Sarvabhauma Vrata

Aus Yogawiki

Sarvabhauma Vrata – die Richtungen mit Nachtgaben um gelingende Verantwortung bitten ist ein Jahresgelübde, das die Himmelsrichtungen als göttliche Mächte anspricht. In der aus dem Varaha Purana überlieferten Fassung bittet ein Herrscher um Gelingen seiner Herrschaft. Die prägenden Handlungen sind reine Speise- und Blütengaben in die Richtungen, die Ehrung von Brahmanen und eine Mahlzeit aus Reis und Joghurt um Mitternacht. Für eine heutige persönliche Ausführung kann das Herrscheranliegen ausdrücklich auf verantwortliches Handeln im eigenen Zuständigkeitsbereich bezogen werden. Diese Deutung ist eine Anpassung; der königliche Hintergrund der Quelle bleibt erkennbar.

Jahresbeginn und Material

Beginne an der hellen Dashami im Monat Karttika. Die Ordnung wird ein Jahr lang an den entsprechenden monatlichen Dashami-Terminen fortgesetzt. Lege diese Termine im Panchanga fest. Als praktischer Ort eignet sich ein sauberer Hof oder ein Raum, in dem sich die Himmelsrichtungen bestimmen lassen. Die Quelle verlangt keinen weitläufigen Rundgang durch ein Herrschaftsgebiet.

Bereite unterschiedliche Blüten und saubere vegetarische Speisegaben vor. Lakshmidhara erläutert den Ausdruck „reiner Bali“ ausdrücklich als Verehrungsgabe aus reinen Stoffen. Für die eigene Nachtmahlzeit wird gut bereiteter Reis mit Joghurt genannt; Joghurt (bzw. Pflanzenjoghurt) ist die heutige vegane Alternative. Die Quelle schreibt keine genaue Rezeptur oder Portionsgröße vor.

Vereinbare außerdem die Teilnahme beziehungsweise Bewirtung der zu ehrenden Brahmanen. Eine bestimmte Zahl wird nicht genannt. Kleine Gabenschalen für die Richtungen und ein eigener Essensteller helfen, die verschiedenen Zwecke auseinanderzuhalten. Der Tagesrahmen ist Nakta: Die eigene Mahlzeit wird für die Nacht aufgespart.

Durchführung an jedem Termin

1. Die Richtungen wahrnehmen
Bestimme Osten, Süden, Westen und Norden und richte die Gabenschalen entsprechend aus. Diese vierfache Aufstellung ist die hier gewählte praktische Ausführung der allgemein genannten Richtungen; der Text gibt keine Zahl von Schalen oder spezielle Zeichnung vor. Eine eigene Lokapala Puja mit weiteren Gottesnamen wird nicht hinzugefügt.

2. Die reinen Gaben darbringen
Verteile Blüten und Speise in den vorbereiteten Schalen und bringe sie ehrerbietig den Richtungen dar. Sprich dazu den überlieferten Wunsch:

IAST
sarvā bhavatyaḥ sidhyantu mama janmani janmani |

Devanagari
सर्वा भवत्यः सिध्यन्तु मम जन्मनि जन्मनि ।

Bedeutung
Ihr alle möget mir Leben für Leben Gelingen schenken.


Der feminine Plural spricht die Richtungen selbst an. Die Quelle nennt keinen weiteren Mantra und keine feste Wiederholungszahl. Du kannst die Formel einmal zur gemeinsamen Gabe sprechen.

3. Die eingeladenen Menschen ehren
Empfange die Brahmanen freundlich und ehre sie mit den vorbereiteten Blüten und Speisen. Die Vorschrift nennt diesen Dienst zusammen mit den Richtungsgaben. Sorge dafür, dass die Gastgaben tatsächlich angenommen und genutzt werden können.

4. Um Mitternacht essen
Nimm in der Mitte der Nacht den vorbereiteten Reis mit Joghurt beziehungsweise Pflanzenjoghurt ein. Die Quelle nennt ausdrücklich diese nächtliche Mahlzeit. Ein heutiges Essen am frühen Abend wäre eine zeitliche Anpassung. Die Textstelle gestattet um die genannte Hauptspeise herum weitere gewünschte Nahrung; daraus entsteht kein Gebot zu einer großen Festtafel.

5. Den Monatsdienst beenden
Räume nach Abschluss die Gabenschalen auf. Behandle Speisereste sauber und lasse keine verderblichen Speisen unversorgt liegen. Das sind praktische Ergänzungen zur knappen Quellenordnung. Wiederhole den Dienst bis zum Ende des Jahres. Ein besonderes Abschlussopfer wird nicht genannt.

Besinnung auf Verantwortung

Die traditionelle Bitte um Sieg in den Richtungen gehört zur königlichen Welt des Textes. Eine heutige geistige Auslegung kann fragen: Wo trage ich Verantwortung, und wie kann mein Handeln anderen Schutz und Raum geben? Die tatsächliche Bewirtung erinnert daran, dass Gelingen nicht nur als persönlicher Zugewinn verstanden werden muss. Diese Auslegung begleitet die überlieferten Gaben, ohne einen alten Friedensappell in den Quelltext hineinzulesen.


Quellen

  • Lakshmidhara: Krityakalpataru, Vratakanda. Sanskrittext. Abschnitt „Sarvabhaumavrata“, Seitenzählung 309–310; Zitat aus dem Varaha Purana. Parallel: Varaha Purana 65. Die Viereraufstellung der Gabenschalen ist als praktische Konkretisierung der ungezählten Richtungsangabe ausgewiesen.