Bala Nirguna Manasa Puja
Bala Nirguna Manasa Puja – der Göttin das eigene Handeln und die Sehnsucht nach Freiheit schenken: Die Bala Nirguna Manasa Puja führt die Verehrung von Bala Tripurasundari von vorgestellten Gaben zur Hingabe des ganzen Lebens. Die sechzehn Verse fragen, welchen Sitz die Allgegenwärtige und welches Licht die aus sich selbst Leuchtende noch benötigen. In ihrer Mitte steht die eigentliche Darbringung: Alles, was ich tue, möge dir zur Gabe werden. Den Abschluss bildet die Bitte, die eigene Natur als Glückseligkeit zu erkennen.
Die im Sammelwerk Bala Saparya überlieferte Nirguna Manasapuja gehört zur Göttinnenverehrung der Shri Vidya. Sie betrachtet Devi jenseits begrenzender Eigenschaften. Anders als eine bildhafte Saguna Manasapuja richtet sie die Aufmerksamkeit auf die Unbegrenztheit der Göttin und auf Selbsthingabe. Der Text nennt weder eine feste Uhrzeit noch einen Festtag. Die Betrachtung kann allein zu Hause vor der täglichen Tätigkeit oder zu ihrem Abschluss ausgeführt werden; ein Priester ist für diese Rezitation nicht vorgesehen.
Vorbereitung
Setze dich an einen ruhigen Platz. Ein Bild von Bala Tripurasundari kann beim Einstieg helfen; äußere Gaben sind nicht nötig. Nimm dir vor, die Verse als Meditation zu vollziehen. Diese Praxis enthält keine geheime Einweihungsformel und ersetzt keine durch einen Guru gelehrte ausführliche Shri Vidya Puja.
Durchführung
Lies oder rezitiere die sechzehn Verse einmal in der angegebenen Reihenfolge. Betrachte bei den Fragen jeweils die gewöhnliche Gabe und öffne dich dann für die unbegrenzte Gegenwart der Göttin. In Vers 9 bringe ausdrücklich dein heutiges Handeln dar. In den Schlussversen richte eine persönliche Bitte um innere Freiheit an sie.
1. Die Allgegenwärtige empfangen
Betrachte Avahana, Asana, Padya, Arghya und Achamana als Fragen an deine Vorstellung einer begrenzten Gottheit. Der „Feind des Madhu“ in Vers 3 ist Vishnu; Madhuparka bezeichnet die süße Willkommensgabe.
1
dhyāyāmi kathamiva tvāṃ dhīvartmavidūradivyamahimavatīm |
āvāhanaṃ vibhoste deveśi kathaṃ kutaḥ sthānāt || 1||
Wie könnte ich über dich meditieren, deren göttliche Größe dem Weg des Verstandes weit entrückt ist? Herrin der Götter, wie und von welchem Ort her ließe sich deine allgegenwärtige Wirklichkeit einladen?
2
kiyadāsanaṃ prakalpyaṃ kṛtāsanāyāśca sarvato'pi śive |
pādyaṃ kuto'rghyamapi vāpādyaṃ sarvatrapāṇipādāyāḥ || 2||
Welchen Sitz sollte ich dir bereiten, Glückverheißende, die überall ihren Sitz hat? Woher Fußwasser oder eine Ehrengabe für dich, deren Hände und Füße überall sind?
3
ācamanaṃ te syādapi bhagavati nanu sarvatomukhīnāyāḥ |
madhuparko vā kathamiha madhuvairiṇi darśitaprasādāyāḥ || 3||
Wie könnte die Mundreinigung für dich geschehen, Ehrwürdige, deren Gesichter überall sind? Wie wäre dir hier Madhuparka zu reichen, da du dem Feind des Madhu deine Gnade gezeigt hast?
2. Die Grenzen äußerer Gaben betrachten
Gehe Bad, Gewand, Schmuck, Duft, Blume, Weihrauch, Lampe und Speise innerlich durch. Die Fragen führen zur Einsicht, dass die Göttin durch diese Gaben nicht vervollständigt werden muss.
4
snānena kiṃ vidheyaṃ salilakṛteneha nityaśuddhāyāḥ |
vastreṇāpi na kāryaṃ kārpāsīyena hemavastrāyāḥ || 4||
Was soll ein Bad mit Wasser für die ewig Reine bewirken? Auch ein Baumwollgewand erfüllt keinen Zweck für dich, die du goldene Gewänder trägst.
5
haimairābharaṇairvā camatkṛtiḥ kā hiraṇyavarṇāyāḥ |
ratnācalavāsinyāḥ cintāmaṇigehagāyāste || 5||
Welches Staunen könnte goldener Schmuck bei der Goldfarbenen erregen? Du wohnst auf dem Berg der Edelsteine und im Haus des wunscherfüllenden Juwels.
6
gandhavatī hi tanuste gandhāḥ kiṃ neśi paunaruktyāya |
puṣkaraphaladānotkāṃ puṣkarakusumena pūjaye kiṃ tvām || 6||
Dein Leib ist bereits voller Duft. Herrin, wären weitere Düfte nicht eine Wiederholung? Soll ich dich, die du bereit bist, die Frucht des Lotus zu schenken, mit einer Lotusblüte verehren?
7
śamadhanamūladhanaṃ tvaṃ sakaleśvarī bhavasi dhūpitā kena |
dīpaḥ kathaṃ śikhāvān dīpyeta puraḥ svayamprakāśāyāḥ || 7||
Du bist der ursprüngliche Schatz jener, deren Reichtum innere Ruhe ist. Herrin von allem, womit könntest du beräuchert werden? Wie könnte eine flammende Lampe vor der aus sich selbst Leuchtenden scheinen?
8
amṛtātmakaṃ niveditamaśanaṃ kiṃ nāma nityatṛptāyāḥ |
tvayyāmreḍitametattāmbūlaṃ yadiha sumukharāgāyāḥ || 8||
Was könnte selbst eine nektargleiche Speise als Opfer für die ewig Erfüllte bedeuten? Das Betelangebot wäre eine Wiederholung für dich, deren schönes Antlitz schon von Röte erfüllt ist.
3. Das eigene Handeln darbringen
Nimm mit Vers 9 eine konkrete Tätigkeit des heutigen Tages in die Hingabe auf. Widme ihren Beginn, ihre Ausführung und ihr Ergebnis der Göttin. Betrachte anschließend auch Pushpanjali, Schirm, Wedel, Tanz, Musik, Pradakshina und Verneigung in ihrer unbegrenzten Gegenwart.
9
upahārībhūyādidamume'dya yanme viceṣṭitamaśeṣam |
nīrājayāmi vidyunnibhāṃ kathaṃ vā cidābhāsām || 9||
Uma, möge heute all mein Tun, ohne Ausnahme, zu einer Opfergabe werden. Wie könnte ich der blitzgleichen Erscheinung des Bewusstseins ein Licht schwingen?
10
puṣpāñjaliḥ kutaste mūlaprakṛtisvarūpāyāḥ |
chatraṃ nabho'tigāyāḥ cāmaramapyaviditaśramāyāste || 10||
Woher käme ein Blumenopfer für dich, deren Wesen die ursprüngliche Natur ist? Wozu ein Schirm für dich, die du den Raum übersteigst, und ein Wedel für dich, die Ermüdung nicht kennt?
11
nṛtyaṃ prathatāṃ kathamiva citraṃ bhāyānmahānaṭapuranghryāḥ |
gītaṃ kiṃ kalabhāṣaṇajitavāṇīmadhuravīṇāyāḥ || 11||
Wie könnte ein Tanz vor der Gefährtin des großen Tänzers als erstaunlich erscheinen? Was wäre ein Lied vor dir, deren zarte Rede den süßen Klang von Saraswatis Vina übertrifft?
12
vādyaṃ ḍamarubhṛdīśe vādayituṃ tava puro'sti kā śaktiḥ |
aparicchinnāyāste jagadīśvari kaḥ pradakṣiṇavidhirvā || 12||
Welche Fähigkeit habe ich, vor dir ein Instrument zu spielen, Herrin des Damaru-Trägers? Welche Umrundung wäre für dich, die Unbegrenzte, möglich, Herrin der Welt?
13
syuste namāṃsi kathamiva śaṅkari parito'pi vidyamānāyāḥ |
vācāmagocarīṃ tvāṃ vācaḥ prasaraiḥ prasādayeyaṃ vā || 13||
Wie könnten Verneigungen vor dir geschehen, Shankari, die du auf allen Seiten gegenwärtig bist? Könnte ich dich, die außerhalb der Reichweite der Worte liegt, durch einen Strom von Worten erfreuen?
4. Um Freiheit und Vergebung bitten
Sprich die letzten drei Verse als unmittelbares Gebet. Die erbetene Gabe ist das Erkennen der eigenen glückseligen Natur.
14
kasmai vacmi daśāṃ me kasyedṛgghṛdayamasti śaktirvā |
kasya balaṃ coddhartuṃ kleśāttvāmantarā dayāsindho || 14||
Wem soll ich meinen Zustand schildern? Wer hat ein solches Herz oder solche Kraft? Wer außer dir, Meer des Mitgefühls, vermag mich aus dem Leid zu erheben?
15
yāce nābhinavaṃ te candrāpīḍe madamba kiñcidapi |
mahyaṃ pradehi bhagavati madīyameva svarūpamānandam || 15||
Meine Mutter mit dem Mond als Kopfschmuck, ich bitte dich um nichts Neues. Schenke mir, Ehrwürdige, allein meine eigene Natur: Glückseligkeit.
16
bhagavati bālatayā vā'bhaktyā vāpyāpadākulitayā vā |
mohāviṣṭatayā vā māstu ca te manasi yadduruktaṃ me || 16||
Ehrwürdige, möge das, was ich aus Unreife, mangelnder Hingabe, Bedrängnis durch Not oder Verblendung schlecht ausgesprochen habe, nicht in deinem Herzen bleiben.
Abschluss und Vertiefung
Bleibe nach dem letzten Vers still und lasse die Bitte nachklingen. Eine Entlassung der Allgegenwärtigen ist in dieser Fassung nicht vorgesehen. Kehre zu der Tätigkeit zurück, die du ihr gewidmet hast. Die Hingabe des Handelns erhält damit eine konkrete Fortsetzung im Alltag.
Devanagari-Rezitation
Die folgende Fassung enthält sämtliche Verse der Durchführung.
ध्यायामि कथमिव त्वां धीवर्त्मविदूरदिव्यमहिमवतीम् ।
आवाहनं विभोस्ते देवेशि कथं कुतः स्थानात् ॥ १॥
कियदासनं प्रकल्प्यं कृतासनायाश्च सर्वतोऽपि शिवे ।
पाद्यं कुतोऽर्घ्यमपि वाऽऽपाद्यं सर्वत्रपाणिपादायाः ॥ २॥
आचमनं ते स्यादपि भगवति ननु सर्वतोमुखीनायाः ।
मधुपर्को वा कथमिह मधुवैरिणि दर्शितप्रसादायाः ॥ ३॥
स्नानेन किं विधेयं सलिलकृतेनेह नित्यशुद्धायाः ।
वस्त्रेणापि न कार्यं कार्पासीयेन हेमवस्त्रायाः ॥ ४॥
हैमैराभरणैर्वा चमत्कृतिः का हिरण्यवर्णायाः ।
रत्नाचलवासिन्याः चिन्तामणिगेहगायास्ते ॥ ५॥
गन्धवती हि तनुस्ते गन्धाः किं नेशि पौनरुक्त्याय ।
पुष्करफलदानोत्कां पुष्करकुसुमेन पूजये किं त्वाम् ॥ ६॥
शमधनमूलधनं त्वं सकलेश्वरी भवसि धूपिता केन ।
दीपः कथं शिखावान् दीप्येत पुरः स्वयम्प्रकाशायाः ॥ ७॥
अमृतात्मकं निवेदितमशनं किं नाम नित्यतृप्तायाः ।
त्वय्याम्रेडितमेतत्ताम्बूलं यदिह सुमुखरागायाः ॥ ८॥
उपहारीभूयादिदमुमेऽद्य यन्मे विचेष्टितमशेषम् ।
नीराजयामि विद्युन्निभां कथं वा चिदाभासाम् ॥ ९॥
पुष्पाञ्जलिः कुतस्ते मूलप्रकृतिस्वरूपायाः ।
छत्रं नभोऽतिगायाः चामरमप्यविदितश्रमायास्ते ॥ १०॥
नृत्यं प्रथतां कथमिव चित्रं भायान्महानटपुरन्घ्र्याः ।
गीतं किं कलभाषणजितवाणीमधुरवीणायाः ॥ ११॥
वाद्यं डमरुभृदीशे वादयितुं तव पुरोऽस्ति का शक्तिः ।
अपरिच्छिन्नायास्ते जगदीश्वरि कः प्रदक्षिणविधिर्वा ॥ १२॥
स्युस्ते नमांसि कथमिव शङ्करि परितोऽपि विद्यमानायाः ।
वाचामगोचरीं त्वां वाचः प्रसरैः प्रसादयेयं वा ॥ १३॥
कस्मै वच्मि दशां मे कस्येदृग्घृदयमस्ति शक्तिर्वा ।
कस्य बलं चोद्धर्तुं क्लेशात्त्वामन्तरा दयासिन्धो ॥ १४॥
याचे नाभिनवं ते चन्द्रापीडे मदम्ब किञ्चिदपि ।
मह्यं प्रदेहि भगवति मदीयमेव स्वरूपमानन्दम् ॥ १५॥
भगवति बालतया वाऽभक्त्या वाप्यापदाकुलितया वा ।
मोहाविष्टतया वा मास्तु च ते मनसि यद्दुरुक्तं मे ॥ १६॥
Quellen und verwandte Artikel
- Bala Saparya: Bala Nirguna Manasapuja Parabhavana Stotra, sämtliche 16 Verse; Sanskrit Documents.
- Shivananda Avadhuta: Shiva Manasika Puja Stotra, Vers 27; paralleler Wortlaut „kasyedṛgghṛdayam“ in der Fassung des Brihatstotraratnakara bei Wikisource.
- Deutsche Bedeutungen und praktische Erläuterungen nach dem Sanskrittext.
Siehe auch: Bala Tripurasundari, Shri Vidya, Manasapuja, Nirguna, Selbsthingabe.
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