Pitin

Pitin (Sanskrit: पीतिन् pītin adj. u. m.) = gelb, gold, Energie
“Pitin” bedeutet wörtlich “der Gelbe” oder “der Goldene”. Es leitet sich von der Wurzel “pit” ab, was gelb oder goldgelb bedeutet. Im weiteren, spirituellen Sinne beschreibt es jedoch jemanden, der von einer inneren Leuchtkraft erfüllt ist – jemanden, der die goldene, strahlende Essenz des Lebens in sich trägt. Stell dir die Farbe der aufgehenden Sonne vor, oder das sanfte Glühen von Ghee in einer Lampe. Genau dieses warme, reine Licht meint “Pitin”. Es ist ein Beiname für Gottheiten, vor allem für Vishnu, der oft in goldgelben Gewändern dargestellt wird, aber auch für Shiva, wenn er als der Leuchtende, Transzendente verehrt wird.
Im Kontext des Yoga und der Spiritualität geht es bei “Pitin” um einen Zustand, den du durch deine Praxis erreichen kannst. Es ist das innere Gold, das durch die Reinigung deiner Nadis (Energiekanäle) und das Erwecken deines Prana (Lebensenergie) zum Vorschein kommt. Wenn du regelmäßig Asanas übst, Pranayama praktizierst und meditierst, dann verbrennst du nach und nach die “Unreinheiten” – die alten Muster, Ängste und Trübungen deines Geistes. Was übrig bleibt, ist deine wahre, strahlende Natur. In diesem Moment wirst du zu einem “Pitin”. Du strahlst von innen heraus, unabhängig von äußeren Umständen.
Ein schönes Beispiel aus der Yogapraxis: Stell dir vor, du sitzt in der Meditation, dein Rücken ist aufrecht, dein Atem fließt ruhig und gleichmäßig. Du beobachtest deine Gedanken, ohne dich in ihnen zu verlieren. Plötzlich, nach einer Weile, spürst du ein warmes Kribbeln in deiner Herzgegend. Ein Gefühl von tiefer Zufriedenheit und Klarheit breitet sich aus. Dein Gesicht entspannt sich, vielleicht erscheint ein sanftes Lächeln. Dieses warme, goldene Gefühl – das ist die Qualität von “Pitin”. Du fühlst dich nicht mehr getrennt, sondern verbunden mit dem, was die Yogis “Satchitananda” nennen – reines Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit.
In der hinduistischen Mythologie wird gesagt, dass die Devas (Götter) und Rishis (Weisen) oft als “Pitin” beschrieben werden, weil sie keine Dunkelheit der Unwissenheit mehr in sich tragen. Sie sind durchdrungen vom Licht der Erkenntnis. Für dich als Übenden bedeutet das: Du musst kein Heiliger oder Asket sein, um diesen Zustand zu erfahren. Jedes Mal, wenn du in einer schwierigen Asana wie dem Krieger (Virabhadrasana) ruhig atmest, statt zu verkrampfen, oder wenn du im Alltag einem Konflikt mit Mitgefühl begegnest, statt mit Ärger – in diesem Moment leuchtest du golden. Du bist “Pitin”.