Sekkizhar
Sekkizhar, auch Sekkilar oder Cekkilar, war ein tamilischer Dichter und Shiva-Verehrer des 12. Jahrhunderts. Er wirkte als Minister unter dem Chola-König Kulottunga II. und verfasste das Periya Puranam, die große Sammlung der Lebensgeschichten der 63 Nayanmar. Sein Werk bildet das zwölfte Tirumurai.
Sekkizhar schenkte der tamilischen Gottesliebe ein weites Haus: Könige und Handwerker, Frauen und Männer, Wohlhabende und Arme finden darin mit ihrer je eigenen Hingabe einen Platz.

Leben und Hintergrund
- Herkunft: Kundrathur im historischen Tondai Nadu; sein ursprünglicher Name wird als Arunmozhi Tevar überliefert.
- Wirken: Hoher Amtsträger unter Kulottunga II., auch Anapaya genannt.
- Persönliche Verehrung: Besonders mit Shiva von Tirunageshwaram verbunden.
- Literarische Aufgabe: Ausarbeitung älterer Erinnerungen an die Shiva-Verehrer zu einem umfassenden Heiligenepos.
- Grundlagen: Sundarars Tiruttontattokai und Nambiyandar Nambis Tiruttontar Tiruvantati.
Tamil: சேக்கிழார்; Transliteration: Cēkkiḻār.
Geschichten über Sekkizhar
Ein Minister lenkt den Blick des Königs
Die traditionelle Lebensgeschichte berichtet, der König habe große Freude am Civaka Cintamani gefunden. Sekkizhar wollte seine Aufmerksamkeit auf die Lebenswege der Shiva-Verehrer richten. Der Herrscher bat ihn daraufhin, diese Geschichten ausführlich zu erzählen.[1]
Die Überlieferung stellt den Vorgang als Entscheidung für geistlich erhebende Lektüre dar. Dabei muss der Wert des jainistischen Epos heute nicht herabgesetzt werden. Die bleibende Anregung besteht in der Frage, welche Geschichten unser Herz nähren.
Ein Mensch kann sich an Ruhm, Besitz und Macht entzünden. Er kann sich aber auch von Freigebigkeit, Treue und Gottesliebe bewegen lassen. Sekkizhars dichterische Aufgabe wird in dieser Erzählung zu einer Fürsorge für die Richtung des Geistes.
Das erste Wort kommt als Segen
Sekkizhar begibt sich nach Chidambaram und betet vor Nataraja. Wie soll er ein so großes Werk beginnen? Die Legende erzählt, der Herr habe ihm das Wort ulakelam, „die ganze Welt“, als Anfang gegeben. Mit diesem weit geöffneten Wort hebt die Dichtung an.
Darin liegt eine schöne Bewegung: Vor dem Erzählen steht das Empfangen. Der Dichter bereitet sich vor, und doch versteht er das Gelingen als Gnade. Seine Kunst wird zur Darbringung.
Auch der Inhalt des Anfangs ist bedeutsam. Der Blick öffnet sich auf die ganze Welt. Die einzelnen Lebensgeschichten werden damit in einen umfassenden Lobpreis gestellt. Jeder Dienst, so klein sein äußerer Ort auch erscheinen mag, kann innerhalb dieser Weite Bedeutung gewinnen.
Ein Tempel wird im Herzen gebaut
Unter den Geschichten, die Sekkizhar bewahrt, ragt diejenige Pusalar Nayanars hervor. Pusalar möchte Shiva einen Tempel errichten, besitzt jedoch nicht die nötigen Mittel. So beginnt er, ihn im Herzen zu bauen. Er denkt die Arbeit sorgfältig durch, von den ersten Vorbereitungen bis zur Vollendung.
Ein König plant unterdessen die Einweihung seines prächtigen äußeren Tempels. Im Traum erfährt er, Shiva werde an diesem Tag Pusalars Heiligtum besuchen. Er sucht den vermeintlichen Bau und findet schließlich den Verehrer, dessen Tempel allein im Inneren entstanden ist.
Diese Geschichte stammt aus Sekkizhars Werk, nicht aus seinem eigenen Lebenslauf. Sie zeigt, warum sein Epos so tief inspiriert. Das Herz eines armen Menschen kann ein Ort großer Schönheit sein. Aufrichtige Liebe wird nicht nach dem Aufwand ihrer äußeren Mittel gemessen.
Der innere Tempel ist dabei kein Bild beiläufiger Fantasie. Pusalar baut mit Beständigkeit und Sorgfalt. Für Leser entsteht daraus eine Einladung, der eigenen Andacht einen verlässlichen Platz zu geben: täglich ein wenig Zeit, ein klarer Entschluss, ein liebevoller Anfang.
Der König dient dem Dichter
Nach der feierlichen Darbietung des Werkes lässt die Überlieferung Sekkizhar auf einem königlichen Elefanten durch die Stadt ziehen. Der König erweist ihm persönlich Ehre und fächelt ihm Luft zu. Weltliche Macht verneigt sich vor dem Dienst an der Gottesliebe.
Die Szene schließt den Bogen zur ersten Frage des Königs. Aus dem Auftrag zur Dichtung ist eine gemeinsame Verehrung geworden. Ein Buch hat die Aufmerksamkeit verändert: Menschen erinnern sich an jene, die ihr Leben aus Hingabe geführt haben.
Sekkizhars eigener Ruhm liegt damit in der Kunst, andere sichtbar zu machen. Er tritt als Erzähler zurück, damit die vielen Gestalten der Liebe hervortreten können.

Die Vielfalt der Hingabe
Das Periya Puranam zeigt, dass Bhakti in sehr unterschiedlichen Lebensformen aufblühen kann. Die Erzählungen besitzen die Bildsprache und Zuspitzungen einer mittelalterlichen Heiligentradition. Ihre geistliche Lektüre fragt nach Liebe, Treue und innerer Umkehr, ohne jede erzählte Handlung zum nachzuahmenden Alltagsgebot zu machen.
Besonders wertvoll ist die Verbindung von Beruf und Dienst. Nahrung geben, Kleidung bereitstellen, singen oder einen heiligen Ort pflegen: Das gewöhnliche Können eines Menschen kann zur Gabe werden.
Werke und weiterführende Texte
- Periya Puranam, auch Tiruttontar Puranam – sein maßgebliches Hauptwerk über die 63 Nayanmar.
- Shaivam.org: vollständige englische Übersetzung von T. N. Ramachandran, gegliedert nach den einzelnen Lebensgeschichten.
- Tamilische Textausgaben sind über Project Madurai zugänglich.
Beziehungen zu anderen Persönlichkeiten
Sundarar und Nambiyandar Nambi stehen in der literarischen Vorgeschichte seines Werkes. Appar, Sambandar, Karaikkal Ammaiyar, Tirumular und Pusalar Nayanar gehören zu seinen großen Gestalten. Umapati Shivacharya wird mit späteren Darstellungen zu Sekkizhar und seinem Werk verbunden.
Anregungen für Yoga und Meditation
Wähle eine Heiligengeschichte als Begleitung deiner Meditation. Welche Qualität berührt dich? Setze sie danach in eine kleine Handlung um. So kann Yoga über die Übungszeit hinaus in den Dienst am Mitmenschen hineinwirken.

Den Geschichten der Liebe ein Zuhause geben
Sekkizhar erinnert daran, dass Menschen durch das Beispiel anderer Mut finden. Sein Epos bewahrt viele Türen zur Hingabe. Vielleicht öffnet sich beim Lesen gerade diejenige, durch die das eigene Herz seinen nächsten Schritt gehen kann.
Videos zur Vertiefung
Diese Videos laden dazu ein, die angesprochenen Themen durch eigene Praxis zu vertiefen.
Satsang "Anekdoten" mit Sukadev - Yoga Vidya Live, 10.06.2023, 20:00 Uhr
Satsang und Meditation mit Sukadev - Yoga Vidya Live Ritual Kirtan singen 07:00 Uhr 26.07.2020
Siehe auch
Quellen und Literatur
- Shaivam.org: The History of Sekkizhar.
- Shaivam.org: Einführung zum Periya Puranam.
- Periya Puranam, Übersetzung T. N. Ramachandran, insbesondere Pusalar Nayanar.
Seminare
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