Tara Mohana mit einem Ritual für Wohlwollen und Einfühlung
Tara Mohana mit einem Ritual für Wohlwollen und Einfühlung verbindet das traditionelle Ritual mit einer eigenständigen spirituellen Alternative: Tara Andacht für aufmerksames Zuhören.
Der Tara-Beleg verbindet eine als Hamsa erläuterte Formel mit dem Tilaka. Die anschließende Praxis führt vom Wunsch zu beeindrucken zur Bereitschaft, den anderen wirklich wahrzunehmen.
Einleitung aus Yoga-Vidya-Sicht
Der Wunsch, anziehend zu wirken, kann Lebensfreude ausdrücken. Er kann aber auch aus der Sorge entstehen, ohne Bewunderung wertlos zu sein. Mohana meint in den folgenden Quellen Betörung. Yoga richtet den Blick auf Wahrhaftigkeit, Herzenswärme und eine Ausstrahlung, die aus innerer Zufriedenheit wächst. Du darfst dich schön machen, freundlich auftreten und Selbstvertrauen entwickeln; die Freiheit und Klarheit anderer Menschen bleiben dabei geachtet.
Swami Sivananda empfiehlt, Liebe durch gute Gedanken und tätiges Wohlwollen zu entwickeln. Eine geschickte Selbstdarstellung ersetzt das nicht. Wer andere an sich binden will, verstärkt leicht die eigene Abhängigkeit von ihrer Reaktion. Die traditionelle Betörungsanwendung wird bei Yoga Vidya nicht ausgeführt. Danach folgt ein eigenständiges Ritual, das Freude, aufrichtige Begegnung und Selbstannahme stärkt.
Das traditionelle Ritual
Angerufene Gottheit: Tara
Vorbereitung und Umfang
Tara-Bild oder innere Vorstellung; das im Text genannte Kajjala beziehungsweise ein geeignetes heutiges Tilaka-Mittel. Eine Wiederholungszahl wird nicht angegeben.
Mantra
oṃ hrīṃ strīṃ hūṃ hūṃ saḥ
Übersetzung und Bedeutung: Om, hrīṃ, strīṃ, hūṃ, hūṃ, saḥ. Die Silbenfolge wird in der benutzten Fassung als Erläuterung zum Hamsa-Mantra angegeben. Sie ist kein gewöhnlicher Sanskrit-Satz.
Ritualabfolge
- Vergegenwärtige Tara und stelle das Mittel für das eigene Stirnzeichen bereit.
- Sprich die ausgeschriebene Folge oṃ hrīṃ strīṃ hūṃ hūṃ saḥ über dem Mittel. Die benutzte Ausgabe führt sie in einer Klammer als Erläuterung zu haṃsaḥ an.
- Setze mit dem besprochenen Mittel ein Tilaka auf die eigene Stirn. Das Mittel wird nicht ins Auge eingebracht.
- Verbinde die Handlung mit dem im Text genannten jaganmoha, der Betörung der Welt. Die Quelle fordert hier weder sieben noch 108 Wiederholungen.
- Beende die Anwendung nach dem Stirnzeichen. Die Klammergestalt der Formel wird als Lesart dieser Ausgabe bewahrt und nicht als sicher ursprünglicher Vers ausgegeben.
Die Hamsa-Formel ist in den benutzten elektronischen Fassungen in einer Klammer überliefert; eine kritische Entscheidung über ihren ursprünglichen Textstatus bleibt offen.
Spirituelle Alternative: Tara Andacht für aufmerksames Zuhören
Die folgende Andacht ist eine neu zusammengestellte Praxis im Sinne von Yoga Vidya. Dauer und Wiederholungszahlen sind Vorschläge für diese Fassung; sie ist keine festgelegte Yoga-Vidya-Liturgie.
Gottheit: Tara
Vorbereitung: Dauer etwa 20 Minuten. Tara-Bild, eine Blüte, ein leerer Stuhl gegenüber und Mala. 108 Wiederholungen.
Mantra
oṃ strīṃ tārāyai namo namaḥ
Bedeutung: Om, strīṃ. Tara sei wieder und wieder Verehrung. Strīṃ ist eine Keimsilbe.
Zählweise: Eine Wiederholung umfasst die ganze ausgeschriebene Formel. Die unten beschriebene Folge umfasst insgesamt 108 Wiederholungen dieses Mantras.
1. Ankommen und Sankalpa
Richte den beschriebenen Platz her, wasche die Hände und nimm eine bequeme Haltung ein. Lass fünf Atemzüge ruhig kommen und gehen. Formuliere dann den Sankalpa:
„Möge ich dem anderen mit Wohlwollen begegnen und hören, was er wirklich sagen möchte.“
2. Eine Begegnung betrachten
Lege die Blüte nieder und betrachte kurz den leeren Stuhl. Denke an eine konkrete Begegnung, in der du häufig schon während des Zuhörens deine Antwort vorbereitest.
3. 54 Wiederholungen
Rezitiere das Tara-Mantra 54-mal. Lass den Klang jeweils vollständig ausklingen, bevor du die nächste Wiederholung beginnst. So übst du, einen Impuls nicht sofort zu übergehen.
4. Die eigene Sicht aussprechen
Sprich vor dem leeren Stuhl einen einzigen Satz darüber, was du dir in dem Gespräch wünschst. Füge hinzu: „Ich weiß noch nicht alles über deine Sicht.“
5. Weitere 54 Wiederholungen
Rezitiere weitere 54-mal. Wünsche dem anderen Klarheit und Wohlergehen, ohne dir einzubilden, seine Gedanken sicher zu kennen.
6. Stille und eine offene Frage
Übe vier Minuten Meditation. Formuliere danach eine offene Frage, etwa nach dem wichtigsten Anliegen des anderen. Plane, die Antwort ohne sofortige Bewertung anzuhören.
7. Das Gespräch vorbereiten
Verneige dich. Die gedachte Begegnung ersetzt kein tatsächliches Gespräch; sie bereitet deine Haltung darauf vor.
8. Segensabschluss
Sprich zum Abschluss einmal:
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ
Bedeutung: Om. Frieden, Frieden, Frieden. Lass den Klang ausklingen. Nimm die Füße, Hände und den Raum wahr und kehre in Ruhe in den Alltag zurück.
Stelle den Stuhl nach dem Segensabschluss wieder an seinen gewöhnlichen Platz und räume auf.
Abschluss: Die Praxis ins Leben tragen
Einfühlung verlangt Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, sich korrigieren zu lassen. Frage nach, statt vermeintliches Gedankenwissen zu behaupten. Darin kann eine stille Form von Herzensverbindung wachsen.
Quellen und Anregungen
- Traditioneller Mittelteil: Shakta Pramoda, Sanskrit, Ugratara Hridaya, Übergang Druckseite 132–133, Klammer „haṃsaḥ“ und anschließender Kajjala-Vers; Muktabodha M00054.
- Mantra der Alternative: Yoga Vidya: Tara Mantra.
- Swami Sivananda: How to Develop Love
- Swami Sivananda: Samadhi Yoga, Negative Eigenschaften
Siehe auch
- Tantra Rituale mit spirituellen Alternativen
- Rudra Mohana mit einer Andacht für wahrhaftige Ausstrahlung
- Kali Mohana Tilaka mit einer Praxis für Herzenswärme
- Ahimsa
- Maitri
- Vergebung
Seminare
Die Hinweise betreffen allgemeine spirituelle Praxis.
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