Nakshatrapurusha Vrata – Sternengang-Gelübde für Wohlergehen und Verbundenheit
Nakshatrapurusha Vrata – Sternengang-Gelübde für Wohlergehen und Verbundenheit
Das Nakshatrapurusha Vrata ist ein Gelübde für Männer und Frauen, die um Wohlergehen, eine ansprechende Gestalt und beständige Verbundenheit bitten. Im Mittelpunkt steht Vishnu als kosmischer Mensch, dessen Körper die 27 Mondstationen umfasst. Während der Mond von Mula durch den Sternenkreis wandert, gilt jeder Termin einer anderen Körperstelle des Gottes. Das Matsya Purana verbindet diese Verehrung mit der Bitte um beständige Gottesliebe und ein nicht verwaistes eheliches Lager. Das Gelübde wird Männern und Frauen einschließlich Witwen eröffnet; nicht jedes Anliegen muss dabei das persönliche Anliegen jedes Teilnehmenden sein.
Anlass und Vorbereitung
Die Verehrung kann zuhause vor einem Vishnu-Bild ausgeführt werden. Beginne im Mondmonat Chaitra, wenn der Mond Mula erreicht. Bestimme die weiteren Nakshatra-Zeiten am Ort der Durchführung nach einem Panchanga. Die Tabelle folgt dem tatsächlichen Sternengang ab Mula. Bei zwei gemeinsam genannten Nakshatras findet dieselbe Verehrung an beiden aufeinanderfolgenden Stationen statt. Die vollständige Runde umfasst so 27 Stationen.
Benötigt werden ein vollständiges Vishnu-Bild, Wasser, Blüten und einfache Gaben für Gäste. Ein Brahmane begleitet den Beginn mit Segensworten. Am Abschluss wird ein im Samaveda kundiger Haushälter mit seiner Frau eingeladen. Dafür nennt die Quelle eine goldene Vishnu-Lakshmi-Darstellung mit Perlen, Mondstein und Diamantschmuck, einen gefüllten Wasserkrug, ein vollständig ausgestattetes Bett, Haushaltsgerät und eine Kuh. Wer eine heutige reduzierte Hausfassung wählt, kennzeichnet einfachere Materialien und Förderung der Tierfürsorge anstelle einer Kuhübergabe als Anpassungen; sie sind nicht die kostbare Originalausstattung.
Durchführung
1. Die Runde eröffnen
Richte das Vishnu-Bild ein. Bitte den begleitenden Brahmanen um ein Svastivachana, einen glückverheißenden Segenszuspruch. Das Kapitel legt hierfür keinen festen Wortlaut fest. Als freier deutscher Zuspruch eignet sich: „Möge diese Übung friedlich gelingen und allen Beteiligten Wohlergehen bringen.“ Fasse den Vorsatz, den vollständigen Gang durch die Mondstationen aufmerksam zu begleiten.
2. Die jeweilige Sternenstation bestimmen
Prüfe vor jeder Andacht, in welchem Nakshatra der Mond steht. Die Stationen fallen nicht notwendig mit Mitternacht oder einem ganzen bürgerlichen Tag zusammen. Halte an den Verehrungsterminen den im Kapitel genannten Upavasa. Eine persönlich erforderliche Erleichterung ist als Anpassung zu verstehen. Plane das Gastmahl und deine anschließende Mahlzeit ohne Öl und Salz.
3. Die entsprechende Körperstelle verehren
Lege eine Blüte vor die jeweilige Körperstelle des Bildes und sprich ausschließlich die zum aktuellen Nakshatra gehörende Anrufung. Die Zuordnung betrifft das göttliche Bild, nicht den eigenen Körper.
| Nakshatra | Körperstelle | Anrufung | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Mula | Füße | viśvadharāya namaḥ |
Verehrung dem Träger der Welt. |
| Purvashadha und Uttarashadha | Oberschenkel | śivāya namaḥ |
Verehrung dem Gütigen. |
| Shravana | Ohren | varāhāya namaḥ |
Verehrung Varaha. |
| Dhanishtha | Rücken | aghaughavidhvaṃsakarāya namaḥ |
Verehrung dem Vernichter der Menge der Verfehlungen. |
| Shatabhisha | Inneres des Mundes | bhārgavanandanāya namaḥ |
Verehrung dem Sohn des Bhargava. |
| Purvabhadrapada und Uttarabhadrapada | Körperseiten | keśiniṣūdanāya namaḥ |
Verehrung dem Bezwinger des Keshi. |
| Revati | Bauchseiten | dāmodarāya namaḥ |
Verehrung Damodara. |
| Ashvini | Knie und Unterschenkel | varadāya namaḥ |
Verehrung dem Segengeber. |
| Bharani | Kopf | namo'stu viśveśvara kalkirūpiṇe |
Verehrung dir, Weltenherr in Kalkis Gestalt. |
| Krittika | Hüfte | śārṅgadharāya namaḥ |
Verehrung dem Träger des Sharnga-Bogens. |
| Rohini | Knöchel | anantāya namaḥ |
Verehrung dem Unendlichen. |
| Mrigashirsha | Augen | namo'stu te rāma vighūrṇitākṣa |
Verehrung dir, Rama mit den bewegten Augen. |
| Ardra | Haar | haraye namaste |
Hari, Verehrung sei dir. |
| Punarvasu | Fingerspitzen | sāmnāmadhīśāya namaḥ |
Verehrung dem Herrn der Saman-Gesänge. |
| Pushya | Gesicht | dānavasūdanāya nṛsiṃhāya namaḥ |
Verehrung Narasimha, dem Bezwinger der Dämonen. |
| Ashlesha | Nägel | matsyaśarīrabhājaḥ pādau śaraṇaṃ vrajāmi |
Ich nehme Zuflucht zu den Füßen des Trägers der Fischgestalt. |
| Magha | Nase | rāmāya namo'stu |
Verehrung Rama. |
| Purvaphalguni und Uttaraphalguni | Geschlechtsbereich des Bildes | pañcaśarāya namaḥ |
Verehrung dem Träger der fünf Pfeile. |
| Hasta | Hände | madhusūdanāya namaḥ |
Verehrung dem Bezwinger des Madhu. |
| Chitra | Stirn | buddhāya śāntāya namaḥ |
Verehrung dem friedvollen Buddha. |
| Swati | Zahnspitzen | kāraṇavāmanāya namo namaḥ |
Wiederholte Verehrung Vamana, der um eines göttlichen Zweckes willen erschien. |
| Vishakha | Arme | śrīśaṅkhacakrāsigadādharāya namaḥ |
Verehrung dem Träger von Shri, Muschelhorn, Rad, Schwert und Keule. |
| Anuradha | Brust | mādhavāya namaḥ |
Verehrung Madhava. |
| Jyeshtha | Hals | kūrmasya pādau śaraṇaṃ vrajāmi |
Ich nehme Zuflucht zu den Füßen Kurmas. |
4. Die Gabe mit Gastfreundschaft verbinden
Ehre an den Ritualtagen auch einen eingeladenen Brahmanen, reiche Wasser, eine angemessene Gabe und schlichte Speise. Nimm anschließend deine Mahlzeit ohne Öl und Salz ein. Das Kapitel gibt für das Fastenlösen keine einheitliche Sonnenuntergangszeit vor; die konkrete Tagesplanung folgt daher den örtlichen Nakshatra-Zeiten und der begleiteten Tradition.
5. Am Ende die Bettgabe vorbereiten
Nach der vollständigen Runde stelle die Vishnu-Lakshmi-Darstellung über den gefüllten Wasserkrug. Statte das Bett mit den vorgesehenen Tüchern und Gebrauchsgegenständen aus. Lege die übrigen vereinbarten Gaben dazu. Empfange das eingeladene Ehepaar freundlich und ehre beide als Repräsentanten Vishnus und Lakshmis.
6. Um Erfüllung und Gottesliebe bitten
Sprich vor der Übergabe:
manorathānnaḥ saphalīkuruṣva hiraṇyagarbhācyutarudrarūpin |
„Erfülle unsere Herzenswünsche, du, der in den Gestalten Hiranyagarbhas, Achyutas und Rudras erscheint.“
yathā na viṣṇubhaktānāṃ vṛjinaṃ jāyate kvacit |
tathā surūpatārogyaṃ keśave bhaktimuttamām ||
„Wie den Verehrern Vishnus niemals Unheil erwächst, so mögen schöne Gestalt, Wohlergehen und höchste Hingabe an Keshava [mir zuteilwerden].“
Die eckig ergänzte Wendung erläutert den im Sanskrit verkürzten Gebetssatz.
7. Die Bitte um Verbundenheit und den Abschluss vollziehen
Sprich das überlieferte Gebet zur Bettgabe:
yathā na lakṣmyā śayanaṃ tava śūnyaṃ janārdana |
śayyā mamāpyaśūnyāstu kṛṣṇa janmani janmani ||
„Wie dein Lager, Janardana, niemals von Lakshmi leer ist, so sei auch mein Lager nicht leer, Krishna, Geburt um Geburt.“
Überreiche das Bett, die Darstellung, den Krug und die übrigen Gaben. Bedanke dich bei den Gästen und beende die Runde mit einem gemeinsamen Mahl. Wer das eheliche Anliegen nicht teilt, kann anschließend in eigenen Worten um eine tragfähige Gemeinschaft und Liebe bitten.
Sinn und Abschluss
Der Sternengang wird in diesem Gelübde zu einer wiederholten Hinwendung zu Vishnu. Der eigene Wunsch nach Schönheit und Wohlergehen steht am Ende neben der Bitte um Bhakti: Die erhoffte Fülle soll in einer beständigen Beziehung zum Göttlichen und in verlässlicher Gemeinschaft getragen sein.
Rezitationen in Devanagari
Die Reihenfolge entspricht den Gebeten und Anrufungen im Ablauf.
Anrufungen nach dem Sternengang
विश्वधराय नमः
शिवाय नमः
वराहाय नमः
अघौघविध्वंसकराय नमः
भार्गवनन्दनाय नमः
केशिनिषूदनाय नमः
दामोदराय नमः
वरदाय नमः
नमोऽस्तु विश्वेश्वर कल्किरूपिणे
शार्ङ्गधराय नमः
अनन्ताय नमः
नमोऽस्तु ते राम विघूर्णिताक्ष
हरये नमस्ते
साम्नामधीशाय नमः
दानवसूदनाय नृसिंहाय नमः
मत्स्यशरीरभाजः पादौ शरणं व्रजामि
रामाय नमोऽस्तु
पञ्चशराय नमः
मधुसूदनाय नमः
बुद्धाय शान्ताय नमः
कारणवामनाय नमो नमः
श्रीशङ्खचक्रासिगदाधराय नमः
माधवाय नमः
कूर्मस्य पादौ शरणं व्रजामि
Herzenswünsche
मनोरथान्नः सफलीकुरुष्व हिरण्यगर्भाच्युतरुद्ररूपिन् ।
Wohlergehen und Hingabe
यथा न विष्णुभक्तानां वृजिनं जायते क्वचित् ।
तथा सुरूपतारोग्यं केशवे भक्तिमुत्तमाम् ॥
Verbundenheit
यथा न लक्ष्म्या शयनं तव शून्यं जनार्दन ।
शय्या ममाप्यशून्यास्तु कृष्ण जन्मनि जन्मनि ॥
Quellen und Weiteres
- Matsya Purana, Kapitel beziehungsweise Verse 54.1–31: Sanskritfassung bei Wikisource.
Die ausgeschriebenen Namens- und Zufluchtsformeln folgen dem Sanskrit mit der erläuternden Hindi-Fassung bei VedicPeople, Kapitel 54. Die im Text nach Körperstellen geordnete Liste ist hier nach dem Sternengang ab Mula angeordnet. Für die reine Matsya-Fassung wird keine zusätzliche Jahresdauer aus der abweichenden Agni-Fassung übernommen.
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