Hinduistische Gemeinde in Deutschland

Aus Yogawiki

Hinduistische Gemeinde in Deutschland bezeichnet eine hinduistische Religionsgemeinschaft mit Sitz in Hamm in Nordrhein-Westfalen. Sie ist eng mit dem Sri Kamadchi Ampal Tempel verbunden und besitzt seit 2017 den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts (K.d.ö.R.).

Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal während der Ganesha Chaturthi Puja bei Yoga Vidya am 14. September 2026.

Hinduistische Gemeinde in Deutschland – hinduistisches Leben in Deutschland

Entstehung der hinduistischen Gemeinde in Hamm

Die Geschichte der Hinduistischen Gemeinde in Deutschland ist eng mit der Entwicklung des hinduistischen Lebens in Hamm verbunden. Seit den 1980er Jahren kamen zahlreiche tamilische Hindus nach Deutschland, insbesondere aus Sri Lanka. Viele von ihnen hatten ihre Heimat infolge des Bürgerkriegs verlassen und bauten in Deutschland neue religiöse und soziale Strukturen auf.

Eine zentrale Persönlichkeit dieser Entwicklung in Hamm ist der tamilische Priester Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal, auch Arumugam Paskaran genannt. In Hamm entstand 1989 zunächst ein kleiner hinduistischer Gebets- und Andachtsraum. Mit der wachsenden Gemeinde wurden größere Räumlichkeiten erforderlich.

Aus diesen Anfängen entwickelte sich schließlich eine bedeutende hinduistische Tempelgemeinschaft. Seit den 1990er Jahren fanden auch größere hinduistische Feste und öffentliche Prozessionen statt. Damit wurde hinduistisches religiöses Leben zunehmend auch außerhalb der Gemeinde sichtbar.

Der Sri Kamadchi Ampal Tempel in Hamm

Das religiöse Zentrum der Gemeinde ist der Sri Kamadchi Ampal Tempel in Hamm-Uentrop. Der Tempel ist der Göttin Kamadchi gewidmet, einer Erscheinungsform der Göttlichen Mutter.

Nachdem die bisherigen Räumlichkeiten für die wachsende Gemeinde nicht mehr ausreichten, entstand in Hamm-Uentrop ein neuer Tempel. Die Grundsteinlegung erfolgte im Jahr 2000. Am 7. Juli 2002 wurde der Sri Kamadchi Ampal Tempel feierlich eingeweiht.

Der Tempel wurde im südindischen dravidischen Baustil errichtet. Sein weithin sichtbarer Gopuram, der reich verzierte Tempelturm über dem Eingangsbereich, prägt das Erscheinungsbild des Gebäudes. An der Gestaltung waren auch Tempelbauer und Künstler aus Indien beteiligt.

Der Tempel entwickelte sich zu einem wichtigen religiösen Zentrum für tamilische und andere Hindus aus Deutschland und weiteren europäischen Ländern. Gleichzeitig ist er ein Ort der Begegnung für Menschen unterschiedlicher religiöser und kultureller Herkunft.

Hinduistische Traditionen unter einem gemeinsamen Dach

Die Hinduistische Gemeinde in Deutschland versteht sich nicht ausschließlich als Vertretung einer einzelnen hinduistischen Tradition. Nach ihrem eigenen Selbstverständnis möchte sie Hindus unterschiedlicher religiöser Richtungen zusammenführen.

Dazu gehören insbesondere Traditionen des Vishnuismus, Shivaismus und Shaktismus. Diese Vielfalt entspricht einem wesentlichen Merkmal des Hinduismus, der keine einheitliche Glaubensrichtung mit einer zentralen religiösen Autorität darstellt, sondern zahlreiche Traditionen, philosophische Schulen, Gottesvorstellungen und Formen spiritueller Praxis umfasst.

Als verbindendes Prinzip nennt die Hinduistische Gemeinde unter anderem Dharma, die kosmische, ethische und religiöse Ordnung. Eine weitere gemeinsame Grundlage bildet die Vorstellung von Brahman, der höchsten Wirklichkeit, die allen Erscheinungsformen des Seins zugrunde liegt.

Zu den religiösen Grundlagen gehören die Veden und weitere Schriften und Überlieferungen des Hinduismus.

Der Weg zur Körperschaft des öffentlichen Rechts

Ein bedeutender Abschnitt in der Geschichte der Gemeinde begann im Sommer 2005. Der damalige Trägerverein, der Hindu Shankarar Sri Kamadchi Ampal Tempel e.V. (Europa), beantragte beim Land Nordrhein-Westfalen die Verleihung der Rechte einer Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Damit begann ein langjähriges Anerkennungsverfahren.

Das Land Nordrhein-Westfalen lehnte den Antrag im Jahr 2012 zunächst ab. Ein wesentlicher Streitpunkt war die Frage, ob die Religionsgemeinschaft nach ihrer Mitgliederzahl und ihrer organisatorischen Struktur die für eine Körperschaft des öffentlichen Rechts erforderliche Gewähr der Dauer biete.

Der Tempelverein akzeptierte diese Entscheidung nicht und beschritt den Rechtsweg.

Entscheidung des Verwaltungsgerichts Arnsberg

Im Juni 2013 entschied das Verwaltungsgericht Arnsberg zugunsten des hinduistischen Tempelvereins. Das Gericht verpflichtete das Land Nordrhein-Westfalen dazu, die Gemeinschaft als Körperschaft des öffentlichen Rechts anzuerkennen.

Dabei spielte unter anderem die dauerhafte Einbindung der Gemeinde in die hinduistische Religion sowie die Bedeutung des Tempels als überregionaler religiöser und spiritueller Mittelpunkt eine Rolle.

Das Verfahren war damit allerdings noch nicht unmittelbar beendet. Aufgrund rechtlicher und verfahrensrechtlicher Entwicklungen in Nordrhein-Westfalen dauerte es weitere Jahre, bis die Körperschaftsrechte tatsächlich verliehen wurden.

Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts 2017

Am 14. Februar 2017 erließ die Landesregierung Nordrhein-Westfalen schließlich die „Verordnung zur Verleihung der Rechte einer Körperschaft des öffentlichen Rechts an den Hindu Shankarar Sri Kamadchi Ampal Tempel e.V. (Europa) mit Sitz in Hamm-Uentrop“.

Die Verordnung wurde am 28. Februar 2017 im Gesetz- und Verordnungsblatt des Landes Nordrhein-Westfalen veröffentlicht und trat am 1. März 2017 in Kraft.

Damit erhielt die hinduistische Religionsgemeinschaft nach einem rund zwölfjährigen Verfahren den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Der Körperschaftsstatus ist eine besondere Form der rechtlichen Anerkennung von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften in Deutschland. Voraussetzung ist unter anderem, dass eine Religionsgemeinschaft durch ihre Verfassung und die Zahl ihrer Mitglieder die Gewähr der Dauer bietet.

Für die hinduistische Gemeinschaft in Hamm bedeutete die Verleihung daher nicht nur eine Veränderung ihrer Rechtsstellung. Sie dokumentierte zugleich die dauerhafte institutionelle Verankerung hinduistischen religiösen Lebens in Deutschland.

Vom Tempelverein zur Hinduistischen Gemeinde in Deutschland

Die heutige Bezeichnung entstand im Zusammenhang mit der neuen Rechtsstellung.

Am 24. Juni 2017 beschloss der Vorstand des bisherigen Hindu Shankarar Sri Kamadchi Ampal Tempel e.V. (Europa) die Umbenennung in „Hinduistische Gemeinde in Deutschland, K.d.ö.R.“. Die Namensänderung erfolgte rückwirkend zum 1. März 2017.

Die amtliche Bekanntmachung der Namensänderung erfolgte im Januar 2018 durch das Land Nordrhein-Westfalen.

Der neue Name verdeutlicht zugleich einen weiter gefassten Anspruch: Im Mittelpunkt steht nicht allein der Betrieb eines einzelnen Tempels, sondern die Organisation hinduistischen religiösen Lebens und die Vertretung hinduistischer Gläubiger.

Bedeutung des Körperschaftsstatus

Der Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts verleiht einer Religionsgemeinschaft besondere öffentlich-rechtliche Handlungsmöglichkeiten. Der Staat entscheidet damit jedoch nicht über die religiöse Wahrheit oder Bedeutung einer Glaubensgemeinschaft.

Die Körperschaftsrechte ermöglichen einer Religionsgemeinschaft unter anderem eine eigenständige Organisation im Rahmen des Religionsverfassungsrechts. Grundsätzlich können Körperschaften des öffentlichen Rechts beispielsweise eigene öffentlich-rechtliche Regelungen erlassen und unter bestimmten Voraussetzungen Kirchen- beziehungsweise Kultussteuern erheben.

Für den Hinduismus in Deutschland besitzt die Anerkennung darüber hinaus eine symbolische Bedeutung. Sie macht sichtbar, dass hinduistische Gemeinschaften inzwischen dauerhaft Bestandteil der religiösen Vielfalt Deutschlands sind.

Organisation der Hinduistischen Gemeinde

Die Hinduistische Gemeinde besitzt eine eigene Verfassung, in der ihre religiösen und organisatorischen Strukturen geregelt sind.

Eine wichtige Rolle spielt der Oberste Priester. Daneben besteht ein Oberster Priesterrat, dem auch Hauptpriester weiterer anerkannter hinduistischer Tempel angehören können.

Diese Organisationsform verbindet traditionelle hinduistische religiöse Autorität mit den rechtlichen Anforderungen einer in Deutschland organisierten Religionsgemeinschaft.

Die Verfassung regelt darüber hinaus unter anderem die Mitgliedschaft sowie Rechte und Pflichten der Mitglieder und weitere Organe der Körperschaft.

Religiöses Leben und Puja

Im Mittelpunkt des religiösen Lebens stehen Pujas, Tempelzeremonien, Gebete und hinduistische Feiertage. Im Sri Kamadchi Ampal Tempel werden täglich mehrere Pujas durchgeführt.

Die Verehrung der Göttin Kamadchi nimmt aufgrund der Geschichte und Tradition des Tempels einen besonderen Stellenwert ein. Zugleich finden Zeremonien für weitere hinduistische Gottheiten statt.

Zum religiösen Jahreslauf gehören zahlreiche hinduistische Feste und besondere Zeremonien. Diese verbinden religiöse Praxis, Gemeinschaft und die Weitergabe hinduistischer Traditionen an nachfolgende Generationen.

Das jährliche Tempelfest

Von besonderer Bedeutung ist das jährlich stattfindende Tempelfest des Sri Kamadchi Ampal Tempels. Es zieht Gläubige und Besucher aus Deutschland und anderen europäischen Ländern nach Hamm.

Ein Höhepunkt ist die öffentliche Prozession, bei der die Göttin Kamadchi in einem reich geschmückten Tempelwagen aus dem Tempel getragen beziehungsweise gefahren wird.

Solche Prozessionen besitzen in südindischen Tempeltraditionen eine lange Geschichte. Die Gottheit verlässt dabei symbolisch den Tempelraum und begegnet den Menschen außerhalb des Heiligtums.

Das Tempelfest ist damit sowohl ein religiöses Ereignis als auch ein sichtbarer Ausdruck hinduistischen Lebens in Deutschland.

Hinduismus als Teil der religiösen Vielfalt Deutschlands

Die Geschichte der Hinduistischen Gemeinde in Deutschland steht beispielhaft für die Entwicklung des Hinduismus in Deutschland.

Was zunächst in kleinen Gebetsräumen und Migrantengemeinschaften entstand, entwickelte sich über Jahrzehnte zu dauerhaften religiösen Institutionen. Tempel wurden gebaut, Gemeinden gegründet und hinduistische Feste wurden zunehmend öffentlich sichtbar.

Dabei ist der Hinduismus in Deutschland vielfältig. Neben tamilisch geprägten Tempelgemeinschaften bestehen Gemeinden und Organisationen mit indischen, nepalesischen, afghanischen, balinesischen und weiteren kulturellen Hintergründen. Hinzu kommen Menschen ohne südasiatische Herkunft, die sich hinduistischen Traditionen, Vedanta, Bhakti Yoga, Yoga oder anderen spirituellen Wegen verbunden fühlen.

Die Hinduistische Gemeinde in Deutschland ist somit Teil einer wesentlich größeren und vielfältigen hinduistischen Landschaft.

Interreligiöser Dialog und Begegnung

Ein weiteres Tätigkeitsfeld ist der interreligiöse Dialog. Der Sri Kamadchi Ampal Tempel wird nicht ausschließlich von Hindus besucht. Auch Schulklassen, religiöse Gemeinschaften und andere interessierte Gruppen lernen dort hinduistische Religion und Tempelkultur kennen.

Diese Begegnungen können dazu beitragen, Kenntnisse über den Hinduismus zu vermitteln und Vorurteile gegenüber anderen Religionen und Kulturen abzubauen.

Der Tempel ist damit zugleich ein Ort religiöser Praxis und ein Ort der Begegnung zwischen Menschen verschiedener Traditionen.

Das Kulturzentrum der Hinduistischen Gemeinde

Im Februar 2022 wurde in der Nähe des Tempels ein Kulturzentrum der Hinduistischen Gemeinde eingeweiht.

Das Zentrum ergänzt die religiösen Aufgaben des Tempels um Möglichkeiten für Bildung, Begegnung und gemeinschaftliche Veranstaltungen. Es verfügt unter anderem über Veranstaltungs- und Versammlungsräume, eine Bibliothek sowie Räume für Meditation und Gespräche.

Damit entstanden zusätzliche Möglichkeiten, Wissen über den Hinduismus weiterzugeben und den Austausch zwischen Hindus und Menschen anderer religiöser und kultureller Hintergründe zu fördern.

Bedeutung für den Hinduismus in Deutschland

Die Hinduistische Gemeinde in Deutschland verbindet mehrere Entwicklungen, die für die Geschichte des Hinduismus in Deutschland charakteristisch sind: Migration und religiöse Beheimatung, die Errichtung eigener Tempel, die Bewahrung traditioneller Rituale, die Weitergabe religiösen Wissens sowie die zunehmende gesellschaftliche und institutionelle Verankerung hinduistischen Lebens.

Der Weg von einem kleinen Gebetsraum in Hamm über den Bau des Sri Kamadchi Ampal Tempels bis zur Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts zeigt zugleich, wie sich eine zunächst von Migration geprägte religiöse Gemeinschaft dauerhaft in Deutschland etablieren konnte.

Mit dem K.d.ö.R.-Status erhielt diese Entwicklung 2017 auch eine besondere religionsrechtliche Anerkennung. Die Hinduistische Gemeinde in Deutschland ist damit ein sichtbares Beispiel dafür, dass Hinduismus heute zur religiösen Vielfalt Deutschlands gehört.

Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier 2026

Begegnung beim Großen Tempelfest 2026 in Hamm: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal und Sukadev Bretz am Sri Kamadchi Ampal Tempel.

Am 26. Juli 2026 besuchte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Große Tempelfest der Hinduistischen Gemeinde in Deutschland am Sri Kamadchi Ampal Tempel in Hamm-Uentrop. Tausende Gläubige aus Deutschland und anderen europäischen Ländern kamen zu den Feierlichkeiten und zur traditionellen Prozession.

In seiner Ansprache würdigte Steinmeier den Tempel als einen lebendigen Ort des religiösen Lebens in Deutschland und betonte die Zugehörigkeit der hinduistischen Religion zur religiösen Vielfalt des Landes. Der Besuch des Bundespräsidenten stellte damit zugleich eine öffentliche Würdigung des hinduistischen Lebens in Deutschland dar.

An dem Tempelfest nahm auch Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, teil. Die Begegnung von Vertretern der Hinduistischen Gemeinde und Yoga Vidya steht zugleich für die Vernetzung hinduistischer und yogischer Gemeinschaften in Deutschland.

Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier:

Verbindung zu Yoga Vidya und hinduistische Vernetzung

Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal führt das Ritual zur Einweihung des Sri Vidya Ganapati Mandapas bei Yoga Vidya im Jahr 2024 durch; im Hintergrund Sukadev Bretz.

Zwischen der Hinduistischen Gemeinde in Deutschland und Yoga Vidya bestehen seit mehreren Jahren Kontakte und gemeinsame religiöse Aktivitäten. Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal, Hauptpriester des Sri Kamadchi Ampal Tempels in Hamm, war wiederholt bei Yoga Vidya in Bad Meinberg zu Gast und leitete dort hinduistische Rituale. Auch bei der Einweihung des Sri Vidya Ganapati Mandapas im Jahr 2024 führte er die Einweihungs-Puja durch. Beteiligt waren neben Vertretern von Yoga Vidya auch Gopi Prasad vom Hindu Forum Germany sowie Vertreter weiterer hinduistischer Gemeinschaften.

Ein weiteres Beispiel dieser Zusammenarbeit war die Feier von Ganesha Chaturthi am 14. September 2026 bei Yoga Vidya in Bad Meinberg. Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal leitete die große Puja am Ganesha-Tempel gemeinsam mit Beteiligten aus verschiedenen hinduistischen Gemeinschaften; an der Feier wirkten unter anderem Sukadev Bretz und Gopi V. Prasad mit. Die Puja mit traditionellen Ritualen, Mantras, Gebeten und Opfergaben wurde aufgezeichnet und über den YouTube-Kanal von Yoga Vidya veröffentlicht. Solche gemeinsamen religiösen Feiern machen die Vernetzung hinduistischer Gemeinden und spiritueller Gemeinschaften in Deutschland auch praktisch erfahrbar.

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