Agni Sukta

Aus Yogawiki

Agni Sukta (Sanskrit: अग्निसूक्तम्, IAST: agnisūktam, n.) – die erste Hymne des Rigveda und ein Lob des heiligen Feuers. Agni ist hier Priester und Gast zugleich. Wer die neun Verse bei einer Homa hört, kann verfolgen, wie aus dem feierlichen Lob am Ende eine vertraute Bitte wird: Sei uns nahe wie ein Vater seinem Kind.

Agni, das göttliche Feuer: Die Hymne verbindet Anrufung und Darbringung.

Mit einer Anrufung Agnis beginnt der Rigveda. Agni ist das göttliche Feuer. Er trägt die Gaben der Menschen zu den Devas und lädt die Devas zum Yajna, zur heiligen Opferhandlung, ein. Die Rishis, die Seher der Veden, verehren ihn als Priester und Hüter der göttlichen Ordnung. Bei einer Homa, einem Feuerritual, wird diese Beziehung erfahrbar: Wir geben etwas in das Feuer und bringen dabei unsere Hingabe dar. Die Hymne bittet um Gedeihen, göttlichen Beistand und Nähe. Ihr letzter Vers spricht Agni mit der Vertrautheit an, mit der sich ein Kind an seinen Vater wendet.

Herkunft und Verwendung

Rigveda, Mandala 1, Sukta 1, Verse 1–9: RV 1.1.1–9.

Vollständiger Sanskrittext in IAST

oṃ agnim īḷe purohitaṃ yajñasya devam ṛtvijam |
hotāraṃ ratnadhātamam || 1 ||

agniḥ pūrvebhir ṛṣibhir īḍyo nūtanair uta |
sa devāṃ eha vakṣati || 2 ||

agninā rayim aśnavat poṣam eva dive-dive |
yaśasaṃ vīravattamam || 3 ||

agne yaṃ yajñam adhvaraṃ viśvataḥ paribhūr asi |
sa id deveṣu gacchati || 4 ||

agnir hotā kavikratuḥ satyaś citraśravastamaḥ |
devo devebhir ā gamat || 5 ||

yad aṅga dāśuṣe tvam agne bhadraṃ kariṣyasi |
tavet tat satyam aṅgiraḥ || 6 ||

upa tvāgne dive-dive doṣāvastar dhiyā vayam |
namo bharanta emasi || 7 ||

rājantam adhvarāṇāṃ gopām ṛtasya dīdivim |
vardhamānaṃ sve dame || 8 ||

sa naḥ piteva sūnave 'gne sūpāyano bhava |
sacasvā naḥ svastaye || 9 ||

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Vollständige deutsche Übersetzung

Om.

1 Ich preise Agni, den vorangestellten Priester, den göttlichen Vollzieher des Yajna zur rechten Zeit, den Hotri, der die Devas anruft, den reichsten Spender kostbarer Gaben.

2 Agni ist des Lobes würdig: Die Rishis der Vorzeit haben ihn gepriesen, und ebenso preisen ihn die heutigen. Er möge die Devas hierherführen.

3 Durch Agni erlangen wir Reichtum und Gedeihen, das Tag für Tag zunimmt, Fülle, die Ruhm verleiht und reich an Helden ist.

4 O Agni, das Yajna, das du von allen Seiten umgibst und behütest, gelangt wahrhaft zu den Devas.

5 Agni, der anrufende Priester, dessen Wille die Weisheit eines Sehers trägt, der Wahrhaftige, von herrlichem Ruhm: Er, der Deva, möge mit den Devas zu uns kommen.

6 O Agni, was du dem Menschen Gutes erweist, der dir seine Gabe darbringt, das ist wahrhaft dein Wesen, o Angiras.

7 Tag für Tag kommen wir zu dir, Agni, am Abend und am Morgen. Mit gesammeltem Geist nahen wir uns dir und bringen dir unsere Verehrung dar.

8 Dir, der du über die Yajnas herrschst, leuchtender Hüter des Rita, der kosmischen Ordnung, der du in deiner eigenen Wohnstatt immer stärker erstrahlst.

9 Wie ein Vater seinem Sohn, so sei du uns leicht zugänglich, Agni. Bleibe an unserer Seite zu unserem Heil.

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Vollständiger Sanskrittext in Devanagari

ॐ अग्निम् ईळे पुरोहितं यज्ञस्य देवम् ऋत्विजम् ।
होतारं रत्नधातमम् ॥ १ ॥

अग्निः पूर्वेभिर् ऋषिभिर् ईड्यो नूतनैर् उत ।
स देवां एह वक्षति ॥ २ ॥

अग्निना रयिम् अश्नवत् पोषम् एव दिवे-दिवे ।
यशसं वीरवत्तमम् ॥ ३ ॥

अग्ने यं यज्ञम् अध्वरं विश्वतः परिभूर् असि ।
स इद् देवेषु गच्छति ॥ ४ ॥

अग्निर् होता कविक्रतुः सत्यश् चित्रश्रवस्तमः ।
देवो देवेभिर् आ गमत् ॥ ५ ॥

यद् अङ्ग दाशुषे त्वम् अग्ने भद्रं करिष्यसि ।
तवेत् तत् सत्यम् अङ्गिरः ॥ ६ ॥

उप त्वाग्ने दिवे-दिवे दोषावस्तर् धिया वयम् ।
नमो भरन्त एमसि ॥ ७ ॥

राजन्तम् अध्वराणां गोपाम् ऋतस्य दीदिविम् ।
वर्धमानं स्वे दमे ॥ ८ ॥

स नः पितेव सूनवे ऽग्ने सूपायनो भव ।
सचस्वा नः स्वस्तये ॥ ९ ॥

ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

Vertiefende Erläuterungen

Rigveda-Handschrift: Bildbeispiel vedischer Textüberlieferung; ein Beispiel für die handschriftliche Überlieferung.

Wenn du an einer Homa teilnimmst, kannst du mit jeder Gabe auch etwas innerlich darbringen: eine Sorge, einen Wunsch, den Dank für eine Erfahrung. Das Feuer nimmt die Gabe auf. Die Hymne sieht darin eine Verbindung zwischen Mensch und Deva.

Agni ist auch ein Name für das innere Feuer. Für unsere Sadhana, die spirituelle Praxis, brauchen wir Begeisterung und Ausdauer. Beides wächst durch regelmäßige Übung. Der siebte Vers nennt dafür Abend und Morgen. Eine feste Zeit hilft dir, deine Ausrichtung zu bewahren.

Die Rishis bitten um Wohlstand und starke Nachkommen. Auch unsere alltäglichen Bedürfnisse dürfen wir Gott anvertrauen. Am Ende der Hymne wird die Bitte sehr einfach: Sei mir nahe. Begleite mich. Aus dieser Beziehung kann Bhakti, liebende Hingabe, wachsen.

Video zur Vertiefung

Agni - Feuer, Feuergott, Verdauungsfeuer - Yoga Vidya Sanskrit Lexikon

Anregungen für die eigene Praxis

Swami Sivananda mit einer Mala: Rezitation, Sammlung und Hingabe können einander vertiefen.
  1. Bereite vor der Rezitation einen sauberen, ruhigen Platz und richte deine Aufmerksamkeit auf Agni als den im Text angerufenen göttlichen Gast.
  2. Lies eine Bitte um Beistand zunächst auf Deutsch; sprich danach den zugehörigen Sanskritabschnitt aufmerksam.
  3. Betrachte das Darbringen: Welche Sorge, welchen Dank oder welche Aufgabe möchtest du heute Gott anvertrauen?
  4. Setze deine Hingabe in einer sorgfältig ausgeführten Arbeit für andere um. Das ist eine heutige Anwendung im Karma Yoga.
  5. Schließe mit einem stillen Dank. Bei einer Homa folge für den tatsächlichen Ritualablauf der Anleitung der leitenden Person.

Video zur begleitenden Praxis und Auslegung

Homa - Feuerritual - Sanskrit Lexikon

Abschließende Worte

Am Ende der Hymne steht kein großer Wunsch, sondern die Bitte um Nähe. Lass diesen letzten Vers noch einen Augenblick bei dir bleiben.

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Sukadev Bretz (Hrsg.): Veden – Offenbarungen der Rishis. Hymnen zur Rezitation, Übersetzungen, Erläuterungen. Yoga Vidya Verlag, Bad Meinberg. Abschnitt „Agni Sukta“.
  • Hymnen aus den Veden, Rezitationssammlung, Nr. 2: „Agni Sūktam“.
  • Rigveda, Mandala 1, Sukta 1, Verse 1–9: RV 1.1.1–9.

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