Mayon

Aus Yogawiki

Mayon (Tamil: மாயோன், Māyōṉ) ist der „Dunkelfarbige“, eine göttliche Gestalt früher tamilischer Dichtung, die eng mit Tirumal, Vishnu und Krishna verbunden ist. Seine Verehrung führt in die Welt der Hirten, des Gesangs und der göttlichen Spiele.

Krishna und Kaliya: eine traditionelle Darstellung des göttlichen Hirten und Beschützers.

Überlieferung und Hintergrund

Mayon ist keine historische Person. Seine Spuren finden sich in klassischer tamilischer Literatur, unter anderem im Paripadal und im Silappatikaram. Der Name Tirumal lautet auf Tamil திருமால், wissenschaftlich Tirumāl. Die literarischen Zusammenhänge zeigen sowohl tamilische Eigenheiten als auch die Verbindung zu großen vishnuitischen Erzählungen.

Geschichten über Mayon

Wenn die vertrauten Zeichen sich verdunkeln

Im Silappatikaram bemerken die Hirtinnen von Madurai beunruhigende Zeichen. Milch gerinnt nicht wie erwartet; Tiere und Alltagsdinge verhalten sich ungewöhnlich. Eine Gemeinschaft, die vom verlässlichen Rhythmus der Herde und der Milchverarbeitung lebt, spürt eine Störung.

Die Frauen antworten mit einem gemeinsamen Tanz. Das Aychiyar Kuravai, der Reigentanz der Hirtinnen, ruft den göttlichen Hirten und seine vertraute Welt herbei. Die Tänzerinnen nehmen Rollen an; Kannan, sein Bruder und Nappinnai werden im Spiel gegenwärtig. Inmitten der Sorge entsteht ein Kreis, der von Erinnerung und gemeinsamem Rhythmus getragen wird.

Der Hirte und der Herr der Welten

Die Lieder lassen die Nähe des Hirtengottes und die Größe des Weltenherrn ineinander übergehen. Der, dessen Spiele in der Hirtenwelt besungen werden, ist zugleich der göttliche Handelnde, der die Welt durchmisst. Die Dichtung hält sich nicht an die Trennung zwischen einem kleinen häuslichen Geschehen und einem fernen kosmischen Ereignis.

Darin liegt ihr besonderer Zauber. Ein Name kann nach Butter, Herden und Flötenklang schmecken und zugleich an die Weite des Universums erinnern. Für die Singenden muss das Göttliche nicht erst aus dem Alltag herausgelöst werden, um groß zu sein. Es kann gerade im Vertrauten eine unermessliche Tiefe gewinnen.

Die drei Schritte

Das Motiv des Weltvermessens erinnert an Vamana und Trivikrama. Der göttliche Bittsteller erscheint klein und erbittet einen scheinbar bescheidenen Raum. Dann offenbart sich eine Größe, die Erde und Himmel umfasst. Das Messbare wird zum Hinweis auf den, den kein gewöhnliches Maß begrenzt.

Im Zusammenhang des Hirtinnenliedes ist dieses Bild besonders bewegend: Der nahe Geliebte und der unermessliche Herr sind kein Widerspruch. Die Frauen singen von einer Gegenwart, die sich ihnen zuwendet und doch größer bleibt als alles, was sie über sie sagen können.[1]

Betrachtung: Gemeinsam erinnern

Der Tanz beseitigt im Epos nicht einfach jede bevorstehende Tragödie. Gerade deshalb darf er nicht als Versprechen gelesen werden, dass ein Lied jedes Unglück verhindert. Er zeigt eine andere Kraft: Menschen können sich in ihrer Sorge sammeln, einander tragen und ihre Hoffnung in eine gemeinsame Form bringen.

Wer Mayons Namen betrachtet, darf diese Nähe aufnehmen. Ein vertrautes Lied kann einen Raum öffnen, in dem die eigene Angst nicht das letzte Wort behält. Und wer mitsingt, kann zugleich darauf achten, ob jemand im Kreis Trost oder praktische Hilfe braucht.

Symbolbild: Hingabe und innere Sammlung lassen das Herz weit werden.

Spirituelle Bedeutung

Mayon verbindet kosmische Größe mit der Intimität der Bhakti. Die klassische tamilische Dichtung lässt das Heilige in Landschaft, Musik und alltäglicher Beziehung aufscheinen.

Werke und weiterführende Texte

Beziehungen zu anderen Persönlichkeiten

Ilango Adigal gestaltet den Hirtinnenreigen im Silappatikaram. Andal, Periyalvar und Nammalvar entfalten später die persönliche Nähe zu Vishnu und Krishna. Kannagi gehört zur Handlung, in die der Reigentanz eingebettet ist. Velukkudi Krishnan erschließt heute die vishnuitische Hymnentradition.

Anregungen für Yoga und Meditation

Höre oder singe ein einfaches Krishna-Lied und verweile anschließend einen Moment bei der entstandenen inneren Stimmung. Im Yoga lässt sich dies als bewusste Verbindung von Achtsamkeit, Mitgefühl und tätiger Verantwortung üben. Eine kurze Meditation kann damit beginnen, den Atem natürlich fließen zu lassen und die gewählte Anregung ohne Selbstverurteilung zu betrachten. Entscheidend ist anschließend eine kleine, tatsächlich ausgeführte Handlung.

Symbolbild für das Licht der Erkenntnis im Herzen.

Ein Gedanke für den Alltag

Lass ein vertrautes Lied zur Erinnerung werden, dass du mit deiner Sorge nicht allein bleiben musst.

Videos zur Vertiefung

Diese Videos laden dazu ein, die angesprochenen Themen durch eigene Praxis zu vertiefen.

Ankommenssatsang - Kirtan, Mantra und Arati mit Sukadev - Yoga Vidya Live, 15.07.2022, 20:00 Uhr

Licht-Meditation mit Sukadev

Siehe auch

Quellen und Literatur

  1. ↑ Silappatikaram, Kapitel 17: Aychiyar Kuravai, eigene Nacherzählung und Entfaltung der Liedmotive.

Seminare

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