Pali Vrata
Pali Vrata – Varuna am Ufer eines Wasserbeckens mit Früchten und Gebet ehren: Beim Pali Vrata wird Varuna, der Hüter der Wasser, gemeinsam mit Varuni am Ufer eines Wasserbeckens verehrt. Das Bhavishya Purana nennt dafür die helle Chaturdashi im Monat Bhadrapada. Frauen und Männer verschiedener sozialer Gruppen werden ausdrücklich zum Ritus eingeladen. Mit Wasserverehrung, Früchten und einer anschließenden Speisegabe bitten sie um Reinheit und gutes Gedeihen.
Pali bezeichnet hier den Uferwall oder Rand des Beckens. Das Ritual findet somit an dem Ort statt, an dem Wasser gesammelt und bewahrt wird. Dankbarkeit gegenüber dieser Lebensgrundlage gibt den Handlungen ihren inneren Zusammenhang.
Die gelobende Person führt die Handlungen am Ufer aus; Angehörige können bei der Darstellung und beim Reichen der Gaben helfen. Eine besondere Priesterleitung wird in diesem Kapitel nicht verlangt. Die Tagesmitte ist für das vorausgehende Bad ausdrücklich genannt. Eine häusliche Varuna-Shashthi-Verehrung ersetzt diese an Wasserbecken und Ufer gebundene Feier nicht.
Vorbereitung
Wähle einen zugänglichen, geeigneten Uferplatz. Benötigt werden eine Unterlage für das Mandala, Zeichenmaterial, Wasser für Arghya, Blüten, Früchte, ein Tuch, Sandelholz, rote rituelle Farbe, eine Lampe sowie Sesam und Reis als Gaben. Der Text nennt Datteln, Kokosnüsse, Zitrusfrüchte, Trauben, Granatäpfel, Betelnüsse und Gurken. Verwende die Früchte, die zur vorgesehenen Gabe passen; eine festgelegte Stückzahl steht nicht im Kapitel.
Die Tagesregel ist Anagnipaka, Nahrung ohne Feuerzubereitung. Plane daher verzehrfertige Früchte und andere geeignete ungekochte Speisen. Die in der Quelle genannten rohen Sesam-Reis-Gaben dienen der Darbringung und müssen nicht als rohe Mahlzeit gegessen werden. Lade einen brahmanischen Empfänger für die Speisegabe ein.
Ablauf
1. Das Mittagsbad vollziehen
Die Quelle ordnet ein Bad im Becken zur Mittagszeit an. Wähle dafür nur einen tatsächlich geeigneten Badeplatz. Ist dort kein Baden möglich, stellt eine Waschung am Ufer eine heutige Anpassung dar.
2. Das göttliche Paar darstellen
Bereite am Ufer den Kreisplatz und zeichne darin Varuna zusammen mit Varuni. Die Quelle legt keine detaillierte Bildhaltung fest. Richte die Aufmerksamkeit auf die beiden als Hüter und göttliche Fülle des Wassers.
3. Die Gaben darbringen
Lege Blumen und Früchte vor das Bild, füge die übrigen vorbereiteten Gaben hinzu und entzünde die Lampe an einem geeigneten festen Platz. Lege das Tuch als Ehrengabe vor die Darstellung; stelle Sandelholz und rote Farbe in kleinen Schälchen dazu. Bringe auch die bereitgelegte Sesam-Reis-Mischung auf einem eigenen Teller dar. Halte Farbe, Tuch und Lebensmittel auf der Unterlage; ihre Versenkung im Gewässer wird nicht verlangt.
4. Das Gebet und die Wasserverehrung vollziehen
Nimm das Gefäß mit reinem Wasser in beide Hände und wende dich zur Darstellung des göttlichen Paares. Sprich das folgende Gebet und gieße die Wassergabe anschließend in eine Auffangschale neben dem Mandala. Das Auffangen ist eine heutige praktische Möglichkeit, die Uferstelle sauber zu halten; besondere Mischzutaten für das Ehrenwasser nennt das Kapitel nicht. Der Wortlaut lautet:
varuṇāya namastubhyaṃ namaste yādasāṃpate |
apāṃpate namaste'stu rasānāṃpataye namaḥ ||
mā kledaṃ mā ca daurgaṃdhyaṃ virasyaṃ mā mukhe'stu me |
varuṇo vāruṇībhartā varado'stu sadā mama ||
वरुणाय नमस्तुभ्यं नमस्ते यादसांपते ।
अपांपते नमस्तेऽस्तु रसानांपतये नमः ॥
मा क्लेदं मा च दौर्गंध्यं विरस्यं मा मुखेऽस्तु मे ।
वरुणो वारुणीभर्ता वरदोऽस्तु सदा मम ॥
Übersetzung: Verehrung dir, Varuna; Verehrung dir, Herr der Wasserwesen. Verehrung dir, Herr der Wasser und der Lebenssäfte. Mögen mir weder üble Feuchtigkeit noch schlechter Geruch noch unangenehmer Geschmack im Mund anhaften. Varuna, der Gemahl Varunis, möge mir stets Segen schenken.
Das Gebet verbindet die Verehrung des Wassers mit der Bitte um körperliche Reinheit und Wohlergehen.
5. Die Speise weitergeben
Überreiche die als Naivedya vorbereitete Speise dem eingeladenen Empfänger. Verneige dich vor dem göttlichen Paar, nimm deine eigene Mahlzeit nach der Tagesregel ein und räume den Uferplatz auf. Lass deine Dankbarkeit auch in sorgsamem Umgang mit Wasser weiterleben.
Dankbarkeit für das Wasser
Bleibe zum Abschluss einen Augenblick in stiller Meditation am Wasser. Die Gottheit wird an einem Ort geehrt, der Wasser für viele Menschen bewahrt. Daraus kann eine einfache persönliche Aufgabe wachsen: einen Wasserplatz sauber halten, Trinkwasser teilen oder gemeinsam die Versorgung Bedürftiger unterstützen. Dies ist eine heutige Anregung aus Karma Yoga; die rituelle Gabe an den eingeladenen Empfänger bleibt davon unterschieden.
Verwandte Anleitung
Siehe auch Varuna Shashthi – den Hüter der Wasser mit roten Gewändern empfangen.
Quellen
- Bhavishya Purana, Uttaraparvan 91.1–12: Sanskritfassung. Eigene deutsche Übertragung; praktische Ergänzungen sind entsprechend gekennzeichnet.
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