Jivabhranti

jivabhranti: (Sanskrit: jīvabhrānti f.) = der Irrtum, der durch den Jiva entsteht; die falsche Identifikation mit dem Jiva
Der Ausdruck jivabhranti stammt aus dem Sanskrit und setzt sich aus zwei Wörtern zusammen: jiva (die individuelle Seele oder das lebendige Wesen) und bhranti (Irrtum, Täuschung oder Verblendung). Zusammengenommen bedeutet jivabhranti also die grundlegende Verwirrung oder der Irrtum, der die Seele betrifft – nämlich die falsche Identifikation mit dem vergänglichen Körper und dem begrenzten Verstand, statt mit dem wahren, unsterblichen Selbst (Atman).
In der indischen Spiritualität, besonders im Advaita Vedanta und im Yoga, gilt diese Täuschung als Ursache für Leid (duhkha) und die Bindung an den Kreislauf von Geburt und Tod (samsara). Der große Weise Shankara hat oft darauf hingewiesen, dass wir uns fälschlicherweise für den Körper, die Gedanken oder die Emotionen halten, obwohl wir in Wahrheit reines Bewusstsein (Brahman) sind.
Ein bekanntes Beispiel aus der Bhagavad Gita (Kap. 2, Vers 20) bringt es auf den Punkt: "Die Seele wird nie geboren und stirbt nie. Sie ist unvergänglich, ewig und uranfänglich. Sie wird nicht getötet, wenn der Körper getötet wird."
Wenn du im Yoga oder der Meditation übst, kannst du diese jivabhranti allmählich durchschauen. Indem du lernst, dich als das wahrnehmende Bewusstsein zu erkennen – nicht als die wechselnden Gedanken oder Empfindungen –, löst sich die Täuschung langsam auf. Das ist der Weg zur Befreiung (moksha).
Hast du schon mal Momente erlebt, in denen du dich weniger mit deinem Körper oder deinen Gedanken identifiziert hast? Das könnte ein kleiner Vorgeschmack auf die Freiheit jenseits von jivabhranti sein.