig und Manonmanī, Geist jenseits des Denkens.
Kumārikākhaṇḍa 13.83
- daṇḍākārā nirākārā sākārā śivadevatā |
māyāmalamidaṃ karma niṣkalasya samudbhavam ||
Stabgestaltig, gestaltlos und gestaltet ist diese Gottheit Śivas. Dieses Karma, die Verunreinigung der Māyā, geht aus dem Niṣkala, dem Ungegliederten, hervor.
Kumārikākhaṇḍa 13.84
- tenāsau sakalo yogī māyātattvoparisthitaḥ |
evaṃ māyāmalaṃ pūrvaṃ bandhanaṃ tasya nāmataḥ ||
Dadurch ist jener Yogi, der über dem Māyā-Prinzip steht, mit Kraft versehen. So heißt seine erste Bindung Māyās Verunreinigung;
Kumārikākhaṇḍa 13.85
- sṛṣṭeḥ sthiteśca saṃhāre kartṛtve karmapāśakam |
pañcabhautikabrahmādyāḥ saṃsṛṣṭeravatārakāḥ ||
beim Handeln in Schöpfung, Erhaltung und Auflösung besteht die Fessel des Karma. Brahmā und die übrigen, den fünf Elementen zugehörig, bringen die Entfaltung des Daseins hervor.
Kumārikākhaṇḍa 13.86
- kṛtrimaṃ sahajaṃ naiva bhautamābhogaveṣṭitam |
māyāmohena saṃtaptaṃ bindurātmā jagottare ||
Das aus Elementen Bestehende ist hervorgebracht, nicht von selbst vorhanden, von Erfahrung umhüllt und von Māyās Verblendung gequält. Der Bindu ist das Selbst jenseits der Welt.
Kumārikākhaṇḍa 13.87
- sā caiva prakṛtirvyāpī karmabandhātmikī bhavet |
sa paśuḥ pāśabandhena ākrāntaḥ ca guṇatraye ||
Sie ist die alles durchdringende Prakṛti, deren Wesen zur Bindung durch Karma wird. Er ist das gefesselte Wesen, von der Bindung der Fesseln ergriffen, inmitten der drei Guṇas.
Kumārikākhaṇḍa 13.88
- sattvena kurute karma kāmaśca rajavartinaḥ |
tamāviṣṭaḥ smaret pāpān sukhaduḥkhavaśaṃgataḥ ||
Durch Sattva handelt er; Begehren weilt in Rajas. Von Tamas durchdrungen, denkt er an Verfehlungen und gerät unter die Macht von Freude und Leid.
Kumārikākhaṇḍa 13.89
- bhuñjate svarganarakaṃ aviditvā na mucyate |
sukṛtaṃ duṣkṛtaṃ bhuṃkte iṣṭāniṣṭaṃ manepsitam ||
Er erfährt Himmel und Hölle und wird, ohne zu erkennen, nicht befreit. Er erfährt gute und schlechte Taten, Erwünschtes und Unerwünschtes und das vom Geist Erstrebte [Wortdeutung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 13.90
- evaṃ mānāpamānau ca veditavyau malasya ca |
brāhme ca vaiṣṇave loke aindre caiva śaśiprabhe ||
So sind auch Ehre und Verachtung als der Verunreinigung zugehörig zu verstehen. In der Welt Brahmās und Viṣṇus, in der Indras und im Mondglanz,
Kumārikākhaṇḍa 13.91
- yakṣaloke ca gāndharve rakṣapaiśācike kule |
svarge cāṣṭavidhe karmabhogān bhuñjati bhairava ||
in der Welt der Yakṣas, der Gandharvas, im Geschlecht der Rākṣasas und Piśācas, in diesen acht Arten von Himmel erfährt er die Folgen seines Handelns, o Bhairava.
Kumārikākhaṇḍa 13.92
- aśubhe ca kṛte pāpe narakaṃ gacchate kṣaṇāt |
martyaloke mahāghore paśuyonau mṛge tathā ||
Wurde eine unheilvolle Verfehlung begangen, gelangt er augenblicklich in die Hölle. In der überaus schrecklichen Welt der Sterblichen, in tierischen Geburten, auch als Wildtier,
Kumārikākhaṇḍa 13.93
- patati narake ghore śarīṣu sthāvareṣvapi |
vyāpitaṃ karmapāśena sa vindati śubhāśubham ||
fällt er in schreckliche Höllen, auch in Śarī-Pflanzen und andere unbewegliche Wesen. Von der Karmaschnur umfangen, erfährt er Gutes und Schlechtes.
Kumārikākhaṇḍa 13.94
- tena karmavaśād yogī viśvarūpo maṇiryathā |
karmacchedena cābhyāsāt tadā nirvāṇamāviśet ||
So nimmt der Yogi unter dem Einfluss des Karma vielerlei Gestalt an, wie ein Edelstein. Durch das Durchschneiden des Karma und durch Übung tritt er dann ins Nirvāṇa ein.
Kumārikākhaṇḍa 13.95
- bhuvanāntargataḥ tiṣṭhed vyomavyāpī sa bhairavaḥ |
māyāvidhvastajīvākhyo apare paścime pure ||
Dieser Bhairava, der den Raum durchdringt, weilt inmitten der Welt. In der niederen Stadt des Westens heißt er das Lebewesen, dessen Māyā vernichtet ist.
Kumārikākhaṇḍa 13.96
- jāyate ratnatuṅge tu tena mokṣo vidhīyate |
iti jñātvā yathā tasya malapātaṃ tu kārayet ||
Er wird auf Ratnatuṅga, dem Juwelengipfel, geboren; dadurch geschieht Befreiung. Hat man dies erkannt, bewirke man das Abfallen seiner Verunreinigung.
Kumārikākhaṇḍa 13: Sprecherzeile (speaker_before_97)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 13.97
- evaṃ svābhāvikaṃ tasya karmāyattaṃ malatrayam |
prākṛtaṃ mānasaṃ caiva māyāmohād bhavārṇavam ||
So gehört seine dreifache Verunreinigung zur eigenen Natur und hängt vom Karma ab; der Ozean des Daseins, natürlich und geistig, entsteht durch Māyās Verblendung.
Kumārikākhaṇḍa 13.98
- kṣayaṃ teṣāṃ kathaṃ ugre krame'smin saṃpragīyate |
śrīvakrā uvāca
nirodhakaraṇaṃ kṛtvā pañcotthaṃ maṇḍalakramam ||
Wie wird ihre Auflösung in dieser Überlieferung gelehrt, o Gewaltige? — Man bereite das Mittel des Anhaltens, die aus fünf hervorgehende Folge der Maṇḍalas,
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 13.99
- yonimudrāṃ samāśritya bhairavīṃ māyayā yutām |
kumbhakakaraṇādhiṣṭhāya yenordhvaṃ * vrajenmaṇiḥ ||
stütze sich auf die mit Māyā verbundene Yoni-Mudrā der Bhairavī und ruhe im Verfahren des Kumbhaka, des Atemanhaltens, wodurch der Edelstein nach oben [Textlücke] gelangen soll.
Kumārikākhaṇḍa 13.100
- śanaiḥ śanairuparamed yāvad raudrīṃ ca mūrdhani |
tadāveśena jagato malavidhvaṃsanaṃ bhavet ||
Schritt für Schritt komme man zur Ruhe, bis zu Raudrī am Haupt. Durch dieses Ergriffensein wird die Verunreinigung der Welt vernichtet.
Kumārikākhaṇḍa 13.101
- māyāstamanametad vai nirmalaṃ kāñcanaṃ bhavet |
dhunanāveśanaṃ kampaṃ nidrā ghūrmiḥ pipīlikā ||
Dies ist das Untergehen der Māyā; man wird wie reines Gold. Schütteln, Ergriffensein, Zittern, Schlaf, Taumeln, Ameisenkribbeln,
Kumārikākhaṇḍa 13.102
- ekāṅganartanā bhāṣā aśrupātaṃ kuraṅgavat |
plutibhedaṃ siṃhaśabdaṃ ityekādaśa pratyayāḥ ||
Tanzen mit einem einzigen Glied, Sprache, Tränenfluss, verschiedenes Springen wie eine Gazelle und Löwenlaut: Dies sind die elf Zeichen der Verwirklichung.
Kumārikākhaṇḍa 13.103
- rudrabhāge pade prāpte turyordhve layatāṃ gate |
naśyanti sarvakarmāṇi tasmin dṛṣṭe parāpare ||
Wenn die Ebene des Rudra-Anteils erreicht und die Auflösung oberhalb des vierten Zustands eingetreten ist, vergehen alle Karmas, sobald das Höchste und zugleich Niedere geschaut wird.
Kumārikākhaṇḍa 13.104
- parānandasvarūpeṇa bhavedānandavigrahaḥ |
dahanāpyāyabhedo'yaṃ jñātvā karmakṣayo bhavet ||
In der Wesensgestalt höchster Wonne wird man zur Verkörperung der Wonne. Hat man diese Unterscheidung von Verbrennen und Nähren erkannt, wird das Karma aufgelöst.
Kumārikākhaṇḍa 13.105
- muktaṃ jñānāśritaṃ dehaṃ kṛtvā kramāt kramārcanam |
paśupāśavinirmuktaḥ patate jñānamaṇḍale ||
Nachdem man den auf Erkenntnis gegründeten Leib befreit und die Verehrung der Überlieferungsfolge der Reihe nach vollzogen hat, gelangt man, frei von den Fesseln des gebundenen Wesens, ins Maṇḍala der Erkenntnis.
Kumārikākhaṇḍa 13.106
- ājñāpratyayamāveśaṃ romāñcaṃ ca muhurmuhuḥ |
anvayaṃ pūjayennityaṃ anvayaṃ pūrvasaṃgraham ||
Die Ājñā, Verwirklichungszeichen, Ergriffensein und das Aufrichten der Körperhaare treten immer wieder ein. Man verehre beständig die Überlieferung, die aus dem Früheren zusammengetragen ist.
Kumārikākhaṇḍa 13.107
- muhurmuhuḥ kramābhyāsāllakṣajāpena khegatiḥ |
pañcamūrtidharendrasya śivasya dakṣiṇāpathe ||
Durch wiederholte Übung der Folge und ein Lakṣa von Rezitationen erlangt man das Wandeln im Raum. Im südlichen Land verehre man Śiva, den Herrn, der fünf Gestalten trägt,
Kumārikākhaṇḍa 13.108
- yadā kaliyuge ghore tadā taṃ pūjayet kramāt |
ityājñā malapātena niṣkalā sakalāgame ||
zur Zeit des schrecklichen Kali-Zeitalters in der rechten Folge. So ist die Ājñā durch das Abfallen der Verunreinigung ungegliedert und im gesamten Āgama gegenwärtig.
Kumārikākhaṇḍa 13.109
- gurvāmnāyena ityuktā na coktā anyadarśane |
mayāvatāritaṃ tubhyaṃ āśramaṃ kramapañcakam ||
So wird sie durch die Überlieferung der Lehrer gelehrt, in keiner anderen Lehrsicht. Ich habe für dich die Einsiedelei, die fünffache Überlieferungsfolge, herabgebracht.
Kumārikākhaṇḍa 13: Sprecherzeile (speaker_before_110)
- śrībhairava uvāca
Der erhabene Bhairava sprach:
Kumārikākhaṇḍa 13.110
- mahat karmavipākaṃ tu jñātamadya mayā sphuṭam |
dahanaṃ ca kathaṃ tasya olīnāṃ kramamaṇḍale ||
Heute habe ich die große Reifung des Karma klar erkannt. Wie aber geschieht dessen Verbrennen im Maṇḍala der Überlieferungslinien?
Kumārikākhaṇḍa 13: Sprecherzeile (speaker_before_111)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 13.111
- punaranyakrameṇaiva antaryāgasya nirṇayam |
krame'smin vṛddhakaumāre siddhaguhye kulakandare ||
Noch einmal folgt die Lehre vom inneren Opfer, nun nach einer anderen Folge: in dieser Überlieferung des Alten und des Jünglings, im Geheimnis der Siddhas, in der Höhle des Kula.
Kumārikākhaṇḍa 13.112
- kramasya pūrako mantrī vajrāviṣṭena sādhakaḥ |
svamudrāyoginīpāṇau kṛtvā cittamadhonmukham ||
Der Mantrakundige, der die Überlieferungsfolge erfüllt, ist als Sādhaka vom Vajra durchdrungen. Er wende seinen Geist nach unten und lege ihn in die Hand der Yoginī seiner eigenen Mudrā [Satzdeutung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 13.113
- mudrāmaḍalakaṃ vṛttaṃ āśramaṃ pārameśvaram |
taptahemamayaṃ śuddhaṃ tasya madhye ca vartulam ||
Das runde Mudrā-Maṇḍala ist die Einsiedelei des höchsten Herrn, aus glühendem Gold und rein. In seiner Mitte ist eine runde,
Kumārikākhaṇḍa 13.114
- āraktaṃ ravibimbaṃ tu dakṣāvartaparibhramāt |
tasya madhye'khaṇḍacakraṃ āraktaṃ jyotisannibham ||
rötliche Sonnenscheibe, die sich nach rechts dreht. In ihrer Mitte ist ein ungebrochener Kreis, rötlich und einem Lichtschein gleich.
Kumārikākhaṇḍa 13.115
- tasya madhye paraṃ dvīpaṃ gokṣīraṃ śāntavāruṇam |
bhramantaṃ saṃsmaret tatra olitritayaśāsane ||
In dessen Mitte ist die höchste Insel, wie Kuhmilch, friedvoll und wässrig. Dort vergegenwärtige man sich ihr Kreisen in der Lehre der drei Überlieferungslinien.
Kumārikākhaṇḍa 13.116
- janmacakre jagannātha tanmadhye bindumaṇḍalam |
alātapuṣpasaṃkāśaṃ vāmāvartaparibhramāt ||
Im Geburtskreis, o Herr der Welt, ist in dessen Mitte das Bindu-Maṇḍala. Indem es nach links kreist, gleicht es einer Blüte aus geschwungener Glut.
Kumārikākhaṇḍa 13.117
- tadantaragatā vidyā yā parā parameśvarī |
sā śaktirbhīmarūpeṇa jyotirūpā manonmanī ||
In ihm wohnt die Vidyā, Parā, die höchste Herrin. Sie ist Śakti in gewaltiger Gestalt, lichtgestaltig und Manonmanī, Geist jenseits des Denkens.
Kumārikākhaṇḍa 13.118
- dīpavartiśikhā ghorā jvālinī dhūmravarjitā |
rudrakoṭisahasrābhā rudraśaktiḥ parāparā ||
Sie ist die schreckliche Flamme eines Lampendochts, lodernd und ohne Rauch. Sie leuchtet wie tausend Koṭis von Rudras: Rudras Kraft, die Höchste und zugleich Niedere.
Kumārikākhaṇḍa 13.119
- rudrakoṭidharo binduḥ śaktirābhūmisaṃplavaḥ |
tasya tejaḥ parā śaktiḥ rudraśaktirmaheśvarī ||
Der Bindu trägt eine Koṭi von Rudras; die Śakti ist eine Flut bis hinab zur Erde. Sein Glanz ist die höchste Śakti, Rudras Kraft, die große Herrin.
Kumārikākhaṇḍa 13.120
- vakrarūpā śivendreṇa bhāvitājñāsvabhāvataḥ |
citsvarūpā vikāsā tu śrīdevī kulakubjikā ||
In gekrümmter Gestalt ist sie durch Śiva, den Herrn, vergegenwärtigt, ihrem Wesen nach Ājñā. Bewusstseinsgestaltig ist sie Vikāsā, die Entfaltung, die ehrwürdige Göttin Kulakubjikā.
Kumārikākhaṇḍa 13.121
- prajvalantī svakiraṇaiścaturbhiḥ raudramaṇḍale |
evaṃ tāṃ gūḍharodhena saṃsmaret kiraṇāvalīm ||
Mit ihren eigenen vier Strahlen leuchtet sie im Rudra-Maṇḍala. So vergegenwärtige man sich diese Strahlenreihe durch das verborgene Zurückhalten [Ausdruck unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 13.122
- niḥśvāsamekabhāvena śiṣyadehaṃ viśodhayet |
ākampo romaharṣaśca vartate dṛḍhamuṣṭinā ||
Durch das Einswerden des ausgeatmeten Atems reinige man den Leib des Schülers. Zittern und das Aufrichten der Körperhaare treten ein, mit fest geschlossener Faust.
Kumārikākhaṇḍa 13.123
- śaktitattve ca saṃprāpte samutthāpya śanaiḥ śanaiḥ |
madhyanāḍīpravāhena suṣumnānte yathā purā ||
Ist das Śakti-Prinzip erreicht, erhebe man sie allmählich durch den Strom der mittleren Bahn am Ende der Suṣumnā, wie zuvor,
Kumārikākhaṇḍa 13.124
- bhujaṅgakuṭilākārāṃ nābhisthāne praveśayet |
alātacakrarūpeṇa vāmāvartaparibhramāt ||
und lasse sie, einer gekrümmten Schlange gleich, in den Nabelort eintreten. In der Gestalt eines Glutkreises, durch Linksdrehung,
Kumārikākhaṇḍa 13.125
- nīyate ūrdhvamārgeṇa yāvad hṛdvyomapañcakam |
kṛtvā catuḥprakāreṇa vāmāvarteṇa sā kalā ||
wird sie auf dem oberen Weg bis zur Fünfergruppe des Herzensraums geführt. Hat man dies auf vierfache Weise nach links kreisend vollzogen, wird diese Kraft
Kumārikākhaṇḍa 13.126
- nīyate parame dhāmni anāmāpathamaṇḍale |
tasyordhve kṣīyamāṇāṃ ca merumaṇḍalamadhyataḥ ||
in die höchste Wohnstatt geführt, ins Maṇḍala des Weges des Namenlosen. Oberhalb davon schwindet sie, aus der Mitte des Meru-Maṇḍalas;
Kumārikākhaṇḍa 13.127
- catuḥprakārakramānte dhvanimātrāṃ praveśayet |
śaktiṃ vimalarūpeṇa uddharet kandamaṇḍalāt ||
man lasse sie als bloßen Widerhall in das Ende der vierfachen Folge eintreten. Die Śakti in reiner Gestalt erhebe man aus dem Kanda-Maṇḍala, dem Wurzelbereich.
Kumārikākhaṇḍa 13.128
- śanaiḥ śanairūrdhvamārge nādarūpāṃ layaṃ kuru |
udayaṃ bindumadhye tu evamastamanaṃ punaḥ ||
Lasse sie allmählich auf dem oberen Weg in ihrer Klanggestalt zur Auflösung kommen. In der Mitte des Bindu ist ihr Aufgang und ebenso wiederum ihr Untergang.
Kumārikākhaṇḍa 13.129
- tatraiva ūrdhvamārge tu śaktimādyāṃ layaṃ kuru |
ityājñāgamabhedena amāvāsyā pracoditā ||
Lasse die ursprüngliche Śakti dort auf dem oberen Weg zur Auflösung kommen. So wird nach der besonderen Überlieferung der Ājñā die Neumondkraft angeregt.
Kumārikākhaṇḍa 13.130
- etat karmavipākaṃ tu śaktyāveśanadhāraṇāt |
purakṣobhe tu saṃprāpte śiṣyāṇāṃ ca malakṣayam ||
Dies ist die Reifung des Karma durch das Aufrechterhalten des Ergriffenseins von Śakti. Wenn die Erschütterung des Leibes eintritt, schwindet die Verunreinigung der Schüler.
Kumārikākhaṇḍa 13.131
- yadā pravartate dehe tadā karmakṣayo bhavet |
etadākṣepadahanaṃ antaryāge pratiṣṭhitam ||
Wenn dies im Leib geschieht, wird das Karma aufgelöst. Dieses Zucken und Verbrennen ist im inneren Opfer begründet.
Kumārikākhaṇḍa 13.132
- parānandasvarūpeṇa bhramate kramanirṇayam |
prathamaṃ sthūlayāgasya sūkṣmamevānupaddhatiḥ ||
Als höchste Wonne bewegt sich die Verwirklichung der Überlieferungsfolge. Zuerst steht das grobe Opfer; das feine folgt als weiterer Gang.
Kumārikākhaṇḍa 13.133
- ata ūrdhvaṃ pūrṇabhedaṃ punaranyakrameṇa tu |
āgamena pravakṣyāmi bhedāṣṭādaśabheditam ||
Darüber liegt der volle Zweig, wiederum nach einer anderen Folge. Ich werde ihn gemäß dem Āgama erklären, in achtzehn Unterteilungen gegliedert.
Kumārikākhaṇḍa 13.134
- ūrdhvasthānād bindumadhyād retorūpāṃ samuddharet |
upakṣīṇā tu yā pūrvaṃ sā pūrṇāmṛtavarṣiṇī ||
Vom oberen Ort, aus der Mitte des Bindu, erhebe man sie in Samengestalt. Die zuvor dahingeschwunden war, lässt nun den Nektar der Fülle herabregnen.
Kumārikākhaṇḍa 13.135
- vakraśaktiranantātmā saumyarūpā vicintitā |
saṃhārasyāgame sṛṣṭiściñciṇī paramā kalā ||
Die gekrümmte Kraft wird als grenzenlos und sanftgestaltig betrachtet. Sie ist Schöpfung beim Eintreten der Auflösung: Ciñciṇī, die höchste Kraft.
Kumārikākhaṇḍa 13.136
- ānayecca anāmānte tu kṣīrakaṇikopamām |
tato'bhiṣekastenaiva prāksvarūpeṇa devatā ||
Man führe sie bis ans Ende des Namenlosen, einem Milchtropfen gleich. Dann geschieht eben dadurch die Weihe. Die Gottheit in ihrer früheren Gestalt,
Kumārikākhaṇḍa 13.137
- hṛccakre pūrṇasaṃsthāne pūrṇacandrasamaprabhā |
evaṃ sañcintya cittena svacakre tu praveśayet ||
im Herzenskreis, dem Ort der Fülle, dem Vollmond an Glanz gleich: Hat man sie so im Geist vergegenwärtigt, lasse man sie in ihren eigenen Kreis eintreten.
Kumārikākhaṇḍa 13.138
- prahasantī parānandā dravate sābhinanditā |
citsvarūpātmikā śaktiranāmānāmamaṇḍale ||
Lachend, höchste Wonne und freudig begrüßt, verflüssigt sie sich. Die Śakti, deren Wesen Bewusstsein ist, ist die Namenlose im Maṇḍala des Namenlosen.
Kumārikākhaṇḍa 13.139
- tenāmṛtabharā tṛptiḥ paurṇamāsī pravartate |
āgamaṃ sṛṣtibhedena etadājñābhiṣecanam ||
Dadurch entsteht nektarerfüllte Sättigung, die Vollmondnacht. Dieses Eingehen in der Weise der Schöpfung ist die Weihe der Ājñā.
Kumārikākhaṇḍa 13.140
- gamāgamena saṃśodhya paścāt kuryāt kramārcanam |
kriyāpādasya prathamaṃ śaktyāveśamihocyate ||
Nach der Reinigung durch Gehen und Kommen vollziehe man die Verehrung der Überlieferungsfolge. Das Ergriffensein von Śakti wird hier als Beginn des Ritualabschnitts bezeichnet.
Kumārikākhaṇḍa 13.141
- hṛtsvarūpaṃ kharūpaṃ ca yogabhedaṃ parāparam |
kramasadbhāvamatyantamudritamādyapīṭhake ||
Die Gestalt des Herzens und die Gestalt des Raumes, die höhere und niedere Weise des Yoga: Dies ist das tiefste Wesen der Folge, im ursprünglichen heiligen Sitz fest versiegelt.
Kumārikākhaṇḍa 13.142
- iti ādyāvatāraṃ tu mahābhairavayajñake |
mokṣamārgakramaṃ cakre āgamenāvatāritam ||
So ist die ursprüngliche Herabkunft im großen Opfer Bhairavas: Die Folge des Befreiungsweges im Kreis wurde durch den Āgama herabgebracht.
Kumārikākhaṇḍa 13.143
- evaṃ devyākramaṃ sūtraṃ mānasayāgasaṃkulam |
abhyaset satataṃ yastu sa yogī pāśaho bhavet ||
Dies ist das Sūtra der Überlieferungsfolge der Göttin, erfüllt vom geistigen Opfer. Der Yogi, der es beständig übt, wird zum Zerstörer der Fesseln.
Kumārikākhaṇḍa 13.144
- jīvanmuktidharaḥ śrīmān pāpaṃ pūrvaṃ na lipyate |
vargaikena tu abhyāsād dvitripañcabhirvartate ||
Der Ehrwürdige trägt Befreiung zu Lebzeiten; frühere Verfehlungen beflecken ihn nicht. Durch Übung mit einer Abteilung besteht er mit zweien, dreien und fünfen [Bezug unklar].
Kumārikākhaṇḍa 13.145
- ātmanaḥ smaraṇādeva brahmaghnaḥ siddhimāpnuyāt |
kiṃ punarbhāvaśuddhātmā gurvājñāpratipālakaḥ ||
Schon durch das Erinnern an das Selbst kann selbst ein Brahmanentöter Vollendung erlangen. Wie viel mehr einer, dessen Inneres rein ist und der den Auftrag des Lehrers bewahrt!
Kumārikākhaṇḍa 13.146
- tasmāt sūkṣmaśarīraṃ tu prākṛtaṃ ṣaḍvidhaṃ bhavet |
japtvā lakṣāṇi dvātriṃśad vartate mudramaṇḍale ||
Daher ist der feine, aus Prakṛti hervorgegangene Leib sechsfach. Nach zweiunddreißig Lakṣas von Rezitationen weilt man im Mudrā-Maṇḍala.
Kumārikākhaṇḍa 13.147
- bhūmityāgaṃ purakṣobhaṃ mudrāsphoṭādipratyayam |
cālanāveśanaṃ kampaṃ parasaṃkramaṇo'pi vā ||
Sich vom Boden lösen, Erschütterung des Leibes, das Aufbrechen der Mudrā und andere Verwirklichungszeichen, Bewegen, Ergriffensein, Zittern oder auch der Übergang in einen anderen:
Kumārikākhaṇḍa 13.148
- pratyakṣamaṇimādyaṣṭau vartante pratyayāni vai |
taḍitkoṭisvarūpeṇa dhyānamātreṇa saṃgatiḥ ||
Die acht Kräfte, angefangen mit dem Kleinwerden, treten unmittelbar als Verwirklichungszeichen auf. In einer Gestalt wie eine Koṭi von Blitzen geschieht Begegnung allein durch Meditation.
Kumārikākhaṇḍa 13.149
- stambhanaṃ parasainyānāṃ sarvakarmāṇi kārayet |
atītānāgataṃ kiñcid vartamānaṃ parāparam ||
Man bewirkt das Stilllegen fremder Heere und alle übrigen Handlungen. Was vergangen, künftig oder gegenwärtig ist, Höchstes und Niederes,
Kumārikākhaṇḍa 13.150
- dūrāt śravaṇavijñānaṃ kaulabhāṣāpravartanam |
kramasyordhve kramāmnāyaṃ paraṃ sūkṣmaṃ dvidhā bhavet ||
das Hören aus der Ferne, Erkenntnis und das Sprechen der Kaula-Sprache werden möglich. Oberhalb der Folge ist die Überlieferung des Krama zweifach: höchst und fein.
Kumārikākhaṇḍa 13.151
- sūkṣmaṃ dehodbhavaṃ sthūlaṃ dvācatvāriṃśatī kramāt |
tacchakāśād viniṣkrāntaṃ kramārthaṃ maṇḍale traye ||
Das Feine entsteht aus dem Leib; das Grobe ist nach der Folge zweiundvierzigfach. Aus dessen Gegenwart ist der Sinn der Überlieferungsfolge in den drei Maṇḍalas hervorgegangen.
Kumārikākhaṇḍa 13.152
- jñātvā pūrvakramaṃ yogaṃ paścādājñābhiṣecanam |
pratyayena yadā siddhistadāsau kramapūjakaḥ ||
Nachdem man den Yoga als vorausgehende Folge erkannt hat, folgt die Weihe der Ājñā. Wenn Vollendung mit Verwirklichung eintritt, dann ist man ein Verehrer der Überlieferungsfolge.
Kumārikākhaṇḍa 13: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre kādibhede malakṣayādhikāravarṇane kramodayo nāmānandaḥ || 13 ||
So endet die dreizehnte Wonne namens „Das Hervortreten der Überlieferungsfolge“, in der Darstellung des Abschnitts über das Schwinden der Verunreinigung, in der Kādi-Abteilung der ursprünglichen Herabkunft.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 14
Kumārikākhaṇḍa 14: Kapitelkopf (heading)
- caturdaśānandaḥ
Vierzehnte Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 14: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīkaulīśa uvāca
Der erhabene Kaulīśa sprach:
Kumārikākhaṇḍa 14.1
- anujñāto'bhiṣiktastu vīro vīratvamicchataḥ |
cared vidyāvrataṃ mantrī yathāvad vidhipūrvataḥ ||
Der geweihte und dazu ermächtigte Held, der nach der vollen Heldenstellung verlangt, soll als Mantrakundiger das Vidyā-Gelübde ordnungsgemäß nach der Vorschrift erfüllen.
Kumārikākhaṇḍa 14.2
- tadahaṃ śrotumicchāmi vidyāvratamanuttamam |
śrīvakrā uvāca
śṛṇu deva pravakṣyāmi vidyāyā vratamuttamam ||
Von diesem unübertrefflichen Vidyā-Gelübde möchte ich hören. — Höre, o Gott, ich werde das vorzügliche Gelübde der Vidyā erklären.
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 14.3
- jaṭī muṇḍī śikhī vāpi snātako brahmacāriṇaḥ |
bāhyavrataṃ prakartavyaṃ kaulikācāragopitam ||
Ob man verfilztes Haar, einen geschorenen Kopf oder eine Haarlocke trägt, ob man rituell badet oder keusch lebt: Das äußere Gelübde ist zu erfüllen, wobei die Kaula-Praxis verborgen bleibt.
Kumārikākhaṇḍa 14.4
- kramastho'pi vratastho vā sarvāvastho'pi siddhyati |
pañcamudrādharo yogī bhasmaniṣṭho digambaraḥ ||
Ob man in der Überlieferungsfolge oder im Gelübde steht, in jedem Zustand kann man Vollendung erlangen: als Yogi, der die fünf Insignien trägt, sich mit Asche bedeckt und nackt ist,
Kumārikākhaṇḍa 14.5
- cīravalkaladhārī vā sarvābharaṇabhūṣitaḥ |
raktavastrapaṭo vāpi svecchāveṣadharo'pi vā ||
als Träger von Lumpen oder Baumrinde, mit allem Schmuck geschmückt, in rote Tücher gekleidet oder in beliebiger selbstgewählter Tracht.
Kumārikākhaṇḍa 14.6
- yena yena hi veśeṇa vartate sādhakottamaḥ |
tat tadeva vrataṃ proktaṃ iti śāstrasya niścayaḥ ||
In welcher Tracht der beste Sādhaka auch lebt, eben diese wird als sein Gelübde bezeichnet. So lautet die Entscheidung der Schrift.
Kumārikākhaṇḍa 14.7
- yad yadābharaṇaṃ tasya yad vā vadati vācayā |
karmaṇā yat kṛtaṃ tasya kramācchādanacaryayā ||
Welchen Schmuck er trägt, was er mit seiner Stimme sagt und was er handelnd vollzieht, indem er durch seine Lebensführung die Überlieferungsfolge verhüllt:
Kumārikākhaṇḍa 14.8
- etad bāhyavrataṃ caryā antavratamanāmakam |
jaṭāvat sthāpayeccittaṃ bāhyavṛttyanapekṣaṇāt ||
Das ist das äußere Gelübde und Verhalten. Das innere Gelübde ist namenlos. Man verankere den Geist wie verfilztes Haar und kümmere sich nicht um äußeres Treiben.
Kumārikākhaṇḍa 14.9
- manamekāgraṃ yuñjīta ātmāmaṇḍalamabhyaset |
sā jaṭā na jaṭābhāraṃ vratīnāṃ kāyaśodhanam ||
Man sammle den Geist auf einen Punkt und übe sich im Maṇḍala des Selbst. Das ist die Haarflechte und die Reinigung des Leibes der Gelübdehaltenden, nicht eine Last verfilzter Haare.
Kumārikākhaṇḍa 14.10
- ājñāsmaraṇamātreṇa patate cchinnamūlavat |
na kiñcidapi jānāti na śṛṇoti na paśyati ||
Allein beim Erinnern an die Ājñā fällt man wie ein Baum mit abgeschnittener Wurzel. Man weiß nichts, hört nichts und sieht nichts.
Kumārikākhaṇḍa 14.11
- ityājñāmuṇḍito muṇḍī na muṇḍī keśamuṇḍitaḥ |
śikhā dīpopamā yasya vidyāhaṃ mahatārikā ||
So ist der durch die Ājñā Geschorene ein wahrhaft Geschorener, nicht der mit geschorenem Haar. Wessen Haarlocke einer Lampe gleicht – ich, Mahatārikā, bin die Vidyā –,
Kumārikākhaṇḍa 14.12
- paśyate yām samādhisthaḥ sā śikhā na śikhā śikhā |
bhasmībhūtaḥ kṛtaḥ karma maṇḍalāntararaśmabhiḥ ||
und der sie in Samādhi schaut: Das ist die wahre Haarlocke, nicht die Haarlocke aus Haaren. Das Karma wird durch die Strahlen im Inneren des Maṇḍalas zu Asche gemacht.
Kumārikākhaṇḍa 14.13
- dhyātvā malakṣayaṃ muktiretad bhasmaṃ nirāmayam |
ambaraṃ kathitākāśaṃ akhaṇḍaṃ śūnyamaṇḍalam ||
Wenn man das Schwinden der Verunreinigung betrachtet, ist dies Befreiung, die makellose Asche. Als Gewand wird der Raum bezeichnet, das ungebrochene Maṇḍala der Leere.
Kumārikākhaṇḍa 14.14
- tanmadhye cāṃkurāśaktistrikālabhuvanālayam |
digambaraṃ samākhyātaṃ nagno naiva digambaraḥ ||
In dessen Mitte ist die Kraft des Sprosses, die Wohnstatt der Welt in den drei Zeiten. Dies heißt „mit den Himmelsrichtungen bekleidet“; ein bloß Nackter ist nicht so bekleidet.
Kumārikākhaṇḍa 14.15
- paraṃ brahma kulaṃ kaulaṃ carate kulabhāvitaḥ |
sarvadvandvaparikṣīṇo brahmacaryavratī bhavet ||
Wer, vom Kula durchdrungen, im höchsten Brahman, im Kula und im Kaula wandelt und alle Gegensätze überwunden hat, hält das Gelübde des Brahmacarya.
Kumārikākhaṇḍa 14.16
- susnigdhaṃ yat paraṃ kiñcit kadambādhāranirmalam |
taṃ pītvā bhavate śuddhiḥ snānametanna cānyathā ||
Was dort als etwas Höchstes, überaus Mildes und Reines auf dem Kadamba gründet: Wer es trinkt, wird rein. Dies ist das Bad und nichts anderes.
Kumārikākhaṇḍa 14.17
- camaraṃ ciñciṇī madhye pure pure vibheditam |
tatroccāragatirjñeyā ramaṇī vīrasaṃjñayā ||
Der Yakschweif ist Ciñciṇī in der Mitte, in jeder Wohnstatt verschieden entfaltet. Dort ist ihr Aufsteigen zu erkennen, das Spiel der Liebenden mit dem sogenannten Helden [Satzdeutung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 14.18
- bāhyakramavinirmuktā dhārā cāmṛtavarṣiṇī |
samādhistho bhaved yogī ambarāmbaramambaraḥ ||
Frei von der äußeren Folge ist sie ein Strom, der Nektar regnen lässt. Der Yogi weile in Samādhi; sein Gewand sei der Raum des Raumes.
Kumārikākhaṇḍa 14.19
- valkalaṃ tat samākhyātaṃ na carma valkalaṃ bhavet |
kramabhedena tattvāni ye sthitāḥ sthānavigrahe ||
Dies wird als Rindengewand bezeichnet; die Haut des Baumes ist nicht das wahre Rindengewand. Die Wirklichkeitsprinzipien, die nach den Teilen der Folge in ihren jeweiligen Ortsgestalten bestehen,
Kumārikākhaṇḍa 14.20
- etadābharaṇaṃ proktaṃ na hemābharaṇaṃ bhavet |
kulaṃ sarvamukhaṃ jñātvā sarvābharaṇamucyate ||
heißen sein Schmuck; Goldschmuck ist nicht der wahre Schmuck. Erkennt man Kula mit seinen Gesichtern nach allen Seiten, dann heißt alles Schmuck.
Kumārikākhaṇḍa 14.21
- vidyā nāma parā śaktirdvibhirbhedairvyavasthitā |
cicchaktiriti siddhiḥ syāt sāvarṇā varṇagā śubhā ||
Vidyā heißt die höchste Śakti, die in zwei Weisen besteht. Erkennt man sie als Bewusstseinskraft, entsteht Vollendung. Sie ist buchstabenlos, wohnt in den Buchstaben und ist heilvoll.
Kumārikākhaṇḍa 14.22
- vidyāmārge cared yastu śāstradṛṣṭena karmaṇā |
dhyānaṃ pūjā japo homaḥ samayācaraṇaṃ tathā ||
Wer auf dem Weg der Vidyā durch schriftgemäßes Handeln wandelt – Meditation, Verehrung, Rezitation, Feueropfer und das Einhalten der Verpflichtungen –,
Kumārikākhaṇḍa 14.23
- etad vidyāvrataṃ proktaṃ bāhyavratamanuttamam |
vidyā jñeyā tu nābhisthā carate dvādaśāntagā ||
dessen Praxis heißt Vidyā-Gelübde, das unübertreffliche äußere Gelübde. Man erkenne die Vidyā im Nabel, die wandert und bis zum Ende der Zwölf gelangt,
Kumārikākhaṇḍa 14.24
- vratasthāneṣu sarveṣu tena vidyāvrataṃ mahat |
brahmā viṣṇuśca rudraśca īśvaraśca sadāśivaḥ ||
an allen Orten des Gelübdes; daher ist das Vidyā-Gelübde groß. Brahmā, Viṣṇu, Rudra, Īśvara und Sadāśiva:
Kumārikākhaṇḍa 14.25
- ete sthānā vratasyaiva yatra sā ramate parā |
taṃ jñātvā paramaṃ sthānaṃ cīrṇavidyāvrato hi saḥ ||
Dies sind die Orte des Gelübdes, an denen die höchste Göttin spielt. Wer diesen höchsten Ort erkannt hat, hat das Vidyā-Gelübde erfüllt.
Kumārikākhaṇḍa 14.26
- vidyā nāmākṣarā paṃktiḥ paṃktiścakre hyadhomukhī |
tāsāṃ raktavratasthaṃ tu ajñānapaṭacchedakam ||
Vidyā heißt die Reihe der Silben; diese Reihe richtet sich im Kreis nach unten. Das bei ihnen eingehaltene rote Gelübde durchschneidet das Tuch des Nichtwissens.
Kumārikākhaṇḍa 14.27
- antaraṅge paṭaṃ raktaṃ na bāhye paṭaraktakam |
raktapaṭaparīdhānaḥ ṣaṭprakāraprabodhakaḥ ||
Das rote Tuch liegt im Inneren; nicht außen ist das wahre rote Tuch. Wer in dieses rote Tuch gekleidet ist, erweckt das Sechsfache.
Kumārikākhaṇḍa 14.28
- kaulikavratasaṃjñeyaṃ na bāhyavratino bhavet |
pañcamudrādharo devaḥ pañcakāraṇakaṃ tataḥ ||
Dies heißt Kaula-Gelübde; es gehört nicht dem bloß äußerlich Gelübdehaltenden. Der Gott trägt die fünf Insignien und ist dadurch die fünffache Ursache.
Kumārikākhaṇḍa 14.29
- bhūṣito hṛdi saṃtiṣṭhet pañcamudrādharaḥ śivaḥ |
etaistu bhūṣito mantrī paryaṭet kṣetramāśritaḥ ||
Geschmückt weile Śiva im Herzen, der Träger der fünf Insignien. Mit diesen geschmückt ziehe der Mantrakundige umher, auf den heiligen Bezirk gestützt:
Kumārikākhaṇḍa 14.30
- śmaśāne kānane kūpe udyāne devakule śubhe |
śūnye rājagṛhe mantrī parvatāgre catuṣpathe ||
auf Verbrennungsstätten, im Wald, bei einem Brunnen, in einem Garten, in einem glückverheißenden Göttertempel, in einem leeren Königshaus, auf einem Berggipfel, an einer Vierwegekreuzung,
Kumārikākhaṇḍa 14.31
- tripathe grāmarathyāsu mahodadhitaṭe'thavā |
nadīsaṃgamatīre vā ekavṛkṣe'thavānagha ||
an einer Dreiwegekreuzung, auf Dorfstraßen, am Ufer des großen Meeres, an einem Flusszusammenfluss oder bei einem einzeln stehenden Baum, o Makelloser,
Kumārikākhaṇḍa 14.32
- ekaliṅge'thavā ṣaṇḍe kṣetreṣvaṣṭeṣu ca kramāt |
prayāgā varuṇā kollā aṭṭahāsā jayantikā ||
bei einem einzelnen Liṅga, in einem Dickicht oder der Reihe nach in den acht heiligen Bezirken: Prayāgā, Varuṇā, Kollā, Aṭṭahāsā, Jayantikā,
Kumārikākhaṇḍa 14.33
- caritraikāmrakaṃ caiva devīkoṭṭaṃ tathāṣṭamam |
eteṣu paryaṭenmantrī yoginīsiddhimicchataḥ ||
Caritra, Ekāmraka und als achtem Devīkoṭṭa. An diesen Orten ziehe der Mantrakundige umher, der die Vollendung der Yoginīs ersehnt.
Kumārikākhaṇḍa 14.34
- khaṭvāṅgadhāriṇo maunī vegāt paryaṭate sadā |
ḍamaru pāśakhaḍgaṃ vā triśūlaṃ kheṭakaṃ tathā ||
Den Khaṭvāṅga-Stab tragend, schweigend, ziehe er beständig mit Schwung umher. Eine Ḍamaru-Trommel, Schlinge und Schwert oder Dreizack und Schild,
Kumārikākhaṇḍa 14.35
- nārācaṃ kartarī cakraṃ aṃkuśaṃ muśalaṃ dhanuḥ |
gadā kaṭṭārikā śaktistathā daṇḍakamaṇḍalum ||
Pfeil, Schneidemesser, Wurfscheibe, Elefantenhaken, Keule, Bogen, Streitkolben, Dolch, Speer sowie Stab und Wassergefäß:
Kumārikākhaṇḍa 14.36
- evaṃ te cāyudhāḥ śreṣṭhāścaryākāle'pi dhārayet |
pañcadaivasikaṃ kāryaṃ astrasaṃkhyā vratottamā ||
Dies sind deine vorzüglichen Waffen; man trage sie während der Observanz. Sie ist fünf Tage lang zu vollziehen. Die Betrachtung der Waffen ist ein vorzügliches Gelübde.
Kumārikākhaṇḍa 14.37
- dvādaśāhaṃ carenmantrī pakṣamāsādito'pi vā |
ṣaṇmāsamathavābdaṃ vā dvirabdaṃ trīṇi eva vā ||
Der Mantrakundige übe zwölf Tage, eine Monatshälfte, einen Monat oder darüber hinaus, sechs Monate, ein Jahr, zwei oder drei Jahre.
Kumārikākhaṇḍa 14.38
- dvādaśābdaṃ carenmantrī brahmahā api siddhyati |
antaraṅge viśuddhātmā pāramparyaprabodhakaḥ ||
Er übe zwölf Jahre; selbst ein Brahmanentöter erlangt Vollendung. Wer im Inneren rein ist und die Überlieferungsfolge zum Erwachen bringt,
Kumārikākhaṇḍa 14.39
- acirāt siddhibhāgī syāt pāramparyeṇa mucyate |
abdaikena tu tu deveśa maṇḍalīkaiḥ prapūjyate ||
wird bald an der Vollendung teilhaben und durch die Überlieferung befreit. Nach einem Jahr, o Herr der Götter, wird er von Gebietsherrschern hoch verehrt.
Kumārikākhaṇḍa 14.40
- antaḥpuravaraiḥ sārdhaṃ rājātmā saparivaraḥ |
vaśaṃ yānti na saṃdeho uttamādhamamadhyamāḥ ||
Der König selbst mit seinem Gefolge und den Vorzüglichsten seines Harems gerät in seine Gewalt; die Höchsten, Niedrigsten und Mittleren, daran besteht kein Zweifel.
Kumārikākhaṇḍa 14.41
- dvirabdairyakṣakanyāśca kāmavihvalalocanāḥ |
āgacchanti pure tasya prāṇān muñcanti tatkṣaṇāt ||
Nach zwei Jahren kommen Yakṣa-Mädchen, deren Augen von Verlangen überwältigt sind, in seine Wohnstatt und geben augenblicklich ihr Leben auf.
Kumārikākhaṇḍa 14.42
- trirabdaiḥ saptapātālā ye ca devādikanyakāḥ |
vaśaṃ yānti madonmattā madavibhrāntalocanāḥ ||
Nach drei Jahren geraten die Göttermädchen und anderen Mädchen der sieben Unterwelten in seine Gewalt, berauscht von Leidenschaft, mit vor Erregung kreisenden Augen.
Kumārikākhaṇḍa 14.43
- mattamātaṅgagāminyo akṣayā yauvanodvahāḥ |
kṣubhyanti sādhakendrasya prāṇān muñcanti tatkṣaṇāt ||
Sie schreiten wie brünstige Elefantenkühe, tragen unvergängliche Jugend, werden beim vorzüglichen Sādhaka erregt und geben augenblicklich ihr Leben auf.
Kumārikākhaṇḍa 14.44
- catuḥ pañca tathā ṣaṭsu brahmalokādi sādhayet |
saptamābde varāroha rudrānte yā vyavasthitāḥ ||
In vier, fünf und sechs Jahren erlange er die Welt Brahmās und die weiteren Welten. Im siebten Jahr, o Schöngestalteter, gelangen diejenigen, die im Bereich Rudras weilen,
Kumārikākhaṇḍa 14.45
- siddhyanti sādhakendrasya iti śāstrasya niścayaḥ |
aṣṭame īśvarākhyaṃ tu navame tu sadāśivam ||
für den vorzüglichen Sādhaka zur Vollendung. So lautet die Entscheidung der Schrift. Im achten Jahr erlangt er den Īśvara genannten Bereich, im neunten den Sadāśivas.
Kumārikākhaṇḍa 14.46
- daśe vidyālayo bhūtvā krīḍate gagane mahān |
ekādaśairmahādeva rudrarūpatvamāpnuyāt ||
Im zehnten Jahr wird er zur Wohnstatt der Vidyā und spielt als ein Großer im Raum. Mit elf Jahren erlangt er Rudras Gestalt, o großer Gott.
Kumārikākhaṇḍa 14.47
- dvādaśairguṇasaṃyukto aṇimādisamāyutaḥ |
kramavidyādharo mantrī gacchate khecaraṃ padam ||
Mit zwölf Jahren besitzt er die Eigenschaften der Vollendung, ausgestattet mit Aṇimā und den anderen Fähigkeiten. Der Mantrakundige, der die Vidyā der Überlieferungsfolge trägt, gelangt zur Stätte des Himmelswanderers.
Kumārikākhaṇḍa 14.48
- akṣayo hyajayo yogī krīḍate sarvagaḥ śubhaḥ |
vratasya phalamevaṃ tu kathitaṃ tu tavānagha ||
Unvergänglich und unbesiegbar spielt der Yogi, allgegenwärtig und heilvoll. So habe ich dir, o Makelloser, die Frucht des Gelübdes erklärt.
Kumārikākhaṇḍa 14.49
- sāmprataṃ yogamārgaṃ tu sthānāśramaparigraham |
pravakṣyāmi yathāpūrvaṃ caryayā dehaśodhanam ||
Nun werde ich den Weg des Yoga erklären, die Einbeziehung der heiligen Orte und Einsiedeleien sowie, in der bisherigen Reihenfolge, die Reinigung des Leibes durch die Lebenspraxis.
Kumārikākhaṇḍa 14.50
- śmaśānaṃ ca gṛhaṃ nāma gṛhaṃ dehaṃ prakīrtitam |
aṭate tu aviśrāntaḥ śmaśāne gatacetasaḥ ||
Verbrennungsstätte heißt das Haus; Haus wird der Leib genannt. Unermüdlich wandert man auf dieser Verbrennungsstätte, den Geist darin versunken.
Kumārikākhaṇḍa 14.51
- kaṃ śarīramiti proktaṃ tasyānte nayanadvayam |
tābhyāṃ saṃpaśyate cātmā vāṅgamayaṃ sacarācaram ||
Ka wird der Körper genannt; an seinem Ende befinden sich die beiden Augen. Durch sie sieht das Selbst das aus Sprache Bestehende mitsamt allem Beweglichen und Unbeweglichen.
Kumārikākhaṇḍa 14.52
- kānanaṃ tena cākhyātaṃ kāyānte saṃvyavasthitam |
manaḥ kūpaṃ samuddiṣṭaṃ saṃkalpān kurute bahūn ||
Daher heißt es Kānana, Wald, an der Grenze des Leibes gelegen. Brunnen wird der Geist genannt, der viele Vorstellungen hervorbringt.
Kumārikākhaṇḍa 14.53
- tatrādhāre vrajet kṣetrī tena kūpaṃ tu viśrutam |
udyato mana nābhistho manyate sarvajantuṣu ||
Dort gehe der Herr des Körperfeldes zum Grund; deshalb ist dies als Brunnen bekannt. Der im Nabel befindliche, aufstrebende Geist denkt in allen Lebewesen.
Kumārikākhaṇḍa 14.54
- nayati padasaṃprāpte udyānastena ucyate |
dadāti tat padaṃ deva amṛtaṃ tu nabhogatam ||
Wenn die Stätte erreicht ist, führt er weiter; darum heißt dies Garten. Er gewährt jene unsterbliche Stätte im Raum, o Gott.
Kumārikākhaṇḍa 14.55
- kulānte carate yogī dharmādharmātmabandhayoḥ |
tena deva samākhyataṃ dehī devakulaṃ sadā ||
Im Inneren des Kula wandelt der Yogi, in den Bindungen von rechtem und unrechtem Handeln. Darum wird, o Gott, das verkörperte Selbst stets Göttertempel genannt.
Kumārikākhaṇḍa 14.56
- rājā ātmā samuddiṣṭaḥ tattvaiśca yuktacetasaḥ |
śabdādiguṇabhūyiṣṭho tattvasaṃdohabhūṣitaḥ ||
König wird das Selbst genannt, dessen Bewusstsein mit den Wirklichkeitsprinzipien verbunden ist, erfüllt von Klang und den übrigen Sinnesqualitäten, geschmückt mit der Gesamtheit der Prinzipien.
Kumārikākhaṇḍa 14.57
- tenāsau carate karma tenaiva saha gacchati |
unmanatve sadā yukto manaḥ śūnyamudāhṛtaḥ ||
Dadurch vollzieht es Handlungen und zieht mit eben diesem Karma weiter. Ist der Geist stets auf den Zustand jenseits des Denkens gerichtet, heißt er leer.
Kumārikākhaṇḍa 14.58
- śūnyaṃ rājagṛhaṃ tena unmanatve sadā priya |
parvataṃ guruvaktraṃ tu tasyāgramavalambayet ||
Darum ist das Königshaus leer: Es verweilt stets jenseits des Denkens, o Lieber. Der Berg ist der Mund des Gurus; auf seinen Gipfel soll man sich stützen.
Kumārikākhaṇḍa 14.59
- parvatāgre sthitaṃ tatra tena paryaṭate'khilam |
catuṣpathaṃ pravakṣyāmi vāmā jyeṣṭhā ca raudrikā ||
Dort auf dem Berggipfel verweilend, wandert man überall umher. Nun werde ich die Vierwegekreuzung erklären: Vāmā, Jyeṣṭhā und Raudrikā,
Kumārikākhaṇḍa 14.60
- ambikāyāḥ samāyuktaṃ aṭanaṃ pudgalasya tu |
catuṣpathaṃ samākhyātaṃ pathametadudāhṛtam ||
mit Ambikā verbunden, sind das Umherziehen der individuellen Seele. Dies heißt Vierwegekreuzung; so wird dieser Weg erklärt.
Kumārikākhaṇḍa 14.61
- pathaṃ nāḍītrayaṃ proktaṃ iḍādyaṃ tu maheśvara |
tripathe carate nityaṃ kurute gatirāgatim ||
Weg werden die drei Bahnen genannt, Iḍā und die anderen, o Maheśvara. Auf dem dreifachen Weg wandert man beständig, kommt und geht.
Kumārikākhaṇḍa 14.62
- tripathe caikabhāvastho yaḥ karoti sa siddhyati |
grāmaṃ dehamiti proktamātmā dehī iti smṛtaḥ ||
Wer dies tut und auf dem dreifachen Weg in der Einheit verweilt, erlangt Vollendung. Dorf wird der Leib genannt; das Selbst gilt als der im Leib Wohnende.
Kumārikākhaṇḍa 14.63
- ālayaṃ sarvasattvānāṃ sukhaduḥkhaparāparam |
gacchate adha ūrdhvaṃ tu rathyādhāro jagatpatiḥ ||
Es ist die Wohnstatt aller Wesen, von Freude und Leid, vom Höheren und Niedrigeren. Der Herr der Welt bewegt sich abwärts und aufwärts, auf die Straße gestützt.
Kumārikākhaṇḍa 14.64
- tena rathyā smṛtā nāḍī brahmādyā hyātmanaśca tu |
taṭaṃ tīraṃ samākhyātaṃ śivoccāraṃ nigadyate ||
Daher gilt die mit Brahmā beginnende Bahn des Selbst als Straße. Als Gestade wird das Ufer bezeichnet; es heißt Śivas Emporlautung.
Kumārikākhaṇḍa 14.65
- duḥkhāntaṃ tu layātītaṃ taṭamudadhisaṃjñakam |
carate vyāpako devaḥ śivaḥ paramakāraṇam ||
Das Ende des Leidens, jenseits der Auflösung, ist das Gestade, das als Meer bezeichnet wird. Dort wandelt der alldurchdringende Gott, Śiva, die höchste Ursache.
Kumārikākhaṇḍa 14.66
- tiṣṭhate satataṃ mantrī caryānte ca prakāśitā |
nadate sāsvarādhārā parā kuṇḍalinī tu yā ||
Der Mantrakundige verweilt dort beständig. Am Ende der Lebenspraxis offenbart sie sich: Die höchste Kuṇḍalinī erklingt als lautloser Strom [Deutung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 14.67
- sā nadī yogarūpā tu vyomārṇe vahate sadā |
saṃgamaṃ parayā yuktaṃ unmanānte prakāśitam ||
Sie ist der Fluss in Gestalt des Yoga, der beständig im Meer des Raumes strömt. Der Zusammenfluss ist mit der Höchsten vereint und offenbart sich am Ende der Unmanā.
Kumārikākhaṇḍa 14.68
- saṃgamaṃ taṃ samākhyātaṃ nadyāstu samudāhṛtam |
sarvataḥ samavāyinyā śaktyādhāraḥ parāparaḥ ||
So wird jener Zusammenfluss erklärt, der als Zusammenfluss eines Flusses bezeichnet wird. Der Träger, höher und niedriger zugleich, verbunden mit der überall innewohnenden Śakti,
Kumārikākhaṇḍa 14.69
- tayā nīyatyasau vyāpī nadītīramudāhṛtam |
ekaṃ vṛkṣaṃ paraṃ deva ekā śaktiḥ parā tridhā ||
wird von ihr geführt, er, der Alldurchdringende: Dies heißt Flussufer. Es gibt einen einzigen höchsten Baum, o Gott: die eine höchste Śakti in dreifacher Gestalt.
Kumārikākhaṇḍa 14.70
- ekāmindriyajā nāḍī bindusaṃjñā prakāśitā |
layaṃgatā pare dhāmni amanaske nirāmaye ||
Die eine, aus den Sinnen entstandene Bahn wird als Bindu bezeichnet [Satzgliederung unsicher]. Sie ist in der höchsten Wohnstatt aufgegangen, jenseits des Denkens und frei von Leiden.
Kumārikākhaṇḍa 14.71
- tena deva mayā proktamekavṛkṣaṃ tu mantriṇām |
ekameva paraṃ tattvaṃ liṅgādhāraṃ parāmṛtam ||
Darum habe ich, o Gott, den einzelnen Baum der Mantrakundigen erklärt. Es gibt nur ein höchstes Wirklichkeitsprinzip, die Grundlage des Liṅga, den höchsten Nektar der Unsterblichkeit.
Kumārikākhaṇḍa 14.72
- paryaṭeta divārātrau aviśrāntaḥ punaḥ punaḥ| ekaliṅgamidaṃ deva ṣaṇḍaṃ tu aparaṃ yathā ||
Tag und Nacht soll man darin wandern, unermüdlich, immer wieder. Dies ist das einzelne Liṅga, o Gott. Als Nächstes folgt das Dickicht.
Kumārikākhaṇḍa 14.73
- hṛdayaṃ tu saraḥ proktaṃ dalāṣṭakasamāyutam |
udānena tu deveśa vikaset tu ravistu saḥ ||
Das Herz heißt See und ist mit acht Blütenblättern versehen. Durch Udāna, den aufsteigenden Lebenshauch, soll sich jene Sonne entfalten, o Herr der Götter [Satzdeutung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 14.74
- sevyate pudgale līnaṃ sarojaṃ hṛdayātmakam |
ramate tatra haṃsākhyaṃ śaktibījaṃ manonmanī ||
Man verehrt den Lotus, der das Herz bildet und in der individuellen Seele aufgegangen ist. Dort spielt der Haṃsa genannte Same der Śakti, Manonmanī, die Kraft jenseits des Denkens.
Kumārikākhaṇḍa 14.75
- tad ṣaṇḍaṃ kathitaṃ śāstre kṣetrāṣṭakamato bhavet |
kṣetraṃ nāma paraṃ śāntaṃ śarīraṃ tattvasaṃyutam ||
Dies wird in der Schrift Dickicht genannt. Nun folgen die acht heiligen Bezirke. Bezirk heißt der höchste, friedvolle Leib, der mit den Wirklichkeitsprinzipien ausgestattet ist.
Kumārikākhaṇḍa 14.76
- kṣetrajñaścarate tatra sthānāṣṭakagatisthitaḥ |
tenedaṃ devadeveśa kṣetrāṣṭakamudāhṛtam ||
Der Kenner des Körperfeldes wandert darin und bewegt sich durch die acht Stätten. Darum heißt dies die Gruppe der acht heiligen Bezirke, o Herr der Götter.
Kumārikākhaṇḍa 14.77
- ye pīṭhāste ca vai kṣetrāḥ kṣetrāḥ pīṭhāḥ krameṇa tu |
nāmaparyāyabhedāni śāstre devyāḥ pṛthak pṛthak ||
Die heiligen Sitze sind heilige Bezirke, und die heiligen Bezirke sind der Reihe nach heilige Sitze. Namen, gleichbedeutende Bezeichnungen und Unterscheidungen stehen jeweils gesondert in der Schrift der Göttin.
Kumārikākhaṇḍa 14.78
- prayāgaṃ nābhisaṃsthaṃ tu varuṇā hṛtpradeśataḥ |
kollagiryaṃ tu kaṇṭhasthaṃ aṭṭahāsaṃ tu tāluke ||
Prayāga liegt im Nabel, Varuṇā im Bereich des Herzens; Kollagirya liegt in der Kehle und Aṭṭahāsa am Gaumen.
Kumārikākhaṇḍa 14.79
- bindusthāne jayantyākhyaṃ nādākhye tu caritrakam |
ekāmraṃ śaktideśasthaṃ jñātavyaṃ viditātmabhiḥ ||
Jayantī ist am Ort des Bindu, Caritraka an dem Nāda genannten Ort. Ekāmra ist, wie die Kenner des Selbst wissen sollen, im Bereich der Śakti.
Kumārikākhaṇḍa 14.80
- guruvaktragataṃ proktaṃ koṭivarṣaṃ tathāṣṭamam |
ete sthānā mayā proktā adhyātme pudgalāśrayāḥ ||
Koṭivarṣa, der achte Ort, liegt dem Gesagten zufolge im Mund des Gurus. Diese von mir genannten Stätten liegen im Inneren und gründen in der individuellen Seele.
Kumārikākhaṇḍa 14.81
- aṭate satataṃ teṣu hṛccakrasthaḥ sanātanaḥ |
yāvadevaṃ na vindeta pīṭhamadhyātmanirṇayam ||
Der Ewige, im Herzensrad verweilend, wandert beständig in ihnen. Solange man den heiligen Sitz nicht so als Gewissheit des inneren Selbst erkennt,
Kumārikākhaṇḍa 14.82
- tāvat tasya kutaḥ siddhiraṭite'pi jagattraye |
bahirantarabhāvaṃ tu antaraṃ bahiraṅgayoḥ ||
wie könnte man da Vollendung erlangen, selbst wenn man die drei Welten durchwanderte? Inneres und äußeres Sein haben jeweils eine innere und eine äußere Seite.
Kumārikākhaṇḍa 14.83
- lokānāṃ bhaktihetvarthe bahiḥpīṭhāḥ prakāśitāḥ |
antaraṅgaṃ yathā śuddhaṃ paśyate manasā priya ||
Die äußeren heiligen Sitze wurden offenbart, um die Hingabe der Menschen zu wecken. Wie man mit dem Geist das reine Innere wahrnimmt, o Lieber,
Kumārikākhaṇḍa 14.84
- tathā paśyati bāhyasthāḥ sūkṣmarūpā gabhastayaḥ |
melakaṃ ca prayacchanti caruṃ vāpāśavīvidhim ||
so erblickt man die feinen Strahlen draußen. Sie gewähren Begegnung, geweihte Speise oder einen Weg aus der Gebundenheit [letzter Ausdruck unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 14.85
- saṃpradāyaṃ prayacchanti sthānaṃ vā pravadanti ca |
aśuddhenāntabhāvena paryaṭet pṛthivīṃ yadi ||
Sie schenken die Überlieferung oder erklären eine heilige Stätte. Wandert man aber mit unreinem innerem Wesen über die Erde,
Kumārikākhaṇḍa 14.86
- na tasya darśanaṃ deva dadanti manasā kvacit |
paśyannapi na paśyati dṛśyanto'pi na dṛśyate ||
so gewähren sie einem nirgends ihre Schau im Geist, o Gott. Obwohl man sieht, sieht man nicht; obwohl etwas sichtbar ist, wird es nicht gesehen.
Kumārikākhaṇḍa 14.87
- saṃkīrṇalakṣaṇā devyo vijñātuṃ naiva śakyate |
prabhāvaiṣāṃ samuddiṣṭo vidyā tāsāmanugrahaḥ ||
Man vermag die Göttinnen mit ihren vielfältigen Merkmalen nicht zu erkennen. Als ihre Macht wird die Vidyā erklärt; sie ist ihre Gnade.
Kumārikākhaṇḍa 14.88
- pure grāme'thavāraṇye nagare catvare'pi vā |
kheṭake caiva sandohe pīṭhe kṣetre vane tathā ||
In einer Wohnstatt, einem Dorf oder einer Wildnis, in einer Stadt oder auf einem Platz, in einer kleinen Siedlung oder Versammlung, an einem heiligen Sitz, in einem heiligen Bezirk oder Wald,
Kumārikākhaṇḍa 14.89
- udyānopavane devi pūrvokte vā tathaiva ca |
deśe deśe'bhijāyante jñānarūpā gabhastayaḥ ||
in einem Garten oder Hain, o Göttin, oder an einem der zuvor genannten Orte: Überall entstehen Strahlen, deren Wesen Erkenntnis ist.
Kumārikākhaṇḍa 14.90
- pārthivāvaraṇe caiva āpe teje tathānile |
ākāśe caiva suśroṇi tāsāṃ saṃkhyā na vidyate ||
In der Hülle der Erde ebenso wie im Wasser, im Feuer, im Wind und im Raum ist ihre Zahl unermesslich, o Schönhüftige.
Kumārikākhaṇḍa 14.91
- pīṭhāśrayaviśeṣeṇa utpadyante anekadhā |
khānapānaratā nityaṃ krīḍante cāntyajeṣvapi ||
Entsprechend der besonderen Stätte, auf die sie sich stützen, treten sie in vielerlei Weise hervor. Stets dem Essen und Trinken zugetan, spielen sie sogar unter den gesellschaftlich Ausgestoßenen.
Kumārikākhaṇḍa 14.92
- tena deva mayā proktāḥ pīṭhā bāhyasvarūpataḥ |
veśyāgṛhaṃ prayāgākhyaṃ varuṇāṃ śuṇḍinīṃ viduḥ ||
So habe ich, o Gott, die heiligen Sitze in ihrer äußeren Gestalt erklärt. Das Haus einer Prostituierten heißt Prayāga; als Varuṇā kennt man die Schankwirtin.
Kumārikākhaṇḍa 14.93
- kaullagiryāṃ tu kaivartī aṭṭahāse tu khaṭṭikī |
jayantyāṃ kaṇḍukī proktā caritre rajakī tathā ||
In Kaullagiri ist die Fischerin, in Aṭṭahāsa die Schlachterin; in Jayantī wird die Barbierin genannt, in Caritra die Wäscherin.
Kumārikākhaṇḍa 14.94
- ekāmrakī bhavecchilpī devikoṭṭe ca kośaṭī |
jñātavyāścumbakenaiva bhuktimuktiphalārthibhiḥ ||
Die zu Ekāmraka Gehörende ist die Handwerkerin, und in Devikoṭṭa ist Kośaṭī. Wer die Frucht von Lebensgenuss und Befreiung erstrebt, soll sie durch den Kuss erkennen [Bedeutung von Cumbaka unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 14.95
- paryaṭedeṣu sthāneṣu pūjanīyāḥ sadā budhaiḥ |
bhakṣabhojyānnapānaistu tarpayenmantravit sadā ||
Man wandere an diesen Orten; die Weisen sollen sie stets verehren. Der Mantrakundige erfreue sie beständig mit Essbarem, zubereiteten Speisen, Reis und Getränken.
Kumārikākhaṇḍa 14.96
- eteṣu saṃsthitistāsāṃ yoginyastvaprameyataḥ |
bhavanti ca na saṃdeho varadāḥ sādhakasya tu ||
An diesen Orten haben sie ihre Wohnstatt. Die Yoginīs sind unermesslich und gewähren dem Sādhaka zweifellos Gaben.
Kumārikākhaṇḍa 14.97
- tarpitāḥ pūjitā devyaḥ sādhakasya dadanti hi |
ṣaṇmāsād yuktamārgasya samayavratapālanāt ||
Zufriedengestellt und verehrt, schenken die Göttinnen dem Sādhaka nach sechs Monaten ihre Gaben, wenn er dem rechten Weg verbunden ist und die Verpflichtungen und Gelübde bewahrt.
Kumārikākhaṇḍa 14.98
- athānyaṃ saṃpravakṣyāmi saṃkṣepācchāstravādinām |
ādhyātmikaṃ bahiścaiva yathā jānanti tattvataḥ ||
Nun werde ich den Kundigen der Schrift kurz etwas Weiteres erklären, wie sie das Innere und das Äußere wahrheitsgemäß erkennen.
Kumārikākhaṇḍa 14.99
- tathā te kathayiṣyāmi śṛṇuṣvāyatalocana |
ādhyātmaṃ kurute bāhyaṃ vrataṃ caryāṃ ca sādhanām ||
So werde ich es dir sagen. Höre, o Großäugiger: Man verinnerliche das äußere Gelübde, die Lebenspraxis und die geistliche Übung.
Kumārikākhaṇḍa 14.100
- evaṃ kṛte bhavet siddhiḥ satyameva na saṃśayaḥ |
khaṭvāṅgaṃ kathayiṣyāmi anugrāhyaṃ varānana ||
So ausgeführt, führt dies zur Vollendung; das ist wahr, ohne Zweifel. Ich werde den Khaṭvāṅga-Stab erklären, den man aufnehmen soll, o Schöngesichtiger.
Kumārikākhaṇḍa 14.101
- āpādatalamūrdhāntaṃ yathā bhavati tacchṛṇu |
sarvāṅgeṣu śirādyeṣu aṅgapratyaṅgasandhiṣu ||
Höre, wie er sich von den Fußsohlen bis zum Scheitel erstreckt. In allen Körperteilen, dem Kopf und den übrigen, in den Verbindungen der großen und kleinen Glieder:
Kumārikākhaṇḍa 14.102
- khaṇḍate yena deveśa khaṭvāṅgastena ucyate |
maunena aṭate nityaṃ hṛdi gūḍhaparāyaṇaḥ ||
Was diese durchbricht, o Herr der Götter, wird darum Khaṭvāṅga genannt. In Schweigen wandert man beständig, dem im Herzen Verborgenen ganz zugewandt.
Kumārikākhaṇḍa 14.103
- tena maunīti vijñeyaḥ sarvāgamasubhāvitaḥ |
vegena paryaṭed dehe aviśrāntaḥ punaḥ punaḥ ||
Darum gilt man als Schweigender, von allen Āgamas durchdrungen. Mit Schwung wandere man im Leib umher, unermüdlich, immer wieder.
Kumārikākhaṇḍa 14.104
- tena vegātma vikhyātaṃ aṭanaṃ pudgalasya tu |
ḍamarukaṃ pravakṣyāmi yathāvadanupūrvaśaḥ ||
Darum ist das Umherziehen der individuellen Seele als Bewegung voller Schwung bekannt. Nun werde ich die Ḍamaru-Trommel erklären, sachgemäß und in der rechten Reihenfolge.
Kumārikākhaṇḍa 14.105
- anāmā paramā sūkṣmā kalā cāmṛtavāhinī |
ātmā saṃcarate tasmin rāvaṃ muñcati binduke ||
Die Namenlose ist die höchste, feine Kraft, die den Nektar der Unsterblichkeit trägt. Das Selbst wandert in jenem Tropfen und lässt Klang ertönen.
Kumārikākhaṇḍa 14.106
- visargastho yadātmā tu nadate tripatheṣu ca |
tatra ḍamarukaṃ nāma amanaske nirāmaye ||
Wenn das Selbst in der Aussendung ruht und auf den drei Wegen erklingt, so heißt dies Ḍamaru-Trommel, dort, wo kein gewöhnliches Denken und kein Leiden ist.
Kumārikākhaṇḍa 14.107
- tiṣṭhate nābhisaṃsthā tu māyārūpā tu kuṇḍalī |
pāśitāḥ paśavaḥ sarve abhaktā ye jagattraye ||
Im Nabel weilt Kuṇḍalī in Gestalt der Māyā. Durch sie sind alle gebundenen Seelen gefesselt, die in den drei Welten ohne Hingabe sind.
Kumārikākhaṇḍa 14.108
- pāśametad vinirdiṣṭaṃ khaḍgaṃ caivādhunā śṛṇu |
khasthā cchinatti pāśāṃstu visargāstreṇa mohanī ||
Dies wird Schlinge genannt. Höre jetzt vom Schwert: Im Raum weilend, zerschneidet Mohanī die Fesseln mit der Waffe der Aussendung.
Kumārikākhaṇḍa 14.109
- khaḍge ca niḥśritā yena khagamadhye maheśvara |
gatā sā brahmasāyojyaṃ khaḍgānte śaktiravyayā ||
Weil sie im Schwert hervortritt, o Maheśvara, gelangt jene unvergängliche Śakti in der Mitte des Himmelswanderers, am Ende des Schwertes, zur Vereinigung mit Brahman [Satzverbindung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 14.110
- tena khaḍgamiti proktaṃ āyudhaṃ suranāyaka |
ekā eva parāśaktistripathākṛtimaṇḍale ||
Darum heißt diese Waffe Schwert, o Führer der Götter. Die höchste Śakti ist nur eine im Maṇḍala, das die Gestalt des dreifachen Weges hat:
Kumārikākhaṇḍa 14.111
- vāmā jyeṣṭhā tathā raudrī icchājñānakriyātmikā |
triśūlaṃ tripathaṃ khyātaṃ triśaktitanumaṇḍitam ||
Vāmā, Jyeṣṭhā und Raudrī, deren Wesen Wille, Erkenntnis und Handeln ist. Der Dreizack heißt dreifacher Weg, geschmückt mit dem Leib der dreifachen Śakti.
Kumārikākhaṇḍa 14.112
- kharūpā vyomagā śāntā nirmalā aṭate sadā |
kheṭakaṃ tena nāmaṃ tu dvādaśānte vyavasthitam ||
Ihre Gestalt ist der Raum; friedvoll und makellos wandert sie beständig durch den Raum. Darum heißt dies Schild, der am Ende der Zwölf ruht.
Kumārikākhaṇḍa 14.113
- nārācaṃ śaktiruccāraṃ karaṇātmāvyavasthitam |
bodhayati nirodhinyā karaṇān pañca eva hi ||
Der Pfeil ist das Emporsteigen der Śakti, das im Wesen der Wirkkräfte ruht. Durch Nirodhinī erweckt sie die fünf Wirkkräfte.
Kumārikākhaṇḍa 14.114
- tena nārācamākhyātaṃ paryāyeṇa tu sundara |
kartarī jñānaśaktistu yena pāśān chinattyasau ||
Darum wird dies auch Pfeil genannt, o Schöner. Das Schneidemesser ist die Erkenntniskraft, mit der sie die Fesseln durchtrennt.
Kumārikākhaṇḍa 14.115
- sā kalā paramā sūkṣmā mantrāṇāṃ bodhanī parā |
kartarī kartṛrūpeṇa jñātavyā sādhakena tu ||
Sie ist die höchste, feine Kraft, die höchste Erweckerin der Mantras. Der Sādhaka soll das Schneidemesser als die handelnde Kraft erkennen.
Kumārikākhaṇḍa 14.116
- carate dvādaśānte tu kramāt tattvāni muñcati |
cakravad bhramate nityaṃ aṃkuśasthā parāparā ||
Sie wandert bis zum Ende der Zwölf und lässt die Wirklichkeitsprinzipien der Reihe nach los. Die im Elefantenhaken weilende, höhere und niedrigere Kraft dreht sich beständig wie ein Rad.
Kumārikākhaṇḍa 14.117
- antaraṅgagatā deva bahiraṅgena saṃsthitā |
kurute satataṃ ceṣṭāṃ āsane śayane tathā ||
Nach innen gelangt, ist sie zugleich im Äußeren gegenwärtig, o Gott. Beständig bewirkt sie Bewegung, im Sitzen ebenso wie im Liegen:
Kumārikākhaṇḍa 14.118
- dhāvanaṃ vallanaṃ rodhaṃ akuñcanaprasāraṇam |
muṣalatve sthito nādo rekhākārordhvagaḥ priya ||
Laufen, Rollen, Anhalten, Zusammenziehen und Ausdehnen. Als Keule steigt Nāda, der innere Klang, linienförmig auf, o Lieber.
Kumārikākhaṇḍa 14.119
- taṃ bhittvā gamanaṃ cordhve muṣalākhyaṃ sadāśivam |
dhanurlakṣyamanākhyaṃ tu yena vedhayate param ||
Nachdem dies durchbrochen ist, geht die Bewegung aufwärts: Sadāśiva heißt Keule. Das Ziel des Bogens ist das Unnennbare; mit dem Bogen durchdringt man das Höchste,
Kumārikākhaṇḍa 14.120
- āpūrya savisargeṇa pareṇa manacakṣuṣā |
kharpare karaṇenaiva paryaṭecca adhomukhī ||
nachdem man es mit dem höchsten Auge des Geistes samt der Aussendung erfüllt hat [Satzbezug unsicher]. Nach unten gewandt, wandere sie mit dem Wirkwerkzeug in der Schädelschale.
Kumārikākhaṇḍa 14.121
- ṛtudvayaviśuddhena kāraṇāntargatena tu |
anena karaṇāntena jñeyā kaṭṭārikā parā ||
Durch dieses Wirkwerkzeug, das durch zwei Jahreszeiten gereinigt ist, in den Ursachen liegt und an der Grenze der Wirkkräfte endet, soll man den höchsten Dolch erkennen [Deutung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 14.122
- prāpnoti tattvasāyojyaṃ gadayā ca trilocana |
gatā hyekā paraṃ randhraṃ dadate cāmṛtaṃ śubham ||
Mit dem Streitkolben erlangt man Vereinigung mit dem Wirklichkeitsprinzip, o Dreiäugiger. Die eine Kraft gelangt zur höchsten Öffnung und spendet heilvollen Nektar.
Kumārikākhaṇḍa 14.123
- gatāste na nivartante ye gatā gadayā saha |
śaktiḥ śaktimatoraikyaṃ ātmā cālayate sadā ||
Die mit dem Streitkolben gegangen sind, kehren nicht zurück. Die Einheit der Kraft mit ihrem Träger setzt das Selbst beständig in Bewegung.
Kumārikākhaṇḍa 14.124
- tad bhaved yogasiddhistu śaktirnādāntare'dhipa |
daṇḍavadṛjurekhā tu gatā sā padamavyayam ||
Das ist die Vollendung des Yoga: die Śakti im Inneren des Klanges, o Herr. Gerade wie ein Stab ist die Linie; sie ist zur unvergänglichen Stätte gelangt.
Kumārikākhaṇḍa 14.125
- tena mārgeṇa gantavyaṃ daṇḍākāre vyavasthitam |
kaṃ śarīramiti khyātamaṇḍākāraṃ vyavasthitam ||
Auf diesem Weg soll man gehen, in der Gestalt des Stabes ruhend. Ka heißt Körper; er besteht in eiförmiger Gestalt [Worttrennung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 14.126
- tatrādhvā tu varāroha śodhanīyo manīṣibhiḥ |
kuṇḍalā yā parā śuddhā sarvaśuddhā gatātmani ||
Darin soll der Weg von den Verständigen gereinigt werden, o Schöngestalteter. Die höchste, reine Gewundene, in jeder Hinsicht rein, ist in das Selbst eingegangen.
Kumārikākhaṇḍa 14.127
- tenedaṃ ca mayā proktaṃ kamaṇḍalu paraṃ smṛtam |
evaṃ te cāyudhāḥ sūkṣmāḥ paryāyaiḥ bahubhiḥ padaiḥ ||
Darum habe ich dies erklärt; es gilt als das höchste Wassergefäß. So sind deine feinen Waffen unter vielen gleichbedeutenden Worten und Bezeichnungen
Kumārikākhaṇḍa 14.128
- kathitaṃ tu mayā sarvaṃ parāparaṃ vibhāgaśaḥ |
bāhyānte kathayiṣyāmi dūtīnāṃ lakṣaṇam param ||
von mir vollständig erklärt worden, das Höhere und das Niedrigere jeweils gesondert. Im äußeren Bereich werde ich nun das höchste Kennzeichen der Gefährtinnen erklären.
Kumārikākhaṇḍa 14.129
- vicāraṃ caiva dūtīnāṃ aparaṃ saṃpragīyate |
mātā ca duhitā bhagnī sahajā antyajā tathā ||
Eine weitere Betrachtung der Gefährtinnen wird verkündet: Mutter, Tochter, Schwester, die mitgeborene Schwester sowie eine Frau aus den ausgegrenzten Gruppen,
Kumārikākhaṇḍa 14.130
- rajakī carmakārī ca mātaṅgī cāgrajanmanī |
kaulinī cakralolā ca maithunī nārasiṃhakī ||
Wäscherin, Lederarbeiterin, Mātaṅgī und Brahmanin; Kaulinī, Cakralolā, Maithunī und Nārasiṃhakī.
Kumārikākhaṇḍa 14.131
- ācāraṃ mātṛbhiryonau kathitaṃ tu surārcita |
antyajānāṃ dvijānāṃ ca ekatra carubhojanam ||
Damit ist die Praxis mit den Müttern in der Yoni erklärt, o von den Göttern Verehrter. Das gemeinsame Essen der geweihten Speise durch Angehörige ausgegrenzter Gruppen und Zweimalgeborene
Kumārikākhaṇḍa 14: unnummerierter Halbvers (half_after_131)
- kartavyaṃ sādhakenaiva yadīcchet siddhimuttamām |
soll der Sādhaka vollziehen, wenn er die höchste Vollendung ersehnt.
Kumārikākhaṇḍa 14: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike ādyapīṭhāvatārite vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatisahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite caryādhikāro nāmānandaḥ || 14 ||
So endet das vierzehnte Kapitel, die Wonne namens „Der Abschnitt über die Lebenspraxis“: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 15
Kumārikākhaṇḍa 15: Kapitelkopf (heading)
- pañcadaśānandaḥ
Fünfzehnte Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 15: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīkaulīśa uvāca
Der erhabene Kaulīśa sprach:
Kumārikākhaṇḍa 15.1
- kutsitaṃ kathitaṃ devi ayuktaṃ śāstravādinām |
paśūnāṃ yat samākhyātaṃ ācāraṃ parameśvari ||
Was du gesagt hast, o Göttin, ist verwerflich und für Kenner der Schrift ungehörig. Das von dir beschriebene Verhalten ist das der gebundenen Seelen, o höchste Herrin.
Kumārikākhaṇḍa 15.2
- etanme na śrutaṃ devi prasādād vaktumarhasi |
śrīvakrā uvāca
sādhu me tanmahāprājña praśnaṃ caiva śubhaṃ kṛtam ||
Davon habe ich noch nicht gehört, o Göttin. Aus Gnade mögest du es mir erklären. — Gut, o hoch Verständiger! Diese glückverheißende Frage hast du mir gestellt.
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 15.3
- kathayāmi mahāśambho pūrvasnehena niścayam |
yā sā deva parāśaktirjagatāṃ yonirūpiṇī ||
Aus unserer früheren Zuneigung werde ich dir, o großer Śambhu, die Lehre erklären. Jene höchste Śakti, o Gott, die den Mutterschoß der Welten bildet:
Kumārikākhaṇḍa 15.4
- tatrotpannaṃ samastaṃ hi vāṅgamayaṃ sacarācaram |
avvā tena imā mātāḥ sā śaktiḥ parameśvarī ||
In ihr ist alles aus Sprache Bestehende entstanden, alles Bewegliche und Unbewegliche. Darum sind diese Mütter Avvā, die Mutter; sie ist die Śakti, die höchste Herrin.
Kumārikākhaṇḍa 15.5
- udbhavasthā duhitrī sā duhanācca jagasya ca |
duhitrī sā dvitīyā tu bhaginī ca tathocyate ||
Im Hervorbringen verweilend, ist sie die Tochter, auch weil sie die Welt melkt. Die Tochter ist die zweite Gestalt. Nun wird ebenso die Schwester erklärt.
Kumārikākhaṇḍa 15.6
- bhagarūpā parā sūkṣmā unmanāmātmanā saha |
yathāgnistejasā nityaṃ nānābhedairvyavasthitā ||
Sie hat die Gestalt des Schoßes, ist höchste und feine Kraft, Unmanā, verbunden mit dem Wesen der Amā. Wie das Feuer durch seinen Glanz besteht sie beständig in vielerlei Gestalten.
Kumārikākhaṇḍa 15.7
- tadvadeva hi ātmasthā bhaginī bhagarūpiṇī |
svayaṃjātā mahāsūkṣmā guhāmadhye visarpitā ||
Ebenso weilt die Schwester in Gestalt des Schoßes im Selbst. Selbstgeboren und überaus fein breitet sie sich aus der Mitte der Höhle aus.
Kumārikākhaṇḍa 15.8
- svatotpannā svayaṃjātā uktā ca sahajā kalā |
antasthā sarvajantūnāṃ vartate antagā parā ||
Aus sich selbst entstanden und selbstgeboren, heißt sie die mitgeborene Kraft. Die Höchste weilt im Inneren aller Lebewesen und reicht bis an das Ende.
Kumārikākhaṇḍa 15.9
- ante tu saṃsthitā hyekā antyajā parameśvarī |
rajastamovinirmuktā sā bhaved rajakī iti ||
Am Ende steht die eine höchste Herrin, Antyajā, die Zuletztgeborene. Frei von Rajas und Tamas ist sie die Wäscherin.
Kumārikākhaṇḍa 15.10
- rañjate sarvagātreṇa jagat sthāvarajaṅgamam |
carate carmagā yena suraṅgena * rañjitā ||
Mit ihrem ganzen Leib färbt sie die Welt des Unbeweglichen und Beweglichen. Weil sie in der Haut wandelt, mit schöner Farbe * gefärbt,
Kumārikākhaṇḍa 15.11
- carmakārī tu sā jñeyā mātaṅgīti tathocyate |
ātmasthāne ca satataṃ gītasyāntapade sthitā ||
soll man sie als Lederarbeiterin erkennen. Nun wird ebenso Mātaṅgī erklärt: Beständig weilt sie am Ort des Selbst und an der Stätte am Ende des Gesangs.
Kumārikākhaṇḍa 15.12
- mātaṅgī kathitā dūtī agrajanmī tathocyate |
sarveṣāṃ caiva śāstrāṇāṃ agrotpannā ca agraṇī ||
Damit ist die Gefährtin Mātaṅgī erklärt. Nun folgt die Erstgeborene: Sie ist vor allen Schriften entstanden und geht ihnen voran.
Kumārikākhaṇḍa 15.13
- nānyat tatra bhavet kiñcinmanasānte manonmanī |
unmanā sā samākhyātā parā hyamṛtavāhinī ||
Dort gibt es nichts anderes, am Ende des Denkens: Manonmanī. Sie heißt Unmanā, die höchste Kraft, die den Nektar der Unsterblichkeit trägt.
Kumārikākhaṇḍa 15.14
- ānandaṃ tat samatvaṃ hi madirānandacetasaḥ |
siddhyate nātra sandeho guruvaktreṇa niścayam ||
Jene Gleichheit ist Wonne für den, dessen Geist vom Wein beglückt ist. Durch den Mund des Gurus wird die Gewissheit verwirklicht, daran besteht kein Zweifel [Satzdeutung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 15.15
- yogacaryāsamāpte tu vratasūtramanantaram |
tyaktvā saṃsāraprathanaṃ kāmarūpādipañcasu ||
Nach Abschluss der Yoga-Lebenspraxis folgt unmittelbar das Vratasūtra, die Lehre vom Gelübde. Nachdem man in den fünf Orten, Kāmarūpa und den übrigen, die Entfaltung des Saṃsāra aufgegeben hat,
Kumārikākhaṇḍa 15.16
- tataśca caryāvrataṃ gṛhya anyathā na kadācana |
mahāvrataṃ tu nirvāṇaṃ tadeva sarva–oliṣu ||
nehme man darauf das Gelübde der Lebenspraxis an; anders niemals. Das große Gelübde ist Nirvāṇa, und es ist dasselbe in allen Überlieferungslinien.
Kumārikākhaṇḍa 15.17
- yadā vairāgya jantūnāṃ tadā nirvāṇagaṃ vratam |
vakṣyāmi kaulikaṃ mārgaṃ nirgataṃ khecaraṃ kramam ||
Wenn die Lebewesen frei von Anhaften werden, führt das Gelübde zum Nirvāṇa. Ich werde den Kaula-Weg erklären, aus dem die Überlieferungsfolge der Himmelswanderer hervorgegangen ist.
Kumārikākhaṇḍa 15.18
- kuryād vrataṃ kule rakṣā nagnavāsā tu piṅgalā |
tenaiva kārayed ghoraṃ vidyāyuktaṃ parāparam ||
Man erfülle das Gelübde. Im Kula ist die nackte Piṅgalā der Schutz. Damit vollziehe man das furchtbare Gelübde, verbunden mit der Vidyā, im Höheren und Niedrigeren.
Kumārikākhaṇḍa 15.19
- śiraṃ muṇḍitaṃ kṛtvādau tasyācchādana valkalam |
alābhāt karpaṭaṃ bilvaṃ bhuvanākṛti āsanam ||
Zuerst schere man den Kopf; die Bedeckung sei Baumrinde. Ist diese nicht verfügbar, nehme man Lumpen oder Bilva. Der Sitz habe die Gestalt der Welt.
Kumārikākhaṇḍa 15.20
- mukhaṃ saṃkucitaṃ tasya saṃsāramalachedakam |
prasādaṃ devi māṃ kṛtvā carukaṃ pratidehi mām ||
Sein Gesicht sei zusammengezogen. „O Göttin, erweise mir Gnade und gib mir die geweihte Speise, die die Verunreinigung des Saṃsāra durchtrennt.“
Kumārikākhaṇḍa 15.21
- pañcabhiḥ saptabhirvāpi atha cāṣṭau daśaḥ punaḥ |
dvātriṃśadathavā bhikṣāḥ kartavyā yogacintakaiḥ ||
Wer sich dem Yoga widmet, soll fünf-, sieben- oder achtmal, auch zehn- oder zweiunddreißigmal um Almosen bitten.
Kumārikākhaṇḍa 15.22
- madyaṃ māṃsaṃ tathā kāmaṃ laulyalobhavivarjitam |
pādukāṃ triprakārāṃ ca ijyārthe vinivedayet ||
Wein, Fleisch und Begehren, frei von Begierigkeit und Gier, sowie die dreifache Pādukā bringe man zur Verehrung dar.
Kumārikākhaṇḍa 15.23
- tadā caryāvrataṃ mantrī dvādaśābdaistu siddhyati |
pīṭhopapīṭha sarveṣu kṣetrādyairbhūtale vratī ||
Dann vollendet der Mantrakundige das Gelübde der Lebenspraxis in zwölf Jahren. Der Gelübdehaltende weile in allen heiligen Sitzen und Nebensitzen, den Bezirken und anderen Orten auf der Erde.
Kumārikākhaṇḍa 15.24
- pañcarātraṃ tu sarvatra bhasmagomayamadhyataḥ |
svapedekāntake punaḥ aṭavyāṃ nirjane vane ||
Überall schlafe er fünf Nächte inmitten von Asche und Kuhdung, an einem abgeschiedenen Ort, in der Wildnis, im menschenleeren Wald.
Kumārikākhaṇḍa 15.25
- nārācaṃ kṣurikā khaḍgaṃ tathā kartari paṅkaṭī |
astrapañcakasaṃyuktaḥ kaulikāstrasvalaṃkṛtaḥ ||
Mit Pfeil, Rasiermesser, Schwert, Schneidemesser und Axt, mit diesen fünf Waffen versehen und mit den Kaula-Waffen geschmückt,
Kumārikākhaṇḍa 15.26
- vicaret pṛthivīṃ sarvāṃ prathamastriṣu oliṣu |
aparaṃ saṃpravakṣyāmi kramavṛddhasya yad vratam ||
ziehe der Erste der drei Überlieferungslinien über die ganze Erde. Nun werde ich ein weiteres Gelübde erklären, das der Überlieferung des Alten.
Kumārikākhaṇḍa 15.27
- tad vrataṃ nāma vidyāyāḥ jñeyamājñāpaṭaṃ iti |
kuryāt kārpāsikaṃ śuddhaṃ tripañcadīrghavistaram ||
Dieses heißt Gelübde der Vidyā und ist als Ājñāpaṭa, Tuch der Ājñā, zu erkennen. Man fertige es rein aus Baumwolle, fünfzehn Einheiten in der Ausdehnung [Maßdeutung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 15.28
- haste paṭaṃ prakratavyaṃ kaupīnaṃ śirabhūṣaṇam |
muṇḍitasya prakartavyaṃ kāmarājena rañjayet ||
Das Tuch sei in der Hand zu halten, das Lendentuch als Kopfschmuck herzurichten. Dies ist für den Geschorenen zu vollziehen; mit Kāmarāja soll man es färben [Bezug unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 15.29
- tāmrajaṃ kharparaṃ pātraṃ suśuddhaṃ ca alātavat |
pūrvavat kārayeccaryāṃ bhikṣāśca saptaviṃśatiḥ ||
Das Gefäß sei eine sehr reine, kupferne Schädelschale, einer Feuerfackel gleich. Die Lebenspraxis vollziehe man wie zuvor und bitte siebenundzwanzigmal um Almosen,
Kumārikākhaṇḍa 15.30
- kartavyā daśadhā vāpi athavā ca caturvaram |
astrapañcakaghorāstraṃ ādyapīṭhād vinirgatam ||
oder zehnmal oder viermal. Die Fünfwaffengruppe ist die furchtbare Waffe, die aus dem ursprünglichen heiligen Sitz hervorgegangen ist.
Kumārikākhaṇḍa 15.31
- atha dvitīyakaṃ vakṣye vrataṃ kaumāramadhyataḥ |
tad vrataṃ vratamityāhuḥ siddhaṃ pūrṇād vinirgatam ||
Nun werde ich das zweite Gelübde erklären, das zur Überlieferung des Jünglings gehört. Dieses Gelübde gilt als vollendet und ist aus Pūrṇa hervorgegangen.
Kumārikākhaṇḍa 15.32
- tad vrataṃ siddhasaṃketaṃ tasyācāraṃ yathā bhavet |
paṭaṃ ca pūrvavat kāryaṃ kaupīnamatha cchādanam ||
Dieses Gelübde ist die Vereinbarung der Siddhas. Seine Lebenspraxis ist folgende: Tuch, Lendentuch und Bedeckung sind wie zuvor anzufertigen.
Kumārikākhaṇḍa 15.33
- rañjanīyañca raṅgena pītena tu maheśvara |
tathā pātraṃ ca pūrvoktaṃ bhikṣācaryāpratigraham ||
Man färbe sie gelb, o Maheśvara. Ebenso nehme man das zuvor genannte Gefäß zum Empfang der erbettelten Gaben.
Kumārikākhaṇḍa 15.34
- astrapañcakamevaṃ tu tathā pāśupatāstrakam |
etat siddhavrataṃ śuddhaṃ pālanādapi siddhyati ||
Dazu gehören die fünf Waffen und die Pāśupata-Waffe. Dies ist das reine Siddha-Gelübde; durch sein Einhalten erlangt man ebenfalls Vollendung.
Kumārikākhaṇḍa 15.35
- aparaṃ tṛtīyakaṃ vakṣye vrataṃ bālakramasya ca |
mudrā nāma vrataṃ śuddhaṃ kāmarūpād vinirgatam ||
Ein weiteres, drittes Gelübde werde ich erklären, das der Überlieferung des Kindes. Es heißt Mudrā, ist rein und aus Kāmarūpa hervorgegangen.
Kumārikākhaṇḍa 15.36
- paṭaṃ pūrvakrameṇaiva yathā bhavati tacchṛṇu |
gairikārañjitaṃ kṛtvā tathā kharpara tāmrajam ||
Höre, wie das Tuch gemäß der früheren Folge herzurichten ist: Man färbe es mit rotem Ocker und nehme ebenso eine kupferne Schädelschale.
Kumārikākhaṇḍa 15.37
- caryābhikṣā yathā pūrvaṃ pañcāstraṃ bhairavāstrakam |
gṛhītvā paryaṭet mantrī etad yogavrataṃ śubham ||
Lebenspraxis und Almosengang seien wie zuvor. Mit den fünf Waffen und der Bhairava-Waffe wandere der Mantrakundige umher. Dies ist das heilvolle Yoga-Gelübde.
Kumārikākhaṇḍa 15.38
- ulīnāṃ kramasiddhānāṃ vratatritaya darśitam |
eteṣāmāsanaṃ śreṣṭhaṃ mṛgacarma sukomalam ||
Die drei Gelübde der Überlieferungslinien und ihrer Siddhas sind aufgezeigt. Ihr bester Sitz ist ein sehr weiches Hirschfell.
Kumārikākhaṇḍa 15.39
- āsanatritayaṃ teṣāṃ jyeṣṭhamadhye kanīyase |
kūrmāsanaṃ tu prathamaṃ tathā padmaṃ dvitīyakam ||
Ihre drei Sitzhaltungen gehören der ältesten, mittleren und jüngsten Überlieferung an: die Schildkrötenhaltung als erste, die Lotushaltung als zweite.
Kumārikākhaṇḍa 15.40
- tṛtīyaṃ svastikaṃ nāma mudrāpūrvakramavrate |
prayāgādigṛhāṇāṃ tu svaped yogīśvaraḥ sadā ||
Die dritte heißt Svastika und gehört zum Gelübde der mit Mudrā verbundenen Folge. Der Herr der Yogis schlafe stets in den Häusern von Prayāga und den übrigen Orten.
Kumārikākhaṇḍa 15.41
- tāsāṃ sārdhaṃ tu samayaṃ dūtīnāṃ saha maithunam |
aviruddhaṃ ca bhavati niśācāreṇa kaulavit ||
Mit den Gefährtinnen gilt die Verpflichtung zur geschlechtlichen Vereinigung. Im Rahmen der nächtlichen Kaula-Praxis ist sie nicht untersagt, o Kaula-Kundiger.
Kumārikākhaṇḍa 15.42
- carukaṃ gṛhyate guptaṃ tathā puṣpaṃ ca antajam |
rasaṃ tu vaiṣṇavaṃ nāma carukaṃ trividhaṃ smṛtam ||
Man empfängt die geheime geweihte Speise, die am Ende geborene Blüte und den Vaiṣṇava genannten Saft. Die geweihte Speise gilt als dreifach.
Kumārikākhaṇḍa 15.43
- aliphalgusamāyuktaṃ bhakṣayedaviśaṅkitaḥ |
dvādaśābdairatītaistu khegatirnātra saṃśayaḥ ||
Mit Wein und Fleisch vermischt soll man sie ohne Bedenken verzehren. Nach Ablauf von zwölf Jahren erlangt man den Flug durch den Raum, daran besteht kein Zweifel.
Kumārikākhaṇḍa 15.44
- kramārādhanayuktānāṃ vidyānuṣṭhānapāragām |
niścayaṃ nātra saṃdeho ityājñā pārameśvarī ||
Das ist die Gewissheit derer, die der Verehrung der Überlieferungsfolge verbunden sind und die Ausübung der Vidyā vollendet haben. Darüber besteht kein Zweifel. So lautet die Ājñā der höchsten Herrin.
Kumārikākhaṇḍa 15.45
- ye yoginīkule jātā yeṣāṃ tuṣṭā hyahaṃ parā |
te labhanti vrataṃ satyaṃ ātma–aulyāṃ pṛthak pṛthak ||
Die im Yoginī-Kula Geborenen, mit denen ich, die Höchste, zufrieden bin, erlangen das wahre Gelübde, jeder in seiner eigenen Überlieferungslinie.
Kumārikākhaṇḍa 15.46
- vīracaryā vīravrataṃ vīrasaṃgamavṛttiṣu |
dūtīnāṃ sarvagamanaṃ sabāhyābhyantaraṃ sthitam ||
Die Lebenspraxis der Helden und ihr Gelübde bestehen in den Formen ihrer Vereinigung; das Zusammengehen der Gefährtinnen mit allen geschieht äußerlich und innerlich.
Kumārikākhaṇḍa 15.47
- niśācāre samācāraṃ kartavyaṃ vratibhistridhā |
manorodhaṃ na kartavyaṃ yatra yatra vrajenmanaḥ ||
Diese dreifache Praxis sollen die Gelübdehaltenden in der Nacht vollziehen. Der Geist soll nicht gehemmt werden. Wohin auch immer der Geist geht,
Kumārikākhaṇḍa 15.48
- tatra tatraiva gantavyaṃ icchācaryāṃ samācaret |
etalliṅgaṃ tridhā proktaṃ prakaṭaṃ vratasaṃgraham ||
dorthin soll man gehen und die Lebenspraxis des freien Wollens vollziehen. Dies ist das dreifach genannte Kennzeichen, die offenbare Zusammenfassung des Gelübdes.
Kumārikākhaṇḍa 15.49
- aṣṭānāṃ kuladevīnāṃ sadā bhaktiṃ samācaret |
pūjayet sarvadā cāṣṭau veśyādyāḥ kaulike krame ||
Man pflege beständig Hingabe zu den acht Göttinnen des Kula. Stets verehre man die acht, Veśyā und die übrigen, in der Kaula-Überlieferungsfolge.
Kumārikākhaṇḍa 15.50
- atha caryāvinirmukto carukārthī gṛheṣvapi |
niśācāreṇa kurvīta prāśanāt paramā gatiḥ ||
Wer von der Lebenspraxis frei geworden ist und auch in den Häusern geweihte Speise ersehnt, handle nach der nächtlichen Praxis; durch den Genuss gelangt er zur höchsten Stätte.
Kumārikākhaṇḍa 15.51
- vratino rudravat sākṣānmama tulyabalo bhavet |
vratamavyaktakaṃ yena icchārūpadharo bhavet ||
Der Gelübdehaltende soll Rudra unmittelbar gleichen und ebenso mächtig sein wie ich. Durch das verborgene Gelübde kann er jede gewünschte Gestalt annehmen.
Kumārikākhaṇḍa 15.52
- tena avyaktamityāhuḥ vrataṃ kaulasya lakṣaṇam |
saṃsārakramasaṃsthānāṃ adhikāre tu saṃsthitam ||
Darum nennt man das Gelübde verborgen; es ist das Kennzeichen des Kaula. Es gehört in den Zuständigkeitsbereich derjenigen, die in der Folge des Saṃsāra stehen.
Kumārikākhaṇḍa 15.53
- ācāryāṇāṃ samākhyātaṃ guptaṃ vrataparigraham |
na teṣāṃ kathitā caryā nāma saṃgamamat sadhā ||
Die geheime Annahme des Gelübdes der Lehrer ist erklärt. Ihre Lebenspraxis ist nicht dargelegt. [Der folgende Ausdruck nāma saṃgamamat sadhā ist nicht sicher übersetzbar.]
Kumārikākhaṇḍa 15.54
- ātmacaryāsamāyuktaṃ vrataṃ guptatamaṃ caret |
ityāgamaviśuddhasya kaulikasya mahīpateḥ ||
Man übe das verborgenste Gelübde, verbunden mit der Lebenspraxis des Selbst. So ist für den durch die Āgamas gereinigten Kaula, den Herrn der Erde,
Kumārikākhaṇḍa 15.55
- caryāpādaṃ samākhyātaṃ nirṇayānte samarpitam |
adattā vratacaryā ca adattaṃ ca kulakramam ||
der Abschnitt über die Lebenspraxis erklärt und an den Schluss der Unterweisung gestellt. Sind Gelübdepraxis und Kula-Überlieferungsfolge nicht anvertraut worden,
Kumārikākhaṇḍa 15.56
- na grāhyaṃ ca paratrārthaṃ grahanāt patanaṃ bhavet |
caryāpādena dṛṣṭena gurūṇāṃ śāstrapaddhatiḥ ||
soll man die auf das Jenseitige gerichtete Lehre nicht an sich nehmen; durch solches Ergreifen kommt es zum Fall. Aus dem Blick auf den Abschnitt über die Lebenspraxis ergibt sich der Schriftweg der Lehrer.
Kumārikākhaṇḍa 15.57
- tenaiva yad vrataṃ dattaṃ caryāsaṃgamakaulikam |
tat sarvaṃ saphalaṃ śiṣye vratīnāṃ nātra saṃśayaḥ ||
Das in diesem Sinne übergebene Gelübde, das Kaula-Gelübde der Verbindung mit der Lebenspraxis, trägt im Schüler vollständig Frucht. Daran gibt es für die Gelübdehaltenden keinen Zweifel.
Kumārikākhaṇḍa 15.58
- anyathā na vrataṃ caryā na nyāsaṃ na kramaṃ kvacit |
yāvanna paśyate jñānaṃ matārthaṃ śuddhakaulikam ||
Andernfalls gibt es weder Gelübde noch Lebenspraxis, weder Nyāsa noch Überlieferungsfolge. Solange man die reine Kaula-Erkenntnis, den Sinn der Lehre, nicht schaut,
Kumārikākhaṇḍa 15: unnummerierter Halbvers (half_after_58)
- tāvad bhrāntikṣayaṃ nāsti tasmācchāstraṃ parigrahet |
hört die Verwirrung nicht auf. Darum nehme man die Schrift an.
Kumārikākhaṇḍa 15: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike ādyapīṭhāvatārite vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite caryāpādādhikāro nāmānandaḥ || 15 ||
So endet das fünfzehnte Kapitel, die Wonne namens „Der Abschnitt über die Abteilung der Lebenspraxis“: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 16
Kumārikākhaṇḍa 16: Kapitelkopf (heading)
- ṣoḍaśānandaḥ
Sechzehnte Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 16: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 16.1
- kulacaryārataḥ śānto yogīndraḥ siddhikāṃkṣiṇaḥ |
kathaṃ bhikṣāṭanaṃ devi kathaṃ bhāṣāṃ samuccaret ||
Wie soll der friedvolle Herr der Yogis, der sich der Kula-Praxis widmet und Vollendung ersehnt, um Almosen wandern, o Göttin? Und wie soll er die besondere Sprache sprechen?
Kumārikākhaṇḍa 16.2
- sūcitā ca tvayā devi bhikṣācaryā kulāṣṭake |
kathayasva prasādena bhāṣāsaṃketanirṇayam ||
Du hast, o Göttin, die Almosenpraxis in der Achtzahl des Kula angedeutet. Erkläre mir gnädig die Lehre von den vereinbarten Sprachzeichen.
Kumārikākhaṇḍa 16: Sprecherzeile (speaker_before_3)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 16.3
- prayāgā varaṇā kollā aṭṭahāsā jayantikā |
caritraikāmrakaṃ caiva devikoṭṭaṃ tathāṣṭamam ||
Prayāgā, Varaṇā, Kollā, Aṭṭahāsā, Jayantikā, Caritra, Ekāmraka und Devikoṭṭa als achter Ort:
Kumārikākhaṇḍa 16.4
- gṛhāṣṭake ca deveśa bhāṣāsaṃketakottamam |
siddhimuktikaraṃ deva kathyate cādhunā śṛṇu ||
In diesen acht Häusern, o Herr der Götter, gibt es eine vorzügliche Vereinbarung der Sprache. Sie bringt Vollendung und Befreiung. Nun wird sie erklärt; höre, o Gott.
Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_5)
- ku lā ī ā tribhuvanāvalī divyāmnāye pracāropadeśaḥ carukaṃ dehi me ī ā |
ku lā ī ā. Folge der drei Welten, Unterweisung in der überlieferten Praxis der göttlichen Tradition: Gib mir die geweihte Speise. ī ā.
Kumārikākhaṇḍa 16.5
- akṣarī kathitā caryā prayāgākhye varānana |
veśyāgṛhe kukārākhyā niśācāre gatā svayam ||
Die Akṣarī genannte Praxis in Prayāga ist erklärt, o Schöngesichtiger. Die Ku genannte Göttin ist in der nächtlichen Praxis selbst in das Haus der Prostituierten gegangen.
Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_6)
- ku śā ī ā sakalabhuvanāvalī kulāmnāye pracāropadeśaḥ carukaṃ dehi me ī ā |
ku śā ī ā. Folge aller Welten, Unterweisung in der überlieferten Praxis der Kula-Tradition: Gib mir die geweihte Speise. ī ā.
Kumārikākhaṇḍa 16.6
- dvitīyā kathitā caryā kāmarūpā kunāmikā |
varaṇāṃ śuṇḍinī devī gatā samayamelake ||
Die zweite Praxis ist erklärt: die Kāmarūpā genannte, die Ku heißt. In Varaṇā ist die Göttin Śuṇḍinī zur Zusammenkunft der Verpflichtung gegangen [Bezug von Kāmarūpā unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_7)
- ku ve ī ā akhaṇḍamaṇḍalāvalī samayāmnāye pracāropadeśaḥ carukaṃ dehi me ī ā |
ku ve ī ā. Ungebrochene Folge der Maṇḍalas, Unterweisung in der überlieferten Praxis der Samaya-Tradition: Gib mir die geweihte Speise. ī ā.
Kumārikākhaṇḍa 16.7
- kuṃkuṇḍī kathitā caryā tṛtīyā samayagocare |
kaulle kaivartinī devī kunāmājā jagatsutā ||
Kuṃkuṇḍī ist als dritte Praxis im Bereich der Verpflichtung erklärt. In Kaulla ist die Göttin Kaivartinī, aus der Ku Genannten geboren, die Tochter der Welt.
Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_8)
- ku yā ī ā śivaguruparamāvalī mudrāmnāye pracāropadeśaḥ carukaṃ dehi me ī ā |
ku yā ī ā. Höchste Folge Śivas und der Gurus, Unterweisung in der überlieferten Praxis der Mudrā-Tradition: Gib mir die geweihte Speise. ī ā.
Kumārikākhaṇḍa 16.8
- kauśalī kathitā caryā caturthī ca mahābalā |
aṭṭahāse gatā devī kunāmā khaṭṭikīgṛhe ||
Kauśalī ist als vierte, überaus mächtige Praxis erklärt. Die Ku genannte Göttin ist nach Aṭṭahāsa in das Haus der Khaṭṭikī gegangen.
Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_9)
- ku bhu ī ā ānandaparamāvalī ādyāmnāye pracāropadeśaḥ carukaṃ dehi me ā ī |
ku bhu ī ā. Höchste Folge der Wonne, Unterweisung in der überlieferten Praxis der ursprünglichen Tradition: Gib mir die geweihte Speise. ā ī.
Kumārikākhaṇḍa 16.9
- kāñcīmukhā smṛtā caryā pañcamā bhavasaṃjñakā |
jayantyāṃ ca kṛtā nityaṃ kunāmā kaṇḍukīgṛhe ||
Kāñcīmukhā gilt als fünfte Praxis und heißt Bhava. Sie wird stets in Jayantī vollzogen, im Haus der Kaṇḍukī, und heißt Ku.
Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_10)
- ku kṣe ī ā mātaṅgāvalī ṣaṭkāmnāye pracāropadeśaḥ carukaṃ deha me ā ī |
ku kṣe ī ā. Folge des Mātaṅga, Unterweisung in der überlieferten Praxis der Tradition der Sechs: Gib mir die geweihte Speise. ā ī.
Kumārikākhaṇḍa 16.10
- vāgeśī ca smṛtā caryā ṣaṣṭhī nigrahakārikā |
caritrākhye kṛtā nityaṃ kunāmā rajakīgṛhe ||
Vāgeśī gilt als sechste Praxis, die Zügelung bewirkt. Sie wird stets am Caritra genannten Ort im Haus der Rajakī vollzogen und heißt Ku.
Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_11)
- ku niḥ ī ā niśācārabhuvanāvalī pīṭhāmnāye pracāropadeśaḥ carukaṃ dehi me ā ī |
ku niḥ ī ā. Folge der Welten der nächtlichen Praxis, Unterweisung in der überlieferten Praxis der Tradition der heiligen Sitze: Gib mir die geweihte Speise. ā ī.
Kumārikākhaṇḍa 16.11
- śāṅkarī kathitā caryā saptamā varavarṇinī |
ekāmre śilpinī devī kunāmā samaye gatā ||
Śāṅkarī ist als siebte Praxis erklärt, die Schönste der Gestalten. In Ekāmra ist die Göttin Śilpinī, die Ku heißt, in der Verpflichtung gegenwärtig.
Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_12)
- ku ma ī ā mokṣakulāvalī pāramparyāmnāye pracāropadeśaḥ carukaṃ dehi me ā ī |
ku ma ī ā. Folge der Kulas der Befreiung, Unterweisung in der überlieferten Praxis der weitergegebenen Tradition: Gib mir die geweihte Speise. ā ī.
Kumārikākhaṇḍa 16.12
- bhairavī kathitā caryā aṣṭamā mokṣadāyikā |
devikoṭṭe tu kathitā kunāmā kauśaṭīgṛhe ||
Bhairavī ist als achte Praxis erklärt; sie schenkt Befreiung. In Devikoṭṭa, im Haus der Kauśaṭī, ist die Ku Genannte aufgezeigt.
Kumārikākhaṇḍa 16: Sprecherzeile (speaker_before_13)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 16.13
- siddhyaṣṭakaṃ kulāmnāye mātṝṇāṃ ca prasādataḥ |
veśyārūpeṇa brahmāṇī śāṅkarī śuṇḍinī smṛtā ||
Durch die Gnade der Mütter gibt es in der Kula-Tradition die Achtzahl der Vollendungen. Brahmāṇī hat die Gestalt der Prostituierten; Śāṅkarī gilt als Schankwirtin.
Kumārikākhaṇḍa 16.14
- kaivartī nāma kaumārī khaṭṭikā vaiṣṇavī smṛtā |
vārāhī kaṇḍukī devī indrāṇī rajakī smṛtā ||
Kaumārī heißt Fischerin; Vaiṣṇavī gilt als Khaṭṭikā. Vārāhī ist die Göttin Kaṇḍukī, und Indrāṇī gilt als Wäscherin.
Kumārikākhaṇḍa 16.15
- śilpī jñeyā tu cāmuṇḍā mahālakṣmī tathāntyajā |
caryākṣetravibhāgena jñātvā caryāṃ samācaret ||
Als Handwerkerin soll man Cāmuṇḍā erkennen und als Ausgegrenzte Mahālakṣmī. Hat man sie nach ihren Praxisbereichen und heiligen Bezirken erkannt, vollziehe man die Praxis.
Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_16)
- mā mā mā ya ḍi ā ho āva ho prayāgabhairavi ī ā samayācāru dehi me carukam |
mā mā mā ya ḍi ā ho āva ho. O Prayāgabhairavī, ī ā, du in der Praxis der Verpflichtung Erfahrene, gib mir die geweihte Speise.
Kumārikākhaṇḍa 16.16
- eṣā caryā mahācaryā veśyāgṛhe tu kārayet |
tasmādavāpya carukaṃ tadā kauleśvaro bhavet ||
Diese Praxis ist die große Praxis; man vollziehe sie im Haus der Prostituierten. Hat man von dort die geweihte Speise erhalten, wird man zum Herrn des Kaula.
Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_17)
- avve ambe ca me māye na ca huṃ huṃ ā huṃ ho pīṭhasamayācārayogānande varaṇābhairavi samayācāru dehi me carukam |
avve ambe ca me māye na ca huṃ huṃ ā huṃ ho. O Wonne des Yoga der Verpflichtungspraxis am heiligen Sitz, Varaṇābhairavī, du in der Praxis der Verpflichtung Erfahrene, gib mir die geweihte Speise.
Kumārikākhaṇḍa 16.17
- vārāṇasyāṃ tu varaṇā samayācāramelake |
śauṇḍīgṛhe mahācaryāṃ kṛtvā vāgeśvarīpadam ||
In Vārāṇasī ist Varaṇā, bei der Zusammenkunft zur Verpflichtungspraxis. Hat man im Haus der Schankwirtin die große Praxis vollzogen, erlangt man die Stätte Vāgeśvarīs.
Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_18)
- jāgriṇī ma i di dvi ā ghug ghurumālavajanti ā jambhaṇi jambhaṇi ho kollāpurabhairavi ī ā samayācāru dehi me carukam |
O Wachende! ma i di dvi ā ghug ghurumālavajanti ā jambhaṇi jambhaṇi ho. O Kollāpurabhairavī, ī ā, du in der Praxis der Verpflichtung Erfahrene, gib mir die geweihte Speise.
Kumārikākhaṇḍa 16.18
- kollāpure mahācaryā kaivarttī nagnavāsasā |
carukājñāprasādena jñānaiśvaryaṃ na saṃśayaḥ ||
In Kollāpura ist die große Praxis die nackte Kaivarttī. Durch die Gnade der Ājñā, die in der geweihten Speise liegt, erlangt man Erkenntnis und Herrschaft, daran besteht kein Zweifel.
Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_19)
- didvana dvasayala parivali ā ho avvā me kulasiddhi ā aṭṭahāsabhairavi ā samayācāru dehi me carukam |
didvana dvasayala parivali ā ho avvā me kulasiddhi ā. O Aṭṭahāsabhairavī, ā, du in der Praxis der Verpflichtung Erfahrene, gib mir die geweihte Speise.
Kumārikākhaṇḍa 16.19
- khaṭṭikīmandire caryā aṭṭahāsākule sthitā |
samayājñāprasādena carukena tu siddhidā ||
Die Praxis im Heiligtum der Khaṭṭikī gehört zum Kula von Aṭṭahāsā. Durch die geweihte Speise, durch die Gnade der Ājñā der Verpflichtung, schenkt sie Vollendung.
Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_20)
- suvbhari suvbhari āho kuḍi kuḍi ho māye mahāmāye ehi ehi bho hinaḥ bhojaya bhojaya bhairavī ā samayācāru dehi me carukam |
suvbhari suvbhari āho kuḍi kuḍi ho. O Māyā, große Māyā, komm, komm! bho hinaḥ. Nähre, nähre! O Bhairavī, ā, du in der Praxis der Verpflichtung Erfahrene, gib mir die geweihte Speise.
Kumārikākhaṇḍa 16.20
- kandukīmandire jātā jayantīkulakandare |
tasyāḥ carukadānena vīrendro yoginīkule ||
Sie ist im Heiligtum der Kandukī entstanden, in der Höhle des Kula von Jayantī. Durch ihre Gabe der geweihten Speise wird man zum Herrn der Helden im Yoginī-Kula.
Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_21)
- lambe lambe na homāli lilivijje samara savak kahajantī sā caritrabhairavī ā samayācāru dehi me carukam |
lambe lambe na homāli lilivijje samara savak kahajantī. Sie, Caritrabhairavī, ā, du in der Praxis der Verpflichtung Erfahrene, gib mir die geweihte Speise.
Kumārikākhaṇḍa 16.21
- jambukī ca parānande unmanānandacetasā |
tasyāḥ śrīcarukaṃ prāpya bhairavo bhairavīkule ||
Jambukī weilt in der höchsten Wonne. Empfängt man mit einem von der Wonne der Unmanā erfüllten Geist ihre ehrwürdige geweihte Speise, wird man Bhairava im Kula der Bhairavī.
Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_22)
- avva ho savva ho sa la vaṭṭa ho śatayojanaparamānande ā kandukībhairavī ā samayācāru dehi me carukam |
avva ho savva ho sa la vaṭṭa ho. O höchste Wonne von hundert Yojanas, ā, Kandukībhairavī, ā, du in der Praxis der Verpflichtung Erfahrene, gib mir die geweihte Speise.
Kumārikākhaṇḍa 16.22
- śilpīmandiramadhye tu yā karoti samāgamam |
yogināṃ carukārthīnāṃ dadet siddhimanekadhā ||
Sie, die mitten im Heiligtum der Śilpī Vereinigung bewirkt, gewährt den Yogis, die geweihte Speise ersehnen, vielfältige Vollendung.
Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_23)
- mātaṅgī vimalamatī prakaṭayoginī samayasiddhi māye samayācāracakre vanditatribhuvanadivyayoginī devikoṭṭabhairavī ā samayācāru dehi me carukam |
Mātaṅgī, mit makellosem Geist, offenbar erschienene Yoginī, Vollendung der Verpflichtung, Māyā! Im Kreis der Verpflichtungspraxis verehrte göttliche Yoginī der drei Welten, Devikoṭṭabhairavī, ā, du in der Praxis der Verpflichtung Erfahrene, gib mir die geweihte Speise.
Kumārikākhaṇḍa 16.23
- anādivimalamātaṅgīkule jātā mataṅginī |
prasādabuddhyā carukaṃ saṃprāpya khecaro bhavet ||
Mataṅginī ist im anfangslosen, reinen Kula der Mātaṅgī geboren. Hat man mit einem von Gnade erfüllten Verständnis die geweihte Speise empfangen, wird man zum Himmelswanderer.
Kumārikākhaṇḍa 16: Abschnittskolophon (section_colophon_after_23)
- iti kulāṣṭakakulacaryāsūtrādhikāraḥ ||
Damit endet der Abschnitt des Sūtra über die Kula-Lebenspraxis in der Achtzahl des Kula.
Kumārikākhaṇḍa 16: Sprecherzeile (speaker_before_24)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 16.24
- samayalopāni sarvāṇi merurāśistvasaṃkhyayā |
teṣāṃ saṃśodhanārthāya yā vidyā samupasthitā ||
Unzählig sind alle Verstöße gegen die Verpflichtung, ein Berg wie Meru. Die Vidyā, die zu ihrer Reinigung bereitsteht,
Kumārikākhaṇḍa 16.25
- pīṭhastavena sahitā yathā bhavati kaulini |
pramādāllopamāyāte siddhe samayamaṇḍale ||
zusammen mit dem Lobpreis der heiligen Sitze: Wie ist sie beschaffen, o Kaulinī? Tritt aus Nachlässigkeit eine Unterlassung im vollendeten Maṇḍala der Verpflichtung ein,
Kumārikākhaṇḍa 16.26
- sādhakasya bhaved glānirnānāvighnaiḥ prabādhyate |
apamṛtyubhayaṃ tasmād dāridryaṃ kalahaṃ tathā ||
verfällt der Sādhaka in Erschöpfung und wird von vielerlei Hindernissen bedrängt. Daraus erwachsen Furcht vor vorzeitigem Tod, Armut und Streit,
Kumārikākhaṇḍa 16.27
- duḥsvapnaṃ kāryahāniśca lokadveṣaṃ muhurmuhuḥ |
kā gatistasya deveśi kathaṃ saṃśuddhimāpnuyāt ||
böse Träume, das Misslingen von Vorhaben und immer wieder die Feindschaft der Menschen. Welchen Ausweg hat er, o Herrin der Götter? Wie kann er völlige Reinigung erlangen?
Kumārikākhaṇḍa 16: Sprecherzeile (speaker_before_28)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 16.28
- sādhu sādhu mahāśambho yanme nigaditaṃ śṛṇu |
vistareṇa bahubhedaistatsarvaṃ kathayāmi te ||
Gut, gut, o großer Śambhu! Höre meine Antwort auf deine Frage. Ich werde dir all dies ausführlich mit seinen vielen Unterscheidungen erklären.
Kumārikākhaṇḍa 16.29
- pīṭhopapīṭhasaṃdohakṣetropakṣetrameva ca |
dvāropadvārasthānāni sevanānnirmalo bhavet ||
Durch den Dienst an heiligen Sitzen und Nebensitzen, Versammlungsorten, Bezirken und Nebenbezirken sowie Toren und Nebentoren wird man rein.
Kumārikākhaṇḍa 16.30
- athāśaktaḥ pramādī vā vidyāpīṭhaughasevanāt |
samyak saṃśuddhimāpnoti prātarutthāya yaḥ paṭhet ||
Auch wer dazu unfähig oder nachlässig ist, erlangt vollkommene Reinigung durch die Pflege der Vidyā, der heiligen Sitze und der Überlieferung, wenn er morgens aufsteht und rezitiert.
Kumārikākhaṇḍa 16.31
- tadahaṃ saṃpravakṣyāmi samayalopaviśuddhaye |
catuḥṣaṣṭistu cakrāṇi kūṭabhedena saṃsthitāḥ ||
Das werde ich zur Reinigung von Verstößen gegen die Verpflichtung erklären. Vierundsechzig Räder bestehen entsprechend den unterschiedlichen Kūṭas.
Kumārikākhaṇḍa 16.32
- catuḥṣaṣṭistathā pīṭhān krameṇa kathayāmyaham |
paścimena krameṇaiva śāktaṃ praṇavapañcakam ||
Ebenso werde ich die vierundsechzig heiligen Sitze der Reihe nach nennen. Der Folge des Westens gemäß, mit der Śakti-geprägten Fünfergruppe der Praṇavas,
Kumārikākhaṇḍa 16.33
- mātṛkūṭasamāyogāt pīṭhastavamudīrayet |
aṭṭahāse kadambasthāṃ saumyāsyāṃ vajradhāriṇīm ||
verbunden mit dem Kūṭa der Mütter, trage man den Lobpreis der heiligen Sitze vor. Vor Saumyāsyā, der Göttin mit dem freundlichen Antlitz, die in Aṭṭahāsa im Kadamba-Baum weilt und den Vajra trägt,
Kumārikākhaṇḍa 16.34
- mahāghaṇṭasamopetāṃ praṇamāmi śivaṃkarīm |
caritrāyāṃ karañjasthāṃ kṛṣṇākhyāṃ śaktidhāriṇīm ||
die mit Mahāghaṇṭa vereint ist und Heil bewirkt, verneige ich mich. Vor der Kṛṣṇā genannten, die in Caritrā im Karañja-Baum weilt und den Speer trägt,
Kumārikākhaṇḍa 16.35
- mahābalasamopetāṃ praṇamāmi susiddhidām |
agnikena samopetāṃ daṇḍahastāṃ nagaukasām ||
die mit Mahābala vereint ist und gute Vollendung schenkt, verneige ich mich. Die mit Agnika vereinte, einen Stab in der Hand haltende und im Baum wohnende
Kumārikākhaṇḍa 16.36
- kaulagiryāṃ mahālakṣmīṃ naumi lakṣmīvivardhanīm |
jvālāmukhīṃ jayantyāyāṃ nimbasthāṃ khaḍgadhāriṇīm ||
Mahālakṣmī preise ich in Kaulagiri als die Mehrerin des Gedeihens. Jvālāmukhī, die in Jayantī im Nimba-Baum weilt und ein Schwert trägt,
Kumārikākhaṇḍa 16.37
- mahāpretasamopetāṃ naumi sarvārthasiddhidām |
aśvatthasthāṃ mahāmāyāmujjainyāṃ pāśadhāriṇīm ||
die mit Mahāpreta vereint ist und alle Ziele gelingen lässt, preise ich. Mahāmāyā, die in Ujjainī im Aśvattha-Baum weilt und eine Schlinge trägt,
Kumārikākhaṇḍa 16.38
- mahākālayutāṃ naumi sarvārthapratipādinīm |
uḍumbaratalāvasthāṃ vāyuvegāṃ dhvajāyudhām ||
die mit Mahākāla vereint ist und alle Ziele gewährt, preise ich. Vāyuvegā, die am Fuß des Udumbara-Baumes weilt und ein Banner als Waffe hat,
Kumārikākhaṇḍa 16.39
- prayāge pavanopetāṃ naumi śatruvināśanīm |
vārāṇasyāṃ tu tālasthāṃ ūrdhvakeśīṃ gadāyudhām ||
die in Prayāga mit Pavana vereint ist und Feinde vernichtet, preise ich. Vor der hochhaarigen Göttin, die in Vārāṇasī im Palmyra-Baum weilt und eine Keule als Waffe hat,
Kumārikākhaṇḍa 16.40
- praṇaumi śirasā devīṃ śāṅkarīṃ śāṅkarānvitām |
karṇamoṭīṃ vaṭasthāṃ tu saśūlāṃ hetukānvitām ||
vor Śāṅkarī, die mit Śāṅkara vereint ist, verneige ich mein Haupt. Karṇamoṭī, die im Banyan-Baum weilt, einen Dreizack hat und mit Hetuka vereint ist,
Kumārikākhaṇḍa 16.41
- śrīkoṭe śrīpradāṃ naumi rājyasaṃpatpradāyinīm |
virajāyāmbikādevīṃ mudrāpaṭṭiśadhāriṇīm ||
preise ich in Śrīkoṭa als Spenderin des Glücks, die Herrschaft und Reichtum schenkt. Vor der Göttin Ambikā in Virajā, die Siegel und Paṭṭiśa-Speer trägt,
Kumārikākhaṇḍa 16.42
- analena samopetāṃ praṇamāmi jayāvahām |
eruḍe agnivaktrāṃ tu vajraśaktidharāṃ śubhām ||
die mit Anala vereint ist und Sieg bringt, verneige ich mich. Vor der heilvollen Agnivaktrā in Eruḍa, die Vajra und Speer trägt,
Kumārikākhaṇḍa 16.43
- ghaṇṭāravasamopetāṃ namāmi ripunāśanīm |
muśalāyudhahastāṃ tu mahājaṅghasamanvitām ||
die mit Ghaṇṭārava vereint ist und Feinde vernichtet, verneige ich mich. Vor der eine Mörserkeule als Waffe in der Hand haltenden, mit Mahājaṅgha vereinten
Kumārikākhaṇḍa 16.44
- namāmi śatrubhaṅgārthe piṅgākṣīṃ hastināpure |
elāpure kharāsyāṃ tu pāśahastāṃ mahābalām ||
Piṅgākṣī in Hastināpura verneige ich mich, damit die Feinde zerschlagen werden. Die überaus mächtige Kharāsyā in Elāpura, die eine Schlinge in der Hand hält,
Kumārikākhaṇḍa 16.45
- gajakarṇasamopetāṃ naumi duṣṭapramardanīm |
kumārīṃ caiva gokarṇe mudrālakuṭadhāriṇīm ||
die mit Gajakarṇa vereint ist und die Bösen zermalmt, preise ich. Vor Kumārī in Gokarṇa, die Siegel und Stock trägt,
Kumārikākhaṇḍa 16.46
- taḍijjaṅghasamopetāṃ namāmi ripumardanīm |
indrāṇīṃ marudeśe tu trailokyākṛṣṭikārikām ||
die mit Taḍijjaṅgha vereint ist und Feinde zermalmt, verneige ich mich. Vor Indrāṇī in Marudeśa, die die drei Welten herbeizieht,
Kumārikākhaṇḍa 16.47
- karālena samopetāṃ namāmyaṃkuśadhāriṇīm |
romajaṅghasamopetāṃ nagare tu halāyudhām ||
die mit Karāla vereint ist und einen Elefantenhaken trägt, verneige ich mich. Vor der mit Romajaṅgha vereinten, in Nagara den Pflug als Waffe tragenden
Kumārikākhaṇḍa 16.48
- vakrāṃ gacchanivāsinyāṃ namāmi varasiddhaye |
kumbhakena samopetāṃ khaṭvāṅgakarabhūṣitām ||
Vakrā, die im Gehölz wohnt, verneige ich mich, um die ersehnte Gabe zu erlangen. Vor der mit Kumbhaka vereinten Göttin, deren Hand der Khaṭvāṅga-Stab schmückt,
Kumārikākhaṇḍa 16.49
- namāmi pāpaśuddhyarthaṃ cāmuṇḍāṃ pauṇḍravardhane |
purastīre prasannāsyāṃ vajraśṛṅkhaladhāriṇīm ||
vor Cāmuṇḍā in Pauṇḍravardhana verneige ich mich zur Reinigung von Schuld. Vor Prasannāsyā in Purastīra, die Vajra und Kette trägt,
Kumārikākhaṇḍa 16.50
- namāmi trijaṭopetāṃ bandhastambhanakārikām |
pṛṣṭhāpuryāṃ vidyunmukhīṃ daṇḍaśaktyāyudhodyatām ||
die mit Trijaṭa vereint ist und Fesselung und Lähmung bewirkt [Bedeutung der Fügung unsicher], verneige ich mich. Vidyunmukhī in Pṛṣṭhāpurī, die Stab und Speer als Waffen erhoben hält,
Kumārikākhaṇḍa 16.51
- naumi ghaṇṭāravopetāṃ daityastambhanakārikām |
ulkāmukhasamopetāṃ ūrdhvakeśīṃ mahābalām ||
die mit Ghaṇṭārava vereint ist und Daityas lähmt, preise ich. Die überaus mächtige Ūrdhvakeśī, die mit Ulkāmukha vereint ist,
Kumārikākhaṇḍa 16.52
- mudrālakuṭahastāṃ tu naumi duṣṭāṅgabhañjanīm |
piśitāśasamopetāṃ naumi kaṭṭārikodyatām ||
Siegel und Stock in der Hand hält und die Glieder der Bösen zerbricht, preise ich. Ich preise die mit Piśitāśa vereinte Göttin mit erhobenem Dolch,
Kumārikākhaṇḍa 16.53
- sopāre agnivaktrāṃ tu aśeṣapaśughātanīm |
kṣīrike lokamātāṃ ca khaḍgahastāṃ namāmyaham ||
Agnivaktrā in Sopāra, die sämtliche Paśus tötet. Auch verneige ich mich vor Lokamātā in Kṣīrika, die ein Schwert in der Hand hält,
Kumārikākhaṇḍa 16.54
- mahāsenasamopetāmahitaughanikṛntanīm |
vajrāṃkuśadharāṃ naumi bhīmasenasamanvitām ||
die mit Mahāsena vereint ist und die Scharen der Feinde niedermäht. Ich preise die Göttin, die Vajra und Elefantenhaken trägt und mit Bhīmasena vereint ist,
Kumārikākhaṇḍa 16.55
- stambhākṛṣṭikarīṃ devīṃ māyāpuryāṃ prakampinīm |
mahākrodhasamopetāṃ pūtanāmrātikeśvare ||
Prakampinī in Māyāpurī, die Lähmung und Herbeiziehen bewirkt. Pūtanā in Amrātikeśvara, die mit Mahākrodha vereint ist,
Kumārikākhaṇḍa 16.56
- gadāhalāyudhāṃ naumi tāḍanākṛṣṭikārikām |
bhagnanāsāṃ rājagṛhe mahākarṇasamanvitām ||
Keule und Pflug als Waffen hat und Schlagen und Herbeiziehen bewirkt, preise ich. Bhagnanāsā in Rājagṛha, die mit Mahākarṇa vereint ist,
Kumārikākhaṇḍa 16.57
- vajraśaktidharāṃ naumi aśeṣaphaladāyikām |
guhyeśvarīṃ mahābhogāṃ nityaṃ paśupateryutām ||
Vajra und Speer trägt und ausnahmslos alle Früchte schenkt, preise ich. Guhyeśvarī, die große Freuden genießt und stets mit Paśupati vereint ist,
Kumārikākhaṇḍa 16.58
- nepāle saṃsthitāṃ naumi bhavaghorāndhahāriṇīm |
kāśmīre śāradāṃ devīṃ vidyeśvarasamanvitām ||
die in Nepāla weilt und die schreckliche Blindheit des Daseins fortnimmt, preise ich. Die Göttin Śāradā in Kāśmīra, die mit Vidyeśvara vereint ist,
Kumārikākhaṇḍa 16.59
- vidyāpīṭhasamopetāṃ vidyājñānapradāyikām |
gaddiharaṇe mahāśaktiṃ naumi duḥkhakṣayaṃkarīm ||
die mit dem Sitz der Vidyā verbunden ist und Vidyā und Erkenntnis schenkt, preise ich. In Gaddiharaṇa preise ich Mahāśakti, die Leiden schwinden lässt,
Kumārikākhaṇḍa 16.60
- mahāśarasamopetāṃ pārvatīṃ parvatasthitām |
jayeśvarīṃ kulūtāyāṃ cakreśīṃ nagnavāsasām ||
Pārvatī, die mit Mahāśara vereint ist und auf dem Berg weilt. Jayeśvarī in Kulūtā, die Herrin des Rades, die nackt ist,
Kumārikākhaṇḍa 16.61
- kapālīśasamopetāṃ bhogamokṣaphalapradām |
siṃghuhāre kulālākhyāṃ citrabhogasamanvitām ||
die mit Kapālīśa vereint ist und als Frucht Genuss und Befreiung gewährt, preise ich. Die Kulālā genannte Göttin in Siṃghuhāra, die vielfältigen Genuss besitzt,
Kumārikākhaṇḍa 16.62
- bhairavena samopetāṃ naumi kilviṣanāśanīm |
bhojapuryāṃ mahācampāṃ lulantīṃ paramāṃ kalām ||
die mit Bhairava vereint ist und Schuld vernichtet, preise ich. Mahācampā in Bhojapurī, die sich wiegend bewegt, die höchste Kraft,
Kumārikākhaṇḍa 16.63
- kailāsena samopetāṃ naumi duḥsvapnanāśanīm |
strīrājye ambikādevīṃ durgamārgakṣayaṃkarīm ||
die mit Kailāsa vereint ist und böse Träume vernichtet, preise ich. Die Göttin Ambikā im Reich der Frauen, die den beschwerlichen Weg beseitigt,
Kumārikākhaṇḍa 16.64
- naṭeśvarasamāyuktāṃ naumi jñānārthasiddhaye |
mahendre tu mahāmāyāṃ khaḍgahastāṃ namāmyahaṃ ||
die mit Naṭeśvara vereint ist, preise ich, um das Ziel der Erkenntnis zu erlangen. In Mahendra verneige ich mich vor Mahāmāyā mit dem Schwert in der Hand,
Kumārikākhaṇḍa 16.65
- mahāmerusamopetāṃ mahadārtinikṛntanīm |
antarvedyāṃ mahāraktāṃ sarvajñānaughadāyinīm ||
die mit Mahāmeru vereint ist und großes Leid abschneidet. Die tiefrote Göttin in Antarvedī, die alle Ströme der Erkenntnis schenkt,
Kumārikākhaṇḍa 16.66
- caṇḍeśvarasamopetāṃ nityaṃ naumyaparājitām |
muśalahastāṃ mahāmāyāṃ trilocanasamāyutām ||
die mit Caṇḍeśvara vereint ist, die Unbesiegbare, preise ich immerdar. Mahāmāyā, die eine Mörserkeule in der Hand hält und mit Trilocana vereint ist,
Kumārikākhaṇḍa 16.67
- krūrahasthāṃ mahākālīṃ sarvadvandvavināśanīm |
mahāśmaśāne ghaṇṭāle ghaṇṭālīṃ paramāyudhām ||
Mahākālī, die in Krūraha [Ortslesung unsicher] weilt und alle Gegensatzpaare vernichtet, preise ich. Vor Ghaṇṭālī, die auf dem großen Verbrennungsplatz Ghaṇṭāla weilt und die höchste Waffe hat,
Kumārikākhaṇḍa 16.68
- ahinoghasamopetāṃ bhairavīṃ praṇamāmi tām |
ciñciṇīṃ tu kadambasthāṃ ciñcinīvṛkṣanāyikām ||
vor dieser mit Ahinogha vereinten Bhairavī verneige ich mich. Ciñciṇī, die im Kadamba weilt, die Herrin des Tamarindenbaumes,
Kumārikākhaṇḍa 16.69
- naumi bhadreśvarayutāṃ mahāpāpakṣayaṃkarīm |
karavīre śmaśāne tu ūrdhvakeśīṃ bhayaṃkarīm ||
die mit Bhadreśvara vereint ist und große Schuld vernichtet, preise ich. Die furchterregende Ūrdhvakeśī auf dem Verbrennungsplatz Karavīra,
Kumārikākhaṇḍa 16.70
- nagnavāsasamopetāṃ pānapātradharāṃ śubhām |
laṃguḍe cchinnamuṇḍākhyāṃ krodharājasamanvitām ||
die heilvolle, die mit Nagnavāsa vereint ist und ein Trinkgefäß trägt, preise ich. Die Cchinnamuṇḍā genannte Göttin in Laṃguḍa, die mit Krodharāja vereint ist,
Kumārikākhaṇḍa 16.71
- kartarīkarahastāṃ tu naumi pāpakṣayaṃkarīm |
kāmaśare śmaśāne tu kāmalakṣmīṃ jagatpatim ||
die ein Schneidmesser in der Hand hält und Schuld vernichtet, preise ich. Kāmalakṣmī, die Herrin der Welt, auf dem Verbrennungsplatz Kāmaśara,
Kumārikākhaṇḍa 16.72
- manmathena samāyuktāṃ trikoṇākārasaṃsthitām |
ekakoṇe śmaśānākhye trikoṇāṃ raktavāsasām ||
die mit Manmatha vereint ist und die Gestalt eines Dreiecks hat, preise ich. Die rot gekleidete Trikoṇā auf dem Ekakoṇa genannten Verbrennungsplatz,
Kumārikākhaṇḍa 16.73
- triśireṇa samopetāṃ nṛmuṇḍakarabhūṣitām |
ekavīre śmaśāne tu mātaṅgīṃ kulanāyikām ||
die mit Triśira vereint ist und deren Hand ein Menschenkopf schmückt, preise ich. Mātaṅgī, die Herrin des Kula, auf dem Verbrennungsplatz Ekavīra,
Kumārikākhaṇḍa 16.74
- mātaṅgīśasamopetāṃ naumi nūpurahastikām |
ḍohare tu śivādūtīṃ asurasuravanditām ||
die mit Mātaṅgīśa vereint ist und einen Fußring in der Hand hält, preise ich. Die von Asuras und Göttern verehrte Śivādūtī in Ḍohara,
Kumārikākhaṇḍa 16.75
- hayaśīrṣasamopetāṃ dhanubāṇadharāṃ parām |
śrīparvate mahāsiddhāṃ siddhamārgavikāsinīm ||
die mit Hayaśīrṣa vereint ist, Bogen und Pfeil trägt, die Höchste, preise ich. Mahāsiddhā auf Śrīparvata, die den Weg der Siddhas entfaltet,
Kumārikākhaṇḍa 16.76
- jyotiliṅgasamopetāṃ mahāyudhadharāṃ śubhām |
oṇake tu mahāśaktiṃ apavargavikāsinīm ||
die mit Jyotiliṅga vereint ist, eine große Waffe trägt und heilvoll ist, preise ich. Mahāśakti in Oṇaka, die Befreiung entfaltet,
Kumārikākhaṇḍa 16.77
- parānandasamāyuktāṃ puṣpacāpakarodyatām |
cchāyācchatre tu caṇḍinyāṃ ūrdhvakeśīṃ mahaujasīm ||
die mit Parānanda vereint ist und in der erhobenen Hand einen Blumenbogen hält, preise ich. Caṇḍinī in Cchāyācchatra, die hochhaarige, überaus kraftvolle Göttin,
Kumārikākhaṇḍa 16.78
- ūrdhvakeśasamopetāṃ mantramātṛkarodyatām |
śailapṛṣṭhe tu trijaṭāṃ śailarājasamāyutām ||
die mit Ūrdhvakeśa vereint ist und in der erhobenen Hand die Mutter der Mantras hält, preise ich. Trijaṭā auf Śailapṛṣṭha, die mit Śailarāja vereint ist,
Kumārikākhaṇḍa 16.79
- mahāḍamarukahastāṃ ca tamāndhabhayahāriṇīm |
hakkaḍokke rudraśaktiṃ bhagākhyāṃ siddhavāsanām ||
die eine große Ḍamaru-Trommel in der Hand hält und die Furcht vor dichter Finsternis fortnimmt, preise ich. Rudras Kraft in Hakkaḍokka, die Bhaga Genannte, deren inneres Streben erfüllt ist,
Kumārikākhaṇḍa 16.80
- śrīkaṇṭhasahitāṃ naumi agnijvālākalānvitām |
devīkoṭṭe mahāmāyāṃ iṣupāśakarānvitām ||
die mit Śrīkaṇṭha vereint und mit der Kraft der Feuerflamme ausgestattet ist, preise ich. Mahāmāyā in Devīkoṭṭa, die Pfeil und Schlinge in den Händen hält,
Kumārikākhaṇḍa 16.81
- vikarālasamopetāṃ saṃsārabhayanāśanīm |
mahāmāyāvane ghore caṇḍakāpālinīṃ śubhām ||
die mit Vikarāla vereint ist und die Furcht vor dem Daseinskreislauf vernichtet, preise ich. Die heilvolle Caṇḍakāpālinī im schrecklichen Wald der Mahāmāyā,
Kumārikākhaṇḍa 16.82
- pracaṇḍasaṃyutāṃ naumi sarasṛṅgakarodyatām |
śrīmaccandrapure ramye ciñcinīkulamālinīm ||
die mit Pracaṇḍa vereint ist und in den erhobenen Händen Pfeil und Horn hält, preise ich. Ciñcinīkulamālinī im ehrwürdigen, lieblichen Candrapura,
Kumārikākhaṇḍa 16.83
- lambodarasamāyuktāṃ taḍitkoṭikarodyatām |
mahāmalayadeśe tu mahāmantramaheśvarīm ||
die mit Lambodara vereint ist und zehn Millionen Blitze in der erhobenen Hand hält, preise ich. Mahāmantramaheśvarī im Land Mahāmalaya,
Kumārikākhaṇḍa 16.84
- cakreśvarasamopetāṃ kūṣmāṇḍāyudhahastikām |
mālave tu mahākālīṃ kālakaṅkālahastikām ||
die mit Cakreśvara vereint ist und einen Kürbis als Waffe in der Hand hält, preise ich. Mahākālī in Mālava, die das Gerippe des Todes in der Hand hält,
Kumārikākhaṇḍa 16.85
- meghanādasamāyuktāṃ jñānavijñānadāyikām |
śrīmatkedāranilayāṃ saṃsthitāre (?) tu mālinīm ||
die mit Meghanāda vereint ist und Erkenntnis und unterscheidendes Wissen schenkt, preise ich. Mālinī, deren Wohnstatt das ehrwürdige Kedāra ist, in Saṃsthitāra [?],
Kumārikākhaṇḍa 16.86
- sadāśivasamopetāṃ naumyahaṃ śūlahastikām |
mahālakṣmīvane ghore mahālakṣmīṃ jagatsukhām ||
die mit Sadāśiva vereint ist und einen Dreizack in der Hand hält, preise ich. Mahālakṣmī im schrecklichen Wald der Mahālakṣmī, die Freude der Welt,
Kumārikākhaṇḍa 16.87
- naumi tumburusaṃyuktāṃ varadābhayagocarām |
kṣetropakṣetrasaṃdohāḥ catuḥpañcāśa kīrtitāḥ ||
die mit Tumburu vereint ist und Gaben und Furchtlosigkeit gewährt, preise ich. Vierundfünfzig heilige Bezirke, Nebenbezirke und Versammlungsorte sind genannt.
Kumārikākhaṇḍa 16.88
- pīṭhopapīṭhasaṃdohān daśānyān kīrtayāmi te |
pūjākramavidhānena kathayāmi samāsataḥ ||
Zehn weitere heilige Sitze, Nebensitze und Versammlungsorte nenne ich dir. Gemäß der Vorschrift der Verehrungsfolge werde ich sie kurz erklären.
Kumārikākhaṇḍa 16.89
- candradvīpe kulālākhyāṃ vidyārājasamanvitām |
ṭaṅkaṭīkarahastāṃ tu paścime praṇamāmi tām ||
Ich verneige mich vor der Kulālā genannten Göttin auf Candradvīpa im Westen, die mit Vidyārāja vereint ist und eine Axt in der Hand hält.
Kumārikākhaṇḍa 16.90
- raktāṃ karālāṃ caṇḍākṣīṃ mahocchuṣmāṃ tu bhairavīm |
oṃkāre cāgnikāṃ naumi japyamālākarodyatām ||
Ich preise die rote, schreckliche, wildäugige Bhairavī Mahocchuṣmā, Agnikā in Oṃkāra, die eine Gebetskette in der erhobenen Hand hält.
Kumārikākhaṇḍa 16.91
- jālandharasthitāṃ devīṃ kāmalakṣmīṃ jagatprabhām |
phaleśvarasamopetāṃ alakṣmītamanāśanīm ||
Ich preise Kāmalakṣmī, die in Jālandhara weilende Göttin, den Glanz der Welt, die mit Phaleśvara vereint ist und die Finsternis des Unglücks vernichtet.
Kumārikākhaṇḍa 16.92
- pūrṇagirye mahāgrīvāṃ muṇḍakhaṭvāṅgadhāriṇīm |
pūrṇeśvarasamāyuktāṃ vande'haṃ sarvamaṅgalām ||
Ich verehre Mahāgrīvā in Pūrṇagirya, die einen abgetrennten Kopf und einen Khaṭvāṅga-Stab trägt, die mit Pūrṇeśvara vereint und ganz und gar heilvoll ist.
Kumārikākhaṇḍa 16.93
- manodbhavāṃ kāmarūpe kādyakhaṭvāṅgahastikām |
kāmeśvarasamopetāṃ nityaṃ naumyaparājitām ||
Immerdar preise ich die aus dem Geist geborene, unbesiegbare Göttin in Kāmarūpa, die Kādya [wohl eine Schädelschale] und einen Khaṭvāṅga-Stab in der Hand hält und mit Kāmeśvara vereint ist.
Kumārikākhaṇḍa 16.94
- tisrapīṭhe tribhuvanāṃ tridaśādhipatīśvarīm |
kapāladaṇḍahastāṃ tu varadāṃ viśvarūpiṇīm ||
Ich preise Tribhuvanā in Tisrapīṭha, die Herrin über die Herren der Götter, die eine Schädelschale und einen Stab in der Hand hält, Gaben gewährt und alle Gestalten umfasst.
Kumārikākhaṇḍa 16.95
- kṛtivāsasamopetāṃ cāmuṇḍāṃ muṇḍadhāriṇīm |
ekāmre saṃsthitāṃ devīṃ namāmyaśubhahāriṇīm ||
Ich verneige mich vor der in Ekāmra weilenden Göttin Cāmuṇḍā, die mit Kṛtivāsa vereint ist, einen abgetrennten Kopf trägt und Unheil fortnimmt.
Kumārikākhaṇḍa 16.96
- agnikena samopetāṃ kṣuradhārakarārpitām |
kāmakoṭṭe mokṣalakṣmīṃ namāmi śrīvivṛddhaye ||
Ich verneige mich vor Mokṣalakṣmī in Kāmakoṭṭa, die mit Agnika vereint ist und eine Rasierklinge in der Hand hält, damit Glück und Gedeihen wachsen.
Kumārikākhaṇḍa 16.97
- asvarāṃ tu mahādevīṃ nityamarbudavāsinīm |
arbudeśvarasaṃyuktāṃ naumi vighnārtihāriṇīm ||
Ich preise die große Göttin Asvarā, die immerdar in Arbuda wohnt, mit Arbudeśvara vereint ist und die Bedrängnis durch Hindernisse fortnimmt.
Kumārikākhaṇḍa 16.98
- hiraṇyapurasaṃsthāṃ tu parāṃ śivasamāyutām |
jñānapustakahastāṃ tu paramārthaphalapradām ||
Ich preise Parā, die Höchste, die in Hiraṇyapura weilt und mit Śiva vereint ist, ein Buch der Erkenntnis in der Hand hält und als Frucht die höchste Wirklichkeit gewährt.
Kumārikākhaṇḍa 16.99
- kṣetropakṣetrasaṃdohe sthitā bhūcakramātaraḥ |
kṣetrapālasamopetāḥ kīrtayed yaḥ samāhitaḥ ||
Wer gesammelten Geistes die Mütter des Erdenrades besingt, die in den heiligen Bezirken, Nebenbezirken und Versammlungsorten weilen und mit den Hütern der Bezirke vereint sind,
Kumārikākhaṇḍa 16.100
- prātarutthāya mantrajñaḥ svapnakāle'thavā sudhīḥ |
ādyapīṭhe kramāgre tu yoge samayamaṇḍale ||
wer als verständiger Mantrakenner morgens aufsteht oder auch zur Zeit des Schlafes, am ursprünglichen heiligen Sitz, vor dem Krama, im Yoga innerhalb des Maṇḍalas der Verpflichtung,
Kumārikākhaṇḍa 16.101
- yukto'pi pātakairghorairdevīnāṃ sammato bhavet |
pitṛhā mātṛhantā ca brahmahā goghna eva ca ||
der wird von den Göttinnen geachtet, selbst wenn er mit schrecklichen Verfehlungen behaftet ist. Ob er den Vater oder die Mutter, einen Brahmanen oder eine Kuh getötet hat,
Kumārikākhaṇḍa 16.102
- bruṇahā paśuhantā vā pāpiṣṭo gurutalpagaḥ |
vīradravyāpahārī ca pramādāt samayacyutaḥ ||
einen Embryo oder ein Tier getötet hat, als schwerer Sünder das Bett seines Lehrers bestiegen hat, die Opferstoffe der Helden geraubt hat oder aus Nachlässigkeit von der Verpflichtung abgefallen ist,
Kumārikākhaṇḍa 16.103
- mantrācāraviluptātmā pīṭhānāṃ kīrtanādapi |
sarvapātakanirmukto naiva paśyati durgatim ||
ob er die Mantrapraxis verloren hat: Durch das Besingen der heiligen Sitze wird er von allen Verfehlungen frei und sieht niemals einen unheilvollen Daseinszustand.
Kumārikākhaṇḍa 16.104
- yaḥ punaḥ śuddhabhāvātmā trikālaṃ parikīrtayet |
prāpnoti cintitān kāmān mātṝṇāṃ vallabho bhavet ||
Wer sie aber mit reiner innerer Haltung zu den drei Tageszeiten besingt, erlangt die ersehnten Wünsche und wird den Müttern lieb.
Kumārikākhaṇḍa 16.105
- kuṇḍe vā maṇḍale vāpi pratimāyāṃ paṭe'pi vā |
liṅge dakṣiṇamūrtau vā jalamadhyagato'pi vā ||
Bei einer Feuergrube, einem Maṇḍala, einem Bildnis oder einem Bildtuch, bei einem Liṅga oder einem Dakṣiṇamūrti-Bild oder auch mitten im Wasser:
Kumārikākhaṇḍa 16.106
- trikālamekakālaṃ vā yaḥ paṭhet susamāhitaḥ |
viṣaśastrajalāgnibhyo vyādhibhūtagrahairapi ||
Wer mit ganz gesammeltem Geist zu den drei Tageszeiten oder zu einer Tageszeit rezitiert, wird von Gift, Waffen, Wasser und Feuer, von Krankheit, Geistern und schädlichen Gestirnmächten
Kumārikākhaṇḍa 16.107
- ajitaḥ suciraṃ kālaṃ jīvate nirupadravaḥ |
sabījaṃ sādhayet samyak saphalaṃ nātra saṃśayaḥ ||
nicht überwältigt und lebt sehr lange ohne Bedrängnis. Mit Bījas vollziehe man die Praxis auf rechte Weise; sie trägt Frucht, daran besteht kein Zweifel.
Kumārikākhaṇḍa 16.108
- niṣphalaṃ bījarahitaṃ araṇye ropitaṃ yathā |
aṭṭahāsāt samārabhya yāvat taṃ hāṭakaṃ puram ||
Ohne Bījas bleibt sie fruchtlos, wie etwas, das im Wald gepflanzt wird. Von Aṭṭahāsa angefangen bis zu jener Stadt Hāṭaka
Kumārikākhaṇḍa 16.109
- tāvad mantrānvayo hyeṣa aṇimādiphalapradaḥ |
śrīnātha uvāca
aṭṭahāsādipīṭhāṇāṃ hemapīṭhāntakāvadhiḥ ||
reicht diese Folge der Mantras, die als Frucht Aṇimā und die weiteren Vollendungen schenkt. Die heiligen Sitze beginnen mit Aṭṭahāsa und reichen bis zum Hemapīṭha.
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 16.110
- tāvat pīṭheṣu sarveṣu aśakto'bījapañcake |
mātṛkūṭasamāyogāt tadupāyaṃ vadasva me ||
An all diesen Sitzen ist man ohne die Fünfergruppe der Bījas kraftlos. Erkläre mir das Mittel durch die Verbindung mit dem Kūṭa der Mütter [Satzbezug unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 16: Sprecherzeile (speaker_before_111)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 16.111
- aṭṭahāsādipīṭheṣu kṛtvā vai dīpapañcakam |
tathaiva mātṛhṛdayaṃ hemakūṭasya uccaret ||
Nachdem man an den heiligen Sitzen, beginnend mit Aṭṭahāsa, die fünf Lampen gebildet hat, spreche man ebenso das Herz der Mütter des goldenen Gipfels aus.
Kumārikākhaṇḍa 16.112
- ādyantoccārayogena sarve mātṛkule gatāḥ |
ādyantakaraṇaṃ yogaṃ sabījakaraṇottamam ||
Durch die Verbindung der Aussprache am Anfang und am Ende sind alle in das Kula der Mütter eingegangen. Dieser Yoga mit den Mitteln am Anfang und am Ende, das vorzügliche Versehen mit Bījas,
Kumārikākhaṇḍa 16.113
- aśaktānāṃ samākhyātaṃ śrīgṛhe tasya sāṃpratam |
tasmād bhuktiśca muktiśca pīṭhānāṃ kīrtanād bhavet ||
ist nun im ehrwürdigen Haus für die Kraftlosen erklärt. Daraus entstehen durch das Besingen der heiligen Sitze sowohl Genuss als auch Befreiung.
Kumārikākhaṇḍa 16.114
- ādhārāḥ stavarājasya praṇavāḥ pūrvapaścime |
guptoccārakṛte siddhiryadi yogī ca mantravit ||
Die Praṇavas am Anfang und am Ende sind die Grundlagen des Königs der Lobpreise. Bei geheimer Aussprache entsteht Vollendung, wenn der Yogi die Mantras kennt.
Kumārikākhaṇḍa 16.115
- mahābhaye samutpanne kapilāgomayena tu |
aṣṭāṣṭavidhānena kārayed vṛttamaṇḍalam ||
Wenn große Furcht entsteht, lasse man mit dem Dung einer braunen Kuh ein rundes Maṇḍala nach der Ordnung von acht mal acht anfertigen.
Kumārikākhaṇḍa 16.116
- śivaratnaṃ tathānyeṣu ekānte yāgamandire |
sādhakānāṃ putrakānāṃ stavarājasya sevanāt ||
Es heißt Śivas Juwel; man fertige es an einem abgeschiedenen Ort im Opferhaus und an entsprechenden anderen Orten. Durch den Dienst am König der Lobpreise erfolgt die Verehrung für Sādhakas und Putrakas [Satzfügung verkürzt],
Kumārikākhaṇḍa 16.117
- sugandhaiḥ śvetapuṣpaiśca kuṃkumena suvāsitaiḥ |
dhūpaiḥ śrīkhaṇḍagandhādyaiḥ sumanena palālinā ||
mit duftenden weißen Blumen, mit Safran wohlbeduftet, mit Räucherwerk, das nach Sandelholz und dergleichen duftet, und mit wohlschmeckendem Fleisch,
Kumārikākhaṇḍa 16.118
- naivedyabhakṣapānādyairdīpairnānāvidhaiḥ śubhaiḥ |
madhye tu kalaśaṃ sthāpya vīradravyaprapūritam ||
mit Speiseopfern, Essbarem, Getränken und anderen Gaben sowie vielerlei schönen Lampen. In die Mitte stelle man einen Krug, der mit den Opferstoffen der Helden gefüllt ist.
Kumārikākhaṇḍa 16.119
- aiṃkāramāsanaṃ datvā tena kandaṃ tu lāñcchitam |
svayaṃ cārṇaṃ mahāpiṇḍaṃ karau dehe tu vinyaset ||
Man gebe ihm als Sitz die Silbe Aiṃ, mit der die Basis gekennzeichnet wird. Selbst lege man die Mahāpiṇḍa genannte Silbe in beide Hände und in den Körper ein.
Kumārikākhaṇḍa 16.120
- piṇḍānvitena dehena pīṭhayāgaṃ tu kārayet |
madhye hiraṇyaṃ saṃpūjyaṃ paścimaṃ sarvakāmadam ||
Mit einem vom Piṇḍa erfüllten Körper lasse man die Verehrung der heiligen Sitze vollziehen. In der Mitte ist der goldene, letzte Sitz zu verehren, der alle Wünsche gewährt.
Kumārikākhaṇḍa 16.121
- anye vilomamārgeṇa yāvad vai aṭṭahāsakam |
pīṭhayāgaṃ tu kartavyaṃ pādvantaṃ śrīpurādinā ||
Die anderen folgen in umgekehrter Reihenfolge bis zu Aṭṭahāsaka. Die Verehrung der heiligen Sitze soll mit Śrīpura beginnen und mit Pādu enden.
Kumārikākhaṇḍa 16.122
- pīṭhopapīṭhasaṃdohakṣetropakṣetranāyakāḥ |
sarve te dvārabhūtāstu śivapīṭhasya madhyataḥ ||
Die Herren der heiligen Sitze, Nebensitze, Versammlungsorte, Bezirke und Nebenbezirke dienen alle als Tore zu Śivas Sitz in der Mitte.
Kumārikākhaṇḍa 16.123
- yuktāste pretanāthena śivavyāptyā haranti te |
tatrasthāḥ pūjitā mantrāḥ kriyāmārgāvalambakāḥ ||
Mit dem Herrn der Verstorbenen vereint, tragen sie durch Śivas alldurchdringende Gegenwart hinweg [das Objekt ist nicht genannt]. Die dort gegenwärtigen, verehrten Mantras, die sich auf den Weg der Ritualhandlungen stützen,
Kumārikākhaṇḍa 16.124
- jñānaṃ dadanti sarveṣāṃ bhaktyā saṃtarpitāḥ śubhāḥ |
tasmāt sarvaṃ prayatnena hairaṇyaṃ pīṭhamuttamam ||
schenken allen Erkenntnis, wenn sie, heilvoll, mit Hingabe zufriedengestellt werden. Darum mit aller Mühe … Hairaṇya, der höchste heilige Sitz [Satz unvollständig].
Kumārikākhaṇḍa 16.125
- tatra pūjā kṛtā nityaṃ sarvakāmānavāpnuyāt |
digvidikṣu gatāḥ pīṭhā bāhyato madhyamāsane ||
Wird dort beständig Verehrung vollzogen, erlangt man alle Wünsche. Die heiligen Sitze befinden sich außen in den Haupt- und Zwischenrichtungen; auf dem Sitz in der Mitte,
Kumārikākhaṇḍa 16.126
- garbhasthāne mahāpīṭhaṃ tvevaṃ krameṇa yojayet |
catuḥṣaṣṭistu dīpāni pīṭhāni parivartayet ||
im innersten Raum, ordne man den großen heiligen Sitz auf diese Weise der Reihe nach an. Die vierundsechzig Lampen verwandle man in heilige Sitze.
Kumārikākhaṇḍa 16.127
- ahorātroṣito bhūtvā svapekākī suyantritaḥ |
brahmacārīvratasthaśca piśitālivivarjitaḥ ||
Nachdem man einen Tag und eine Nacht dort geblieben ist, schlafe man allein und gut beherrscht. Man halte das Gelübde der Enthaltsamkeit und meide Fleisch und Alkohol.
Kumārikākhaṇḍa 16.128
- tatra japyaṃ prakartavyaṃ mātratriṃśatijaṃ yataḥ |
prabhāte vimale mantrī vīrabhojyaṃ tu kārayet ||
Dort ist die Wiederholung zu vollziehen, die aus dreißig Lautmaßen hervorgeht. In der klaren Morgendämmerung lasse der Mantrapraktizierende eine Heldenmahlzeit bereiten.
Kumārikākhaṇḍa 16.129
- tataḥ kṣamāpayet pīṭhān praṇipatya muhurmuhuḥ |
nirvighnastu tato mantrī sarvaṃ bhavati siddhidam ||
Dann bitte er die heiligen Sitze um Verzeihung, indem er sich immer wieder verneigt. Darauf ist der Mantrapraktizierende frei von Hindernissen, und alles bringt Vollendung.
Kumārikākhaṇḍa 16.130
- upasargagrahādīni yakṣakūṣmāṇḍaguhyakāḥ |
śatrorutkaṭadeśe tu rājābhaṅge viśeṣataḥ ||
Bei Bedrängnissen, schädlichen Gestirnmächten und dergleichen, bei Yakṣas, Kūṣmāṇḍas und Guhyakas, im gewalttätigen Gebiet eines Feindes und besonders beim Sturz eines Königs
Kumārikākhaṇḍa 16.131
- mucyate sa upasargebhyo dhanadhānyamavāpnuyāt |
paropaghāṭakṛtyeṣu māraṇoccāṭanādiṣu ||
wird er aus den Bedrängnissen befreit und erlangt Reichtum und Getreide. Bei schädigenden Handlungen anderer, bei Tötungs- und Vertreibungsritualen und dergleichen,
Kumārikākhaṇḍa 16.132
- pāpapaṅkād hi mucyeta nirmalaṃ vāstraṃ vartate |
pīṭhānāṃ kramayogena pāpātmā na punarbhavet ||
wird er vom Schlamm der Schuld frei und bleibt wie ein makelloses Tuch. Durch die Verbindung mit der Folge der heiligen Sitze wird er nicht wieder zu einem schuldhaften Menschen.
Kumārikākhaṇḍa 16.133
- prāpnuyādabhīpsitān kāmān mṛtavat so'pi yo bhavet |
jīvavatsā bhavati putriṇī tadabhiṣecanāt ||
Selbst wer wie tot ist, erlange die ersehnten Wünsche. Durch diese Weihe wird sie eine Mutter, deren Kinder leben, und hat Söhne [Lesung und Personenbezug unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 16.134
- putrārthī labhate putrān subhagatvamavāpnuyāt |
vidyārthī labhate vidyāṃ dhanārthī dhanavān bhavet ||
Wer Söhne ersehnt, erhält Söhne und erlangt Glück. Wer Vidyā ersehnt, erhält Vidyā; wer Reichtum ersehnt, wird reich.
Kumārikākhaṇḍa 16.135
- dārārthī labhate dārāṃ rūpayauvanagarvitām |
bhūmyarthī labhate bhūmiṃ pānārthī pānamāpnuyāt ||
Wer eine Frau ersehnt, erhält eine Frau, die auf ihre Schönheit und Jugend stolz ist. Wer Land ersehnt, erhält Land; wer ein Getränk ersehnt, erhält ein Getränk.
Kumārikākhaṇḍa 16.136
- jñānārthī labhate jñānaṃ samayārthī samayaṃ labhet |
mantrārādhanaśīlastu jāyate nirupadravaḥ ||
Wer Erkenntnis ersehnt, erhält Erkenntnis; wer die Verpflichtung ersehnt, erhält die Verpflichtung. Wer sich der Verehrung durch Mantras widmet, wird frei von Bedrängnis.
Kumārikākhaṇḍa 16.137
- yogābhyāsarato nityaṃ prāpya siddhiṃ paraṃ vrajet |
pādavidyāprasaṅgena pīṭhastavaprakāśitam ||
Wer sich stets an der Yogaübung erfreut, erlangt Vollendung und geht zum Höchsten. Im Zusammenhang mit den Pāda-Vidyās wurde der Lobpreis der heiligen Sitze offenbart.
Kumārikākhaṇḍa 16.138
- samastavyastaprāptistu mantroccāraṇadhāraṇāt |
anvaye'smin samastaṃ tu stavapāṭhamudāhṛtam ||
Durch das Bewahren der Mantraaussprache wird das Ganze wie das Einzelne erlangt. Damit ist in dieser Überlieferung die gesamte Rezitation des Lobpreises erklärt.
Kumārikākhaṇḍa 16: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike ādyapīṭhāvatārite kādibhede pīṭhastavādhikāre vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite vidyādhikāro nāmānandaḥ || 16 ||
So endet das sechzehnte Kapitel, die Wonne namens „Der Abschnitt über die Vidyā“: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, in der Kādi-Abteilung, im Abschnitt über den Lobpreis der heiligen Sitze, auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 17

Kumārikākhaṇḍa 17: Eingangsverehrung (invocation_1)
- || oṃ svasti ||
Oṃ. Heil und Segen!
Kumārikākhaṇḍa 17: Eingangsverehrung (invocation_2)
- śrīnāthapādukābhyāṃ namaḥ| śrīgaṇeśāya namaḥ|
Verehrung den beiden Sandalen Śrīnāthas. Verehrung dem erhabenen Gaṇeśa.
Kumārikākhaṇḍa 17: Kapitelkopf (volume_title)
- manthānabhairavatantre kumārikākhaṇḍe
Im Kumārikākhaṇḍa des Manthānabhairava-Tantra.
Kumārikākhaṇḍa 17: Kapitelkopf (heading)
- saptadaśānandaḥ
Siebzehnte Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 17: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 17.1
- anvayasya tu yat sāraṃ divyaughe saṃpradarśitam |
ṣoḍaśātmakasaṃketamadhunā kathayāmi te ||
Die Essenz der Überlieferung wurde im göttlichen Strom offenbart. Nun erkläre ich dir die sechzehnfache Ordnung ihrer vereinbarten Zeichen.
Kumārikākhaṇḍa 17.2
- santānaṃ merumārge ca anvayaṃ tatra devatā |
nirgamaṃ caiva oṃkāre siddhānvaye prakīrtitam ||
Die Überlieferungslinie liegt auf dem Meru-Weg; die Überlieferung ist dort die Gottheit. Das Hervorgegangene liegt in Oṃkāra und wird in der Überlieferung der Siddhas verkündet.
Kumārikākhaṇḍa 17.3
- tuṣṇīdevaṃ guhāvāsī vṛkṣaṃ caiva kadambakam |
siṃhasaṃketakaṃ caiva avvā ca guhavāsinī ||
Der Gott ist der höhlenbewohnende Tuṣṇī; der Baum ist Kadambaka. Das vereinbarte Zeichen ist der Löwe; die Mutter ist Guhavāsinī, die Höhlenbewohnerin.
Kumārikākhaṇḍa 17.4
- gṛhaṃ candrapuraṃ proktaṃ bhedaṃ manthānabhairavam |
gotram amarikā devī vāmamārge prakalpitā ||
Das Haus heißt Candrapura, Stadt des Mondes; die Abteilung ist Manthānabhairava. Die Sippe ist die Göttin Amarikā, die auf dem linken Weg vergegenwärtigt wird.
Kumārikākhaṇḍa 17.5
- anvaye pratyayaṃ sāraṃ adhikāraṃ tu koṅkaṇe |
janmabrahmaśilā siddhasthitirvai kāmarūpake ||
In der Überlieferung ist das Zeichen der Verwirklichung die Essenz; die Vollmacht liegt in Koṅkaṇa. Es gibt den Brahmā-Stein der Geburt, und der vollendete Bestand liegt in Kāmarūpaka.
Kumārikākhaṇḍa 17.6
- kīrtiściñciṇivṛkṣaṃ tu siddhiścaiva tu sāgare |
tuṣṭo'haṃ tasya deveśa yo jānāti kulakramam ||
Der Ruhm ist der Tamarindenbaum; die Vollendung liegt im Meer. O Herr der Götter, ich bin mit dem zufrieden, der die Kula-Folge kennt.
Kumārikākhaṇḍa 17.7
- ayaṃ tu kaulikaṃ sāraṃ kulakramavinirgatam |
ṣoḍaśātmakasaṃketaṃ jñātvā cānvayiko bhavet ||
Dies ist die Essenz des Kaula, die aus der Kula-Folge hervorgegangen ist. Wer die sechzehnfache Ordnung der Zeichen kennt, wird zum Angehörigen der Überlieferung.
Kumārikākhaṇḍa 17: Sprecherzeile (speaker_before_8)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 17.8
- kiṃ merumārgaṃ deveśi anvaye kātra devatā |
oṃkāranirgamaṃ brūhi siddhau caiva vadasva me ||
Was ist der Meru-Weg, o Herrin der Götter? Welche Gottheit ist hier in der Überlieferung? Erkläre das Hervorgehen aus Oṃkāra und sprich zu mir auch über die beiden Siddhas.
Kumārikākhaṇḍa 17.9
- guhāvāsāntaraṃ kiṃ tu kadambaṃ prakaṭaṃ kuru |
siṃhakaṃ ca na me jñātaṃ candrapuryaṃ viśeṣataḥ ||
Was ist das Innere der Höhlenwohnung? Erkläre den Kadamba-Baum. Den Löwen kenne ich noch nicht, und insbesondere die Mondstadt ist mir nicht erklärt.
Kumārikākhaṇḍa 17.10
- gotraṃ manthānabhedaṃ ca prakaṭaṃ kuru kaulini |
anvaye pratyayaṃ kiṃ tu adhikāraṃ tathāmbike ||
Erkläre die Sippe und die Manthāna-Abteilung, o Kaulinī. Was ist das Zeichen der Verwirklichung in der Überlieferung, und was ist die Vollmacht, o Mutter?
Kumārikākhaṇḍa 17.11
- janmabrahmaśilāṃ yoniṃ nigadasva maheśvari |
sthitiḥ kiṃ kāmarūpe tu kīrtiṃ kathaya ciñciṇīm ||
Erkläre den Brahmā-Stein der Geburt, die Yoni, o große Herrin. Was ist der Bestand in Kāmarūpa? Erkläre den Ruhm, die Ciñciṇī.
Kumārikākhaṇḍa 17.12
- sāgare tu kathaṃ siddhiḥ etat pṛcchāmi kaulini |
sphuṭaṃ kathaya ekaikaṃ saṃśayaṃ chetumarhasi ||
Wie kommt die Vollendung im Meer zustande? Das frage ich, o Kaulinī. Erkläre jedes Einzelne deutlich; löse meinen Zweifel auf.
Kumārikākhaṇḍa 17: Sprecherzeile (speaker_before_13)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 17.13
- saṃketāni ca deveśa kulāmnāye vyavasthitāḥ |
candrapuryasya bimbasya anvayaṃ ṣoḍaśātmakam ||
Die vereinbarten Zeichen, o Herr der Götter, gehören zur Kula-Tradition. Die Überlieferung des Urbildes der Mondstadt ist sechzehnfach.
Kumārikākhaṇḍa 17.14
- tasya santānasūtraṃ tu ṣaḍvidhasya kramasya ca |
adhunā śrūyatāṃ śambho amṛtaṃ sārasaṃgraham ||
Höre jetzt, o Śambhu, ihr Santānasūtra, die Lehre von der Überlieferungslinie und der sechsfachen Folge: den Nektar, der die Essenz zusammenfasst.
Kumārikākhaṇḍa 17.15
- pade pade mayā khyātaṃ bhede bhede pṛthak pṛthak |
atigūḍhamidaṃ praśnaṃ devadevāvatāritam ||
Schritt für Schritt habe ich dies erklärt, in jeder Abteilung einzeln. Diese tief verborgene Frage ist vom Gott der Götter herabgebracht worden.
Kumārikākhaṇḍa 17.16
- tadahaṃ kathayiṣyāmi yena vindasi sarvaśaḥ |
meru bhuvana vikhyātaṃ devatālayaśobhanam ||
Ich werde dir das erklären, wodurch du alles erlangst. Meru ist als Welt bekannt, als schöne Wohnstatt der Gottheiten.
Kumārikākhaṇḍa 17.17
- trikūṭaṃ śṛṅgaracitaṃ tribhirdevairadhiṣṭhitam |
brahmā viṣṇuśca rudraśca ete siddhakrame sthitāḥ ||
Er hat drei Gipfel, ist mit Bergspitzen gestaltet und wird von drei Göttern bewohnt: Brahmā, Viṣṇu und Rudra. Sie sind in der Folge der Siddhas gegenwärtig.
Kumārikākhaṇḍa 17.18
- ānandaṃ vimalaṃ ciñcaṃ eṣāṃ saṃjñā triśuddhiṣu |
ānandaṃ vyāpakaṃ deva sarvabhūteṣvavasthitam ||
Ānanda, Vimala und Ciñca sind ihre Namen bei den drei Reinigungen. Ānanda, die Wonne, o Gott, durchdringt alles und ist in allen Wesen gegenwärtig.
Kumārikākhaṇḍa 17.19
- sṛṣṭirvimalarūpeṇa cikārājñāgṛhe sthitā |
etairvijñātamātraistu mokṣaṃ yāsyanti mānavāḥ ||
Die Schöpfung weilt in reiner Gestalt im Haus der Ājñā der Ci Genannten. Allein durch das Erkennen dieser Zusammenhänge gelangen die Menschen zur Befreiung.
Kumārikākhaṇḍa 17.20
- vyāpinyā ca mahādevī ekaikasya vyavasthitā |
taraṅginī mahācaṇḍā kāye kāyeṣu vyāpinī ||
Die große Göttin durchdringt alles und ist in jedem Einzelnen gegenwärtig. Sie ist Taraṅginī, die Wogende, die überaus Heftige, die jeden Körper durchdringt.
Kumārikākhaṇḍa 17.21
- triratnabhūṣitaistvaṅgaiḥ svabhāvena tu dīpitā |
mārgaṃ caiva ṛjuṃ spaṣṭaṃ suśuddhamamṛtopamam ||
Ihre Glieder sind mit drei Juwelen geschmückt; aus ihrem eigenen Wesen leuchtet sie. Der Weg ist gerade und deutlich, vollkommen rein und dem Nektar gleich.
Kumārikākhaṇḍa 17.22
- amā nāma kalā sā tu āśramaṃ guhyamaṇḍale |
āgatā sā parā devī dāḍimīkusumopamā ||
Sie ist die Amā genannte Teilkraft; ihre Einsiedelei liegt im verborgenen Maṇḍala. Dorthin ist die höchste Göttin gekommen, einer Granatapfelblüte gleich.
Kumārikākhaṇḍa 17.23
- dvau pakṣau guhakā māyā dṛśyete ṛtukālayoḥ |
vicitrā nāma vikhyātā tayā vyāptamaśeṣataḥ ||
Die beiden Hälften des Monats, Guhakā und Māyā, werden zu den beiden Jahreszeiten wahrgenommen [Bezug unsicher]. Sie ist unter dem Namen Vicitrā bekannt; alles ist von ihr durchdrungen.
Kumārikākhaṇḍa 17.24
- eṣā sā devatā devatayā khyātā mayā prabho |
guhāśramād viniṣkrāntā asvarā svaravāhinī ||
Dies ist jene Gottheit, o Herr, die ich als die Gottheit bezeichnet habe. Aus der Höhleneinsiedelei hervorgetreten, ist sie lautlos und trägt doch den Klang.
Kumārikākhaṇḍa 17.25
- śuddhasphaṭikasaṃkāśā śaktibhiḥ saha saṃsthitā |
niṣkrāntā kūrmanāḍyā yā indubimbasamāyutā ||
Reinem Kristall gleich weilt sie zusammen mit ihren Kräften. Sie ist durch die Kūrma-Nāḍī, den Schildkrötenkanal, hervorgetreten und mit der Mondscheibe verbunden.
Kumārikākhaṇḍa 17.26
- siddhau dvāviti vikhyātau bhūṣitaṃ merumaṇḍalam |
sṛṣṭisaṃhārakartārau punaścāntapade sthitau ||
Zwei Siddhas sind bekannt; von ihnen ist das Meru-Maṇḍala geschmückt. Sie bewirken Schöpfung und Auflösung und sind danach wieder auf der höchsten Stufe gegenwärtig.
Kumārikākhaṇḍa 17.27
- oṃkāranirgamaṃ deva sādākhyaṃ parigīyate |
ayaṃ brahma ayaṃ viṣṇurayaṃ rudro maheśvaraḥ ||
Das Hervorgehen aus Oṃkāra, o Gott, wird Sādākhya genannt. Dieser ist Brahmā, dieser ist Viṣṇu, dieser ist Rudra und Maheśvara.
Kumārikākhaṇḍa 17.28
- sarvadevamayo hyeṣa oṃkāra iti gīyate |
merormadhyamatuṅge tu sthitā samudramālayā ||
Er besteht aus allen Göttern und wird Oṃkāra genannt. Auf Merus mittlerem Gipfel weilt die Göttin, deren Girlande das Meer ist.
Kumārikākhaṇḍa 17.29
- trikoṇāyāṃ guhāmadhye oṃkārastatra dṛśyate |
amṛtamadhye guhāvāsī bindunā gīyate tu sā ||
Im Dreieck, mitten in der Höhle, wird dort Oṃkāra wahrgenommen. Mitten im Nektar ist die Höhlenbewohnerin; als Bindu wird sie bezeichnet.
Kumārikākhaṇḍa 17.30
- saṃketaṃ vṛkṣamūlaṃ tu yonimadhye kadambakam |
tena vyāptamidaṃ meru ālayaṃ sarvayoginām ||
Das vereinbarte Zeichen ist die Baumwurzel, der Kadambaka mitten in der Yoni. Von ihm ist dieser Meru durchdrungen, die Wohnstatt aller Yogis.
Kumārikākhaṇḍa 17.31
- saṃjñābhedasthitā devī harayā bindusaṃjñayā |
bhāṣāmudrāṇi cinhāni saṃketena prakīrtitāḥ ||
Die Göttin erscheint unter unterschiedlichen Benennungen; als Harā trägt sie den Namen Bindu. Sprachzeichen, Gesten und Kennzeichen sind in der vereinbarten Zeichensprache verkündet.
Kumārikākhaṇḍa 17.32
- siṃhakaṃ śṛṇu deveśa ambā yatra svayaṃ sthitā |
bhairavī ramate tatra krīḍate bhairavaiḥ saha ||
Höre vom Löwen, o Herr der Götter, dort, wo die Mutter selbst weilt. Bhairavī vergnügt sich dort und spielt zusammen mit den Bhairavas.
Kumārikākhaṇḍa 17.33
- adhiṣṭhānaṃ mahāsthānaṃ samudrālayaveṣṭitam |
siṃhakaṃ taṃ vijānīyāt siṃhāsanamudīritam ||
Die Grundlage ist die große Stätte, umschlossen von der Wohnung des Meeres. Erkenne dies als den Löwen; es wird Löwenthron genannt.
Kumārikākhaṇḍa 17.34
- ambarasthaṃ mahābimbaṃ ṣoḍaśasvarabhūṣitam |
tanmadhye tu amā devī gṛhametat prakīrtitam ||
Im Himmelsraum liegt die große Scheibe, geschmückt mit sechzehn Vokalen. In ihrer Mitte ist die Göttin Amā. Dies wird das Haus genannt.
Kumārikākhaṇḍa 17.35
- kūrmayantrapravāhena manthayecca parasparam |
manthānaṃ sṛṣṭirevoktaṃ kaulikaṃ kalasaṃbhavam ||
Durch die Strömung des Schildkröten-Wirkwerks soll man eines mit dem anderen quirlen. Das Quirlen wird als Schöpfung selbst bezeichnet, als das zum Kaula gehörige Hervorgehen der Teilkräfte.
Kumārikākhaṇḍa 17.36
- tasmin madhye ramed dhīmān yatra mātā nirāmayā |
asmin gotraṃ pravakṣyāmi amaratvaṃ śṛṇu priya ||
Dort in der Mitte, wo die makellose Mutter weilt, vergnüge sich der Verständige. Nun werde ich die Sippe darin erklären; höre von der Unsterblichkeit, o Geliebter.
Kumārikākhaṇḍa 17.37
- pañcaratnasya madhyasthaṃ śrīkaṇṭhādi prakīrtitam |
eṣa devyādigotro 'yaṃ na gotraṃ nāmasaṃjñayā ||
In der Mitte der fünf Juwelen liegt die mit Śrīkaṇṭha beginnende Reihe. Dies ist die ursprüngliche Sippe der Göttin, keine Sippe allein aufgrund einer Namensbezeichnung.
Kumārikākhaṇḍa 17.38
- vāmabhāge sthitā yā tāṃ vāmācāreṇa pūjayet |
amaratveti vijñeyaṃ lambakaṃ nāma viśrutam ||
Die auf der linken Seite weilende Göttin verehre man durch die linke Praxis. Dies ist als Unsterblichkeit zu erkennen und unter dem Namen Lambaka bekannt.
Kumārikākhaṇḍa 17.39
- sā kalā bhāvaye dravyaṃ pibasva amṛtopamam |
eṣā paraṃ mahāsthānaṃ merumaṇḍalaveṣṭitam ||
Jene Teilkraft ist der Ritualstoff. Trinke den nektargleichen Stoff um des Lebens willen [Deutung unsicher]. Sie ist die höchste große Stätte, vom Meru-Maṇḍala umschlossen.
Kumārikākhaṇḍa 17.40
- pratyayaṃ śṛṇu deveśa mahāviśveti dṛśyate |
vartulaṃ ratnatuṅgābhaṃ varṇāvarṇāntapratyayam ||
Höre vom Zeichen der Verwirklichung, o Herr der Götter: Es erscheint als das große All. Rund und wie der Juwelengipfel leuchtend, ist es das Zeichen am Ende von Laut und Lautlosigkeit.
Kumārikākhaṇḍa 17.41
- tacca paśyanti yoginyo martyānāṃ prakaṭaṃ hara |
mahāparvatabimbasya pūjāṃ kurvanti yoginaḥ ||
Dies sehen die Yoginīs, und es ist den Sterblichen offenbar, o Hara. Die Yogis verehren die Gestalt des großen Berges.
Kumārikākhaṇḍa 17.42
- kramārcanaṃ prakurvanti ye sthitā viśvamadhyataḥ |
divyākṣaraṃ tu taṃ paśyet kaulinīparilekhitam ||
Die in der Mitte des Alls Gegenwärtigen vollziehen die Verehrung des Krama. Man schaue jene göttliche Silbe, die von Kaulinī eingezeichnet ist.
Kumārikākhaṇḍa 17.43
- sa eṣa pratyayaṃ rudra pratyakṣaṃ samudāhṛtam |
kṛtaṃ mayādhikāraṃ tu pūrṇapīṭhe hyadhomukhī ||
Dies, o Rudra, ist das Zeichen der Verwirklichung, das als unmittelbar sichtbar erklärt wurde. Die Vollmacht habe ich im vollkommenen heiligen Sitz eingesetzt; dort bin ich nach unten gewandt.
Kumārikākhaṇḍa 17.44
- punaḥ koṃkaṇāvatāre kamalāvvā prakīrtitā |
etad vai adhikāraṃ tu koṃkaṇe prakaṭīkṛtam ||
Bei der Herabkunft nach Koṃkaṇa werde ich wiederum Kamalāvvā, Mutter Lotus, genannt. Diese Vollmacht ist in Koṃkaṇa offenbart worden.
Kumārikākhaṇḍa 17.45
- brahmasthāne bhavet padmaṃ sṛṣṭyarthaṃ samupāgatam |
janmasthānaṃ śilāmadhye tatra cāṃkuradevatā ||
An der Stätte Brahmās befindet sich ein Lotus, der zur Schöpfung hervorgetreten ist. Mitten im Stein liegt die Geburtsstätte; dort ist die Gottheit des Sprosses.
Kumārikākhaṇḍa 17.46
- tayā ca sā śilākrāntā janmabrahmaśilā smṛtā |
kandamūlamadhaḥsthāne vartulaṃ cātiśobhanam ||
Von ihr ist der Stein erfüllt; darum heißt er Brahmā-Stein der Geburt. Die Wurzelknolle liegt unten, rund und überaus schön.
Kumārikākhaṇḍa 17.47
- tacchravet kāminīcakre devadeva maheśvara |
kāmākhyaṃ guhyasaṃsthāne sthitvāśramaṃ mameti ca ||
Sie möge in das Rad der liebenden Göttin träufeln, o Gott der Götter, großer Herr. Im geheimen Bereich liegt Kāmākhya; der dortige Aufenthalt ist meine Einsiedelei [Satzfügung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 17.48
- kariṣyāmi hyahaṃ kīrtiṃ ciñcākhye vṛkṣasaṃjñake |
mayāpi vyāpitaṃ meru ramantī ca ahaṃ sthitā ||
Ich werde den Ciñca genannten Baum berühmt machen. Meru ist von mir durchdrungen, und ich weile dort, mich vergnügend.
Kumārikākhaṇḍa 17.49
- sāgare hṛdi madhye tu nānāsiddhīnyanekaśaḥ |
tatra mantrā hi yogadā vijñānaṃ cātra saṃsthitam ||
Im Meer mitten im Herzen liegen vielerlei Vollendungen in großer Vielfalt. Dort schenken die Mantras Yoga, und dort ist unterscheidende Erkenntnis gegenwärtig.
Kumārikākhaṇḍa 17.50
- bhogamokṣālayaṃ deva yat kiñcit sacarācaram |
etat sāraṃ mahāśambho jñātavyaṃ kaulikaiḥ saha ||
O Gott, alles Bewegliche und Unbewegliche ist die Wohnstatt von Genuss und Befreiung. Dies ist die Essenz, o großer Śambhu, die zusammen mit den Kaulas erkannt werden soll.
Kumārikākhaṇḍa 17.51
- yasya tuṣṭā ca avvāhaṃ sa vindati kulakramam |
kulapiṇḍe tu he nātha mithyā kliṣyanti yoginaḥ ||
Wem ich, die Mutter, wohlgesinnt bin, der erlangt die Kula-Folge. Im Körper des Kula aber, o Herr, mühen sich Yogis vergeblich.
Kumārikākhaṇḍa 17.52
- na vindanti rahasyedaṃ yat sāraṃ kaulikānvaye |
tena te siddhinirmuktā vicaranti mahītale ||
Sie erlangen dieses Geheimnis nicht, das die Essenz in der Kaula-Überlieferung ist. Daher wandern sie ohne Vollendung auf der Erde umher.
Kumārikākhaṇḍa 17.53
- svānubhavaṃ merubimbe tu siddhīnāṃ klinnamaṇḍale |
kulasyāsya prabhāvena tasmāt siddhirna dūrataḥ ||
Durch die Macht dieses Kula entsteht im Bild des Meru, im Maṇḍala der Klinnā, die eigene Erfahrung der Vollendungen. Darum ist Vollendung nicht fern.
Kumārikākhaṇḍa 17.54
- kulakaulasya madhye tu yo ramet sādhakottamaḥ |
sa mukto mocayejjantūn yoginīsamatāṃ vrajet ||
Der beste Sādhaka, der sich in der Mitte des Kulakaula vergnügt, ist befreit und befreit andere Wesen. Er gelangt zur Gleichheit mit den Yoginīs.
Kumārikākhaṇḍa 17.55
- ayaṃ tu kaulikaṃ sāraṃ kulakramavinirgatam |
saṃketaṣoḍaṣaṃ śambho mayā tadupalakṣitam ||
Dies ist die Essenz des Kaula, die aus der Kula-Folge hervorgegangen ist. Diese sechzehn Zeichen habe ich dir, o Śambhu, erläutert.
Kumārikākhaṇḍa 17.56
- na kathed bhinnabhāvasya bhaktihīnaśaṭhasya ca |
vyākhyeyaṃ bhaktiyuktasya gurudevaratasya ca ||
Man erzähle dies niemandem von anderer Gesinnung und keinem hingabelosen Betrüger. Erklärt werden soll es einem hingebungsvollen Menschen, der Lehrer und Gottheit zugetan ist.
Kumārikākhaṇḍa 17: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike ādyapīṭhāvatārite vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite śrīsantānasūtrādhikāravarṇane kramodayo nāmānandaḥ || 17 ||
So endet das siebzehnte Kapitel, die Wonne namens „Das Hervortreten der Übertragung“, in der Darstellung des Abschnitts über das ehrwürdige Santānasūtra: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 18
Kumārikākhaṇḍa 18: Kapitelkopf (heading)
- aṣṭādaśānandaḥ
Achtzehnte Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 18: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 18.1
- kiñciccodyaṃ mama bhadre buddhikauśalyavistaram |
kena buddhisvarūpeṇa vasase mama dehagā ||
Ich habe eine Frage, o Gütige, die das Geschick meines Verstehens erweitern soll. In welcher Gestalt des Bewusstseins wohnst du in meinem Körper,
Kumārikākhaṇḍa 18.2
- kena jñānabhūyiṣṭhena tanme brūhi surārcite |
kiṃ kulaṃ kiṃ kulācāraṃ kiṃ mūlaṃ anvayaṃ tathā ||
und durch welche Fülle der Erkenntnis? Sage mir dies, o von den Göttern Verehrte. Was ist Kula, was ist Kula-Praxis, was ist die Wurzel und was die Überlieferung?
Kumārikākhaṇḍa 18.3
- saṃjñābhedavidhānāni rūpaṃ varṇāḥ svarūpataḥ |
kule piṇḍasya nyāsaṃ hi padasthānavibhūṣaṇam ||
Erkläre die Ordnungen der unterschiedlichen Benennungen, die Gestalt und die Laute ihrem Wesen nach; auch das Einsetzen des Piṇḍa im Kula, geschmückt mit Silben und ihren Orten.
Kumārikākhaṇḍa 18.4
- kasmin sthāne tu nyastavyaṃ yogaṃ dhāraṇalakṣaṇam |
samayavidyāṃ ca ājñāṃ ca nyāsasūtraṃ vadasva me ||
An welchem Ort soll der Yoga, dessen Kennzeichen das beständige Ausrichten des Geistes ist, eingesetzt werden? Erkläre mir die Samaya-Vidyā, die Ājñā und das Nyāsasūtra.
Kumārikākhaṇḍa 18: Sprecherzeile (speaker_before_5)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 18.5
- sādhu sādhu mahāśambho yanme nigaditaṃ śṛṇu |
vistareṇa bahubhedaistatsarvaṃ kathayāmi te ||
Gut, gut, o großer Śambhu! Höre meine Antwort auf deine Frage. All dies werde ich dir ausführlich mit seinen vielen Unterscheidungen erklären.
Kumārikākhaṇḍa 18.6
- vāgjālaiḥ kiṃ prabhāvaiśca tūṣṇīṃ tvaṃ tiṣṭha śaṅkara |
ekayā jihvayā deva kathaṃ varṇayituṃ kṣamā ||
Was sollen Netze von Worten und Machterweise? Verweile schweigend, o Śaṅkara. Wie könnte ich dies, o Gott, mit nur einer Zunge beschreiben?
Kumārikākhaṇḍa 18.7
- śṛṇu rahasyaṃ paramaṃ sadbhāvaṃ varṇayāmi te |
yathā kṣīre sthitaṃ sarpiḥ avyucchinnaṃ na dṛśyate ||
Höre das höchste Geheimnis; ich beschreibe dir die wahre Wirklichkeit. Wie das in der Milch enthaltene Butterfett ungesondert ist und nicht gesehen wird,
Kumārikākhaṇḍa 18.8
- tathāhaṃ tava sarvāṅgaiḥ vyāpayitvā vyavasthitā |
mayā vinā ca tvaṃ deva ajñānī mūḍhacetanaḥ ||
so bin ich gegenwärtig und durchdringe alle deine Glieder. Ohne mich, o Gott, bist du unwissend und in deinem Bewusstsein verwirrt,
Kumārikākhaṇḍa 18.9
- paṃgulo jaḍavaccāndho mūko badhira vatsala |
mayā prabodhamātrayā prabudhyante punastathā ||
lahm, wie empfindungslos, blind, stumm und taub, o Liebreicher. Allein dadurch, dass ich erwecke, erwachen sie wiederum [das Subjekt ist ausgelassen].
Kumārikākhaṇḍa 18.10
- spandanaṃ calanaṃ caiva bhramaṇaṃ jalpanaṃ vibho |
krīḍanaṃ sṛṣṭikartṛtvaṃ yat kiñcit karotīcchayā ||
Pulsieren, Sichbewegen, Umherwandern, Sprechen, Spielen und das Bewirken der Schöpfung, o alldurchdringender Herr: Was immer jemand aus seinem Willen tut,
Kumārikākhaṇḍa 18.11
- sarvāvasthā mayā deva preritā mama sarvataḥ |
na mayā rahitaṃ kiñcit paśyasi ca trilocana ||
alle diese Zustände sind von mir angetrieben, o Gott, und gehören in jeder Hinsicht mir. Nichts, was ohne mich wäre, siehst du, o Dreiäugiger.
Kumārikākhaṇḍa 18.12
- yathā raśmisamūhena vyāpayecca divākaraḥ |
tathāhaṃ vyāpinī tubhyaṃ dehe tiṣṭhāmi sarvadā ||
Wie die Sonne durch die Gesamtheit ihrer Strahlen alles durchdringt, so wohne ich als die Alldurchdringende stets in deinem Körper.
Kumārikākhaṇḍa 18.13
- yathā vahneḥ sthitā jvālāśītāṃśuraśmimadhyataḥ |
evaṃ vyāptaṃ mayā sarvaṃ aśeṣaṃ bhuvanāntikam ||
Wie die Flamme des Feuers inmitten der Strahlen des Mondes weilt [Bildzusammenhang und Worttrennung unsicher], so ist alles ohne Ausnahme bis an die Grenze der Welten von mir durchdrungen.
Kumārikākhaṇḍa 18.14
- vyāpitaṃ tu mayā śaktyā māyājālena mohitam |
karaṇaṃ kartṛ karmāṇi kurvāmi na karomyaham ||
Von mir als Śakti ist es durchdrungen, durch das Netz der Māyā verblendet. Wirkwerkzeug, Handelnden und Handlungen bringe ich hervor; und doch handle ich nicht.
Kumārikākhaṇḍa 18.15
- sarvaśāstrāṇyanekāni citritā mama pustake |
śobhanāni ca vākyāni śṛṇu bhairava yatnataḥ ||
All die vielfältigen Lehrschriften sind in meinem Buch dargestellt. Höre aufmerksam ihre schönen Worte, o Bhairava.
Kumārikākhaṇḍa 18.16
- śrīmatedaṃ mahādeva sarvāgamamanuttamam |
yena vijñātamātreṇa nirmalaḥ sādhako bhavet ||
Dieses Śrīmata, o großer Gott, ist die unübertreffliche Lehre aller Āgamas. Allein durch seine Erkenntnis wird der Sādhaka makellos,
Kumārikākhaṇḍa 18.17
- vicareta mahīṃ sarvāṃ niḥśaṅko vanahastivat |
śrīnātha uvāca
nyāsasūtraṃ mahādevi vada me śaṃkarārcite ||
und er wandere furchtlos über die ganze Erde wie ein Elefant des Waldes. Erkläre mir, o große Göttin, die von Śaṅkara verehrt wird, das Nyāsasūtra,
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 18.18
- yena nyasitamātreṇa divyāmnāyaḥ pravartate |
śrīvakrā uvāca
punaranyaṃ kramaṃ vakṣye mālinyā dehasantatim ||
durch dessen bloßes Einsetzen die göttliche Überlieferung wirksam wird. Nun werde ich eine andere Folge erklären: die Entfaltung des Körpers der Mālinī.
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 18.19
- merumārgād viniṣkrāntā ṣoḍhānyāsasya paddhatiḥ |
mālinī śabdarāśiśca trividyāghorikāṣṭakam ||
Vom Meru-Weg ist die Ordnung des sechsfachen Nyāsa hervorgegangen: Mālinī, Śabdarāśi, die dreifache Vidyā, die Achtzahl der Aghorikā,
Kumārikākhaṇḍa 18.20
- siddhāṅgapañcakāṅgāni vidyayā bījapañcakam |
pīṭhapañcakamevaṃ tu ṣoḍhānyāsaṃ prakīrtitam ||
die fünf Glieder der Siddhas zusammen mit der Vidyā, die Fünfergruppe der Bījas und die fünf heiligen Sitze. So ist der sechsfache Nyāsa erklärt.
Kumārikākhaṇḍa 18.21
- samayādvādaśāṅgāni tathā kṣetraparigraham |
adhikāratrayaṃ kṛtvā tathānyaṃ ratnapañcakam ||
Man vollziehe die zwölf Glieder der Samayā, die Umfassung des heiligen Bezirks, die dreifache Vollmacht und sodann eine weitere Folge, die fünf Juwelen.
Kumārikākhaṇḍa 18.22
- evaṃ nyāsakramaṃ kṛtvā paścād yajanamārabhet |
mālinyādisuvinyāsaṃ samayaṃ maṇḍalakramam ||
Hat man so die Folge des Nyāsa vollzogen, beginne man danach die Opferverehrung. Mālinī und die anderen, die Samaya-Vidyā und die Folge des Maṇḍala setze man sorgfältig ein,
Kumārikākhaṇḍa 18.23
- prathamaṃ kulakaulasya kṛtvā yajanamārabhet |
tatra nyāsaṃ yathā deva avatāraṃ kalau yuge ||
zunächst im Kulakaula; nach diesem Vollzug beginne man die Opferverehrung. Wie dort, o Gott, der Nyāsa im Kali-Zeitalter herabgekommen ist,
Kumārikākhaṇḍa 18.24
- ādipīṭhasya vakṣyāmi śṛṇu ekāgra sundara |
uddhāraṃ ca yathā deva śṛṇu vakṣyāmyanantaram ||
das werde ich vom ursprünglichen heiligen Sitz erklären. Höre mit gesammeltem Geist, o Schöner. Auch wie die Laute herausgelöst werden, o Gott, höre; das erkläre ich gleich danach.
Kumārikākhaṇḍa 18.25
- rāvasyādhaḥsthitaṃ ratnaṃ śikhā syācca adhomukhī |
tathā ca padmayoniśca śiro'smākaṃ maheśvara ||
Das Juwel unter Rāva, dem Klang, bildet die nach unten gerichtete Haarspitze. Padmayoni, der Lotusschoß, ist unser Haupt, o großer Herr.
Kumārikākhaṇḍa 18.26
- ekapādāntacatvāri “ vilomācchiramālikā |
ādyaṃ śaktipurasyāsya nayanaṃ ca tṛtīyakam ||
Die vier am Ende des Ekapāda bilden in umgekehrter Reihenfolge die Kopfgirlande. Das der Śakti-Stadt vorangehende Zeichen ist das dritte Auge.
Kumārikākhaṇḍa 18.27
- tathā dhūmradhvajasyādhau locanau dvau prakīrtitau |
ekapādaśiraṃ gṛhya dvāvetau karṇayornyaset ||
Ebenso sind die beiden Augen unter Dhūmradhvaja, dem Rauchbanner, erklärt. Man nehme das Haupt des Ekapāda und setze dieses zweifach an den beiden Ohren ein.
Kumārikākhaṇḍa 18.28
- tathābhyāṃ bhūṣaṇau śreṣṭhau ṭhaḍāntau ca sthitau hara |
ī–ūmadhye gatā nāsā śivarūpā manonmanī ||
Ebenso stehen die beiden vorzüglichen Schmuckstücke am Ende von Ṭha und Ḍa, o Hara. Zwischen Ī und Ū liegt die Nase, die Śiva-gestaltige Manonmanī.
Kumārikākhaṇḍa 18.29
- puṭobhayasamāyuktā visargānte'pi bhedinī |
tasyādhaḥ paravaktraṃ tu sṛṣṭipūrvaṃ maheśvara ||
Mit beiden Nasenöffnungen verbunden, durchdringt sie auch das Ende der Aussendung. Unter ihr ist der höchste Mund, dem die Schöpfung vorausgeht, o großer Herr.
Kumārikākhaṇḍa 18.30
- hanumānujavarṇādyaṃ khādyaṃ vai khaśiraṃ punaḥ |
dviśiraṃ pañcabhirmadhyādubhayordantamālikā ||
Der jüngere Bruder ist der erste Laut; es folgen Hanumān, der mit Kha beginnende, das Haupt von Kha und der Zweiköpfige. Aus diesen fünf entsteht von der Mitte her die Girlande beider Zahnreihen.
Kumārikākhaṇḍa 18.31
- tasyāṃ lalanayā māyā kapālaśirabhuṣaṇam |
svarādyamamṛtaṃ yacca tasyāṃ vāgeśvarīṃ nyaset ||
In ihr ist Māyā die Zunge, der Kopfschmuck Kapālas. Der erste Vokal ist Nektar; in sie setze man Vāgeśvarī ein.
Kumārikākhaṇḍa 18.32
- anaṅgāsana kaṇṭhaṃ tu chahāntaskandhayobhayoḥ |
uṭhāsanau tu dvau tasyāḥ kuryāt tau bāhudaṇḍayoḥ ||
Der Sitz Anaṅgas ist der Hals; die Enden von Cha und Ha liegen an den beiden Schultern. Die beiden Sitze von U und Ṭha gestalte man an ihren beiden Armen.
Kumārikākhaṇḍa 18.33
- gauryādhaḥsthaṃ jaṭāhāraṃ kuryād hastatalāvubhau |
pudgalasya visargādyaṃ ubhayoḥ karapṛṣṭhayoḥ ||
Den unter Gaurī liegenden Jaṭāhāra gestalte man an beiden Handflächen. Die ursprüngliche Aussendung des Pudgala liegt an beiden Handrücken.
Kumārikākhaṇḍa 18.34
- ja–antaṃ ca i–antaṃ ca hastāṃgulinakhāgragau |
vāmahastasthitaṃ pātraṃ kapālaṃ īyamadhyagam ||
Das Ende von Ja und das Ende von I liegen an den Spitzen der Fingernägel. Das Gefäß in der linken Hand ist Kapāla, zwischen Ī und Ya gelegen.
Kumārikākhaṇḍa 18.35
- uttānamamṛtaṃ pūrṇaṃ pañcaratnairadhiṣṭhitam |
triśūlaṃ dakṣiṇe haste adhodaṇḍānnidhānakam ||
Nach oben geöffnet ist es mit Nektar gefüllt und von den fünf Juwelen beherrscht. In der rechten Hand ist der Dreizack; unten am Schaft liegt Nidhānaka, der Zerstörer.
Kumārikākhaṇḍa 18.36
- tasya cordhvaṃ mukhaṃ kuryāt harasya surasundara |
etad vai rājasaṃ śūlaṃ rajobhāvena sundara ||
Oben daran gestalte man Haras Haupt, o Schöner unter den Göttern. Dies ist der von Rajas geprägte Dreizack, gebildet aus der Beschaffenheit des Menstruationsblutes, o Schöner.
Kumārikākhaṇḍa 18.37
- tārādyaṃ yat paraṃ varṇaṃ prāṇe hi parigīyate |
hṛdi sthitaṃ prakartavyaṃ sarvapāpaharaṃ hara ||
Der höchste Laut, dem Tāra vorausgeht, wird dem Lebenshauch zugesprochen. Man setze ihn im Herzen ein; er nimmt alle Schuld hinweg, o Hara.
Kumārikākhaṇḍa 18.38
- tasmāt varṇamanaṅgādyaṃ prāṇātmānaṃ svayaṃ gatam |
hṛdayaṃ trividhaṃ proktaṃ śāktaṃ śāmbhavamāṇavam ||
Darauf folgt der Laut, dem Anaṅga vorausgeht und der von selbst zum Selbst des Lebenshauchs geworden ist. Dreifach wird das Herz genannt: Śākta, Śāmbhava und Āṇava.
Kumārikākhaṇḍa 18.39
- dakṣiṇottaratastasyā harādyaṃ vāntagaṃ dvayoḥ |
kucau divyau tu devyāyāḥ sāvyāsāvyau vijānataḥ ||
Rechts und links an ihr liegen der mit Hara beginnende Laut und jener am Ende von Va. Man erkenne darin die beiden göttlichen Brüste der Göttin, die linke und die rechte.
Kumārikākhaṇḍa 18.40
- tayoḥ kṣīraṃ jhakārāntaṃ tejorūpaṃ surārcitam |
mahāśaṅkhādyamudaraṃ vartulaṃ kumbhakaṃ pṛthu ||
Ihre Milch ist das Ende des Lautes Jha; sie ist leuchtende Kraft, von den Göttern verehrt. Der Bauch, dem Mahāśaṅkha vorausgeht, ist rund, weit und einem Topf gleich.
Kumārikākhaṇḍa 18.41
- aṣṭamamamṛtasyādho nābhyakārāgnibhairavam |
āsanaṃ ca dvirabhyāsaṃ devyāyā vā nitambakam ||
Der achte Laut unter Amṛta ist Agnibhairava in Gestalt des Nabels. Der zweimal wiederholte Sitz bildet die Hüftpartie der Göttin.
Kumārikākhaṇḍa 18.42
- ṣavāntasthaṃ bhagāntaṃ taṃ girijāsanapudgalam |
śukredaṃ yonirandhrasthaṃ hyamṛtaṃ śravamāṇakam ||
Der zwischen Ṣa und Va gelegene Laut befindet sich im Inneren der Yoni. Der Pudgala des Sitzes der Girijā ist dieser Same in der Öffnung der Yoni: strömender Nektar.
Kumārikākhaṇḍa 18.43
- thaṇāntaṃ ca dvirabhyāsaṃ devyāyāḥ sphijakāvubhau |
rāvaṇajāntagau gṛhya vilomājjānukau smṛtau ||
Der zwischen Tha und Ṇa gelegene Laut, zweifach gesetzt, bildet beide Gesäßhälften der Göttin. Die beiden am Ende des aus Rāvaṇa Geborenen, in umgekehrter Reihenfolge genommen, gelten als die beiden Knie.
Kumārikākhaṇḍa 18.44
- pudgalāntāntagau jaṃghau savyāsavyakrameṇa tu |
auśireṇa śire dve ca devyāyāḥ pādayugmake ||
Die beiden am Ende des Endes von Pudgala bilden die Unterschenkel, in der Folge links und rechts. Das Haupt von Au und die beiden Häupter liegen an den zwei Füßen der Göttin.
Kumārikākhaṇḍa 18.45
- nādiphāntasamuccāraṃ kṛtvā khecaratāṃ vrajet |
khagatiḥ khegatī caiva mālinyāyāḥ prabhāvataḥ ||
Hat man die Lautfolge von Na bis Pha erklingen lassen, erlangt man den Zustand des Wanderns im Himmelsraum. Durch Mālinīs Macht entstehen Khagati, das Fliegen, und Khegatī, die Kraft dazu.
Kumārikākhaṇḍa 18.46
- nyastvā vai mālinīnyāsaṃ dvādaśābdaistu siddhyati |
sakṛdāvartayed yastu satataṃ nyasate'pi vā ||
Hat man den Nyāsa der Mālinī vollzogen, erlangt man in zwölf Jahren Vollendung. Wer ihn einmal durchläuft oder immer wieder einsetzt,
Kumārikākhaṇḍa 18.47
- tasya tīvratarā ājñā bhavate nātra saṃśayaḥ |
varṇadevyo'dhunā vakṣye mālinyāḥ pūrvavat kramāt ||
dessen Ājñā wird überaus kraftvoll; daran besteht kein Zweifel. Nun werde ich die Lautgöttinnen der Mālinī in der zuvor genannten Reihenfolge erklären:
Kumārikākhaṇḍa 18.48
- nādinī grāsinī caiva nivṛttiśca pratiṣṭhikā |
vidyā caiva tathā śāntiścāmuṇḍā priyadarśinī ||
Nādinī und Grāsinī, Nivṛtti und Pratiṣṭhikā, Vidyā und Śānti, Cāmuṇḍā und Priyadarśinī;
Kumārikākhaṇḍa 18.49
- nārāyaṇī ca mohanyā prajñāśaktistathāparā |
gandhaśaktiśca vajriṇyā kaṅkaṭā kālikā viduḥ ||
Nārāyaṇī und Mohanyā, als nächste Prajñāśakti, Gandhaśakti und Vajriṇyā, Kaṅkaṭā und Kālikā werden genannt;
Kumārikākhaṇḍa 18.50
- śivā ca ghoraghoṣā ca vicitrā ajayā punaḥ |
vāgeśvarī śikhivāhī bhīṣaṇā vāyuvegikā ||
Śivā und Ghoraghoṣā, Vicitrā und wiederum Ajayā, Vāgeśvarī, Śikhivāhī, Bhīṣaṇā und Vāyuvegikā;
Kumārikākhaṇḍa 18.51
- sulāmā ca vināyakī tathā caiva tu pūrṇimā |
icchāśaktistu sakāyā raktā caiva kapālinī ||
Sulāmā und Vināyakī, sodann Pūrṇimā, Icchāśakti und Sakāyā [Lesung unsicher], Raktā und Kapālinī;
Kumārikākhaṇḍa 18.52
- nandinī ca jayantī ca padminī parajāmbikā |
chagalā pūtanā caiva āmoṭī lambakodarī ||
Nandinī und Jayantī, Padminī, Parajā und Ambikā, Chagalā und Pūtanā, Āmoṭī und Lambakodarī;
Kumārikākhaṇḍa 18.53
- saṃhārī ca mahākālī tathā ca kusumāyudhā |
guhyaśaktiśca tārākṣī jñānaśaktistathaiva ca ||
Saṃhārī und Mahākālī, sodann Kusumāyudhā, Guhyaśakti und Tārākṣī sowie Jñānaśakti;
Kumārikākhaṇḍa 18.54
- kriyāśaktiśca gāyatrī sāvitrī tadanukramāt |
dahanī phetkārikā ca nādiphānte samāśritāḥ ||
Kriyāśakti, Gāyatrī und Sāvitrī in dieser Folge, Dahanī und Phetkārikā. Sie alle ruhen in der Lautfolge von Na bis Pha.
Kumārikākhaṇḍa 18.55
- āśramapūrvato varṇaṃ bījaṃ devyastathā punaḥ |
tribhirekasamāyogānmālinīnyāsamārabhet ||
Zuerst steht der Körperort, dann der Laut als Bīja und wiederum die Göttin. Indem man diese drei zu einer Einheit verbindet, beginne man den Nyāsa der Mālinī.
Kumārikākhaṇḍa 18.56
- nādiphāntākṣarā ye ca pañcāśat pūrvamuddhṛtāḥ |
yathā kuryācca saṃsthānaṃ sṛṣṭinyāye krameṇa tu ||
Die fünfzig Laute von Na bis Pha, die zuvor herausgelöst wurden, ordne man der Reihe nach an ihren Orten an, nach der Ordnung der Schöpfung.
Kumārikākhaṇḍa 18.57
- śirohīnamanaṅgaṃ tu tathā cākhaṇḍamaṇḍalam |
candrordhvāṅkitamevaṃ tu unmanyantaṃ tathā punaḥ ||
Anaṅga ohne Haupt, das ungeteilte Maṇḍala, darüber mit dem Mond bezeichnet und wiederum bis Unmanī reichend:
Kumārikākhaṇḍa 18.58
- evaṃ catuḥprakārasthaṃ mālinīnyāsamārabhet |
catuṣṭayavinirmuktaṃ nyāsaṃ yaḥ kartumarhati ||
So beginne man den Nyāsa der Mālinī, der in diesen vier Bestandteilen gründet. Wer versucht, den Nyāsa ohne diese Vierheit zu vollziehen,
Kumārikākhaṇḍa 18.59
- nāsau nyāsaṃ na saḥ śiṣyaḥ kṛtaṃ bhavati niṣphalam |
nādabindukalājyotiryeṣu varṇeṣu saṃsthitaḥ ||
dessen Vollzug ist kein Nyāsa, und er ist kein Schüler; das Getane bleibt ohne Frucht. Die Laute, in denen Nāda, Bindu, Kalā und Licht gegenwärtig sind,
Kumārikākhaṇḍa 18.60
- bījāste sarvataḥ khyātāḥ śeṣā varṇāśca kevalāḥ |
kevaleṣu ca varṇeṣu na muktirbhavabandhanāt ||
werden überall Bījas genannt; die übrigen sind bloße Laute. Durch bloße Laute gibt es keine Befreiung aus den Fesseln des Daseins.
Kumārikākhaṇḍa 18.61
- samyakjñāteṣu bījeṣu punarjanma na vidyate |
prākṛtaṃ pūrvakarmaṃ tu tailabindurivāmbhasi ||
Sind die Bījas richtig erkannt, gibt es keine Wiedergeburt. Das frühere, aus der Natur entstandene Karma ist dann wie ein Tropfen Öl im Wasser.
Kumārikākhaṇḍa 18.62
- janānāṃ vartamānasya jñātairbījaiḥ kṣayo bhavet |
tasmādabhyāsakaraṇaṃ mālinīnyāsarūpataḥ ||
Durch die erkannten Bījas schwindet auch das gegenwärtige Karma der Menschen. Darum dient der Nyāsa der Mālinī als Mittel der Übung.
Kumārikākhaṇḍa 18.63
- śaktistu mālinī jñeyā prāṇaśaktiścidātmikā |
suṣumnāntarayogena gamāgamakrameṇa tu ||
Mālinī ist als Śakti zu erkennen: als Kraft des Lebenshauchs, deren Wesen Bewusstsein ist. Durch die Verbindung im Inneren der Suṣumnā, in der Folge des Gehens und Kommens,
Kumārikākhaṇḍa 18.64
- ravicandrasamāyogāt tadā prasādabhairavam |
prasādaṃ binducakraṃ tu ūrdhvaṃ cāṃkuśavartulam ||
durch die Vereinigung von Sonne und Mond erscheint dann Prasādabhairava. Prasāda ist das Bindu-Rad; darüber liegt eine einem Haken gleiche Rundung.
Kumārikākhaṇḍa 18.65
- gambhīranādavegena teṣāṃ sampadyate sukham |
sukhāhlādamanānandaṃ avasthā prāpyate padam ||
Durch die Kraft des tiefen inneren Klanges entsteht ihnen Freude. Es wird der Zustand erreicht, der Freude, Erquickung und Wonne des Geistes ist [Wortfügung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 18.66
- tadā sā mālinīśaktirvahnirutpadyate kalā |
sā ca turyasvarākārā vakradehodbhavā kalā ||
Dann entsteht jene Śakti der Mālinī als Feuer und als Kalā. Diese Kraft hat die Gestalt des Klanges des vierten Zustandes; sie geht aus Vakrās Körper hervor.
Kumārikākhaṇḍa 18.67
- candrārkānalakuṇḍeṣu mālinyāyādhikāraṇam |
viṣavahnigatā madhye āvartānte vyavasthitā ||
In den Feuergruben von Mond, Sonne und Feuer liegt Mālinīs tragende Vollmacht. Zwischen Gift und Feuer befindet sie sich in der Mitte, am Ende der kreisenden Bewegung.
Kumārikākhaṇḍa 18.68
- tasmāt sā tiryagā rekhā mālinyākāraveśmani |
tena sā mālinī proktā sthūlā sūkṣmā tathā parā ||
Darum ist sie die quer verlaufende Linie im Haus, das Mālinīs Gestalt hat. Daher wird sie Mālinī genannt: grobstofflich, fein und höchst.
Kumārikākhaṇḍa 18.69
- parataḥ parayogena parāparaparāyaṇā |
gṛhītvā bījarūpāṇi bindurūpānuyoginī ||
Durch die Verbindung mit dem Höchsten jenseits des Höchsten ist sie dem Höheren und dem Niederen zugewandt. Sie nimmt die Gestalten der Bījas an und verbindet sich mit der Gestalt des Bindu.
Kumārikākhaṇḍa 18.70
- tayā vyāptaṃ jagat sarvaṃ aśeṣabhuvanāntikam |
tasyāpyetanmahābījaṃ vāgbhavaṃ garbhasaṃyutam ||
Von ihr ist die ganze Welt durchdrungen, bis an die Grenze sämtlicher Welten. Ihr großer Keimlaut ist Vāgbhava, verbunden mit dem inneren Schoß.
Kumārikākhaṇḍa 18.71
- māyābījaṃ dvitīyaṃ tu lakṣmībījaṃ tṛtīyakam |
evaṃ te dīpakaṃ trīṇi bīje bīje pṛthak pṛthak ||
Der Māyā-Keimlaut ist der zweite, der Lakṣmī-Keimlaut der dritte. So sind diese drei die Lampen, bei jedem einzelnen Bīja gesondert.
Kumārikākhaṇḍa 18.72
- śikhāgrādinakhāgrāntaṃ kulavinyāsa sundaram |
dīpakeṣu vinirmuktaṃ nyastvā nyāsaṃ ca mālinīm ||
Der schöne Kula-Nyāsa reicht von der Spitze des Haarknotens bis zu den Nagelspitzen. Wird der Nyāsa der Mālinī ohne die Lampen eingesetzt,
Kumārikākhaṇḍa 18.73
- śiṣyaṃ tatra na mucyeta prākṛtaṃ pūrvakarmaṇā |
pūrvakarmavināśārthaṃ nyāsedidaṃ sudīpitam ||
so wird der Schüler dadurch nicht vom früheren, aus der Natur entstandenen Karma befreit. Um das frühere Karma zu vernichten, setze man diesen Nyāsa hell erleuchtet ein.
Kumārikākhaṇḍa 18.74
- kathitaṃ kulayogīnāṃ kaulayogāt paraṃ nahi |
śrīnātha uvāca
puruṣasyāntarātmānaṃ caitanyaṃ vyomavigraham ||
Dies ist den Kula-Yogis erklärt; nichts steht über dem Kaula-Yoga. Das innere Selbst des Puruṣa ist Bewusstsein, dessen Gestalt der Raum ist,
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 18.75
- śiraśchedakanāmena prajvalantaṃ nabhasthitam |
sa eva puruṣo vyāpī avyakto jyotirūpakaḥ ||
im Himmelsraum wohnend und strahlend, mit dem Namen Śiraśchedaka, der Hauptabschneider. Er selbst ist der alldurchdringende Puruṣa, unmanifest und von der Gestalt des Lichtes.
Kumārikākhaṇḍa 18.76
- śabdāḍhyaṃ ca guṇātītaṃ prabhutve saṃvyavasthitam |
kiṃ tasya bandhanaṃ proktaṃ raticakre tu bhāvini ||
Er ist vom Klang erfüllt, jenseits der Eigenschaften und in seiner Herrschaft gegründet. Worin besteht seine Bindung im Rad der Leidenschaft, o Bhāvinī?
Kumārikākhaṇḍa 18.77
- kimetanmālinīnyāsaṃ muktaṃ bhavati kiṃ prabho |
etad vijñātumicchāmi mālinīkramahetunā ||
Was ist dieser Nyāsa der Mālinī, und wie wird man frei, o Herr? Dies möchte ich um der Folge der Mālinī willen erkennen.
Kumārikākhaṇḍa 18: Sprecherzeile (speaker_before_78)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 18.78
- etat praśnavaraṃ guhyaṃ siddhināthāvatāritam |
tasyottaraṃ pravakṣyāmi śṛṇu ekāgra bhairava ||
Diese vortreffliche Frage betrifft ein Geheimnis, das durch Siddhinātha herabgebracht wurde. Ich werde die Antwort geben. Höre aufmerksam, o Bhairava.
Kumārikākhaṇḍa 18.79
- kṣīramadhye sthitaṃ sarpi avyucchinnaṃ na dṛśyate |
tathāsau puruṣo loke mālinīhṛdimaṇḍale ||
Das in der Milch enthaltene Butterfett ist ungesondert und nicht zu sehen. Ebenso ist der Puruṣa in der Welt im Maṇḍala des Herzens der Mālinī gegenwärtig.
Kumārikākhaṇḍa 18.80
- yadā na paśyate jīvaṃ svamanena tu sādhakaḥ |
tadāsau vartate karma prākṛtaṃ duratikramam ||
Wenn der Sādhaka die lebendige Seele mit seinem eigenen Geist nicht wahrnimmt, besteht jenes aus der Natur entstandene Karma fort, das schwer zu überwinden ist.
Kumārikākhaṇḍa 18.81
- sukhaduḥkhavaśaṃ gacchet na jñātaḥ puruṣo yadā |
tadā te pañcabhūtaistu puruṣo'sau vaśaṃgataḥ ||
Solange der Puruṣa nicht erkannt ist, gerät man unter die Gewalt von Freude und Leid. Dann steht jener Puruṣa unter der Herrschaft deiner fünf Elemente.
Kumārikākhaṇḍa 18.82
- vidite puruṣe deva kṣayasteṣāṃ na saṃśayaḥ |
evaṃ ca prākṛtaṃ karma puruṣasya vyavasthitam ||
Ist der Puruṣa erkannt, o Gott, schwinden diese Bindungen ohne Zweifel. So verhält es sich mit dem naturbedingten Karma des Puruṣa.
Kumārikākhaṇḍa 18.83
- ādau ca puruṣo vyāpī paścāt karma pravartate |
puruṣeṇa vinā karma na pravarteta bhūtale ||
Am Anfang ist der alldurchdringende Puruṣa; erst danach wird Karma wirksam. Ohne den Puruṣa würde Karma auf der Erde nicht wirken.
Kumārikākhaṇḍa 18.84
- pṛthivyādiṣu tattveṣu saṃsthitaḥ puruṣo hi saḥ |
sattvarajastamaikatve kṛtaṃ karma pravartate ||
Er, der Puruṣa, ist in den Wirklichkeitsebenen von der Erde an gegenwärtig. Wenn Sattva, Rajas und Tamas zusammenwirken, entfaltet sich das geschaffene Karma.
Kumārikākhaṇḍa 18.85
- puruṣeṇa vinā karma na pravarteta kevalam |
tasmāccādau ca puruṣaṃ tato bhūtādipañcakam ||
Ohne den Puruṣa würde Karma nicht für sich allein wirken. Deshalb steht der Puruṣa am Anfang; danach kommt die Fünfergruppe, beginnend mit den Elementen.
Kumārikākhaṇḍa 18.86
- paścāt trīṇi guṇānyeṣāṃ tataḥ karma pravartate |
yasmāt pāśāḥ pravartante śubhāni aśubhāni ca ||
Anschließend kommen ihre drei Eigenschaften, und dann wird Karma wirksam. Daher wirken die Fesseln und das Gute wie das Ungute.
Kumārikākhaṇḍa 18.87
- prakṛtyāntargataṃ jñātvā mālinīkuṇḍamadhyataḥ |
pañcabhūtāni mucyeta sādhako mokṣado bhavet ||
Hat man das in der Natur Enthaltene inmitten von Mālinīs Feuergrube erkannt, wird der Sādhaka von den fünf Elementen frei und kann Befreiung verleihen.
Kumārikākhaṇḍa 18.88
- etat sarvaṃ samāsena mālinyāḥ kramasaṃsthitiḥ |
sā caiva candrarūpeṇa puṃsaḥ śaktiśca cinmayā ||
Dies alles ist, kurz gesagt, die Ordnung der Folge der Mālinī. Als Mond ist sie die aus Bewusstsein bestehende Śakti des Puruṣa.
Kumārikākhaṇḍa 18.89
- sā ca mātā ca mālinyā sthūlā sūkṣmāparājitā |
bījabhūtā samākhyātā mālinī bhuvanākṛtiḥ ||
Sie ist Mālinī, die Mutter, grobstofflich und fein, die Unbesiegte. Als Keim allen Seins wird sie Mālinī genannt, deren Gestalt die Welt ist.
Kumārikākhaṇḍa 18.90
- vaktrād vaktragatā jñeyā guruvaktre pratiṣṭhitā |
saṃsthitā ceśvare bhāge vāmamārge visarpitā ||
Man erkenne sie als von Mund zu Mund weitergegeben und im Mund des Gurus gegründet. Sie weilt im Bereich des Herrn und breitet sich auf dem linken Weg aus.
Kumārikākhaṇḍa 18.91
- tasyāmabhyāsakaraṇaṃ ṣaḍaṅgaṃ ca yathā bhavet |
merumadhyagataṃ vaktraṃ ṣaḍvidhaṃ kārayet punaḥ ||
In ihr liegt das sechsgliedrige Mittel der Übung. Sodann gestalte man das Antlitz inmitten des Meru sechsfach.
Kumārikākhaṇḍa 18.92
- dīrghaiḥ ṣaḍbhiḥ svarairbhedyaiḥ nādabindulayaṃ kṛtam |
ṣaḍantaragatā vai ca kuryāt ṣaḍvidhamāsanam ||
Mit den sechs langen Vokalen, die zu durchdringen sind, werden Nāda und Bindu zur Verschmelzung gebracht. In die sechs eingegangen, gestalte man den sechsfachen Sitz [Satzfügung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 18.93
- ṣaḍvidhaṃ kāmarājānaṃ mālinyā yoniyojitam |
hṛcchiraśca śikhā varmalocanāstraṃ ca ṣaḍvidham ||
Der sechsfache Kāmarāja wird mit Mālinīs Yoni verbunden. Sechsfach ist er als Herz, Haupt, Haarknoten, Panzer, Auge und Waffe.
Kumārikākhaṇḍa 18.94
- devatāṣaḍbhiḥ saṃyuktaṃ mālinyāṅgakrameṇa tu |
śavarī vidyujjihvā ca śarvarī ca kulāmbikā ||
Nach der Reihenfolge der Glieder Mālinīs ist er mit sechs Gottheiten verbunden: Śavarī und Vidyujjihvā, Śarvarī und Kulāmbikā,
Kumārikākhaṇḍa 18.95
- mohanī māraṇī ṣaṣṭhī pṛthagaṅgeṣu devatāḥ |
kuryād bījatrayaṃ cādau tathā kāmeśvaraṃ punaḥ ||
Mohanī und als sechste Māraṇī: die Gottheiten an den einzelnen Gliedern. Am Anfang setze man die drei Bījas, sodann wiederum Kāmeśvara.
Kumārikākhaṇḍa 18.96
- devatāmāśramaṃ ṣaḍbhiḥ ādyanteṣu vilomataḥ |
pṛthakkūṭavidhānena aṅgānyetāni mālinī ||
Mit diesen sechs gestalte man die Sitze der Gottheiten vom Anfang bis zum Ende in umgekehrter Reihenfolge. Nach der Ordnung der einzelnen Kūṭas sind diese Glieder Mālinī.
Kumārikākhaṇḍa 18.97
- sakṛdāvartayed yastu satataṃ nyasate'pi vā |
ājñā pravartate tīvrā divyāveśaḥ pravartate ||
Wer die Folge einmal durchläuft oder sie beständig einsetzt, für den wird eine machtvolle Ājñā wirksam, und göttliches Ergriffensein tritt ein.
Kumārikākhaṇḍa 18.98
- na śṛṇoti na paśyeta tadāsau muktibhājanaḥ |
maṇḍalāgre gurorājñā suvinītaḥ prasannadhīḥ ||
Wenn er weder hört noch sieht, wird er zum Gefäß der Befreiung. Vor dem Maṇḍala die Ājñā des Gurus; wohlgeschult und mit heiterem Geist [Satz unvollständig gefügt].
Kumārikākhaṇḍa 18.99
- vaktrāṇi saṃpravakṣyāmi yathāvadanupūrvaśaḥ |
cchāyācchatraṃ mahādeva ukāraṃ śirasāhatam ||
Nun werde ich die Antlitze richtig und in ihrer Reihenfolge erklären. Der schattenspendende Schirm, o großer Gott, der Laut U, mit dem Haupt verbunden,
Kumārikākhaṇḍa 18.100
- bindvindunāṅkitaṃ deva ūrdhvavaktraṃ tu mālinī |
haṃsaṃ ca mūrdhni vinyasya vāyubījaṃ ca pūrvataḥ ||
mit Bindu und Mond bezeichnet, o Gott, ist Mālinīs oberes Antlitz. Man setze Haṃsa am Scheitel ein und den Wind-Keimlaut voran.
Kumārikākhaṇḍa 18.101
- ekapādayutaṃ kṛtvā agninā dīptatattvataḥ |
bindvinduśirasākrāntaṃ tṛtīyaṃ vaktramaṇḍalam ||
Mit Ekapāda verbunden, durch Feuer seinem Wesen nach entflammt und oben von Bindu und Mond gekrönt, ist dies der Kreis des dritten Antlitzes.
Kumārikākhaṇḍa 18.102
- agnidhāma ca saṃgṛhya pañcamena samanvitam |
binducandrayutaṃ deva dakṣiṇe vaktramaṇḍale ||
Man nehme Agnidhāma, verbinde es mit dem fünften Laut sowie mit Bindu und Mond, o Gott, im Kreis des rechten Antlitzes.
Kumārikākhaṇḍa 18.103
- vāruṇaṃ māyayā sārdhaṃ dīpanyāyā adhoyutam |
binducandrayutaṃ deva vāmavaktraṃ tu mālinī ||
Vāruṇa zusammen mit Māyā, verbunden mit dem unter Dīpanī Gelegenen sowie mit Bindu und Mond, o Gott, ist Mālinīs linkes Antlitz.
Kumārikākhaṇḍa 18.104
- pūtanā dīpanīyuktā mohanyādhaḥ kṛtālayā |
bindu–indusamākrāntā paścime vaktrasaṃsthitāḥ ||
Pūtanā ist mit Dīpanī verbunden und hat ihren Wohnsitz unter Mohanī. Von Bindu und Mond gekrönt, weilt sie im westlichen Antlitz.
Kumārikākhaṇḍa 18.105
- ete vaktrā mahādeva mālinyāyāḥ prakāśitāḥ |
nyāsedamārabhet śreṣṭhaṃ sadyaḥpratyayakārakam ||
Diese Antlitze der Mālinī sind offenbart, o großer Gott. Man beginne diesen vorzüglichen Nyāsa, der unmittelbar Zeichen der Verwirklichung hervorbringt.
Kumārikākhaṇḍa 18.106
- asaṃkhyāni ca pāpāni ye kṛtāḥ pūrvajanmani |
ihaloke ca ye cānye kṛtā vātha kariṣyati ||
Die zahllosen Verfehlungen, die in einem früheren Leben begangen wurden, und die anderen, die man in dieser Welt begangen hat oder noch begehen wird,
Kumārikākhaṇḍa 18.107
- te ca sarve vinaśyanti mālinīnyāsayogataḥ |
etaccātirahasyaṃ vai merumārgavinirgatam ||
sie alle werden durch den Yoga des Mālinī-Nyāsa vernichtet. Dies ist das überaus geheime Wissen, hervorgegangen aus dem Meru-Weg.
Kumārikākhaṇḍa 18.108
- śaśicāravaśācchambho ekacakre adhiṣṭhitam |
tasya yogaprayogo'yaṃ gurorājñāvadhiṣṭhitam ||
Durch den Gang des Mondes, o Śambhu, ist es im einen Rad gegründet. Dies ist seine Anwendung im Yoga, getragen von der Ājñā des Gurus.
Kumārikākhaṇḍa 18.109
- jānātyayaṃ yadā deva mālinīkramarājakam |
sa muktaḥ sarvabandhebhyo na bhūyo bandhamāpnuyāt ||
Wenn jemand, o Gott, diese königliche Folge der Mālinī kennt, ist er von allen Fesseln frei und gerät nicht wieder in Bindung.
Kumārikākhaṇḍa 18.110
- tāntrikānāṃ tārkikānāṃ paraśiṣye viḍambake |
na dadyānmālinīnyāsaṃ dattaṃ vā maraṇaṃ bhavet ||
Tantrikern, Logikern und dem täuschenden Schüler eines anderen soll man den Mālinī-Nyāsa nicht geben. Wird er ihnen gegeben, so folgt der Tod.
Kumārikākhaṇḍa 18.111
- tāvad bhramati saṃsāre ghorākāre mahārṇave |
yāvanna prāpyate deva mālinīkramarājakam ||
So lange wandert man im Saṃsāra, diesem furchtbaren großen Meer, bis man, o Gott, die königliche Folge der Mālinī erlangt.
Kumārikākhaṇḍa 18.112
- tathā kulaṃ kramaṃ nyāsaṃ kā cintā bhavasāgare |
saubhāgyaṃ śreyasaṃpattiḥ aṣṭaiśvaryaḥ pravartate ||
So steht es um Kula, Übertragungsfolge und Nyāsa: Welche Sorge bliebe im Meer des Daseins? Glück, das Erlangen des höchsten Gutes und die acht Herrschaftskräfte treten hervor.
Kumārikākhaṇḍa 18.113
- bhavate nātra saṃdeho rudravat sādhako bhavet |
etad vai mālinīnyāsaṃ sadbhāvaṃ kaulikānvaye ||
So geschieht es, daran besteht kein Zweifel; der Sādhaka wird wie Rudra. Dies ist der Mālinī-Nyāsa, das wahre Wesen innerhalb der Kaula-Überlieferung.
Kumārikākhaṇḍa 18: unnummerierter Halbvers (half_after_113)
- tavākhyataṃ tu siddhasya nādiphāntasvarūpakam |
Dir, dem Vollendeten, ist er erklärt: seine Gestalt reicht von Na bis Pha.
Kumārikākhaṇḍa 18: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike ādyapīṭhāvatārite vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatisahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite mālinīnyāsakramādhikāravarṇane kramodayo nāmānandaḥ || 18 ||
So endet das achtzehnte Kapitel, die Wonne namens „Das Hervortreten der Übertragung“, in der Darstellung des Abschnitts über die Folge des Mālinī-Nyāsa: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 19
Kumārikākhaṇḍa 19: Kapitelkopf (heading)
- ūnaviṃśānandaḥ
Neunzehnte Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 19: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 19.1
- atha cānyakramaṃ vakṣye śabdarāśisvarūpataḥ |
amṛtādivisargāntaṃ kramaṃ pañcāśadrūpiṇam ||
Nun werde ich eine weitere Folge erklären, deren Wesen Śabdarāśi, die Gesamtheit der Laute, ist: die fünfziggestaltige Folge von Amṛta bis Visarga.
Kumārikākhaṇḍa 19.2
- suśuddhe bhūpradeśe tu pāṃśugomayalepite |
puṣpaprakarasaṃkīrṇe sugupte paśuvarjite ||
Auf einem gut gereinigten Stück Erde, mit Staub und Kuhdung bestrichen, mit einer Fülle von Blumen bestreut, wohlverborgen und frei von Uneingeweihten,
Kumārikākhaṇḍa 19.3
- gurorājñāprasādena śabdarāśiṃ samuddharet |
yo'sau sarvagato devo vibhuḥ kartā sureśvaraḥ ||
soll man durch die Gnade der Ājñā des Gurus die Lautgesamtheit herauslösen. Jener allgegenwärtige, alldurchdringende Gott, der Handelnde und Herr der Götter,
Kumārikākhaṇḍa 19.4
- sa cāmṛtataraṅgeṣu turyasthaṃ bindumaṇḍale |
akhaṇḍamaṇḍalākāraṃ yoginīravabheditam ||
weilt in den Nektarwellen, im vierten Zustand, im Kreis des Bindu. Er hat die Gestalt eines ungeteilten Maṇḍala, durchdrungen vom Klang der Yoginī.
Kumārikākhaṇḍa 19.5
- taṃ paraṃ vyomni cakrasya tasya śabdamadhiṣṭhitam |
śabdarāśikrameṇoktaṃ varṇarūpādhikārakam ||
Dies ist das Höchste im Raum, getragen vom Klang jenes Rades. So ist nach der Folge der Lautgesamtheit die Vollmacht in Lautgestalt erklärt.
Kumārikākhaṇḍa 19.6
- piṇḍasthaṃ ca padasthaṃ ca rūpasthaṃ rūpavarjitam |
nirañjanapadāvasthaṃ tadā muktaṃ maheśvara ||
Im Körper gegründet, im Lautteil gegründet, in der Gestalt gegründet und frei von Gestalt; im Zustand des Makellosen gegründet, ist man dann frei, o großer Herr.
Kumārikākhaṇḍa 19.7
- śabdabrahma bhavet piṇḍaṃ padaṃ bījākṣaraṃ smṛtam |
rūpaṃ ca maṇḍalaṃ yogaṃ rūpātītaṃ ca bhairava ||
Der Körper ist das Klang-Brahman; als Lautteil gilt der Bīja-Laut. Die Gestalt ist das Maṇḍala, und jenseits der Gestalt liegt Yoga, o Bhairava.
Kumārikākhaṇḍa 19.8
- nirañjanaṃ piṇḍasthaṃ ca rūpasthaṃ rūpavarjitam |
nirañjanapade jñeyāstadādhordhve praśasyate ||
Das Makellose, das im Körper Gegründete, das in der Gestalt Gegründete und das Gestaltlose sind im Bereich des Makellosen zu erkennen. So werden sie unten und oben gelehrt.
Kumārikākhaṇḍa 19.9
- gurorgurutarāścaiva ye cānye kramadhārakāḥ |
sarve nirañjanāvasthāstadā te mokṣadāyakāḥ ||
Die Lehrer, die noch gewichtiger sind als der Guru, und die anderen Träger der Übertragung sind alle im Makellosen gegründet; dann verleihen sie Befreiung.
Kumārikākhaṇḍa 19.10
- śabdabrahma paraṃ brahma brahmākṣarasamudbhavaḥ |
tallayaṃ tatparātmānaṃ brahmavṛkṣaṃ ca golakam ||
Das Klang-Brahman ist das höchste Brahman, hervorgegangen aus dem Laut des Brahman. Es ist die Auflösung, das höchste Selbst, der Baum des Brahman und die Kugel.
Kumārikākhaṇḍa 19.11
- tasya śākhākṣarā deva pañcāśadrūpasaṃkhyayā |
mantrarūpāstu te sarve pañcāśattanumaṇḍitāḥ ||
Seine Zweige sind die Laute, o Gott, fünfzig Gestalten an der Zahl. Sie alle haben Mantragestalt, geschmückt mit fünfzig Körpern.
Kumārikākhaṇḍa 19.12
- vyāptisteṣāṃ kramācāraṃ ādhāracandrapuryake |
candrapuryasya vinyasya śabdarāśyādhikārakam ||
Ihre Durchdringung der Mondstadt in der Grundlage ist der Vollzug der Übertragungsfolge. Man setze die Vollmacht der Lautgesamtheit in die Mondstadt ein.
Kumārikākhaṇḍa 19.13
- ānandaṃ tu navātmānaṃ tadā rudrānvayaṃ bhavet |
rudrāṇāṃ mātṛkānyāsaṃ khecarakramanirṇayam ||
Wonne ist der neungliedrige Ātman, Navātman; dann entsteht die Überlieferung Rudras. Der Mātṛkā-Nyāsa der Rudras ist die Bestimmung der Khecara-Folge.
Kumārikākhaṇḍa 19.14
- khecaraṃ ca khamadhyasthaṃ madhyasthaṃ ca khakhecaram |
etaccatuḥprakāreṇa śāmbhavaṃ śabdarāśikam ||
Khecara und das in der Mitte des Raumes Befindliche, das in der Mitte Befindliche und Khakhecara: In diesen vier Weisen besteht die śāmbhavische Lautgesamtheit.
Kumārikākhaṇḍa 19.15
- anukramaṃ merumārge mudrātattvavibheditam |
tanmadhye ca kramaṃ deva tvaṃ rudra śabdarāśikam ||
Auf dem Meru-Weg entfaltet sie sich der Reihe nach, durchdrungen vom Wesen der Mudrā. In ihrer Mitte liegt die Übertragungsfolge, o Gott; du, Rudra, bist die Lautgesamtheit.
Kumārikākhaṇḍa 19.16
- tvaṃ ca pañcāśadbhirbhedaiḥ prakṛtirjñeyarūpataḥ |
vijñānabhūmikāyogaṃ kārikākramasantatiḥ ||
In deinen fünfzig Unterscheidungen bist du die Natur als Gegenstand des Erkennens, die Verbindung mit den Ebenen des Bewusstseins und die Fortsetzung der Folge des Wirkens.
Kumārikākhaṇḍa 19.17
- santānamekamākāśaṃ bhedāste saptaviṃśatiḥ |
teṣāṃ mūrtidharaṃ devaṃ varṇarāśyā tu kevalam ||
Der Raum ist die eine Überlieferungslinie; deine Unterscheidungen sind siebenundzwanzig. Der Gott trägt ihre Gestalt allein durch die Gesamtheit der Laute.
Kumārikākhaṇḍa 19.18
- śrīnāthaṃ devatairyuktaṃ sa ca ulitraye guruḥ |
ulitraye kramāḥ trīṇi teṣāṃ rāśiprayojanam ||
Er ist Śrīnātha, mit den Gottheiten vereint, und Guru in den drei Ulis. In den drei Überlieferungslinien bestehen drei Folgen; ihnen dient die Anwendung der Lautgesamtheit.
Kumārikākhaṇḍa 19.19
- pūrvoktaṃ saṃhitāyāṃ tu ādināthena svāminā |
tasya mantrakramamevaṃ pratyayaṃ pūrvabhāṣitam ||
Dies wurde zuvor in der Saṃhitā durch den Herrn Ādinātha erklärt. So ist ihre Mantrafolge beschaffen; auch die Zeichen der Verwirklichung sind zuvor erläutert.
Kumārikākhaṇḍa 19.20
- bhāṣāmudrāsamopetaṃ bhairavaṃ śabdarāśikam |
tacca ca tṛtīyakaṃ mārgaṃ ādyapīṭhaṃ surendrarāṭ ||
Bhairava als Lautgesamtheit ist mit der Mudrā der Sprache versehen. Dies ist der dritte Weg, der ursprüngliche heilige Sitz, o König der Götter.
Kumārikākhaṇḍa 19.21
- asyoddhāraṃ punarhyeva yathā sṛṣṭikrameṇa tu |
ātmānaṃ rudravat jñātvā rudramātmānavad dhara ||
Wiederum geschieht das Herauslösen nach der Folge der Schöpfung. Erkenne das Selbst als Rudra gleich und vergegenwärtige Rudra als dem Selbst gleich.
Kumārikākhaṇḍa 19.22
- sabāhyābhyantaraṃ jñātvā śabdarāśyāvatārayet |
amṛtādihakārāntaṃ etad varṇaparigraham ||
Hat man das Äußere und das Innere erkannt, lasse man die Lautgesamtheit herabkommen. Ihre Lautreihe reicht von Amṛta bis zum Laut Ha.
Kumārikākhaṇḍa 19.23
- mātṛkākulamekaṃ tu bhagajātaṃ tu pratyayam |
tacca pañcāśadbhirbhedaiḥ nyastvā kṣobho'bhijāyate ||
Die Familie der Mātṛkās ist eine; das Zeichen der Verwirklichung entsteht aus der Yoni. Wird dies in seinen fünfzig Unterscheidungen eingesetzt, entsteht Erregung.
Kumārikākhaṇḍa 19.24
- etadakṣaravinyāsaṃ pūrvasaṃskārasaṃskṛtam |
tadā bījakramanyāsaṃ avijñātaṃ na mucyate ||
Diese Einsetzung der Laute ist durch die vorausgehende Zurüstung geläutert. Bleibt die Einsetzung der Bīja-Folge unerkannt, wird man nicht frei.
Kumārikākhaṇḍa 19.25
- anaṅgasya śiraṃ nyasya lalāṭaṃ tava mūrdhani |
tathā caiva ñavarṇasya bhavet tad vaktramaṇḍalam ||
Man setze Anaṅgas Haupt ein: die Stirn auf deinem Scheitel, ebenso das des Lautes Ña; dies bildet den Kreis des Antlitzes [Zuordnung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 19.26
- tathā prāntaṃ tu tejasya ṣoḍhaṃ nyasya tathaiva ca |
dvāvetau nayanau deva candrādityāvabhāsakau ||
Ebenso setze man das äußerste Ende von Tejas und Ṣoḍha ein. Diese beiden sind die Augen, o Gott, welche Mond und Sonne erhellen.
Kumārikākhaṇḍa 19.27
- tathā caiva kalā proktā mahendrasya tu mastakam |
etat karṇadvayaṃ deva savyāsavyau udāhṛtau ||
Ebenso sind Kalā und Mahendras Haupt genannt. Diese sind die beiden Ohren, o Gott, als linkes und rechtes bezeichnet.
Kumārikākhaṇḍa 19.28
- dve kalānte vilomena nāsādvārayutāvubhau |
mahendrādyaṃ dvayaṃ pātyaṃ mukhagaṇḍasthalāvubhau ||
Die beiden am Ende der Kalā verbinde man in umgekehrter Folge mit den beiden Nasenöffnungen. Die beiden von Mahendra ausgehenden Laute setzt man an den beiden Wangen des Gesichts ein.
Kumārikākhaṇḍa 19.29
- rāvaṇāntau vilomena adhordhve dantapaṃktiṣu |
rājendrādyaṃ dvayaṃ ceṣṭau adha ūrdhve subhāvite ||
Die beiden am Ende von Rāvaṇa setzt man in umgekehrter Folge an der unteren und oberen Zahnreihe ein. Die beiden von Rājendra ausgehenden Laute sind die untere und obere Lippe, wohl vergegenwärtigt.
Kumārikākhaṇḍa 19.30
- girijāsanamuddhṛtya brahmarandhre maheśvara |
tasyādyaṃ yad visargākhyaṃ jihvāmūlaṃ vidhīyate ||
Man löse Girijās Sitz heraus, o großer Herr, im Brahmarandhra. Der ihm vorausgehende Laut, der Visarga genannt wird, wird an der Zungenwurzel angeordnet.
Kumārikākhaṇḍa 19.31
- akārādivisargāntaṃ svaracakramiti smṛtam |
brahmāṇī devatā tatra saṃsthitā śambhumaṇḍale ||
Die Folge von A bis Visarga wird Vokalrad genannt. Ihre Gottheit ist Brahmāṇī; sie weilt im Kreis des Śambhu.
Kumārikākhaṇḍa 19.32
- athāṅgāni vadedānīṃ śṛṇu tathyaṃ svarūpataḥ |
dvijāsanaṃ prabhu pātyaṃ tena skandhaṃ tu dakṣiṇam ||
Nun erkläre die Glieder. Höre ihr wahres Wesen. Man setze den Sitz des Zweimalgeborenen ein, o Herr; er bildet die rechte Schulter.
Kumārikākhaṇḍa 19.33
- siṃhasya āsanaṃ bāhu āsanādyaṃ ca kūrparam |
hanumantaṃ śiraṃ pātyaṃ dakṣahastaṃ tadopari ||
Der Sitz des Löwen ist der Arm, der von diesem Sitz ausgehende Laut der Ellenbogen. Man setze Hanumāns Haupt ein; darüber liegt die rechte Hand.
Kumārikākhaṇḍa 19.34
- siṃhāntaṃ ghāntaraṃ tasmād dakṣahastanakhāgragam |
kavargaṃ pañcadhā deva māheśvaryā samāyutam ||
Das Ende des Löwen, hinter Gha gelegen, liegt an den Nagelspitzen der rechten Hand. Die fünffache Ka-Gruppe, o Gott, ist mit Māheśvarī verbunden.
Kumārikākhaṇḍa 19.35
- śaktipurasya bimbasya yadādyaṃ skandhamuttamam |
tathā tasya śiraṃ pātyaṃ vāmabāhuniyojitam ||
Was dem Bild der Śakti-Stadt vorausgeht, ist die vorzügliche Schulter. Ebenso setzt man dessen Haupt ein und ordnet es dem linken Arm zu.
Kumārikākhaṇḍa 19.36
- bhaśiraṃ kūrparaṃ caiva ā–ādyaṃ karapṛṣṭhagam |
māyādyaṃ ca karāṃgulyoḥ nakhāgreṣu ca vinyaset ||
Das Haupt von Bha ist der Ellenbogen; der von Ā ausgehende Laut liegt am Handrücken. Den von Māyā ausgehenden Laut setze man an den Nagelspitzen der Finger ein.
Kumārikākhaṇḍa 19.37
- cavargaṃ caiva kaumāryā tava deva prakāśitam |
gauryāyā ādimaṃ kāryaṃ dakṣiṇe ca sthiraṃ kuru ||
So ist dir, o Gott, die Ca-Gruppe mit Kaumārī offenbart. Man bilde den von Gaurī ausgehenden Laut und befestige es auf der rechten Seite.
Kumārikākhaṇḍa 19.38
- tasyāsanaṃ dakṣata rudra adho jānujaṅghayoḥ |
ḍakārādyaṃ gataṃ pādaṃ dakṣiṇe talapṛṣṭhagam ||
Ihr Sitz liegt rechts darunter, o Rudra, an Knie und Unterschenkel. Das mit Ḍa beginnende Zeichen geht zum rechten Fuß, an Sohle und Rücken [Zuordnung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 19.39
- tadgrahaṃ cāṃgulīyojyaṃ nakhāstathā vai kaulika |
ṭavargaṃ vaiṣṇavīsāraṃ dakṣamārge virājate ||
Tadgraha ist mit den Zehen und ebenso mit den Nägeln zu verbinden, o Kaulika. Die Ṭa-Gruppe, deren Wesen Vaiṣṇavī ist, erstrahlt auf der rechten Seite.
Kumārikākhaṇḍa 19.40
- pṛthivyādhaḥ sphijavāmaṃ nīrādhaścorukaṃ bhavet |
mahāśaṅkhāsanaṃ jānu jaṃghāyāṃ ca gataṃ smṛtam ||
Unter Pṛthivī liegt die linke Gesäßhälfte, unter Nīra der Oberschenkel. Mahāśaṅkhas Sitz gilt als Knie und als am Unterschenkel gelegen [Zuordnung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 19.41
- tathā dhūmradhvajasyādhaḥ pādapṛṣṭhamadhaḥ smṛtam |
anaṅgaśiramāśritya pādāṃgulyo nakhāgrataḥ ||
Ebenso gilt das unter Dhūmradhvaja Gelegene als unterer Fußrücken. Anaṅgas Haupt ist an den Zehen bis zu den Nagelspitzen angeordnet.
Kumārikākhaṇḍa 19.42
- vārāhyādhiṣṭhitaṃ vargaṃ vinyaset kramapaddhatau |
evaṃ varṇodaye pārṇaṃ pārśvadakṣiṇakukṣigam ||
Die von Vārāhī beherrschte Lautgruppe setze man nach der Ordnung der Übertragung ein. Bei diesem Hervortreten der Laute liegt Pa seitlich an der rechten Bauchseite.
Kumārikākhaṇḍa 19.43
- nacāntaragataḥ kukṣau tadanye sarvatomukhaḥ |
ṣaśiraṃ pṛṣṭivaṃśe tu sṛgūrdhvamudaraṃ viduḥ ||
Das zwischen Na und Ca Gelegene liegt in der anderen Bauchseite, nach allen Seiten gewandt. Das Haupt von Ṣa liegt am Rückgrat; über dem Blut liegt, so weiß man, der Bauch.
Kumārikākhaṇḍa 19.44
- tadagatāntaṃ mahādeva hṛdayaṃ śabdarāśikam |
indrāṇyadhiṣṭhitaṃ vargaṃ hṛdayaṃ kulayoginī ||
Was bis an dessen Ende reicht, o großer Gott, ist das Herz der Lautgesamtheit. Diese Gruppe steht unter Indrāṇī; sie ist das Herz der Kula-Yoginī.
Kumārikākhaṇḍa 19.45
- tvacaṃ kapālamūrdhvasthaṃ śoṇitaṃ jaṭāhārādi |
anantaragataṃ māṃsaṃ anaṅgādhaḥsthitaṃ snāyu ||
Die Haut liegt über Kapāla, das Blut ist der von Jaṭāhāra ausgehende Laut. Daran schließt sich das Fleisch an; unter Anaṅga liegt das Sehnengewebe.
Kumārikākhaṇḍa 19.46
- catvāro vyāpakāstattvā āgneyā ravimaṇḍale |
viddhi tattvaṃ yavargedaṃ svapiṇḍakalayojitam ||
Dies sind vier durchdringende Prinzipien, feuerartig im Kreis der Sonne. Erkenne das Wesen dieser Ya-Gruppe, verbunden mit der Kraft des eigenen Körpers.
Kumārikākhaṇḍa 19.47
- evaṃ śiraṃ kuverasya taccāsthiviniyojitam |
tathā majjā phakārāntā harādhaḥ śukramaṇḍalam ||
Ebenso wird Kuveras Haupt den Knochen zugeordnet. Das Mark ist das Ende des Lautes Pha; unter Hara liegt der Kreis des Samens.
Kumārikākhaṇḍa 19.48
- madhyasthaṃ madhyagaṃ prāṇaṃ pāyutattvamadhomukham |
cāmuṇḍādhiṣṭhitaṃ vargaṃ aṣṭamaṃ parisaṃkhyayā ||
Der Lebenshauch liegt in der Mitte; das Prinzip des Afters ist nach unten gerichtet. Diese Lautgruppe, die achte nach der Zählung, wird von Cāmuṇḍā beherrscht.
Kumārikākhaṇḍa 19.49
- vargātītamadhaḥsthaṃ tu visargasahitātmakam |
pratimāyāṃ gataṃ deva kopasthānagataṃ viduḥ ||
Was jenseits der Lautgruppen liegt, weilt unten und ist mit Visarga verbunden. Es befindet sich in der Körpergestalt, o Gott; man weiß es am Ort des Zorns.
Kumārikākhaṇḍa 19.50
- tasya sā navamī devyā mahālakṣmyadhikāriṇī |
amṛtādihakārāntaṃ paraṃ varṇaparigraham ||
Seine neunte Göttin ist Mahālakṣmī, die dort die Vollmacht trägt. Die höchste Lautreihe reicht von Amṛta bis zum Laut Ha.
Kumārikākhaṇḍa 19.51
- mātṛkākramamevaṃ tu bhagajātaṃ tu pratyayam |
evaṃ pañcāśadbhirbhedairādikṣāntaṃ krameṇa tu ||
So ist die Folge der Mātṛkās beschaffen; das Zeichen der Verwirklichung entsteht aus der Yoni. So besteht sie aus fünfzig Unterscheidungen, der Reihe nach von A bis Kṣa.
Kumārikākhaṇḍa 19.52
- etadakṣaravinyāsaṃ pūrvasaṃskārasaṃskṛtam |
varṇabījakramanyāsaṃ avijñātaṃ na muñcati ||
Diese Einsetzung der Laute ist durch die vorausgehende Zurüstung geläutert. Bleibt die Einsetzung der Laut- und Bīja-Folge unerkannt, gewährt sie keine Befreiung.
Kumārikākhaṇḍa 19.53
- śabdabrahmākṣarā yānti saṃskārakṛtaraśmayaḥ |
kṛtakṛtyakramādyaughaṃ prākṛtaṃ tu surādhipa ||
Die Laute des Klang-Brahman, deren Strahlen durch die Zurüstung hervorgebracht sind, gehen in den ursprünglichen, naturgegebenen Strom der Folge des vollbrachten Wirkens ein, o Herr der Götter [Satzfügung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 19.54
- śabdavarṇākṣarāṇāṃ tu sṛṣṭirādyā kramodayaḥ |
anulomena siddhasya tena tvaṃ śabdarāśikam ||
Das Hervortreten der Übertragungsfolge ist die ursprüngliche Schöpfung von Klang, Lauten und Silben. In der vorwärts laufenden Folge gehört sie dem Siddha; dadurch bist du die Lautgesamtheit.
Kumārikākhaṇḍa 19.55
- śabdaṃ tu pṛthivyantasthaṃ pṛthivyāṃ hara mālinī |
mālinyā śabdarāśyā tu otaprotaṃ jagattrayam ||
Der Klang ist in der Erde enthalten, und in der Erde, o Hara, ist Mālinī. Die drei Welten sind von Mālinī und der Lautgesamtheit wie von Kette und Schuss durchwoben.
Kumārikākhaṇḍa 19.56
- dīpanena vinirmuktaṃ antaḥśūnyaṃ maheśvara |
tasmāt tacchabdarāśyādau dīpanaṃ samudāharet ||
Ohne Dīpana, die Erhellung, bleibt dies innen leer, o großer Herr. Darum lasse man am Anfang jener Lautgesamtheit das Erhellende erklingen.
Kumārikākhaṇḍa 19.57
- yānujaṃ kharamadhyasthaṃ gajendrabhujabheditam |
candrakāntiśikhābhinnaṃ hṛdayaṃ kulakhecarī ||
Der jüngere Bruder von Ya, das zwischen Kha und Ra Gelegene, durchdrungen von Gajendra und Bhuja sowie von Mond, Glanz und Haarspitze: Dies ist das Herz, Kulakhecarī [Lautcodes nicht vollständig aufgelöst].
Kumārikākhaṇḍa 19.58
- bīje bīje pṛthak deva kṛtvādau vīravigraham |
sudīptaṃ bhavate nyāsaṃ mālinīpraṇavatraye ||
Setzt man die Gestalt des Helden jedem einzelnen Bīja voran, o Gott, so wird der Nyāsa durch die drei Praṇavas der Mālinī hell entflammt.
Kumārikākhaṇḍa 19.59
- ādyante saṃpuṭaṃ kṛtvā śabdarāśyāmanena tu |
tathā saṃpuṭitaṃ nyāsaṃ nyaset vaktrāṅgasaṃyutam ||
Man umschließe die Lautgesamtheit damit am Anfang und am Ende. Den so umschlossenen Nyāsa setze man zusammen mit den Antlitzen und Gliedern ein.
Kumārikākhaṇḍa 19.60
- vṛṣabhaṃ madhyagaṃ gṛhya śaktyāsanavyavasthitam |
saṃvartaṃ ca mahākālaṃ pinākī tadadhasthitam ||
Man nehme Vṛṣabha, das in der Mitte auf dem Sitz der Śakti Gelegene, Saṃvarta und Mahākāla, Pinākin und das darunter Befindliche.
Kumārikākhaṇḍa 19.61
- etat kūṭaṃ samākhyātaṃ ṣaḍvidhaṃ kārayet punaḥ |
hrasvaiḥ ṣaḍbhiḥ svarairbhedyaṃ indubinduralaṃkṛtam ||
Dies wird Kūṭa genannt; man gestalte es wiederum sechsfach, durchdrungen von sechs kurzen Vokalen und mit dem Mond-Bindu geschmückt.
Kumārikākhaṇḍa 19.62
- ūrdhvamūrdhve tathā pūrve paścime dakṣiṇottare |
vaktranyāsaṃ mahādeva pūrvabījaiḥ pradīpitam ||
Über dem oberen Antlitz, am oberen, im Osten, Westen, Süden und Norden vollziehe man den Nyāsa der Antlitze, o großer Gott, erhellt durch die zuvor genannten Bījas.
Kumārikākhaṇḍa 19.63
- tūṣṇīśaṃ ca kulīśaṃ ca śrīkaṇṭhāghorabhairavam |
uttareśa anantīśaṃ paścimena sadāśivam ||
Tūṣṇīśa und Kulīśa, Śrīkaṇṭha als Aghorabhairava, Uttareśa und Anantīśa sowie Sadāśiva beim westlichen Antlitz [Zuordnung widersprüchlich]:
Kumārikākhaṇḍa 19.64
- ete siddhā niyuktavyā vaktraṣaṭke varānana |
athāṅgāni pravakṣyāmi saṃkṣepeṇa vadāmyaham ||
Diese Siddhas sind den sechs Antlitzen zuzuordnen, o Schöner. Nun werde ich die Glieder erklären; ich spreche in Kürze.
Kumārikākhaṇḍa 19.65
- vṛṣabhaṃ madhyamaṃ sthāpya harasyāsanabheditam |
atādiṣu sutaṃ kuryāt hṛcchireṇa vibheditam ||
Man setze Vṛṣabha und den mittleren Laut ein, durchdrungen vom Sitz Haras. In den mit At beginnenden bilde man den Sohn, durchdrungen vom Haupt des Herzens [Lautzuordnung unklar].
Kumārikākhaṇḍa 19.66
- nīlakaṇṭhaśiraṃ kṛtvā kūṭedaṃ ṣaḍvidhoddharet |
dīrghaiḥ ṣaḍbhiḥ svarairbhinnaṃ kalābinduśivāṅkitam ||
Man bilde Nīlakaṇṭhas Haupt und löse dieses Kūṭa sechsfach heraus, durchdrungen von sechs langen Vokalen und mit Kalā, Bindu und Śiva bezeichnet.
Kumārikākhaṇḍa 19.67
- aghoraṃ hṛdi saṃyuktaṃ amoghaṃ śirabhūṣaṇam |
nīlakaṇṭhaṃ śikhā yojyaṃ varmasthamekavīrakam ||
Aghora ist mit dem Herzen verbunden, Amogha schmückt das Haupt. Nīlakaṇṭha ist dem Haarknoten zuzuordnen; Ekavīra weilt im Panzer.
Kumārikākhaṇḍa 19.68
- piṅgalaṃ netrayornyasya kapilāstraṃ ca bhairavam |
evaṃ tu bhairavaiḥ ṣaḍbhiryuktā aṅgāni vinyaset ||
Man setze Piṅgala an den beiden Augen ein und den Bhairava als Kapila-Waffe. So setze man die Glieder verbunden mit den sechs Bhairavas ein.
Kumārikākhaṇḍa 19.69
- dīpanādyaṃ tataḥ kṛtvā bhavennyāsaṃ tu saṃpuṭam |
saṃpuṭena tu riktāṅgā antaḥśūnyā gabhastayaḥ ||
Stellt man das Erhellende voran, wird der Nyāsa umschlossen. Durch diese Umschließung sind die Strahlen frei von Gliedern und innen leer.
Kumārikākhaṇḍa 19.70
- vyāpakatvena tiṣṭhanti sudīptā vyāpakāstu te |
eṣo vai śabdarāśistu sudīptāṅgasamāyutaḥ ||
Sie weilen als Durchdringende; hell entflammt durchdringen sie alles. Dies ist die Lautgesamtheit, verbunden mit ihren hell entflammten Gliedern.
Kumārikākhaṇḍa 19.71
- kramasyāgre nyased yastu brahmahā api śuddhyati |
satataṃ nyasate yastu jīvanmuktyariho bhavet ||
Wer sie am Anfang der Übertragungsfolge einsetzt, wird rein, auch wenn er einen Brahmanen getötet hat. Wer sie beständig einsetzt, vernichtet die Feinde der Befreiung zu Lebzeiten.
Kumārikākhaṇḍa 19.72
- nirāmayo bhaved vidvān kṛtaiḥ pāpairna lipyate |
siddhatulyo bhavet so'pi śabdarāśiprabhāvataḥ ||
Der Wissende wird frei von Krankheit; begangene Verfehlungen beflecken ihn nicht. Durch die Kraft der Lautgesamtheit wird auch er einem Siddha gleich.
Kumārikākhaṇḍa 19.73
- ājñākṣobhastathā ghūrmiḥ āveśaṃ ca muhurmuhuḥ |
bhavate parasaṃvittiryatra sā ramate parā ||
Durch die Ājñā entstehen Erregung, ekstatischer Taumel und immer wieder göttliches Ergriffensein. Höchstes Bewusstsein entsteht dort, wo die höchste Göttin spielt.
Kumārikākhaṇḍa 19.74
- parasthānapadaprāptirmukto bhavati bandhanāt |
etad vai śabdapuruṣaṃ brahmaśabdairadhiṣṭhitam ||
Der Bereich des höchsten Ortes wird erlangt; man wird aus der Bindung frei. Dies ist der Klang-Puruṣa, getragen von den Lauten des Brahman.
Kumārikākhaṇḍa 19.75
- adhiṣṭhānaṃ tu kaulasya pratyayaṃ śabdarāśikam |
rāśau pañcāśadbhedāni śabdaikaṃ vāgbhavoditam ||
Die Grundlage des Kaula ist jene Erfahrung, welche die Lautgesamtheit ist. In der Gesamtheit bestehen fünfzig Unterscheidungen; der Klang aber ist einer, hervorgegangen aus Vāgbhava.
Kumārikākhaṇḍa 19.76
- śabdarāśiḥ smṛtastena rudratvamūrtirbhairava |
tasya mūrtirnavātmānaṃ śāsane kuladīpakam ||
Darum wird die Lautgesamtheit, o Bhairava, die Verkörperung von Rudras Wesen genannt. Ihre Gestalt ist Navātman, in der Lehre die Leuchte des Kula.
Kumārikākhaṇḍa 19.77
- tasyoddhāraṃ pravakṣyāmi śṛṇuṣvekāgra sundara |
bhṛgulākulasaṃvarto mahākālaṃ pinākinam ||
Ich werde sein Herauslösen erklären. Höre aufmerksam, o Schöner: Bhṛgu, Lākula, Saṃvarta, Mahākāla und Pinākin,
Kumārikākhaṇḍa 19.78
- khaḍgīśaṃ ca bhujaṅgākhyaṃ vālīśaṃ cārghanāyakam |
kalābindvaṅkitaṃ nādaṃ jyotirūpaṃ caturthakam ||
Khaḍgīśa, der Bhujaṅga Genannte, Vālīśa und Arghanāyaka, dazu Nāda, mit Kalā und Bindu bezeichnet, und als Viertes das Lichtgestaltige.
Kumārikākhaṇḍa 19.79
- eṣu devaṃ navātmānaṃ vṛkṣīśaṃ vṛkṣanāyakam |
mūrtibhūtaṃ kalāyāśca paramānandabhairavam ||
In diesen ist der Gott Navātman, Vṛkṣīśa, der Herr des Baumes: die verkörperte Kalā, Bhairava der höchsten Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 19.80
- tasyāśramaṃ brahmavṛkṣaṃ trivalītaramārgagam |
turyāntaṃ maṇḍalaṃ śāktaṃ tatrānandaḥ pravartate ||
Sein Aufenthaltsort ist der Brahman-Baum auf dem Weg, der über drei Windungen hinausführt: das Śakti-Maṇḍala am Ende des vierten Zustandes. Dort entsteht Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 19.81
- tatra saṃbhāvayet piṇḍaṃ dīpanaṃ śabdarāśikam |
himakundendudhavalaṃ śatārkavapuṣojjvalam ||
Dort vergegenwärtige man den Piṇḍa, die erhellende Gestalt der Lautgesamtheit: weiß wie Schnee, Kunda-Blüte und Mond, strahlend mit dem Glanz von hundert Sonnen.
Kumārikākhaṇḍa 19.82
- tasyotsaṅgagatā devī ahameva tu mālinī |
taddharmadharmiṇī deva tasya mūrtidharī śubhā ||
Die Göttin in seinem Schoß bin ich selbst, Mālinī. Ich trage seine Eigenschaften, o Gott; ich bin die Glückverheißende, die seine Gestalt trägt.
Kumārikākhaṇḍa 19.83
- māyābījena tejāḍhyā arghasthāne niyojitā |
dāḍimodakasaṃkāśā sphuraṇāḍhyā virājate ||
Durch den Māyā-Keimlaut voller Strahlkraft, ist sie am Ort der Argha-Gabe eingesetzt. Sie gleicht Granatapfelsaft und leuchtet in pulsierender Fülle.
Kumārikākhaṇḍa 19.84
- aṃkurākārarūpeṇa brahmagranthī hyadhomukhī |
kubjikā pararūpeṇa akārāntā śivāvadhiḥ ||
In Gestalt eines Keimlings ist sie der nach unten gerichtete Brahman-Knoten. In höchster Gestalt ist sie Kubjikā, am Ende von A, mit Śiva als Grenze [Lautbeziehung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 19.85
- śivaśaktirvilomābhyāṃ viśrāmaṃ hṛdi maṇḍale |
ūrdhve śivamadhaḥ śaktiḥ prasaraṃ madhyabhūmikā ||
Durch die gegenläufige Bewegung von Śiva und Śakti entsteht Ruhe im Kreis des Herzens. Śiva ist oben, Śakti unten; ihre Ausbreitung bildet die mittlere Ebene.
Kumārikākhaṇḍa 19.86
- tatra cotpadyate'vasthā jñātvāveśaṃ muhurmuhuḥ |
turyasthaḥ śabdarāśistu yonisthā mālinī svayam ||
Dort entsteht ein Zustand, nach dessen Erkenntnis immer wieder Ergriffensein eintritt. Die Lautgesamtheit weilt im vierten Zustand, Mālinī selbst in der Yoni.
Kumārikākhaṇḍa 19.87
- guruvaktraṃ tayormadhye ānandaṃ ca adhomukham |
yathākramaṃ mahaugho'yaṃ ākhyātaṃ śivaśaktyayoḥ ||
Zwischen beiden ist der Mund des Gurus, nach unten gerichtet und Wonne. Dieser große Strom von Śiva und Śakti ist dir in der rechten Folge erklärt.
Kumārikākhaṇḍa 19.88
- mūrtinyāsaṃ pravakṣyāmi yathā vihito'nukramāt |
brahmarandhre lalāṭe ca vaktre hṛdayamaṇḍale ||
Nun werde ich die Einsetzung ihrer Gestalt erklären, wie sie der Reihe nach vorgeschrieben ist: im Brahmarandhra, an der Stirn, im Mund und im Kreis des Herzens,
Kumārikākhaṇḍa 19.89
- nābhau guhye ca urubhyāṃ jaṅghayoḥ pādayugmake |
evaṃ nyāsaṃ samākhyātaṃ pañcaratnairadhiṣṭhitam ||
am Nabel, am Geschlecht, an beiden Oberschenkeln, an den Unterschenkeln und an beiden Füßen. So ist der Nyāsa erklärt, getragen von den fünf Juwelen.
Kumārikākhaṇḍa 19.90
- tathā hyaṅgavidhīdānīṃ yathā vakṣyāmi tacchṛṇu |
śuddhasphaṭikasaṃkāśā hṛdi devyā virājate ||
Höre nun die Ordnung der Glieder, wie ich sie erklären werde. Die Göttin erstrahlt im Herzen wie reiner Kristall.
Kumārikākhaṇḍa 19.91
- śiraṃ mañjiṣṭhasadṛśaṃ śikhā hyulkāgnivad bhavet |
āraktaṃ śuddhadhavalaṃ netrau raktau tathobhayoḥ ||
Das Haupt gleicht dem Rot des Krapps; die Haarspitze ist wie das Feuer eines Meteors. Hellrot und reinweiß ist [wohl der Panzer]; beide Augen sind rot.
Kumārikākhaṇḍa 19.92
- astraṃ cāghorasadṛśaṃ śuddhākāśaṃ yathā viduḥ |
etad varṇavibhāgaṃ tu jñātvā siddhyariho bhavet ||
Die Waffe gleicht Aghora und, wie man weiß, dem reinen Raum. Wer diese Farbunterscheidungen erkennt, vernichtet die Feinde der Vollendung.
Kumārikākhaṇḍa 19.93
- mālinī śabdarāśistu rudrayoginibṛṃhitam |
dīpanaistu samāyuktaṃ ṣaḍaṅgakramabheditam ||
Mālinī und die Lautgesamtheit werden durch Rudras und Yoginīs gekräftigt. Sie sind mit dem Erhellenden verbunden und durch die Folge der sechs Glieder entfaltet.
Kumārikākhaṇḍa 19.94
- sthānalakṣasamāyuktaṃ dhyānadhāraṇasaṃyutam |
umāmaheśvaraṃ cakraṃ tavākhyātaṃ varānana ||
Mit Orten und Zielzeichen versehen, verbunden mit Meditation und Sammlung: Dieses Rad von Umā und Maheśvara habe ich dir erklärt, o Schöner.
Kumārikākhaṇḍa 19.95
- jātibhedavihīnāṅgā jñātavyāḥ pūrvavat kramāt |
kulakaulakramādhāraṃ mālinī śabdarāśikam ||
Die Glieder sind frei von den Unterscheidungen der Jātis; man erkenne sie der Reihe nach wie zuvor. Mālinī und die Lautgesamtheit tragen die Folge von Kula und Kaula.
Kumārikākhaṇḍa 19: unnummerierter Halbvers (half_after_95)
- kathitaṃ kulasiddhāntaṃ jñeyaṃ mārgaṃ maheśvara |
Die endgültige Lehre des Kula ist erklärt; erkenne diesen Weg, o großer Herr.
Kumārikākhaṇḍa 19: Kolophon (colophon)
- ityājñāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike ādyapīṭhāvatāre vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite śabdarāśyādhikāravarṇane kramodayo nāmānandaḥ || 19 ||
So endet das neunzehnte Kapitel, die Wonne namens „Das Hervortreten der Übertragung“, in der Darstellung des Abschnitts über die Lautgesamtheit: in der Herabkunft der Ājñā des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; in der Herabkunft des ursprünglichen heiligen Sitzes, auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 20
Kumārikākhaṇḍa 20: Kapitelkopf (heading)
- viṃśānandaḥ
Zwanzigste Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 20: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 20.1
- mālinī śabdarāśiśca ubhāvetau śrutau mayā |
adhunā śrotumicchāmi trividyāṃ kaulinīṃ parām ||
Von Mālinī und der Lautgesamtheit habe ich gehört, von diesen beiden. Nun möchte ich von der höchsten dreifachen Kaulinī-Vidyā hören.
Kumārikākhaṇḍa 20: Sprecherzeile (speaker_before_2)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 20.2
- śabdarāśiprasiddhasya punaranyavikalpakam |
idānīmākarṇaya śambho vidyātritayakaulikam ||
Nun höre, o Śambhu, eine andere Gestaltung der wohlbekannten Lautgesamtheit [erster Halbvers unsicher]: die drei Kaulika-Vidyās.
Kumārikākhaṇḍa 20.3
- parā ca aparā caiva tathā caiva parāparā |
teṣāmuddhāraṃ anyaṃ tu kathayiṣyāmi suvrata ||
Es sind Parā, Aparā und Parāparā. Eine andere Weise ihres Herauslösens werde ich dir erklären, o du mit guten Gelübden.
Kumārikākhaṇḍa 20.4
- prathamā parāparā pañcacatvāriṃśākṣarā bhavet |
ādyāmṛtaṃ ca khaśiraṃ gajendrādyavibhūṣitam ||
Die erste ist Parāparā; sie besteht aus fünfundvierzig Lauten. Am Anfang steht Amṛta, dann das Haupt von Kha, geschmückt mit dem von Gajendra ausgehenden Laut.
Kumārikākhaṇḍa 20.5
- tadgrahasya śiraṃ pātyaṃ tadgrahāsanabheditam |
padmayoniśiraṃ gṛhya pārthivāntasamanvitam ||
Man setze Tadgrahas Haupt ein, durchdrungen von Tadgrahas Sitz. Man nehme Padmayonis Haupt und verbinde es mit dem Ende des Erdlautes.
Kumārikākhaṇḍa 20.6
- kapālāntakṛtaṃ bindu ardhacandrakṛtānvitam |
padamekaṃ tu prathamaṃ dvitīyaṃ ca yathā bhavet ||
Am Ende von Kapāla wird Bindu gebildet, verbunden mit der Gestalt des Halbmondes. Dies ist der erste Teil. Nun, wie der zweite entsteht:
Kumārikākhaṇḍa 20.7
- tārādyaṃ ca ṭhakārādyaṃ tathā cānaṅgamastakam |
pādrai (?) caikaśire bhadra tadgrahasyādhimastakam ||
Der von Tāra ausgehende und der von Ṭha ausgehende Laut, ebenso Anaṅgas Haupt; pādrai (?) und das eine Haupt, o Gütiger, sowie das oberste Haupt Tadgrahas [Lesung teilweise ungeklärt].
Kumārikākhaṇḍa 20.8
- madhyamaṃ ca ananṅgaṃ ca agnidhāmavibheditam |
khaśiraṃ khaśirākrāntaṃ kapālāsanamaṇḍalam ||
Der mittlere Laut und Anaṅga, durchdrungen von Agnidhāma; das Haupt von Kha, überlagert vom Haupt von Kha; sodann der Kreis des Sitzes von Kapāla.
Kumārikākhaṇḍa 20.9
- ra eva vedhakākrāntaṃ varṇādyasya tu mastakam |
ekapādasthitaṃ śambho tathā vai merumadhyagam ||
Ra selbst, überlagert vom Durchdringenden, das Haupt des ersten Lautes, im Ekapāda gelegen, o Śambhu, und das in der Mitte des Meru Befindliche,
Kumārikākhaṇḍa 20.10
- kāntayuktaṃ maheśāna tṛtīyaṃ padamuddhṛtam |
napūrvādyantādhaḥsaṃsthaṃ yaḍhāntaṃ bhānubheditam ||
verbunden mit dem Ende von Ka, o großer Herr: So ist der dritte Teil herausgelöst. Darauf das unter dem Ende des von Na ausgehenden Lautes Gelegene und das Ende zwischen Ya und Ḍha, durchdrungen von Bhānu.
Kumārikākhaṇḍa 20.11
- haśiraṃ paṅkajasthaṃ tu ghādhaḥsthaṃ māyayā yutam |
caturthapadamākhyātaṃ pañcamaṃ cādhunā bhavet ||
Das Haupt von Ha, das im Lotus Befindliche und das unter Gha Gelegene, mit Māyā verbunden: Der vierte Teil ist erklärt. Nun folgt der fünfte.
Kumārikākhaṇḍa 20.12
- mādyaṃ gaurīsamāyuktaṃ tathā caiva bhānāntagam |
jāsanaṃ īśvarākrāntaṃ rāvāntaṃ rādhagaṃ ca i ||
Der von Ma ausgehende Laut, mit Gaurī verbunden, sodann das Bhāna-Ende; der Sitz von Ja, überlagert von Īśvara, das Ende von Rāva, das unter Ra Gelegene und I.
Kumārikākhaṇḍa 20.13
- vādyaṃ caivaikavīraṃ tu dvirabhyāsena ṣaṣṭhamam |
ghanāntaṃ māyayā sārdhaṃ anaṅgāsanamaṇḍalam ||
Der von Va ausgehende Laut und Ekavīra bilden, zweimal gesetzt, den sechsten Teil. Das Ende zwischen Gha und Na, zusammen mit Māyā, und der Kreis von Anaṅgas Sitz,
Kumārikākhaṇḍa 20.14
- dvāvetau ca dvirabhyāsāt padameva tu saptamam |
sayāntaṃ ca dvidhābhūtaṃ ekāreṇa dvitīyakam ||
diese beiden zweimal gesetzt, sind der siebte Teil. Das Ende zwischen Sa und Ya wird verdoppelt, beim zweiten Mal mit dem Laut E verbunden.
Kumārikākhaṇḍa 20.15
- aṣṭamaṃ padamevaṃ tu ṭha–antaṃ paṅkajasthitam |
vargātītaṃ tu saṃbhinnaṃ dvidhābhūtaṃ niyojayet ||
So entsteht der achte Teil. Das Ende von Ṭha, im Lotus gelegen, verbunden mit dem jenseits der Lautgruppen Befindlichen, setze man zweifach ein.
Kumārikākhaṇḍa 20.16
- navamaṃ padamākhyātaṃ visargasthāgnidhāmakam |
kevalaṃ tu dvirabhyāsaṃ daśamaṃ padamuddhṛtam ||
Damit ist der neunte Teil erklärt. Agnidhāma im Visarga, für sich allein zweimal gesetzt: So ist der zehnte Teil herausgelöst.
Kumārikākhaṇḍa 20.17
- viccekādaśamevaṃ tu padakramakrameṇa tu |
vāgbhavaṃ māyayā sārdhaṃ tathā prasādabhairavam ||
Vicce ist, in der Reihenfolge der Teile, der elfte. Sodann Vāgbhava zusammen mit Māyā sowie Prasādabhairava;
Kumārikākhaṇḍa 20.18
- ādyamante kṛtaṃ deva uddhṛtā ca parāparā |
pañcacatvāriṃśatī proktā tasyāmāsanapakṣakam ||
das Erste wird ans Ende gesetzt, o Gott: So ist Parāparā herausgelöst. Sie wird die Fünfundvierziglautige genannt; in ihr liegt der Aspekt des Sitzes.
Kumārikākhaṇḍa 20.19
- vidyā parāparā hyeṣā ādhārāt tu vinirgatā |
eṣāsanaṃ kramasyoktaṃ āsanaṃ na mṛgājinam ||
Diese Parāparā-Vidyā ist aus der Grundlage hervorgegangen. Sie wird der Sitz der Übertragungsfolge genannt; ein Hirschfell ist nicht dieser Sitz.
Kumārikākhaṇḍa 20.20
- vidyārūḍhaṃ kṛtātmānaṃ aparāṃ ca samabhyaset |
māyāpiṇḍaṃ sapheraṃ tu rāvasyordhvamadhaḥkṛtam ||
Man gründe sein Selbst auf der Vidyā und übe die Aparā: den Māyā-Piṇḍa mit Phera, über Rāva und darunter angeordnet [Lautzuordnung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 20.21
- evaṃ trirakṣarā vidyā ādimena tu yojitā |
ādimaṃ tu yadā cānte tadā sārdhaṃ padaṃ bhavet ||
So besteht die Vidyā aus drei Lauten und ist mit dem ersten verbunden. Wenn das Erste auch ans Ende tritt, entsteht ein um einen halben ergänzter Teil [Fügung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 20.22
- adhyuṣṭā jvalikā devī vidyā aparabhairavī |
eṣā vai mūrtipakṣasya anāhatavinirgatā ||
Aus dreieinhalb bestehend, ist die leuchtende Göttin die Vidyā Aparabhairavī. Sie gehört zum Aspekt der Gestalt und ist aus Anāhata hervorgegangen.
Kumārikākhaṇḍa 20.23
- tasyordhvaṃ paramaṃ śambho pakṣaṃ tu jagataḥ pṛthuḥ |
tava caikākṣarā vidyā sā ca pañcaprakārataḥ ||
Darüber liegt der höchste Aspekt, o Śambhu, die Weite der Welt: deine einlautige Vidyā, die fünffach beschaffen ist.
Kumārikākhaṇḍa 20.24
- merukarṇikayā jvālā śaṅkhamastakabheditā |
kuverāsanamūrdhve tu visargāntamiti smṛtam ||
Die Flamme mit dem Fruchtboden des Meru, durchdrungen vom Haupt der Muschel; oben auf Kuveras Sitz liegt das Ende des Visarga: So wird es gelehrt.
Kumārikākhaṇḍa 20.25
- eṣā sā bhagavatī devī nāmnā sā vahnivāsinī |
ekākārā parā mātā viśvamātā pratiṣṭhitā ||
Dies ist die erhabene Göttin mit dem Namen Vahnivāsinī, die im Feuer Wohnende. Eingestaltig ist die höchste Mutter als Mutter der Welt gegründet.
Kumārikākhaṇḍa 20.26
- śambhumārge sthitā vidyā śāmbhavīsṛṣṭirūpataḥ |
tadadhaḥsthāsanaṃ mārgaṃ sūkṣmaṃ hṛdayavallabham ||
Die Vidyā weilt auf Śambhus Weg als Entfaltung der Śāmbhavī. Der darunter liegende Sitz ist der feine, dem Herzen liebe Weg.
Kumārikākhaṇḍa 20.27
- tasyāsanaṃ paraṃ nātha tat śāktamiti kaulikam |
śāktaśāmbhavayormadhye āṇavaṃ nāma pakṣakam ||
Ihr höchster Sitz, o Herr, wird Śākta genannt, das Kaulika. Zwischen Śākta und Śāmbhava liegt der Āṇava genannte Aspekt.
Kumārikākhaṇḍa 20.28
- etat trikaṇṭakaṃ mūlaṃ nyastvā kṣobho vijāyate |
mālinyāḥ śabdarāśestu etad vidyākramatrayam ||
Dies ist die Wurzel mit den drei Spitzen; setzt man sie ein, entsteht Erregung. Diese drei Vidyā-Folgen gehören Mālinī und der Lautgesamtheit.
Kumārikākhaṇḍa 20.29
- abdaikena tu abhyāsāt parāvasthā pravartate |
ye yoginīkule jātā teṣāṃ tuṣṭā hyahaṃ purā ||
Durch die Übung während eines Jahres entsteht der höchste Zustand. Den im Kreis der Yoginīs Geborenen war ich bereits zuvor wohlgesinnt.
Kumārikākhaṇḍa 20.30
- te jñāsyanti trike bhedān śabdarāśisamāyutān |
pañcāśadrudraracitaṃ sthānavarṇaparigraham ||
Sie werden die mit der Lautgesamtheit verbundenen Unterscheidungen der Dreiheit erkennen: die Ordnung der Orte und Laute, gestaltet von den fünfzig Rudras.
Kumārikākhaṇḍa 20.31
- etad deva paraṃ guhyaṃ nyāsaṃ tridaśapūjitam |
trīṇi vidyāstrisiddhāśca tripīṭhaṃ ca tridevatam ||
Dies, o Gott, ist das höchste Geheimnis, der von den Göttern verehrte Nyāsa: drei Vidyās, drei Siddhas, drei heilige Sitze und drei Gottheiten,
Kumārikākhaṇḍa 20.32
- trīṇi vṛkṣā guhāstrīṇi triśaktirguṇamujjvalā |
trināḍimārgagaṃ jñātvā vidyātritayamāruhet ||
drei Bäume, drei Höhlen und die dreifache, durch ihre Eigenschaften strahlende Śakti. Man erkenne den Weg der drei Nāḍīs und steige zur Dreiheit der Vidyās auf.
Kumārikākhaṇḍa 20: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ devyākramabhāṣite trividyādhikāro nāmānandaḥ || 20 ||
So endet das zwanzigste Kapitel, die Wonne namens „Der Abschnitt über die drei Vidyās“: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Göttin.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 21
Kumārikākhaṇḍa 21: Kapitelkopf (heading)
- ekaviṃśānandaḥ
Einundzwanzigste Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 21: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 21.1
- athānyaṃ saṃpravakṣyāmi aghorāṣṭakamuttamam |
gamāgamena kartavyaṃ śivena tu puṭīkṛtam ||
Nun werde ich etwas Weiteres erklären: die vorzügliche Achtzahl der Aghorās. Man bilde sie im Gehen und Kommen, von Śiva umschlossen.
Kumārikākhaṇḍa 21.2
- padabhedakramaṃ śambho idānīṃ kathayāmyaham |
aghoreti padaṃ pūrvaṃ aghoryā–ī dvitīyakam ||
Die Folge ihrer unterschiedlichen Teile werde ich dir jetzt erklären, o Śambhu. Der erste Teil lautet „aghore“, der zweite „aghoryā–ī“.
Kumārikākhaṇḍa 21.3
- eṣā sā prathamā ghorā dvitīyā ca yathā bhavet |
paramaghoreti padaṃ paramaghoryā–ī param ||
Dies ist die erste Ghorā. Nun, wie die zweite entsteht: das Wort „paramaghore“ und danach „paramaghoryā–ī“.
Kumārikākhaṇḍa 21.4
- ghorarūpe havisargaṃ ghorarūpā ī cāntagam |
tṛtīyāghorikā proktā caturthīṃ tvathavā śṛṇu ||
„ghorarūpe“, Ha mit Visarga, „ghorarūpā“ und Ī am Ende: So ist die dritte Aghorikā erklärt. Höre nun die vierte.
Kumārikākhaṇḍa 21.5
- ghoramukhi ghoramukhā īkārasvarabheditam |
bhīmabhīṣaṇīti padaṃ aparaṃ bhīmabhīṣaṇā ||
„ghoramukhi“, „ghoramukhā“, durchdrungen vom Vokal Ī; der Teil „bhīmabhīṣaṇi“ und der andere „bhīmabhīṣaṇā“.
Kumārikākhaṇḍa 21.6
- gauryā caturthikā gauryā pañcamā ca maheśvara |
vama piva heti padaṃ vama piva hāyīsaṃyutaṃ ||
Gauryā ist die vierte, Gauryā die fünfte, o großer Herr [Zählanschluss unsicher]. Der Teil „vama piva ha“ und „vama piva“, verbunden mit „hāyī“.
Kumārikākhaṇḍa 21.7
- ṣaṣṭhīyaṃ kathitāghorā aparā saptamā bhavet |
ruruśabda raraścaiva ruruśabda raraḥ punaḥ ||
Diese sechste Aghorā ist erklärt. Nun folgt die siebte: das Wort „ruru“ und „rara“, das Wort „ruru“ und wiederum „rara“.
Kumārikākhaṇḍa 21.8
- akārasthāstvime rephā gauryāyākṣaradīpitāḥ |
eṣā sā saptamā ghoryā aṣṭamā cādhunā bhavet ||
Diese Ra-Laute befinden sich im Laut A und werden durch Gauryās Laut erhellt. Dies ist die siebte Ghoryā; nun folgt die achte.
Kumārikākhaṇḍa 21.9
- phetkārī caiva phetkāryā caturthasvarabheditā |
aghoryaṣṭakametad hi padaṣoḍaśabhedataḥ ||
„phetkārī“ und „phetkāryā“, durchdrungen vom vierten Vokal: Dies ist das Aghoryaṣṭaka, in sechzehn Teile gegliedert.
Kumārikākhaṇḍa 21.10
- dvipadakramayogena kathitaṃ ghorikāṣṭakam |
dīpanaistu vinirmuktaṃ aghoryādyaṣṭakoddhṛtam ||
Durch die Verbindung der Folge von je zwei Teilen ist die Ghorikā-Achtzahl erklärt. So wurde die Achtzahl, beginnend mit Aghoryā, ohne ihre Erheller herausgelöst.
Kumārikākhaṇḍa 21.11
- na tu siddhipradaṃ deva bījahīnaṃ na sādhayet |
tasmāt sabījakaraṇaṃ idānīṃ śṛṇu bhairava ||
Doch sie verleiht keine Vollendung, o Gott; ohne Bījas vollbringt sie ihr Ziel nicht. Darum höre jetzt, o Bhairava, wie sie mit Bījas versehen wird.
Kumārikākhaṇḍa 21.12
- mātṛkākramaliṅgasya pūrṇimānalabheditam |
gauryāyāmalamākrāntaṃ ājñāvartisamujjvalam ||
Der Liṅga der Mātṛkā-Folge, durchdrungen von Vollmond und Feuer, überlagert vom Gauryā-Paar und hell leuchtend mit dem Docht der Ājñā:
Kumārikākhaṇḍa 21.13
- etad bījaṃ mahendrasya tathā prasādabhairavam |
tasyānte madhyagaṃ pātyaṃ mahendraśirabheditam ||
Dies ist Mahendras Bīja. Danach folgt Prasādabhairava: An dessen Ende setze man das in der Mitte Gelegene, durchdrungen von Mahendras Haupt,
Kumārikākhaṇḍa 21.14
- śaktitomaramāviṣṭaṃ adhikārārṇabheditam |
tatpadasthaṃ visargasthaṃ vyomabījaṃ maheśvara ||
erfüllt vom Wurfspieß der Śakti und durchdrungen vom Laut der Vollmacht. An jener Stelle, im Visarga, liegt der Raum-Keimlaut, o großer Herr.
Kumārikākhaṇḍa 21.15
- bavilomāccaturthaṃ tu toraṇaśirabheditam |
tasyādhaḥsthastathā cordhvaṃ candrāsanaṃ susaṃsthitam ||
Der vierte geht von Ba in umgekehrter Folge aus, durchdrungen vom Haupt des Toraṇa. Unter ihm liegt ein weiterer Laut; darüber ist der Sitz des Mondes wohlgegründet.
Kumārikākhaṇḍa 21.16
- tasyordhve tu punaḥ kṣobhaṃ saṃyogād rāvabījakam |
vakārasya makārasya antasthaṃ ca samuddharet ||
Wiederum darüber liegt Kṣobha; durch diese Verbindung entsteht der Rāva-Keimlaut. Sodann löse man das zwischen den Lauten Va und Ma Gelegene heraus,
Kumārikākhaṇḍa 21.17
- kuberāsanamāviṣṭaṃ bindubhinnagurūpari |
eṣaiva kaulinībījaṃ surasiddhanamaskṛtam ||
erfüllt von Kuberas Sitz, über dem Guru und von Bindu durchdrungen. Dies ist Kaulinīs Bīja, von Göttern und Siddhas verehrt.
Kumārikākhaṇḍa 21.18
- prathamādi caturthaṃ tu agnivedhakabheditam |
śaśāṅkāṃkitabindūrdhve ṣaṭtyāgāt saptame hitam ||
Das vom Ersten Ausgehende, der vierte, durchdrungen von Feuer und Vedhaka, über dem mondgezeichneten Bindu: Nachdem sechs verlassen sind, liegt das Heilsame im siebten [Codefügung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 21.19
- eṣa kālāgnirudrastu proktaḥ sarvajanapriyaḥ |
bhalamadhyamakaṃ nātha bādyenāhata auśiram ||
Dies wird Kālāgnirudra genannt, allen Menschen lieb. Sodann das zwischen Bha und La Gelegene, o Herr, verbunden mit dem von Ba Ausgehenden und dem Haupt von Au,
Kumārikākhaṇḍa 21.20
- bindunādakalākrāntaṃ mahārudrapuroddhṛtam |
anyaṃ dhūmradhvajasyādyaṃ toraṇāsanabheditam ||
überlagert von Bindu, Nāda und Kalā: So ist Mahārudras Stadt herausgelöst. Ein weiterer beginnt bei Dhūmradhvaja, durchdrungen vom Sitz des Toraṇa.
Kumārikākhaṇḍa 21.21
- toraṇaṃ śiracandrārdhaṃ ānandaṃ ca akhaṇḍitam |
yoginībījarājānaṃ rāvāvasthottamottamam ||
Toraṇa ist der Halbmond des Hauptes und ungeteilte Wonne. Dies ist der königliche Keimlaut der Yoginī, der Zustand des Rāva, das Beste des Besten.
Kumārikākhaṇḍa 21.22
- etad bījāṣṭakaṃ kuryād ghoryāyā aṣṭakasya tu |
padānāṃ ṣoḍaśānāṃ tu bījānyaṣṭau dvidhā kuru ||
So bilde man die acht Bījas der achtfachen Ghoryā. Für die sechzehn Teile verdopple man die acht Bījas.
Kumārikākhaṇḍa 21.23
- avasāne padānāṃ tu te bījāḥ ṣoḍaśa smṛtāḥ |
bhaviṣyanti ca deveśa ādyantaśivayojitāḥ ||
An den Enden der Teile gelten diese Bījas als sechzehn. Sie sollen, o Herr der Götter, am Anfang und am Ende mit Śiva verbunden sein.
Kumārikākhaṇḍa 21.24
- prasādasya tu jīvasya śiraṃ kṛtvā caturdaśam |
bhavate śivarājānaṃ kṛtvā nyāsaṃ samārabhet ||
Man bilde das vierzehnte Haupt von Prasāda und Jīva. So entsteht Śivarāja; hat man dies gebildet, beginne man den Nyāsa.
Kumārikākhaṇḍa 21.25
- padābhyāṃ jānujaṅghābhyāṃ ādhāre hṛdi maṇḍale |
kukṣibhyāṃ pṛṣṭhavaṃśe ca tathā bāhudvaye punaḥ ||
An den beiden Füßen, an Knien und Unterschenkeln, in der Grundlage, im Kreis des Herzens, an den beiden Flanken, am Rückgrat und an beiden Armen,
Kumārikākhaṇḍa 21.26
- vaktramaṇḍalamevaṃ tu aṣṭasthāneṣu vinyaset |
saṃhāraṃ pūrvataḥ kṛtvā tataḥ sṛṣṭikramaṃ punaḥ ||
sowie am Kreis des Antlitzes setze man ihn an acht Orten ein. Zuerst vollziehe man die Folge der Auflösung, danach wiederum die Folge der Schöpfung.
Kumārikākhaṇḍa 21.27
- aghoryādyātmakaṃ nyāsaṃ trikaṇṭāvaraṇoddhṛtam |
kathitaṃ tava deveśa puryaṣṭakasamāyutam ||
Der mit Aghoryā beginnende Nyāsa, aus der Umhegung der drei Spitzen herausgelöst und mit der Stadt der Acht verbunden, ist dir erklärt, o Herr der Götter.
Kumārikākhaṇḍa 21.28
- śabdaḥ sparśaśca rūpaṃ ca raso gandhaśca pañcamaḥ |
mano buddhirahaṃkāraṃ puryaṣṭakamiti smṛtam ||
Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und als fünftes Geruch, dazu Denken, unterscheidender Verstand und Ichbildung: Dies wird die Stadt der Acht genannt.
Kumārikākhaṇḍa 21.29
- brahmāṇyādevatādyaṣṭau catuḥṣaṣṭistu saṃkhyayā |
evaṃ vyāptikrameṇaiva aghoryaṣṭaka vinyaset ||
Die acht, beginnend mit der Gottheit Brahmāṇī, sind vierundsechzig an der Zahl. So setze man das Aghoryaṣṭaka nach der Folge der Durchdringung ein.
Kumārikākhaṇḍa 21.30
- atha vidyākramaṃ nyāsaṃ siddhagāṅgasamāyutam |
karanyāsakrameṇaiva pūrvaṃ yat khyāpitaṃ mayā ||
Nun folgt der Nyāsa der Vidyā-Folge, verbunden mit den Gliedern der Siddhas und der Einsetzung an den Händen, wie ich sie zuvor erklärt habe.
Kumārikākhaṇḍa 21.31
- sāmprataṃ bījavinyāsaṃ tathā vai pīṭhapañcakam |
visargādyaṃ mahāvarṇaṃ pañcadhā kārayet svaram ||
Jetzt folgt die Einsetzung der Bījas und der fünf heiligen Sitze. Den großen, von Visarga ausgehenden Laut gestalte man fünffach als Vokal.
Kumārikākhaṇḍa 21.32
- mahadbhūtamataḥ kṛtvā dīrghapaṅkajabheditam |
kalābindvaṅkitaṃ deva etad vai bījapañcakam ||
Man bilde daraus das große Element, durchdrungen vom langen Lotus und bezeichnet mit Kalā und Bindu, o Gott. Dies ist die Fünfergruppe der Bījas.
Kumārikākhaṇḍa 21.33
- vinyastavyaṃ hi devyāyāstattvapañcakasaṃyutam |
pṛthivī śaktibījaṃ tu āpo vai somabījakam ||
Man setze sie verbunden mit den fünf Prinzipien der Göttin ein. Erde ist der Śakti-Keimlaut, Wasser der Soma-Keimlaut.
Kumārikākhaṇḍa 21.34
- tejo vai sūryabījaṃ tu vāyurvai bindubījakam |
ākāśaṃ nādabījaṃ tu etad vai bījapañcakam ||
Feuer ist der Sonnen-Keimlaut, Wind der Bindu-Keimlaut und Raum der Nāda-Keimlaut. Dies ist die Fünfergruppe der Bījas.
Kumārikākhaṇḍa 21.35
- teṣāṃ sthānāni vai pañca guruvaktre pratiṣṭhitāḥ |
pṛthivī kandacakre tu āpo vai yonimaṇḍale ||
Ihre fünf Orte sind im Mund des Gurus gegründet: Erde im Kreis der Wurzel, Wasser im Kreis der Yoni,
Kumārikākhaṇḍa 21.36
- tejo vai nābhicakrasthaṃ vāyurhṛdayamaṇḍale |
ākāśaṃ ca bhrūvormadhye bījasthānāni pañca ca ||
Feuer im Nabelkreis, Wind im Herzkreis und Raum zwischen den Augenbrauen. Dies sind die fünf Orte der Bījas.
Kumārikākhaṇḍa 21.37
- bījabījāśramāḥ pañca kṛtvā ādyena saṃyutam |
labdhvā gurūpadeśaṃ tu nyastavyaṃ bījapañcakam ||
Man bilde die fünf Bījas und ihre Sitze, verbunden mit dem Ersten. Nachdem man die Unterweisung des Gurus empfangen hat, soll man die fünf Bījas einsetzen.
Kumārikākhaṇḍa 21.38
- anyathā na bhave'vasthā bījahīnā ca sundara |
pṛthivyādiṣu tattveṣu bandhaṃ cāstamanaṃ bhavet ||
Andernfalls entsteht jener Zustand nicht, o Schöner; ohne Bījas bleibt er aus. In den Prinzipien von der Erde an entstehen Bindung und Niedergang.
Kumārikākhaṇḍa 21.39
- sadābhyāsena kaule'smin punarjanma kuto bhavet |
etadunmanīkaraṇaṃ nyāsedaṃ bījapañcakam ||
Wie könnte durch beständige Übung dieser Kaula-Lehre eine Wiedergeburt entstehen? Dieser Nyāsa der fünf Bījas führt in den Zustand jenseits des Geistes.
Kumārikākhaṇḍa 21.40
- tattvānāṃ pañcakaṃ deva adhikārakrame sthitam |
upadeśe bhavedeva nyāsedaṃ pīṭhapañcakam ||
Die Fünfergruppe der Prinzipien, o Gott, steht in der Folge der Vollmacht. Dieser Nyāsa der fünf heiligen Sitze gehört so zur Unterweisung.
Kumārikākhaṇḍa 21.41
- uktā ye pūrvaṃ te pañca praṇavāni samabhyaset |
teṣāmagre tu pīṭhāni kṛtvā nyāsaṃ samārabhet ||
Man übe die fünf Praṇavas, die zuvor erklärt wurden. Man stelle ihnen die heiligen Sitze voran und beginne den Nyāsa.
Kumārikākhaṇḍa 21.42
- uttaraṃ pūrvapīṭhaṃ tu pañcamādyantabhūṣitam |
bhrūmadhye kṛṣṇavarṇābhaṃ tathā jālandharaṃ punaḥ ||
Der erste heilige Sitz liegt oben, am Anfang und am Ende mit dem fünften Bīja geschmückt, schwarz erscheinend zwischen den Brauen. Sodann Jālandhara,
Kumārikākhaṇḍa 21.43
- dvitīyādyantarūpaṃ tu āraktaṃ hṛdi maṇḍale |
tathā pūrṇagirirnāma tṛtīyādyantaropitam ||
dessen Anfang und Ende die Gestalt des zweiten Bīja haben: hellrot im Kreis des Herzens. Ebenso der Pūrṇagiri genannte Sitz, mit dem dritten am Anfang und Ende,
Kumārikākhaṇḍa 21.44
- pītavarṇaṃ ca nābhisthaṃ kāmarūpaṃ tathāparam |
prathamādyantamadhyasthaṃ himakundenduguhyataḥ ||
gelb und im Nabel gelegen. Danach Kāmarūpa, zwischen dem ersten Bīja am Anfang und Ende: am Geschlecht, weiß wie Schnee, Kunda-Blüte und Mond.
Kumārikākhaṇḍa 21.45
- tisrordhve pañcamaṃ pīṭhaṃ caturthādyantayojitam |
haritaṃ tanmahāraudraṃ kandasthāne prakāśitam ||
Tisra oben, der fünfte heilige Sitz, ist am Anfang und Ende mit dem vierten verbunden. Grün und überaus schrecklich erscheint er am Wurzelort.
Kumārikākhaṇḍa 21.46
- udayaṃ kāmarūpe tu sthitirvai pūrṇagiryake |
saṃhāraṃ dakṣiṇe pīṭhe nirvāṇaṃ pañcame sthitam ||
Das Hervortreten liegt in Kāmarūpa, das Bestehen in Pūrṇagiri, die Auflösung im südlichen Sitz und Nirvāṇa im fünften.
Kumārikākhaṇḍa 21.47
- viśrāmamādyapīṭhe tu nyāsedaṃ pīṭhapañcakam |
yathā dhyānaṃ tu pīṭhānāṃ kāmarūpādi bhairava ||
Ruhe liegt im ursprünglichen Sitz. Dies ist der Nyāsa der fünf heiligen Sitze. Wie die Meditation über die Sitze von Kāmarūpa an, o Bhairava,
Kumārikākhaṇḍa 21.48
- tathā krameṇa tattvānāṃ kuryād vai dhyānapañcakam |
yathā tattvāni bījāni tathā vai pīṭhapañcakam ||
so vollziehe man der Reihe nach die fünf Meditationen über die Prinzipien. Wie die Prinzipien und die Bījas, so entsprechen ihnen die fünf heiligen Sitze.
Kumārikākhaṇḍa 21.49
- sabāhyābhyantaraṃ jñātvā ko na muñcati bandhanāt |
pīṭhanyāse kṛte deva kiñcit paśyanti yoginaḥ ||
Wer würde sich nicht aus der Bindung lösen, wenn er dies im Äußeren und im Inneren erkennt? Ist der Nyāsa der heiligen Sitze vollzogen, o Gott, nehmen die Yogis etwas wahr:
Kumārikākhaṇḍa 21.50
- adṛṣṭamaṇḍale deva akhaṇḍapuramaṇḍalam |
tatra sā kaulinī vidyā antaḥkaraṇabheditā ||
im unsichtbaren Maṇḍala, o Gott, den ungeteilten Kreis der Stadt. Dort ist die Kaulinī-Vidyā, mit dem inneren Erkenntnisorgan verbunden.
Kumārikākhaṇḍa 21.51
- tattvānāṃ cādhikāraṃ tu pratyayaṃ tu yadā bhavet |
tasmāt nyāsavaraṃ proktaṃ yat surairapi durlabham ||
Wenn Vollmacht über die Prinzipien und bestätigende Erfahrung entstehen, wird dies deshalb der vorzügliche Nyāsa genannt, der selbst für die Götter schwer zu erlangen ist.
Kumārikākhaṇḍa 21: unnummerierter Halbvers (half_after_51)
- ākhyātaṃ tava siddhasya siddhamārge prasiddhakam |
Dir, dem Siddha, ist dies erklärt, was auf dem Weg der Siddhas wohlbekannt ist.
Kumārikākhaṇḍa 21: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike ādyapīṭhāvatārite vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite tattvapañcakāravarṇane kramodayo nāmānandaḥ || 21 ||
So endet das einundzwanzigste Kapitel, die Wonne namens „Das Hervortreten der Übertragung“, in der Darstellung der fünf Prinzipien: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 22
Kumārikākhaṇḍa 22: Kapitelkopf (heading)
- dvāviṃśānandaḥ
Zweiundzwanzigste Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 22: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 22.1
- ataḥ paraṃ pravakṣyāmi nyāsaṃ tridaśapūjitam |
ṣoḍhā dvādaśabhedena nyāsaṃ kuryād gamāgame ||
Nun werde ich den von den Göttern verehrten Nyāsa erklären. Man vollziehe den Ṣoḍhā-Nyāsa in zwölf Unterscheidungen, im Gehen und Kommen.
Kumārikākhaṇḍa 22.2
- ṣoḍhā śaktiḥ samākhyātā parā ekākṣarā śubhā |
tasyāsanaṃ ṣoḍhāsaṃjñā ṣoḍhāśaktipuraṃ viśet ||
Ṣoḍhā wird die höchste Śakti genannt, die Glückverheißende von einem Laut. Auch ihr Sitz heißt Ṣoḍhā. Man trete in die Stadt der Ṣoḍhā-Kraft ein.
Kumārikākhaṇḍa 22.3
- tasya te ṣoḍaśo bhedāḥ śṛṇu mārgeṇa sundara |
jaṭāhāraṃ gauryā sthāpya dvādaśadhā punaḥ ||
Ihre Unterscheidungen sind sechzehn; höre sie ihrem Weg gemäß, o Schöner. Man setze Jaṭāhāra mit Gauryā ein, wiederum zwölffach,
Kumārikākhaṇḍa 22.4
- bindunā bheditaṃ kṛtvā candrārkaśirasāhatam |
tasyāṅgā dvādaśa khyātāścchāyācchatramanukramāt ||
durchdrungen von Bindu und verbunden mit dem Haupt von Mond und Sonne. Ihre Glieder werden zwölf genannt; sie beginnen der Reihe nach mit dem schattenspendenden Schirm.
Kumārikākhaṇḍa 22.5
- siṃhāsanaṃ tu prathamaṃ cādyāsanaṃ dvitīyakam |
tṛtīyaṃ hyekavīraṃ syāt caturthaṃ haramaṇḍale ||
Der Löwenthron ist das erste, der Sitz des Ersten das zweite. Das dritte sei Ekavīra; das vierte liegt im Kreis Haras.
Kumārikākhaṇḍa 22.6
- pañcamaṃ śaktibījaṃ tu makārāsana ṣaṣṭhakam |
saptamaṃ jihmabhāgasya aṣṭamaṃ haramastakam ||
Das fünfte ist der Śakti-Keimlaut, das sechste der Sitz des Lautes Ma. Das siebte gehört zu Jihmabhāga, das achte ist Haras Haupt.
Kumārikākhaṇḍa 22.7
- haśiraṃ navamaṃ deva daśamaṃ tāraṇaṃ śiraḥ |
rājyamekādaśaṃ ceti dvādaśaṃ tārakaṃ nyaset ||
Das Haupt von Ha ist das neunte, o Gott; das zehnte ist Tāraṇas Haupt. Rājya ist das elfte; als zwölftes setze man Tāraka ein.
Kumārikākhaṇḍa 22.8
- vedhake vedhayet sarvān ekavīreṇa bhūṣitān |
candrajyotikalāśuddhāḥ rudradvādaśabheditāḥ ||
Man lasse alle, mit Ekavīra geschmückt, von Vedhaka durchdringen. Sie sind durch die Kalā des Mondlichtes rein und von zwölf Rudras durchdrungen.
Kumārikākhaṇḍa 22.9
- punareva hi deveśa gauryā dvādaśabhiḥ punaḥ |
rudraśaktisamāyogāt ṣoḍhānyāsaṃ mamākṛtiḥ ||
Wiederum verbinde man sie, o Herr der Götter, mit zwölf Gauryās. Durch die Verbindung von Rudra und Śakti wird der Ṣoḍhā-Nyāsa meine Gestalt.
Kumārikākhaṇḍa 22.10
- na tasyā dīpanaṃ kiñcid gauryādvādaśadīpitā |
eṣā vai rudraśaktistu ṣoḍhāśaktirnapuṃsakā ||
Sie braucht keinen weiteren Erheller, da sie durch die zwölf Gauryās erhellt ist. Dies ist Rudras Śakti, die Ṣoḍhā-Kraft, die geschlechtlich Unbestimmte.
Kumārikākhaṇḍa 22.11
- tasyā dvādaśadhānyāsaṃ ādau sṛṣṭikrameṇa tu |
paścāt kuryādaṅganyāsaṃ gamāgamamiti smṛtam ||
Zuerst vollziehe man ihren zwölffachen Nyāsa nach der Folge der Schöpfung; danach die Einsetzung der Glieder. Dies wird Gehen und Kommen genannt.
Kumārikākhaṇḍa 22.12
- kopasthāne ca netrābhyāṃ karṇanāsāpuṭāvubhau |
kaṇṭhe ca hṛdaye nābhau yonau ādhāramaṇḍale ||
Am Ort des Zorns, an beiden Augen, an beiden Ohren und Nasenöffnungen, am Hals, im Herzen, am Nabel, in der Yoni und im Kreis der Grundlage.
Kumārikākhaṇḍa 22.13
- ṣoḍhānyāsaṃ krameṇoktaṃ gauryākādirgamaḥ smṛtaḥ |
āgamaṃ sṛṣṭibījādau indubinduvikāsitam ||
So ist der Ṣoḍhā-Nyāsa der Reihe nach erklärt. Das Gehen beginnt mit Gauryākā; das Kommen beginnt mit dem Keimlaut der Schöpfung, entfaltet durch den Mond-Bindu.
Kumārikākhaṇḍa 22.14
- makārādikrameṇaiva gamāgame padadvayam |
sadā nyastena deveśa maṇḍalāgre kramāgrataḥ ||
In der mit Ma beginnenden Folge bestehen beim Gehen und Kommen zwei Teile. Wer dies beständig vor dem Maṇḍala, am Anfang der Übertragungsfolge einsetzt,
Kumārikākhaṇḍa 22.15
- varṣaikena ca abhyāsāt divyājñā saṃpravartate |
dvādaśābde tu saṃprāpte pāṣāṇānapi vedhayet ||
bei dem wird durch ein Jahr der Übung die göttliche Ājñā wirksam. Sind zwölf Jahre erreicht, kann er selbst Steine durchdringen,
Kumārikākhaṇḍa 22.16
- cūrṇayet parvataśṛṃgān mudrāsphoṭānyanekaśaḥ |
kurute vividhāścaryān ājñāveśaprabhāvataḥ ||
Berggipfel zermalmen und vielfältige Ausbrüche der Mudrā hervorrufen. Durch die Kraft des Ergriffenseins von der Ājñā vollbringt er vielerlei Wunder.
Kumārikākhaṇḍa 22.17
- yaṃ so'valokayejjantuḥ pāśānāṃ vajrapañjaram |
taṃ tu saṃśodhayet śaktyā kalisyāṃ sādhayet priya ||
Welchen diamantenen Käfig aus Fesseln jener Mensch auch betrachtet, den möge er durch Śakti reinigen. Im Kali-Zeitalter soll er dies vollbringen, o Liebreicher [Satzbezug unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 22.18
- vidyāsiṃhāsanedaṃ tu nyastvā śaktiḥ pravartate |
kālāntarād guṇotpattimacirāllabhate dhruvam ||
Setzt man diesen Löwenthron der Vidyā ein, wird Śakti wirksam. Nach einiger Zeit, ohne lange Verzögerung, erlangt man gewiss das Hervortreten ihrer Kräfte.
Kumārikākhaṇḍa 22.19
- gurorvaktraṃ ca nirvāṇaṃ tathā dvātriṃśadakṣarā |
ājñā sā ca krame guroradhikāraṃ samārabhet ||
Der Mund des Gurus ist Nirvāṇa und die zweiunddreißiglautige Vidyā. Sie ist die Ājñā in der Übertragungsfolge; man setze die Vollmacht des Gurus in Wirksamkeit.
Kumārikākhaṇḍa 22.20
- vidyātritayasaṃyuktaṃ maṇḍalaṃ devatākramam |
tathā ca dvādaśa ślokā ulitritayanirṇayam ||
Das Maṇḍala ist die Folge der Gottheiten, verbunden mit den drei Vidyās; dazu gehören die zwölf Verse und die Bestimmung der drei Ulis.
Kumārikākhaṇḍa 22.21
- jñātvā tu prathamaṃ deva citraṃ damayate tataḥ |
mantrapādena caikena vidyāpādārdhameva ca ||
Hat man das Erste erkannt, o Gott, bändigt man sodann das Vielfältige. Mit einem Teil des Mantras und einem halben Teil der Vidyā,
Kumārikākhaṇḍa 22.22
- mudrā caivāṣṭabhāgena gurupādaikasaṃjñakaḥ |
nirvāṇe ca niraṃśe ca tadā siddhiṃ labhennaraḥ ||
mit einem Achtel der Mudrā und dem als ein Teil des Gurus Bezeichneten erlangt der Mensch Vollendung im ungeteilten Nirvāṇa [Teilungsverhältnisse unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 22.23
- etat pūrvakramaṃ jñātvā paścāt ṣoḍhāṃ samabhyaset |
tacca dvādaśabhirbhedaiḥ siṃhāsanaṃ samuddhṛtam ||
Hat man diese vorausgehende Folge erkannt, übe man danach Ṣoḍhā. So ist der Löwenthron in zwölf Unterscheidungen herausgelöst.
Kumārikākhaṇḍa 22.24
- tasyaiva nāyakī vidyā parā caikākṣarā bhavet |
merumadhye tu kauleśaḥ kapālāsanasaṃsthitaḥ ||
Seine Herrin ist die einlautige Parā-Vidyā. In der Mitte des Meru weilt Kauleśa, auf Kapālas Sitz gegründet,
Kumārikākhaṇḍa 22.25
- adhaḥ sṛṣṭisamāyuktaḥ trayodaśavibhūṣitaḥ |
visargasthā parā hyeṣā plutasvaravivarjitā ||
unten mit der Schöpfung verbunden und mit dem dreizehnten Laut geschmückt. Dies ist die im Visarga weilende Parā, frei von überlangen Vokalen.
Kumārikākhaṇḍa 22.26
- napuṃsakapadenaiva na strīkāraṇapuṃgavam |
tasyādhikāramāyātaṃ śrīmaccandrapure gṛhe ||
Im geschlechtlich unbestimmten Zustand, weder weiblich noch männlich [Wortfügung unsicher], ist ihre Vollmacht in das Haus der ehrwürdigen Mondstadt gelangt.
Kumārikākhaṇḍa 22.27
- pāramparyopadeśaṃ tu tasyādhyātmikanirṇayam |
ādau sā sakalā proktā kūṭabhūtā hyadhomukhī ||
Dies ist die Unterweisung von Lehrer zu Schüler und ihre innere Bedeutung. Zu Beginn wird sie als mit Kalā versehen bezeichnet: als Kūṭa-Gestalt, nach unten gerichtet.
Kumārikākhaṇḍa 22.28
- himakundendudhavalā śravamāṇā manonmanā |
kopānte vinyased deva siṃharūpakrameṇa tu ||
Weiß wie Schnee, Kunda-Blüte und Mond strömt Manonmanā. Am Ende des Zornortes setze man sie ein, o Gott, nach der Folge der Löwengestalt.
Kumārikākhaṇḍa 22.29
- na cāsyā dīpanaṃ deyaṃ svabhāvenaiva dīpitā |
lakṣajāpād bhavet siddhistato yāti parāṃ gatim ||
Kein Erheller soll ihr hinzugefügt werden; sie leuchtet aus ihrem eigenen Wesen. Durch hunderttausend Wiederholungen wird Vollendung erlangt; danach erreicht man das höchste Ziel.
Kumārikākhaṇḍa 22: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre manthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite ṣoḍhādhikāravarṇane kramodayo nāmānandaḥ || 22 ||
So endet das zweiundzwanzigste Kapitel, die Wonne namens „Das Hervortreten der Übertragung“, in der Darstellung des Abschnitts über Ṣoḍhā: in der ursprünglichen Herabkunft des Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 23
Kumārikākhaṇḍa 23: Kapitelkopf (heading)
- trayoviṃśānandaḥ
Dreiundzwanzigste Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 23: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 23.1
- adhunā tadgrahaṃ vakṣye vidyātritayabheditam |
vargāṣṭakavidhānena amūlāt tu vinirgatam ||
Nun werde ich Tadgraha erklären, gegliedert durch die drei Vidyās, hervorgegangen aus A als Wurzel, nach der Ordnung der acht Lautgruppen.
Kumārikākhaṇḍa 23.2
- a a na a iti padaṃ pūrvaṃ ā tha gho tu dvitīyakam |
i ṛ re tṛtīyaṃ syāt ī ṝ hrīm̐ caturthakam ||
Der erste Teil lautet A – A – Na – A; Ā – Tha – Gho ist der zweite. I – Ṛ – Re sei der dritte, Ī – Ṝ – Hrīm̐ der vierte.
Kumārikākhaṇḍa 23.3
- u ḷ pa pañcamaṃ syāt ū lṝ ra ṣaṣṭhaṃ smṛtam |
ṛ ca ma saptamaṃ caiva aṣṭamaṃ ṝ dha gho iti ||
U – Ḷ – Pa sei der fünfte, Ū – Ḹ – Ra gilt als sechster. Ṛ – Ca – Ma ist der siebte und Ṝ – Dha – Gho der achte.
Kumārikākhaṇḍa 23.4
- ḷ ṇa re navame dattaṃ lṝ u hrauṃ daśamaṃ smṛtam |
e ū gho daśamekaṃ ca ai ī ramiti dvādaśam ||
Ḷ – Ṇa – Re wird an neunter Stelle eingesetzt; Ḹ – U – Hrauṃ gilt als zehnter Teil. E – Ū – Gho ist der elfte und Ai – Ī – Ra der zwölfte.
Kumārikākhaṇḍa 23.5
- o ba ru trayodaśamaṃ au ka peti caturdaśam |
aṃ kha haḥ tripañcamaṃ ca aḥ ga gho iti ṣoḍaśaḥ ||
O – Ba – Ru ist der dreizehnte, Au – Ka – Pe der vierzehnte. Aṃ – Kha – Haḥ ist der fünfzehnte und Aḥ – Ga – Gho der sechzehnte.
Kumārikākhaṇḍa 23.6
- ka gha ra saptadaśaṃ ca kha ṅa mu ca daśāṣṭakam |
ga i khi ūnaviṃśañca gha a bhī iti viṃśamam ||
Ka – Gha – Ra ist der siebzehnte und Kha – Ṅa – Mu der achtzehnte. Ga – I – Khi ist der neunzehnte und Gha – A – Bhī der zwanzigste.
Kumārikākhaṇḍa 23.7
- ṅa va ma ekaviṃśaṃ ca ca bha bhī dvayaviṃśamam |
cha ya ṣa trayoviṃśaṃ ja ḍha ṇi caturviṃśakam ||
Ṅa – Va – Ma ist der einundzwanzigste, Ca – Bha – Bhī der zweiundzwanzigste. Cha – Ya – Ṣa ist der dreiundzwanzigste, Ja – Ḍha – Ṇi der vierundzwanzigste.
Kumārikākhaṇḍa 23.8
- jha ḍa va pañcaviṃśañca ña ṭha ma ṣaḍviṃśamam |
ṭa jha va saptaviṃśañca ṭha ña ma cāṣṭaviṃśamam ||
Jha – Ḍa – Va ist der fünfundzwanzigste, Ña – Ṭha – Ma der sechsundzwanzigste. Ṭa – Jha – Va ist der siebenundzwanzigste und Ṭha – Ña – Ma der achtundzwanzigste.
Kumārikākhaṇḍa 23.9
- ḍa aḥ pi ūnatriṃśeti ḍha ṭa va triṃśamaṃ padam |
ṇa ra pi ekatriṃśañca ta ja va dvayatriṃśamam ||
Ḍa – Aḥ – Pi heißt der neunundzwanzigste, Ḍha – Ṭa – Va der dreißigste Teil. Ṇa – Ra – Pi ist der einunddreißigste und Ta – Ja – Va der zweiunddreißigste.
Kumārikākhaṇḍa 23.10
- tha pa heti trayastriṃśam da sa he catustriṃśakam |
dha ha ru pañcatriṃśañca na ccha ru ca ṣaṭtriṃśakam ||
Tha – Pa – Ha ist der dreiunddreißigste, Da – Sa – He der vierunddreißigste. Dha – Ha – Ru ist der fünfunddreißigste und Na – Ccha – Ru der sechsunddreißigste.
Kumārikākhaṇḍa 23.11
- pa la ra saptatriṃśañca pha ā ra aṣṭatriṃśakam |
ba ṣa vi ūnacāriṃśaṃ bha kṣa cce catvāriṃśatiḥ ||
Pa – La – Ra ist der siebenunddreißigste, Pha – Ā – Ra der achtunddreißigste. Ba – Ṣa – Vi ist der neununddreißigste und Bha – Kṣa – Cce der vierzigste.
Kumārikākhaṇḍa 23.12
- ma ma aiṃ ekacāriṃśaṃ ya śa hrīm̐ dvicatvāriṃśam |
ra aṃ hūṃ tricatvāriṃśaṃ la ta hrīṃ catuścāriṃśam ||
Ma – Ma – Aiṃ ist der einundvierzigste, Ya – Śa – Hrīm̐ der zweiundvierzigste. Ra – Aṃ – Hūṃ ist der dreiundvierzigste und La – Ta – Hrīṃ der vierundvierzigste.
Kumārikākhaṇḍa 23.13
- va e aiṃ pañcacāriṃśaṃ śa ai hrīṃ ṣaṭcatvāriṃśam |
ṣa o aiṃ saptacāriṃśaṃ sa au kṣaṃ aṣṭacāriṃśam ||
Va – E – Aiṃ ist der fünfundvierzigste, Śa – Ai – Hrīṃ der sechsundvierzigste. Ṣa – O – Aiṃ ist der siebenundvierzigste und Sa – Au – Kṣaṃ der achtundvierzigste.
Kumārikākhaṇḍa 23.14
- ha da hrīm̐ ūnapañcāśat kṣa pha hasrauṃ śatārdhakam |
pañcāśatpadasaṃyogāt saṃgraheṇa tu tadgraham ||
Ha – Da – Hrīm̐ ist der neunundvierzigste, Kṣa – Pha – Hasrauṃ der fünfzigste. Durch die Vereinigung dieser fünfzig Teile entsteht zusammengefasst Tadgraha.
Kumārikākhaṇḍa 23.15
- śabdarāśikrameṇaiva nyāsaṃ kuryācca tadgrahe |
bhaved divyatanurmartyo asya nyāsasya sevanāt ||
Bei Tadgraha vollziehe man den Nyāsa nach der Folge der Lautgesamtheit. Durch die Übung dieses Nyāsa erhält ein sterblicher Mensch einen göttlichen Leib.
Kumārikākhaṇḍa 23.16
- ṣaṇmāsāt paṭhite siddhiḥ athavābdena niścayāt |
śastraghātairna bhidyeta acchidro vajrayoginaḥ ||
Nach sechs Monaten der Rezitation wird Vollendung erlangt, oder gewiss nach einem Jahr. Der unversehrte diamantene Yogi kann durch Waffenschläge nicht durchbohrt werden.
Kumārikākhaṇḍa 23.17
- kṛtvādau rāvabījaṃ tu padasyānte tathā punaḥ |
rāvabījapuṭāntasthaṃ vidyātritayabhedataḥ ||
Man bilde den Keimlaut des Klangs am Anfang und wiederum am Ende des jeweiligen Teils. Eingeschlossen in die Hülle dieses Keimlauts und gegliedert durch die drei Vidyās,
Kumārikākhaṇḍa 23.18
- sudīptaṃ tadgrahaṃ tasmād bījariktaṃ parāṃmukham |
paradehād viniṣkrāntaṃ yoginīmukhasaṃcayam ||
ist Tadgraha hell entflammt; ohne den Keimlaut hingegen wendet es sich ab. Hervorgegangen aus dem höchsten Leib, ist es die Gesamtheit dessen, was aus dem Mund der Yoginīs stammt.
Kumārikākhaṇḍa 23.19
- evaṃ tadgrahakṣetraṃ tu vidhānavadaśeṣataḥ |
evaṃ vai kulasaṃcāraṃ kulācāre pratiṣṭhitam ||
So ist das Feld des Tadgraha vollständig nach seiner Vorschrift erklärt. So verhält es sich mit der Bewegung der Kula-Kraft, die in der Lebensweise des Kula gegründet ist.
Kumārikākhaṇḍa 23.20
- yasyedaṃ vaktragaṃ nyāsaṃ so'pi śāntapade sthitaḥ |
pūrvābhyastaṃ na saṃdeho anyāyaṃ na pravartate ||
Auch wer diesen Nyāsa auf seinen Lippen trägt, weilt im Zustand des Friedens. Ist er zuvor geübt worden, tritt kein Unrecht auf; daran besteht kein Zweifel.
Kumārikākhaṇḍa 23: Sprecherzeile (speaker_before_21)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 23.21
- punaranyaṃ pravakṣyāmi nyāsaṃ tu samayakramam |
padabhedakrameṇaiva vidyā pīṭheśvarī bhavet ||
Wiederum werde ich einen anderen Nyāsa erklären: die Übertragungsfolge der Samayā. Der Reihenfolge ihrer einzelnen Teile entsprechend wird die Vidyā zur Herrin des heiligen Sitzes.
Kumārikākhaṇḍa 23.22
- cce vi ceti padaṃ pūrvaṃ ṇiki ṇiki ca dvitīyakam |
ccha ra ī ca sacandrārdhaṃ ccha ra ā sārdhacandramā ||
Cce – Vi heißt der erste Teil, Ṇiki – Ṇiki der zweite. Ccha – Ra – Ī mit dem Halbmond und Ccha – Ra – Ā mit dem Halbmond:
Kumārikākhaṇḍa 23.23
- ubhayostṛtīyaṃ regho virabhai yemasa punaḥ |
ga la ū saśaśiṃ kṛtvā caturthapadamuddhṛtam ||
Aus diesen beiden besteht der dritte. Dann Regho – Virabhai – Yemasa; bildet man Ga – La – Ū mit dem Mond, ist der vierte Teil herausgelöst.
Kumārikākhaṇḍa 23.24
- kahaśabdaṃ dvirabhyāsaṃ saṃyogāt padaṣaṣṭhamam |
sahaśabdaṃ dvirabhyāsaṃ devatāṣṭapadaṃ smṛtam ||
Die Lautfolge Kaha, zweimal gesetzt, ergibt in ihrer Verbindung den sechsten Teil. Die Lautfolge Saha, zweimal gesetzt, gilt als der achte Teil der Gottheit.
Kumārikākhaṇḍa 23.25
- hara au candraśūnyasthaṃ dvidhābhūtaṃ navamaṃ smṛtam |
ṇikakoṃ dvipañcaṃ ca ṇikakoṃ daśaikādhikam ||
Ha – Ra – Au, in der Leere des Mondes ruhend und verdoppelt, gilt als neunter Teil. Ṇikakoṃ ist der zehnte und Ṇikakoṃ der elfte.
Kumārikākhaṇḍa 23.26
- haśaktiḥ śūnyacandrārdhaṃ kalā rephaṃ ca candramā |
gauryā śūnyaṃ kramādekapiṇḍamevaṃ tu dvādaśam ||
Die Kraft von Ha, der Halbmond der Leere, Kalā und Ra, der Mond, Gauryā und die Leere: der Reihe nach zu einer einzigen Lautgestalt zusammengefügt, bilden sie den zwölften Teil [Lautverbindungen unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 23.27
- menaṇañaṅa padaṃ tu idameva trayodaśam |
haragaurī śaśiḥ śūnyaṃ harā śūnyaṃ ca maulinī ||
Menaṇa ña ṅa ist der dreizehnte Teil. Hara und Gaurī, Mond und Leere, Harā, Leere und Maulinī
Kumārikākhaṇḍa 23.28
- caturdaśapadaṃ khyātaṃ khimurāgho a eva ca |
pañcadaśaṃ samākhyātaṃ rāva regho–a ṣoḍaśam ||
sind als vierzehnter Teil bekannt. Khimurāgho und A werden als fünfzehnter bezeichnet; der Klang-Keimlaut und Regho–A bilden den sechzehnten.
Kumārikākhaṇḍa 23.29
- reghora saptadaśaṃ syāt re rā rā ca daśāṣṭamam |
kebjiku hasauḥ viṃśeti śrīm̐ hrīm̐ aim̐ pada viṃśamam ||
Reghora sei der siebzehnte, Re – Rā – Rā der achtzehnte. Kebjiku – Hasauḥ heißt hier „der zwanzigste“; Śrīm̐ – Hrīm̐ – Aim̐ bilden ebenfalls den zwanzigsten Teil [Zählung widersprüchlich].
Kumārikākhaṇḍa 23.30
- siṃhakrameṇa vākhyātaṃ aiṃkārādi anukramāt |
udayaṃ sūryamārgeṇa somamārgeṇa rodhanam ||
Oder es wird der Reihe nach, mit Aiṃ beginnend, nach der Übertragung des Löwen erklärt: das Aufsteigen auf dem Weg der Sonne, das Zurückhalten auf dem Weg des Mondes.
Kumārikākhaṇḍa 23.31
- candrasūryakrameṇaiva varṇaiśca catuḥṣaṣṭibhiḥ |
samayākhyā kule kaule ādime nāma yojitā ||
Nach der Folge von Mond und Sonne ist die Samayā genannte Vidyā mit vierundsechzig Lauten verbunden, im ursprünglichen Kula und Kaula.
Kumārikākhaṇḍa 23.32
- ādyantena samāyuktā bījayuktā manonmanā |
sā ca pīṭheśvarī māyā samayā kulamālinī ||
Mit Anfang und Ende und mit den Keimlauten verbunden ist sie Manonmanā, die den Geist übersteigt. Sie ist die Herrin des heiligen Sitzes, Māyā, Samayā und Kulamālinī.
Kumārikākhaṇḍa 23.33
- sā dīptā bījasaṃyuktā bījariktā adīpitā |
mahāneṣādhikārī yaḥ sevyamānā sa siddhyati ||
Mit den Keimlauten verbunden ist sie entflammt, ohne Keimlaute unerhellt. Groß ist, wer die Vollmacht zu ihr besitzt; indem sie verehrt wird, erlangt er Vollendung.
Kumārikākhaṇḍa 23.34
- bījaiścaturdaśaiḥ proktā koṃkaṇā jvalabhūṣitā |
lakṣaikena tu japtena rudraśaktiḥ pravartate ||
Mit vierzehn Keimlauten wird sie Koṃkaṇā genannt, mit Flammen geschmückt. Durch hunderttausend Wiederholungen wird Rudras Śakti wirksam.
Kumārikākhaṇḍa 23.35
- anayā jñātamātrayā sakṛdāvartanādapi |
vidyāyāḥ smaraṇādeva uddhāroddhṛtamātrataḥ ||
Schon wenn sie erkannt wird, schon durch einen einzigen Durchgang, allein durch das Erinnern der Vidyā, schon indem ihre Laute herausgelöst werden,
Kumārikākhaṇḍa 23.36
- smaraṇādapi saubhāgyaṃ mahāpāpakṣayo bhavet |
saptajanmakṛtaṃ pāpaṃ paṭhanādeva naśyati ||
auch durch bloßes Erinnern entstehen Glück und die Tilgung schwerer Schuld. Allein durch die Rezitation vergeht die in sieben Leben begangene Schuld.
Kumārikākhaṇḍa 23.37
- tatkṣaṇānmucyate śiṣyo cakre vā maṇḍalāntare |
vidyāpīṭhopapīṭhe ca yoginīcakramadhyataḥ ||
Im selben Augenblick wird der Schüler befreit: im Cakra oder innerhalb des Maṇḍala, an einem Vidyāpīṭha oder einem Nebensitz, inmitten des Kreises der Yoginīs,
Kumārikākhaṇḍa 23.38
- ekavṛkṣe śmaśāne ca melake vā catuṣpathe |
tarpaṇāt pātrasaṃpūrṇe viśvāmitrakapālake ||
bei einem einzelnen Baum, auf der Verbrennungsstätte, bei einer Zusammenkunft oder an einer Wegkreuzung; durch die Trankspende, wenn das Gefäß gefüllt ist, in einer Viśvāmitra-Schädelschale,
Kumārikākhaṇḍa 23.39
- athavā nṛkapāle ca pūjayet tarpayet tataḥ |
samayalopād mucyeta tejaścāyuḥ parākramam ||
oder man verehre sie in einer menschlichen Schädelschale und bringe dann die Trankspende dar. Von einem Bruch der Verpflichtung werde man befreit; Glanz, Lebensdauer und Tatkraft
Kumārikākhaṇḍa 23.40
- vartate jñānasadbhāvaṃ yoginīkulamelakam |
labhate samayāyukto vīradravyaṃ caruṃ tathā ||
entfalten sich, ebenso die Wirklichkeit der Erkenntnis und die Begegnung mit den Yoginī-Familien [Satzanschluss unsicher]. Wer der Samayā verbunden ist, erlangt den Stoff der Helden und die Opferspeise.
Kumārikākhaṇḍa 23.41
- prāśanād bhavate siddhiḥ anyathā maraṇaṃ bhavet |
nirviśaṅke pade prāpte saṃgrāhyaṃ samayākramam ||
Durch deren Verzehr entsteht Vollendung; andernfalls tritt der Tod ein. Hat man den Zustand ohne Bedenken erreicht, ist die Übertragungsfolge der Samayā anzunehmen.
Kumārikākhaṇḍa 23.42
- samayācarukaṃ prāśyaṃ sarvasiddhiphalapradam |
vratastho vratahīno vā asamayī samayī bhavet ||
Man esse die Opferspeise der Samayā, die die Frucht aller Vollendungen schenkt. Ob man in einer Observanz steht oder ohne Observanz ist: Wer die Verpflichtung nicht besitzt, wird zu ihrem Träger.
Kumārikākhaṇḍa 23.43
- adīkṣito dīkṣito'sau durbhagaḥ subhago bhavet |
alpāyuṣo dīrghamāyurdaridro dhanavān bhavet ||
Der Uneingeweihte wird eingeweiht, der Unglückliche glücklich. Wer nur kurz zu leben hat, erhält ein langes Leben, und der Arme wird reich.
Kumārikākhaṇḍa 23.44
- samayavidyādharo mantrī vīradravyasamāśritaḥ |
tasyādhikāramatulaṃ śāstre'smin kaulinīpure ||
Der Mantrapraktizierende, der die Samayā-Vidyā trägt und sich auf den Stoff der Helden stützt, besitzt unvergleichliche Vollmacht in dieser Schrift, in der Stadt der Kaulinī.
Kumārikākhaṇḍa 23.45
- samayavidyāvinirmukto kulācāravivarjitaḥ |
mantrācāraviluptastu dīkṣito'pi paśurbhavet ||
Wer ohne Samayā-Vidyā ist, die Lebensweise des Kula nicht übt und die Mantrapraxis aufgegeben hat, ist auch als Eingeweihter ein Paśu, ein gebundenes Wesen.
Kumārikākhaṇḍa 23.46
- samayabhaṅgeṣu dāridryaṃ maraṇaṃ gurulaṅghanāt |
ājñābhaṅge kutaḥ siddhiracirānnarakaṃ vrajet ||
Beim Bruch der Verpflichtungen entsteht Armut, durch Missachtung des Gurus der Tod. Woher sollte bei einem Bruch der Ājñā Vollendung kommen? Bald gelangt man in die Hölle.
Kumārikākhaṇḍa 23.47
- gopayeta kulācāraṃ gurvaughaṃ ca kulāgamam |
naivedyaṃ carudravyaṃ ca yat kiñcit kramasaṃsthitam ||
Man wahre das Geheimnis der Kula-Lebensweise, der Reihe der Gurus und der Kula-Überlieferung, der dargebrachten Nahrung, der Opferspeise und von allem, was in der Übertragungsfolge seinen Ort hat.
Kumārikākhaṇḍa 23.48
- mama vidyāvratasthastu prāśayed samayāgrataḥ |
gurūcchiṣṭaṃ tu carukaṃ samayāyutamantritam ||
Wer in der Observanz meiner Vidyā steht, esse vor der Samayā die vom Guru übriggelassene Opferspeise, die mit der Samayā verbunden und mit Mantra besprochen ist.
Kumārikākhaṇḍa 23.49
- sāṣṭāṅgapraṇipātena kṛtvā maṇḍalakaṃ punaḥ |
hastayorubhayoḥ kṛtvā dehyanujñāṃ prasādataḥ ||
Nach einer Niederwerfung mit acht Körpergliedern verehre man wiederum das Maṇḍala. Man lege beide Hände zusammen und spreche: „Schenke mir aus Gnade deine Erlaubnis!“
Kumārikākhaṇḍa 23.50
- evamuktastu śiṣyeṇa guruvaktraprasādataḥ |
prāśanāt kaulikī siddhirnirvikalpasya nānyathā ||
Hat der Schüler so gesprochen, erlangt er durch die Gnade aus dem Mund des Gurus und durch den Verzehr die Kaulikī-Vollendung dessen, der von unterscheidenden Vorstellungen frei ist; auf andere Weise nicht.
Kumārikākhaṇḍa 23.51
- nyāsaṃ vidyādhunā vakṣye sṛṣṭinyāyena kaulikam |
ādyārṇasaptakaṃ vaktre rā rā cakṣudvaye smṛtau ||
Nun werde ich den Kaulika-Nyāsa der Vidyā nach der Ordnung der Schöpfung erklären. Die ersten sieben Laute gehören auf das Gesicht, Rā – Rā auf die beiden Augen.
Kumārikākhaṇḍa 23.52
- rephaṃ tṛtīyakaṃ cakṣuṣe kopānte ca vinyaset |
rā rā karṇaubhayordeva kubjike kulanāyikā ||
Ra setze man in das dritte Auge, an das Ende des Zornortes. Rā – Rā gehören auf die beiden Ohren, o Gott; Kubjike ist die Führerin des Kula.
Kumārikākhaṇḍa 23.53
- aghore nāsikāgre tu triśūlaṃ vinyasediti |
jihvāyāṃ rāvabījaṃ tu aghorā cāsanatraye ||
Aghore gehört auf die Nasenspitze; dort setze man den Dreizack ein. Den Klang-Keimlaut setze man auf die Zunge, Aghorā auf den dreifachen Sitz.
Kumārikākhaṇḍa 23.54
- mukhi uṣṭadvayāropya hrāṃ hrīṃ gaṇḍasthalāvubhau |
ṅakāraṃ cibuke nyasya ñakāraṃ kaṇṭhamekhalā ||
Mukhi bringe man auf beiden Lippen an, Hrāṃ und Hrīṃ auf den beiden Wangen. Ṅa setze man auf das Kinn, Ña auf den Gürtel um den Hals.
Kumārikākhaṇḍa 23.55
- ṇakāraṃ cakrakādyāyāṃ kra iti galamekhalā |
mekāraṃ hṛdayātmānaṃ hūṃkāraṃ prāṇamadhyataḥ ||
Ṇa gehört zu Cakrakādyā, Kra zum Gürtel um die Kehle. Me ist das Selbst des Herzens; Hūṃ befindet sich in der Mitte des Lebenshauchs.
Kumārikākhaṇḍa 23.56
- koṃkaṇi stanayoretat trikamevānuvinyaset |
koṃkaṇaṃ udare nyasya ikāraṃ nābhimaṇḍale ||
Die drei Laute Koṃkaṇi setze man auf die beiden Brüste. Koṃkaṇa setze man auf den Bauch und I in den Kreis des Nabels.
Kumārikākhaṇḍa 23.57
- hrauṃ hrauṃ * karayoḥ kahau hasaśabdaṃ tu pṛṣṭhataḥ |
hasaśabdānvitaṃ caiva skandhayoḥ kaha vinyaset ||
Hrauṃ – Hrauṃ [beschädigte Stelle] auf die beiden Hände; die beiden Kaha und die Lautfolge Hasa auf den Rücken. Auf die beiden Schultern setze man Kaha, verbunden mit Hasa.
Kumārikākhaṇḍa 23.58
- kahānyaṃ bāhuyugme tu glūm̐kāraṃ yonimaṇḍale |
sahaśabdaṃ karābhyāṃ tu samayeti karāṃgulī ||
Ein weiteres Kaha gehört auf beide Arme, Glūm̐ in den Kreis der Yoni. Saha gehört auf die beiden Hände, Samaya auf die Finger.
Kumārikākhaṇḍa 23.59
- bhairavīti tathāghore cchrām̐ cchrīm̐ ūrukayugmake |
kiṇīti jānujaṅghābhyāṃ kiṇi pādadvaye nyaset ||
Bhairavi und Aghore, Cchrām̐ und Cchrīm̐ auf das Paar der Oberschenkel. Kiṇi setze man auf Knie und Unterschenkel, Kiṇi auf die beiden Füße.
Kumārikākhaṇḍa 23.60
- vicce pādāṃgulīprānte vāgbhavaṃ vaktramadhyataḥ |
yatra sthānāt samārabhya kṛtaṃ nyāsaṃ ca vidyayā ||
Vicce gehört an die Spitzen der Zehen, Vāgbhava in die Mitte des Gesichts. Von welchem Ort aus man auch den Nyāsa mit der Vidyā begonnen hat,
Kumārikākhaṇḍa 23.61
- pādāntāt punastatraiva uccāro yatra tallayaḥ |
udayāstamamevaṃ tu saṃpuṭaṃ parigīyate ||
dorthin kehrt man von den Fußspitzen aus wieder zurück. Dort liegt ihre Auflösung, wo ihr Erklingen beginnt. Ihr Aufsteigen und Versinken auf diese Weise wird „Einschließung“ genannt.
Kumārikākhaṇḍa 23.62
- eṣā sā samayā vidyā apasavyād vinirgatā |
tadgrahasya tu kṣetrasya eṣā evādhikāriṇī ||
Dies ist die Samayā-Vidyā, die aus der linken Seite hervorgegangen ist. Sie allein besitzt die Vollmacht über das Feld des Tadgraha.
Kumārikākhaṇḍa 23.63
- vidyānyāsena siddhyeta kūṭenaiva vidhānataḥ |
pañcopacārapūjāyāṃ maṇḍalāgre gurogrataḥ ||
Durch den Nyāsa der Vidyā, mit der Kūṭa-Lautgestalt nach der vorgeschriebenen Ordnung, erlangt man Vollendung: bei der Verehrung mit fünf Darbringungen, vor dem Maṇḍala und vor dem Guru.
Kumārikākhaṇḍa 23.64
- vidyāpīṭhe'thavā cakre yatra kramāgrataḥ kṛtam |
tatra tasya mahāvasthāpratyayaṃ kaulikaṃ bhavet ||
Wo dies an einem Vidyāpīṭha, im Cakra oder am Anfang der Übertragungsfolge vollzogen wird, dort entsteht für ihn die Kaulika-Erfahrung des großen Zustandes.
Kumārikākhaṇḍa 23.65
- tasya devyāśca kāruṇyaṃ kurute svapnadarśanam |
sarvadvandvavinirmuktaḥ acirāt khecaraṃ padam ||
Das Erbarmen der Göttin bewirkt für ihn eine Erscheinung im Traum. Von allen Gegensätzen frei, erreicht er bald den Zustand des Wandels im freien Raum.
Kumārikākhaṇḍa 23: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avākramabhāṣite tadgrahasamayavidyādhikāravarṇanakramo nāmānandaḥ || 23 ||
So endet das dreiundzwanzigste Kapitel, die Wonne namens „Die Übertragung, welche die Vollmacht des Tadgraha und der Samayā-Vidyā beschreibt“: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 24
Kumārikākhaṇḍa 24: Kapitelkopf (heading)
- caturviṃśānanda
Vierundzwanzigste Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 24: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 24.1
- śrutaṃ vakre mayā vākyaṃ kumārīkhaṇḍanāyike |
kathaṃ sā mātṛkā nāma ślokadvādaśabheditā ||
O Vakrā, Herrin des Kumārīkhaṇḍa, ich habe deine Worte gehört. Wie ist jene Mātṛkā, die Mutter der Laute, durch die „Zwölf Verse“ gegliedert?
Kumārikākhaṇḍa 24.2
- na jñātā ca mayā devi ślokārthaṃ kathaya sphuṭam |
śrīvakrā uvāca
mahānandavikāsena yat tvayā pṛcchitā hyaham ||
Ich habe sie noch nicht erkannt, o Göttin. Erkläre mir deutlich den Sinn dieser Verse. — Da du mich gefragt hast, erfüllt vom Aufblühen großer Wonne,
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 24.3
- tatsarvaṃ kathayiṣyāmi mātṛkākramanirṇayam |
yo'sau parāparo'nantaḥ vibhuḥ kāraṇamavyayaṃ ||
werde ich dir all dies erklären: die Bestimmung der Übertragungsfolge der Mātṛkā. Jener, der höchste und zugleich der niedere, der Unendliche und Alldurchdringende, die unvergängliche Ursache,
Kumārikākhaṇḍa 24.4
- praśāntamaparaṃ nāma śāntātītamanāmayam |
pūrvasaṃkṛtyamākāraṃ bhairavasya maheśvara ||
das ganz Stille, das Apara Genannte, jenseits der Ruhe und frei von Leiden: Dies ist die zuerst gebildete Gestalt Bhairavas, o großer Herr [Wortfügung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 24.5
- kalpe parāmpare pūrvaṃ manvantaraśatairapi |
yugaiścaturaśītiḥ pāṣaṇavat yā tu saṃsthitā ||
In den früheren Folgen der Weltzeitalter, über Hunderte von Manu-Zeitaltern und vierundachtzig Yugas, verharrte ich wie ein Stein,
Kumārikākhaṇḍa 24.6
- ekāhaṃ bhairave yajñe bhairava tvamahaṃ punaḥ |
na strī na puruṣākāraṃ nākāraṃ vidyate kvacit ||
ich allein, im Opfer Bhairavas. Und wiederum waren du und ich, o Bhairava, weder von weiblicher noch von männlicher Gestalt. Nirgendwo gab es eine Form.
Kumārikākhaṇḍa 24.7
- śūnyākāre tamaikatve ramaṇānandacetasam |
śamanaṃ kulasaṃkāśaṃ kiñcijjānāmyahaṃ hara ||
In leerer Gestalt, mit der Dunkelheit eins, war das Bewusstsein die Wonne des Spiels. Von dieser Stillung, dem Kula ähnlich, erkenne ich etwas, o Hara [Satzbezug unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 24.8
- na vācā śruticakṣubhyāṃ na ca buddhyāmyahaṃ hara |
kaivalyānandamāhlādaṃ saṃvartāntaṃ śatārdhakam ||
Nicht durch Rede, Gehör oder Augen, auch verstehe ich nicht, o Hara: die fünfzigfache Freude der Wonne des Alleinseins, die in Saṃvartā, der Weltauflösung, endet.
Kumārikākhaṇḍa 24.9
- tasyecchā kiñciccinmātraṃ avyaktaṃ vyaktirūpiṇam |
tadāhaṃ vismayamāpannā kimidaṃ śūnyarūpakam ||
Sein Wille ist ein Hauch reinen Bewusstseins: unoffenbar, doch von offenbarter Gestalt. Da ergriff mich Staunen: „Was ist dieses Leeregestaltige?“
Kumārikākhaṇḍa 24.10
- iti matvā gahanaṃ ghoraṃ bhītāhaṃ suptacetasā |
praviṣṭā bhairave yajñe sthitāhaṃ pararūpataḥ ||
Als ich dies bedachte, diese schreckliche Tiefe, fürchtete ich mich, und mein Bewusstsein schlummerte. Ich trat in Bhairavas Opfer ein und blieb dort in höchster Gestalt.
Kumārikākhaṇḍa 24.11
- paramāṇusvarūpeṇa kiñcidrūpaṃ ca siṃhakam |
siṃhasaṃvartakaṃ nātha vyāvṛtaṃ tamasākulam ||
In Gestalt eines feinsten Atoms war der Löwe nur eben angedeutet. O Herr, das Löwenfeuer der Weltauflösung trat hervor, von Dunkelheit erfüllt.
Kumārikākhaṇḍa 24.12
- akulādikulaṃ caiva vyākulaṃ kulakaulikam |
kalanāt dhvaninādāntaṃ tannādaṃ pañcadhāgatam ||
Kula, mit Akula beginnend, geriet in Bewegung, ebenso Kulakaulika. Durch die Entfaltung seiner Teile wurde jener Klang fünffach, bis hin zur Resonanz und zum Ende des Klanges.
Kumārikākhaṇḍa 24.13
- tacca ca varṇāditattvaṃ ca kalānāṃ ca mahodayam |
kalāḍhyaṃ ca tathā śāntaṃ savisargādi cālayam ||
Er ist das ursprüngliche Prinzip der Laute, das große Hervortreten der Kalās. Er ist reich an Kräften und still, die Wohnstatt mit Visarga und den übrigen Kräften,
Kumārikākhaṇḍa 24.14
- mahograṃ kālikaṃ rāvaṃ rūpākhyaṃ ca tathāparam |
kulāvalitayogena vinyaset kulapaddhatim ||
der höchst schreckliche Laut Kālīs, auch „Gestalt“ genannt, der höhere. Die Kula-Ordnung setze man durch die von Kula umhüllte Vereinigung ein.
Kumārikākhaṇḍa 24.15
- dvādaśāni tu ślokāni karṇāt karṇagatāni ca |
sadoccāraprayogena gṛhṇate sādhakottamaḥ ||
Die „Zwölf Verse“ sind von Ohr zu Ohr weitergegeben worden. Durch beständige Anwendung ihrer Lautäußerung empfängt sie der vortreffliche Sādhaka.
Kumārikākhaṇḍa 24.16
- tasya deyamidaṃ jñānaṃ anyathā na kadācana |
pañcapraṇavasaṃghātaiḥ sāmānyaireva bhairava ||
Ihm soll dieses Wissen gegeben werden, niemals auf andere Weise. Mit den Gruppen der fünf allgemein verwendeten Praṇavas, o Bhairava,
Kumārikākhaṇḍa 24.17
- haṃsākhyairmahatairdivyaiḥ parāmūrtiradhiṣṭitaiḥ |
uddhared dvādaśa ślokān ṣaṭkūṭādhiṣṭhitān śubhān ||
die Haṃsa heißen, groß und göttlich sind und von der höchsten Gestalt getragen werden, löse man die glückverheißenden „Zwölf Verse“ heraus, gestützt auf die sechs Kūṭa-Lautgestalten.
Kumārikākhaṇḍa 24.18
- catvāraḥ ṣoḍaśairbhedaistathā ṣaṭ nabhāntare |
sṛṣṭimadhyagatā ye ca hakṣasthā dvayabhedataḥ ||
Vier bestehen mit sechzehn Unterscheidungen; ebenso sind sechs im Inneren des Raumes. Sie befinden sich inmitten der Schöpfung, und die in Ha und Kṣa ruhenden sind zweifach gegliedert [Zuordnung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 24.19
- kathaṃ yugmaṃ kathākhyaṃ ca anaṅgaṃ sṛṣṭisaṃyutam |
tadadho hanumān nātha rāvamārgasamanvitam ||
Das Paar Ka–Tha und das Katha Genannte, Anaṅga mit der Schöpfung verbunden; darunter Hanumān, o Herr, versehen mit dem Weg des Klanges,
Kumārikākhaṇḍa 24.20
- gajendraśirasākrāntaṃ bindunādakalāṅkitam |
ājñājyotisamāyuktaṃ ślokadvādaśanirṇaye ||
überragt vom Haupt Gajendras, gekennzeichnet durch Bindu, Nāda und Kalā, verbunden mit dem Licht der Ājñā in der Bestimmung der „Zwölf Verse“:
Kumārikākhaṇḍa 24.21
- dvitīyamakṣaraṃ proktaṃ tṛtīyaṃ tu yathā bhavet |
vyomabinduśirobhinnaṃ agnivedhakabheditam ||
Dies wird der zweite Laut genannt. Wie der dritte beschaffen ist, höre nun: Sein Haupt ist mit dem Bindu des Raumes verbunden, er ist von Feuer und dem Durchdringer gegliedert,
Kumārikākhaṇḍa 24.22
- nādaśaktikalāyuktaṃ mahogramiti kathyate |
amṛtaṃ sravamāṇaṃ ca śāntayuktaṃ samuccaret ||
mit der Kalā der Klangkraft versehen und wird „der höchst Schreckliche“ genannt. Als strömenden Nektar, mit dem Stillen verbunden, soll man ihn äußern,
Kumārikākhaṇḍa 24.23
- dvirabhyāsaṃ mahāśambho yāvad vai mātṛkākṣaram |
etad vinyāsavijñānaṃ paramaṃ devadurlabham ||
zweimal, o großer Śambhu, bis zum Laut der Mātṛkā. Dies ist das höchste Wissen um die Einsetzung, selbst für Götter schwer zu erlangen.
Kumārikākhaṇḍa 24.24
- kulāvalitayogena uddhāryā kulapaddhatiḥ |
saṃhitārthamidaṃ satyaṃ akathyaṃ tava darśitam ||
Durch die von Kula umhüllte Vereinigung ist die Kula-Ordnung herauszulösen. Dies ist der wahre Sinn der Sammlung; dir ist gezeigt worden, was nicht ausgesprochen werden soll.
Kumārikākhaṇḍa 24.25
- yo'sau parāparo devo bhairavo bhavacchedakaḥ |
tasya icchā hyanāmākhyā kiñciccetā cinoti yat ||
Der Wille jenes Gottes Bhairava, des Höchsten und Niederen, der das Werden durchschneidet, heißt Anāmā, die Namenlose. Mit eben aufkeimendem Bewusstsein nimmt er etwas wahr.
Kumārikākhaṇḍa 24.26
- sā ca vai vyāpakatvena saṃpūrṇā kaulinī parā |
amā sūkṣmā anāmā ca nirānande layaṃgatā ||
Sie ist durch ihre Alldurchdringung vollkommen erfüllt: die höchste Kaulinī. Sie ist Amā, die Neumondkraft, die Feine, Namenlose, die sich in der Stille jenseits der Wonne aufgelöst hat.
Kumārikākhaṇḍa 24.27
- sā ca vai bhairavī śāntā anantena vibhājitā |
tasmānmanthānabhedena bheditaṃ ca parāparam ||
Sie ist die stille Bhairavī, vom Unendlichen gegliedert. Durch die Unterscheidung im Quirlen wird das Höchste und Niedere auseinandergelegt.
Kumārikākhaṇḍa 24.28
- evaṃ sṛṣṭigatānaṅgaṃ anaṅgaṃ kāmanāśanam |
tacca haṃsaṃ mahātmānaṃ jvalanādamṛtodbhavam ||
So befindet sich der Körperlose in der Schöpfung, der Körperlose, der die Begierde vernichtet. Er ist Haṃsa, das große Selbst, aus der Flamme als Nektar hervorgegangen.
Kumārikākhaṇḍa 24.29
- dvāvetau śivaśaktyākhyau otaprotaṃ jagattrayam |
etad rahasyamākhyātaṃ mahāmanthānasaṃjñayā ||
Diese beiden heißen Śiva und Śakti. Von ihnen ist die Dreiwelt wie Kette und Schuss eines Gewebes durchzogen. Dies ist das Geheimnis, das „das große Quirlen“ genannt wird.
Kumārikākhaṇḍa 24: Sprecherzeile (speaker_before_30)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 24.30
- kathaṃ nāthe kā me saṃjñā kutrotpattau nirāmaye |
vyākulo'haṃ samutpanno niḥsaṃdigdhaṃ vadasva me ||
Wie verhält es sich, o Herrin? Wie ist mein Name, wo bin ich in der Entstehung, die frei von Leiden ist? Ich bin verwirrt. Sprich zu mir, sodass kein Zweifel bleibt.
Kumārikākhaṇḍa 24: Sprecherzeile (speaker_before_31)
- śrīvakrā uvāca
Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 24.31
- sarahasyaṃ kṛtaṃ praśnaṃ amoghājñāṃ kuleśvara |
kathayāmi na saṃdeho icchāṃ kāmadugdhāṃ kalām ||
Du hast eine Frage gestellt, die ein Geheimnis birgt, o Herr des Kula. Ich werde dir ohne Zweifel die unfehlbare Ājñā erklären: den Willen, die wunscherfüllende Kalā.
Kumārikākhaṇḍa 24.32
- yathāhaṃ cidghanānandā ānandatanutāṃ gatā |
tena tṛptiḥ purāsmākaṃ bhavate pṛthivī hara ||
Als ich, die Wonne verdichteten Bewusstseins, einen Leib aus Wonne annahm, wurde dadurch einst unsere Erfüllung zur Erde, o Hara.
Kumārikākhaṇḍa 24.33
- pṛthivyāhaṃ tvaṃ mahacchabdaṃ śabdabrahmākṣarāṇi ca |
sā ca śrīśāmbhavecchākhyā suśāntamiti lakṣaṇam ||
Ich bin die Erde; du bist der große Klang und die Laute des Klang-Brahman. Sie wird der Wille des erhabenen Śāmbhava genannt; „vollkommene Stille“ ist ihr Kennzeichen.
Kumārikākhaṇḍa 24.34
- ahaṃ kācit kalā kālī vikalā kulaśāmbhavī |
icchā hyahaṃ parotpannā avyaktā vyaktarūpiṇī ||
Ich bin eine feine Kalā, Kālī, Vikalā — ohne gegliederte Kraft —, Kulaśāmbhavī. Ich bin der Wille, als höchste Kraft hervorgegangen: unoffenbar und doch von offenbarter Gestalt.
Kumārikākhaṇḍa 24.35
- kulālī kulakauleśī akulād vyāpakī bhavet |
vyāpakatvena rūpeṇa saṃyogādupajāyate ||
Kulālī, die Herrin des Kula und Kaula, wird aus Akula zur alldurchdringenden Kraft. Durch die Verbindung entsteht sie in alldurchdringender Gestalt.
Kumārikākhaṇḍa 24.36
- saṃyogena tu saṃvartā nirāvartāt pravartitā |
prathamaṃ ca anāmākhyaṃ nityaṃ ca śiraśekharam ||
Durch diese Verbindung setzt sich Saṃvartā aus dem Nichtwirbelnden in Bewegung. Zuerst das Namenlose, dann das Ewige und die Krone des Hauptes,
Kumārikākhaṇḍa 24.37
- mahābhairavajyotiśca vyāpakaṃ paścime gṛhe |
evaṃ ṣaṭkakrama tvaṃ hi vidyā vyomena veṣṭitā ||
der große Bhairava und das Licht, das Durchdringende im westlichen Haus: So bist du die Vidyā in der Folge der Sechs, vom Raum umhüllt [Anrede unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 24.38
- udayaṃ vimalaṃ nāma amṛtaṃ bindubhairavam |
saṃyogena samutpannā tadānte dvādaśaḥ smṛtāḥ ||
Ihr Hervortreten wird „das Reine“ genannt, der Nektar, Bindu-Bhairava. Durch die Verbindung sind sie entstanden; an deren Ende werden sie die Zwölf genannt.
Kumārikākhaṇḍa 24.39
- mama mūrtigatāṃ kuryāt sṛṣṭihetūpalakṣaṇām |
ahaṃ sā ca parā caikā aparā siddhisāgare ||
Man lasse sie in meine Gestalt eingehen, erkennbar als Ursache der Schöpfung. Ich bin diese eine höchste Göttin, zugleich die niedere, im Meer der Vollendungen.
Kumārikākhaṇḍa 24.40
- sāgaraṃ manmathaṃ nāma kulākulakulāntagam |
trikulaṃ trīṇi tattvāni tridhā mantrī ca śaktayaḥ ||
Das Meer heißt Manmatha, das Begehren; es liegt am Ende des Kula von Kula und Akula. Drei sind die Kulas, drei die Prinzipien; dreifach ist der Mantrapraktizierende, und dreifach sind die Kräfte.
Kumārikākhaṇḍa 24.41
- trīṇi siddhāstrayasrotastritattvaṃ tripathāntaram |
tatparaṃ ca mahāsthānaṃ mayā vyāptaṃ tu sāgaram ||
Drei sind die Siddhas, drei die Ströme, drei die Prinzipien und drei die Wege. Darüber liegt die große Stätte, das von mir durchdrungene Meer.
Kumārikākhaṇḍa 24.42
- sāgaraṃ śaśisūryāntaṃ akhaṇḍamiti maṇḍalam |
akhaṇḍamaparaṃ caiva anantaścākṣayaṃ tathā ||
Das Meer liegt an der Grenze von Mond und Sonne; es heißt das ungeteilte Maṇḍala. Das Ungeteilte, das Niedere, das Unendliche und das Unvergängliche,
Kumārikākhaṇḍa 24.43
- akulaṃ pañcamaṃ nātha vijñeyāḥ kulabhūṣaṇāḥ |
evaṃ nādaḥ samutpannaḥ pañcadhā tu kramāgataḥ ||
und als fünftes Akula, o Herr: Diese sind als Schmuck des Kula zu erkennen. So ist Nāda hervorgetreten und fünffach in die Übertragungsfolge eingegangen.
Kumārikākhaṇḍa 24.44
- kramāt sṛṣṭiḥ sthitā yonau ekā eva hyadhomukhī |
sadbhāvā sā mahāmūrtirjyotirūpā manonmanī ||
Die Schöpfung ruht der Folge gemäß in der Yoni, einzig und nach unten gerichtet. Sie ist das wirkliche Sein, die große Gestalt, von der Natur des Lichtes: Manonmanī, die den Geist übersteigt.
Kumārikākhaṇḍa 24.45
- unmanā manavegena śaktiḥ kuṇḍalinī kalā |
amā nāma kalā kālī sthitāhatā ca bhairava ||
Sie ist Unmanā, durch die Bewegung des Geistes die Kraft Kuṇḍalinī, die Kalā namens Amā; sie ist Kālī und ruht als der ungeschlagene Klang, o Bhairava.
Kumārikākhaṇḍa 24.46
- asyāścaivāsanaṃ pātraṃ iḍānāmena gīyate |
iḍā sā bhairavī śāntā śaktipātramudāhṛtā ||
Ihr Sitz ist das Gefäß, das Iḍā genannt wird. Iḍā ist die stille Bhairavī; sie wird das Gefäß der Śakti genannt.
Kumārikākhaṇḍa 24.47
- udayaṃ śaśibimbasya sūryaṃ muñcati bhāsvaram |
tacca bindu ghanaṃ ghoraṃ ghargharāmṛtasaṃbhavam ||
Das Aufsteigen der Mondscheibe entlässt die strahlende Sonne. Dies ist der dichte, schreckliche Bindu, entstanden aus dem Ghargharā-Nektar [Gefäßbezeichnung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 24.48
- śāmbhavaṃ ṣaṭkabhedena kalā kalati kaulinī |
maphrekhasaharāveṇa sthitāgniprakṛtirūpiṇī ||
Die Kalā Kaulinī gliedert das Śāmbhava-Sein in sechs Teile. Durch den Laut Ma – Phre – Kha – Sa – Ha ruht sie in der Gestalt der Feuernatur.
Kumārikākhaṇḍa 24.49
- sattvarajatamaikatve sthitā vyomāntavartinī |
vyomnyāditattvasaṃghātaṃ tattvād varṇā hyajāyanta ||
Sie weilt im Inneren des Raumes, in der Einheit von Sattva, Rajas und Tamas. Im Raum liegt die Gesamtheit des ersten Prinzips; aus diesem Prinzip gingen die Laute hervor.
Kumārikākhaṇḍa 24.50
- ākrāntāśca kalairjñeyāḥ pañcakādisvabhāvataḥ |
pañca bhūtāḥ svarāḥ pañca sūkṣmaśāmbhavasaṃbhavāḥ ||
Man erkenne die Laute als von Kalās durchdrungen, ihrer Natur nach zunächst in Fünfergruppen. Fünf sind die Elemente und fünf die Vokale, hervorgegangen aus dem feinen Śāmbhava-Sein.
Kumārikākhaṇḍa 24.51
- śāmbhavaṃ sarahasyedaṃ rephakhasahakārakam |
tasyaiva vaktramādyaṃ ca anāmānāmasaṃyutam ||
Dies ist das Geheimnis des Śāmbhava-Seins, das Ra, Kha, Sa und Ha hervorbringt. Sein erstes Gesicht ist mit Anāmā und Anāma, der Namenlosen und dem Namenlosen, verbunden.
Kumārikākhaṇḍa 24.52
- yathā sṛṣṭikrameṇoktaṃ tathā śṛṇu maheśvara |
vyoma jīvasamāyuktaṃ vahnirarghīśasaṃyutaḥ ||
Höre, o großer Herr, wie es nach der Folge der Schöpfung gelehrt wird: der Raum, mit dem lebendigen Selbst verbunden; das Feuer, verbunden mit dem Herrn der Darbringung,
Kumārikākhaṇḍa 24.53
- anugrahaśirākrāntaṃ sūkṣmanādena bheditam |
binducandrakalākrāntaṃ akṣaraṃ bhairavaṃ hara ||
überragt vom Haupt der Gnade und vom feinen Klang durchdrungen, überragt von Bindu und Mond-Kalā: Dies ist der Laut Bhairavas, o Hara.
Kumārikākhaṇḍa 24.54
- śūnyaṃ khecarasaṃyuktaṃ pharamante samāśritam |
ekapādena saṃbhinnaṃ nādabindukalāṅkitam ||
Die Leere, mit dem Himmelswanderer verbunden, am Ende in Pharam ruhend, mit dem Einfüßigen verbunden und gekennzeichnet durch Nāda, Bindu und Kalā:
Kumārikākhaṇḍa 24.55
- eṣā sā khecarīvidyā trailokyākarṣaṇī parā |
yasamadhyagataṃ devaṃ hadhamadhyagataṃ punaḥ ||
Dies ist die höchste Khecarī-Vidyā, die die Dreiwelt anzieht. Man nehme den Gott zwischen Ya und Sa und wiederum das zwischen Ha und Dha,
Kumārikākhaṇḍa 24.56
- ṇaṭamadhyagataṃ gṛhya tadantaragataṃ viduḥ |
gaurīśikharamākrāntaṃ indubindukalānvitam ||
sowie das zwischen Ṇa und Ṭa; man erkennt es als darin befindlich. Es ist überragt vom Gipfel Gaurīs und versehen mit der Kalā des Mond-Bindu.
Kumārikākhaṇḍa 24.57
- kathitā śāṅkarī vidyā tṛtīyā kulanāyikā |
caturthī māyayā nāma hara vyomāsanasthitā ||
Damit ist die Śāṅkarī-Vidyā erklärt, die dritte Führerin des Kula. Die vierte trägt den Namen Māyā, o Hara, und ruht auf dem Sitz des Raumes.
Kumārikākhaṇḍa 24.58
- agnidhāmena saṃbhinnā i–u–madhyagatena ca |
bindu–ardhakalāyuktā raudrarūpā ca ambikā ||
Vom Licht des Feuers durchdrungen und von dem zwischen I und U, mit Bindu und Halbmond-Kalā verbunden, ist sie Ambikā, die Mutter von Rudras Gestalt.
Kumārikākhaṇḍa 24.59
- akathyamātṛkā śaktiḥ hasaphrekārabheditā |
nādabindukalāyuktā vāgbhavākārarūpiṇī ||
Die unaussprechliche Kraft der Mātṛkā ist durch Ha – Sa – Phre gegliedert. Mit Nāda, Bindu und Kalā verbunden hat sie die Gestalt Vāgbhavas.
Kumārikākhaṇḍa 24.60
- kaulinī kulanāthānāṃ siddhānāṃ jñānabhūmikā |
śāmbhavāḥ praṇavāḥ pañca ṣaṣṭhaṃ caitanyamuttamam ||
Sie ist Kaulinī, der Grund der Erkenntnis für die Siddhas, die Herren des Kula. Die fünf Praṇavas gehören zu Śāmbhava; das sechste ist das höchste Bewusstsein.
Kumārikākhaṇḍa 24.61
- ṣaḍaṅgavaktrasaṃyuktā pūrṇā devī parāparā |
ṣaḍbījānukrameṇaiva uccared gurūpadeśataḥ ||
Mit sechs Gliedern und Gesichtern versehen ist die Göttin Pūrṇā, die höchste und niedere. Man äußere sie nach der Folge der sechs Keimlaute, gemäß der Unterweisung des Gurus.
Kumārikākhaṇḍa 24.62
- dviṣaṭkadivyayogena ślokadvādaśapaddhatim |
yo vetti mahatīṃ śambho ślokārthapadasaṃyutām ||
Wer die große Ordnung der „Zwölf Verse“ kennt, o Śambhu, durch die göttliche Vereinigung der beiden Sechsergruppen, verbunden mit den Teilen, die den Sinn der Verse tragen,
Kumārikākhaṇḍa 24.63
- so'pi ekena janmena kaulikājñādharo bhavet |
yaṃ yaṃ spṛśati hastena yaṃ yaṃ paśyati cakṣuṣā ||
wird schon in einem einzigen Leben zum Träger der Kaulika-Ājñā. Was immer er mit der Hand berührt, was immer er mit dem Auge sieht,
Kumārikākhaṇḍa 24.64
- yaṃ yaṃ smarati bhāvena sarvaṃ saṃpadyate kṣaṇāt |
duṣṭānyanekakrūrāṇi bhūcaroragarākṣasāḥ ||
was immer er mit innerer Anteilnahme erinnert, alles wird in einem Augenblick erlangt. Vielerlei böse und grausame Wesen, Erdwanderer, Schlangen und Rākṣasas
Kumārikākhaṇḍa 24.65
- tasyālokanamātreṇa palāyanti daśo diśaḥ |
iti satyaṃ mayā proktaṃ ślokārthamatamuttamam ||
fliehen schon bei seinem Anblick in die zehn Richtungen. So habe ich wahrheitsgemäß die höchste Lehre vom Sinn dieser Verse verkündet.
Kumārikākhaṇḍa 24.66
- ye nyasyanti trikālajñāste yānti paramāṃ gatim |
śrīvakrā uvāca
atha cānyakramaṃ vakṣye ślokadvādaśake sthitāḥ ||
Wer sie einsetzt, kennt die drei Zeiten und erreicht das höchste Ziel. — Nun werde ich eine andere Übertragungsfolge erklären; in den „Zwölf Versen“ befinden sich
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Die erhabene Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 24.67
- dvādaśa siddhayoginyo abhidhānena tāḥ śṛṇu |
nandā bhadrā jayā kālī karālī vikṛtānanā ||
zwölf vollendete Yoginīs. Höre ihre Namen: Nandā, Bhadrā, Jayā, Kālī, Karālī und Vikṛtānanā,
Kumārikākhaṇḍa 24.68
- kroṣṭukī bhīmabhadrā ca vāyuvegā hayānanā |
gambhīrā ghoṣaṇī caiva yoginyo dvādaśa smṛtāḥ ||
Kroṣṭukī, Bhīmabhadrā, Vāyuvegā, Hayānanā, Gambhīrā und Ghoṣaṇī: Diese gelten als die zwölf Yoginīs.
Kumārikākhaṇḍa 24.69
- kṛtvādau vāgbhavāstrīṇi ante te'pi vilomataḥ |
saṃpuṭena yutā devyo dvādaśāṅgaprasiddhaye ||
Man setze die drei Vāgbhavas an den Anfang und dieselben am Ende in umgekehrter Folge. So sind die Göttinnen eingeschlossen, zur Vollendung der zwölf Glieder.
Kumārikākhaṇḍa 24.70
- nandā śirasi vinyasyā bhadrākhyā ca lalāṭake |
jayā ca dakṣiṇe netre kālī caiva tu vāmake ||
Nandā setze man auf den Kopf, Bhadrā auf die Stirn, Jayā in das rechte und Kālī in das linke Auge,
Kumārikākhaṇḍa 24.71
- karālī dakṣiṇe karṇe vāme ca vikṛtānanā |
kroṣṭukī nāsikāgre tu bhīmarudrā tathā mukhe ||
Karālī in das rechte Ohr und Vikṛtānanā in das linke, Kroṣṭukī auf die Nasenspitze und Bhīmarudrā auf den Mund.
Kumārikākhaṇḍa 24.72
- vāyuvegā gale caiva hṛdayasthā hayānanā |
gambhīrā nābhimadhye tu ghoṣinyā guhyamadhyataḥ ||
Vāyuvegā gehört an die Kehle, Hayānanā in das Herz, Gambhīrā in die Mitte des Nabels und Ghoṣinyā in die Mitte des Geschlechtsbereichs.
Kumārikākhaṇḍa 24.73
- evaṃ nyāsaṃ tu devīnāṃ divyadehakaraṃ param |
etadāvaraṇaṃ nyāsaṃ dvādaśāṅgamudāhṛtam ||
So schafft der höchste Nyāsa dieser Göttinnen einen göttlichen Leib. Diese Einsetzung der Umhüllung wird „die zwölf Glieder“ genannt.
Kumārikākhaṇḍa 24.74
- samayasya tu siṃhasya yoginyo dvādaśa smṛtāḥ |
etannyāsaṃ purā kṛtvā yatra yatra vrajennaraḥ ||
Die Yoginīs des Löwen der Samayā werden zwölf genannt. Wohin ein Mensch auch geht, nachdem er diesen Nyāsa vollzogen hat,
Kumārikākhaṇḍa 24.75
- tatra tatra mahālābhaṃ jñānaṃ labhati puṣkalam |
melakaṃ yoginīsārdhaṃ guptānāṃ ca maheśvara ||
dort erlangt er großen Gewinn und reiche Erkenntnis, auch die Begegnung mit den verborgenen Yoginīs, o großer Herr.
Kumārikākhaṇḍa 24.76
- dvādaśāṅgaprabhāvena jñānaṃ tāḥ kathayanti hi |
dadanti carukaṃ divyaṃ prasannāstvaritāṃ gatim ||
Durch die Kraft der zwölf Glieder teilen sie ihm Wissen mit. Gnädig gestimmt schenken sie die göttliche Opferspeise und raschen Fortschritt.
Kumārikākhaṇḍa 24.77
- divyarūpadharo yogī yadi gupto maheśvara |
punaranyakramaṃ vakṣye nyāsaṃ kṣetraparigraham ||
Der Yogi trägt eine göttliche Gestalt, wenn er verborgen bleibt, o großer Herr. Wieder werde ich eine andere Folge erklären: den Nyāsa der Umfassung des Feldes.
Kumārikākhaṇḍa 24.78
- amṛtādi ca jīvāntaṃ hakṣasaṃjñāsamāyutam |
tāvannyāsaṃ prakartavyaṃ śabdarāśikrameṇa tu ||
Mit Amṛta beginnend und mit Jīva endend, verbunden mit den Ha und Kṣa genannten Lauten, vollziehe man diesen Nyāsa nach der Ordnung der Lautgesamtheit.
Kumārikākhaṇḍa 24.79
- upadeśaṃ pravakṣyāmi paraṃ devyāḥ parigraham |
dīpanaṃ ca prakartavyaṃ varṇe varṇe pṛthak pṛthak ||
Ich werde die höchste Unterweisung über die Gestalt und Umfassung der Göttin erklären. Jeder einzelne Laut ist gesondert zu erhellen.
Kumārikākhaṇḍa 24.80
- hakṣa saṃjñādvayaṃ sthānaṃ prāṇaṃ krodhaṃ ca khe balam |
tābhyāṃ na dīpanaṃ deyaṃ svabhāvenaiva dīpitāḥ ||
Die beiden Bezeichnungen sind Ha und Kṣa; ihr Ort ist Lebenshauch und Zorn, die Kraft im Raum. Diesen beiden ist keine Erhellung hinzuzufügen: Sie leuchten schon aus ihrem eigenen Wesen.
Kumārikākhaṇḍa 24.81
- varṇadīptātmakaṃ piṇḍaṃ ādikādikrameṇa tu |
ādikādikramaṃ kṣetraṃ parādevīparigraham ||
Die durch die Laute erhellte Lautgestalt entsteht nach der mit A und mit Ka beginnenden Ordnung. Das Feld dieser Ordnung ist die Gestalt und Umfassung der höchsten Göttin.
Kumārikākhaṇḍa 24.82
- dīpamānandayogaṃ ca śakterjñeyaṃ parigraham |
ādau vai svaracakraṃ tu tattvaṣoḍaśanirṇayam ||
Das Leuchten ist die Vereinigung mit Wonne; darin soll man die Gestalt der Śakti erkennen. Am Anfang steht der Kreis der Vokale, die Bestimmung der sechzehn Prinzipien.
Kumārikākhaṇḍa 24.83
- ye ca uktā kakārādyā jīvaṃ te sarvadehinām |
visargeṇa tu niṣpattiḥ etat kṣetraparigraham ||
Die mit Ka beginnenden Laute gelten als das Leben aller verkörperten Wesen. Durch Visarga erfolgt das Hervortreten. Dies ist die Umfassung des Feldes.
Kumārikākhaṇḍa 24.84
- krodhaḥ prāṇakalā coktā rudraśaktyā ca veṣṭitā |
tābhyāṃ saṃyogakaraṇaṃ guruvaktrāt samabhyaset ||
Der Zorn wird die Kalā des Lebenshauchs genannt; sie ist von Rudras Śakti umhüllt. Ihre Verbindung miteinander übe man nach der Unterweisung aus dem Mund des Gurus.
Kumārikākhaṇḍa 24.85
- sṛṣṭinyāyena mūrdhādinyāsaṃ kṣetraparigraham |
kṣetraparigrahe hīne martyaiḥ sādhyaṃ na siddhyati ||
Die Umfassung des Feldes ist der Nyāsa nach der Schöpfungsordnung, beginnend am Kopf. Fehlt sie, erreichen Sterbliche das angestrebte Ziel nicht.
Kumārikākhaṇḍa 24.86
- teṣāṃ tu sādhanārthāya ākhyātaṃ ca parigraham |
anenābhyasite deva ājñāyāmabhiṣecanam ||
Damit sie es vollbringen können, wurde diese Umfassung erklärt. Wird dies geübt, o Gott, erfolgt die Weihe in die Ājñā.
Kumārikākhaṇḍa 24.87
- abhyāsād hi māsaikena pratyayaṃ saṃpravartate |
na śṛṇoti na paśyeta tadā kṣetraparigraham ||
Durch die Übung während eines Monats tritt eine unmittelbare Erfahrung ein. Man hört nicht und sieht nicht: Dann ist die Umfassung des Feldes erreicht.
Kumārikākhaṇḍa 24.88
- ataḥ paraṃ pravakṣyāmi adhikāraṃ punastrayaṃ |
yena vijñātamātreṇa adhikāraḥ pravartate ||
Hiernach werde ich wiederum die dreifache Vollmacht erklären. Allein indem man sie erkennt, wird die Vollmacht wirksam.
Kumārikākhaṇḍa 24.89
- ulīnāṃ tritayaṃ deva jyeṣṭhaṃ madhyaṃ kanīyasam |
bālakramaṃ tu kaumāraṃ vṛddhameva kramatrayam ||
Drei sind die Ulis, die Überlieferungslinien, o Gott: die älteste, die mittlere und die jüngste. Die Übertragung des Kindes, des Jünglings und des Alten bilden die drei Folgen.
Kumārikākhaṇḍa 24.90
- teṣāṃ kūṭatrayaṃ śambho parādehād vinirgatam |
prāṇātmādyantanikaraṃ ādisthaṃ ca nitambakam ||
Ihre drei Kūṭa-Lautgestalten, o Śambhu, sind aus dem Leib der höchsten Göttin hervorgegangen: Lebenshauch, Selbst, die Gesamtheit von Anfang und Ende, und am Anfang der weiteren Reihe das Gesäß,
Kumārikākhaṇḍa 24.91
- vāmastanaṃ tathā kaṇṭhaṃ daṇḍaṃ ca skandhadakṣiṇam |
punaḥ prāṇaṃ punardaṇḍaṃ kṣīramekatra piṇḍitam ||
die linke Brust, die Kehle, der Stab und die rechte Schulter, wiederum der Lebenshauch, wiederum der Stab und die Milch, an einem Ort zu einer Lautgestalt geballt.
Kumārikākhaṇḍa 24.92
- evamekādaśā rudrā ekatra viniyojitāḥ |
rudrakūṭaṃ samākhyātaṃ khaṃ candrārdhavibheditam ||
So sind elf Rudras an einem Ort zusammengefügt. Es heißt Rudra-Kūṭa: der Raum, vom Halbmond gegliedert,
Kumārikākhaṇḍa 24.93
- dīpitaṃ chinnamuṇḍena etad vṛddhakramoddhṛtam |
tadeva kṣīranirmuktaṃ nāsikayā vibheditam ||
erhellt durch den „Abgetrennten Kopf“. Dies ist aus der Übertragung des Alten herausgelöst. Dasselbe, ohne Milch und durch die Nase gegliedert,
Kumārikākhaṇḍa 24.94
- kaumārakramakūṭedamākhyātaṃ tava sundara |
taccaiva caiva nāsayā riktaṃ vāmakuṇḍalabheditam ||
ist die Kūṭa-Lautgestalt der Übertragung des Jünglings; sie ist dir damit erklärt, o Schöner. Dasselbe, ohne Nase und mit dem linken Ohrring verbunden,
Kumārikākhaṇḍa 24.95
- tṛtīyaṃ ca kaniṣṭhaṃ ca bālakramamudāhṛtam |
olitritayavinyāsaṃ kuryāt kūṭatrayaṃ guruḥ ||
wird als dritte, jüngste Gestalt, die Übertragung des Kindes, bezeichnet. Der Guru vollziehe den Nyāsa der drei Olis mit den drei Kūṭa-Lautgestalten.
Kumārikākhaṇḍa 24.96
- jyeṣṭhaṃ ca vinyaseccakre bhrūmadhye kopamaṇḍale |
madhyamaṃ nābhideśe tu kaniṣṭhaṃ kāmarūpataḥ ||
Die älteste setze man im Kreis zwischen den Brauen ein, im Kreis des Zorns; die mittlere im Nabelbereich, die jüngste in Kāmarūpa.
Kumārikākhaṇḍa 24.97
- tribhiraulikrame jātā ye śiṣyāḥ siddhasantatau |
teṣāṃ tu trividhaṃ nyāsaṃ ākhyātaṃ satataṃ hitam ||
Für die Schüler, die in der Übertragungsfolge der drei Olis innerhalb der Siddha-Linie geboren wurden, ist dieser dreifache Nyāsa als stets heilsam erklärt.
Kumārikākhaṇḍa 24.98
- krameṇānena deveśa ityājñā pārameśvarī |
tatkṣaṇāt tatra tacchāpaṃ kramaṃ tatra parāṃmukham ||
Durch diese Folge, o Herr der Götter, wirkt die Ājñā der höchsten Herrin. Andernfalls trifft dort augenblicklich der Fluch ein; die Übertragungsfolge wendet sich dort ab [Satzanschluss unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 24.99
- svatulyāṃ guruḍadyaṃ (?) tu nirbījaṃ pūjayanti ye |
saṃsāre vartate bhūyaḥ saṃsārānna nivartate ||
Wer das sich selbst Gleiche [weitere Worte unverständlich: guruḍadyaṃ (?)] ohne Keimlaute verehrt, bleibt wiederum im Saṃsāra und kommt aus dem Kreislauf des Werdens nicht heraus.
Kumārikākhaṇḍa 24.100
- na teṣāṃ dīpanaṃ kiñcit śāmbhavakūṭadīpitāḥ |
tasmāt kūṭasthavinyāsaṃ tridhā mantrakramoddhṛtam ||
Für sie ist keine weitere Erhellung erforderlich: Sie sind durch die Śāmbhava-Kūṭas erhellt. Daher wird die auf den Kūṭas beruhende dreifache Einsetzung aus der Mantrafolge herausgelöst.
Kumārikākhaṇḍa 24.101
- viparyāyakrameṇaiva te ca siddhāstribhiḥ punaḥ |
okāraśca ṣakāraśca mikāraśca tri–ulikāḥ ||
Wiederum stehen die Siddhas zu dritt in umgekehrter Folge: der Laut O, der Laut Ṣa und der Laut Mi bezeichnen die drei Ulis.
Kumārikākhaṇḍa 24.102
- nāyakāstatra vinyasya teṣāṃ piṇḍaṃ svarūpataḥ |
upadeśena vinyāsaṃ karotyāveśamuttamam ||
Man setze dort die Führer und ihre Lautgestalt ihrem eigenen Wesen gemäß ein. Die Einsetzung nach der Unterweisung bewirkt das höchste Ergriffensein.
Kumārikākhaṇḍa 24.103
- kaniṣṭhaṃ madhyamaṃ jyeṣṭhaṃ madhyamaṃ yonimadhyataḥ |
aparaṃ yat kaniṣṭhaṃ ca yonimadhye tṛtīyakam ||
Die jüngste, die mittlere und die älteste: Die mittlere befindet sich in der Mitte der Yoni. Die andere, jüngste, als dritte, befindet sich ebenfalls in der Mitte der Yoni [Zuordnung widersprüchlich].
Kumārikākhaṇḍa 24.104
- evaṃ krameṇa vinyāsaṃ na kuryādapi cānyathā |
adhikāratrayaṃ śambho jñātvā yajanamārabhet ||
In dieser Reihenfolge soll die Einsetzung geschehen, keinesfalls anders. Hat man die dreifache Vollmacht erkannt, o Śambhu, beginne man die Verehrung.
Kumārikākhaṇḍa 24.105
- ratnapañcakavinyāsaṃ vakṣyāmyāhamataḥ param |
siddhasaṃketasiddhānāṃ proktaṃ sarvatra pañcakam ||
Hiernach werde ich den Nyāsa der fünf Juwelen erklären. Diese Fünfergruppe wird überall für die Siddhas der Siddha-Zeichenüberlieferung gelehrt.
Kumārikākhaṇḍa 24.106
- tṛtīyaṃ daśanaṃ devyāstasyātmānaṃ hṛdi punaḥ |
nitambaṃ ca śikhā tasyā dakṣastanavibheditam ||
Der dritte Zahn der Göttin und ihr Selbst, wiederum im Herzen, ihr Gesäß und ihre Haarspitze, mit der rechten Brust verbunden,
Kumārikākhaṇḍa 24.107
- vāmakuṇḍalasaṃpūrṇaṃ khaśaktiśivabheditam |
ratnapañcakamākhyātaṃ proktaṃ sarvajanapriyam ||
vom linken Ohrring erfüllt und durch Raum, Śakti und Śiva gegliedert: So sind die fünf Juwelen erklärt, von denen es heißt, sie seien allen Menschen lieb.
Kumārikākhaṇḍa 24.108
- oṣamaitracasiddhānāṃ siddhaṃ hyamarikākramam |
lābhyaṃ tena ca gūḍhārthaṃ prakaṭaṃ kulakaulikam ||
Vollendet ist die Übertragung Amarikās für die Siddhas O, Ṣa, Maitra und Ca. Dadurch ist der offenbar gewordene verborgene Sinn des Kula und Kaula zu erlangen.
Kumārikākhaṇḍa 24.109
- karmakṣayānmahādeva vidyeyaṃ pañcadhā bhavet |
sevyā santāne satataṃ tataḥ karmāriho bhavet ||
Durch die Vernichtung des Karma wird diese Vidyā fünffach, o großer Gott. Man übe sie beständig innerhalb der Überlieferung; dadurch wird man zum Vernichter des Feindes Karma [Deutung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 24.110
- ratnādyaṃ yat paraṃ piṇḍaṃ tacca ādhāramaṇḍale |
caturthaṃ kaṇṭhadeśe tu pañcamaṃ turyamaṇḍale ||
Die erste Juwelen-Lautgestalt, die höchste, gehört in den Kreis der Grundlage. Die vierte gehört an die Kehle, die fünfte in den Kreis des vierten Zustandes.
Kumārikākhaṇḍa 24.111
- ekavīrān nyaset pañca na teṣāṃ dīpanaṃ kvacit |
aiṃkārāntarayogena bhagamadhye layaṃgatāḥ ||
Man setze die fünf Ekavīras einzeln ein; für sie ist nirgends eine zusätzliche Erhellung erforderlich. Durch die innere Verbindung mit Aiṃ lösen sie sich in der Mitte der Yoni auf.
Kumārikākhaṇḍa 24.112
- kṣetrasthā vinyaset pañca svabhāvena ca dīpitāḥ |
cirāyurnyāsamātreṇa acchidro bhavate naraḥ ||
Man setze die fünf im Feld ruhenden ein; sie sind aus ihrem eigenen Wesen erhellt. Allein durch den Nyāsa wird ein Mensch langlebig und unversehrt.
Kumārikākhaṇḍa 24.113
- divyapīṭhapurakṣobhaṃ vīrasiddhimavāpnuyāt |
prāpnoti vividhān bhogān vīraiḥ pañcāśadbhiḥ saha ||
Er erlangt die Vollendung eines Helden und das Erregen der Stadt des göttlichen Sitzes. Mit den fünfzig Helden erlangt er vielfältige Genüsse.
Kumārikākhaṇḍa 24.114
- yadyāvartayate deva smaraṇāt paṭhanādapi |
sarvasiddhyālayaṃ tasya yoginastu pravartate ||
Lässt er sie kreisen, o Gott, durch Erinnern oder auch durch Rezitieren, so öffnet sich für diesen Yogi die Wohnstatt aller Vollendungen.
Kumārikākhaṇḍa 24.115
- divyadṛṣṭiḥ purakṣobhaṃ siddhiḥ pañcāśritena tu |
daśalakṣakṛte jāpye tīvrājñā saṃpravartate ||
Göttliche Schau, das Erregen der Stadt und Vollendung entstehen, wenn man in den Fünf gegründet ist. Nach einer Million Wiederholungen des Japa wird die intensive Ājñā wirksam.
Kumārikākhaṇḍa 24.116
- pañcaratnena saṃsiddhiḥ nirvāṇaṃ prāpyate padam |
matārthaṃ pūrvato jñātvā mantrapadaṃ sphuṭam ||
Durch die fünf Juwelen wird Vollendung erreicht und der Zustand des Nirvāṇa erlangt. Erkennt man zuvor den Sinn der Lehre, wird der Wortlaut des Mantras klar.
Kumārikākhaṇḍa 24.117
- etad vai kaulikaṃ sūtraṃ ṣoḍhānyāsena veṣṭitam |
ṣoḍaśānvayamantraughaṃ kramaṃ ṣoḍaśarūpiṇam ||
Dies ist das Kaulika-Sūtra, vom sechsfachen Nyāsa umhüllt: der Mantrastrom der sechzehn Überlieferungen, die sechzehngestaltige Übertragungsfolge.
Kumārikākhaṇḍa 24.118
- etad vimalavijñānaṃ kulamārgavinirgatam |
kulaṃ ca ṣoḍaśairbhedaiḥ santānaṃ ṣoḍaśaiḥ punaḥ ||
Dies ist das reine Wissen, das aus dem Weg des Kula hervorgegangen ist: Kula in sechzehn Unterscheidungen und wiederum die Überlieferung in sechzehn Teilen,
Kumārikākhaṇḍa 24.119
- ṣoḍaśājñāprasūtistu nyāsamañjūṣakoddhṛtam |
gopanīyaṃ prayatnena tāntrikānāṃ na darśayet ||
das Hervorgehen der sechzehn Ājñās, herausgelöst aus dem Kästchen der Nyāsas. Es ist sorgfältig geheim zu halten und soll Tāntrikas nicht gezeigt werden.
Kumārikākhaṇḍa 24.120
- evaṃ prabhāvamākhyātaṃ ṣoḍhānyāsasya sundara |
gurūpadeśato jñeyaṃ saṃhitārthasamuccayam ||
So ist die Kraft des sechsfachen Nyāsa erklärt, o Schöner. Die Zusammenfassung des Sinnes der Sammlung ist aus der Unterweisung des Gurus zu erkennen.
Kumārikākhaṇḍa 24.121
- vistaraṃ pūrvamākhyātaṃ lakṣapādādhike mate |
atra saṃkṣepataḥ prāptaṃ caturviṃśatsahasrake ||
Ausführlich wurde dies zuvor in der Lehre von hunderttausend und einem Viertel erklärt. Hier, in der Sammlung von vierundzwanzigtausend, ist es in kurzer Form überliefert.
Kumārikākhaṇḍa 24: unnummerierter Halbvers (half_after_121)
- ṣoḍhānyāsasya sūtraṃ tu ākhyātaṃ tava sundara |
Damit ist dir, o Schöner, das Sūtra des sechsfachen Nyāsa erklärt.
Kumārikākhaṇḍa 24: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike ādyapīṭhāvatārite vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite ṣoḍhānyāsamañjūṣākramavarṇane kramodayo nāmānandaḥ || 24 ||
So endet das vierundzwanzigste Kapitel, die Wonne namens „Das Hervortreten der Übertragung“, in der Darstellung der Übertragungsfolge des Kästchens des sechsfachen Nyāsa: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 25
Kumārikākhaṇḍa 25: Kapitelkopf (heading)
- pañcaviṃśānandaḥ
Fünfundzwanzigste Wonne
Kumārikākhaṇḍa 25: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 25.1
- kulaṃ ca ṣoḍaśairbhedairmayā jñātaṃ maheśvari |
viparyāyeṇa aparaṃ svābhāvikakulaṃ katham ||
Das Kula in seinen sechzehn Unterteilungen habe ich erkannt, große Göttin. Wie aber verhält es sich, in umgekehrter Folge, mit dem anderen, dem seiner Natur nach bestehenden Kula?
Kumārikākhaṇḍa 25.2
- ṣaṭcakraṃ ṣoḍaśādhāraṃ trilakṣaṃ vyomapañcakam |
saṃsphuṭaṃ ca na me jñātaṃ kulamārgakrameṇa tu ||
Die sechs Chakras, die sechzehn Stützen, die drei Zeichen und die fünf Räume sind mir in der Übertragungsfolge des Kula-Weges noch nicht deutlich bekannt.
Kumārikākhaṇḍa 25.3
- idānīṃ kathyatām devi kulabhedaṃ yathā bhavet |
śrīvakrā uvāca
etat praśnaṃ mahāśreṣṭhaṃ devadevāvatāritam ||
Erkläre jetzt, Göttin, wie sich die Unterteilung des Kula verhält. — Diese höchst vortreffliche Frage hast du, Gott der Götter, vorgebracht.
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Śrīvakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 25.4
- vicāraṃ tasya vakṣyāmi kulapañcāśikākramam |
kulamūlakramaṃ śambho śṛṇu vakṣyāmi bhairava ||
Ich werde ihre Untersuchung darlegen, die Übertragungsfolge der Kulapañcāśikā, der „Fünfzig über Kula“. Höre, Śambhu, Bhairava: Ich werde die Ordnung der Wurzel des Kula erklären.
Kumārikākhaṇḍa 25.5
- adhomukhaṃ tu prathamaṃ kandanālasamudbhavam |
guptaṃ taṃ kandacakraṃ tu adhomukhavyavasthitam ||
Das erste [Chakra] ist nach unten gewandt und entspringt dem Stängel des Kanda, der knollenförmigen Wurzel. Dieses verborgene Kanda-Chakra befindet sich mit seiner Öffnung nach unten.
Kumārikākhaṇḍa 25.6
- caturdalasamāyuktaṃ padmarāgasamaprabham |
catvārastasya bhedāśca ādhāre cakranāyakāḥ ||
Es besitzt vier Blütenblätter und leuchtet wie ein Rubin. Seine vier Unterteilungen sind die Herren des Chakras in der Grundlage, dem Ādhāra.
Kumārikākhaṇḍa 25.7
- piṇḍaṃ tasya prasādaṃ tu himakundendunirmalam |
tasya ūrdhve dvitīyaṃ ca yogarājamadhomukham ||
Sein Mantrakeim ist Prasāda, rein wie Schnee, Jasmin und Mond. Darüber liegt das zweite [Chakra], Yogarāja, ebenfalls nach unten gewandt.
Kumārikākhaṇḍa 25.8
- vahnikapilasaṃkāśaṃ jvālājvalitavigraham |
tasya bhedāḥ ṣaḍirjñeyāḥ cakreśaṃ svādhiṣṭhānakam ||
Es schimmert feuerfarben, rötlichbraun, und seine Gestalt lodert in Flammen. Seine Unterteilungen sind als sechs zu erkennen; sein Chakraherr ist Svādhiṣṭhāna.
Kumārikākhaṇḍa 25.9
- tasya piṇḍaṃ mahārāvaṃ āraktaṃ śuddhavāsanam |
tasya ūrdhve tṛtīyaṃ tu cakraṃ nābhihutāśanam ||
Sein Mantrakeim ist Mahārāva, tiefrot, mit einer reinen Wohnstatt. Darüber liegt das dritte Chakra, das Feuer in der Nabelgegend.
Kumārikākhaṇḍa 25.10
- mahāratnaṃ mahādīptaṃ tasya bhedāni vai daśa |
svaraṣaṣṭhasamākrāntaṃ bindusaṃsthaśaśāṅkadhṛk ||
Es ist ein großes Juwel von gewaltigem Glanz und hat zehn Unterteilungen. [Sein Keim] ist mit dem sechsten Vokal verbunden und trägt den Mond, der im Bindu ruht.
Kumārikākhaṇḍa 25.11
- dāḍimīkusumaprakhyaṃ jvalantaṃ bhairavānalam |
taṃ piṇḍaṃ maṇipūrasya siddhasya iti niścayam ||
Er gleicht der Blüte des Granatapfels, dem lodernden Feuer Bhairavas. Dies ist gewiss der Mantrakeim des Siddha Maṇipūra.
Kumārikākhaṇḍa 25.12
- cakranāyakavikhyātaṃ surasiddhanamaskṛtam |
caturthaṃ tasya ūrdhve tu hṛdi cakramadhomukham ||
Er ist als Herr des Chakras bekannt und wird von Göttern und Siddhas verehrt. Darüber liegt das vierte Chakra, nach unten gewandt, im Herzen.
Kumārikākhaṇḍa 25.13
- varṇaṃ tadgairikābhāsaṃ tasya bhedāni dvādaśa |
cakranāyakavikhyātaṃ tatrānāhatabhairavam ||
Seine Farbe gleicht rotem Ocker; seine Unterteilungen sind zwölf. Dort ist Anāhatabhairava als Herr des Chakras bekannt.
Kumārikākhaṇḍa 25.14
- khecarīhṛdayaṃ tasya piṇḍaṃ dvādaśavarṇakam |
dhyānaṃ tasya bhaved raktamīṣadśyāmavimiśritam ||
Sein Mantrakeim ist Khecarīhṛdaya, das Herz der Khecarī, mit zwölf Lauten. In der Meditation erscheint er rot, mit einer geringen Beimischung dunkler Farbe.
Kumārikākhaṇḍa 25.15
- atordhvaṃ saṃpravakṣyāmi aparaṃ cakranirṇayam |
himakundendudhavalaṃ tasya bhedāni ṣoḍaśa ||
Nun werde ich die Bestimmung eines weiteren Chakras darüber erklären. Es ist weiß wie Schnee, Jasmin und Mond; seine Unterteilungen sind sechzehn.
Kumārikākhaṇḍa 25.16
- viśuddhaṃ bhairavaṃ tatra kathitaṃ cakranāyakam |
tasya piṇḍaṃ bhaved vāhaṃ tripadena vibheditam ||
Dort wird Viśuddhabhairava als Herr des Chakras bezeichnet. Sein Mantrakeim ist Vāhaṃ, in drei Bestandteile gegliedert.
Kumārikākhaṇḍa 25.17
- haritaṃ tasya varṇaṃ tu nīlajīmutasannibham |
tasyordhvaṃ paramaṃ cakraṃ turyasthānagataṃ pṛthu ||
Seine Farbe ist grünlich, einer dunkelblauen Wolke ähnlich. Darüber liegt das höchste, weit ausgedehnte Chakra am Ort des vierten Zustands.
Kumārikākhaṇḍa 25.18
- gokṣīrasadṛśānandaṃ tejorūpaṃ bhagākṛtiḥ |
tasya bhedadvayaṃ proktaṃ ājñācakreśvaraṃ prabho ||
Seine Wonne gleicht Kuhmilch; es ist von Lichtgestalt und hat die Form einer Yoni. Ihm werden zwei Unterteilungen zugeschrieben. Es ist der Herr des Ājñā-Chakras, o Herr.
Kumārikākhaṇḍa 25.19
- vāgbhavaṃ tasya tat piṇḍaṃ sindūrāruṇasannibham |
ṣaṭtyāgāt saptamaṃ ūrdhvaṃ ākāśe śūnyamaṇḍale ||
Sein Mantrakeim ist Vāgbhava, zinnoberrot leuchtend. Wenn die sechs verlassen werden, liegt das siebte darüber, im Himmelsraum, im Kreis der Leere.
Kumārikākhaṇḍa 25.20
- turyātītaṃ tu tat proktaṃ tasmāt ṣaṭkaṃ vinirgatam |
sṛṣṭikrameṇa ūrdhvāddhi cakraughaṃ tat vibhāvyate ||
Dieses wird Turyātīta genannt, „jenseits des vierten Zustands“. Aus ihm ist die Sechsergruppe hervorgegangen. In der Folge der Schöpfung wird diese Schar der Chakras von oben her vergegenwärtigt.
Kumārikākhaṇḍa 25.21
- dvirāraṃ turyacakraṃ tu kaṇṭhe vai ṣoḍaśārakam |
hṛdayaṃ dvādaśāraṃ tu nābhirvai daśabhiḥ smṛtaḥ ||
Das Chakra des vierten Zustands hat zwei Speichen, das im Hals sechzehn. Dem Herzen werden zwölf Speichen zugeschrieben, dem Nabel zehn.
Kumārikākhaṇḍa 25.22
- ṣaḍāraṃ yonicakraṃ tu caturāraṃ gudaṃ smṛtam |
punaḥ siddhakramaṃ teṣāṃ viśuddhādikrameṇa tu ||
Das Yoni-Chakra hat sechs Speichen, die Stelle des Afters vier. Nun folgt erneut ihre Siddha-Ordnung, in der Reihenfolge, die mit Viśuddha beginnt.
Kumārikākhaṇḍa 25.23
- viśuddhaṃ ṣoḍaśairbhedaiḥ dvādaśaistu anāhatam |
daśabhiśca maṇirbhinnaḥ svādhiṣṭhānaṃ ṣaḍātmakam ||
Viśuddha besitzt sechzehn Unterteilungen, Anāhata zwölf. Maṇi ist in zehn gegliedert, Svādhiṣṭhāna ist sechsfach.
Kumārikākhaṇḍa 25.24
- ādhāre bhedāścatvāra ājñā bhedadvayaṃ viduḥ |
akārādivisargāntā bhedāni ṣoḍaśaḥ smṛtāḥ ||
In der Grundlage sind vier Unterteilungen; Ājñā kennt man als zweifach gegliedert. Die sechzehn Unterteilungen reichen vom Laut A bis zum Visarga.
Kumārikākhaṇḍa 25.25
- kakārādiṭhakārāntā dvādaśāni anāhate |
ḍakārādiphakārāntā bhedānāṃ daśakaṃ maṇau ||
Die zwölf im Anāhata reichen von Ka bis Ṭha. Die Zehnergruppe der Unterteilungen in Maṇi reicht von Ḍa bis Pha.
Kumārikākhaṇḍa 25.26
- bakārādilakārāntaṃ bhedaṣaṭkaṃ krameṇa tu |
svādhiṣṭhāne mahādeva ādhāre tu yathā śṛṇu ||
Die sechs Unterteilungen im Svādhiṣṭhāna folgen aufeinander von Ba bis La, großer Gott. Höre nun, wie es sich mit der Grundlage verhält.
Kumārikākhaṇḍa 25.27
- vakārādisakārāntā bhedāścatvārādhāragāḥ |
ṣaṣṭhaṃ cakraṃ bhrūvormadhye hakṣadvayavinirmitam ||
Die vier Unterteilungen in der Grundlage reichen von Va bis Sa. Das sechste Chakra befindet sich zwischen den Augenbrauen; es ist aus den beiden Lauten Ha und Kṣa gebildet.
Kumārikākhaṇḍa 25.28
- hakṣadvayavinirmuktāḥ ślokāni dvādaśaḥ smṛtāḥ |
ṣaṭtyāgāt saptame muktistatrānandaṃ vyavasthitam ||
Die zwölf Ślokas werden ohne die beiden Laute Ha und Kṣa überliefert. Wenn die sechs verlassen werden, liegt im siebten die Befreiung; dort ist die Wonne gegründet.
Kumārikākhaṇḍa 25.29
- aparaṃ ṣoḍaśādhārā lakṣatritayameva ca |
amṛtādivisargāntāḥ kalādhārāṇi ṣoḍaśa ||
Nun zu den sechzehn Stützen und den drei Zeichen. Die sechzehn Stützen der Lautkräfte reichen von Amṛta bis zum Visarga.
Kumārikākhaṇḍa 25.30
- teṣāṃ ca yoginīsiddhāḥ svaśarīre vyavasthitāḥ |
anantaṃ caiva ākāśaṃ induḥ īśvarasaṃjñakam ||
Die zu ihnen gehörenden Siddhas der Yoginīs sind im eigenen Körper angesiedelt: Ananta, Ākāśa, Indu und der Īśvara Genannte;
Kumārikākhaṇḍa 25.31
- udayaṃ ūrjanāthaṃ ca ṛkṣakarṇaṃ ca ṛṣabham |
liptāṅgaṃ lṝlihaścaiva ekapādaṃ maheśvara ||
Udaya, Ūrjanātha, Ṛkṣakarṇa und Ṛṣabha; Liptāṅga, Ḹliha und Ekapāda, großer Herr;
Kumārikākhaṇḍa 25.32
- tathā vai rāvaṇo nāma ovalī nāma aumuniḥ |
ambunāthaṃ ahvavāhaṃ ādhārāḥ ṣoḍaśaḥ smṛtāḥ ||
ferner der Rāvaṇa Genannte, Ovalī, Aumuni, Ambunātha und Ahvavāha. Diese werden als die sechzehn Stützen überliefert.
Kumārikākhaṇḍa 25.33
- ete caiva mahāsiddhā ādyante aim̐samāyutāḥ |
etaistu vyāpitaṃ piṇḍaṃ teṣāṃ sthānāni ṣoḍaśa ||
Diese großen Siddhas sind am Anfang und am Ende mit Aim̐ verbunden. Von ihnen wird der Körper durchdrungen; ihre Orte sind sechzehn.
Kumārikākhaṇḍa 25.34
- prathamaṃ ghaṇṭikāyāṃ tu dvitīyaṃ tālumaṇḍale |
majje mede tathā śukre anyaccaiva tu kuṇḍalī ||
Der erste ist am Zäpfchen, der zweite im Kreis des Gaumens; [weitere sind] im Mark, im Fett und im Samen, und ein weiterer ist Kuṇḍalī;
Kumārikākhaṇḍa 25.35
- snāyvasthitvacaromāṇi kesaraṃ ca tathāmṛtam |
māṃsaṃ ca rudhiraṃ caiva vāḍavānala mārutam ||
Sehnen, Knochen, Haut und Körperhaare; Kesara [Bedeutung hier unsicher] und Amṛta, der Nektar; Fleisch und Blut, das untermeerische Feuer und der Wind;
Kumārikākhaṇḍa 25.36
- ākāśaṃ ca tathā deva evamādhāraṣoḍaśaḥ |
teṣāṃ olitrayaṃ deva sattvarajastamastrayam ||
ferner der Raum, o Gott. So sind die sechzehn Stützen [angegeben]. Ihre drei Überlieferungslinien sind, o Gott, die Dreiheit Sattva, Rajas und Tamas.
Kumārikākhaṇḍa 25.37
- lakṣatrayaṃ samāsena mano buddhirahaṃkṛtiḥ |
teṣāṃ vai trīṇi siddhāśca kūṭasthā oṣamitra ca ||
Die drei Zeichen sind, kurz gesagt, Denkvermögen, Unterscheidungsvermögen und Ichbewusstsein. Ihre drei Siddhas in den Kūṭa-Lauten sind O, Ṣa und Mitra.
Kumārikākhaṇḍa 25.38
- eteṣāṃ tu layaṃ deva pañcavyomastu bhairava |
ādhāre hṛdaye caiva tathā kule kapāṭake ||
Ihr Aufgehen, o Gott, Bhairava, geschieht in den fünf Räumen: in der Grundlage und im Herzen, ferner im Kula und an der Pforte.
Kumārikākhaṇḍa 25.39
- pañcavyomagataṃ lakṣaṃ bhittvā caiva tu khegatiḥ |
somamaṇḍalamadhyasthaṃ aparaṃ sūryamaṇḍalam ||
Wenn das Ziel in den fünf Räumen durchdrungen ist, erfolgt die Bewegung im Himmelsraum. Inmitten des Mondkreises liegt ein weiterer Kreis, der Sonnenkreis.
Kumārikākhaṇḍa 25.40
- vāyumaṇḍalamadhyasthaṃ aparaṃ vyomamaṇḍalam |
ākāśaṃ pañcadhā proktaṃ adho madhye ca mūrdhani ||
Inmitten des Windkreises liegt ein weiterer Kreis, der Himmelskreis. Der Raum wird als fünffach bezeichnet: unten, in der Mitte und am Scheitel.
Kumārikākhaṇḍa 25.41
- eteṣāṃ vyāpakāḥ pañca bindumārgaprabhedakāḥ |
śivādyantasamāyuktaṃ teṣāṃ vai siddhapañcakam ||
Fünf durchdringen diese [Räume] und öffnen den Weg des Bindu. Diese fünf Siddhas sind am Anfang und am Ende mit Śiva verbunden.
Kumārikākhaṇḍa 25.42
- pṛthivyāpastathā tejo vāyurākāśameva ca |
ete pañca mahābhūtā nirmitāḥ sṛṣṭikārakāḥ ||
Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum: Diese fünf großen Elemente sind hervorgebracht und bewirken ihrerseits die Schöpfung.
Kumārikākhaṇḍa 25.43
- śrīkaṇṭhaḥ śaṅkaro'nantaḥ sādākhyaḥ piṅgalastathā |
pañcaite sṛṣṭikartāraḥ siddhāḥ pañcakule tathā ||
Śrīkaṇṭha, Śaṅkara, Ananta, Sādākhya und Piṅgala: Diese fünf Siddhas sind die Schöpfer in den fünf Kulas.
Kumārikākhaṇḍa 25.44
- śrīkaṇṭhaḥ pṛthivī jñeyaḥ śaṅkaro āpa ucyate |
tejo'nanta iti proktaḥ sādākhyo vāyurucyate ||
Śrīkaṇṭha ist als Erde zu erkennen, Śaṅkara wird Wasser genannt. Ananta wird als Feuer bezeichnet, Sādākhya als Wind.
Kumārikākhaṇḍa 25.45
- ākāśaḥ piṅgalo jñeyaḥ pañcaite sṛṣṭikārakāḥ |
etad vai kulamārgaṃ tu tavākhyātaṃ rahasyakam ||
Piṅgala ist als Raum zu erkennen. Diese fünf bewirken die Schöpfung. Damit habe ich dir diesen geheimen Kula-Weg erklärt.
Kumārikākhaṇḍa 25.46
- guptā kulavadhū yadvat tadvad gopyataraṃ kulam |
uddhāraṃ pūrvato jñātvā paścād yajanamārabhet ||
Wie eine Frau aus guter Familie verborgen gehalten wird, so ist Kula noch sorgfältiger geheim zu halten. Erst soll man die Gewinnung [der Mantralaute] kennen und danach mit der Verehrung beginnen.
Kumārikākhaṇḍa 25.47
- etat kulakramācāraṃ bindumaṇḍalabheditam |
tatra lakṣe matiṃ kṛtvā rudraśaktiḥ pravartate ||
Dies ist die Praxis der Kula-Übertragungsfolge, gegliedert durch den Bindu-Kreis. Wenn das Denken auf jenes Ziel gerichtet wird, beginnt Rudras Kraft zu wirken.
Kumārikākhaṇḍa 25.48
- adho madhye ca ūrdhve vā ātmatulyādhikārakam |
kuryāccaiva svadehasya cittaṃ damayate tataḥ ||
Unten, in der Mitte oder oben soll man für den eigenen Körper eine dem Selbst entsprechende Vollmacht herstellen [Deutung unsicher]. Dadurch wird das Denken gebändigt.
Kumārikākhaṇḍa 25.49
- bahirantarabhāvena tadā cotpadyate sukham |
tatkulākulamādāya śarīraṃ ṣaṭkabheditam ||
Dann entsteht Glück im äußeren und inneren Erleben. Indem der Körper Kula und Akula annimmt, wird er in sechs gegliedert.
Kumārikākhaṇḍa 25.50
- navasaṃjñaṃ punarbhūyaḥ kulabhedārṇavaṃ bhavet |
śaṅkhaṃ śaktistathā yogaṃ mahāgṛhaṃ caturthakam ||
Erneut soll sich ein Meer der Kula-Unterteilungen mit neun Namen entfalten: Śaṅkha, Śakti und Yoga, als viertes Mahāgṛha;
Kumārikākhaṇḍa 25.51
- pañcamaṃ ca prabhu proktaṃ pādaṃ tu ṣaṣṭhamucyate |
atītamāvalī caiva uttarau parikīrtitau ||
als fünftes wird Prabhu bezeichnet, als sechstes Pāda. Atīta und Āvalī werden als die beiden folgenden genannt.
Kumārikākhaṇḍa 25.52
- tasyottamaṃ mahādeva ānandaṃ navamaṃ kulam |
kulaṃ tu navadhā bhinnaṃ vikhyātaṃ sarvatomukham ||
Über ihnen steht, großer Gott, Ānanda, das neunte Kula. Das neunfach gegliederte Kula ist als dasjenige bekannt, das sein Antlitz nach allen Seiten wendet.
Kumārikākhaṇḍa 25.53
- uḍḍāmaraṃ siddhakaulaṃ gaṇākhyaṃ khecarīmatam |
candrākhyaṃ rauravaṃ deva vīrākhyaṃ bhūtaḍāmaram ||
Uḍḍāmara, Siddhakaula, das Gaṇa Genannte, Khecarīmata, das Candra Genannte, Raurava, o Gott, das Vīra Genannte und Bhūtaḍāmara;
Kumārikākhaṇḍa 25.54
- navamaṃ tu mahākaulaṃ pratyayaṃ svādhikārakam |
tenāvatāritā cājñā lakṣapādādhike mate ||
als neuntes Mahākaula: [Dies ist] das Zeichen der Verwirklichung, mit eigener Vollmacht. Durch dieses wurde auch die Ājñā, die übertragene Weisung, in die Lehre von hunderttausend und einem zusätzlichen Viertel herabgebracht.
Kumārikākhaṇḍa 25.55
- tasmāt tat siddhakaulaṃ tu tadā kaulasya pratyayam |
avasthā unmanī bhāvaṃ etat kaulopadeśakam ||
Deshalb ist dies Siddhakaula und dann das Zeichen der Verwirklichung eines Kaula. Der Zustand ist Unmanī, das Sein jenseits des Denkens. Dies vermittelt die Kaula-Lehre.
Kumārikākhaṇḍa 25.56
- kulakaulaṃ samākhyātaṃ ādyāntaṃ tamanāhataṃ |
kulamekaṃ vijānīyāt vyomapañcakabheditam ||
Es wird Kulakaula genannt, am Anfang und am Ende mit dem ungeschlagenen Klang verbunden. Man soll das eine Kula erkennen, das in die fünf Räume gegliedert ist.
Kumārikākhaṇḍa 25: unnummerierter Halbvers (half_after_56)
- āsanaṃ bhedanaṃ teṣāṃ kulapañcāśikākramam |
Ihr Sitz und ihre Durchdringung: Das ist die Übertragungsfolge der Kulapañcāśikā.
Kumārikākhaṇḍa 25: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike ādyapīṭhāvatārite vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite kulapañcāśikādhikāravarṇane kramodayo nāmānandaḥ || 25 ||
So endet das fünfundzwanzigste Kapitel, die Wonne namens „Das Hervortreten der Übertragung“, in der Darstellung des Lehrgebiets der Kulapañcāśikā: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 26
Kumārikākhaṇḍa 26: Kapitelkopf (heading)
- ṣaḍviṃśānandaḥ
Sechsundzwanzigste Wonne
Kumārikākhaṇḍa 26: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrinātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 26.1
- kiṃ kulaṃ kiṃ kramācāraṃ kā pūjā kramamaṇḍale |
kathayasva maheśāni prasādād vada me prabho ||
Was ist Kula, was die Praxis der Übertragungsfolge? Wie geschieht die Verehrung im Kramamaṇḍala? Erkläre es, große Göttin; sprich aus Gnade zu mir, o Herr.
Kumārikākhaṇḍa 26: Sprecherzeile (speaker_before_2)
- śrīvakrā uvāca
Śrīvakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 26.2
- kramādyaṃ mūlasūtraṃ tu vṛttādhyuṣṭapramāṇataḥ |
tasyārabhya kramāt sṛṣṭiḥ ityāha khecarasamam ||
Das anfängliche Wurzel-Sūtra der Übertragungsfolge hat den Umfang von dreieinhalb Strophen. Von ihm ausgehend entfaltet sich die Schöpfung in ihrer Ordnung. So wird es als dem Himmelswanderer gleich bezeichnet.
Kumārikākhaṇḍa 26.3
- yā sā śaktirbhagākhyā trividhagatiyutā tryakṣarā triprakārā tasyāṃ śrī–oḍḍiyāṇaṃ parakalasahitaṃ madhyasaṃsthaṃ sudīptam |
tacchrījālandharākhyaṃ prakaṭitanilayaṃ dakṣiṇe caiva koṇe vāme śrīpūrṇapīṭhaṃ paśujanabhayakṛt kāmarūpaṃ tadagre ||
Jene Kraft heißt Bhaga, Yoni; sie besitzt drei Bewegungsweisen, drei Laute und drei Erscheinungsformen. In ihrer Mitte liegt strahlend das ehrwürdige Oḍḍiyāṇa, verbunden mit der höchsten Kraft. Im rechten Winkel liegt das ehrwürdige Jālandhara, dessen Wohnstatt offenbar geworden ist. Links liegt der ehrwürdige heilige Sitz Pūrṇa, der den gebundenen Menschen Furcht einflößt. Vor ihr liegt Kāmarūpa.
Kumārikākhaṇḍa 26.4
- tasyordhve tisrapīṭhaṃ paramakalayutaṃ candrapīṭhaṃ lalāṭe trikoṇānte samastaṃ paramaśivakalākṣobhitaṃ divyamogham |
tanmadhye vakraliṅgaṃ paramasukhakaraṃ bindurūpaṃ tribhinnaṃ nityānandasvarūpaṃ taduparimathanāt ṣaṭprakārādhikāram ||
Darüber liegt der Sitz Tisra, verbunden mit der höchsten Kraft; an der Stirn liegt der Mondsitz. Im Dreieck befindet sich der gesamte göttliche Strom, durch die höchste Kraft Śivas erregt. In seiner Mitte steht das gekrümmte Liṅga: Es schenkt höchstes Glück, hat die Gestalt des Bindu und ist dreifach gegliedert. Sein Wesen ist ewige Wonne. Durch das Quirlen über ihm entsteht eine sechsfache Vollmacht.
Kumārikākhaṇḍa 26.5
- pūrvāmnāyakramaughaṃ tadupari aparaṃ vṛddhakaumārabālam evaṃ vyāptaṃ samastaṃ sthitilayajananī rudraśaktistribhedaiḥ |
ciñcājñā kādibhedairakulakulamayānandadā bodharūpā gurvājñā ṣaṭprakārā paśubhayaharaṇī candrabimbasya madhye ||
Über dem Übertragungsstrom der früheren Tradition liegt ein weiterer: die Alte, die Jugendliche und das Kind. So ist alles von Rudras Kraft in ihren drei Unterteilungen durchdrungen; sie ist die Mutter von Erhaltung und Auflösung. Als Ciñcās Ājñā schenkt sie durch die Kādi-Unterteilungen die aus Akula und Kula bestehende Wonne; ihr Wesen ist Erwachen. Sie ist die sechsfache Ājñā des Lehrers, die inmitten der Mondscheibe die Furcht der Gebundenen nimmt.
Kumārikākhaṇḍa 26.6
- nityaklinnā suraktābhayamuditaparānandaśaktiḥ prasiddhā kurvantī śāmbhavaughaṃ kṣubhitavaratanuḥ śrīkujā divyaliṅgam |
mayāvatāritaṃ tubhyamādyasūtramadhomukham yā sā śaktiḥ parākhyātā sā ca devī bhagākṛtiḥ ||
Sie ist bekannt als Nityaklinnā, die Immerfeuchte: tiefrot, die Kraft höchster Wonne, erfreut durch Furchtlosigkeit. Sie bringt den Śāmbhava-Strom hervor; ihr herrlicher Leib ist erregt. Sie ist die ehrwürdige Kujā, das göttliche Liṅga. — Ich habe für dich das anfängliche, nach unten gewandte Sūtra herabgebracht. Jene Kraft, die Parā, die Höchste, genannt wird, ist die Göttin in der Gestalt der Yoni.
Kumārikākhaṇḍa 26.7
- tasyānte sā parā devī pīṭhānāṃ pīṭhadevatā |
yā sā śaktirbhagākhyātā gatistasyāstridhā punaḥ ||
In ihr ist jene höchste Göttin, die Gottheit der heiligen Sitze. Die Bewegung jener Kraft, die Bhaga genannt wird, ist wiederum dreifach.
Kumārikākhaṇḍa 26.8
- ādikādithakārādibrahmaviṣṇumaheśvarāḥ |
jyeṣṭhā vāmā ca raudrī ca dvādaśaślokabheditāḥ ||
Die mit A, Ka und Tha beginnenden [Lautreihen sind] Brahmā, Viṣṇu und Maheśvara, sowie Jyeṣṭhā, Vāmā und Raudrī, gegliedert durch die zwölf Ślokas.
Kumārikākhaṇḍa 26.9
- parā sā rudraśaktistu tribhiḥ sthānairvyavasthitā |
lalāṭe hṛdaye yonau kṣarate triṣu kāriṣu ||
Sie, die höchste Kraft Rudras, ist an drei Orten gegründet: an der Stirn, im Herzen und in der Yoni. In diesen drei wirkenden [Bereichen] ergießt sie sich.
Kumārikākhaṇḍa 26.10
- śukraṃ ca śoṇitaṃ kṛcchraṃ nāḍītritayasandhiṣu |
iḍā ca piṅgalā caiva suṣumnā madhyamā trayaḥ ||
Samen, Blut und Kṛcchra — wörtlich „Mühsal“, hier unklar — [fließen] an den Verbindungsstellen der drei Kanäle: Iḍā, Piṅgalā und Suṣumnā, der mittleren; dies sind die drei.
Kumārikākhaṇḍa 26.11
- evamānandayogena triśaktiḥ svādhikārikā |
tasyāyātaṃ kramaṃ deva bālakaumāravṛddhakam ||
So übt die dreifache Kraft durch den Yoga der Wonne ihre eigene Vollmacht aus. Von ihr geht die Folge von Kind, Jugendlicher und Alter aus, o Gott.
Kumārikākhaṇḍa 26.12
- pīṭhapañcakasaṃyuktaṃ kramamekaṃ trayoliṣu |
ānandānandabinduśca akṣaraṃ paramā kalā ||
Eine einzige Übertragungsfolge ist mit den fünf heiligen Sitzen in den drei Linien verbunden. Wonne, Wonne-Bindu, der Laut, die Höchste und die Kraft:
Kumārikākhaṇḍa 26.13
- pīṭhānyete kramāt pañca antaraṅge pratiṣṭhitāḥ |
bahiraṅge ca te kūṭā ojāpūkā ca tisrakam ||
Diese fünf Sitze sind der Reihe nach im Inneren gegründet. Im Äußeren sind sie die Kūṭa-Laute O, Jā, Pū und Kā sowie Tisraka.
Kumārikākhaṇḍa 26.14
- samastaṃ ca kulaṃ kaulaṃ śivaśaktikalāvṛtam |
ānandāvṛtavṛndastu ānande tu pravartate ||
Das gesamte Kula und Kaula ist von der Kraft Śivas und Śaktis umgeben. Die von Wonne umhüllte Schar wirkt in der Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 26.15
- udbhavānandacittasya samatvaṃ ca pravartate |
tanmadhye sūkṣmaliṅgaṃ tu divyaliṅgamadhomukham ||
Das Denken, dessen Wonne hervorströmt, gelangt ins Gleichgewicht. In seiner Mitte liegt das feine Liṅga, das göttliche, nach unten gewandte Liṅga.
Kumārikākhaṇḍa 26.16
- paramākāśamadhyasthaṃ candramaṇḍalamadhyataḥ |
tadā tat suṣiraṃ yāti lakṣitenāntarātmanā ||
Es befindet sich in der Mitte des höchsten Raumes, im Zentrum des Mondkreises. Dann gelangt es, vom inneren Selbst wahrgenommen, in die Höhlung.
Kumārikākhaṇḍa 26.17
- paśyate tu samādhistho bindurūpaṃ nabhastalam |
cidānandasamutpattiḥ āveśaḥ saṃpravartate ||
Wer im Samādhi ruht, schaut den Himmelsraum in Gestalt des Bindu. Die Wonne des Bewusstseins entsteht; das Ergriffensein setzt ein.
Kumārikākhaṇḍa 26.18
- tadrūpaṃ ca svarūpaṃ ca ityāśrāvaṇapratyayam |
mathite cittacaitanye mathitaṃ karmasaṃśrayam ||
„Jene Gestalt ist die eigene Gestalt“: Das ist die Erfahrung der Verkündigung. Wenn das denkende Bewusstsein gequirlt wird, wird auch der Grund gequirlt, auf dem das Karma beruht.
Kumārikākhaṇḍa 26.19
- mathanādapi cakrasya yogāveśaṃ muhurmuhuḥ |
āraktaṃ tatkule cakraṃ tatrasthaṃ bindumaṇḍalam ||
Auch durch das Quirlen des Chakras tritt immer wieder das Ergriffensein durch Yoga ein. Das Chakra in jenem Kula ist tiefrot; dort befindet sich der Bindu-Kreis.
Kumārikākhaṇḍa 26.20
- bheditaṃ drāvitaṃ yasmāt mathitaṃ smaraṇena tu |
ṣaṭprakārairvibhinnaṃ tu bhedaiścaivāṣṭaviṃśatiḥ ||
Durch Vergegenwärtigung gequirlt, wird er aufgebrochen und zum Schmelzen gebracht. Er gliedert sich in sechs Arten mit achtundzwanzig Unterteilungen.
Kumārikākhaṇḍa 26.21
- catuṣkaṃ pañcakaṃ ṣaṭkaṃ catuṣkaṃ pañcakaṃ catuḥ |
ṣaṭprakārakramaṃ hyetat yo vetti sa ca kaulikaḥ ||
Eine Vierergruppe, eine Fünfergruppe, eine Sechsergruppe, eine Vierergruppe, eine Fünfergruppe und vier: Das ist die Folge der sechs Arten. Wer sie kennt, ist ein Kaulika.
Kumārikākhaṇḍa 26.22
- ādau pīṭhacatuṣkaṃ tu catvāraḥ pīṭhadevatāḥ |
siddhapañcakamanyaṃ tu jñānaṣaṭkasamanvitam ||
Am Anfang stehen die vier heiligen Sitze und die vier Gottheiten dieser Sitze. Weiter folgt die Gruppe der fünf Siddhas, versehen mit dem sechsfachen Wissen;
Kumārikākhaṇḍa 26.23
- mahantārīpañcakaṃ ca olitrayakulakramam |
aṣṭāviṃśatibhirbhedaiḥ prakārāṇi ṣaḍiḥ smṛtāḥ ||
ferner die Fünfergruppe der Mahantārī sowie die drei Überlieferungslinien und der Kulakrama. Die sechs Arten werden als achtundzwanzig Unterteilungen überliefert.
Kumārikākhaṇḍa 26.24
- etairbhinnaṃ kulātmānaṃ tadā ānandasantatiḥ |
kalisyānte ca kāmākhye samīpasthaṃ ca pañcakam ||
Wenn das Wesen des Kula durch diese gegliedert wird, [entsteht] die Überlieferung der Wonne. Am Ende des Kali-Zeitalters ist in Kāmākhya die Fünfergruppe nahe.
Kumārikākhaṇḍa 26.25
- avasthā ca kule kaule tisrākhye jāyate hi ca |
sa cāṣṭāviṃśamo bhedo bhaviṣye ca bhaviṣyati ||
Und im Tisra genannten [Sitz] entsteht der Zustand in Kula und Kaula. Dies ist die achtundzwanzigste Unterteilung, die künftig sein wird.
Kumārikākhaṇḍa 26.26
- evaṃ te pañcabhiḥ pīṭhāḥ pūrvasūtre visarpitāḥ |
tathā ca devatādīni sṛṣṭinyāye ataḥ śṛṇu ||
So haben sich deine fünf heiligen Sitze im vorherigen Sūtra entfaltet. Höre nun ebenso von den Gottheiten und dem Übrigen nach der Ordnung der Schöpfung.
Kumārikākhaṇḍa 26.27
- gajajihvā agnijihvā taḍijjihvā tṛtīyakā |
śukrajihvā ca amarā rasajihvā ca pañcamī ||
Gajajihvā, die Elefantenzüngige; Agnijihvā, die Feuerzüngige; als dritte Taḍijjihvā, die Blitzzüngige; Śukrajihvā, die Samenzüngige; und als fünfte die unsterbliche Rasajihvā, die Saftzüngige.
Kumārikākhaṇḍa 26.28
- teṣāṃ siddhīḥ kramāt pañca idānīṃ pravadāmyaham |
candrārkānalabimbasthaṃ bindau ca gaṇapañcakam ||
Jetzt werde ich ihre fünf Vollendungen der Reihe nach nennen. Die Fünfergruppe befindet sich in Mond, Sonne, Feuer, Abbild und Bindu.
Kumārikākhaṇḍa 26.29
- āveśaṃ ghūrṇirānandaḥ ūṣmā kroṣaṇaśoṣaṇam |
etad vai jñānaṣaṭkaṃ tu prakṛtisthaṃ prameyataḥ ||
Ergriffensein, taumelnde Bewegung, Wonne, Hitze, Aufschreien und Austrocknen: Dies ist das sechsfache Wissen, in der Natur gegründet, im Bereich dessen, was erkannt wird.
Kumārikākhaṇḍa 26.30
- māyā ca śāmbhavī śaktiḥ icchā jñānī kriyā tathā |
etaccatuṣkamākhyātaṃ pañcakaṃ mahantārikā ||
Māyā, die Śāmbhavī-Kraft, sowie Wille, Wissen und Tätigkeit: Dies wird die Vierergruppe genannt. Die Fünfergruppe der Mahantārikā [ist folgende]:
Kumārikākhaṇḍa 26.31
- śabdā sparśā rasā devī rūpavyāpī ca gandhinī |
ete vai tvadahaṃkāryāḥ pañcakaṃ parikīrtitam ||
Śabdā, Klang; Sparśā, Berührung; Rasā, Geschmack, o Göttin; Rūpavyāpī, die Gestalt Durchdringende; und Gandhinī, Duft. Diese aus deinem Ich hervorgehenden [Kräfte] werden als die Fünfergruppe bezeichnet.
Kumārikākhaṇḍa 26.32
- vimalāntaramātmānaṃ evaṃ olitrikaṃ smṛtam |
evaṃ te kramabhedāni kathitānyaṣṭaviṃśatiḥ ||
Das reine innere Selbst wird so als die Dreiheit der Überlieferungslinien bezeichnet. Damit sind deine achtundzwanzig Unterteilungen der Übertragungsfolge erklärt.
Kumārikākhaṇḍa 26.33
- etairbhinnaṃ mahāliṅgaṃ divyamaṇḍalasaṃjñakam |
teṣāṃ vidyānvayaṃ yacca parā sā paramā kalā ||
Durch sie ist das große Liṅga gegliedert, das „göttliches Maṇḍala“ heißt. Ihre Vidyā-Überlieferung ist Parā, die höchste Kraft.
Kumārikākhaṇḍa 26.34
- nityoditā susūkṣmā ca nāsāgre saṃvyavasthitā |
ūrṇatantunibhākārā gokṣīrahimaśītalā ||
Stets hervorgetreten und äußerst fein, ist sie an der Nasenspitze gegründet. Ihre Gestalt gleicht einem Spinnenfaden; sie ist kühl wie Kuhmilch und Schnee.
Kumārikākhaṇḍa 26.35
- tayāsau jīvate jīvo divyaliṅgaṃ maheśvara |
tasya siddhānvayaṃ sarvaṃ bhedāścaivāṣṭaviṃśatiḥ ||
Durch sie lebt dieses Lebewesen, das göttliche Liṅga, großer Herr. Ihm gehören die gesamte Siddha-Überlieferung und die achtundzwanzig Unterteilungen an.
Kumārikākhaṇḍa 26.36
- tayā prāśitamātrā yā antarbhāvaḥ pravartate |
trināḍisaṃgamaṃ sthūlaṃ ekatra yatra tiṣṭhati ||
Durch sie, sobald sie aufgenommen worden ist, entsteht das innere Erleben [Satzbau unsicher]. Dort bleibt die grobe Vereinigung der drei Kanäle an einem Ort zusammen.
Kumārikākhaṇḍa 26.37
- tena taṃ tripuraṃ pīṭhaṃ tribhiḥ srotapravāhakam |
tisrākhyaṃ ca lalāṭasthaṃ brahmagranthiradhomukhī ||
Daher ist dies der heilige Sitz Tripura, der drei Ströme weiterführt. Der Tisra genannte [Sitz] befindet sich an der Stirn: der nach unten gewandte Brahmā-Knoten.
Kumārikākhaṇḍa 26.38
- lalāṭasuṣiraṃ cakraṃ pratyayaṃ jñānaraśmayaḥ |
evaṃ vyāptaṃ kramaṃ meroryoginī ca adhomukhī ||
Das Chakra in der Stirnhöhlung ist das Zeichen der Verwirklichung, die Strahlen des Wissens. So ist die Übertragungsfolge Merus durchdrungen, und die Yoginī ist nach unten gewandt.
Kumārikākhaṇḍa 26.39
- sā śaktiḥ paramā tatra sthitā viśrāmakāriṇī |
dakṣiṇottarayoḥ pārśve jananī calate pure ||
Dort ruht sie als höchste Kraft, die Ruhe schenkt. Die Mutter bewegt sich in der Stadt auf der südlichen und nördlichen Seite.
Kumārikākhaṇḍa 26.40
- bhagamadhyamaśṛṅgasya tasyāgre tu layaṃ punaḥ |
evaṃ sā rudraśaktistu tribhirbhedaiḥ pratiṣṭhitā ||
Vor der mittleren Spitze der Yoni geschieht wiederum die Auflösung [Satzbezug unsicher]. So ist sie, Rudras Kraft, in drei Unterteilungen gegründet.
Kumārikākhaṇḍa 26.41
- ādisthāne sthitā tatra devadevī kulecchayā |
dadate jñānasadbhāvaṃ kuṭilāṅgī svatantrataḥ ||
Dort am Ursprungsort steht die Göttin der Götter, durch den Willen des Kula. Mit ihrem gekrümmten Leib schenkt sie aus eigener Freiheit das wahre Wesen des Wissens.
Kumārikākhaṇḍa 26.42
- tadānandaḥ pravarteta mokṣamārgamahotsavaḥ |
ājñāṃ gurumukhād labdhvā rudraśaktiḥ pravartate ||
Dann entsteht Wonne, das große Fest des Befreiungsweges. Sobald die Ājñā aus dem Mund des Lehrers empfangen ist, beginnt Rudras Kraft zu wirken.
Kumārikākhaṇḍa 26.43
- vaktrād vaktragatā ājñā bandhubhūtā kulakrame |
vācāsiddhiḥ kule kaule bhavanāt saṃpravartate ||
Von Mund zu Mund gelangt, wird die Ājñā zur Verwandten im Kulakrama. Aus dem Dasein in Kula und Kaula erwächst die Vollendung der Rede [Deutung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 26.44
- karmaṇā manasā vācā triśuddhirbhaktivatsale |
tasyājñā vartate śiṣye bhāvahīno na siddhyati ||
Dreifache Reinheit in Handeln, Denken und Sprechen, o du, der die Hingabe lieb ist: Seine Ājñā lebt im Schüler. Wer ohne innere Hingabe ist, gelangt nicht zur Vollendung.
Kumārikākhaṇḍa 26.45
- paśupāśabhayaṃ śiṣye anyathā ca bhaved dhruvam |
rudraśaktirmahādevī amoghā ca jagatsutā ||
Andernfalls entsteht im Schüler gewiss die Furcht vor den Fesseln des gebundenen Wesens. Rudras Kraft ist die große Göttin, die Unfehlbare, die Tochter der Welt.
Kumārikākhaṇḍa 26.46
- divyājñāyāḥ svarūpā sā siddharūpā tvanekadhā |
nityaklinnāprabhāvena atiraktasvarūpataḥ ||
Sie ist das Wesen der göttlichen Ājñā; auf vielerlei Weise ist ihre Gestalt vollendet. Durch die Macht Nityaklinnās, deren Wesen tiefrot [auch: voller Leidenschaft] ist,
Kumārikākhaṇḍa 26.47
- udayaṃ labhate śiṣyaḥ paramānandalakṣaṇam |
pratirūpā ca yā śaktiḥ prasiddhā cchāyajā parā ||
erlangt der Schüler einen Aufgang, der von höchster Wonne gekennzeichnet ist. Die entsprechende Kraft ist als die höchste, aus dem Schatten geborene bekannt.
Kumārikākhaṇḍa 26.48
- kurvantī nitya karmāṇi manecchayā yathā sudhīḥ |
mocayecchakticakrastho divyaliṅgatanurdharaḥ ||
Sie vollzieht stets die Handlungen nach dem Verlangen des Denkens. Der Verständige, der im Kreis der Kräfte steht und das göttliche Liṅga als Leib trägt, soll Befreiung bewirken [Satzbezug unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 26.49
- candrādityajale cchāyā agnisomārkadarpaṇe |
tathā sā tārakānte ca parā devī susūkṣmagā ||
Sie ist der Schatten im Wasser von Mond und Sonne, im Spiegel von Feuer, Mond und Sonne. Ebenso ist die höchste Göttin im Inneren des Sterns; sie bewegt sich im Allerfeinsten.
Kumārikākhaṇḍa 26.50
- paśurdhārāṃ yathā paśyet kuṭilāṃ ca adhomukhīm |
sā ca devī hyahaṃ mūrtiḥ kubjikā kulakaulinī ||
Wie der Gebundene den Strom schauen mag, gekrümmt und nach unten gewandt [Deutung unsicher], so bin ich jene Göttin: die Gestalt Kubjikā, die Kaulinī des Kula.
Kumārikākhaṇḍa 26.51
- tasyāḥ sūtrakramaṃ coktaṃ krama–oghaṃ vinirgatam |
prajñārthaṃ saṃgataṃ paśyenmūlasūtropadeśakam ||
Ihre Sūtra-Übertragungsfolge ist erklärt, der hervorgegangene Strom der Überlieferung. Um Einsicht zu gewinnen, soll man den Zusammenhang schauen, der das Wurzel-Sūtra lehrt.
Kumārikākhaṇḍa 26.52
- ityāgamaviśuddhasya prajñāsūtramayaṃ hara |
malasyaivopaghātārthaṃ nirṇītāmiha saṃhitām ||
Dies ist, Hara, das Einsichts-Sūtra für den durch die Offenbarung Geläuterten. Hier ist die Textsammlung erklärt worden, damit die Unreinheit beseitigt wird.
Kumārikākhaṇḍa 26.53
- anena sūcitaṃ sūtraṃ mūlasūtraṃ tu mūlataḥ |
prajñāsūtravinirmukto yo'nyathā avadhārayet ||
Weil durch dieses [der Sinn] angezeigt wird, heißt es Sūtra; und von seiner Wurzel her heißt es Wurzel-Sūtra. Wer, ohne das Einsichts-Sūtra, es anders versteht,
Kumārikākhaṇḍa 26.54
- na tasya sūtraṃ na mūlaṃ tu na jñānaṃ jñeyarūpataḥ |
na kulaṃ ca kramaṃ naiva nācāryaṃ naiva putrakam ||
hat weder Sūtra noch Wurzel, noch Wissen in der Gestalt des zu Wissenden; weder Kula noch Übertragungsfolge, weder Lehrer noch eingeweihten Schüler.
Kumārikākhaṇḍa 26.55
- tasmāt sarvaprayatnena mūlasūtraṃ samāśrayet |
śrīnātha uvāca
kramaughaṃ mūlasūtraṃ tu prajñāsūtreṇa bodhitam ||
Deshalb soll man sich mit aller Sorgfalt auf das Wurzel-Sūtra stützen. — Der Strom der Übertragung, das Wurzel-Sūtra, ist durch das Einsichts-Sūtra verständlich geworden;
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 26.56
- tvanmukhācca mayā jñātaṃ siddho'haṃ nātra saṃśayaḥ |
divyānandaprakāśo'yaṃ utpannastvatprasādataḥ ||
aus deinem Mund habe ich es erkannt. Ich bin vollendet, daran besteht kein Zweifel. Dieses Leuchten göttlicher Wonne ist durch deine Gnade entstanden.
Kumārikākhaṇḍa 26.57
- aim̐ namo'stu te mahāmāye ajite tejarūpiṇi |
somamaṇḍalamadhyasthe nādarūpe khamāśrite ||
Aim̐. Verehrung sei dir, Mahāmāyā, große Māyā! Unbesiegte, du Gestalt des Lichtglanzes! Du wohnst in der Mitte des Mondkreises, bist Klang und ruhst im Raum.
Kumārikākhaṇḍa 26.58
- aiṃkāravigrahāvasthe divyaliṅge napuṃsake |
kalisyāṃ parame mātaḥ ante ambe kulāmbike ||
Du bist in der Gestalt des Lautes Aiṃ gegründet, göttliches Liṅga, weder männlich noch weiblich! Höchste Mutter am Ende des Kali-Zeitalters! Mutter, Mutter des Kula!
Kumārikākhaṇḍa 26.59
- ādipīṭhasamudbhūte pañcāśatpīṭhamāśrite |
vahnikapilasaṃkāśe sphurannāḍīprabodhake ||
Du bist aus dem ursprünglichen heiligen Sitz hervorgegangen und ruhst in den fünfzig heiligen Sitzen. Feuerfarben leuchtest du rötlichbraun; aufblitzend erweckst du den Kanal.
Kumārikākhaṇḍa 26.60
- visargānte samudbhūte vāgbhave parameśvari |
hakārārdhakalādhāre śūnyabhūte khagodite ||
Du gehst am Ende des Visarga hervor! Vāgbhava, höchste Göttin! Du trägst die halbe Kraft des Lautes Ha, bist Leere und gehst im Raum auf.
Kumārikākhaṇḍa 26.61
- bindusthe caiva candrasthe khecarīcakramāśrite |
devīnāṃ gurumānāmbe kubjike parameśvari ||
Du stehst im Bindu und im Mond und ruhst im Kreis der Khecarīs. Als Lehrerin geehrte Mutter der Göttinnen, Kubjikā, höchste Göttin!
Kumārikākhaṇḍa 26.62
- īśvarāntargate mātaḥ ātmānandavibhedite |
kūṭasthe devadeveśi yogapīṭhe vyavasthite ||
Du bist im Innern des Herrn, Mutter, und entfaltest dich als Wonne des Selbst. Du wohnst im Kūṭa-Laut, Herrin des Gottes der Götter, gegründet im heiligen Sitz des Yoga.
Kumārikākhaṇḍa 26.63
- durgamārgodite bhīme maṇḍalānte kalau yuge |
āvarte ca nirāvarte laye viśrāmakāriṇi ||
Du erscheinst auf dem schwer zugänglichen Weg, Furchtbare, im Innern des Maṇḍala im Kali-Zeitalter! Du bist Wirbel und Freiheit vom Wirbel und schenkst Ruhe in der Auflösung.
Kumārikākhaṇḍa 26.64
- maṅgalā tvaṃ mahādevi oṃkārapīṭhamāśrite |
devi jālandhare māye pūrṇapīṭhe adhomukhi ||
Du bist Maṅgalā, große Göttin, und ruhst im heiligen Sitz des Oṃ. Göttin, Māyā in Jālandhara, im heiligen Sitz Pūrṇa nach unten gewandt!
Kumārikākhaṇḍa 26.65
- tvaṃ ca kāmeśvarī klinne yoginī kāmarūpake |
māyā tvaṃ bhairavīśaktirnāyakī pīṭhapañcake ||
Du bist Kāmeśvarī, Herrin des Verlangens, Feuchte, die Yoginī in Kāmarūpa. Du bist Māyā, Bhairavīs Kraft, die Herrin in den fünf heiligen Sitzen.
Kumārikākhaṇḍa 26.66
- kālī tvaṃ caiva ujjainyāṃ ardhapīṭheśvareśvarī |
tvaṃ ca pīṭhopapīṭheṣu tvamādyā kramamaṇḍale ||
Du bist Kālī in Ujjain und die Herrin des Herrn des halben heiligen Sitzes. Du bist in den Haupt- und Nebensitzen, die Ursprüngliche im Kramamaṇḍala.
Kumārikākhaṇḍa 26.67
- pañcapraṇavamadhyasthe pūrṇānte kulamātare |
mātṛcakrasthite devi ṣaḍyoginiparāvṛte ||
Du bist inmitten der fünf Praṇavas, im Innern der Fülle, Mutter des Kula! Im Kreis der Mütter stehend, Göttin, bist du von sechs Yoginīs umgeben.
Kumārikākhaṇḍa 26.68
- tvaṃ ca sā ḍākinī māyā aprameyātitejasā |
kiṅkiṇī jvālaghoṣāṇāṃ vīṇāpaṭahadundubhī ||
Du bist jene Ḍākinī, Māyā, durch deinen übergroßen Glanz unermesslich. Im Tosen der Flammen bist du das Schellenklingen, Vīṇā, Trommel und Kesselpauke.
Kumārikākhaṇḍa 26.69
- tridhāmadhāmasaṃghaṭṭe tridhāgatisamāśrite |
triprakāragate śānte mātṛmantratanupriye ||
Du bist die Vereinigung der Stätte der drei Stätten und ruhst in dreifacher Bewegung. In drei Arten gehend, Friedvolle, Geliebte, deren Leib aus Müttern und Mantra besteht!
Kumārikākhaṇḍa 26.70
- aiṃkārāsanamārūḍhe bindurūpe tridhāgate |
hrīm̐kārajanani devi kṣām̐ kṣām̐ klīm̐kārabhedani ||
Du hast den Sitz des Lautes Aiṃ bestiegen, bist von Bindu-Gestalt und gehst dreifach. Mutter des Lautes Hrīm̐, Göttin, du durchdringst die Laute Kṣām̐, Kṣām̐ und Klīm̐!
Kumārikākhaṇḍa 26.71
- vyāpaki vyāptivarṇānāṃ yām̐rām̐lām̐vām̐nivāsini |
hemahemāvati devi haṃsini haṃsamadhyage ||
Du Durchdringende der durchdringenden Laute, die du in Yām̐, Rām̐, Lām̐ und Vām̐ wohnst! Goldene, Hemāvatī, Göttin, Haṃsinī, weiblicher Haṃsa, inmitten des Haṃsa!
Kumārikākhaṇḍa 26.72
- haṃsanādeśvari bhīme vakradehe adhomukhi |
subhage vimale śānte prameyajñānavallabhe ||
Herrin des Haṃsa-Klanges, Furchtbare, mit gekrümmtem Leib, nach unten gewandt! Glückselige, Reine, Friedvolle, Geliebte der Erkenntnis dessen, was zu erkennen ist!
Kumārikākhaṇḍa 26.73
- brahmarūpasvarūpe ca aim̐–hrīm̐–śrīm̐–samayāvṛte |
hrīm̐kāratriguṇāvarte hrīm̐ hrīm̐ mantratanu priye ||
Dein Wesen hat die Gestalt des Brahman. Du bist von Aim̐, Hrīm̐ und Śrīm̐, den [Lauten der] Verpflichtung, umgeben. Du kreist in den drei Eigenschaften des Lautes Hrīm̐. Hrīm̐, Hrīm̐: Geliebte, dein Leib ist Mantra!
Kumārikākhaṇḍa 26.74
- māyārūpadharīdevi gajajihve gajeśvari |
tvameva vidyujjihvā ca hrām̐ hrīm̐ hrūm̐ ca bhagodbhave ||
Göttin, du trägst die Gestalt der Māyā! Elefantenzüngige, Herrin der Elefanten! Du bist auch die Blitzzüngige. Hrām̐, Hrīm̐, Hrūm̐! Du aus der Yoni Entstandene!
Kumārikākhaṇḍa 26.75
- bhavodbhave bhavātīte turyasthe turyamūrdhani |
praśāntapadamārūḍhe ṣaṭtyāgāt saptameśvari ||
Du entstehst aus dem Werden und bist jenseits des Werdens. Du ruhst im vierten Zustand, am Scheitel des vierten Zustands. Du hast die Stätte tiefen Friedens bestiegen; nach dem Verlassen der sechs bist du die Herrin des siebten.
Kumārikākhaṇḍa 26.76
- sūkṣme caiva susūkṣme ca susthite ca surādhipe |
ānande ca nirānande amarīkramabhūṣite ||
Feine und Allerfeinste, fest Gegründete, Herrin der Götter! Wonne und Jenseits der Wonne, geschmückt mit der Übertragungsfolge Amarīs, der Unsterblichen!
Kumārikākhaṇḍa 26.77
- glūm̐kāre pārthive brāhmī slūm̐kāre tvaṃ ca vaiṣṇavī |
plūm̐kāre tvaṃ kule raudrī mlūm̐kāre tvaṃ ca īśvarī ||
Im irdischen Laut Glūm̐ bist du Brāhmī, im Laut Slūm̐ bist du Vaiṣṇavī. Im Laut Plūm̐ bist du Raudrī im Kula, und im Laut Mlūm̐ bist du Īśvarī.
Kumārikākhaṇḍa 26.78
- nlūm̐kāre nāyakī nandā nityānandapare ratā |
māyā tvaṃ sarvasiddhīnāṃ pīṭhānāṃ saṃsthitā ume ||
Im Laut Nlūm̐ bist du die Herrin Nandā, der höchsten ewigen Wonne hingegeben. Du bist Māyā, in den heiligen Sitzen aller Vollendungen gegründet, Umā.
Kumārikākhaṇḍa 26.79
- me māte parame māye me śive me sarasvati |
me mātā me ca me bhāryā me ca jīvāntarālaye ||
Meine Mutter, Höchste, Māyā! Meine Śivā, meine Sarasvatī! Meine Mutter und meine Gemahlin, du Wohnstatt im Innern meines Lebens!
Kumārikākhaṇḍa 26.80
- prabhurme divyaśaktistvaṃ ārakte tattvavāsase |
sarvāṅgasundari klinne jīvanāḍigate śubhe ||
Du bist mein Herr, meine göttliche Kraft. Tiefrote, die du in der Wirklichkeit wohnst! An allen Gliedern Schöne, Feuchte, die du im Kanal des Lebens gehst, Segensvolle!
Kumārikākhaṇḍa 26.81
- hrām̐hrīm̐hrūm̐kāramantraistu calase syandase jagat |
mantrāveśapade gauri śaktyante ca samāśrite ||
Mit den Mantras Hrām̐, Hrīm̐ und Hrūm̐ bewegst du die Welt und lässt sie fließen. Gaurī, du ruhst in der Stätte des Ergriffenseins durch Mantra und am Ende der Kraft.
Kumārikākhaṇḍa 26.82
- kulamātaṅginīcakre vidyādevīti kubjike |
pūrṇacandranibhākāre candrapūrṇabhagānane ||
Kubjikā, Göttin der Vidyā im Kreis der Kulamātaṅginī! Deine Gestalt gleicht dem Vollmond; dein Antlitz ist die Yoni des vollen Mondes.
Kumārikākhaṇḍa 26.83
- saptāviṃśapadairbhedaiḥ aṣṭāviṃśatpadodbhave |
cakranāyaki kaulīśe īśvarīkulamāśrite ||
Du gehst aus der achtundzwanzigfachen Stätte mit ihren siebenundzwanzig Unterteilungen hervor. Herrin des Chakras, Herrin der Kaulas, gegründet im Kula der Īśvarī!
Kumārikākhaṇḍa 26.84
- siddhapañcāśarūpeṇa kamale kamaleśvari |
aṭṭahāsasamudbhūte haṃsamaṇḍalabhūṣite ||
Im Lotus bist du in der Gestalt von fünfzig Siddhas, Herrin des Lotus. Du bist aus Aṭṭahāsa hervorgegangen und mit dem Haṃsa-Kreis geschmückt.
Kumārikākhaṇḍa 26.85
- somamaṇḍalamadhyasthe māyā tvaṃ sūryamaṇḍale |
tvamagnimaṇḍalāntasthe dīptajihve maheśvari ||
Du stehst inmitten des Mondkreises; im Sonnenkreis bist du Māyā. Du bist im Innern des Feuerkreises, mit leuchtender Zunge, große Herrin!
Kumārikākhaṇḍa 26.86
- vāyuvege manāntasthe parāparavisarpite |
śūnye śūnyāntarāvasthe māruti siddhasevite ||
Du bist die Schnelligkeit des Windes und wohnst im Denken. Du entfaltest dich als Höchstes und Niederes. Leere, inmitten der Leere gegründet, Windkraft, von den Siddhas verehrt!
Kumārikākhaṇḍa 26.87
- nirālambe gate devi ākāśe duratikrame |
jñānavijñānagambhīre jñeyarūpe ca kevale ||
Göttin, du bist in das Haltlose eingegangen, in den schwer zu überschreitenden Raum. Tief in Wissen und Erkenntnis, von der Gestalt des zu Erkennenden, die Eine!
Kumārikākhaṇḍa 26.88
- sthitilayakarīdevi janani tattvamaṇḍale |
tattvānāṃ kṣobhaṇī śaktiḥ ajñānatamabhedanī ||
Göttin, du bewirkst Erhaltung und Auflösung, Mutter im Kreis der Wirklichkeitsprinzipien! Du bist die Kraft, die diese Prinzipien in Bewegung versetzt und die Finsternis des Nichtwissens durchdringt.
Kumārikākhaṇḍa 26.89
- mātarī sarvadevānāṃ mama prāṇapriye ume |
viśveśvarī jagaddhātrī saṃpradāyapradāyinī ||
Mutter aller Götter, meinem Lebenshauch lieb, Umā! Herrin des Alls, Trägerin der Welt, die du die Überlieferung schenkst!
Kumārikākhaṇḍa 26.90
- namaste paranirvāṇe jagadyonimahāmbike |
smara tvaṃ samayaṃ pūrvaṃ snehena manavigraham ||
Verehrung dir, höchstes Nirvāṇa, große Mutter, Schoß der Welt! Gedenke mit Liebe der früheren Verpflichtung, [die] die Gestalt des Denkens [ist; Deutung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 26.91
- tuṣṭā bhava pare'smākaṃ mātā tvaṃ tridaśairapi |
iti māyāstavaṃ proktaṃ yogīvāṇīkramāgatam ||
Sei uns gnädig, Höchste; auch für die Götter bist du Mutter. So ist der Māyā-Lobpreis gesprochen, der durch die Überlieferung der Rede der Yogis zu uns gelangt ist.
Kumārikākhaṇḍa 26.92
- tasyāvatāraṃ kurute vakrikā pīṭhadevatā |
sukhamārogyasaṃpattimavasthāṃ labhate naraḥ ||
Vakrikā, die Gottheit des heiligen Sitzes, bringt ihn herab. Der Mensch erlangt Glück, Gesundheit, Gedeihen und den [spirituellen] Zustand.
Kumārikākhaṇḍa 26.93
- sarvapāpavinirmukto bhavate tatkṣaṇādapi |
na tasya punarāvṛttirmāyāstavamudīraṇāt ||
Schon in jenem Augenblick wird er von allen Verfehlungen frei. Durch das Sprechen des Māyā-Lobpreises gibt es für ihn keine Wiederkehr.
Kumārikākhaṇḍa 26.94
- ihaiva prāpnuyād bhogān lābhaṃ pūjāyaśaḥ śriyaḥ |
avasthā kramayuktasya pāramparyeṇa tasya ca ||
Schon hier erlangt er Genüsse, Gewinn, Verehrung, Ruhm und Wohlergehen. Der Zustand des mit der Übertragungsfolge Verbundenen [besteht] durch die ununterbrochene Weitergabe.
Kumārikākhaṇḍa 26: unnummerierter Halbvers (half_after_94)
- samayācārayuktasya tīvrājñā saṃpravartate |
Für den, der die Verpflichtungen und die überlieferte Lebensführung wahrt, wird die Ājñā von großer Intensität wirksam.
Kumārikākhaṇḍa 26: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike ādyapīṭhāvatārite vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite mūlasūtrādhikāravarṇane māyāstavādhikāro nāmānandaḥ || 26 ||
So endet das sechsundzwanzigste Kapitel, die Wonne namens „Das Lehrgebiet des Māyā-Lobpreises“, in der Darstellung des Lehrgebiets des Wurzel-Sūtra: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 27
Kumārikākhaṇḍa 27: Kapitelkopf (heading)
- saptaviṃśānandaḥ
Siebenundzwanzigste Wonne
Kumārikākhaṇḍa 27: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 27.1
- devi siddhe jagatsvāmi ādināthe kulodbhave |
brūhi jñānopadeśaṃ tu yat sāraṃ paścimānvaye ||
Göttin, Vollendete, Herrin der Welt, ursprüngliche Herrin, aus Kula Entstandene! Verkünde die Unterweisung im Wissen, die das Wesentliche der westlichen Überlieferung ist.
Kumārikākhaṇḍa 27.2
- prakaṭaṃ kuru kaulīśe pūjā–āgamamaṇḍalam |
śrīvakrā uvāca
sāraṃ śaivasya jagato bhuvanākṛtimaṇḍalam ||
Mache das Maṇḍala der Verehrung und Offenbarung deutlich, Herrin der Kaulas. — Das Wesentliche der śivaitischen Welt ist das Maṇḍala in der Gestalt der Welten.
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Śrīvakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 27.3
- bāhyasthaṃ ca svadehasthaṃ antaraṅgaṃ cidātmakam |
tadahaṃ saṃpravakṣyāmi gurumaṇḍalakaṃ yathā ||
Es befindet sich außen und im eigenen Körper; im Innersten besteht es aus Bewusstsein. Dieses werde ich erklären: wie sich das Maṇḍala der Lehrer verhält.
Kumārikākhaṇḍa 27.4
- yo'sau anādiravyaktaḥ śivaḥ paramakāraṇaḥ |
mantramūrtirabhūnnātha lokānugrahahetunā ||
Jener anfangslose, unoffenbare Śiva, die höchste Ursache, nahm, o Herr, eine Gestalt aus Mantra an, um der Welt Gnade zu erweisen.
Kumārikākhaṇḍa 27.5
- avatīrṇastu bhūloke anugrahakaraḥ paraḥ |
pūjyo'sau maṇḍale deva navātmānandabhairavaḥ ||
Er stieg in die Menschenwelt herab, der höchste Gnadenspender. Im Maṇḍala soll er verehrt werden, o Gott: Navātmānandabhairava, Bhairava der Wonne des Navātman.
Kumārikākhaṇḍa 27.6
- pañcamūrtidharo nāthaḥ ṣoḍaśāvayavānvitaḥ |
navadhāmūrtimāśritya avatīrṇaḥ kalau yuge ||
Der Herr trägt fünf Gestalten und besitzt sechzehn Glieder. Indem er eine neunfache Gestalt annahm, stieg er im Kali-Zeitalter herab.
Kumārikākhaṇḍa 27.7
- pañcāśadrudramūrtistho yathā pūjyastathā śṛṇu |
tasyoddhāraṃ mahādeva ślokaiḥ pañcabhiḥ sūcitam ||
Er ruht in der Gestalt der fünfzig Rudras. Höre, wie er zu verehren ist. Die Gewinnung [seines Mantras] wird, großer Gott, durch fünf Strophen angedeutet.
Kumārikākhaṇḍa 27.8
- akāre catvare madhye pañcamaṃ ca tathā punaḥ |
lakayakṣatanaṃ ramaḍakhaṃ ceti viparyayet ||
Im A, im Viereck, in der Mitte und dann wieder ein Fünftes [Zuordnung unsicher]: La-ka-ya-kṣa-ta-naṃ und Ra-ma-ḍa-khaṃ soll man umkehren.
Kumārikākhaṇḍa 27.9
- ḍa ḍha ṭha ṭa daparyantaṃ sṛṣṭyā merorvinirgatam |
maṇḍalaṃ taṃ smṛtaṃ deva dvitīyaṃ cādhikārayoḥ ||
Ḍa, Ḍha, Ṭha, Ṭa, bis Da: Durch die Schöpfungsfolge ist [dies] aus Meru hervorgegangen. Dieses Maṇḍala gilt, o Gott, als das zweite der beiden Vollmachten [Deutung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 27.10
- indra āpastathā tejo vāyurākāśameva ca |
jñāno'yaṃ kuṇḍalī koṭiḥ tṛtīyā varavarṇini ||
Indra [hier: Erde], Wasser, Feuer, Wind und Raum: Dies ist das Wissen, Kuṇḍalī, die dritte Spitze, du von herrlicher Farbe [Zuordnung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 27.11
- hṛdayaṃ samayaṃ caiva sarvajñaṃ ca kadambakam |
khagīśaṃ gurunāthaṃ ca ratnabījaṃ caturthakam ||
Herz, Verpflichtung, der Allwissende und Kadambaka; Khagīśa, der Lehrer-Herr, und der Juwelenkeim als viertes [die Gliederung ist unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 27.12
- kadambaṃ vimalaughaṃ ca samayaṃ bhairavāvalī |
pādukānte manuṃ smṛtvā pūjayed gurumaṇḍalam ||
Kadamba, der reine Strom, die Verpflichtung und die Bhairava-Reihe: Man vergegenwärtige das Mantra mit Pādukā am Ende und verehre das Maṇḍala der Lehrer.
Kumārikākhaṇḍa 27.13
- vidyāpīṭhāgrato deva gurumaṇḍalapūjanam |
pūrvakrame yathā coktaṃ pañcāsanasamanvitam ||
Die Verehrung des Lehrer-Maṇḍala geschieht, o Gott, vor dem Vidyāpīṭha, wie in der vorausgehenden Übertragung erklärt, verbunden mit fünf Sitzen.
Kumārikākhaṇḍa 27.14
- prasādatrayasaṃbhinnaṃ arcayet guru pañcadhā |
īśakoṇāt samārabhya yāvanmadhyaṃ tu pañcamam ||
Mit dreifachem Prasāda verbunden, soll man den Lehrer fünffach verehren: vom Īśa-Winkel im Nordosten beginnend bis zur Mitte als fünfter Stelle.
Kumārikākhaṇḍa 27.15
- maṇḍalaṃ cādhikāraṃ ca siddhāḥ samaya yoginī |
pañcadhā pañcabhirbhinnaṃ pañcadhākaulinīyutam ||
Maṇḍala, Vollmacht, Siddhas, Verpflichtung und Yoginī: Fünffach und in diese fünf gegliedert, ist [das Lehrer-Maṇḍala] mit der fünffachen Kaulinī verbunden.
Kumārikākhaṇḍa 27.16
- vāgbhavaṃ māyayā sārdhaṃ lakṣmīprasādabheditam |
navātmānandasaṃyuktaṃ pañcabhirgurumaṇḍalam ||
Vāgbhava zusammen mit Māyā, gegliedert durch Lakṣmī und Prasāda und verbunden mit Navātmānanda: Durch diese fünf [besteht] das Lehrer-Maṇḍala.
Kumārikākhaṇḍa 27.17
- pādukāntaṃ mahādeva pūjayet satataṃ varam |
antaraṅgagatāḥ pūjyāḥ maṇḍalāni tathātmani ||
Man soll dieses Vortreffliche mit Pādukā am Ende stets verehren, großer Gott. Ebenso sind die im Innern befindlichen Maṇḍalas im eigenen Selbst zu verehren.
Kumārikākhaṇḍa 27.18
- ādhāre prathamaṃ proktaṃ dvitīyaṃ yonimaṇḍale |
tṛtīyaṃ nābhicakre tu caturthaṃ ca anāhate ||
Das erste wird in der Grundlage angegeben, das zweite im Yoni-Maṇḍala, das dritte im Nabel-Chakra und das vierte im Anāhata.
Kumārikākhaṇḍa 27.19
- pañcamaṃ kaṇṭhadeśe tu ādināthaṃ tu mūrdhani |
śrīkaṇṭhādi piṅgalāntaṃ pañcadhā pañca kalpitam ||
Das fünfte ist in der Halsgegend, Ādinātha aber am Scheitel. Die fünf, beginnend mit Śrīkaṇṭha und endend mit Piṅgala, sind fünffach angeordnet.
Kumārikākhaṇḍa 27.20
- prabhāte caiva madhyāhne sandhyākāle tu sundara |
vidyāpīṭhāgrataḥ kuryāt guroragre tu pañcadhā ||
Am Morgen, zu Mittag und zur Abenddämmerung, Schöner, soll man [die Verehrung] fünffach vor dem Vidyāpīṭha und vor dem Lehrer vollziehen.
Kumārikākhaṇḍa 27.21
- ārādhanaṃ tu kartavyaṃ saṃpūrṇaṃ siddhidaṃ bhavet |
na riktaṃ maṇḍalaṃ kuryāt guroragre kadācana ||
Die Verehrung ist vollständig auszuführen; dann schenkt sie Vollendung. Niemals soll man das Maṇḍala vor dem Lehrer leer lassen.
Kumārikākhaṇḍa 27.22
- yathāvittānusāreṇa kṛtvā saṃpūrṇapūjanam |
ārātrī candanaṃ dīpaṃ vīradravyasamanvitam ||
Nachdem man die vollständige Verehrung nach Maßgabe der eigenen Mittel vollzogen hat, [bringe man] das Schwenken des Lichts, Sandelholz und eine Lampe, zusammen mit der Substanz der Helden [Wein].
Kumārikākhaṇḍa 27.23
- nivedanaṃ prakartavyaṃ sāṣṭāṅgaṃ ca namaskaret |
tridhā ca pañcadhā caiva sāṣṭāṅgaṃ daṇḍavat sudhīḥ ||
Die Gabe ist darzubringen, und man soll sich mit acht Gliedern niederwerfen. Der Verständige vollziehe diese Niederwerfung ausgestreckt wie ein Stab, dreifach und fünffach.
Kumārikākhaṇḍa 27.24
- pradakṣiṇaśataṃ kṛtvā pūjayed gurupādukām |
etadācārasamayaṃ pālayet satataṃ budhaḥ ||
Nach hundert Umkreisungen soll man die Sandalen des Lehrers verehren. Der Einsichtige soll diese Verpflichtung der überlieferten Lebensführung stets wahren.
Kumārikākhaṇḍa 27.25
- pālanād bhavate siddhiḥ anyathā narakaṃ vrajet |
oliparveṣu sarveṣu nityanaimittikeṣu ca ||
Durch ihre Einhaltung entsteht Vollendung; andernfalls gelangt man in die Hölle. An allen Festtagen der Überlieferungslinien sowie bei den täglichen und anlassbezogenen Riten
Kumārikākhaṇḍa 27.26
- maṇḍalakramapūjāyāṃ sarvaṃ saṃpūrṇatāṃ vrajet |
ataḥ paraṃ pravakṣyāmi śṛṇu bhairava tattvataḥ ||
soll durch die Verehrung der Maṇḍala-Übertragungsfolge alles zur Vollständigkeit gelangen. Nun werde ich Weiteres erklären; höre es seinem wahren Wesen nach, Bhairava.
Kumārikākhaṇḍa 27.27
- śrīkramaṃ tu tataḥ pūjyaṃ yathoktaṃ śrīkulāgame |
tasyāvatāraṃ saṃkṣepāt paryaṅke satataṃ kuru ||
Dann ist der Śrīkrama zu verehren, wie im Śrīkulāgama erklärt. Vollziehe stets, in der hier kurz angegebenen Weise, seine Herabkunft auf den Sockel.
Kumārikākhaṇḍa 27.28
- mṛgājine tu saṃkalpya āsane vāgbhavaṃ śubham |
śrīkhaṇḍacandanaṃ śuddhaṃ kaṃkumaṃ cālimiśritam ||
Auf einem Sitz aus Hirschhaut vergegenwärtige man das heilvolle Vāgbhava: [dazu] reines Śrīkhaṇḍa-Sandelholz und mit Wein vermischten Kumkuma-Farbstoff.
Kumārikākhaṇḍa 27.29
- abhimantrya ca vidyāyāḥ kramaṃ likhya tridhāvidham |
ādyakramasya vṛddhasya yogapīṭhaṃ tridhoditam ||
Nach der Besprechung mit Mantra zeichne man die dreifache Übertragungsfolge der Vidyā. Der Yogapīṭha der ursprünglichen Übertragung, derjenigen der Alten, ist dreifach hervorgetreten.
Kumārikākhaṇḍa 27.30
- tadbāhye likhya ṣaṭkoṇaṃ aiṃkāreṇa tu veṣṭayet |
aṣṭāraṃ padmakaṃ bāhye mekhalātritayāvṛtam ||
Außen zeichne man ein Sechseck und umgebe [es] mit dem Laut Aiṃ. Weiter außen liegt ein achtstrahliger Lotus, von drei Umfassungen umgeben.
Kumārikākhaṇḍa 27.31
- catuṣkoṇaṃ tu tadbāhye saṃlikhyaṃ ca susūtritam |
ṣaṭkoṇacakrasaṃyuktaṃ kaumārasya kramaṃ likhet ||
Außerhalb davon zeichne man ein Viereck mit wohlgezogenen Linien. Die Übertragungsfolge der Jugendlichen zeichne man verbunden mit dem sechseckigen Chakra;
Kumārikākhaṇḍa 27.32
- aṣṭārapadmasaṃyuktaṃ kramaṃ bālakramasya ca |
evaṃ te kramabhedo'yaṃ maṇḍalasya prakāśitam ||
und die Übertragungsfolge des Kindes verbunden mit dem achtstrahligen Lotus. So ist dir diese Unterteilung der Übertragungen des Maṇḍala dargelegt.
Kumārikākhaṇḍa 27.33
- nyāsabhedaṃ yathā deva vṛddhakaumārabālake |
prathamaḥ śabdarāśistu dvitīyā mālinī tathā ||
Nun zu den verschiedenen Nyāsas bei der Alten, der Jugendlichen und dem Kind, o Gott. Als erstes kommt die Lautgesamtheit, als zweites Mālinī;
Kumārikākhaṇḍa 27.34
- vidyātritayamevaṃ tu tadaṅgāni caturthakam |
aghoryaṣṭakamevaṃ tu tathā siddhāṅgapañcakam ||
dann die drei Vidyās, als viertes ihre Glieder; ferner die Achtzahl der Aghorī und die Fünfzahl der Siddha-Glieder.
Kumārikākhaṇḍa 27.35
- ṣoḍhānyāsamidaṃ kṛtvā paścād yajanamārabhet |
vṛddhakramasya jyeṣṭhasya nyāsāvaraṇamuttamam ||
Nach diesem sechsfachen Nyāsa soll man mit der Verehrung beginnen. Dies ist die vorzügliche Nyāsa-Umhüllung der Übertragung der Alten, der Ältesten.
Kumārikākhaṇḍa 27.36
- atha madhyamasiddhasya kaumārasya yathākramam |
prathamaṃ tadgrahaṃ kṣetraṃ dvitīyaṃ bījapañcakam ||
Nun der Reihe nach [der Nyāsa] des mittleren Siddha, der Jugendlichen: zuerst das Feld des Tadgraha, als zweites die fünf Keime;
Kumārikākhaṇḍa 27.37
- dvādaśāṅgaṃ tṛtīyaṃ ca siddhāṅgaṃ ca caturthakam |
pañcamaṃ tu ṣaḍaṅgaṃ syāt pīṭhanyāsaṃ tu ṣaṣṭhakam ||
als drittes die zwölf Glieder, als viertes das Siddha-Glied; als fünftes die sechs Glieder und als sechstes der Nyāsa der heiligen Sitze.
Kumārikākhaṇḍa 27.38
- khecaraṃ saptamaṃ nāma kṛtvā yajanamārabhet |
atha tṛtīyakaṃ vakṣye kramasyāvaraṇaṃ punaḥ ||
Nachdem man das siebte, Khecara, ausgeführt hat, beginne man mit der Verehrung. Nun erkläre ich wiederum die dritte Umhüllung der Übertragungsfolge.
Kumārikākhaṇḍa 27.39
- prathamā samayā vidyā siddhāṅgaṃ ca dvitīyakam |
tṛtīyaṃ tu ṣaḍaṅgaṃ syāt ślokāni tu caturthakam ||
Als erstes kommt die Samayā-Vidyā, als zweites das Siddha-Glied, als drittes die sechs Glieder und als viertes die Ślokas;
Kumārikākhaṇḍa 27.40
- pañcamaṃ cādhikāraṃ syāt ṣaṣṭhaṃ kṣetraparigraham |
saptamaṃ ratnavinyāsaṃ vidyānyāsaṃ tathāṣṭamam ||
als fünftes die Vollmacht, als sechstes die Umschließung des Feldes, als siebtes der Nyāsa der Juwelen und als achtes der Nyāsa der Vidyā.
Kumārikākhaṇḍa 27.41
- evaṃ nyāsakramaṃ nyasya paścād bālakramaṃ yajet |
kramāṇāṃ maṇḍalaṃ jñātvā ekacakre tu paścime ||
Nachdem man diese Nyāsa-Folge aufgelegt hat, verehre man die Übertragung des Kindes. Hat man das Maṇḍala der Übertragungen im einen Chakra der westlichen [Tradition] erkannt,
Kumārikākhaṇḍa 27.42
- siddhāṅgaṃ ca ṣaḍaṅgaṃ ca dvāvetau tu viśodhayet |
viśvāmitrakapālaṃ tu susiddhaṃ yogināṃ śubham ||
so reinige man diese beiden: das Siddha-Glied und die sechs Glieder. Für Yogis ist ein Viśvāmitra-Schädel, eine Kokosnussschale, heilvoll und gut geeignet;
Kumārikākhaṇḍa 27.43
- pīṭhāgre dravyasaṃpūrṇaṃ vratīnāṃ nṛkapālakam |
koṅkaṇāstreṇa saṃśodhya kavacenāvaguṇṭhayet ||
für die Träger des Gelübdes eine vor dem heiligen Sitz stehende menschliche Schädelschale, mit den Opfergaben gefüllt. Man reinige sie mit der Koṅkaṇa-Waffe und umhülle sie mit dem Panzer.
Kumārikākhaṇḍa 27.44
- mūrtiṃ praviśya hṛdaye netre ṣaṇmukhamāharet |
śikhāsānnidhyakaraṇaṃ saṃpūrṇaṃ tu śireṇa tu ||
In die Gestalt im Herzen eingetreten, führe man den Sechsgesichtigen im Auge herbei. Das Gegenwärtigmachen durch die Haarspitze wird durch den Kopf vervollständigt.
Kumārikākhaṇḍa 27.45
- evaṃ ṣaḍvidhasaṃskāraṃ mūlavidyāṃ niyojayet |
yonimudrā mahāmudrā tayāsau mudrito bhavet ||
Nach dieser sechsfachen Weihe setze man die Wurzel-Vidyā ein. Die Yoni-Geste ist die große Geste; durch sie soll [der Vollziehende] besiegelt sein.
Kumārikākhaṇḍa 27.46
- avatāraṃ tato deva karālākhyaṃ niyojayet |
mūlavidyāṃ tridhā japtvā sānnidhyaṃ kramamaṇḍale ||
Darauf, o Gott, setze man die Karāla genannte Herabkunft ein. Nachdem die Wurzel-Vidyā dreifach rezitiert ist, [entsteht] die Gegenwart im Kramamaṇḍala.
Kumārikākhaṇḍa 27.47
- aparaṃ dvitīyaṃ pātraṃ candanāmṛtapūritam |
pañcakādyena saṃsthāpya punastenābhimantritam ||
Ein anderes, zweites Gefäß ist mit Sandelholz-Nektar gefüllt. Man stelle es mit der ersten Fünfergruppe auf und bespreche es wiederum mit derselben.
Kumārikākhaṇḍa 27.48
- atha tṛtīyakaṃ pātraṃ sthāpitaṃ ratnapañcake |
tena yaṣṭvā punastatra dakṣiṇottaramadhyataḥ ||
Nun wird das dritte Gefäß auf den fünf Juwelen aufgestellt. Mit ihnen vollziehe man dort erneut die Verehrung, im Süden, Norden und in der Mitte.
Kumārikākhaṇḍa 27.49
- evaṃ pātratrayaṃ pūrvaṃ kṛtvā pūjāṃ samārabhet |
candanena tu vinyāsaṃ vidyāyā ātmasantatau ||
Nachdem man zuvor die drei Gefäße so bereitet hat, beginne man mit der Verehrung. Mit Sandelholz [erfolgt] der Nyāsa der Vidyā in der eigenen Überlieferungslinie:
Kumārikākhaṇḍa 27.50
- bhakārādicakārāntaṃ sthāne sthāne pṛthak pṛthak |
ātmānaṃ dhūpitaṃ kuryād vinyāsaṃ mūlavidyayā ||
von Bha bis Ca, an jeder Stelle einzeln. Man beräuchere das eigene Selbst und [vollziehe] den Nyāsa mit der Wurzel-Vidyā.
Kumārikākhaṇḍa 27.51
- aṅganyāsaṃ samārabhya sva–olyāṃ tu yathākramam |
tilatailāṣṭadīpāni pañcādyena pradīpayet ||
Beginnend mit dem Nyāsa der Glieder nach der Ordnung der eigenen Linie, entzünde man acht Lampen mit Sesamöl mittels der ersten Fünfergruppe,
Kumārikākhaṇḍa 27.52
- digvidikṣu ca pīṭhasya adhivāsamanantaram |
candanaṃ dhūpasaugandhakuṃkumākṣatasaṃyutam ||
in den Haupt- und Zwischenrichtungen des heiligen Sitzes, unmittelbar nach der vorbereitenden Weihe. Sandelholz, duftender Weihrauch, Kumkuma und ungebrochene Reiskörner
Kumārikākhaṇḍa 27.53
- mūlamantrasya siddhasya kuryād dānaṃ ca santatau |
mudrātritayaṃ kṛtvādau tataḥ pūjāṃ samārabhet ||
soll man der Überlieferung des vollendeten Wurzel-Mantras darbringen. Zuerst vollziehe man die drei Gesten und beginne dann mit der Verehrung.
Kumārikākhaṇḍa 27.54
- pūrvakrameṇa kartavyaṃ dehasthaṃ kramapūjanam |
paścād bāhye tu pīṭhasthaṃ sabāhyābhyantaraṃ kramam ||
Nach der früheren Ordnung ist die Verehrung der Übertragung im Körper auszuführen. Danach [verehre man] außen, im heiligen Sitz, die Übertragungsfolge in ihrer äußeren und inneren Gestalt.
Kumārikākhaṇḍa 27.55
- candanākṣatasaṃmiśrairādau kuryāt kramārcanam |
śvetapuṣpaiḥ sugandhaiśca taistu pūjyaṃ kulakramam ||
Zuerst vollziehe man die Verehrung der Übertragungsfolge mit einer Mischung aus Sandelholz und ungebrochenem Reis. Mit weißen, duftenden Blüten ist der Kulakrama zu verehren.
Kumārikākhaṇḍa 27.56
- abhāvād raktapuṣpaistu tathā pītaiḥ sugandhibhiḥ |
sumanācampakaiḥ padmaistathā nīlotpalaiḥ śubhaiḥ ||
Fehlen diese, [verwende man] rote oder gelbe, wohlriechende Blüten, Sumanas, Campaka, Lotusse und schöne blaue Wasserlilien.
Kumārikākhaṇḍa 27.57
- deśācāreṇa labdhaistu taistu pūjyaṃ kulakramam |
nirgandhaiśca sakaṇṭakairbhagnaiḥ saṃkucitairdrumaiḥ ||
Mit solchen, wie sie nach örtlichem Brauch erhältlich sind, verehre man den Kulakrama. Mit geruchlosen, dornigen, abgebrochenen oder zusammengezogenen Pflanzen [Wortlaut hier unklar]
Kumārikākhaṇḍa 27.58
- kramapūjā na kartavyā manasāpi sureśvara |
dhūpārcanaṃ punaścaiva pṛthak ājñākramaṃ punaḥ ||
darf die Verehrung der Übertragungsfolge nicht einmal im Denken ausgeführt werden, Herr der Götter. Wiederum [folge] die Verehrung mit Weihrauch, danach gesondert die Übertragung der Ājñā.
Kumārikākhaṇḍa 27.59
- alipūjā tataḥ kāryā vaiṣṇavīpadamātrataḥ |
pratyayaṃ vyākulaṃ tatra mahārāvaḥ pravartate ||
Dann ist der Wein mit dem bloßen Wort Vaiṣṇavī zu verehren [unsichere Editionslesung]. Dabei [entsteht] bewegte Erfahrung; der große Klang, Mahārāva, tritt hervor.
Kumārikākhaṇḍa 27.60
- sānnidhyamatulaṃ cograṃ paśūnāṃ ca bhayāvaham |
mūlamantreṇa vidyāyā vāmapāṇyakṣasūtrakam ||
Die Gegenwart ist unvergleichlich und gewaltig, für die Gebundenen furchterregend. Mit dem Wurzel-Mantra der Vidyā [verwende man] die Gebetskette der linken Hand,
Kumārikākhaṇḍa 27.61
- sphāṭikaṃ putrajīvaṃ vā mātrā aṣṭottaraṃ śataṃ |
dvimātrāṃ vā trimātrā vā icchayā vā manīṣiṇām ||
aus Bergkristall oder Putrajīva. Ihr Maß ist hundertacht; auch ein doppeltes oder dreifaches Maß [ist möglich], nach dem Wunsch der Einsichtigen.
Kumārikākhaṇḍa 27.62
- sthūlaṃ vā sūkṣmamaṇiṃ vā na meruṃ laṅghayet kvacit |
aṃguṣṭaṃ varjayitvā tu yathā prāptaṃ catuṣṭayam ||
Ob die Perlen groß oder klein sind: Niemals soll man den Meru überschreiten. Den Daumen auslassend, [bleibt] die Vierergruppe, wie sie sich ergibt;
Kumārikākhaṇḍa 27.63
- madhyamau dvau tathā varjyau vāmāvartaparibhramāt |
etat pāṇikṛtaṃ japyaṃ akṣasūtreṇa vā kṛtam ||
ebenso sind die beiden mittleren auszulassen, während man linksherum kreist. Dies ist die mit der Hand oder mit der Gebetskette ausgeführte Rezitation.
Kumārikākhaṇḍa 27.64
- cūlāgramamalaṃ śuddhaṃ uparisthamakṣamālayā |
taṃ ca meruṃ vijānīyāllaṅghanānnarakaṃ vrajet ||
Die fleckenlose, reine Spitze des Scheitels, die oben an der Gebetskette steht, soll man als Meru erkennen. Wer sie überschreitet, gelangt in die Hölle.
Kumārikākhaṇḍa 27.65
- vāmāvartakrameṇaiva sadyojātaṃ vidhīyate |
tadārūhya paraṃ dhyānaṃ mantraṃ vāpi ca muktidam ||
Durch die linksherum verlaufende Folge wird Sadyojāta verwirklicht. Zu ihm aufgestiegen, [gelangt man in] höchste Meditation oder [zum] befreienden Mantra.
Kumārikākhaṇḍa 27.66
- sva–olyāmātmapīṭhasya ātmānaṃ maṇḍale'pi vā |
mantratriṣkoṇamadhye tu athavā pūrṇavidyāyām ||
In der eigenen Linie des eigenen heiligen Sitzes, [über] das Selbst im Maṇḍala, in der Mitte des Mantra-Dreiecks oder in der vollständigen Vidyā,
Kumārikākhaṇḍa 27.67
- dvicatvāriṃśatsaṃjñāyāṃ japyaṃ dhyānaṃ trikoṇake |
kuryāt tanmānasaṃ japyaṃ ātmakūṭamathāpi vā ||
die „Zweiundvierzig“ heißt, [geschehe] die Rezitation und Meditation im Dreieck. Man vollziehe diese geistige Rezitation oder auch den Kūṭa-Laut des eigenen Selbst.
Kumārikākhaṇḍa 27.68
- mudritaṃ yonimudrāyāmamānāmāṅkitaṃ śivam |
ādau tanmūlavidyāyā agnikuṇḍasya madhyataḥ ||
Śiva ist mit der Yoni-Geste besiegelt und mit dem Namen Amā gekennzeichnet. Zuerst [vergegenwärtige man] die Wurzel-Vidyā in der Mitte der Feuergrube,
Kumārikākhaṇḍa 27.69
- dhyānamāraktakṛṣṇaṃ tu kuryāt karmānurūpataḥ |
ūrdhvamadhyamadhaḥ kuryāt saṃskāraṃ ca tathā punaḥ ||
rot beziehungsweise schwarz, entsprechend der [jeweiligen] Handlung. Dann vollziehe man die Weihe oben, in der Mitte und unten.
Kumārikākhaṇḍa 27: unnummerierter Halbvers (half_after_69)
- mama yonigataṃ dhyāyenna bāhye viniyojayet |
Man meditiere [darüber] als in meiner Yoni befindlich; man richte es nicht nach außen.
Kumārikākhaṇḍa 27: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike ādyapīṭhāvatārite vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite kramamaṇḍalagurumaṇḍalādhikāravarṇane kramodayo nāmānandaḥ || 27 ||
So endet das siebenundzwanzigste Kapitel, die Wonne namens „Das Hervortreten der Übertragung“, in der Darstellung des Lehrgebiets des Kramamaṇḍala und des Guru-Maṇḍala: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 28
Kumārikākhaṇḍa 28: Kapitelkopf (heading)
- aṣṭāviṃśānandaḥ
Achtundzwanzigste Wonne
Kumārikākhaṇḍa 28: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 28.1
- śrutaṃ devi mayā sarvaṃ pūjāvidhi yathākramam |
adhunā śrotumicchāmi kramamekaṃ tridhā kathaṃ ||
Göttin, ich habe die gesamte Vorschrift der Verehrung in ihrer Reihenfolge gehört. Nun möchte ich hören, wie die eine Übertragungsfolge dreifach ist.
Kumārikākhaṇḍa 28: Sprecherzeile (speaker_before_2)
- śrīvakrā uvāca
Śrīvakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 28.2
- śṛṇu nātha pravakṣyāmi kramamekaṃ tridhā yathā |
olitritayabhedena bālakaumāravṛddhake ||
Höre, Herr, ich werde erklären, wie die eine Übertragungsfolge durch die Unterteilung der drei Linien dreifach ist: als Kind, Jugendliche und Alte.
Kumārikākhaṇḍa 28.3
- vṛddhakramaṃ tu prathamaṃ jyeṣṭha – olikramāgatam |
mantriṇāṃ tu yathā deva āyātaṃ jñānanirṇayam ||
Zuerst die Übertragungsfolge der Alten, die aus der Übertragung der ältesten Linie hervorgegangen ist: wie, o Gott, die Bestimmung des Wissens zu den Mantrapraktizierenden gelangt ist.
Kumārikākhaṇḍa 28.4
- pīṭhānāmādyavarṇāśca ojāpūkācatuṣṭayam |
te yugāni catvāraste pīṭhāni aihikībhuvi ||
Die Anfangslaute der heiligen Sitze sind die Vierheit O, Jā, Pū und Kā. Sie sind die vier Weltzeitalter und die heiligen Sitze hier auf Erden.
Kumārikākhaṇḍa 28.5
- te ca pañcamahābhūtāścaturvyāpakasaṃyutāḥ |
oṃkārādikrameṇaiva vyomatattvāditaḥ kramāt ||
Sie sind die fünf großen Elemente, verbunden mit den vier Durchdringenden: in der mit Oṃ beginnenden Folge, entsprechend der mit dem Raumprinzip beginnenden Ordnung.
Kumārikākhaṇḍa 28.6
- oṃkāraṃ vyomatattvasthaṃ jākāraṃ tejasi sthitam |
pūkāramāpatattvasthaṃ kākāraṃ pṛthivīgatam ||
Oṃ ist im Raumprinzip gegründet, Jā steht im Feuer, Pū im Wasserprinzip, Kā in der Erde.
Kumārikākhaṇḍa 28.7
- kuryācchaktimadhasteṣāṃ adhaḥśaktyāṅgasaṃsthayā |
teṣāmadhogataṃ pārthaṃ āpo daṇḍaśca mālinī ||
Man setze die Kraft unter sie, mittels der Kraft, die im unteren Glied ruht. Unter ihnen liegen Erde, Wasser, der Stab und Mālinī.
Kumārikākhaṇḍa 28.8
- evaṃ pīṭhāścaturbhinnā lāñchitā candrasūryayoḥ |
ājñā mūrdhni kṛtā hyeṣā khyātā pīṭhacatuṣṭayam ||
So sind die Sitze vierfach gegliedert und mit Mond und Sonne gekennzeichnet. Diese am Scheitel eingesetzte Ājñā ist als die Vierheit der heiligen Sitze bekannt.
Kumārikākhaṇḍa 28.9
- teṣāṃ caturvidhaṃ dhyānaṃ vakṣye ātmagataṃ priya |
aghorasadṛśodyāṇaṃ jākāraṃ puruṣaṃ viduḥ ||
Ihre vierfache Meditationsgestalt im Selbst werde ich erklären, Geliebter. Udyāṇa gleicht Aghora; Jā kennt man als Puruṣa.
Kumārikākhaṇḍa 28.10
- pūkāraṃ vāmadevaṃ tu kākāraṃ sadyarūpakam |
antaraṅge sthitā devyo bhrūmadhye hṛdi nābhigāḥ ||
Pū ist Vāmadeva, Kā hat die Gestalt Sadya. Im Innern ruhen die Göttinnen: zwischen den Augenbrauen, im Herzen und am Nabel;
Kumārikākhaṇḍa 28.11
- yonimadhye samākhyātāsteṣu devyācatuṣṭayam |
kakārādiṣu catvāraḥ strīnapuṃsakabheditāḥ ||
[die vierte] wird in der Mitte der Yoni angegeben. An diesen Orten sind die vier Göttinnen. In den vier mit Ka beginnenden [Sitzen] sind sie in weibliche und weder männliche noch weibliche Formen gegliedert.
Kumārikākhaṇḍa 28.12
- pīṭheśvaryaḥ samākhyātāḥ pīṭhadhyānasamāyutāḥ |
teṣu siddhāśca catvāraḥ pūjyāḥ pīṭhacatuṣṭaye ||
Sie werden die Herrinnen der heiligen Sitze genannt und sind mit der Meditation der Sitze verbunden. Auch vier Siddhas sind in diesen vier Sitzen zu verehren.
Kumārikākhaṇḍa 28.13
- haraśabdaścaturnyāsaṃ haraśabdaścatuṣṭayam |
ādyadīrghaiścaturbhinnaṃ ājñāyāḥ śikharāṅkitam ||
Das Wort Hara als vierfacher Nyāsa, das Wort Hara als Vierheit: durch die vier langen [Vokale], mit dem ersten beginnend, gegliedert und mit der Spitze der Ājñā gekennzeichnet.
Kumārikākhaṇḍa 28.14
- pīṭhabījāśca catvāraḥ dhyānaṃ teṣāṃ ca pūrvavat |
ataḥ paraṃ pravakṣyāmi vyomapañcakanirṇayam ||
Dies sind die vier Keime der heiligen Sitze; ihre Meditation ist wie zuvor. Nun werde ich die Bestimmung der fünf Räume erklären.
Kumārikākhaṇḍa 28.15
- vyomaṃ tu pañcadhā sthāpya śaktyādhastejabṛṃhitam |
dīrghapañcakasaṃbhinnaṃ bindunādairalaṃkṛtam ||
Man setze den Raum fünffach ein, durch das Licht unterhalb der Kraft verstärkt, verbunden mit der Fünfergruppe der langen [Vokale] und mit Bindu und Nāda geschmückt.
Kumārikākhaṇḍa 28.16
- vyomapañcakametaddhi dhyānaṃ teṣāmaghoravat |
ājñāsaṃkrāmakaṃ deva tasya mantrakramaṃ bhavet ||
Dies sind die fünf Räume. Ihre Meditationsgestalt gleicht Aghora. Ihre Mantra-Folge überträgt, o Gott, die Ājñā.
Kumārikākhaṇḍa 28.17
- ye coktā vyāpakāḥ pañca tejorūpā mahābalāḥ |
teṣāṃ sthānāni vai pañca asmin śāstre pracakṣmahe ||
Die zuvor genannten fünf Durchdringenden sind Lichtgestalten von großer Kraft. In dieser Schrift nennen wir ihre fünf Orte:
Kumārikākhaṇḍa 28.18
- śrotre nāsāpuṭe vaktre jñātavyaṃ vyomapañcakam |
pṛthivī cāpatattvaṃ tu tejo vāyuḥ khasaṃjñakam ||
In den Ohren, Nasenöffnungen und im Mund sind die fünf Räume zu erkennen. Erde und Wasserprinzip, Feuer, Wind und das Raum Genannte,
Kumārikākhaṇḍa 28.19
- śaktitattvaṃ tathā ṣaṣṭhaṃ teṣāṃ caivādho raviḥ |
tathā tad vāyutattvaṃ ca nādākṣaravibheditam ||
sowie als sechstes das Kraftprinzip; unter ihnen die Sonne. Das Windprinzip, durch den Nāda-Laut gegliedert,
Kumārikākhaṇḍa 28.20
- bindusthaṃ nādaśaktisthaṃ ājñākūṭaṃ maheśvara |
gude yonau tathā nābhau hṛdi kaṇṭhe bhruvontare ||
ruht im Bindu und in der Kraft des Nāda: der Kūṭa-Laut der Ājñā, großer Herr. [Ihre Orte sind] After, Yoni, Nabel, Herz, Hals und die Stelle zwischen den Augenbrauen.
Kumārikākhaṇḍa 28.21
- eteṣāṃ kathitaṃ ṣaṭkaṃ saṃketena ca ṣaḍvidham |
śvetā ca prathamā vartirdvitīyā pītarūpinī ||
Ihre Sechsergruppe ist so durch eine sechsfache Zeichenordnung erklärt. Der erste Docht ist weiß, der zweite gelb;
Kumārikākhaṇḍa 28.22
- tṛtīyā nīlavarṇā ca caturthī haritā bhavet |
pañcamā gairikābhā ca ṣaṣṭhī āraktavarṇikā ||
der dritte ist blau, der vierte grün, der fünfte ockerrot und der sechste rot.
Kumārikākhaṇḍa 28.23
- pañcakaṃ cāparaṃ vakṣye mahantāryā manoharam |
haṃseti pañcadhā sthāpya a–i–u–e–osamanvitam ||
Ich werde eine weitere, bezaubernde Fünfergruppe der Mahantārī erklären. Man setze Haṃsa fünffach ein, verbunden mit A, I, U, E und O.
Kumārikākhaṇḍa 28.24
- nādaśaktisamākrāntaṃ mahantāryāśca pañcakam |
kukṣibhyāṃ stanayormadhye kuryāt pṛṣṭhe'pi kārakaṃ ||
Von der Kraft des Nāda erfasst ist die Fünfergruppe der Mahantārī. Man setze das Wirkende an den beiden Flanken, zwischen den Brüsten und auch am Rücken ein.
Kumārikākhaṇḍa 28.25
- śvetaṃ pītaṃ ca āraktaṃ haritaṃ gaṇapañcakam |
dhyānaṃ vai pañcadhā teṣāṃ trikamadhye yathā bhavet ||
Die Fünfergruppe ist weiß, gelb, rot und grün [eine fünfte Farbe fehlt]. Ihre Meditation ist fünffach, wie sie inmitten der Dreiheit besteht.
Kumārikākhaṇḍa 28.26
- trikaṇṭakaṃ samākhyātaṃ vidyātritayamabhyaset |
ādhāre hṛdaye tūrye teṣāṃ sthānatrayaṃ bhavet ||
Das heißt Trikaṇṭaka, „Dreifacher Dorn“: Man übe die drei Vidyās. Ihre drei Orte sind die Grundlage, das Herz und Tūrya [hier als Schädelstelle gedeutet].
Kumārikākhaṇḍa 28.27
- āraktaṃ prathamaṃ dhyānaṃ dvitīyaṃ pītakaṃ bhavet |
tṛtīyaṃ śuddhadhavalaṃ sattvarājasatāmasam ||
Die erste Meditationsgestalt ist rot, die zweite gelb, die dritte reinweiß: Sattva, Rajas und Tamas.
Kumārikākhaṇḍa 28.28
- saptāviṃśatibhedaistu mantrakramaṃ samuddhṛtam |
tasya saṃjñākramaṃ vakṣye sāmprataṃ śṛṇu bhairava ||
Die Mantra-Übertragungsfolge ist mit siebenundzwanzig Unterteilungen gewonnen. Ihre Folge der Benennungen werde ich nun erklären; höre, Bhairava.
Kumārikākhaṇḍa 28.29
- ojāpūkācatuṣkaṃ tu kāpūjā–ocatuṣṭayam |
prakaṭaṃ pīṭhadevasya mantrapīṭhe nirantaram ||
Die Vierheit O, Jā, Pū, Kā und die Vierheit Kā, Pū, Jā, O sind im Mantra-Sitz ununterbrochen als [Benennungen] der Sitzgottheit offenbar.
Kumārikākhaṇḍa 28.30
- teṣāṃ vai guptanāmāni avi–me–te–asaṃjñayā |
mantradevyastato deva teṣāṃ nāmacatuṣṭayam ||
Ihre geheimen Namen werden mit Avi, Me, Te und A bezeichnet. Darauf [folgen], o Gott, die Mantragöttinnen und ihre vier Namen:
Kumārikākhaṇḍa 28.31
- samameti ca sākāraṃ iti devyāḥ parigraham |
upadeśavaśenaiva pīṭhadevyāḥ samarcayet ||
Samameti zusammen mit Sā [Lautgliederung unsicher]: So ist die Umfassung der Göttin. Die Göttinnen der Sitze soll man gemäß der Unterweisung verehren.
Kumārikākhaṇḍa 28.32
- vyomapañcakamevaṃ tu mantrayuktaṃ samabhyaset |
teṣāṃ vai devatāḥ pañca pūjākāle pracakṣmahe ||
Ebenso übe man die fünf Räume zusammen mit Mantra. Ihre fünf Gottheiten bei der Verehrung werden wir nennen.
Kumārikākhaṇḍa 28.33
- vyomaṃ tu pañcadhā kuryāt teṣāṃ pañcādhikārakam |
kāṃsirephasiye pañcasaṃyogād vyomapañcakam ||
Man gestalte den Raum fünffach als ihre fünffache Vollmacht. Aus der Verbindung der fünf — Kāṃ, Si, Repha [Ra], Si, Ye — [entstehen] die fünf Räume.
Kumārikākhaṇḍa 28.34
- tataścājñā bhavet ṣaṭkaṃ guptā saṃjñā kramasya vai |
ājñākukārasaṃbhinnaṃ ṣaḍvidhaṃ ca niyojayet ||
Dann wird die Ājñā zur Sechsergruppe, der geheimen Benennung der Übertragungsfolge. Man setze diese sechsfache [Form] ein, verbunden mit der Ājñā und dem Laut Ku.
Kumārikākhaṇḍa 28.35
- teṣvagre saṃgatā devyo adhikārakrame sthitāḥ |
lavarahayaśaḥ ṣaḍbhiḥ saṃketāśca prakīrtitāḥ ||
Vor ihnen sind die Göttinnen versammelt, die in der Übertragung der Vollmacht stehen. Mit den sechs [Lauten] La, Va, Ra, Ha, Ya und Śa sind ihre Zeichen überliefert.
Kumārikākhaṇḍa 28.36
- tathā siddhāśca catvāraḥ pūrvoktakramasaṃyutāḥ |
asantatisu pañcaitāsteṣāṃ guptābhidhānakam ||
Ebenso [folgen] vier Siddhas, verbunden mit der zuvor erklärten Übertragungsfolge. Asantatisu — dies sind die fünf geheimen Benennungen [Gliederung und Zuordnung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 28.37
- viṣuvaṃ saṃkramaṇāntaṃ anādipañcakṣetrakam |
trikaṃ trikaṇṭakādīni vidyātritayabhūṣitam ||
Die Tagundnachtgleiche, das Ende des Übergangs, das anfangslose fünffache Feld; die Dreiheit, der Dreifache Dorn und das Übrige, geschmückt mit den drei Vidyās [Satzgliederung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 28.38
- ekāraṃ ca akāraṃ ca kakāraṃ ca tṛtīyakam |
eṣāṃ guptābhidhānāni ku ku ku devatātrayam ||
Der Laut E, der Laut A und als dritter der Laut Ka: Ihre geheimen Benennungen sind die drei Gottheiten Ku, Ku, Ku.
Kumārikākhaṇḍa 28.39
- catuṣkaṃ pañcakaṃ ṣaṭkaṃ catuṣkaṃ pañcakaṃ trikam |
etāni ṣaṭprakārāṇi bhedāni saptaviṃśatiḥ ||
Vierheit, Fünfheit, Sechsheit, Vierheit, Fünfheit und Dreiheit: Dies sind die sechs Arten mit siebenundzwanzig Unterteilungen.
Kumārikākhaṇḍa 28.40
- ādau pīṭhacatuṣkaṃ tu catvāraḥ pīṭhadevatāḥ |
vyomapañcakamanyaṃ tu ājñāṣaṭkaṃ tathāparam ||
Am Anfang stehen die vier heiligen Sitze als die vier Gottheiten der Sitze. Dann [folgen] die fünf Räume und die Sechsergruppe der Ājñā;
Kumārikākhaṇḍa 28.41
- punaḥ siddhacatuṣkaṃ tu anādiriti pañcakam |
trikaṇṭakaṃ tathā vācyaṃ jyeṣṭha–olikramoddhṛtam ||
danach die vier Siddhas und die Fünfergruppe namens Anādi, „Anfangslos“. Ebenso ist der Dreifache Dorn auszusprechen, gewonnen aus der Übertragung der ältesten Linie.
Kumārikākhaṇḍa 28.42
- etad vṛddhakramākhyātaṃ pañcapraṇavadīpitam |
sthānamantrasamāyuktaṃ dhyānadhāraṇasaṃyutam ||
Dies heißt die Übertragungsfolge der Alten, durch die fünf Praṇavas erhellt, verbunden mit Orten und Mantras sowie mit Meditation und Konzentration.
Kumārikākhaṇḍa 28.43
- dehasthaṃ pūjayed yastu sa bhavet kulayoginaḥ |
jyeṣṭha–olikramākhyātaṃ pūjitavyaṃ tu deśikaiḥ ||
Wer sie im Körper verehrt, wird ein Kula-Yogi. Sie heißt die Übertragungsfolge der ältesten Linie und ist von den Lehrern zu verehren.
Kumārikākhaṇḍa 28.44
- vidyāpīṭhāt samārabhya kramaṃ pūjyaṃ yathārthataḥ |
upadeśavaśenaiva labdhvā gurumukhād yajet ||
Vom Vidyāpīṭha ausgehend, ist die Übertragungsfolge ihrem Wesen gemäß zu verehren. Nachdem man sie nach der Unterweisung aus dem Mund des Lehrers empfangen hat, vollziehe man die Verehrung.
Kumārikākhaṇḍa 28.45
- anyathā vighnadā cakre gurorājñā na laṅghayet |
atha dvitīyakaṃ vakṣye kaumāraṃ madhyamolikam ||
Andernfalls bringt die Ājñā des Lehrers Hindernisse im Chakra hervor; man soll sie nicht übertreten. Nun werde ich die zweite erklären, die Übertragung der Jugendlichen aus der mittleren Linie.
Kumārikākhaṇḍa 28.46
- vṛddhakrame krameṇaiva upadeśayutaṃ yathā |
pūrṇapīṭhāt samārabhya madhyamolyāṃ kramārcanam ||
Wie nach der Ordnung der Übertragung der Alten unterwiesen, geschieht die Verehrung der Übertragung in der mittleren Linie, vom Pūrṇapīṭha ausgehend.
Kumārikākhaṇḍa 28.47
- teṣāṃ nāmāni varṇāśca tattvayuktā manīṣiṇām |
śaktyādhiṣṭhitacatvāraḥ haramāyāsanasthitāḥ ||
Die Namen und Laute dieser Einsichtigen sind mit den Wirklichkeitsprinzipien verbunden. Die vier werden von Śakti beherrscht und ruhen auf dem Sitz von Hara und Māyā.
Kumārikākhaṇḍa 28.48
- ā–ī–ū–aisvarairbhinnā nādabindukalāṅkitāḥ |
evaṃ pīṭhāni catvāri pīṭhadevyāścatuṣṭayam ||
Sie sind durch die Vokale Ā, Ī, Ū und Ai gegliedert und mit der Kraft von Nāda und Bindu gekennzeichnet. So [bestehen] die vier heiligen Sitze und die Vierheit ihrer Göttinnen.
Kumārikākhaṇḍa 28.49
- ādyaṃ varṇaṃ caturnyāsaṃ napuṃsakatrikaṃ tathā |
caturdīrghasamākrāntāḥ khaśaktyā śekharāṅkitāḥ ||
Der erste Laut als vierfacher Nyāsa, ferner die Dreiheit der weder männlichen noch weiblichen [Formen]: verbunden mit vier langen [Vokalen], mit der Raumkraft und der Spitze gekennzeichnet.
Kumārikākhaṇḍa 28.50
- u–ū–śūnyakalā candraḥ śivabījaṃ caturvidham |
taccaikaṃ sarvato deva dvitīyaṃ dviguṇīkṛtam ||
U, Ū, die Kraft der Leere und der Mond: der vierfache Śiva-Keim. Dieser ist überall, o Gott, einmal [gesetzt]; der zweite ist verdoppelt.
Kumārikākhaṇḍa 28.51
- tṛtīyaṃ tu tridhā sthāpya caturthaṃ ca caturguṇam |
pañcamaṃ pañcaguṇitametad vai kulapañcakam ||
Der dritte ist dreifach zu setzen, der vierte vervierfacht, der fünfte verfünffacht. Dies ist die Fünfergruppe des Kula.
Kumārikākhaṇḍa 28.52
- pañcajo bhrajamāno'sau prasādaṃ śivamakṣaram |
śambhuśakterbhavet ṣaṭkaṃ vidyāṣaṭkaṃ yathā bhavet ||
Aus fünf hervorgegangen und leuchtend ist jener Prasāda, der Śiva-Laut. Die Sechsergruppe entsteht aus Śambhus Kraft, entsprechend der Sechsergruppe der Vidyā.
Kumārikākhaṇḍa 28.53
- hara–īṣaṭkaṣaṭkaṃ ca kṣobhakena kṛtaṃ śiram |
pha–ra–e–meti candrārkau dvāvetau ṣaḍvidhā kuru ||
Die Sechsergruppe [aus] Hara und Ī; der Kopf wird mit dem Erregenden gebildet. Pha, Ra, E, Ma, Mond und Sonne: Gestalte diese [Form] sechsfältig.
Kumārikākhaṇḍa 28.54
- teṣāmante sthitā ṣaḍbhiḥ dīrghabinduśikhānvitā |
akṣarā ṣaḍibhirvidyā svayambhoḥ ṣaṭkamityapi ||
An ihrem Ende steht die unvergängliche Vidyā, sechsfältig, versehen mit der Spitze aus langen [Vokalen] und Bindu, mit sechs Lauten. Dies heißt auch die Sechsergruppe des Svayambhū.
Kumārikākhaṇḍa 28.55
- vyomapañcakanāmāni idānīṃ vyāptipañcakam |
pṛthivyādi tridhā sthāpya īśvareṇa vibheditam ||
[Dies waren] die Namen der fünf Räume; nun die fünf Durchdringungen. Man setze Erde und das Übrige dreifach ein, durch Īśvara gegliedert.
Kumārikākhaṇḍa 28.56
- āptattvaṃ triguṇīkrṭya dīrghatrayavibheditāḥ |
caturthaṃ vāyutattvaṃ tu ratnatritayabheditam ||
Das Wasserprinzip wird verdreifacht und durch die drei langen [Vokale] gegliedert. Das vierte, das Windprinzip, ist durch die drei Juwelen unterteilt.
Kumārikākhaṇḍa 28.57
- pañcamaṃ vyomatattvaṃ tu trikalāṅkitabheditam |
tridhāste vyāpakāḥ pañca bindunādapadāṅkitāḥ ||
Das fünfte, das Raumprinzip, ist durch das Zeichen der drei Kräfte gegliedert. Die fünf Durchdringenden sind [jeweils] dreifach und mit der Stätte von Bindu und Nāda gekennzeichnet.
Kumārikākhaṇḍa 28.58
- tadādau bindutattvaṃ tu pṛthivyāsanameva ca |
ā–ī–ū–kārabhinnāste khacandraśikharāṅkitāḥ ||
Am Anfang steht das Bindu-Prinzip und der Sitz der Erde. Sie sind durch die Laute Ā, Ī und Ū gegliedert und mit der Spitze aus Raum und Mond gekennzeichnet.
Kumārikākhaṇḍa 28.59
- evaṃ te trīṇi siddhāstu saṃsthitā jñānarūpataḥ |
yathākrameṇa vṛddhasya mantrakramaṃ samuddhṛtam ||
So sind die drei Siddhas in der Gestalt des Wissens gegründet. Die Mantra-Folge der Alten ist der Ordnung gemäß gewonnen.
Kumārikākhaṇḍa 28.60
- vidhānaṃ ca mahādeva yathā kaumāravṛddhakam |
tathā saṃketabhāṣā ca nāmasaṃketasūcanam ||
Großer Gott, so [verhält sich] die Vorschrift für Jugendliche und Alte; ebenso [folgen] die Zeichensprache und die Angabe der Zeichen ihrer Namen.
Kumārikākhaṇḍa 28.61
- ojāpūkāśca catvāraḥ kāpūjā–ocatuṣṭayam |
mā vi sajja samu ceti saṃketakamidaṃ punaḥ ||
Die vier O, Jā, Pū, Kā, die Vierheit Kā, Pū, Jā, O und wiederum Mā, Vi, Sajja, Samu: Dies ist die Zeichenordnung.
Kumārikākhaṇḍa 28.62
- ete guptatarāḥ pīṭhāḥ guptāśca pīṭhadevatāḥ |
pīṭhasiddhāśca catvāraḥ saṃketaṃ susūkṣmakam ||
Diese heiligen Sitze sind höchst geheim, und geheim sind die Gottheiten der Sitze. Die Siddhas der Sitze sind vier: Dies ist das äußerst feine Zeichen.
Kumārikākhaṇḍa 28.63
- kulapañcakamanyaṃ tu tasya saṃketa pañcadhā |
aku saku sakuśceti aṃku caiva akuṃ punaḥ ||
Eine weitere [Gruppe] sind die fünf des Kula; ihre Zeichen sind fünffach: Aku, Saku, Sakuḥ, Aṃku und wiederum Akuṃ.
Kumārikākhaṇḍa 28.64
- kulapañcakametad hi ambhāṣaṭkamataḥ param |
aṃbhāṃ ca ṣaḍvidhāṃ kuryāt catuḥsvaravibheditām ||
Dies ist die Fünfergruppe des Kula. Danach [folgt] die Sechsergruppe der Ambhā. Man gestalte Aṃbhāṃ sechsfältig, durch vier Vokale gegliedert.
Kumārikākhaṇḍa 28.65
- tasyāgre cādhikārāṇi vṛddhadevyāḥ ṣaḍirbhavet |
āpa iti ma aṃkāraṃ ma avvā kramaṃ tathā ||
Vor ihr sollen die sechs Vollmachten der Göttin der Alten [stehen]: Āpa, Ma, der Laut Aṃ, ferner Ma, Avvā und die Folge [Zuordnung der Zeichen unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 28.66
- kha a ced * bhakārāvvā ambhāṣaṭkamiti smṛtam |
etad vai kaulabhāṣāyāṃ mantrakramamudāhṛtam ||
„Kha a ced … Bha-Avvā“ [unvollständig erhaltener Lautcode] wird die Sechsergruppe der Ambhā genannt. Damit ist die Mantra-Übertragungsfolge in der Kaula-Sprache bezeichnet.
Kumārikākhaṇḍa 28.67
- yogapañcakamevaṃ tu tasya saṃketa pañcadhā |
asā sasa vayogeti saku–ī sasakau iti ||
Ebenso die Fünfergruppe des Yoga; ihre Zeichen sind fünffach: Asā, Sasa, Vayoga, Saku-Ī und Sasakau.
Kumārikākhaṇḍa 28.68
- guptaṃ prakaṭasaṃyogāt pūrvakramasamāyutam |
siddhatrikaṃ trikasyaiva teṣu saṃketakaṃ tridhā ||
Das Verborgene ist durch die Verbindung mit dem Offenbaren mit der früheren Übertragung vereint. Die drei Siddhas gehören zur Dreiheit; ihre Zeichen sind dreifach.
Kumārikākhaṇḍa 28.69
- si si ddha iti siddhāstu sarve mantrakramoditāḥ |
kṛtvā pūrvakramācāraṃ prakārāṇi samabhyaset ||
Si, Si, Ddha: Diese Siddhas sind alle aus der Mantra-Folge hervorgegangen. Nachdem man die Praxis der früheren Übertragungsfolge vollzogen hat, übe man die einzelnen Arten.
Kumārikākhaṇḍa 28.70
- upadeśavaśenaiva kaumārakramamuddhṛtam |
adhunā madhyamolyāyāṃ kramedaṃ caiva ṣaḍvidham ||
So ist die Übertragung der Jugendlichen gemäß der Unterweisung gewonnen. Nun [besteht] diese Übertragungsfolge in der mittleren Linie aus sechs Arten:
Kumārikākhaṇḍa 28.71
- catuṣkaṃ pañcakaṃ ṣaṭkaṃ catuṣkaṃ pañcakaṃ trikam |
etāni ṣaṭprakārāṇi bhedāni saptaviṃśatiḥ ||
Vierheit, Fünfheit, Sechsheit, Vierheit, Fünfheit und Dreiheit: Dies sind die sechs Arten mit siebenundzwanzig Unterteilungen.
Kumārikākhaṇḍa 28.72
- ādau pīṭhacatuṣkaṃ tu catvāraḥ pīṭhadevatāḥ |
pūrṇagiryaṃ samārabhya udayaṃ madhyamolike ||
Am Anfang stehen die vier heiligen Sitze als die vier Gottheiten der Sitze. In der mittleren Linie beginnt der Aufgang bei Pūrṇagiri.
Kumārikākhaṇḍa 28.73
- aparaṃ ca pravakṣyāmi bālakramamanuttamam |
pūrvakrameṇa vakṣyāmi mudrāpīṭhāditaḥ kramāt ||
Nun werde ich eine weitere erklären, die unübertreffliche Übertragung des Kindes. Gemäß der früheren Übertragung werde ich sie der Reihe nach, beginnend mit dem Mudrāpīṭha, darlegen.
Kumārikākhaṇḍa 28.74
- pīṭhānāmādyaliṅgāni catūratnasamāyutāḥ |
ātmākūṭāḥ kṛtāḥ sarve paścāt pīṭhacatuṣṭayam ||
Die ursprünglichen Liṅgas der heiligen Sitze sind mit den vier Juwelen verbunden. Zuerst werden alle Gipfelsilben des Selbst gebildet, danach die Vierheit der heiligen Sitze.
Kumārikākhaṇḍa 28.75
- mantradevyaḥ punasteṣāṃ catvāraḥ sāmprataṃ bhavet |
prathamaṃ vāgbhavaṃ bījaṃ māyābījaṃ dvitīyakam ||
Nun sind ihre Mantra-Göttinnen vier: zuerst der Vāgbhava-Keimlaut, als zweiter der Māyā-Keimlaut,
Kumārikākhaṇḍa 28.76
- tṛtīyaṃ sūryabījaṃ tu khecaraṃ tu caturthakam |
vidyātmānaṃ mahākūṭaṃ ekaṃ deva caturvidham ||
als dritter der Sonnen-Keimlaut und als vierter Khecara, der Himmelsgänger. O Gott, der eine große Silbengipfel, dessen Wesen die Vidyā ist, ist vierfach.
Kumārikākhaṇḍa 28.77
- pañcamaṃ navadhā piṇḍaṃ śukrādīnāṃ bhaved yathā |
śaktyākāśāntajaṃ rudraṃ indurānandabodhakam ||
Der fünfte ist der neunfache Lautkörper von Śukra und den übrigen: Śakti, Ākāśa, Antaja, Rudra, Indu, Ānanda und Bodhaka,
Kumārikākhaṇḍa 28.78
- taraṅgaṃ śaktipātaṃ tu navātmānandavigraham |
khaśaktimastakākrāntaṃ ākrāntaṃ nādamūrdhani ||
Taraṅga und Śaktipāta – die freudvolle Gestalt des Navātman. Ihr Kopf ist von der Raumkraft überdeckt; sie ist auf dem Haupt des Nāda aufgesetzt.
Kumārikākhaṇḍa 28.79
- ojāpūkeṣu cetyādau śaktyāveśaṃ tu dhāraṇā |
ādināthakramākhyātaṃ pañcamaṃ siddhanāyakam ||
Zu Beginn von O–Jā–Pū–Ka und den weiteren [Gliedern] ist die Sammlung das Eintreten der Kraft. Dies heißt die Übertragung des Ādinātha, des fünften Herrn der Siddhas.
Kumārikākhaṇḍa 28.80
- śrīnāthaṃ śrīguruṃ mūlaṃ ājñāsantatinirṇayam |
sarvaṃ krameṣu sādhāraṃ ādhāramiti bhairavam ||
Śrīnātha, der ehrwürdige Guru, ist die Wurzel und die Bestimmung der Überlieferungslinie des göttlichen Auftrags. Alles in den Übertragungsfolgen hat eine Grundlage; diese Grundlage ist Bhairava.
Kumārikākhaṇḍa 28.81
- tasyoccāraṇamātreṇa sarvāvastho bhaviṣyati |
siddhapañcakamevaṃ tu catuḥpīṭheṣu saṃsthitam ||
Schon durch sein Aussprechen wird man aller Zustände teilhaftig. So steht die Fünfergruppe der Siddhas in den vier heiligen Sitzen.
Kumārikākhaṇḍa 28.82
- pañcamaṃ yat paraṃ nāthaṃ śrīguruṃ madhyanāyakam |
siddhau dvāviti vikhyātau ādyapīṭhasya suvrata ||
Der fünfte ist der höchste Herr, der ehrwürdige Guru und Herr in der Mitte. O du mit guten Gelübden, zwei Siddhas sind als die des ursprünglichen heiligen Sitzes bekannt.
Kumārikākhaṇḍa 28.83
- aparaṃ jñānaṣaṭkaṃ tu vakṣye kaulasya nāyakam |
vidyāyāḥ kāraṇaṃ cātra tacca eva caturvidham ||
Nun werde ich die weitere Sechsergruppe des Wissens lehren, die Herrin des Kaula. Die Ursache der Vidyā ist hier wiederum vierfach.
Kumārikākhaṇḍa 28.84
- sahajaṃ māyayārūḍhaṃ ānandakulabheditam |
ma–ekhapharapiṇḍasthaṃ vāgbhavasthaṃ maheśvara ||
Das von Natur aus Gegebene ist auf Māyā erhoben und nach dem Kula der Wonne gegliedert. Großer Herr, es steht im Lautkörper Ma–Ekhaphara und in Vāgbhava.
Kumārikākhaṇḍa 28.85
- turyatoraṇaśaktyadho vyāpakaṃ kulayoginām |
tat sa binduradho daṇḍaṃ anilārṇavapūritam ||
Unterhalb der Kraft des vierten Torbogens ist es das Durchdringende der Kula-Yogis. Es ist der Bindu; darunter ist der Stab, erfüllt vom Ozean des Windes [Lautcode].
Kumārikākhaṇḍa 28.86
- ghaṇṭānirghoṣasahitaṃ aṃguṣṭhena śirāhatam |
haṃsavarṇodaye siddhaṃ dvinapuṃsakabheditam ||
Es ist mit dem Glockenklang verbunden, am Kopf vom Daumen getroffen und durch zwei weder männliche noch weibliche [Laute] gegliedert. Beim Aufgehen des Haṃsa-Lautes ist es vollendet.
Kumārikākhaṇḍa 28.87
- ākrāntaṃ nādavarṇābhyāṃ tathānyaṃ vyāpakaṃ bhavet |
catvāro vyāpakākāśe tadadhaḥ śaktibimbakam ||
Von den beiden Nāda-Lauten überdeckt, wird es zu einem weiteren Durchdringenden. Vier befinden sich im Raum des Durchdringenden; unter ihnen ist das Abbild der Kraft.
Kumārikākhaṇḍa 28.88
- visargasthaṃ mahādevyā vyāpakaṃ sarvatomukham |
sṛṣṭikrameṇa mūrdhādi ājñācakrādivigrahaṃ sudhīḥ ||
Mit der Großen Göttin im Visarga, dem Ausströmen, gegründet, ist das Durchdringende nach allen Seiten gewandt. Der Verständige [entfaltet es] in der Schöpfungsfolge, beginnend mit dem Kopf, in der Gestalt des Rades des göttlichen Auftrags und der weiteren [Räder].
Kumārikākhaṇḍa 28.89
- jñānaṣaṭkamidaṃ tathyaṃ devānāmapi durlabham |
aparaṃ ca mahantāryāḥ pañcakaṃ sāmprataṃ viduḥ ||
Dies ist die wahre Sechsergruppe des Wissens, die selbst für Götter schwer zu erlangen ist. Nun kennt man als weitere [Gruppe] die Fünfheit der Mahantārī.
Kumārikākhaṇḍa 28.90
- tṛtīyasya tu vargasya dvitīyavarṇanāyakam |
kartavyaṃ pañcaguṇitaṃ dīrghapañcakabheditam ||
Der Herr des zweiten Lautes der dritten Lautgruppe soll verfünffacht und durch die fünf langen [Vokale] gegliedert werden.
Kumārikākhaṇḍa 28.91
- ājñāmaṇḍalamadhyasthaṃ trirāvartaṃ maheśvaram |
sa caikaṃ kevalaṃ bhūyasteṣāṃ cādisthitaṃ kuru ||
Der Große Herr mit den drei Windungen steht in der Mitte des Kreises des göttlichen Auftrags. Er ist einer und allein; setze ihn wiederum an den Anfang dieser [Glieder].
Kumārikākhaṇḍa 28.92
- olitritayasiddhāśca trikaṃ teṣāṃ yathā bhavet |
anunāsika catvāri adho bindukṛtāni vai |||
So [entsteht] die Dreiheit der Siddhas der drei Überlieferungslinien: Vier Nasallaute werden unten mit dem Bindu gebildet.
Kumārikākhaṇḍa 28.93
- ekībhūtaṃ mahākūṭaṃ yojayet trividhaṃ punaḥ |
ūkāraṃ caiva īkāraṃ ākārādi vibhedayet ||
Man verbinde den zu einer Einheit gewordenen großen Silbengipfel erneut auf dreierlei Weise. Durch Ū, Ī, Ā und die weiteren [Laute] soll man ihn gliedern.
Kumārikākhaṇḍa 28.94
- nādaśaktikalābhinnaṃ jyeṣṭhamadhyamakaṃ nyaset |
tribhirolīṣu te deva mantracakraṃ tridhoddhṛtam ||
Man setze die älteste und die mittlere [Linie] ein, durch die Kraft des Nāda gegliedert, mit den dreien in den Überlieferungslinien. O Gott, so ist dein Mantrarad dreifach gewonnen.
Kumārikākhaṇḍa 28.95
- etanmantrakramaṃ cakraṃ saṃketaṃ tasya gīyate |
devīnāmādyavarṇena guptaṃ pīṭhacatuṣṭayam ||
Diese Mantra-Folge ist das Rad; nun wird ihre Zeichensprache dargelegt. Die vier heiligen Sitze sind durch die Anfangslaute der Göttinnen verhüllt.
Kumārikākhaṇḍa 28.96
- tathā tenaiva pīṭhānāṃ jñeyaṃ devyācatuṣṭayam |
aṃkunāthaṃ ca ciṃ caiva kakārākṣarasaṃjñayā ||
Ebenso erkenne man daran die Vierheit der Göttinnen der heiligen Sitze: Aṃku als Herr, ferner Ciṃ und die Bezeichnung des Lautes Ka.
Kumārikākhaṇḍa 28.97
- evaṃ siddhaṃ catuṣkaṃ tu yugmasaṃjñā tu pañcakam |
śikhāśekharamākrāntaṃ ku–i–avasamāyutam ||
So ist die Vierheit vollendet. Die Fünfheit aber ist nach dem Paar benannt; sie ist von Śikhā und Śekhara überdeckt und mit Ku–I–Ava verbunden.
Kumārikākhaṇḍa 28.98
- siddhapañcakametaddhi pīṭheṣu ca samārabhet |
jñānaṣaṭkasya saṃketaṃ idamākarṇatāṃ prabho ||
Dies ist die Fünfergruppe der Siddhas, die man in den heiligen Sitzen einsetzen soll. Herr, höre nun die Zeichensprache der Sechsergruppe des Wissens:
Kumārikākhaṇḍa 28.99
- ākhe iti visaścaiva avidyā ca tathā param |
mama ceti tathā svāsū ā–me–i jñānaṣaṭkakam ||
Ākhe, Visa, ferner Avidyā, Mama und ebenso Svāsū sowie Ā–Me–I: [Dies ist] die Sechsergruppe des Wissens.
Kumārikākhaṇḍa 28.100
- aparaṃ ca mahantāryāḥ pañcakasya ca sūcanam |
avimā hyekato vyāptiḥ samu ceti ca yo mukhaḥ ||
Eine weitere Bezeichnung der Fünfergruppe der Mahantārī: Avimā ist die Durchdringung als Einheit; Samu ist das Antlitz [Deutung der Lautglieder unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 28.101
- sa ca anyakrameṇaiva samasteṣviti pañcakam |
evaṃ te ṣaṭprakārāṇi bhedāni saptaviṃśatiḥ ||
Durch die andere Übertragungsfolge [ist es] in ihnen allen – dies ist die Fünfergruppe. So hast du sechs Arten mit siebenundzwanzig Unterteilungen.
Kumārikākhaṇḍa 28.102
- ādau pīṭhacatuṣkaṃ tu catvāraḥ pīṭhadevatāḥ |
siddhapañcakamanyaṃ tu jñānaṣaṭkaṃ tathāparam ||
Am Anfang stehen die vier heiligen Sitze und die vier Gottheiten der Sitze. Es folgt die Fünfergruppe der Siddhas, dann die Sechsergruppe des Wissens,
Kumārikākhaṇḍa 28.103
- mahantāryāḥ pañcakaṃ ca olitrikamanantaram |
etad bālakramākhyātaṃ pañcapraṇavabheditam ||
die Fünfergruppe der Mahantārī und anschließend die Dreiheit der Linien. Dies heißt die Übertragungsfolge des Kindes, gegliedert durch die fünf Praṇavas.
Kumārikākhaṇḍa 28.104
- lakṣāśramapadasaṃyuktaṃ vṛddhakaumārakaṃ smṛtam |
ākhyātā ca kaniṣṭholiḥ kāmarūpāditaḥ kramāt ||
Die [Übertragungen] der Alten und der Jugendlichen gelten als mit hunderttausend Gliedern verbunden, die als Wohnstätten dienen. Die Linie der Jüngsten ist vom Kāmarūpa aus in ihrer Reihenfolge erklärt.
Kumārikākhaṇḍa 28.105
- jyeṣṭhaṃ madhyamasaṃjñaṃ ca tathā bālaṃ tṛtīyakam |
ākhyātaṃ paścimāmnāye kramamekaṃ tridhāvidham ||
Die älteste, die mittlere und als dritte die des Kindes: In der westlichen Überlieferung ist die eine Übertragungsfolge in dreifacher Gestalt dargelegt.
Kumārikākhaṇḍa 28.106
- olibhedena kartavyaṃ sva–olyāṃ kramapūjanam |
sva–oliṃ maṇḍalaṃ cakraṃ kramaṃ mantropadeśakam ||
Die Verehrung der Übertragungsfolge soll in der eigenen Linie stattfinden, entsprechend der Unterscheidung der Linien. Die eigene Linie, das Maṇḍala, das Rad, die Folge und die Unterweisung im Mantra,
Kumārikākhaṇḍa 28.107
- pāramparyamukhāmnāyaṃ siddhasantānasantatau |
bhāṣāsaṃketakaṃ sūtraṃ jñātvā ājñā pravartate ||
die mündliche Überlieferung der Lehrerfolge innerhalb der Familie der Siddhas und den Lehrsatz über die Zeichen ihrer Sprache – wenn man dies kennt, entfaltet sich der göttliche Auftrag.
Kumārikākhaṇḍa 28.108
- paścāt kulakramaṃ pūjyaṃ anyathā na kadācana |
oliranyā kriyā cānyā anyaṃ mantraparigraham ||
Erst danach soll man die Kula-Übertragungsfolge verehren, niemals anders. Ist die Linie eine andere als das Ritual und die übernommene Mantraform,
Kumārikākhaṇḍa 28.109
- pūjāvidhānamanyaṃ tu maṇḍalaṃ vyutkrameṇa tu |
vṛddhakaumārabālaṃ vā anyaṃ vā khecarakramam ||
ist die Weise der Verehrung eine andere oder die Ordnung des Maṇḍalas verkehrt, oder gehört die Folge der Alten, der Jugendlichen, des Kindes oder des Himmelsgängers einer anderen [Linie an],
Kumārikākhaṇḍa 28.110
- aśuddhaṃ śrīkramaṃ yasmādabhyasto'pi na siddhyati |
siddhyate vā pramādena guruvaktrād vinirgatam ||
so ist die Śrīkrama-Übertragung unrein und führt auch bei eingeübter Praxis nicht zur Vollendung. Wird sie dennoch durch Unachtsamkeit erlangt und ist sie aus dem Mund des Gurus hervorgegangen,
Kumārikākhaṇḍa 28.111
- ante vighnapradaṃ śiṣye aśuddhaṃ caiva śodhayet |
aśuddhaṃ pūjayed yastu dadyād yaḥ śāstralopakṛt ||
so bringt sie dem Schüler zuletzt Hindernisse; das Unreine soll gereinigt werden. Wer aber eine unreine [Übertragung] verehrt und weitergibt und damit die Schrift verletzt,
Kumārikākhaṇḍa 28.112
- sa tasya hanate nūnaṃ śiṣyamācāryastatkṣaṇāt |
śiṣyasya grahaṇāt mṛtyuracirādapi nānyathā ||
der Lehrer vernichtet dadurch gewiss sogleich seinen Schüler. Durch die Annahme eines [solchen] Schülers kommt der Tod auch für ihn bald – nicht anders.
Kumārikākhaṇḍa 28.113
- sadbhaktasya svaśiṣyasya śāstralopaṃ na kārayet |
abhakte ca śaṭhe deva kriyālopakare tathā ||
Den eigenen, aufrichtig ergebenen Schüler soll man nicht zur Verletzung der Schrift veranlassen. Einem ohne Hingabe, einem Hinterlistigen oder einem, der das Ritual verletzt, o Gott,
Kumārikākhaṇḍa 28.114
- na tasya dāpayed jñānaṃ kramaṃ maṇḍalakādikam |
tathā kulāgatāṃ cājñāṃ upadeśaṃ ca gopayet ||
soll man das Wissen, die Übertragungsfolge, das Maṇḍala und das Weitere nicht geben. Ebenso bewahre man den aus dem Kula überlieferten Auftrag und die Unterweisung im Verborgenen.
Kumārikākhaṇḍa 28.115
- bhayāt prītyārthalobhād vā mahatvapadakāṃkṣayā |
yo dadet kramamoghānāṃ sa yāti narakaṃ dhruvam ||
Wer die Übertragungsfolge der Ströme aus Furcht, Zuneigung, Habgier oder Verlangen nach hohem Rang weitergibt, geht gewiss in die Hölle.
Kumārikākhaṇḍa 28.116
- aviyogācca maraṇaṃ saṃskāraṃ naivamarhati |
kramaṃ vidyāgamaṃ yogaṃ gopanīyaṃ prayatnataḥ ||
Durch das Nichtablassen [davon] tritt der Tod ein, und er ist der letzten Riten nicht würdig. Übertragungsfolge, Vidyā-Überlieferung und Yoga sind sorgfältig geheim zu halten.
Kumārikākhaṇḍa 28.117
- sarvasvaṃ rakṣayet jñānaṃ caurebhyo draviṇaṃ yathā |
pañcopacārapūjāyāṃ arcayitvā kulāgamam ||
Das Wissen soll man als seinen ganzen Schatz schützen, wie Vermögen vor Dieben. Nachdem man die Kula-Überlieferung mit einer Verehrung aus fünf Darbringungen verehrt hat,
Kumārikākhaṇḍa 28.118
- ādyoghaṃ cintayed buddhyā antaraṅgena suvrata |
bahiraṅgaṃ yadā kuryād darśayeditare jane ||
soll man, o du mit guten Gelübden, den ursprünglichen Strom mit der Einsicht im Inneren betrachten. Vollzieht man dies äußerlich und zeigt es anderen Menschen,
Kumārikākhaṇḍa 28.119
- ājñābhaṅgaṃ na saṃdehaḥ khyāpanānnarake gatiḥ |
karmaṇā manasā vācā triśuddhirbhaktivatsala ||
ist der göttliche Auftrag ohne Zweifel gebrochen; durch das Offenbaren führt der Weg in die Hölle. O Freund der Hingabe, dreifache Reinheit [besteht] in Handeln, Denken und Sprechen.
Kumārikākhaṇḍa 28.120
- sadbhaktasya vinītasya dvādaśābdaparīkṣite |
anugrahaṃ prakartavyaṃ śāstraṃ tasyāvatārayet ||
Dem wahrhaft Ergebenen und Bescheidenen soll nach zwölfjähriger Prüfung Gnade erwiesen und die Schrift vermittelt werden.
Kumārikākhaṇḍa 28.121
- anyathā naiva kartavyaṃ jihvopasthanimittaye |
jihvopasthanimittaye śrīkramaṃ pravadanti ye ||
Anders soll dies nicht geschehen, nicht um der Zunge und der Geschlechtsorgane willen. Wer die Śrīkrama-Übertragung um der Zunge und der Geschlechtsorgane willen verkündet
Kumārikākhaṇḍa 28.122
- kathayanti mukhāmnāyaṃ ājñāśāstramidaṃ kulam |
na teṣāmaihikī siddhiḥ paratra ca na vidyate ||
und so die mündliche Überlieferung, die Schrift des göttlichen Auftrags und dieses Kula lehrt, erlangt weder in dieser Welt Vollendung noch in der anderen.
Kumārikākhaṇḍa 28.123
- akramāllobhamohād vā mithyāhaṃkāragarvitaḥ |
akramād gṛhyate śāstraṃ āmnāyaṃ mukhakaulikam ||
Wenn jemand aus Gier oder Verblendung, stolz auf sein falsches Ich, ohne die rechte Übertragungsfolge die Schrift und die mündliche Kaula-Überlieferung annimmt,
Kumārikākhaṇḍa 28.124
- tat tasya niṣphalaṃ sarvaṃ ākāśe kumudaṃ yathā |
tathā ca niṣphalā ceṣṭā akramācaraṇād bhavet ||
ist ihm das alles fruchtlos wie eine Wasserlilie am Himmel. Ebenso bleibt sein Tun fruchtlos, wenn er außerhalb der Übertragungsordnung handelt.
Kumārikākhaṇḍa 28.125
- kramapūjāratāḥ śāntā rāgadveṣavivarjitāḥ |
te ca yogyāḥ kule kaule śeṣāstvantarajātayaḥ ||
Wer der Verehrung der Übertragungsfolge zugetan ist, friedvoll und frei von Anhaften und Abneigung, ist für Kula und Kaula geeignet. Die Übrigen gehören anderen Geburtsgruppen an.
Kumārikākhaṇḍa 28.126
- lobhād yo gṛhṇate śāstraṃ aihikārthaṃ ca sundara |
kīrtyarthaṃ ca yaśārthaṃ vā putrakasya kṛte'thavā ||
O Schöner, wer die Schrift aus Gier, zu weltlichem Nutzen, um Ruhm oder Ansehen oder um eines Sohnes willen annimmt
Kumārikākhaṇḍa 28.127
- mantrī kramapadasyārthe adhikāraṃ prayacchati |
sa tasya hanate deva mahādroho na saṃśayaḥ ||
und als Mantrapraktizierender Vollmacht zur Bedeutung der Glieder der Übertragungsfolge erteilt, der vernichtet ihn, o Gott [Bezug unsicher]. Es ist ohne Zweifel ein schwerer Verrat.
Kumārikākhaṇḍa 28.128
- viṣṭhāmadhye kṛmirbhūtvā amedhye sūpajīvati |
pratyuttāraṃ na vidyeta tadvat tasyādhamā gatiḥ ||
Zum Wurm mitten im Kot geworden, lebt er von Unreinem. Ein Wiederaufstieg findet sich nicht; so ist sein Weg nach unten.
Kumārikākhaṇḍa 28.129
- kramaṃ ca trividhaṃ proktaṃ sthūlaṃ sūkṣmaṃ tathā param |
śāktaṃ ca śāmbhavaṃ caiva āṇavaṃ ca tṛtīyakam ||
Die Übertragungsfolge wird dreifach genannt: grob, fein und höchst. [Weiter:] Śākta, der Kraft zugehörig; Śāmbhava, Śambhu zugehörig; und als Drittes Āṇava, dem begrenzten Einzelwesen zugehörig.
Kumārikākhaṇḍa 28.130
- parāparaṃ ca aparaṃ paraṃ ceti trikaṇṭakam |
ekaṃ tritrikabhedena tridhā olikramaṃ viduḥ ||
Ferner: zugleich höchst und nicht höchst, nicht höchst und höchst – so die dreifache Spitze. Man kennt die eine Übertragungsfolge der Linien als dreifach, unterschieden in drei Dreiergruppen.
Kumārikākhaṇḍa 28.131
- sthūlaṃ vṛddhakramākhyātaṃ jyeṣṭha–olyādhikārakam |
sūkṣmakramaṃ ca kaumāraṃ susūkṣmamiti gīyate ||
Das Grobe heißt Übertragungsfolge der Alten und ist das Lehrgebiet der ältesten Linie. Die feine Folge ist die der Jugendlichen; sie wird als sehr fein besungen.
Kumārikākhaṇḍa 28.132
- paraṃ bālakramaṃ bhāvyaṃ kaniṣṭholitṛtīyakam |
eka eva tridhā bhinnaṃ kramamekaṃ trikaṇṭakam ||
Als höchst soll man die Folge des Kindes betrachten, die dritte, jüngste Linie. Nur eine ist dreifach unterschieden: die eine Übertragungsfolge mit den drei Spitzen.
Kumārikākhaṇḍa 28.133
- śrīkramaṃ tu tridhā proktaṃ tridhā olikramaṃ viduḥ |
mama dehād viniṣkrāntāḥ kramāścatvāri sundara ||
Die Śrīkrama-Übertragung ist dreifach erklärt; man kennt sie als die dreifache Folge der Linien. O Schöner, vier Übertragungsfolgen sind aus meinem Körper hervorgegangen:
Kumārikākhaṇḍa 28.134
- khecaraṃ ca kramaṃ cādyaṃ vṛddhakaumārabālakam |
teṣāṃ caturyugā siddhiḥ sva–olyānukramaṃ tathā ||
zuerst die des Himmelsgängers, dann die der Alten, der Jugendlichen und des Kindes. Ihre Vollendung gehört den vier Weltaltern, entsprechend der Ordnung der eigenen Linie.
Kumārikākhaṇḍa 28.135
- kṛte tu khecaraṃ proktaṃ tretā vṛddhakramaṃ tathā |
dvāpare kramakaumāraṃ kalau bālakramaṃ kramam ||
Im Kṛta-Zeitalter wird die Folge des Himmelsgängers genannt, im Tretā die der Alten; im Dvāpara die der Jugendlichen und im Kali die des Kindes.
Kumārikākhaṇḍa 28.136
- evaṃ te kramacatvāraḥ yugānte cāvatāritāḥ |
kalau yuge mahādeva kramaṃ jñeyaṃ caturvidham ||
So sind deine vier Übertragungsfolgen am Ende der Weltalter herabgebracht worden. Großer Gott, im Kali-Zeitalter soll man die vierfache Übertragungsfolge kennen.
Kumārikākhaṇḍa 28.137
- teṣāṃ ca udayaṃ vakṣye tathā cāstamanaṃ punaḥ |
udayāstamanenaiva jñeyaṃ kramacatuṣṭayam ||
Ich werde ihr Hervortreten und danach ihr Zurückgehen erklären. Zusammen mit ihrem Hervortreten und Zurückgehen soll man die vier Übertragungsfolgen erkennen.
Kumārikākhaṇḍa 28.138
- mama dehād viniṣkrāntā vidhānaṃ teṣu tacchṛṇu |
anāmānāmasaṃlagnā tanmadhye khecaraṃ kramam ||
Sie sind aus meinem Körper hervorgegangen; höre die Ordnung, die für sie gilt. Die Namenlose ist mit dem Namenlosen verbunden; in ihrer Mitte ist die Übertragungsfolge des Himmelsgängers.
Kumārikākhaṇḍa 28.139
- nirgataṃ jñānasāmarthyānmajjamadhye layaṃgatam |
aparaṃ yat kramaṃ vṛddhaṃ mama krodhād vinirgatam ||
Sie geht aus der Kraft des Wissens hervor und löst sich im Mark auf. Die weitere Folge, die der Alten, ist aus meinem Zorn hervorgegangen.
Kumārikākhaṇḍa 28.140
- snāyorantargataṃ deva etaccāstamanaṃ smṛtam |
kaumāraṃ nābhicakrasthaṃ tasmāt sthānād vinirgatam ||
Sie geht in die Sehnen ein, o Gott; dies gilt als ihr Zurückgehen. Die Folge der Jugendlichen hat ihren Ort im Nabelrad und geht aus dieser Stätte hervor.
Kumārikākhaṇḍa 28.141
- layaṃ ca śoṇite tasya udayāstamanaṃ tvidam |
tathā bālakramaṃ nāma yonicakrād vinirgatam ||
Sie löst sich im Blut auf: Dies ist ihr Hervortreten und Zurückgehen. Ebenso geht die sogenannte Folge des Kindes aus dem Yoni-Rad hervor.
Kumārikākhaṇḍa 28.142
- vilīnaṃ śukramadhye tu udayāstamanatrayam |
kramatrayasamāyuktaṃ udayāstamanasaṃyutam ||
Sie löst sich im Samen auf. Dies ist die Dreiheit von Hervortreten und Zurückgehen. Wer mit den drei Übertragungsfolgen und ihrem Hervortreten und Zurückgehen verbunden ist,
Kumārikākhaṇḍa 28.143
- sa śiṣyaḥ paścimāmnāye śeṣā'nye nāmadhārakāḥ |
śṛṇu nātha pravakṣyāmi kramamekaṃ tridhā yathā ||
ist Schüler der westlichen Überlieferung; alle Übrigen tragen nur diesen Namen. Höre, o Herr: Ich werde erklären, wie die eine Übertragungsfolge dreifach ist.
Kumārikākhaṇḍa 28.144
- yasmin kāle layaṃ sarvaṃ mama dehe prajāyante |
na candrārkagrahā ṛkṣā na loko naiva parvataḥ ||
Als alles in meinem Körper zur Auflösung kam, gab es weder Mond, Sonne und Planeten noch Sterne, weder Welt noch Berg.
Kumārikākhaṇḍa 28.145
- nāhaṃ deva na ca tvaṃ vā śūnyaṃ bhūtaṃ carācaram |
tasmāccaiva nirākārād divyājñāyāḥ samudbhavaḥ ||
Weder ich war da, o Gott, noch du; alles Bewegliche und Unbewegliche war leer geworden. Aus jenem Formlosen erhob sich der göttliche Auftrag.
Kumārikākhaṇḍa 28.146
- śivecchā nirgatā śaktiraṃkurākārarūpiṇī |
taḍillatā samākārā dyotayantī nabhastalam ||
Als Śivas Wille trat die Kraft hervor, in der Gestalt eines Sprosses. Einer Blitzranke gleich erleuchtete sie den Himmelsraum.
Kumārikākhaṇḍa 28.147
- tena cīrṇaṃ tapaṃ cograṃ divyājñāyā jitendriyam |
tataḥ sā unmanā jātā vṛddhatvaṃ samupāgatā ||
So wurde vom göttlichen Auftrag mit bezwungenen Sinnen strenge Askese geübt. Darauf wurde sie Unmanā, die jenseits des Denkens Stehende, und nahm die Gestalt der Alten an.
Kumārikākhaṇḍa 28.148
- aṃkuraṃ tu dvidhābhinnaṃ sākāraṃ tu nirañjanam |
śivaśaktisamāyogaḥ gīyate sarvajantuṣu ||
Der Spross teilte sich in zwei: das Gestalthafte und das Makellose. Dies wird als Vereinigung von Śiva und Śakti in allen Lebewesen besungen.
Kumārikākhaṇḍa 28.149
- tvaṃ śivo deva kaulīśa ahaṃ sā kubjinī parā |
mama rūpatrayo jātaḥ khecarakāraṇena tu ||
Du bist Śiva, o Gott Kaulīśa; ich bin jene höchste Kubjinī. Meine drei Gestalten entstanden durch die Ursache des Himmelsgängers.
Kumārikākhaṇḍa 28.150
- pratyūṣe bālarūpāhaṃ yuvāhaṃ dinamadhyataḥ |
niśācāreṇa vṛddhāhaṃ mama eṣā tridhā gatiḥ ||
Im Morgengrauen habe ich die Gestalt des Kindes, zur Tagesmitte bin ich eine junge Frau; durch die nächtliche Praxis bin ich die Alte. Dies ist mein dreifacher Wandel.
Kumārikākhaṇḍa 28.151
- tasmāt tu trividhaṃ proktaṃ kramamekaṃ kulakrame |
bālakrame ca bālāvvā tadā bālakramaṃ bhavet ||
Darum heißt die eine Übertragungsfolge im Kulakrama dreifach. Ist die Kind-Mutter Bālāvvā in der Folge des Kindes, dann ist dies die Übertragungsfolge des Kindes.
Kumārikākhaṇḍa 28.152
- madhyāhne yuvakaumāraṃ tenāsau madhyamaḥ smṛtaḥ |
vṛddhaṃ tu vṛddharūpī syāt sandhyākālasamarpitam ||
Mittags [zeigt sich] die Jugendgestalt; deshalb gilt jene als die mittlere. Die Folge der Alten hat die Gestalt der Alten und ist der Zeit der Abenddämmerung zugeordnet.
Kumārikākhaṇḍa 28.153
- tribhirmūrtivaśenaiva kramamekaṃ tridhā bhavet |
teṣu vidyā hyahaṃ devyā ṣaḍvaktrāṅgasamanvitā ||
Durch die drei Gestalten ist die eine Übertragungsfolge dreifach. In ihnen bin ich die Vidyā, die Göttin mit sechs Gesichtern und ihren Gliedern.
Kumārikākhaṇḍa 28.154
- tathā kulāṣṭakaṃ bāhye kramamaṇḍalaveṣṭitam |
maṇḍitaṃ yaistu trailokyaṃ nānārūpaṃ nabhākṛti ||
Ebenso ist außen die Kula-Achtergruppe, vom Maṇḍala der Übertragungsfolge umschlossen. Durch sie ist die dreifache Welt geschmückt, mannigfaltig und von der Gestalt des Raumes.
Kumārikākhaṇḍa 28.155
- tena te maṇḍalāḥ proktā udyāstamanavarjitāḥ |
maṇḍalā dyotagāḥ sarve tridhā baddhamaśeṣataḥ ||
Darum heißen sie deine Maṇḍalas, frei von Hervortreten und Zurückgehen. Alle Maṇḍalas verweilen im Leuchten; sie sind restlos dreifach zusammengebunden.
Kumārikākhaṇḍa 28.156
- kramodayamidaṃ hyetat tridhā baddhamaśeṣataḥ |
ataḥ paraṃ pravakṣyāmi kuladevyāṣṭakaṃ yathā ||
Dies ist das Hervortreten der Übertragungsfolge, restlos dreifach zusammengebunden. Nun werde ich erklären, wie es sich mit den acht Kula-Göttinnen verhält.
Kumārikākhaṇḍa 28.157
- aṣṭavargākṣarānyaṣṭau aiṃkārāntavibheditāḥ |
nādabindusamākrāntā nābhisthāḥ kuladevatāḥ ||
Die acht Laute der acht Lautgruppen sind am Ende durch Aiṃ gegliedert. Von Nāda und Bindu überdeckt, ruhen die Kula-Gottheiten im Nabel.
Kumārikākhaṇḍa 28.158
- bījatrayaṃ tu prāsādaṃ rāvabījaṃ tu pañcamam |
aṣṭāvante samāsṛjyā vargadevyastvanantaram ||
Die drei Keimlaute, dazu Prasāda und als fünfter der Rāva-Keimlaut: Am Ende sind die acht zu entfalten; darauf [folgen] die Göttinnen der Lautgruppen.
Kumārikākhaṇḍa 28.159
- brāhmī māheśi kaumārī vaiṣṇavī ca varāhikā |
indrāṇī caiva āgneyī cāmuṇḍā ceti cāṣṭamī ||
Brāhmī, Māheśi, Kaumārī, Vaiṣṇavī und Varāhikā, Indrāṇī, Āgneyī und als achte Cāmuṇḍā,
Kumārikākhaṇḍa 28.160
- navamī ca mahālakṣmī savisargapradīpitāḥ |
pañcapraṇavāditaḥ kṛtvā saṃyogānnavakaṃ prati ||
als neunte Mahālakṣmī: Sie sind durch den Visarga entzündet. Nachdem man die fünf Praṇavas an den Anfang gesetzt und mit jeder der neun [Göttinnen] verbunden hat
Kumārikākhaṇḍa 28.161
- vicceti pādukāntaṃ tu kṛtvā yajanamārabhet |
olīnāmetat samayaṃ samayāyuktavidyayā ||
und Vicce an das Ende von Pādukā gesetzt hat, beginne man die Verehrung. Dies ist die Regel der Linien, mit der Vidyā, die mit Samayā verbunden ist.
Kumārikākhaṇḍa 28.162
- kramasyāvaraṇaṃ proktaṃ jñātvā siddhyāriho bhavet |
saptāviṃśatibhedāni trividhena krameṇa tu ||
Damit ist die Umhüllung der Übertragungsfolge erklärt. Wer sie kennt, wird zum Vernichter der Feinde der Vollendung. Die siebenundzwanzig Unterteilungen nach der dreifachen Übertragungsfolge,
Kumārikākhaṇḍa 28.163
- uktā ye ca mayā deva teṣāṃ saṃketakāni me |
pādukānāṃ ca pīṭhānāṃ siddhanāthakrameṇa tu ||
die ich genannt habe, o Gott, und ihre Zeichen – bei den Pādukās und den heiligen Sitzen, entsprechend der Folge der Siddha-Herren,
Kumārikākhaṇḍa 28.164
- devatā ye krame sarve avvāśabdaṃ niyojayet |
pādukāntaṃ tathāgre tu kramaṃ pūjyaṃ yathāvidhiḥ ||
füge man bei allen Gottheiten der Übertragungsfolge das Wort Avvā hinzu. Ebenso [setze man] Pādukā an das Ende und [verehrt] davor die Übertragungsfolge nach der Vorschrift [Satzbezug unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 28.165
- eteṣāṃ ca kramāṇāṃ ca udayāstamanaṃ punaḥ |
ādyakramasya deveśa udayaṃ cādyapīṭhake ||
Noch einmal das Hervortreten und Zurückgehen dieser Übertragungsfolgen: O Herr der Götter, die erste Folge tritt im ursprünglichen heiligen Sitz hervor.
Kumārikākhaṇḍa 28.166
- layaṃ vai tisrapīṭhe tu ādyasya khecarasya ca |
tathā vṛddhakramasyaiva udayaṃ tisrapīṭhake ||
Die erste, die des Himmelsgängers, löst sich im Tisrapīṭha auf. Ebenso tritt die Übertragungsfolge der Alten im Tisrapīṭha hervor.
Kumārikākhaṇḍa 28.167
- kāmarūpe layaṃ tasya kaumārasya tathā punaḥ |
udayaṃ pūrṇagiryāyāṃ layaṃ tasyādyapīṭhake ||
Sie löst sich in Kāmarūpa auf. Die Folge der Jugendlichen wiederum tritt in Pūrṇagiri hervor und löst sich im ursprünglichen heiligen Sitz auf.
Kumārikākhaṇḍa 28.168
- tathā bālakramasyaiva udayaṃ kāmarūpake |
layamoṃkārapīṭhe tu etat kramavinirṇayam ||
Ebenso tritt die Übertragungsfolge des Kindes in Kāmarūpa hervor und löst sich im heiligen Sitz des Oṃ-Lautes auf. Dies ist die Bestimmung der Übertragungsfolge.
Kumārikākhaṇḍa 28.169
- ākhyātaṃ pūrvasūtre'smin jñātvā cānvayiko bhavet |
kramapūrve samāpte tu ājñāsūtraṃ tu yoginaḥ ||
In diesem vorausgehenden Lehrtext ist sie erklärt; wer sie kennt, wird Angehöriger der Überlieferung. Ist die vorausgehende Übertragungsfolge abgeschlossen, [folgt] der Lehrtext des göttlichen Auftrags für den Yogi.
Kumārikākhaṇḍa 28: unnummerierter Halbvers (half_after_169)
- sakṛdāvartanāt tasyā ājñāsiddhirmalakṣayam |
Durch ein einziges Wiederholen davon [erlangt man] die Vollendung des göttlichen Auftrags und die Auflösung der Unreinheit.
Kumārikākhaṇḍa 28: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike ādyapīṭhāvatārite vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite kramatridhādhikāravarṇane kramodayo nāmānandaḥ || 28 ||
So endet das achtundzwanzigste Kapitel, die Wonne namens „Das Hervortreten der Übertragung“, in der Darstellung des dreifachen Lehrgebiets der Übertragungsfolge: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 29

Kumārikākhaṇḍa 29: Kapitelkopf (heading)
- ūnatriṃśānandaḥ
Neunundzwanzigste Wonne
Kumārikākhaṇḍa 29: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 29.1
- ahaṃ śiṣyaḥ svarūpeṇa kṛpāṃ me kuru kaulini |
yat kiñcidājñayā devi prasādaṃ kriyatāṃ prabho ||
Meinem Wesen nach bin ich dein Schüler. Erweise mir dein Erbarmen, Kaulinī! Göttin, gewähre mir durch deinen Auftrag irgendeine Gnade, o Herrin.
Kumārikākhaṇḍa 29.2
- anādinidhane śānte ādināthe kulodbhave |
kandaguhyāntarāvasthe namāmi paramāmṛte ||
Du ohne Anfang und Ende, Friedvolle, ursprüngliche Herrin, aus dem Kula Geborene! Du ruhst im Inneren der geheimen Höhle der Wurzel. Höchster Nektar, ich verneige mich vor dir.
Kumārikākhaṇḍa 29.3
- dvādaśānte trikoṇasthe kandādhārasamudbhave |
vāme vāmāntarālīne namāmi paramāvyaye ||
Du im Dreieck am Zwölferende, aus der Grundlage der Wurzel Hervorgegangene! Vāmā, im Inneren der Frau verborgen, höchste Unvergängliche – ich verneige mich vor dir.
Kumārikākhaṇḍa 29.4
- sarvakāmaiḥ susaṃpūrṇe icchāśaktiradhiṣṭhite |
icchayā sṛjase sarvaṃ trailokyaṃ sacarācaram ||
Ganz erfüllt von allen Wünschen und von der Willenskraft getragen, erschaffst du durch deinen Willen alles: die drei Welten mit allem Beweglichen und Unbeweglichen.
Kumārikākhaṇḍa 29.5
- kāmeśvarīti kāmākhye kāmarūpe svayaṃbhuve |
kāmapīṭhāntarāvasthe kāmarūpe namāmi te ||
Du Kāmeśvarī in Kāmākhya, Selbstentstandene in Kāmarūpa! Du ruhst im Inneren des heiligen Kāma-Sitzes. Kāmarūpā, ich verneige mich vor dir.
Kumārikākhaṇḍa 29.6
- bindumadhyād viniṣkrānte kāmeśvari bhagālaye |
guptakāmākhyaguhyānte mahāsiddhairalaṃkṛte ||
Du aus der Mitte des Bindu Hervorgegangene, Kāmeśvarī, Wohnstätte der Yoni! Im Geheimnis des verborgenen Kāmākhya, geschmückt mit großen Siddhas,
Kumārikākhaṇḍa 29.7
- sarvaratneṣu khacite mahāmaṇivibhūṣite |
muktāphalapravālādyairbhūṣite sumanorame ||
mit allerlei Juwelen besetzt, mit großen Edelsteinen geziert, geschmückt mit Perlen, Korallen und anderem, überaus Liebenswerte,
Kumārikākhaṇḍa 29.8
- vajravaiḍūryaracite indranīlairvicitrite |
anekaratnasaṃdīpte mahāratnavibhūṣite ||
mit Diamanten und Vaidūrya-Steinen gestaltet, mit Indranīla-Saphiren bunt verziert, in zahllosen Juwelen leuchtend, mit kostbaren Edelsteinen geschmückt,
Kumārikākhaṇḍa 29.9
- sugandhagandhabahule kuṃkumodakacarcite |
karpūrādibhirdhūpaiśca madirānandanandite ||
reich an wohlriechenden Düften, mit Kuṃkuma-Wasser bestrichen, mit Kampfer und anderen Räucherstoffen [verehrt], erfreut durch die Wonne des Weines,
Kumārikākhaṇḍa 29.10
- sugandhāmodabahule pañcakādye manohare |
nānākusumajātībhirnānāvarṇairadhiṣṭhite ||
reich an süßem Wohlgeruch, mit der Fünfergruppe und dem Weiteren [verehrt], Bezaubernde, umgeben von Blumen vieler Arten und von vielerlei Farben,
Kumārikākhaṇḍa 29.11
- pūjyase siddhavṛndaiśca candratārāgaṇāvṛte |
khecarīcakramadhyasthe mandarasthe napuṃsake ||
wirst du von Scharen der Siddhas verehrt. Von Mond und Sternenscharen umgeben, ruhst du in der Mitte des Khecarī-Rades und auf Mandara, du weder Weibliche noch Männliche.
Kumārikākhaṇḍa 29.12
- pañcāśalliṅgajanani yonirūpe mahāmbike |
guhyāntāvasthite devi guhāgahanavāsini ||
Mutter der fünfzig Liṅgas, du in der Gestalt der Yoni, große Mutter! Göttin, du ruhst im Geheimen und wohnst in der Tiefe der Höhle.
Kumārikākhaṇḍa 29.13
- na strī na ca puṃliṅgaṃ ānandaṃ tannapuṃsakam |
ratnaikādaśasaṃsthāne tvaṃ hi devi virājase ||
Nicht weiblich und nicht männlich ist jene Wonne, sondern jenseits beider Geschlechter. In der Stätte der elf Juwelen erstrahlst du, o Göttin.
Kumārikākhaṇḍa 29.14
- khyātuṃ tvāṃ naiva śaknomi saṃkṣepeṇoditaṃ mayā |
mahāratnastavaṃ guhyaṃ divyānandapravartakam ||
Ich vermag dich nicht [ganz] zu beschreiben. In Kürze habe ich den geheimen Lobpreis des Großen Juwels ausgesprochen, der göttliche Wonne hervorbringt.
Kumārikākhaṇḍa 29.15
- stutiṃ kṛtvā tu pṛcchāmi kāmarūpe śṛṇu priye |
kaścāhaṃ tvaṃ ca kā devi kiṃ nāma iha gīyate ||
Nachdem ich dich gepriesen habe, frage ich dich, Kāmarūpā. Höre, Geliebte: Wer bin ich, und wer bist du, Göttin? Welcher Name wird hier besungen?
Kumārikākhaṇḍa 29.16
- na jānāmi svarūpaṃ te tejaśaktyāḥ prabhāvataḥ |
praṇāmaṃ varṇarūpaṃ vā pāramparyavyavasthitam ||
Durch die Macht deiner strahlenden Kraft erkenne ich dein Wesen nicht – weder die ehrerbietige Begrüßung noch die Lautgestalt, wie sie in der Lehrerfolge festgelegt ist,
Kumārikākhaṇḍa 29.17
- pīṭhaṃ mantropadeśañca kramācāraṃ yathā sthitam |
mama līnā sadā magnā nāhaṃ jānāmi te padam ||
noch den heiligen Sitz, die Mantra-Unterweisung und die überlieferte Praxis der Übertragungsfolge. Du bist stets in mir verborgen und versunken, doch ich erkenne deine Stätte nicht.
Kumārikākhaṇḍa 29.18
- devadevapriye devi mama prāṇeṣu vallabhe |
na tvayā rahitaṃ kiñcit paśyāmi sacarācare ||
Göttin, Geliebte des Gottes der Götter, Geliebte in meinen Lebenskräften! In allem Beweglichen und Unbeweglichen sehe ich nichts, das von dir getrennt wäre.
Kumārikākhaṇḍa 29.19
- prasādaṃ kuru me gauri bhaktasya māṃ sulocane |
kiñcid rahasyaṃ deveśi kaulajñānaṃ sudurlabham ||
Erweise mir, deinem Verehrer, Gnade, Gaurī mit den schönen Augen! Herrin der Götter, [lehre mich] etwas von dem Geheimnis, dem so schwer zugänglichen Kaula-Wissen,
Kumārikākhaṇḍa 29.20
- yasyāvatāramātreṇa siddhirbhavati kalau yuge |
tadahaṃ śrotumicchāmi niḥsaṃśayaṃ vadasva me ||
durch dessen bloße Herabkunft im Kali-Zeitalter Vollendung entsteht. Das möchte ich hören; sage es mir ohne Zweifel.
Kumārikākhaṇḍa 29: Sprecherzeile (speaker_before_21)
- śrīvakrā uvāca
Die ehrwürdige Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 29.21
- śṛṇu īśvara tattvena kāraṇaṃ gūḍhamuttamam |
guhyād guhyataraṃ guhyaṃ gopanīyaṃ prayatnataḥ ||
Höre, Īśvara, die höchste verborgene Ursache, wie sie wirklich ist: das Geheimnis, geheimer noch als das Geheime, das sorgfältig verborgen werden soll.
Kumārikākhaṇḍa 29.22
- yoginīhṛdayaṃ guhyaṃ atiguhyaṃ surakṣitam |
rakṣaṇīyaṃ sadā śambho caurebhyo draviṇaṃ yathā ||
Das geheime Herz der Yoginī, höchst geheim und wohl behütet, soll immer geschützt werden, Śambhu, wie Vermögen vor Dieben.
Kumārikākhaṇḍa 29.23
- paratejād viniṣkrāntā avyaktā vyaktarūpiṇī |
dakṣabhāge sthitaḥ śambhuḥ vāme viṣṇuḥ prakīrtitaḥ ||
Aus dem höchsten Strahlen bin ich hervorgegangen: unoffenbar und doch von offenbarer Gestalt. Auf der rechten Seite steht Śambhu, links wird Viṣṇu genannt.
Kumārikākhaṇḍa 29.24
- madhyavartī sthito brahmā bindurūpī mahābalaḥ |
tanmadhyavartinī cāhaṃ tejorūpeṇa saṃsthitā ||
In der Mitte steht Brahmā, von großer Kraft und in der Gestalt des Bindu. In ihrer Mitte ruhe ich in der Gestalt strahlender Kraft.
Kumārikākhaṇḍa 29.25
- bhūrbhuvaḥsvādilokeṣu sthāvareṣu careṣu ca |
nakṣatragraharāśīṣu kṛmikīṭādiṣu sthitā ||
In den Welten Bhūr, Bhuvaḥ, Sva und den weiteren bin ich gegenwärtig, in Unbeweglichem und Beweglichem, in Mondhäusern, Planeten und Tierkreiszeichen, in Würmern, Insekten und anderem.
Kumārikākhaṇḍa 29.26
- mātṛkāvarṇarūpā ca mama yonyāntare sthitā |
pīṭhopapīṭhakṣetrāṇi catvārāṇi tathā pare ||
Meine Gestalt sind die Laute der Mātṛkā. Im Inneren meiner Yoni ruhen die vier heiligen Sitze, Nebensitze und Felder, im Höchsten [Satzfügung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 29.27
- yoginīsiddhanilayaṃ yat kiñcid vāṅmayaṃ sthitam |
sṛjāmi sakalaṃ viśvaṃ saṃhāriṣyāmyahaṃ punaḥ ||
Die Wohnstätte der Yoginīs und Siddhas und alles, was aus Sprache besteht: Ich erschaffe das ganze Weltall und werde es wieder zurücknehmen.
Kumārikākhaṇḍa 29.28
- guhye hṛdi tathā vaktre sthitāhaṃ paramā kalā |
sthūlasūkṣmavibhāgena śṛṇu mūrtiṃ yathā sthitām ||
Als höchste Kraft ruhe ich im geheimen Ort, im Herzen und im Mund. Höre, wie meine Gestalt nach grober und feiner Erscheinung besteht.
Kumārikākhaṇḍa 29.29
- tāṃ te'haṃ saṃpravakṣyāmi divyarūpāṃ mahābalām |
ekākṣarā parā proktā siddhānāṃ jñānabhūmikā ||
Diese göttliche und machtvolle Gestalt werde ich dir erklären. Einsilbig heißt Parā, die Höchste, der Erkenntnisgrund der Siddhas.
Kumārikākhaṇḍa 29.30
- yogavidyā mahāvidyā rudrāṇāṃ hṛdaye sthitā |
rudrakhaṇḍe tu rudrāṇāṃ parā jñānānuvartinī ||
Yoga-Wissen, große Vidyā, im Herzen der Rudras gegründet: Im Bereich Rudras ist sie die Höchste der Rudras, die der Erkenntnis folgt.
Kumārikākhaṇḍa 29.31
- kāmākhye samayā proktā pīṭhadevī ca pūrṇake |
yogisaṃjñā ca oṃkāre mudrātritayamaṇḍale ||
In Kāmākhya heißt sie Samayā, in Pūrṇaka die Göttin des heiligen Sitzes; im Oṃkāra [heißt sie] Yogi – im Maṇḍala der drei Mudrās.
Kumārikākhaṇḍa 29.32
- vidyātritayasaṃyuktaṃ avatāraṃ yuge yuge |
olīnāṃ gotravarge'smin amaryādiṣu śāsane ||
Mit den drei Vidyās verbunden geschieht die Herabkunft in jedem Weltalter: hier in den Familien und Gruppen der Linien, in Amarī und den weiteren [Linien] der Lehre.
Kumārikākhaṇḍa 29.33
- parā ekākṣarā pūrvaṃ tava deva nidarśitā |
tāṃ pravakṣyāmyahaṃ samyak susūkṣmāṃ lakṣamadhyagām ||
Die einsilbige Parā wurde dir schon zuvor gezeigt, o Gott. Ich werde sie dir recht erklären: überaus fein, in der Mitte des Zieles gegründet.
Kumārikākhaṇḍa 29.34
- ādau hrasvasvarā proktā unnatā kiñcid dṛśyate |
nīlotpaladalaśyāmā vīrabhasmasamaprabhā ||
Zuerst wird sie als kurzer Vokal bezeichnet; sie erscheint etwas erhoben. Dunkel wie das Blütenblatt einer blauen Wasserlilie, hat sie den Glanz der Asche der Vīras.
Kumārikākhaṇḍa 29.35
- ṣaḍvaktrā ṣaṭprakārā ca cicchaktyantaracāriṇī |
netrairaṣṭādaśaiścaiva vartulaiścāvalokinī ||
Sie hat sechs Gesichter und sechs Erscheinungsweisen und bewegt sich im Inneren der Bewusstseinskraft. Mit achtzehn runden Augen blickt sie umher.
Kumārikākhaṇḍa 29.36
- dvādaśaiśca bhujairyuktā nānāsragdāmamaṇḍitā |
pretasiṃhāsanāsīnā nānābharaṇaśobhitā ||
Sie ist mit zwölf Armen versehen und mit vielerlei Blumengewinden geschmückt. Auf einem Totengeist als Thron sitzend, erstrahlt sie in mannigfachem Schmuck.
Kumārikākhaṇḍa 29.37
- kulakoṭisahasrāṇāṃ ārūḍhā kulaśāsane |
tasyāḥ piṇḍavidhānoktaṃ devānāmapi durlabham ||
In der Kula-Lehre ist sie über tausend Koṭis von Kulas erhoben. Die Anordnung ihres Körpers wird gelehrt, die selbst für die Götter schwer zu erlangen ist.
Kumārikākhaṇḍa 29.38
- anantaṃ pādayornityaṃ nupūraparimaṇḍaṇam |
takṣakaṃ kaṭibandhe tu mekhalāyāṃ virājate ||
Ananta schmückt immer ihre beiden Füße als Fußringe; Takṣaka erstrahlt als Gürtelband um ihre Hüfte.
Kumārikākhaṇḍa 29.39
- karkoṭakaṃ karṇau devyāḥ kaṇṭhe vāsukibhairavam |
mukuṭe kulikaṃ caiva gonāsaḥ karṇakuṇḍale ||
Karkoṭaka ist an den Ohren der Göttin, Vāsuki-Bhairava an ihrem Hals; Kulika ist in ihrer Krone, Gonāsa an den Ohrringen.
Kumārikākhaṇḍa 29.40
- kharjuramudrikāṃgulyairanye nāgakulāni ca |
bhrūdaṇḍe saṃsthitaḥ padmo mahāpadmo dvitīyake ||
Skorpione bilden die Ringe ihrer Finger, dazu kommen andere Schlangenfamilien. Auf einer Augenbraue ruht Padma, auf der zweiten Mahāpadma.
Kumārikākhaṇḍa 29.41
- khaṭvāṅgaṃ pāśamabhayaṃ akṣasūtraṃ suśobhanam |
mañjarīṃ ratnakhacitaṃ vidyutpuñjasamadyutim ||
[Sie trägt] den Khaṭvāṅga-Stab, eine Schlinge, die Geste der Furchtlosigkeit und eine schöne Gebetsschnur, einen mit Juwelen besetzten Blütenzweig, leuchtend wie ein Bündel von Blitzen,
Kumārikākhaṇḍa 29.42
- koṭyāgamakareṇaiva śaṅkhapālastathottare |
kapālaṃ varadaṃ caiva triśūlaṃ karmadarpaṇam ||
mit einer Hand Koṭis von Āgamas [Deutung unsicher]; links [trägt sie] Śaṅkhapāla. [Weiter:] eine Schädelschale, die Geste der Wunschgewährung, einen Dreizack und den Karma-Spiegel.
Kumārikākhaṇḍa 29.43
- dakṣiṇe ca kare devyā amarīdravyapañcakam |
kalaśaṃ dvānavatyāyāḥ śatairdvibhiḥ virājate ||
In der rechten Hand der Göttin erstrahlt ein Krug mit den fünf Amarī-Substanzen, verbunden mit zweihundertzweiundneunzig [Silben; Zahlenbezug erschlossen].
Kumārikākhaṇḍa 29.44
- svaramālā śire devyā varṇahārāvalambinī |
vṛścikairgalake hāraṃ śatārdhena virājate ||
Auf dem Kopf der Göttin liegt eine Girlande aus Vokalen; eine Kette aus Lauten hängt herab. An ihrem Hals erstrahlt ein Halsschmuck aus fünfzig Skorpionen.
Kumārikākhaṇḍa 29.45
- parādevīmukhaṃ pūrvaṃ ūrdhvasthaṃ rājate śubham |
gokṣīradhavalaṃ divyaṃ kalāsaptādaśīyutam ||
Das erste Gesicht der höchsten Göttin befindet sich oben und leuchtet segensreich. Göttlich und weiß wie Kuhmilch ist es mit der siebzehnten Kraft verbunden.
Kumārikākhaṇḍa 29.46
- dvitīyaṃ mūrdhni vaktraṃ tu gaganaṃ nāma mālinī |
śaṅkhendutuhinābhāsaṃ saumyamūrtiḥ suśobhanam ||
Das zweite Gesicht ist auf dem Kopf: der Himmel, Mālinī genannt. Es glänzt wie Muschelhorn, Mond und Schnee, von friedvoller Gestalt und großer Schönheit.
Kumārikākhaṇḍa 29.47
- tṛtīyaṃ pūrvavaktraṃ tu pāṇḍuraṃ krodhavihvalam |
siddhayogeśvarīkhyātaṃ mantravigrahabhūṣitam ||
Das dritte ist das östliche Gesicht, weiß und von Zorn bewegt. Es heißt Siddhayogeśvarī und ist mit der Gestalt des Mantras geschmückt.
Kumārikākhaṇḍa 29.48
- nīlotpalanibhaprakhyaṃ kālikākhyaṃ tu dakṣiṇe |
daṃṣṭraṃ karālaṃ raudraṃ ca kiñcidraktāyatekṣaṇam ||
Das südliche, Kālikā genannte [Gesicht] leuchtet wie eine blaue Wasserlilie. Mit Fangzähnen, furchterregend und wild, hat es längliche, leicht gerötete Augen.
Kumārikākhaṇḍa 29.49
- dāḍimīkusumaprakhyaṃ saumyamānandadāyakam |
pañcamaṃ tripurā nāma pūrṇacandreva vartulam ||
Das fünfte heißt Tripurā. Einer Granatapfelblüte gleich, friedvoll und Wonne spendend, ist es rund wie der Vollmond.
Kumārikākhaṇḍa 29.50
- umākhecaripūrvaṃ tu paścimaṃ śvetarūpakam |
sarvānugrahakṛd divyaṃ dhyātaṃ mokṣaphalapradam ||
Das westliche Gesicht, dem Umā-Khecarī vorsteht, ist von weißer Gestalt. Es ist göttlich, erweist allen Gnade und gewährt, wenn es meditiert wird, die Frucht der Befreiung.
Kumārikākhaṇḍa 29.51
- svacchadarpaṇasaṃkāśaṃ hṛdayaṃ tu virājate |
bālārkakiraṇaprakhyaṃ śirasaṃ tejavarcasam ||
Ihr Herz erstrahlt wie ein klarer Spiegel. Ihr Kopf, hell von strahlender Kraft, gleicht den Strahlen der jungen Sonne.
Kumārikākhaṇḍa 29.52
- taḍitkoṭisahasrābhā śikhā bhāsvararūpiṇī |
kavacaṃ tejadurbhedyaṃ duṣprekṣyaṃ bahurūpiṇam ||
Ihre leuchtende Haarspitze gleicht tausend Koṭis von Blitzen. Ihr vielgestaltiger Panzer ist durch seinen Glanz schwer zu durchdringen und kaum anzusehen.
Kumārikākhaṇḍa 29.53
- netrau candrārkatulyābhau tṛtīyaṃ vahnisannibham |
astraṃ kālānalacchāyaṃ lelihānaṃ suduḥsaham ||
Zwei Augen leuchten wie Mond und Sonne, das dritte wie Feuer. Ihre Waffe gleicht dem Feuer der Zeit: züngelnd und kaum zu ertragen.
Kumārikākhaṇḍa 29.54
- sarvaṃ saṃhārayet tveva tejasā paribhāvayet |
pṛthivī jānudeśe tu apo nābhyāṃ vyavasthitaḥ ||
So soll man alles zurücknehmen und mit strahlender Kraft durchdringen. Die Erde befindet sich in der Gegend ihrer Knie, das Wasser in ihrem Nabel.
Kumārikākhaṇḍa 29.55
- tejo hṛdayamadhye tu kaṇṭhasthāne tu mārutam |
ākāśaṃ tu lalāṭasthaṃ brahmā nābhigataṃ viduḥ ||
Das Feuer ist in der Mitte des Herzens, der Wind in der Kehle und der Raum an der Stirn. Brahmā, so weiß man, ist im Nabel.
Kumārikākhaṇḍa 29.56
- hṛdi madhye sthito viṣṇuḥ kaṇṭhasthaṃ rudrasaṃjñakam |
īśvaraṃ tu lalāṭasthaṃ tadūrdhve śivamavyayam ||
Viṣṇu ist in der Mitte des Herzens; der Rudra Genannte in der Kehle. Īśvara ist an der Stirn, darüber der unvergängliche Śiva.
Kumārikākhaṇḍa 29.57
- sarvavyāptisvarūpeṇa viśvarūpā yaśasvinī |
agnivāsaparīdhānā tejapuñjasamaprabhā ||
Ihrem Wesen nach alles durchdringend, hat die ruhmreiche Göttin die Gestalt des Alls. Sie trägt ein Feuergewand und erstrahlt wie ein Bündel von Lichtkraft.
Kumārikākhaṇḍa 29.58
- dhyāyed devyāstvidaṃ rūpaṃ āpūryantaṃ vicintayet |
eṣā sā unmanā sūkṣmā sā kalā bhuvanāntare ||
Über diese Gestalt der Göttin meditiere man; man vergegenwärtige sie als [alles] erfüllend. Sie ist jene feine Unmanā, jenseits des Denkens, die Kraft im Inneren der Welten.
Kumārikākhaṇḍa 29.59
- uditā kalikāle tu devadevī jagatsutā |
ākāśe martyaloke ca pātāle hāṭṭakeśvare ||
Im Kali-Zeitalter ist sie hervorgetreten, die Göttin der Götter, die Tochter der Welt. Im Himmelsraum, in der Welt der Sterblichen und in der Unterwelt Hāṭṭakeśvaras
Kumārikākhaṇḍa 29.60
- saṃsthitā olivarge tu ājñārūpā ca koṅkaṇe |
devyā mūrtimimāṃ śambho jñātvā yajanamārabhet ||
ist sie gegenwärtig, ebenso in den Gruppen der Linien und in Koṅkaṇa als göttlicher Auftrag. Śambhu, nachdem man diese Gestalt der Göttin erkannt hat, beginne man ihre Verehrung.
Kumārikākhaṇḍa 29: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike ādyapīṭhāvatārite vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite devyāmūrtidhyānopadeśasūtraṃ || 29 ||
So endet im neunundzwanzigsten Kapitel der „Lehrtext mit der Unterweisung zur Meditation über die Gestalt der Göttin“: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha; in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 30
Kumārikākhaṇḍa 30: Kapitelkopf (heading)
- triṃśānandaḥ
Dreißigste Wonne
Kumārikākhaṇḍa 30: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 30.1
- etadrūpaṃ tvayā devi kathitaṃ gūḍhamuttamam |
rahasyaṃ punaḥ pṛcchāmi pūjā–āgamamaṇḍalam ||
Göttin, du hast jene höchste verborgene Gestalt erklärt. Nun frage ich erneut nach dem Geheimnis der Verehrung, der Schrift und des Maṇḍalas.
Kumārikākhaṇḍa 30.2
- vyākhyālikhanakāle ca vidhānaṃ saṃsphuṭaṃ vada |
śrīvakrā uvāca
likhyamāne mahādeva cāturviṃśasahasrake ||
Sage deutlich, welche Vorschrift beim Erläutern und Niederschreiben gilt. — Großer Gott, wenn die [Sammlung] von vierundzwanzigtausend niedergeschrieben wird,
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Die ehrwürdige Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 30.3
- śrīmate matarājāne khaṇḍatrayamahākule |
vidhihīnasya vighnāni jāyante ca yathā śṛṇu ||
das Śrīmata, der König der Lehren, das große Kula in drei Abteilungen, dann höre, welche Hindernisse einem entstehen, der ohne die vorgeschriebene Ordnung vorgeht.
Kumārikākhaṇḍa 30.4
- utpātāḥ saṃprajāyante vighnāni ca anekadhā |
vyādhayaśca prakupyante rājānaḥ svajane api ||
Unheilvolle Vorzeichen und Hindernisse vieler Art entstehen; Krankheiten nehmen zu, und Könige geraten selbst gegen ihre eigenen Leute in Zorn.
Kumārikākhaṇḍa 30.5
- svagṛhe kalaho nityaṃ udvegaścātidāruṇaḥ |
sagotrāśca prakupyante kalahaṃ ca parasparam ||
Im eigenen Haus herrschen fortwährend Streit und überaus schlimme Unruhe. Die Angehörigen der eigenen Familie werden zornig und streiten untereinander.
Kumārikākhaṇḍa 30.6
- arthahāniralābhaśca viyogaśca suhṛdbadhaḥ |
kapotāśca gṛhe nityaṃ āruhanti viśanti ca ||
Es kommt zu Vermögensverlust, ausbleibendem Gewinn, Trennung und Schädigung von Freunden. Tauben steigen immer wieder auf das Haus und dringen hinein.
Kumārikākhaṇḍa 30.7
- gṛdrāḥ kākāśca kākolāḥ paryaṭanti gṛhopari |
pariveśaṃ tu sūryasya akāle kuhukaṃ bhavet ||
Geier, Krähen und Raben ziehen über das Haus. Um die Sonne erscheint ein Hof, und zur Unzeit tritt der Neumond ein.
Kumārikākhaṇḍa 30.8
- garbhān sravanti garbhiṇyo garjanaṃ cāpi jāyate |
ulkāpātā diśo dāgho pārśvataścāgnidīpanam ||
Schwangere verlieren ihre Leibesfrucht, Donner erhebt sich, Feuerzeichen stürzen herab, die Himmelsrichtungen glühen, und in der Nähe flackert Feuer auf.
Kumārikākhaṇḍa 30.9
- rātrau svapnāni raudrāṇi paśyate satataṃ priya |
candrasvātiprakopena vātā vāyanti bhīṣaṇāḥ ||
Geliebter, nachts sieht man ständig schreckliche Träume. Durch die Erregung von Mond und Svāti wehen furchtbare Winde.
Kumārikākhaṇḍa 30.10
- praviśanti gṛhasyānte vyālāścātiviṣotkaṭāḥ |
paṭhedanādarād yastu jāyate tasya tadṛśam ||
Wilde, überaus giftige Schlangen dringen in das Innere des Hauses ein. So ergeht es dem, der [die Schrift] ohne Achtung liest.
Kumārikākhaṇḍa 30.11
- rakṣanti siddhayoginyaḥ siddhāśca daṇḍadhārakāḥ |
koṭikoṭistvasaṃkhyātā śrīmatedaṃ mahākulam ||
Vollendete Yoginīs und Siddhas, die Stäbe tragen, schützen dieses Śrīmata, das große Kula – Koṭis über Koṭis, unzählbar.
Kumārikākhaṇḍa 30.12
- adṛṣṭavigrahā nityaṃ yogasiddhā mahābalāḥ |
rakṣanti śrīmataṃ deva śāsane kulayoginaḥ ||
Stets von unsichtbarer Gestalt, im Yoga vollendet und von großer Macht, schützen die Kula-Yogis der Lehre das Śrīmata, o Gott.
Kumārikākhaṇḍa 30.13
- daśadikṣu pravartante śivārāvā bhayaṃkarāḥ |
piṅgalāśca gṛhe nityaṃ śabdaṃ kurvanti dāruṇam ||
In den zehn Richtungen ertönt das erschreckende Heulen der Schakale. Immer wieder geben Eulen im Haus schaurige Laute von sich.
Kumārikākhaṇḍa 30.14
- gṛdhracitā varāroha viśanti tasya mandire |
evamādi mahotpātā vidhihīnasya niścitam ||
O Schöngestalteter, Geier von den Verbrennungsstätten dringen in seine Behausung ein. Solche und andere schwere Vorzeichen entstehen gewiss dem, der die vorgeschriebene Ordnung missachtet.
Kumārikākhaṇḍa 30.15
- samayaghnasya viśeṣeṇa vighnasaṃkhyā na vidyate |
tadarthastu vidhiḥ kāryo likhyamāne ca pratyayam ||
Besonders für den, der die Regel bricht, gibt es keine Zahl der Hindernisse. Darum ist die Vorschrift einzuhalten; beim Niederschreiben [zeigt sich dann] ein Zeichen der Verwirklichung.
Kumārikākhaṇḍa 30.16
- saṃvidhāsyāmi te deva sarvavighnavināśanam |
yatnato pustakaṃ rakṣyaṃ saṃsparśāt tadbahiḥkṛtaiḥ ||
O Gott, ich werde dir die Beseitigung aller Hindernisse anordnen. Das Buch ist sorgfältig davor zu schützen, von Außenstehenden berührt zu werden.
Kumārikākhaṇḍa 30.17
- yatnena tu vidhiḥ kāryo yāvad granthaḥ samāpyate |
tatsaṃsthānavihīnatvāt spaṣṭaṃ naiva prajāyate ||
Sorgfältig ist die Vorschrift zu vollziehen, bis das Werk abgeschlossen ist. Fehlt die dafür bestimmte Ordnung, entsteht keine Klarheit.
Kumārikākhaṇḍa 30.18
- tithiṃ pūrṇāṃ samāsādya sūryeṇa tu samanvitām |
guruvāre'thavā deva duṣṭa–ṛkṣaṃ vivarjayet ||
Man wähle die volle Tithi, die mit der Sonne verbunden ist [Zeitbestimmung unsicher], oder einen Donnerstag, o Gott. Ungünstige Mondhäuser soll man vermeiden.
Kumārikākhaṇḍa 30.19
- aṣṭamyāṃ vā caturdaśyāṃ śubha–ṛkṣaṇayogataḥ |
ekānte vijane ramye paśudṛṣṭivivarjite ||
Oder [man beginne] am achten oder vierzehnten Mondtag, wenn ein günstiges Mondhaus hinzukommt: an einem einsamen, menschenleeren, schönen Ort, den Uneingeweihte nicht sehen,
Kumārikākhaṇḍa 30.20
- gomayenopalipte ca nimnonnatavivarjite |
kṛtvā maṇḍalakaṃ tatra caturasraṃ samantataḥ ||
mit Kuhdung bestrichen und frei von Vertiefungen und Erhebungen. Dort gestalte man ein Maṇḍala, nach allen Seiten regelmäßig viereckig.
Kumārikākhaṇḍa 30.21
- puṣpaprakarasaṃkīrṇe svastikopari śobhite |
vidikṣu dīpakāstatra dātavyā ghṛtabodhitāḥ ||
Es sei mit Blumenhaufen bestreut und über dem Svastika geschmückt. In die Zwischenrichtungen sind Lampen zu setzen, die mit Ghee brennen.
Kumārikākhaṇḍa 30.22
- svastikopari saṃsthāpya kumbhaṃ cāliprapūritam |
pūjayet tu trikhaṇḍaṃ vai puṣpamālāvibhūṣitam ||
Auf das Svastika stelle man einen Krug, gefüllt mit Wein. Man verehre das dreigeteilte [Werk], geschmückt mit Blumengirlanden.
Kumārikākhaṇḍa 30.23
- āsane tu trikhaṇḍaṃ tu khaṇḍaṃ vai mātṛkhaṇḍakam |
mantrakhaṇḍaṃ tu vai madhye navātmānena pūritam ||
Auf dem Sitz ist das dreigeteilte [Werk]. Eine Abteilung ist der Mutter-Abschnitt; in der Mitte ist der Mantra-Abschnitt, erfüllt von Navātman.
Kumārikākhaṇḍa 30.24
- tatra pustakamāropya likhitaṃ vā alekhitam |
veṣṭayed vastrayugmena hemagarbhaṃ tu kārayet ||
Dort lege man das Buch hin, beschrieben oder unbeschrieben. Man umhülle es mit zwei Tüchern und lasse eine goldene Hülle dafür anfertigen.
Kumārikākhaṇḍa 30.25
- pūjyaṃ pañcopacāreṇa naivedyaṃ vinivedayet |
bahirbaliḥ pradātavyo ācāryeṇa vidhānavat ||
Es ist mit fünf Darbringungen zu verehren, und Speise ist darzubieten. Draußen soll der Lehrer der Vorschrift gemäß ein Bali-Opfer darbringen.
Kumārikākhaṇḍa 30.26
- tato maṅgalanirghoṣairlekhayet ślokapañcakam |
्* saṃvartāmaṇḍalaṃ sūtraṃ avatāraṃ kramasya tu ||
Dann lasse man unter glückverheißenden Rufen die fünf Verse niederschreiben: das Sūtra des Saṃvartāmaṇḍala, die Herabkunft der Übertragungsfolge.
Kumārikākhaṇḍa 30.27
- vyākhyeyaṃ lekhayet kvāpi yathāvidhiranukramāt |
samayīsādhakān putrān yoginyaśca kumārikāḥ ||
Man soll es an einem Ort gemäß der Vorschrift in der rechten Reihenfolge niederschreiben und erläutern. Die Samayins, die Sādhakas, die Söhne, die Yoginīs und die Jungfrauen
Kumārikākhaṇḍa 30.28
- ārātrī pūrvataḥ kāryā alipātrāṇi pūrayet |
śirasā kulakumbhaṃ tu natvā caiva tataḥ punaḥ ||
sind zuerst mit dem Schwenken des Lichtes zu ehren; man fülle die Weingefäße. Nachdem man sich mit dem Kopf vor dem Kula-Krug verneigt hat,
Kumārikākhaṇḍa 30.29
- kumāryāhvānayeccāṣṭau gandhaṃ dhūpaṃ pradāpayet |
yogīśvarān samīpasthān yoginaḥ kuladīkṣitān ||
lade man acht Jungfrauen ein und gebe ihnen Duftstoff und Räucherwerk. Die nahestehenden Yogīśvaras, Yogis und in das Kula Eingeweihten
Kumārikākhaṇḍa 30.30
- pūjayet kusumaiḥ śreṣṭhaiḥ śreṣṭhadhūpena dhūpayet |
saṃtarpya alinā sarvaṃ matsyamāṃsāni dāpayet ||
verehre man mit den besten Blumen und räuchere sie mit dem besten Räucherwerk. Nachdem man alle mit Wein zufriedengestellt hat, lasse man Fisch und Fleisch darreichen.
Kumārikākhaṇḍa 30.31
- tadante prārthayeccājñāṃ bhagavatyāḥ kuladīkṣitān |
śrīmataṃ tu likhiṣyāmi avighnena prasiddhyatu ||
Am Ende erbitte man von den in das Kula der Göttin Eingeweihten die Erlaubnis: „Ich werde das Śrīmata niederschreiben. Möge es ohne Hindernis gelingen!“
Kumārikākhaṇḍa 30.32
- labdhvānujñastu yogīndraḥ pūjayitvā kulakramamṃ |
saṃpūjya pustakaṃ tatra vidhinā ca prayatnataḥ ||
Hat der führende Yogi die Erlaubnis erhalten und die Kula-Übertragungsfolge verehrt, soll er dort auch das Buch sorgfältig nach der Vorschrift verehren
Kumārikākhaṇḍa 30.33
- dehasthā devatāḥ sarvāḥ tarpayed bhaktitatparaḥ |
tato maṅgalanirghoṣaiḥ śaṃkhavāditraniḥsvanaiḥ ||
und, ganz der Hingabe zugewandt, alle Gottheiten im Körper mit Darbringungen erfreuen. Dann unter glückverheißenden Rufen, beim Klang von Muschelhörnern und Instrumenten
Kumārikākhaṇḍa 30.34
- divyāṅganāsugītaiśca saṃvartāmaṇḍalaṃ likhet |
lekhakaśca tataḥ pūjyaḥ sragavastrāsavādikaiḥ ||
und den schönen Liedern himmlischer Frauen bringe man das Saṃvartāmaṇḍala zu Papier. Danach verehre man den Schreiber mit Girlanden, Gewändern, Wein und anderem.
Kumārikākhaṇḍa 30.35
- māṅgalyaistūryanirghoṣaiḥ stotravīṇāmahāsvanaiḥ |
prathame'hani deveśa kuryāccakraprapūjanam ||
O Herr der Götter, am ersten Tag soll man das Rad mit glückverheißenden Instrumentenklängen und dem lauten Klang von Lobgesängen und Vīṇās verehren.
Kumārikākhaṇḍa 30.36
- cakrakrīḍāṃ samāśritya tuhinaṃ kṣepayet sudhīḥ |
evaṃ tu prathame dine pratyahaṃ śaktitaḥ punaḥ ||
Der Verständige soll sich dem Spiel im Kreis widmen und Tuhina ausstreuen [„Schnee“; Lesung und Sinn unsicher]. So [verfahre man] am ersten Tag und danach jeden Tag nach Vermögen.
Kumārikākhaṇḍa 30.37
- kriyate ca vidhiprājñaiḥ baliḥ rātrau dine dine |
yāvat samāpyate granthaḥ tāvat kuryād vidhiṃ tvimām ||
Die Kundigen der Vorschrift bringen an jedem Tag nachts ein Bali-Opfer dar. Bis das Werk abgeschlossen ist, soll man diese Vorschrift vollziehen.
Kumārikākhaṇḍa 30.38
- anyathā prāpnuyācchāpaṃ mahāntaṃ yoginīkulāt |
tadarthaṃ bhaktinā lekhyaṃ anyathā vighnadāyakam ||
Andernfalls zieht man sich einen schweren Fluch der Yoginī-Familie zu. Darum ist [die Schrift] mit Hingabe niederzuschreiben; sonst bringt sie Hindernisse.
Kumārikākhaṇḍa 30.39
- iti evaṃvidhaṃ deva śrīmatedaṃ mahākulam |
nāpuṇyo labhate martyo yoginīgarbhavarjitaḥ ||
So beschaffen ist dieses Śrīmata, das große Kula, o Gott. Ein Mensch ohne Verdienst, der nicht aus dem Schoß einer Yoginī stammt, erlangt es nicht.
Kumārikākhaṇḍa 30.40
- idaṃ guhyaṃ ca sarvasvaṃ cāturviṃśatsahasrakam |
naiva deyamabhaktānāṃ na śaṭhān krūrakarmiṇām ||
Diese [Sammlung] von vierundzwanzigtausend ist das Geheimnis und der ganze Schatz. Man soll sie weder Menschen ohne Hingabe noch Hinterlistigen und solchen geben, die grausam handeln.
Kumārikākhaṇḍa 30.41
- tāntrikānāṃ na dātavyaṃ tārkikāṇāṃ viśeṣataḥ |
na dāmbhikāya mūrkhāya na deyaṃ klīvakrodhine ||
Man soll sie Tāntrikas nicht geben, besonders nicht den Logikern; weder Heuchlern noch Toren, weder Impotenten noch Zornigen.
Kumārikākhaṇḍa 30.42
- nāhaṃkṛte ca pāpiṣṭe cchadmake copajīvake |
svargapātālikā bhogāḥ yena tyaktā hi sundara ||
Auch nicht Hochmütigen, großen Sündern, Betrügern oder Menschen, die von anderen leben. Wer jedoch, o Schöner, die Genüsse des Himmels und der Unterwelt aufgegeben hat
Kumārikākhaṇḍa 30.43
- saṃsārabhayabhītātmā gurusmaraṇamāśritaḥ |
deyaṃ gurvānvite śiṣye abhakte ca na dāpayet ||
und, erschrocken vor den Gefahren des Saṃsāra, beim Gedenken an den Guru Zuflucht sucht – einem solchen, mit dem Guru verbundenen Schüler soll man sie geben, keinem ohne Hingabe.
Kumārikākhaṇḍa 30.44
- gurubhaktāya śāntāya samayācāraniḥspṛhe |
gūḍhajñānasuśāntāya satyavādījitendriye ||
Dem dem Guru Ergebenen und Friedvollen, beim Befolgen der Regel frei von Begehren, durch verborgenes Wissen ganz zur Ruhe Gekommenen, der wahr spricht und die Sinne beherrscht,
Kumārikākhaṇḍa 30.45
- ihajanmāvadhiryena saṃnyastaṃ gurūṇāṃ prati |
manovākkāyakarmaṇā guroricchānuvartinaḥ ||
der alles bis zu diesem Leben den Gurus anvertraut hat und in Denken, Sprechen und körperlichem Tun dem Willen des Gurus folgt,
Kumārikākhaṇḍa 30.46
- tasya deyamidaṃ guhyaṃ dvādaśābdaparīkṣite |
saṃketaṃ yo vijānāti tathā sāṃvatsaraṃ kramam ||
ihm soll man nach zwölfjähriger Prüfung dieses Geheimnis geben. Wer die Zeichensprache und die jährliche Folge kennt,
Kumārikākhaṇḍa 30.47
- mūlasūtraṃ kramaṃ deyaṃ pāramparyagurukramam |
tathā vai ṣoḍaśaḥ parvāḥ sūcitāste mahītale ||
dem gebe man das Wurzel-Sūtra, die Übertragungsfolge und die Lehrerfolge der Tradition. Ebenso sind dir die sechzehn heiligen Festtage auf Erden angezeigt.
Kumārikākhaṇḍa 30.48
- saṃpradāyavaśenaiva tasya deyaṃ kulāgamam |
nābhivartirahīkā ca vajrasandhiḥ kapāṭayoḥ ||
Entsprechend der Überlieferung soll man ihm den Kula-Āgama geben. Der Nabeldocht ist die Schlange und die Vajra-Verbindung der beiden Türflügel [Zuordnung gedrängt].
Kumārikākhaṇḍa 30.49
- saṃketān vetti yo'pyatra tasya deyaṃ kulāgamam |
śrīnātha uvāca
tava śiṣyo'haṃ prītaḥ siddho'haṃ bhairavo haraḥ ||
Wer auch diese Zeichen kennt, dem soll man den Kula-Āgama geben. — Ich bin dein erfreuter Schüler; ich bin der Siddha, Bhairava und Hara.
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 30.50
- kṛtamantrādhikārī ca adyāhaṃ kulanāyike |
kulakramaṃ ca kaulaṃ ca upadeśaḥ kathaṃ kriyā ||
Heute bin ich zum Mantra bevollmächtigt worden, Herrin des Kula. Was sind Kulakrama und Kaula, was die Unterweisung, wie geschieht das Ritual?
Kumārikākhaṇḍa 30.51
- brūhi jñānaṃ surendrākhye vakrāmnāyaḥ kathaṃ kulam |
śrīvakrā uvāca
nābhivartirahistārkṣyo vidyā vajraḥ kapāṭayoḥ ||
Lehre das Wissen, du Herrin der Götter: Wie ist die Überlieferung Vakrās, wie das Kula? — Der Nabeldocht ist die Schlange Tārkṣya; die Vidyā ist der Vajra der beiden Türflügel.
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Die ehrwürdige Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 30.52
- jñānamaṣṭaprakāro'yaṃ vaiṣṇavaṃ paścimānvayam |
yo jānāti varāroha sa bhavenmatabodhakaḥ ||
Dies ist das achtfache Vaiṣṇava-Wissen der westlichen Überlieferung. Wer es kennt, o Schöngestalteter, kann die Lehre zum Verständnis bringen.
Kumārikākhaṇḍa 30: Sprecherzeile (speaker_before_53)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 30.53
- kā nābhivartikā devi ahirvṛkṣaśca kau punaḥ |
kā vidyā kaśca vajrākhyaḥ kapāṭau ca kathaṃ vada ||
Göttin, was ist der Nabeldocht? Was sind die Schlange und der Baum? Was ist die Vidyā, was das Vajra Genannte? Erkläre die beiden Türflügel.
Kumārikākhaṇḍa 30: Sprecherzeile (speaker_before_54)
- śrīvakrā uvāca
Die ehrwürdige Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 30.54
- mūlaṃ nābhiḥ kulaṃ merurvartirātmā ca mālinī |
pāramparyamahijñānaṃ sandhirājñākramodayam ||
Die Wurzel ist der Nabel, Kula ist Meru; der Docht ist das Selbst und Mālinī. Die Lehrerfolge ist das Wissen der Schlange, die Verbindung das Hervortreten der Übertragungsfolge des göttlichen Auftrags.
Kumārikākhaṇḍa 30.55
- vṛkṣaṃ vajrakulaṃ dvīpaṃ ṣaṭkoṇākhyaṃ kapāṭayoḥ |
etad dīpanavijñānaṃ kādibhede udāhṛtam ||
Der Baum ist das Vajra-Kula, die Insel, die als Sechseck der beiden Türflügel bezeichnet wird. Dies ist das Wissen des Erhellens, das in der Kādi-Abteilung gelehrt wird.
Kumārikākhaṇḍa 30.56
- punaranyaṃ tu bhedena śṛṇu bhairava tattvataḥ |
nābhirmerukramaṃ kīrtiḥ bhedājñā saptaviṃśatiḥ ||
Höre nun, Bhairava, noch eine weitere Unterscheidung, wie sie wirklich ist: Der Nabel ist die Meru-Übertragung, der Ruhm; der Auftrag dieser Abteilung besteht aus siebenundzwanzig [Gliedern].
Kumārikākhaṇḍa 30.57
- ṣaṭ padāḥ ṣaḍi mudrāśca caturādau catuḥ punaḥ |
pañcakaṃ ca tathā ṣaṭkaṃ punaḥ pañcātmakaṃ catuḥ ||
Sechs Glieder, sechs Mudrās: vier am Anfang, wieder vier, eine Fünfergruppe, eine Sechsergruppe, dann wiederum eine Fünfergruppe und vier.
Kumārikākhaṇḍa 30.58
- evaṃ kramodayaṃ yat tat karṇāt karṇopadeśakam |
pūjākramavidhānaṃ tu nābhijñānaṃ kulakramam ||
So ist das Hervortreten der Übertragung die Unterweisung von Ohr zu Ohr. Die Vorschrift der Verehrungsfolge, das Nabelwissen, ist die Kula-Übertragung.
Kumārikākhaṇḍa 30.59
- tasya vartistrikoṇe tu triṣkoṇā śaktiravyayā |
sā bhūmiḥ sthitiviśrāmaṃ tasyāmnāyaṃ mukhāgamam ||
Ihr Docht ist im Dreieck; die Dreieckige ist die unvergängliche Kraft. Sie ist der Grund und die Ruhe des Bestehens. Ihre Überlieferung ist die mündliche Offenbarung.
Kumārikākhaṇḍa 30.60
- ahirākāśamudadhiḥ saṃvartamiti maṇḍalam |
sadyāveśakramāruhya vāmāvartaparibhramāt ||
Die Schlange ist Raum und Ozean, das Saṃvarta genannte Maṇḍala. Durch ihre Drehung nach links steigt sie zur Folge unmittelbaren Ergriffenwerdens auf.
Kumārikākhaṇḍa 30.61
- vāyumaṇḍalamākhyātaṃ turyasthamahisaṃjñayā |
tatra lakṣaṃ vinikṣipya bhūmikāṃ grāhya vaiṣṇavīm ||
Das Wind-Maṇḍala, im vierten Zustand gegründet, wird mit dem Namen Schlange bezeichnet. Dorthin richte man das Ziel [der Sammlung] und erfasse die Vaiṣṇavī-Ebene.
Kumārikākhaṇḍa 30.62
- sā kalā dravate tatra golakāmṛtacandrikā |
etat samādhikaraṇaṃ yoginīnāṃ prapadyate ||
Dort schmilzt jene Kraft, die Kugel aus dem Nektar des Mondlichts. So wird das Mittel zur Versenkung der Yoginīs erlangt.
Kumārikākhaṇḍa 30.63
- jñātvācāragatiṃ rudra ahiśabdaṃ samabhyaset |
tāraṇād gurutārkṣyañca vidyārājaṃ navātmakam ||
Rudra, wer den Weg der Praxis erkannt hat, übe das mit Schlange Bezeichnete. Weil er hinüberführt, ist der Guru Tārkṣya, der neunfältige König der Vidyās.
Kumārikākhaṇḍa 30.64
- sa eva bhairavo'nantaḥ śukrādiḥ parikīrtitaḥ |
tārkṣya evaṃ samākhyātaṃ gurūṇāṃ paramo guruḥ ||
Er selbst wird Bhairava, Ananta, Śukra und mit weiteren Namen genannt. So heißt er Tārkṣya, der höchste Guru der Gurus.
Kumārikākhaṇḍa 30.65
- bhakārādicakārāntā vidyārājñī śivānanā |
gurorutsaṅgagā vidyā pañcānte pañcamūrdhani ||
Die Königin der Vidyās, Śivānanā, beginnt mit Bha und endet mit Ca. Die Vidyā sitzt auf dem Schoß des Gurus, am Ende der Fünf und an deren Anfang.
Kumārikākhaṇḍa 30.66
- vidyā candrakalā jyotsnā mahantāryā prakīrtitā |
anayā bhāvitātmā tu sa cātmā navadhā smṛtaḥ ||
Die Vidyā ist die Mondkraft, das Mondlicht; sie wird Mahantāryā genannt. Durch sie wird das Selbst durchdrungen, und dieses Selbst gilt als neunfach.
Kumārikākhaṇḍa 30.67
- vidyopadeśamākhyātaṃ devānāmapi durlabham |
vajrātmanaḥ smṛtaṃ piṇḍaṃ vajrapiṇḍaṃ ca ṣaḍvidham ||
Die Unterweisung über die Vidyā, selbst für Götter schwer zu erlangen, ist erklärt. Sie gilt als Körper des Vajra; der Vajra-Körper ist sechsfach.
Kumārikākhaṇḍa 30.68
- kulaṃ tat ṣaṭprakāraṃ tu uktaṃ vai sarvadehinām |
ādhārādibhruvorantaṃ ṣaṭprakāramahārṇavam ||
Dies heißt das sechsfache Kula aller verkörperten Wesen: der große Ozean mit sechs Bereichen, von der Grundlage bis zu den Augenbrauen.
Kumārikākhaṇḍa 30.69
- vajrasaṃketamākhyātaṃ nātra kāryā vicāraṇā |
taṃ ca vṛkṣaṃ svakaṃ piṇḍaṃ vṛkṣasya bāhyataḥ kramam ||
Die Zeichensprache des Vajra ist erklärt; darüber soll man hier nicht weiter nachgrübeln. Der Baum ist der eigene Körper; seine äußere Übertragungsfolge
Kumārikākhaṇḍa 30.70
- tasyodayaṃ ca vilayaṃ śivaśaktigamāgamam |
śaktirmūlaṃ kalāpūrṇaṃ saṃpūrṇamiti pūrakaḥ ||
ist sein Hervortreten und Auflösen, das Gehen und Kommen von Śiva und Śakti. Śakti ist die Wurzel, erfüllt von den Kräften; das ganz Erfüllende ist Pūraka, das Einatmen.
Kumārikākhaṇḍa 30.71
- tasyordhve śvasano yastu saṃhāra iti recakaḥ |
sa śivaḥ kulavṛkṣasya pralayodayakārakaḥ ||
Der Atem darüber ist die Zurücknahme, Recaka, das Ausatmen. Er ist Śiva, der das Auflösen und Hervortreten des Kula-Baumes bewirkt.
Kumārikākhaṇḍa 30.72
- dvāvimau ca kapāṭākhyau prāṇāpānasvarūpakau |
evamaṣṭaprakāro'yaṃ jñānamālokya paścimam ||
Diese beiden heißen die Türflügel; ihr Wesen ist Prāṇa und Apāna. Wer so das achtfache Wissen der westlichen Überlieferung betrachtet,
Kumārikākhaṇḍa 30.73
- paścimājñāviśuddhā ye ślokārthapratipādakāḥ |
te jānanti idaṃ śambho vimalaṃ pārameśvaram ||
wer durch den westlichen Auftrag gereinigt ist und die Bedeutung der Verse erklärt, der erkennt dies, Śambhu: die reine [Lehre] des höchsten Herrn.
Kumārikākhaṇḍa 30.74
- jñānamaṣṭaprakārasya śrīmataṃ saptakoṭikam |
devatānāṃ mukhāmnāyaṃ gūḍhārthamupadeśakam ||
Das Śrīmata im Umfang von sieben Koṭis ist das Wissen des Achtfachen, die mündliche Überlieferung der Gottheiten, die den verborgenen Sinn lehrt.
Kumārikākhaṇḍa 30.75
- mahat kaṣṭataraṃ durgaṃ rudrāṃśo vetti paścimam |
na cāpi vindate martyaḥ saṃpradāyamahauṣadham ||
Groß, äußerst beschwerlich und schwer zugänglich ist die westliche [Überlieferung]; ein Anteil Rudras erkennt sie. Ein [gewöhnlicher] Sterblicher erlangt die große Arznei der Tradition nicht.
Kumārikākhaṇḍa 30.76
- kriyākārakasaṃbandhaṃ vibhaktilaghupratyayam |
samāsaiḥ saptakairbhedaṃ guptaṃ kulavadhū iva ||
Die Beziehung zwischen Verbhandlung und Satzrollen, Kasusendungen, kurze [Silben] und Suffixe, die Unterscheidung durch sieben Arten von Komposita: [Dies ist] verborgen wie eine Frau aus guter Familie.
Kumārikākhaṇḍa 30.77
- kliṣṭaśabdairvibhajyeta tasmāt kliṣṭaṃ tyajed budhaḥ |
apaśabdaiśca saralaistaistu śaivo'bhigamyate ||
Durch schwierige Wörter wird [der Sinn] zerteilt; darum meide der Verständige schwierige Ausdrücke. Auch mit einfachen, grammatisch unregelmäßigen Wörtern wird die śivaitische [Lehre] zugänglich.
Kumārikākhaṇḍa 30.78
- saṃketavarṇamekena mukhāmnāyena śodhayet |
na cāpi laṭaloṭaistu śuṣkatarkādibhistathā ||
Den Laut der Zeichensprache soll man durch die eine mündliche Überlieferung klären – nicht durch Laṭ und Loṭ [grammatische Formbestimmungen] und ebenso wenig durch trockene Logik und dergleichen.
Kumārikākhaṇḍa 30.79
- vyākhyāyāmāgame deva divyā vāṇī svatantrasthā |
viparītamidaṃ jñātvā divyāmnāyaḥ pravartate ||
O Gott, in der Erklärung und im Āgama besteht göttliche Rede in eigener Freiheit. Erkennt man dieses Umgekehrte [Bezug unsicher], entfaltet sich die göttliche Überlieferung.
Kumārikākhaṇḍa 30.80
- evaṃ pāṇḍityamutsṛjya saralaṃ kaulikāgamam |
śrotavyaṃ ca mukhāmnāyaṃ karṇāt karṇāntarāgatam ||
So lasse man Gelehrsamkeit los und höre den schlichten Kaulika-Āgama und die mündliche Überlieferung, die von Ohr zu Ohr gelangt ist.
Kumārikākhaṇḍa 30.81
- akṣarārthopadeśaśca saṃpradāyaśca kaulikaḥ |
nigarbhaśca ṣaḍevaite saṃpradāyā udāhṛtāḥ ||
Laut, Sinn, Unterweisung, Tradition, Kaulika und verborgener Gehalt: Diese sechs werden als Arten der Übermittlung genannt.
Kumārikākhaṇḍa 30.82
- sāraṃ ślokopadeśaṃ ca nirṇītaṃ tava bhairava |
kaulikājñāparaṃ nāsti śrīmatāt parataraṃ na hi ||
Die Essenz und die Unterweisung über die Verse sind dir dargelegt, Bhairava. Nichts steht über dem Kaulika-Auftrag, nichts ist höher als das Śrīmata.
Kumārikākhaṇḍa 30.83
- mukhāmnāyāt paraṃ nāsti śeṣaṃ tyajyaṃ palālavat |
evaṃ sañcintya yatnena mukhakaulaṃ samabhyaset ||
Nichts ist höher als die mündliche Überlieferung; das Übrige ist wie Stroh aufzugeben. Wer dies sorgfältig erwogen hat, übe das mündlich überlieferte Kaula.
Kumārikākhaṇḍa 30.84
- ājñāvartiḥ śivaḥ panthā vṛkṣacchāyā somo raviḥ |
paraṃ paramahaṃsaṃ ca kuveraṃ pīṭhamāvalī ||
Der Docht des göttlichen Auftrags, Śiva, der Weg, der Schatten des Baumes, Mond und Sonne; das Höchste, der höchste Haṃsa, Kuvera, der heilige Sitz und die Lehrerreihe;
Kumārikākhaṇḍa 30.85
- kumārī kartarī bhāṣā mātrātmā mātarī tathā |
pūrvapaścimamadhyaṃ ca vāmadakṣiṇakoṇakam ||
Kumārī, Kartarī, Bhāṣā, Mātrātmā und Mātarī; Osten, Westen, Mitte, die linke und die rechte Ecke;
Kumārikākhaṇḍa 30.86
- yoniṣaṭkaṃ ca śṛṅgāṭaṃ ādikṣāntaṃ kuleśvaram |
yo hi vetti idaṃ jñānaṃ sa sākṣād bhairavaḥ svayaṃ ||
die sechs Yonis, das Dreieck und Kuleśvara, von A bis Kṣa: Wer dieses Wissen kennt, ist unmittelbar Bhairava selbst.
Kumārikākhaṇḍa 30.87
- evaṃ kramārthatastattvaṃ saptakoṭyād vinirgatam |
yo hanet paśubhāvātmā gurustena hanīkṛtaḥ ||
So ist die Wirklichkeit der Bedeutung der Übertragungsfolge aus den sieben Koṭis hervorgegangen. Wer sie im Zustand des gebundenen Wesens verletzt, hat dadurch den Guru geschädigt.
Kumārikākhaṇḍa 30.88
- paratraṃ hāritaṃ tena meru tenaiva laṅghitam |
idaṃ matamidaṃ yogamidaṃ tattvaṃ kulārṇavam ||
Dadurch ist das Jenseits verloren; dadurch hat er Meru überschritten. Dies ist die Lehre, dies der Yoga, dies die Wirklichkeit, der Ozean des Kula.
Kumārikākhaṇḍa 30.89
- kulaughaṃ krama–oghaṃ tu jñānaughaṃ ca tathottamam |
pūjanīyaṃ prayatnena hanyate na kadācana ||
Den Strom des Kula, den Strom der Übertragungsfolge und den höchsten Strom des Wissens soll man sorgfältig verehren. [So] wird man niemals vernichtet.
Kumārikākhaṇḍa 30.90
- pañcasrotātmake śaive ṣaṣṭhe kulaviniścaye |
ajavaktrāt paraṃ śāntamidaṃ tat sārasaṃgraham ||
In der fünfströmigen śivaitischen [Überlieferung], in der sechsten als Bestimmung des Kula, ist dies die höchste, friedvolle Sammlung der Essenz aus dem Mund des Ungeborenen.
Kumārikākhaṇḍa 30.91
- siddhasantānasubhagaṃ pratyayājñāviśāradam |
nāmnā kramodayajñānaṃ śrīkhageśīmahāmatam ||
Begnadet durch die Linie der Siddhas und kundig im Auftrag der unmittelbaren Erfahrung, heißt sie „Wissen vom Hervortreten der Übertragung“, die große Lehre der ehrwürdigen Khageśī.
Kumārikākhaṇḍa 30: Sprecherzeile (speaker_before_92)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 30.92
- satyametat tvayā proktaṃ kaulikaṃ pratyayātmakam |
kaulajñānāt paraṃ nāsti durlabhaṃ matasaṃgraham ||
Wahr ist, was du gesagt hast: die Kaula-Lehre, deren Wesen unmittelbare Erfahrung ist. Nichts steht über der Erkenntnis des Kaula. Schwer zu erlangen ist die Zusammenfassung dieser Lehre.
Kumārikākhaṇḍa 30.93
- koṭikoṭirasaṃkhyātā mayā śāstrāvatāritāḥ |
pṛcchakānumatenaiva sarve te ca palālavat ||
Ungezählte Millionen über Millionen von Schriften habe ich herabgebracht, ganz nach dem Wunsch des Fragenden. Doch sie alle gleichen Stroh.
Kumārikākhaṇḍa 30.94
- vibhāgaṃ ca pramāṇaṃ ca śāstramañjūṣakaṃ śṛṇu |
saptakoṭipramāṇena mataṃ vai pārameśvaram ||
Höre von der Schatztruhe der Schriften, ihrer Einteilung und ihrem Umfang. Die Lehre des höchsten Herrn hat einen Umfang von siebzig Millionen [Versen].
Kumārikākhaṇḍa 30.95
- koṭipañcāśallakṣaikaṃ sahasraṃ śatasaṃkhyayā |
śatārdhaṃ śatapādaṃ ca sadyojātād vinirgatam ||
[Weitere Umfänge sind:] eine Koṭi [zehn Millionen], fünfzig Lakṣas [fünf Millionen], eintausend, einhundert, eine halbe Hundertzahl und ein Viertel davon. [Diese Überlieferung] ging aus Sadyojāta hervor.
Kumārikākhaṇḍa 30.96
- navanavatirlakṣāṇi lakṣakoṭistathaiva ca |
tathānyāḥ koṭipañcāśad vāmadevād viniḥśritāḥ ||
Neunundneunzig Lakṣas [9,9 Millionen], ein Lakṣa und eine Koṭi [100.000 und zehn Millionen; Trennung unsicher], ferner weitere fünfzig Koṭis [500 Millionen] gingen aus Vāmadeva hervor.
Kumārikākhaṇḍa 30.97
- koṭīnyayutacatvāri lakṣāḥ pañcāśakoṭikāḥ |
sahasraśatasaṃkhyā ca sahasraikaṃ śataṃ tathā ||
Vier Ayutas von Koṭis [400 Milliarden], Lakṣas und fünfzig Koṭis [Hunderttausende und 500 Millionen; Gliederung unsicher], die Zahl von hunderttausend, ferner eintausend und einhundert,
Kumārikākhaṇḍa 30.98
- śatalakṣasahasraṃ ca aghorāt tu vinirgatam |
arbudaṃ cārbudaṃ caiva kharvaścaiva parāparam ||
sowie hundert Lakṣas von Tausendern [zehn Milliarden] gingen aus Aghora hervor. — Ein Arbuda [hundert Millionen], wiederum ein Arbuda und ein Kharva [zehn Milliarden], eines nach dem anderen,
Kumārikākhaṇḍa 30.99
- ṣaṭsahasrāṇi koṭiśca lakṣapādaṃ sahasrakam |
śatamardhaṃ ca pādākhyaṃ tatpuruṣācca vinirgatam ||
sechstausend, eine Koṭi [zehn Millionen], ein Viertel eines Lakṣa [25.000], eintausend, eine halbe Hundertzahl und die als Viertel bezeichnete Zahl [fünfundzwanzig] gingen aus Tatpuruṣa hervor.
Kumārikākhaṇḍa 30.100
- īśānasya tu vaktrasya pañcamasya mahātmanaḥ |
vicāryato'pi yatnena śāstrasaṃkhyā na vidyate ||
Die Zahl der Schriften aus dem Mund des erhabenen Īśāna, dem fünften, lässt sich selbst durch angestrengtes Nachdenken nicht bestimmen.
Kumārikākhaṇḍa 30.101
- evaṃ vai śāstrāmnāyaṃ tu mataṃ jñātvā samabhyaset |
pañcaśrotodbhavā hyete granthasaṃkhyāsamanvitāḥ ||
Wer so die Überlieferung der Schriften, die Lehre, erkannt hat, soll sie gründlich üben. Dies sind die aus den fünf Strömen hervorgegangenen [Schriften], zusammen mit ihren Verszahlen.
Kumārikākhaṇḍa 30.102
- lokācārasya hetvarthe mayā te parikīrtitāḥ |
ṣaṣṭhamaṃ yanmahāvaktraṃ tad guptaṃ tu mayā kṛtam ||
Um der in der Welt üblichen Lebensführung willen habe ich sie dir genannt. Den sechsten großen Mund jedoch habe ich verborgen gehalten.
Kumārikākhaṇḍa 30.103
- granthānāṃ tu śataṃ sārdhaṃ tasmād vaktrād vinirgatam |
sthitaṃ tat khecarīcakre nigūḍhe saṃprakāśitam ||
Hundertfünfzig Schriften gingen aus diesem Mund hervor. Im verborgenen Kreis der Khecarīs, der Himmelsgängerinnen, ruhen sie und sind dort offenbart worden.
Kumārikākhaṇḍa 30.104
- śāstrāvatāramañjūṣaṃ kiñcid vakṣyāmyahaṃ śṛṇu |
niḥśeṣa (1) – pravara (2) – pracura (3) – ratnacūḍāmaṇi (4) – tilakamañjūṣa (5) niḥśvāsa (6) – hārīta (7) – somārkapralayasamopeta (8) – mahākālabhairava (9) – somārka (10) – tripurāntara (11) – vaihāya (12) – kulamañjarī (13) – udadhi (14) – pañcarātra (15) – vāmanabhaṭṭāraka (16) – bhaṭṭinī (17) – bhaṭṭakula (18) – ananta (19) – garbha (20) – garuḍa (21) – ananta (22) – rudra (23) – īśvara (24) – lāṅgali (25) – mātaṅga (26) – mātaṅgī (27) – madanonmatta (28) – nīlāmbara (29) – nīla (30) – kanakāvalī (31) – nirvāṇayogasiddhānta (32) – saṃkhyopeta (33) – mahātrailokya – lokalokeśvara (34) – vajravṛnda (35) – yogapaṭṭā (36) lokavicāra (37) – sṛṣṭivicāra (38) – akulaśṛṅga (39) – śṛṅkhalī (40) – sadya (41) – vāma (42) – tatpuruṣeśvara (43) – parabrahmabodhi (44) – brahmaśānti (45) – brahmyopākhyāna (46) – śabdabrahma (47) – sūkṣmabrahma (48) – anantādi (49) – pṛthu (50) – skanda (51) – nandi (52) – mahākāla (53) – vāthula (54) – śavara (55) – aghora (56) – kapila (57) – jaṭeśvara (58) – gaurīśvara (59) – mahābodhyantam (60) |
śrīnātha uvāca
kimebhirvarṇitairdevi na ca kiñcit prayojanam ||
Höre! Ein wenig will ich dir von der Schatztruhe des Herabkommens der Schriften erzählen. — Was soll die Aufzählung all dieser [Schriften], o Göttin? Sie dient doch keinem Zweck.
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Śrīnātha sprach:
Die Schriften heißen in der Reihenfolge der Quelle: niḥśeṣa (1) – pravara (2) – pracura (3) – ratnacūḍāmaṇi (4) – tilakamañjūṣa (5) niḥśvāsa (6) – hārīta (7) – somārkapralayasamopeta (8) – mahākālabhairava (9) – somārka (10) – tripurāntara (11) – vaihāya (12) – kulamañjarī (13) – udadhi (14) – pañcarātra (15) – vāmanabhaṭṭāraka (16) – bhaṭṭinī (17) – bhaṭṭakula (18) – ananta (19) – garbha (20) – garuḍa (21) – ananta (22) – rudra (23) – īśvara (24) – lāṅgali (25) – mātaṅga (26) – mātaṅgī (27) – madanonmatta (28) – nīlāmbara (29) – nīla (30) – kanakāvalī (31) – nirvāṇayogasiddhānta (32) – saṃkhyopeta (33) – mahātrailokya – lokalokeśvara (34) – vajravṛnda (35) – yogapaṭṭā (36) lokavicāra (37) – sṛṣṭivicāra (38) – akulaśṛṅga (39) – śṛṅkhalī (40) – sadya (41) – vāma (42) – tatpuruṣeśvara (43) – parabrahmabodhi (44) – brahmaśānti (45) – brahmyopākhyāna (46) – śabdabrahma (47) – sūkṣmabrahma (48) – anantādi (49) – pṛthu (50) – skanda (51) – nandi (52) – mahākāla (53) – vāthula (54) – śavara (55) – aghora (56) – kapila (57) – jaṭeśvara (58) – gaurīśvara (59) – mahābodhyantam (60).
Kumārikākhaṇḍa 30.105
- caturviṃśatisāhasraṃ śrīmataṃ vakrikāmatam |
tadahaṃ śrotumicchāmi prasādād vaktumarhasi ||
Ich möchte das Śrīmata hören, die Lehre der Vakrikā mit ihren vierundzwanzigtausend [Versen]. Erweise mir die Gnade, sie darzulegen.
Kumārikākhaṇḍa 30: Sprecherzeile (speaker_before_106)
- śrīvakrā uvāca
Die ehrwürdige Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 30.106
- kriyāpādaṃ tathā jñānaṃ yogapādaṃ tṛtīyakam |
caryāpādaṃ caturthaṃ tu catuḥpādā tu saṃhitā ||
Den Abschnitt über rituelles Handeln, sodann den über Erkenntnis, als dritten den Yoga-Abschnitt und als vierten den über Lebensführung: Diese Sammlung hat vier Teile.
Kumārikākhaṇḍa 30.107
- rakṣaṇīyā prayatnena mṛgavatsasuto yathā |
śvetaiḥ puṣpaiḥ sugandhādyaiścandanenādhivāsitaiḥ ||
Mit aller Sorgfalt soll man sie behüten wie ein Tierjunges. Mit weißen Blüten, wohlriechenden Gaben und mit Sandelduft erfüllten [Opfergaben],
Kumārikākhaṇḍa 30.108
- alinā divyadhūpena dīpakaiścarukaiḥ śubhaiḥ |
pūjanīyaṃ hi satataṃ mahābhaktisamanvitaiḥ ||
mit Wein, kostbarem Räucherwerk, Lampen und guten gekochten Opferspeisen soll man sie beständig und mit großer Hingabe verehren.
Kumārikākhaṇḍa 30.109
- vyāvṛttākṣiptacittena kramapūjā na siddhyati |
gurumaṇḍalaṃ kṛtvādau pūjayet gurupañcakam ||
Mit einem abgelenkten, umhergerissenen Geist gelingt die Verehrung des Krama nicht. Zuerst soll man das Maṇḍala der Lehrer gestalten und die fünf Lehrer verehren.
Kumārikākhaṇḍa 30.110
- siṃhāsanamidaṃ pūjya trailokyaṃ pūjitaṃ bhavet |
prāṇavad rakṣaṇīyaṃ tu pālanīyaṃ gurorvacam ||
Wenn dieser Thron verehrt ist, sind die drei Welten verehrt. [Die Schrift] soll man wie das eigene Leben schützen und das Wort des Lehrers bewahren.
Kumārikākhaṇḍa 30.111
- * * * naiva * * * (?) paśūnāṃ na pradarśayet |
ekānte vijane ramye duṣṭasattvavivarjite ||
[…] keineswegs […] (?) Man soll [die Schrift] den Ungeweihten nicht zeigen. An einem schönen, abgeschiedenen Ort ohne Menschen, frei von schädlichen Lebewesen,
Kumārikākhaṇḍa 30.112
- sugandhagandhabahule miṣṭadhūpādhivāsite |
candrodayaparicchanne pūjāsaṃbhārasaṃvṛte ||
reich an feinen Düften, von angenehm duftendem Räucherwerk erfüllt, vom aufgehenden Mond umhüllt und mit den nötigen Gaben zur Verehrung ausgestattet,
Kumārikākhaṇḍa 30.113
- dīpārghacarukaiścaiva kramikairbhaktivatsalaiḥ |
hemavastrādyalaṃkārairguruṃ saṃpūjya bhaktitaḥ ||
sollen die dem Krama ergebenen, hingebungsvollen Menschen den Lehrer verehren: mit Lampen, Begrüßungswasser und gekochten Opferspeisen, mit Gold, Gewändern und anderem Schmuck.
Kumārikākhaṇḍa 30.114
- kumārī yoginī pūjyā hemadānādisuvaraiḥ |
anujñātābhiṣiktaistu acchidraṃ tu mataṃ mama ||
Eine jungfräuliche Yoginī soll mit erlesenen Gaben von Gold und anderem verehrt werden, durch diejenigen, die Erlaubnis und Weihe erhalten haben. »Unversehrt ist meine Lehre.«
Kumārikākhaṇḍa 30.115
- evaṃ bhavatu tairuktaṃ arcitā pṛcchyate śubham |
avadhārya gurorvaktrād dīpanaṃ mandabuddhinām ||
»So sei es!«, sprechen sie. Nach ihrer Verehrung wird sie um heilvolle [Auskunft] gebeten. Nachdem man aus dem Mund des Lehrers die Erhellung für Menschen von langsamem Verständnis aufmerksam aufgenommen hat,
Kumārikākhaṇḍa 30.116
- āgamaśravaṇādāśu mahāveśaḥ pravartate |
gṛhītavyaṃ mahādeva sarvasvaṃ yoginīkule ||
setzt durch das Hören der Offenbarung rasch das große Ergriffensein ein. O großer Gott, im Yoginīkula gilt es, das Ganze zu empfangen.
Kumārikākhaṇḍa 30.117
- śrīmatedaṃ kule dīpaṃ durlabhaṃ pārameśvaram |
vidhihīne na vyākhyeyaṃ na lekhyaṃ tu kadācana ||
Dieses Śrīmata, die schwer zugängliche Lehre des höchsten Herrn, ist eine Leuchte im Kula. Einem Menschen ohne die vorgeschriebene Praxis darf es nicht erklärt und [unter solchen Bedingungen] niemals niedergeschrieben werden.
Kumārikākhaṇḍa 30.118
- mlecchapatre na lekhyaṃ tu na lekhyaṃ tāḍipatrake |
likhitavyaṃ pare bhūrje suśuddhe granthivarjite ||
Man soll es weder auf Mleccha-Papier noch auf Palmblätter schreiben, sondern auf vorzügliche, sehr reine Birkenrinde ohne Knoten.
Kumārikākhaṇḍa 30.119
- bhavet siddhipradaṃ deva anyathā na kadācana |
masiṃ ca saṃpravakṣyāmi yādṛśyā likhyate matam ||
[So] wird es Vollendung verleihen, o Gott, und niemals auf andere Weise. Nun werde ich die Tinte erklären, mit der man die Lehre niederschreibt.
Kumārikākhaṇḍa 30.120
- anyathā vighnadaṃ deva na likheta kadācana |
tacchṛṇuṣva mahābhāga masīkaraṇamuttamam ||
Anders bereitet [die Niederschrift] Hindernisse, o Gott; niemals soll man so schreiben. Höre also, du Hochbegnadeter, wie die Tinte auf vorzügliche Weise hergestellt wird.
Kumārikākhaṇḍa 30.121
- sindūraṃ lākṣayā toyaṃ dūtīkuṃkumamiśritam |
strīpuṣpamalināthaṃ tu tathā vai vaiṣṇavaṃ rasam ||
Zinnober, Wasser mit Lack, vermischt mit dem roten Kuṃkuma der Gefährtin; Menstruationsblut und Alinātha [Wein], ebenso der Vaiṣṇava-Saft.
Kumārikākhaṇḍa 30.122
- upadeśavaśenaiva aṅkayellohakarpare |
ardhaśeṣaṃ tu saṃgṛhya aghorāstreṇa mantravit ||
Genau nach der Unterweisung soll der Mantrakenner in einer eisernen Schale Zeichen anbringen [Lesung und Vorgang unsicher], nachdem er die verbleibende Hälfte gesammelt hat, unter Anwendung der Waffe Aghoras.
Kumārikākhaṇḍa 30.123
- tacca te saṃpravakṣyāmi vighnanirnāśanaṃ param |
aim̐ hrām̐ hrīm̐ hrūm̐ prasphura prasphura ghora ghoratara tanurūpa caṭa caṭa pracaṭa pracaṭa kaha kaha vama vama ghāṭaya ghāṭaya hūm̐ hūm̐ hūm̐ phaṭ phaṭ phaṭ|
aghorāstramidaṃ deva mama krodhād vinirgatam ||
Diese will ich dir darlegen, die höchste Vernichtung der Hindernisse. — O Gott, dies ist die Waffe Aghoras, die aus meinem Zorn hervorging.
Aim̐, hrām̐, hrīm̐, hrūm̐! Erstrahle, erstrahle! O Furchtbarer, noch Furchtbarerer, du von feiner Gestalt! Prassle, prassle; prassle heftig, prassle heftig! Kaha, kaha! Speie aus, speie aus! Schlage, schlage! Hūm̐, hūm̐, hūm̐! Phaṭ, phaṭ, phaṭ!
Kumārikākhaṇḍa 30.124
- saptoccāraṇamātreṇa ṣoḍhānyāsaphalaṃ labhet |
ṣaṭprakārā masī proktā tayā lekhyaṃ mataṃ tvidaṃ ||
Schon durch siebenmaliges Aussprechen erlangt man die Frucht der sechsfachen rituellen Platzierung. Die sechsfach beschaffene Tinte ist erklärt; mit ihr soll diese Lehre niedergeschrieben werden.
Kumārikākhaṇḍa 30.125
- anyathā na likhed deva likhitaṃ vighnadāyakam |
yathā vyākhyāvidhiḥ khyātā tathā lekhanakarma ca ||
Anders soll man nicht schreiben, o Gott; eine solche Niederschrift bringt Hindernisse. Wie die Vorschrift für das Erklären dargelegt wurde, so nun auch das Verfahren des Schreibens.
Kumārikākhaṇḍa 30.126
- lekhakaṃ bhaktaṃ śuddhaṃ ca pāramparyaviśāradam |
gurubhaktirataṃ śāntaṃ kulāgamaprapūjakam ||
[Man wähle] einen hingebungsvollen, reinen Schreiber, der die Überlieferung kennt, sich der Verehrung seines Lehrers widmet, ruhig ist und die Kula-Offenbarung verehrt.
Kumārikākhaṇḍa 30.127
- kumārīyoginībhaktaṃ brahmacaryaparāyaṇam |
kulaśāstrarataṃ dakṣaṃ dambhamāyāvivarjitam ||
Er soll der jungfräulichen Yoginī ergeben sein, dem keuschen Lebenswandel verpflichtet, der Kula-Schrift zugewandt, geschickt und frei von Heuchelei und Täuschung.
Kumārikākhaṇḍa 30.128
- susnātaṃ mantrapūtaṃ ca yakṣakardamacarcitam |
vastrayugmaṃ parīdhāya puṣpamālāvibhūṣitam ||
Er soll gründlich gebadet haben, durch Mantra gereinigt und mit Yakṣakardama-Duftpaste bestrichen sein. Nachdem er zwei Tücher angelegt hat, [schmücke er den Lehrer] mit einer Blumengirlande,
Kumārikākhaṇḍa 30.129
- sudhūpadhūpitaṃ kṛtvā anāmāṃ hemamudrikām |
kaṭakaṅkaṇahāraiśca hemagodānadakṣiṇaiḥ ||
lasse ihn von gutem Räucherduft umgeben sein und [stecke] ihm einen goldenen Ring an den Ringfinger. Mit Armreifen, Armbändern und Halsketten sowie mit Opferhonoraren aus Gold- und Kuhgaben
Kumārikākhaṇḍa 30.130
- toṣayitvā tu svaguruṃ yathāvibhavavistaram |
ārātrīṃ kārayet paścāt kulakumbhaṃ prapūrayet ||
soll er seinen eigenen Lehrer nach dem Umfang seiner Mittel zufriedenstellen. Danach lasse er das Lichtopfer ausführen und fülle den Kula-Krug.
Kumārikākhaṇḍa 30.131
- tatrasthamāgamaṃ pūjyaṃ divyavastravibhūṣitam |
kramaṃ ca pūjayitvā tu gurumaṇḍalapūrvakam ||
Die dort aufgestellte, mit kostbaren Gewändern geschmückte Offenbarung soll verehrt werden. Nachdem man den Krama verehrt hat, wobei das Maṇḍala der Lehrer vorangeht,
Kumārikākhaṇḍa 30.132
- dātavyā dīpamālā tu matarājasya sundara |
vīrabhojyaṃ prakartavyaṃ yathā khyātaṃ purā mayā ||
soll dem König der Lehren eine Reihe von Lampen dargebracht werden, o Schöner. Das Mahl der Helden ist so auszurichten, wie ich es zuvor erklärt habe.
Kumārikākhaṇḍa 30.133
- paraśiṣye na dātavyaṃ dadedādeśapūrvakam |
anyathā dadate yastu sa vighnaiścābhibhūyate ||
Einem Schüler eines anderen [Lehrers] darf [die Lehre] nicht gegeben werden; man gebe sie erst nach vorheriger Erlaubnis. Wer sie auf andere Weise weitergibt, wird von Hindernissen überwältigt.
Kumārikākhaṇḍa 30.134
- suparīkṣya pradātavyaṃ dūtīnāṃ kramabhāṣitam |
karmaṇā manasā vācā triśuddhirbhaktivatsale ||
Erst nach sorgfältiger Prüfung soll man die von den Dūtīs ausgesprochene Krama-Lehre weitergeben. Dreifache Reinheit besteht im Handeln, im Denken und im Sprechen, du Kind der Hingabe.
Kumārikākhaṇḍa 30.135
- tasyedaṃ śrīmataṃ dadyād athavā svagurojñayā |
anyathā na pradātavyaṃ guruśuddhivivarjite ||
Einem solchen Menschen soll man dieses Śrīmata geben oder nach der Weisung des eigenen Lehrers. Andernfalls darf man es niemandem geben, dem die Reinigung durch den Lehrer fehlt.
Kumārikākhaṇḍa 30.136
- arthalobhād bhayāt prītyā na dadyācca kadācana |
etat samayaṃ deveśa prayatnād dhārito mayā ||
Niemals soll man es aus Geldgier, aus Furcht oder aus bloßer Zuneigung weitergeben. Dies ist die Verpflichtung, die ich sorgfältig bewahrt habe, o Herr der Götter.
Kumārikākhaṇḍa 30.137
- bhaktihīne śaṭhe krūre niḥsatye kalahapriye |
tāntrike dveṣaduṣṭe ca garvite ca ahaṃkṛte ||
Einem Menschen ohne Hingabe, einem Hinterlistigen, Grausamen, Unwahrhaftigen, Streitsüchtigen, einem Tāntrika, einem von Hass Verdorbenen, einem Stolzen oder Selbstherrlichen,
Kumārikākhaṇḍa 30.138
- pāramparyavinirmukte naiva lobhāt pradāpayet |
oliśuddhivinirmukte kramaśuddhivivarjite ||
einem Menschen ohne Überlieferungslinie darf man es keinesfalls aus Gier geben. Ebenso wenig einem Menschen ohne die Reinigung der Linien, ohne die Reinigung des Krama,
Kumārikākhaṇḍa 30.139
- samayabhraṣṭe ca pāpiṣṭe vañcake gurudūṣake |
īśvare cittalobhiṣṭe tathā pāparate jane ||
einem, der die Verpflichtungen gebrochen hat, einem großen Sünder, Betrüger, Verleumder des Lehrers, einem Machthaber mit gierigem Sinn oder einem Menschen, der sich der Sünde hingibt,
Kumārikākhaṇḍa 30.140
- jñānopajīvakāsakte kāyasthe hetuvādine |
lakṣarāgacale śiṣye kāryārthī bhaktivatsala ||
einem, der vom Wissen lebt und daran hängt, einem Schreiber oder bloßen Vernunftredner; einem Schüler, den die Begierde nach einem Ziel umtreibt und der einen eigenen Zweck verfolgt, du Kind der Hingabe,
Kumārikākhaṇḍa 30.141
- abhakte caiva kṛpaṇe capale pānalampaṭe |
devārcanavinirmukte śaucācāravivarjite ||
einem Menschen ohne Hingabe, einem Geizigen, Unbeständigen, einem dem Trinken Verfallenen, einem, der die Verehrung der Götter aufgegeben hat und keinen reinen Lebenswandel pflegt,
Kumārikākhaṇḍa 30.142
- kapaṭavratacāriṇe matarājaṃ na dāpayet |
sthiracittāṅgabhāve ca sarvasvavinivedake ||
einem, der seine Gelübde heuchlerisch ausübt, soll man den König der Lehren nicht geben. Wer dagegen in Geist, Gliedern und innerer Haltung fest ist und sein Ganzes darbringt,
Kumārikākhaṇḍa 30.143
- karmaṇā manasā vācā viśuddhe bhaktivatsale |
bhinnadehāṅgabhāve ca gurvāmnāyaviśārade ||
wer in Handeln, Denken und Sprechen rein, von Hingabe erfüllt, von der Bindung an Körper und Glieder gelöst und in der Überlieferung der Lehrer bewandert ist,
Kumārikākhaṇḍa 30.144
- matarājaṃ pradātavyaṃ dvādaśābdaparīkṣite |
nārthalobhād bhayāt prītyā noparodhena vidyayā ||
dem soll man nach zwölfjähriger Prüfung den König der Lehren geben. Nicht aus Geldgier, Furcht oder Zuneigung, nicht unter Druck oder um bloßen Wissens willen
Kumārikākhaṇḍa 30.145
- na dātavyamidaṃ ratnaṃ jñānakoṣaṃ kulāgamam |
putrasyāpi na dātavyaṃ kiṃ punaritare jane ||
darf man dieses Juwel, den Wissensschatz der Kula-Offenbarung, weitergeben. Nicht einmal dem eigenen Sohn darf man es [ohne diese Voraussetzungen] geben, wie viel weniger einem anderen Menschen.
Kumārikākhaṇḍa 30.146
- viśeṣeṇa na dātavyaṃ kāryārthī bhaktivatsala |
kalau yuge mahāghore svalpacittaistvacetanaiḥ ||
Besonders einem, der einen eigenen Zweck verfolgt, soll man es nicht geben, du Kind der Hingabe. In dem überaus schrecklichen Kali-Zeitalter werden [Schüler] durch Lehrer mit beschränktem, unverständigem Geist,
Kumārikākhaṇḍa 30.147
- ācāryaiḥ śaktihīnaiśca jñānahīnaiśca niścayaiḥ |
te tu ye dīkṣitā deva śiṣyāścaivāparīkṣitāḥ ||
ohne Kraft und mit Überzeugungen, denen Erkenntnis fehlt, eingeweiht, o Gott, obwohl diese Schüler selbst noch ungeprüft sind.
Kumārikākhaṇḍa 30.148
- pramādena kathañcit syāt duḥkhānyanubhaviṣyanti |
bhaktihīnaṃ kriyāhīnaṃ bhāvahīnaṃ tu cumbakam ||
Geschieht dies irgendwie aus Nachlässigkeit, so werden sie Leiden erfahren. Einem Cumbaka [hier abwertend: einem Scharlatan], dem Hingabe, rituelle Praxis und innere Anteilnahme fehlen,
Kumārikākhaṇḍa 30.149
- na jñānaṃ nirmalaṃ tasya naiva dadyāt kulāgamam |
ājñāpahāraḥ kartavyaḥ parihāryaḥ prayatnataḥ ||
ist keine reine Erkenntnis eigen; ihm soll man die Kula-Offenbarung nicht geben. Seine Ermächtigung soll entzogen und er mit Sorgfalt gemieden werden.
Kumārikākhaṇḍa 30.150
- tadā siddhiṃ labhenmantrī anyathā pāpakṛnmataḥ |
nirvāṇottarayoge ca tathā kālottare pare ||
Dann erlangt der Mantrapraktizierende Vollendung; andernfalls gilt er als Übeltäter. [Wer eingeweiht ist] im Nirvāṇottarayoga, ebenso im Kālottara und im Para,
Kumārikākhaṇḍa 30.151
- ūrdhvasrote ca karaṇe tathā svacchandabhairave |
nityātantre yāmale ca tathā ca tripurārṇave ||
im Ūrdhvasrota und Karaṇa, ebenso im Svacchandabhairava, im Nityātantra, im Yāmala und im Tripurārṇava,
Kumārikākhaṇḍa 30.152
- yāmale rurubhede ca tathā ca brahmayāmale |
oḍāmare ḍāmare vā tathā vai carcikākrame ||
im Yāmala Rurubheda, ebenso im Brahmayāmala, im Oḍāmara oder Ḍāmara und im Carcikākrama,
Kumārikākhaṇḍa 30.153
- picvākhye tu mahādeva athavā kālikākrame |
tantre ca bhairave vāpi somasiddhāntalākule ||
in dem Picu genannten [Werk], o großer Gott, oder im Kālikākrama, im Bhairava-Tantra sowie im Somasiddhānta und Lākula,
Kumārikākhaṇḍa 30.154
- tumbure caikavīre vā jayātantre tu vāsuke |
mātaṅge brahmatantre ca pratiṣṭhāpārameśvare ||
im Tumbura oder Ekavīra, im Jayātantra und Vāsuka, im Mātaṅga, Brahmatantra, Pratiṣṭhā und Pārameśvara,
Kumārikākhaṇḍa 30.155
- āṇave piṅgale caiva rasasvacchandake tathā |
vācaspate ca ādye vā lakṣapāde'tha sundara ||
im Āṇava, Piṅgala und Rasasvacchandaka, im Vācaspata oder Ādya sowie im Lakṣapāda, o Schöner,
Kumārikākhaṇḍa 30.156
- vāmamārge ca gauryāyāḥ siddhayogeśvarīmate |
mate picumate caiva tathā devyāmate tu ca ||
auf Gaurīs linkem Weg, im Siddhayogeśvarīmata, im Mata, Picumata und Devyāmata,
Kumārikākhaṇḍa 30.157
- śivādūtīmate deva khecaryāśca matottare |
mate ḍāmaradūtī ca tathā vai sundarīmate ||
im Śivādūtīmata, o Gott, im Matottara der Khecarī, im Ḍāmaradūtīmata und im Sundarīmata,
Kumārikākhaṇḍa 30.158
- maṅgalāyā mate caiva vyomasantānasantatau |
vyomagarbhe hṛṣīkeśe tathā caiva tu gahvare ||
in der Lehre der Maṅgalā, in der Linie der Vyomasantāna-Überlieferung, im Vyomagarbha, Hṛṣīkeśa und Gahvara:
Kumārikākhaṇḍa 30.159
- dīkṣitā ye kalau deva śiṣyāstantrāgameṣu ca |
kalau yugasya saṃsiddhiṃ na te prāpyanti putrakāḥ ||
Die Schüler und geistigen Söhne, die im Kali-Zeitalter in diese Tantras und Offenbarungen eingeweiht wurden, o Gott, erlangen damit nicht die Vollendung dieses Zeitalters.
Kumārikākhaṇḍa 30.160
- yāvanna kulasiṃhasya kramodayaṃ mahīpate |
paścimasya gṛhasyaiva putrakānāṃ praveśanam ||
Solange ihnen die Übertragung des Löwen des Kula nicht aufgeht, o Herr der Erde, solange diese geistigen Söhne nicht in das westliche Haus eintreten,
Kumārikākhaṇḍa 30.161
- tāvat teṣāṃ kuto bhogyaṃ kutaḥ pratyaya kaulikam |
kuto mokṣaṃ daridrāṇāṃ kulakramavivarjitām ||
woher sollen ihnen dann Genuss und die unmittelbare Erfahrung des Kaula kommen? Woher Erlösung für diese Armen, denen die Kula-Übertragung fehlt?
Kumārikākhaṇḍa 30.162
- punardīkṣārihāḥ sarve merumārgavivarjitāḥ |
bhaviṣyanti kalau deva paścime siṃhadarśane ||
Alle, denen der Weg Merus fehlt, werden im Kali-Zeitalter, o Gott, innerhalb der westlichen Löwen-Lehre wiederum zu »dīkṣāriha« [wohl: Feinden und Zerstörern der Einweihung; Ausdruck unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 30.163
- kṛtvā tyāgaṃ guroḥ pūrvaṃ tyaktvā pūrvāśramakramam |
tataścānugrahaṃ kuryāt saviśeṣaṃ tu paścime ||
Nachdem man zuerst den [bisherigen] Lehrer verlassen und die Ordnung seiner früheren Lebensstufe aufgegeben hat, soll [der neue Lehrer] besondere Gnade innerhalb der westlichen [Überlieferung] gewähren.
Kumārikākhaṇḍa 30.164
- anyathā paśavaḥ sarve bhrāmitāste mayā kalau |
yugānurūpato mokṣaṃ darśanaṃ darśanaṃ prati ||
Alle, die anders handeln, sind gebundene Wesen, die ich im Kali-Zeitalter verwirrt habe. Die Erlösung entspricht in jeder Lehrtradition dem jeweiligen Zeitalter.
Kumārikākhaṇḍa 30.165
- kṛtayuge ūrdhvasrotaṃ vai tretāyāṃ dakṣiṇaṃ tathā |
dvāpare vāmasrotaṃ tu paścimaṃ kalirucyate ||
Im Kṛta-Zeitalter gilt der obere Strom, im Tretā-Zeitalter der südliche, im Dvāpara der linke Strom; dem Kali-Zeitalter wird der westliche zugeordnet.
Kumārikākhaṇḍa 30.166
- kalau tu paścimaṃ srotaṃ sadyojātaṃ kulakramam |
udayaṃ caturdhā proktaṃ yugānāṃ śaivadarśane ||
Im Kali-Zeitalter ist der westliche Strom der Kulakrama Sadyojātas. So ist in der śivaitischen Lehre ein vierfaches Hervortreten nach den Zeitaltern dargelegt.
Kumārikākhaṇḍa 30.167
- yasya yasya yugasyaiva antardhānaṃ gatasya ca |
tasya tasya bhavet siddhiranyathā na kadācana ||
Für jedes Zeitalter, in dem [die Lehre] in die Verborgenheit gegangen ist, kommt gerade dessen Vollendung zustande — niemals auf andere Weise [der Zusammenhang ist unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 30.168
- yugo'nyaṃ darśanaṃ cānyaṃ tathā cānyaṃ gurustathā |
sarvaṃ taṃ niṣphalaṃ tasya yathājyaṃ bhasmamadhyataḥ ||
Gehört das Zeitalter zu einem anderen [Zusammenhang] als die Lehre und ebenso der Lehrer, bleibt ihm all das ohne Frucht, wie geklärte Butter mitten in der Asche.
Kumārikākhaṇḍa 30.169
- evaṃ jñātvā tu prathamaṃ kalisyāṃ paścimaṃ gṛham |
guruścāhaṃ ca pūrveṣāṃ śrīmatārthe maheśvara ||
Hat man dies erkannt, [weiß man:] Im Kali-Zeitalter steht das westliche Haus an erster Stelle. Und ich bin der Lehrer der Früheren hinsichtlich des Sinnes des Śrīmata, o großer Herr.
Kumārikākhaṇḍa 30.170
- mama oṃkārapīṭhe tu avatāraṃ maheśvara |
tathādhikāraṃ siṃhasya ākhyātaṃ dakṣiṇāpathe ||
Am Oṃkāra-Sitz geschah mein Herabkommen, o großer Herr. Ebenso wurde die Vollmacht des Löwen im Dakṣiṇāpatha, dem südlichen Land, verkündet.
Kumārikākhaṇḍa 30.171
- tatraiva pratyayaṃ śuddhaṃ catuṣpādeṣu saṃsthitam |
kṣetramāhātmya śiṣyāṇāṃ vartate ca gṛhe gṛhe ||
Dort ruht die reine unmittelbare Erfahrung auf vier Füßen. Die Größe des heiligen Feldes wirkt im Haus eines jeden Schülers.
Kumārikākhaṇḍa 30.172
- mudrāsphoṭādi vedhañca koṅkaṇe dakṣiṇāpathe |
tatrājñā khyāpitā pūrvaṃ mayā pūrṇākhyasaṃjñake ||
Das Aufbrechen durch die Mudrā und das Durchdringen [finden statt] in Koṅkaṇa im südlichen Land. Dort, an dem Pūrṇa genannten [Ort], habe ich einst die Ermächtigung verkündet.
Kumārikākhaṇḍa 30.173
- nākhyātaṃ mānave guhyaṃ guruṇā dakṣiṇāpathe |
tavākhyātaṃ tu siddhasya rahasyaṃ merumārgagam ||
Das Geheimnis wurde einem Menschen durch den Lehrer im südlichen Land nicht mitgeteilt [Satzbezug unsicher]. Dir jedoch, dem Siddha, wurde das Geheimnis auf dem Weg Merus erklärt:
Kumārikākhaṇḍa 30.174
- pīṭhodyāṇe trimudrāyāṃ maṇḍalaṃ ca kulāgamam |
caturviṃśatisāhasraṃ uddhṛtaṃ lakṣapādakāt ||
das Maṇḍala im Hain der heiligen Sitze, in der dreifachen Mudrā, und die Kula-Offenbarung von vierundzwanzigtausend [Versen], die aus dem Lakṣapādaka [der Fassung von 125.000 Versen] ausgezogen wurde.
Kumārikākhaṇḍa 30.175
- mayāpi khecarāt prāptaṃ himavantānmukhāgamam |
prāpte kaliyuge śaṃbho mleccharājye tathottare ||
Auch ich empfing vom Himmelsgänger Himavat die mündliche Offenbarung. Wenn das Kali-Zeitalter gekommen ist, o Śambhu, und im Norden die Herrschaft der Mlecchas besteht,
Kumārikākhaṇḍa 30.176
- madhumanthanāvatāre rāvaṇasya samāgame |
tasmin caivādyapīṭhasya śmaśāne karavīrake ||
beim Herabkommen des Madhumanthana, des Honigquirlens, bei der Zusammenkunft mit Rāvaṇa, dort auf dem Leichenplatz Karavīra des ersten heiligen Sitzes,
Kumārikākhaṇḍa 30.177
- rudrāṃśakasya siddhyasya viddhacittasya bhairava |
adhikāraṃ pradātavyaṃ etat siddhakulāgamam ||
soll dem Siddha, der ein Teil Rudras ist und dessen Geist durchdrungen wurde, die Vollmacht verliehen werden, o Bhairava. Dies ist die Offenbarung des Siddhakula.
Kumārikākhaṇḍa 30.178
- upadeśaṃ yathāvasthaṃ niśācāreṇa kaulikam |
saṃhitārthaṃ mahatyarthaṃ kathanīyamadṛṣṭavat ||
Die Kaula-Unterweisung soll ihrem wirklichen Gehalt nach durch die nächtliche Observanz [vermittelt werden]. Der Sinn der Sammlung, ihr großer Sinn, ist zu erzählen, als hätte man [sie] nicht gesehen [Bedeutung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 30.179
- dadyād jñānaṃ kramāmnāyaṃ kīrtyarthaṃ dakṣiṇāpathe |
saviśeṣaṃ ca hṛdayaṃ cāturviṃśatsahasrakam ||
Man soll die Erkenntnis der Krama-Überlieferung im südlichen Land weitergeben, damit ihr Ruhm sich verbreite. Insbesondere ihr Herz, die vierundzwanzigtausend [Verse],
Kumārikākhaṇḍa 30.180
- dātavyaṃ dhīpure śaktyā rūpamāśritya mānavam |
mānavasya tu śiṣyasya bhāvaśuddhasya sundara ||
soll durch die Kraft in der Burg des Verstehens vermittelt werden, nachdem man menschliche Gestalt angenommen hat: einem menschlichen Schüler mit reiner innerer Haltung, o Schöner.
Kumārikākhaṇḍa 30.181
- tasya dadyānna doṣo'sti anyathā doṣabhāg bhavet |
tenaivārādhitā pūrvaṃ ahaṃ tridaśamaṇḍale ||
Ihm soll man [die Lehre] geben; dabei liegt kein Vergehen vor. Anders aber wird man am Vergehen teilhaben. Er hat mich schon früher im Kreis der Götter verehrt.
Kumārikākhaṇḍa 30.182
- tasya tuṣṭā hyahaṃ śambho nirmito martyalokataḥ |
mānavena tu rūpeṇa siddho'sau nātra saṃśayaḥ ||
Ich war mit ihm zufrieden, o Śambhu, und [habe ihn] in der Welt der Sterblichen hervorgebracht. Er ist ein Siddha in menschlicher Gestalt; daran besteht kein Zweifel.
Kumārikākhaṇḍa 30.183
- janmajanmāntarābhyāsāt ahamārādhitā hara |
pūrvaṃ rudrāṃśako yastu sa labheddhi kulāgamam ||
Durch seine Übung von Geburt zu Geburt bin ich verehrt worden, o Hara. Wer schon früher ein Teil Rudras war, der möge die Kula-Offenbarung empfangen.
Kumārikākhaṇḍa 30.184
- siddho mānuṣyarūpeṇa nirmito martyalokataḥ |
upakārāya jantūnāṃ sa labhetparamaṃ matam ||
Als Siddha in menschlicher Gestalt wurde er in der Welt der Sterblichen hervorgebracht. Um den Lebewesen zu helfen, soll er die höchste Lehre empfangen.
Kumārikākhaṇḍa 30.185
- vettyasau saṃhitārthaṃ tu durbodhyaṃ devadurlabham |
sūtrasaṃketabhāṣārthaṃ pāramparyakramāgatam ||
Er versteht den schwer erfassbaren und selbst für die Götter schwer zugänglichen Sinn der Sammlung: den Sinn der vereinbarten Sprache der Lehrsätze, der durch die Folge der Überlieferung weitergegeben wurde.
Kumārikākhaṇḍa 30.186
- tatrāhaṃ mantramūrtisthā tvaṃ tatra paramo guruḥ |
tatra pūjā trikālaṃ tu kartavyaṃ maṇḍalaṃ punaḥ ||
Dort bin ich in Mantragestalt gegenwärtig; dort bist du der höchste Lehrer. Dort soll die Verehrung zu den drei Tageszeiten stattfinden und wiederum ein Maṇḍala gestaltet werden.
Kumārikākhaṇḍa 30.187
- yathāhaṃ ca tathā tvaṃ ca tathā vai khecaraṃ kramam |
yathāgamamahājñānaṃ tathāsau matabodhakaḥ ||
Wie ich bin, so bist du, und ebenso ist die Übertragung der Himmelsgänger. Wie die große Erkenntnis der Offenbarung beschaffen ist, so ist auch der, der das Verständnis der Lehre weckt.
Kumārikākhaṇḍa 30.188
- paśyate jñānacakṣubhyāṃ na dvaitaṃ guruṇā saha |
tasyāpamānaṃ drohaṃ ca vacanalaṅghanaṃ tathā ||
Mit den Augen der Erkenntnis sieht er keine Zweiheit gegenüber dem Lehrer. Ihn zu missachten, ihm zu schaden oder sein Wort zu übertreten,
Kumārikākhaṇḍa 30.189
- na kartavyaṃ kadācid vā vidveṣaṃ na samācaret |
andhakāre yathā dīpo niśāyāṃ tu niśākaraḥ ||
darf man niemals tun; auch Feindschaft darf man nicht gegen ihn hegen. Wie eine Lampe in der Dunkelheit und der Mond in der Nacht,
Kumārikākhaṇḍa 30.190
- tathāsau dīpako mantrī olīnāṃ gotrasantatau |
tasyaiva yat kṛtaṃ kiñcit parārthaṃ caiva putrakaiḥ ||
so ist dieser Mantrapraktizierende eine Leuchte in der Folge der Geschlechter und Überlieferungslinien. Was von ihm und seinen geistigen Söhnen zum Wohl anderer getan wird,
Kumārikākhaṇḍa 30.191
- tat sarvaṃ me pramāṇaṃ tu tasya tiṣṭhāmyahaṃ pure |
mantrasiṃhāsanaṃ tasya adhikāraṃ trayoliṣu ||
das alles gilt mir als maßgebend; ich wohne in seiner Burg. Sein Löwenthron des Mantra, seine Vollmacht in den drei Linien,
Kumārikākhaṇḍa 30.192
- matabodhakasiddhasya ākhyātaṃ dakṣiṇāpathe |
yojanaśatadūrasthaṃ paśyate jñānacakṣuṣā ||
die dem Siddha gehört, der das Verständnis der Lehre weckt, wurde im südlichen Land verkündet. Mit dem Auge der Erkenntnis sieht er, was hundert Yojanas entfernt ist.
Kumārikākhaṇḍa 30.193
- riktahastairna siddhiḥ syāt pūrṇahastena siddhibhāk |
paśyatyasau mahāmantrī guruṃ pratyakṣabhairavam ||
Mit leeren Händen kommt keine Vollendung zustande; mit gefüllten Händen hat man Anteil an ihr. Dieser große Mantrapraktizierende sieht den Lehrer als unmittelbar gegenwärtigen Bhairava.
Kumārikākhaṇḍa 30.194
- anyagotrasya śiṣyena carcāṃ naiva tu kārayet |
kanyaso'pi guroroghe sa jyeṣṭha iti manyate ||
Mit einem Schüler eines anderen geistigen Geschlechts soll man kein Lehrgespräch führen lassen. Selbst der Jüngste im Überlieferungsstrom des Lehrers gilt als der Älteste.
Kumārikākhaṇḍa 30.195
- sva–olyāṃ ca kramaṃ tasya śodhyaṃ vakrākulāgame |
tataḥ siddhirbhavecchiṣye anyathā na kadācana ||
In seiner eigenen Linie soll seine Übertragungsfolge nach der Offenbarung des Vakrākula gereinigt werden. Dann entsteht im Schüler Vollendung — niemals auf andere Weise.
Kumārikākhaṇḍa 30.196
- yasyedaṃ śrīmataṃ deva gṛhe tiṣṭhati pūjitam |
tasya lakṣmī sadākālaṃ ahaṃ tiṣṭhāmi tatpure ||
O Gott, in wessen Haus dieses Śrīmata verehrt gegenwärtig ist, dessen Glück bleibt beständig. Ich wohne als Lakṣmī in seiner Burg.
Kumārikākhaṇḍa 30.197
- yatra yatra śubhaṃ kiñcit tatrāhaṃ cādhikāriṇī |
paṭhate yastu tattvajñaḥ sakalaṃ vā tadardhakam ||
Wo immer etwas Heilvolles ist, dort besitze ich die Vollmacht. Wer die Wirklichkeit kennt und [die Schrift] ganz oder zur Hälfte liest,
Kumārikākhaṇḍa 30.198
- ardhārdhamatha pādaṃ vā ślokamekaṃ tadardhakam |
tasya jñānaphalāvāpti ihaloke ca bhuktibhāk ||
die Hälfte einer Hälfte oder einen Pāda [ein Viertel oder einen Abschnitt], einen Vers oder dessen Hälfte, der empfängt die Frucht der Erkenntnis und hat auch in dieser Welt Anteil am Genuss.
Kumārikākhaṇḍa 30.199
- sa punarvindate sarvaṃ catuḥpādaṃ krameṇa tu |
pratyakṣaṃ ciñciṇīnāthaṃ māyārūpeṇa mānavaḥ ||
Er erlangt nach und nach das Ganze mit seinen vier Teilen. Als Mensch [erfährt er] Ciñciṇīnātha unmittelbar in einer durch Māyā gebildeten Gestalt [Satzbezug unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 30.200
- yo yo'valokyate jantuḥ so'pi yāti pare pade |
darśanāt sparśanādeva ālāpāt saha saṃgamāt ||
Jedes Lebewesen, das [von ihm] angeschaut wird, gelangt ebenfalls zum höchsten Zustand. Durch Anschauen, Berührung, Gespräch und Zusammensein
Kumārikākhaṇḍa 30.201
- pāpīnāṃ jāyate siddhirjñānadīkṣā pravartate |
paṭhitaṃ śṛṇute yastu śrīmatedaṃ kulāgamam ||
erlangen selbst Sünder Vollendung; die Einweihung durch Erkenntnis setzt ein. Wer dieses Śrīmata, die Kula-Offenbarung, vorgetragen hört,
Kumārikākhaṇḍa 30.202
- mantroddhāraṃ tu yaḥ paśyet pramādādavibhāvitaḥ |
tatkṣaṇād dīkṣito'sau vai gato'sau paścime gṛhe ||
oder wer, durch ein Versehen unbemerkt, die Herauslösung der Mantras mitansieht, der ist in eben diesem Augenblick eingeweiht und in das westliche Haus eingetreten.
Kumārikākhaṇḍa 30.203
- gurumaṇḍalakaṃ kāryaṃ āgamasya gurogrataḥ |
sāṣṭāṅgapraṇipātaistu tripradakṣiṇapūrvakaiḥ ||
Vor dem Lehrer soll das Lehrermaṇḍala der Offenbarung gestaltet werden. Nach dreimaligem Umschreiten zur Rechten soll man sich mit acht Körpergliedern niederwerfen,
Kumārikākhaṇḍa 30.204
- namaskārenmahābhaktyā abhivandya punaḥ punaḥ |
tasya vettā purnarmantrī pūrṇasiddhiḥ pravartate ||
in großer Hingabe grüßen und immer wieder verehren. Dann wird der Mantrapraktizierende zu einem Kenner dessen, und vollständige Vollendung setzt ein.
Kumārikākhaṇḍa 30.205
- te śiṣyāḥ kramikāḥ śuddhāḥ yairdṛṣṭaṃ śrīmataṃ tvidam |
te muktā jīvamānto'pi anye jīvantakā mṛtāḥ ||
Jene Schüler sind rein und der Übertragung zugehörig, die dieses Śrīmata gesehen haben. Sie sind schon zu Lebzeiten befreit; die anderen sind lebend wie tot.
Kumārikākhaṇḍa 30.206
- iha janma samāsādya yenābhyastaṃ na śrīmatam |
tathā nākarṇitaṃ bhaktyā vṛthā tasya tu jīvitam ||
Wer hier eine Geburt erlangt hat, aber das Śrīmata weder studiert noch mit Hingabe gehört hat, dessen Leben ist vergeblich.
Kumārikākhaṇḍa 30.207
- yenāvadhāritaṃ naiva mahāratnaṃ kulāgamam |
punastad durlabhaṃ tasya anyajanmani janmani ||
Wer dieses große Juwel, die Kula-Offenbarung, nicht aufmerksam aufgenommen hat, für den ist es in jeder weiteren Geburt schwer wiederzuerlangen.
Kumārikākhaṇḍa 30.208
- prāpto maṇiryathā śuddhaḥ candrakāntiṃ tyajennaraḥ |
bhūyostaṃ durlabhaṃ tasya tathā śrīśrīmataṃ nṛṇām ||
Wenn ein Mensch einen reinen Mondstein gefunden und dann weggeworfen hat, kann er ihn nur schwer wiedererlangen. Ebenso verhält es sich für die Menschen mit dem ehrwürdigen Śrīmata.
Kumārikākhaṇḍa 30.209
- yo dviṣet śrīmataṃ deva ācāryaṃ matabodhakam |
yātyasau narakaṃ ghoraṃ yāvad bhūtasaṃplavam ||
Wer das Śrīmata und den Lehrer, der seinen Sinn erschließt, hasst, o Gott, geht in eine schreckliche Hölle bis zur Auflösung der Elemente.
Kumārikākhaṇḍa 30.210
- śrīnāthaṃ bhairavaṃ caiva pādukāmiti uccaret |
agrataḥ pārśvato vāpi kramataḥ svagurogrataḥ ||
Man soll Śrīnātha und Bhairava sowie »pādukām« [die Sandalen] der Reihe nach aussprechen, davor oder seitlich, vor dem eigenen Lehrer.
Kumārikākhaṇḍa 30.211
- yatra yatra gato mantrī tritayaṃ tu samuccaret |
śivāyeti na vaktavyaṃ mantrametat ṣaḍakṣaram ||
Wo immer sich der Mantrapraktizierende hinbegeben hat, soll er diese Dreiheit aussprechen. »Śivāya« soll er nicht sagen; dieses sechssilbige Mantra
Kumārikākhaṇḍa 30.212
- noccāryaṃ kaulike mārge pādukāmiti uccaret |
maṇḍalaṃ ca kramoddhāraṃ kārayenmatasannidhau ||
soll auf dem Kaula-Weg nicht ausgesprochen werden. »Pādukām« soll er sagen. In Gegenwart der Lehre soll er das Maṇḍala gestalten und den Krama herauslösen lassen.
Kumārikākhaṇḍa 30.213
- athavā bhavyate bhaktyā gurumaṇḍalapūjanam |
kṛtvādau kramapūjāṃ ca puṣpadhūpādibhiḥ kramāt ||
Oder er soll die Verehrung des Lehrermaṇḍalas mit Hingabe innerlich vergegenwärtigen. Zuerst vollziehe er die Krama-Verehrung der Reihe nach mit Blüten, Räucherwerk und weiteren Gaben.
Kumārikākhaṇḍa 30.214
- candanaṃ kuṃkumaṃ caiva kastūryā ca vilepayet |
alipiśitasaṃyuktaṃ dīpaṃ prajvālya śobhanam ||
Er soll mit Sandelholz, Kuṃkuma und Moschus bestreichen und eine schöne, mit Wein und Fleisch verbundene Lampe entzünden [Zuordnung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 30.215
- puṣpaprakaraṃ kartavyaṃ sugandhaṃ gandhamoditam |
kumārīṃ pūjayedekāṃ tathā ācāryaputrakam ||
Eine Fülle von Blüten soll bereitet werden, wohlriechend und von Duft erfüllt. Er soll eine Jungfrau verehren und ebenso den geistigen Sohn des Lehrers.
Kumārikākhaṇḍa 30.216
- ādau mantrāśca mudrāśca gurupañcakamaṇḍalam |
mama vidyāmūlasūtraṃ natvā dhyāyet kulāgamam ||
Zu Beginn [ehre er] die Mantras, die Mudrās und das Maṇḍala der fünf Lehrer. Nachdem er sich vor dem Wurzel-Lehrtext meiner Vidyā verneigt hat, soll er über die Kula-Offenbarung meditieren,
Kumārikākhaṇḍa 30.217
- ekānte vijane ramye duṣṭajantuvivarjite |
ācāryaṃ svaguruṃ vātha gurormātāmathāpi vā ||
an einem schönen, menschenleeren, abgeschiedenen Ort, frei von schädlichen Lebewesen. Den Ācārya, den eigenen Lehrer oder auch die Mutter des Lehrers
Kumārikākhaṇḍa 30.218
- eṣāmājñāṃ prarthayitvā dadādeśamiti brūyāt |
matārthaṃ bhavatvasmākaṃ tathā siddhistu kaulikī ||
soll er um Ermächtigung bitten und sprechen: »Gib die Erlaubnis! Mögen uns der Sinn der Lehre und ebenso die Vollendung des Kaula zuteilwerden.«
Kumārikākhaṇḍa 30.219
- īdṛśena vidhānena tato vācyaṃ maheśvara |
antaraṅgīsubhāṣādiśuddhaṃ cātimanoharam ||
Nach einem solchen Verfahren soll dann vorgetragen werden, o großer Herr: [die Lehre,] die durch vertrauliche, treffende Rede und anderes rein und überaus anziehend ist.
Kumārikākhaṇḍa 30.220
- kiñcitkākaliśabdena siddhāntaṃ tatra kārayet |
sadyātilalitā bhāṣā gāndharvāderanekaśaḥ ||
Mit etwas sanftem, melodischem Klang soll man dort die Lehre darlegen, in überaus lieblicher, unmittelbar [verständlicher] Sprache, vielfältig wie die der himmlischen Musiker und anderer.
Kumārikākhaṇḍa 30.221
- tayā samayamevoktaṃ śraddhayā tat paṭhennaraḥ |
anyathā siddhihāniḥ syāt sādhakasya bhavet tataḥ ||
In dieser Sprache ist die Verpflichtung ausgesprochen worden; der Mensch soll sie vertrauensvoll lesen. Andernfalls tritt für den Übenden der Verlust seiner Vollendung ein.
Kumārikākhaṇḍa 30.222
- niśācāreṇa vyākhyātaṃ kulācāreṇa kārayet |
vyākhyāne yā vidhiḥ pūrvaṃ tavākhyātā varānana ||
Durch die nächtliche Observanz ist [die Lehre] erklärt worden; nach der Lebensführung des Kula soll man sie ausführen lassen. Die Vorschrift für das Erklären, die ich dir zuvor dargelegt habe, du mit schönem Antlitz,
Kumārikākhaṇḍa 30.223
- kṛtvā cākarṇayedeva nānyathā tu kadācana |
divye manorame sthāne paśudṛṣṭivivarjite ||
soll man befolgen und dann aufmerksam zuhören — niemals auf andere Weise: an einem erhabenen, erfreulichen Ort, der den Blicken der Ungeweihten entzogen ist,
Kumārikākhaṇḍa 30.224
- puṣpaprakarasaṃkīrṇe sugupte cādhivāsite |
mahādhūpasugandhāḍhye ācāryaḥ pūrvasaṃmukhaḥ ||
mit Blütenfülle bestreut, gut verborgen und gereinigt, reich an den Düften vortrefflichen Räucherwerks; der Lehrer wendet das Gesicht nach Osten,
Kumārikākhaṇḍa 30.225
- paścimābhimukhaiḥ śiṣyaiḥ śrotavyaṃ ca kulāgamam |
gupte prakāśayecchiṣyaṃ dātavyaṃ ca mukhāgamam ||
während die Schüler die Kula-Offenbarung nach Westen gewandt hören sollen. Im Verborgenen soll man dem Schüler [ihren Sinn] erschließen und ihm die mündliche Offenbarung geben.
Kumārikākhaṇḍa 30.226
- tathā gūḍhārthacittaṃ syādaciraṃ vā bhaviṣyati |
tanmūlakramavidyāṃ ca ṣoḍhānyāsaṃ yaduddhṛtam ||
So ist sein Geist auf den verborgenen Sinn gerichtet, oder er wird es bald sein. Die Vidyā ihrer Grundübertragung und der herausgelöste sechsfache Nyāsa
Kumārikākhaṇḍa 30.227
- alinā kuṃkumenaiva likhya pūjya pradāpayet |
gṛhītvā kṣāmyate śiṣyaḥ alinā śodhitaṃ pibet ||
sollen mit Wein und Kuṃkuma niedergeschrieben, verehrt und übergeben werden. Nach dem Empfang [des nicht genannten Gegenstands] wird dem Schüler verziehen [Ausdruck unsicher]; er soll das mit Wein Gereinigte trinken.
Kumārikākhaṇḍa 30.228
- tatpaścāt samayā śrāvyā saṃkṣepeṇāṣṭakaṃ ca yat |
na nindyād yogiyoginyo nekṣennagnāṃ parastriyam ||
Danach soll man die Verpflichtungen in Kürze hören lassen und die Achtergruppe [Zuordnung unsicher]. Man soll Yogis und Yoginīs nicht schmähen und die nackte Frau eines anderen nicht betrachten.
Kumārikākhaṇḍa 30.229
- na jātu kutsitaṃ brūyāt anicchantīṃ na kāmayet |
gurupatnīṃ vīrabhāryāṃ vakrikāṃ vāmanīṃ tathā ||
Niemals soll man etwas Herabwürdigendes sagen und keine Frau begehren, die nicht einverstanden ist. Die Frau des Lehrers, die Frau eines Vīra, eine Frau mit gekrümmtem Rücken oder eine kleinwüchsige Frau,
Kumārikākhaṇḍa 30.230
- kumārīṃ vrajikāṃ caiva cchinnanāsāṃ na kāmayet |
evaṃ vai samayāḥ śrāvyāḥ saṃkṣepeṇa varānana ||
eine Jungfrau, eine Nonne oder eine Frau mit abgeschnittener Nase soll man nicht begehren. So sollen die Verpflichtungen in Kürze zu Gehör gebracht werden, du mit schönem Antlitz.
Kumārikākhaṇḍa 30.231
- pūrataḥ kathayiṣyāmi catuḥṣaṣṭisamayān yathā |
gurorājñāṃ na laṅgheta laṅghanānnarakaṃ bhavet ||
Später werde ich die vierundsechzig Verpflichtungen darlegen. Die Weisung des Lehrers soll man nicht übertreten; aus ihrer Übertretung folgt die Hölle.
Kumārikākhaṇḍa 30.232
- pālanād bhavate siddhiḥ padaṃ prāpnoti śāśvatam |
kugṛhe kujane deva sthāne caiva tu kutsite ||
Durch ihre Bewahrung entsteht Vollendung, und man erreicht den ewigen Zustand. In einem schlechten Haus, unter schlechten Menschen, o Gott, oder an einem verachteten Ort,
Kumārikākhaṇḍa 30.233
- paśumadhye na cākhyeyaṃ āgamārthaṃ mukhāgamam |
naiva dadyāt tu sahasā paśūnāṃ na pradarśayet ||
mitten unter Ungeweihten darf der Sinn der Offenbarung, die mündliche Offenbarung, nicht erklärt werden. Man soll sie nicht überstürzt weitergeben und den Ungeweihten nicht zeigen.
Kumārikākhaṇḍa 30.234
- saṃvṛtya tūṣṇīmāsthāya tadā maunaṃ samācaret |
gurvoghaṃ yastu jānāti tathā sāṃvatsaraṃ kramam ||
Man soll [die Schrift] verhüllen, sich still halten und Schweigen üben. Wer den Überlieferungsstrom des Lehrers und die Ordnung des Jahres kennt,
Kumārikākhaṇḍa 30.235
- maṇḍalaṃ mūlasūtraṃ tu tasya deyaṃ mukhāgamam |
anyathā nirguṇaṃ śiṣyaṃ jñātvā bhaktisamanvitam ||
das Maṇḍala und den Wurzel-Lehrtext, dem soll die mündliche Offenbarung gegeben werden. Oder wenn man einen Schüler erkennt, dem die erforderlichen Eigenschaften fehlen, der aber Hingabe besitzt,
Kumārikākhaṇḍa 30.236
- svaśiṣyaṃ ca tataḥ kṛtvā tadā deyaṃ mukhāgamam |
anyathābhāvukaṃ śiṣyaṃ naiva dadyānmukhāgamam ||
soll man ihn zum eigenen Schüler machen und ihm dann die mündliche Offenbarung geben. Einem Schüler mit anderer innerer Ausrichtung soll man die mündliche Offenbarung keinesfalls geben.
Kumārikākhaṇḍa 30.237
- avasthāṃ unmanībhāvaṃ ājñāpratyayapūrvakam |
jānāti dehajaṃ cinhaṃ so'sti śiṣyaḥ kulāgame ||
Wer den Zustand jenseits des gewöhnlichen Geistes kennt, dem die Ermächtigung und ihre unmittelbare Erfahrung vorangehen, und das am Körper auftretende Zeichen versteht, der ist ein Schüler in der Kula-Offenbarung.
Kumārikākhaṇḍa 30.238
- sphurate pratyayāvasthā yasya tiṣṭhati bhāvanā |
sahajamelakaṃ śambho sa bhavenmatabhājanaḥ ||
Wessen Zustand unmittelbarer Erfahrung aufleuchtet, wessen innere Vergegenwärtigung Bestand hat und [wer] die von selbst entstehende Vereinigung [erfährt], o Śambhu, der wird zu einem Gefäß der Lehre.
Kumārikākhaṇḍa 30.239
- kramabhaktiratā ye ca pīṭhārādhanatatparāḥ |
teṣvagre darśayet deva bhaktihīnān vivarjayet ||
Vor denen, die sich der Hingabe an die Übertragung widmen und auf die Verehrung der heiligen Sitze ausgerichtet sind, soll man [die Schrift] zeigen, o Gott. Menschen ohne Hingabe soll man meiden.
Kumārikākhaṇḍa 30.240
- gurorupajīvakā ye ca kapaṭavratadhāriṇaḥ |
na teṣāṃ saha saṃbhāṣaṃ śrīmataṃ na prakāśayet ||
Mit denen, die vom Lehrer leben und ihre Gelübde heuchlerisch tragen, soll man sich nicht unterreden; ihnen soll man das Śrīmata nicht offenbaren.
Kumārikākhaṇḍa 30.241
- matamekamidaṃ sāraṃ devyādeśāt prakāśayet |
ye budhyanti narā deva te muktā nātra saṃśayaḥ ||
Diese eine Lehre, diese Essenz, soll auf Weisung der Göttin offenbart werden. Die Menschen, die sie verstehen, o Gott, sind befreit; daran besteht kein Zweifel.
Kumārikākhaṇḍa 30: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite śrīkulāgamamāhātmyavarṇane likhanavyākhyānavidhirnāmānandaḥ || 30 ||
So endet das dreißigste Kapitel, die Wonne namens „Vorschrift für das Schreiben und Erklären“, in der Darstellung der Größe der Offenbarung des ehrwürdigen Kula: in der ursprünglichen Herabkunft des großen Opfers des Manthāna-Bhairava; innerhalb der Überlieferung im Umfang von sieben Koṭis, die dem Meru-Weg entspringt und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; auf dem Weg des Vidyāpīṭha, in der Bestimmung der reinen Sechs, in der Kādi-Abteilung, in der Ājñā des höchsten Herrn, in der Lehre der Herrin; innerhalb der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, verkündet in der Überlieferungsfolge der Mutter.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 31
Kumārikākhaṇḍa 31: Eingangsverehrung (invocation_1)
- || oṃ svasti ||
Om. Heil und Segen!
Kumārikākhaṇḍa 31: Eingangsverehrung (invocation_2)
- śrīnāthapādukābhyāṃ namaḥ| śrīgaṇeśāya namaḥ|
Verehrung den beiden Sandalen Śrīnāthas! Verehrung dem ehrwürdigen Gaṇeśa!
Kumārikākhaṇḍa 31: Kapitelkopf (volume_title)
- manthānabhairavatantre kumārikākhaṇḍe
Im Manthānabhairavatantra, im Kumārikākhaṇḍa.
Kumārikākhaṇḍa 31: Kapitelkopf (heading)
- ekatriṃśānandaḥ
Einunddreißigste Wonne.
Kumārikākhaṇḍa 31: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 31.1
- kulāgamavidhānaṃ tu mayā jñātaṃ maheśvari |
adhunā śrotumicchāmi dīkṣāvidhiṃ yathākramam ||
O große Göttin, die Vorschrift für die Kula-Offenbarung habe ich verstanden. Nun möchte ich der Reihe nach die Vorschrift für die Einweihung hören.
Kumārikākhaṇḍa 31.2
- tadahaṃ śrotumicchāmi yat sāraṃ paścimānvaye |
dīkṣāyānantaraṃ sarvaṃ pūjā–āgamamaṇḍalam ||
Ich möchte das hören, was den Wesenskern der westlichen Überlieferung bildet. Auf die Einweihung folgt alles Weitere: Verehrung, Offenbarung und Maṇḍala.
Kumārikākhaṇḍa 31.3
- dīkṣāśabdaṃ kimityuktaṃ prasādād vaktumarhasi |
śrīvakrā uvāca
śṛṇu nātha pravakṣyāmi dīkṣāṃ te pravadāmyaham ||
Was bedeutet das Wort „Dīkṣā“? Sei so gnädig, es zu erklären. — Höre, o Herr! Ich werde sprechen und dir die Einweihung darlegen.
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Die ehrwürdige Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 31.4
- dīyate jñānasadbhāvaṃ kṣīyate pāśapañjaram |
dānakṣapaṇadharmitvād dīkṣā teneha kīrtitā ||
Das wahre Wesen der Erkenntnis wird gegeben, und der Käfig der Fesseln schwindet. Weil Geben und Zerstören zu ihrem Wesen gehören, wird sie hier „Dīkṣā“ genannt.
Kumārikākhaṇḍa 31: Sprecherzeile (speaker_before_5)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 31.5
- katividhaṃ bhaved vedhaṃ kasmin sthāne prayojayet |
kathamājñāprabhāvaṃ tu paśūnāṃ malaśodhanam ||
Wie viele Arten des Durchdringens gibt es, und an welcher Stelle soll man es anwenden? Wie wirkt die Ermächtigung, und wie werden die Verunreinigungen der gebundenen Wesen gereinigt?
Kumārikākhaṇḍa 31.6
- samayī putrakaścaiva sādhakastu kathaṃ bhavet |
ācāryatvaṃ samāsena caturāśramanirṇayam ||
Wie wird man zum Samayin, der die Verpflichtungen trägt, zum Putraka, dem geistigen Sohn, oder zum Sādhaka, dem vollendungsuchenden Übenden? Und wie erlangt man das Lehreramt? [Erkläre] kurz die Unterscheidung dieser vier Lebensstellungen.
Kumārikākhaṇḍa 31.7
- sarvaṃ kathaya deveśi yadi tuṣṭāsi vakrike |
śrīvakrā uvāca
athārghapātrasaṃśekāt kramapūjāvalokanāt ||
Erzähle alles, Herrin der Götter, wenn du mir gewogen bist, o Vakrikā! — Durch die Besprengung aus dem Gefäß für die Begrüßungsgabe, durch das Anschauen der Krama-Verehrung
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Die ehrwürdige Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 31.8
- samayānāṃ śravaṇād vātha samayitvaṃ labhennaraḥ |
dantakāṣṭena saṃjalpāt putrakatvaṃ prapadyate ||
oder durch das Hören der Verpflichtungen erlangt der Mensch den Stand des Samayin. Durch das Zahnreinigungshölzchen und das [rituelle] Gespräch gelangt er zum Stand des Putraka.
Kumārikākhaṇḍa 31.9
- vedhitaścābhiṣiktaśca sādhakaḥ siddhaśāsane |
saṃkrāntajñānavijñānaḥ kramaughasuviśāradaḥ ||
Wer durchdrungen und durch Übergießen geweiht worden ist, ist in der Lehre der Siddhas ein Sādhaka. Wem Erkenntnis und Verständnis übertragen wurden und wer im Strom der Übertragung gründlich bewandert ist,
Kumārikākhaṇḍa 31.10
- abhiṣiktaḥ pramuktijño deśikaḥ pravidhīyate |
athāyat paramaṃ guhyaṃ vedhavijñānamuttamam ||
geweiht durch Übergießen und mit der vollständigen Befreiung vertraut, der wird als Deśika, als Lehrer, bestimmt. Nun [folgt] das höchste Geheimnis, das vorzügliche Wissen um das Durchdringen.
Kumārikākhaṇḍa 31.11
- adha ūrdhvavibhāgena vedhakramamihocyate |
mantravedhaṃ tu nādākhyaṃ binduvedhamataḥ param ||
Die Abfolge des Durchdringens wird hier nach unten und oben unterschieden. [Es gibt] das Durchdringen mit Mantra, das als Klang bezeichnete und danach das Durchdringen mit dem Bindu, dem Lichtpunkt,
Kumārikākhaṇḍa 31.12
- śāktaṃ bhujaṃgaṅgavedhaṃ tu paraṃ vedhamudāhṛtam |
mantravedhaṃ tu mantreṇa cakrādiparibhāvanāt ||
das durch Śakti, durch die Schlange und das als höchstes bezeichnete Durchdringen. Das Mantra-Durchdringen geschieht mit dem Mantra durch die innere Vergegenwärtigung der Räder und der weiteren [Körperorte].
Kumārikākhaṇḍa 31.13
- jvālāmālākulaṃ dhyāyet ṣaḍāraṃ cakramuttamam |
dvādaśāre'thavā vyāptiḥ śvāsakumbhakayogataḥ ||
Man soll das vorzügliche sechsspeichige Rad betrachten, umgeben von einer Flammengirlande. Oder es kommt im zwölfspeichigen [Rad] durch die Verbindung mit Atemhalten zur Durchdringung.
Kumārikākhaṇḍa 31.14
- paraṃ cittaṃ prabodhavyaṃ mantravedhamudāhṛtam |
hṛccakre ca maheśāna bindujvālākulaprabhā ||
Das Bewusstsein des anderen soll erweckt werden: Dies wird Mantra-Durchdringen genannt. Im Rad des Herzens, o großer Herr, [erscheint] ein Glanz voller Flammen des Bindu.
Kumārikākhaṇḍa 31.15
- tena saṃbodhayecchiśyaṃ binduvedhamudāhṛtam |
śāktaṃ śaktiṃ samuccārya ūrdhvacāreṇa sundara ||
Damit soll man den Schüler erwecken; dies wird Bindu-Durchdringen genannt. Das Śakti-Durchdringen [geschieht], indem man die Kraft durch aufwärtsgerichtete Bewegung emporführt, o Schöner.
Kumārikākhaṇḍa 31.16
- śṛṅgāṭakāsanasthā tu kubjikā kuṭilākṛtiḥ |
ādhārādisamuccāryā dīpākārā śikhopamā ||
Kubjikā, deren Gestalt gekrümmt ist, sitzt auf dem Śṛṅgāṭaka-Sitz. Von der Grundstütze an soll sie emporgeführt werden, einer Lampe gleich und einer Flamme ähnlich.
Kumārikākhaṇḍa 31.17
- sthiracittāṅgabhāvena vedhayedakhilaṃ jagat |
bhramadaṇḍamahāvegaḥ śāktavedhamudāhṛtam ||
Mit festem Geist und festem Körper soll man die ganze Welt durchdringen. Die gewaltige Kraft des wirbelnden Stabes [oder des kreisenden Welteis; Bild unsicher] wird Śakti-Durchdringen genannt.
Kumārikākhaṇḍa 31.18
- eṣā sā paramā śaktiḥ parānandavikāsinī |
janmasthānāt paraṃ yāti pañcapañcakabhūṣitā ||
Dies ist die höchste Kraft, die höchste Wonne entfaltet. Geschmückt mit fünf Fünfergruppen steigt sie vom Geburtsort zum Höchsten empor.
Kumārikākhaṇḍa 31.19
- tānyeva paratattvācca kalāpañcakaṃ dakṣiṇe |
vyomā śāntā ca vidyā ca pratiṣṭhā ca nivṛttikā ||
Diese [Gruppen reichen] vom höchsten Prinzip an; die Fünfergruppe der Teilkräfte [liegt] rechts [Deutung unsicher]: Vyomā, der Himmelsraum; Śāntā, die Friedvolle; Vidyā, das Wissen; Pratiṣṭhā, die Grundlage; und Nivṛttikā, die Rückkehr.
Kumārikākhaṇḍa 31.20
- nandā bhadrā jayā riktā pūrṇā sūkṣmā parāmṛtā |
kulapañcakasaṃyuktā vyomapañcakabhūṣitā ||
Nandā, die Erfreuende; Bhadrā, die Heilvolle; Jayā, die Siegreiche; Riktā, die Leere; und Pūrṇā, die Volle: Fein ist sie, höchster Nektar, verbunden mit der Fünfergruppe des Kula und geschmückt mit der Fünfergruppe des Raumes.
Kumārikākhaṇḍa 31.21
- brahmapañcakasaṃyuktā pañcakāraṇasaṃyutā |
evaṃ pañcaprakārā tu brahmasthānād vinirgatā ||
Sie ist mit der Fünfergruppe Brahmās verbunden und mit den fünf Ursachen. So tritt sie in fünffacher Gestalt aus dem Ort Brahmās hervor.
Kumārikākhaṇḍa 31.22
- brahmasthāne tu viśrāntā taḍidrūpā virājate |
pratiṣṭhā vedhayet kāyaṃ parātmānaṃ ca bodhayet ||
Im Ort Brahmās zur Ruhe gekommen, leuchtet sie in Blitzgestalt. Fest gegründet soll sie den Körper durchdringen und das höchste Selbst erwecken.
Kumārikākhaṇḍa 31.23
- evaṃ bhujaṅgavedhaṃ tu kathitaṃ kulaśāsane |
saṃsphurakādivedhaṃ tu kalāpādādhvodāhṛtam ||
So ist in der Lehre des Kula das Durchdringen durch die Schlange erklärt. Das aufleuchtende Durchdringen und die weiteren [Formen] werden als der Weg der Teilkräfte und Abschnitte bezeichnet.
Kumārikākhaṇḍa 31.24
- nākhyeyaṃ kasyacid deva gopanīyaṃ prayatnataḥ |
guhyād guhyataraṃ guhyaṃ rakṣaṇīyaṃ śarīravat ||
Dies soll niemandem mitgeteilt werden, o Gott; sorgfältig ist es geheim zu halten. Dieses Geheimnis, geheimer als das Geheime, soll man wie den eigenen Körper schützen.
Kumārikākhaṇḍa 31.25
- kṣīṇe citte sureśāna parānandamudāhṛtam |
nendriyāṇi na ca prāṇaṃ nāntaḥkaraṇagocaram ||
Wenn das Denken versiegt, o Herr der Götter, wird dies höchste Wonne genannt. [Dort gibt es] keine Sinnesorgane, keinen Lebenshauch und keinen Gegenstandsbereich des inneren Erkenntnisvermögens,
Kumārikākhaṇḍa 31.26
- na mano nāpi mantavyo mantānyo naiva vidyate |
sarvabhāvaparikṣīṇe paraṃ vedhamudāhṛtam ||
keinen denkenden Geist, keinen Gegenstand des Denkens und auch keinen anderen Denkenden. Wenn alle Erscheinungsweisen vollständig versiegen, wird dies das höchste Durchdringen genannt.
Kumārikākhaṇḍa 31.27
- etat te kathitaṃ sarvaṃ bhaktyā paramayā mayā |
gopitavyaṃ prayatnena caurebhyo draviṇaṃ yathā ||
All dies habe ich dir mit höchster Hingabe erzählt. Man soll es sorgfältig verbergen, wie Vermögen vor Dieben.
Kumārikākhaṇḍa 31.28
- madhyamenaiva cāreṇa madhyamānte praveśanam |
madhyamā rudraśaktistu adhaścordhvaṃ prapīḍayet ||
Durch die Bewegung in der Mitte allein geschieht der Eintritt in das Innere der Mitte. Die Mittlere ist Rudras Kraft; von unten und oben soll man sie zusammendrängen.
Kumārikākhaṇḍa 31.29
- bindurūpī tadā prāṇaṃ śaktyagre viniyojayet |
tadrūpaṃ lakṣyedātmā sūkṣmaṃ khadyotasannibham ||
Dann soll man den Lebenshauch in Gestalt eines Lichtpunktes an der Spitze der Kraft ansetzen. Das Selbst soll diese feine Gestalt wahrnehmen, die einem Glühwürmchen gleicht.
Kumārikākhaṇḍa 31.30
- pādāṃguṣṭhāt samārabhya viśate'lakṣyalakṣitam |
yāvannābhiprādeśe tu rudraśaktiṃ niyojayet ||
Von der großen Zehe ausgehend tritt [die Kraft] in das nicht erfassbare Ziel ein. Bis zum Bereich des Nabels soll man Rudras Kraft einsetzen.
Kumārikākhaṇḍa 31.31
- pure śṛṅgāṭakākāre kuṇḍalākṛtivigrahām |
susūkṣmāṃ bhramamāṇāṃ ca jvālāmālāsamaprabhām ||
In der Burg von Śṛṅgāṭaka-Gestalt soll man sie mit einem gewundenen, ringförmigen Körper [betrachten], sehr fein und kreisend, von einem Glanz gleich einer Flammengirlande,
Kumārikākhaṇḍa 31.32
- jvalantīṃ sarvarandhreṣu madhyadeśe vicintayet |
muhūrtaṃ yāvad dehe tu śaktistiṣṭhati randhragā ||
brennend in allen Öffnungen; in der Mitte soll man sie betrachten. Wenn die durch die Öffnungen ziehende Kraft eine Weile im Körper verweilt,
Kumārikākhaṇḍa 31.33
- tadā cotpadyate mūrchā sarvavyāptisvarūpiṇī |
ejate nātra saṃdeho cchinnamūlaṃ drumaṃ yathā ||
entsteht ein Schwinden des Bewusstseins, dessen Wesen allumfassende Durchdringung ist. Er schwankt — daran besteht kein Zweifel — wie ein an den Wurzeln gefällter Baum.
Kumārikākhaṇḍa 31.34
- niḥśaṃko vihvalaścaiva kāṣṭhavat patate bhuvi |
amṛtākhyā tu yā śaktiḥ pūrṇacandrasvarūpiṇī ||
Furchtlos und überwältigt fällt er wie ein Stück Holz zu Boden. Die Kraft aber, die Amṛtā, Nektar, genannt wird und die Gestalt des Vollmondes hat:
Kumārikākhaṇḍa 31.35
- tayā vyāpitamātrastu sasaṃjño bhavate tataḥ |
adho vedhaḥ samākhyātaḥ ūrdhvavedhamataḥ śṛṇu ||
Sobald er von ihr durchdrungen ist, kommt er wieder zu Bewusstsein. Das untere Durchdringen ist erklärt; höre nun vom oberen Durchdringen.
Kumārikākhaṇḍa 31.36
- unmanānte manaṃ kṛtvā parā sāmanarūpiṇī |
pūrayantī jagat sarvaṃ āsaptabhuvanāntikam ||
Hat man den Geist am Ende des Zustands jenseits des Denkens gesammelt, so erfüllt die höchste [Kraft] in Gestalt des Ebenmaßes das ganze Weltall bis an die Grenze der sieben Welten.
Kumārikākhaṇḍa 31.37
- tasyānte vyāpinī śaktirmeroḥ śṛṅgāṭaśekhare |
sā eva brahmarandhrasthā himakundendunirmalā ||
An dessen Ende, auf der Śṛṅgāṭaka-Spitze Merus, ist die alles durchdringende Kraft. Sie selbst weilt in der Öffnung Brahmās, rein wie Schnee, Jasmin und Mond.
Kumārikākhaṇḍa 31.38
- saṃghaṭṭe śaśisūryānte bhūtāsananabhākṛtiḥ |
nābhipadmasya madhye tu bhittvāhatā vinirgatā ||
Am Zusammentreffen, am Ende von Mond und Sonne, ist sie raumförmig, der Sitz der Elemente. Nachdem sie die Mitte des Nabellotus durchdrungen hat, tritt sie als die Ungeschlagene hervor.
Kumārikākhaṇḍa 31.39
- susūkṣmāṃ bhāvayed deva kaṇṭhanālāntare parā |
bhujaṅgakuṭilākārā yāvad brahmabilaṃ gatā ||
O Gott, man soll die allerfeinste höchste [Kraft] im Inneren des Halskanals betrachten, gekrümmt wie eine Schlange, bis sie die Höhlung Brahmās erreicht hat.
Kumārikākhaṇḍa 31.40
- tatra layaṃ kṛtvātmanā brahmadvāraṃ vibhedayet |
pūrṇimā kāmarūpeṇa amāvāsyā pravartate ||
Hat man dort durch das Selbst die Auflösung vollzogen, soll man das Tor Brahmās durchdringen. Der Vollmond in Gestalt des Begehrens wird zum Neumond.
Kumārikākhaṇḍa 31.41
- dharātattvācchivāntaṃ ca vidyujjihvā mahājvalā |
nirgacchedūrdhvarandhreṇa yāvat sādhyasya mūrdhani ||
Vom Erdprinzip bis zu Śiva [erstreckt sich] die große Flamme mit der Blitzzunge. Durch die obere Öffnung soll sie hervortreten bis zum Haupt des Einzuweihenden.
Kumārikākhaṇḍa 31.42
- dvādaśārkasamākārā pralayāgnisamaprabhā |
madhyamākarṣaṇaṃ proktaṃ sarvajñānapradarśakam ||
Ihre Gestalt gleicht zwölf Sonnen, ihr Glanz dem Feuer der Weltauflösung. Dies wird das Heranziehen der Mitte genannt, das alle Erkenntnis offenbar macht.
Kumārikākhaṇḍa 31.43
- ṣaṭcakre ṣoḍaśādhāre ullasantī parā kalā |
kākacañcupuṭasthā sā akṣapakṣakṣayaṃkarī ||
In den sechs Rädern und sechzehn Stützen leuchtet die höchste Teilkraft auf. Sie weilt im Hohlraum des Krähenschnabels und lässt den Bereich der [unterschiedenen] Laute schwinden [Deutung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 31.44
- tālumadhye tu nādānte binduṃ vedhayate parā |
kākinī kākarūpeṇa haṃsinī haṃsavigrahā ||
In der Mitte des Gaumens, am Ende des Klangs, durchdringt die Höchste den Bindu. Als Kākinī hat sie Krähengestalt, als Haṃsinī die Gestalt einer Gans.
Kumārikākhaṇḍa 31.45
- viśveśī viśvasaṃhārī saṃsārasarasārasī |
eṣā sā unmanā sūkṣmā sarvadvandvanikṛntanī ||
Sie ist die Herrin des Alls, die das All wieder auflöst, die Wasservogelin auf dem See des Daseinskreislaufs. Sie ist die feine Kraft jenseits des Geistes, die alle Gegensatzpaare abschneidet.
Kumārikākhaṇḍa 31.46
- atītānāgatā caiva vartamānā tu yoginī |
khecarīcakrasāmānyā svecchayā bhavate tataḥ ||
Sie ist die Yoginī der Vergangenheit, der Zukunft und der Gegenwart. Nach ihrem eigenen Willen wird sie zu dem, was dem Kreis der Khecarī gemeinsam ist.
Kumārikākhaṇḍa 31.47
- tasyordhve khecarīsiddhirjāyate vīravandita |
khagamā khagatiścaiva khagatikhagamadhyagā ||
Darüber entsteht die Vollendung der Khecarī, du von den Helden Verehrter. Sie ist die Bewegung im Himmelsraum und das Gehen im Himmelsraum; sie weilt mitten in diesem Gehen und in dem, was sich dort bewegt.
Kumārikākhaṇḍa 31.48
- khasvarūpā khageśī ca kubjikā khagamā parā |
ṣaṭprakārā khageśī sā suṣumṇā vyomarūpiṇī ||
Sie ist der Himmelsraum selbst und Khageśī, die Herrin der Himmelsgänger; sie ist Kubjikā, die höchste, die im Raum geht. Sechsfach ist diese Khageśī; als Suṣumṇā hat sie die Gestalt des Raumes.
Kumārikākhaṇḍa 31.49
- tatra saṃpaśyate yogī siddhāṃścaiva anekadhā |
tadūrdhve mokṣamālayaṃ bhedayitvā ca susphuṭam ||
Dort sieht der Yogi die Siddhas auf vielfältige Weise. Nachdem er darüber die deutlich erkennbare Wohnstatt der Erlösung durchdrungen hat,
Kumārikākhaṇḍa 31.50
- prayatnād divyayogīndraḥ pūrayecchaktimuttamām |
viśennirāmaye tattve vyāpake nirguṇe pare ||
soll der göttliche Herr der Yogis mit Sorgfalt die höchste Kraft erfüllen. Er soll in das makellose höchste Prinzip eintreten, das alles durchdringt und frei von Eigenschaften ist.
Kumārikākhaṇḍa 31.51
- sarvajñatā sutṛptiśca anādibodhamālayam |
svatantraṃ nityamaluptamanantaṃ śāśvataṃ dhruvam ||
[Dort sind] Allwissenheit, vollkommene Zufriedenheit und die Wohnstatt anfangslosen Erwachens. [Dieses Prinzip ist] frei, ewig, niemals erloschen, grenzenlos, immerwährend und fest,
Kumārikākhaṇḍa 31.52
- vyāpinaṃ vyomarūpāntaṃ anantanāthenāśritam |
susūkṣmaṃ ca paraṃ śāntaṃ gamāgamanavarjitam ||
alles durchdringend, am Ende der Raumgestalt [Deutung unsicher], von Anantanātha, dem grenzenlosen Herrn, bewohnt; allerfeinst, höchst, friedvoll und frei von Gehen und Kommen.
Kumārikākhaṇḍa 31.53
- taṃ dhyāyed nityayuktātmā ghanamākāśasannibham |
nirañjanaṃ paraṃ śāntaṃ nirvāṇaṃ nirvikārakam ||
Stets gesammelt soll man darüber meditieren: dicht und lückenlos wie der Raum, fleckenlos, höchst friedvoll, Nirvāṇa, unveränderlich,
Kumārikākhaṇḍa 31.54
- kulodbhavaṃ kulaṃ kaulaṃ akulaṃ tu parāparam |
sā ca raudrī mayākhyātā rāhumukto raviryathā ||
aus Kula hervorgehend, Kula, Kaula und Akula, höchst und nicht-höchst zugleich. Und sie ist die Raudrī, die ich genannt habe, wie die Sonne, die aus Rāhus Griff befreit ist.
Kumārikākhaṇḍa 31.55
- sūryakoṭipratīkāśā kālānalasamaprabhā |
dhyāyet tāṃ nityayuktātmā yāvacchaktyā layaṃgataḥ ||
Sie strahlt wie zehn Millionen Sonnen und glänzt wie das Feuer der Zeit. Mit beständig gesammeltem Selbst soll man über sie meditieren, bis man durch die Kraft in Auflösung eingegangen ist.
Kumārikākhaṇḍa 31.56
- sannirīkṣatyasau tatra rudrāṇāṃ caraṇaṃ sadā |
evamabhyasyamānastu yogī tatraiva lakṣayet ||
Dort schaut er beständig die Füße der Rudras. Indem er so übt, soll der Yogi genau dort aufmerksam wahrnehmen.
Kumārikākhaṇḍa 31.57
- nābhimadhyād viniṣkrāntā śikhā dīpaśikhopamā |
paśyate tatra madhye tu hutāśakaṇikākṛtiḥ ||
Aus der Mitte des Nabels tritt die Flamme hervor, einer Lampenflamme gleich. Dort in der Mitte erscheint sie in der Gestalt eines Feuerfunkens.
Kumārikākhaṇḍa 31.58
- bindorvisarpate sā tu sphuramāṇā svatejasā |
praveśe hṛdayāntasthā kṛtvā tasyaiva kalpanām ||
Sie breitet sich vom Bindu aus und leuchtet durch ihren eigenen Glanz. Beim Eintreten weilt sie im Inneren des Herzens, nachdem man gerade dies innerlich gestaltet hat.
Kumārikākhaṇḍa 31.59
- ūrdhve tu sarpate tasmāt snigdhadīpaśikhopamā |
sphuralliṅganibhāṃ tantuṃ sūkṣmarūpāṃ tu bhedayet ||
Von dort kriecht sie aufwärts, wie die Flamme einer gut gespeisten Lampe. Den feingestaltigen Faden, der einem aufleuchtenden Liṅga gleicht, soll sie durchdringen.
Kumārikākhaṇḍa 31.60
- sā ca devī hyahaṃ tatra kubjikākārarūpiṇī |
kaṇṭharandhramanuprāpya viramet sūkṣmarūpiṇī ||
Dort bin ich selbst diese Göttin in der Gestalt der Kubjikā. Nachdem sie die Öffnung im Hals erreicht hat, hält sie in ihrer feinen Gestalt inne.
Kumārikākhaṇḍa 31.61
- ūrdhvaṃ sā ca viniṣkramya tālurandrāntagocare |
ghaṇṭikādvāramārgeṇa kramākhye bindugocare ||
Sie tritt nach oben hervor in den Bereich innerhalb der Gaumenöffnung, auf dem Weg durch das Tor des Zäpfchens, in den Bereich des Bindu, der Krama genannt wird.
Kumārikākhaṇḍa 31.62
- lakṣayed bindumadhye tu śabdastatra nānākṛtiḥ |
bindorūrdhvaṃ viniṣkrāntā kalā sā kālakarṣaṇī ||
In der Mitte des Bindu soll man [sie] wahrnehmen; dort ist Klang in vielerlei Gestalt. Die über den Bindu hinaus hervorgetretene Teilkraft ist Kālakarṣaṇī, die die Zeit an sich zieht.
Kumārikākhaṇḍa 31.63
- jyotirūpasvarūpā sā nirdhūmāṅgāravarcasā |
nirvāṇā śāntarūpākhyā prasuptā ahirūpiṇī ||
Ihr Wesen und ihre Gestalt sind Licht, mit dem Glanz rauchloser Glut. Sie ist Nirvāṇā und heißt die Friedensgestalt; sie schläft in der Gestalt einer Schlange.
Kumārikākhaṇḍa 31.64
- nirābhāsā suprakāśā dvādaśānte samāśritā |
śabdāmbaradharākārā śvāsaniḥśvāsavarjitā ||
Ohne gesonderte Erscheinungsform und doch hell strahlend ruht sie am Ende der Zwölf. Ihre Gestalt ist in Klang gekleidet [Deutung unsicher]; sie ist frei von Ein- und Ausatmen.
Kumārikākhaṇḍa 31.65
- niḥśabdaṃ paramaṃ tattvaṃ avyaktasthānamucyate |
taṃ vai sthānaṃ tu saṃprāpya yogī divyaguṇānvitaḥ ||
Das höchste Prinzip ist ohne Klang und wird der Ort des Unmanifestierten genannt. Hat der Yogi diesen Ort erreicht, besitzt er göttliche Eigenschaften.
Kumārikākhaṇḍa 31.66
- divyajñānaṃ divyacakṣurdivyatejo nabhākṛtiḥ |
divyadehe praviṣṭo'sau saṃsāratyaktacetasaḥ ||
Er hat göttliche Erkenntnis, göttliches Sehen und göttlichen Glanz; seine Gestalt ist der Raum. Er ist in den göttlichen Leib eingetreten, sein Bewusstsein hat den Daseinskreislauf verlassen.
Kumārikākhaṇḍa 31.67
- kālatrayasya vettāsau adṛṣṭajñānavigrahaḥ |
svayaṃ kartā svayaṃ hartā icchārūpadharo bhavet ||
Er kennt die drei Zeiten; seine Gestalt ist Erkenntnis des Unsichtbaren. Er selbst erschafft, er selbst nimmt hinweg, und er kann die gewünschte Gestalt annehmen.
Kumārikākhaṇḍa 31.68
- divyaṃ ca kurute karma vratino yogavit sadā |
randratrayeṇa nirgatya paśyate sūryabimbavat ||
Der Gelübdehaltende, der Yoga kennt, vollbringt stets göttliche Werke. Nach dem Hervortreten durch die drei Öffnungen wird [der Lichtpunkt] sichtbar, gleich der Sonnenscheibe,
Kumārikākhaṇḍa 31.69
- kadambagolakākāraṃ sphurantaṃ tejavarcasam |
lakṣayet śikhā sūkṣmā dvāratrayavinirgatā ||
wie eine Kadamba-Kugel geformt, aufleuchtend und von feurigem Glanz. Man soll aufmerksam wahrnehmen: Die feine Flamme tritt aus den drei Toren hervor
Kumārikākhaṇḍa 31.70
- līyate maṇḍale tasmin kadambākāragolake |
bhittvā sūryaṃ ca somaṃ ca tṛtīyaṃ vahnimaṇḍalam ||
und löst sich in jenem Kreis auf, in der Kugel von Kadamba-Gestalt, nachdem sie Sonne und Mond und als drittes den Feuerkreis durchdrungen hat.
Kumārikākhaṇḍa 31.71
- icchājñānīkriyā tatra brahmaviṣṇumaheśvarāḥ |
tatra devagaṇāḥ sarve saśailavanakānanāḥ ||
Dort sind Wille, Erkenntnis und Handeln, Brahmā, Viṣṇu und Maheśvara. Dort sind alle Scharen der Götter mitsamt Bergen, Wäldern und Hainen.
Kumārikākhaṇḍa 31.72
- rekhātrayaṃ tataḥ paśyenmahānāsāgrasaṃgame |
bhasme vā salile vāpi jñānaśūlaṃ ca vinyaset ||
Dann soll man drei Linien am Zusammentreffen an der Spitze der großen Nase sehen. In Asche oder auch in Wasser soll man den Dreizack der Erkenntnis einsetzen.
Kumārikākhaṇḍa 31.73
- tena vinditamātreṇa pratyakṣaṃ devidarśanam |
tatkṣaṇāt kurute vedhaṃ jagatsthāvarajaṅgame ||
Sobald dies dadurch erlangt ist, kommt es zur unmittelbaren Schau der Göttin. In eben diesem Augenblick bewirkt [der Yogi] das Durchdringen der beweglichen und unbeweglichen Welt.
Kumārikākhaṇḍa 31.74
- pratyakṣe vā parokṣe vā śaṅkhe puṣpāñjalīghaṭe |
cālanāveśanaṃ kampaṃ taḍittaralagocaram ||
Ob unmittelbar sichtbar oder nicht: an Muschel, Blumenhandvoll und Krug [Gliederung unsicher] bewirkt er Bewegung und Ergriffensein, Zittern und den Bereich blitzartigen Zuckens.
Kumārikākhaṇḍa 31.75
- kurute tāni karmāṇi asya yogaprabhāvataḥ |
tadāsau mānavo siddhaḥ siddhiṃ prāpnotyakhaṇḍitām ||
Solche Wirkungen vollbringt er durch die Kraft dieses Yoga. Dann ist dieser Mensch ein Siddha und erlangt ungeteilte Vollendung.
Kumārikākhaṇḍa 31.76
- divyā ca jāyate kāntiṃ aṇimādiguṇāṣṭakam |
bhūtavetālayoginyo guhyakā mātṛkāstathā ||
Göttliche Schönheit entsteht und die acht Fähigkeiten, angefangen mit dem Sich-klein-Machen. Von Geistern, Vetālas, Yoginīs, Guhyakas und den Müttern
Kumārikākhaṇḍa 31.77
- etebhyaḥ siddhimāpnoti vedhasiddho varānana |
padmapatre phale toye sthāvare jaṅgameṣu ca ||
empfängt der im Durchdringen Vollendete Kräfte, du mit schönem Antlitz. In Lotusblatt, Frucht, Wasser, in Unbeweglichem und Beweglichem,
Kumārikākhaṇḍa 31.78
- kāṣṭhe loṣṭe ca pāṣāṇe yogī sarvatra vedhakaḥ |
nātaḥ parataraṃ kiñcit triṣu lokeṣu vidyate ||
in Holz, Erdklumpen und Stein — überall durchdringt der Yogi. In den drei Welten gibt es nichts Höheres als dies.
Kumārikākhaṇḍa 31.79
- jñātvā vedhakramaṃ deva triṣu lokeṣu durlabham |
vedhayenmantratantrāṇi paratattvāvalokanāt ||
Hat man die in den drei Welten schwer zugängliche Abfolge des Durchdringens erkannt, o Gott, soll man durch die Schau des höchsten Prinzips Mantras und Tantras durchdringen.
Kumārikākhaṇḍa 31.80
- amṛtākhyā tu yā śaktiścandragarbhād vinirgatā |
brahmarandhraṃ tu saṃprāptā vedhayed bhuvanāntaram ||
Die Amṛtā, „Nektar“, genannte Kraft tritt aus dem Inneren des Mondes hervor. Hat sie die Öffnung Brahmās erreicht, soll sie das Innere der Welten durchdringen.
Kumārikākhaṇḍa 31.81
- bhuvane bhuvane vedhaṃ vigrahe vigrahe smaret |
ākāre tu mahāvedhaṃ vigrahe taralakārakam ||
Man soll sich das Durchdringen in jeder einzelnen Welt und in jeder einzelnen Gestalt vergegenwärtigen: das große Durchdringen in der Erscheinungsform, das im Körper ein Erzittern hervorruft.
Kumārikākhaṇḍa 31.82
- nirdhūme dhūmajaṃ vedhaṃ arkeṇa cārkajaṃ viduḥ |
anākhye tīvravedhaṃ tu kathitaṃ te maheśvara ||
Im Rauchlosen [geschieht] das aus Rauch hervorgehende Durchdringen; das durch die Sonne bewirkte kennt man als das aus der Sonne entstandene. Das heftige Durchdringen im Namenlosen habe ich dir erklärt, Maheśvara.
Kumārikākhaṇḍa 31.83
- khadyotena mahāvedhaṃ jyotirūpaṃ tathaiva ca |
bindorvedhaṃ tathā nāde kalāyāṃ ca tṛtīyakam ||
Ebenso [gibt es] durch das Glühwürmchen das große, lichtförmige Durchdringen, ferner das Durchdringen des Bindu im Klang und als drittes dasjenige in der Teilkraft.
Kumārikākhaṇḍa 31.84
- ghaṭavedhaṃ mahādeśaṃ khavedhastathaiva ca |
śaktivedhaṃ tathā cograṃ nānāścaryapravartakam ||
[Es gibt] das Durchdringen des Kruges, den großen Auftrag und ebenso das Durchdringen des Raumes; ferner das gewaltige Durchdringen der Kraft, das vielerlei Wunder hervorbringt.
Kumārikākhaṇḍa 31.85
- śaktigarbhastathā hakko vyomacakre pravartate |
varṇajālaṃ ca śabdasthaṃ vyāpakaṃ tamanusmaret ||
Im Rad des Raumes entsteht ein Laut, der die Kraft in sich trägt. Man soll sich das Netz der Buchstaben vergegenwärtigen, das im Klang ruht und alles durchdringt.
Kumārikākhaṇḍa 31.86
- manobuddhirahaṃkāraṃ yatnataḥ sarvarandhrataḥ |
prathayet parame dhāmni hṛtkaṇṭhe tālumadhyataḥ ||
Geist, unterscheidende Einsicht und Ichbewusstsein soll man sorgsam durch alle Öffnungen in der höchsten Wohnstatt entfalten: im Herzen, im Hals und in der Mitte des Gaumens.
Kumārikākhaṇḍa 31.87
- nāsikānte yathā prāptaṃ kuru karma yathecchayā |
vedhayet kāṣṭhapāṣāṇān vṛkṣāṇi ca varānana ||
Ist [die Stätte] am Ende der Nase erreicht, so vollbringe dein Werk nach deinem Willen! Holz, Steine und Bäume soll er durchdringen, du mit schönem Antlitz.
Kumārikākhaṇḍa 31.88
- kāṣṭhena kāṣṭhavedhaṃ tu tacca jñānavivarjitam |
evaṃyogavidhau deva labdhalakṣastu yogavit ||
Durch Holz [beziehungsweise den holzgleichen Zustand] geschieht das hölzerne Durchdringen; es ist ohne Erkenntnis. O Gott, wer Yoga kennt und bei dieser Yogapraxis das Ziel erreicht hat,
Kumārikākhaṇḍa 31.89
- pratyakṣaṃ kurute sarvaṃ yatra yatraiva yojitā |
yogasiddho mahādeva jāyate bhairavaḥ svayam ||
macht alles unmittelbar wahrnehmbar, wo immer [die Kraft] eingesetzt wird. O Mahādeva, wer im Yoga vollendet ist, wird zu Bhairava selbst.
Kumārikākhaṇḍa 31.90
- madīyājñāprabhāvena kulakramarataḥ sadā |
abhiṣekaṃ tasya saṃjātaṃ śrīmaccandrapure gṛhe ||
Durch die Macht meiner Weisung ist er stets der Kulafolge zugewandt. Seine Weihe ist im Haus der ehrwürdigen Mondstadt geschehen.
Kumārikākhaṇḍa 31.91
- kucandraśekharo nāma ājñādharo mahābalaḥ |
śrīnāthaṃ mitrasaṃjño'yaṃ śrīkaṇṭhaḥ tūṣṇisaṃjñayā ||
Der Kucandraśekhara Genannte trägt die Weisung und besitzt große Kraft. Er ist Śrīnātha, der Mitra Genannte, Śrīkaṇṭha mit dem Namen Tūṣṇi,
Kumārikākhaṇḍa 31.92
- ṣaṣṭhamoḍīśācāryo'yaṃ sadākhyaṃ piṅgalaṃ mahat |
navanāmakṛtaṃ nāthaṃ ciñcivṛkṣāvalokanāt ||
Ṣaṣṭha, Oḍīśācārya, Sadākhya und der große Piṅgala. Durch den Anblick des Tamarindenbaumes hat der Herr neun Namen angenommen.
Kumārikākhaṇḍa 31.93
- navadhā tattvamākhyātaṃ bhūgṛhaṃ devatālayam |
yo'sau ājñāpayed devān nāmnā karaṇasaṃjñayā ||
So wurde das Prinzip neunfach beschrieben: das Haus der Erde, die Wohnstatt der Gottheiten. Die Götter, denen er unter ihrem Namen und ihrer Ursachenbezeichnung Weisung erteilt,
Kumārikākhaṇḍa 31.94
- bhaviṣyanti bhave hyete bhaviṣyanti hi dakṣiṇe |
ekadhātrisvarūpeṇa pañcasaptanavārṇakam ||
werden im Dasein auftreten; sie werden im Süden auftreten. Einzig und von dreifacher Gestalt, mit fünf, sieben und neun Lauten,
Kumārikākhaṇḍa 31.95
- ṣoḍaśāntaṃ kramāntaṃ ca āyātaṃ kramapaddhatau |
yugmamaṣṭādaśairbhedaiḥ kathitā kramapaddhatiḥ ||
ist das Ende der Sechzehn, das Ende der Überlieferungsfolge, in die Ordnung der Folge eingegangen. Als Paar mit achtzehn Unterteilungen wurde diese Ordnung beschrieben.
Kumārikākhaṇḍa 31.96
- evaṃ yo vindate deva vedhamārgaṃ kulāgame |
agninā dahyate naiva śastraiścāpi na bhidyate ||
Wer so, o Gott, in der Kulaüberlieferung den Weg des Durchdringens findet, wird vom Feuer nicht verbrannt und auch von Waffen nicht durchbohrt.
Kumārikākhaṇḍa 31.97
- nodake mṛyate deva na ca duṣyati jantubhiḥ |
bhuñjate vividhān bhogān sadevāsuramānuṣān ||
Er stirbt nicht im Wasser, o Gott, und wird von Lebewesen nicht geschädigt. Er genießt die verschiedensten Freuden, mitsamt denen der Götter, Asuras und Menschen.
Kumārikākhaṇḍa 31.98
- divyarūpo mahākāntiḥ triṣkālajño bhavatyasau |
viddho'yaṃ tattvataḥ prokto yāvad devaṃ nirāmayam ||
Von göttlicher Gestalt und großem Glanz wird er zum Kenner der drei Zeiten. Wahrhaft als durchdrungen gilt er bis hin zum makellosen Göttlichen [Satzfügung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 31.99
- darśayet sarvalokasya māyāṃ ca racanākulām |
śaktiṃ tu kamalākārāṃ sūryakoṭisamaprabhām ||
Er soll die von Schöpfungsformen erfüllte Māyā der ganzen Welt sichtbar machen. [Man soll] die lotosförmige Kraft [betrachten], die wie zehn Millionen Sonnen strahlt,
Kumārikākhaṇḍa 31.100
- candrakoṭisahasrāṇi vidyutkoṭiśatāni ca |
hutāśanānyanekāni vāyuvegān bahūnyapi ||
Tausende von Zehnmillionen Monden und Hunderte von Zehnmillionen Blitzen, viele Feuer und zahlreiche gewaltige Windstöße.
Kumārikākhaṇḍa 31.101
- īdṛśaṃ cintayitvā tu śaktirūpaṃ viśet kṣaṇāt |
vedhayecca jagat sarvaṃ divyaśaktiprabhāvataḥ ||
Hat man auf diese Weise betrachtet, soll man augenblicklich in die Gestalt der Kraft eintreten. Durch die Macht der göttlichen Kraft soll man das ganze Weltall durchdringen.
Kumārikākhaṇḍa 31.102
- sarvadhyānamaśeṣasya śāktaṃ dhyānaṃ viśiṣyate |
evaṃ yo jānate deva sa ca kaulīśamīśvaraḥ ||
Unter allen Meditationen ohne Ausnahme ragt die Meditation über die Kraft hervor. Wer dies so erkennt, o Gott, ist der Herr, der Herr des Kaula.
Kumārikākhaṇḍa 31.103
- sa cātmā sarvalokānāṃ sa eva śāśvataṃ padam |
sa vai brahmā sa śakraśca candrādityau sa vai vahniḥ ||
Er ist das Selbst aller Welten; er selbst ist die ewige Stätte. Er ist Brahmā, er ist Śakra, er ist Mond und Sonne, und er ist das Feuer.
Kumārikākhaṇḍa 31.104
- yamaśca sa ca dharmo vai sa ca vai maruto bhavet |
sarvagaḥ sa vimuktātmā tiṣṭhate haṃsavat svayam ||
Er ist Yama und Dharma, und er ist der Wind. Allgegenwärtig und im Selbst befreit, weilt er selbst wie der Haṃsa, die Gans.
Kumārikākhaṇḍa 31.105
- bhavitastāraṇārthāya avatīrṇaḥ kalau yuge |
yathāhaṃ ca yathā tvaṃ ca tathāsau sādhakottamaḥ ||
Zur Rettung [der Wesen] verehrt, ist er im Kali-Zeitalter herabgestiegen [Wortlaut unsicher]. Wie ich und wie du, so ist dieser höchste Sādhaka.
Kumārikākhaṇḍa 31.106
- saṃsārāccaiva sārasya sāramuttāraṇakṣamaḥ |
yo jānāti idaṃ śambho agrajanmaḥ sa ucyate ||
Er vermag aus dem Daseinskreislauf die Essenz der Essenz herauszuheben. Wer dies weiß, o Śambhu, wird „einer von höchster Geburt“ genannt.
Kumārikākhaṇḍa 31.107
- vedhakramaṃ ca deveśa yo jānāti sa deśikaḥ |
paśugrahaṇavedhaṃ tu sadyaḥpratyayakārakam ||
Wer die Abfolge des Durchdringens kennt, Herr der Götter, ist ein Lehrer. Das Durchdringen, das die gebundene Seele ergreift und unmittelbar Gewissheit bewirkt,
Kumārikākhaṇḍa 31.108
- karotyājñāprasādena kulabhedena bhairava |
ekā śaktiḥ parā sūkṣmā vijñānānekakārikā ||
vollzieht er durch die Gnade der Weisung und die Aufgliederung der Kula-Kraft, o Bhairava. Die eine höchste, feine Kraft, die vielerlei Erkenntnis hervorbringt,
Kumārikākhaṇḍa 31.109
- gopanīyā prayatnena yadīcched dīrghajīvitam |
śrīnātha uvāca
īdṛśaṃ vedhavijñānaṃ mahadāścaryakārakam ||
soll man sorgsam verborgen halten, wenn man lange leben möchte. — Ein solches Wissen um das Durchdringen bewirkt großes Staunen.
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 31.110
- kīdṛśaṃ karaṇaṃ caiva paśuvedhaṃ vada prabho |
śrīvakrā uvāca
śṛṇu nātha pravakṣyāmi sārāt sārataraṃ param ||
Wie beschaffen ist das Mittel, das Durchdringen der gebundenen Seele? Sage es, Herr! — Höre, Nātha, ich werde dir das Höchste erklären, das noch wesentlicher als die Essenz ist.
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Die ehrwürdige Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 31.111
- ṣaṭtriṃśadaṃgulādhārāt hṛt kaṇṭhaṃ dvādaśāṃgulam |
paśuṃ sanmukhamāsthāya śakteruccārasaṃvṛtam ||
Das Herz liegt sechsunddreißig Fingerbreiten von der Grundlage entfernt, der Hals zwölf Fingerbreiten [vom Herzen]. Nachdem man die gebundene Seele vor sich hingestellt hat, umhüllt vom Aufsteigen der Kraft,
Kumārikākhaṇḍa 31.112
- lolībhūtaṃ tato gṛhya ānayecca svakaṃ puram |
recakena tu viśrāmya kumbhakena vidārayet ||
soll man sie, die in Bewegung versetzt ist, ergreifen und in die eigene Wohnstatt führen. Durch Ausatmen lässt man sie zur Ruhe kommen; durch Atemhalten soll man sie durchdringen.
Kumārikākhaṇḍa 31.113
- saṃskāraṃ pūrakeṇaiva praśāntena tu śodhanam |
niṣkale nirmale śānte niṣprapañce nirāmaye ||
Durch Einatmen [geschieht] die Läuterung; durch das zur Ruhe Gekommene die Reinigung — im Ungeteilten, Makellosen, Friedvollen, frei von Entfaltung und Unheil [Satzfügung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 31.114
- recakena tu uddhṛtya pūrakena tu nikṣipet |
kumbhake kumbhavat tiṣṭhedudbhavaṃ golakāmṛtam ||
Durch Ausatmen soll man sie herausheben, durch Einatmen hineinlegen. Beim Atemhalten soll man wie ein Krug verharren; es entsteht die Nektarkugel [Satzfügung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 31.115
- tattve tattve tu saṃyojyā vidrumākārarūpiṇī |
śaktiḥ kuṭilarūpeṇa sarvasiddhyarthadāyikā ||
Mit jedem einzelnen Prinzip soll die Kraft in ihrer gekrümmten Gestalt verbunden werden: von korallenartiger Form, schenkt sie alle Ziele der Vollendung.
Kumārikākhaṇḍa 31: Sprecherzeile (speaker_before_116)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 31.116
- sūcitā vedhadīkṣeyaṃ upāyarahitā prabho |
śāmbhavaṃ brūhi deveśi na ca yonyāṃ punarbhavaḥ ||
Diese Einweihung durch Durchdringen ohne [äußere] Mittel wurde angedeutet, Herr. Sprich, Herrin der Götter, über die zu Śambhu gehörende [Einweihung], durch die keine Wiedergeburt im Mutterschoß mehr erfolgt.
Kumārikākhaṇḍa 31: Sprecherzeile (speaker_before_117)
- śrīvakrā uvāca
Die ehrwürdige Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 31.117
- sarahasyaṃ kṛtaṃ codyaṃ saṃsphuṭaṃ śṛṇu bhairava |
śrūyatāṃ paramaṃ jñānaṃ pratyakṣaṃ sarvatomukham ||
Du hast nach einem Geheimnis gefragt. Höre die klare [Antwort], Bhairava! Vernimm die höchste Erkenntnis, die unmittelbar gegenwärtig ist und sich nach allen Seiten öffnet.
Kumārikākhaṇḍa 31.118
- yoginīnāṃ yathā bījaṃ tvayā gopyaṃ tu sarvadā |
kākacañcumayaṃ sthānaṃ adha–ūrdhvavivarjitam ||
Du sollst sie stets geheim halten wie den Samen der Yoginīs. [Es gibt] eine krähenschnabelförmige Stätte, frei von Unten und Oben,
Kumārikākhaṇḍa 31.119
- tālumaṇḍalamadhyasthaṃ ṣoḍaśāraṃ mahādyutiḥ |
tatra sā ramate kācit sarvakāmikasaṃjñikā ||
in der Mitte des Gaumenkreises, mit sechzehn Speichen und großem Glanz. Dort spielt jene gewisse [Kraft], die Sarvakāmikā heißt, „die alles Begehrende“.
Kumārikākhaṇḍa 31.120
- tasmin sthāne yadā sparśastadā vedhayate paśūn |
vindate ca paraṃ sthānaṃ śivaṃ sarvagataṃ smaret ||
Wenn an jener Stätte Berührung eintritt, durchdringt er die gebundenen Seelen und findet die höchste Stätte. Man soll sich Śiva als allgegenwärtig vergegenwärtigen.
Kumārikākhaṇḍa 31.121
- etat te kathitaṃ vedhaṃ śrīmatākhye matottame |
yo vijānāti tattvena tasya tuṣyanti devatāḥ ||
Dieses Durchdringen habe ich dir in der Śrīmata genannten, höchsten Lehre erklärt. Wer es wahrhaft erkennt, an dem finden die Gottheiten Gefallen
Kumārikākhaṇḍa 31.122
- catuḥṣaṣṭimahācakre khecarīcakranāyake |
khebhūpātālavāsinyo guhyakāścāntyajāśca ye ||
im großen Rad der Vierundsechzig, das den Kreis der Khecarī anführt. Die im Himmel, auf der Erde und in der Unterwelt Wohnenden, die Guhyakas und die Letztgeborenen,
Kumārikākhaṇḍa 31.123
- sahajāḥ kulajāścaiva tuṣyanti ca pade pade |
snigdhapadmadalākāraistāraistaralatārakaiḥ ||
die Mitgeborenen und die Kulageborenen sind bei jedem Schritt erfreut. Mit leuchtenden Augen, glänzenden Lotosblättern gleich und mit beweglichen Pupillen,
Kumārikākhaṇḍa 31.124
- ākarṇajātaiḥ sarasairlalitairlocanaiḥ priya |
vīkṣanti yoginījasya sādhakasya na saṃśayaḥ ||
die bis zu den Ohren reichen, voll Liebreiz und Anmut, blicken sie, Geliebter, auf den Sādhaka, der aus einer Yoginī geboren ist — daran besteht kein Zweifel.
Kumārikākhaṇḍa 31.125
- yatrasthaḥ sa labhedeva vidhinā susamāhitaḥ |
nigrahānugrahaṃ vātha siddhyate hyavicārataḥ ||
Wo immer er weilt, erlangt er durch dieses Verfahren, ganz gesammelt, [das Erstrebte]. Bestrafung oder Begnadung gelingt ihm ohne weitere Überlegung.
Kumārikākhaṇḍa 31.126
- calacakravibhāgena ṣaṭcakre lakṣa yojayet |
punaścālya punāveśya punaścālya prasannadhīḥ ||
Gemäß der Gliederung des beweglichen Rades soll man das Ziel in den sechs Rädern einsetzen. Mit klarem Geist soll man erneut in Bewegung setzen, erneut eintreten lassen und erneut bewegen.
Kumārikākhaṇḍa 31.127
- cālanāveśanāccaiva tadā vedhayate paśūn |
yogena vedhayet piṇḍaṃ piṇḍodarapuṭīkṛtam ||
Durch Bewegen und Eintretenlassen durchdringt er dann die gebundenen Seelen. Durch Yoga soll man den Körper durchdringen, der im Inneren des Körpers eingeschlossen ist.
Kumārikākhaṇḍa 31.128
- piṇḍena vedhayet piṇḍaṃ piṇḍaṃ piṇḍena sādhayet |
svamātmā bahirātmā ca ekatra viniveśitau ||
Mit dem Körper soll man den Körper durchdringen, mit dem Körper den Körper zur Vollendung bringen. Das eigene Selbst und das äußere Selbst werden an einem Ort zusammengeführt.
Kumārikākhaṇḍa 31.129
- ātmanātmā purā śodhyaḥ śaktipātena tattvavit |
etanme kathitaṃ deva tava bhaktyā tu bhairava ||
Zuerst ist das Selbst durch das Selbst zu reinigen, durch das Herabkommen der Kraft, du Kenner der Wirklichkeit. Dies habe ich dir aus Hingabe gesagt, o Gott, Bhairava.
Kumārikākhaṇḍa 31.130
- akulāste vibhāṣante sarvavarṇād vijātayaḥ |
bhaviṣyanti yugasyānte mleccharājyasamudbhave ||
Am Ende des Zeitalters, wenn die Herrschaft der Mlecchas aufkommt, wird es Menschen ohne Kula geben, die anders sprechen und außerhalb aller Stände stehen.
Kumārikākhaṇḍa 31.131
- alpāyuṣo'lpacaitanyā narāḥ palitayauvanāḥ |
agamyagamanāścaiva sadācāravivarjitāḥ ||
Die Menschen werden kurzlebig und von schwachem Bewusstsein sein, schon in der Jugend ergraut. Sie gehen verbotene Verbindungen ein und entbehren des rechten Lebenswandels.
Kumārikākhaṇḍa 31.132
- atilaulyāḥ prasaktāśca viplavanti yatastataḥ |
gurusuśruṣaṇaṃ nāsti na mātāpitṛsuśruṣāḥ ||
Überaus gierig und voller Anhaftung richten sie überall Verwüstung an. Weder Dienst am Guru noch Dienst an Mutter und Vater wird es geben.
Kumārikākhaṇḍa 31.133
- bhaviṣyanti kalisyānte sādhakāḥ kaulasaṃsthitāḥ |
cāturvarṇā bhaviṣyanti brāhmaṇāśca viśeṣataḥ ||
Am Ende des Kali-Zeitalters wird es Sādhakas geben, die im Kaula verankert sind. Sie werden den vier Ständen angehören, vor allem dem der Brahmanen.
Kumārikākhaṇḍa 31.134
- uttamā vedavidvāṃsā antyajāśca tathāpare |
antyajānāṃ dvijānāṃ ca ekatra carubhojanam ||
Die Höchstgestellten werden Kenner des Veda sein, andere aber Antyajas, Angehörige der untersten gesellschaftlichen Gruppen. Antyajas und Zweimalgeborene werden gemeinsam an einem Ort den Opferbrei essen.
Kumārikākhaṇḍa 31.135
- bhaviṣyati kalisyānte tavākhyātamaśeṣataḥ |
tena mandatarā ājñā bhaviṣyati na saṃśayaḥ ||
[So] wird es am Ende des Kali-Zeitalters sein; ich habe es dir vollständig erklärt. Dadurch wird die Weisung gewiss sehr schwach werden.
Kumārikākhaṇḍa 31: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhike vidyāpīṭhamārge vimalabhedottaraṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate śrīcaturviṃśatsahasrasaṃhitāyāṃ avvākramabhāṣite vedhadīkṣādhikāravarṇane kramodayo nāmānandaḥ || 31 ||
So endet die als Kramodaya, „Entfaltung der Überlieferungsfolge“, bezeichnete Wonne, die Darlegung der Einweihung durch Durchdringen: innerhalb der ursprünglichen Herabkunft, im großen Opfer des Manthānabhairava, in der auf siebzig Millionen bemessenen Überlieferung, die aus dem Meruweg hervorgegangen ist und hunderttausend um ein Viertel übersteigt; auf dem Weg des Vidyāpīṭha, in der Bestimmung der nachfolgenden reinen Sechs, in der mit Kā beginnenden Abteilung, in der höchsten herrschaftlichen Weisung, in der Lehre der Herrin, in der ehrwürdigen Sammlung von vierundzwanzigtausend, gesprochen in der Überlieferungsfolge der Mutter. 31.
Kumārikākhaṇḍa – Kapitel 32
Kumārikākhaṇḍa 32: Kapitelkopf (heading)
- dvātriṃśānandaḥ
Zweiunddreißigste Wonne
Kumārikākhaṇḍa 32: Sprecherzeile (speaker_before_1)
- śrīvakrā uvāca
Die ehrwürdige Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 32.1
- adhunā saṃpravakṣyāmi merumadhyodayaṃ mahat |
yena vijñātamātreṇa avatāraḥ pravartate ||
Nun werde ich das große Hervortreten aus der Mitte Merus erklären. Sobald man es erkannt hat, setzt die Herabkunft ein.
Kumārikākhaṇḍa 32.2
- sumantaḥ pramukho bhūtiḥ sumukho balavān nidhiḥ |
pratāpī ca pramādhī ca praharṣo vijayo'nuraktaḥ ||
Sumanta, Pramukha, Bhūti, Sumukha, Balavat, Nidhi, Pratāpin, Pramādhin, Praharṣa, Vijaya und Anurakta;
Kumārikākhaṇḍa 32.3
- sudhanyo dhanavān dhārī kālo vai śravaṇo yamaḥ |
marīcirvirajo vāgmī vipulaśca kulī patiḥ ||
Sudhanya, Dhanavat, Dhārin, Kāla, Śravaṇa, Yama, Marīci, Viraja, Vāgmin, Vipula, Kulin und Pati;
Kumārikākhaṇḍa 32.4
- indrajit himavān maulī kāmadaḥ śaṃkhabodhakau |
viśvāṅgī śubhadaḥ krūraḥ acintyo vijayī patiḥ ||
Indrajit, Himavat, Maulin, Kāmada, Śaṅkha und Bodhaka, Viśvāṅgin, Śubhada, Krūra, Acintya, Vijayin und Pati;
Kumārikākhaṇḍa 32.5
- sumālī śarvaraḥ kāntaḥ śucirvādī śucivrataḥ |
kulajihvaḥ samaḥ śakraḥ sumantrī vanavān madhuḥ ||
Sumālin, Śarvara, Kānta, Śuci, Vādin, Śucivrata, Kulajihva, Sama, Śakra, Sumantrin, Vanavat und Madhu;
Kumārikākhaṇḍa 32.6
- gāndhārī ṭaṃkavṛt śārvaḥ śūro bhaṭṭaśca vikramaḥ |
udghoṣo bhṛguḥ śrīvatsaḥ kaustubho malayo rathī ||
Gāndhārin, Ṭaṅkavṛt, Śārva, Śūra, Bhaṭṭa, Vikrama, Udghoṣa, Bhṛgu, Śrīvatsa, Kaustubha, Malaya und Rathin;
Kumārikākhaṇḍa 32.7
- vikaṭaḥ śaṃkaro garvaḥ sunando hanumantakaḥ |
viśvāṅgo viśvajid vāgmī kaśmalaścāmalastathā ||
Vikaṭa, Śaṅkara, Garva, Sunanda, Hanumantaka, Viśvāṅga, Viśvajit, Vāgmin, Kaśmala und Amala;
Kumārikākhaṇḍa 32.8
- bhīmasenaḥ subhīmaśca bhīmarūpo mahābalaḥ |
vasurvasubhṛto dhātā vasavo vāsavo guruḥ ||
Bhīmasena, Subhīma, Bhīmarūpa, Mahābala, Vasu, Vasubhṛta, Dhātṛ, Vasava, Vāsava und Guru;
Kumārikākhaṇḍa 32.9
- tejasvī sarvadarśī ca sarvātmā priyavādinaḥ |
pretavāsaḥ priyaḥ svātī viśāla abhayaḥ śaśiḥ ||
Tejasvin, Sarvadarśin, Sarvātman, Priyavādin, Pretavāsa, Priya, Svātin, Viśāla, Abhaya und Śaśin;
Kumārikākhaṇḍa 32.10
- śṛṅgārī sundaro ratnaḥ vicitro bhogaḍambhakaḥ |
mahāharṣo mahājihvaḥ krakacaḥ śūladaṇḍinaḥ ||
Śṛṅgārin, Sundara, Ratna, Vicitra, Bhogaḍambhaka, Mahāharṣa, Mahājihva, Krakaca und Śūladaṇḍin;
Kumārikākhaṇḍa 32.11
- śatakratuśca dakṣaśca varṣametacchatakratuḥ |
abdodayamidaṃ proktaṃ sumantādau dakṣāntikam ||
Śatakratu und Dakṣa. Dieses Jahr ist „Hundert Opfer“ [Deutung unsicher]. Dies wurde als Hervortreten der Jahre beschrieben, von Sumanta am Anfang bis zu Dakṣa am Ende.
Kumārikākhaṇḍa 32.12
- cakravat parivartante sumantādyudayo bhavet |
dakṣānte tu kṣaye prāpte sumante ca pravartate ||
Wie ein Rad drehen sie sich weiter; das Hervortreten beginnt mit Sumanta. Wenn es am Ende Dakṣas zum Abschluss gelangt, beginnt es wieder mit Sumanta.
Kumārikākhaṇḍa 32.13
- udayāstamane caiva jñātavyāstu kṛtādiṣu |
dakṣaḥ śataśatātīte śatābdaśatakena tu ||
Aufgang und Untergang sind in den mit dem Kṛta beginnenden Zeitaltern zu kennen. Nach Ablauf von hundertmal hundert [Jahren] umfasst Dakṣa hundert Jahrhunderte [zeitliche Zuordnung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 32.14
- tato dakṣāṃśake śeṣe śivamāse śivāṣṭamī |
paścime udayaṃ jātaṃ siddhanāthābhiṣecitam ||
Dann, als noch Dakṣas Anteil verblieb, entstand im Westen das Hervortreten, von Siddhanātha geweiht: im Monat Śivas, an Śivas achtem [Mondtag].
Kumārikākhaṇḍa 32.15
- evamabdodayaṃ nāma daivikaṃ samudāhṛtam |
vetti yo deśikendrastu so'dhikārī kulānvaye ||
So wurde das göttliche „Hervortreten der Jahre“ erklärt. Der vorzügliche Lehrer, der es kennt, besitzt Vollmacht in der Kulaüberlieferung.
Kumārikākhaṇḍa 32: Sprecherzeile (speaker_before_16)
- śrīnātha uvāca
Śrīnātha sprach:
Kumārikākhaṇḍa 32.16
- aihikāmauṣmikaṃ caiva paśūnāṃ pāpamocanam |
kathaṃ guruṃ parīkṣyeta vedhavijñānapāragam ||
[Der Guru bewirkt] die Befreiung der gebundenen Seelen von ihren Verfehlungen im Diesseits und im Jenseits. Wie soll man einen Guru prüfen, der das Wissen vom Durchdringen ganz gemeistert hat?
Kumārikākhaṇḍa 32.17
- bahavo vicarantyasmin guravaḥ pṛthivītale |
sadgurorlakṣaṇaṃ brūhi śrotumicchāmi tattvataḥ ||
Viele Gurus ziehen auf dieser Erde umher. Sage mir, woran der wahre Guru zu erkennen ist; ich möchte es seinem Wesen nach hören.
Kumārikākhaṇḍa 32.18
- śiṣyāṇāmapi deveśi lakṣaṇaṃ tu yathārthataḥ |
brūhi dīkṣāvidhānena sphuṭārthaṃ punareva hi ||
Erkläre auch die wirklichen Merkmale der Schüler, Herrin der Götter, entsprechend der Ordnung der Einweihung; lege die Bedeutung noch einmal deutlich dar.
Kumārikākhaṇḍa 32.19
- samayācaraṇaṃ caiva nirvāṇaṃ ca vadasva me |
śrīvakrā uvāca
sādhu sādhu mahāśambho pṛcchase māṃ suvistaram ||
Erkläre mir auch das Leben nach den Verpflichtungen und das Nirvāṇa! — Gut, sehr gut, großer Śambhu! Du fragst mich ausführlich.
Sprecherwechsel nach dem ersten Halbvers: Die ehrwürdige Vakrā sprach:
Kumārikākhaṇḍa 32.20
- sarvaṃ yathākrameṇaiva vakṣyāmi śṛṇu sāmpratam |
yena sarvatra yogīnāṃ mahāvyāptiḥ pravartate ||
Nun höre: Ich werde alles in der rechten Folge erklären, wodurch sich die große, überallhin reichende Durchdringung der Yogis entfaltet.
Kumārikākhaṇḍa 32.21
- māyārūpadharā deva ācāryāḥ pṛthivītale |
deśikācāramāśritya jīvikāṃ kalpayanti ye ||
O Gott, jene Lehrer auf Erden, die sich das Verhalten eines Lehrers zulegen, um damit ihren Lebensunterhalt zu schaffen, tragen eine Gestalt der Täuschung.
Kumārikākhaṇḍa 32.22
- kulabhraṣṭāḥ kṛpāhīnāḥ kutsite sarvadā ratāḥ |
madyamāṃsasamāsaktāḥ capalāśca saḍambakāḥ ||
Sie sind aus ihrem Kula gefallen, ohne Mitgefühl und stets dem Verwerflichen zugetan. Sie hängen an Wein und Fleisch, sind unbeständig und voller Heuchelei.
Kumārikākhaṇḍa 32.23
- paiśunyaniratāścaiva kṣūdrakarmaratāḥ sadā |
ahaṃkṛtāḥ śaṭhāḥ krūrāḥ mithyājñājñānabhāṣakāḥ ||
Sie geben sich der Verleumdung hin und sind stets auf niedrige Handlungen aus. Ichbezogen, betrügerisch und grausam reden sie von falscher Weisung und [vermeintlichem] Wissen.
Kumārikākhaṇḍa 32.24
- kalikartā madonmattāḥ satataṃ paranindakāḥ |
lobhāsaktāśca mohāḍhyā vañcane satatodyatāḥ ||
Sie stiften Streit, sind trunken vor Überheblichkeit und verunglimpfen ständig andere. Von Gier gefesselt und voller Verblendung sind sie stets bereit zu täuschen.
Kumārikākhaṇḍa 32.25
- paropadeśaṃ cinvante kṛtrimavyavahārakāḥ |
etaireva guṇairyuktā ācāryanāmadhārakāḥ ||
Sie sammeln die Unterweisungen anderer und handeln unecht. Mit solchen Eigenschaften ausgestattet, tragen sie nur den Namen eines Lehrers.
Kumārikākhaṇḍa 32.26
- bhakṣādvaitaratā nityaṃ na te pūjyā mahītale |
gurudravyābhilāṣinyo yoginīdravyabhakṣakāḥ ||
Stets hängen sie der Nichtunterscheidung beim Essen an; solche soll man auf Erden nicht verehren. Sie begehren die Gaben des Gurus und verzehren die den Yoginīs bestimmten Substanzen.
Kumārikākhaṇḍa 32.27
- caṇḍāśca hiṃsakāścaiva kāpālikā viśeṣataḥ |
vīradravyābhilāṣinaḥ ca pūjāsaṃskāravarjitāḥ ||
Sie sind wild und gewalttätig, besonders die Kāpālikas. Sie begehren die Substanzen der Helden und entbehren der Läuterung durch Verehrung.
Kumārikākhaṇḍa 32.28
- prāyāścittīcalācāryā abhakṣabhakṣaṇe ratāḥ |
apeyapānaniratāḥ parihāryāḥ prayatnataḥ ||
Diese unbeständigen Lehrer, die Sühneübungen vollziehen, hängen am Essen dessen, was nicht gegessen, und am Trinken dessen, was nicht getrunken werden soll. Man soll sie sorgfältig meiden.
Kumārikākhaṇḍa 32.29
- gurvājñāṃ laṅghayed yo hi narakānna nivartate |
taistu ye dīkṣitāḥ śiṣyā na te kalyāṇabhājanāḥ ||
Wer die Weisung des Gurus übertritt, kehrt aus der Hölle nicht zurück. Die Schüler, die von solchen [Lehrern] eingeweiht wurden, werden nicht zu Gefäßen des Heils.
Kumārikākhaṇḍa 32.30
- dīkṣayanti ca lobhena mohaviṣayakaṃkṣayā |
vedhadīkṣāvihīnāśca cumbakāḥ kramatalpagāḥ ||
Aus Gier und aus Verlangen nach den Gegenständen der Verblendung weihen sie ein. Ohne die Einweihung durch Durchdringen sind sie Verführer und besteigen das Bett [des Lehrers] der Überlieferung.
Kumārikākhaṇḍa 32.31
- te pūjārahitā deva patanti narakārṇave |
tarustārayate nadyāṃ na śilāṃ tārayate śilā ||
Ohne Verehrung fallen sie, o Gott, in den Ozean der Hölle. Holz trägt über einen Fluss; ein Stein trägt keinen Stein hinüber.
Kumārikākhaṇḍa 32.32
- tathaiva nirguṇācāryastārayenna bhavārṇavāt |
varjanīyaḥ prayatnena matabāhyo vidhīyate ||
Ebenso führt ein Lehrer ohne gute Eigenschaften nicht über den Ozean des Daseins. Man soll ihn sorgfältig meiden; er gilt als außerhalb der Lehre stehend.
Kumārikākhaṇḍa 32.33
- cāturvarṇeṣu ācāryān śrūyatāṃ kamalānana |
brāhmaṇaḥ kṣatriyo vātha veśyaḥ śūdro'pi madyapaḥ ||
Höre von den Lehrern unter den vier Ständen, du mit Lotosantlitz: Brahmane, Kṣatriya, Vaiśya oder auch ein Śūdra, der Wein trinkt.
Kumārikākhaṇḍa 32.34
- cāturvarṇaṃ mayā coktaṃ ācāryāṇāṃ lakṣaṇaṃ yathā |
tīvrājñābodhasaṃpannāḥ śrīmatārthāvabodhakāḥ ||
Für die vier Stände habe ich die Merkmale der Lehrer erklärt: Sie sind erfüllt vom Erwachen durch die machtvolle Weisung und erschließen den Sinn der Śrīmata.
Kumārikākhaṇḍa 32.35
- jñānavijñānasaṃpannā gurvājñāpratipālakāḥ |
nirmalā niṣprapañcāśca nirmamā niṣparigrahāḥ ||
Sie besitzen Wissen und unmittelbare Erkenntnis und halten die Weisung des Gurus ein. Sie sind makellos, frei von gedanklicher Entfaltung, ohne „Mein“ und ohne Besitzergreifen.
Kumārikākhaṇḍa 32.36
- anudvignāḥ sadānandā nirlepā nirvikalpagāḥ |
kṣamānvitā dayāyuktā satyavādī jitendriyāḥ ||
Unbeunruhigt und stets in Wonne, unberührt und frei von unterscheidenden Vorstellungen, sind sie geduldig, mitfühlend und wahrhaftig; ihre Sinne haben sie gemeistert.
Kumārikākhaṇḍa 32.37
- ahiṃsātatparā sarve sarvajīvadayāparāḥ |
śāntacittāḥ sadācārāḥ dvandvatyāgī dṛḍhavratāḥ ||
Sie alle widmen sich der Gewaltlosigkeit und dem Mitgefühl mit allen Lebewesen. Friedlich im Geist und aufrecht im Handeln, lassen sie die Gegensatzpaare los und stehen fest in ihren Gelübden.
Kumārikākhaṇḍa 32.38
- na strīlolyā na ca krūrāḥ kṣudrakarmaparānmukhāḥ |
divyajñānena saṃtṛptāḥ udārāśca prasannadhīḥ ||
Weder gieren sie nach Frauen noch sind sie grausam; niedrigen Handlungen kehren sie den Rücken. Durch göttliche Erkenntnis zufrieden, sind sie großherzig und klaren Geistes.
Kumārikākhaṇḍa 32.39
- gotravātsalyasadbhaktāḥ rājadravyamupekṣakāḥ |
guruparvādhikārino ājñāparā mahābalāḥ ||
Sie sind der liebevollen Verbundenheit ihrer Traditionsfamilie treu ergeben und lassen königliche Reichtümer unbeachtet. Sie haben Vollmacht am Fest des Gurus, sind auf die Weisung ausgerichtet und besitzen große Kraft.
Kumārikākhaṇḍa 32.40
- yoginaḥ priyavādino dātā bhoktā ayācakāḥ |
vedāntaṃ vātha siddhāntaṃ tathānyaṃ vāmadakṣiṇam ||
Sie sind Yogis, sprechen freundlich, geben und genießen, ohne zu betteln. Vedānta, Siddhānta und die anderen Lehren der linken oder rechten Richtung
Kumārikākhaṇḍa 32.41
- na dūṣayanti śāstrāṇāṃ sadbhaktāśca kumārīnām |
yogiyoginivīrāṇāṃ deśadraṣṭā na kṣudrakaḥ ||
setzen sie nicht herab. Den Schriften und den Kumārīs sind sie aufrichtig ergeben. [Der Lehrer] schaut die Stätten der Yogis, Yoginīs und Helden und ist nicht niedrig gesinnt.
Kumārikākhaṇḍa 32.42
- triṣkālajñānino dhīraḥ śāpānugrahakārakaḥ |
pratyakṣe ca parokṣe vā vedhadīkṣāviśāradaḥ ||
Er kennt die drei Zeiten, ist standhaft und vermag Fluch wie Gnade zu bewirken. Er beherrscht die Einweihung durch Durchdringen, ob [der Schüler] sichtbar gegenwärtig oder der Wahrnehmung entzogen ist.
Kumārikākhaṇḍa 32.43
- anuṣṭhānarataḥ śānto laghvāśī ca suyantritaḥ |
divyānandarato nityaṃ nityaṃ śuciḥ pavitrakaḥ ||
Er widmet sich der vorgeschriebenen Praxis, ist friedvoll, isst wenig und ist gut beherrscht. Stets erfreut er sich göttlicher Wonne, stets ist er rein und läuternd.
Kumārikākhaṇḍa 32.44
- kulakaulāptavibhavaḥ paścimānvayapāragaḥ |
ajugupsī sarvavettā dhāturvaramupekṣakaḥ ||
Er hat die Herrlichkeit von Kula und Kaula erlangt und die westliche Überlieferung gemeistert. Er empfindet keinen Abscheu, weiß um alles und lässt die Gabe des Gebers unbeachtet [Deutung unsicher].
Kumārikākhaṇḍa 32.45
- samayācārapālajñaḥ pāramparyaviśāradaḥ |
saṃketajñānī vidvāṃsaḥ satatāvyaktaliṅginaḥ ||
Er weiß die Lebensordnung der Verpflichtungen zu bewahren und kennt die überlieferte Lehrfolge gründlich. Er versteht die vereinbarten Zeichen und ist gelehrt; seine Kennzeichen bleiben stets verborgen.
Kumārikākhaṇḍa 32.46
- sādhumārgaprapannastu asanmārgamupekṣakaḥ |
lokadharmaprapannaśca velāśī niṣparigrahaḥ ||
Er folgt dem Weg der Guten und hält sich vom schlechten Weg fern. Er erfüllt die Pflichten des gewöhnlichen Lebens, isst zu den rechten Zeiten und greift nicht nach Besitz.
Kumārikākhaṇḍa 32.47
- kriyākāṇḍarataḥ śāntaḥ ekāntaḥ puravāsinaḥ |
subhaṭṭo mānadhārī ca sarvaśāstrārthapāragaḥ ||
Er widmet sich dem rituellen Handeln, ist friedvoll und lebt selbst in der Stadt zurückgezogen. Er ist gebildet und geachtet und hat den Sinn aller Schriften ergründet.
Kumārikākhaṇḍa 32.48
- sarvadā hṛṣṭamānasaḥ tyāgī sarvajanapriyaḥ |
dīkṣāpratiṣṭhākuśalaḥ tattadarthaparigrahī ||
Stets frohen Geistes ist er freigebig und allen Menschen lieb. Er versteht sich auf Einweihung und Einsetzung [von Gottheitsbildern] und erfasst die jeweilige Bedeutung.
Kumārikākhaṇḍa 32.49
- sa tyāgī dharmapālajñaḥ kālasevī na hiṃsakaḥ |
vīramārgaprapannātmā madyagoṣṭimupekṣakaḥ ||
Er lässt los, weiß den Dharma zu hüten und beachtet die Zeiten; er verletzt niemanden. Dem Weg der Helden ganz ergeben, hält er sich von Trinkgesellschaften fern.
Kumārikākhaṇḍa 32.50
- bhaṭṭabhāryo viśuddhastu paśumārgamupekṣakaḥ |
unmano madanāvasthaḥ tantrācāravivarjitaḥ ||
Seine Frau ist gelehrt [Deutung unsicher]; er selbst ist ganz rein und lässt den Weg der Gebundenen hinter sich. Über den Geist hinausgegangen, befindet er sich im Zustand der Erregung [Deutung unsicher] und ist frei von tantrischen Verhaltensregeln.
Kumārikākhaṇḍa 32.51
- pratiṣṭhādivinirmuktaḥ satyaśaucarataḥ sadā |
śiṣyavargavicārajñaḥ nirmuktaḥ śuddhacetasaḥ ||
Er ist frei von [Bindung an] Einsetzungsriten und dergleichen und stets auf Wahrheit und Reinheit ausgerichtet. Er weiß die Schülerschar zu prüfen; er ist befreit und reinen Herzens.
Kumārikākhaṇḍa 32.52
- śvetavastraparīdhānaḥ muktakeśī digambaraḥ |
subhago darśanī vāgmī nānāvratamupekṣakaḥ ||
Er trägt weiße Kleidung, lässt sein Haar offen oder ist in die Himmelsrichtungen gekleidet. Von glücklicher Erscheinung, ansehnlich und redegewandt, kümmert er sich nicht um vielerlei Gelübde.
Kumārikākhaṇḍa 32.53
- svecchāveśadharo vātha sudhauto matilampakaḥ |
rāgadveṣasamāsakto durācāro'tha vā bhavet ||
Oder er trägt eine Gestalt nach eigenem Willen, ist wohl gereinigt und begehrt Einsicht. Ein Lehrer hingegen, der an Begehren und Abneigung hängt oder einen schlechten Lebenswandel führt
Kumārikākhaṇḍa 32.54
- pratyantavāsī ācāryaḥ dūrataḥ parivarjayet |
sādhudeśasamudbhūto nigrahānugrahakṣamaḥ ||
und im Grenzland wohnt, ist von weitem zu meiden. Wer aber aus einem Land der Guten stammt und Bestrafung wie Begnadung vermag,
Kumārikākhaṇḍa 32.55
- ācāryedṛk samākhyātaḥ anvaye'smin śubhapradaḥ |
īdṛśaṃ tu guruṃ prāpya ko na mucyati bandhanāt ||
ein solcher Lehrer wurde als heilbringend in dieser Überlieferung beschrieben. Wer würde nicht aus der Bindung befreit, wenn er einen solchen Guru gefunden hat?
Kumārikākhaṇḍa 32.56
- ācāryalakṣaṇaṃ proktaṃ śiṣyāṇāmadhunā śṛṇu |
nāparīkṣitaśiṣyāṇāṃ yogyatā paścimānvaye ||
Die Merkmale des Lehrers sind erklärt. Höre nun die der Schüler: Ungeprüfte Schüler sind für die westliche Überlieferung nicht geeignet.
Kumārikākhaṇḍa 32.57
- subhaktaśca vinītaśca pitṛmātṛprapūjakaḥ |
sadā dharmarataḥ śāntaḥ tyāgī ācāravān sadā ||
[Der Schüler ist] voller Hingabe und wohlerzogen; er verehrt Vater und Mutter. Stets ist er dem Dharma zugetan, friedvoll, freigebig und von beständig rechtem Verhalten.
Kumārikākhaṇḍa 32.58
- gurupādārcanarataḥ devāgnigurupūjakaḥ |
saṃsārabhayabhītātmā muktimārgābhilāṣiṇaḥ ||
Er widmet sich der Verehrung der Füße des Gurus und verehrt Gottheiten, Feuer und Guru. Vom Schrecken des Daseinskreislaufs bewegt, sehnt er sich nach dem Weg der Befreiung.
Kumārikākhaṇḍa 32.59
- adhūrto matimān śāntastarkaśāstramupekṣakaḥ |
yoginīnāṃ sadā bhaktaḥ kumārīṇāṃ prapūjakaḥ ||
Er ist kein Schurke, sondern einsichtig und friedvoll, und lässt die Schriften der Streitlogik beiseite. Stets ist er den Yoginīs ergeben und verehrt die Kumārīs.
Kumārikākhaṇḍa 32.60
- akrodhino apiśunaḥ yatnena suparīkṣitaḥ |
udārārthaparicchedī aśaṭhaḥ satyavāk sadā ||
Er ist ohne Zorn und Verleumdung und wurde sorgfältig geprüft. Er versteht hohe Gegenstände zu unterscheiden, ist frei von Arglist und spricht stets die Wahrheit.
Kumārikākhaṇḍa 32.61
- śarīraṃ prāṇasarvasvaṃ gurave vinivedakaḥ |
karmaṇā manasā vācā triśuddho bhaktivatsalaḥ ||
Er bringt dem Guru seinen Körper, seinen Lebensatem und seinen gesamten Besitz dar. In Handeln, Denken und Sprechen dreifach rein, ist er der Hingabe liebevoll zugewandt.
Kumārikākhaṇḍa 32.62
- śāṭhyamātsaryanirmuktaḥ paradāramupekṣakaḥ |
muktijñānābhikāṃkṣī ca śiṣyo'yaṃ kuladīpakaḥ ||
Frei von Hinterlist und Neid lässt er die Frauen anderer unbeachtet und ersehnt die Erkenntnis der Befreiung. Ein solcher Schüler ist die Leuchte des Kula.
Kumārikākhaṇḍa 32.63
- avivādī na vidveṣṭo nato jyeṣṭhajane sadā |
samayācārapālajñaḥ nimittakramapūjakaḥ ||
Er streitet nicht, wird nicht gehasst und neigt sich stets vor Älteren. Er weiß die Lebensordnung der Verpflichtungen einzuhalten und verehrt gemäß der Folge der besonderen Anlässe.
Kumārikākhaṇḍa 32.64
- devārcanarato nityaṃ gotravātsalyatatparaḥ |
evaṃbhūtaguṇī śiṣyaḥ nānātvena parīkṣitaḥ ||
Stets widmet er sich der Verehrung der Gottheiten und der liebevollen Verbundenheit seiner Traditionsfamilie. Ein Schüler mit solchen Eigenschaften, auf vielerlei Weise geprüft,
Kumārikākhaṇḍa 32.65
- dīkṣārho hi bhavet so vai tīvrājñayāvalokanāt |
anyathā viparītārthayukto dīkṣayate śiśuḥ ||
ist durch den Blick der machtvollen Weisung zur Einweihung geeignet. Wird dagegen ein Neuling eingeweiht, der die entgegengesetzten Eigenschaften aufweist,
Kumārikākhaṇḍa 32.66
- sa ācāryaḥ sa śiṣyastu rauravaṃ narakaṃ vrajet |
vrāhmaṇā kṣatrabhṛcchūdrā anye vā antyajātayaḥ ||
gelangen dieser Lehrer und dieser Schüler in die Raurava-Hölle. Brahmanen, Kṣatriyas und Śūdras oder andere, die den untersten Gruppen angehören,
Kumārikākhaṇḍa 32.67
- sarve śiṣyāḥ prakartavyā nātra kāryā vicāraṇā |
bhāvabhaktiviśuddhā ye viraktāḥ pṛthivītale ||
soll man alle als Schüler annehmen; darüber braucht man nicht zu zögern. Bei denen, die auf Erden durch innere Haltung und Hingabe rein und frei von Anhaftung sind,
Kumārikākhaṇḍa 32.68
- jātiṃ teṣāṃ na gṛhṇīyād bhaktimeṣāṃ parīkṣayet |
brāhmaṇastu abhaktaśca caṇḍālaḥ sa vidhīyate ||
soll man nicht nach ihrer Geburt fragen, sondern ihre Hingabe prüfen. Ein Brahmane ohne Hingabe gilt als Caṇḍāla.
Kumārikākhaṇḍa 32.69
- bhaktimān yadi caṇḍālo brāhmaṇaḥ sa vidhīyate |
jātibhedena kiṃ tena bhaktirevātra kāraṇam ||
Besitzt ein Caṇḍāla hingegen Hingabe, so gilt er als Brahmane. Was soll da die Unterscheidung nach Geburt? Hier kommt es allein auf die Hingabe an.
Kumārikākhaṇḍa 32.70
- paṇḍito'pyavivekī tu mūrkhatulyo mahītale |
mūrkho'pi hi viviktaścet viśuddho bhaktitatparaḥ ||
Auch ein Gelehrter ohne Unterscheidungsvermögen gleicht auf Erden einem Toren. Ist aber selbst ein Tor abgesondert [vom Unreinen], rein und ganz der Hingabe zugewandt,
Kumārikākhaṇḍa 32.71
- vibudhastu sa vijñeyaḥ sa yogyaḥ kulasantatau |
kupātre kutsite mūrkhe bhaktihīne kusaṃgate ||
so soll man ihn als einen Wissenden erkennen; er ist für die Kulaüberlieferung geeignet. Einem schlechten Gefäß — einem Verwerflichen, Törichten, der Hingabe entbehrenden Menschen in schlechter Gesellschaft,
Kumārikākhaṇḍa 32.72
- śaṭhe ca dūṣake caiva kaulatvaṃ na samācaret |
athavāpyācared yo vai dravyalobhena mohitaḥ ||
einem Betrüger und Verleumder — soll man den Kaula-Status nicht verleihen. Tut man es dennoch, durch Gier nach Besitz verblendet,
Kumārikākhaṇḍa 32.73
- yoginyastasya kupyanti bhakṣayanti vasāmiṣam |
tasmāt sarvaprayatnena dīkṣāṃ lobhānna kārayet ||
erzürnen die Yoginīs über ihn und verzehren sein Fett und Fleisch. Deshalb soll man mit aller Sorgfalt vermeiden, aus Gier eine Einweihung zu vollziehen.
Kumārikākhaṇḍa 32: Kolophon (colophon)
- ityādyāvatāre mahāmanthānabhairavayajñe anvaye saptakoṭipramāṇe merumārgavinirgate lakṣapādādhikāre ādyapīṭhāvatārite vidyāpīṭhamārge vimalaṣaṭkanirṇaye kādibhede ājñāpārameśvare svāminīmate guruśiṣyalakṣaṇādhikāravarṇane kramodayo nāmānandaḥ || 32 ||
So endet die als Kramodaya, „Entfaltung der Überlieferungsfolge“, bezeichnete Wonne: die Darlegung der Merkmale von Guru und Schüler, innerhalb der ursprünglichen Herabkunft, im großen Opfer des Manthānabhairava, in der auf siebzig Millionen bemessenen Überlieferung, hervorgegangen aus dem Meruweg, im Bereich der Hunderttausend und eines Viertels [Ausdruck unsicher], herabgebracht in den ursprünglichen heiligen Sitz, auf dem Weg des Vidyāpīṭha, in der Bestimmung der reinen Sechs, in der mit Kā beginnenden Abteilung, in der höchsten herrschaftlichen Weisung, in der Lehre der Herrin. 32.
Weiterführende Lektüre zur Manthana Bhairava Tantra
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Quellen und Anmerkungen
IAST und Devanagari beruhen auf demselben gesicherten Arbeitswortlaut. Die Devanagari-Fassung ist eine Transliteration, keine neue Handschriftenedition. Eckige Klammern, Lücken und andere Unsicherheitszeichen werden erhalten. Unnummerierte Sprecherzeilen, Eingangsverehrungen und Kolophone zählen nicht als zusätzliche Originalverse. Bei lediglich zitierten Teilen werden keine fehlenden Nachbarverse ergänzt. Ausführliche Quellen- und Lesungshinweise stehen am Ende des jeweiligen Artikels.
- Q05: Textgrundlage[1]
Stellenverzeichnis
Die Kennungen KuKh, YKh(1), YKh(2) und SKh bezeichnen Kumārikākhaṇḍa, die beiden zitierten Yogakhaṇḍa-Fassungen und Siddhakhaṇḍa. Druck- und PDF-Seiten werden getrennt angegeben. Unnummerierte Teile sind mit redaktionellen Kennungen erschlossen; daraus entstehen keine neuen Originalversnummern.
- Kumārikākhaṇḍa 1: Eingangsverehrung (invocation_1); Kumārikākhaṇḍa 1: Eingangsverehrung (invocation_2); Kumārikākhaṇḍa 1: Eingangsverehrung (invocation_3); Kumārikākhaṇḍa 1: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 1.1; Kumārikākhaṇḍa 1.2; Kumārikākhaṇḍa 1.3; Kumārikākhaṇḍa 1.4 — Q05 Textband 1: Druck S. [2]; PDF S. 18.
- Kumārikākhaṇḍa 1.5; Kumārikākhaṇḍa 1: Sprecherzeile (speaker_before_6); Kumārikākhaṇḍa 1.6; Kumārikākhaṇḍa 1.7; Kumārikākhaṇḍa 1.8; Kumārikākhaṇḍa 1.9; Kumārikākhaṇḍa 1.10; Kumārikākhaṇḍa 1.11; Kumārikākhaṇḍa 1.12 — Q05 Textband 1: Druck S. 4; PDF S. 20.
- Kumārikākhaṇḍa 1.13; Kumārikākhaṇḍa 1.14; Kumārikākhaṇḍa 1.15; Kumārikākhaṇḍa 1.16; Kumārikākhaṇḍa 1.17; Kumārikākhaṇḍa 1.18; Kumārikākhaṇḍa 1.19; Kumārikākhaṇḍa 1.20; Kumārikākhaṇḍa 1: Kolophon (colophon) — Q05 Textband 1: Druck S. 6; PDF S. 22.
- Kumārikākhaṇḍa 2: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 2: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 2.1; Kumārikākhaṇḍa 2.2; Kumārikākhaṇḍa 2.3; Kumārikākhaṇḍa 2.4; Kumārikākhaṇḍa 2.5; Kumārikākhaṇḍa 2.6 — Q05 Textband 1: Druck S. 8; PDF S. 24.
- Kumārikākhaṇḍa 2.7 — Q05 Textband 1: Druck S. 8,10; PDF S. [24, 26].
- Kumārikākhaṇḍa 2.8; Kumārikākhaṇḍa 2.9; Kumārikākhaṇḍa 2.10; Kumārikākhaṇḍa 2.11; Kumārikākhaṇḍa 2.12 — Q05 Textband 1: Druck S. 10; PDF S. 26.
- Kumārikākhaṇḍa 2.13; Kumārikākhaṇḍa 2.14; Kumārikākhaṇḍa 2.15; Kumārikākhaṇḍa 2.16; Kumārikākhaṇḍa 2.17; Kumārikākhaṇḍa 2.18; Kumārikākhaṇḍa 2.19 — Q05 Textband 1: Druck S. 12; PDF S. 28.
- Kumārikākhaṇḍa 2.20; Kumārikākhaṇḍa 2.21; Kumārikākhaṇḍa 2.22; Kumārikākhaṇḍa 2.23; Kumārikākhaṇḍa 2.24; Kumārikākhaṇḍa 2.25; Kumārikākhaṇḍa 2.26; Kumārikākhaṇḍa 2.27; Kumārikākhaṇḍa 2.28; Kumārikākhaṇḍa 2.29 — Q05 Textband 1: Druck S. 14; PDF S. 30.
- Kumārikākhaṇḍa 2.30 — Q05 Textband 1: Druck S. 14,16; PDF S. [30, 32].
- Kumārikākhaṇḍa 2.31; Kumārikākhaṇḍa 2.32; Kumārikākhaṇḍa 2.33; Kumārikākhaṇḍa 2.34; Kumārikākhaṇḍa 2.35; Kumārikākhaṇḍa 2.36; Kumārikākhaṇḍa 2.37; Kumārikākhaṇḍa 2.38; Kumārikākhaṇḍa 2.39 — Q05 Textband 1: Druck S. 16; PDF S. 32.
- Kumārikākhaṇḍa 2.40; Kumārikākhaṇḍa 2.41; Kumārikākhaṇḍa 2.42; Kumārikākhaṇḍa 2.43; Kumārikākhaṇḍa 2.44; Kumārikākhaṇḍa 2.45; Kumārikākhaṇḍa 2: Kolophon (colophon) — Q05 Textband 1: Druck S. 18; PDF S. 34.
- Kumārikākhaṇḍa 3: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 3: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 3.1; Kumārikākhaṇḍa 3.2; Kumārikākhaṇḍa 3.3; Kumārikākhaṇḍa 3.4; Kumārikākhaṇḍa 3.5; Kumārikākhaṇḍa 3.6; Kumārikākhaṇḍa 3.7 — Q05 Textband 1: Druck S. 20; PDF S. 36.
- Kumārikākhaṇḍa 3.8; Kumārikākhaṇḍa 3.9; Kumārikākhaṇḍa 3.10; Kumārikākhaṇḍa 3.11; Kumārikākhaṇḍa 3.12; Kumārikākhaṇḍa 3.13; Kumārikākhaṇḍa 3.14; Kumārikākhaṇḍa 3: Sprecherzeile (speaker_before_15); Kumārikākhaṇḍa 3.15; Kumārikākhaṇḍa 3: Sprecherzeile (speaker_before_16); Kumārikākhaṇḍa 3.16 — Q05 Textband 1: Druck S. 22; PDF S. 38.
- Kumārikākhaṇḍa 3.17; Kumārikākhaṇḍa 3: Sprecherzeile (speaker_before_18); Kumārikākhaṇḍa 3.18; Kumārikākhaṇḍa 3.19; Kumārikākhaṇḍa 3.20; Kumārikākhaṇḍa 3.21; Kumārikākhaṇḍa 3.22; Kumārikākhaṇḍa 3.23; Kumārikākhaṇḍa 3.24; Kumārikākhaṇḍa 3: Sprecherzeile (speaker_before_25); Kumārikākhaṇḍa 3.25; Kumārikākhaṇḍa 3.26; Kumārikākhaṇḍa 3.27; Kumārikākhaṇḍa 3.28 — Q05 Textband 1: Druck S. 24; PDF S. 40.
- Kumārikākhaṇḍa 3.29; Kumārikākhaṇḍa 3.30; Kumārikākhaṇḍa 3.31; Kumārikākhaṇḍa 3.32; Kumārikākhaṇḍa 3.33; Kumārikākhaṇḍa 3.34; Kumārikākhaṇḍa 3.35; Kumārikākhaṇḍa 3.36; Kumārikākhaṇḍa 3.37; Kumārikākhaṇḍa 3.38; Kumārikākhaṇḍa 3.39 — Q05 Textband 1: Druck S. 26; PDF S. 42.
- Kumārikākhaṇḍa 3.40; Kumārikākhaṇḍa 3.41; Kumārikākhaṇḍa 3.42; Kumārikākhaṇḍa 3.43; Kumārikākhaṇḍa 3.44; Kumārikākhaṇḍa 3.45; Kumārikākhaṇḍa 3.46; Kumārikākhaṇḍa 3.47; Kumārikākhaṇḍa 3.48; Kumārikākhaṇḍa 3.49; Kumārikākhaṇḍa 3.50 — Q05 Textband 1: Druck S. 28; PDF S. 44.
- Kumārikākhaṇḍa 3.51; Kumārikākhaṇḍa 3.52; Kumārikākhaṇḍa 3.53; Kumārikākhaṇḍa 3.54; Kumārikākhaṇḍa 3.55; Kumārikākhaṇḍa 3.56; Kumārikākhaṇḍa 3.57; Kumārikākhaṇḍa 3.58; Kumārikākhaṇḍa 3: Sprecherzeile (speaker_before_59); Kumārikākhaṇḍa 3.59 — Q05 Textband 1: Druck S. 30; PDF S. 46.
- Kumārikākhaṇḍa 3: Sprecherzeile (speaker_before_60); Kumārikākhaṇḍa 3.60; Kumārikākhaṇḍa 3.61; Kumārikākhaṇḍa 3.62; Kumārikākhaṇḍa 3.63; Kumārikākhaṇḍa 3: Sprecherzeile (speaker_within_64_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 3.64; Kumārikākhaṇḍa 3: Sprecherzeile (speaker_within_65_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 3.65; Kumārikākhaṇḍa 3.66; Kumārikākhaṇḍa 3.67; Kumārikākhaṇḍa 3.68 — Q05 Textband 1: Druck S. 32; PDF S. 48.
- Kumārikākhaṇḍa 3.69; Kumārikākhaṇḍa 3.70; Kumārikākhaṇḍa 3.71; Kumārikākhaṇḍa 3.72; Kumārikākhaṇḍa 3.73; Kumārikākhaṇḍa 3.74; Kumārikākhaṇḍa 3.75; Kumārikākhaṇḍa 3.76; Kumārikākhaṇḍa 3.77; Kumārikākhaṇḍa 3.78; Kumārikākhaṇḍa 3.79; Kumārikākhaṇḍa 3.80 — Q05 Textband 1: Druck S. 34; PDF S. 50.
- Kumārikākhaṇḍa 3.81 — Q05 Textband 1: Druck S. 34,36; PDF S. [50, 52].
- Kumārikākhaṇḍa 3.82; Kumārikākhaṇḍa 3.83; Kumārikākhaṇḍa 3.84; Kumārikākhaṇḍa 3: Sprecherzeile (speaker_before_85); Kumārikākhaṇḍa 3.85; Kumārikākhaṇḍa 3.86; Kumārikākhaṇḍa 3.87; Kumārikākhaṇḍa 3: Sprecherzeile (speaker_within_88_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 3.88; Kumārikākhaṇḍa 3.89; Kumārikākhaṇḍa 3.90; Kumārikākhaṇḍa 3.91 — Q05 Textband 1: Druck S. 36; PDF S. 52.
- Kumārikākhaṇḍa 3.92 — Q05 Textband 1: Druck S. 36,38; PDF S. [52, 54].
- Kumārikākhaṇḍa 3.93; Kumārikākhaṇḍa 3.94; Kumārikākhaṇḍa 3.95; Kumārikākhaṇḍa 3.96; Kumārikākhaṇḍa 3.97; Kumārikākhaṇḍa 3.98; Kumārikākhaṇḍa 3.99; Kumārikākhaṇḍa 3.100; Kumārikākhaṇḍa 3.101 — Q05 Textband 1: Druck S. 38; PDF S. 54.
- Kumārikākhaṇḍa 3.102; Kumārikākhaṇḍa 3.103; Kumārikākhaṇḍa 3.104; Kumārikākhaṇḍa 3.105; Kumārikākhaṇḍa 3.106; Kumārikākhaṇḍa 3.107; Kumārikākhaṇḍa 3.108; Kumārikākhaṇḍa 3.109; Kumārikākhaṇḍa 3.110 — Q05 Textband 1: Druck S. 40; PDF S. 56.
- Kumārikākhaṇḍa 3.111; Kumārikākhaṇḍa 3.112; Kumārikākhaṇḍa 3.113; Kumārikākhaṇḍa 3.114; Kumārikākhaṇḍa 3.115; Kumārikākhaṇḍa 3.116; Kumārikākhaṇḍa 3.117; Kumārikākhaṇḍa 3.118 — Q05 Textband 1: Druck S. 42; PDF S. 58.
- Kumārikākhaṇḍa 3.119; Kumārikākhaṇḍa 3.120; Kumārikākhaṇḍa 3.121; Kumārikākhaṇḍa 3.122; Kumārikākhaṇḍa 3.123; Kumārikākhaṇḍa 3.124; Kumārikākhaṇḍa 3.125; Kumārikākhaṇḍa 3.126 — Q05 Textband 1: Druck S. 44; PDF S. 60.
- Kumārikākhaṇḍa 3.127; Kumārikākhaṇḍa 3.128; Kumārikākhaṇḍa 3.129; Kumārikākhaṇḍa 3.130; Kumārikākhaṇḍa 3.131; Kumārikākhaṇḍa 3.132; Kumārikākhaṇḍa 3.133 — Q05 Textband 1: Druck S. 46; PDF S. 62.
- Kumārikākhaṇḍa 3.134; Kumārikākhaṇḍa 3.135; Kumārikākhaṇḍa 3.136; Kumārikākhaṇḍa 3.137; Kumārikākhaṇḍa 3.138; Kumārikākhaṇḍa 3.139 — Q05 Textband 1: Druck S. 48; PDF S. 64.
- Kumārikākhaṇḍa 3.140 — Q05 Textband 1: Druck S. 48,50; PDF S. [64, 66].
- Kumārikākhaṇḍa 3.141; Kumārikākhaṇḍa 3.142; Kumārikākhaṇḍa 3.143; Kumārikākhaṇḍa 3.144; Kumārikākhaṇḍa 3.145; Kumārikākhaṇḍa 3.146; Kumārikākhaṇḍa 3.147; Kumārikākhaṇḍa 3.148; Kumārikākhaṇḍa 3: Sprecherzeile (speaker_within_149_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 3.149; Kumārikākhaṇḍa 3.150; Kumārikākhaṇḍa 3.151; Kumārikākhaṇḍa 3.152 — Q05 Textband 1: Druck S. 50; PDF S. 66.
- Kumārikākhaṇḍa 3: Sprecherzeile (speaker_within_153_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 3.153; Kumārikākhaṇḍa 3.154; Kumārikākhaṇḍa 3.155; Kumārikākhaṇḍa 3.156; Kumārikākhaṇḍa 3.157; Kumārikākhaṇḍa 3.158; Kumārikākhaṇḍa 3.159; Kumārikākhaṇḍa 3.160; Kumārikākhaṇḍa 3.161; Kumārikākhaṇḍa 3.162; Kumārikākhaṇḍa 3.163; Kumārikākhaṇḍa 3.164 — Q05 Textband 1: Druck S. 52; PDF S. 68.
- Kumārikākhaṇḍa 3.165 — Q05 Textband 1: Druck S. 52,54; PDF S. [68, 70].
- Kumārikākhaṇḍa 3.166; Kumārikākhaṇḍa 3.167; Kumārikākhaṇḍa 3.168; Kumārikākhaṇḍa 3.169; Kumārikākhaṇḍa 3.170; Kumārikākhaṇḍa 3: Kolophon (colophon) — Q05 Textband 1: Druck S. 54; PDF S. 70.
- Kumārikākhaṇḍa 4: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 4: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 4.1; Kumārikākhaṇḍa 4.2; Kumārikākhaṇḍa 4.3; Kumārikākhaṇḍa 4.4; Kumārikākhaṇḍa 4.5; Kumārikākhaṇḍa 4.6; Kumārikākhaṇḍa 4.7 — Q05 Textband 1: Druck S. 56; PDF S. 72.
- Kumārikākhaṇḍa 4.8; Kumārikākhaṇḍa 4.9; Kumārikākhaṇḍa 4.10; Kumārikākhaṇḍa 4.11; Kumārikākhaṇḍa 4: Sprecherzeile (speaker_within_12_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 4.12; Kumārikākhaṇḍa 4.13; Kumārikākhaṇḍa 4.14; Kumārikākhaṇḍa 4.15; Kumārikākhaṇḍa 4.16; Kumārikākhaṇḍa 4: Sprecherzeile (speaker_within_17_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 4.17; Kumārikākhaṇḍa 4.18 — Q05 Textband 1: Druck S. 58; PDF S. 74.
- Kumārikākhaṇḍa 4.19; Kumārikākhaṇḍa 4.20; Kumārikākhaṇḍa 4.21; Kumārikākhaṇḍa 4.22; Kumārikākhaṇḍa 4.23; Kumārikākhaṇḍa 4.24; Kumārikākhaṇḍa 4.25; Kumārikākhaṇḍa 4.26; Kumārikākhaṇḍa 4.27 — Q05 Textband 1: Druck S. 60; PDF S. 76.
- Kumārikākhaṇḍa 4.28 — Q05 Textband 1: Druck S. 60,62; PDF S. [76, 78].
- Kumārikākhaṇḍa 4.29; Kumārikākhaṇḍa 4.30; Kumārikākhaṇḍa 4: Sprecherzeile (speaker_within_31_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 4.31; Kumārikākhaṇḍa 4.32; Kumārikākhaṇḍa 4.33; Kumārikākhaṇḍa 4.34; Kumārikākhaṇḍa 4.35; Kumārikākhaṇḍa 4.36; Kumārikākhaṇḍa 4.37; Kumārikākhaṇḍa 4.38; Kumārikākhaṇḍa 4.39 — Q05 Textband 1: Druck S. 62; PDF S. 78.
- Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (1); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (2); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (3); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (4); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (5); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (6); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (7); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (8); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (9); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (10); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (11); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (12); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (13); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (14); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (15) — Q05 Textband 1: Druck S. 64; PDF S. 80.
- Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (16); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (17); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (18); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (19); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (20); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (21); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (22); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (23); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (24); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (25); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (26); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (27); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (28); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (29); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (30); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (31); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (32); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (33); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (34); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (35) — Q05 Textband 1: Druck S. 66; PDF S. 82.
- Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (36); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (37); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (38); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (39); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (40); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (41); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (42); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (43); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (44); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (45); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (46); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (47); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (48); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (49); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (50); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (51); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (52); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (53); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (54) — Q05 Textband 1: Druck S. 68; PDF S. 84.
- Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (55); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (56); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (57); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (58); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (59); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (60); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (61); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (62); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (63); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (64); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (65); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (66); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (67); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (68); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (69); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (70); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (71) — Q05 Textband 1: Druck S. 70; PDF S. 86.
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- Kumārikākhaṇḍa 10.51; Kumārikākhaṇḍa 10.52; Kumārikākhaṇḍa 10.53; Kumārikākhaṇḍa 10.54; Kumārikākhaṇḍa 10.55; Kumārikākhaṇḍa 10.56; Kumārikākhaṇḍa 10.57; Kumārikākhaṇḍa 10.58; Kumārikākhaṇḍa 10.59; Kumārikākhaṇḍa 10.60 — Q05 Textband 2: Druck S. 58; PDF S. 652.
- Kumārikākhaṇḍa 10.61; Kumārikākhaṇḍa 10.62; Kumārikākhaṇḍa 10.63; Kumārikākhaṇḍa 10.64; Kumārikākhaṇḍa 10.65; Kumārikākhaṇḍa 10.66; Kumārikākhaṇḍa 10.67; Kumārikākhaṇḍa 10.68; Kumārikākhaṇḍa 10.69; Kumārikākhaṇḍa 10: unnummerierter Halbvers (half_after_69) — Q05 Textband 2: Druck S. 60; PDF S. 654.
- Kumārikākhaṇḍa 10: Kolophon (colophon) — Q05 Textband 2: Druck S. 62; PDF S. 656.
- Kumārikākhaṇḍa 11: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 11: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 11.1; Kumārikākhaṇḍa 11.2; Kumārikākhaṇḍa 11.3; Kumārikākhaṇḍa 11.4; Kumārikākhaṇḍa 11.5; Kumārikākhaṇḍa 11.6; Kumārikākhaṇḍa 11.7 — Q05 Textband 2: Druck S. 64; PDF S. 658.
- Kumārikākhaṇḍa 11.8; Kumārikākhaṇḍa 11.9; Kumārikākhaṇḍa 11.10; Kumārikākhaṇḍa 11.11; Kumārikākhaṇḍa 11.12; Kumārikākhaṇḍa 11.13; Kumārikākhaṇḍa 11.14; Kumārikākhaṇḍa 11.15; Kumārikākhaṇḍa 11.16; Kumārikākhaṇḍa 11.17; Kumārikākhaṇḍa 11.18 — Q05 Textband 2: Druck S. 66; PDF S. 660.
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- Kumārikākhaṇḍa 11.53; Kumārikākhaṇḍa 11.54; Kumārikākhaṇḍa 11.55; Kumārikākhaṇḍa 11.56; Kumārikākhaṇḍa 11.57; Kumārikākhaṇḍa 11.58; Kumārikākhaṇḍa 11.59; Kumārikākhaṇḍa 11.60; Kumārikākhaṇḍa 11.61; Kumārikākhaṇḍa 11.62 — Q05 Textband 2: Druck S. 74; PDF S. 668.
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- Kumārikākhaṇḍa 12: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 12: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 12.1; Kumārikākhaṇḍa 12.2; Kumārikākhaṇḍa 12.3; Kumārikākhaṇḍa 12.4; Kumārikākhaṇḍa 12.5; Kumārikākhaṇḍa 12.6; Kumārikākhaṇḍa 12.7; Kumārikākhaṇḍa 12.8; Kumārikākhaṇḍa 12.9 — Q05 Textband 2: Druck S. 84; PDF S. 678.
- Kumārikākhaṇḍa 12.10; Kumārikākhaṇḍa 12.11; Kumārikākhaṇḍa 12.12; Kumārikākhaṇḍa 12.13; Kumārikākhaṇḍa 12.14; Kumārikākhaṇḍa 12.15; Kumārikākhaṇḍa 12.16; Kumārikākhaṇḍa 12.17; Kumārikākhaṇḍa 12.18; Kumārikākhaṇḍa 12.19 — Q05 Textband 2: Druck S. 86; PDF S. 680.
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- Kumārikākhaṇḍa 13: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 13: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 13.1; Kumārikākhaṇḍa 13.2; Kumārikākhaṇḍa 13: Sprecherzeile (speaker_before_3); Kumārikākhaṇḍa 13.3; Kumārikākhaṇḍa 13.4; Kumārikākhaṇḍa 13.5; Kumārikākhaṇḍa 13.6; Kumārikākhaṇḍa 13.7 — Q05 Textband 2: Druck S. 94; PDF S. 688.
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- Kumārikākhaṇḍa 14.58 — Q05 Textband 2: Druck S. 140,142; PDF S. [734, 736].
- Kumārikākhaṇḍa 14.59; Kumārikākhaṇḍa 14.60; Kumārikākhaṇḍa 14.61; Kumārikākhaṇḍa 14.62; Kumārikākhaṇḍa 14.63; Kumārikākhaṇḍa 14.64; Kumārikākhaṇḍa 14.65 — Q05 Textband 2: Druck S. 142; PDF S. 736.
- Kumārikākhaṇḍa 14.66 — Q05 Textband 2: Druck S. 142,144; PDF S. [736, 738].
- Kumārikākhaṇḍa 14.67; Kumārikākhaṇḍa 14.68; Kumārikākhaṇḍa 14.69; Kumārikākhaṇḍa 14.70; Kumārikākhaṇḍa 14.71 — Q05 Textband 2: Druck S. 144; PDF S. 738.
- Kumārikākhaṇḍa 14.72 — Q05 Textband 2: Druck S. 144,146; PDF S. [738, 740].
- Kumārikākhaṇḍa 14.73; Kumārikākhaṇḍa 14.74; Kumārikākhaṇḍa 14.75; Kumārikākhaṇḍa 14.76; Kumārikākhaṇḍa 14.77; Kumārikākhaṇḍa 14.78; Kumārikākhaṇḍa 14.79; Kumārikākhaṇḍa 14.80; Kumārikākhaṇḍa 14.81 — Q05 Textband 2: Druck S. 146; PDF S. 740.
- Kumārikākhaṇḍa 14.82 — Q05 Textband 2: Druck S. 146,148; PDF S. [740, 742].
- Kumārikākhaṇḍa 14.83; Kumārikākhaṇḍa 14.84; Kumārikākhaṇḍa 14.85; Kumārikākhaṇḍa 14.86; Kumārikākhaṇḍa 14.87; Kumārikākhaṇḍa 14.88; Kumārikākhaṇḍa 14.89; Kumārikākhaṇḍa 14.90; Kumārikākhaṇḍa 14.91; Kumārikākhaṇḍa 14.92; Kumārikākhaṇḍa 14.93 — Q05 Textband 2: Druck S. 148; PDF S. 742.
- Kumārikākhaṇḍa 14.94 — Q05 Textband 2: Druck S. 148,150; PDF S. [742, 744].
- Kumārikākhaṇḍa 14.95; Kumārikākhaṇḍa 14.96; Kumārikākhaṇḍa 14.97; Kumārikākhaṇḍa 14.98; Kumārikākhaṇḍa 14.99; Kumārikākhaṇḍa 14.100; Kumārikākhaṇḍa 14.101 — Q05 Textband 2: Druck S. 150; PDF S. 744.
- Kumārikākhaṇḍa 14.102 — Q05 Textband 2: Druck S. 150,152; PDF S. [744, 746].
- Kumārikākhaṇḍa 14.103; Kumārikākhaṇḍa 14.104; Kumārikākhaṇḍa 14.105; Kumārikākhaṇḍa 14.106; Kumārikākhaṇḍa 14.107; Kumārikākhaṇḍa 14.108; Kumārikākhaṇḍa 14.109 — Q05 Textband 2: Druck S. 152; PDF S. 746.
- Kumārikākhaṇḍa 14.110 — Q05 Textband 2: Druck S. 152,154; PDF S. [746, 748].
- Kumārikākhaṇḍa 14.111; Kumārikākhaṇḍa 14.112; Kumārikākhaṇḍa 14.113; Kumārikākhaṇḍa 14.114; Kumārikākhaṇḍa 14.115; Kumārikākhaṇḍa 14.116; Kumārikākhaṇḍa 14.117 — Q05 Textband 2: Druck S. 154; PDF S. 748.
- Kumārikākhaṇḍa 14.118 — Q05 Textband 2: Druck S. 154,156; PDF S. [748, 750].
- Kumārikākhaṇḍa 14.119; Kumārikākhaṇḍa 14.120; Kumārikākhaṇḍa 14.121; Kumārikākhaṇḍa 14.122; Kumārikākhaṇḍa 14.123; Kumārikākhaṇḍa 14.124 — Q05 Textband 2: Druck S. 156; PDF S. 750.
- Kumārikākhaṇḍa 14.125 — Q05 Textband 2: Druck S. 156,158; PDF S. [750, 752].
- Kumārikākhaṇḍa 14.126; Kumārikākhaṇḍa 14.127; Kumārikākhaṇḍa 14.128; Kumārikākhaṇḍa 14.129; Kumārikākhaṇḍa 14.130; Kumārikākhaṇḍa 14.131; Kumārikākhaṇḍa 14: unnummerierter Halbvers (half_after_131); Kumārikākhaṇḍa 14: Kolophon (colophon) — Q05 Textband 2: Druck S. 158; PDF S. 752.
- Kumārikākhaṇḍa 15: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 15: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 15.1; Kumārikākhaṇḍa 15: Sprecherzeile (speaker_within_2_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 15.2; Kumārikākhaṇḍa 15.3; Kumārikākhaṇḍa 15.4; Kumārikākhaṇḍa 15.5; Kumārikākhaṇḍa 15.6 — Q05 Textband 2: Druck S. 160; PDF S. 754.
- Kumārikākhaṇḍa 15.7 — Q05 Textband 2: Druck S. 160,162; PDF S. [754, 756].
- Kumārikākhaṇḍa 15.8; Kumārikākhaṇḍa 15.9; Kumārikākhaṇḍa 15.10; Kumārikākhaṇḍa 15.11; Kumārikākhaṇḍa 15.12; Kumārikākhaṇḍa 15.13 — Q05 Textband 2: Druck S. 162; PDF S. 756.
- Kumārikākhaṇḍa 15.14; Kumārikākhaṇḍa 15.15; Kumārikākhaṇḍa 15.16; Kumārikākhaṇḍa 15.17; Kumārikākhaṇḍa 15.18; Kumārikākhaṇḍa 15.19; Kumārikākhaṇḍa 15.20; Kumārikākhaṇḍa 15.21 — Q05 Textband 2: Druck S. 164; PDF S. 758.
- Kumārikākhaṇḍa 15.22; Kumārikākhaṇḍa 15.23; Kumārikākhaṇḍa 15.24; Kumārikākhaṇḍa 15.25; Kumārikākhaṇḍa 15.26; Kumārikākhaṇḍa 15.27; Kumārikākhaṇḍa 15.28; Kumārikākhaṇḍa 15.29; Kumārikākhaṇḍa 15.30; Kumārikākhaṇḍa 15.31; Kumārikākhaṇḍa 15.32 — Q05 Textband 2: Druck S. 166; PDF S. 760.
- Kumārikākhaṇḍa 15.33; Kumārikākhaṇḍa 15.34; Kumārikākhaṇḍa 15.35; Kumārikākhaṇḍa 15.36; Kumārikākhaṇḍa 15.37; Kumārikākhaṇḍa 15.38; Kumārikākhaṇḍa 15.39; Kumārikākhaṇḍa 15.40; Kumārikākhaṇḍa 15.41 — Q05 Textband 2: Druck S. 168; PDF S. 762.
- Kumārikākhaṇḍa 15.42; Kumārikākhaṇḍa 15.43; Kumārikākhaṇḍa 15.44; Kumārikākhaṇḍa 15.45; Kumārikākhaṇḍa 15.46; Kumārikākhaṇḍa 15.47; Kumārikākhaṇḍa 15.48; Kumārikākhaṇḍa 15.49; Kumārikākhaṇḍa 15.50; Kumārikākhaṇḍa 15.51 — Q05 Textband 2: Druck S. 170; PDF S. 764.
- Kumārikākhaṇḍa 15.52; Kumārikākhaṇḍa 15.53; Kumārikākhaṇḍa 15.54; Kumārikākhaṇḍa 15.55; Kumārikākhaṇḍa 15.56; Kumārikākhaṇḍa 15.57; Kumārikākhaṇḍa 15.58; Kumārikākhaṇḍa 15: unnummerierter Halbvers (half_after_58); Kumārikākhaṇḍa 15: Kolophon (colophon) — Q05 Textband 2: Druck S. 172; PDF S. 766.
- Kumārikākhaṇḍa 16: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 16: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 16.1; Kumārikākhaṇḍa 16.2; Kumārikākhaṇḍa 16: Sprecherzeile (speaker_before_3); Kumārikākhaṇḍa 16.3; Kumārikākhaṇḍa 16.4; Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_5); Kumārikākhaṇḍa 16.5; Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_6); Kumārikākhaṇḍa 16.6; Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_7) — Q05 Textband 2: Druck S. 174; PDF S. 768.
- Kumārikākhaṇḍa 16.7; Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_8); Kumārikākhaṇḍa 16.8; Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_9); Kumārikākhaṇḍa 16.9; Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_10); Kumārikākhaṇḍa 16.10; Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_11); Kumārikākhaṇḍa 16.11; Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_12) — Q05 Textband 2: Druck S. 176; PDF S. 770.
- Kumārikākhaṇḍa 16.12; Kumārikākhaṇḍa 16: Sprecherzeile (speaker_before_13); Kumārikākhaṇḍa 16.13; Kumārikākhaṇḍa 16.14; Kumārikākhaṇḍa 16.15; Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_16); Kumārikākhaṇḍa 16.16; Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_17); Kumārikākhaṇḍa 16.17 — Q05 Textband 2: Druck S. 178; PDF S. 772.
- Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_18); Kumārikākhaṇḍa 16.18; Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_19); Kumārikākhaṇḍa 16.19; Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_20); Kumārikākhaṇḍa 16.20; Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_21); Kumārikākhaṇḍa 16.21; Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_22); Kumārikākhaṇḍa 16.22 — Q05 Textband 2: Druck S. 180; PDF S. 774.
- Kumārikākhaṇḍa 16: unnummerierte Rede (utterance_before_23); Kumārikākhaṇḍa 16.23; Kumārikākhaṇḍa 16: Abschnittskolophon (section_colophon_after_23); Kumārikākhaṇḍa 16: Sprecherzeile (speaker_before_24); Kumārikākhaṇḍa 16.24; Kumārikākhaṇḍa 16.25; Kumārikākhaṇḍa 16.26; Kumārikākhaṇḍa 16.27; Kumārikākhaṇḍa 16: Sprecherzeile (speaker_before_28); Kumārikākhaṇḍa 16.28; Kumārikākhaṇḍa 16.29 — Q05 Textband 2: Druck S. 182; PDF S. 776.
- Kumārikākhaṇḍa 16.30; Kumārikākhaṇḍa 16.31; Kumārikākhaṇḍa 16.32; Kumārikākhaṇḍa 16.33; Kumārikākhaṇḍa 16.34; Kumārikākhaṇḍa 16.35; Kumārikākhaṇḍa 16.36; Kumārikākhaṇḍa 16.37; Kumārikākhaṇḍa 16.38 — Q05 Textband 2: Druck S. 184; PDF S. 778.
- Kumārikākhaṇḍa 16.39 — Q05 Textband 2: Druck S. 184,186; PDF S. [778, 780].
- Kumārikākhaṇḍa 16.40; Kumārikākhaṇḍa 16.41; Kumārikākhaṇḍa 16.42; Kumārikākhaṇḍa 16.43; Kumārikākhaṇḍa 16.44; Kumārikākhaṇḍa 16.45; Kumārikākhaṇḍa 16.46; Kumārikākhaṇḍa 16.47; Kumārikākhaṇḍa 16.48 — Q05 Textband 2: Druck S. 186; PDF S. 780.
- Kumārikākhaṇḍa 16.49 — Q05 Textband 2: Druck S. 186,188; PDF S. [780, 782].
- Kumārikākhaṇḍa 16.50; Kumārikākhaṇḍa 16.51; Kumārikākhaṇḍa 16.52; Kumārikākhaṇḍa 16.53; Kumārikākhaṇḍa 16.54; Kumārikākhaṇḍa 16.55; Kumārikākhaṇḍa 16.56; Kumārikākhaṇḍa 16.57; Kumārikākhaṇḍa 16.58 — Q05 Textband 2: Druck S. 188; PDF S. 782.
- Kumārikākhaṇḍa 16.59 — Q05 Textband 2: Druck S. 188,190; PDF S. [782, 784].
- Kumārikākhaṇḍa 16.60; Kumārikākhaṇḍa 16.61; Kumārikākhaṇḍa 16.62; Kumārikākhaṇḍa 16.63; Kumārikākhaṇḍa 16.64; Kumārikākhaṇḍa 16.65; Kumārikākhaṇḍa 16.66; Kumārikākhaṇḍa 16.67; Kumārikākhaṇḍa 16.68 — Q05 Textband 2: Druck S. 190; PDF S. 784.
- Kumārikākhaṇḍa 16.69 — Q05 Textband 2: Druck S. 190,192; PDF S. [784, 786].
- Kumārikākhaṇḍa 16.70; Kumārikākhaṇḍa 16.71; Kumārikākhaṇḍa 16.72; Kumārikākhaṇḍa 16.73; Kumārikākhaṇḍa 16.74; Kumārikākhaṇḍa 16.75; Kumārikākhaṇḍa 16.76; Kumārikākhaṇḍa 16.77 — Q05 Textband 2: Druck S. 192; PDF S. 786.
- Kumārikākhaṇḍa 16.78 — Q05 Textband 2: Druck S. 192,194; PDF S. [786, 788].
- Kumārikākhaṇḍa 16.79; Kumārikākhaṇḍa 16.80; Kumārikākhaṇḍa 16.81; Kumārikākhaṇḍa 16.82; Kumārikākhaṇḍa 16.83; Kumārikākhaṇḍa 16.84; Kumārikākhaṇḍa 16.85; Kumārikākhaṇḍa 16.86 — Q05 Textband 2: Druck S. 194; PDF S. 788.
- Kumārikākhaṇḍa 16.87 — Q05 Textband 2: Druck S. 194,196; PDF S. [788, 790].
- Kumārikākhaṇḍa 16.88; Kumārikākhaṇḍa 16.89; Kumārikākhaṇḍa 16.90; Kumārikākhaṇḍa 16.91; Kumārikākhaṇḍa 16.92; Kumārikākhaṇḍa 16.93; Kumārikākhaṇḍa 16.94; Kumārikākhaṇḍa 16.95; Kumārikākhaṇḍa 16.96 — Q05 Textband 2: Druck S. 196; PDF S. 790.
- Kumārikākhaṇḍa 16.97; Kumārikākhaṇḍa 16.98; Kumārikākhaṇḍa 16.99; Kumārikākhaṇḍa 16.100; Kumārikākhaṇḍa 16.101; Kumārikākhaṇḍa 16.102; Kumārikākhaṇḍa 16.103; Kumārikākhaṇḍa 16.104; Kumārikākhaṇḍa 16.105; Kumārikākhaṇḍa 16.106; Kumārikākhaṇḍa 16.107 — Q05 Textband 2: Druck S. 198; PDF S. 792.
- Kumārikākhaṇḍa 16.108 — Q05 Textband 2: Druck S. 198,200; PDF S. [792, 794].
- Kumārikākhaṇḍa 16: Sprecherzeile (speaker_within_109_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 16.109; Kumārikākhaṇḍa 16.110; Kumārikākhaṇḍa 16: Sprecherzeile (speaker_before_111); Kumārikākhaṇḍa 16.111; Kumārikākhaṇḍa 16.112; Kumārikākhaṇḍa 16.113; Kumārikākhaṇḍa 16.114; Kumārikākhaṇḍa 16.115 — Q05 Textband 2: Druck S. 200; PDF S. 794.
- Kumārikākhaṇḍa 16.116 — Q05 Textband 2: Druck S. 200,202; PDF S. [794, 796].
- Kumārikākhaṇḍa 16.117; Kumārikākhaṇḍa 16.118; Kumārikākhaṇḍa 16.119; Kumārikākhaṇḍa 16.120; Kumārikākhaṇḍa 16.121; Kumārikākhaṇḍa 16.122; Kumārikākhaṇḍa 16.123; Kumārikākhaṇḍa 16.124; Kumārikākhaṇḍa 16.125; Kumārikākhaṇḍa 16.126 — Q05 Textband 2: Druck S. 202; PDF S. 796.
- Kumārikākhaṇḍa 16.127; Kumārikākhaṇḍa 16.128; Kumārikākhaṇḍa 16.129; Kumārikākhaṇḍa 16.130; Kumārikākhaṇḍa 16.131; Kumārikākhaṇḍa 16.132; Kumārikākhaṇḍa 16.133; Kumārikākhaṇḍa 16.134; Kumārikākhaṇḍa 16.135; Kumārikākhaṇḍa 16.136 — Q05 Textband 2: Druck S. 204; PDF S. 798.
- Kumārikākhaṇḍa 16.137 — Q05 Textband 2: Druck S. 204,206; PDF S. [798, 800].
- Kumārikākhaṇḍa 16.138; Kumārikākhaṇḍa 16: Kolophon (colophon) — Q05 Textband 2: Druck S. 206; PDF S. 800.
- Kumārikākhaṇḍa 17: Eingangsverehrung (invocation_1); Kumārikākhaṇḍa 17: Eingangsverehrung (invocation_2); Kumārikākhaṇḍa 17: Kapitelkopf (volume_title); Kumārikākhaṇḍa 17: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 17: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 17.1; Kumārikākhaṇḍa 17.2; Kumārikākhaṇḍa 17.3; Kumārikākhaṇḍa 17.4; Kumārikākhaṇḍa 17.5; Kumārikākhaṇḍa 17.6; Kumārikākhaṇḍa 17.7 — Q05 Textband 3: Druck S. 2; PDF S. 1260.
- Kumārikākhaṇḍa 17: Sprecherzeile (speaker_before_8); Kumārikākhaṇḍa 17.8; Kumārikākhaṇḍa 17.9; Kumārikākhaṇḍa 17.10; Kumārikākhaṇḍa 17.11; Kumārikākhaṇḍa 17.12; Kumārikākhaṇḍa 17: Sprecherzeile (speaker_before_13); Kumārikākhaṇḍa 17.13; Kumārikākhaṇḍa 17.14; Kumārikākhaṇḍa 17.15 — Q05 Textband 3: Druck S. 4; PDF S. 1262.
- Kumārikākhaṇḍa 17.16; Kumārikākhaṇḍa 17.17; Kumārikākhaṇḍa 17.18; Kumārikākhaṇḍa 17.19; Kumārikākhaṇḍa 17.20; Kumārikākhaṇḍa 17.21; Kumārikākhaṇḍa 17.22; Kumārikākhaṇḍa 17.23; Kumārikākhaṇḍa 17.24; Kumārikākhaṇḍa 17.25 — Q05 Textband 3: Druck S. 6; PDF S. 1264.
- Kumārikākhaṇḍa 17.26; Kumārikākhaṇḍa 17.27; Kumārikākhaṇḍa 17.28; Kumārikākhaṇḍa 17.29; Kumārikākhaṇḍa 17.30; Kumārikākhaṇḍa 17.31; Kumārikākhaṇḍa 17.32; Kumārikākhaṇḍa 17.33 — Q05 Textband 3: Druck S. 8; PDF S. 1266.
- Kumārikākhaṇḍa 17.34; Kumārikākhaṇḍa 17.35; Kumārikākhaṇḍa 17.36; Kumārikākhaṇḍa 17.37; Kumārikākhaṇḍa 17.38; Kumārikākhaṇḍa 17.39; Kumārikākhaṇḍa 17.40 — Q05 Textband 3: Druck S. 10; PDF S. 1268.
- Kumārikākhaṇḍa 17.41; Kumārikākhaṇḍa 17.42; Kumārikākhaṇḍa 17.43; Kumārikākhaṇḍa 17.44; Kumārikākhaṇḍa 17.45; Kumārikākhaṇḍa 17.46; Kumārikākhaṇḍa 17.47; Kumārikākhaṇḍa 17.48 — Q05 Textband 3: Druck S. 12; PDF S. 1270.
- Kumārikākhaṇḍa 17.49; Kumārikākhaṇḍa 17.50; Kumārikākhaṇḍa 17.51; Kumārikākhaṇḍa 17.52; Kumārikākhaṇḍa 17.53; Kumārikākhaṇḍa 17.54; Kumārikākhaṇḍa 17.55; Kumārikākhaṇḍa 17.56 — Q05 Textband 3: Druck S. 14; PDF S. 1272.
- Kumārikākhaṇḍa 17: Kolophon (colophon) — Q05 Textband 3: Druck S. 16; PDF S. 1274.
- Kumārikākhaṇḍa 18: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 18: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 18.1; Kumārikākhaṇḍa 18.2; Kumārikākhaṇḍa 18.3; Kumārikākhaṇḍa 18.4; Kumārikākhaṇḍa 18: Sprecherzeile (speaker_before_5); Kumārikākhaṇḍa 18.5; Kumārikākhaṇḍa 18.6; Kumārikākhaṇḍa 18.7; Kumārikākhaṇḍa 18.8 — Q05 Textband 3: Druck S. 18; PDF S. 1276.
- Kumārikākhaṇḍa 18.9 — Q05 Textband 3: Druck S. 18,20; PDF S. [1276, 1278].
- Kumārikākhaṇḍa 18.10; Kumārikākhaṇḍa 18.11; Kumārikākhaṇḍa 18.12; Kumārikākhaṇḍa 18.13; Kumārikākhaṇḍa 18.14; Kumārikākhaṇḍa 18.15; Kumārikākhaṇḍa 18.16; Kumārikākhaṇḍa 18: Sprecherzeile (speaker_within_17_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 18.17 — Q05 Textband 3: Druck S. 20; PDF S. 1278.
- Kumārikākhaṇḍa 18: Sprecherzeile (speaker_within_18_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 18.19; Kumārikākhaṇḍa 18.20; Kumārikākhaṇḍa 18.21; Kumārikākhaṇḍa 18.22; Kumārikākhaṇḍa 18.23; Kumārikākhaṇḍa 18.24; Kumārikākhaṇḍa 18.25; Kumārikākhaṇḍa 18.26; Kumārikākhaṇḍa 18.27 — Q05 Textband 3: Druck S. 22; PDF S. 1280.
- Kumārikākhaṇḍa 18.18 — Q05 Textband 3: Druck S. 20,22; PDF S. [1278, 1280].
- Kumārikākhaṇḍa 18.28; Kumārikākhaṇḍa 18.29; Kumārikākhaṇḍa 18.30; Kumārikākhaṇḍa 18.31; Kumārikākhaṇḍa 18.32; Kumārikākhaṇḍa 18.33; Kumārikākhaṇḍa 18.34; Kumārikākhaṇḍa 18.35; Kumārikākhaṇḍa 18.36 — Q05 Textband 3: Druck S. 24; PDF S. 1282.
- Kumārikākhaṇḍa 18.37; Kumārikākhaṇḍa 18.38; Kumārikākhaṇḍa 18.39; Kumārikākhaṇḍa 18.40; Kumārikākhaṇḍa 18.41; Kumārikākhaṇḍa 18.42; Kumārikākhaṇḍa 18.43; Kumārikākhaṇḍa 18.44; Kumārikākhaṇḍa 18.45 — Q05 Textband 3: Druck S. 26; PDF S. 1284.
- Kumārikākhaṇḍa 18.46; Kumārikākhaṇḍa 18.47; Kumārikākhaṇḍa 18.48; Kumārikākhaṇḍa 18.49; Kumārikākhaṇḍa 18.50; Kumārikākhaṇḍa 18.51; Kumārikākhaṇḍa 18.52; Kumārikākhaṇḍa 18.53; Kumārikākhaṇḍa 18.54; Kumārikākhaṇḍa 18.55 — Q05 Textband 3: Druck S. 28; PDF S. 1286.
- Kumārikākhaṇḍa 18.56; Kumārikākhaṇḍa 18.57; Kumārikākhaṇḍa 18.58; Kumārikākhaṇḍa 18.59; Kumārikākhaṇḍa 18.60; Kumārikākhaṇḍa 18.61; Kumārikākhaṇḍa 18.62; Kumārikākhaṇḍa 18.63; Kumārikākhaṇḍa 18.64; Kumārikākhaṇḍa 18.65; Kumārikākhaṇḍa 18.66 — Q05 Textband 3: Druck S. 30; PDF S. 1288.
- Kumārikākhaṇḍa 18.67; Kumārikākhaṇḍa 18.68; Kumārikākhaṇḍa 18.69; Kumārikākhaṇḍa 18.70; Kumārikākhaṇḍa 18.71; Kumārikākhaṇḍa 18.72; Kumārikākhaṇḍa 18.73; Kumārikākhaṇḍa 18: Sprecherzeile (speaker_within_74_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 18.74; Kumārikākhaṇḍa 18.75; Kumārikākhaṇḍa 18.76 — Q05 Textband 3: Druck S. 32; PDF S. 1290.
- Kumārikākhaṇḍa 18.77; Kumārikākhaṇḍa 18: Sprecherzeile (speaker_before_78); Kumārikākhaṇḍa 18.78; Kumārikākhaṇḍa 18.79; Kumārikākhaṇḍa 18.80; Kumārikākhaṇḍa 18.81; Kumārikākhaṇḍa 18.82; Kumārikākhaṇḍa 18.83; Kumārikākhaṇḍa 18.84; Kumārikākhaṇḍa 18.85; Kumārikākhaṇḍa 18.86 — Q05 Textband 3: Druck S. 34; PDF S. 1292.
- Kumārikākhaṇḍa 18.87; Kumārikākhaṇḍa 18.88; Kumārikākhaṇḍa 18.89; Kumārikākhaṇḍa 18.90; Kumārikākhaṇḍa 18.91; Kumārikākhaṇḍa 18.92; Kumārikākhaṇḍa 18.93; Kumārikākhaṇḍa 18.94; Kumārikākhaṇḍa 18.95; Kumārikākhaṇḍa 18.96 — Q05 Textband 3: Druck S. 36; PDF S. 1294.
- Kumārikākhaṇḍa 18.97; Kumārikākhaṇḍa 18.98; Kumārikākhaṇḍa 18.99; Kumārikākhaṇḍa 18.100; Kumārikākhaṇḍa 18.101; Kumārikākhaṇḍa 18.102; Kumārikākhaṇḍa 18.103; Kumārikākhaṇḍa 18.104; Kumārikākhaṇḍa 18.105; Kumārikākhaṇḍa 18.106 — Q05 Textband 3: Druck S. 38; PDF S. 1296.
- Kumārikākhaṇḍa 18.107 — Q05 Textband 3: Druck S. 38,40; PDF S. [1296, 1298].
- Kumārikākhaṇḍa 18.108; Kumārikākhaṇḍa 18.109; Kumārikākhaṇḍa 18.110; Kumārikākhaṇḍa 18.111; Kumārikākhaṇḍa 18.112; Kumārikākhaṇḍa 18.113; Kumārikākhaṇḍa 18: unnummerierter Halbvers (half_after_113); Kumārikākhaṇḍa 18: Kolophon (colophon) — Q05 Textband 3: Druck S. 40; PDF S. 1298.
- Kumārikākhaṇḍa 19: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 19: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 19.1; Kumārikākhaṇḍa 19.2; Kumārikākhaṇḍa 19.3; Kumārikākhaṇḍa 19.4; Kumārikākhaṇḍa 19.5; Kumārikākhaṇḍa 19.6; Kumārikākhaṇḍa 19.7; Kumārikākhaṇḍa 19.8 — Q05 Textband 3: Druck S. 42; PDF S. 1300.
- Kumārikākhaṇḍa 19.9; Kumārikākhaṇḍa 19.10; Kumārikākhaṇḍa 19.11; Kumārikākhaṇḍa 19.12; Kumārikākhaṇḍa 19.13; Kumārikākhaṇḍa 19.14; Kumārikākhaṇḍa 19.15; Kumārikākhaṇḍa 19.16; Kumārikākhaṇḍa 19.17 — Q05 Textband 3: Druck S. 44; PDF S. 1302.
- Kumārikākhaṇḍa 19.18; Kumārikākhaṇḍa 19.19; Kumārikākhaṇḍa 19.20; Kumārikākhaṇḍa 19.21; Kumārikākhaṇḍa 19.22; Kumārikākhaṇḍa 19.23; Kumārikākhaṇḍa 19.24; Kumārikākhaṇḍa 19.25; Kumārikākhaṇḍa 19.26 — Q05 Textband 3: Druck S. 46; PDF S. 1304.
- Kumārikākhaṇḍa 19.27; Kumārikākhaṇḍa 19.28; Kumārikākhaṇḍa 19.29; Kumārikākhaṇḍa 19.30; Kumārikākhaṇḍa 19.31; Kumārikākhaṇḍa 19.32; Kumārikākhaṇḍa 19.33; Kumārikākhaṇḍa 19.34; Kumārikākhaṇḍa 19.35 — Q05 Textband 3: Druck S. 48; PDF S. 1306.
- Kumārikākhaṇḍa 19.36; Kumārikākhaṇḍa 19.37; Kumārikākhaṇḍa 19.38; Kumārikākhaṇḍa 19.39; Kumārikākhaṇḍa 19.40; Kumārikākhaṇḍa 19.41; Kumārikākhaṇḍa 19.42; Kumārikākhaṇḍa 19.43; Kumārikākhaṇḍa 19.44; Kumārikākhaṇḍa 19.45; Kumārikākhaṇḍa 19.46 — Q05 Textband 3: Druck S. 50; PDF S. 1308.
- Kumārikākhaṇḍa 19.47; Kumārikākhaṇḍa 19.48; Kumārikākhaṇḍa 19.49; Kumārikākhaṇḍa 19.50; Kumārikākhaṇḍa 19.51; Kumārikākhaṇḍa 19.52; Kumārikākhaṇḍa 19.53; Kumārikākhaṇḍa 19.54; Kumārikākhaṇḍa 19.55 — Q05 Textband 3: Druck S. 52; PDF S. 1310.
- Kumārikākhaṇḍa 19.56; Kumārikākhaṇḍa 19.57; Kumārikākhaṇḍa 19.58; Kumārikākhaṇḍa 19.59; Kumārikākhaṇḍa 19.60; Kumārikākhaṇḍa 19.61; Kumārikākhaṇḍa 19.62; Kumārikākhaṇḍa 19.63; Kumārikākhaṇḍa 19.64; Kumārikākhaṇḍa 19.65 — Q05 Textband 3: Druck S. 54; PDF S. 1312.
- Kumārikākhaṇḍa 19.66; Kumārikākhaṇḍa 19.67; Kumārikākhaṇḍa 19.68; Kumārikākhaṇḍa 19.69; Kumārikākhaṇḍa 19.70; Kumārikākhaṇḍa 19.71; Kumārikākhaṇḍa 19.72; Kumārikākhaṇḍa 19.73; Kumārikākhaṇḍa 19.74; Kumārikākhaṇḍa 19.75 — Q05 Textband 3: Druck S. 56; PDF S. 1314.
- Kumārikākhaṇḍa 19.76; Kumārikākhaṇḍa 19.77; Kumārikākhaṇḍa 19.78; Kumārikākhaṇḍa 19.79; Kumārikākhaṇḍa 19.80; Kumārikākhaṇḍa 19.81; Kumārikākhaṇḍa 19.82; Kumārikākhaṇḍa 19.83; Kumārikākhaṇḍa 19.84; Kumārikākhaṇḍa 19.85; Kumārikākhaṇḍa 19.86; Kumārikākhaṇḍa 19.87 — Q05 Textband 3: Druck S. 58; PDF S. 1316.
- Kumārikākhaṇḍa 19.88; Kumārikākhaṇḍa 19.89; Kumārikākhaṇḍa 19.90; Kumārikākhaṇḍa 19.91; Kumārikākhaṇḍa 19.92; Kumārikākhaṇḍa 19.93; Kumārikākhaṇḍa 19.94; Kumārikākhaṇḍa 19.95; Kumārikākhaṇḍa 19: unnummerierter Halbvers (half_after_95) — Q05 Textband 3: Druck S. 60; PDF S. 1318.
- Kumārikākhaṇḍa 19: Kolophon (colophon) — Q05 Textband 3: Druck S. 62; PDF S. 1320.
- Kumārikākhaṇḍa 20: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 20: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 20.1; Kumārikākhaṇḍa 20: Sprecherzeile (speaker_before_2); Kumārikākhaṇḍa 20.2; Kumārikākhaṇḍa 20.3; Kumārikākhaṇḍa 20.4; Kumārikākhaṇḍa 20.5; Kumārikākhaṇḍa 20.6; Kumārikākhaṇḍa 20.7 — Q05 Textband 3: Druck S. 64; PDF S. 1322.
- Kumārikākhaṇḍa 20.8; Kumārikākhaṇḍa 20.9; Kumārikākhaṇḍa 20.10; Kumārikākhaṇḍa 20.11; Kumārikākhaṇḍa 20.12; Kumārikākhaṇḍa 20.13; Kumārikākhaṇḍa 20.14 — Q05 Textband 3: Druck S. 66; PDF S. 1324.
- Kumārikākhaṇḍa 20.15 — Q05 Textband 3: Druck S. 66,68; PDF S. [1324, 1326].
- Kumārikākhaṇḍa 20.16; Kumārikākhaṇḍa 20.17; Kumārikākhaṇḍa 20.18; Kumārikākhaṇḍa 20.19; Kumārikākhaṇḍa 20.20; Kumārikākhaṇḍa 20.21; Kumārikākhaṇḍa 20.22; Kumārikākhaṇḍa 20.23 — Q05 Textband 3: Druck S. 68; PDF S. 1326.
- Kumārikākhaṇḍa 20.24; Kumārikākhaṇḍa 20.25; Kumārikākhaṇḍa 20.26; Kumārikākhaṇḍa 20.27; Kumārikākhaṇḍa 20.28; Kumārikākhaṇḍa 20.29; Kumārikākhaṇḍa 20.30; Kumārikākhaṇḍa 20.31; Kumārikākhaṇḍa 20.32; Kumārikākhaṇḍa 20: Kolophon (colophon) — Q05 Textband 3: Druck S. 70; PDF S. 1328.
- Kumārikākhaṇḍa 21: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 21: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 21.1; Kumārikākhaṇḍa 21.2; Kumārikākhaṇḍa 21.3; Kumārikākhaṇḍa 21.4; Kumārikākhaṇḍa 21.5; Kumārikākhaṇḍa 21.6; Kumārikākhaṇḍa 21.7; Kumārikākhaṇḍa 21.8; Kumārikākhaṇḍa 21.9 — Q05 Textband 3: Druck S. 72; PDF S. 1330.
- Kumārikākhaṇḍa 21.10 — Q05 Textband 3: Druck S. 72,74; PDF S. [1330, 1332].
- Kumārikākhaṇḍa 21.11; Kumārikākhaṇḍa 21.12; Kumārikākhaṇḍa 21.13; Kumārikākhaṇḍa 21.14; Kumārikākhaṇḍa 21.15; Kumārikākhaṇḍa 21.16; Kumārikākhaṇḍa 21.17; Kumārikākhaṇḍa 21.18 — Q05 Textband 3: Druck S. 74; PDF S. 1332.
- Kumārikākhaṇḍa 21.19 — Q05 Textband 3: Druck S. 74,76; PDF S. [1332, 1334].
- Kumārikākhaṇḍa 21.20; Kumārikākhaṇḍa 21.21; Kumārikākhaṇḍa 21.22; Kumārikākhaṇḍa 21.23; Kumārikākhaṇḍa 21.24; Kumārikākhaṇḍa 21.25; Kumārikākhaṇḍa 21.26; Kumārikākhaṇḍa 21.27; Kumārikākhaṇḍa 21.28 — Q05 Textband 3: Druck S. 76; PDF S. 1334.
- Kumārikākhaṇḍa 21.29; Kumārikākhaṇḍa 21.30; Kumārikākhaṇḍa 21.31; Kumārikākhaṇḍa 21.32; Kumārikākhaṇḍa 21.33; Kumārikākhaṇḍa 21.34; Kumārikākhaṇḍa 21.35; Kumārikākhaṇḍa 21.36; Kumārikākhaṇḍa 21.37; Kumārikākhaṇḍa 21.38 — Q05 Textband 3: Druck S. 78; PDF S. 1336.
- Kumārikākhaṇḍa 21.39; Kumārikākhaṇḍa 21.40; Kumārikākhaṇḍa 21.41; Kumārikākhaṇḍa 21.42; Kumārikākhaṇḍa 21.43; Kumārikākhaṇḍa 21.44; Kumārikākhaṇḍa 21.45; Kumārikākhaṇḍa 21.46; Kumārikākhaṇḍa 21.47; Kumārikākhaṇḍa 21.48 — Q05 Textband 3: Druck S. 80; PDF S. 1338.
- Kumārikākhaṇḍa 21.49; Kumārikākhaṇḍa 21.50; Kumārikākhaṇḍa 21.51; Kumārikākhaṇḍa 21: unnummerierter Halbvers (half_after_51); Kumārikākhaṇḍa 21: Kolophon (colophon) — Q05 Textband 3: Druck S. 82; PDF S. 1340.
- Kumārikākhaṇḍa 22: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 22: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 22.1; Kumārikākhaṇḍa 22.2; Kumārikākhaṇḍa 22.3; Kumārikākhaṇḍa 22.4; Kumārikākhaṇḍa 22.5; Kumārikākhaṇḍa 22.6; Kumārikākhaṇḍa 22.7; Kumārikākhaṇḍa 22.8; Kumārikākhaṇḍa 22.9; Kumārikākhaṇḍa 22.10 — Q05 Textband 3: Druck S. 84; PDF S. 1342.
- Kumārikākhaṇḍa 22.11; Kumārikākhaṇḍa 22.12; Kumārikākhaṇḍa 22.13; Kumārikākhaṇḍa 22.14; Kumārikākhaṇḍa 22.15; Kumārikākhaṇḍa 22.16; Kumārikākhaṇḍa 22.17; Kumārikākhaṇḍa 22.18; Kumārikākhaṇḍa 22.19; Kumārikākhaṇḍa 22.20 — Q05 Textband 3: Druck S. 86; PDF S. 1344.
- Kumārikākhaṇḍa 22.21; Kumārikākhaṇḍa 22.22; Kumārikākhaṇḍa 22.23; Kumārikākhaṇḍa 22.24; Kumārikākhaṇḍa 22.25; Kumārikākhaṇḍa 22.26; Kumārikākhaṇḍa 22.27; Kumārikākhaṇḍa 22.28; Kumārikākhaṇḍa 22.29; Kumārikākhaṇḍa 22: Kolophon (colophon) — Q05 Textband 3: Druck S. 88; PDF S. 1346.
- Kumārikākhaṇḍa 23: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 23: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 23.1; Kumārikākhaṇḍa 23.2; Kumārikākhaṇḍa 23.3; Kumārikākhaṇḍa 23.4; Kumārikākhaṇḍa 23.5; Kumārikākhaṇḍa 23.6; Kumārikākhaṇḍa 23.7; Kumārikākhaṇḍa 23.8; Kumārikākhaṇḍa 23.9; Kumārikākhaṇḍa 23.10; Kumārikākhaṇḍa 23.11 — Q05 Textband 3: Druck S. 90; PDF S. 1348.
- Kumārikākhaṇḍa 23.12; Kumārikākhaṇḍa 23.13; Kumārikākhaṇḍa 23.14; Kumārikākhaṇḍa 23.15; Kumārikākhaṇḍa 23.16; Kumārikākhaṇḍa 23.17; Kumārikākhaṇḍa 23.18; Kumārikākhaṇḍa 23.19; Kumārikākhaṇḍa 23.20; Kumārikākhaṇḍa 23: Sprecherzeile (speaker_before_21); Kumārikākhaṇḍa 23.21 — Q05 Textband 3: Druck S. 92; PDF S. 1350.
- Kumārikākhaṇḍa 23.22; Kumārikākhaṇḍa 23.23; Kumārikākhaṇḍa 23.24; Kumārikākhaṇḍa 23.25; Kumārikākhaṇḍa 23.26; Kumārikākhaṇḍa 23.27; Kumārikākhaṇḍa 23.28; Kumārikākhaṇḍa 23.29; Kumārikākhaṇḍa 23.30; Kumārikākhaṇḍa 23.31; Kumārikākhaṇḍa 23.32 — Q05 Textband 3: Druck S. 94; PDF S. 1352.
- Kumārikākhaṇḍa 23.33; Kumārikākhaṇḍa 23.34; Kumārikākhaṇḍa 23.35; Kumārikākhaṇḍa 23.36; Kumārikākhaṇḍa 23.37; Kumārikākhaṇḍa 23.38; Kumārikākhaṇḍa 23.39; Kumārikākhaṇḍa 23.40; Kumārikākhaṇḍa 23.41; Kumārikākhaṇḍa 23.42 — Q05 Textband 3: Druck S. 96; PDF S. 1354.
- Kumārikākhaṇḍa 23.43; Kumārikākhaṇḍa 23.44; Kumārikākhaṇḍa 23.45; Kumārikākhaṇḍa 23.46; Kumārikākhaṇḍa 23.47; Kumārikākhaṇḍa 23.48; Kumārikākhaṇḍa 23.49; Kumārikākhaṇḍa 23.50; Kumārikākhaṇḍa 23.51; Kumārikākhaṇḍa 23.52 — Q05 Textband 3: Druck S. 98; PDF S. 1356.
- Kumārikākhaṇḍa 23.53; Kumārikākhaṇḍa 23.54; Kumārikākhaṇḍa 23.55; Kumārikākhaṇḍa 23.56; Kumārikākhaṇḍa 23.57; Kumārikākhaṇḍa 23.58; Kumārikākhaṇḍa 23.59; Kumārikākhaṇḍa 23.60; Kumārikākhaṇḍa 23.61; Kumārikākhaṇḍa 23.62 — Q05 Textband 3: Druck S. 100; PDF S. 1358.
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- Kumārikākhaṇḍa 24: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 24: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 24.1; Kumārikākhaṇḍa 24: Sprecherzeile (speaker_within_2_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 24.2; Kumārikākhaṇḍa 24.3; Kumārikākhaṇḍa 24.4; Kumārikākhaṇḍa 24.5; Kumārikākhaṇḍa 24.6; Kumārikākhaṇḍa 24.7; Kumārikākhaṇḍa 24.8; Kumārikākhaṇḍa 24.9 — Q05 Textband 3: Druck S. 104; PDF S. 1362.
- Kumārikākhaṇḍa 24.10; Kumārikākhaṇḍa 24.11; Kumārikākhaṇḍa 24.12; Kumārikākhaṇḍa 24.13; Kumārikākhaṇḍa 24.14; Kumārikākhaṇḍa 24.15; Kumārikākhaṇḍa 24.16; Kumārikākhaṇḍa 24.17; Kumārikākhaṇḍa 24.18; Kumārikākhaṇḍa 24.19 — Q05 Textband 3: Druck S. 106; PDF S. 1364.
- Kumārikākhaṇḍa 24.20; Kumārikākhaṇḍa 24.21; Kumārikākhaṇḍa 24.22; Kumārikākhaṇḍa 24.23; Kumārikākhaṇḍa 24.24; Kumārikākhaṇḍa 24.25; Kumārikākhaṇḍa 24.26; Kumārikākhaṇḍa 24.27; Kumārikākhaṇḍa 24.28 — Q05 Textband 3: Druck S. 108; PDF S. 1366.
- Kumārikākhaṇḍa 24.29; Kumārikākhaṇḍa 24: Sprecherzeile (speaker_before_30); Kumārikākhaṇḍa 24.30; Kumārikākhaṇḍa 24: Sprecherzeile (speaker_before_31); Kumārikākhaṇḍa 24.31; Kumārikākhaṇḍa 24.32; Kumārikākhaṇḍa 24.33; Kumārikākhaṇḍa 24.34; Kumārikākhaṇḍa 24.35; Kumārikākhaṇḍa 24.36; Kumārikākhaṇḍa 24.37 — Q05 Textband 3: Druck S. 110; PDF S. 1368.
- Kumārikākhaṇḍa 24.38; Kumārikākhaṇḍa 24.39; Kumārikākhaṇḍa 24.40; Kumārikākhaṇḍa 24.41; Kumārikākhaṇḍa 24.42; Kumārikākhaṇḍa 24.43; Kumārikākhaṇḍa 24.44; Kumārikākhaṇḍa 24.45; Kumārikākhaṇḍa 24.46; Kumārikākhaṇḍa 24.47; Kumārikākhaṇḍa 24.48 — Q05 Textband 3: Druck S. 112; PDF S. 1370.
- Kumārikākhaṇḍa 24.49; Kumārikākhaṇḍa 24.50; Kumārikākhaṇḍa 24.51; Kumārikākhaṇḍa 24.52; Kumārikākhaṇḍa 24.53; Kumārikākhaṇḍa 24.54; Kumārikākhaṇḍa 24.55; Kumārikākhaṇḍa 24.56; Kumārikākhaṇḍa 24.57; Kumārikākhaṇḍa 24.58 — Q05 Textband 3: Druck S. 114; PDF S. 1372.
- Kumārikākhaṇḍa 24.59; Kumārikākhaṇḍa 24.60; Kumārikākhaṇḍa 24.61; Kumārikākhaṇḍa 24.62; Kumārikākhaṇḍa 24.63; Kumārikākhaṇḍa 24.64; Kumārikākhaṇḍa 24.65; Kumārikākhaṇḍa 24: Sprecherzeile (speaker_within_66_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 24.66 — Q05 Textband 3: Druck S. 116; PDF S. 1374.
- Kumārikākhaṇḍa 24.67 — Q05 Textband 3: Druck S. 116,118; PDF S. [1374, 1376].
- Kumārikākhaṇḍa 24.68; Kumārikākhaṇḍa 24.69; Kumārikākhaṇḍa 24.70; Kumārikākhaṇḍa 24.71; Kumārikākhaṇḍa 24.72; Kumārikākhaṇḍa 24.73; Kumārikākhaṇḍa 24.74; Kumārikākhaṇḍa 24.75; Kumārikākhaṇḍa 24.76; Kumārikākhaṇḍa 24.77; Kumārikākhaṇḍa 24.78; Kumārikākhaṇḍa 24.79 — Q05 Textband 3: Druck S. 118; PDF S. 1376.
- Kumārikākhaṇḍa 24.80 — Q05 Textband 3: Druck S. 118,120; PDF S. [1376, 1378].
- Kumārikākhaṇḍa 24.81; Kumārikākhaṇḍa 24.82; Kumārikākhaṇḍa 24.83; Kumārikākhaṇḍa 24.84; Kumārikākhaṇḍa 24.85; Kumārikākhaṇḍa 24.86; Kumārikākhaṇḍa 24.87; Kumārikākhaṇḍa 24.88; Kumārikākhaṇḍa 24.89 — Q05 Textband 3: Druck S. 120; PDF S. 1378.
- Kumārikākhaṇḍa 24.90 — Q05 Textband 3: Druck S. 120,122; PDF S. [1378, 1380].
- Kumārikākhaṇḍa 24.91; Kumārikākhaṇḍa 24.92; Kumārikākhaṇḍa 24.93; Kumārikākhaṇḍa 24.94; Kumārikākhaṇḍa 24.95; Kumārikākhaṇḍa 24.96; Kumārikākhaṇḍa 24.97; Kumārikākhaṇḍa 24.98; Kumārikākhaṇḍa 24.99; Kumārikākhaṇḍa 24.100 — Q05 Textband 3: Druck S. 122; PDF S. 1380.
- Kumārikākhaṇḍa 24.101; Kumārikākhaṇḍa 24.102; Kumārikākhaṇḍa 24.103; Kumārikākhaṇḍa 24.104; Kumārikākhaṇḍa 24.105; Kumārikākhaṇḍa 24.106; Kumārikākhaṇḍa 24.107; Kumārikākhaṇḍa 24.108; Kumārikākhaṇḍa 24.109; Kumārikākhaṇḍa 24.110 — Q05 Textband 3: Druck S. 124; PDF S. 1382.
- Kumārikākhaṇḍa 24.111; Kumārikākhaṇḍa 24.112; Kumārikākhaṇḍa 24.113; Kumārikākhaṇḍa 24.114; Kumārikākhaṇḍa 24.115; Kumārikākhaṇḍa 24.116; Kumārikākhaṇḍa 24.117; Kumārikākhaṇḍa 24.118; Kumārikākhaṇḍa 24.119 — Q05 Textband 3: Druck S. 126; PDF S. 1384.
- Kumārikākhaṇḍa 24.120 — Q05 Textband 3: Druck S. 126,128; PDF S. [1384, 1386].
- Kumārikākhaṇḍa 24.121; Kumārikākhaṇḍa 24: unnummerierter Halbvers (half_after_121); Kumārikākhaṇḍa 24: Kolophon (colophon) — Q05 Textband 3: Druck S. 128; PDF S. 1386.
- Kumārikākhaṇḍa 25: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 25: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 25.1; Kumārikākhaṇḍa 25.2; Kumārikākhaṇḍa 25: Sprecherzeile (speaker_within_3_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 25.3; Kumārikākhaṇḍa 25.4; Kumārikākhaṇḍa 25.5; Kumārikākhaṇḍa 25.6; Kumārikākhaṇḍa 25.7; Kumārikākhaṇḍa 25.8 — Q05 Textband 3: Druck S. 130; PDF S. 1388.
- Kumārikākhaṇḍa 25.9 — Q05 Textband 3: Druck S. 130,132; PDF S. [1388, 1390].
- Kumārikākhaṇḍa 25.10; Kumārikākhaṇḍa 25.11; Kumārikākhaṇḍa 25.12; Kumārikākhaṇḍa 25.13; Kumārikākhaṇḍa 25.14; Kumārikākhaṇḍa 25.15; Kumārikākhaṇḍa 25.16; Kumārikākhaṇḍa 25.17; Kumārikākhaṇḍa 25.18; Kumārikākhaṇḍa 25.19; Kumārikākhaṇḍa 25.20 — Q05 Textband 3: Druck S. 132; PDF S. 1390.
- Kumārikākhaṇḍa 25.21; Kumārikākhaṇḍa 25.22; Kumārikākhaṇḍa 25.23; Kumārikākhaṇḍa 25.24; Kumārikākhaṇḍa 25.25; Kumārikākhaṇḍa 25.26; Kumārikākhaṇḍa 25.27; Kumārikākhaṇḍa 25.28; Kumārikākhaṇḍa 25.29; Kumārikākhaṇḍa 25.30; Kumārikākhaṇḍa 25.31; Kumārikākhaṇḍa 25.32 — Q05 Textband 3: Druck S. 134; PDF S. 1392.
- Kumārikākhaṇḍa 25.33; Kumārikākhaṇḍa 25.34; Kumārikākhaṇḍa 25.35; Kumārikākhaṇḍa 25.36; Kumārikākhaṇḍa 25.37; Kumārikākhaṇḍa 25.38; Kumārikākhaṇḍa 25.39; Kumārikākhaṇḍa 25.40; Kumārikākhaṇḍa 25.41; Kumārikākhaṇḍa 25.42; Kumārikākhaṇḍa 25.43; Kumārikākhaṇḍa 25.44 — Q05 Textband 3: Druck S. 136; PDF S. 1394.
- Kumārikākhaṇḍa 25.45 — Q05 Textband 3: Druck S. 136,138; PDF S. [1394, 1396].
- Kumārikākhaṇḍa 25.46; Kumārikākhaṇḍa 25.47; Kumārikākhaṇḍa 25.48; Kumārikākhaṇḍa 25.49; Kumārikākhaṇḍa 25.50; Kumārikākhaṇḍa 25.51; Kumārikākhaṇḍa 25.52; Kumārikākhaṇḍa 25.53; Kumārikākhaṇḍa 25.54; Kumārikākhaṇḍa 25.55; Kumārikākhaṇḍa 25.56; Kumārikākhaṇḍa 25: unnummerierter Halbvers (half_after_56) — Q05 Textband 3: Druck S. 138; PDF S. 1396.
- Kumārikākhaṇḍa 25: Kolophon (colophon) — Q05 Textband 3: Druck S. 140; PDF S. 1398.
- Kumārikākhaṇḍa 26: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 26: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 26.1; Kumārikākhaṇḍa 26: Sprecherzeile (speaker_before_2); Kumārikākhaṇḍa 26.2; Kumārikākhaṇḍa 26.3; Kumārikākhaṇḍa 26.4 — Q05 Textband 3: Druck S. 142; PDF S. 1400.
- Kumārikākhaṇḍa 26.5 — Q05 Textband 3: Druck S. 142,144; PDF S. [1400, 1402].
- Kumārikākhaṇḍa 26.6; Kumārikākhaṇḍa 26.7; Kumārikākhaṇḍa 26.8; Kumārikākhaṇḍa 26.9; Kumārikākhaṇḍa 26.10; Kumārikākhaṇḍa 26.11; Kumārikākhaṇḍa 26.12 — Q05 Textband 3: Druck S. 144; PDF S. 1402.
- Kumārikākhaṇḍa 26.13 — Q05 Textband 3: Druck S. 144,146; PDF S. [1402, 1404].
- Kumārikākhaṇḍa 26.14; Kumārikākhaṇḍa 26.15; Kumārikākhaṇḍa 26.16; Kumārikākhaṇḍa 26.17; Kumārikākhaṇḍa 26.18; Kumārikākhaṇḍa 26.19; Kumārikākhaṇḍa 26.20; Kumārikākhaṇḍa 26.21; Kumārikākhaṇḍa 26.22; Kumārikākhaṇḍa 26.23 — Q05 Textband 3: Druck S. 146; PDF S. 1404.
- Kumārikākhaṇḍa 26.24; Kumārikākhaṇḍa 26.25; Kumārikākhaṇḍa 26.26; Kumārikākhaṇḍa 26.27; Kumārikākhaṇḍa 26.28; Kumārikākhaṇḍa 26.29; Kumārikākhaṇḍa 26.30; Kumārikākhaṇḍa 26.31; Kumārikākhaṇḍa 26.32; Kumārikākhaṇḍa 26.33 — Q05 Textband 3: Druck S. 148; PDF S. 1406.
- Kumārikākhaṇḍa 26.34; Kumārikākhaṇḍa 26.35; Kumārikākhaṇḍa 26.36; Kumārikākhaṇḍa 26.37; Kumārikākhaṇḍa 26.38; Kumārikākhaṇḍa 26.39; Kumārikākhaṇḍa 26.40; Kumārikākhaṇḍa 26.41; Kumārikākhaṇḍa 26.42; Kumārikākhaṇḍa 26.43 — Q05 Textband 3: Druck S. 150; PDF S. 1408.
- Kumārikākhaṇḍa 26.44; Kumārikākhaṇḍa 26.45; Kumārikākhaṇḍa 26.46; Kumārikākhaṇḍa 26.47; Kumārikākhaṇḍa 26.48; Kumārikākhaṇḍa 26.49; Kumārikākhaṇḍa 26.50; Kumārikākhaṇḍa 26.51; Kumārikākhaṇḍa 26.52; Kumārikākhaṇḍa 26.53 — Q05 Textband 3: Druck S. 152; PDF S. 1410.
- Kumārikākhaṇḍa 26.54 — Q05 Textband 3: Druck S. 152,154; PDF S. [1410, 1412].
- Kumārikākhaṇḍa 26: Sprecherzeile (speaker_within_55_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 26.55; Kumārikākhaṇḍa 26.56; Kumārikākhaṇḍa 26.57; Kumārikākhaṇḍa 26.58; Kumārikākhaṇḍa 26.59; Kumārikākhaṇḍa 26.60; Kumārikākhaṇḍa 26.61; Kumārikākhaṇḍa 26.62; Kumārikākhaṇḍa 26.63 — Q05 Textband 3: Druck S. 154; PDF S. 1412.
- Kumārikākhaṇḍa 26.64; Kumārikākhaṇḍa 26.65; Kumārikākhaṇḍa 26.66; Kumārikākhaṇḍa 26.67; Kumārikākhaṇḍa 26.68; Kumārikākhaṇḍa 26.69; Kumārikākhaṇḍa 26.70; Kumārikākhaṇḍa 26.71; Kumārikākhaṇḍa 26.72 — Q05 Textband 3: Druck S. 156; PDF S. 1414.
- Kumārikākhaṇḍa 26.73; Kumārikākhaṇḍa 26.74; Kumārikākhaṇḍa 26.75; Kumārikākhaṇḍa 26.76; Kumārikākhaṇḍa 26.77; Kumārikākhaṇḍa 26.78; Kumārikākhaṇḍa 26.79; Kumārikākhaṇḍa 26.80; Kumārikākhaṇḍa 26.81 — Q05 Textband 3: Druck S. 158; PDF S. 1416.
- Kumārikākhaṇḍa 26.82; Kumārikākhaṇḍa 26.83; Kumārikākhaṇḍa 26.84; Kumārikākhaṇḍa 26.85; Kumārikākhaṇḍa 26.86; Kumārikākhaṇḍa 26.87; Kumārikākhaṇḍa 26.88; Kumārikākhaṇḍa 26.89; Kumārikākhaṇḍa 26.90; Kumārikākhaṇḍa 26.91 — Q05 Textband 3: Druck S. 160; PDF S. 1418.
- Kumārikākhaṇḍa 26.92 — Q05 Textband 3: Druck S. 160,162; PDF S. [1418, 1420].
- Kumārikākhaṇḍa 26.93; Kumārikākhaṇḍa 26.94; Kumārikākhaṇḍa 26: unnummerierter Halbvers (half_after_94); Kumārikākhaṇḍa 26: Kolophon (colophon) — Q05 Textband 3: Druck S. 162; PDF S. 1420.
- Kumārikākhaṇḍa 27: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 27: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 27.1; Kumārikākhaṇḍa 27: Sprecherzeile (speaker_within_2_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 27.2; Kumārikākhaṇḍa 27.3; Kumārikākhaṇḍa 27.4; Kumārikākhaṇḍa 27.5; Kumārikākhaṇḍa 27.6; Kumārikākhaṇḍa 27.7; Kumārikākhaṇḍa 27.8; Kumārikākhaṇḍa 27.9 — Q05 Textband 3: Druck S. 164; PDF S. 1422.
- Kumārikākhaṇḍa 27.10; Kumārikākhaṇḍa 27.11; Kumārikākhaṇḍa 27.12; Kumārikākhaṇḍa 27.13; Kumārikākhaṇḍa 27.14; Kumārikākhaṇḍa 27.15; Kumārikākhaṇḍa 27.16; Kumārikākhaṇḍa 27.17; Kumārikākhaṇḍa 27.18; Kumārikākhaṇḍa 27.19; Kumārikākhaṇḍa 27.20; Kumārikākhaṇḍa 27.21 — Q05 Textband 3: Druck S. 166; PDF S. 1424.
- Kumārikākhaṇḍa 27.22; Kumārikākhaṇḍa 27.23; Kumārikākhaṇḍa 27.24; Kumārikākhaṇḍa 27.25; Kumārikākhaṇḍa 27.26; Kumārikākhaṇḍa 27.27; Kumārikākhaṇḍa 27.28; Kumārikākhaṇḍa 27.29; Kumārikākhaṇḍa 27.30; Kumārikākhaṇḍa 27.31; Kumārikākhaṇḍa 27.32 — Q05 Textband 3: Druck S. 168; PDF S. 1426.
- Kumārikākhaṇḍa 27.33; Kumārikākhaṇḍa 27.34; Kumārikākhaṇḍa 27.35; Kumārikākhaṇḍa 27.36; Kumārikākhaṇḍa 27.37; Kumārikākhaṇḍa 27.38; Kumārikākhaṇḍa 27.39; Kumārikākhaṇḍa 27.40; Kumārikākhaṇḍa 27.41 — Q05 Textband 3: Druck S. 170; PDF S. 1428.
- Kumārikākhaṇḍa 27.42 — Q05 Textband 3: Druck S. 170,172; PDF S. [1428, 1430].
- Kumārikākhaṇḍa 27.43; Kumārikākhaṇḍa 27.44; Kumārikākhaṇḍa 27.45; Kumārikākhaṇḍa 27.46; Kumārikākhaṇḍa 27.47; Kumārikākhaṇḍa 27.48; Kumārikākhaṇḍa 27.49; Kumārikākhaṇḍa 27.50 — Q05 Textband 3: Druck S. 172; PDF S. 1430.
- Kumārikākhaṇḍa 27.51 — Q05 Textband 3: Druck S. 172,174; PDF S. [1430, 1432].
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- Kumārikākhaṇḍa 27.62 — Q05 Textband 3: Druck S. 174,176; PDF S. [1432, 1434].
- Kumārikākhaṇḍa 27.63; Kumārikākhaṇḍa 27.64; Kumārikākhaṇḍa 27.65; Kumārikākhaṇḍa 27.66; Kumārikākhaṇḍa 27.67; Kumārikākhaṇḍa 27.68; Kumārikākhaṇḍa 27.69; Kumārikākhaṇḍa 27: unnummerierter Halbvers (half_after_69); Kumārikākhaṇḍa 27: Kolophon (colophon) — Q05 Textband 3: Druck S. 176; PDF S. 1434.
- Kumārikākhaṇḍa 28: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 28: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 28.1; Kumārikākhaṇḍa 28: Sprecherzeile (speaker_before_2); Kumārikākhaṇḍa 28.2; Kumārikākhaṇḍa 28.3; Kumārikākhaṇḍa 28.4; Kumārikākhaṇḍa 28.5; Kumārikākhaṇḍa 28.6; Kumārikākhaṇḍa 28.7 — Q05 Textband 3: Druck S. 178; PDF S. 1436.
- Kumārikākhaṇḍa 28.8; Kumārikākhaṇḍa 28.9; Kumārikākhaṇḍa 28.10; Kumārikākhaṇḍa 28.11; Kumārikākhaṇḍa 28.12; Kumārikākhaṇḍa 28.13; Kumārikākhaṇḍa 28.14; Kumārikākhaṇḍa 28.15; Kumārikākhaṇḍa 28.16; Kumārikākhaṇḍa 28.17; Kumārikākhaṇḍa 28.18 — Q05 Textband 3: Druck S. 180; PDF S. 1438.
- Kumārikākhaṇḍa 28.19 — Q05 Textband 3: Druck S. 180,182; PDF S. [1438, 1440].
- Kumārikākhaṇḍa 28.20; Kumārikākhaṇḍa 28.21; Kumārikākhaṇḍa 28.22; Kumārikākhaṇḍa 28.23; Kumārikākhaṇḍa 28.24; Kumārikākhaṇḍa 28.25; Kumārikākhaṇḍa 28.26; Kumārikākhaṇḍa 28.27; Kumārikākhaṇḍa 28.28; Kumārikākhaṇḍa 28.29 — Q05 Textband 3: Druck S. 182; PDF S. 1440.
- Kumārikākhaṇḍa 28.30; Kumārikākhaṇḍa 28.31; Kumārikākhaṇḍa 28.32; Kumārikākhaṇḍa 28.33; Kumārikākhaṇḍa 28.34; Kumārikākhaṇḍa 28.35; Kumārikākhaṇḍa 28.36; Kumārikākhaṇḍa 28.37; Kumārikākhaṇḍa 28.38; Kumārikākhaṇḍa 28.39 — Q05 Textband 3: Druck S. 184; PDF S. 1442.
- Kumārikākhaṇḍa 28.40; Kumārikākhaṇḍa 28.41; Kumārikākhaṇḍa 28.42; Kumārikākhaṇḍa 28.43; Kumārikākhaṇḍa 28.44; Kumārikākhaṇḍa 28.45; Kumārikākhaṇḍa 28.46; Kumārikākhaṇḍa 28.47; Kumārikākhaṇḍa 28.48; Kumārikākhaṇḍa 28.49 — Q05 Textband 3: Druck S. 186; PDF S. 1444.
- Kumārikākhaṇḍa 28.50 — Q05 Textband 3: Druck S. 186,188; PDF S. [1444, 1446].
- Kumārikākhaṇḍa 28.51; Kumārikākhaṇḍa 28.52; Kumārikākhaṇḍa 28.53; Kumārikākhaṇḍa 28.54; Kumārikākhaṇḍa 28.55; Kumārikākhaṇḍa 28.56; Kumārikākhaṇḍa 28.57; Kumārikākhaṇḍa 28.58; Kumārikākhaṇḍa 28.59; Kumārikākhaṇḍa 28.60 — Q05 Textband 3: Druck S. 188; PDF S. 1446.
- Kumārikākhaṇḍa 28.61; Kumārikākhaṇḍa 28.62; Kumārikākhaṇḍa 28.63; Kumārikākhaṇḍa 28.64; Kumārikākhaṇḍa 28.65; Kumārikākhaṇḍa 28.66; Kumārikākhaṇḍa 28.67; Kumārikākhaṇḍa 28.68; Kumārikākhaṇḍa 28.69; Kumārikākhaṇḍa 28.70; Kumārikākhaṇḍa 28.71; Kumārikākhaṇḍa 28.72; Kumārikākhaṇḍa 28.73 — Q05 Textband 3: Druck S. 190; PDF S. 1448.
- Kumārikākhaṇḍa 28.74; Kumārikākhaṇḍa 28.75; Kumārikākhaṇḍa 28.76; Kumārikākhaṇḍa 28.77; Kumārikākhaṇḍa 28.78; Kumārikākhaṇḍa 28.79; Kumārikākhaṇḍa 28.80; Kumārikākhaṇḍa 28.81; Kumārikākhaṇḍa 28.82; Kumārikākhaṇḍa 28.83; Kumārikākhaṇḍa 28.84 — Q05 Textband 3: Druck S. 192; PDF S. 1450.
- Kumārikākhaṇḍa 28.85 — Q05 Textband 3: Druck S. 192,194; PDF S. [1450, 1452].
- Kumārikākhaṇḍa 28.86; Kumārikākhaṇḍa 28.87; Kumārikākhaṇḍa 28.88; Kumārikākhaṇḍa 28.89; Kumārikākhaṇḍa 28.90; Kumārikākhaṇḍa 28.91; Kumārikākhaṇḍa 28.92; Kumārikākhaṇḍa 28.93; Kumārikākhaṇḍa 28.94; Kumārikākhaṇḍa 28.95 — Q05 Textband 3: Druck S. 194; PDF S. 1452.
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- Kumārikākhaṇḍa 28.108; Kumārikākhaṇḍa 28.109; Kumārikākhaṇḍa 28.110; Kumārikākhaṇḍa 28.111; Kumārikākhaṇḍa 28.112; Kumārikākhaṇḍa 28.113; Kumārikākhaṇḍa 28.114; Kumārikākhaṇḍa 28.115; Kumārikākhaṇḍa 28.116; Kumārikākhaṇḍa 28.117; Kumārikākhaṇḍa 28.118; Kumārikākhaṇḍa 28.119; Kumārikākhaṇḍa 28.120 — Q05 Textband 3: Druck S. 198; PDF S. 1456.
- Kumārikākhaṇḍa 28.121; Kumārikākhaṇḍa 28.122; Kumārikākhaṇḍa 28.123; Kumārikākhaṇḍa 28.124; Kumārikākhaṇḍa 28.125; Kumārikākhaṇḍa 28.126; Kumārikākhaṇḍa 28.127; Kumārikākhaṇḍa 28.128; Kumārikākhaṇḍa 28.129; Kumārikākhaṇḍa 28.130; Kumārikākhaṇḍa 28.131; Kumārikākhaṇḍa 28.132 — Q05 Textband 3: Druck S. 200; PDF S. 1458.
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- Kumārikākhaṇḍa 28.155; Kumārikākhaṇḍa 28.156; Kumārikākhaṇḍa 28.157; Kumārikākhaṇḍa 28.158; Kumārikākhaṇḍa 28.159; Kumārikākhaṇḍa 28.160; Kumārikākhaṇḍa 28.161; Kumārikākhaṇḍa 28.162; Kumārikākhaṇḍa 28.163; Kumārikākhaṇḍa 28.164; Kumārikākhaṇḍa 28.165 — Q05 Textband 3: Druck S. 206; PDF S. 1464.
- Kumārikākhaṇḍa 28.166 — Q05 Textband 3: Druck S. 206,208; PDF S. [1464, 1466].
- Kumārikākhaṇḍa 28.167; Kumārikākhaṇḍa 28.168; Kumārikākhaṇḍa 28.169; Kumārikākhaṇḍa 28: unnummerierter Halbvers (half_after_169); Kumārikākhaṇḍa 28: Kolophon (colophon) — Q05 Textband 3: Druck S. 208; PDF S. 1466.
- Kumārikākhaṇḍa 29: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 29: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 29.1; Kumārikākhaṇḍa 29.2; Kumārikākhaṇḍa 29.3; Kumārikākhaṇḍa 29.4; Kumārikākhaṇḍa 29.5; Kumārikākhaṇḍa 29.6; Kumārikākhaṇḍa 29.7; Kumārikākhaṇḍa 29.8; Kumārikākhaṇḍa 29.9; Kumārikākhaṇḍa 29.10; Kumārikākhaṇḍa 29.11 — Q05 Textband 3: Druck S. 210; PDF S. 1468.
- Kumārikākhaṇḍa 29.12; Kumārikākhaṇḍa 29.13; Kumārikākhaṇḍa 29.14; Kumārikākhaṇḍa 29.15; Kumārikākhaṇḍa 29.16; Kumārikākhaṇḍa 29.17; Kumārikākhaṇḍa 29.18; Kumārikākhaṇḍa 29.19; Kumārikākhaṇḍa 29.20; Kumārikākhaṇḍa 29: Sprecherzeile (speaker_before_21); Kumārikākhaṇḍa 29.21; Kumārikākhaṇḍa 29.22 — Q05 Textband 3: Druck S. 212; PDF S. 1470.
- Kumārikākhaṇḍa 29.23; Kumārikākhaṇḍa 29.24; Kumārikākhaṇḍa 29.25; Kumārikākhaṇḍa 29.26; Kumārikākhaṇḍa 29.27; Kumārikākhaṇḍa 29.28; Kumārikākhaṇḍa 29.29; Kumārikākhaṇḍa 29.30; Kumārikākhaṇḍa 29.31; Kumārikākhaṇḍa 29.32; Kumārikākhaṇḍa 29.33 — Q05 Textband 3: Druck S. 214; PDF S. 1472.
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- Kumārikākhaṇḍa 30: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 30: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 30.1; Kumārikākhaṇḍa 30: Sprecherzeile (speaker_within_2_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 30.2; Kumārikākhaṇḍa 30.3; Kumārikākhaṇḍa 30.4; Kumārikākhaṇḍa 30.5; Kumārikākhaṇḍa 30.6; Kumārikākhaṇḍa 30.7; Kumārikākhaṇḍa 30.8; Kumārikākhaṇḍa 30.9; Kumārikākhaṇḍa 30.10 — Q05 Textband 3: Druck S. 222; PDF S. 1480.
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- Kumārikākhaṇḍa 30: unnummerierte Aufzählung (catalogue_within_104); Kumārikākhaṇḍa 30: Sprecherzeile (speaker_within_104_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 30.105; Kumārikākhaṇḍa 30: Sprecherzeile (speaker_before_106); Kumārikākhaṇḍa 30.106; Kumārikākhaṇḍa 30.107; Kumārikākhaṇḍa 30.108 — Q05 Textband 3: Druck S. 242; PDF S. 1500.
- Kumārikākhaṇḍa 30.104 — Q05 Textband 3: Druck S. 240,242; PDF S. [1498, 1500].
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- Kumārikākhaṇḍa 30.206; Kumārikākhaṇḍa 30.207; Kumārikākhaṇḍa 30.208; Kumārikākhaṇḍa 30.209; Kumārikākhaṇḍa 30.210; Kumārikākhaṇḍa 30.211; Kumārikākhaṇḍa 30.212; Kumārikākhaṇḍa 30.213; Kumārikākhaṇḍa 30.214; Kumārikākhaṇḍa 30.215; Kumārikākhaṇḍa 30.216; Kumārikākhaṇḍa 30.217; Kumārikākhaṇḍa 30.218 — Q05 Textband 3: Druck S. 262; PDF S. 1520.
- Kumārikākhaṇḍa 30.219 — Q05 Textband 3: Druck S. 262,264; PDF S. [1520, 1522].
- Kumārikākhaṇḍa 30.220; Kumārikākhaṇḍa 30.221; Kumārikākhaṇḍa 30.222; Kumārikākhaṇḍa 30.223; Kumārikākhaṇḍa 30.224; Kumārikākhaṇḍa 30.225; Kumārikākhaṇḍa 30.226; Kumārikākhaṇḍa 30.227; Kumārikākhaṇḍa 30.228; Kumārikākhaṇḍa 30.229; Kumārikākhaṇḍa 30.230 — Q05 Textband 3: Druck S. 264; PDF S. 1522.
- Kumārikākhaṇḍa 30.231 — Q05 Textband 3: Druck S. 264,266; PDF S. [1522, 1524].
- Kumārikākhaṇḍa 30.232; Kumārikākhaṇḍa 30.233; Kumārikākhaṇḍa 30.234; Kumārikākhaṇḍa 30.235; Kumārikākhaṇḍa 30.236; Kumārikākhaṇḍa 30.237; Kumārikākhaṇḍa 30.238; Kumārikākhaṇḍa 30.239 — Q05 Textband 3: Druck S. 266; PDF S. 1524.
- Kumārikākhaṇḍa 30.240; Kumārikākhaṇḍa 30.241; Kumārikākhaṇḍa 30: Kolophon (colophon) — Q05 Textband 3: Druck S. 268; PDF S. 1526.
- Kumārikākhaṇḍa 31: Eingangsverehrung (invocation_1); Kumārikākhaṇḍa 31: Eingangsverehrung (invocation_2); Kumārikākhaṇḍa 31: Kapitelkopf (volume_title); Kumārikākhaṇḍa 31: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 31: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 31.1; Kumārikākhaṇḍa 31.2; Kumārikākhaṇḍa 31: Sprecherzeile (speaker_within_3_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 31.3; Kumārikākhaṇḍa 31.4; Kumārikākhaṇḍa 31: Sprecherzeile (speaker_before_5); Kumārikākhaṇḍa 31.5; Kumārikākhaṇḍa 31.6 — Q05 Textband 4: Druck S. 2; PDF S. 1936.
- Kumārikākhaṇḍa 31: Sprecherzeile (speaker_within_7_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 31.8; Kumārikākhaṇḍa 31.9; Kumārikākhaṇḍa 31.10; Kumārikākhaṇḍa 31.11; Kumārikākhaṇḍa 31.12; Kumārikākhaṇḍa 31.13 — Q05 Textband 4: Druck S. 4; PDF S. 1938.
- Kumārikākhaṇḍa 31.7 — Q05 Textband 4: Druck S. 2,4; PDF S. [1936, 1938].
- Kumārikākhaṇḍa 31.14 — Q05 Textband 4: Druck S. 4,6; PDF S. [1938, 1940].
- Kumārikākhaṇḍa 31.15; Kumārikākhaṇḍa 31.16; Kumārikākhaṇḍa 31.17; Kumārikākhaṇḍa 31.18; Kumārikākhaṇḍa 31.19; Kumārikākhaṇḍa 31.20; Kumārikākhaṇḍa 31.21; Kumārikākhaṇḍa 31.22 — Q05 Textband 4: Druck S. 6; PDF S. 1940.
- Kumārikākhaṇḍa 31.23 — Q05 Textband 4: Druck S. 6,8; PDF S. [1940, 1942].
- Kumārikākhaṇḍa 31.24; Kumārikākhaṇḍa 31.25; Kumārikākhaṇḍa 31.26; Kumārikākhaṇḍa 31.27; Kumārikākhaṇḍa 31.28; Kumārikākhaṇḍa 31.29; Kumārikākhaṇḍa 31.30; Kumārikākhaṇḍa 31.31; Kumārikākhaṇḍa 31.32; Kumārikākhaṇḍa 31.33; Kumārikākhaṇḍa 31.34 — Q05 Textband 4: Druck S. 8; PDF S. 1942.
- Kumārikākhaṇḍa 31.35 — Q05 Textband 4: Druck S. 8,10; PDF S. [1942, 1944].
- Kumārikākhaṇḍa 31.36; Kumārikākhaṇḍa 31.37; Kumārikākhaṇḍa 31.38; Kumārikākhaṇḍa 31.39; Kumārikākhaṇḍa 31.40; Kumārikākhaṇḍa 31.41; Kumārikākhaṇḍa 31.42; Kumārikākhaṇḍa 31.43 — Q05 Textband 4: Druck S. 10; PDF S. 1944.
- Kumārikākhaṇḍa 31.44 — Q05 Textband 4: Druck S. 10,12; PDF S. [1944, 1946].
- Kumārikākhaṇḍa 31.45; Kumārikākhaṇḍa 31.46; Kumārikākhaṇḍa 31.47; Kumārikākhaṇḍa 31.48; Kumārikākhaṇḍa 31.49; Kumārikākhaṇḍa 31.50; Kumārikākhaṇḍa 31.51; Kumārikākhaṇḍa 31.52; Kumārikākhaṇḍa 31.53; Kumārikākhaṇḍa 31.54; Kumārikākhaṇḍa 31.55 — Q05 Textband 4: Druck S. 12; PDF S. 1946.
- Kumārikākhaṇḍa 31.56; Kumārikākhaṇḍa 31.57; Kumārikākhaṇḍa 31.58; Kumārikākhaṇḍa 31.59; Kumārikākhaṇḍa 31.60; Kumārikākhaṇḍa 31.61; Kumārikākhaṇḍa 31.62; Kumārikākhaṇḍa 31.63; Kumārikākhaṇḍa 31.64 — Q05 Textband 4: Druck S. 14; PDF S. 1948.
- Kumārikākhaṇḍa 31.65; Kumārikākhaṇḍa 31.66; Kumārikākhaṇḍa 31.67; Kumārikākhaṇḍa 31.68; Kumārikākhaṇḍa 31.69; Kumārikākhaṇḍa 31.70; Kumārikākhaṇḍa 31.71; Kumārikākhaṇḍa 31.72; Kumārikākhaṇḍa 31.73; Kumārikākhaṇḍa 31.74 — Q05 Textband 4: Druck S. 16; PDF S. 1950.
- Kumārikākhaṇḍa 31.75 — Q05 Textband 4: Druck S. 16,18; PDF S. [1950, 1952].
- Kumārikākhaṇḍa 31.76; Kumārikākhaṇḍa 31.77; Kumārikākhaṇḍa 31.78; Kumārikākhaṇḍa 31.79; Kumārikākhaṇḍa 31.80; Kumārikākhaṇḍa 31.81; Kumārikākhaṇḍa 31.82; Kumārikākhaṇḍa 31.83; Kumārikākhaṇḍa 31.84; Kumārikākhaṇḍa 31.85 — Q05 Textband 4: Druck S. 18; PDF S. 1952.
- Kumārikākhaṇḍa 31.86; Kumārikākhaṇḍa 31.87; Kumārikākhaṇḍa 31.88; Kumārikākhaṇḍa 31.89; Kumārikākhaṇḍa 31.90; Kumārikākhaṇḍa 31.91; Kumārikākhaṇḍa 31.92; Kumārikākhaṇḍa 31.93; Kumārikākhaṇḍa 31.94; Kumārikākhaṇḍa 31.95 — Q05 Textband 4: Druck S. 20; PDF S. 1954.
- Kumārikākhaṇḍa 31.96; Kumārikākhaṇḍa 31.97; Kumārikākhaṇḍa 31.98; Kumārikākhaṇḍa 31.99; Kumārikākhaṇḍa 31.100; Kumārikākhaṇḍa 31.101; Kumārikākhaṇḍa 31.102; Kumārikākhaṇḍa 31.103; Kumārikākhaṇḍa 31.104; Kumārikākhaṇḍa 31.105; Kumārikākhaṇḍa 31.106; Kumārikākhaṇḍa 31.107 — Q05 Textband 4: Druck S. 22; PDF S. 1956.
- Kumārikākhaṇḍa 31.108 — Q05 Textband 4: Druck S. 22,24; PDF S. [1956, 1958].
- Kumārikākhaṇḍa 31: Sprecherzeile (speaker_within_109_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 31.109; Kumārikākhaṇḍa 31: Sprecherzeile (speaker_within_110_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 31.110; Kumārikākhaṇḍa 31.111; Kumārikākhaṇḍa 31.112; Kumārikākhaṇḍa 31.113; Kumārikākhaṇḍa 31.114; Kumārikākhaṇḍa 31.115 — Q05 Textband 4: Druck S. 24; PDF S. 1958.
- Kumārikākhaṇḍa 31: Sprecherzeile (speaker_before_116); Kumārikākhaṇḍa 31.116; Kumārikākhaṇḍa 31: Sprecherzeile (speaker_before_117); Kumārikākhaṇḍa 31.117; Kumārikākhaṇḍa 31.118; Kumārikākhaṇḍa 31.119; Kumārikākhaṇḍa 31.120; Kumārikākhaṇḍa 31.121; Kumārikākhaṇḍa 31.122; Kumārikākhaṇḍa 31.123; Kumārikākhaṇḍa 31.124; Kumārikākhaṇḍa 31.125 — Q05 Textband 4: Druck S. 26; PDF S. 1960.
- Kumārikākhaṇḍa 31.126; Kumārikākhaṇḍa 31.127; Kumārikākhaṇḍa 31.128; Kumārikākhaṇḍa 31.129; Kumārikākhaṇḍa 31.130; Kumārikākhaṇḍa 31.131; Kumārikākhaṇḍa 31.132; Kumārikākhaṇḍa 31.133; Kumārikākhaṇḍa 31.134 — Q05 Textband 4: Druck S. 28; PDF S. 1962.
- Kumārikākhaṇḍa 31.135; Kumārikākhaṇḍa 31: Kolophon (colophon) — Q05 Textband 4: Druck S. 30; PDF S. 1964.
- Kumārikākhaṇḍa 32: Kapitelkopf (heading); Kumārikākhaṇḍa 32: Sprecherzeile (speaker_before_1); Kumārikākhaṇḍa 32.1; Kumārikākhaṇḍa 32.2; Kumārikākhaṇḍa 32.3; Kumārikākhaṇḍa 32.4; Kumārikākhaṇḍa 32.5; Kumārikākhaṇḍa 32.6; Kumārikākhaṇḍa 32.7; Kumārikākhaṇḍa 32.8; Kumārikākhaṇḍa 32.9 — Q05 Textband 4: Druck S. 32; PDF S. 1966.
- Kumārikākhaṇḍa 32.10 — Q05 Textband 4: Druck S. 32,34; PDF S. [1966, 1968].
- Kumārikākhaṇḍa 32.11; Kumārikākhaṇḍa 32.12; Kumārikākhaṇḍa 32.13; Kumārikākhaṇḍa 32.14; Kumārikākhaṇḍa 32.15; Kumārikākhaṇḍa 32: Sprecherzeile (speaker_before_16); Kumārikākhaṇḍa 32.16; Kumārikākhaṇḍa 32.17; Kumārikākhaṇḍa 32.18; Kumārikākhaṇḍa 32: Sprecherzeile (speaker_within_19_after_danda_1); Kumārikākhaṇḍa 32.19; Kumārikākhaṇḍa 32.20 — Q05 Textband 4: Druck S. 34; PDF S. 1968.
- Kumārikākhaṇḍa 32.21; Kumārikākhaṇḍa 32.22; Kumārikākhaṇḍa 32.23; Kumārikākhaṇḍa 32.24; Kumārikākhaṇḍa 32.25; Kumārikākhaṇḍa 32.26; Kumārikākhaṇḍa 32.27; Kumārikākhaṇḍa 32.28; Kumārikākhaṇḍa 32.29 — Q05 Textband 4: Druck S. 36; PDF S. 1970.
- Kumārikākhaṇḍa 32.30; Kumārikākhaṇḍa 32.31; Kumārikākhaṇḍa 32.32; Kumārikākhaṇḍa 32.33; Kumārikākhaṇḍa 32.34; Kumārikākhaṇḍa 32.35; Kumārikākhaṇḍa 32.36; Kumārikākhaṇḍa 32.37; Kumārikākhaṇḍa 32.38; Kumārikākhaṇḍa 32.39 — Q05 Textband 4: Druck S. 38; PDF S. 1972.
- Kumārikākhaṇḍa 32.40; Kumārikākhaṇḍa 32.41; Kumārikākhaṇḍa 32.42; Kumārikākhaṇḍa 32.43; Kumārikākhaṇḍa 32.44; Kumārikākhaṇḍa 32.45; Kumārikākhaṇḍa 32.46; Kumārikākhaṇḍa 32.47; Kumārikākhaṇḍa 32.48; Kumārikākhaṇḍa 32.49; Kumārikākhaṇḍa 32.50 — Q05 Textband 4: Druck S. 40; PDF S. 1974.
- Kumārikākhaṇḍa 32.51; Kumārikākhaṇḍa 32.52; Kumārikākhaṇḍa 32.53; Kumārikākhaṇḍa 32.54; Kumārikākhaṇḍa 32.55; Kumārikākhaṇḍa 32.56; Kumārikākhaṇḍa 32.57; Kumārikākhaṇḍa 32.58; Kumārikākhaṇḍa 32.59; Kumārikākhaṇḍa 32.60; Kumārikākhaṇḍa 32.61 — Q05 Textband 4: Druck S. 42; PDF S. 1976.
- Kumārikākhaṇḍa 32.62; Kumārikākhaṇḍa 32.63; Kumārikākhaṇḍa 32.64; Kumārikākhaṇḍa 32.65; Kumārikākhaṇḍa 32.66; Kumārikākhaṇḍa 32.67; Kumārikākhaṇḍa 32.68; Kumārikākhaṇḍa 32.69; Kumārikākhaṇḍa 32.70; Kumārikākhaṇḍa 32.71 — Q05 Textband 4: Druck S. 44; PDF S. 1978.
- Kumārikākhaṇḍa 32.72 — Q05 Textband 4: Druck S. 44,46; PDF S. [1978, 1980].
- Kumārikākhaṇḍa 32.73; Kumārikākhaṇḍa 32: Kolophon (colophon) — Q05 Textband 4: Druck S. 46; PDF S. 1980.
Hinweise zu Lesungen
Unsicherheiten der deutschen Deutung sind unmittelbar in der Übersetzung gekennzeichnet. Die folgenden zusätzlichen Hinweise erläutern Textlücken, Zeichen und abweichende Zuordnungen. Eine unsichere Stelle hebt die gesicherten Nachbarverse nicht auf.
- Kumārikākhaṇḍa 1.4: Unter Originalnummer 4 stehen nur zwei lange Verszeilen; formal eine Halbstrophe, kein in der Quelle markierter Textverlust. Nicht als vierzeilige Vollstrophe zählen.
- Kumārikākhaṇḍa 2.7: Drei Halbverse unter einer Originalnummer; erster Halbvers PDF 24, Fortsetzung PDF 26. Keine Umnummerierung.
- Kumārikākhaṇḍa 2.18: Ungewöhnliche Drucklesung unverändert: सूष्मणा (sūṣmaṇā), nicht stillschweigend suṣumṇā.
- Kumārikākhaṇḍa 2.19: Ungewöhnliche Drucklesung unverändert: कुजीशं (kujīśaṃ), nicht stillschweigend kubjīśaṃ.
- Kumārikākhaṇḍa 3.30: tūṣṇī in 3.1, aber tuṣṇī in 3.30; unterschiedliche Vokallänge der Druckfassung bewahrt.
- Kumārikākhaṇḍa 3.39: sūṣmaṇā bewahrt, keine stillschweigende Änderung zu suṣumṇā.
- Kumārikākhaṇḍa 3.43: Die nichtklassische Form trivargasu bleibt erhalten; übersetzt als „in den drei Gruppen“.
- Kumārikākhaṇḍa 3.134: manaṃ bewahrt, nicht stillschweigend manaḥ.
- Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (14); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (15); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (45); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (57); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (103); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (118); Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (125): Ungewöhnliche Folge getrennter Vokale (z. B. ū + au) entsprechend dem Sanskritdruck erhalten; nicht zu einem geläufigeren Bīja verkürzt. Der Handschriftenapparat ist an dieser Stelle nicht vollständig abgeglichen.
- Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (15): Gegenüberstehende lateinische Wiedergabe PDF 81 druckt HSVŪAṂ, Sanskrit aber hsrūau mit Chandrabindu. Sanskrit bleibt Leitlesung; Diskrepanz nicht stillschweigend harmonisiert.
- Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (30): Grafischer Setzfehler; keine zweite Silbe aus dem doppelten Überdruck konstruieren. Der Handschriftenapparat ist an dieser Stelle nicht vollständig abgeglichen.
- Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (36): Edition bietet ausdrücklich eine Emendation der einleitenden Lautfolge; Handschriften stimmen nicht überein (Anm. 236).
- Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (93): Der Zusatz (संपूज्यसे) steht bereits eingeklammert im edierten Grundtext. Klammern bleiben erhalten; keine eigene Ergänzung.
- Kumārikākhaṇḍa 4: Mālinī-Lobpreis, Abschnitt (125): Die lange Satzfügung bleibt deutungsoffen. Die aktive Wiedergabe von saṃbudhyase („erweckst“) folgt dem Sinnverständnis der Kontrollübersetzung; grammatisch ist auch Erwachen beziehungsweise Erkanntwerden möglich. Keine gesicherte Auflösung sämtlicher Satzbezüge.
- Kumārikākhaṇḍa 5.72; Kumārikākhaṇḍa 5.73; Kumārikākhaṇḍa 5.74; Kumārikākhaṇḍa 5.75; Kumārikākhaṇḍa 5.76; Kumārikākhaṇḍa 5.77; Kumārikākhaṇḍa 5.78; Kumārikākhaṇḍa 5.79; Kumārikākhaṇḍa 5.80; Kumārikākhaṇḍa 5.81; Kumārikākhaṇḍa 5.82; Kumārikākhaṇḍa 5.83; Kumārikākhaṇḍa 5: unnummerierter Halbvers (half_stanza_after_83): Die fortlaufende Kapitelzählung und die Klammerzählung des Zwölfstrophenlobpreises sind in Q05 um einen Halbvers gegeneinander versetzt. Kapitelzählung der Quelle unverändert; Konkordanz separat. Die eigene Hymnenzählung ist durch Anmerkung 283 (PDF 465 / Druck 278) bestätigt; die gedruckte Kapitelzählung bleibt daneben unverändert.
- Kumārikākhaṇḍa 6.75: Dritter Versfuß ist in Q05 PDF 132 / Druck 116 durch acht Sterne ersetzt. Diese Quellenlücke bleibt unverändert; über das Ausmaß in einzelnen Handschriften gibt die gezielt geprüfte Apparatumgebung (Anm. 281–283) keinen sicheren zusätzlichen Aufschluss.
- Kumārikākhaṇḍa 8.32: Druckgraphie लॄकारं bleibt als lṝkāraṃ unverändert. Quellenbild PDF602 erneut geprüft in 0.403; als langes vokalisches ḹ gedeutet, aber nicht still normalisiert. Übersetzungsanmerkung erläutert die interpretative Wiedergabe.
- Kumārikākhaṇḍa 11.10: Q05 PDF 660 / Druck 66 setzt zwischen ekonatriṃśaṃ und triṃśaṃ einen einzelnen Stern. Dieser steht im Grundtext, nicht als hochgestellter Apparatverweis. Fehlendes wird nicht ergänzt; Status verse_fragment.
- Kumārikākhaṇḍa 11: Kolophon (colophon): Auffällige Quellenschreibung mahāmanthānbhairava, mit Virāma am n, im Kolophon unverändert bewahrt; keine eigenmächtige Angleichung an die übrigen Kolophone.
- Kumārikākhaṇḍa 13.99; Kumārikākhaṇḍa 15.10; Kumārikākhaṇḍa 23.57; Kumārikākhaṇḍa 28.66; Kumārikākhaṇḍa 30.111: Lückenmarkierung der Quelle unverändert bewahrt; kein fehlender Text ergänzt. Ausmaß und Bedeutung der Quellenmarkierung im Apparat weiter zu prüfen.
- Kumārikākhaṇḍa 15.10: Der Stern nach suraṅgena steht im Quellenbild in FranklinGothic-Medium, 12 Punkt. Der anfängliche Fontfilter hatte ihn ausgelassen; vor Aufnahme dieses Verses quellengetreu wieder erfasst. Sternfilter-Prüfung über alle 597 Q05-Sanskritseiten findet nur diese zusätzliche Stelle; Kapitel 1–14 unverändert.
- Kumārikākhaṇḍa 15.53: Ungewöhnlicher Druckwortlaut nāma saṃgamamat sadhā im zweiten Halbvers am Seitenbild PDF 766 bestätigt; nicht sprachlich emendiert. Bedeutung und Apparat vor Übersetzung konkret klären.
- Kumārikākhaṇḍa 16.85: saṃsthitāre (?) bereits im Sanskritdruck mit Fragezeichen, PDF 788 / Druck 194. Unsicherheitszeichen beibehalten; keine eigene Ortsrekonstruktion.
- Kumārikākhaṇḍa 16.117: Unicode-Reihenfolge der untergesetzten u-Matra und des Anusvara in kuṃkumena gemäß sichtbarer Lautgestalt geordnet; Quellfont speichert den Anusvara zuerst. Keine Vokal- oder Nasaländerung.
- Kumārikākhaṇḍa 16.119: Seltene Halbform ñ (Quellenfont Œ) vor Aufnahme am vergrößerten Bild PDF 796 / Druck 202 geklärt: lāñcchitam. Ungewöhnlicher Doppelkonsonant cch bleibt erhalten. Kein früher aufgenommener Vers enthält diese Quellglyphe.
- Kumārikākhaṇḍa 18.26: Einzelnes anführungszeichenartiges Zeichen “ nach ekapādāntacatvāri im Quellenfont als ß kodiert; am vergrößerten Bild PDF 1280 / Druck 22 bestätigt und unverändert bewahrt. Anm. 76–77, Q05 PDF 1560 / Druck 23, erklärt das Zeichen nicht ausdrücklich; keine Lautsilbe daraus abgeleitet.
- Kumārikākhaṇḍa 18.51: sakāyā ist eine vom Herausgeber ausdrücklich als sehr vorläufig bezeichnete Emendation; Anm. 162, Q05 PDF 1561 / Druck 24. Die gedruckte Arbeitslesung bleibt erhalten, wird aber nicht als sicher überliefert bezeichnet. sulāmā steht nach Anm. 160 gegenüber ulāmā aller Handschriften.
- Kumārikākhaṇḍa 19.69: Quellenfont-Zeichen ™ vor Aufnahme am vergrößerten Bild PDF 1314 / Druck 56 als Halb-Ligatur nn geklärt: bhavennyāsaṃ. Kein früher aufgenommener Datensatz enthält diese Quellglyphe.
- Kumārikākhaṇḍa 19: Kolophon (colophon): Kolophon beginnt im Druck mit ityājñāvatāre, anders als häufiges ityādyāvatāre. Abweichung beibehalten. Letzter nummerierter Vers und unnummerierter Halbvers auf PDF 1318 / Druck 60, Kolophon auf PDF 1320 / Druck 62.
- Kumārikākhaṇḍa 20.7: pādrai (?) steht bereits im Sanskritdruck mit Fragezeichen, PDF 1322 / Druck 64. Diese Lesungsunsicherheit bleibt erhalten; daraus keine gesicherte Lautfolge oder Mantraergänzung abgeleitet.
- Kumārikākhaṇḍa 23.3; Kumārikākhaṇḍa 23.4: Quellenschreibung लॄ diplomatisch als lṝ erhalten. Einordnung als besonderes Zeichen für langes vokalisches l vor der Übersetzung am Apparat zu prüfen; nicht stillschweigend in ḹ normalisiert (vgl. 8.32).
- Kumārikākhaṇḍa 24.99: Gedrucktes guruḍadyaṃ (?) mit ausdrücklichem Fragezeichen der Quelle (Q05 PDF 1380 / Druck 122) erhalten; Apparatklärung vor Übersetzung offen.
- Kumārikākhaṇḍa 25.31: Quellengraphie लॄ in लॄलिहश्चैव diplomatisch als lṝ erhalten (vgl. 8.32 und 23.3–4); Vokalinterpretation vor Übersetzung zu prüfen. Die Quelle schreibt ऋषभम् mit kurzem ṛ.
- Kumārikākhaṇḍa 28.56: Ungewöhnlicher gedruckter Wortlaut त्रिगुणीक्र्ट्य / triguṇīkrṭya am vergrößerten Detailbild bestätigt (Q05 PDF 1446 / Druck 188; Font f=xqÆhØ~Vîk). Nicht stillschweigend zu triguṇīkṛtya verbessert; konkrete Klärung am Apparat vor Übersetzung offen.
- Kumārikākhaṇḍa 28.92: Quelle setzt drei Danda-Striche vor Originalnummer 92 (॥। ९२ ॥; Q05 PDF 1452 / Druck 194). Zusatzstrich im Sanskritfeld bewahrt; keine zusätzliche Originalnummer.
- Kumārikākhaṇḍa 29.43: Gedruckte Zahlform dvānavatyāyāḥ in Verbindung mit śatairdvibhiḥ quellengetreu erhalten (Q05 PDF 1474 / Druck 216); Zahlenbezug vor Übersetzung am Apparat prüfen.
- Kumārikākhaṇḍa 30.26: Nach dem ersten Halbvers stehen ein isoliertes Virāma und ein Stern (Q05 PDF 1484 / Druck 226). Beide graphischen Zeichen bleiben erhalten. Die vier Versfüße sind lesbar; kein zusätzlicher verlorener Versfuß wird behauptet. Anm. 110–112 (Q05 PDF 1739 / Druck 202) am Bild geprüft: erläutert Emendation lekhayet und Auflösung des Kompositums, erklärt aber diese Zeichen nicht. Bedeutung der Markierung offen; vorerst nicht als sicherer Textverlust gezählt.
- Kumārikākhaṇḍa 32.66: Quelle schreibt vrāhmaṇā / व्राह्मणा mit v statt gewöhnlichem b; am vergrößerten Seitenbild PDF 1978 / Druck S. 44 und in der Schriftkodierung bestätigt. Keine stillschweigende Normalisierung. Apparateintrag 234 ist im vollständig gelesenen Kapitelapparat berücksichtigt.
Literatur
- Mark S. G. Dyczkowski (Herausgabe, Übersetzung und Kommentar): Manthānabhairavatantram Kumārikākhaṇḍaḥ. The Section Concerning the Virgin Goddess of the Tantra of the Churning Bhairava. Indira Gandhi National Centre for the Arts / D.K. Printworld, 2009. Einleitung in drei Bindungen, Text und Übersetzung in fünf, Anmerkungen in fünf, Konkordanz in einer weiteren Bindung. Der verwendete digitale Bestand ist oben genauer abgegrenzt.
- ↑ Mark S. G. Dyczkowski (Herausgabe, Übersetzung, Kommentar): Manthānabhairavatantram Kumārikākhaṇḍaḥ. Digitales Editionskonvolut, 3655 PDF-Seiten. Digitaler Satz-/Arbeitsstand mit Text, Anmerkungen und Anhängen; keine durchgehende Kollation mit der Druckausgabe von 2009. Leitquelle für Kumārikākhaṇḍa 1–47 und 63–69 sowie bezeichnete Ergänzungen.
Siehe auch
- Manthana Bhairava
- Vijnana Bhairava Tantra
- Kubjikamata Tantra
- Guhyagarbha Tantra
- Amrita Siddhi Vers 13.1 Anmerkung
- Hatha Yoga Pradipika Sanskrittext und Übersetzung
- Sanskrit Kurs Lektion 1
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