Pranou: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Pranou''', auch '''Pranava Upanishad''', ist eine [[Upanishad]], die in der [[Oupnek'hat]]-Sammlung aufgeführt wird. Darin werden 36 Fragen zur [[heilig]]en Silbe [[Om]] gestellt und beantwortet.
'''Pranou''' (auch: '''Pranou Upanishad''') ist der persische Name der '''[[Pranava Upanishad]]''' in der von [[Abraham Hyacinthe Anquetil-Duperron|Anquetil-Duperron]] ins Lateinische übertragenen [[Oupnek'hat]]-Sammlung, wo sie als 48. von fünfzig [[Upanishad]]en aufgeführt wird. Im Sanskrit-Original trägt der Text den Titel ''Praṇavopaniṣat''; er stammt aus dem [[Gopatha Brahmana|Gopatha Brāhmaṇa]] des [[Atharvaveda]] (Abschnitte 1.1.16–1.1.30) und ist die zusammenhängende Lehre über die heilige Silbe [[Om]].


[[Datei:OM Klang farbig.jpg|thumb|Die heilige Silbe Om]]
==Herkunft des Namens==
Im Jahr 1656 ließ [[Dara Shikoh]] in [[Delhi]] eine Sammlung von fünfzig Upanishaden aus dem Sanskrit ins Persische übersetzen; diese Sammlung erhielt den Titel ''Oupnek'hat''. Aus dieser persischen Fassung übertrug [[Abraham Hyacinthe Anquetil-Duperron|Anquetil-Duperron]] den Text Wort für Wort ins Lateinische (1801/1802) und übernahm dabei die persische Lautform der Sanskrit-Titel. So wurde aus ''Praṇava'' die im [[Oupnek'hat]] verwendete Form '''Pranou'''. Paul Deussen zählt Pranou zu den Stücken der Sammlung, die ihm als sehr späte und sekundäre Produkte erschienen.


Die '''Pranava Upanishad''' (Sanskrit: प्रणवोपनिषत्, ''Praṇavopaniṣat'')  stammt aus dem Gopatha Brahmana  wird daher daher auch '''Gopatha-Pranava-Upanishad''' genannt, ist die zusammenhängende Lehre über [[Om]] in den Abschnitten 1.1.16–1.1.30 des [[Gopatha Brahmana|Gopatha Brāhmaṇa]]. Dieses Brāhmaṇa gehört zum [[Atharvaveda]]. Der Titel ''Praṇava'' bezeichnet die heilige Silbe Om, besonders als einleitenden und tragenden Laut vedischer Rezitation. '''Pranou''' ist der persische Name der Upanishad.
==Inhalt==
Die Upanishad entfaltet in Frageform sechsunddreißig Fragen zur heiligen Silbe Om: nach ihrer Wurzel, ihrer grammatischen Form, ihrem Metrum, ihrer Farbe, ihrer Gottheit und ihrer Wirkung. Eingerahmt werden diese Fragen von einer Kosmogonie, in der [[Brahma]] durch [[Brahmacharya]] die Silbe Om schaut, sowie von einem Mythos vom Kampf der Götter gegen die [[Asura]]s, der erklärt, warum Om vor jeder heiligen Rezitation ausgesprochen wird.


Die Pranava Upanishad erzählt zunächst, wie [[Brahman]] den Gott Brahmā erschafft und dieser durch [[Brahmacharya]] die eine Silbe Om schaut. Danach ordnet der Text ihren Lautbestand den Welten, Veden, Gottheiten, Jahreszeiten, Himmelsrichtungen und menschlichen Wahrnehmungsvermögen zu. Ein Mythos vom Kampf der Götter gegen die Asuras erklärt, weshalb Om vor einer heiligen Rezitation ausgesprochen wird. Ausführliche Fragen nach Wurzel, Wortbildung, Akzent, Artikulationsstelle und Metrum zeigen zugleich ein frühes Interesse an Grammatik und Phonetik.
Der vollständige Text – die Übersetzung von Paul Deussen ebenso wie eine am Sanskrit orientierte Fassung in Devanagari und IAST mit Wort-für-Wort-Erläuterung – steht im Artikel '''[[Pranava Upanishad]]'''.


[[Datei:Om.svg|thumb|Om ist das Zentrum der Pranava Upanishad des Gopatha Brahmana: Laut, heilige Äußerung, kosmische Ordnung und Meditationsgegenstand.]]
==Einordnung==
 
Das [[Gopatha Brahmana|Gopatha Brāhmaṇa]] ist das einzige erhaltene Brāhmaṇa des Atharvaveda. Die Pranava Upanishad bildet darin einen klar begrenzten Lehrabschnitt und keinen eigenständigen Text der [[Muktika Upanishad|Muktika-Liste]]. In der [[Oupnek'hat]]-Sammlung erscheint sie dennoch als eigenständiges Stück unter dem persischen Namen Pranou, gleich neben anderen späten Zusätzen der Sammlung wie [[Ark'hi]] und [[Schavank]].
Textgeschichtlich ist „Pranava Upanishad“ kein selbständiger Titel der [[Muktika Upanishad|Muktika-Liste]], sondern die gebräuchliche Bezeichnung für einen klar begrenzten Lehrabschnitt des Gopatha Brāhmaṇa. Die vorliegende Fassung gibt alle fünfzehn ''Kāṇḍikās'' 1.1.16–30 vollständig wieder. Der überlieferte Wortlaut enthält mehrere alte oder beschädigte Lesarten. Sie werden nicht stillschweigend durch modernes Sanskrit ersetzt, sondern an den betreffenden Stellen erläutert.
 
Spirituell führt die Pranava Upanishad von der äußeren Rezitation nach innen. Im Schlussabschnitt heißt Om „Heilmittel des Selbst“ und „Alleinsein des Selbst“. Damit wird die Silbe nicht nur als rituelles Vorzeichen verstanden. Sie wird zum Mittel der Sammlung, der Selbsterkenntnis und der Überschreitung bloßen Bücherwissens.
 
==Pranou (Pranava Upanishad) mit Erläuterungen von Paul Deussen==
'''Artikel aus "Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 1025 - 1042.'''
 
===Einleitung===
Eine Pranava Upanishad (so ist ohne Zweifel der Titel zu deuten) befindet sich handschriftlich im Fort St. George (Taylor, Catalogue II, 472), in Tanjore (Burnell 33b), in [[Jammu]] (Steins Katalog p. 31) und in [[Madras]] (Katalog der Gov. Or. Ms. library, p. 52); die dritte kann unsere [[Upanishad]] nicht sein, es sei denn teilweise, da sie nur aus vierzehn Zeilen besteht; ob die anderen, bleibt abzuwarten. Inzwischen versuchen wir, aus der diffusen und wohl auch hier stark interpolierten persisch-lateinischen Übersetzung den mutmaßlichen Text des Originalwerkes herauszuschälen, bemerken aber, daß dieser Versuch ein durchaus hypothetischer ist, namentlich in Anbetracht des abstrusen Inhaltes des Werkes. Dasselbe zerfällt in drei [[Brahmana]]s: das erste betrachtet den [[Pranava]], d. h. die Silbe [[Om]], nach ihren Schriftzeichen und Lauten und ihre Unentbehrlichkeit beim Beginn jedes [[Veda]]studiums und [[Opfer]]s; - das zweite Brahmanam begründet diese Unentbehrlichkeit durch einen Mythos; - das dritte läßt den [[Prajapati]] sechsunddreißig, den Om Laut betreffende, Fragen beantworten. Auch hier scheint (vgl. zu Prasna 4, oben S. 566) die mehr zusammenhängende Darstellung der Antworten das Ursprüngliche, die Voranstellung der sechsunddreißig Fragen eine spätere Rubrizierung des Inhaltes zu sein. Wir haben tunlichst versucht, Fragen und Antworten durch gleiche Numerierung in Beziehung zu setzen; aber schon Anquetil (II, 748) wußte sich hier nicht mehr recht zu helfen; auch sind von ihm oder wohl schon von seinen persischen Vorgängern mehrere Stellen teils mißsverstanden, teils gar nicht verstanden worden. Wir können kaum hoffen, daß wir bei unserem Versuche, überall Klarheit zu schaffen, immer das Rechte getroffen haben. Im wesentlichen aber wird das Bild, welches unsere Übersetzung von der Upanishad gibt, ein richtiges sein.
 
[Nachdem Bloomfield, wie in der Vorrede bemerkt wurde, den [[Sanskrit]]text der Pranava Upanishad im [[Gopatha Brahmana]]m I, 1,16-30 aufgefunden hat, lassen wir in der gegenwärtigen zweiten Auflage eine Übersetzung aus dem stellenweise schwierigen und mehrfach korrupten Sanskrit-Original fortlaufend unserer ursprünglichen Übersetzung aus Anquetil Duperron zur Seite gehen, da ein Vergleich beider Versionen nicht ohne Interesse ist.]
 
===Erstes Brahmanam===
 
[[Datei:Gott-brahma.jpg|thumb|Brahma auf einer Lotosblume]]
 
Das [[Brahman]] erschuf in einer [[Lotos]]blume den [[Brahma]]. Dieser erwog: "Welches ist das eine [[Wort]], durch das alle [[Wunsch|Wünsche]] erlangt, und alle [[Loka|Welten]], [[Götter Namen Liste von A-Z|Götter]], [[Veden]], [[Opfer]], Opferlohne, alles Bewegliche und Unbewegliche gewußt wird?" - Und er übte [[Tapas]]. Nachdem er Tapas geübt, sah er jene Silbe, welche aus zwei Schriftzeichen und vier [[Mora|Moren]] besteht, welche allbefassend, allbeherrschend, allezeit neu, das Brahman ist. Da erlangte er alle Wünsche, alle Welten, Götter, Veden, Opfer, Reden, Opferlöhne, alles Bewegliche und Unbewegliche.
 
Durch das erste Schriftzeichen erkannte er das [[Wasser]] ([[Apas]]) und die Befassung ([[Apti]]); durch das zweite das [[Feuer]] und das [[Licht]].
 
Die erste Mora, der A-Laut, ist die [[Erde]] und das Feuer, die [[Pflanze]]n, der [[Rigveda]], [[Bhur]], die [[Gayatri]], das neunfache [[Saman]], der [[Osten]], der [[Frühling]], und in bezug auf das [[Selbst]] die [[Sprache]], die [[Zunge]] und das Reden.
 
Die zweite Mora, der U-Laut, ist der [[Luftraum]] und der [[Wind]], [der Yajurveda], [[Bhuvar]], die [[Trishtubh]], das fünfzehnfache Saman, der [[Westen]], der [[Sommer]], und in bezug auf das Selbst der [[Atem|Odem]], die [[Nase]] und der [[Geruch]].
 
Die dritte Mora, der M-Laut, ist der [[Himmel]] und die [[Sonne]], der [[Samaveda]], [[Svar]], die [[Jagati]], das siebzehnfache Saman, der [[Norden]], die [[Regenzeit]], und in bezug auf das Selbst das [[Licht]], das [[Auge]] und das Sehen.
 
Die vierte Mora, der [[Anusvara]], ist das [[Wasser]] und der [[Mond]], der [[Atharvaveda]], [[Janas]], die [[Anushtubh]], das siebenundzwanzigfache Saman, der [[Süden]], der [[Herbst]], und in bezug auf das Selbst das [[Herz]], das [[Wissen]] und das Gewußte.
 
Der Nachhall ist die [[Vedangas]], [[Schöpfung]] und Vergang, die [[Veda]]gespräche, die großen Sprüche, die [[Upanishaden]], die Vedavorschriften, die sieben [[Vyahriti]]s, die sieben Töne, und [[Kunst]], [[Tanz]], [[Rede]] und [[Musik]]; und die Lieder des [[Citraratha]] und der übrigen [Gandharven]; der [[Blitz]], die [[Brihati]], das dreiunddreißigfache Saman, die obere Himmelsrichtung, die vier Monate der übrigen Jahreszeiten, und in bezug auf das Selbst das [[Ohr]], die [[Stimme]] und das Hören.
 
Dieser Pranava, die eine Silbe, entstand vor dem Tapas, ist das [[Brahman]], der Same des Veda; aus diesem Pranava sind alle [[Mantra]]s entsprungen.
 
Und dieses ist das Werk des Pranava: wenn man die Mantras ohne Tapas, Lehrerdienst oder zu verbotener [[Zeit]] studiert, so wird ihre [[Kraft]] geschwächt und sie haften nicht; durch den Pranava aber, welcher die Essenz des Atharvaveda ist, erhalten sie ihre Kraft zurück und haften wieder. Und wie ein [[Kind]] bei der [[Geburt]], wenn es unglücklich liegt, die [[Mutter]] tötet, und wenn es glücklich liegt, sie befreit, so gehen durch den Pranava beim Studium die Mantras glücklich vonstatten und haften, und beim [[Opfer]] werden durch den Pranava die Opfer ohne Fehler.
 
Darum heißt es: "Der Pranava ist die eine Silbe, welche sie am Anfang jeder Opferhandlung und am Schluß derselben aussprechen."
 
:Des Hymnus Laut im höchsten Himmelsraum,
:Auf dem gestützt die [[Götter Namen Liste von A-Z|Götter]] alle thronen,
:Wenn man den nicht kennt, wozu hilft der Hymnus dann? —
:Wir, die ihn kennen, haben uns versammelt hier.<ref>Rigv. 1,164,39; die letzte Zeile ist von den persischen Übersetzern, falls sie nicht eine andere Lesart vor sich hatten, mißverstanden worden.</ref>
 
Dieser "Laut" ist der Pranava.
 
Wer nun einen [[Wunsch]] hat, der möge drei Nächte [[Enthaltsamkeit]] üben, auf Streu schlafen und nach [[Osten]] gerichtet schweigend sitzen und in jeder [[Nacht]] tausendmal des Pranava gedenk sein; dann wird er das Gewünschte erhalten und die [[Frucht]] seines Opferwerks erlangen.
 
===Zweites Brahmanam===
Als [[Sudha]]<ref>Sudhayam gleich Svarge (Sayana zu Ait. Br. 3,47,8). Weber denkt an Sobha (vgl. Ind. Stud. II, 38 n.).</ref>, die Stadt des [[Indra]], von allen Seiten durch die [[Asura]]s bestürmt wurde, da fürchteten sich die [[Götter Namen Liste von A-Z|Götter]] und sprachen: "Wer wird diese Asuras überwinden?" Da sprachen sie zu dem [[Om]]-Laute, dem Erstgeborenen des [[Brahman]]: "Du bist unter uns der Mächtigste; laß uns durch dich die Asuras überwinden!" - "Was wird mein Lohn sein?" sprach er. - Sie sprachen: "Was forderst du?" - Der [[Pranava]] sprach: "Daß sie, ohne mich vorher ausgesprochen zu haben, den [[Veda]] nicht studieren; und daß, wenn sie nicht mich vorher aussprechen, das Vedastudium keine Frucht bringe!" - "So sei es", sprachen sie. Da griffen die Götter von dem Ort, wo das [[Opfer]] war, von [[Norden]] her (oben S. 131, Anm. 2) an, sprachen "Om!" und überwanden mit Hilfe des Pranava die Asuras.
 
Darum spricht man bei allen [[heilig]]en [[Handlung]]en das Wort Om, und wer es nicht weiß, der vermag die Handlung nicht zu vollbringen; wer es aber weiß, der hat die [[Veden]] in der Gewalt. Darum, wenn man es ausspricht beim Beginn des [[Rigveda]], so ist es der Rigveda; des [[Yajurveda]], der Yajurveda; des [[Samaveda]], der Samaveda. Und bei jedem Werk, daß man den Pranava zu Anfang ausspricht, das ist die Gestalt desselben, - die Gestalt desselben.
 
===Drittes Brahmanam===
:[Den Prajapati] befragten sie in betreff des [[Om]]-Lautes:
 
[[Datei:Diwali-Om.jpg|thumb|Lichter-Om, aufgenommen an Diwali, Yoga Vidya Westerwald Nov. 2009]]
 
:1. Welches ist seine Wurzel ([[Prakriti]])?
 
:2. Welches seine Aussprache?
 
:3. Womit geht er den [[Sandhi]] ein?
 
:4. Soll man ihn als männlich, weiblich oder sächlich behandeln?
 
:5. Ist er Singular, Dual oder Plural?
 
:6-13.  Kann man ihn in die Kasusbeziehungen: 6. "ihn", 7. "von ihm", 8. "mit ihm", 9. "in ihm", 10. "durch ihn", 11. "aus ihm", 12. "ihm" setzen?
 
:13.    und durch welche Suffixe werden diese Beziehungen an ihm bezeichnet?
 
:14. Ist er in leisem, mittlerem oder lautem Ton zu sprechen?
 
:15. Wird sein Sinn durch Vorsetzung eines Lautes [z. B. in Som, oben S. 220] verändert, und können seine Laute [z. B. bei Plutierung, oben S. 728, oder durch Vertauschung des [[Anusvara]] ṃ gegen m mit [[Virama]]] modifiziert werden? [Der Sinn ist unsicher, da die Antwort nur unvollständig erfolgt.]
 
:16.    Welches ist seine Auslegung? Was ist nach ihm, und wonach ist er gestaltet?
 
:17-21. Wie viele [[Matra]]s hat er? Wie ist er zusammengesetzt? Wie viele Zeichen hat er? Wie viele Laute? Von was ist er gefolgt?
 
:22.    Mit welchem Organ wird er ausgesprochen?
 
:23a.  Wie wird er ausgesprochen?
 
:23b.  Und wie wird seine [[Aussprache]] gelehrt?
 
:24. Welches ist sein [[Versmaß]]?
 
:25. Welches ist seine [[Farbe]]?
 
:26. Welches ist seine Hauptwirkung?
 
:27. Wie vielfach wird er ausgesprochen?
 
:28. Welche Erzählung dient dem als Erklärung?
 
:29. In welchem Laute [von Om] ist der [[Rigveda]], in welchem der [[Yajurveda]], in welchem der [[Samaveda]]?
 
:30. Warum sprechen die [[Veda]]studierenden den [[Pranava]] vorher aus?
 
:31. Welches ist seine [[Gottheit]]?
 
:32. Welches ist die rechte [[Zeit]], ihn zu sprechen?
 
:33. Welches ist die Erklärung seiner Laute?
 
:34. Welches ist seine Stätte ([[Loka]])?
 
:35. Und welches ist die Stätte, in der er entsprungen?
 
:36. Mit welchem, in dem Leib, ist er verbunden?
 
[[Prajapati]] sprach: Diese sechsunddreißig Fragen trennend, will ich den Pranava erklären.
 
:1. Seine Wurzel ist [[ap]], nach anderen [[av]]; nach ersterem umgibt er ([[Apnoti]]), nach letzterem ernährt er ([[Avati]]). Aber das Umgeben ist mehr als das Ernähren; und ap (das [[Wasser]]) heißt so, weil es, wie [[Brahman]], alles umgibt.
 
:2. Seine Aussprache ist verbunden oder getrennt; mag man die Buchstaben einzeln oder zusammen aussprechen, so gibt es denselben Sinn.
 
:3. Die Laute, mit denen er den [[Sandhi]] eingeht (a, ā), verlieren ihre Aussprache, behalten aber ihre Bedeutung (Pan. 6,1,95).
 
:4. Er erleidet keinen Unterschied in der Aussprache als männlich oder weiblich, (wird mit lauter Stimme gesprochen<ref>Antwort auf 14., hier nicht am Platz.</ref>) und kann eben wohl mit einem männlichen, weiblichen oder sächlichen [Adjektiv] verbunden werden.
 
:5. (Die Antwort ist in 23. eingeschoben.)
 
:6-13. Man kann ihn in die Kasusbeziehungen 6. "ihn", 7. "von ihm", 8. "mit ihm", 9. "in ihm", 10. "durch ihn", 11. "aus ihm", 12. "ihm" setzen; 13. in allen diesen Fällen bleibt er derselbe (ohne Suffix).
 
:14. (Die Antwort ist in 23. eingeschoben.)
 
:15. (Die Antwort ist in 23. eingeschoben.)
 
:16. Das a (in Ap "Wasser") wird zu o, und das p zu m, und aus diesen beiden Zeichen ist der Laut o-m gestaltet.
 
:17-21. Seiner [[Matra]]s sind drei, a, u, m. Mit drei Nachhallen ([[Mad]] gleich [[Nada]]?) wird er gesprochen (oben S. 728). Der Nachhall ist an ihm das vierte Element. So besteht er aus 3 1/2 Matras.
 
:22. Mit den [[Lippen]] wird er ausgesprochen.
 
:23a. Bei o wird die [[Kehle]] erweitert, bei m werden die Lippen geschlossen; - (Antwort auf 19:) seiner Zeichen sind zwei, nicht eines; - (Antwort auf 15:) die Anfügung des [[Virama]] ändert seinen Sinn nicht; - (Antwort auf 14:) er kann in leisem, mittlerem oder lautem Tone gesprochen werden; - (Antwort auf 5:) er kann als Singular, Dual und Plural gebraucht werden.
 
:23b. Also haben die Altvordern ihn ausgesprochen und überliefert, so daß die [[Schüler]] solcher Fragen nicht bedurften; denn sie wußten, daß man doch nur vom Hören seine Aussprache lernen kann.
 
Nun war unter den Späteren in [[Kanyakubja]] der gelehrte "[[Anheh]]", der sich mit den [[Weise]]n über derartige Fragen unteredete. Und er befragte die [[Rishi]]s: "Welches ist die Art, den Pranava schlecht auszusprechen, daß man weiß, er sei schlecht ausgesprochen; und welches ist die Art, von der man sagt, er sei richtig ausgesprochen?" [Und sie antworteten:] "Sechs Eigentümlichkeiten sind bei seiner Aussprache: der Ort seiner Aussprache, die Art, die Richtigkeit, die Maße, die Zeit und die Werke, bei denen er zu sprechen. Für diese preisen sie den Sprechenden. Wer aber diese sechs nicht weiß, kann den Pranava nicht richtig aussprechen."
 
:24. Sein Versmaß ist die [[Gayatri]]; denn diese sprechen die Götter in einem [[Wort]]e aus.
 
:25. Seine Farbe ist weiß (vgl. oben S. 722. 727).
 
:26. Die Art seines Wirkens ist, daß er zu Anfang ausgesprochen wird.
 
:27. Zweifach, so lautet die Antwort [wird der Om-Laut ausgesprochen, nämlich erstlich (wenn wir die Stelle richtig verstehen) in Gestalt der vier [[Vyahriti]]s, zweitens als der Pranava]. I. Da sind die [[Mantra]]s, die [[Vidhi]]s und das [[Brahman]] als Teile der [[Veden]], nämlich des Rigveda, Yajurveda, Samaveda; dazu der [[Atharvaveda]], dessen Glorie ([[Mahiman]]) der Pranava ist. Nämlich die Glorie der vier Veden ist, was zu Anfang derselben ausgesprochen wird. Dieses sind vier Worte: Om zu Anfang des Atharvaveda, [[Bhur]] des Rigveda, [[Bhuvar]] des Yajurveda, [[Svar]] des Samaveda. II. Aber die Glorie von allen ist Om, sofern es zu Anfang aller vier Veden gesprochen wird; wo nicht, so wird ihre Kraft geschwächt, und sie bringen keine Frucht.
 
:28. Nach Ablauf des [[Satya]]m und der [[Treta]], zu Anfang des Zeitalters [[Dvapara]]m erwogen die Rishis: "Jetzt werden sie ohne genügende Kenntnis des Rig-, Yajur- und Samaveda opfern, und ihr Werk wird mangelhaft und ohne Frucht sein; wie darf die Werke solches Unheil treffen?" - Da gerieten sie in Furcht; denn die Altvordern hatten darüber nichts hinterlassen, was zu tun sei, wenn die Veden fruchtlos werden sollten. Und sie sprachen: "Wohlan! laßt uns allesamt zum verehrungswürdigen [[Atharvan]] gehen und ihn bitten, daß er uns Furchtlosigkeit verleihe und uns darüber belehre." Und sie bedachten: "Wie wird er zu uns reden, wenn wir ihm nicht in Unterwürfigkeit nahen?" Und sie gingen hin und nahten ihm in Unterwürfigkeit. Aber Atharvan, nachdem er sie als [[Schüler]] aufgenommen, sprach zu ihnen: "Jenes große Wort, welches zu Anfang des nach mir benannten [[Veda]] steht, das sprechen meine Schüler zu Anfang des Studiums aller Veden aus; dadurch werden die [[Mantra]]s der Veden fruchtbringend. Wenn ihr nun bei den Werken eurer Veden den Anfang des Atharvaveda nicht sprecht, so werden eure Werke mangelhaft und ohne Frucht sein und schädigen den, der opfert und opfern läßt. Darum lehrt eure Nachkommen, also zu tun; so werden der Rig-, Yajur- und Samaveda fruchtbringend sein." Da sprachen die Rishis: "So sei es, o Ehrwürdiger; wir sind befreit von [[Furcht]] und [[Kummer]] und voll [[Freude]]!"
 
:29. (Die Antwort fehlt; sie ist aus S. 631. 727. 859 zu entnehmen.)
 
:30. Darum geschieht es, daß die Vedastudierenden vor den Mantras, Werken und Abteilungen des Veda, nämlich des Yajur- und Samaveda, das große Wort Om aussprechen.
 
{{#ev:youtube|R8079u9aASA}}
 
:31-34. Wenn sie den [[Pranava]] zu Eingang des Rigveda sprechen, so ist seine [[Gottheit]] das [[Feuer]], sein [[Licht]] der Pranava, sein Versmaß die [[Gayatri]], seine Stätte die [[Erde]]; und sie beginnen mit dem ersten Verse des Rigveda, weil er das Feuer preist (Rigv. 1,1,1: Agnim ile etc.).
 
Und wenn sie den Pranava zu Eingang des Yajurveda sprechen, so ist seine Gottheit der [[Wind]], sein Licht der Pranava, sein Versmaß die [[Trishtubh]], seine Stätte der [[Luftraum]], und sie beginnen mit dem ersten Verse des Yajurveda, weil er den [[Regen]] preist (Vaj. Samh. 1,1,1: Ishe [gleich Vrishtayai] Tat etc.).
 
Und wenn sie den Pranava zu Eingang des Samaveda sprechen, so ist seine Gottheit die [[Sonne]], sein Licht der Pranava, sein Versmaß die [[Jagati]], seine Stätte der [[Himmel]], und sie beginnen mit dem ersten Verse des Samaveda, weil er das Feuer preist (Samav. 1,1,1: Agna'Ayahi etc.).
 
Und wenn sie den Pranava zu Eingang des Atharvaveda sprechen, so ist seine Gottheit der [[Mond]], sein Licht der Pranava, sein Versmaß alle Versmaße, seine Stätte das [[Wasser]], und sie beginnen mit dem ersten Verse des Atharvaveda, weil er das Wasser preist (Atharvav. 1,6,1: Sam no devir etc.).
 
:35. Dieses ist das Wasser, aus welchem alles Bewegliche und Unbewegliche entsprungen ist. Darum ist alles Wasser, so soll man wissen, und alles Atharvaveda. Darum ist das Wasser und der Pranava dasselbe; denn das Wasser heißt [[Ap]], und ap ist als o der Anfangslaut des Pranava. Darum, hat der Rishi [[Vyasa]] gesagt, sollen am letzten Tage des Monats [[Sravana]] diejenigen, welche der Vorschrift des Atharvaveda folgen, keinen Veda studieren, denn er wird keinen Nutzen bringen. Darum soll, wer die Veden sich zueignen will, den Atharvaveda studieren; ohne dieses ist es nutzlos. Denn der Samaveda ist der größte, weil er Frucht bringt, wenn man ihn mit [[Tapas]] liest; der Atharvaveda aber bringt auch ohne Tapas diese Frucht. Darum, wer den Atharvaveda studiert, der weiß auch die drei anderen Veden, denn sie sind in ihm enthalten. - Also lautet die Unterweisung des Veda.
 
:36. Aber die Hauptwirkung des Atharvaveda ist, daß der am [[Nichtwissen]] des [[Atman]] Krankende durch den Pranava geheilt wird, welcher der Anfang des Atharvaveda ist. Und das ist die Frucht der [https://www.yoga-vidya.de/meditation/ Meditation] des Pranava, daß man zum reinen Atman wird. Durch Nachdenken über den Pranava soll man im [https://www.yoga-vidya.de/seminarsuche/herz Herzen] die individuelle und die höchste [[Seele]] einsmachen; dann läßt man alle Schriftwerke und bleibt als reiner Atman bestehen. "Ich bin Om!" dieses ist der [[Zustand]] der [[Versenkung]]; in diesem Zustand läßt man alle Zweiheit fahren
und gelangt zur unterschiedlosen Versenkung ([[Nirvikalpasamadhi]]), in der man ohne "Ich" und ohne "Dieses" als reiner Atman besteht.
 
Wer diese Fragen wohl begriffen hat, der wird allwissend, der weiß die Antwort auf alle Fragen.
 
===Pranava Upanishad===
(Aus [[Gopatha Brahmana]]m I, 1,16-30.)
 
'''Erstes Brahmanam gleich Gop.-B. L 1,16-22'''
 
:16. Das [[Brahman]] erschuf in einer [[Lotos]]blume den [[Brahma]]. Dieser Brahma, nachdem er erschaffen war, kam auf den [[Gedanke]]n: "Welches ist die eine Silbe, durch die ich alle [[Wunsch|Wünsche]], alle [[Loka|Welten]], alle [[Götter Namen Liste von A-Z|Götter]], alle [[Veden]], alle [[Opfer]], alle Reden, alle Belohnungen und alle [[Wesen]], die unbeweglichen und die beweglichen, erlangen kann?" — Und er übte Brahmanwandel. Da sah er jene Silbe "[[Om]]", welche aus zwei Schriftzeichen und vier [[Mora|Moren]] besteht, welche allbefassend, allbeherrschend, allezeit neu, das Brahman, der Brahman bezeichnende Ausruf, das Brahman als [[Gottheit]] habend ist. Damit erlangte er alle Wünsche, alle Welten, alle Götter, alle Veden, alle Opfer, alle Reden, alle Belohnungen und alle Wesen, die unbeweglichen und die beweglichen.
 
Durch ihr erstes Schriftzeichen erlangte er das [[Wasser]] und das Feuchte [lies: Apas Snehanca]; durch ihr zweites Schriftzeichen erlangte er das [[Feuer]] und die Lichter.
 
:17. Durch ihre erste Laut-Mora erlangte er die [[Erde]], das Feuer, die [[Kräuter]] und [[Baum|Bäume]], den [[Rigveda]], den Ausruf [lies: [[Vyahriti]]m] [[Bhur]], das [[Gayatri]]-Metrum, den [[Stoma]] [[Trivrit]], die östliche Himmelsgegend, die Jahreszeit des [[Frühling]]s, und in bezug auf das [[Selbst]] die [[Rede]], die [[Zunge]] und den [[Geschmack]], diese Organe.
 
:18. Durch ihre zweite Laut-Mora erlangte er den [[Luftraum]], den [[Wind]], den [[Yajurveda]], den Ausruf [[Bhuvar]], das [[Trishtubh]]-Metrum, den fünfzehnfachen [[Stoma]], die westliche Himmelsgegend, die Jahreszeit des [[Sommer]]s, und in bezug auf das Selbst den [[Atem|Odem]], die [[Nase]] und das Riechen des [[Geruch]]s, diese Organe.
 
:19. Durch ihre dritte Laut-Mora erlangte er den [[Himmel]], die [[Sonne]], den Samaveda, den Ausruf [[Svar]], das [[Jagati]]-Metrum, den siebzehnfachen Stoma, die nördliche Himmelsgegend, die Jahreszeit des [[Regen]]s, und in bezug auf das Selbst das [[Licht]], die [[Auge]]n und das Sehen, diese Organe.
 
:20. Durch ihre [[Va]]-Laut-Mora (?) erlangte er das Wasser, den [[Mond]], den [[Atharvaveda]], die [[Stern]]e, als den Laut Om ihr eigenes Selbst, als den Laut [[Janar]] das der [[Angira]]s, das [[Anushtubh]]-Metrum, den einundzwanzigfachen Stoma, die südliche Himmelsgegend, die Jahreszeit des [[Herbst]]es, und in bezug auf das Selbst das [[Manas]], das [[Wissen]] und das Gewußte, diese Organe.
 
:21. Durch das Hören ihres [[Ma]]-Lautes erlangte er die epischen und mythologischen Gedichte, die [[Veda]]gespräche, die [[Narasansa]]-Lieder, die [[Upanishaden]], [den Inhalt] der Vedavorschriften, die [sieben] Ausrufe [[Vridhat]], [[Karat]], [[Guhat]], [[Mahat]], [[Tat]], [[Sam]] und Om: die mannigfachen, durch ihre Töne heilbringenden Saitenspiele, die [sieben] Töne, [[Tanz]], [[Gesang]] und [[Musik]], ferner erlangte er das Götterlied des [[Citraratha]], das Blitzeslicht, das [[Brihati]]-Metrum, den dreimal neunfachen und dreiunddreißigfachen Stoma, die feste obere Himmelsgegend, die Jahreszeiten des [[Winter]]s und des Nachwinters, und in bezug auf das Selbst das [[Ohr]], die Töne und das Hören, diese Organe.
 
:22. Dieser aus nur einer Silbe bestehende Rigvers ist vor dem Brahma und dem [[Tapas]] entstanden als das Brahman, als der Atharva-Same des Veda; aus diesem sind die [[Mantra]]s entsprungen. Dieser [Pranava] aber, fürwahr, wenn man die Mantras ohne Tapas, ungehorsamerweise zu verbotener [[Zeit]] studierend, etwas mangelhaft, beschädigt oder unbrauchbar vollbringt, dann bringt er sie durch die [[Energie]] der [[Atharvana]] wieder zu [[Kraft]]; die Mantras könnten sich [feindlich] gegen mich wenden, wie [[Embryo]]s die [[Mutter]] zu töten suchen könnten [lies: Abhijighanseyus], [so denkt er] und wendet vorher den Om-Laut an, dann bringt er es durch diese Ric wieder zu Kräften; sie also wird vor dem [[Opfer]] verwendet und sie hinterher, so wird durch sie das Opfer allseitig ausgebreitet.
Eben dieses wird durch einen Vers gesagt:
 
:"Sie, welche vorher verwendet wird,
:Auf dieser Ric Laut im höchsten Himmelsraum" ...
 
:(Atharvav. 9,10,18 gleich Rigv. 1, 164,39.)
 
Diese Silbe soll ein [[Brahmane]], wenn er einen [[Wunsch]] hat, nachdem er drei Nächte [[Enthaltsamkeit]] geübt und nach [[Osten]] gerichtet schweigend sich auf die Streu gesetzt hat, tausendmal bei sich wiederholen; dann gehen seine Wünsche in Erfüllung und alle seine Opferwerke. — So lautet das Brahmanam.
 
{{#ev:youtube|ZkCATBaolfs}}
 
===Zweites Brahmanam gleich Gop.-B. I, 1,23.===
:23. Es gibt mit Namen [[Vasordhara]] (Güterstrom) eine Stadt des [[Indra]]; diese bestürmten die [[Asura]]s von allen Seiten; da fürchteten sich
die [[Götter Namen Liste von A-Z|Götter]] und sprachen: "Wer wird diese Asuras abwehren?" Da sahen sie den Om-Laut, den erstgeborenen [[Sohn]] des [[Brahman]]. Zu dem sprachen sie: "Laß uns durch dich als [[Mund]] diese Asuras überwinden!" - Er sprach: "Was wird mein Lohn sein?" - "Wähle ein [[Geschenk]]", sprachen sie. - "Ich will es wählen", sprach er. Und er wählte ein Geschenk: "Möchten nicht, ohne mich ausgesprochen zu haben, die Brahmanen das [[Veda]]wort rezitieren, und wenn sie mich nicht vorher aussprechen, so möge es ohne Wirkung ([[Abrahman]]) sein!" - "So sei es", sprachen sie. Da wurden die Götter von der nördlichen Seite des Opferplatzes her mit den Asuras handgemein, und die Götter überwanden mit dem Om-Laute von der Stätte des [[Agnidhriya]]-Feuers aus die Asuras.
 
Weil sie dieselben überwanden, darum wird der Om-Laut vorher ausgesprochen, und wer diesen Om-Laut nicht weiß, der ist machtlos; wer ihn aber weiß, der hat das Vedawort in der Gewalt.
 
Darum ist der Om-Laut die [[Ric]] in der Ric, das [[Yajua]] im [[Yajus]], das [[Saman]] im Saman, das [[Sutra]]m im Sutram, das [[Brahmana]]m im [[Brahmana]]m, der [[Sloka]] im Sloka, der Pranava im Pranava. - So lautet das Brahmanam.
 
===Drittes Brahmanam gleich Gop.-B. I, 1,24-30.===
24. Wir stellen Fragen über den Om-Laut:
 
[[Datei:2009-Om Klangschale Glocke Symbole-gross.jpg|thumb]]
 
:1. Welches ist seine Wurzel?
 
:2. Welches ist sein Stamm?
 
:3. Welches ist seine Beziehung auf Nomen und Verbum ([[Namakhyata]]m)?
 
:4. Welches sein Genus?
 
:5. Welches seine Aussprache?
 
:6. Welches sein Kasus?
 
:7. Welches sein Suffix?
 
:8. Welches sein Akzent?
 
:9. Welches seine Präposition?
 
:10. Welches seine Partikel?
 
:11. Welches seine Analysis?
 
:12. Welches seine Umwandlung?
 
:13. Welches sein wandelbares Element?
:14. Wieviele [[Mora|Moren]] hat er?
 
:15. Wieviele Buchstaben?
 
:16. Wieviele Silben?
 
:17. Wieviele [[Wort]]e?
 
:18. Welches ist seine Konsonantenverbindung?
 
:19. Was bewirkt einen Zuwachs seines Nachhalls [lies: Nada]?
 
:20. Seine Phonetiker?
 
:21. Als was sprechen sie ihn aus?
 
:22. Welches ist sein Metrum?
 
:23. Welches ist seine [[Farbe]]?
 
So lauten die ersten Fragen. Nun folgen die weiteren:
 
:24. Sein Spruch?
 
:25. Sein [[Ritual]]?
 
:26. Sein [[Brahmana]]m?
 
:27. Seine [[Ric]]?
 
:28. Sein [[Yajus]]?
 
:29. Sein [[Saman]]?
 
:30. Warum setzen die Brahmanlehrer den Om-Laut zu Anfang?
 
:31. Was als [[Gottheit]] habend?
:32. Was sein Lichtprinzip?
 
:33. Was seine Etymologie?
 
:34. Was sein Ort?
 
:35. Welches sein Ursprung?
 
:36. Welches seine Beziehung auf das [[Selbst]]?
 
Das sind die sechsunddreißig Fragen. Die früheren und späteren bilden drei Gruppen zu je zwölfen; nach diesen wollen wir den Om-Laut erklären.
 
[[Datei:Brahma Vishnu Shiva OM.jpg|thumb|Brahma, Vishnu und Shiva im OM - Mahabharata Manuskript auf Seide, 1795]]
 
:25. [[Indra]] befragte den [[Prajapati]]: O Heiliger, indem ich mich [durch Ergreifen des Brennholzes] weihe, befrage ich dich. - Frage, mein Lieber, so sprach er. - Was ist dieser Om-Laut? Wessen Sohn ist er? Was ist sein Metrum? Was ist seine Farbe? Und als was erreicht der [[Priester]] jenes Brahman? Denn darum hat er ja jenen heilbringenden Om-Laut vorher [gleichsam] geopfert. Mit dem [[Svarita]] als Betonung und einsilbig ist der Om-Laut im [[Rigveda]]; mit den drei Akzenten als Betonung und einsilbig ist der Om-Laut im [[Yajurveda]]; mit langgedehnter Betonung und einsilbig ist der Om-Laut im [[Samaveda]]; mit kurzer Betonung und einsilbig ist der Om-Laut im Atharvaveda; mit dem [[Udatta]] als Betonung ist er zweigliedrig, nämlich als A und U; es sind drei und eine halbe Moren, wofür in dem M-Laute die Andeutung liegt, wie man sagt (?). Was die erste Mora betrifft, so hat sie den [[Brahma]] als Gottheit, ist rot an Farbe, und wer sie beständig meditiert, der gelangt zu der Stätte des Brahma. Was die zweite Mora betrifft, so hat sie [[Visnu]] als Gottheit, ist schwarz an Farbe, und wer sie beständig meditiert, der gelangt zu der Stätte des Visnu. Was die dritte Mora betrifft, so hat sie den [[Isana]] ([[Siva]]) als Gottheit, ist braun an Farbe, und wer sie beständig meditiert, der gelangt zu der Stätte des Isana. Was die dreieinhalbte Mora betrifft, so ist sie allen Gottheiten geweiht, geht, indem sie sich entfaltet, in den [[Äther]] ein und ist an Farbe einem reinen [[Bergkristall]] ähnlich; wer diese beständig meditiert, der gelangt zu der namenlosen Stätte, und sie ist der Ursprung des Om-Lautes. Wenn ein Brahmane dies nicht weiß, so ist abermalige Einführung beim [[Lehrer]] [erforderlich]; darum ist das Wort unseres Brahmanam in acht zu nehmen wie ein nicht anzurührender Feuerbrand ([[Alatavyo]]). Seine [[Familie]]? Er ist ein Sohn des Brahma; sein Metrum die [[Gayatri]], seine Farbe weiß. Er ist mit Vorliebe männlich [Punso vatso?]. [[Rudra]] ist seine Gottheit. So ist der Om-Laut der [[Veden]].
 
:26. Welches ist seine Wurzel? Die Wurzel ist [[ap]]; einige meinen, sie sei [[av]]. Aber die Sinngemäßheit liegt näher als die Formgemäßheit; somit kommt es von ap und bedeutet, daß der Om-Laut alles umfaßt [Ap-noti]. Daß es ein Wurzelkompositum ist, entspricht der Sache. Ein Nominalthema ist nicht ersichtlich. Der Name Suffix [für M] ist zutreffend, und unter den Ausnahmen erwähnen ihn die Grammatiker ausdrücklich. Er ist ein adverbielles Kompositum ([[Avyayibhuta]]m); diese Benennung ist sinngemäß und bedeutet, daß ein solches sich niemals ändert. Denn es heißt:
 
:Was gleich sich bleibend in den drei Geschlechtern,
:In allen Casibus und Numeris
:Unwandelbar beharrt, heißt unflektierbar ([[Avyaya]]m).
 
:(Mahabhashyam 1,1,38, p. 96,16.)
 
Welches als wandelbares Element kommt in Wegfall? Es findet Vokalisierung statt. Von der Wurzel ap müssen die Buchstaben A und P gewandelt werden. In seinem Anfange ist der Om-Laut umgewandelt. Das zweite Element ist der Laut M. So kommt als Om der aus zwei Buchstaben bestehende einsilbige Om-Laut heraus.
 
:27. Wie viele Moren? Der Anfang enthält drei Moren, denn zu Eingang plutiert er sich; der M-Laut ist die vierte Mora. Welches ist sein Ort? Die beiden [[Lippen]] sind sein Ort, und als den Zuwachs des Nachhalls bewirkend sind sie ein zweifacher Ort. Der Diphthong [au] und das schwach nachhallende a kommen aus der Kehle mit der erwähnten [konsonantischen] Ergänzung. Der erstere steht da, um den offenen Laut zu bewirken, der zweite [der M-Laut] steht da, um den Konsonanten zu bewirken. Eine Konsonantenverbindung ist nicht vorhanden. Was weiter Verbalform, Präposition, Gravis, Zirkumflex, Genus, Kasus und Aussprache betrifft, so hat es ehemalige ihre Beschaffenheit studierende [[Lehrer]] gegeben, welche sagten: "Nur vom Hören lernt man es, nach einer [[Ursache]] fragt man nicht." Aber der zur Gegenpartei gehörige [[Weise]] [[Pancalacanda]] befragte sie und sprach: "Jetzt sollt ihr mir einmal der Reihe nach und einzeln (Anu u Prithag?) die Fehler aufzählen, die man beim [[Udgitha]] begehen kann!" Darum soll man
bei der Einteilung nach Buchstaben, Silben, Worten und Zeichen acht geben; damit hält man die von den Weisen wertgeschätzte Rede in Ehren. Darum erörtern wir die Ursache, indem wir glauben, daß dies zur [[Gesundheit]] der Buchstaben beiträgt, und wir, die wir die sechs [[Vedanga]]s kennen, studieren es in dieser Weise.
 
Welches ist sein Metrum? Sein Metrum ist die [[Gayatri]], denn die Gayatri der [[Götter Namen Liste von A-Z|Götter]] wird erklärt als einsilbig und von weißer [[Farbe]]: So weit in betreff der zwei Gruppen von je zwölfen. Dieses also ist seine Analysis, die Erklärung des Sinnes seiner Wurzel, seine phonetische Behandlung und die Erklärung seines Metrums. Was nun die beiden letzten Gruppen zu je zwölfen betrifft, so ist die Geheimlehre des [[Veda]] [betreffend den Om-Laut] erklärt worden. Spruch, Ritual und [[heilig]]e Rede findet sich im Rig-, Yajur-, Sama- und Atharvaveda, dieses aber ist der heilige Ausruf, wie er in den vier Veden der Reihe nach gebraucht wird, nämlich die Ausrufe: [[Om]], [[Bhur]], [[Bhuvar]] und [[Svar]].
 
:28. Als Mittel, die Nichtumsichtigen auf die Probe zu stellen, wird folgendes überliefert. Zu Anfang des Zeitalters [[Dvapara]]m verfiel ein
einzelner [[Rishi]] als Urheber der [[Schuld]] hienieden auf den [[Gedanke]]n, daß der [[Soma]] mittels der drei Veden zu trinken und daß es damit genug sei. Infolgedessen geschah es, daß die Rig-, Yajur- und Samalieder ihren Glanz einbüßten. Da jammerten die großen Rishis und sprachen: "In große Bekümmernis und [[Furcht]] sind wir geraten, und das [was zu tun ist] ist von allen [Altvordern] nicht überliefert worden. Wohlan, laßt uns allesamt zu dem verehrungswürdigen [Atharvan] gehen." [Dieser sprach zu ihnen:] "Ich will euer aller [[Schutz]] sein." - "So sei es", sprachen sie und standen schweigend. "Nicht, wenn ihr nicht in Unterwürfigkeit naht", sprach er. - "Wir wollen dir in Unterwürfigkeit nahen", sprachen sie und warfen sich vor ihm nieder. Aber er, nachdem er sie als [[Schüler]] aufgenommen, sprach zu ihnen: "Den mir eigenen Ausruf sollt ihr jedesmal zu Anfang gebrauchen; so rezitieren die, welche meine Schüler sind.
 
Nicht ohne solche, welche die [[Bhrigu]]- und [[Angiras]]-Sprüche (den Atharvaveda) kennen, darf der Soma getrunken werden; sonst kommen die Opferpriester um, der Opferherr wird mit Unreinheit bestreut und auch die [[heilig]]e [[Schrift]] bleibt überstäubt. So sollt ihr es in immer fortgesetzter Überlieferung jedem kommenden Geschlecht lehren, dann wird der Glanz nicht verloren gehen." - "So sei es, so sei es, o Herr", mit diesen Worten stimmten sie ihm zu, gediehen und wurden frei von [[Kummer]] und Furcht. Darum gebrauchen die Brahmanlehrer den Om-Laut am Anfang.
 
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:29. Welche Gottheit habend ist er? Für die Rics ist die Gottheit [[Agni]], ebendieselbe das Lichtprinzip, die Gayatri das Metrum, die [[Erde]] der Standort. Agnim ile purohitam yajnasya devam ritvijam, hotaram ratnadhatamam (Rigv. 1,1,1), mit diesen Worten beginnend, studieren sie den Rigveda.
 
Für die [[Yajus]] ist die Gottheit [[Vayu]], ebendieselbe das [[Licht]], die [[Trishtubh]] das Metrum, der Luftraum der Standort. Ishe tva, urje tva, vayava stha devo vah savita prarpayatu sreshthatamaya karmane (Vaj. Samh. 1,1,1), mit diesen Worten beginnend studieren sie den Yajurveda.
 
Für die [[Saman]]s ist die Gottheit [[Aditya]], ebendieselbe das Licht, die [[Jagati]] das Metrum, der [[Himmel]] der Standort. Agna' ayahi vitaye
grinano havyadataye, ni hota satsi barhishi (Samav. 1,1,1), mit diesen Worten beginnend, studieren sie den Samaveda.
 
Für die Atharvalieder ist die Gottheit der [[Mond]], ebendieselbe das Licht, alle Metra das Metrum, das [[Wasser]] der Ort. Sam no devir abhishtaye (Atharvav. 1,6,1), mit diesen Worten beginnend studieren sie den Atharvaveda. Aus den Wassern entspringt die bewegliche und unbewegliche Schar der [[Wesen]], darum ist alles aus Wasser geworden, alles aus den Bhrigu- und Angiras-Liedern geworden. Die drei anderen Veden sind in die Bhrigu- und Angiras-Lieder eingegangen. Darum heißt das Wasser [[Ap]], und der Ursprung der Wasser ist aus dem Om-Laut. Darum hat [[Vyasa]] ehedem gesagt: "Von einem Kenner der Bhrigu- und Angiras-Lieder geweiht, soll man die anderen Veden studieren, aber auch ohne von einem anderen geweiht zu sein, mag man die Bhrigu- und Angiras-Lieder studieren." Auch im Samaveda sagt eine ergänzende Schriftstelle: "Darum auch wer als Brahmanschüler die Atharvan- und Angiras-Lieder erlernt, der hat damit alles erlernt." — So lautet das Brahmanam.
:30. In bezug auf das Selbst:
 
Heilung des [[Atman]] und [[Erlösung]] des Atman ist der Om-Laut. Seinen Atman in sich verschließend soll man den nur auf der Einswerdung mit ihm beruhenden [[Gedanke]]n seines [des Om-Lautes] realen Sinnes überdenken; dann erhebt man sich über die Veden und erlangt die volle Frucht der höchsten inneren [[Seele]]; das ist der Sinn [des Om-Lautes]. Wer hingegen den mit Reflexion behafteten, erkenntnisartigen [Om-Laut] durch dementsprechende Fragen und Antworten sachgemäß als Wort überdenkt, der ist der Sache kundig, kräftig und bei jeder vedischen Unterredung am Platz. — So lautet das Brahmanam.
 
===Fußnoten===
<references/>
 
== Pranava Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung ==
 
Die Nummern 1.1.16–1.1.30 sind die überlieferten Abschnittsnummern des Gopatha Brāhmaṇa. Jeder Abschnitt wird einzeln übersetzt und unmittelbar erläutert. Der IAST-Text folgt der auf Dieuke Gaastras kritischer Ausgabe beruhenden elektronischen Fassung von Arlo Griffiths. Offenkundige Druckfehler wie ''praśrāḥ'' für ''praśnāḥ'' werden normalisiert; bei inhaltlich unsicheren Lesarten wird der Befund ausdrücklich genannt.
 
=== Abschnitte 1.1.16–21 – Entdeckung und kosmische Entfaltung des Om ===
 
'''1.1.16 – Brahmā schaut die eine Silbe'''<br>
brahma ha vai brahmāṇaṃ puṣkare sasṛje |<br>
sa khalu brahmā sṛṣṭaś cintām āpede |<br>
kenāham ekenākṣareṇa sarvāṃś ca kāmān sarvāṃś ca lokān sarvāṃś ca devān sarvāṃś ca vedān sarvāṃś ca yajñān sarvāṃś ca śabdān sarvāś ca vyuṣṭīḥ sarvāṇi ca bhūtāni sthāvarajaṅgamāny anubhaveyam iti |<br>
sa brahmacaryam acarat |<br>
sa om ity etad akṣaram apaśyad dvivarṇaṃ caturmātraṃ sarvavyāpi sarvavibhvayātayāmabrahma brāhmīṃ vyāhṛtiṃ brahmadaivatām |<br>
tayā sarvāṃś ca kāmān sarvāṃś ca lokān sarvāṃś ca devān sarvāṃś ca vedān sarvāṃś ca yajñān sarvāṃś ca śabdān sarvāś ca vyuṣṭīḥ sarvāṇi ca bhūtāni sthāvarajaṅgamāny anvabhavat |<br>
tasya prathamena varṇenāpaḥ snehaṃ cānvabhavat |<br>
tasya dvitīyena varṇena tejo jyotīṃṣy anvabhavat || 16 ||<br>
 
'''Brahman erschuf Brahmā im Lotus. Der so erschaffene Brahmā geriet ins Nachdenken: „Durch welche eine Silbe könnte ich alle Wünsche, alle Welten, alle Götter, alle Veden, alle Opfer, alle Laute, alle Tagesanbrüche und alle Wesen – unbewegte wie bewegte – erfahren und erlangen?“ Er übte Brahmacharya. Da schaute er die Silbe Om: aus zwei Lauten bestehend, vier Moren umfassend, alldurchdringend, allmächtig, unverbraucht, Brahman selbst, die Brahman zugehörige heilige Äußerung und von Brahman als Gottheit getragen. Durch sie erfuhr und erlangte er alle Wünsche, Welten, Götter, Veden, Opfer, Laute, Tagesanbrüche und alle unbewegten und bewegten Wesen. Durch ihren ersten Laut erlangte er die Wasser und die Feuchtigkeit; durch ihren zweiten Laut Glanz und die Lichter.'''
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''brahma'' – Brahman, die heilige absolute Macht; ''ha vai'' – wahrlich, gewiss; ''brahmāṇam'' – Brahmā, den Schöpfergott; ''puṣkare'' – im Lotus, auch: im Wasserraum; ''sasṛje'' – erschuf; ''saḥ khalu'' – dieser nun; ''brahmā'' – Brahmā; ''sṛṣṭaḥ'' – erschaffen; ''cintām āpede'' – geriet ins Nachdenken; ''kena'' – wodurch; ''aham'' – ich; ''ekena akṣareṇa'' – durch eine einzige Silbe beziehungsweise das eine Unvergängliche; ''sarvān ... kāmān'' – alle Wünsche; ''sarvān ... lokān'' – alle Welten; ''sarvān ... devān'' – alle Götter; ''sarvān ... vedān'' – alle Veden; ''sarvān ... yajñān'' – alle Opfer; ''sarvān ... śabdān'' – alle Laute und Wörter; ''sarvāḥ vyuṣṭīḥ'' – alle Tagesanbrüche und Entfaltungen; ''sarvāṇi bhūtāni'' – alle Wesen; ''sthāvara-jaṅgamāni'' – unbewegte und bewegte; ''anubhaveyam'' – möge ich erfahren, erlangen; ''iti'' – so; ''brahmacaryam acarat'' – er übte Brahmacharya, geistige Disziplin; ''om iti'' – „Om“; ''etat akṣaram'' – diese Silbe, dieses Unvergängliche; ''apaśyat'' – er schaute, erkannte; ''dvi-varṇam'' – zweilautig; ''catur-mātram'' – vier Moren umfassend; ''sarva-vyāpi'' – alles durchdringend; ''sarva-vibhu'' – allmächtig, allgegenwärtig; ''ayātayāma'' – unverbraucht, nicht schal geworden; ''brahma'' – Brahman; ''brāhmīm vyāhṛtim'' – die zu Brahman gehörige heilige Äußerung; ''brahma-daivatām'' – Brahman als Gottheit habend; ''tayā'' – durch sie; ''anvabhavat'' – erfuhr, erlangte; ''prathamena varṇena'' – durch den ersten Laut; ''āpaḥ'' – die Wasser; ''sneham'' – Feuchtigkeit, verbindende Flüssigkeit; ''ca'' – und; ''dvitīyena varṇena'' – durch den zweiten Laut; ''tejaḥ'' – Glanz, Kraft, Hitze; ''jyotīṃṣi'' – die Lichter. Die überlieferte Zeichenfolge ''sarvavibhvayātayāmabrahma'' ist nicht sicher getrennt; die Übersetzung gibt die wahrscheinlichsten Glieder ''sarvavibhu'', ''ayātayāma'' und ''brahma'' wieder.
 
'''1.1.17 – Die erste Vokalmātrā'''<br>
tasya prathamayā svaramātrayā pṛthivīm agnim oṣadhivanaspatīn ṛgvedaṃ bhūr iti vyāhṛtiṃ gāyatraṃ chandas trivṛtaṃ stomaṃ prācīṃ diśaṃ vasantam ṛtuṃ vācam adhyātmaṃ jihvāṃ rasam itīndriyāṇy anvabhavat || 17 ||<br>
 
'''Durch die erste Vokalmātrā des Om erfuhr und erlangte Brahmā die Erde, Agni, Kräuter und Waldbäume, den Rigveda, die heilige Äußerung „Bhūr“, das Gāyatrī-Metrum, den dreifachen Lobgesang, die östliche Richtung, den Frühling als Jahreszeit sowie – im Innern des Menschen – Sprache, Zunge und Geschmack als Wahrnehmungsvermögen.'''
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''tasya'' – von ihm, des Om; ''prathamayā'' – durch die erste; ''svara-mātrayā'' – Vokalmātrā, Maßeinheit eines Vokallauts; ''pṛthivīm'' – die Erde; ''agnim'' – [[Agni]], Feuer; ''oṣadhi-vanaspatīn'' – Kräuter und Waldbäume; ''ṛgvedam'' – den [[Rigveda|Ṛgveda]]; ''bhūḥ iti'' – die Äußerung „Bhūr“, Erde; ''vyāhṛtim'' – heilige Äußerung; ''gāyatram chandas'' – das Gāyatrī-Metrum; ''trivṛtam stomam'' – den dreifachen beziehungsweise neunfach gegliederten Stoma-Lobgesang; ''prācīm diśam'' – die östliche Richtung; ''vasantam ṛtum'' – den Frühling als Jahreszeit; ''vācam'' – Sprache; ''adhyātmam'' – auf den Menschen beziehungsweise das Selbst bezogen; ''jihvām'' – die Zunge; ''rasam'' – Geschmack; ''iti'' – so; ''indriyāṇi'' – die Sinnesvermögen; ''anvabhavat'' – erfuhr, erlangte.
 
'''1.1.18 – Die zweite Vokalmātrā'''<br>
tasya dvitīyayā svaramātrayāntarikṣaṃ vāyuṃ yajurvedaṃ bhuva iti vyāhṛtiṃ traiṣṭubhaṃ chandaḥ pañcadaśaṃ stomaṃ pratīcīṃ diśaṃ grīṣmam ṛtuṃ prāṇam adhyātmaṃ nāsike gandhaghrāṇam itīndriyāṇy anvabhavat || 18 ||<br>
 
'''Durch die zweite Vokalmātrā erfuhr und erlangte er den Zwischenraum, Vāyu, den Yajurveda, die heilige Äußerung „Bhuvaḥ“, das Triṣṭubh-Metrum, den fünfzehnteiligen Lobgesang, die westliche Richtung, den Sommer sowie – im Innern – Prāṇa, die beiden Nasenöffnungen, Geruch und Riechen als Sinnesvermögen.'''
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''tasya'' – des Om; ''dvitīyayā'' – durch die zweite; ''svara-mātrayā'' – Vokalmātrā; ''antarikṣam'' – Zwischenraum, Atmosphäre; ''vāyum'' – [[Vayu|Vāyu]], Wind und Lebenshauch; ''yajurvedam'' – den [[Yajurveda]]; ''bhuvaḥ iti'' – „Bhuvaḥ“, Luftraum; ''vyāhṛtim'' – heilige Äußerung; ''traiṣṭubham chandaḥ'' – das Triṣṭubh-Metrum; ''pañcadaśam stomam'' – den fünfzehnteiligen Stoma-Gesang; ''pratīcīm diśam'' – die westliche Richtung; ''grīṣmam ṛtum'' – den Sommer; ''prāṇam'' – [[Prana|Prāṇa]], Lebensatem; ''adhyātmam'' – auf den Menschen bezogen; ''nāsike'' – die beiden Nasenöffnungen; ''gandham'' – Geruch; ''ghrāṇam'' – Riechen; ''iti indriyāṇi'' – so die Sinnesvermögen; ''anvabhavat'' – erfuhr, erlangte.
 
'''1.1.19 – Die dritte Vokalmātrā'''<br>
tasya tṛtīyayā svaramātrayā divam ādityaṃ sāmavedaṃ svar iti vyāhṛtiṃ jāgataṃ chandaḥ saptadaśaṃ stomam udīcīṃ diśaṃ varṣā ṛtuṃ jyotir adhyātmaṃ cakṣuṣī darśanam itīndriyāṇy anvabhavat || 19 ||<br>
 
'''Durch die dritte Vokalmātrā erfuhr und erlangte er den Himmel, Āditya, den Sāmaveda, die heilige Äußerung „Svar“, das Jagatī-Metrum, den siebzehnteiligen Lobgesang, die nördliche Richtung, die Regenzeit sowie – im Innern – Licht, die beiden Augen und das Sehen als Wahrnehmungsvermögen.'''
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''tasya'' – des Om; ''tṛtīyayā'' – durch die dritte; ''svara-mātrayā'' – Vokalmātrā; ''divam'' – den Himmel; ''ādityam'' – [[Aditya|Āditya]], die Sonne; ''sāmavedam'' – den [[Samaveda|Sāmaveda]]; ''svar iti'' – die Äußerung „Svar“, lichte Himmelswelt; ''vyāhṛtim'' – heilige Äußerung; ''jāgatam chandaḥ'' – das Jagatī-Metrum; ''saptadaśam stomam'' – den siebzehnteiligen Stoma-Gesang; ''udīcīm diśam'' – die nördliche Richtung; ''varṣā ṛtum'' – die Regenzeit; ''jyotiḥ'' – Licht; ''adhyātmam'' – auf den Menschen bezogen; ''cakṣuṣī'' – die beiden Augen; ''darśanam'' – Sehen, Sicht; ''iti indriyāṇi'' – so die Sinnesvermögen; ''anvabhavat'' – erfuhr, erlangte.
 
'''1.1.20 – Die V-Laut-Mātrā und der Atharvaveda'''<br>
tasya vakāramātrayāpaś candramasam atharvavedaṃ nakṣatrāṇy om iti svam ātmānaṃ janad ity aṅgirasām ānuṣṭubhaṃ chanda ekaviṃśaṃ stomaṃ dakṣiṇāṃ diśaṃ śaradam ṛtuṃ mano ’dhyātmaṃ jñānaṃ jñeyam itīndriyāṇy anvabhavat || 20 ||<br>
 
'''Durch die im Text so genannte V-Laut-Mātrā erfuhr und erlangte er die Wasser, den Mond, den Atharvaveda, die Sterne, Om als sein eigenes Selbst, die Äußerung „Janad“ der Aṅgirases, das Anuṣṭubh-Metrum, den einundzwanzigteiligen Lobgesang, die südliche Richtung, den Herbst sowie – im Innern – den Geist, Wissen und das Wissbare als Erkenntnisvermögen.'''
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''tasya'' – des Om; ''va-kāra-mātrayā'' – durch die Mātrā des V-Lautes, so die überlieferte ungewöhnliche Bezeichnung; ''āpaḥ'' – die Wasser; ''candramasam'' – den Mond; ''atharvavedam'' – den [[Atharvaveda]]; ''nakṣatrāṇi'' – die Sterne, Mondhäuser; ''om iti'' – die Äußerung „Om“; ''svam ātmānam'' – sein eigenes Selbst; ''janat iti'' – die heilige Äußerung „Janad“; ''aṅgirasām'' – der Aṅgirases; ''ānuṣṭubham chandaḥ'' – das Anuṣṭubh-Metrum; ''ekaviṃśam stomam'' – den einundzwanzigteiligen Stoma-Gesang; ''dakṣiṇām diśam'' – die südliche Richtung; ''śaradam ṛtum'' – den Herbst; ''manaḥ'' – Geist, Denken; ''adhyātmam'' – auf den Menschen bezogen; ''jñānam'' – Wissen, Erkennen; ''jñeyam'' – das zu Erkennende; ''iti indriyāṇi'' – so die Erkenntnisvermögen; ''anvabhavat'' – erfuhr, erlangte. ''Vakāra'' passt nicht ohne Weiteres zur üblichen Zerlegung von Om in A-U-M; der Artikel bewahrt deshalb die Lesart und kennzeichnet sie, statt sie zu ''ukāra'' umzuschreiben.
 
'''1.1.21 – Der M-Laut und die Künste des Hörens'''<br>
tasya makāraśrutyetihāsapurāṇaṃ vākovākyaṃ gāthā nārāśaṃsīr upaniṣado ’nuśāsanānīti vṛdhat karad ruhan mahat tac cham om iti vyāhṛtīḥ svaraśamyanānātantrīḥ svaranṛtyagītavāditrāṇy anvabhavac caitrarathaṃ daivataṃ vaidyutaṃ jyotir bārhataṃ chandas triṇavatrayastriṃśau stomau dhruvām ūrdhvāṃ diśaṃ hemantaśiśirāv ṛtū śrotram adhyātmaṃ śabdaśravaṇam itīndriyāṇy anvabhavat || 21 ||<br>
 
'''Durch das Hören des M-Lautes erfuhr und erlangte er Itihāsa und Purāṇa, gelehrte Zwiegespräche, Gāthās, Heldenlieder, Upanishaden und Unterweisungen; ferner die heiligen Äußerungen „Vṛdhat“, „Karad“, „Ruhan“, „Mahat“, „Tat“, „Śam“ und „Om“, Tonstufen und die textlich schwer deutbare Lehre von verschiedenen Saiten, außerdem Gesang, Tanz, Lied und Instrumentalmusik. Er erlangte Caitraratha als Gottheit, den Blitz als Licht, das Bārhata-Metrum, die neunundzwanzig- und dreiunddreißigteiligen Lobgesänge, die feste und die obere Richtung, Winter und kalte Jahreszeit sowie – im Innern – das Ohr, Klang und Hören als Sinnesvermögen.'''
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''tasya'' – des Om; ''ma-kāra-śrutyā'' – durch das Hören des M-Lautes; ''itihāsa-purāṇam'' – Itihāsa und Purāṇa, alte Überlieferung und Ursprungserzählung; ''vāko-vākyam'' – Rede und Gegenrede, gelehrtes Zwiegespräch; ''gāthāḥ'' – Strophen, Lieder; ''nārāśaṃsīḥ'' – Preis- und Heldenlieder über Menschen; ''upaniṣadaḥ'' – geheime Lehren, [[Upanishaden]]; ''anuśāsanāni'' – Unterweisungen, Vorschriften; ''iti'' – so; ''vṛdhat, karat, ruhan, mahat, tat, śam, om'' – sieben heilige Äußerungen; ''vyāhṛtīḥ'' – heilige Ausrufe; ''svara'' – Ton, Tonstufe; ''śamyana-nānā-tantrīḥ'' – unsicher überlieferte Bezeichnung, wahrscheinlich verschiedene Ton- oder Saitenordnungen; ''svara-nṛtya-gīta-vāditrāṇi'' – Gesang beziehungsweise Töne, Tanz, Lied und Musikinstrumente; ''anvabhavat'' – erfuhr, erlangte; ''caitraratham'' – Caitraratha, mit den Gandharvas verbundener himmlischer Bereich; ''daivatam'' – Gottheit; ''vaidyutam jyotiḥ'' – Blitzlicht; ''bārhatam chandas'' – das mit Bṛhat verbundene Metrum; ''triṇava-trayastriṃśau stomau'' – der neunundzwanzig- und der dreiunddreißigteilige Stoma; ''dhruvām'' – die feste Richtung; ''ūrdhvām diśam'' – die obere Richtung; ''hemanta-śiśirau ṛtū'' – Winter und kalte Jahreszeit; ''śrotram'' – Ohr, Hörvermögen; ''adhyātmam'' – auf den Menschen bezogen; ''śabda'' – Klang; ''śravaṇam'' – Hören; ''iti indriyāṇi'' – so die Sinnesvermögen. Der lange Katalog enthält eine offenbar beschädigte Musikterminologie; die unsichere Zeichenfolge wird deshalb nicht in eine scheinbar präzise moderne Fachsprache aufgelöst.
 
=== Abschnitte 1.1.22–23 – Om schützt Mantra und Opfer ===
 
'''1.1.22 – Om vor und nach der Rezitation'''<br>
saiṣaikākṣar ṛg brahmaṇas tapaso ’gre prādurbabhūva brahmavedasyātharvaṇaṃ śukram |<br>
ata eva mantrāḥ prādurbabhūvuḥ |<br>
sa tu khalu mantrāṇām atapasāśuśrūṣānadhyāyādhyayanena yad ūnaṃ ca viriṣṭaṃ ca yātayāmaṃ ca karoti tad atharvaṇāṃ tejasā pratyāpyāyayet |<br>
mantrāś ca mām abhimukhībhaveyur garbhā iva mātaram abhijighāṃsuḥ |<br>
purastād oṃkāraṃ prayuṅkte |<br>
etayaiva tad ṛcā pratyāpyāyet |<br>
eṣaiva yajñasya purastād yujyate |<br>
eṣā paścāt |<br>
sarvata etayā yajñas tāyate |<br>
tad apy etad ṛcoktam |<br>
yā purastād yujyata ṛco akṣare parame vyomann iti |<br>
tad etad akṣaraṃ brāhmaṇo yaṃ kāmam icchet trirātropoṣitaḥ prāṅmukho vāgyato barhiṣy upaviśya sahasrakṛtva āvartayet |<br>
sidhyanty asyārthāḥ sarvakarmāṇi ceti brāhmaṇam || 22 ||<br>
 
'''Diese einsilbige Ṛc trat am Anfang aus der asketischen Glut Brahmans hervor; sie ist der atharvanische Same des Brahma-Veda. Aus ihr gingen die Mantras hervor. Was jemand an den Mantras durch Mangel an innerer Disziplin, fehlende Bereitschaft zum Hören oder Studium zu ungeeigneter Zeit verkürzt, beschädigt oder kraftlos macht, soll er durch die Leuchtkraft der Atharvans wieder auffüllen. „Mögen sich die Mantras mir zuwenden wie Keime, die zur Mutter drängen.“ Deshalb setzt man den Oṃkāra an den Anfang. Durch diese Ṛc soll man das Beschädigte wieder auffüllen. Sie wird vor das Opfer gespannt und ebenso dahinter; durch sie wird das Opfer von allen Seiten geschützt. Auch eine Ṛc sagt dies: „Die vor die Ṛc gespannt wird, im höchsten Himmelsraum der Silbe …“ Wenn ein Brahmane einen Wunsch verwirklichen möchte, soll er drei Nächte fasten, nach Osten gewandt, schweigend und auf Opfergras sitzend diese Silbe tausendmal wiederholen. Seine Ziele und seine Handlungen gelangen zur Vollendung – so lautet das Brāhmaṇa.'''
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''sā eṣā'' – diese hier; ''eka-akṣarā ṛk'' – einsilbige Ṛc, Verssilbe; ''brahmaṇaḥ'' – Brahmans; ''tapasaḥ'' – aus der Glut, Askese; ''agre'' – am Anfang; ''prādurbabhūva'' – trat hervor, erschien; ''brahma-vedasya'' – des Brahma-Veda; ''ātharvaṇam'' – atharvanisch, den Atharvans zugehörig; ''śukram'' – Same, lichte Essenz; ''ataḥ eva'' – eben daraus; ''mantrāḥ'' – die Mantras; ''saḥ tu khalu'' – jener nun aber; ''mantrāṇām'' – an den Mantras; ''a-tapasā'' – durch Mangel an Tapas; ''a-śuśrūṣā'' – durch fehlende Bereitschaft zum Hören; ''anadhyāya-adhyayanena'' – durch Studium zu einer Zeit, in der nicht rezitiert werden soll; ''yat'' – was; ''ūnam'' – unvollständig, verkürzt; ''viriṣṭam'' – beschädigt, misslungen; ''yātayāmam'' – verbraucht, kraftlos; ''karoti'' – macht; ''tat'' – das; ''atharvaṇām tejasā'' – durch die Leuchtkraft der Atharvans; ''prati-āpyāyayet'' – soll wieder auffüllen und stärken; ''mantrāḥ ca'' – und die Mantras; ''mām'' – mir, mich; ''abhimukhī-bhaveyuḥ'' – mögen sich zuwenden; ''garbhāḥ iva'' – wie Keime oder Embryonen; ''mātaram'' – zur Mutter; ''abhijighāṃsuḥ'' – hinzudrängen begehrend; die Form ist semantisch schwierig; ''purastāt'' – davor, am Anfang; ''oṃkāram'' – den Oṃkāra; ''prayuṅkte'' – setzt ein, verwendet; ''etayā eva ṛcā'' – eben durch diese Ṛc; ''eṣā eva'' – eben diese; ''yajñasya'' – des Opfers; ''yujyate'' – wird angespannt, eingesetzt; ''paścāt'' – danach, hinten; ''sarvataḥ'' – von allen Seiten; ''yajñaḥ'' – das Opfer; ''tāyate'' – wird geschützt, bewahrt; ''tad api'' – auch dies; ''ṛcā uktam'' – durch eine Ṛc gesagt; ''yā'' – diejenige, welche; ''ṛcaḥ'' – vor die Ṛc; ''akṣare parame vyoman'' – im höchsten Himmelsraum der Silbe; ''brāhmaṇaḥ'' – ein Brahmane; ''yam kāmam icchet'' – welchen Wunsch er wünschen möge; ''tri-rātra-upoṣitaḥ'' – drei Nächte gefastet habend; ''prāṅ-mukhaḥ'' – nach Osten gewandt; ''vāk-yataḥ'' – schweigend, die Rede beherrschend; ''barhiṣi upaviśya'' – auf Opfergras sitzend; ''sahasra-kṛtvaḥ'' – tausendmal; ''āvartayet'' – soll wiederholen; ''sidhyanti'' – gelingen, werden vollendet; ''asya arthāḥ'' – seine Ziele; ''sarva-karmāṇi'' – alle Handlungen; ''iti brāhmaṇam'' – so lautet die Brāhmaṇa-Erklärung. Die zitierte Ṛc erscheint nur als Anfangsformel; der Artikel ergänzt keinen nicht überlieferten Rest.
 
'''1.1.23 – Om als ältester Sohn Brahmans'''<br>
vasor dhārāṇām aindraṃ nagaram |<br>
tad asurāḥ paryavārayanta |<br>
te devā bhītā āsan |<br>
ka imān asurān apahaniṣyatīti |<br>
ta oṃkāraṃ brahmaṇaḥ putraṃ jyeṣṭhaṃ dadṛśruḥ |<br>
te tam abruvan |<br>
bhavatā mukhenemān asurāñ jayemeti |<br>
sa hovāca |<br>
kiṃ me pratīvāho bhaviṣyatīti |<br>
varaṃ vṛṇīṣveti |<br>
vṛṇā iti |<br>
sa varam avṛṇīta |<br>
na mām anīrayitvā brāhmaṇā brahma vadeyuḥ |<br>
yadi vadeyur abrahma tat syād iti |<br>
tatheti |<br>
te devā devayajanasyottarārdhe ’suraiḥ saṃyattā āsan |<br>
tān oṃkāreṇāgnīdhrīyād devā asurān parābhāvayanta |<br>
tad yat parābhāvayanta tasmād oṃkāraḥ pūrvam ucyate |<br>
yo ha vā etam oṃkāraṃ na vedāvaśī syād ity atha ya evaṃ veda brahmavaśī syād iti |<br>
tasmād oṃkāra ṛcy ṛg bhavati |<br>
yajuṣi yajuḥ |<br>
sāmni sāma |<br>
sūtre sūtram |<br>
brāhmaṇe brāhmaṇam |<br>
śloke ślokaḥ |<br>
praṇave praṇava iti brāhmaṇam || 23 ||<br>
 
'''Indras Stadt bei den Strömen des Reichtums wurde von den Asuras umzingelt. Die Götter fürchteten sich und fragten: „Wer wird diese Asuras vertreiben?“ Da sahen sie den Oṃkāra, den ältesten Sohn Brahmans, und baten ihn: „Mit dir an unserer Spitze wollen wir diese Asuras besiegen.“ Er fragte: „Welche Gegengabe wird mir zuteil?“ Die Götter sagten: „Wähle eine Gabe!“ Er wählte: „Die Brahmanen sollen Brahman nicht verkünden, ohne mich zuvor erklingen zu lassen. Tun sie es dennoch, soll es Nicht-Brahman sein.“ Sie stimmten zu. Im nördlichen Teil des Opferplatzes trafen die Götter auf die Asuras und überwältigten sie beim Agnīdhra-Herd durch den Oṃkāra. Weil sie durch ihn siegten, wird der Oṃkāra zuerst gesprochen. Wer diesen Oṃkāra nicht kennt, bleibt machtlos; wer ihn so kennt, erlangt Meisterschaft in Brahman. Daher wird Oṃkāra in einer Ṛc zur Ṛc, im Yajus zum Yajus, im Sāman zum Sāman, im Sūtra zum Sūtra, im Brāhmaṇa zum Brāhmaṇa, im Śloka zum Śloka und im Praṇava zum Praṇava – so lautet das Brāhmaṇa.'''
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''vasoḥ dhārāṇām'' – bei den Strömen des Reichtums beziehungsweise der Güter; ''aindram nagaram'' – Indras Stadt; ''tat'' – diese; ''asurāḥ'' – die Asuras; ''paryavārayanta'' – umzingelten; ''te devāḥ'' – jene Götter; ''bhītāḥ āsan'' – waren verängstigt; ''kaḥ'' – wer; ''imān asurān'' – diese Asuras; ''apahaniṣyati'' – wird vertreiben, besiegen; ''iti'' – so; ''te'' – sie; ''oṃkāram'' – den Oṃkāra; ''brahmaṇaḥ'' – Brahmans; ''putram'' – Sohn; ''jyeṣṭham'' – ältesten; ''dadṛśruḥ'' – sahen; ''tam abruvan'' – sagten zu ihm; ''bhavatā'' – durch dich, mit dir; ''mukhena'' – als Vorderem, an der Spitze; ''jayema'' – mögen wir besiegen; ''saḥ ha uvāca'' – er sprach; ''kim'' – was; ''me'' – mir; ''pratīvāhaḥ'' – Gegengabe, Lohn; ''bhaviṣyati'' – wird sein; ''varam vṛṇīṣva'' – wähle eine Gabe; ''vṛṇā'' – ich wähle; ''varam avṛṇīta'' – er wählte die Gabe; ''na'' – nicht; ''mām'' – mich; ''anīrayitvā'' – ohne zuvor erklingen oder sich bewegen zu lassen; ''brāhmaṇāḥ'' – die Brahmanen; ''brahma vadeyuḥ'' – sollen Brahman beziehungsweise den heiligen Text sprechen; ''yadi'' – wenn; ''abrahma'' – Nicht-Brahman, unwirksame heilige Rede; ''tat syāt'' – das soll sein; ''tathā'' – so sei es; ''deva-yajanasya'' – des Opferplatzes; ''uttara-ardhe'' – in der nördlichen Hälfte; ''asuraiḥ'' – mit den Asuras; ''saṃyattāḥ'' – zum Kampf verbunden, aneinandergeraten; ''agnīdhrīyāt'' – vom Agnīdhra-Herd aus; ''devāḥ'' – die Götter; ''parābhāvayanta'' – überwältigten, brachten zur Niederlage; ''tasmāt'' – deshalb; ''pūrvam ucyate'' – wird zuerst gesprochen; ''yaḥ ... na veda'' – wer nicht kennt; ''avaśī syāt'' – wäre ohne Macht, abhängig; ''yaḥ evam veda'' – wer so erkennt; ''brahma-vaśī syāt'' – soll Meisterschaft in Brahman beziehungsweise heiliger Rede besitzen; ''ṛci'' – in der Ṛc; ''ṛk bhavati'' – wird zur Ṛc; ''yajuṣi yajuḥ'' – im Yajus zum Yajus; ''sāmni sāma'' – im Sāman zum Sāman; ''sūtre sūtram'' – im Sūtra zum Sūtra; ''brāhmaṇe brāhmaṇam'' – im Brāhmaṇa zum Brāhmaṇa; ''śloke ślokaḥ'' – im Śloka zum Śloka; ''praṇave praṇavaḥ'' – im Praṇava zum Praṇava; ''iti brāhmaṇam'' – so lautet die Brāhmaṇa-Erklärung.
 
=== Abschnitte 1.1.24–27 – Fragen nach Sprache, Laut und Bedeutung ===
 
'''1.1.24 – Sechsunddreißig Fragen an den Oṃkāra'''<br>
oṃkāraṃ pṛcchāmaḥ |<br>
ko dhātuḥ | kiṃ prātipadikam | kiṃ nāmākhyātam | kiṃ liṅgam | kiṃ vacanam | kā vibhaktiḥ | kaḥ pratyayaḥ | kaḥ svara upasargo nipātaḥ | kiṃ vai vyākaraṇam | ko vikāraḥ | ko vikārī | katimātraḥ | kativarṇaḥ | katyakṣaraḥ | katipadaḥ | kaḥ saṃyogaḥ | kiṃ sthānānupradānakaraṇaṃ śikṣukāḥ kim uccārayanti | kiṃ chandaḥ | ko varṇa iti pūrve praśnāḥ |<br>
athottare | mantraḥ kalpo brāhmaṇam ṛg yajuḥ sāma | kasmād brahmavādina oṃkāram āditaḥ kurvanti | kiṃ daivatam | kiṃ jyotiṣam | kiṃ niruktam | kiṃ sthānam | kā prakṛtiḥ | kim adhyātmam iti |<br>
ṣaṭtriṃśat praśnāḥ | pūrvottarāṇāṃ trayo vargā dvādaśakāḥ |<br>
etair oṃkāraṃ vyākhyāsyāmaḥ || 24 ||<br>
 
'''Wir befragen den Oṃkāra: Welche Verbalwurzel hat er? Was ist sein Wortstamm? Ist er Nomen oder Verb? Welches Geschlecht, welche Zahl und welcher Kasus liegen vor? Welches Suffix, welcher Akzent, welches Präfix und welche Partikel? Was ist seine grammatische Analyse? Was ist Veränderung und was wird verändert? Wie viele Moren, Laute, Silben und Wörter besitzt er? Welche Lautverbindung liegt vor? Was sind Artikulationsstelle, Lautweitergabe und Artikulationsorgan; wie sprechen die Schüler der Phonetik ihn aus? Welches Metrum und welche Farbe hat er? Dies sind die früheren Fragen. Dann die weiteren: Wie verhält er sich zu Mantra, Kalpa, Brāhmaṇa, Ṛc, Yajus und Sāman? Warum setzen die Brahman-Kundigen den Oṃkāra an den Anfang? Welche Gottheit, welches Licht, welche etymologische Erklärung, welcher Ort, welche Grundform und welche innere Entsprechung hat er? Es sind sechsunddreißig Fragen, in drei Gruppen zu je zwölf aus früheren und späteren Fragen. Durch sie werden wir den Oṃkāra erklären.'''
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''oṃkāram'' – den Oṃkāra, die Silbe Om; ''pṛcchāmaḥ'' – wir fragen, erforschen; ''kaḥ'' – welcher; ''dhātuḥ'' – Verbalwurzel; ''kim'' – was, welches; ''prātipadikam'' – nominaler Wortstamm; ''nāma'' – Nomen; ''ākhyātam'' – Verb, finite Aussage; ''liṅgam'' – grammatisches Geschlecht, auch Kennzeichen; ''vacanam'' – grammatische Zahl; ''kā'' – welche; ''vibhaktiḥ'' – Kasusendung; ''pratyayaḥ'' – Suffix; ''svaraḥ'' – Akzent beziehungsweise Ton; ''upasargaḥ'' – Präfix; ''nipātaḥ'' – Partikel; ''vai'' – wahrlich; ''vyākaraṇam'' – grammatische Analyse; ''vikāraḥ'' – Veränderung, abgeleitete Form; ''vikārī'' – das, was verändert wird; ''kati-mātraḥ'' – wie viele Moren umfassend; ''kati-varṇaḥ'' – aus wie vielen Lauten bestehend; ''kati-akṣaraḥ'' – aus wie vielen Silben bestehend; ''kati-padaḥ'' – aus wie vielen Wörtern bestehend; ''saṃyogaḥ'' – Verbindung, besonders Konsonantenverbindung; ''sthāna'' – Artikulationsstelle; ''anupradāna'' – lautliche Weitergabe, sekundäre Artikulation; ''karaṇam'' – Artikulationsorgan; ''śikṣukāḥ'' – Schüler beziehungsweise Kenner der [[Shiksha|Śikṣā]], Phonetik; ''uccārayanti'' – sprechen aus; ''chandaḥ'' – Metrum; ''varṇaḥ'' – Farbe, außerdem Laut; ''iti'' – so; ''pūrve praśnāḥ'' – die früheren Fragen; ''atha'' – nun; ''uttare'' – die späteren; ''mantraḥ'' – Mantra; ''kalpaḥ'' – Ritualregel; ''brāhmaṇam'' – Brāhmaṇa-Erklärung; ''ṛk'' – Ṛc, Vers; ''yajuḥ'' – Opferformel; ''sāma'' – Sāman, Gesang; ''kasmāt'' – warum, aus welchem Grund; ''brahma-vādinaḥ'' – die über Brahman sprechenden Gelehrten; ''āditaḥ kurvanti'' – setzen an den Anfang; ''daivatam'' – Gottheit; ''jyotiṣam'' – Licht, Leuchtgestalt; ''niruktam'' – etymologische Erklärung; ''sthānam'' – Ort, Grundlage; ''prakṛtiḥ'' – Grundform, Ausgangsform; ''adhyātmam'' – innere Entsprechung; ''ṣaṭtriṃśat'' – sechsunddreißig; ''pūrva-uttarāṇām'' – der früheren und späteren; ''trayaḥ vargāḥ'' – drei Gruppen; ''dvādaśakāḥ'' – aus je zwölf bestehend; ''etaiḥ'' – durch diese; ''vyākhyāsyāmaḥ'' – wir werden erklären. Der Text zählt ausdrücklich 36 Fragen, obwohl die stark verdichtete Syntax verschiedene Einzelzählungen zulässt.
 
'''1.1.25 – Indras Frage und die vier Mātrās'''<br>
indraḥ prajāpatim apṛcchat |<br>
bhagavann abhiṣṭūya pṛcchāmīti |<br>
pṛccha vatsety abravīt |<br>
kim ayam oṃkāraḥ | kasya putraḥ | kiṃ caitac chandaḥ | kiṃ caitad varṇaḥ | kiṃ caitad brahmā brahma saṃpadyate |<br>
tasmād vai tad bhadram oṃkāraṃ pūrvam ālebhe |<br>
svaritodātta ekākṣara oṃkāra ṛgvede |<br>
traisvaryodātta ekākṣara oṃkāro yajurvede |<br>
dīrghaplutodātta ekākṣara oṃkāraḥ sāmavede |<br>
hrasvodātta ekākṣara oṃkāro ’tharvavede |<br>
udāttodātta dvipada a u ity ardhacatasro mātrā makāre vyañjanam ity āhuḥ |<br>
yā sā prathamā mātrā brahmadevatyā raktā varṇena | yas tāṃ dhyāyate nityaṃ sa gacched brāhmaṃ padam |<br>
yā sā dvitīyā mātrā viṣṇudevatyā kṛṣṇā varṇena | yas tāṃ dhyāyate nityaṃ sa gacched vaiṣṇavaṃ padam |<br>
yā sā tṛtīyā mātraiśānadevatyā kapilā varṇena | yas tāṃ dhyāyate nityaṃ sa gacched aiśānaṃ padam |<br>
yā sārdhacaturthī mātrā sarvadevatyā vyaktībhūtā khaṃ vicarati śuddhasphaṭikasannibhā varṇena | yas tāṃ dhyāyate nityaṃ sa gacchet padam anāmakam |<br>
oṃkārasya cotpattiḥ | vipro yo na jānāti tat punarupanayanam |<br>
tasmād brāhmaṇavacanam ādartavyaṃ yathā lātavyo gotro brahmaṇaḥ putraḥ |<br>
gāyatraṃ chandaḥ | śuklo varṇaḥ | puṃso vatsaḥ | rudro devatā | oṃkāro vedānām || 25 ||<br>
 
'''Indra fragte Prajāpati: „Ehrwürdiger, nachdem ich dich gepriesen habe, möchte ich fragen.“ Prajāpati antwortete: „Frage, mein Kind.“ – „Was ist dieser Oṃkāra? Wessen Sohn ist er? Was ist sein Metrum, was seine Farbe? Und wie wird durch ihn Brahmā zu Brahman?“ Deshalb ergriff man zuerst den heilsamen Oṃkāra. Im Rigveda ist Om einsilbig mit Svarita und Udātta; im Yajurveda einsilbig mit drei Akzentbewegungen und Udātta; im Sāmaveda einsilbig, lang, überlang und gehoben; im Atharvaveda einsilbig, kurz und gehoben. Man sagt, A und U seien seine beiden Glieder; zusammen mit dem gehobenen Klang umfasse er dreieinhalb Moren, während M konsonantisch sei. Die erste Mātrā gehört Brahmā und ist rot: Wer beständig über sie meditiert, gelangt zum Brahmā-Zustand. Die zweite gehört Viṣṇu und ist schwarz: Wer über sie meditiert, gelangt zum Viṣṇu-Zustand. Die dritte gehört Īśāna und ist gelbbraun: Wer über sie meditiert, gelangt zum Īśāna-Zustand. Die halbe vierte Mātrā gehört allen Gottheiten; offenbar geworden bewegt sie sich durch den Raum und gleicht farblich reinem Kristall. Wer beständig über sie meditiert, gelangt zum namenlosen Zustand. Ein Gelehrter, der den Ursprung des Oṃkāra nicht kennt, bedarf einer erneuten Einweihung. Deshalb ist die Brāhmaṇa-Aussage anzunehmen: Om hat das Lātavya-Gotra und ist Brahmans Sohn; sein Metrum ist Gāyatra, seine Farbe weiß, es heißt „Kalb des Pums“, seine Gottheit ist Rudra, und es ist der Oṃkāra der Veden.'''
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''indraḥ'' – [[Indra]]; ''prajāpatim'' – [[Prajapati|Prajāpati]]; ''apṛcchat'' – fragte; ''bhagavan'' – o Ehrwürdiger; ''abhiṣṭūya'' – gepriesen habend; ''pṛcchāmi'' – ich frage; ''pṛccha'' – frage; ''vatsa'' – mein Kind; ''abravīt'' – er sagte; ''kim ayam'' – was ist dieser; ''oṃkāraḥ'' – Oṃkāra; ''kasya putraḥ'' – wessen Sohn; ''kim etat chandaḥ'' – welches Metrum ist dies; ''kim etat varṇaḥ'' – welche Farbe beziehungsweise welcher Laut ist dies; ''kim etat'' – wodurch ist dies; ''brahmā'' – Brahmā beziehungsweise der Brahman-Priester; ''brahma saṃpadyate'' – wird zu Brahman, erlangt Brahman; ''tasmāt'' – deshalb; ''vai'' – wahrlich; ''tat bhadram'' – diesen heilsamen; ''pūrvam ālebhe'' – ergriff man zuerst; ''svarita-udāttaḥ'' – mit Svarita und Udātta; ''eka-akṣaraḥ'' – einsilbig; ''ṛgvede'' – im Rigveda; ''trai-svarya-udāttaḥ'' – mit drei Akzentbewegungen und gehoben; ''yajurvede'' – im Yajurveda; ''dīrgha-pluta-udāttaḥ'' – lang, überlang und gehoben; ''sāmavede'' – im Sāmaveda; ''hrasva-udāttaḥ'' – kurz und gehoben; ''atharvavede'' – im Atharvaveda; ''udātta-udāttaḥ'' – in gehobener Betonung; ''dvi-padaḥ'' – zweigliedrig; ''a u iti'' – A und U; ''ardha-catasraḥ mātrāḥ'' – dreieinhalb Moren; ''makāre'' – beim M-Laut; ''vyañjanam'' – Konsonant; ''iti āhuḥ'' – so sagen sie; ''yā sā'' – jene, welche; ''prathamā mātrā'' – erste Mātrā; ''brahma-devatyā'' – Brahmā als Gottheit habend; ''raktā varṇena'' – rot an Farbe; ''yaḥ tām dhyāyate'' – wer über sie meditiert; ''nityam'' – beständig; ''saḥ gacchet'' – der möge gelangen; ''brāhmam padam'' – zum Brahmā-Zustand; ''dvitīyā'' – zweite; ''viṣṇu-devatyā'' – [[Vishnu|Viṣṇu]] als Gottheit habend; ''kṛṣṇā'' – schwarz, dunkel; ''vaiṣṇavam padam'' – Viṣṇus Zustand; ''tṛtīyā'' – dritte; ''aiśāna-devatyā'' – [[Ishana|Īśāna]] als Gottheit habend; ''kapilā'' – gelbbraun, rötlichbraun; ''aiśānam padam'' – Īśānas Zustand; ''sā ardha-caturthī mātrā'' – jene halbe vierte Mātrā; ''sarva-devatyā'' – allen Gottheiten zugehörig; ''vyaktī-bhūtā'' – offenbar, manifest geworden; ''kham vicarati'' – bewegt sich im Raum; ''śuddha-sphaṭika-sannibhā'' – reinem Kristall gleich; ''padam anāmakam'' – namenloser Zustand; ''oṃkārasya utpattiḥ'' – Ursprung des Oṃkāra; ''vipraḥ'' – gelehrter Brahmane; ''yaḥ na jānāti'' – wer nicht kennt; ''punar-upanayanam'' – erneute Initiation; ''brāhmaṇa-vacanam'' – Brāhmaṇa-Aussage; ''ādartavyam'' – anzunehmen, zu beachten; ''lātavyaḥ gotraḥ'' – das Lātavya-Gotra; ''brahmaṇaḥ putraḥ'' – Sohn Brahmans; ''gāyatram chandaḥ'' – Gāyatra-Metrum; ''śuklaḥ varṇaḥ'' – weiße Farbe; ''puṃsaḥ vatsaḥ'' – „Kalb des Pums“, eine textlich und sachlich unsichere Bestimmung; ''rudraḥ devatā'' – [[Rudra]] als Gottheit; ''oṃkāraḥ vedānām'' – Oṃkāra der Veden. Die Schlussreihe ist in den Handschriften beschädigt; insbesondere ''lātavya'' und ''puṃso vatsaḥ'' werden daher nicht spekulativ umgedeutet.
 
'''1.1.26 – Grammatische Ableitung des Om'''<br>
ko dhātur iti | āpṛdhātuḥ | avatim apy eke |<br>
rūpasāmānyād arthasāmānyaṃ nedīyaḥ |<br>
tasmād āper oṃkāraḥ sarvam āpnotīty arthaḥ kṛdantam arthavat |<br>
prātipadikam adarśanam |<br>
pratyayasya nāma saṃpadyate nipāteṣu cainaṃ vaiyākaraṇā udāttaṃ samāmananti tad avyayībhūtam |<br>
anvarthavācī śabdo na vyeti kadā caneti |<br>
sadṛśaṃ triṣu liṅgeṣu sarvāsu va vibhaktiṣu vacaneṣu ca sarveṣu yan na vyeti tad avyayam |<br>
ko vikārī | cyavate | prasāraṇam |<br>
āpnoter ākarapakārau vikāryau |<br>
ādita oṃkāro vikriyate | dvitīyo makāraḥ |<br>
evaṃ dvivarṇa ekākṣara om ity oṃkāro nirvṛttaḥ || 26 ||<br>
 
'''„Welche Wurzel?“ – Die Wurzel ''āpṛ''; einige nennen auch ''av''. Wegen der Ähnlichkeit der Form liegt die Gemeinsamkeit der Bedeutung nahe. Deshalb wird Oṃkāra von ''āp'', „erreichen, durchdringen“, hergeleitet: Er erreicht alles. So besitzt die Ableitung aus einer Verbalwurzel Bedeutung. Ein selbständiger Nominalstamm ist nicht sichtbar. Mit dem Suffix wird er zu einer Benennung; die Grammatiker führen ihn bei den Partikeln mit Udātta-Akzent auf, und so ist er indeklinabel geworden. Das Wort bezeichnet seine eigene Ableitung und vergeht niemals. Was in allen drei Geschlechtern, in allen Kasus und in allen Zahlen gleich bleibt und sich nicht verändert, ist ein Indeclinabile. Was ist das Veränderliche? Es weicht von seiner Form ab; es findet eine Ausweitung statt. Ā und P der Form ''āpnoti'' werden verändert: Aus dem ersten entsteht in der Veränderung O, der zweite Laut ist M. So ist Oṃkāra aus zwei Lauten und doch als „Om“ eine Silbe vollendet.'''
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''kaḥ dhātuḥ'' – welche Verbalwurzel; ''iti'' – so lautet die Frage; ''āpṛ-dhātuḥ'' – die als ''āpṛ'' bezeichnete Wurzel; ''avatim'' – die Wurzel ''av'' beziehungsweise ihre Form; ''api eke'' – auch einige; ''rūpa-sāmānyāt'' – wegen Gemeinsamkeit der Form; ''artha-sāmānyam'' – Gemeinsamkeit der Bedeutung; ''nedīyaḥ'' – näherliegend; ''tasmāt'' – daher; ''āpeḥ'' – von der Wurzel ''āp'', erreichen; ''oṃkāraḥ'' – Oṃkāra; ''sarvam āpnoti'' – erreicht, durchdringt alles; ''iti arthaḥ'' – so ist die Bedeutung; ''kṛdantam'' – aus einer Verbalwurzel durch ein Ableitungssuffix gebildet; ''arthavat'' – bedeutungstragend; ''prātipadikam'' – nominaler Grundstamm; ''adarśanam'' – Nicht-Sichtbarkeit, ist nicht festzustellen; ''pratyayasya'' – des Suffixes; ''nāma saṃpadyate'' – wird zur Benennung; ''nipāteṣu'' – unter den Partikeln; ''ca enam'' – und diesen; ''vaiyākaraṇāḥ'' – Grammatiker; ''udāttam'' – mit gehobenem Akzent; ''samāmananti'' – überliefern, führen auf; ''tat avyayī-bhūtam'' – dadurch indeklinabel geworden; ''anvartha-vācī'' – die Ableitungsbedeutung ausdrückend; ''śabdaḥ'' – Wort, Laut; ''na vyeti'' – vergeht oder verändert sich nicht; ''kadā cana'' – jemals; ''sadṛśam'' – gleichbleibend; ''triṣu liṅgeṣu'' – in den drei grammatischen Geschlechtern; ''sarvāsu ... vibhaktiṣu'' – in allen Kasus; ''vacaneṣu sarveṣu'' – in allen grammatischen Zahlen; ''yat'' – was; ''tat avyayam'' – das ist ein Indeclinabile; ''kaḥ vikārī'' – was ist das Veränderliche; ''cyavate'' – verändert sich, weicht ab; ''prasāraṇam'' – Ausweitung, Lauterweiterung; ''āpnoteḥ'' – der Form ''āpnoti'', „er erreicht“; ''ā-kāra-pa-kārau'' – der Ā- und der P-Laut; ''vikāryau'' – beide zu verändern; ''āditaḥ'' – aus dem ersten, am Anfang; ''oṃkāraḥ vikriyate'' – Oṃkāra wird umgeformt; ''dvitīyaḥ makāraḥ'' – der zweite ist der M-Laut; ''evam'' – so; ''dvi-varṇaḥ'' – zweilautig; ''eka-akṣaraḥ'' – einsilbig; ''om iti'' – „Om“; ''nirvṛttaḥ'' – vollendet, zustande gekommen. Diese antike Etymologie ist eine Deutung innerhalb des Textes und nicht mit einer modernen historisch-linguistischen Herleitung gleichzusetzen.
 
'''1.1.27 – Artikulation, Metrum und Veda-Geheimnis'''<br>
katimātra iti | ādes tisro mātrāḥ | abhyādāne hi plavate | makāraś caturthīm |<br>
kiṃ sthānam iti | ubhāv oṣṭhau sthānam | nādānupradānakaraṇau ca dvisthānam |<br>
saṃdhyakṣaram avarṇaleśaḥ kaṇṭhyo yathoktaśeṣaḥ |<br>
pūrvo vivṛtakaraṇasthitaś ca | dvitīyaspṛṣṭakaraṇasthitaś ca | na saṃyogo vidyate |<br>
ākhyātopasargānudāttasvaritaliṅgavibhaktivacanāni ca saṃsthānādhyāyina ācāryāḥ pūrve babhūvuḥ |<br>
śravaṇād eva pratipadyante na kāraṇaṃ pṛcchanti |<br>
athāparapakṣīyāṇāṃ kaviḥ pañcālacaṇḍaḥ paripṛcchako babhūvāṃbu pṛthagudgīthadoṣān bhavanto bruvantv iti |<br>
tad vācy upalakṣayed varṇākṣarapadāṅkaśaḥ |<br>
vibhaktyām ṛṣiniṣevitām iti vācaṃ stuvanti |<br>
tasmāt kāraṇaṃ brūmaḥ | varṇānām ayam idaṃ bhaviṣyatīti |<br>
ṣaḍaṅgavidas tat tathādhīmahe |<br>
kiṃ chanda iti | gāyatraṃ hi chandaḥ |<br>
gāyatrī vai devānām ekākṣarā śvetavarṇā ca vyākhyātā |<br>
dvau dvādaśakau vargau |<br>
etad vai vyākaraṇaṃ dhātvarthavacanaṃ śaikṣyaṃ chandovacanaṃ ca |<br>
athottarau dvau dvādaśakau vargau vedarahasikī vyākhyātā |<br>
mantraḥ kalpo brāhmaṇam ṛg yajuḥ sāmātharvāṇi |<br>
eṣā vyāhṛtiś caturṇāṃ vedānām ānupūrveṇoṃ bhūr bhuvaḥ svar iti vyāhṛtayaḥ || 27 ||<br>
 
'''„Wie viele Moren?“ Vom Anfang her sind es drei; bei voller Aufnahme schwebt der Laut in die Überlänge, und der M-Laut bildet die vierte. „Welches ist die Artikulationsstelle?“ Beide Lippen sind die Stelle. Klangweitergabe und Artikulationsorgan geben ihm zwei Stellen. Er ist ein Übergangslaut mit einer Spur des A-Lautes, kehlständig, während der Rest wie zuvor gesagt gebildet wird. Der erste Teil steht bei geöffnetem Artikulationsorgan, der zweite bei berührendem beziehungsweise geschlossenem; eine Konsonantenverbindung liegt nicht vor. Die früheren Lehrer der Lautordnung behandelten Verb, Präfix, Anudātta, Svarita, Geschlecht, Kasus und Zahl. Allein durch Hören verstanden sie und fragten nicht nach dem Grund. Unter den Vertretern der anderen Ansicht wurde der Seher Pañcālacaṇḍa zum Fragenden: „Die Herren sollen die Fehler der einzelnen Udgīthas nennen.“ In der Rede soll man Laut, Silbe, Wort und Zählung jeweils kennzeichnen. Man preist die von den Sehern gebrauchte Rede in ihrer Flexion. Deshalb nennen wir den Grund und sagen, was aus den Lauten werden wird; als Kenner der sechs Vedāṅgas lernen wir es so. „Welches Metrum?“ Das Metrum ist Gāyatra. Gāyatrī der Götter ist als einsilbig und weißfarbig erklärt worden. Zwei Gruppen umfassen je zwölf Fragen. Sie erklären Grammatik, Wurzelbedeutung, Phonetik und Metrum. Die folgenden zwei Zwölfergruppen erklären das Geheimnis der Veden: Mantra, Kalpa, Brāhmaṇa, Ṛc, Yajus, Sāman und Atharvanisches. Diese heiligen Äußerungen der vier Veden lauten in ihrer Reihenfolge: Om, Bhūr, Bhuvaḥ, Svar.'''
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''kati-mātraḥ'' – wie viele Moren umfassend; ''ādeḥ'' – vom Anfang her; ''tisraḥ mātrāḥ'' – drei Moren; ''abhyādāne'' – bei voller Aufnahme beziehungsweise Anhebung; ''hi'' – denn; ''plavate'' – schwebt, wird überlang ausgesprochen; ''makāraḥ'' – der M-Laut; ''caturthīm'' – die vierte; ''kim sthānam'' – welche Artikulationsstelle; ''ubhau oṣṭhau'' – beide Lippen; ''nāda'' – Klang, Resonanz; ''anupradāna'' – sekundäre Artikulation, Weitergabe des Lautes; ''karaṇau'' – Artikulationsorgane; ''dvi-sthānam'' – zwei Stellen habend; ''saṃdhi-akṣaram'' – Übergangs- beziehungsweise Verbindungslaut; ''a-varṇa-leśaḥ'' – eine Spur des A-Lautes; ''kaṇṭhyaḥ'' – in der Kehle gebildet; ''yathā-ukta-śeṣaḥ'' – dessen Rest wie gesagt ist; ''pūrvaḥ'' – der erste Teil; ''vivṛta-karaṇa-sthitaḥ'' – bei geöffnetem Artikulationsorgan stehend; ''dvitīyaḥ'' – der zweite; ''spṛṣṭa-karaṇa-sthitaḥ'' – bei Berührung beziehungsweise Verschluss des Artikulationsorgans stehend; ''na saṃyogaḥ vidyate'' – keine Konsonantenverbindung besteht; ''ākhyāta'' – Verb; ''upasarga'' – Präfix; ''anudātta-svarita'' – tiefer und fallend-steigender Akzent; ''liṅga-vibhakti-vacanāni'' – Geschlecht, Kasus und Zahl; ''saṃsthāna-adhyāyinaḥ'' – Erforscher der Lautordnung; ''ācāryāḥ pūrve'' – frühere Lehrer; ''babhūvuḥ'' – waren; ''śravaṇāt eva'' – allein durch Hören; ''pratipadyante'' – verstehen, erfassen; ''na kāraṇam pṛcchanti'' – fragen nicht nach dem Grund; ''atha'' – nun; ''apara-pakṣīyāṇām'' – unter den Vertretern der anderen Ansicht; ''kaviḥ'' – Seher, Dichter; ''pañcālacaṇḍaḥ'' – Pañcālacaṇḍa; ''paripṛcchakaḥ'' – genauer Fragender; ''babhūva'' – wurde; die folgenden Silben ''aṃbu'' sind textlich nicht sicher; ''pṛthak-udgītha-doṣān'' – die Fehler der einzelnen Udgīthas; ''bhavantaḥ bruvantu'' – die Herren mögen nennen; ''tat'' – dies; ''vāci'' – in der Rede; ''upalakṣayet'' – soll kennzeichnen; ''varṇa-akṣara-pada-aṅkaśaḥ'' – nach Laut, Silbe, Wort und Zählung; ''vibhaktyām'' – in der Flexion, Kasusform; ''ṛṣi-niṣevitām'' – von Sehern gebraucht; ''vācam stuvanti'' – sie preisen die Rede; ''tasmāt'' – daher; ''kāraṇam brūmaḥ'' – nennen wir den Grund; ''varṇānām'' – der Laute; ''ayam idam bhaviṣyati'' – dieser wird zu diesem werden; ''ṣaḍ-aṅga-vidaḥ'' – Kenner der sechs [[Vedanga|Vedāṅgas]]; ''tat tathā adhīmahe'' – so lernen wir dies; ''gāyatram hi chandaḥ'' – Gāyatra ist das Metrum; ''gāyatrī'' – Gāyatrī; ''devānām'' – der Götter; ''eka-akṣarā'' – einsilbig; ''śveta-varṇā'' – weißfarbig; ''vyākhyātā'' – erklärt; ''dvau dvādaśakau vargau'' – zwei Gruppen zu je zwölf; ''vyākaraṇam'' – Grammatik; ''dhātu-artha-vacanam'' – Aussage über die Wurzelbedeutung; ''śaikṣyam'' – die Phonetik betreffend; ''chando-vacanam'' – Aussage über das Metrum; ''uttarau'' – die folgenden; ''veda-rahasikī'' – das Veda-Geheimnis betreffend; ''mantraḥ'' – Mantra; ''kalpaḥ'' – Ritualregel; ''brāhmaṇam'' – Brāhmaṇa; ''ṛk, yajuḥ, sāma, atharvāṇi'' – Ṛc, Yajus, Sāman und atharvanische Texte; ''eṣā vyāhṛtiḥ'' – diese heilige Äußerung; ''caturṇām vedānām'' – der vier Veden; ''ānupūrvyeṇa'' – in der Reihenfolge; ''om bhūḥ bhuvaḥ svaḥ'' – Om, Erde, Luftraum, lichte Himmelswelt; ''iti vyāhṛtayaḥ'' – so lauten die heiligen Äußerungen. Der Satz mit Pañcālacaṇḍa ist beschädigt; nur sein sicher erkennbarer Sinn wird übersetzt.
 
=== Abschnitte 1.1.28–30 – Die vier Veden und Om als innere Medizin ===
 
'''1.1.28 – Warum Om am Anfang steht'''<br>
asamīkṣyapravalhitāni śrūyante |<br>
dvāparādāv ṛṣīṇām ekadeśo doṣapatir iha cintām āpede tribhiḥ somaḥ pātavyaḥ samāptam iva bhavati |<br>
tasmād ṛgyajuḥsāmāny apakrāntatejāṃsy āsan |<br>
tantra maharṣayaḥ paridevayāṃ cakrire |<br>
mahac chokabhayaṃ prāptāḥ smaḥ | na caitat sarvaiḥ samabhihitam |<br>
te vayaṃ bhagavantam evopadhāvāma | sarveṣām eva śarma bhavān iti |<br>
te tathety uktvā tūṣṇīm atiṣṭhan | nānupasannebhya iti |<br>
upopasīdāmīti nīcair babhūvuḥ |<br>
sa ebhya upanīya provāca | māmikām eva vyāhṛtim ādita āditaḥ kṛṇudhvam iti |<br>
evaṃ māmakā ādhīyante narte bhṛgvaṅgirovidbhyaḥ somaḥ pātavyaḥ |<br>
ṛtvijaḥ parābhavanti | yajamāno rajasāpadhvasyati | śrutiś cāpadhvastā tiṣṭhatīti |<br>
evam evottarottarād yogāt tokaṃ tokaṃ praśādhvam iti |<br>
evaṃ pratāpo na parābhaviṣyatīti |<br>
tathā ha tathā ha bhagavann iti pratipedira āpyāyayan |<br>
te tathā vītaśokabhayā babhūvuḥ |<br>
tasmād brahmavādina oṃkāram āditaḥ kurvanti || 28 ||<br>
 
'''Ungeprüfte und entstellte Rezitationen wurden hörbar. Zu Beginn des Dvāpara-Zeitalters kam eine Gruppe von Sehern, einem Fehler verfallen, zu dem Gedanken: „Soma ist von dreien zu trinken; damit scheint alles vollständig.“ Deshalb verloren Ṛc, Yajus und Sāman ihre Leuchtkraft. Da klagten die großen Seher: „Große Trauer und Furcht haben uns ergriffen; diese Lehre ist nicht von allen gemeinsam ausgesprochen worden. Darum nehmen wir allein zu dir, Ehrwürdiger, Zuflucht; du bist der Schutz aller.“ Nachdem er „So sei es“ gesagt hatte, schwieg er, denn die Lehre ist nicht für solche bestimmt, die nicht als Schüler herangetreten sind. „Wir treten als Schüler näher“, sagten sie und beugten sich. Er weihte sie ein und sprach: „Setzt meine eigene heilige Äußerung jedes Mal an den Anfang. So werden die mir Angehörigen unterrichtet. Ohne Kenner der Bhṛgus und Aṅgirases soll der Soma nicht getrunken werden; sonst gehen die Opferpriester zugrunde, der Opferherr wird vom Rajas fortgerissen und die Offenbarung liegt darnieder. Lehrt dies durch die Verbindung von einem zum nächsten, Kind für Kind. So wird eure Leuchtkraft nicht untergehen.“ – „So ist es, so ist es, Ehrwürdiger“, nahmen sie die Lehre an und stärkten sie. Damit wurden sie frei von Trauer und Furcht. Deshalb setzen die Brahman-Kundigen den Oṃkāra an den Anfang.'''
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''a-samīkṣya'' – ungeprüft, ohne sorgfältige Betrachtung; ''pravalhitāni'' – entstellt, falsch ausgesprochen; ''śrūyante'' – werden gehört; ''dvāpara-ādau'' – am Anfang des Dvāpara-Zeitalters; ''ṛṣīṇām'' – der Seher; ''eka-deśaḥ'' – eine Gruppe, ein Teil; ''doṣa-patiḥ'' – vom Fehler beherrscht, einem Fehler verfallen; ''iha'' – hier; ''cintām āpede'' – kam zu dem Gedanken; ''tribhiḥ'' – durch drei, von dreien; ''somaḥ pātavyaḥ'' – Soma ist zu trinken; ''samāptam iva bhavati'' – es scheint vollendet zu sein; ''tasmāt'' – deshalb; ''ṛk-yajuḥ-sāmāni'' – Ṛc, Yajus und Sāman; ''apakrānta-tejāṃsi'' – ihrer Leuchtkraft beraubt; ''āsan'' – waren; ''tatra'' beziehungsweise die überlieferte Lesart ''tantra'' – da, darauf; ''maharṣayaḥ'' – die großen Seher; ''paridevayām cakrire'' – klagten; ''mahat śoka-bhayam'' – große Trauer und Furcht; ''prāptāḥ smaḥ'' – haben wir erlangt, hat uns ergriffen; ''na ca etat'' – und dies nicht; ''sarvaiḥ'' – von allen; ''samabhihitam'' – gemeinsam ausgesprochen; ''te vayam'' – jene wir; ''bhagavantam'' – zum Ehrwürdigen; ''eva upadhāvāma'' – nehmen allein Zuflucht; ''sarveṣām'' – aller; ''śarma'' – Schutz, Zuflucht, Heil; ''bhavān'' – Ihr; ''tathā iti uktvā'' – „so sei es“ gesagt habend; ''tūṣṇīm atiṣṭhat'' – blieb schweigend; ''na anupasannebhyaḥ'' – nicht für nicht Herangetretene; ''upa-upasīdāma'' – wir treten als Schüler ganz nahe; ''nīcaiḥ babhūvuḥ'' – wurden niedrig, beugten sich; ''saḥ'' – er; ''ebhyaḥ'' – für sie; ''upanīya'' – eingeweiht, als Schüler herangeführt habend; ''provāca'' – sprach; ''māmikām'' – meine eigene; ''vyāhṛtim'' – heilige Äußerung; ''āditaḥ āditaḥ'' – jeweils ganz am Anfang; ''kṛṇudhvam'' – setzt, macht; ''evam'' – so; ''māmakāḥ'' – die Meinen; ''ādhīyante'' – werden unterrichtet, studieren; ''na ṛte'' – nicht ohne; ''bhṛgu-aṅgiraḥ-vidbhyaḥ'' – Kenner der Bhṛgus und Aṅgirases, das heißt des Atharvaveda; ''somaḥ pātavyaḥ'' – Soma ist zu trinken; ''ṛtvijaḥ'' – Opferpriester; ''parābhavanti'' – gehen zugrunde, unterliegen; ''yajamānaḥ'' – Opferherr; ''rajasā'' – durch Rajas, Trübung beziehungsweise Staub; ''apadhvasyati'' – wird fortgerissen, fällt; ''śrutiḥ'' – heilige Überlieferung; ''apadhvastā tiṣṭhati'' – bleibt niedergeworfen; ''uttara-uttarāt yogāt'' – durch Verbindung eines jeweils Folgenden mit dem nächsten; ''tokam tokam'' – Kind für Kind, Generation für Generation; ''praśādhvam'' – unterweist, lehrt; ''pratāpaḥ'' – Leuchtkraft, Würde; ''na parābhaviṣyati'' – wird nicht untergehen; ''tathā ha'' – so wahrlich; ''bhagavan'' – o Ehrwürdiger; ''pratipedire'' – sie nahmen an, stimmten zu; ''āpyāyayan'' – stärkten, erfüllten; ''vīta-śoka-bhayāḥ'' – frei von Trauer und Furcht; ''babhūvuḥ'' – wurden; ''brahma-vādinaḥ'' – Brahman-Kundige; ''oṃkāram'' – Oṃkāra; ''āditaḥ kurvanti'' – setzen an den Anfang.
 
'''1.1.29 – Die vier Veden und ihre kosmischen Entsprechungen'''<br>
kiṃ devatam iti |<br>
ṛcām agnir devatam | tad eva jyotiḥ | gāyatraṃ chandaḥ | pṛthivī sthānam |<br>
agnim īḷe purohitaṃ yajñasya devam ṛtvijaṃ hotāraṃ ratnadhātamam ity evam ādiṃ kṛtvā ṛgvedam adhīyate |<br>
yajuṣāṃ vāyur devatam | tad eva jyotiḥ | traiṣṭubhaṃ chandaḥ | antarikṣaṃ sthānam |<br>
iṣe tvorje tvā vāyava stha devo vaḥ savitā prārpayatu śreṣṭhatamāya karmaṇe ity evam ādiṃ kṛtvā yajurvedam adhīyate |<br>
sāmnām ādityo devatam | tad eva jyotiḥ | jāgataṃ chandaḥ | dyauḥ sthānam |<br>
agna ā yāhi vītaye gṛṇāno havyadātaye ni hotā satsi barhiṣi ity evam ādiṃ kṛtvā sāmavedam adhīyate |<br>
atharvaṇāṃ candramā devatam | tad eva jyotiḥ | sarvāṇi chandāṃsi | āpaḥ sthānam |<br>
śaṃ no devīr abhiṣṭaya ity evam ādiṃ kṛtvātharvavedam adhīyate |<br>
adbhyaḥ sthāvarajaṅgamo bhūtagrāmaḥ saṃbhavati |<br>
tasmāt sarvam āpomayaṃ bhūtaṃ sarvaṃ bhṛgvaṅgiromayam |<br>
antaraite trayo vedā bhṛgūn aṅgirasaḥ śritā ity ab iti prakṛtir apām oṃkāreṇa ca |<br>
etasmād vyāsaḥ purovāca |<br>
bhṛgvaṅgirovidā saṃskṛto ’nyān vedān adhīyīta |<br>
nānyatra saṃskṛto bhṛgvaṅgiraso ’dhīyīta |<br>
sāmavede ’tha khilaśrutir brahmacaryeṇa caitasmād atharvāṅgiraso ha yo veda sa veda sarvam iti brāhmaṇam || 29 ||<br>
 
'''„Welche Gottheit?“ Für die Ṛcs ist Agni die Gottheit und zugleich das Licht; ihr Metrum ist Gāyatra, ihr Ort die Erde. Mit „Agni preise ich, den Hauspriester des Opfers, den Gott und Opferpriester, den Hotṛ, der am reichsten Schätze verleiht“ beginnt das Studium des Rigveda. Für die Yajus-Formeln ist Vāyu Gottheit und Licht; ihr Metrum ist Triṣṭubh, ihr Ort der Zwischenraum. Mit „Für Nahrung dich, für Kraft dich; ihr seid Winde. Der Gott Savitṛ treibe euch zur vortrefflichsten Handlung an“ beginnt das Studium des Yajurveda. Für die Sāmans ist Āditya Gottheit und Licht; ihr Metrum ist Jagatī, ihr Ort der Himmel. Mit „Agni, komm zum Trank, gepriesen zur Darbringung der Opfergabe; setze dich als Hotṛ auf das Opfergras“ beginnt das Studium des Sāmaveda. Für die Atharvans ist der Mond Gottheit und Licht; ihnen gehören alle Metren, und ihr Ort sind die Wasser. Mit „Heil mögen uns die göttlichen Wasser sein …“ beginnt das Studium des Atharvaveda. Aus den Wassern entsteht die Gesamtheit der unbewegten und bewegten Wesen. Daher ist alles Gewordene aus Wasser und alles von Bhṛgu und Aṅgiras durchdrungen. Die drei anderen Veden liegen darin und stützen sich auf die Bhṛgus und Aṅgirases; ''ap'' ist die Grundform für „Wasser“ und wird hier auch mit Oṃkāra verbunden. Deshalb verkündete Vyāsa vormals: Wer durch einen Kenner der Bhṛgu-Aṅgiras-Überlieferung ausgebildet wurde, soll die anderen Veden studieren; wer anderswo ausgebildet wurde, soll nicht die Bhṛgu-Aṅgiras-Überlieferung studieren. Dazu heißt es in einer zusätzlichen Offenbarung des Sāmaveda: Wer durch Brahmacharya diesen Atharvāṅgirasa kennt, der kennt alles – so lautet das Brāhmaṇa.'''
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''kim devatam'' – welche Gottheit; ''ṛcām'' – der Ṛcs, Rigverse; ''agniḥ'' – Agni; ''devatam'' – Gottheit; ''tat eva jyotiḥ'' – eben dieser ist das Licht; ''gāyatram chandaḥ'' – Gāyatra ist das Metrum; ''pṛthivī'' – Erde; ''sthānam'' – Ort, Grundlage; ''agnim īḷe'' – Agni preise ich; ''purohitam'' – den Hauspriester, Vorangestellten; ''yajñasya'' – des Opfers; ''devam'' – den Gott; ''ṛtvijam'' – den Opferpriester; ''hotāram'' – den Hotṛ, Anrufer; ''ratna-dhātamam'' – den besten Verleiher von Schätzen; ''iti evam ādim kṛtvā'' – so den Anfang gemacht habend; ''ṛgvedam adhīyate'' – studiert man den Rigveda; ''yajuṣām'' – der Yajus-Formeln; ''vāyuḥ'' – Vāyu; ''traiṣṭubham'' – Triṣṭubh; ''antarikṣam'' – Zwischenraum; ''iṣe'' – für Nahrung; ''tvā'' – dich; ''ūrje'' – für Kraft; ''vāyavaḥ stha'' – ihr seid Winde; ''devaḥ savitā'' – der Gott [[Savitri|Savitṛ]]; ''vaḥ'' – euch; ''prārpayatu'' – möge antreiben, hinführen; ''śreṣṭhatamāya karmaṇe'' – zur vortrefflichsten Handlung; ''yajurvedam adhīyate'' – man studiert den Yajurveda; ''sāmnām'' – der Sāmans; ''ādityaḥ'' – Sonne; ''jāgatam'' – Jagatī; ''dyauḥ'' – Himmel; ''agna'' – o Agni; ''ā yāhi'' – komm her; ''vītaye'' – zum Trank, Mahl; ''gṛṇānaḥ'' – gepriesen; ''havya-dātaye'' – zur Darbringung der Opfergabe; ''ni satsi'' – setze dich nieder; ''hotā'' – als Hotṛ; ''barhiṣi'' – auf dem Opfergras; ''sāmavedam adhīyate'' – man studiert den Sāmaveda; ''atharvaṇām'' – der Atharvans; ''candramāḥ'' – Mond; ''sarvāṇi chandāṃsi'' – alle Metren; ''āpaḥ'' – Wasser; ''śam'' – Heil, Wohlergehen; ''naḥ'' – uns; ''devīḥ'' – göttliche; ''abhiṣṭaye'' – zur Hilfe und Erquickung; ''atharvavedam adhīyate'' – man studiert den Atharvaveda; ''adbhyaḥ'' – aus den Wassern; ''sthāvara-jaṅgamaḥ'' – unbewegt und bewegt; ''bhūta-grāmaḥ'' – Gesamtheit der Wesen; ''saṃbhavati'' – entsteht; ''tasmāt'' – daher; ''sarvam'' – alles; ''āpaḥ-mayam'' – aus Wasser bestehend; ''bhūtam'' – Gewordenes, Wesen; ''bhṛgu-aṅgiraḥ-mayam'' – von Bhṛgu und Aṅgiras erfüllt; ''antarā'' – im Innern, dazwischen; ''ete trayaḥ vedāḥ'' – diese drei Veden; ''bhṛgūn aṅgirasaḥ śritāḥ'' – auf Bhṛgus und Aṅgirases gestützt; ''ap iti'' – die Form ''ap''; ''prakṛtiḥ apām'' – Grundform von ''āpaḥ'', Wasser; ''oṃkāreṇa ca'' – und mit Oṃkāra; ''etasmāt'' – deshalb, daraus; ''vyāsaḥ'' – [[Vyasa|Vyāsa]]; ''purā uvāca'' – sprach vormals; ''bhṛgvaṅgiraḥ-vidā'' – durch einen Kenner der Bhṛgu-Aṅgiras-Tradition; ''saṃskṛtaḥ'' – ausgebildet, eingeweiht; ''anyān vedān'' – die anderen Veden; ''adhīyīta'' – soll studieren; ''na anyatra saṃskṛtaḥ'' – nicht anderswo ausgebildet; ''bhṛgvaṅgirasaḥ'' – den Bhṛgu-Aṅgiras-Veda; ''sāmavede'' – im Sāmaveda; ''khila-śrutiḥ'' – zusätzliche Offenbarung, Nachtragstext; ''brahmacaryeṇa'' – durch Brahmacharya; ''ca etasmāt'' – und durch dieses; ''atharvāṅgirasaḥ'' – den Atharvāṅgirasa, Atharvaveda; ''yaḥ veda'' – wer kennt; ''saḥ veda sarvam'' – der kennt alles; ''iti brāhmaṇam'' – so lautet das Brāhmaṇa. Die Aussage zwischen ''āpomayam'' und Vyāsas Lehrsatz ist textlich gedrängt und teilweise beschädigt; die Übersetzung folgt dem erkennbaren Vorranganspruch der Atharvaveda-Tradition.
 
'''1.1.30 – Om als Heilmittel und Alleinsein des Selbst'''<br>
adhyātmam ātmabhaiṣajyam ātmakaivalyam oṃkāraḥ |<br>
ātmānaṃ nirudhya saṅgamamātrīṃ bhūtārthacintāṃ cintayet |<br>
atikramya vedebhyaḥ sarvaparam adhyātmaphalaṃ prāpnotīty arthaḥ |<br>
savitarkaṃ jñānamayam ity etaiḥ praśnaiḥ prativacanaiś ca yathārthaṃ padam anuvicintya prakaraṇajño hi prabalo viṣayī syāt sarvasmin vākovākya iti brāhmaṇam || 30 ||<br>
 
'''Auf den inneren Menschen bezogen ist der Oṃkāra Heilmittel des Selbst und das Alleinsein des Selbst. Nachdem man sich gesammelt und zurückgehalten hat, soll man über jene auf Vereinigung gerichtete Betrachtung des wirklich Seienden nachsinnen. Über die Veden hinausgehend erlangt man so die höchste innere Frucht – das ist der Sinn. Diese Erkenntnis darf zunächst mit prüfender Überlegung verbunden sein und soll ganz von Wissen erfüllt werden. Wer durch diese Fragen und Antworten jedes Wort seinem wirklichen Sinn gemäß weiter bedenkt und den Zusammenhang kennt, wird in jedem gelehrten Gespräch ein kraftvoller Meister des Gegenstandes – so lautet das Brāhmaṇa.'''
 
'''Wort-für-Wort-Erläuterung''': ''adhyātmam'' – auf das Selbst beziehungsweise den inneren Menschen bezogen; ''ātma-bhaiṣajyam'' – Heilmittel des Selbst; ''ātma-kaivalyam'' – Alleinsein, unvermischte Freiheit des Selbst ([[Kaivalya]]); ''oṃkāraḥ'' – der Oṃkāra; ''ātmānam'' – das Selbst, sich selbst; ''nirudhya'' – zurückgehalten, gesammelt habend; ''saṅgama-mātrīm'' – allein auf Verbindung oder Vereinigung gerichtet; ''bhūta-artha-cintām'' – Betrachtung des wirklichen, gewordenen beziehungsweise wahren Gegenstandes; ''cintayet'' – soll bedenken, meditieren; ''atikramya'' – überschritten habend, hinausgehend; ''vedebhyaḥ'' – über die Veden hinaus; ''sarva-param'' – über alles hinausgehend, höchstes; ''adhyātma-phalam'' – innere, das Selbst betreffende Frucht; ''prāpnoti'' – erlangt; ''iti arthaḥ'' – so ist der Sinn; ''sa-vitarkam'' – mit prüfender Überlegung, Reflexion; ''jñāna-mayam'' – aus Erkenntnis bestehend; ''iti'' – so; ''etaiḥ praśnaiḥ'' – durch diese Fragen; ''prativacanaiḥ ca'' – und durch die Antworten; ''yathā-artham'' – dem wirklichen Sinn gemäß; ''padam'' – Wort, Ausdruck, Schritt; ''anuvicintya'' – weiter und gründlich bedacht habend; ''prakaraṇa-jñaḥ'' – Kenner des Zusammenhangs; ''hi'' – denn; ''prabalaḥ'' – kraftvoll, überlegen; ''viṣayī'' – den Gegenstand beherrschend; ''syāt'' – möge, würde sein; ''sarvasmin'' – in jedem; ''vāko-vākye'' – Rede und Gegenrede, gelehrtem Gespräch; ''iti brāhmaṇam'' – so lautet die Brāhmaṇa-Erklärung. ''Saṅgamamātrī'' ist selten und in seiner genauen grammatischen Beziehung unsicher; sicher ist der Übergang von äußerer Rezitation zu Sammlung und innerer Erkenntnis.
 
== Pranava Upanishad: Einordnung, Datierung, Inhalt und Bedeutung ==
 
=== Name, Umfang und Stellung im Gopatha Brāhmaṇa ===
 
''Praṇava'' ist eine traditionelle Bezeichnung für Om. Sie kann mit „Loblaut“, „zustimmender heiliger Ausruf“ oder „der vorangestellte Laut“ wiedergegeben werden. Der Text selbst verwendet sowohl ''oṃkāra'', „die Om-Silbe“, als auch ''praṇava''. Sein Leitmotiv lautet, dass Om vor jeder Form heiliger Rede steht und in der jeweiligen Textgattung selbst zu Ṛc, Yajus, Sāman, Sūtra, Brāhmaṇa oder Śloka wird.
 
Die Pranava Upanishad umfasst Gopatha Brāhmaṇa 1.1.16–30. Diese fünfzehn Abschnitte bilden im ersten ''Prapāṭhaka'' eine geschlossene zweite Kosmogonie und Om-Lehre. Unmittelbar zuvor stehen eine atharvanische Schöpfungserzählung und Ausführungen über das vierfüßige Opfer; unmittelbar danach folgt in 1.1.31–38 die sogenannte [[Gayatri|Gāyatrī-Upanishad]] des Gopatha Brāhmaṇa. Der moderne Einzeltitel macht den Inhalt zugänglich, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Wortlaut als Teil eines Brāhmaṇa überliefert ist.
 
Das Gopatha Brāhmaṇa ist das einzige erhaltene Brāhmaṇa des Atharvaveda. Es besteht aus einem ''Pūrvabhāga'' mit fünf und einem ''Uttarabhāga'' mit sechs Prapāṭhakas. Seine Traditionszugehörigkeit wird diskutiert. Der Anfangsvers, den Abschnitt 1.1.29 für den Atharvaveda nennt – ''śaṃ no devīr abhiṣṭaye'' –, ist der Beginn der Paippalāda-Saṃhitā und spricht für eine besondere Nähe zu dieser Schule. Zugleich wurde das Werk in der weiteren Atharvaveda-Überlieferung bewahrt und auch mit der Śaunaka-Schule verbunden.
 
=== Datierung und Textschichten ===
 
Eine exakte Jahreszahl lässt sich weder für das ganze Gopatha Brāhmaṇa noch für die Pranava Upanishad angeben. Sprache, systematische Vierteilungen, die ausdrückliche Gleichstellung des Atharvaveda mit den drei älteren liturgischen Veden und die bereits entwickelte grammatische Terminologie weisen auf eine '''späte Phase der Brāhmaṇa-Literatur''' hin. Als vorsichtiger Rahmen wird häufig die Zeit gegen Ende der vedischen Periode genannt, also ungefähr die Mitte bis zweite Hälfte des ersten Jahrtausends v. Chr.; einzelne Stoffe und Formeln können älter sein, die erhaltene Redaktion kann jünger sein.
 
Die Forschung ist nicht einheitlich. Maurice Bloomfield hielt das Werk für besonders spät und setzte es nach dem Vaitāna-Sūtra an. Willem Caland, Dieuke Gaastra und spätere Forscher sahen Gründe für die umgekehrte Abhängigkeit und eine Nähe zur Paippalāda-Tradition. Tarak Nath Adhikari ordnete den Grundbestand in die späte Brāhmaṇa-Zeit vor die klassische Upanishadenperiode ein. Die sichere Aussage ist daher keine punktgenaue Datierung, sondern eine relative: Der Abschnitt steht an der Schwelle von ritueller Brāhmaṇa-Spekulation zu einer ausdrücklich inneren, upanishadischen Deutung.
 
Auch innerhalb der fünfzehn Abschnitte sind Schichten erkennbar. Die kosmischen Zuordnungen von 1.1.16–21, der Götter-Asura-Mythos und die Begründung der Rezitationspraxis gehören zur Welt des Brāhmaṇa. Die grammatischen Fragen in 1.1.24–27 setzen ein fortgeschrittenes Nachdenken über Sprache voraus. Der knappe Schluss 1.1.30 verwendet mit ''ātma-kaivalya'' und ''adhyātma-phala'' eine deutlich verinnerlichte Erlösungssprache. Wahrscheinlich wurde vorhandenes Material zu einer bewusst ansteigenden Lehre geordnet.
 
=== Brahmā und die Schau des Om ===
 
Der erste Abschnitt unterscheidet [[Brahman]] und Brahmā. Brahman ist die schöpferische heilige Wirklichkeit; Brahmā ist der erschaffene Gott, der nach dem einen Mittel sucht, durch das er die Vielheit erfahren kann. Er findet dieses Mittel nicht durch bloßes Nachdenken. Erst Brahmacharya, die disziplinierte Sammlung des ganzen Lebens, führt zur Schau des Om.
 
Das Sanskritwort ''akṣara'' bedeutet sowohl „Silbe“ als auch „unvergänglich“. Dieser Doppelsinn trägt die Erzählung. Om ist ein hörbarer Laut und zugleich ein Symbol des Unvergänglichen. Die Pranava Upanishad behauptet nicht, ein akustisches Geräusch sei mechanisch das Absolute. Sie zeigt vielmehr, wie die eine konzentrierte Silbe das Bewusstsein auf die Einheit hinter den vielen Namen, Welten und Handlungen ausrichten kann.
 
Die Beschreibung als „zweilautig“ und „viermorig“ gehört zu einer älteren Lautanalyse. Später wird Om meist als A-U-M mit einer lautlosen vierten Dimension gedeutet, besonders in der [[Mandukya Upanishad]]. Der Gopatha-Text kennt bereits drei beziehungsweise dreieinhalb oder vier Mātrās, verbindet sie aber anders mit Lauten, Farben und Gottheiten. Beide Systeme sollten nicht künstlich gleichgesetzt werden; sie bezeugen verschiedene Stadien derselben reichen Meditationsüberlieferung.
 
=== Kosmos, Ritual und menschliche Sinne ===
 
Die Abschnitte 17–21 entfalten ein System von ''bandhus'', Entsprechungen. Eine Lautmātrā steht nicht isoliert da, sondern verbindet Weltbereich, Gottheit, Veda, heilige Äußerung, Metrum, Stoma, Richtung, Jahreszeit und menschliches Vermögen. Erde, Feuer, Rigveda, Osten, Frühling, Sprache, Zunge und Geschmack bilden etwa eine zusammengehörige Reihe.
 
Solche Listen sind keine naturwissenschaftlichen Tabellen. Sie üben eine besondere Form vedischen Denkens: Makrokosmos, Ritual und Mikrokosmos spiegeln einander. Wer Om spricht, soll die Welt nicht als unverbundene Ansammlung wahrnehmen. Atem, Licht, Hören und Denken stehen in einem umfassenden Beziehungsnetz.
 
Bemerkenswert ist die Weite des fünften Katalogs. Neben Itihāsa, Purāṇa und Upanishaden nennt er Redeformen, Gesänge, Tanz und Instrumente. Die mündliche Kultur erscheint nicht auf Opferformeln reduziert. Zugleich ist gerade diese Zeile textkritisch schwierig. Eine verantwortliche Auslegung unterscheidet deshalb zwischen sicher lesbaren Gattungen und beschädigten technischen Ausdrücken.
 
=== Warum Om vor dem Mantra gesprochen wird ===
 
Abschnitt 22 versteht Om als Schutz und Ergänzung der Rezitation. Mantras können durch Unaufmerksamkeit, mangelnde Vorbereitung oder falschen Zeitpunkt unvollständig und „verbraucht“ werden. Om wird davor und danach gesetzt, damit das Opfer von allen Seiten getragen ist. Die Vorschrift verbindet äußere Genauigkeit mit innerer Haltung: Tapas und aufmerksames Hören gehören zur Wirksamkeit heiliger Sprache.
 
Der anschließende Mythos dramatisiert dieselbe Regel. Om, der älteste Sohn Brahmans, hilft den Göttern gegen die Asuras, verlangt aber als Gabe, vor jeder Brahman-Rede ausgesprochen zu werden. In der Bildsprache des Textes siegt geordnete, bewusst begonnene Rede über chaotische Gegenkräfte. Die Erzählung begründet die bis heute vertraute Praxis, Studium, [[Japa]], Ritual und Meditation mit Om zu eröffnen.
 
Die tausendfache Wiederholung nach dreitägigem Fasten gehört zum rituellen Kontext. Sie sollte nicht als Garantie verstanden werden, jeder beliebige Wunsch werde automatisch erfüllt. Die tiefere Voraussetzung ist im Text selbst genannt: Schweigen, Ausrichtung, Disziplin und eine korrekte, aufmerksam ausgeführte Praxis.
 
=== Die 36 Fragen und das frühe Sprachdenken ===
 
Die Pranava Upanishad fragt ungewöhnlich genau nach der sprachlichen Gestalt des Om: nach Wurzel, Wortstamm, Suffix, Geschlecht, Zahl, Kasus, Akzent, Lautveränderung, Moren und Artikulationsort. Begriffe wie ''dhātu'', ''prātipadika'', ''pratyaya'' und ''avyaya'' gehören zum Fachwortschatz der indischen Grammatik.
 
Die Antworten entsprechen nicht in jeder Hinsicht der späteren Grammatik Pāṇinis oder moderner Sprachwissenschaft. Die Ableitung von Om aus ''āp'', „erreichen“, ist eine deutende Etymologie: Weil Om alles „erreicht“, soll seine Lautform diese Bedeutung tragen. Ihr Ziel ist nicht historische Lautgeschichte, sondern das Erschließen spiritueller Bedeutung aus Sprache.
 
Trotzdem fordert der Text Präzision. Laut, Silbe, Wort und Zählung sollen unterschieden werden; Artikulationsstelle und Öffnung oder Schließung der Sprechorgane werden beobachtet. Die Pranava Upanishad verbindet damit zwei Haltungen, die sich ergänzen: ehrfürchtige Verehrung und prüfende Analyse.
 
=== Der Atharvaveda als vierter Veda ===
 
Abschnitte 28 und 29 vertreten nachdrücklich den Rang des Atharvaveda. Die Meinung, drei Soma trinkende Priester und drei Veden seien bereits vollständig, führt im Mythos zum Verlust der Leuchtkraft. Erst die Einbeziehung der Bhṛgu-Aṅgiras-Kenner, also der Atharvaveda-Tradition und des Brahman-Priesters, stellt die Ganzheit wieder her.
 
Die vier Reihen lauten: Agni–Rigveda–Erde, Vāyu–Yajurveda–Zwischenraum, Āditya–Sāmaveda–Himmel und Mond–Atharvaveda–Wasser. Jede Reihe beginnt mit dem tatsächlichen Anfangsmantra der jeweiligen Saṃhitā-Tradition, wie sie der Verfasser kennt. Der Text argumentiert also nicht nur abstrakt; er verankert die Gleichrangigkeit in konkreter Rezitationspraxis.
 
Historisch spiegelt diese Polemik die allmähliche Anerkennung des Atharvaveda als vierter Veda. Spirituell lässt sich daraus ein allgemeineres Prinzip gewinnen: Ein System, das einen wesentlichen Bereich ausschließt, verliert seine Ganzheit. Dennoch sollte die traditionsinterne Rangbehauptung nicht als Abwertung anderer Veden gelesen werden. Ziel ist die Vervollständigung des Opfers durch alle vier Funktionen.
 
=== Om als Selbstheilmittel und Kaivalya ===
 
Der Schlussabschnitt ist der deutlichste Grund, den Gesamttext „Upanishad“ zu nennen. Om wird ''ātma-bhaiṣajya'', „Heilmittel des Selbst“, und ''ātma-kaivalya'', „Alleinsein oder Freiheit des Selbst“, genannt. Heilung bedeutet hier nicht die medizinische Behandlung einer körperlichen Erkrankung. Gemeint ist die Sammlung eines zerstreuten Bewusstseins und die Lösung seiner Verwechslung mit wechselnden Inhalten.
 
Zugleich überschreitet die Erkenntnis „die Veden“. Das ist keine Verwerfung der heiligen Texte: Der gesamte Abschnitt entsteht ja aus genauem Studium. Aber Zeichen und Erklärungen sollen zur unmittelbaren inneren Frucht führen. Man könnte sagen: Die Landkarte erfüllt ihren Zweck erst, wenn der Weg tatsächlich gegangen wird.
 
Der Text lehnt vernünftiges Fragen nicht ab. ''Savitarka'', mit Überlegung verbundenes Erkennen, hat seinen Platz. Fragen und Antworten, Wortanalyse und Kontextkenntnis bereiten eine Meditation vor, in der das Selbst nicht mehr nur als Begriff behandelt wird. Damit verbindet die Pranava Upanishad [[Jnana Yoga|Jñāna]], Mantra und Sammlung.
 
=== Bedeutung heute ===
 
Für heutige Übende korrigiert der Text zwei Extreme. Om ist weder ein beliebiger Entspannungsklang noch eine magische Formel, die ohne Verständnis jeden Wunsch erfüllt. Es ist ein über Jahrtausende geschultes Zeichen, dessen Aussprache, Bedeutung, ethischer Rahmen und meditative Anwendung zusammengehören.
 
Die 36 Fragen erinnern daran, dass spirituelle Hingabe Genauigkeit verträgt. Wer ein Sanskritmantra verwendet, darf nach seiner Lautung, Grammatik, Quelle und Funktion fragen. Solche Sorgfalt zerstört nicht das Heilige; sie schützt vor oberflächlicher Aneignung und vor scheinbar tiefen Erklärungen, die im Text keinen Halt haben.
 
Die kosmischen Entsprechungen können außerdem eine ökologische Aufmerksamkeit fördern. Erde, Wasser, Licht, Wind, Jahreszeiten, Körper und Bewusstsein werden nicht getrennt behandelt. Eine moderne Praxis muss die alten Zuordnungen nicht wörtlich reproduzieren, kann aber ihre Grundhaltung übernehmen: Atem und Geist stehen in Beziehung zu einer größeren lebendigen Welt.
 
Schließlich weist der Schluss auf Stille. Om wird hörbar begonnen, durchläuft Resonanz und klingt aus. Gerade das Verklingen kann den Geist in jene nichtbegriffliche Wachheit führen, die der Text mit Kaivalya verbindet. Die Silbe ist dann kein Besitzanspruch, sondern eine wiederholte Rückkehr zu gesammelt-offener Gegenwart.
 
=== Bleibende Botschaft ===
 
Die bleibende Botschaft der Pranava Upanishad lautet: Eine einzige bewusst erkannte Silbe kann zum Mittelpunkt werden, an dem sich Sprache, Welt, Körper, Ritual und Selbsterkenntnis ordnen. Ihre Kraft liegt nicht in gedankenloser Wiederholung, sondern im Zusammenspiel von Brahmacharya, aufmerksamem Hören, genauer Erkenntnis und Meditation.
 
Om steht am Anfang der heiligen Rede, doch die Lehre endet nicht beim Anfangslaut. Sie führt durch Fragen und Antworten zum inneren Heilmittel und zum freien Selbst. So wird aus ritueller Ordnung eine Praxis der Sammlung und aus sprachlicher Analyse ein Weg zur Stille.
 
== Pranava Upanishad – vollständiger Text in Devanagari ==
 
'''Abschnitt 1.1.16'''<br>
ब्रह्म ह वै ब्रह्माणं पुष्करे ससृजे ।<br>
स खलु ब्रह्मा सृष्टश् चिन्ताम् आपेदे ।<br>
केनाहम् एकेनाक्षरेण सर्वांश् च कामान् सर्वांश् च लोकान् सर्वांश् च देवान् सर्वांश् च वेदान् सर्वांश् च यज्ञान् सर्वांश् च शब्दान् सर्वाश् च व्युष्टीः सर्वाणि च भूतानि स्थावरजङ्गमान्य् अनुभवेयम् इति ।<br>
स ब्रह्मचर्यम् अचरत् ।<br>
स ओम् इत्य् एतद् अक्षरम् अपश्यद् द्विवर्णं चतुर्मात्रं सर्वव्यापि सर्वविभ्वयातयामब्रह्म ब्राह्मीं व्याहृतिं ब्रह्मदैवताम् ।<br>
तया सर्वांश् च कामान् सर्वांश् च लोकान् सर्वांश् च देवान् सर्वांश् च वेदान् सर्वांश् च यज्ञान् सर्वांश् च शब्दान् सर्वाश् च व्युष्टीः सर्वाणि च भूतानि स्थावरजङ्गमान्य् अन्वभवत् ।<br>
तस्य प्रथमेन वर्णेनापः स्नेहं चान्वभवत् ।<br>
तस्य द्वितीयेन वर्णेन तेजो ज्योतींष्य् अन्वभवत् ॥ १६ ॥<br>
 
'''Abschnitt 1.1.17'''<br>
तस्य प्रथमया स्वरमात्रया पृथिवीम् अग्निम् ओषधिवनस्पतीन् ऋग्वेदं भूर् इति व्याहृतिं गायत्रं छन्दस् त्रिवृतं स्तोमं प्राचीं दिशं वसन्तम् ऋतुं वाचम् अध्यात्मं जिह्वां रसम् इतीन्द्रियाण्य् अन्वभवत् ॥ १७ ॥<br>
 
'''Abschnitt 1.1.18'''<br>
तस्य द्वितीयया स्वरमात्रयान्तरिक्षं वायुं यजुर्वेदं भुव इति व्याहृतिं त्रैष्टुभं छन्दः पञ्चदशं स्तोमं प्रतीचीं दिशं ग्रीष्मम् ऋतुं प्राणम् अध्यात्मं नासिके गन्धघ्राणम् इतीन्द्रियाण्य् अन्वभवत् ॥ १८ ॥<br>
 
'''Abschnitt 1.1.19'''<br>
तस्य तृतीयया स्वरमात्रया दिवम् आदित्यं सामवेदं स्वर् इति व्याहृतिं जागतं छन्दः सप्तदशं स्तोमम् उदीचीं दिशं वर्षा ऋतुं ज्योतिर् अध्यात्मं चक्षुषी दर्शनम् इतीन्द्रियाण्य् अन्वभवत् ॥ १९ ॥<br>
 
'''Abschnitt 1.1.20'''<br>
तस्य वकारमात्रयापश् चन्द्रमसम् अथर्ववेदं नक्षत्राण्य् ओम् इति स्वम् आत्मानं जनद् इत्य् अङ्गिरसाम् आनुष्टुभं छन्द एकविंशं स्तोमं दक्षिणां दिशं शरदम् ऋतुं मनो ऽध्यात्मं ज्ञानं ज्ञेयम् इतीन्द्रियाण्य् अन्वभवत् ॥ २० ॥<br>
 
'''Abschnitt 1.1.21'''<br>
तस्य मकारश्रुत्येतिहासपुराणं वाकोवाक्यं गाथा नाराशंसीर् उपनिषदो ऽनुशासनानीति वृधत् करद् रुहन् महत् तच् छम् ओम् इति व्याहृतीः स्वरशम्यनानातन्त्रीः स्वरनृत्यगीतवादित्राण्य् अन्वभवच् चैत्ररथं दैवतं वैद्युतं ज्योतिर् बार्हतं छन्दस् त्रिणवत्रयस्त्रिंशौ स्तोमौ ध्रुवाम् ऊर्ध्वां दिशं हेमन्तशिशिराव् ऋतू श्रोत्रम् अध्यात्मं शब्दश्रवणम् इतीन्द्रियाण्य् अन्वभवत् ॥ २१ ॥<br>
 
'''Abschnitt 1.1.22'''<br>
सैषैकाक्षर् ऋग् ब्रह्मणस् तपसो ऽग्रे प्रादुर्बभूव ब्रह्मवेदस्याथर्वणं शुक्रम् ।<br>
अत एव मन्त्राः प्रादुर्बभूवुः ।<br>
स तु खलु मन्त्राणाम् अतपसाशुश्रूषानध्यायाध्ययनेन यद् ऊनं च विरिष्टं च यातयामं च करोति तद् अथर्वणां तेजसा प्रत्याप्याययेत् ।<br>
मन्त्राश् च माम् अभिमुखीभवेयुर् गर्भा इव मातरम् अभिजिघांसुः ।<br>
पुरस्ताद् ओंकारं प्रयुङ्क्ते ।<br>
एतयैव तद् ऋचा प्रत्याप्यायेत् ।<br>
एषैव यज्ञस्य पुरस्ताद् युज्यते ।<br>
एषा पश्चात् ।<br>
सर्वत एतया यज्ञस् तायते ।<br>
तद् अप्य् एतद् ऋचोक्तम् ।<br>
या पुरस्ताद् युज्यत ऋचो अक्षरे परमे व्योमन्न् इति ।<br>
तद् एतद् अक्षरं ब्राह्मणो यं कामम् इच्छेत् त्रिरात्रोपोषितः प्राङ्मुखो वाग्यतो बर्हिष्य् उपविश्य सहस्रकृत्व आवर्तयेत् ।<br>
सिध्यन्त्य् अस्यार्थाः सर्वकर्माणि चेति ब्राह्मणम् ॥ २२ ॥<br>
 
'''Abschnitt 1.1.23'''<br>
वसोर् धाराणाम् ऐन्द्रं नगरम् ।<br>
तद् असुराः पर्यवारयन्त ।<br>
ते देवा भीता आसन् ।<br>
क इमान् असुरान् अपहनिष्यतीति ।<br>
त ओंकारं ब्रह्मणः पुत्रं ज्येष्ठं ददृश्रुः ।<br>
ते तम् अब्रुवन् ।<br>
भवता मुखेनेमान् असुराञ् जयेमेति ।<br>
स होवाच ।<br>
किं मे प्रतीवाहो भविष्यतीति ।<br>
वरं वृणीष्वेति ।<br>
वृणा इति ।<br>
स वरम् अवृणीत ।<br>
न माम् अनीरयित्वा ब्राह्मणा ब्रह्म वदेयुः ।<br>
यदि वदेयुर् अब्रह्म तत् स्याद् इति ।<br>
तथेति ।<br>
ते देवा देवयजनस्योत्तरार्धे ऽसुरैः संयत्ता आसन् ।<br>
तान् ओंकारेणाग्नीध्रीयाद् देवा असुरान् पराभावयन्त ।<br>
तद् यत् पराभावयन्त तस्माद् ओंकारः पूर्वम् उच्यते ।<br>
यो ह वा एतम् ओंकारं न वेदावशी स्याद् इत्य् अथ य एवं वेद ब्रह्मवशी स्याद् इति ।<br>
तस्माद् ओंकार ऋच्य् ऋग् भवति ।<br>
यजुषि यजुः ।<br>
साम्नि साम ।<br>
सूत्रे सूत्रम् ।<br>
ब्राह्मणे ब्राह्मणम् ।<br>
श्लोके श्लोकः ।<br>
प्रणवे प्रणव इति ब्राह्मणम् ॥ २३ ॥<br>
 
'''Abschnitt 1.1.24'''<br>
ओंकारं पृच्छामः ।<br>
को धातुः । किं प्रातिपदिकम् । किं नामाख्यातम् । किं लिङ्गम् । किं वचनम् । का विभक्तिः । कः प्रत्ययः । कः स्वर उपसर्गो निपातः । किं वै व्याकरणम् । को विकारः । को विकारी । कतिमात्रः । कतिवर्णः । कत्यक्षरः । कतिपदः । कः संयोगः । किं स्थानानुप्रदानकरणं शिक्षुकाः किम् उच्चारयन्ति । किं छन्दः । को वर्ण इति पूर्वे प्रश्नाः ।<br>
अथोत्तरे । मन्त्रः कल्पो ब्राह्मणम् ऋग् यजुः साम । कस्माद् ब्रह्मवादिन ओंकारम् आदितः कुर्वन्ति । किं दैवतम् । किं ज्योतिषम् । किं निरुक्तम् । किं स्थानम् । का प्रकृतिः । किम् अध्यात्मम् इति ।<br>
षट्त्रिंशत् प्रश्नाः । पूर्वोत्तराणां त्रयो वर्गा द्वादशकाः ।<br>
एतैर् ओंकारं व्याख्यास्यामः ॥ २४ ॥<br>
 
'''Abschnitt 1.1.25'''<br>
इन्द्रः प्रजापतिम् अपृच्छत् ।<br>
भगवन्न् अभिष्टूय पृच्छामीति ।<br>
पृच्छ वत्सेत्य् अब्रवीत् ।<br>
किम् अयम् ओंकारः । कस्य पुत्रः । किं चैतच् छन्दः । किं चैतद् वर्णः । किं चैतद् ब्रह्मा ब्रह्म संपद्यते ।<br>
तस्माद् वै तद् भद्रम् ओंकारं पूर्वम् आलेभे ।<br>
स्वरितोदात्त एकाक्षर ओंकार ऋग्वेदे ।<br>
त्रैस्वर्योदात्त एकाक्षर ओंकारो यजुर्वेदे ।<br>
दीर्घप्लुतोदात्त एकाक्षर ओंकारः सामवेदे ।<br>
ह्रस्वोदात्त एकाक्षर ओंकारो ऽथर्ववेदे ।<br>
उदात्तोदात्त द्विपद अ उ इत्य् अर्धचतस्रो मात्रा मकारे व्यञ्जनम् इत्य् आहुः ।<br>
या सा प्रथमा मात्रा ब्रह्मदेवत्या रक्ता वर्णेन । यस् तां ध्यायते नित्यं स गच्छेद् ब्राह्मं पदम् ।<br>
या सा द्वितीया मात्रा विष्णुदेवत्या कृष्णा वर्णेन । यस् तां ध्यायते नित्यं स गच्छेद् वैष्णवं पदम् ।<br>
या सा तृतीया मात्रैशानदेवत्या कपिला वर्णेन । यस् तां ध्यायते नित्यं स गच्छेद् ऐशानं पदम् ।<br>
या सार्धचतुर्थी मात्रा सर्वदेवत्या व्यक्तीभूता खं विचरति शुद्धस्फटिकसन्निभा वर्णेन । यस् तां ध्यायते नित्यं स गच्छेत् पदम् अनामकम् ।<br>
ओंकारस्य चोत्पत्तिः । विप्रो यो न जानाति तत् पुनरुपनयनम् ।<br>
तस्माद् ब्राह्मणवचनम् आदर्तव्यं यथा लातव्यो गोत्रो ब्रह्मणः पुत्रः ।<br>
गायत्रं छन्दः । शुक्लो वर्णः । पुंसो वत्सः । रुद्रो देवता । ओंकारो वेदानाम् ॥ २५ ॥<br>
 
'''Abschnitt 1.1.26'''<br>
को धातुर् इति । आपृधातुः । अवतिम् अप्य् एके ।<br>
रूपसामान्याद् अर्थसामान्यं नेदीयः ।<br>
तस्माद् आपेर् ओंकारः सर्वम् आप्नोतीत्य् अर्थः कृदन्तम् अर्थवत् ।<br>
प्रातिपदिकम् अदर्शनम् ।<br>
प्रत्ययस्य नाम संपद्यते निपातेषु चैनं वैयाकरणा उदात्तं समामनन्ति तद् अव्ययीभूतम् ।<br>
अन्वर्थवाची शब्दो न व्येति कदा चनेति ।<br>
सदृशं त्रिषु लिङ्गेषु सर्वासु व विभक्तिषु वचनेषु च सर्वेषु यन् न व्येति तद् अव्ययम् ।<br>
को विकारी । च्यवते । प्रसारणम् ।<br>
आप्नोतेर् आकरपकारौ विकार्यौ ।<br>
आदित ओंकारो विक्रियते । द्वितीयो मकारः ।<br>
एवं द्विवर्ण एकाक्षर ओम् इत्य् ओंकारो निर्वृत्तः ॥ २६ ॥<br>
 
'''Abschnitt 1.1.27'''<br>
कतिमात्र इति । आदेस् तिस्रो मात्राः । अभ्यादाने हि प्लवते । मकारश् चतुर्थीम् ।<br>
किं स्थानम् इति । उभाव् ओष्ठौ स्थानम् । नादानुप्रदानकरणौ च द्विस्थानम् ।<br>
संध्यक्षरम् अवर्णलेशः कण्ठ्यो यथोक्तशेषः ।<br>
पूर्वो विवृतकरणस्थितश् च । द्वितीयस्पृष्टकरणस्थितश् च । न संयोगो विद्यते ।<br>
आख्यातोपसर्गानुदात्तस्वरितलिङ्गविभक्तिवचनानि च संस्थानाध्यायिन आचार्याः पूर्वे बभूवुः ।<br>
श्रवणाद् एव प्रतिपद्यन्ते न कारणं पृच्छन्ति ।<br>
अथापरपक्षीयाणां कविः पञ्चालचण्डः परिपृच्छको बभूवांबु पृथगुद्गीथदोषान् भवन्तो ब्रुवन्त्व् इति ।<br>
तद् वाच्य् उपलक्षयेद् वर्णाक्षरपदाङ्कशः ।<br>
विभक्त्याम् ऋषिनिषेविताम् इति वाचं स्तुवन्ति ।<br>
तस्मात् कारणं ब्रूमः । वर्णानाम् अयम् इदं भविष्यतीति ।<br>
षडङ्गविदस् तत् तथाधीमहे ।<br>
किं छन्द इति । गायत्रं हि छन्दः ।<br>
गायत्री वै देवानाम् एकाक्षरा श्वेतवर्णा च व्याख्याता ।<br>
द्वौ द्वादशकौ वर्गौ ।<br>
एतद् वै व्याकरणं धात्वर्थवचनं शैक्ष्यं छन्दोवचनं च ।<br>
अथोत्तरौ द्वौ द्वादशकौ वर्गौ वेदरहसिकी व्याख्याता ।<br>
मन्त्रः कल्पो ब्राह्मणम् ऋग् यजुः सामाथर्वाणि ।<br>
एषा व्याहृतिश् चतुर्णां वेदानाम् आनुपूर्वेणों भूर् भुवः स्वर् इति व्याहृतयः ॥ २७ ॥<br>
 
'''Abschnitt 1.1.28'''<br>
असमीक्ष्यप्रवल्हितानि श्रूयन्ते ।<br>
द्वापरादाव् ऋषीणाम् एकदेशो दोषपतिर् इह चिन्ताम् आपेदे त्रिभिः सोमः पातव्यः समाप्तम् इव भवति ।<br>
तस्माद् ऋग्यजुःसामान्य् अपक्रान्ततेजांस्य् आसन् ।<br>
तन्त्र महर्षयः परिदेवयां चक्रिरे ।<br>
महच् छोकभयं प्राप्ताः स्मः । न चैतत् सर्वैः समभिहितम् ।<br>
ते वयं भगवन्तम् एवोपधावाम । सर्वेषाम् एव शर्म भवान् इति ।<br>
ते तथेत्य् उक्त्वा तूष्णीम् अतिष्ठन् । नानुपसन्नेभ्य इति ।<br>
उपोपसीदामीति नीचैर् बभूवुः ।<br>
स एभ्य उपनीय प्रोवाच । मामिकाम् एव व्याहृतिम् आदित आदितः कृणुध्वम् इति ।<br>
एवं मामका आधीयन्ते नर्ते भृग्वङ्गिरोविद्भ्यः सोमः पातव्यः ।<br>
ऋत्विजः पराभवन्ति । यजमानो रजसापध्वस्यति । श्रुतिश् चापध्वस्ता तिष्ठतीति ।<br>
एवम् एवोत्तरोत्तराद् योगात् तोकं तोकं प्रशाध्वम् इति ।<br>
एवं प्रतापो न पराभविष्यतीति ।<br>
तथा ह तथा ह भगवन्न् इति प्रतिपेदिर आप्याययन् ।<br>
ते तथा वीतशोकभया बभूवुः ।<br>
तस्माद् ब्रह्मवादिन ओंकारम् आदितः कुर्वन्ति ॥ २८ ॥<br>
 
'''Abschnitt 1.1.29'''<br>
किं देवतम् इति ।<br>
ऋचाम् अग्निर् देवतम् । तद् एव ज्योतिः । गायत्रं छन्दः । पृथिवी स्थानम् ।<br>
अग्निम् ईळे पुरोहितं यज्ञस्य देवम् ऋत्विजं होतारं रत्नधातमम् इत्य् एवम् आदिं कृत्वा ऋग्वेदम् अधीयते ।<br>
यजुषां वायुर् देवतम् । तद् एव ज्योतिः । त्रैष्टुभं छन्दः । अन्तरिक्षं स्थानम् ।<br>
इषे त्वोर्जे त्वा वायव स्थ देवो वः सविता प्रार्पयतु श्रेष्ठतमाय कर्मणे इत्य् एवम् आदिं कृत्वा यजुर्वेदम् अधीयते ।<br>
साम्नाम् आदित्यो देवतम् । तद् एव ज्योतिः । जागतं छन्दः । द्यौः स्थानम् ।<br>
अग्न आ याहि वीतये गृणानो हव्यदातये नि होता सत्सि बर्हिषि इत्य् एवम् आदिं कृत्वा सामवेदम् अधीयते ।<br>
अथर्वणां चन्द्रमा देवतम् । तद् एव ज्योतिः । सर्वाणि छन्दांसि । आपः स्थानम् ।<br>
शं नो देवीर् अभिष्टय इत्य् एवम् आदिं कृत्वाथर्ववेदम् अधीयते ।<br>
अद्भ्यः स्थावरजङ्गमो भूतग्रामः संभवति ।<br>
तस्मात् सर्वम् आपोमयं भूतं सर्वं भृग्वङ्गिरोमयम् ।<br>
अन्तरैते त्रयो वेदा भृगून् अङ्गिरसः श्रिता इत्य् अब् इति प्रकृतिर् अपाम् ओंकारेण च ।<br>
एतस्माद् व्यासः पुरोवाच ।<br>
भृग्वङ्गिरोविदा संस्कृतो ऽन्यान् वेदान् अधीयीत ।<br>
नान्यत्र संस्कृतो भृग्वङ्गिरसो ऽधीयीत ।<br>
सामवेदे ऽथ खिलश्रुतिर् ब्रह्मचर्येण चैतस्माद् अथर्वाङ्गिरसो ह यो वेद स वेद सर्वम् इति ब्राह्मणम् ॥ २९ ॥<br>
 
'''Abschnitt 1.1.30'''<br>
अध्यात्मम् आत्मभैषज्यम् आत्मकैवल्यम् ओंकारः ।<br>
आत्मानं निरुध्य सङ्गममात्रीं भूतार्थचिन्तां चिन्तयेत् ।<br>
अतिक्रम्य वेदेभ्यः सर्वपरम् अध्यात्मफलं प्राप्नोतीत्य् अर्थः ।<br>
सवितर्कं ज्ञानमयम् इत्य् एतैः प्रश्नैः प्रतिवचनैश् च यथार्थं पदम् अनुविचिन्त्य प्रकरणज्ञो हि प्रबलो विषयी स्यात् सर्वस्मिन् वाकोवाक्य इति ब्राह्मणम् ॥ ३० ॥<br>
 
== Pranava Upanishad – vollständiger Text in IAST ==
 
'''Abschnitt 1.1.16'''<br>
brahma ha vai brahmāṇaṃ puṣkare sasṛje |<br>
sa khalu brahmā sṛṣṭaś cintām āpede |<br>
kenāham ekenākṣareṇa sarvāṃś ca kāmān sarvāṃś ca lokān sarvāṃś ca devān sarvāṃś ca vedān sarvāṃś ca yajñān sarvāṃś ca śabdān sarvāś ca vyuṣṭīḥ sarvāṇi ca bhūtāni sthāvarajaṅgamāny anubhaveyam iti |<br>
sa brahmacaryam acarat |<br>
sa om ity etad akṣaram apaśyad dvivarṇaṃ caturmātraṃ sarvavyāpi sarvavibhvayātayāmabrahma brāhmīṃ vyāhṛtiṃ brahmadaivatām |<br>
tayā sarvāṃś ca kāmān sarvāṃś ca lokān sarvāṃś ca devān sarvāṃś ca vedān sarvāṃś ca yajñān sarvāṃś ca śabdān sarvāś ca vyuṣṭīḥ sarvāṇi ca bhūtāni sthāvarajaṅgamāny anvabhavat |<br>
tasya prathamena varṇenāpaḥ snehaṃ cānvabhavat |<br>
tasya dvitīyena varṇena tejo jyotīṃṣy anvabhavat || 16 ||<br>
 
'''Abschnitt 1.1.17'''<br>
tasya prathamayā svaramātrayā pṛthivīm agnim oṣadhivanaspatīn ṛgvedaṃ bhūr iti vyāhṛtiṃ gāyatraṃ chandas trivṛtaṃ stomaṃ prācīṃ diśaṃ vasantam ṛtuṃ vācam adhyātmaṃ jihvāṃ rasam itīndriyāṇy anvabhavat || 17 ||<br>
 
'''Abschnitt 1.1.18'''<br>
tasya dvitīyayā svaramātrayāntarikṣaṃ vāyuṃ yajurvedaṃ bhuva iti vyāhṛtiṃ traiṣṭubhaṃ chandaḥ pañcadaśaṃ stomaṃ pratīcīṃ diśaṃ grīṣmam ṛtuṃ prāṇam adhyātmaṃ nāsike gandhaghrāṇam itīndriyāṇy anvabhavat || 18 ||<br>
 
'''Abschnitt 1.1.19'''<br>
tasya tṛtīyayā svaramātrayā divam ādityaṃ sāmavedaṃ svar iti vyāhṛtiṃ jāgataṃ chandaḥ saptadaśaṃ stomam udīcīṃ diśaṃ varṣā ṛtuṃ jyotir adhyātmaṃ cakṣuṣī darśanam itīndriyāṇy anvabhavat || 19 ||<br>
 
'''Abschnitt 1.1.20'''<br>
tasya vakāramātrayāpaś candramasam atharvavedaṃ nakṣatrāṇy om iti svam ātmānaṃ janad ity aṅgirasām ānuṣṭubhaṃ chanda ekaviṃśaṃ stomaṃ dakṣiṇāṃ diśaṃ śaradam ṛtuṃ mano ’dhyātmaṃ jñānaṃ jñeyam itīndriyāṇy anvabhavat || 20 ||<br>
 
'''Abschnitt 1.1.21'''<br>
tasya makāraśrutyetihāsapurāṇaṃ vākovākyaṃ gāthā nārāśaṃsīr upaniṣado ’nuśāsanānīti vṛdhat karad ruhan mahat tac cham om iti vyāhṛtīḥ svaraśamyanānātantrīḥ svaranṛtyagītavāditrāṇy anvabhavac caitrarathaṃ daivataṃ vaidyutaṃ jyotir bārhataṃ chandas triṇavatrayastriṃśau stomau dhruvām ūrdhvāṃ diśaṃ hemantaśiśirāv ṛtū śrotram adhyātmaṃ śabdaśravaṇam itīndriyāṇy anvabhavat || 21 ||<br>
 
'''Abschnitt 1.1.22'''<br>
saiṣaikākṣar ṛg brahmaṇas tapaso ’gre prādurbabhūva brahmavedasyātharvaṇaṃ śukram |<br>
ata eva mantrāḥ prādurbabhūvuḥ |<br>
sa tu khalu mantrāṇām atapasāśuśrūṣānadhyāyādhyayanena yad ūnaṃ ca viriṣṭaṃ ca yātayāmaṃ ca karoti tad atharvaṇāṃ tejasā pratyāpyāyayet |<br>
mantrāś ca mām abhimukhībhaveyur garbhā iva mātaram abhijighāṃsuḥ |<br>
purastād oṃkāraṃ prayuṅkte |<br>
etayaiva tad ṛcā pratyāpyāyet |<br>
eṣaiva yajñasya purastād yujyate |<br>
eṣā paścāt |<br>
sarvata etayā yajñas tāyate |<br>
tad apy etad ṛcoktam |<br>
yā purastād yujyata ṛco akṣare parame vyomann iti |<br>
tad etad akṣaraṃ brāhmaṇo yaṃ kāmam icchet trirātropoṣitaḥ prāṅmukho vāgyato barhiṣy upaviśya sahasrakṛtva āvartayet |<br>
sidhyanty asyārthāḥ sarvakarmāṇi ceti brāhmaṇam || 22 ||<br>
 
'''Abschnitt 1.1.23'''<br>
vasor dhārāṇām aindraṃ nagaram |<br>
tad asurāḥ paryavārayanta |<br>
te devā bhītā āsan |<br>
ka imān asurān apahaniṣyatīti |<br>
ta oṃkāraṃ brahmaṇaḥ putraṃ jyeṣṭhaṃ dadṛśruḥ |<br>
te tam abruvan |<br>
bhavatā mukhenemān asurāñ jayemeti |<br>
sa hovāca |<br>
kiṃ me pratīvāho bhaviṣyatīti |<br>
varaṃ vṛṇīṣveti |<br>
vṛṇā iti |<br>
sa varam avṛṇīta |<br>
na mām anīrayitvā brāhmaṇā brahma vadeyuḥ |<br>
yadi vadeyur abrahma tat syād iti |<br>
tatheti |<br>
te devā devayajanasyottarārdhe ’suraiḥ saṃyattā āsan |<br>
tān oṃkāreṇāgnīdhrīyād devā asurān parābhāvayanta |<br>
tad yat parābhāvayanta tasmād oṃkāraḥ pūrvam ucyate |<br>
yo ha vā etam oṃkāraṃ na vedāvaśī syād ity atha ya evaṃ veda brahmavaśī syād iti |<br>
tasmād oṃkāra ṛcy ṛg bhavati |<br>
yajuṣi yajuḥ |<br>
sāmni sāma |<br>
sūtre sūtram |<br>
brāhmaṇe brāhmaṇam |<br>
śloke ślokaḥ |<br>
praṇave praṇava iti brāhmaṇam || 23 ||<br>
 
'''Abschnitt 1.1.24'''<br>
oṃkāraṃ pṛcchāmaḥ |<br>
ko dhātuḥ | kiṃ prātipadikam | kiṃ nāmākhyātam | kiṃ liṅgam | kiṃ vacanam | kā vibhaktiḥ | kaḥ pratyayaḥ | kaḥ svara upasargo nipātaḥ | kiṃ vai vyākaraṇam | ko vikāraḥ | ko vikārī | katimātraḥ | kativarṇaḥ | katyakṣaraḥ | katipadaḥ | kaḥ saṃyogaḥ | kiṃ sthānānupradānakaraṇaṃ śikṣukāḥ kim uccārayanti | kiṃ chandaḥ | ko varṇa iti pūrve praśnāḥ |<br>
athottare | mantraḥ kalpo brāhmaṇam ṛg yajuḥ sāma | kasmād brahmavādina oṃkāram āditaḥ kurvanti | kiṃ daivatam | kiṃ jyotiṣam | kiṃ niruktam | kiṃ sthānam | kā prakṛtiḥ | kim adhyātmam iti |<br>
ṣaṭtriṃśat praśnāḥ | pūrvottarāṇāṃ trayo vargā dvādaśakāḥ |<br>
etair oṃkāraṃ vyākhyāsyāmaḥ || 24 ||<br>
 
'''Abschnitt 1.1.25'''<br>
indraḥ prajāpatim apṛcchat |<br>
bhagavann abhiṣṭūya pṛcchāmīti |<br>
pṛccha vatsety abravīt |<br>
kim ayam oṃkāraḥ | kasya putraḥ | kiṃ caitac chandaḥ | kiṃ caitad varṇaḥ | kiṃ caitad brahmā brahma saṃpadyate |<br>
tasmād vai tad bhadram oṃkāraṃ pūrvam ālebhe |<br>
svaritodātta ekākṣara oṃkāra ṛgvede |<br>
traisvaryodātta ekākṣara oṃkāro yajurvede |<br>
dīrghaplutodātta ekākṣara oṃkāraḥ sāmavede |<br>
hrasvodātta ekākṣara oṃkāro ’tharvavede |<br>
udāttodātta dvipada a u ity ardhacatasro mātrā makāre vyañjanam ity āhuḥ |<br>
yā sā prathamā mātrā brahmadevatyā raktā varṇena | yas tāṃ dhyāyate nityaṃ sa gacched brāhmaṃ padam |<br>
yā sā dvitīyā mātrā viṣṇudevatyā kṛṣṇā varṇena | yas tāṃ dhyāyate nityaṃ sa gacched vaiṣṇavaṃ padam |<br>
yā sā tṛtīyā mātraiśānadevatyā kapilā varṇena | yas tāṃ dhyāyate nityaṃ sa gacched aiśānaṃ padam |<br>
yā sārdhacaturthī mātrā sarvadevatyā vyaktībhūtā khaṃ vicarati śuddhasphaṭikasannibhā varṇena | yas tāṃ dhyāyate nityaṃ sa gacchet padam anāmakam |<br>
oṃkārasya cotpattiḥ | vipro yo na jānāti tat punarupanayanam |<br>
tasmād brāhmaṇavacanam ādartavyaṃ yathā lātavyo gotro brahmaṇaḥ putraḥ |<br>
gāyatraṃ chandaḥ | śuklo varṇaḥ | puṃso vatsaḥ | rudro devatā | oṃkāro vedānām || 25 ||<br>
 
'''Abschnitt 1.1.26'''<br>
ko dhātur iti | āpṛdhātuḥ | avatim apy eke |<br>
rūpasāmānyād arthasāmānyaṃ nedīyaḥ |<br>
tasmād āper oṃkāraḥ sarvam āpnotīty arthaḥ kṛdantam arthavat |<br>
prātipadikam adarśanam |<br>
pratyayasya nāma saṃpadyate nipāteṣu cainaṃ vaiyākaraṇā udāttaṃ samāmananti tad avyayībhūtam |<br>
anvarthavācī śabdo na vyeti kadā caneti |<br>
sadṛśaṃ triṣu liṅgeṣu sarvāsu va vibhaktiṣu vacaneṣu ca sarveṣu yan na vyeti tad avyayam |<br>
ko vikārī | cyavate | prasāraṇam |<br>
āpnoter ākarapakārau vikāryau |<br>
ādita oṃkāro vikriyate | dvitīyo makāraḥ |<br>
evaṃ dvivarṇa ekākṣara om ity oṃkāro nirvṛttaḥ || 26 ||<br>
 
'''Abschnitt 1.1.27'''<br>
katimātra iti | ādes tisro mātrāḥ | abhyādāne hi plavate | makāraś caturthīm |<br>
kiṃ sthānam iti | ubhāv oṣṭhau sthānam | nādānupradānakaraṇau ca dvisthānam |<br>
saṃdhyakṣaram avarṇaleśaḥ kaṇṭhyo yathoktaśeṣaḥ |<br>
pūrvo vivṛtakaraṇasthitaś ca | dvitīyaspṛṣṭakaraṇasthitaś ca | na saṃyogo vidyate |<br>
ākhyātopasargānudāttasvaritaliṅgavibhaktivacanāni ca saṃsthānādhyāyina ācāryāḥ pūrve babhūvuḥ |<br>
śravaṇād eva pratipadyante na kāraṇaṃ pṛcchanti |<br>
athāparapakṣīyāṇāṃ kaviḥ pañcālacaṇḍaḥ paripṛcchako babhūvāṃbu pṛthagudgīthadoṣān bhavanto bruvantv iti |<br>
tad vācy upalakṣayed varṇākṣarapadāṅkaśaḥ |<br>
vibhaktyām ṛṣiniṣevitām iti vācaṃ stuvanti |<br>
tasmāt kāraṇaṃ brūmaḥ | varṇānām ayam idaṃ bhaviṣyatīti |<br>
ṣaḍaṅgavidas tat tathādhīmahe |<br>
kiṃ chanda iti | gāyatraṃ hi chandaḥ |<br>
gāyatrī vai devānām ekākṣarā śvetavarṇā ca vyākhyātā |<br>
dvau dvādaśakau vargau |<br>
etad vai vyākaraṇaṃ dhātvarthavacanaṃ śaikṣyaṃ chandovacanaṃ ca |<br>
athottarau dvau dvādaśakau vargau vedarahasikī vyākhyātā |<br>
mantraḥ kalpo brāhmaṇam ṛg yajuḥ sāmātharvāṇi |<br>
eṣā vyāhṛtiś caturṇāṃ vedānām ānupūrveṇoṃ bhūr bhuvaḥ svar iti vyāhṛtayaḥ || 27 ||<br>
 
'''Abschnitt 1.1.28'''<br>
asamīkṣyapravalhitāni śrūyante |<br>
dvāparādāv ṛṣīṇām ekadeśo doṣapatir iha cintām āpede tribhiḥ somaḥ pātavyaḥ samāptam iva bhavati |<br>
tasmād ṛgyajuḥsāmāny apakrāntatejāṃsy āsan |<br>
tantra maharṣayaḥ paridevayāṃ cakrire |<br>
mahac chokabhayaṃ prāptāḥ smaḥ | na caitat sarvaiḥ samabhihitam |<br>
te vayaṃ bhagavantam evopadhāvāma | sarveṣām eva śarma bhavān iti |<br>
te tathety uktvā tūṣṇīm atiṣṭhan | nānupasannebhya iti |<br>
upopasīdāmīti nīcair babhūvuḥ |<br>
sa ebhya upanīya provāca | māmikām eva vyāhṛtim ādita āditaḥ kṛṇudhvam iti |<br>
evaṃ māmakā ādhīyante narte bhṛgvaṅgirovidbhyaḥ somaḥ pātavyaḥ |<br>
ṛtvijaḥ parābhavanti | yajamāno rajasāpadhvasyati | śrutiś cāpadhvastā tiṣṭhatīti |<br>
evam evottarottarād yogāt tokaṃ tokaṃ praśādhvam iti |<br>
evaṃ pratāpo na parābhaviṣyatīti |<br>
tathā ha tathā ha bhagavann iti pratipedira āpyāyayan |<br>
te tathā vītaśokabhayā babhūvuḥ |<br>
tasmād brahmavādina oṃkāram āditaḥ kurvanti || 28 ||<br>
 
'''Abschnitt 1.1.29'''<br>
kiṃ devatam iti |<br>
ṛcām agnir devatam | tad eva jyotiḥ | gāyatraṃ chandaḥ | pṛthivī sthānam |<br>
agnim īḷe purohitaṃ yajñasya devam ṛtvijaṃ hotāraṃ ratnadhātamam ity evam ādiṃ kṛtvā ṛgvedam adhīyate |<br>
yajuṣāṃ vāyur devatam | tad eva jyotiḥ | traiṣṭubhaṃ chandaḥ | antarikṣaṃ sthānam |<br>
iṣe tvorje tvā vāyava stha devo vaḥ savitā prārpayatu śreṣṭhatamāya karmaṇe ity evam ādiṃ kṛtvā yajurvedam adhīyate |<br>
sāmnām ādityo devatam | tad eva jyotiḥ | jāgataṃ chandaḥ | dyauḥ sthānam |<br>
agna ā yāhi vītaye gṛṇāno havyadātaye ni hotā satsi barhiṣi ity evam ādiṃ kṛtvā sāmavedam adhīyate |<br>
atharvaṇāṃ candramā devatam | tad eva jyotiḥ | sarvāṇi chandāṃsi | āpaḥ sthānam |<br>
śaṃ no devīr abhiṣṭaya ity evam ādiṃ kṛtvātharvavedam adhīyate |<br>
adbhyaḥ sthāvarajaṅgamo bhūtagrāmaḥ saṃbhavati |<br>
tasmāt sarvam āpomayaṃ bhūtaṃ sarvaṃ bhṛgvaṅgiromayam |<br>
antaraite trayo vedā bhṛgūn aṅgirasaḥ śritā ity ab iti prakṛtir apām oṃkāreṇa ca |<br>
etasmād vyāsaḥ purovāca |<br>
bhṛgvaṅgirovidā saṃskṛto ’nyān vedān adhīyīta |<br>
nānyatra saṃskṛto bhṛgvaṅgiraso ’dhīyīta |<br>
sāmavede ’tha khilaśrutir brahmacaryeṇa caitasmād atharvāṅgiraso ha yo veda sa veda sarvam iti brāhmaṇam || 29 ||<br>
 
'''Abschnitt 1.1.30'''<br>
adhyātmam ātmabhaiṣajyam ātmakaivalyam oṃkāraḥ |<br>
ātmānaṃ nirudhya saṅgamamātrīṃ bhūtārthacintāṃ cintayet |<br>
atikramya vedebhyaḥ sarvaparam adhyātmaphalaṃ prāpnotīty arthaḥ |<br>
savitarkaṃ jñānamayam ity etaiḥ praśnaiḥ prativacanaiś ca yathārthaṃ padam anuvicintya prakaraṇajño hi prabalo viṣayī syāt sarvasmin vākovākya iti brāhmaṇam || 30 ||<br>
== Pranava Upanishad – vollständige gut verständliche deutsche Übersetzung ==
 
'''Abschnitt 1.1.16'''<br>
Brahman erschuf Brahmā im Lotus. Der so erschaffene Brahmā geriet ins Nachdenken: „Durch welche eine Silbe könnte ich alle Wünsche, alle Welten, alle Götter, alle Veden, alle Opfer, alle Laute, alle Tagesanbrüche und alle Wesen – unbewegte wie bewegte – erfahren und erlangen?“ Er übte Brahmacharya. Da schaute er die Silbe Om: aus zwei Lauten bestehend, vier Moren umfassend, alldurchdringend, allmächtig, unverbraucht, Brahman selbst, die Brahman zugehörige heilige Äußerung und von Brahman als Gottheit getragen. Durch sie erfuhr und erlangte er alle Wünsche, Welten, Götter, Veden, Opfer, Laute, Tagesanbrüche und alle unbewegten und bewegten Wesen. Durch ihren ersten Laut erlangte er die Wasser und die Feuchtigkeit; durch ihren zweiten Laut Glanz und die Lichter.
 
'''Abschnitt 1.1.17'''<br>
Durch die erste Vokalmātrā des Om erfuhr und erlangte Brahmā die Erde, Agni, Kräuter und Waldbäume, den Rigveda, die heilige Äußerung „Bhūr“, das Gāyatrī-Metrum, den dreifachen Lobgesang, die östliche Richtung, den Frühling als Jahreszeit sowie – im Innern des Menschen – Sprache, Zunge und Geschmack als Wahrnehmungsvermögen.
 
'''Abschnitt 1.1.18'''<br>
Durch die zweite Vokalmātrā erfuhr und erlangte er den Zwischenraum, Vāyu, den Yajurveda, die heilige Äußerung „Bhuvaḥ“, das Triṣṭubh-Metrum, den fünfzehnteiligen Lobgesang, die westliche Richtung, den Sommer sowie – im Innern – Prāṇa, die beiden Nasenöffnungen, Geruch und Riechen als Sinnesvermögen.
 
'''Abschnitt 1.1.19'''<br>
Durch die dritte Vokalmātrā erfuhr und erlangte er den Himmel, Āditya, den Sāmaveda, die heilige Äußerung „Svar“, das Jagatī-Metrum, den siebzehnteiligen Lobgesang, die nördliche Richtung, die Regenzeit sowie – im Innern – Licht, die beiden Augen und das Sehen als Wahrnehmungsvermögen.
 
'''Abschnitt 1.1.20'''<br>
Durch die im Text so genannte V-Laut-Mātrā erfuhr und erlangte er die Wasser, den Mond, den Atharvaveda, die Sterne, Om als sein eigenes Selbst, die Äußerung „Janad“ der Aṅgirases, das Anuṣṭubh-Metrum, den einundzwanzigteiligen Lobgesang, die südliche Richtung, den Herbst sowie – im Innern – den Geist, Wissen und das Wissbare als Erkenntnisvermögen.
 
'''Abschnitt 1.1.21'''<br>
Durch das Hören des M-Lautes erfuhr und erlangte er Itihāsa und Purāṇa, gelehrte Zwiegespräche, Gāthās, Heldenlieder, Upanishaden und Unterweisungen; ferner die heiligen Äußerungen „Vṛdhat“, „Karad“, „Ruhan“, „Mahat“, „Tat“, „Śam“ und „Om“, Tonstufen und die textlich schwer deutbare Lehre von verschiedenen Saiten, außerdem Gesang, Tanz, Lied und Instrumentalmusik. Er erlangte Caitraratha als Gottheit, den Blitz als Licht, das Bārhata-Metrum, die neunundzwanzig- und dreiunddreißigteiligen Lobgesänge, die feste und die obere Richtung, Winter und kalte Jahreszeit sowie – im Innern – das Ohr, Klang und Hören als Sinnesvermögen.
 
'''Abschnitt 1.1.22'''<br>
Diese einsilbige Ṛc trat am Anfang aus der asketischen Glut Brahmans hervor; sie ist der atharvanische Same des Brahma-Veda. Aus ihr gingen die Mantras hervor. Was jemand an den Mantras durch Mangel an innerer Disziplin, fehlende Bereitschaft zum Hören oder Studium zu ungeeigneter Zeit verkürzt, beschädigt oder kraftlos macht, soll er durch die Leuchtkraft der Atharvans wieder auffüllen. „Mögen sich die Mantras mir zuwenden wie Keime, die zur Mutter drängen.“ Deshalb setzt man den Oṃkāra an den Anfang. Durch diese Ṛc soll man das Beschädigte wieder auffüllen. Sie wird vor das Opfer gespannt und ebenso dahinter; durch sie wird das Opfer von allen Seiten geschützt. Auch eine Ṛc sagt dies: „Die vor die Ṛc gespannt wird, im höchsten Himmelsraum der Silbe …“ Wenn ein Brahmane einen Wunsch verwirklichen möchte, soll er drei Nächte fasten, nach Osten gewandt, schweigend und auf Opfergras sitzend diese Silbe tausendmal wiederholen. Seine Ziele und seine Handlungen gelangen zur Vollendung – so lautet das Brāhmaṇa.
 
'''Abschnitt 1.1.23'''<br>
Indras Stadt bei den Strömen des Reichtums wurde von den Asuras umzingelt. Die Götter fürchteten sich und fragten: „Wer wird diese Asuras vertreiben?“ Da sahen sie den Oṃkāra, den ältesten Sohn Brahmans, und baten ihn: „Mit dir an unserer Spitze wollen wir diese Asuras besiegen.“ Er fragte: „Welche Gegengabe wird mir zuteil?“ Die Götter sagten: „Wähle eine Gabe!“ Er wählte: „Die Brahmanen sollen Brahman nicht verkünden, ohne mich zuvor erklingen zu lassen. Tun sie es dennoch, soll es Nicht-Brahman sein.“ Sie stimmten zu. Im nördlichen Teil des Opferplatzes trafen die Götter auf die Asuras und überwältigten sie beim Agnīdhra-Herd durch den Oṃkāra. Weil sie durch ihn siegten, wird der Oṃkāra zuerst gesprochen. Wer diesen Oṃkāra nicht kennt, bleibt machtlos; wer ihn so kennt, erlangt Meisterschaft in Brahman. Daher wird Oṃkāra in einer Ṛc zur Ṛc, im Yajus zum Yajus, im Sāman zum Sāman, im Sūtra zum Sūtra, im Brāhmaṇa zum Brāhmaṇa, im Śloka zum Śloka und im Praṇava zum Praṇava – so lautet das Brāhmaṇa.
 
'''Abschnitt 1.1.24'''<br>
Wir befragen den Oṃkāra: Welche Verbalwurzel hat er? Was ist sein Wortstamm? Ist er Nomen oder Verb? Welches Geschlecht, welche Zahl und welcher Kasus liegen vor? Welches Suffix, welcher Akzent, welches Präfix und welche Partikel? Was ist seine grammatische Analyse? Was ist Veränderung und was wird verändert? Wie viele Moren, Laute, Silben und Wörter besitzt er? Welche Lautverbindung liegt vor? Was sind Artikulationsstelle, Lautweitergabe und Artikulationsorgan; wie sprechen die Schüler der Phonetik ihn aus? Welches Metrum und welche Farbe hat er? Dies sind die früheren Fragen. Dann die weiteren: Wie verhält er sich zu Mantra, Kalpa, Brāhmaṇa, Ṛc, Yajus und Sāman? Warum setzen die Brahman-Kundigen den Oṃkāra an den Anfang? Welche Gottheit, welches Licht, welche etymologische Erklärung, welcher Ort, welche Grundform und welche innere Entsprechung hat er? Es sind sechsunddreißig Fragen, in drei Gruppen zu je zwölf aus früheren und späteren Fragen. Durch sie werden wir den Oṃkāra erklären.
 
'''Abschnitt 1.1.25'''<br>
Indra fragte Prajāpati: „Ehrwürdiger, nachdem ich dich gepriesen habe, möchte ich fragen.“ Prajāpati antwortete: „Frage, mein Kind.“ – „Was ist dieser Oṃkāra? Wessen Sohn ist er? Was ist sein Metrum, was seine Farbe? Und wie wird durch ihn Brahmā zu Brahman?“ Deshalb ergriff man zuerst den heilsamen Oṃkāra. Im Rigveda ist Om einsilbig mit Svarita und Udātta; im Yajurveda einsilbig mit drei Akzentbewegungen und Udātta; im Sāmaveda einsilbig, lang, überlang und gehoben; im Atharvaveda einsilbig, kurz und gehoben. Man sagt, A und U seien seine beiden Glieder; zusammen mit dem gehobenen Klang umfasse er dreieinhalb Moren, während M konsonantisch sei. Die erste Mātrā gehört Brahmā und ist rot: Wer beständig über sie meditiert, gelangt zum Brahmā-Zustand. Die zweite gehört Viṣṇu und ist schwarz: Wer über sie meditiert, gelangt zum Viṣṇu-Zustand. Die dritte gehört Īśāna und ist gelbbraun: Wer über sie meditiert, gelangt zum Īśāna-Zustand. Die halbe vierte Mātrā gehört allen Gottheiten; offenbar geworden bewegt sie sich durch den Raum und gleicht farblich reinem Kristall. Wer beständig über sie meditiert, gelangt zum namenlosen Zustand. Ein Gelehrter, der den Ursprung des Oṃkāra nicht kennt, bedarf einer erneuten Einweihung. Deshalb ist die Brāhmaṇa-Aussage anzunehmen: Om hat das Lātavya-Gotra und ist Brahmans Sohn; sein Metrum ist Gāyatra, seine Farbe weiß, es heißt „Kalb des Pums“, seine Gottheit ist Rudra, und es ist der Oṃkāra der Veden.
 
'''Abschnitt 1.1.26'''<br>
„Welche Wurzel?“ – Die Wurzel ''āpṛ''; einige nennen auch ''av''. Wegen der Ähnlichkeit der Form liegt die Gemeinsamkeit der Bedeutung nahe. Deshalb wird Oṃkāra von ''āp'', „erreichen, durchdringen“, hergeleitet: Er erreicht alles. So besitzt die Ableitung aus einer Verbalwurzel Bedeutung. Ein selbständiger Nominalstamm ist nicht sichtbar. Mit dem Suffix wird er zu einer Benennung; die Grammatiker führen ihn bei den Partikeln mit Udātta-Akzent auf, und so ist er indeklinabel geworden. Das Wort bezeichnet seine eigene Ableitung und vergeht niemals. Was in allen drei Geschlechtern, in allen Kasus und in allen Zahlen gleich bleibt und sich nicht verändert, ist ein Indeclinabile. Was ist das Veränderliche? Es weicht von seiner Form ab; es findet eine Ausweitung statt. Ā und P der Form ''āpnoti'' werden verändert: Aus dem ersten entsteht in der Veränderung O, der zweite Laut ist M. So ist Oṃkāra aus zwei Lauten und doch als „Om“ eine Silbe vollendet.
 
'''Abschnitt 1.1.27'''<br>
„Wie viele Moren?“ Vom Anfang her sind es drei; bei voller Aufnahme schwebt der Laut in die Überlänge, und der M-Laut bildet die vierte. „Welches ist die Artikulationsstelle?“ Beide Lippen sind die Stelle. Klangweitergabe und Artikulationsorgan geben ihm zwei Stellen. Er ist ein Übergangslaut mit einer Spur des A-Lautes, kehlständig, während der Rest wie zuvor gesagt gebildet wird. Der erste Teil steht bei geöffnetem Artikulationsorgan, der zweite bei berührendem beziehungsweise geschlossenem; eine Konsonantenverbindung liegt nicht vor. Die früheren Lehrer der Lautordnung behandelten Verb, Präfix, Anudātta, Svarita, Geschlecht, Kasus und Zahl. Allein durch Hören verstanden sie und fragten nicht nach dem Grund. Unter den Vertretern der anderen Ansicht wurde der Seher Pañcālacaṇḍa zum Fragenden: „Die Herren sollen die Fehler der einzelnen Udgīthas nennen.“ In der Rede soll man Laut, Silbe, Wort und Zählung jeweils kennzeichnen. Man preist die von den Sehern gebrauchte Rede in ihrer Flexion. Deshalb nennen wir den Grund und sagen, was aus den Lauten werden wird; als Kenner der sechs Vedāṅgas lernen wir es so. „Welches Metrum?“ Das Metrum ist Gāyatra. Gāyatrī der Götter ist als einsilbig und weißfarbig erklärt worden. Zwei Gruppen umfassen je zwölf Fragen. Sie erklären Grammatik, Wurzelbedeutung, Phonetik und Metrum. Die folgenden zwei Zwölfergruppen erklären das Geheimnis der Veden: Mantra, Kalpa, Brāhmaṇa, Ṛc, Yajus, Sāman und Atharvanisches. Diese heiligen Äußerungen der vier Veden lauten in ihrer Reihenfolge: Om, Bhūr, Bhuvaḥ, Svar.
 
'''Abschnitt 1.1.28'''<br>
Ungeprüfte und entstellte Rezitationen wurden hörbar. Zu Beginn des Dvāpara-Zeitalters kam eine Gruppe von Sehern, einem Fehler verfallen, zu dem Gedanken: „Soma ist von dreien zu trinken; damit scheint alles vollständig.“ Deshalb verloren Ṛc, Yajus und Sāman ihre Leuchtkraft. Da klagten die großen Seher: „Große Trauer und Furcht haben uns ergriffen; diese Lehre ist nicht von allen gemeinsam ausgesprochen worden. Darum nehmen wir allein zu dir, Ehrwürdiger, Zuflucht; du bist der Schutz aller.“ Nachdem er „So sei es“ gesagt hatte, schwieg er, denn die Lehre ist nicht für solche bestimmt, die nicht als Schüler herangetreten sind. „Wir treten als Schüler näher“, sagten sie und beugten sich. Er weihte sie ein und sprach: „Setzt meine eigene heilige Äußerung jedes Mal an den Anfang. So werden die mir Angehörigen unterrichtet. Ohne Kenner der Bhṛgus und Aṅgirases soll der Soma nicht getrunken werden; sonst gehen die Opferpriester zugrunde, der Opferherr wird vom Rajas fortgerissen und die Offenbarung liegt darnieder. Lehrt dies durch die Verbindung von einem zum nächsten, Kind für Kind. So wird eure Leuchtkraft nicht untergehen.“ – „So ist es, so ist es, Ehrwürdiger“, nahmen sie die Lehre an und stärkten sie. Damit wurden sie frei von Trauer und Furcht. Deshalb setzen die Brahman-Kundigen den Oṃkāra an den Anfang.
 
'''Abschnitt 1.1.29'''<br>
„Welche Gottheit?“ Für die Ṛcs ist Agni die Gottheit und zugleich das Licht; ihr Metrum ist Gāyatra, ihr Ort die Erde. Mit „Agni preise ich, den Hauspriester des Opfers, den Gott und Opferpriester, den Hotṛ, der am reichsten Schätze verleiht“ beginnt das Studium des Rigveda. Für die Yajus-Formeln ist Vāyu Gottheit und Licht; ihr Metrum ist Triṣṭubh, ihr Ort der Zwischenraum. Mit „Für Nahrung dich, für Kraft dich; ihr seid Winde. Der Gott Savitṛ treibe euch zur vortrefflichsten Handlung an“ beginnt das Studium des Yajurveda. Für die Sāmans ist Āditya Gottheit und Licht; ihr Metrum ist Jagatī, ihr Ort der Himmel. Mit „Agni, komm zum Trank, gepriesen zur Darbringung der Opfergabe; setze dich als Hotṛ auf das Opfergras“ beginnt das Studium des Sāmaveda. Für die Atharvans ist der Mond Gottheit und Licht; ihnen gehören alle Metren, und ihr Ort sind die Wasser. Mit „Heil mögen uns die göttlichen Wasser sein …“ beginnt das Studium des Atharvaveda. Aus den Wassern entsteht die Gesamtheit der unbewegten und bewegten Wesen. Daher ist alles Gewordene aus Wasser und alles von Bhṛgu und Aṅgiras durchdrungen. Die drei anderen Veden liegen darin und stützen sich auf die Bhṛgus und Aṅgirases; ''ap'' ist die Grundform für „Wasser“ und wird hier auch mit Oṃkāra verbunden. Deshalb verkündete Vyāsa vormals: Wer durch einen Kenner der Bhṛgu-Aṅgiras-Überlieferung ausgebildet wurde, soll die anderen Veden studieren; wer anderswo ausgebildet wurde, soll nicht die Bhṛgu-Aṅgiras-Überlieferung studieren. Dazu heißt es in einer zusätzlichen Offenbarung des Sāmaveda: Wer durch Brahmacharya diesen Atharvāṅgirasa kennt, der kennt alles – so lautet das Brāhmaṇa.
 
'''Abschnitt 1.1.30'''<br>
Auf den inneren Menschen bezogen ist der Oṃkāra Heilmittel des Selbst und das Alleinsein des Selbst. Nachdem man sich gesammelt und zurückgehalten hat, soll man über jene auf Vereinigung gerichtete Betrachtung des wirklich Seienden nachsinnen. Über die Veden hinausgehend erlangt man so die höchste innere Frucht – das ist der Sinn. Diese Erkenntnis darf zunächst mit prüfender Überlegung verbunden sein und soll ganz von Wissen erfüllt werden. Wer durch diese Fragen und Antworten jedes Wort seinem wirklichen Sinn gemäß weiter bedenkt und den Zusammenhang kennt, wird in jedem gelehrten Gespräch ein kraftvoller Meister des Gegenstandes – so lautet das Brāhmaṇa.
 
== Die fünf wichtigsten Empfehlungen der Pranava Upanishad für ernsthafte Aspiranten ==
 
'''1. Beginne die Praxis bewusst.'''<br>
Sprich vor Meditation, Studium oder [[Japa]] einmal ruhig Om. Nutze den Laut nicht als hastiges Ritualzeichen. Richte Körper, Atem und Absicht aus, höre die Resonanz und beginne erst dann mit der eigentlichen Übung. So wird das „Om am Anfang“ zu einer wirklichen Sammlung.
 
'''2. Verbinde Mantra mit Brahmacharya.'''<br>
Die Schau des Om folgt im Text auf Brahmacharya. Verstehe dies umfassend als verantwortlichen Umgang mit Lebensenergie, Wahrhaftigkeit, Mäßigung und Lernbereitschaft. Eine intensive Klangpraxis ohne ethischen Boden kann Unruhe verstärken; Disziplin macht sie tragfähig.
 
'''3. Lerne Aussprache und Bedeutung gemeinsam.'''<br>
Beobachte A, den Übergang zu U beziehungsweise O, M und das Verklingen. Lass dir die Aussprache möglichst von einer qualifizierten Sanskritlehrerin oder einem qualifizierten Sanskritlehrer zeigen. Studiere zugleich Quelle und Bedeutung. Die 36 Fragen der Pranava Upanishad ermutigen zu genauer, nicht zu gedankenloser Rezitation.
 
'''4. Meditiere über die vierte, namenlose Dimension.'''<br>
Töne Om in einer bequemen Tonlage aus. Spüre zuerst den offenen Klang, dann die Resonanz des M und schließlich die Stille nach dem Laut. Bleibe einige Atemzüge ohne Erwartung in dieser Stille. Mache daraus keine spektakuläre Erfahrungssuche; übe regelmäßig und nüchtern.
 
'''5. Lass Studium in Selbsterkenntnis münden.'''<br>
Frage nach Grammatik, Geschichte und Philosophie, doch bleibe nicht beim Sammeln von Wissen stehen. Nimm am Ende des Studiums den Satz ''ātma-bhaiṣajyam ātmakaivalyam oṃkāraḥ'' auf: „Om ist Heilmittel und Freiheit des Selbst.“ Prüfe im Alltag, ob die Praxis zu mehr Sammlung, Wahrhaftigkeit und Freiheit von zwanghafter Reaktion führt.


==Siehe auch==
==Siehe auch==
*[[Schavank]]
*[[Pranava Upanishad]]
*[[Oupnek'hat]]
*[[Oupnek'hat]]
*[[Bark'he soukt]]
*[[Om]]
*[[Gopatha Brahmana]]
*[[Atharvaveda]]
*[[Upanishad]]
*[[Upanishad]]
*[[Veden]]
*[[Mahavakya]]
*[[Hinduismus]]
*[[Jnana Yoga]]
*[[Vedanta]]
*[[Vedanta Schulen]]
*[[Indische Philosophiesysteme]]
* [[Om]]
* [[Pranava]]
* [[Mandukya Upanishad]]


==Literatur==
==Literatur==
*[https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/krishnananda/upanishaden/ Kostenloses Online-Buch Upanishaden von Swami Krishananda]
*Paul Deussen: ''Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda'', herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden.
*[https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/andere-autoren/upanishaden/ Klassische Upanishaden - Die Weisheit des Yoga von Paul Deussen, 1980]
*[https://www.yoga-vidya.de/shop/product_info.php?info=p597_Das-Kronjuwel-der-Unterscheidung-von-Shri-Shankaracharya/ Das Kronjuwel der Unterscheidung von Shri Shankaracharya, Kommentar von Emanuel Meyer, 2002 ]
*[https://www.yoga-vidya.de/shop/product_info.php?info=p484_Vedanta-----Der-Ozean-der-Weisheit/&XTCsid=a793ba3e94d6e68c68e3244b0615a13f Swami Vivekananda, Vedanta - Der Ozean der Weisheit]
*Wilfried Huchzermeyer: ''Die heiligen Schriften Indiens - Geschichte der Sanskrit-Literatur.'' (edition-sawitri.de)  ISBN 3-931172-22-8
*[https://www.yoga-vidya.de/shop/product_info.php?info=p927_Vedanta-fuer-Anfaenger/ Vedanta für Anfänger von Swami Sivananda]
*Heinrich Zimmer: Philosophie und Religion Indiens, Suhrkamp, 2001
*Mylius, Klaus: Sanskrit – Deutsch. Deutsch – Sanskrit. Wörterbuch; Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 2005
 
==Weblinks==
*[http://www.yoga-vidya.de/Yoga--Artikel/art_veden.html Veden aus „Göttliche Erkenntnis“  von Swami Sivananda]
*[http://www.yoga-vidya.de/Yoga--Artikel/Art-Artikel/art_upanishaden.html Upanishaden, Artikel aus "Göttliche Erkenntnis" von Swami Sivananda]


==Seminare==
===[https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/sanskrit-und-devanagari/ Sanskrit und Devanagari]===
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===[https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/klang-nada-yoga/ Klang, Nada Yoga]===
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==Multimedia==
'''Klassische Schriften des Yoga: Veden, Upanishaden, Smritis, Puranas und Itihasas'''
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'''Vom Begrenzten zum Unendlichen - Geschichten aus den Upanishaden'''
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'''111 Geschichten aus den Upanishaden'''
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Aktuelle Version vom 5. September 2026, 13:53 Uhr

Pranou (auch: Pranou Upanishad) ist der persische Name der Pranava Upanishad in der von Anquetil-Duperron ins Lateinische übertragenen Oupnek'hat-Sammlung, wo sie als 48. von fünfzig Upanishaden aufgeführt wird. Im Sanskrit-Original trägt der Text den Titel Praṇavopaniṣat; er stammt aus dem Gopatha Brāhmaṇa des Atharvaveda (Abschnitte 1.1.16–1.1.30) und ist die zusammenhängende Lehre über die heilige Silbe Om.

Herkunft des Namens

Im Jahr 1656 ließ Dara Shikoh in Delhi eine Sammlung von fünfzig Upanishaden aus dem Sanskrit ins Persische übersetzen; diese Sammlung erhielt den Titel Oupnek'hat. Aus dieser persischen Fassung übertrug Anquetil-Duperron den Text Wort für Wort ins Lateinische (1801/1802) und übernahm dabei die persische Lautform der Sanskrit-Titel. So wurde aus Praṇava die im Oupnek'hat verwendete Form Pranou. Paul Deussen zählt Pranou zu den Stücken der Sammlung, die ihm als sehr späte und sekundäre Produkte erschienen.

Inhalt

Die Upanishad entfaltet in Frageform sechsunddreißig Fragen zur heiligen Silbe Om: nach ihrer Wurzel, ihrer grammatischen Form, ihrem Metrum, ihrer Farbe, ihrer Gottheit und ihrer Wirkung. Eingerahmt werden diese Fragen von einer Kosmogonie, in der Brahma durch Brahmacharya die Silbe Om schaut, sowie von einem Mythos vom Kampf der Götter gegen die Asuras, der erklärt, warum Om vor jeder heiligen Rezitation ausgesprochen wird.

Der vollständige Text – die Übersetzung von Paul Deussen ebenso wie eine am Sanskrit orientierte Fassung in Devanagari und IAST mit Wort-für-Wort-Erläuterung – steht im Artikel Pranava Upanishad.

Einordnung

Das Gopatha Brāhmaṇa ist das einzige erhaltene Brāhmaṇa des Atharvaveda. Die Pranava Upanishad bildet darin einen klar begrenzten Lehrabschnitt und keinen eigenständigen Text der Muktika-Liste. In der Oupnek'hat-Sammlung erscheint sie dennoch als eigenständiges Stück unter dem persischen Namen Pranou, gleich neben anderen späten Zusätzen der Sammlung wie Ark'hi und Schavank.

Siehe auch

Literatur

  • Paul Deussen: Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden.