Udaka Dana – tägliche Wasser- und Reisgaben für den verstorbenen Vater

Aus Yogawiki

Udaka Dana – tägliche Wasser- und Reisgaben für den verstorbenen Vater gibt der Trauer in den ersten Tagen nach der Einäscherung eine tägliche Form: Ein Angehöriger bringt dem verstorbenen Vater Wasser und Reis dar und lässt die Fürsorge für ihn auch nach dem Tod nicht abbrechen. Udaka Dana wird in der südindischen Fassung des Puranokta Apara Prayoga bis zum zehnten Trauertag ausgeführt. Der Karta, die für die Totenriten zuständige Person, handelt mit Anleitung am Wasser und anschließend am Hauseingang; wenn der Weg zum Gewässer nicht möglich ist, erlaubt die Quelle für den ersten Platz eine Stelle im Garten.

Im Mittelpunkt stehen zwei kleine, mit Steinen bezeichnete Gedenkplätze. Vasodaka, aus einem Tuch gedrücktes Wasser, und Tilodaka, Sesamwasser, begleiten das Gebet um Linderung von Hunger und Durst im Übergang des Verstorbenen. Die Familie kann dadurch ihrer Liebe eine ruhige, wiederkehrende Handlung geben.

Vorbereitung und Zeit

Die Quelle beschreibt das erste Einrichten am Nachmittag des zweiten Tages nach der Einäscherung und die Fortführung bis zum zehnten Tag. Die Tageszählung und den Übergang zu den anschließenden Zehntagesriten stimmt die Familie mit der Ritualleitung ab. Am ersten Platz wird ein Tira Kunda, am Hauseingang ein Dvara Kunda eingerichtet. Es handelt sich um kleine Erdvertiefungen für die Gedenksteine, nicht um Feuerstellen.

Benötigt werden drei saubere Steine für den ersten Platz und ein weiterer für den Hauseingang, eine kleine Schaufel, ein sauberes neues Tuch, ein Streifen des für die Bestattung vorgesehenen weißen Tuches, Darbha, eine Sitzmatte, Wasser, ein Wassergefäß, ein kleiner Tonkrug, schwarze Sesamsamen, Reismehl, Honig sowie eine Schale zur Bereitung der Reisgaben. Für eine heutige vegane Fassung kann der Honig durch einen pflanzlichen Sirup ersetzt werden. Bereite für die morgendliche und abendliche Gabe jeweils eine etwa eigroße Reiskugel zu.

Die ausgeführte Namensfassung gilt für den verstorbenen Vater. NAME wird vor Beginn an allen Stellen durch seinen Namen ersetzt. Das im Handbuch vorgedruckte Kashyapa-Gotra bleibt hier als Muster stehen; die Ritualleitung setzt gegebenenfalls das tatsächlich geführte Gotra mit richtiger Endung ein. Für eine verstorbene Mutter sind im Handbuch eigene weibliche Formeln vorhanden; die Vaterformeln werden dafür nicht unverändert verwendet. Die Datums- und Absichtsansagen stehen hier auf Deutsch. Diese kenntlich gemachte Praxisfassung vermeidet, einen vorgedruckten „ersten Tag“ an späteren Trauertagen mitzurezitieren.

Die tägliche Folge

1. Den Gedenkplatz am Wasser einrichten
Der Karta trägt saubere neue Kleidung. Hebe am ausgewählten Platz eine kleine Vertiefung aus. Sprich als Sankalpa: „Für meinen verstorbenen Vater NAME beginne ich die Wassergaben der Trauertage. Zur Linderung von Hunger und Durst und in liebevollem Gedenken richte ich diesen Platz für Wasser aus dem Tuch und Sesamwasser ein.“ Knie auf Darbha mit dem Gesicht nach Süden, lege die drei Steine in die Vertiefung und sprich die Einladung:


āyāhi preta gambhīraiḥ pūrvyaiḥ saumya pādotamaiḥ |
prajāṁ asmabhyaṁ dadātu rayiṁ ca dīrghāyur eva ca ||

आयाहि प्रेत गम्भीरैः पूर्व्यैः सौम्य पादोतमैः ।
प्रजां अस्मभ्यं ददातु रयिं च दीर्घायुर् एव च ॥

Komm, du Verstorbener, auf den ehrwürdigen, friedlichen Wegen der Früheren. Mögen der Familie Nachkommenschaft, Lebensunterhalt und langes Leben beschieden sein.

Sprich anschließend: „Mein Vater NAME, sei an diesen Steinen gegenwärtig, damit ich dir bis zum zehnten Trauertag Wasser und Sesamwasser darbringen kann.“ Das Einrichten und die Einladung gehören zum ersten Tag der Durchführung; an den Folgetagen kehrst du zum eingerichteten Platz zurück.

2. Dreimal Wasser aus dem Tuch geben
Nenne den tatsächlichen Trauertag und die Absicht, deinem Vater mit Wasser zu dienen. Falte den weißen Tuchstreifen mit zehn Darbha-Halmen dreifach. Benetze ihn mit Wasser. Beuge ein Knie und drücke das Wasser über dem Gedenkplatz aus. Wiederhole dies dreimal. Bei jeder Gabe sprich:


kaśyapa gotrasya NAME pretasya mama pituḥ dahana janita kṣut tṛṣṇā śānti arthaṁ mama pitre etat vāsodakaṁ dadāmi ||

कश्यप गोत्रस्य NAME प्रेतस्य मम पितुः दहन जनित क्षुत् तृष्णा शान्ति अर्थं मम पित्रे एतत् वासोदकं ददामि ॥

Meinem verstorbenen Vater NAME aus dem Kashyapa-Gotra gebe ich dieses Wasser aus dem Tuch, um den durch die Einäscherung entstandenen Hunger und Durst zu stillen. Die variable Orts- und Tagesangabe des Handbuchs wird zuvor auf Deutsch benannt.

3. Sesam- und Krugwasser darbringen
Gib etwas Sesam in Wasser und bringe das Tilodaka dar:


kaśyapa gotrāya NAME pretāya mama pitre etat tilodakaṁ dadāmi ||

कश्यप गोत्राय NAME प्रेताय मम पित्रे एतत् तिलोदकं ददामि ॥

Meinem verstorbenen Vater NAME aus dem Kashyapa-Gotra bringe ich dieses Sesamwasser dar.

Stehe auf und gieße Wasser in den kleinen Tonkrug: Dies ist Ghatodaka. Sprich:


he mama pituḥ mayā dattāni etāni vāsodakāni tilodakāni upatiṣṭha |
etat ghaṭa udakaṁ piba ||

हे मम पितुः मया दत्तानि एतानि वासोदकानि तिलोदकानि उपतिष्ठ ।
एतत् घट उदकं पिब ॥

Mein Vater, nimm dieses Wasser aus dem Tuch und dieses Sesamwasser an, das ich dir gegeben habe. Trinke dieses Wasser aus dem Gefäß.

Besprenge den Platz mit etwas Krugwasser. Nimm das Wassergefäß mit nach Hause. Die Quelle nennt für diesen täglichen Abschnitt keine zusätzliche feste Anzahl der Sesamwassergaben.

4. Den Gedenkplatz am Hauseingang einrichten
Am ersten Durchführungstag hebe links neben der Haustür eine kleine Erdvertiefung aus. Sprich: „Für meinen verstorbenen Vater NAME richte ich am Hauseingang einen Platz ein, um ihm während der Trauertage täglich Wasser und Speise zu geben.“ Binde Darbha um den vierten Stein und lege ihn hinein. Mit dem Blick nach Süden wiederhole die Einladung:


āyāhi preta gambhīraiḥ pūrvyaiḥ saumya pādotamaiḥ |
prajāṁ asmabhyaṁ dadātu rayiṁ ca dīrghāyur eva ca ||

आयाहि प्रेत गम्भीरैः पूर्व्यैः सौम्य पादोतमैः ।
प्रजां अस्मभ्यं ददातु रयिं च दीर्घायुर् एव च ॥

Komm, du Verstorbener, auf den ehrwürdigen, friedlichen Wegen der Früheren. Mögen der Familie Nachkommenschaft, Lebensunterhalt und langes Leben beschieden sein.

Sprich: „Meinen verstorbenen Vater NAME lade ich an diesen Gedenkplatz ein. Sei hier gegenwärtig, damit meine tägliche Wasser- und Speisegabe dich erreiche und dir auf deinem weiteren Weg Kraft gebe.“

5. Wasser am Hauseingang geben
Falte und benetze den Tuchstreifen wie am ersten Platz. Drücke Wasser am Gedenkstein aus. Die Handbuchfolge verweist hier auf die vorherige Tuchhandlung; führe sie entsprechend dreimal aus. Sprich dabei:


kaśyapa gotrasya NAME pretasya mama pituḥ dahana janita kṣut tṛṣṇā śānti arthaṁ gṛha-dvāra kuṇḍe mama pitre etad vāsodakaṁ dadāmi ||

कश्यप गोत्रस्य NAME प्रेतस्य मम पितुः दहन जनित क्षुत् तृष्णा शान्ति अर्थं गृह-द्वार कुण्डे मम पित्रे एतद् वासोदकं ददामि ॥

Meinem verstorbenen Vater NAME aus dem Kashyapa-Gotra gebe ich am Gedenkplatz der Haustür dieses Wasser aus dem Tuch zur Linderung von Hunger und Durst.

6. Die morgendliche beziehungsweise abendliche Reisgabe
Bereite aus Reismehl, Sesam, Honig beziehungsweise Pflanzensirup und etwas Wasser eine etwa eigroße Kugel. Sprich: „Am heutigen Trauertag gebe ich meinem Vater NAME diese morgendliche beziehungsweise abendliche Reisgabe für seinen weiteren Weg.“ Lege Darbha mit den Spitzen nach Süden neben die Vertiefung. Gieße Sesamwasser darauf:


kaśyapa gotrāya NAME pretāya mama pitre etat tilodakaṁ dadāmi ||

कश्यप गोत्राय NAME प्रेताय मम पित्रे एतत् तिलोदकं ददामि ॥

Meinem verstorbenen Vater NAME aus dem Kashyapa-Gotra bringe ich dieses Sesamwasser dar.

Nimm die Reiskugel in die rechte Hand und lege sie von der Daumenseite her auf das Darbha. Diese Handseite wird Pitri Tirtha genannt. Sprich:


kaśyapa gotrāya NAME pretāya mama pitre etaṁ piṇḍaṁ dadāmi ||

कश्यप गोत्राय NAME प्रेताय मम पित्रे एतं पिण्डं ददामि ॥

Meinem verstorbenen Vater NAME aus dem Kashyapa-Gotra gebe ich diese Reisgabe. Anlass, Trauertag und Morgen- oder Abendgabe wurden unmittelbar zuvor benannt.

Besprenge die Reiskugel mit Sesamwasser:


mārjayatāṁ pretaḥ mama pitā ||

मार्जयतां प्रेतः मम पिता ॥

Mein verstorbener Vater möge erfrischt und gereinigt werden.

Stehe mit gefalteten Händen, Anjali, vor dem Platz und sprich: „Mein Vater, nimm am heutigen Tag das Wasser aus dem Tuch, diese Reisgabe und diese Speisegabe an, die ich dir gebracht habe.“ Spüle die Speiseschale aus und gieße etwas von diesem Wasser mit Sesam gegen den Uhrzeigersinn um die Gabe:


piṇḍaṁ baliṁ ca tṛpyasva ||

पिण्डं बलिं च तृप्यस्व ॥

Finde Sättigung an der Reisgabe und der Speisegabe.

Wende die geleerte Schale um und besprenge sie. Damit ist diese Gabe abgeschlossen.

Fortführung und Abschluss

Führe die Wassergaben täglich bis zum zehnten Trauertag fort; die im Handbuch vorgesehenen Morgen- und Abendgaben am Hauseingang begleiten diese Zeit. Die einmal eingerichteten Plätze werden nicht jeden Tag neu ausgehoben. Der Übergang in die weiteren Zehntagesriten und das spätere Aufheben der Gedenkplätze gehören zur zusammenhängenden Trauerordnung und werden mit der Ritualleitung vereinbart. Als praktische Pflege werden Gefäße gereinigt und der Gedenkplatz ordentlich gehalten; Speisereste dürfen dort nicht unversorgt verderben.

Die beiden Plätze verbinden äußeren Weg und Zuhause. Die Fürsorge gilt dem Verstorbenen; zugleich darf sie die Lebenden daran erinnern, einander in dieser Zeit Wasser, eine Mahlzeit und verlässliche Begleitung zu reichen. Die persönliche deutsche Ansprache ist eine offen ausgewiesene Anpassung der wiederkehrenden Namens-, Orts- und Tagesformeln; die feststehenden Gebete und die zugehörigen Handlungen sind mit ihrer Bedeutung angegeben.

Quelle

Seminare

20.12.2026 - 20.12.2026 Gita Jayanti

Die Bhagavad Gita hat Geburtstag. Immer Ende November bis Mitte Dezember, abhängig von der Mondphase, wird Gita Jayanti gefeiert. Wir wollen den Geburt…
Vani Devi Beldzik
26.12.2026 - 02.01.2027 Indische Rituale Ausbildung

Du interessierst dich für indische Rituale? Du hast die einzigartige Gelegenheit, in dieser Rituale Ausbildung bei Yoga Vidya die kleine Puja, große P…
Sukadev Bretz, Shankari Winkelbauer