Grundlagen des Yoga Unterrichtens

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Grundlagen des Yoga Unterrichtens: Was sind die wichtigsten Grundlagen des Unterrichtens von Yoga? Worin unterscheidet sich das Unterrichten insbesondere von Hatha Yoga von Sportunterricht oder Sprachunterricht? Wie kannst du als werdende Yogalehrerin deine Teilnehmerinnen in einer Yogastunde in tiefe Erfahrung führen?

Grundlagen des Yoga-Unterrichtens

  • Wie unterrichten wir bei Yoga-Vidya?
  • Was sind Grundlagen des Yogaunterrichts?
  • Was gilt es zu beachten?
  • Wie sehen wir überhaupt das Unterrichten einer Yogastunde?

Dies ist ein Vortrag der erstellt worden ist, als Teil des Begleitmaterials der Yogalehrer-Ausbildung.

Ich halte mich dabei etwas an unser Yoga-Vidya Lehrer/-Lehrerinnen Handbuch. In Kapitel 11 werden die Hatha-Yoga-Unterrichtstechniken beschrieben und darauf möchte ich etwas eingehen.

Grundlagen des Yoga

Im Yoga / in einer Yogastunde unterrichtet man natürlich erstmal Hatha-Yoga. Hatha-Yoga hat fünf Hauptpraktiken, die wir in einer Yogastunde einfließen lassen. Diese fünf Hauptpraktiken sind:

  • 1. Körperübungen
  • 2. Atemübungen
  • 3. Tiefenentspannung
  • 4. Ernährung
  • 5. Meditation / Positives Denken

Es war Swami Vishnudevananda der so den Yogaunterricht und den Hatha-Yogaunterricht praktisch in diese fünf Punkte zusammengefasst hat. Das Wort Yoga, wie du inzwischen sicherlich weißt, bedeutet Einheit und Harmonie; und im Yoga wollen wir unseren Teilnehmenden eine Erfahrung von Harmonie, von Verbindung, von Einheit vermitteln. Diese fünf Punkte:

  • 1. Richtige Körperübungen. Im Yoga sind das natürlich insbesondere Surya-Namaskar (Sonnengruß), Asanas (statisch gehaltene Stellungen), Karanas (Zwischenübungen, Aufwärm-/Auflockerungsübungen) usw.
  • 2. Richtige Atmung. Es gibt natürlich erstmal die Bauchatmung und die vollständige Yogaatmung, aber vor allem gibt es die Pranayamas, die Atemübungen.
  • 3. Richtige Entspannung. Savasana werden bei Yoga-Vidya die Anfangsentspannung und eine längere Endentspannung, die wir als Tiefenentspannung bezeichnen und zwischendurch Zwischenentspannung durchgeführt. In der gesamten Yogastunde gibt es eine Grundhaltung von Entspannung.
  • 4. Richtige Ernährung. Während einer Yogastunde essen wir natürlich nicht. Aber in den Yogakursen erwähnen wir auch manchmal die Notwendigkeit einer gesunden Ernährung. Das Interessante ist auch, dass Menschen die regelmäßig Hatha-Yoga üben, ganz von selbst auch zu einer gesünderen Ernährung hingeführt werden. Aber es ist auch eine gute Sache, wenn ein Yogalehrer oder eine Yogalehrerin das öfter mal anspricht. Wenn wir gesund sein wollen, uns gut fühlen wollen, ist es auch notwendig auf alkoholische Getränke und auf Rauchen zu verzichten. Wenn wir Gutes in der Welt bewirken wollen und harmonisch sein wollen, sollten wir auch keine anderen Wesen leiden lassen und auch niemanden töten, nur um zu essen. Insbesondere in einer Gegend der Welt, wo man sehr gut vegetarisch und vegan leben kann. Da brauchen wir nicht Leid für Tiere zu verursachen.
  • 5. Positives Denken und Meditation. In Yogastunden können wir auch Meditation gut einbauen. Zum einen gibt es meditative Momente während einer Yogastunde und man kann auch nach der Tiefenentspannung kurz meditieren. In der ganzen Yogastunde wollen wir positiv denken, positiv sprechen und unsere Teilnehmenden in einen positiven Gemütszustand bringen.

Wenn du also Yoga in der Yoga-Vidya-Tradition bzw. im Yoga-Vidya-Stil unterrichtest, dann behalte es irgendwo im Hinterkopf, dass du diese fünf Grundpraktiken oder diese fünf Techniken immer wieder einfließen lässt. Wenn dich Teilnehmende um Rat fragen, dann überlege auch, welche Körperübungen du empfehlen könntest, welche Atemübungen, welche Entspannung, welche Ratschläge zur Ernährung vielleicht hilfreich sind und ob es vielleicht auch einen Tipp gibt, wie Menschen etwas mehr ins Positive Denken hineinkommen oder vielleicht auch Meditation integrieren.

In einer Yogastunde geht es dann eben ganz praktisch zu. Ich habe auch schon einmal über die Yoga-Vidya Grundreihe gesprochen, die mit einer Anfangsentspannung beginnt. Eventuell kann vorher noch eine Begrüßung stattfinden. Dann Om und Mantra, dann die Atemübungen, die Aufwärmübungen, Surya-Namaskar und andere Karanas, die 12 Asanas, dann Om und Mantra und eventuell Meditation. Das ist so die Grundlage unseres Unterrichtens, die Yoga-Vidya Grundreihe, und über diese können wir variieren. Wir führen Anfänger dort schrittweise hin. Wir variieren, wenn Menschen körperliche oder psychische Besonderheiten haben. Wir können je nach Zielsetzung und Zielgruppe stark oder weniger stark modifizieren.

Aber wir haben eine Grundreihe, von der wir wissen, dass sie optimale Wirkungen für Körper, Energien, Psyche, geistige Fähigkeiten und auch spirituelle Erfahrungen gibt.

Um unseren Teilnehmenden eine tiefe Erfahrung von Harmonie und Einheit zu ermöglichen, ist es wichtig auch Yoga immer ganzheitlich zu unterrichten. Auch wenn man eine einzelne Übung in der Yogastunde unterrichtet, achten wir immer auf vier Dinge:

  • 1. Wir achten auf die körperliche Korrektheit einer Übung. Ich hatte zwar schon davon gesprochen, dass wir jetzt nicht glauben, dass es für jeden die allein seligmachende Variation gibt. Wir denken auch nicht, dass der Yogalehrer das immer wissen muss. Trotzdem wollen wir unsere Teilnehmende dazu bringen, die Übung körperlich korrekt zu machen, wie es für seinen / ihren Körper richtig ist.
  • 2. Eine körperliche und geistige Entspannung gilt als Grundeinstellung. In den Yoga-Vidya-Stunden sollten die Teilnehmenden loslassen und sie sollten wissen, dass Yoga kein Wettbewerb ist. Im Yoga gibt es auch keinen Zwang. Aber die Teilnehmenden können sich auch ruhig mal anstrengen. Trotzdem ist es so eine innere Haltung von Entspannung und Losgelassenheit. Also Yoga-Lehrender ist es eine deiner Aufgaben dafür zu sorgen, dass die Teilnehmenden in jeder Übung auch innerlich loslassen. Selbst wenn es mal ein langes Halten der Heuschrecke ist, auch dabei ist eine innere Einstellung des Spielerischen und des Loslassens wichtig.
  • 3. In jeder Stellung und in jeder Übung ist die bewusste Atmung wichtig. Bei Yoga-Vidya lehren wir, dass die tiefe Bauchatmung und die rhythmische Bauchatmung bei Asanas besonders wichtig sind. Die Fortgeschrittenen üben auch den vollständigen Yoga-Atem. Für Fortgeschrittene gibt es auch die Möglichkeiten spezielle Atemtechniken wie Kumbhaka, Ujjayi oder Energietechniken wie Khechari, Mulabhanda zu integrieren. Trotzdem geht es grundsätzlich bei Asanas darum, über eine rhythmische tiefe Bauchatmung eine stärkere Bewusstheit und auch einen Zustand der Konzentration zu schaffen und vor allem eine Wirkung auf das Prana. So achten wir in der Yogastunde immer darauf, dass bei allen Asanas und auch bei den Zwischenentspannungen die Atmung auch mit beachtet wird. Die Atmung ist geradezu ein Schlüssel, um zu tieferen Wirkungen zu kommen.
  • 4. Geistige Konzentration und Aufmerksamkeit. Wir geben unseren Teilnehmenden immer wieder Konzentrationshilfen. Wir wollen die Teilnehmenden immer wieder dazu bringen, bewusst im Hier und Jetzt zu sein. Wenn wir bei Wirkungen der Asanas zum Beispiel sprechen, machen wir das nicht als Werbeveranstaltung in einer Yogastunde, sondern auch als Konzentrationshilfe. Wenn du sagst: „Geh in die Vorwärtsbeuge.“ Die Teilnehmenden gehen in die Vorwärtsbeuge.

„Spüre die Rückseite deiner Beine. Die Vorwärtsbeuge hilft deine Beine flexibler zu machen.“ „Die Vorwärtsbeuge hilft die Wirbelsäule auseinanderzuziehen. Spüre wie dein Rücken lang wird.“ „Die Vorwärtsbeuge ist hervorragend für die Bauchorgane. Es ist eine gute Massage für die Bauchorgane. Atme jetzt tief ein und aus und spüre, wie sich die Bauchorgane in der Vorwärtsbeuge anfühlen.“ Bei einer Yoga-Vidya Yogastunde sind die Konzentrationshilfen ganz wichtig. Wir wollen alles dafür tun, damit die Teilnehmenden während der Yogastunde ganz im Hier und Jetzt sind. Das führt zu einer Tiefenerfahrung. Natürlich gilt auch, wenn Teilnehmende in der Yogastunde sind, dann sollten sie natürlich auch loslassen und Teilnehmende in der Yogastunde sollen bewusst sein. Aber du musst ihnen auch Zeit geben, bewusst sein zu können. Wenn du ansagst, lass auch immer Stille. Es gibt manchmal Teilnehmende, die können tatsächlich (während du etwas sagst) das spüren, was du sagst. Viele Teilnehmende können das spüren, was du sagst, erst nachdem du aufgehört hast zu sprechen. Wenn du also zum Beispiel sagst: „Konzentriere dich auf den Bauch und spüre, wie die rhythmische Bewegung des Bauches in der Atmung deine Bauchorgane massieren.“ Jetzt musst du schweigen. Jetzt musst du deinen Teilnehmenden die Möglichkeit geben, das zu spüren. Wenn du sagst: „Spüre, wie sich der Brustkorb öffnet (zum Beispiel im Fisch), fühle die Weite und spüre, wie du den Himmel mehr spürst.“ Jetzt musst du schweigen und die Teilnehmenden das spüren lassen.

So kommen also die vier Dinge alle zusammen während einer Yogastunde.

Noch ein paar Worte zu den allgemeinen Prinzipien des Lehrens von Yoga. Ich habe in einem vorherigen Vortrag über die 7 Yoga-Vidya Unterrichtsprinzipien gesprochen. Da ist das im Grunde genommen auch schon dabei gewesen. Ich möchte es aber nochmals beschreiben, denn so hat uns Swami Vishnu gerne vermittelt und auch eine Schülerin von Swami Vishnu hat gerne in Yogalehrer-Workshops, in dem Zentrum wo ich gelernt habe, auf diese Punkte immer wieder Wert gelegt.

Yoga ist eine Art Berufung. Es ist kein Beruf bzw. kein Job und Yoga zu lehren ist nun auch nicht so, wie Fähigkeiten zu lehren. Letztlich ist das Lehren von Yoga eine Einstellung zu haben, eine Einstellung des Instrumentes zu sein, sodass etwas durch dich fließen kann. Yoga zu Lehren heißt auch eine Einstellung bei den Schülern / bei den Teilnehmern zu ermöglichen, die eine innere Erfahrung von Einheit ermöglicht. Yoga heißt Einheit und wir wollen, dass unsere Teilnehmenden in einer Yogastunde diese Erfahrung der Einheit machen. Yoga heißt Harmonie und wir wollen alles tun, was wir beitragen können, dass Teilnehmende dieses tiefe Gefühl der Harmonie haben, eine innere Erfahrung machen. Wir können einiges dafür tun, aber wir können es nicht erzwingen. Es ist immer auch eine Gnade, wenn eine Yogastunde etwas ganz Besonderes ist. Du wirst Yogastunden haben, wo du rausgehst und du merkst, alle sind in einen heiligen Raum eingetreten. Es ist einfach eine tiefe spirituelle Erfahrung gewesen. Du wirst eine andere Yogastunde gegeben haben, wo es nicht so geflossen ist. So gilt es demütig zu sein. Du bist ein Instrument der göttlichen Energie.

Du bist aber nicht nur ein Instrument der göttlichen Energie, sondern du bist auch Teil der Guru Parampara. Guru Parampara heißt die Aufeinanderfolge von Lehrer und Schüler, es wird manchmal auch Guru Shishya Parampara genannt. Manchmal wird sie auch Sampradaya (gewisse Tradition) bezeichnet.

Mein Meister Swami Vishnudevananda hat darauf besonderen Wert gelegt. Zu der Zeit Anfang der 80er Jahre hat es ein bisschen mit Yogalehrer-Verbänden begonnen. Swami Vishnudevananda stand dem ziemlich kritisch gegenüber, weil er gemeint hat, dass man nicht durch Qualitätsrichtlinien, Ethikrichtlinien, Ausbildungsinhalten allein guten Yogaunterricht sicherstellen kann. Sondern durch einen Yogalehrenden strömt die Kraft des Sampradaya, die Guru Parampara Shakti, man könnte sagen die Unterrichtsenergie des Yoga. Das ist eben das, was Menschen berührt. Es ist das, was in einer Yogastunde auch Heilung bewirkt.

Daher: Wenn du Yoga unterrichtest, fühle dich als Teil dieser Tradition. Fühle dich als Instrument. Spüre, dass diese Unterrichtsenergie des Yoga letztlich vom Göttlichen selbst kommt und durch so viele Yogalehrenden hindurchströmt. Auch dein Ausbildungsleiter / deine Ausbildungsleiterin fühlt sich als Instrument. Du selbst kannst dich als Instrument fühlen. Dann spürst du, wie diese Kraft durch dich hindurchwirkt.

Es gibt vermutlich nichts, was das Gefühl von Karma-Yoga so sehr bewirken kann, wie wenn du eine Yogastunde gibst. Du spürst, dass das Göttliche durch dich wirkt und du lässt es durch dich hindurch wirken. Du fühlst diese Kraft, die in dich hineinströmt, durch dich hindurchwirkt.

Ein Yoga-Lehrender ist ein Übender und nicht einzig allein ein Ansagender. Vermutlich kannst du Wassergymnastik-Übungen ansagen, ohne regelmäßig Wassergymnastik zu machen. Vermutlich kannst du Fitnesskurse in einem Fitnesscenter geben, ohne täglich diese Übungen zu machen. Aber Hatha-Yoga unterrichten kannst du nur, wenn du auch Hatha-Yoga übst. Alles andere lässt es nicht so fließen.

Daher sei ein Übender, nicht einfach nur ein Ansagender. Sei kein Kassettenrecorder, der einfach nur etwas abspult. Praktiziere jeden Tag. Lass dich jeden Tag durch deine Übung selbst berühren. Mit deinem spirituellen Kern, mit der Energie der Meister, mit dem Segen Gottes. Das hilft dann auch, dass es durch dich strömt. Damit es durch dich strömt, übe jeden Tag Asanas, Pranayama, Meditation. Wenn du sagst, dass du keine Zeit für die Praxis hast, dann verzichte auf das Unterrichten. Ein Yogalehrender muss auch praktizieren.

Damit diese subtile Erfahrung durch die fließen kann, musst du auch sonst einen sattwigen Lebensstil haben, dich an die Grundlagen der yogischen Ethik halten und letztlich auch den yogischen Lebensstil haben und die grob-tamasigen Dinge wie Fleisch, Fisch, alkoholische Getränke, Rauchen und Bewusstseinsbenebelnde Substanzen weglassen. Halte ein sattwiges Leben; je sattwiger dein Leben, desto besser wird dein Yogaunterricht sein. Wenn du selbst Yogaunterricht nimmst, würde ich dir empfehlen einen Yogalehrer zu suchen, der selbst praktiziert und ein sattwiges Leben führt.

Natürlich ist Yoga auch als Sport ausgezeichnet, für die Entwicklung von Flexibilität, Muskelstärke, Kreislauf, innere Organe usw. Es mag Yogalehrende geben, die Yoga wie eine Art Sport und Fitnesstraining weitergeben. Dann müssen sie auch nicht so praktizieren und sie müssen sich auch nicht an die Yogasachen halten. Aber wir bei Yoga-Vidya wollen Yoga klassisch halten, als Mittel zur Harmonie, zur Einheit. Selbst wenn wir Teilnehmende haben, die nur kommen, um sich zu entspannen, um flexibler zu werden, um Rückenschmerzen loszuwerden, wollen wir ihnen die gesamte Yogaerfahrung ermöglich. Dazu wollen wir uns zum Instrument machen. So ist eine Yogastunde immer die Möglichkeit Teilnehmenden die Gelegenheit zu geben für Harmonie, für Ganzheit und letztlich die Sehnsucht der Seele nach Vollkommenheit zu spüren. Wenn du also Yoga unterrichtest, sei demütig, fühle dich als Instrument göttlicher Gnade. Yoga zu lehren bedeutet Voraussetzungen zu schaffen, damit die göttliche Energie fließen kann. Natürlich brauchst du auch Sensibilität, Kenntnisse bestimmter Methoden und das lernst du aber auch in der Yoga-Vidya Lehrerausbildung. Du lernst Ansagen, du bekommst Stimmtraining, du lernst welche Übungsreihenfolgen gut sind, du lernst über die physiologische und anatomische Wirkung von Übungen, du lernst wie die Reihen aufgebaut sind, du lernst wie du Hilfestellungen gibst und noch vieles weitere. Aber erinnere dich immer wieder daran: Das Yogalehren bedeutet Instrument zu werden; und eine Yogastunde geben zu können ist eine große Gnade, eine spirituelle Erfahrung für dich und deine Teilnehmenden.

Äußere Hilfen, um die richtige Atmosphäre einer Yogastunde zu schaffen Es gibt - neben der inneren Einstellung und der regelmäßigen Praxis - auch einige äußere Hilfen.

Die Kleidung Bei Yoga-Vidya nutzen wir die Kleidung, wie sie Swami Vishnudevananda empfohlen hat: weiße Hose und gelbes Hemd. Es ist auch ein gewisser Respekt vor dieser Tradition, dass wir sagen, wir tragen weiße Hosen und gelbe Hemden. Wir wollen den Lehren unserer Meister folgen. Wir wollen uns zum Instrument machen. Yoga ist auch etwas Individuelles, aber damit die reine Guru Parampara Shakti fließen kann, verzichte bei manchen Sachen auf zu viel eigene Individualität. Mach es doch einfach so, wie du es gelernt hast. Weiße Hose, gelbes Hemd – Individualität kannst du immer noch haben.

Es gibt vollkommen weiße Hemden, leicht weiße Hemden, Baumwolle, Stretch, T-Shirt, Sweatshirt, Poloshirt, indisches Shirt, Kurzärmeliges, Langärmeliges, es gibt maisgelb, zitronengelb, warmes gelb, kaltes gelb usw. Du hast also durchaus noch Möglichkeiten dich selbst zu entfalten und zu schauen, dass der Gelbton mit deiner Hautfarbe harmoniert usw.

Weiß und Gelb – diese Farben haben auch Symbolik. Weiß ist die Farbe der Reinheit. Du willst zu einem reinen Instrument sein. Gelb ist zum einen die Farbe des Lernens und des Lehrens und zum anderen ist es auch die Farbe der Sonne. Du möchtest, dass die Lichtkraft durch dich fließt. Auf eine gewisse Weise wirst du wie der Mond. Das Göttliche fließt in dich und du willst es weitergeben. Natürlich wissen dann auch deine Teilnehmenden, dass der Yogalehrer weiß-gelb trägt und dann in der Rolle des Yogalehrenden ist. Mein Tipp wäre auch, dass du nicht direkt nach der Yogastunde gleich deine Kleidung ausziehst. Solange du mit deinen Teilnehmenden bist, behalte weiß-gelb an, so bleibst du in der Rolle des Yogalehrenden / der Yogalehrenden. Wenn du dann die Yogakleidung ausziehst, so bist du dann in einer anderen Stimmung. Wenn du wieder zum Yogaunterricht gehst, den du selbst gibst, in dem Moment, in dem du weiß-gelb anziehst, weißt du, dass du in der Rolle des Yogalehrenden / der Yogalehrenden bist.

Sauberkeit Natürlich solltest du selbst eine gewisse Sauberkeit haben und auch der Raum, in dem du dich befindest, deine Kleidung, die Yogamatten usw.

Wie sind die Reihen der Matten in einer Yogastunde angeordnet? Wenn dort großes Durcheinander ist, führt das auch zu einem energetischen Durcheinander. Wenn es irgendwie geht, versuche die Reihen ordentlich und sauber hinlegen zu lassen. Es sollten auch keine Schuhe im Unterrichtsraum sein. Wenn du mal draußen auf der Wiese Yogaunterricht unterrichtest, versuche die Teilnehmer dazu zu motivieren, die Schuhe nicht neben die Matten zu setzen sondern weiter vorne.

Auch wenn Teilnehmende in der Natur meditieren, sollten die Schuhe ein bisschen weiter weg stehen, wenn es möglich ist.

Des Weiteren gehört in einen Yogaraum, wenn es möglich ist, ein Altar. Es gibt verschiedene Möglichkeiten einen Altar zu haben. Der einfachste Altar wäre einfach eine schöne Schale, vielleicht ein Messingteller oder eine andere schöne Schale, eine Kerze darauf, vielleicht irgendein Symbol. Wenn möglich auch noch deine Meister, zum Beispiel Swami Sivananda, Swami Vishnudevananda und eine Murti (eine Götterfigur). Das hat einen Einfluss auf dich, es hat einen Einfluss auf die Gruppe.

Angenommen du unterrichtest nicht immer am gleichen Ort, dann kannst du ja die Altargegenstände auspacken und hinstellen. Das macht etwas mit dir, das macht etwas mit dem Raum, das macht etwas mit deinen Teilnehmenden. Wenn du bei dir selbst unterrichtest, einfach einen Altar haben.

Jetzt habe keine Sorge, dass Teilnehmer denken, du bist irgendwie komisch. Wir sind ja jetzt im 21. Jahrhundert. Die Sparkassen machen Werbung mit indischen Bildern. In fast jeder Therme sind irgendwelche Buddhafiguren oder hinduistischen Figuren. Vor kurzem gab es beim Optikerladen irgendwelche Götter aus Thailand. In Fitnessstudios sind immer häufiger Buddhafiguren. Warum haben Yogalehrende heute Hemmungen Figuren ihrer eigenen Tradition hinzustellen? Die kommerziellen Menschen haben erkannt, dass die altindischen Götterfiguren eine Wirkung auf die Psyche haben. Deshalb hat der Optiker, deshalb haben es die Saunalandschaften und auch die Thermen; deshalb haben es die Fitnessstudios, deshalb wird damit geworben. Götterfiguren haben eine Wirkung auf die Psyche. Als Yogalehrender solltest du dir mindestens der Wirkung bewusst sein, wie die Werbefachleute. Natürlich machen wir das im Yoga nicht nur wegen der Werbung. Wir machen es aber wegen der Wirkung auf den Geist.

Daher, wenn du Yoga unterrichtest, hab keine Hemmungen. Stelle deine Murti auf, deinen Meister und eine Kerze. Es mag Situationen geben, wo das nicht möglich ist, z.B. du unterrichtest in einer christlichen Kirchengemeinde. Bevor du eine Murti von Shiva und ein Bild deines Meisters aufhängst oder hinstellst, frage ob es in Ordnung ist. Das gebietet dir die Höflichkeit. Es mag manche Volkshochschulen geben, die einen übermäßigen Wunsch haben nach weltanschaulicher Neutralität. Eventuell mag es in Schulen oder in einer Rehapraxis auch so sein. Selbst in den Zahnarztpraxen gibt es heute Buddhafiguren.

In den meisten Fällen kannst du etwas hinstellen. Du musst ja nicht gleich sagen, dass das die Bilder deiner Meister sind und du dich zum Instrument machen willst und du Gott in der Yogastunde dienen willst. Du könntest auch sagen, dass das einfach hilft und dass deine Teilnehmenden in die Schwingungen kommen und entspannen können. Wenn irgendwie möglich, schaffe einen Altar, vielleicht bzw. wenn möglich die Meister, vielleicht auch eine Kerze hinstellen. Wenn die Teilnehmenden kommen, vielleicht eine Duftlampe oder ein Räucherstäbchen (nicht zu viel, wir wollen nicht die Lungen reizen); eine sanfte Atmosphäre schaffen. Vielleicht meditative Musik, Mantra-CD vor der Yogastunde unter Beachtung der Gema-Richtlinien o.A. Spiele also das, wozu auch du das Recht hast, es zu spielen oder lass irgendein Yogavideo vor der Yogastunde abspielen. Da haben wir bei Yoga-Vidya auf unseren Internetseiten jede Menge auch Yogastunden, bei denen du auch den Ton ausschalten kannst und irgendwo an einer Wand sehen dann die Teilnehmenden Yogastunden, Yogaübungen o.A. Schaffe irgendwo eine Atmosphäre im Yogastudio, im Raum der Volkshochschule, im Fitnessstudio, bei dir zu Hause oder wo auch immer. Um die richtige Atmosphäre zu schaffen, dass die Teilnehmenden in einen Zustand der Offenheit kommen gibt es also einiges, was du äußerlich auch machen kannst. Wenn es dann natürlich in die Yogastunde selbst geht, verzichte nicht auf Om und das Mantra, sondern wiederhole das Om, wiederhole das Mantra und spätestens dann kommen du und deine Teilnehmer in diesen Spirit.

Eine weitere Hilfe, um in diesen Spirit zu kommen ist natürlich, dass du selbst vor der Yogastunde etwas tust. Du kannst zum Beispiel Asanas üben, Pranayama üben, Meditation üben. Wenn irgendwie möglich, gehe etwas früher in den Raum, in dem du unterrichtest. Wenn du die Rezeption nicht selbst machen musst, sammle dich. Wenn du die Rezeption machen musst, komme vielleicht etwas früher. Wenn das alles gar nicht geht, mindestens auf dem Weg zum Yoga-Raum hin, wiederhole ein Mantra oder sprich ein Gebet oder öffne dich. Spätestens zu Anfang der Yogastunde, wenn die Teilnehmenden sich hinlegen, öffne dich, bitte um Lichtsegen für dich und für deine Teilnehmer, mache dich zum Instrument, sprich ein Gebet, visualisiere, wiederhole ein Mantra, bitte die Meister, Meisterinnen zur Hilfe.

Yogamatten und Yogareihen

Wie kannst du die Yogamatten gut hinlegen lassen? Wie sind die Yogareihen gut, dass Prana (Lebensenergie) gut fließen will? Darüber möchte ich noch kurz sprechen. Grundsätzlich gibt es drei Weisen, wie Yogamatten gelegt werden oder wie sich Teilnehmende zu Beginn der Yogastunde hinlegen können. Am verbreitetsten ist vermutlich Weise, dass der Altar an der Kopfseite des Raumes ist, neben dem Altar sitzt oder steht der Yogalehrer / die Yogalehrerin (wenn er / sie nicht gerade durch die Reihe geht) und die Teilnehmenden liegen in zwei Reihen mit den Füßen zur Mitte des Raumes und Kopf in Richtung Wand. Das ist so die klassischste Weise, sich hinzulegen. Gerade in Räumen die mind. 5 m breit sind, so können eben zwei Reihen sein und die Füße können so zur Mitte zeigen. Beim Sonnengruß stehen alle vorne und schauen sich gegenseitig an. Der Yogalehrende sollte übrigens nicht mit dem Rücken zum Altar sitzen, weil das unhöflich dem Altar gegenüber ist und die Teilnehmenden können so den Altar nicht sehen. Also sollte der Yogalehrer leicht versetzt neben dem Altar sitzen. Auch wenn du stehst sollte vermieden werden, mit dem Rücken zum Altar zu stehen. Wenn das mal ein paar Sekunden ist, ist das kein Problem. Angenommen es sind sehr viele Teilnehmende da und du hast nur Platz vor dem Altar, dann wird Gott es dir vergeben. Wenn es aber irgendwie möglich ist, dann sollte der Rücken nicht zum Altar zeigen.

Es gibt übrigens andere Traditionen, die sagen, dass es nicht gut ist, wenn Menschen Füße zueinander zeigen und dann den Kopf in die Mitte geben und die Füße nach außen. Aber in unserer Tradition, wie es uns auch Swami Vishnudevananda gelehrt hat, Füße nach innen. Denn die Aufmerksamkeit des Geistes geht doch eher von den Ohren nach unten und vorne, als weg. So sieht man sich auch gegenseitig an, wenn man die Füße zueinander hat, wenn man sich aufsetzt. Wenn die Füße nach außen sind und man sich dann aufsetzt, dann zeigt man sich gegenseitig den Rücken und das ist dann auch nicht gut. Also in unserer Tradition ist im Liegen der Kopf außen und die Füße in der Mitte.

Man kann auch, wenn es mehr Teilnehmende sind und der Raum vielleicht ein bisschen breiter ist, auch in die Mitte noch Teilnehmende legen lassen.

Die zweite Weise, wie Teilnehmende liegen können und heute etwas Populärer wird, was aber einen größeren Raum erfordert und vielleicht kann man überlegen, wenn man mehr Teilnehmer hast, ob du das dann wieder aufgeben willst. Das ist dann die Kreisreihe oder auch elliptische Reihe. Auch hier ist wieder der Altar an der Kopfseite des Raumes und die Teilnehmenden liegen irgendwo kreisförmig oder ellipsenförmig. Dabei entsteht natürlich ein größerer Leerraum in der Mitte und am äußeren Ende der Matten ist mehr Platz. Da die Räume heutzutage meistens viereckig sind, entsteht dann natürlich auch ein großer Leerraum an den Ecken. Wenn du einen großen Raum und wenige Teilnehmer hast, dann kann das auch eine schöne Weise sein, dass Teilnehmer sich eben im Kreis oder in eine Ellipse legen.

Angenommen du legst die Teilnehmer bisher in eine Ellipse und du bekommst mehr Teilnehmende, dann solltest du Teilnehmende nicht ablehnen, weil sie nicht alle in die Kreisform gehen. Lass die Teilnehmenden dann in Reihen hinlegen. Statt zwei Reihen, kann man natürlich auch drei Reihen oder vier Reihen legen.

Das ist dann nicht nächste Möglichkeit. Der Altar ist hier auch wieder an der Kopfseite und die Teilnehmenden liegen dann Richtung Altar. Der Altar sollte nach Möglichkeit wieder mittig sein; der Yogalehrende sitzt oder steht neben dem Altar. Die anderen liegen so, dass der Kopf auf der einen Seite ist und die Füße Richtung Altar zeigen. Zwar ist das in Indien nicht ganz höflich und es gibt auch manche Inder, denen das unsympathisch ist, wenn es so gemacht ist. Aber gerade bei größeren Räumen ist es die beste Weise, weil dann auch Menschen, die weit hinten im Raum sind, zum Yogalehrer / zur Yogalehrerin einfach hinhören, spüren können und die Energie von dort konzentriert ist. Es gibt manchmal auch Räume, wo diese Art der Anordnung eben auch die Raum sparenste ist.

Also bei größeren Räumen kann diese Art hilfreich sein, bei kleineren Räumen ist die zweite Version angebracht; bei mittelgroßen Räumen können auch drei oder vier Reihen legen. Oder bei großen Räumen mit wenig Teilnehmenden geht es auch kreisförmig oder ellipsenförmig. Und bei allen Anordnungen kann dort eine gute Energie entstehen.

Mein Tipp wäre immer, lass alle Menschen teilnehmen, die teilnehmen wollen. Wenn mal jemand später kommt und sich erstmal ein bisschen schräg legen muss, damit er überhaupt erstmal reinkommen kann, dann lass ihn oder sie erstmal reinkommen. Später, wenn die Menschen sich zum Sonnengruß hinstellen, können alle die Matten nochmals anpassen.

Aber wenn Menschen in den Raum kommen und sie nicht gewohnt sind, zusammen zu üben und nicht wissen, wie die Matten sind, dann sorge du dafür, dass sich die Teilnehmenden die Matten richtig hinlegen. In den Yoga-Vidya Zentren vor dem Anfängerkurs machen wir es meistens so, dass wir selbst die Matten auslegen, sodass die Teilnehmenden dann schon wissen, was wir von ihnen erwarten. So machen wir es auch manchmal an Tagen der offenen Tür oder Yogakongressen, wo viele Menschen sind, die noch nie bei Yoga-Vidya waren. So wissen es alle und dann, wenn es Menschen gewohnt sind, dann können sie sich natürlich auch die Matte selbst hinlegen.

Soweit also die Grundlagen des Unterrichtens von Yoga, Grundlagen der Yoga-Vidya Hatha-Yoga Unterrichtstechniken. Ein Ausbau der sieben Yoga-Vidya Unterrichtsprinzipien.

Etwas Historisches: Das, was ich heute erzählt habe, das war das, was uns Swami Vishnu uns immer gelehrt hat. Daraus habe ich dann selbst die sieben Yoga-Vidya Unterrichtsprinzipien destilliert, um das in sieben klaren Sätzen zu sagen.

Am aller wichtigsten ist, dass du dich als Instrument fühlst. Lass es durch dich fließen. Tue alles, damit die Yoga-Teilnehmenden eine wunderschöne tiefe spirituelle Erfahrung in der Yogastunde haben. Sei aber demütig; über Demut kommst du besonders weit und es kann durch die hindurchfließen.

Das waren also einige Yoga-Vidya Unterrichtsprinzipien. Dies ist ein Vortrag aus der Reihe Yoga-Vidya Unterrichtstechniken, Yoga-Vidya Stil. Eine Reihe auch von Vorträgen, als Begleitmaterial der Yoga-Vidya Yogalehrer-Ausbildungen.

Grundlagen des Yoga Unterrichtens Video

Hier ein Vortrag zum Thema Grundlagen des Yoga Unterrichtens von und mit Sukadev Bretz aus der Reihe Yoga Vidya Schulung, Vorträge zum ganzheitlichen Yoga.

7 Yoga Vidya Unterrichtsprinzipien

Die sieben Yoga Vidya Unterrichtsprinzipien als wichtige Grundlagen des Hatha Yoga Unterrichtens:

Siehe auch

Literatur

Seminare

Yogalehrer Ausbildung

28.08.2020 - 06.09.2020 - Yogalehrer Ausbildung Intensivkurs Woche 4
Du möchtest auch Fortgeschrittene in Yoga unterrichten? In Woche 4 der Yogalehrer Ausbildung kannst du als angehender Yogalehrer auch lernen, wie man Meditationen anleitet und Hatha Yoga variiert.…
Jeannine Hofmeister,Adinath Zöller,Christian Bliedtner,
06.09.2020 - 11.09.2020 - Yogalehrer Ausbildung Intensivkurs Woche 1
Hier lernst du die Grundlagen, wie man als Yogalehrer Menschen in Yoga und Meditation unterrichtet. Woche 1 der 4-wöchigen Yogalehrer Ausbildung. Hier kannst du dann buchen, wenn du die Yogalehrer…
Chitra Kaspar,Christian Bliedtner,Sarada Drautzburg,