Wal

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Wal (Sanskrit वल् val ) bedecken, abdecken, bewegen wal ist eine alternative Schreibweise für Val. Mehr Informationen zu dem Sanskrit Wort wal findest du unter dem Hauptstichwort Val.

Der Wal Timi Timingila

Aus der Geschichte des Dharmarutschi aus „Buddhistische Geschichten“ von Heinrich Zimmer

Und im großen Weltmeer leben Geschöpfe in drei Schichten. In der ersten sind sie einhundert Yodshanas lang am Leibe und zwei- und dreihundert Yodshanas lang am Leibe, in der zweiten Schicht sind sie achthundert Yodshanas lang am Leibe, neun-, zehn- bis vierzehnhundert Yodshanas lang am Leibe, in der dritten Schicht sind sie fünfzehnhundert Yodshanas lang am Leibe, sechzehnhundert Yodshanas bis einundzwanzighundert Yodshanas lang am Leibe. (ein Yodshana sind ca. 10 Kilometer)

Und hier im großen Weltmeer sind alle Fische darauf erpicht, einander gegenseitig aufzufressen: die auf der ersten Stufe stehen, werden von denen der zweiten gefressen, die auf der zweiten Stufe stehen, werden von denen der dritten gefressen. Und da ist ein Fisch, Timingila sein Name, der taucht aus der dritten Wasserschicht empor und fährt oben auf der Wasserfläche einher. Jedes Mal, wenn er seinen Rachen aufsperrt, fließt aus dem großen Weltmeer ihm ein Trunk, angesogen mit großer Gewalt, in das Tor seines Rachens hinein. Von dieser Wassermasse mitgerissen, stürzen Fische, Schildkröten, Seepferde, Krokodile, Delphine und andere Wassergeschöpfe durch das Tor seines Rachens ihm in den Bauch.

Wenn er so daher schwimmt, ist er wegen seiner Leibesgröße lange und von fernher zu sehen wie ein himmelhoher Berg, und seine beiden Augen sind von ferne sichtbar, wie zwei Sonnen am Himmel. Daher bemerkten ihn die Kaufleute von ferne. Sie sahen ihn, groß wie das große Weltmeer, und begannen zu mutmaßen: »Verehrte, was bedeutet dieser Aufgang zweier Sonnen?«

Wie sie sich noch so bedachten, ward ihr Schiff von der Strömung, die auf seinen Rachen zuging, erfasst und begann in ihr dahinzuschießen. Als sie sahen, wie das Schiff von der Strömung fortgerissen wurde, und den Aufgang zweier Sonnen bemerkt hatten, gerieten sie in Aufregung: »Verehrte, es geht doch die Mär, dass am Ende eines Weltalters sieben Sonnen aufgehen sollen, die sind wohl jetzt eben im Aufgang.«

Worauf der Schiffsmann zu ihnen, den in Grübeln Versunkenen, sprach: »Verehrte, ihr habt von Timi Timingila gehört: dieses ist die Gefahr des Timi Timingila. Seht dort, Verehrte, da erhebt es sich wie ein Berg, der den Wassern entwächst: das ist sein Haupt; und seht dort den einen und den anderen roten Streifen: das sind seine beiden Lippen; seht dort den anderen weißen Kranz: das ist der Kranz seiner Zähne; seht, was dort von ferne wie zwei Sonnen scheint: das sind seine beiden Augensterne.«

Weiter sprach der Kapitän zu den Kaufleuten: »Hört mich, Verehrte, jetzt gibt es für uns keine Rettung, dass wir am Leben bleiben und dieser Gefahr entrinnen, uns allen steht der Tod bevor. Darum: was wollt ihr jetzt tun? Wenn einer von euch glaubt, dass irgendein Gott sich unser erbarmen mag, soll er zu ihm flehen, ob um seines Flehens willen irgendein Gott uns aus dieser Todesnot errette. Sonst ist kein Weg, das Leben zu retten.

Worauf die Kaufleute in ihrer Todesangst anfingen, um ihr Leben zu beten bei Shiva, Varuna, Kuvera, Mahendra, Upendra und anderen Göttern. So sehr sie aber flehten, es zeigte sich keinerlei Rettung für ihr Leben in dieser Todesnot. Mit der gleichen Gewalt der Wasser ward das Schiff dahingerissen auf das Tor des Rachens Timingilas.

Da trat ein Laienjünger Buddhas auf und sprach: »Keine Rettung gibt es für uns aus dieser Todesnot, alle müssen wir sterben. Da wollen wir doch allesamt mit einem Schrei »Verehrung dem Buddha!« rufen. Müssen wir sterben, so werden wir in dem Gedanken an Buddha sterben, und das wird nach dem Tode unseren Weg zum Heile lenken.« Worauf die Kaufleute alle mit einem Schrei »Verehrung dem Buddha« ihn allzumal anbeteten.

Buddha

Und der Erhabene, der im Park des Prinzen Dscheta weilte, vernahm ihr Wort mit seinem göttlichen Ohr, dem lauteren, übermenschlichen. Und als der Erhabene diesen Laut vernommen hatte, bewirkte er, dass auch Timingila ihn hörte.Wie der den Schrei »Verehrung dem Buddha!« vernahm, da wurde seine Seele weich, Befangenheit überkam ihn: »Ha, ein Buddha ist in der Welt erstanden! Da schickt sich's nicht für mich, dass ich lebende Speise verschlinge, wo ich den Schrei vernommen habe »Verehrung Buddha dem Erhabenen!“« — Er begann sich zu bedenken: »Wenn ich jetzt mit eins das Tor meines Rachens zuklappe, wird das der Untergang des Schiffes, das die Gewalt rückprallender Wasser trifft, und das Ende vieler Leben. Darum will ich ganz sacht verfahren und leise, leise das Tor meines Rachens schließen.«

Darauf schloß Timingila das Tor seines Rachens, ganz sachte verfahrend, leise, leise. Als danach das Schiff dem Rachen des großen Schlingers entgangen war, erlangte es einen günstigen Wind und kam ans Land. Wie da die Kaufleute ans Land kamen, luden sie ihre Fracht auf Wagen, Kamele, Ochsen, Esel und so weiter und zogen dahin durch Dörfer, Marktflecken, kleine Städte und so fort, wie sie am Wege lagen, bis sie nach Shravasti kamen. Als sie da ankamen, überlegten sie: »Das ist der Brauch: Dank wessen Namen ein Schiff glückhaft nach Hause kehrt, dem gehören seine Schätze. So wollen wir denn diese Juwelen Buddha dem Er-habenen schenken.«

Sie rafften die Juwelen zusammen und gingen zum Erhabenen. Nachdem sie sich erst vor den Füßen des Erhabenen verneigt hatten, sprachen sie: »Erhabener, wir fuhren zu Schiff aufs Meer hinaus, und unser Schiff ward fortgerissen von Timingila, dem großen Schlinger, uns allen stand der Tod bevor. In unserer Not gedachten wir des Erhabenen und riefen deinen Namen an: da ward das Schiff vor dem Rachen des großen Schlingers bewahrt. Darauf kamen wir, Er-habener, mit glückhaftem Schiff, reich an Schätzen und wohlbehalten hierher. Und das ist der Brauch: dank wessen Namen Leute auf glückhaftem Schiffe heim-kehren, dem gehört seine Ladung. Da wir der Todesnot entronnen sind, weil wir den Namen des Erhabenen anriefen, möge der Erhabene diese Juwelen annehmen.«

Der Erhabene sprach: »Ich habe die Juwelen erlangt, die die Erleuchtung bilden, und die Juwelen übersinnlicher Kräfte. Wer in der Wahrheit gekommen ist, was soll der mit irdischen Juwelen. Und wenn ihr in meine Lehre eintreten wollt als Mönche, kommt Kinder

Worauf die Kaufleute überlegten: »Was wir noch an Leben haben, verdanken wir ja nur der Macht Buddhas des Erhabenen. Drum wollen wir diese Juwelen weggeben und als Mönche in den Orden des Erhabenen eintreten.« Danach verteilten sie in schicklicher Weise ihre Juwelen an Vater und Mutter, Weib und Kind, Knecht und Magd, Sklaven, Freunde und Hausgenossen, Verwandte vom Vater her und andere Blutsverwandte und traten in den Orden.

In den Orden gelangt, kämpften sie, rangen sie, stritten sie, bis ihnen heilige Erlöstheit zuteil ward. Da wurden die Mönche von Verwunderung und Zweifel erfasst und fragten Buddha, den Erhabenen, den Befreier von allen Zweifel: »Erhabener, welches verdienstliche Werk haben diese Kaufleute getan und aufgehäuft, durch dessen zur-Reife-kommen der Erhabene erfreut und nicht enttäuscht worden ist?«

Der Erhabene sprach: »Vor Zeiten, ihr Mönche, erstand in der Welt Kashyapa der Wahrhaft-Erleuchtete. Und diese waren als Mönche in seine Lehre getreten. Aber eingetreten, erlangten sie damals keine Fülle des Guten, sondern bloß so viel, wie Schüler gelehrt werden, lernen und wiederholen. Da gelobten sie in ihrer Todesstunde: »Wenn wir, zu Kashyapa dem Wahrhaft-Erleuchteten gelangt, gelehrt wurden, lernten und wiederholten und keine Fülle des Guten erlangten — möchten wir, wenn solches unser Werk einst zur Reife gelangt, den erfreuen und nicht enttäuschen, der vom Wahrhaft-Erleuchteten Kashyapa die Weissagung empfangen hat, er werde auf dem Pfade der Zeit, der vor uns liegt, ein Wahrhaft-Erleuchteter mit Namen Shakyamuni werden.«

Der Erhabene sprach weiter: »Was meint ihr, Mönche? Jene fünfhundert Mönche, die auf dem Pfade der Zeit, der hinter uns liegt, in den Orden Kashyapas des Wahrhaft-Erleuchteten getreten sind, das sind eben diese fünfhundert Mönche, damals legten sie den Grund zur Reife ihres Wesens, jetzt haben sie erlösende Heiligkeit erlangt.«

Jener Fisch aber im großen Weltmeer, Timi Timingila mit Namen, entsagte, als er das Wort »Buddha« gehört hatte, aller Nahrung. Doch seine Natur, das scharfe Feuer seiner Eingeweide, hielt die Hungerqual nicht aus, er schied ab und starb. In einer Brahmanenfamilie zu Shravasti, die Buddhas sechs Laiengebote hielt, trat er in ein neues Leben.

Sein Kadaver tauchte im großen Weltmeer an die Oberfläche, und Schlangen, denen er in die Nähe ihrer Behausung trieb und die den Gestank, den er dort verbreitete, nicht ertragen konnten, schoben ihn anderswohin ab. Aber auch dort geriet er in die Nähe der Behausung eines Schlangenwesens, das seinen Gestank auch nicht vertragen konnte und ihn anderswohin abschob. So wurde der Kadaver hin und hergeschoben und gelangte ans Gestade des großen Weltmeers, wo ihn die Flutwelle alsbald auf den Strand warf. Und da fielen zahllose Krähen, Geier, Hunde und Schakale, reißende Tiere und Vögel über ihn her und in ihrem Gefolge Würmer; die fraßen an ihm und nagten sein Gerippe rein ab, bis es weiß, ganz schneeweiß ward.

Siehe auch

Literatur

  • Buddhistische Legenden von Heinrich Zimmer, Insel Verlag Frankfurt am Main, 1985, 1. Auflage