Sham No Mitrah

Aus Yogawiki

Sham No Mitrah (Sanskrit: शं नो मित्रः, IAST: śaṃ no mitraḥ; Anfangsworte, mantra m.) – ein Friedensgebet am Beginn der Taittiriya-Upanishad. Auf die Anrufung Mitras und weiterer Devas folgt ein Versprechen des Lernenden: wahr zu sprechen. Der Segen gilt beiden, dem Menschen, der lehrt, und dem, der hört.

Eine Rigveda-Handschrift erinnert an die Überlieferung der vedischen Anrufungen.

Sham No Mitrah ist ein Friedensgebet am Anfang der Taittiriya-Upanishad. Es ruft die Devas an, verehrt Vayu als unmittelbar wahrnehmbares Brahman und verbindet Lernen mit dem Versprechen, Wahrheit zu sprechen. Die Bitte um Schutz gilt sowohl dem Lernenden als auch dem Lehrer. Vor einem Schriftstudium kann dieses Gebet Sammlung und eine aufrichtige Haltung fördern.

Herkunft und Verwendung

Krishna-Yajurveda, Taittiriya-Upanishad 1.1.1; entsprechend Taittiriya-Aranyaka 7.1.1. Die Anrufung der Devas am Anfang steht auch im Rigveda 1.90.9.

Die Anrufungen Mitras und der anderen Devas verbinden sich hier mit dem Gelöbnis wahrhaftiger Rede und dem Gebet für Lehrende und Lernende. Die vollständige Folge ist mehr als der einzelne Rigveda-Vers, mit dem sie beginnt.

Vollständiger Sanskrittext in IAST

oṃ śaṃ no mitraḥ śaṃ varuṇaḥ |
śaṃ no bhavatv aryamā |
śaṃ na indro bṛhaspatiḥ |
śaṃ no viṣṇur urukramaḥ |
namo brahmaṇe |
namaste vāyo |
tvam eva pratyakṣaṃ brahmāsi |
tvām eva pratyakṣaṃ brahma vadiṣyāmi |
ṛtaṃ vadiṣyāmi |
satyaṃ vadiṣyāmi |
tan mām avatu |
tad vaktāram avatu |
avatu mām |
avatu vaktāram |
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Vollständige deutsche Übersetzung

Om. Möge Mitra uns wohlgesinnt sein, möge Varuna uns wohlgesinnt sein. Möge Aryaman uns Segen schenken. Mögen Indra und Brihaspati uns Segen schenken. Möge Vishnu, der weit Ausschreitende, uns Segen schenken.

Verehrung dem Brahman. Verehrung dir, Vayu. Du selbst bist das unmittelbar wahrnehmbare Brahman. Dich selbst werde ich als das unmittelbar wahrnehmbare Brahman verkünden. Ich werde Rita, die göttliche Ordnung, aussprechen. Ich werde die Wahrheit aussprechen.

Möge Das mich schützen. Möge Das den Lehrer schützen. Es schütze mich. Es schütze den Lehrer.

Om. Shanti, Shanti, Shanti. Frieden, Frieden, Frieden.

Vollständiger Sanskrittext in Devanagari

ॐ शं नो मित्रः शं वरुणः ।
शं नो भवत्व् अर्यमा ।
शं न इन्द्रो बृहस्पतिः ।
शं नो विष्णुर् उरुक्रमः ।
नमो ब्रह्मणे ।
नमस्ते वायो ।
त्वम् एव प्रत्यक्षं ब्रह्मासि ।
त्वाम् एव प्रत्यक्षं ब्रह्म वदिष्यामि ।
ऋतं वदिष्यामि ।
सत्यं वदिष्यामि ।
तन् माम् अवतु ।
तद् वक्तारम् अवतु ।
अवतु माम् ।
अवतु वक्तारम् ।
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

Vertiefende Erläuterungen

Vyasa beim Schreiben: eine traditionelle Darstellung der Weitergabe heiligen Wissens.

Die Devas werden als lebendige göttliche Gegenwart angerufen. Dann wendet sich das Gebet Vayu zu, dem Wind und dem Träger des Atems. Das Unsichtbare wird spürbar: im Atem, der uns erhält, und in der Luft, die alle Wesen verbindet.

Mit dem Versprechen, Rita und Satya auszusprechen, übernehmen wir Verantwortung für unsere Worte. Wer ein Mantra rezitiert oder Yoga unterrichtet, möchte der Wahrheit dienen. Die Bitte um Schutz umfasst Lernende und Lehrende. Beide stehen vor dem Göttlichen und empfangen seinen Segen.

Ausgewählte Worterklärungen

Sanskrit (IAST) Bedeutung im Zusammenhang
śam Heil, Wohlergehen
pratyakṣa unmittelbar wahrnehmbar
ṛta Wahrheit, heilige Ordnung
satya Wahrheit
vaktṛ Sprecher; hier Lehrer

Video zur Vertiefung

Svadhyaya im Patanjali Yoga Sutra – YVS514 – Kap. 2, Vers 44

Anregungen für die eigene Praxis

Swami Sivananda mit einer Mala: Rezitation, Sammlung und Hingabe können einander vertiefen.
  1. Beginne eine Lernzeit mit dem Gebet und dem Wunsch, wirklich verstehen zu wollen.
  2. Lies einen überschaubaren Abschnitt; notiere eine Frage und einen Gedanken, den du verstanden hast.
  3. Höre einer erfahrenen Lehrperson aufmerksam zu und prüfe Unklares im Gespräch.
  4. Erkläre das Gelernte in eigenen Worten, ohne fremde Aussagen als eigene Erkenntnis auszugeben.
  5. Bleibe anschließend kurz still. Lernen, Nachdenken und Meditation dürfen einander ergänzen.

Video zur begleitenden Praxis und Auslegung

Vedanta Vortrag von Sukadev

Abschließende Worte

Welches Wort möchtest du heute so sprechen, dass du auch nach dem Unterricht dafür einstehen kannst?

Siehe auch

Quellen und Literatur

  • Sukadev Bretz (Hrsg.): Veden – Offenbarungen der Rishis. Hymnen zur Rezitation, Übersetzungen, Erläuterungen. Yoga Vidya Verlag, Bad Meinberg. Abschnitt „Sham No Mitrah“ innerhalb „Die zehn Shanti Mantras“.
  • Hymnen aus den Veden, Rezitationssammlung, Nr. 64: „Śānti Mantra 1 Śaṃ No Mitraḥ“.
  • Krishna-Yajurveda, Taittiriya-Upanishad 1.1.1; entsprechend Taittiriya-Aranyaka 7.1.1. Die Anrufung der Devas am Anfang steht auch im Rigveda 1.90.9.

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