Ausgrenzung
Ausgrenzung bedeutet, dass ein Mensch oder eine Gruppe von Zugehörigkeit, Teilhabe, Beziehungen oder gemeinsamen sozialen Räumen ausgeschlossen wird. Ausgrenzung kann offen oder subtil geschehen und das Selbstwertgefühl, soziale Beziehungen und das Gefühl, einen Platz in der Gemeinschaft zu haben, tief beeinflussen.
Ausgrenzung – Bedeutung, Folgen und Wege zu neuer Verbindung
Ausgrenzung – Bedeutung und Definition
Ausgrenzung beschreibt einen Vorgang, bei dem Menschen nicht oder nicht mehr als selbstverständlich zu einer Gemeinschaft, Gruppe oder Beziehung dazugehören. Sie können übergangen, gemieden, abgewertet oder ausdrücklich ausgeschlossen werden.
Ausgrenzung kann zwischen einzelnen Menschen stattfinden, beispielsweise in einer Freundschaft, Familie oder Partnerschaft. Sie kann innerhalb von Schulklassen, Teams, Vereinen, religiösen Gemeinschaften oder am Arbeitsplatz auftreten. Auch gesellschaftliche Gruppen können aufgrund ihrer Herkunft, Religion, sozialen Stellung, einer Behinderung oder anderer Merkmale von Teilhabe ausgeschlossen werden.
Dabei muss Ausgrenzung nicht ausgesprochen werden. Manchmal gibt es keinen Satz wie „Du gehörst nicht mehr dazu“. Stattdessen bleiben Nachrichten unbeantwortet, Gespräche verstummen, ein Platz bleibt frei oder Einladungen erreichen immer dieselben Menschen – nur einen bestimmten Menschen nicht.
Gerade diese stille Form kann schwer einzuordnen sein. Der Betroffene spürt, dass sich etwas verändert hat, weiß aber möglicherweise nicht, warum.
Der verwandte Begriff Soziale Ausgrenzung bezeichnet insbesondere gesellschaftliche und gruppendynamische Prozesse, durch die Menschen Zugehörigkeit, Anerkennung und Teilhabe verlieren. Die bestehende Seite beschreibt dabei ausdrücklich sowohl offene als auch leise Formen des Ausschlusses.
Wie zeigt sich Ausgrenzung?
Ausgrenzung besitzt viele Gesichter. Sie reicht von offensichtlichem Ausschluss bis zu kleinen Verhaltensweisen, die für Außenstehende kaum wahrnehmbar sind.
Offene und versteckte Ausgrenzung
Offene Ausgrenzung ist vergleichsweise leicht zu erkennen. Ein Mensch wird nicht zu einer Veranstaltung eingeladen, aus einer Gruppe ausgeschlossen oder ausdrücklich aufgefordert, einen bestimmten Ort zu verlassen.
Schwieriger wahrzunehmen ist die indirekte oder versteckte Ausgrenzung. Menschen wechseln das Thema, sobald jemand hinzukommt. Ein Kollege erfährt wichtige Informationen regelmäßig zuletzt. In einer Gruppe wird jemand kaum angesprochen oder ständig übergangen. Andere verabreden sich miteinander und lassen eine bestimmte Person wiederholt außen vor.
Eine einzelne Situation bedeutet dabei noch nicht zwangsläufig Ausgrenzung. Menschen vergessen Einladungen, brauchen Abstand oder bilden engere Beziehungen zu bestimmten Personen. Erst der Zusammenhang und die Wiederholung lassen erkennen, ob sich ein Muster entwickelt.
Ausgrenzung in Familie und Freundeskreis
Ausgrenzung kann besonders schmerzhaft sein, wenn sie dort geschieht, wo ein Mensch Geborgenheit und Zugehörigkeit erwartet.
Innerhalb einer Familie kann ein Mitglied bei Entscheidungen nicht berücksichtigt, bei Treffen übergangen oder nach einem Konflikt dauerhaft gemieden werden. Im Freundeskreis kann sich eine Gruppe allmählich von einer Person zurückziehen oder sie bewusst von gemeinsamen Unternehmungen ausschließen.
Dabei entstehen häufig Fragen wie: Was habe ich getan? Warum wollen die anderen mich nicht mehr dabeihaben? Muss ich mich verändern, damit ich wieder dazugehöre?
Nicht immer lassen sich darauf eindeutige Antworten finden.
Ausgrenzung in Schule und Beruf
In Schule, Ausbildung und Beruf können Menschen ebenfalls erleben, dass sie nicht dazugehören. Kinder und Jugendliche werden möglicherweise wegen ihres Aussehens, ihrer Interessen, ihrer schulischen Leistungen, ihrer Herkunft oder einfach deshalb ausgeschlossen, weil sie als „anders“ wahrgenommen werden.
Geht die Ausgrenzung mit wiederholter Abwertung, Schikane oder gezielten Angriffen einher, kann daraus Mobbing entstehen.
Am Arbeitsplatz können ähnliche Mechanismen auftreten. Ein Mensch wird nicht mehr in Gespräche einbezogen, erhält wichtige Informationen nicht oder wird bei informellen Begegnungen konsequent ausgeschlossen.
Gerade weil Menschen einen erheblichen Teil ihres Alltags in Schule oder Beruf verbringen, kann eine solche Erfahrung weit über die konkrete Situation hinauswirken.
Gesellschaftliche Ausgrenzung
Ausgrenzung kann ganze Bevölkerungsgruppen betreffen. Armut, Wohnungslosigkeit, Behinderung, Krankheit, Herkunft, Religion oder gesellschaftliche Stigmatisierung können dazu führen, dass Menschen weniger Möglichkeiten zur Teilhabe erhalten.
Die vorhandene Seite über soziale Ausgrenzung beschreibt beispielsweise, wie sehr unterschiedliche Gruppen zwar formal Teil einer Gesellschaft bleiben können, ihr tatsächlicher sozialer Raum jedoch immer kleiner wird.
Gesellschaftliche Ausgrenzung ist deshalb nicht nur eine Frage persönlicher Sympathie. Sie kann mit Vorurteilen, Machtverhältnissen, sozialen Strukturen und Diskriminierung verbunden sein.
Ausgrenzung im Internet und in sozialen Medien
Auch digitale Räume können Zugehörigkeit schaffen – und entziehen.
Menschen können aus Gruppen entfernt, blockiert, öffentlich beschämt oder von gemeinsamen Kommunikationsräumen ausgeschlossen werden. Besonders belastend kann es werden, wenn negative Aussagen, Bilder oder Vorwürfe große Reichweite erhalten und dauerhaft auffindbar bleiben.
Digitale Kommunikation erhöht zudem die Geschwindigkeit, mit der Gruppenurteile entstehen können. Menschen reagieren auf einen kurzen Ausschnitt oder einen einzelnen Beitrag, ohne den gesamten Zusammenhang zu kennen. Die bestehende Seite Soziale Ausgrenzung behandelt diese Dynamik ausführlicher unter anderem im Zusammenhang mit öffentlicher Beschämung, digitaler Ächtung und sozialen Meuten.
Abgrenzung oder Ausgrenzung – wo liegt der Unterschied?
Nicht jede Form von Abstand ist Ausgrenzung.
Abgrenzung kann notwendig und gesund sein. Menschen dürfen Beziehungen beenden, die ihnen schaden. Sie dürfen Nein sagen, ihre Privatsphäre schützen und entscheiden, mit wem sie ihre Zeit verbringen.
Auch Gemeinschaften brauchen Grenzen. Wer andere bedroht, Gewalt ausübt oder wiederholt Grenzen verletzt, kann nicht verlangen, jede Rolle oder jeden Zugang zu behalten.
Der entscheidende Unterschied liegt häufig darin, worauf sich die Grenze richtet.
Eine Abgrenzung kann sagen:
„Dieses Verhalten akzeptiere ich nicht.“
Ausgrenzung kann daraus machen:
„Dich akzeptiere ich nicht.“
Eine Grenze kann eine bestimmte Situation, Rolle oder Beziehung betreffen. Ausgrenzung droht dagegen, den ganzen Menschen auf ein Merkmal, eine Handlung oder ein Urteil zu reduzieren.
Deshalb besteht die Alternative zur Ausgrenzung nicht darin, jede Nähe zuzulassen. Ein hilfreicher Grundsatz kann vielmehr sein: Grenzen setzen, ohne die Würde des anderen Menschen aus dem Blick zu verlieren.
Siehe auch
Soziale Ausgrenzung Abgrenzung Zugehörigkeit Einsamkeit Mobbing Diskriminierung Stigmatisierung Vorurteil Mitgefühl Ahimsa Viveka Menschenwürde