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'''shitagni''' ([[Sanskrit]]: shītāgni ''m.'') = das kalte Feuer, weil innerlich | |||
Shitagni ist ein aus dem Sanskrit stammender Begriff, der sich wörtlich aus zwei Teilen zusammensetzt: | |||
* [[shita]] bedeutet [[kalt]] oder kühl, | |||
* [[agni]] heißt [[Feuer]]. Wörtlich übersetzt heißt shitagni also kaltes oder abgekühltes Feuer. Der Ausdruck klingt zunächst paradox, weil Feuer gemeinhin mit Wärme und Hitze verbunden wird; genau in dieser Spannung liegt seine Bedeutung und sein Einsatzfeld in religiösen, philosophischen und rituellen Zusammenhängen. Es hat jedoch nichts mit [[Verdauung]] zu tun ... | |||
In vedischer und tantrischer Terminologie kann shitagni verschiedene Ebenen ansprechen. Auf der symbolischen Ebene steht das Bild des kalten Feuers für eine Form von transformatorischer Kraft, die nicht primär durch Hitze, sondern durch subtile Innenschaft oder transzendierende Energie wirkt. Es bezeichnet Kräfte, die innere Wandlung, Reinigung oder Umwandlung bewirken, ohne die zerstörerische oder brennende Qualität gewöhnlicher Hitze. Auf einer psychologisch-spirituellen Ebene lässt sich shitagni als Bild für eine ruhige, beständige innere Disziplin lesen: ein Feuer, das stabil und kontrolliert wirkt, ohne aufgeregte Leidenschaft, das subtile geistige Prozesse nährt und reinigt. | |||
In rituellen Zusammenhängen kann der Terminus auch praktische Nuancen haben: in manchen Texten werden bestimmte Opferhandlungen, Herdfeuer oder rituelle Energien unterschieden nach ihrer Temperatur oder ihrem Wirkungscharakter; ein shitagni wäre dann kein äußeres, loderndes Opferfeuer, sondern ein symbolisch abgekühlter Herd, dessen Zweck eher der Bewahrung, Stabilisierung oder inneren Reinigung dient. In [https://www.yoga-vidya.de/ philosophischen] Diskussionen könnte der Begriff ferner dazu benutzt werden, kontrastierende Prinzipien zu beschreiben — etwa aktive, hitzige Begierde versus [[kontemplativ]]e, kühle Einsicht — und damit unterschiedliche Wege der Übung oder [[Erkenntnis]] zu markieren. | |||
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* [[Reinigung]] | |||
* [[Umwandlung]] | |||
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Aktuelle Version vom 24. Januar 2026, 06:43 Uhr

shitagni (Sanskrit: shītāgni m.) = das kalte Feuer, weil innerlich
Shitagni ist ein aus dem Sanskrit stammender Begriff, der sich wörtlich aus zwei Teilen zusammensetzt:
- shita bedeutet kalt oder kühl,
- agni heißt Feuer. Wörtlich übersetzt heißt shitagni also kaltes oder abgekühltes Feuer. Der Ausdruck klingt zunächst paradox, weil Feuer gemeinhin mit Wärme und Hitze verbunden wird; genau in dieser Spannung liegt seine Bedeutung und sein Einsatzfeld in religiösen, philosophischen und rituellen Zusammenhängen. Es hat jedoch nichts mit Verdauung zu tun ...
In vedischer und tantrischer Terminologie kann shitagni verschiedene Ebenen ansprechen. Auf der symbolischen Ebene steht das Bild des kalten Feuers für eine Form von transformatorischer Kraft, die nicht primär durch Hitze, sondern durch subtile Innenschaft oder transzendierende Energie wirkt. Es bezeichnet Kräfte, die innere Wandlung, Reinigung oder Umwandlung bewirken, ohne die zerstörerische oder brennende Qualität gewöhnlicher Hitze. Auf einer psychologisch-spirituellen Ebene lässt sich shitagni als Bild für eine ruhige, beständige innere Disziplin lesen: ein Feuer, das stabil und kontrolliert wirkt, ohne aufgeregte Leidenschaft, das subtile geistige Prozesse nährt und reinigt.
In rituellen Zusammenhängen kann der Terminus auch praktische Nuancen haben: in manchen Texten werden bestimmte Opferhandlungen, Herdfeuer oder rituelle Energien unterschieden nach ihrer Temperatur oder ihrem Wirkungscharakter; ein shitagni wäre dann kein äußeres, loderndes Opferfeuer, sondern ein symbolisch abgekühlter Herd, dessen Zweck eher der Bewahrung, Stabilisierung oder inneren Reinigung dient. In philosophischen Diskussionen könnte der Begriff ferner dazu benutzt werden, kontrastierende Prinzipien zu beschreiben — etwa aktive, hitzige Begierde versus kontemplative, kühle Einsicht — und damit unterschiedliche Wege der Übung oder Erkenntnis zu markieren.