Brahmacharya Sukta

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Brahmacharya Sukta (Sanskrit: ब्रह्मचर्यसूक्तम्, IAST: brahmacaryasūktam, n.) – eine Hymne des Atharvaveda (11.5) an die Kraft des heiligen Lernens. Der Brahmachari bringt Brennholz zum Lehrer; im Bild des Hymnus trägt sein Tapas Himmel und Erde. Wer Brahmacharya aus dem Yoga kennt, begegnet hier seiner älteren Bedeutung als geweihte Schülerschaft.

Saraswati – ein Bild der Weisheit und der Fähigkeit zu lernen.

Der Brahmachari ist der Schüler, der sein Leben dem heiligen Lernen widmet. Diese Hymne schildert seine Weihe, sein Tapas und seine Verbindung zum Guru. Dabei wächst seine Gestalt ins Kosmische: Seine Hingabe trägt Himmel und Erde. Für Yoga Vedanta erschließt der Text Brahmacharya als eine Lebensführung, die unsere Kräfte sammelt und auf die Erfahrung des Göttlichen ausrichtet.

Herkunft und Verwendung

Atharvaveda, Shaunaka-Samhita 11.5.1–26.

Brahmacharya bezeichnet hier besonders die geweihte vedische Schülerschaft und ihr Tapas. Das spätere yogische Verständnis von Selbstführung und sexuellem Maßhalten ist ein weiterer Deutungsrahmen, der den alten Schul- und Ritualzusammenhang nicht ersetzen soll.

Vollständiger Sanskrittext in IAST

oṃ brahmacārīṣṇaṃś carati rodasī ubhe tasmin devāḥ saṃmanaso bhavanti |
sa dādhāra pṛthivīṃ divaṃ ca sa ācāryaṃ tapasā piparti || 1 ||

brahmacāriṇaṃ pitaro devajanāḥ pṛthag devā anusaṃyanti sarve |
gandharvā enam anv āyan trayastriṃśat triśatāḥ ṣaṭsahasrāḥ sarvānt sa devāṃs tapasā piparti || 2 ||

ācārya upanayamāno brahmacāriṇaṃ kṛṇute garbham antaḥ |
taṃ rātrīs tisra udare bibharti taṃ jātaṃ draṣṭum abhisaṃyanti devāḥ || 3 ||

iyaṃ samit pṛthivī dyaur dvitīyotāntarikṣaṃ samidhā pṛṇāti |
brahmacārī samidhā mekhalayā śrameṇa lokāṃs tapasā piparti || 4 ||

pūrvo jāto brahmaṇo brahmacārī gharmaṃ vasānas tapasod atiṣṭhat |
tasmāj jātaṃ brāhmaṇaṃ brahma jyeṣṭhaṃ devāś ca sarve amṛtena sākam || 5 ||

brahmacāry eti samidhā samiddhaḥ kārṣṇaṃ vasāno dīkṣito dīrghaśmaśruḥ |
sa sadya eti pūrvasmād uttaraṃ samudraṃ lokānt saṃgṛbhya muhur ācarikrat || 6 ||

brahmacārī janayan brahmāpo lokaṃ prajāpatiṃ parameṣṭhinaṃ virājam |
garbho bhūtvāmṛtasya yonāv indro ha bhūtvāsurāṃs tatarha || 7 ||

ācāryas tatakṣa nabhasī ubhe ime urvī gambhīre pṛthivīṃ divaṃ ca |
te rakṣati tapasā brahmacārī tasmin devāḥ saṃmanaso bhavanti || 8 ||

imāṃ bhūmiṃ pṛthivīṃ brahmacārī bhikṣām ā jabhāra prathamo divaṃ ca |
te kṛtvā samidhāv upāste tayor ārpitā bhuvanāni viśvā || 9 ||

arvāg anyaḥ paro anyo divas pṛṣṭhād guhā nidhī nihitau brāhmaṇasya |
tau rakṣati tapasā brahmacārī tat kevalaṃ kṛṇute brahma vidvān || 10 ||

arvāg anya ito anyaḥ pṛthivyā agnī sameto nabhasī antareme |
tayoḥ śrayante raśmayo 'dhi dṛḍhās tān ā tiṣṭhati tapasā brahmacārī || 11 ||

abhikrandan stanayann aruṇaḥ śitiṅgo bṛhac chepo 'nu bhūmau jabhāra |
brahmacārī siñcati sānau retaḥ pṛthivyāṃ tena jīvanti pradiśaś catasraḥ || 12 ||

agnau sūrye candramasi mātariśvan brahmacāry apsu samidham ā dadhāti |
tāsām arcīṃṣi pṛthag abhre caranti tāsām ājyaṃ puruṣo varṣam āpaḥ || 13 ||

ācāryo mṛtyur varuṇaḥ soma oṣadhayaḥ payaḥ |
jīmūtā āsant satvānas tair idaṃ svar ābhṛtam || 14 ||

amā ghṛtaṃ kṛṇute kevalam ācāryo bhūtvā varuṇaḥ |
yadyad aicchat prajāpatau tad brahmacārī prāyacchat svān mitro adhy ātmanaḥ || 15 ||

ācāryo brahmacārī brahmacārī prajāpatiḥ |
prajāpatir vi rājati virāḍ indro 'bhavad vaśī || 16 ||

brahmacaryeṇa tapasā rājā rāṣṭraṃ vi rakṣati |
ācāryo brahmacaryeṇa brahmacāriṇam icchate || 17 ||

brahmacaryeṇa kanyā yuvānaṃ vindate patim |
anaḍvān brahmacaryeṇāśvo ghāsaṃ jigīṣati || 18 ||

brahmacaryeṇa tapasā devā mṛtyum apāghnata |
indro ha brahmacaryeṇa devebhyaḥ svar ābharat || 19 ||

oṣadhayo bhūtabhavyam ahorātre vanaspatiḥ |
saṃvatsaraḥ saha ṛtubhis te jātā brahmacāriṇaḥ || 20 ||

pārthivā divyāḥ paśava āraṇyā grāmyāś ca ye |
apakṣāḥ pakṣiṇaś ca ye te jātā brahmacāriṇaḥ || 21 ||

pṛthak sarve prājāpatyāḥ prāṇān ātmasu bibhrati |
tānt sarvān brahma rakṣati brahmacāriṇy ābhṛtam || 22 ||

devānām etat pariṣūtam anabhyārūḍhaṃ carati rocamānam |
tasmāj jātaṃ brāhmaṇaṃ brahma jyeṣṭhaṃ devāś ca sarve amṛtena sākam || 23 ||

brahmacārī brahma bhrājad bibharti tasmin devā adhi viśve samotāḥ |
prāṇāpānau janayann ād vyānaṃ vācaṃ mano hṛdayaṃ brahma medhām || 24 ||

cakṣuḥ śrotraṃ yaśo asmāsu dhehy annaṃ reto lohitam udaram || 25 ||

tāni kalpan brahmacārī salilasya pṛṣṭhe tapo 'tiṣṭhat tapyamānaḥ samudre |
sa snāto babhruḥ piṅgalaḥ pṛthivyāṃ bahu rocate || 26 ||

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Vollständige deutsche Übersetzung

Weihe und heiliges Lernen · Verse 1–9

Om.

1 Der Brahmachari geht dahin und belebt Himmel und Erde. In ihm werden die Devas eines Sinnes. Er trägt die Erde und den Himmel; durch sein Tapas erfüllt er den Lehrer mit Kraft.

2 Die Ahnen, die göttlichen Scharen und alle Devas folgen dem Brahmachari, jeder auf seine Weise. Die Gandharvas folgen ihm: dreiunddreißig, dreihundert, sechstausend. Alle diese Devas erfüllt er durch sein Tapas mit Kraft.

3 Wenn der Lehrer den Brahmachari zur Einweihung heranführt, nimmt er ihn wie einen Embryo in sein Inneres auf. Drei Nächte trägt er ihn in seinem Leib. Ist er geboren, kommen die Devas zusammen, um ihn zu schauen.

4 Diese Erde ist sein erstes Brennholz, der Himmel das zweite. Mit seinem Brennholz erfüllt er auch den Luftraum. Durch Brennholz, Gürtel, Anstrengung und Tapas erfüllt der Brahmachari die Welten mit Kraft.

5 Noch vor Brahman geboren, erhob sich der Brahmachari durch Tapas, in glühende Hitze gekleidet. Aus ihm entstanden das heilige Brahman-Wissen, das älteste Brahman und alle Devas zusammen mit der Unsterblichkeit.

6 Vom Brennholz entflammt geht der Brahmachari dahin, in ein schwarzes Antilopenfell gekleidet, geweiht, mit langem Bart. Sogleich geht er vom östlichen zum nördlichen Ozean. Die Welten umfassend, formt er sie stets aufs Neue.

7 Der Brahmachari bringt Brahman hervor, die Wasser und die Welt, Prajapati, Parameshthin und Viraj. Er wird zum Embryo im Schoß der Unsterblichkeit. Als Indra zerschlägt er die Asuras.

8 Der Lehrer formte diese beiden weiten, tiefen Hüllen: die Erde und den Himmel. Der Brahmachari behütet sie durch Tapas. In ihm werden die Devas eines Sinnes.

9 Als Erster brachte der Brahmachari diese weite Erde und den Himmel als Almosengabe herbei. Er macht sie zu seinen beiden Brennhölzern und verehrt sie. In ihnen ruhen alle Welten.

Die schöpferische Kraft des Tapas · Verse 10–16

10 Zwei Schätze des heiligen Wissens sind im Verborgenen niedergelegt: der eine diesseits, der andere jenseits des Himmelsrückens. Der Brahmachari behütet sie durch Tapas. Wer Brahman kennt, macht dieses Wissen zu einem Ganzen.

11 Zwei Feuer begegnen einander zwischen diesen beiden Welthüllen: das eine von dort her, das andere von hier, von der Erde. In ihnen ruhen die fest gegründeten Strahlen. Auf ihnen steht der Brahmachari durch sein Tapas.

12 Brüllend, donnernd, rot und weißlich schimmernd, senkt er sein großes Zeugungsglied in die Erde. Der Brahmachari gießt seinen Samen auf die Höhe der Erde. Davon leben die vier Himmelsrichtungen.

13 In Agni, Surya und Chandra, in Matarishvan und in die Wasser legt der Brahmachari sein Brennholz. Ihre Flammen ziehen einzeln in der Wolke dahin. Ihr Ghee ist der Purusha, der Regen, die Wasser.

14 Der Lehrer ist der Tod, Varuna, Soma, die Heilkräuter und die Milch. Die Gewitterwolken sind zu kraftvollen Kämpfern geworden. Durch sie wurde dieses Himmelslicht herbeigebracht.

15 Varuna ist zum Lehrer geworden und bereitet in seinem Haus das Ghee in seiner ganzen Fülle. Was immer er bei Prajapati begehrte, das gewährte der Brahmachari als Mitra aus seinem eigenen Selbst.

16 Der Lehrer ist der Brahmachari. Der Brahmachari ist Prajapati. Prajapati leuchtet als Viraj. Viraj wurde zu Indra, dem Herrscher.

Brahmacharya als tragende Lebenskraft · Verse 17–26

17 Durch Brahmacharya und Tapas schützt der König sein Reich. Durch Brahmacharya sucht der Lehrer einen Brahmachari als Schüler.

18 Durch Brahmacharya findet das Mädchen einen jungen Mann als Gatten. Durch Brahmacharya streben der Zugochse und das Pferd danach, ihre Nahrung zu gewinnen.

19 Durch Brahmacharya und Tapas überwanden die Devas den Tod. Durch Brahmacharya brachte Indra den Devas das Himmelslicht.

20 Die Heilkräuter, das Gewesene und das Künftige, Tag und Nacht, der Baum, das Jahr mit seinen Jahreszeiten: Sie sind aus dem Brahmachari geboren.

21 Die irdischen und die himmlischen Tiere, die wilden und die zahmen, die Wesen ohne Flügel und die geflügelten: Sie sind aus dem Brahmachari geboren.

22 Alle Geschöpfe Prajapatis tragen, jedes für sich, Lebensatem in ihrem Leib. Sie alle schützt Brahman, das im Brahmachari gesammelt ist.

23 Von den Devas hervorgesandt, unüberwältigt, zieht dieses leuchtende Wesen dahin. Aus ihm entstanden das heilige Brahman-Wissen, das älteste Brahman und alle Devas zusammen mit der Unsterblichkeit.

24 Der Brahmachari trägt das strahlende Brahman. In diesem Brahman sind alle Devas miteinander verwoben. Er bringt Prana, Apana und Vyana hervor, Sprache, Geist und Herz, heiliges Wissen und Einsicht.

25 Schenke uns Sehen und Hören, Ansehen und Nahrung, Samen, Blut und einen Leib, der die Nahrung aufnimmt.

26 Dies alles gestaltete der Brahmachari. Auf dem Rücken der Wasser stand er im Tapas, glühend im Ozean. Als er gebadet hatte, braun und goldrot, leuchtete er weithin auf der Erde.

Om. Shanti, Shanti, Shanti. Frieden, Frieden, Frieden.

Vollständiger Sanskrittext in Devanagari

ॐ ब्रह्मचारीष्णंश् चरति रोदसी उभे तस्मिन् देवाः संमनसो भवन्ति ।
स दाधार पृथिवीं दिवं च स आचार्यं तपसा पिपर्ति ॥ १ ॥

ब्रह्मचारिणं पितरो देवजनाः पृथग् देवा अनुसंयन्ति सर्वे ।
गन्धर्वा एनम् अन्व् आयन् त्रयस्त्रिंशत् त्रिशताः षट्सहस्राः सर्वान्त् स देवांस् तपसा पिपर्ति ॥ २ ॥

आचार्य उपनयमानो ब्रह्मचारिणं कृणुते गर्भम् अन्तः ।
तं रात्रीस् तिस्र उदरे बिभर्ति तं जातं द्रष्टुम् अभिसंयन्ति देवाः ॥ ३ ॥

इयं समित् पृथिवी द्यौर् द्वितीयोतान्तरिक्षं समिधा पृणाति ।
ब्रह्मचारी समिधा मेखलया श्रमेण लोकांस् तपसा पिपर्ति ॥ ४ ॥

पूर्वो जातो ब्रह्मणो ब्रह्मचारी घर्मं वसानस् तपसोद् अतिष्ठत् ।
तस्माज् जातं ब्राह्मणं ब्रह्म ज्येष्ठं देवाश् च सर्वे अमृतेन साकम् ॥ ५ ॥

ब्रह्मचार्य् एति समिधा समिद्धः कार्ष्णं वसानो दीक्षितो दीर्घश्मश्रुः ।
स सद्य एति पूर्वस्माद् उत्तरं समुद्रं लोकान्त् संगृभ्य मुहुर् आचरिक्रत् ॥ ६ ॥

ब्रह्मचारी जनयन् ब्रह्मापो लोकं प्रजापतिं परमेष्ठिनं विराजम् ।
गर्भो भूत्वामृतस्य योनाव् इन्द्रो ह भूत्वासुरांस् ततर्ह ॥ ७ ॥

आचार्यस् ततक्ष नभसी उभे इमे उर्वी गम्भीरे पृथिवीं दिवं च ।
ते रक्षति तपसा ब्रह्मचारी तस्मिन् देवाः संमनसो भवन्ति ॥ ८ ॥

इमां भूमिं पृथिवीं ब्रह्मचारी भिक्षाम् आ जभार प्रथमो दिवं च ।
ते कृत्वा समिधाव् उपास्ते तयोर् आर्पिता भुवनानि विश्वा ॥ ९ ॥

अर्वाग् अन्यः परो अन्यो दिवस् पृष्ठाद् गुहा निधी निहितौ ब्राह्मणस्य ।
तौ रक्षति तपसा ब्रह्मचारी तत् केवलं कृणुते ब्रह्म विद्वान् ॥ १० ॥

अर्वाग् अन्य इतो अन्यः पृथिव्या अग्नी समेतो नभसी अन्तरेमे ।
तयोः श्रयन्ते रश्मयो ऽधि दृढास् तान् आ तिष्ठति तपसा ब्रह्मचारी ॥ ११ ॥

अभिक्रन्दन् स्तनयन्न् अरुणः शितिङ्गो बृहच् छेपो ऽनु भूमौ जभार ।
ब्रह्मचारी सिञ्चति सानौ रेतः पृथिव्यां तेन जीवन्ति प्रदिशश् चतस्रः ॥ १२ ॥

अग्नौ सूर्ये चन्द्रमसि मातरिश्वन् ब्रह्मचार्य् अप्सु समिधम् आ दधाति ।
तासाम् अर्चींषि पृथग् अभ्रे चरन्ति तासाम् आज्यं पुरुषो वर्षम् आपः ॥ १३ ॥

आचार्यो मृत्युर् वरुणः सोम ओषधयः पयः ।
जीमूता आसन्त् सत्वानस् तैर् इदं स्वर् आभृतम् ॥ १४ ॥

अमा घृतं कृणुते केवलम् आचार्यो भूत्वा वरुणः ।
यद्यद् ऐच्छत् प्रजापतौ तद् ब्रह्मचारी प्रायच्छत् स्वान् मित्रो अध्य् आत्मनः ॥ १५ ॥

आचार्यो ब्रह्मचारी ब्रह्मचारी प्रजापतिः ।
प्रजापतिर् वि राजति विराड् इन्द्रो ऽभवद् वशी ॥ १६ ॥

ब्रह्मचर्येण तपसा राजा राष्ट्रं वि रक्षति ।
आचार्यो ब्रह्मचर्येण ब्रह्मचारिणम् इच्छते ॥ १७ ॥

ब्रह्मचर्येण कन्या युवानं विन्दते पतिम् ।
अनड्वान् ब्रह्मचर्येणाश्वो घासं जिगीषति ॥ १८ ॥

ब्रह्मचर्येण तपसा देवा मृत्युम् अपाघ्नत ।
इन्द्रो ह ब्रह्मचर्येण देवेभ्यः स्वर् आभरत् ॥ १९ ॥

ओषधयो भूतभव्यम् अहोरात्रे वनस्पतिः ।
संवत्सरः सह ऋतुभिस् ते जाता ब्रह्मचारिणः ॥ २० ॥

पार्थिवा दिव्याः पशव आरण्या ग्राम्याश् च ये ।
अपक्षाः पक्षिणश् च ये ते जाता ब्रह्मचारिणः ॥ २१ ॥

पृथक् सर्वे प्राजापत्याः प्राणान् आत्मसु बिभ्रति ।
तान्त् सर्वान् ब्रह्म रक्षति ब्रह्मचारिण्य् आभृतम् ॥ २२ ॥

देवानाम् एतत् परिषूतम् अनभ्यारूढं चरति रोचमानम् ।
तस्माज् जातं ब्राह्मणं ब्रह्म ज्येष्ठं देवाश् च सर्वे अमृतेन साकम् ॥ २३ ॥

ब्रह्मचारी ब्रह्म भ्राजद् बिभर्ति तस्मिन् देवा अधि विश्वे समोताः ।
प्राणापानौ जनयन्न् आद् व्यानं वाचं मनो हृदयं ब्रह्म मेधाम् ॥ २४ ॥

चक्षुः श्रोत्रं यशो अस्मासु धेह्य् अन्नं रेतो लोहितम् उदरम् ॥ २५ ॥

तानि कल्पन् ब्रह्मचारी सलिलस्य पृष्ठे तपो ऽतिष्ठत् तप्यमानः समुद्रे ।
स स्नातो बभ्रुः पिङ्गलः पृथिव्यां बहु रोचते ॥ २६ ॥

ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

Vertiefende Erläuterungen

Rigveda-Handschrift: Bildbeispiel vedischer Textüberlieferung; ein Beispiel für die handschriftliche Überlieferung.

Weihe und heiliges Lernen · Verse 1–9

Die Einweihung wird als neue Geburt beschrieben. Der Lehrer nimmt den Schüler in den Raum des heiligen Lernens auf. Vertrauen, Unterweisung und eigene Anstrengung wirken zusammen. Der Schüler bringt Brennholz: Er trägt dazu bei, das heilige Feuer zu erhalten.

Tapas ist die glühende Kraft ernsthafter Praxis. Eine feste Zeit für Meditation, verlässliche Seva und aufmerksames Studium können solche Kraft entwickeln. Die kosmischen Bilder würdigen diese Hingabe. Prajapati ist der Herr der Geschöpfe, Parameshthin der im Höchsten Wohnende, Viraj die weit entfaltete, leuchtende Schöpfungsmacht.

Die schöpferische Kraft des Tapas · Verse 10–16

Die Hymne verbindet gesammelte Lebenskraft mit kosmischer Fruchtbarkeit. Donner, Regen, Samen und Erde gehören zu diesem Bild. Der Brahmachari erscheint hier als schöpferische Kraft, die die Welt belebt. Der zwölfte Vers spricht dies in einer kraftvollen körperlichen Sprache aus.

Guru und Schüler werden auf ihren göttlichen Grund zurückgeführt. Darin können wir eine Einladung sehen, das Lernen als heilige Beziehung zu verstehen. Der äußere Guru weist den Weg. Durch Praxis und Erkenntnis wird der Schüler für das Licht im eigenen Inneren empfänglich.

Brahmacharya als tragende Lebenskraft · Verse 17–26

Brahmacharya umfasst in dieser Hymne sehr verschiedene Lebensbereiche. Es steht für eine Kraft der Sammlung und Selbstführung, die Lernen, Herrschaft und das Leben der Geschöpfe trägt. Im Yoga gehört dazu der bewusste Umgang mit sinnlicher und sexueller Energie.

Prana, Apana und Vyana bezeichnen verschiedene Wirkweisen der Lebensenergie. Auch Sprache, Geist und Herz werden genannt. Unsere Sadhana bezieht den ganzen Menschen ein. Die Bitte um Sehen, Hören und Nahrung würdigt den Leib als Gefäß der Praxis. Richte deine Kräfte auf das Höchste aus und sorge achtsam für das Leben, das dir anvertraut ist.

Video zur Vertiefung

Saraswati - Göttin der Weisheit - Sanskrit Wörterbuch

Anregungen für die eigene Praxis

Swami Sivananda mit einer Mala: Rezitation, Sammlung und Hingabe können einander vertiefen.
  1. Beginne eine Lernzeit mit dem Gebet und dem Wunsch, wirklich verstehen zu wollen.
  2. Lies einen überschaubaren Abschnitt; notiere eine Frage und einen Gedanken, den du verstanden hast.
  3. Höre einer erfahrenen Lehrperson aufmerksam zu und prüfe Unklares im Gespräch.
  4. Erkläre das Gelernte in eigenen Worten, ohne fremde Aussagen als eigene Erkenntnis auszugeben.
  5. Bleibe anschließend kurz still. Lernen, Nachdenken und Meditation dürfen einander ergänzen.

Video zur begleitenden Praxis und Auslegung

Svadhyaya im Patanjali Yoga Sutra – YVS514 – Kap. 2, Vers 44

Abschließende Worte

Was ist heute dein „Brennholz“ für das Lernen – eine aufmerksame Frage, verlässliche Übung oder ein Dienst für die Gemeinschaft?

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Sukadev Bretz (Hrsg.): Veden – Offenbarungen der Rishis. Hymnen zur Rezitation, Übersetzungen, Erläuterungen. Yoga Vidya Verlag, Bad Meinberg. Abschnitt „Brahmacharya Suktam“.
  • Hymnen aus den Veden, Rezitationssammlung, Nr. 60: „Brahmacarya Sūktam“.
  • Atharvaveda, Shaunaka-Samhita 11.5.1–26.

Im Schlussvers steht „kalpan“ wie in Atharvaveda 11.5.26. Andere Rezitationsvorlagen haben hier „kalpad“.

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