Tara Marana mit einer Segenspraxis für schwierige Menschen
Tara Marana mit einer Segenspraxis für schwierige Menschen verbindet das traditionelle Ritual mit einer eigenständigen spirituellen Alternative: Tara Segen für sich selbst und einen schwierigen Menschen.
Die Tara-Formel des Marana unterscheidet sich in Reihenfolge und Schlussruf von ihrer Akarshana-Anwendung. Die Alternative ruft Tara zur Entwicklung eines Wohlwollens an, das auch schwierige Menschen einschließen kann, ohne ihre Handlungen zu billigen.
Einleitung aus Yoga-Vidya-Sicht
Tiefe Verletzung kann den Gedanken hervorrufen, ein Gegner solle verschwinden. Marana meint in den hier angeführten Quellen tatsächlich Vernichtung beziehungsweise Tod. Yoga empfiehlt, diesen Impuls ehrlich wahrzunehmen und den eigenen nächsten Schritt von Ahimsa, Unterscheidungskraft und Mut bestimmen zu lassen. In jedem Menschen ist das Göttliche. Du kannst dich schützen und Unrecht entgegentreten, während du daran arbeitest, den Hass zu überwinden.
In der Karma-Lehre schafft eine Vernichtungsabsicht neue leidvolle Bindung. Tantrische Überlieferungen warnen zudem, eine falsch oder unberechtigt ausgeführte Anwendung könne auf den Ausführenden zurückfallen. Diese religiöse Warnung soll zur Umkehr der Absicht anregen, nicht zu Angst vor einem vermeintlichen Fluch. Swami Sivananda lenkt die Kraft des Übens auf Liebe, Dienen und Läuterung. Marana wird bei Yoga Vidya nicht ausgeführt. Nach dem traditionellen Teil folgt deshalb eine eigenständige Praxis für Vergebung, Segen oder das Ende einer eigenen destruktiven Gewohnheit.
Das traditionelle Ritual
Angerufene Gottheit: Tara als Ugratara
Vorbereitung und Umfang
Traditioneller Zusammenhang: Tara-Anrufung, Besprechen eines Stoffes vom Verbrennungsplatz und äußere Übertragung. Eine feste Japa-Zahl steht nicht in diesem Vers.
Mantra
strīṃ hrīṃ trīṃ svāhā
Übersetzung und Bedeutung: Strīṃ, hrīṃ, trīṃ, svāhā. Die Tara-Formel unterscheidet sich von der Kali-Formel sowohl im ersten als auch im dritten Bija. Die Tötungsabsicht wird durch den umgebenden Vers angegeben.
Ritualabfolge
- Richte die Aufmerksamkeit auf Tara im Ugratara-Hridaya-Zusammenhang. Die hier verwendete Folge lautet strīṃ, hrīṃ, trīṃ, svāhā.
- Rezitiere die vollständige Formel. Sie wird nicht mit der anders geordneten Akarshana-Folge strīṃ trīṃ hrīṃ vermischt.
- Die Quelle verknüpft die Formel mit der Besprechung eines Stoffes vom Verbrennungsplatz. Dieser besprochene Stoff dient anschließend als Träger der behaupteten Wirkung.
- An die äußere Übertragung wird im Vers der Tod des Gegners geknüpft. Die Beschaffung und schädigende Verwendung solcher Stoffe werden hier nicht als Handlungsrezept ausgeführt.
- Der Ritus endet im Text mit dieser Wirkungsbehauptung. Die danach folgende Blumenanwendung ist ein anderer, dem Uchchatana zugehöriger Ritus.
Spirituelle Alternative: Tara Segen für sich selbst und einen schwierigen Menschen
Die folgende Andacht ist eine neu zusammengestellte Praxis im Sinne von Yoga Vidya. Dauer und Wiederholungszahlen sind Vorschläge für diese Fassung; sie ist keine festgelegte Yoga-Vidya-Liturgie.
Gottheit: Tara
Vorbereitung: Dauer etwa 20–25 Minuten. Tara-Bild, vier Blüten, vier kleine Ablageplätze auf einem Tuch und Mala. 108 Wiederholungen.
Mantra
oṃ strīṃ tārāyai namo namaḥ
Bedeutung: Om, strīṃ. Tara sei wieder und wieder Verehrung. Strīṃ ist eine Keimsilbe.
Zählweise: Eine Wiederholung umfasst die ganze ausgeschriebene Formel. Die unten beschriebene Folge umfasst insgesamt 108 Wiederholungen dieses Mantras.
1. Ankommen und Sankalpa
Richte den beschriebenen Platz her, wasche die Hände und nimm eine bequeme Haltung ein. Lass fünf Atemzüge ruhig kommen und gehen. Formuliere dann den Sankalpa:
„Möge mein Herz frei von Vergeltung werden. Mögen alle Beteiligten zu Einsicht und heilsamem Handeln finden.“
2. Segen für sich selbst
Lege die erste Blüte nieder und rezitiere das Tara-Mantra 27-mal. Wünsche dir selbst Wohlergehen, Sicherheit und Klarheit.
3. Segen für einen nahestehenden Menschen
Lege die zweite Blüte nieder und rezitiere weitere 27-mal. Denke an einen Menschen, dem du leicht Gutes wünschen kannst, und lass die Erinnerung an diese Zuneigung dein Herz weiten.
4. Segen für einen neutralen Menschen
Lege die dritte Blüte nieder und rezitiere weitere 27-mal. Denke an einen neutralen Menschen aus deinem Alltag und wünsche auch ihm Wohlergehen.
5. Segen für einen schwierigen Menschen
Lege die vierte Blüte nieder und rezitiere die letzten 27-mal. Wende dich einem schwierigen Menschen zu. Erbitte, dass Leid und schädigendes Verhalten enden; du musst keine Nähe zu ihm suchen.
6. Das Wohlwollen in der Stille vertiefen
Übe fünf Minuten stille Meditation. Wenn die vierte Phase zu viel aufwühlt, kehre mit der Aufmerksamkeit zur ersten Blüte und zur eigenen Stabilität zurück.
7. Eine hilfreiche Handlung wählen
Verneige dich. Nimm dir vor, heute eine abwertende Bemerkung zu unterlassen und eine hilfreiche Handlung zu wählen.
8. Segensabschluss
Sprich zum Abschluss einmal:
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ
Bedeutung: Om. Frieden, Frieden, Frieden. Lass den Klang ausklingen. Nimm die Füße, Hände und den Raum wahr und kehre in Ruhe in den Alltag zurück.
Räume nach dem Segensabschluss den Platz auf.
Abschluss: Die Praxis ins Leben tragen
Wohlwollen ist kein Urteil, dass alles richtig gewesen sei. Es kann der Wunsch sein, dass ein Mensch Einsicht gewinnt und anderen nicht weiter schadet. Zugleich darfst du für deinen eigenen Schutz sorgen.
Quellen und Anregungen
- Traditioneller Mittelteil: Shakta Pramoda, Sanskrit, Ugratara Hridaya, Druckseite 132, Strophe beginnend „strīṃhrīṃtrīṃsvāhāmantreṇa…“; Muktabodha M00054.
- Mantra der Alternative: Yoga Vidya: Tara Mantra.
- Swami Sivananda: Ahimsa, aus Bliss Divine
- Swami Sivananda: Samadhi Yoga, Siddhis
Siehe auch
- Tantra Rituale mit spirituellen Alternativen
- Kalarupa Marana mit einem Shiva Ritual für Vergebung und Neubeginn
- Kali Marana mit einem Ritual für Vergebung und Segen
- Ahimsa
- Maitri
- Vergebung
Seminare
Die Hinweise betreffen allgemeine spirituelle Praxis.
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