Vasanta Puja – Gäste im Frühling als göttliche Gegenwart ehren

Aus Yogawiki

Vasanta Puja – Gäste im Frühling als göttliche Gegenwart ehren ist eine Frühlingsverehrung, bei der Gastfreundschaft selbst zum Ritual wird: Eingeladene Brahmanen werden als Gestalten Vishnus begrüßt, ihre Füße gewaschen und ihnen Duft, Blumen und Ehrengaben gereicht. Die Vasanta Puja des Puja Samuccaya richtet sich an gastgebende Haushalte; ein einzelner Gastgeber oder ein Paar kann die Gaben reichen. Sie findet zuhause während des Frühlings statt. Das Kapitel nennt keinen fest vorgeschriebenen Mondtag und keine bestimmte Uhrzeit.

Die Verehrung gilt Vasanta Madhava, Vishnu in seiner Verbindung mit dem Frühling. Den Gast zu ehren bedeutet hier, Wohlergehen nicht nur zu erbitten, sondern es einem anwesenden Menschen zuzuwenden.

Frische Blumen und Wasser gehören zur ehrenden Gastfreundschaft.

Vorbereitung

Vereinbare rechtzeitig einen passenden Frühlingstag und lade einen oder mehrere mit dieser Form vertraute Brahmanen ein. Bereite saubere Sitze, Trinkwasser, ein Wassergefäß, eine ausreichend große Auffangschale für die Füße und frische Handtücher vor. Hinzu kommen Sandelpaste, ungebrochener Reis als Akshata, frische Blüten, je eine Girlande, Betelblätter als Tambula und angemessene Ehrengaben. Halte zusätzliche Geschenke und eine vegetarische Bewirtung nach deinen Möglichkeiten bereit.

Die Fußwaschung wird vorab abgesprochen. Wasser zum Trinken bleibt von der Fußwasserschale getrennt. Diese hygienische Handhabung und das Abtrocknen sind praktische Ergänzungen.

Durchführung

1. Die Gäste begrüßen
Bitte die eingeladenen Brahmanen auf die vorbereiteten Sitze. Wasche deine Hände und den Mund. Für das vorausgesetzte Achamana wird hier eine schlichte heutige Ausführung der Wasserreinigung verwendet: Nimm einen kleinen Schluck Trinkwasser aus der rechten Hand und reinige anschließend Hand und Lippen. Nenne Ort und Tag. Erkläre deinen Sankalpa auf Deutsch: „Zur Freude Vasanta-Madhavas ehre ich die eingeladenen Gäste mit Wasser und den vorbereiteten Gaben.“ Die Namen der Gäste können genannt werden. Grüße Ganesha:

vakratuṇḍa mahākāya koṭisūryasamaprabha |
nirvighnaṃ kuru me deva sarvakāryeṣu sarvadā ||

Du mit dem gebogenen Rüssel und dem großen Leib, strahlend wie Millionen Sonnen: Gott, lass all mein Tun immer frei von Hindernissen sein.

2. Sitz und Wasser reichen
Wende dich jedem Gast einzeln zu und sprich:

śrīmahāviṣṇusvarūpiṇe brāhmaṇāya namaḥ |
idam āsanam |
idaṃ pādyam |

Verehrung dem Brahmanen als einer Gestalt Mahavishnus. Hier ist der Sitz. Hier ist das Fußwasser.

Bitte den Gast, beide Füße über die Auffangschale zu halten. Der Gastgeber gießt Wasser über den rechten, dann über den linken Fuß; die Partnerin oder eine helfende Person kann das Wasser reichen. Vollziehe die Waschung nur mit Zustimmung des Gastes. Sprich währenddessen die überlieferte Formel:

asmin rāṣṭre śriyam āveśayāmy atho devīḥ pratipaśyāmy āpaḥ |
dakṣiṇaṃ pādam avanenije’smin rāṣṭra indriyaṃ dadhāmi |
savyaṃ pādam avanenije’smin rāṣṭra indriyaṃ vardhayāmi |
pūrvam anyam aparam anyaṃ pādāv avanenije |
devā rāṣṭrasya śuddhyā abhayasyāvaruddhyai |
āpaḥ pādāvane janīr dviṣantaṃ nirdahantu me ||

Ich lasse Wohlergehen in dieses Gemeinwesen einziehen und schaue die göttlichen Wasser. Indem ich den rechten Fuß wasche, stärke ich die Kraft des Gemeinwesens; indem ich den linken Fuß wasche, lasse ich diese Kraft wachsen. Einen Fuß zuerst, den anderen danach wasche ich. Möge dies der Reinheit des Gemeinwesens und dem Erlangen von Furchtlosigkeit dienen. Mögen die Wasser der Fußwaschung das mir Feindliche verzehren.

Trockne die Füße mit dem bereitgelegten Tuch. Der scharfe letzte Satz gehört zur überlieferten Abwehrsprache; das Gebet wird hier auf das Überwinden von Feindseligkeit bezogen, nicht auf die Schädigung eines Menschen.

3. Den Gast ehren
Reiche Ehrenwasser in einem sauberen Gefäß. Übergib danach Sandelpaste, einige Reiskörner, eine frische Blüte, das Betelblatt und die Geldgabe. Sprich bei jeder entsprechenden Gabe die zugehörige Zeile:

idam arghyam |
gandhāḥ pāntu |
akṣatāḥ pāntu |
puṣpaṃ pātu |
tāmbūlaṃ pātu |
dakṣiṇāḥ pāntu |
sakalārādhānaiḥ svarcitam astu |

Hier ist das Ehrenwasser. Mögen die Düfte behüten. Mögen die Reiskörner behüten. Möge die Blüte behüten. Möge die Betelgabe behüten. Mögen die Ehrengaben behüten. Durch alle Dienste möge die Verehrung wohl vollzogen sein.

Lege dem Gast mit seinem Einverständnis die vorbereitete Blumengirlande um.

4. Verneigung und Bewirtung
Verneige dich vor jedem Gast mit dem vollständigen Gebet:

namo’stv anantāya sahasramūrtaye sahasrapādākṣiśirorubāhave |
sahasranāmne puruṣāya śāśvate sahasrakoṭīyugadhāriṇe namaḥ ||

Verehrung dem Unendlichen mit tausend Gestalten, tausend Füßen, Augen, Häuptern und mächtigen Armen; dem ewigen Purusha mit tausend Namen, der unzählige Weltalter trägt.

Überreiche weitere vereinbarte Geschenke nach deinen Möglichkeiten. Lade zur vegetarischen Mahlzeit ein und empfange einen Segenswunsch. Der Respekt vor dem Göttlichen im Gast setzt sich darin fort, auf seine Bedürfnisse zu achten. Räume die Wasserschale anschließend aus, reinige Gefäße und Tücher und kompostiere verwelkte Blumen. Eine konkrete Alltagsübung ist, beim nächsten Besuch zuerst zu fragen, was dem Gast wirklich guttut.


Rezitationen in IAST, Devanagari und deutscher Übersetzung

Ganesha-Gebet
vakratuṇḍa mahākāya koṭisūryasamaprabha |
nirvighnaṃ kuru me deva sarvakāryeṣu sarvadā ||

वक्रतुण्ड महाकाय कोटिसूर्यसमप्रभ ।
निर्विघ्नं कुरु मे देव सर्वकार्येषु सर्वदा ॥

Du mit dem gebogenen Rüssel und dem großen Leib, strahlend wie Millionen Sonnen: Gott, lass all mein Tun immer frei von Hindernissen sein.

Sitz und Fußwasser
śrīmahāviṣṇusvarūpiṇe brāhmaṇāya namaḥ |
idam āsanam |
idaṃ pādyam |

श्रीमहाविष्णुस्वरूपिणे ब्राह्मणाय नमः ।
इदम् आसनम् ।
इदं पाद्यम् ।

Verehrung dem Brahmanen als einer Gestalt Mahavishnus. Hier ist der Sitz. Hier ist das Fußwasser.

Die Füße waschen
asmin rāṣṭre śriyam āveśayāmy atho devīḥ pratipaśyāmy āpaḥ |
dakṣiṇaṃ pādam avanenije’smin rāṣṭra indriyaṃ dadhāmi |
savyaṃ pādam avanenije’smin rāṣṭra indriyaṃ vardhayāmi |
pūrvam anyam aparam anyaṃ pādāv avanenije |
devā rāṣṭrasya śuddhyā abhayasyāvaruddhyai |
āpaḥ pādāvane janīr dviṣantaṃ nirdahantu me ||

अस्मिन् राष्ट्रे श्रियम् आवेशयाम्य् अथो देवीः प्रतिपश्याम्य् आपः ।
दक्षिणं पादम् अवनेनिजेऽस्मिन् राष्ट्र इन्द्रियं दधामि ।
सव्यं पादम् अवनेनिजेऽस्मिन् राष्ट्र इन्द्रियं वर्धयामि ।
पूर्वम् अन्यम् अपरम् अन्यं पादाव् अवनेनिजे ।
देवा राष्ट्रस्य शुद्ध्या अभयस्यावरुद्ध्यै ।
आपः पादावने जनीर् द्विषन्तं निर्दहन्तु मे ॥

Ich lasse Wohlergehen in dieses Gemeinwesen einziehen und schaue die göttlichen Wasser. Indem ich den rechten Fuß wasche, stärke ich die Kraft des Gemeinwesens; indem ich den linken Fuß wasche, lasse ich diese Kraft wachsen. Einen Fuß zuerst, den anderen danach wasche ich. Möge dies der Reinheit des Gemeinwesens und dem Erlangen von Furchtlosigkeit dienen. Mögen die Wasser der Fußwaschung das mir Feindliche verzehren.

Ehrenwasser und Gaben
idam arghyam |
gandhāḥ pāntu |
akṣatāḥ pāntu |
puṣpaṃ pātu |
tāmbūlaṃ pātu |
dakṣiṇāḥ pāntu |
sakalārādhānaiḥ svarcitam astu |

इदम् अर्घ्यम् ।
गन्धाः पान्तु ।
अक्षताः पान्तु ।
पुष्पं पातु ।
ताम्बूलं पातु ।
दक्षिणाः पान्तु ।
सकलाराधानैः स्वर्चितम् अस्तु ।

Hier ist das Ehrenwasser. Mögen die Düfte behüten. Mögen die Reiskörner behüten. Möge die Blüte behüten. Möge die Betelgabe behüten. Mögen die Ehrengaben behüten. Durch alle Dienste möge die Verehrung wohl vollzogen sein.

Verneigung vor dem Unendlichen
namo’stv anantāya sahasramūrtaye sahasrapādākṣiśirorubāhave |
sahasranāmne puruṣāya śāśvate sahasrakoṭīyugadhāriṇe namaḥ ||

नमोऽस्त्व् अनन्ताय सहस्रमूर्तये सहस्रपादाक्षिशिरोरुबाहवे ।
सहस्रनाम्ने पुरुषाय शाश्वते सहस्रकोटीयुगधारिणे नमः ॥

Verehrung dem Unendlichen mit tausend Gestalten, tausend Füßen, Augen, Häuptern und mächtigen Armen; dem ewigen Purusha mit tausend Namen, der unzählige Weltalter trägt.


Quellen und Vertiefung

Die Hauptfolge folgt Puja Samuccaya, Abschnitt 18. Der dort gekürzte Verneigungsvers „namo’stv anantāya“ ist aus Abschnitt 87 desselben Werks vollständig ergänzt. Das Ganesha-Gedenken ist im Frühlingskapitel ausdrücklich als Alternative zur ausführlichen Vorverehrung zugelassen; sein Gebet folgt Abschnitt 9. Die Worttrennung der alten Fußwasserformel wird lesbar aufgelöst, ihr Wortlaut nicht durch eine modernere Gastbegrüßung ersetzt. Bewirtung und fürsorgliche Handhabung konkretisieren die Gastgaben.

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