Tila Patra Dana – Sesamschalengabe für Reinigung und Freigebigkeit

Aus Yogawiki

Tila Patra Dana – Sesamschalengabe für Reinigung und Freigebigkeit verbindet den Wunsch nach innerer Reinigung mit einer greifbaren Gabe: Sesam, ein Kupfergefäß, Gold und eine Zuwendung werden einem eingeladenen Brahmanen übergeben. Wer Freigebigkeit bewusst üben und Verfehlungen aus Denken, Sprechen und Handeln hinter sich lassen möchte, kann diese kurze Tila Patra Dana-Folge aus dem Puja Samuccaya verwenden. Sie steht dort unmittelbar nach der Makara Sankranti-Ordnung und kann in diesem Festzusammenhang zuhause oder an einem geeigneten Übergabeort vollzogen werden. Eine genauere Tageszeit nennt der Abschnitt nicht.

Die schenkende Person spricht die Widmung selbst; eine mit der Sanskritrezitation vertraute Person kann vorsprechen. Der Empfänger erhält die ganze Gabe. Der Text verbindet sie mit Surya und dem Wunsch nach Brahmaloka; im Gebet wird zugleich die heilige Herkunft des Sesams aus Vishnu besungen.

Surya ist die göttliche Widmung der Sesamschalengabe im Puja Samuccaya.

Vorbereitung

Verabrede die Übergabe mit einem Brahmanen und bereite einen sauberen Sitz für ihn vor. Zur freundlichen Ehrung kann eine frische Blüte bereitliegen; diese einfache konkrete Ausführung des im Text genannten Ehrenempfangs wird hier als praktische Möglichkeit gewählt.

Benötigt werden ein Kupfergefäß, genießbarer weißer oder schwarzer Sesam, eine Goldgabe und eine Dakshina nach Vermögen. Die Quellvorgabe nennt ein Kupfergefäß von sechzehn Pala, eine Sesammenge von einem Prastha und Gold von einem Karsha beziehungsweise nach Vermögen. Diese historischen Maße werden nicht ungesichert in Gramm oder Liter umgerechnet; kläre die örtliche Maßpraxis vorab. Die für die Goldgabe ausdrücklich genannte Abstimmung auf das eigene Vermögen bleibt erhalten. Ein schlichteres Gefäß oder geringere Sesammenge ist eine heutige Anpassung.

Die beiden personenbezogenen Sanskritformeln verwenden kāmaḥ beziehungsweise die Sandhiform kāmas, „wünschend“, in männlicher Form. Eine Frau spricht an den bezeichneten Stellen kāmā. Im Rezitationsanhang stehen beide vollständigen Fassungen in IAST und Devanagari. Namen oder Gotra-Felder kommen in diesen kurzen Formeln nicht vor.

Durchführung

1. Sich sammeln und die Gabe bereiten
Wasche die Hände, stelle das saubere Kupfergefäß auf eine Unterlage und fülle es mit Sesam. Lege die Goldgabe dazu. Halte die Dakshina gesondert zur gemeinsamen Übergabe bereit. Nenne Ort und Datum nach dem örtlichen Brauch und richte deine Aufmerksamkeit auf eine aufrichtige innere Neuorientierung.

2. Den Entschluss aussprechen
Sprich den vollständigen Sankalpa. Als Frau verwende im folgenden Satz brahmalokaprāptikāmā statt brahmalokaprāptikāmas.

mama vāṅmanaḥkāyajatrividhapāpanāśapūrvakaṃ brahmalokaprāptikāmas tilapātradānaṃ kariṣye ||

Bedeutung: Ich werde die Sesamschalengabe vollziehen, um Verfehlungen aus Rede, Geist und Körper zu überwinden und die Brahmawelt zu erlangen.

3. Den Empfänger ehren
Begrüße den eingeladenen Brahmanen, biete ihm den vorbereiteten Sitz an und überreiche die Blüte als freundliches Zeichen der Achtung. Sage klar, dass Gefäß, Sesam, Gold und Dakshina als Gabe bestimmt sind. Der Quelltext nennt diese Ehrung, legt ihre einzelnen Dienste jedoch nicht weiter fest.

4. Die Schale dem Herrn der Welt widmen
Halte die Sesamschale vor dir und sprich das Gebet. Die Handlung erinnert daran, dass die Gabe innerhalb einer von Gott getragenen Welt geschieht.

devadeva jagannātha vāñchitārthaphalaprada |
tilapātraṃ pradāsyāmi tavāṅge saṃsthito hy aham ||

Bedeutung: Gott der Götter, Herr der Welt, der die ersehnten Früchte gewährt: Ich werde die Sesamschale verschenken; in Deinem Leib habe ich meinen Ort.

5. Um Läuterung bitten
Sprich die beiden Sesamverse über der bereitgehaltenen Gabe. Verbinde die Bitte mit der Bereitschaft, begangenes Unrecht auch im Alltag zu berichtigen.

tilāḥ puṇyāḥ pavitrāś ca sarvapāpaharāḥ smṛtāḥ |
śuklāś caiva tathā kṛṣṇā viṣṇugātrasamudbhavāḥ ||
yāni kāni ca pāpāni brahmahatyāsamāni ca |
tilapātrapradānena tāni naśyantu me sadā ||

Bedeutung: Sesamsamen gelten als heilig, rein und alle Verfehlungen tilgend. Weiße wie schwarze sind aus Vishnus Leib hervorgegangen. Welche Verfehlungen es auch seien, selbst solche von der Schwere des Tötens eines Brahmanen: Durch diese Gabe der Sesamschale mögen sie mir für immer schwinden.

6. Alles vollständig überreichen
Übergib nun das Kupfergefäß mit Sesam und Gold samt Dakshina. Sprich dabei die abschließende Formel; als Frau verwende wiederum brahmalokaprāptikāmā.

idaṃ tilapātraṃ yathāśaktidakṣiṇāsahitaṃ sūryadaivatyaṃ brahmalokaprāptikāmas tubhyam ahaṃ saṃpradade ||

Bedeutung: Diese Surya gewidmete Sesamschale schenke ich Dir zusammen mit einer Gabe nach meinem Vermögen, im Wunsch, die Brahmawelt zu erlangen.

7. Mit Dank schließen
Danke dem Empfänger für die Annahme und verneige dich freundlich. Die Gegenstände bleiben bei ihm; der Sesam kann als Lebensmittel verwendet werden. Räume die Unterlage auf. Die Läuterungsbitte gewinnt Tiefe, wenn du nach der Feier einen konkreten Schritt der Wiedergutmachung oder einer freundlicheren Rede folgen lässt.

Vollständige Rezitationsfassungen

Entschluss – männliche Fassung
IAST
mama vāṅmanaḥkāyajatrividhapāpanāśapūrvakaṃ brahmalokaprāptikāmas tilapātradānaṃ kariṣye ||

Devanagari
मम वाङ्मनःकायजत्रिविधपापनाशपूर्वकं ब्रह्मलोकप्राप्तिकामस् तिलपात्रदानं करिष्ये ॥

Deutsch
Ich werde die Sesamschalengabe vollziehen, um Verfehlungen aus Rede, Geist und Körper zu überwinden und die Brahmawelt zu erlangen.

Entschluss – weibliche Fassung
IAST
mama vāṅmanaḥkāyajatrividhapāpanāśapūrvakaṃ brahmalokaprāptikāmā tilapātradānaṃ kariṣye ||

Devanagari
मम वाङ्मनःकायजत्रिविधपापनाशपूर्वकं ब्रह्मलोकप्राप्तिकामा तिलपात्रदानं करिष्ये ॥

Deutsch
Ich werde die Sesamschalengabe vollziehen, um Verfehlungen aus Rede, Geist und Körper zu überwinden und die Brahmawelt zu erlangen.

Gebet über der Gabe
IAST
devadeva jagannātha vāñchitārthaphalaprada |
tilapātraṃ pradāsyāmi tavāṅge saṃsthito hy aham ||

Devanagari
देवदेव जगन्नाथ वाञ्छितार्थफलप्रद ।
तिलपात्रं प्रदास्यामि तवाङ्गे संस्थितो ह्य् अहम् ॥

Deutsch
Gott der Götter, Herr der Welt, der die ersehnten Früchte gewährt: Ich werde die Sesamschale verschenken; in Deinem Leib habe ich meinen Ort.

Sesamverse
IAST
tilāḥ puṇyāḥ pavitrāś ca sarvapāpaharāḥ smṛtāḥ |
śuklāś caiva tathā kṛṣṇā viṣṇugātrasamudbhavāḥ ||
yāni kāni ca pāpāni brahmahatyāsamāni ca |
tilapātrapradānena tāni naśyantu me sadā ||

Devanagari
तिलाः पुण्याः पवित्राश् च सर्वपापहराः स्मृताः ।
शुक्लाश् चैव तथा कृष्णा विष्णुगात्रसमुद्भवाः ॥
यानि कानि च पापानि ब्रह्महत्यासमानि च ।
तिलपात्रप्रदानेन तानि नश्यन्तु मे सदा ॥

Deutsch
Sesamsamen gelten als heilig, rein und alle Verfehlungen tilgend. Weiße wie schwarze sind aus Vishnus Leib hervorgegangen. Welche Verfehlungen es auch seien, selbst solche von der Schwere des Tötens eines Brahmanen: Durch diese Gabe der Sesamschale mögen sie mir für immer schwinden.

Übergabe – männliche Fassung
IAST
idaṃ tilapātraṃ yathāśaktidakṣiṇāsahitaṃ sūryadaivatyaṃ brahmalokaprāptikāmas tubhyam ahaṃ saṃpradade ||

Devanagari
इदं तिलपात्रं यथाशक्तिदक्षिणासहितं सूर्यदैवत्यं ब्रह्मलोकप्राप्तिकामस् तुभ्यम् अहं संप्रददे ॥

Deutsch
Diese Surya gewidmete Sesamschale schenke ich Dir zusammen mit einer Gabe nach meinem Vermögen, im Wunsch, die Brahmawelt zu erlangen.

Übergabe – weibliche Fassung
IAST
idaṃ tilapātraṃ yathāśaktidakṣiṇāsahitaṃ sūryadaivatyaṃ brahmalokaprāptikāmā tubhyam ahaṃ saṃpradade ||

Devanagari
इदं तिलपात्रं यथाशक्तिदक्षिणासहितं सूर्यदैवत्यं ब्रह्मलोकप्राप्तिकामा तुभ्यम् अहं संप्रददे ॥

Deutsch
Diese Surya gewidmete Sesamschale schenke ich Dir zusammen mit einer Gabe nach meinem Vermögen, im Wunsch, die Brahmawelt zu erlangen.

Quellen

  • Puja Samuccaya, Abschnitt 77, „Tilapātradānam“, mit vorangehendem Abschnitt 76 „Makarasaṃkrāntiḥ“: vollständiger Sanskrittext. Die praktische Folge bewahrt Entschluss, Empfängerehrung, Widmungsvers, Sesamverse und Übergabeformel. Die zwei aufeinanderfolgenden Übergabehinweise werden als eine zusammenhängende Schenkung mit abschließender Bekräftigung ausgeführt.
  • V. D. N. Rao: Essence of Hindu Festivals and Austerities, S. 101, als Parallelbeleg der drei Gebetsverse. Dessen Kalenderzuordnung wird hier nicht übernommen.

Die Lesart tavāṅge folgt dem Puja Samuccaya und bedeutet „in Deinem Leib“; die Variante tavāgre, „vor Dir“, gehört zu einer anderen Wiedergabe. Naśyantu ist die grammatisch passende Mehrzahlform; sie ist in der Parallelüberlieferung belegt, während der elektronische Puja-Samuccaya-Text naśyatu bietet. Die geänderte weibliche Endung betrifft nur die sprechende Person.

Vertiefung

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