Chandi Navarna Japa mit sechsgliedrigem Nyasa

Aus Yogawiki

Chandi Navarna Japa mit sechsgliedrigem Nyasa verbindet den neunsilbigen Göttinnenmantra mit sechs Körperzuordnungen und den drei großen Meditationsgestalten des Devi Mahatmya. Die machtvollen Bilder führen zur Verehrung einer göttlichen Kraft, die Klarheit, Schutz und geistige Erneuerung eröffnet.

Kali und Shiva: Göttliche Kraft wird in verschiedenen Gestalten verehrt.

Umfang: Eine abgegrenzte innere Sitzung mit sechsgliedrigem Nyasa, drei Dhyana-Versen und 108 Mantra-Wiederholungen.

Anlass, Voraussetzungen und Material

Für in den Navarna-Mantra unterwiesene Praktizierende. Benötigt werden ein ruhiger Sitz, eine Mala oder Zählhilfe und etwa 20 bis 30 Minuten; ein Devi-Bild ist hilfreich.

Die Durga Puja und Durga Nityarchana Krama erschließen weitere Formen der Göttinnenverehrung. Im Devi Archanam steht die Darbringung mit göttlichen Namen im Mittelpunkt. Der hier beschriebene Ablauf ist in sich vollständig ausgeschrieben.

1. Sich der Göttin zuwenden

Setze dich ruhig vor ein Devi-Bild. Widme die Sitzung der Verehrung Chandis und einer klaren, mitfühlenden Lebensführung. Vergegenwärtige die drei in der Quelle verehrten Gestalten: Mahakali, Mahalakshmi und Mahasarasvati. Der Navarna-Mantra lautet hier ohne zusätzliches Om:

aiṃ hrīṃ klīṃ cāmuṇḍāyai vicce

Aim, Hrim und Klim sind die drei Bija-Silben. Chamundayai richtet die Anrufung an Chamunda; Vicce bildet den rituellen Schlusslaut dieser Formel. Für die Bijas und diesen Schlusslaut wird keine wörtliche Übersetzung angesetzt.

2. Den sechsgliedrigen Nyasa ausführen

Sprich jede Tabellenzeile einmal vollständig und führe die zugehörige Berührung aus. Die Schlusswörter sind rituelle Ausdrücke; ihre Funktionen sind in der letzten Spalte erläutert.

Körperweihung

Berühre die Körperstellen mit der rechten Hand. Für die schützende Hülle lege beide Hände bei gekreuzten Armen auf die Schultern. Führe beim Augen-Nyasa die Finger vor die beiden geschlossenen Augen und vor die Stirnmitte, ohne auf die Augen zu drücken. Das Astra wird mit einer ruhigen Bewegung der Hand nach außen verbunden. Diese Bewegungshinweise konkretisieren den Vollzug.

Handlung Vollständige Formel Bedeutung
Herzraum aiṃ hṛdayāya namaḥ Sprach- und Erkenntnis-Bija. Dem Herzen: Verehrung.
Scheitel hrīṃ śirase svāhā Shakti-Bija. Dem Haupt: Darbringung.
Hinterer Scheitel, Shikha-Stelle klīṃ śikhāyai vaṣaṭ Bija der sammelnden Anziehung. Der Shikha: rituelle Bekräftigung.
Hände bei gekreuzten Armen auf die gegenüberliegenden Schultern cāmuṇḍāyai kavacāya huṃ Der Göttin Chamunda. Der schützenden Hülle: Schutzbekräftigung.
Vor das rechte und linke Auge sowie die Stirnmitte vicce netratrayāya vauṣaṭ Ritueller Schlusslaut des Navarna-Mantras. Den drei Augen: Weihe und Bekräftigung.
Eine ruhige Handbewegung nach außen aiṃ hrīṃ klīṃ cāmuṇḍāyai vicce astrāya phaṭ Die vollständige Navarna-Formel. Der schützenden Kraft: Abgrenzung.

3. Die drei großen Göttinnengestalten betrachten

Rezitiere die drei Verse nacheinander oder lies sie langsam mit ihren Bedeutungen. Verweile nach jedem Bild einen Augenblick.

khaḍgaṃ cakragadeṣu cāpaparighāñ chūlaṃ bhuśuṇḍīṃ śiraḥ |
śaṅkhaṃ sandadhatīṃ karais trinayanāṃ sarvāṅgabhūṣāvṛtām |
yām astaut svapite harau kamalajo hantuṃ madhuṃ kaiṭabhaṃ |
nīlāśmadyutim āsyapādadaśakāṃ seve mahākālikām ||

Ich verehre Mahakali, die wie dunkler Edelstein leuchtet, zehn Gesichter und zehn Füße besitzt und dreiäugig ist. Schmuck umgibt ihren ganzen Leib. Ihre Hände tragen Schwert, Diskus, Keule, Pfeil, Bogen, Eisenstange, Dreizack, Bhushundi-Waffe, Haupt und Muschel. Sie pries der lotusgeborene Brahma, während Hari schlief, damit Madhu und Kaitabha überwunden würden.

akṣasrakparaśū gadeṣu kuliśaṃ padmaṃ dhanuḥ kuṇḍikāṃ |
daṇḍaṃ śaktim asiṃ ca carma jalajaṃ ghaṇṭāṃ surābhājanam |
śūlaṃ pāśasudarśane ca dadhatīṃ hastaiḥ pravālaprabhāṃ |
seve sairibhamardinīm iha mahālakṣmīṃ sarojasthitām ||

Ich verehre hier Mahalakshmi, die auf einem Lotus steht, im Glanz der Koralle leuchtet und den Büffeldämon bezwingt. In ihren Händen hält sie Gebetskette und Axt, Keule und Pfeil, Vajra, Lotus, Bogen, Wassergefäß, Stab, Speer, Schwert, Schild, Muschel, Glocke, ein Gefäß mit berauschendem Trank, Dreizack, Schlinge und Sudarshana-Diskus.

ghaṇṭāśūlahalāni śaṅkhamusale cakraṃ dhanuḥ sāyakaṃ |
hastābjair dadhatīṃ ghanāntavilasac chītāṃśutulyaprabhām |
gaurīdehasamudbhavāṃ trijagatām ādhārabhūtāṃ mahā |
pūrvām atra sarasvatīm anubhaje śumbhādidaityārdinīm ||

Ich verehre hier Mahasarasvati, die aus Gauris Leib hervorgegangen ist und die drei Welten trägt. Sie strahlt wie der Mond, der zwischen Wolken hervortritt. Ihre lotosgleichen Hände tragen Glocke, Dreizack, Pflug, Muschel, Keule, Diskus, Bogen und Pfeil. Sie bezwingt Shumbha und die anderen Dämonen.

Die Attribute werden innerlich betrachtet; Gegenstände oder Trankgaben aus den Bildern werden für diese Japa-Sitzung nicht benötigt. Biete der Göttin nun im Geist Duft, eine Blüte, Rauch, Licht und vegetarische Speise dar.

4. 108 Mantra-Wiederholungen

Rezitiere die folgende vollständige Formel 108-mal leise oder im Geist:

aiṃ hrīṃ klīṃ cāmuṇḍāyai vicce

Aim, Hrim, Klim – die drei Bija-Silben; der Chamunda gilt diese Anrufung mit dem rituellen Schlusslaut Vicce.

Eine ganze Formel zählt als eine Wiederholung. Bewege danach eine Zählperle der Mala weiter; die Meru-Perle zählt nicht mit. Bleibe bei natürlichem Atem. Die Zahl 108 begrenzt diese Sitzung und ist kein Ersatz für die größere Purashcharana der Quelle.

5. Die Rezitation darbringen

Vergegenwärtige die Frucht deiner Rezitation als Gabe in der linken Hand der Göttin. Sprich:

guhyātiguhyagoptrī tvaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam |
siddhir bhavatu me devi tvatprasādāt tvayi sthitiḥ ||

Du bist die Hüterin des Geheimsten. Nimm unsere Rezitation an. Durch deine Gnade möge mir Vollendung zuteilwerden: das Ruhen in dir.

Lege die Hände vor dem Herzen zusammen, neige den Kopf und verweile still. Lass die bildhafte Betrachtung im Herzen zur Ruhe kommen. Die Sitzung ist beendet.

Vertiefung

Yoga-Vidya-Vortrag über Japa als spirituelles Bad. Der Beitrag ergänzt die Anleitung; der konkrete Ritualablauf steht oben.

Siehe auch

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Quellen und redaktionelle Hinweise

Mantramahodadhi von Mahīdhara, Sanskrit-IAST-Projektfassung mit gesonderten Erläuterungen aus der Naukā. 18.105–110: Formel und Zuordnungen; 18.141–142: sechs Nyasa-Gruppen; 18.144–146: die drei vollständigen Dhyana-Verse. Der sechsgliedrige Nyasa nach 18.142 ist hier ausgewählt; die gesamte Folge der elf Nyasas wird nicht als verborgenes Erfordernis vorausgesetzt. Die Mantraform enthält kein zusätzliches Om. In den Meditationsversen sind Wortverbindungen zur Lesbarkeit getrennt.

Die begrenzte Sitzung mit 108 Wiederholungen ist eine redaktionelle Praxisform. Ihr allgemeiner Rahmen folgt Mantramahodadhi 21.166–170, besonders 21.169; die Japa-Darbringung folgt 22.151–152. Die weiblichen Formen goptrī und devi folgen der ausdrücklichen Anweisung im Brihat Tantrasara, allgemeine Paddhati, lokaler Vers 6. Die Gabe in die linke Hand der Göttin folgt der dortigen Shyama-Puja, lokaler Vers 76; in dieser inneren Sitzung wird sie vorgestellt. Sie ersetzt nicht die größere, im Gottheitenabschnitt beschriebene Purashcharana. Die hier ausgewählten Schritte sind vollständig ausgeschrieben; die äußeren Avarana-Pujas gehören nicht zu dieser inneren Sitzung.